zur Landkreiskarte           ausführl.Beschreibung         Kirchen in der Marktgem.Indersdorf

Klosterkirche Mariä Himmelfahrt in INDERSDORF

 
Lage auf der Landkarte...


K
urzbeschreibung

Das Kloster Indersdorf war über 600 Jahre lang das geistliche und kulturelle Zentrum des Dachauer Landes.
1120
gründete Pfalzgraf Otto IV. von Wittelsbach das Augustiner-Chorherrenstift als Sühne für seine Teilnahme an der Gefangennahme des Papstes Paschalis II durch Kaiser Heinrich V. im Jahr 1111. Alle Beteiligten waren mit dem Kirchenbann belegt worden.

Die erste Klosterkirche, die aus der schon 1096 errichteten Nicolaikapelle errichteten und aus Zubauten bestand, wurde 1128 zu Ehren von Maria und den Apostelfürsten Petrus und Paulus geweiht. Von dieser Kirche sind noch der Grundriss und das romanische Portal erhalten.

1264 musste die Kirche nach einem Klosterbrand neu errichtet werden. Damals erhielt sie den Nordturm.

Um die Zeit von 1432 wurde sie nach gotischen Zeit-geschmack umgestaltet: die Seitenschiffe wurden verkürzt, die Decken einge-wölbt, die Rosenkranzkapelle errichtet und ein zweiter Turm (Südturm) dazu gebaut.

In den Jahren 1754 bis 1758 erhielt die Kirche ihre heutige Rokokoausstattung. Bauherr war der Propst Gelasius Morhart. Aus Kostengründen hat man aber das gotische Bauwerk mit seiner engen Pfeilerstellung und dem schmalen, hohen Raum belassen und das Innere mit reicher Dekoration ausgestattet. Die Künstler der Rokoko-Umgestaltung waren die Fres-kenmaler Matthäus Günther und Georg Dieffenbrunner und der Stuckateur Franz Xaver Feichtmayr.

Sie schufen eine der prächtigsten Kirchen im Raum nördlich von München. Das gotische Mauerwerk und die reiche Ausstattung im Stil des Rokoko sind eine perfekte Verbindung eingegangen.
Die hohen Baukosten leiteten aber auch das Ende des Klosters ein. 1783 wurde das Stift wegen finanziellen Bankrotts aufgehoben.

Seit 2002 bilden die Pfarreien Westerholzhausen, Langenpettenbach, Indersdorf und (seit 2005) Niederroth den Pfarrverband Indersdorf. 56)


mehr über die Sanierungsarbeiten im Einzelnen finden Sie hier...

Innenausstattung

Die Kirche ist kein einheitlicher Rokokobau. Da im 18.Jh die Mittel für einen Neubau fehlten, wurden die vorhandenen (schmalen) gotischen Kirchenräume lediglich barockisiert. Dadurch wirkt die Kirche noch höher, als sie tatsächlich ist.

Berühmt ist die Kirche in Indersdorf vor allem wegen ihrer 34 Fresken, die von den Künstlern Matthäus Günther und Georg Dieffenbrunner geschaffen wurden. Hauptthema sind Szenen aus dem Leben des hl. Augustinus.
Altäre
Die Klosterkirche besitzt insgesamt 9 Altäre, von denen zwei in den angebauten Kapellen (Anna- u. Rosenkranzkapelle) stehen. Die Altaraufbauten bestehen aus Holz mit farbenfrohen Fassungen und lebhaften Marmorierungen.
Der Hochaltar, gebaut durch den Kistler Blasius Zwinck, ist ein Prunkstück altbayerischer Altarbaukunst mit zweigeschos-sigem Aufbau. Die Hochaltarbilder malte der kurfürstliche Hofmaler Johann Andreas Wolff (1652-1716). Assistenzfiguren sind die Heiligen Petrus und Paulus. Etwas unterhalb stehen Johannes d. Täufer mit Kreuzstab und Spruchband "Ecce agnus Dei", Joh.Evangelist mit Kelch und Evangelium, St.Katharina mit dem Schwert und St.Juliana mit dem Märtyrerpalmzweig auf den großen Sockeln in Höhe des Tabernakels. Der Hochaltar ist in die ihn überdeckende Lichtkuppel hineingebaut. Nur so ist seine enorme Höhe überhaupt möglich geworden.
Im Kirchenschiff sind noch weitere 6 Altäre vorhanden, die z.T. an den Pfeilern aufgebaut sind (Augustinusaltar, Nikolausaltar, Maria-Hilf-Altar, Antoniusaltar, Ursulaaltar, Barbaraaltar). Eine Klosterkirche benötigt immer mehrere Altäre, weil jeder Priester täglich eine hl.Messe las.
Das reiche Chorgestühl aus Eichenholz wurde 1760 gefertigt.
Die Kanzel stammt aus der Zeit um 1728. Auf dem Schalldeckel sitzt eine Figur des Kirchenlehrers Augustinus.

In der Nähe der Kanzel sind Holzbilder mit Portraits der Stifter und Wohltäter des ehemaligen Augustiner-Chorherrenstifts angebracht.


zur Beschreibung der Mater dolorosazur Beschreibung des Kanzelkreuzeszur Beschreibung der Kreuzwegbilderzur Beschreibung der FreskenHochaltarbildzur Beschreibung der Kanzel
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Der prachtvolle Orgelprospekt aus dem Jahr 1755 ist als fünfteilige Anlage um das Westfenster gruppiert.

Heiligenfiguren und Heiligenbilder
- St.Antonius von Padua mit dem Jesuskind auf dem Arm
- St.Konrad von Parzham
- St.Augustinus in Bischofstracht mit einem brennenden Herzen in der Hand
- "Erbärmde-Heiland"aus dem 16.Jh.
- Mater dolorosa aus dem 18.Jh
- Maria Immaculata
- St.Aloisius, der ein Kruzifix in seiner rechten Hand hält und es ganz versunken verehrt
- Herz-Jesu-Bild
- Bildnis der Pieta, der trauernden Mutter Maria mit ihrem toten Sohn auf dem Schoß
- Bruder Marold, der an einem Bildstock betet.

In die Mauern der Klosterkirche sind außen und innen viele Epitaphe (Grabplatten) eingelassen. Sie erinnern besonders an die früheren Pröpste des Klosters.

"Die Indersdorfer Stiftskirche ist ein Zeugnis barocker Frömmigkeit, die vor allem die Freude über den Glauben verkündet und zur Nachfolge Christi aufruft. So kann die Kirche in ihrer Schönheit eine Begegnung mit Gott vermitteln", schreibt der langjährige Kirchenpfleger Josef Berghammer.


Was noch interessiert...

Die Gottesdienstordnung finden sie hier...
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360-Grad-Foto

     Der Künstler Max van Allen hat vom Hauptraum der Kirche ein schönes HDR/360-Grad-Foto gemacht und bei Google+
      im Internet veröffentlicht. Wenn Sie es sich anschauen möchten, klicken Sie hier...
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7-Klöster-Weg 57)
   
Kloster Indersdorf ist auch eine der Stationen des 7-Klöster-Wegs, eines Radwegs, der die Standorte von sieben bestehenden oder ehemaligen Klöstern im Dachauer- und Wittelsbacher Land miteinander verbin-det. Entlang der Radltour werden der historische Hintergrund, der Bezug zur Kunstgeschichte und zum Geistlichen Leben an jedem Klosterstandort ansprechend dargestellt. An vielen Klosterstandorten befinden sich heute noch neben geistlichen Einrichtungen Bildungshäuser, Orte sozialer Integration oder Museen.
Die Klöster sollen durch diesen Radweg wieder ins Bewusstsein gerufen und als Schatz des Dachauer Landes erfahrbar werden. Die Tour führt zu zahlreichen Wirtshäusern, Klostergaststätten, Cafes und Biergärten.
  Die sieben Klöster sind:
1. Schönbrunn (Gem.Röhrmoos). Bestehendes Kloster der Assoziation der Diener und Dienerinnen der Göttlichen Vorsehung"
    im ehem. Schloss Schönbrunn. Große Behindertenanstalt.   ... mehr über Kloster Schönbrunn...
2. Weichs. Bestehender Schulorden der Armen Schulschwestern von Unserer Lieben Frau im ehem. Schloss der
    Reichsfreiherren.
3. Indersdorf. Ehem. Augustinerkloster von 1126-1783. ... mehr über Kloster Indersdorf...
4. Petersberg (Gem.Erdweg). Ehem. Kloster von 1104-1123.   ... mehr über den Petersberg...
5. Altomünster. um 760 Eremitenzelle von St.Alto, Benediktinerinnenkloster, Birgittenkloster seit 1496 ..mehr darüber...
6. Maria Birnbaum (Gem.Sielenbach). Deutscher Orden. Wallfahrtskirche erbaut 1659. ... mehr über Maria Birnbaum...
7. Taxa (Gem.Odelzhausen). Ehem. Kloster der Augustiner-Barfüßer von 1654-1802. ... mehr über Kloster Taxa...
Der Radweg ist rd. 100 km lang. Er ist in beide Richtungen mit dem 7-Kloster-Logo beschildert und kann so von jedem Kloster aus begonnen werden.
 

 

Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen

 Geschichte
 des Klosters


 

 Geschichte
 der Kirche

 Gründung  Klosterweihen  Wittelsbacher Hauskloster  Klosterbrand 1249
 Klosterleben im 14.Jh.  Mord im Kloster 1412  Klosterreform 1418  Umbau 15.Jh
 Kriegszerstörung 1422  Pest 1463  Sozialstation Kloster  Wallfahrten
 Straßenverhältnisse 1792  Bruderschaften    
       
 Erste Kirche 1096  Zweite Kirche 1264  Interdikte  Matrikel 1315
 Matrikel 1524  Matrikel 1560  30jähriger Krieg  Span.Erbfolgekrieg 1704
 Neubau 1754  Matrikel 1740  Chorstuhlstreit 1755  Aufhebung 1783
 Beschreibg 1880  Beschreibg 1895   Alte Zeitungsberichte aus dem Pfarrleben

 Ausstattung:
 Altarraum  Baubeschreibung  Beichtstuhl  Bilder im Schiff
 Choraltar  Chorgestühl  Deckengemälde  Empore
 Epitaphe  Figuren im Schiff  Kanzel  Kanzelkreuz
 Kapellen  Kirchenschiff  Kirchenbänke  
 Kreuzweg  Kruzifix aus 16.Jh  Krippe  Maroldbild
 Mater dolorosa  Orgel  Pfarrhaus  Portal
 Reliquien  Restaurierungen  Rokoko  Sakristei
 Seitenaltäre  Statistik  Stifterportraits  Tabernakel
 Taufstein  Vorhaus  Türme   Zelebrationsaltar
        Gottesdienstordnung

Der Ort Indersdorf wurde erstmals um 960 als Undiesdorf (Dorf des Undeo) urkundlich erwähnt. Darin war auch von einer Eigenkirche und drei Hufen Ackerlandes mit den dazugehörenden Hofanlagen die Rede ("iniugit ecclesiam regularium fratrum construere"). In der Zeit um 972 tauschte der Freisinger Bischof Abraham von dem Edlen Erchanger Liegenschaften zu Sendling und Pasing gegen andere zu Indersdorf. Bei der Abfassung der Urkunde waren viele namentlich genannte Zeugen anwesend. Die Zeugen waren nach einem typisch baierischen Brauch an den Ohrläppchen gezogen worden (testes per aures tracti), damit sie sich später besser an das Rechtsgeschäft erinnern konnten. Einen Teil des erworbenen Besitzes gab der Adelige später der Kirche zurück. 94)

Bei der insgesamt 250 Jahre dauernden dreimaligen bayerischen Teilung in den Jahren 1255 bis 1505 gehörte der Ort Indersdorf zu Niederbayern, das Kloster zu Oberbayern. Grenze war die Glonn. Selbst danach waren beide bis 1803 verwaltungsmäßig getrennt: der Ort gehörte zum Landgericht Kranzberg, das Kloster zum Landgericht Dachau. 99)
Bei der Gründung der Gemeinden 1818 wurde der schon 1808 eingerichtete Steuerdistrikt Indersdorf geteilt. Es entstanden die Gemeinden Glonn und Indersdorf. 1882 wurde Indersdorf zum Markt erhoben. 7)


G
eschichte des Klosters Indersdorf   4)  6)

1120 gründete Pfalzgraf Otto IV. (nach anderer Zählart Otto V.) von Scheyern-Wittelsbach (1083-1156) das Augustiner-Chorherrenstift als Sühne für seine Teilnahme an der Gefangennahme des Papstes Paschalis II. im Jahr 1111. Der Klostergründer war der Sohn von Eckard I., Graf von Scheyern (ca.1050-1091) und Vater des Pfalzgrafen Otto von Wittelsbach (1117-1183) 82), der 1180 von Kaiser Friedrich Barbarossa mit dem Herzogtum Bayern beliehen wurde. Andere Stammtafeln der Wittelsbacher führen den Klostergründer auch als Sohn von Otto II. († ca.1110), dem Bruder von Eckard I.


Plünderung von Rom

Otto IV. war im Jahr 1111 mit dem damaligen König Heinrich V. als Bannerträger des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation nach Rom gezogen Ziel waren die Aussöhnung mit dem Papst und die Krönung Heinrichs zum Deutschen Kaiser. 35 Jahre nach dem Gang seines Vaters nach Canossa hatte Heinrich V. mit Papst Paschalis II. insgeheim einen Vertrag vorbereitet, der den erbittert geführten Investiturstreit beenden sollte: Die Kirche gibt die Reichslehen zurück, der Papst ernennt allein die Geistlichen. Dieser Vertrag hätte dazu geführt, dass die Bischöfe ihre weltliche Macht und einen Großteil ihrer Einkünfte an den Kaiser verlieren und nur noch von ihrem Eigenbesitz, vom Zehnten und von Almosen leben können. Sie wären auf ihr geistliches Amt beschränkt worden, was ihre Abhängigkeit vom Papst vergrößert hätte. 58)
Als dieser Vertrag in der Peterskirche verlesen wurde, kam es unter den anwesenden Bischöfen zu Tumulten; er wurde nicht unterschrieben. Heinrich V. erzwang wenigstens seine Kaiserkrönung dadurch, dass er Papst Paschalis II. vom Altar weg gefangen nahm, ihn zusammen mit anderen hohen Würdenträgern im kaiserlichen Lager zwei Monate lang einsperrte, die Peterskirche und den Vatikan zur Plünderung freigab und alles niederzumachen befahl, was seinem Kriegsvolk Widerstand entgegensetzte. Otto IV. scheint bei der Gefangennahme des Papstes keine aktive Rolle gespielt zu haben, sondern nur dabei gewesen zu sein.


Kirchenbann
Wegen dieser frevlerischen Tat waren Kaiser Heinrich V. und seine Mittäter, darunter auch Pfalzgraf Otto IV, mit dem Kirchenbann belegt worden. Otto IV. fürchtete um sein Seelenheil und wollte sich mit der Kirche wieder versöhnen. Als 1119 ein neuer Papst (Calixtus II.) den Thron bestieg und sich die Auffassungen von Papst und Kaiser auf Druck der deutschen Fürsten wieder langsam annäherten (bis hin zum Wormser Konkordat - 1122), bat der Pfalzgraf um Aufhebung des Bannfluches. Das Schreiben, mit dem der Papst den Kirchenbann löste, hat -in deutscher Übersetzung aus dem Jahr 1805- folgenden Wortlaut:

  "Kalixtus, Bischof, Knecht der Knechte Gottes, (entbietet) dem erlauchten Manne, Pfalzgrafen (Comiti Palatino)Otto Gruß und apostolischen Segen! - Es ist Uns zu Ohren gekommen, dass es Dir schwer fällt und Du darüber betrübt bist, an jener Expedition Theil genommen zu haben, in welcher Unser in frommem Andenken stehender Papst Paschalis in allzu grausamer Weise gefangen genommen wurde. Wir wissen aber auch, dass Du weder zu seiner Gefangennehmung noch zu der Inhafthaltung gerathen und freuen uns dessen sehr, danken auch dem allmächtigen Gott, dass Dein Herz sich in Folge Erleuchtung des Heiligen Geistes zur Buße geneigt bewiesen hat (..quod cor tuum sancti Spiritus uisitatione ad penitentiam inclinavit). Auf dass Du nun vom Guten zum Besseren vorwärts schreiten mögest und standhaft bleiben und ausharren in der Einigkeit mit der Kirche und dem Gehorsam, legen Wir Dir zum Nachlass Deiner Sünden auf (..in remissionem peccatorum iniungimus..), eine Kirche für die Chorherren nach der Regel des hl.Augustinus (regulorum fratrum) zu errichten, die allezeit fortzubestehen hat zur Ehre Gottes und zum Heil Deiner Seele unter der Botmäßigkeit des hl.Petrus und seiner römischen Kirche (.. sub beati Petri et ejus Romane ecclesie iure ac ditione in perpetuum debeat permanere..). Dadurch wirst Du mit Unserer Hilfe und Unserem Rath die Gnade Gottes erlangen. Unseren teuersten Bruder und Verwandten, Bischof A.Aquens, den wir in Eure Gegend entsandt haben, empfehlen Wir Deinem Edelmut, mit der Bitte, daß Du ihm, aus Ehrfurcht für den heiligen Petrus, Geleit und was sonst noch nötig sein sollte, geben wollest.
Gegeben im Lateran, 25.Juli".


Sühnekloster

Unweit des Dorfes Indersdorf, damals Ünderstorff genannt, stand nahe der Mündung der Roth in die Glonn, das Kirchlein St.Nikolaus am Wörth. Es war eine Stiftung von Otto III., dem Onkel Ottos IV. Hier gründete der Pfalzgraf 1120 59) offiziell das Kloster und begann einige Jahre später, im Jahre 1124, mit den Bauarbeiten. Schon zwei Jahre danach, am Augustinustag (26.8.) des Jahre 1126 konnte es mit Mönchen aus dem Mutterkloster Marbach bei Basel bezogen werden. Zu den ersten einheimischen Mönchen gehörte der selige Bruder Marold, der ein heiligmäßiges Leben führte und dem mehrere Wunder nachgesagt wurden. Ein Bild in der Kirche und ein Bildstock bei Straßbach erinnern an diesen "Lokalheiligen".


Zwei Klosterweihen

Die Weihe des Klosters nahm der Erzbischof von Salzburg vor. Er war
Metropolitan der bayerischen Kirchenprovinz, eine Art "Oberbischof", der im Rang über dem Freisinger Bischof stand. Entscheidend aber war, dass Erzbischof Konrad von Salzburg im Investiturstreit ein entschiedener Parteigänger des Papstes war, während der eigentlich zuständige Freisinger Bischof Heinrich I. zum Kaiser hielt. Da sich Otto IV. soeben mit dem Papst ausgesöhnt hatte, musste er die Klosterweihe einem papsttreuen Bischof übertragen 52) . Der Salzburger Erzbischof bekämpfte und verfolgte seinen Freisinger Kollegen übrigens mit glühendem Hass und er versuchte über verschiedene Wege, ihn absetzen zu lassen. Da war für eine gemeinsame Weihe kein Platz.


Neben-Patronat St.Petrus

Noch ein weiteres Zeichen der Unterordnung unter den Papst dürfte das Nebenpatronat des hl.Petrus sein. Der Papst war bestrebt, den Angriff auf den Vorgänger Paschalis II. nicht nur als schändliche Tat gegen das Papsttum, sondern auch als Sünde wider den
hl. Petrus selbst darzustellen. Das erforderte eine Entschuldigung beim Heiligen selbst, nicht nur bei dessen päpstlichen Nachfolger. Möglicherweise ist sogar das Aufstellen der Gnadenfigur von Ainhofen, die wohl zur Erstausstattung des Klosters gehörte und fast 400 Jahre in Indersdorf stand, ein Zugeständnis an Rom (mehr dazu bei Ainhofen, klicken Sie hier...)


Wittelsbacher Hauskloster
1130 trat der kinderlose Freiherr Otto von Indersdorf (ein Verwandter des Stifters) in das Kloster ein und brachte seinen gesamten Besitz rund um das Kloster (Hofmark Indersdorf) mit, "zum Troste seiner Seele und seiner Voreltern", wie es hieß. Gleiches tat der zweite Sohn des Klostergründers, Pfalzgraf Friedrich von Scheyern, der nach mehreren Kreuzzügen das Mönchsgewand nahm. Beide Adelige sind auf den Stifterportraits abgebildet, die an der südlichen Langhauswand hängen. Mit ihrem Eintritt schufen sie die wirtschaftliche Grundlage für den Bestand und den Aufstieg des Klosters. Noch hieß es allerdings "St.Nikolaus am Wörth". Erst durch die Bestätigung der Schenkung durch Kaiser Lothar auf dem Reichstag zu Regensburg wurde es zum Kloster Indersdorf. Es war neben Scheyern und Ensdorf das dritte Hauskloster der Wittelsbacher. 7 Mitglieder des Hauses Wittelsbach haben hier ihre letzte Ruhestätte gefunden 24).
Der Stifter Otto IV. liegt jedoch wahrscheinlich in Ensdorf 13).


Warum Augustiner-Chorherren ?  82)
Der Orden der regulierten Chorherren, die nach der Regel des hl.Augustinus leben, hat keinen Gründer und kein eindeutiges Gründungsdatum. Er entstand aus priesterlichen Gemeinschaften an Bischofskirchen, bei den sog. Kanonikern. Sie lebten in unregulierten Gemeinschaften zusammen, beteten zusammen, aßen zusammen und arbeiteten zusammen.
Als die Regeln der damals vorherrschenden Benediktinerklöster im 11.Jh. reformiert wurden (ausgehend von Cluny und Gorze), versuchte man auch den Priestergemeinschaften, den sog. Chorherren, eine einheitliche, reformierte Organisation (Regel) zu geben; auf Synoden in Rom (1059 und 1063) hat sie der Papst dazu aufgefordert. Die Reformierten hatten das Ziel, die starke Verstrickung von kirchlichen und weltlichen Machtbefugnissen zu lösen und unabhängig von weltlichen Herrschern zu werden. Bis Mitte des 12. Jh. wurde bei fast allen die Regel des heiligen Augustinus von Hippo eingeführt. Die Augustiner-Chorherren wurden vom Papst untersützt. Seit etwa 1070 gab es zahlreiche Neugründungen, vor allem in Österreich, aber auch in Bayern (z.B. Rottenbuch-1073). Papst Calixtus wollte durch die Besiedlung neuer Klosterstiftungen mit Augustiner-Chorherren - wie hier in Indersdorf- die papsttreue Reformbewegung im Klosterwesen weiter stärken und die Erfolge der Kirche im Wormser Konkordat (1122) verfestigen.


Klosterleben im 14.Jh.
Die erste Hälfte des 14.Jh war eine Blütezeit für das Kloster. Der gelehrte Propst Konrad II (1306-55) war ein vertrauter Rat von Kaiser Ludwig des Bayern. Dieser übergab Propst Konrad die Urkunden und Privilegien sämtlicher bayerischer Klöster zu treuen Händen in Verwahrung. Kloster Indersdorf war damals Mittelpunkt des bayerischen Ordenslebens.

Aus der zweiten Hälfte des 14.Jh ist die Schilderung einer Propstwahl überliefert. Als am 3.Juli 1371 Probst Ulrich gestorben war, schritt man zur Wahl des Nachfolgers. Doch man konnte sich zunächst auf keinen Kandidaten einigen. Der Bischof schickte einen Kommissär, um die Wahl zu überwachen. Es dauerte zwei Jahre (!) bis endlich der neue Probst Ulrich III. feststand. Die Wahl kam damals mit den neuen Kleidern, Paramenten und Weihefeierlichkeiten auf 400-470 Gulden und belasteten die Finanzen des Klosters erheblich. Übrigens: 43 Pröpste leiteten das Kloster in den 557 Jahren von der Gründung 1226 bis zur Aufhebung 1783.


Mord im Kloster
Nicht alle waren so erfolgreich wie Propst Konrad II. Schwache Pröpste hatten meist einen Verfall der Klosterdisziplin zur Folge.
So ging am 1.7.1412 unter Propst Petrus die Nachricht vom Mord im Kloster Indersdorf durch Bayern. Am Vorabend des Festes Mariä Heimsuchung gerieten drei Mönche wegen eines Geldbetrags dermaßen in Streit, dass der Augustinerpater Bartholomäus Hünd "in der Hitze seines Zorns" seinen geistigen Mitbruder Konradus Grabistädt erschlug. Noch im gleichen Jahr wurde ein neuer Propst (Erhard Prunner) gewählt, der 20 disziplinlose Konventuale aus dem Kloster warf. Unter ihm wurde Indersdorf wieder zum Vorzeige-kloster, aus dem 31 Chorherren als Pröpste und Dekane an andere Klöster versetzt wurden. Der bayerische Herzog Albrecht III., der Fromme (1401-1460), der Ehemann der ermordeten Agnes Bernauer, kam viele Jahre in der Osterzeit als Gast ins Kloster.

Indersdorfer Reformbewegung 1418
Im 14.und 15.Jh lag das Klosterleben in Deutschland darnieder. Die Mönche hatten zunehmend Privateigentum, während das Kloster immer mehr verarmte. Darin sahen Zeitgenossen die Hauptursache am Verfall des geistlichen und sittlichen Lebens. Die Sorge um die Privatgüter zwang die Mönche, sich häufig aus dem Kloster zu entfernen. Daran zerbrach das Gemeinschaftsleben. Die Visitationsprotokolle dieser Jahre zeichnen ein düsteres Bild.
Abhilfe brachte eine Klosterreform, die um die Zeit 1417/18 in Indersdorf Fuß fasste. Sie ging von dem in Böhmen liegenden Augustiner-Chorherrenstift Raudnitz aus. Kaiser Karl IV. (1346-1378) unterstützte die Reform. Er war von der päpstlich-französischen Partei als Gegenkaiser von Ludwig dem Bayern gewählt worden 78).
Die Reformbewegung mit dem eigenwilligen Namen "Raudnitzer Gewohnheiten" gelangte über Neunkirchen am Brand (bei Forchheim) nach Indersdorf, wo Propst Erhard Prunner sie einführte. Die Regeln haben sich im Handschriftenbestand des Klosters erhalten (Clm 7720). Sie breiteten sich von hier aus über viele bayerische Chorherrnstifte aus, sodass man von einer Indersdorfer Reformbewegung sprechen kann. Propst Prunner leitete persönlich die Reformation von 24 Augustinerstiften (darunter Beuerberg, Polling, Beyharting, Rottenbuch und Schlehdorf bis nach Neustift in Südtirol). 31 Chorherren aus Indersdorf traten in andere Konvente über, um die Erneuerung in diesen Häusern zu gewährleisten. Besonderen Wert legten die neuen Statuten auf die Verpflichtung zu wissenschaftlicher Arbeit und auf tätige Nächstenliebe. In der Klostervisitation des Jahres 1426 wird Indersdorf als Musterbeispiel eines reformierten Augustinerstifts bezeichnet. Da war das Ursprungskloster in Raudnitz schon von den Hussitten zerstört worden (30.5.1421) 78).
Die Indersdorfer nahmen ihre neuen Regeln sehr ernst und stritten in "überängstlicher Gewissenhaftigkeit", wie es heißt, um Fastenregeln und liturgische Fragen. Sie beantragten als Schiedsgericht von sich aus eine Visitation, die von den Bischöfen Johannes Tulbeck aus Freising und den Äbten von Weihenstephan und Scheyern im Jahr 1460 durchgeführt wurden. Im Bericht wird von der großen Buchstabengerechtigkeit des Konvents" gesprochen, die 14 Jahre vorher schon den großen Bernhard von Waging abgestoßen habe. Der zog damals von Indersdorf zu den Benediktinern nach Tegernsee. Diese Begebenheit zeigt, dass es im ausgehenden Mittelalter nicht nur Disziplinlosigkeit im Weltklerus und der Vernachlässigung des Armutsgelübdes bei den Franziskanern führte, sondern auch den fast übereifrigen Ernst pastoraler Praxis in den reformierten Chorherrenstiften.
Die Reform hatte auch Auswirkungen auf das kirchliche Leben außerhalb des Klosters.
Die Chorherrn hielten vor jedem Kirchenfest und vor jeder heiligen Zeit Predigten, in denen sie dem Volk den Sinn der Feste und die Riten und religiösen Bräuche (Bruderschaft, Heiligenverehrung, Wallfahrt) erklärten. Dass es dazu einer Reform bedurfte, lässt auf viele Versäumnisse im religiösen Leben der Zeit schließen. 78)

Zerstörungen im Bayerischen Krieg 1422
Als Herzog Ludwig VII. von Bayern-Ingolstadt (reg. 1413-1443) im Bayerischen Krieg (1420-1422) kurz vor der Niederlage stand, führte er durch einen Vorstoß auf München die Schlacht bei Alling (Lkr. Fürstenfeldbruck) herbei. Die Herzöge von Bayern-München, Ernst und Wilhelm III., besiegten ihn und beendeten damit die Kriegshandlungen. Ludwigs Motive für den Vorstoß sind unklar. Möglicherweise wollte er durch einen Verwüstungszug günstige Friedensbedingungen erzwingen.
Im Zuge dieses Verwüstungszugs wurden insbesondere Orte im Lankreis FFB verwüstet. Schlimm war aber auch die Gegend um Indersdorf mitgenommen worden. Die Klosterschwaige in Wagenried wurde niedergebrannt, dazu Freymann bei Petershausen und die abgegangenen Höfe Kreuth und Winden. Der Zorn des Ingolstädter Herzogs Ludwig hatte sich besonders gegen das Kloster Indersdorf gerichtet, weil es im Frühjahr 1421 dem grimmigsten Feind Ludwigs, dem niederbayerischen Herzog Heinrich XVI. gastliche Aufnahme gewährt hatte.
Der Schadenersatz gegen den Ingolstädter Wittelsbacher war schwer durchzusetzen. Der Indersdorfer Propst Erhard Prunner drang damit in Ingolstadt nicht durch. Er beschwerte sich beim päpstlichen Gesandten Breda, dann bei Kaiser Sigismund und schließlich beim Papst selbst, den er auf dem Konzil von Basel zusammen mit dem Kaiser antraf. Am 15.9.1434 erging das kaiserliche Urteil:
Herzog Ludwig muss den geschädigten Klöstern Fürstenfeld, Scheyern, Indersdorf und St.Klara München einen Schadenersatz von 5.000 Gulden leisten. Ob der Verurteilte dieses Urteil erfülllt hat, ist nicht bekannt.
22)


Pest in Indersdorf

1463 kam die Pest ins Kloster Indersdorf. In den Ortschaften Indersdorf und Glonn fielen der Krankheit 180 Personen, im Kloster 4 Priester, 3 Kleriker 3 Laienbrüder zum Opfer.


Kloster als soziale Einrichtung

Das Kloster Indersdorf war -wie die übrigen Klöster- zur damaligen Zeit auch eine große Sozialstation. Staatliche Leistungen für Arme und Kranke fehlten. Dr.Wilhelm berichtet dazu in seinem Aufsatz über die Bedeutung des Klosters für das Dachauer Land: "1493 reichte man am Weihnachtsabend jedem anklopfenden Kind zwei Heller; zum Gedenken an den Stifter Pfalzgraf Otto IV. spendete der Propst jährlich zu Mitfasten allen Menschen ein schönes Roggenbrot. Es gab im Jahr mehrere solche Almosentage: Am Allerseelentag bekamen Arme zwei Brezen. Nach dem Ableben der Prälanten durften arme Leute 30 Tage lang die Pfründe des Vorstehers mit Essen und Trinken nutzen". Auch die Bevölkerung der Umgebung genoss die medizinische Fürsorge.
79)

Selbst bei den Abgaben (Zehent) der Pächter war Indersdorf, so wie die anderen Klöster, nicht so hart wie manche Adelige. Der Spruch "Unterm Krummstab ist gut leben" entstand nicht umsonst. Als nach der Säkularisation die ersten Bauern und Handwerker befreit wurden und dann Steuern zahlen mussten, zeigte sich, dass es nun keine sozialen Rabatte mehr gab. So ist zum Beispiel den Akten des Petitionsausschusses der Abgeordnetenkammer in München aus dem Jahr 1819 zu entnehmen, dass sich "befreite" Bauern und Mühlenbesitzer darüber beschwerten, dass die an den Staat zu entrichtenden Steuern "drückender" seien als die bisherigen Abgaben an die Klöster, weil diese regelmäßig Nachlässe gewährt habe. 97)


Landtafeln des Kartographen Apian 1568
83)
Das Kloster Indersdorf ist als bedeutender Grundbesitzer und als geistliches Zentrum des Dachauer Hinterlands natürlich auf den Landtafeln des Kartographen Philipp Apian verzeichnet. Dieser hatte im Jahr 1568 24 Landtafeln erstellt, die zusammen eine Landkarte (im Maßstab 1:144.000) des noch mittelalterlichen Bayern bildeten. Die Genauigkeit der Landkarten war hoch; noch Napoleon benutzte sie für den Einmarsch in Bayern.
In der Karte und in der begleitenden Landesbeschreibung sind nur die bedeutendsten Orte mit Gebäuden dargestellt. Die Indersdorfer Zeichnungen zeigen noch den Zustand des Klosters vor den barocken Umbauten unter Caspar Schlaich (1604-1618) und Gelasius Morhart (1748-1768). Damals, im 16.Jh., konzentrierte man sich bei den Neuerungen auf die Innenausstattung der Klosterkirche und der Filialkirchen. Auf den Bildern von Apian sind die gotischen Turmspitzen zu erkennen, die heute wieder das Bild prägen, sowie das Kirchendach und der bewehrte Klosterturm (heute Schneiderturm). Eine mit feinen Punkten am Kloster vorbeiziehende Linie erinnert an die Grenzlage Indersdorfs zwischen den Landgerichten Dachau (Kloster) und Kranzberg (Dorf). Diese Grenze hatte über 250 Jahre , bis kurz zuvor (1505), die selbstständigen (und oftmals verfeindeten) Herzogtümer Niederbayern und Oberbayern getrennt.


Landkarte des Apian 1568


Wallfahrten 80)
Wie auch viele andere Klöster in Bayern hat sich auch Indersdorf bemüht, in seinem geistlichen und wirtschaftlichen Herrschaftsbereich Wallfahrtsstätten zu fördern bzw. einzurichten. Schließlich brachte eine Wallfahrt geistliche Anerkennung und wirtschaftliche Vorteile. Wallfahrer waren spendenfreudig. Diese Bemühungen hatten aber nur begrenzten Erfolg. Es gab mehrere kleinere Wallfahrten in Pipinsried (St.Wolfgang), Straßbach (St.Ottilia), Ottmarshart (St.Mauritius) und eine etwas größer in Ainhofen (Maria). Eine wirklich große Wallfahrt war nicht dabei.
Die Pröpste versuchten 1646 sich den damals neu entstandenen Wallfahrtsort Taxa einzuverleiben, zumal dort auch Augustiner-Chorherren lebten. Doch der Freisinger Bischof lehnte das entsprechende Gesuch ab, mit der fadenscheinigen Begründung, man wisse nicht, wie lange der Zulauf des Volkes anhalte.
Auch für die Klosterkirche in Indersdorf selbst versuchte man eine Wallfahrt einzurichten. Peter Dorner schreibt in seinem Aufsatz Zur Wallfahrtspflege des Chorherrenstifts", dass sie "der Phantasie des Volkes Bilder vorgaben, an denen Wunder sich ranken konnten". Ein Kupferstich zeigte die beiden Stifter des Klosters, die unter dem Schutz der über dem Kloster schwebenden Mutter-gottes, der "Domina fundatrix", der "Frau Gründerin" stehen. Diese Muttergottesfigur, die heute in der Rosenkranzkapelle steht, ist aber nicht Ausgang einer Wallfahrt geworden. Ein weiteres Bild zeigt das Gnadenbild Maria-Hif zusammen mit den vier heiligen Martyrern Julius, Innocentius, Felix und Lucius (deren Skelette an den Seitenaltären liegen) sowie der selige Bruder Marold abgebildet. Doch auch dieses Bild mit so vielen Heiligen zog keine Pilger an.
Auf eine Verehrung des seligen Marold (eines Bruders aus dem eigenen Klosters), der im 12.Jh. im Ruf der Heiligkeit starb, setzten die Indersdorfer große Hoffnungen. Sie hatten im 18.Jh. sein Grab in die Kirche verlegt, damit die Wallfahrer einen repräsentativen Zielpunkt hatten. So schreibt Propst Gelasius in seiner Chronik von 1762: "Bey dessen etwas erhöhten Grab war vil Jahr ein grosser Zulauff des Volcks, welches auch viele Votiv-Taflen an denen Mauren aufhängete, welche aber auf Befehl des Ordinarii hinweg genohmen und das Grab dem übrigen Kirchen-Pflaster gleich gemacht wurde". Warum der Freisinger Bischof die Verehrung unter-sagte, ist nicht bekannt. 14)



Straßenverhältnisse um 1800   95)
Der Theologe, Pädagoge, Historiker und Aufklärer Lorenz von Westenrieder (1748-1829) hat 1792 das Dachauer Land besucht und in seinem Buch "Statistische Beschreibung des churfürstl. Landgerichts Dachau" u.a. viele Einblicke in die damalige Infrastruktur gegeben. Den Weg nach Indersdorf schildert er wie folgt:
  "Man reiset dahin (nach Indersdorf) über Dachau, wo man etwas mehr als den halben Weg zurückgelegt hat, und schlägt dann Feldwege ein, welche, zumal bey Regen- und Schneewetter, über alle Beschreibung schlimm sind. Der träge Rothfluß treibt durch diese ganze Gegend sein Unwesen nach Belieben, und ich bin nach einem lange anhaltenden, trocknen Wetter über häufige, nie austrocknende Pfützen und über noch schlechtere Prügelbrücken gekommen, durch deren eine -ungeachtet aller Vorsicht- ein Pferd fiel. Zur Winterszeit ist es den Bauern beynahe unmöglich, ihr Getreid nach München zur Schranne zu bringen, in so fern nämlich, als ein Fuhrwerk höchst beschwerlich ist, bey dem man sechs Pferde unbarmherzig antreiben muß, um acht bis zehn Schäffel leichten Getreids bis zur ordentlichen Hochstraße zu bringen".

Weiteres zur Geschichte des Klosters siehe Internetseite des Marktes Indersdorf...

Geschichte der Pfarrei und der Kirche

Das Kloster Indersdorf war auch eine große Pfarrei. Es übte darüber hinaus in weiteren Pfarreien die Seelsorge aus oder hatte das Besetzungsrecht für deren Pfarrer. Die Pfarrei Indersdorf war mit 9 Filialkirchen die bedeutendste. Dazu gehörten über viele Jahrhunderte die Filialkirchen Glonn, Ottmarshart, Straßbach, Albersbach, Harreszell, Langenpettenbach, Ainhofen, Arnzell und die Marktkirche St.Bartholomäus. 1220 kam auch noch die Pfarrei Glonn zu Indersdorf. Grund waren die geringen Einkünfte des Klosters, die nicht ausreichten um die weitgerühmte und umfangreiche Gastfreundschaft der Mönche pflegen zu können. Deshalb sprach der ebenfalls als großzügig geltende Freisinger Bischof Gerold die Pfarrei Glonn mit allen pfarrlichen Rechten dem Chorherrenstift zu.
Die geistliche Betreuung der vielen Filialen war schwierig. Die Vikare wohnten im Kloster und mussten täglich den beschwerlichen und teils langen Weg zu den Kirchen auf sich nehmen. Deshalb wurde 1734 in Langenpettenbach eine Außenstelle (Expositur) eingerichtet, in denen die zwei Pater wohnten, die die nördlichen Pfarreien betreuten. Nachdem Langenpettenbach 1864 eine eigene Pfarrei geworden war (mit Ainhofen und Arnzell), sind der Pfarrei Indersdorf noch fünf Filialkirchen geblieben. Vor 1519 scheint auch Schwabhausen eine Filiale gewesen zu sein, die dann gegen Ainhofen eingetauscht worden ist. Das mutmaßt der Indersdorfer Chorherr Georgius Penzl (1697-1748) in seiner Chronik des Klosters Indersdorf. 45)


Blick von Nordwesten
Seit 2002 bilden die Pfarreien Westerholzhausen, Langenpettenbach, Indersdorf und (seit 2005) Niederroth den Pfarrverband Indersdorf. 56)

Erste Kirche 1096
Die erste Klosterkirche dürfte die schon von Otto III. im Jahr 1096 erbaute Nikolauskapelle gewesen sein, um die das kleine Kloster angelegt wurde. Zum Patronat des hl.Nikolaus schreibt Graf Fugger in seiner Chronik:
04)
  "Ehe Otto III. dies Oratorium (= Gebetsraum) erbaute, erhielt er nämlich einer alten Sage nach, von den dortigen Kirchendienern einen Finger des hl.Nikolaus, der gleich dem hl.Johann von Nepomuk als "Wasserpatron" verehrt wird, legte diesen Finger in eine goldene Büchse und barg ihn unter seinem Mantel, soll aber dann von dem Finger nichts mehr vorgefunden haben, sondern statt essen ein heiliges Oel. "
Dieses Wunder soll Otto III. dazu bewogen haben, die Kapelle dem hl.Nikolaus zu weihen.
Die Kapelle lag dort, wo später das Kapitel gebaut wurde, in der Mitte des heutigen engeren Klosterbaus. Schon bald wurde Nikolauskapelle für die Gottesdienste zu klein und man errichtete einen hölzernen Anbau für die Gläubigen, die die Predigten hören wollten. 06)

Die umgebaute Kirche, Predigerkirche genannt, wurden 1128 von Salzburger Erzbischof Konrad I. von Abensberg zu Ehren Mariä und der Apostelfürsten Petrus und Paulus geweiht. Von der Kirche aus dem Jahr 1128 sind noch der Grundriss und das romanische Portal erhalten. 1186 wurde die Nikolauskirche renoviert und von Bischof Otto II. von Freising nochmals ausgeweiht.


Klosterbrand 1249
Der Brand entstand durch einen unvorsichtigen Mesner beim Auslöschen einer Kerze am Altar im Predigthaus. Das war ein hölzerner Anbau für die Gläubigen, die in der Nikolauskapelle keinen Platz gefunden hatten, aber der Messe beiwohnen und der Predigt zuhören wollten. Dieses Predigthaus stand auf dem Platz der heutigen Kirche. Dem Feuer fiel das ganze Kloster zum Opfer. Die zwölf Mönche waren obdachlos und wurden in anderen Klöstern untergebracht. Der Wiederaufbau war teuer; man musste einige Klostergüter verpfänden oder verkaufen. Aber das Geld reichte für einen richtigen Turm; es ist der heutige Nordturm.



Zweite Kirche 1264
Nach einem Klosterbrand im Jahr 1249 wurde die Kirche neu errichtet und 1264 geweiht. Die spätromanische Kirche von 1264 steht (in ihren Außenmauern) großenteils heute noch. Sie hatte ein niedrigeres Bodenniveau als heute, besaß einfache Pfeiler ohne Wandgliederungen, kleine Fenster und Flachdecken in den drei Schiffen. 59)

Aus der Bodenplatte dieser Kirche stammt der größte Backstein Bayerns mit den Ausmaßen von
74 x 72 x 13 cm und einem Gewicht von 150 kg (!), den man 1972 bei Grabungen für den Einbau einer neuen Heizung gefunden hat. Bis 2014 war er im Bauarchiv des Landesamts für Denkmal-pflege in Thierhaupten deponiert. Seitdem befindet sich der Backstein-als eines der ungewöhnlich-sten Ausstellungsstücke- im Augustiner Chorherren Museum von Indersdorf (das im Übrigen 2015 mit dem Bayerischen Museumspreis ausgezeichnet wurde). 84)

Dieser Indersdorfer Backstein veranlasste die Autorin Ulrike Gertz sogar zur Überlegung, dass womöglich die Wittelsbacher die Begründer der Ziegelarchitektur in Altbayern waren 86)
.

Weiteres zum Backstein finden Sie hier...



Interdikte
Es war damals die Zeit eines der vielen Interdikte im Mittelalter; der bayerische Herzog als Anhänger des Kaisers und Widersacher des Freisinger Bischofs war von Papst Innozenz IV. (1243-1254) gebannt und über sein Gebiet, zu dem auch das Kloster Indersdorf gehörte, ein Lokalinterdikt verhängt worden. Ein Interdikt war im Mittelalter eine kirchliche Strafmaßnahme, die in der Regel vom Papst oder vom Bischof gegenüber dem Herzog ausgesprochen wurde. Es bedeutete eine Schließung der Gotteshäuser, die Einstellung der Gottesdienstes, das Verstummen der Kirchenglocken und das Versagen der Sakramente und des kirchlichen Begräbnisses im gesamten herzoglichen Gebiet. Es traf in der Regel Unschuldige und war darauf angelegt, in breiten Schichten des Volkes, des niederen Klerus und der Mönche Verärgerung gegen den Herzog zu schaffen und ihn so zum politischen Kurswechsel zu zwingen. Die seelsorgerische Betreuung der Bevölkerung und die Disziplin des Klerus litt darunter erheblich. Nicht immer wurde das Interdikt streng eingehalten, manchmal wurden auch Ausnahmen gewährt oder Schlupflöcher eröffnet. 1250 gab es für das Kloster Indersdorf so eine Ausnahme: Hier durfte der gewöhnliche Gottesdienst abgehalten werden, allerdings ohne Glockengeläut und nur bei verschlossenen Türen (Bulle von Papst Innozenz IV. aus dem Jahr 1250). Damals beklagte sich der Freisinger Bischof Konrad I. beim Papst, dass der bayerische Herzog Otto II. (1231-1253) u.a. trotz des Inderdikts Gottesdienste und kirchliche Begräbnisse abhalten lasse. Übrigens: von 1239 bis 1245 und von 1246 bis 1249 war auch über das Bistum Freising ein päpstliches Interdikt verhängt, weil Bischof Konrad (1230-1258) zeitweise Parteigänger des ab 1239 gebannten Kaisers Friedrich II. (1220-1250) war. 35)

In der Konradinischen Matrikel von 1315 wird Indersdorf zwar als Kloster, nicht aber (anders als Altomünster) als Pfarrei erwähnt.

1394 brannte es wiederum in Indersdorf. Während des Karfreitagsgottesdienstes hatte ein "liederlicher Mensch" Feuer gelegt. Die ganze Ortschaft brannte ab; die Kirche blieb aber vom Feuer verschont.

Gotischer Umbau im 15.Jh

Um die Zeit von 1432 wurde die Kirche nach gotischem Zeitgeschmack umgestaltet: die Seitenschiffe wurden verkürzt, die flache Holzdecke wurde durch eine Gewölbedecke aus Stein ersetzt. Bei der Renovierung 1972-84 hat man festgestellt, dass das gotische Tonnengewölbe eine beachtliche Dicke von 45 bis 50 cm (Ziegelformat 42 x 21 x 9 cm) hat. Außerdem wurde der Boden im Chor angehoben, drei neue Altäre angeschafft, die Annakapelle im Norden 59) und die Rosenkranzkapelle im Süden errichtet, eine weiter Vorhalle im Westen angefügt 59) und ein zweiter Turm (Südturm) dazu gebaut und der Nordturm erhöht. Dazu kam ein Geläute von sieben Glocken, die in Augsburg von Meister Paul gegossen wurden. Außerdem exhumierte Propst Erhard die Gebeine der Stifterfamilie in der Nikolauskapelle und baute für sie ein prächtiges Hochgrab inmitten des Altarraums der Klosterkirche (dieses Hochgrab wurde 1613 wieder abgetragen). 70)

50 Jahre später, gegen Ende des 15.Jh, hat man die Zahl der Seitenaltäre (wohl auf die heutige Anzahl) erweitert. Damals wurden drei neue Altäre errichtet. Nach Recherchen von Siegfr.Bschorer wurden am 26. Sept. 1486 in Indersdorf von Weihbischof Ulrich von Salona ein Altar (Stephansaltar), im Jahre 1494 zwei weitere Altäre geweiht; dazu wurden 40 Tage Ablass verliehen. Rechts sehen sie das Siegel an der Weiheurkunde von 1494; auf ihm ist die Verkündigung Mariens dargestellt. 51)


Siegel der Weiheurkunde
von 1494

Infulrecht 1433/34
In der Klosterkirche finden wir an mehreren Stellen die Insignien Mitra oder Inful und Hirtenstab (Chorbogen, Sakristeistuck, Chorgestühl, Grabplatten). Sie weisen auf eine besondere Auszeichnung der Indersdorfer Pröpste hin, auf das sog. Infulrecht, also das Recht, bei feierlichen Gottesdiensten Mitra und Stab zu tragen. Dies sind die Insignien der Bischöfe. Es ist keine Selbstverständ-lichkeit, dass dies auch für die Prälaten von Klöstern (Äbte oder Pröpste) gilt. Bis zum 2.Vatikanischen Konzil in den 1960ern musste ihnen dieses Recht verliehen werden. In Indersdorf war dies zweimal der Fall.


Propststab v. 1726
Das erste Infulrecht wurde im Mittelalter verliehen. In der Zeit um 1420, als Bayern in drei Teile geteilt war, hat Herzog Ludwig der Gebartete von Bayern-Ingolstadt (1413-1447), "ein Feind der Geistlichkeit" wie es hieß, Klöstergüter eingezogen oder Bauten verwüstet. Auch Indersdorf, das zu Bayern-München gehörte, war Leidtragender dieser Raubzüge. Die betroffenen Klöster vereinigten sich unter der Führung des Indersdorfer Probstes Erhard Prunner, um gemeinsam gegen den Herzog vorzugehen. Hilfe konnte nur vom Kaiser und der Kirche kommen. Als sich 1433 der Kaiser und viele Bischöfe beim Konzil in Basel aufhielten, reiste Prunner dorthin und schilderte mit so großer Beredsamkeit die Untaten von Ludwig dem Gebarteten, dass ihm alle Beistand zusagten. Der Kaiser velieh ihm bei dieser Gelegenheit das Infulrecht für Indersdorf. Dabei hat sicher auch eine Rolle gespielt, dass Prunner in der "Raudnitzer Reform" ein Erneuerer der Klosterzucht war und Indersdorf als Musterkloster und großes Vorbild für die Reformklöster diente. Das Problem dieses neu erworbenen Infulrechts
für Indersdorf war, dass es nur vom Konzil und dem Kaiser verliehen, aber vom Papst nicht bestätigt worden war. Konzil und Papst lagen damals im erbitterten Streit miteinander. Um nicht in den Streit hineingezogen zu werden, hat Prunner während seiner Zeit als Propst von dem Infulrecht keinen Gebrauch gemacht.

In der Barockzeit wollte man den Mangel beheben, um bei den feierlichen Hochämtern mit unangefochtener Berechtigung die Mitra und den Stab tragen zu können. Deshalb hat Propst Wolfgang Carl (1618-1631) auf Drängen seines bischöflichen Freundes Veit Adam bei Papst Urban VIII. das Infulrecht ein zweites Mal beantragt und es 1626 für sich und 1628 auch für seine Nachfolger erhalten. 62)


Sunderndorfer'sche Matrikel von 1524  2)
Die Sunderndorfer'sche Matrikel von 1524 nennt die Patrone der Kirche, die Heiligen Petrus u. Paulus sowie die Jungfrau Maria ("ecclesia ss.Petri et Pauli ac B.Virginis in Undersdorff"). Die Pfarrei habe vier Filialkirchen, nämlich s.Bartholomaei im Ort Indersdorf, s.Emmerami in Glan cum sepulturis (mit Friedhöfen), s.Ottiliae in Straspach et s. Mauritii in Ottmershart sine sepulturis (ohne Friedhöfe)".
Diese Kirchen würden vom Provisor, dem Sachverwalter, Frater Mauritius Pflegehärl betreut. Dagegen sei der Professor Johannes Schmidt aus dem Kloster für die Kirche "s.Michaelis in Bettenpach" und deren beiden Filialen "s.Viti in Ärnzell et B.Virginis in Änhofen" als Provisor tätig. Langenpettenbach wurde damals schon als eine Art eigene Pfarrei behandelt. Die Gesamtpfarrei von Indersdorf hatte damals rd.700 Communicantes (das waren Gläubige, die schon die Erstkommunion gefeiert hatten). Indersdorf mit seinen 7 Filialkirchen gehörte somit zu den größten Pfarreien des Dachauer Landes. Mehr Gläubige hatte nur Vierkirchen (800).

Visitationsbericht von 1560 33)
Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation, eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet. Die Visitation wurde durch bischöfliche und durch herzogliche Bevollmächtigte durchgeführt.

Weihnachtsmedaille

Grund war die durch die Reformation Luthers (1517) entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen des Bistums zur Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte. Durch die Visitation wollte der Bischof einen detaillierten Einblick in die religiöse Situation der Pfarreien gewinnen. Insbesondere sollte festgestellt werden, ob die Pfarrer und die Gläubigen noch die katholischen Lehre vertraten oder der neuen Lehre anhingen. Daneben interessierte die Prüfer die Lebensführung der Pfarrer sowie Umfang und Qualität ihrer religiösen Kenntnisse.
Dabei wurden das Kloster Indersdorf insgesamt sowie alle Mönche einzeln überprüft. Zur Pfarrei schreiben die Visitatoren, es gebe 400 Communicantes (=Gläubige über 10 Jahre), von denen keiner die Kommunion unter beiden Gestalten begehre. Wiedertäufer oder andere Schwärmer gebe es nicht, auch niemand, der dem Gottesdienst fernbleibe. Die Pfarrei werde vom Kloster aus durch einen Conventual (= Mönch) versehen. Er predige an den Feiertagen aus katholischen Büchern. Die Pfarrkinder verhielten sich beim Gottesdienst unverdächtig und beichteten zweimal in der Fastenzeit. Sie bezahlten den Zehent an das Kloster. An Selgerät fordere man von jedem Gläubigen 72 Pfennig (= 0,3 Gulden). Die letzte Firmung liege 4 Jahre zurück. In der Kirche würden das Allerheiligste, die heiligen Öle und die Reliquien mit Ehrerbietung und ohne Mangel aufbewahrt. In der Sakristei seien schöne (goldene) Messgewänder vorhanden, die sauber gehalten würden. Der Bericht endet mit dem Satz: "Die khirch ist sonst mit aller zier wol orniert (=ausgestattet) und kain paufelligkait verhanden".

Bruderschaften 39)
Bruderschaften sind kirchlich errichtete Körperschaften, die je nach Ausrichtung allen Personen oder nur verschiedenen Personenkreisen (Zunftbruderschaften) offenstehen. Die theologische Wurzel bildet die Vorstellung von der Gemeinschaft der Kirche, zu der auch die Verstorbenen gehören (Corpus Christi Mysticum). Ein Hauptanliegen ist das religiöse Totengedenken. Dazu treten weitere Ziele (Caritas, Förderung individueller Frömmigkeit). Bruderschaften stehen unter dem Patronat eines Heiligen oder einer Heilstatsache (wied z.B. die Verehrung des eucharistischen Sakraments). Marianische Bruderschaften beziehen sich auf unterschiedliche Marienfeste oder Gnadenbilder oder treten auch als Rosenkranz- und Skapulierbruderschaften auf. Eine Wurzel des Bruderschaftswesens dürften die frühmittelalterlichen Gebetsverbrüderungen sein. Bruderschaften sind im Raum des heutigen Bayerns seit dem Spätmittelalter belegt, überwiegend jedoch im 15. Jahrhundert. Nach einem Einbruch im 16. Jahrhundert erlebte das Bruderschaftswesen in der Barockzeit eine neue Blüte. Die durch die Gegenreformation eingeleitete Erneuerung des religiösen Lebens führte zur Gründung zahlreicher neuer Bruderschaften. Gegenüber dem Mittelalter, in dem oft auch soziale Leistungen gefordert wurden, bezogen sich die Verpflichtungen, die die Mitglieder der Bruderschaften eingingen, in der Barockzeit fast ausschließlich auf geistliche Tätigkeiten. Im 19. Jahrhundert erhielten Bruderschaften durch das katholische Vereinswesen (Marianische Kongregation, Dritter Orden, Missionsverein, Kolpinsverein) eine neuartige Konkurrenz. Die meisten erloschen im Laufe des 20. Jahrhunderts ohne formelle Auflösung. 85)

    Rosenkranzbruderschaft
  Die ersten Rosenkranzbruderschaften gab es in Bayern schon kurz nach der Gründung der ersten Kölner Rosenkranzbruder-schaft im Jahre 1475. Hierher nach Indersdorf kam sie aber erst 150 Jahre später. 1630, zwei Jahre bevor der 30jährige Krieg nach Indersdorf kam, wurde hier eine Rosenkranzbruderschaft gegründet. Für sie wurde eine eigene "an der Pfarrkirche anliegende Capelle mit einem Altar" errichtet (=Rosenkranzkapelle). Hauptfest war das Rosenkranzfest, Nebenfeste die Frauenfeste (Marienfeste) und der 1.Sonntag im Monat mit Rosenkranz (Mai, Oktober). Die Feste wurden mit Rosenkranzgebet oder Vesper, jeweils mit Predigt und Procession gefeiert. Das Vermögen betrug 1880 rd. 13.500 Mark.
Erhalten ist noch ein Bruderschaftsdokument aus dem Jahr 1716, in dem die Bruderschaftsleitung in der ausufernden Diktion der damaligen Zeit die Mitgliedschaft bestätigt und bescheinigt wird, dass für das Mitglied nach dem Ableben Seelenamt und Jahrtagsmessen gelesen werden. Wenn Sie den Originaltext lesen möchten, klicken Sie hier...
    Isidoribund
  Nur 5 Jahre später, 1635, wurde der Isidoribund Indersdorf gegründet, der noch heute bestehen soll. Es ist eine Vereinigung ohne Satzung und Statut, aber mit reichlicher Überlieferung. Seine Gründung geht zurück auf die Wirren im 30jährigen Krieg, als 1632 und 1634 die Schweden in Indersdorf einfielen. In dieser Not schlossen sich die Menschen zusammen und wählten den Hl. Isidor, der damals als Patron der bäuerlichen Bevölkerung verehrt wurde, als ihren Beschützer. Noch vor wenigen Jahrzehnten hatte der Bund 380 Mitglieder. Wenn Sie mehr über den Isidoribund und seine Feste am Unsinnigen Donnerstag wissen möchten, lesen Sie den Aufsatz von Josef Berghammer hier...
    Verein christlicher Mütter
  Weitere 240 Jahre später wurde der Verein christlicher Mütter gegründet (errichtet am 27.11.1874, aggregiert am 29.12.1874).


Dreißigjähriger Krieg
Im 30jährigen Krieg wurde Indersdorf so stark getroffen, dass es sich wirtschaftlich nicht mehr ganz erholte. 139 Höfe, die dem Kloster gehörten, brannten ab oder wurden zerstört. Bauern und Mönche wurden ermordet oder fielen der Pest zum Opfer. Zweimal, 1632 und 1634 kamen die Heere zum Kloster, das der Plünderung unterstellt wurde und dem Niederbrennen beim Abzug der Schweden nur wie durch ein Wunder entging, weil die Nachbarschaft schon gelegte Brände (in der Annakapelle) löschte. Dabei wurde auch die Kirche schwer in Mitleidenschaft gezogen, d.h., vollständig ausgeraubt sowie Fenster und Türen herausgebrochen. Deshalb musste der damals noch gotische Bau erneuert werden. Dies ist bereits im Stil des Barocks geschehen. Zur Finanzierung hat das Kloster mehrere noch erhaltene Bauernhöfe verkauft. Die Bevölkerung war durch Pest und Krieg so dezimiert worden, dass Zuwanderer aus Tirol, der Steiermark und aus Baden angeworben werden mussten. 21)

Auszug aus einer Karte
von Philipp Finkh -1655


Spanischer Erbfolgekrieg 1704
Im Jahr 1704, im Spanischen Erbfolgekrieg, mussten die Mönche nach München flüchten,
  "weil nach der Schlacht bei Höchstädt die feindlichen Truppen über Augsburg in vollen Haufen nach Bayern eindrangen und am 19.August zu Indersdorf Alles rein ausplünderten. Auch das Indersdorfer Weingut in Österreich wurde verwüstet und überdies eine unerschwingliche Brandsteuer auferlegt, mit der Drohung, im Weigerungsfalle das ganze Kloster einzuäschern".

Barockisierung der Kirche

1. Barocke Neuausstattung um 1665 73

Aus Kirchenrechnungen ist bekannt, dass die Kirche nach dem 30jährigen Krieg (um 1655/68 einen neuen Hochaltar erhielt. Der Bildhauer Christoph König erhielt für zwei (nicht mehr erhaltene) Altarfiguren des hl.Augustinus und des hl.Josef 26 Gulden 92) . 1668 fasste (bemalte) der Dachauer Maler Thomas Holzmair den Altar und die Figuren für 30 Gulden. Dass der Maler mehr erhielt als der Bildhauer lag an den hohen Kosten der Farbe. Vermutlich war am Hochaltar als zentrales Bildnis eine Marienkrönung dargestellt, weil einem anderen Fassmaler, Wolfgang Prandtstetter, im Jahr 1670 für die Fassung und Vergoldung einer Hl.Dreifaltigkeit und einer Maria am Hochaltar ebenfalls 30 Gulden gezahlt wurden.
Um 1665 hatte man auch 12 große Leinwandbilder vom Maler Kaspar Engelschalk erworben, die das Ordensleben thematisierten und die an die Hochschiffwände (sechs größere im Chor, sechs kleinere im Langhaus) gehängt wurden. Der Künstler erhielt dafür 135 Gulden für die Chorbilder, 53 Gulden für die Langschiffbilder. 23), 28)
Diese Gemälde mussten bei der Umgestaltung um 1755 den Rokokofresken von Matthäus Günther weichen. Am Chorbogen stand bis 1680 ein Kreuzaltar, auf dem die Gottesdienste für die Pfarreiangehörigen gefeiert wurden (der Hochaltar war für die Mönche reserviert). Dieser Kreuzaltar wurde noch unter Propst Jakob Kipferle (1663-1673) im Rahmen der Entfernung des Lettners nach Westen verschoben.


2. Barocke Umbauten um 1680/91
73

Um 1680 ließ Probst Georg I. Mall den erwähnten Kreuzaltar abtragen und an dieser Stelle eine neue Gruft anlegen. Darin liegen er selbst und zwei seiner Nachfolger begraben. Zu beiden Seiten entstanden zwei weitere Probstgrüfte. Als Symbole sind Toten-köpfe angebracht, einmal mit einer Schlange, ein weiteres Mal mit einem Frosch zwischen den Zähnen. Diese Gruft wurde 1755 erneuert. Im Zuge dieser Baumaßnahmen hat man die Kirche mit weißen Steinplatten gepflastert und ein neues Chorgestühl aufgestellt. Unter Propst Georg I. wurde wurde auch der Hochaltar im Jahr 1691 umgestaltet. In diesm Jahr lieferte Maler Andreas Wolff seine beiden Bilder für das Hauptgeschoss und den Auszug. Johann Hörmann (1640-1691) fasste im gleichen Jahr den Hochaltar. Nach seinem Tod im selben Jahr, führte sein Sohn Johann Georg das Werk zu Ende. Das Retabel des umgebauten Hochaltars mit den Wolff-Bildern entsprach naturgemäß noch immer den Ausmaßen der romanischen Apsis.


3. Barocke Neugestaltung um 1710/21 73)
Propst Georg II. Riezinger (1704-1721) ließ die Kirche mit einer barocken Ausstattung versehen, die großenteils noch heute vorhanden ist. Die Neuausstattung wird wohl mit Blick auf das 600-jährige Klosterjubiläum 1726 angeschafft worden sein.
So schrieb der Indersdorfer Augustinerchorherr Georg Penzl (1697-1748) in seiner lateinisch verfassten Klosterchronik von 1745:    "Unsere Kirche dankt ihren Glanz, in dem sie heute (=1745) hervorragt, größtenteils Propst Georg. Er hat sieben Altäre errichtet..     wie man sie in der Kirche von Gold überzogen sieht, und er hat die meisten ihrer Bilder zu einem erheblichen Preis gekauft".
Im Einzelnen wurde neu errichtet bzw.eingebaut:

- der Altarraum mit der Kuppel,
- der Hochaltar (gefasst 1721 durch Maler Franz Deschler aus Schleißheim für 1268 (!) Gulden) 23), 89) )

- die Nebenaltäre (1712-1716),
- die Kanzel (1717) mit Bildern von Hofmaler Johann Degler (1667-1729) ,
- die Reliquienschreine mit den aus Rom kommenden Martyrern Julius und Innocentius, die unter Beisein von Abt Benedikt aus
   Scheyern 1712 feierlich aufgestellt wurden.

Dies alles erfahren wir durch die Predigt, die der erwähnte Scheyerner Abt Bernhard beim Seelenamt 30 Tage nach der Beerdigung, also am 13.11.1721, für Georg II. Riezinger gehalten hat. Dabei hat er auch auf weitere Bauprojekte Georgs hingewiesen:
  ".. er hat nicht allein die Principal-Closter-Kirchen herlich gezieret, sondern auch das incorporierte Gotts-Hauß St.Johannis Baptistae in Häreszell (= die abgebrochene Johanneskirche in Harreszell) mit großen Spesen (= viel Geld) erhoben (= aufgebaut) und die unserer Benedictinerin der heiligen Ottilae eingeweichte Fialkirchen zu Straßbach recht annehmlich herauß geschmucket (= ausgestattet).   74)

Nach den Kirchenrechnungen wurden 1720 für den Hochaltar in der Klosterkirche zwei Büsten von Maria und Jesus erworben, die von Franz Anton
Mallet geschnitzt und von Goldschmied Johann Sebastian Kipfinger mit Silber überzogen worden waren. Kipfinger lieferte zudem ein großes, silbernes Standkreuz für die Sakristei in das Reliquien der Heiligen Stephanus und Laurentius eingeschlossen waren. Das Salär betrug 764 Gulden. Silberbüsten und Silberkreuz sind nicht mehr erhalten.

Der Altarraum wurde nach dem Abbruch des Lettners durch ein Chorgitter vom Langhaus abgetrennt. Dieses Gitter bekam durch Johann Georg Hörmann im Jahr 1718 einen neuen Anstrich; er erhielt dafür den hohen Betrag von 300 Gulden. Durch zwei Türen neben dem Gitter konnte der Chorraum auch vom Kirchenschiff aus betreten werden. Dieses Gitter war nach Verlegung des Mönchschors auf die Empore 1755 an der bisherigen Stelle entbehrlich und wurde deshalb an seinen heutigen Standort am Beginn des Kirchenschiffs verlegt.
Trotz der Umbauten dürfte das Kirchenschiff (im Gegensatz zum Altarraum) noch recht dunkel gewesen sein; Licht kam nur durch die kleinen romanischen oder gotischen Obergadenfenster herein. Dies änderte sich erst durch den Rokoko-Umbau von 1754.



um 1700 mit Kuppeln
Schmidtsche Matrikel 1738/40  2)
In den Jahren 1738/40 besuchte der Freisinger Kanonikus Schmidt alle Pfarreien im Bistum und erstellte in der nach ihm benannten Schmidt'sche Matrikel. Über Indersdorf wird zunächst berichtet, dass die Pfarrei in das Kloster inkorporiert und von einem Vikar aus der Mönchsgemeinschaft seelsorgerisch betreut werde. Der damalige Vikar hieß Herkulanus Veldner.

Die Pfarrkirche hatte neun Filialen. In den letzten 200 Jahren waren Albersbach und Harreszell dazugekommen. Die Zahl der Communicantes war auf 1165 angestiegen. Dies ist zwar angesichts der Kriegsgräuel und der Pest bemerkenswert; der Anstieg der Gläubigen ist hier aber geringer ausgefallen als in den übrigen Pfarreien des Dachauer Landes.


Rokokoausstattung 1754-58
15)

In den Jahren 1754 bis 1758 erhielt der Kirchenbau seine heutige Rokokoausstattung. Bauherr war der Gelasius Morhart (*1710, †1771), der von 1748 bis 1768 Propst des Klosters war. Ein großzügiger, gelehrter und vor allem kunstsinniger Mensch, dem es auch an Kampfgeist nicht mangelte. Dennoch schrieb Georg Paula: "Es ist fraglich, ob der Propst die Barockisierung der Klosterkirche begonnen hätte, wenn ihm bekannt gewesen wäre, welche Schwierigkeiten er damit bekommen würde". 61)

Mehr zu Propst Gelasius Morhart...

Vor dem Umbau hatte der Konvent des Klosters (=die Gemeinschaft der Mönche), der ja alles zu bezahlen hatte, zwei Bedingungen gestellt:
1. keine zusätzlichen Schulden,
2. keine Veränderungen im Mönchschor.
Beide Bedingungen wurden nicht eingehalten. Zur Beruhigung der Mitbrüder präsentiert Morhart wider besseren Wissens einen Voranschlag, der Ausgaben von nur 3000 Gulden vorsah; ein über alle Zeiten bis heute beliebter Trick, um Baumaßnahmen durchzusetzen.
Auch auf die Forderung die unveränderte Belassung des Chorraums war Morhart nur zum Schein eingegangen, denn Matth. Günther hatte von Anfang an erklärt, dass die engen Maße der Indersdorfer Kirche eine Umgestaltung des Altarraums erforderten. Der Chorus psallentium müsse auf dem Chorus musicus seinen Platz finden, d.h., die Mönche müssten für ihren Psalmengesang und ihre Chorgebete auf die Orgelempore umziehen. Sonst bliebe nur ein Neubau wie in Weltenburg oder Dießen
15)
Allerdings dürfte der Widerstand des Konvents dazu beigetragen haben, dass ein Großteil der Ausstattung des Barock (Altäre, Kanzel, Figuren) in der Kirche bleiben durfte.

 Umbaubeginn 1754
Schon 1753 war die Sakristei neu ausgestattet worden. Der Umbau der Kirche begann im Sommer 1754. Dr.Dorner schreibt dazu: "Im Hof löschen die Arbeiter Kalk in großen Pfannen. Mauerer schlagen den Putz von den Wänden, und über allem liegt trotz schützender Laken weißer Staub. Die Grabmonumente der Weichser und der Eisenreich werden aus der Mauer gestemmt und in den Kreuzgang geschafft". Beim Abschlagen des Putzes zeigte sich, dass die Gurten des Gewölbes nur mit hölzernen Keilen verspannt waren und daher in der Tragfähigkeit gelitten hatten.
All das verfolgte der Dekan Pater Benno Muschhauser mit unverhohlenem Misstrauen und er regis-trierte auch, dass gleich im ersten Jahr an die 6000 Gulden verbaut wurden, das Doppelte des Vor-anschlags." Da fühlten sich die Mönche schon um den ersten Punkt des Vertrags betrogen. Auch der zweite Punkt fiel in sich zusammen, als der Propst den Hochaltar um 2 1/2 Schuh (= 74 cm) nach vorne versetzen ließ und so den Mönchschor entscheidend verkürzte (der Faltstuhl des Propstes - Faldistorium- konnte nicht mehr aufgestellt werden). Dazu kommt, zwar nur als Nebensächlichkeit, dass der Probst zum gleichen Zeitpunkt den Mönchen die werktägliche Weinration um 1/2 Maß gekürzt , die Nachkirchweih (=Verlängerung des Kirchweihfestes) abgeschafft und den

Indersdorf 1762
wöchentlichen Stockfisch (= Arme-Leute-Essen) eingeführt hat.

Weiterbau 1755
Nach der Winterruhe wurde im Frühjahr 1755 wieder aufgebaut. Die Fenster im Obergaden, die nur 3 Schuch (=89 cm) breit und 4 Schuch (118 cm) hoch waren, wurden erweitert, drei Fenster im Chor erhielten "eyserne Stangen und Schaur-Gätter", die Seitenaltäre umgebaut und modernisiert und das Gewölbe des Mittelschiffs erneuert.font size="2" 61)

Eine neue Gruft wurde fertiggestellt, und mit feierlichem Hochamt setzte Propst Morhart die Gebeine der Wittelsbacher Stifterfamilie vor dem Hochaltar in einem kupfernen Schrein bei. Die feierliche Beisetzung mit Vigil (nächtliche Feier) und Seelenmessen fand am 21. August 1755 statt. Der Schlussstein befindet sich noch vor dem Hochaltar und trägt die Inschrift: Hic requiesat Otto IV. Comes de Wittelspach Fundator cum sex aliis illustrissimae suae familiae Lapidum hunc novum Gelasius Praepositus 1757 (Hier ruht der Gründer (dieses Klosters) Otto IV., Graf von Wittelsbach, zusammen mit sechs anderen erlauchten Mitgliedern seiner Familie). Diesen neuen Stein ließ Propst Gelasius 1757 setzen. Die Grabsteine der Weichser und anderer Geschlechter wurden aus der Klosterkirche entfernt und im Kreuzgang oder in der Nikolaikapelle aufgestellt, der Kapitelsaal in das Sommerrefektorium verlegt. 70)

Die "sehr gefährlich aussehende Säulen an welcher S.Ursulaaltar stehet, wurde über die hellfte ausgeleset".
Als die Westempore in den Seitenschiffen bis zum nächsten Pfeiler verlängert wurden, schwand die Hoffnung der Mönche, die Empore könnte sich als zu klein erweisen, um sie alle beim Chorgebet aufnehmen zu können. Sie bündelten ihre Enttäuschung in einer Eingabe an den Freisinger Fürstbischof vom 23.April 1755, worin sie sich gegen die Verlegung des Mönchschors verwahrten und um bischöflichen Schutz baten. Die Dokumente dieser Auseinandersetzung sind überliefert. Mehr über den Indersdorfer Chorstuhlstreit, in den sich der Bischof von Freising als geistliches Oberhaupt und der Herzog von Bayern als weltliches Oberhaupt conträr einmischten und letztendlich sogar den Papst bemühten, können Sie hier lesen...


Die Künstler der Rokoko-Umgestaltung waren die Freskenmaler Matthäus Günther und Georg Dieffenbrunner sowie der Stuckateur Franz Xaver Feichtmayr, die trotz der vorgegebenen Enge des Baues eine der prächtigsten Kirchen im Raum nördlich von München schufen, mit Fassungen in Smalteblau und Rosa mit Vergoldungen und Brokatierungen. 59)
Günther und Feichtmayr arbeiteten eng zusammen; so malte Günter unmittelbar nach dem Aufbringen des Stucks die Flächen aus.
Feichtmayr erhielt nach den Rechnungsbüchern 1754: 550 fl., Günther 300 fl. Günther legte zeitlich gesehen vor. Er beendete seinen Teil, die "mittere Kupl, das hintere Große Stückh im Langhaus und zwei der 14 seitenstückh" spätenstens im Juli 1755. Schließlich hat er nach dem Werkverzeichnis in diesem Jahr noch die Klosterkirche von Fiecht und den Chor der Pfarrkirche Wilten bei Innsbruck ausgemalt. Dieffenbrunner führte die Arbeiten Günthers in Indersdorf fort, war aber künstlerisch sehr eingeengt, weil er nach den Entwürfen Günthers malen musste. Das Ergebnis ist denn auch nicht sehr meisterlich. Kunstkenner können die Werke leicht dem jeweilgen Maler zuordnen.   77)



Aufhebung des Stifts 1783  43)  
Das Stift wurde auf Betreiben des bayerischen Kurfürsten Karl Theodor durch päpstliche Bulle vom 24.5. 1783 angeblich wegen "finanziellen Bankrotts" aufgehoben. Eigentlicher Grund aber war das Bestreben des Herzogs, dadurch an die Güter Indersdorfs zu kommen, das nach einem Verzeichnis aus der Mitte des 18.Jh. 424 Anwesen besaß; darunter 89 Höfe, 77 Huben, 30 Lehen und 228 Sölden 19)
. Die Aufhebung war gut eingefädelt:
Damals mussten die Klöster eine Steuer von 20 % auf die Einnahmen/Umsatz (nicht den Gewinn) entrichten. Der Indersdorfer Probst Sutor bat mit Schreiben vom 25.1.1782 um einen Erlass des Schulbeitrags, weil er diesen nicht aus seinen Einkünften bezahlen könne, sondern Schulden aufnehmen müsse. Dieses Schreiben nahm der Kurfürst zum Anlass, bei seinem Besuch bei Papst Pius VI. das Kloster Indersdorf als überschuldet darzustellen und das Schreiben des Propstes als Bitte um Aufhebung des Stifts hinzustellen.
Obwohl der Propst in einem weiteren Schreiben die Vermögensverhältnisse richtiggestellt hat (das Vermögen überstieg die Schulden um das Vielfache) und sich auch der Freisinger Fürstbischof von Welden dagegen wandte, wurde das Stift aufgehoben.

Hans Kornprobst schreibt dazu 43): "Seit längerem gab es Bestrebungen des Kurfürsten Karl Theodor, ein von Freising unabhängiges Hofbistum gründen (um die lästige Einmischung des Freisinger Bischofs über Seelsorge zu beenden). Als vorbereitende Maßnahmen sollten die kurfürstliche Hofkapelle an der Residenz und das Kollegstift zu Unserer Lieben Frau in München vereinigt werden. Dieses mußte mit dem nötigen Kapital ausgestattet werden. Letztendlich wurde dafür das Vermögen des Klosters Indersdorf verwendet." Der Plan mit dem Hofbistum erfüllte sich nicht, war aber wenige Jahre danach durch die Säkularisation des Bistums Freising ohnehin nicht mehr nötig.

Ein günstiger Nebeneffekt der frühen Schließung war, dass Indersdorf vom Klostersturm der Säkularisation 1803 verschont blieb und jetzt eine der besterhaltenen Klosteranlagen Bayerns ist.

- 1783-1820 Nach den Chorherren bewohnten bis 1820 Salesianerinnen das Klostergebäude.
- 1856 kamen die Barmherzigen Schwestern des hl. Vinzenz v.Paul, die sich der Erziehungsarbeit widmeten und Schulen betrieben.
- 1882 schrieb v. Hundt, das Kloster beherberge jetzt eine 160 Zöglinge zählende Rettungsanstalt für verwahrloste Kinder. 24)

- 1938 wurden die Schwestern enteignet; die Gebäude gehörten nun der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt".
- 1945: Nach dem Krieg nutzte die "United Nations Relief and Rehabilitation Administration" die Klostergebäude und betreute
           hier die traumatisierten Kinder aus den Konzentrationslagern.
- 1949 kamen die Barmherzigen Schwestern zurück. Sie betrieben einen Kindergarten, eine Hauswirtschaftsschule und eine
          Mädchenrealschule mit Internat. 59)
- 1987 wurde das ehem.Stift durch die Erzdiözese München und Freising übernommen. Es beherbergt nun eine Realschule für
         
Mädchen und Buben.


Pfarrbeschreibungen im 19.Jh  81)
In diesem Jahr 1866 wurde die Pfarrei wegen des Tod des bisherigen Pfarrers im Königlich-bayerischen Kreis-Amtsblatt von Oberbayern ausgeschrieben, damit sich neue Interessenten für das Pfarramt bewerben konnten. Dieser Ausschreibung können wir die Zahl der Gläubigen und vor allem die Gewinn-und Verlustrechnung der Pfarrei entnehmen. Die Ausschreibung im Amtsblatt war möglich und nötig, weil das Konkordat von 1817 (Art. XI Abs. 2) dem Landesherren das Präsentationsrecht zugesprochen hat, das vor der Säkularisation den geistlichen Korporationen (z.B. Klöstern oder Domkapiteln) gebührte. Im Übrigen gewährte es dem König das Präsentationsrecht auch auf alle Pfarreien, Kuratien und einfachen Benefizien, soweit dies schon seinen Vorfahren zukam.

 

Die Erledigung der katholischen Pfarrei Indersdorf, kgl. Bezirksamts Dachau betr.
Im Namen Seiner Majestät des Königs von Bayern
Durch den Tod des bisherigen Besitzers ist die katholische Pfarrei Indersdorf in Erledigung gekommen. Dieselbe liegt in der Erzdiözese München-Freising, im Dekanate Sittenbach und im k. Bezirksamte Dachau. Sie zählt 1236 Seelen, 5 Filialen, 1 Schule und 1 Armenkinderinstitut und wird vom Pfarrer und 2 Hilfspriestern, von denen zur Zeit einer nicht gehalten wird, pastorirt.

Die Einkünfte dieser Pfarrei betragen:
  I. An ständigem Gehalte:               
     aus Staatskassen an baarem Gelde               660 fl. -- kr
 II. Ertrag aus Grundstücken                              16 fl. -- kr
III. Aus den Einnahmen von besonders
      bezahlten Dienstverrichtungen:
      1.) Bezüge von gestifteten Gottesdiensten   220 fl. 24 kr.
      2.) an Stolgebühren                                 353 fl. 58 kr.
IV. Aus herkömmlichen Gaben und
     Sammlungen bei der Gemeinde                      13 fl. 28 kr.
 V. Fixe Bezüge zur Sustentation
     der Hilfsgeistlichkeit                                    600 fl. -- kr
                                                                      --------------
                                           in Summa        1863 fl. 50 kr.

      Die Lasten bestehen:
  I.  wegen der Staatszwecke  bisher                   3 fl. 30 1/2 kr.
 II.  wegen des Diözesan-Verbandes                     2 fl. 12 kr.
III. wegen besonderer Zwecke und
      Verhältnisse der Pfarrei                             815 fl. 26 kr.    
                                                                      --------------
                                           in Summa          821 fl.  8 1/2 kr.

wonach sich ein fassionsmäßiger Reinertrag von 1042 fl. 42 1/2 kr ergibt.

Bewerber um diese Pfarrei haben ihre vorschriftsmäßig belegten Gesuche binnen 4 Wochen bei derjenigen k.Kreisregierung, Kammer des Innern, zu übergeben, in deren Bezirk sie ihren Wohnsitz haben.

München, den 27.Oktober 1866
Königliche Regierung von Oberbayern, Kammer des Innern
Bei Beurlaubung des k.Regierungs-Präsidenten: v. Hermann, I.Direktor, Schriftführer Vitzthum

 


Beschreibung um 1880 3)

Kirche und Pfarrei Indersdorf sind auch in der "Statistischen Beschreibung des Erzbisthums München-Freising" aus der Zeit um 1874-84 unter dem Dekanat Sittenbach enthalten, die zunächst der Benefiziat Anton Mayer und -nach dessen Tod 1877- Pfarrer Georg Westermayer als Buch veröffentlichten. Diese bisher umfangreichste Diözesanbeschreibung sollte in erster Linie den praktischen Bedürfnissen der Diözesan- und Staatsverwaltung dienen. Daneben hat das Werk in Form von "kleinen Notizen" die Ergebnisse der aufblühenden orts- und lokalgeschichtlichen Forschung sowie die gedruckten Quellen und die von Heckenstaller und Deutinger gesammelten Unterlagen im Archiv des Erzbistums verwertet. Erste Grundlage dieser "Mosaikarbeit" waren Mitteilungen der Pfarrämter.
Darin ist auch die Pfarrei Indersdorf als eine der größten Pfarreien des Dachauer Landes enthalten.

Ansicht 1856
Geographie: Indersdorf ist an der Glonn ziemlich tief gelegen. Die Pfarrei hat 1484 Seelen in 249 Häusern. Davon wohnen 967 Gläubige (in 162 Häusern) in Indersdorf selbst, die Übrigen in Albersbach 51 (7), Glonn 237 (44), Ottmarshart 73 (12), Siechhäusern 33 (8), Straßbach 36 (7) und in 5 weiteren Weilern und Einöden. Der Umfang der Pfarrei beträgt 19 km.
Pfarrei: Das Präsentationsrecht liegt beim bay.König. Die Pfarr-Rechnung ergibt bei Einnahmen von 3269 M und Ausgaben von 1412 M einen Reinertrag von 1857 Mark. Ein Widum war nicht vorhanden. Der Grundbesitz umfasste nur 2 Tagwerk. Das Pfarrhaus war Teil der früheren Klostergebäude. Es ist geräumig, zu ebener Erde feucht und insgesamt nicht sehr passend; das Erbauungsjahr ist unbekannt. Baupflicht hat das Staatsärar. Im Pfarrhaus wohnen der Pfarrer und 2 Hilfspriester. Jetzt, im Jahr 1874, ist eine Stelle unbesetzt. Die Matrikelbücher der Pfarrei beginnen 1603.

Kirche: "Ursprünglich gebaut um 1127. Restaurirt durch Probst Gelasius 1755. Baustyl ursprünglich romanisch, jetzt Rococo. Geräumigkeit zureichend. Baupflicht der Staat. 2 Spitzthürme mit 6 Glocken. Erste Consecration der Kirche vorgenommen 1128 durch Conrad, Erzbischof von Salzburg. 8 Altäre, Orgel mit 22 Registern. Cemeterium (=Friedhof) bei der Kirche, ohne Kapelle. Gruft in der Kirche. Seit 1879 ist für das Districtskrankenhaus ein eigenes Cemeterium mit Capelle angelegt. Gottesdienste an allen Sonn- und Festtagen. An den Monatsonntagen Rosenkranz ,Predigt und theophorische Procession (=feierliche kirchliche Prozession mit Monstranz) in der Kirche. Am Tage nach Christi Himmelfahrt Bittgang nach Ainhofen, am Pfingstmontag Bittgang nach Straßbach. Den Meßnerdienst besorgt ein angestellter Meßner, den Cantordienst der Lehrer. Eigenes Meßnerhaus vorhanden. Vermögen 41.700 Mark".
Benefizium: Bei der Pfarrkirche besteht das Kiening'sche Emeriten-Beneficium, gestiftet am 15.Juli 1873 von Nikolaus Kiening, Privatier zu Kloster Indersdorf, confirmirt (=bestätigt) am 5.1.1875. Besetzungsrecht hat der Bischof. Der Beneficiat, der aus den Erträgen finanziert wurde, musste wöchentlich 4 Messen sowie je 1 Obligatmesse an den Quatemberfreitagen (=Freitage nach: 1.Fastensonntag, Pfingsten, 3.Septembersonntag und 3.Adventssonntag) halten; daneben hat er im Beichtstuhle, bei Leichengottesdiensten und bei feierlichen Prozessionen auszuhelfen. Er wohnt im neu erbauten Benefizialhaus mit Wurzgarten, das im Erdgeschosse etwas feucht ist. Die Erträgnisse des Beneficiums betragen 1108 Mark jährlich".


Beschreibung 1895 05)

Die Pfarrkirche von Indersdorf ist auch im Verzeichnis der Kunstdenkmale des Königreichs Bayern erwähnt, dessen Dachauer Teil 1888 von Prof. Gustav von Bezold und Dr. Georg Hager bearbeitet und 1895 von Betzold und Dr. Riehl im Auftrag des Königl.Bayer. Innenministeriums herausgegeben wurde. Der Text lautet:
 

"A.Kloster Indersdorf
Indersdorf , eine dreischiffige Basilika ohne Querschiff, hat tiefgreifende Veränderungen durchgemacht.
Ein romanisches Portal ist erhalten, die Thürme sind gothisch, der Eindruck des Inneren wird zunächst durch die reiche Dekoration von 1754 beherrscht, man gewahrt jedoch bald, dass dieselbe nur einem älteren Bau übergeworfen ist. Es ist eine Pfeilerbasilika mit ziemlich enger Pfeilerstellung von beträchtlicher Länge, im Querschnitt von schmalen, hohen Verhältnissen. Die ganze Raumbehandlung weist auf die Spätzeit des romanischen Stiles hin.
Wir haben eine Nachricht dass das Kloster 1264 durch Brand zerstört worden sei Möglicherweise gehört der Bau jener Zeit an, nach den Formen des Portales muss man auf die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts schliessen."
B. Klosterkirche und Kapellen
Die umfangreiche Beschreibung der Kirche, der Rosenkranzkapelle und der Nikolaikapelle habe ich auf eine eigene Seite gesetzt. Sie zeigt die Kirche naturgemäß nach dem Stand von 1895.
Wenn Sie den Bericht lesen möchten, klicken Sie hier...

Restaurierungen, Umbauten und Ausstattungen
Die Kirche ist im Eigentum der Pfarrei Indersdorf. Da es sich um die ehemalige Kirche eines aufgehobenen Chorherrenstifts handelt, trägt die Pfarrei nur sekundäre Baulast, die die Fresken, Stuck und Innenwände sowie die Altäre, Gemälde, Plastiken, ein Teil der Beichtstühle und Schränke umfasst. Der Freistaat Bayern hat die Baulast für das Mauerwerk, den Hochaltar, die Kanzel, die Bestuhlung die Orgel und für zwei Beichtstühle zu tragen. 65)

um 1470    sieben Glocken von Glockengießer Meister Paul aus Augsburg 26)
1653
.....  Maler Johann Hartwig erhielt für "Altarmuntierung" und die Fassung eines alten Frauenbildnisses,
               dem Krone und Szepter vergoldet wurde, und für Arbeiten im Refektorium des Klosters 12 Gulden
               (und 30 Kreuzer für die mithelfende Tochter)
23) .
1655 .....  Fassung des Augustinusaltars in der Klosterkirche durch Maler Johann Hartwig
23)
1656/59  Schlossmaurermeister Hans Harschacher besserte in dieser Zeit dreimal die Kirchtürme aus und
               verputzte sie (um 60 Gulden)
23)
1670 .....  der Maler Wolfgang Prandtstetter fasste und vergoldete die Figuren der Hl.Dreifaltigkeit und der
               Maria am Hochaltar (angeblich in Langenpettenbach ?) um 30 Gulden. Außerdem schuf er "die
               Hl.Dreifaltigkeit auf Tuch für den Rosenkranzaltar um 18 Gulden"
23) .
1699 .....  Glasermeister Martin Weber aus Dachau erstellt zwei Drahtgitter beim Frauenaltar und an der
               rechten Chorseite; außerdem verglaste drei große Fenster. Salär: 62 Gulden und 32 Kreuzer.
91)
1710/21
  Barocke Umgestaltung der Kirche
1717 .....  Schlossermeister Georg Spitzer aus Dachau († 1741) lieferte drei aus Blech ausgehauene Gitter
               für die Rosenkranzkapelle um 36 fl 25 kr. 23)    
        .....  Josef Lederer (1676-1733), Hofmaler in Freising, renovierte die Malereien im Refektorium für
               60 Gulden. 23)
        .....  Zinngießer Johann Ferdinand Renz aus Kufstein († 1742) lieferte sechs Paar zinnerne
               Opferkanndl, 22 Dreiquartlkanndl und zwei Altarleuchter 23)
1719
.....   erwarb das Kloster ein weißes Messgewand um 480 fl. (!?), ein schwarzes um 25 fl 23)

1720 .....  besserte der Goldschmied Franz Kessler ein Paar silberne Opferkänndl und ein Rauchfass aus. Sein
               Honorar beträgt 20 Gulden.
1721 .....   der Glockengießer Thaller liefert ein Rauchfass um 5 fl. 15 kr
23)
1754/55   Rokokoausstattung
1783 .....  zwei Marmorsäulen, 6 Schuh hoch (=2 Meter) um 23 Gulden durch Stadtsteinmetzmeister Michael
               Schweinberger geliefert 23)
1784 .....  Überschlag (=Kostenvoranschlag) für geplante Umbauten und Renovierung von Kloster-  und
               Wirtschaftsgebäuden (errechnete Gesamtsumme: 6557 Gulden) 23)  
        .....  Franz Kirzinger, kurfüstlicher Maler übernahm für 130 Gulden die Ausmalung des
               Klosterfrauenchores 23)
        .....  Auch Kistler Walter Vitus aus Sigmertshausen war bei dem Umbau tätig. Er erhielt für seine
                Arbeiten einen Lohn von 251 Gulden
23)
        .....  Glasermeister Josef Wagner hat im Klosterbereich wohl viele Fenster verglast. Jedenfalls                berechnete er dafür 512 fl. 41 kr. 90)
1794 .....  Überschlag für neue Turmspitzen durch Zimmermeister Kern Simon Kern und Baumeister Matthias                 Widmann 28) beide aus München 23) , 32)
1907/08
  Renovierung
1937 .....  Turmreparatur
1972 .....  Einbau der Warmluftheizung; dabei kam unter dem Fußboden vor dem Eingang zur Rosenkranz
               kapelle der größte Backstein Bayerns im Ausmaß von 72x72x13 cm zum Vorschein 64)66),
               der sich seit 2014 im Augustiner Chorherren Museum in Indersdorf befindet.
                 ... mehr über den Backstein ...

1983/88  Innenrenovierung 10 Mio DM;
1996 .....  Wasserschaden in der Rosenkranzkapelle behoben 88)

2010 .....  Statik des Hochaltars verbessert 88)

2011 .....  Dachstuhl im Bereich der Kuppel über dem Hochaltar u. Fresko in der Kuppel instandgesetzt 88)

2017 .....  Außenrenovierung, Dachsanierung, Elektrik, Behebung von Feuchteschäden in der Annakapelle,
               Reparatur von Glockenstuhl und Turmuhr,
98)
2018 .... Sakristei, Orgel
98)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Turmreparatur 1937

 



Statistik

In den alten Matrikeln, Beschreibungen und Zeitungsberichten werden immer wieder Zahlen genannt, die sich auf die Bevölkerung, die Seelen (Pfarreiangehörige), Häuser, Anwesen, Gebäude oder Familien beziehen. Leider ist die Bezugsgröße dieser Zahlen sehr unterschiedlich; sie sind deshalb nicht immer vergleichbar. So beziehen sich die Werte teils auf die Ortschaft oder die Gemeinde, teils auf die Pfarrei.
1831: 2 Ortschaften 11)
          Kloster Ind.(190 Einw. in 17 Häusern) 1 Bräuhaus, 1 weilb.Erziehungsinstitut der Salesianerinnen, Jochbrücke von 90 Fuß
          Kirchdorf Ind. (420 Einwohner in 71 Häusern), 1 Sichen-, 1 Bräu-, 3 Wirtshäuser, 1 Brennerei, Mahl- u.Sägmühle, Schmiede
1847: Pfarrei mit 1036 Seelen 36)
1852: Pfarrdorf mit 166 Familien und 682 Einwohnern in 33 Gebäuden. "Die Gebäude des ehem Chorherrnstifts wurden 1783 den
         Salesianerinnen eingeräumt, welche 1831 nach Dietramszell transferirt wurden. Gegenwärtig befindet sich daselbst eine
         Irrenanstalt" 44)
1868:
Ortschaft Kloster Indersdorf "mit 255 Einwohnern in 44 Gebäuden, 1 Filiale der barmh.Schwestern, Erziehungshaus für
         arme Kinder, 1 Brücke über die Glon".
75)



Berichte aus der Pfarrei  8)
Die Dachauer Zeitungen haben in den letzten 120 Jahren immer wieder aus dem Pfarrleben berichtet. Diese oftmals in blumiger Sprache verfassten Berichte beschäftigen sich nicht unmittelbar mit dem Kirchengebäude, vermitteln aber einen ergänzenden Eindruck aus der damaligen Zeit. Meist werden Glockenweihen, Primizen, Priesterjubiläen oder Beerdigungen von Pfarrern beschrieben, wie hier auf der Seite für Indersdorf. Wenn Sie die Berichte lesen möchten, klicken Sie hier...


Baubeschreibung der Klosterkirche


romanisches
Portal von 1128


Der Grundriss der Kirche entspricht noch immer dem romanischen Bau von 1128. Aus dieser Zeit ist noch das etwas klobige Stufenportal im Westen (vor der gewölbten Vorhalle aus dem 16. Jh.) verblieben.

Beim Kirchenbau handelt sich um drei Schiffe ohne Querschiff mit sieben Arkaden (4 im Laienschiff, 3 im Chor), wobei die Chorarkaden im unteren Teil vermauert, im Obergeschoss aber zu imposanten Emporen geöffnet sind.
Die Fenster in den Schildmauern d.h., im Mauerwerk des Hauptschiffs oberhalb der Seitenschiffe, haben Ohrmuschelform (= geschweifte Raute). 05)
Maße: Die Länge der Kirche beträgt 52 Meter, die Breite 17 Meter. Das Mittelschiff ist 7 Meter breit und 14 Meter hoch. Die beiden Seitenschiffe haben mit 23 Metern nicht einmal die halbe Länge des Mittelschiffs; sie sind je 5 Meter breit und knapp 8 Meter hoch. Als Decken sind seit dem gotischen Umbau Tonnengewölbe eingezogen; sie haben eine beachtliche Dicke von 45 bis 50 cm (Ziegelformat 42 x 21 x 9 cm). 65)

Die runden Scheidbögen, d.s. die Bögen in der Trennmauer zwischen dem Mittel- und Seitenschiff, sitzen auf kräftigen Pfeilern, denen Pilaster mit korinthisierenden Kapitellen vorgelegt (= vorgemauert) sind und die darüber verkröpfte Gesimsstücke tragen 05).

Bei Untersuchungen für die Restaurierung 1974/84 wurde festgestellt, dass die 70 cm tiefen Fundamente der Kirche aus Natursteinen besteht, die mit Putz und Malresten versehen sind, also schon einmal an anderer Stelle verbaut worden waren. 65)

Hinter dem um fünf Stufen erhöhten Altarraum sitzt ein vierseitiger niedriger Turm mit Laterne. Dadurch ergibt sich im Inneren ein durchlichteter Kuppelraum über der Apsis. Der Bau wurde wohl noch zur Regierungszeit von Propst Dominikus Vent (1693-1704) begonnen und unter seinem Nachfolger Propst Georg II. Riezinger (1704-1721) beendet; jedenfalls wird der Altarraum in der Leichenrede für den verstorbenen Riezinger als dessen Werk gepriesen.
Nach Dr.Morsch liegt "die architektonische Qualität des Kuppelraums zweifellos in der neuen Lichtkonzeption, die den Hochaltar in hellstem Licht erscheinen lässt. In der Kuppel stehen in Nischen große Statuen der vier lateinischen Kirchenlehrer (Augustinus, Ambrosius, Papst Gregor und Hieronymus). Sie haben eine geringe künstlerische Qualität. Der Stuck und die Ausmalung stammen von 1754/55, als die Kirche im Stil des Rokoko umgestaltet wurde. Lediglich ein paar Stuckreste mit kreisrunden Spiralranken aus Akanthusblättern haben sich von der Erstausstattung 1715 erhalten. 73)

An der dem Friedhof an der Nordseite zugewandten Außenmauer ist ein großes Kruzifix mit darunter stehender schmerzhafter Muttergottes angebracht.
Das Kreuz hat einen besonders langen senkrechten Balken; die Balkenenden sind dreipassförmig gestaltet. Der Corpus zeigt Jesus wohl im Moment des Sterbens. Er hat sein Gesicht zum Himmel gerichtet und scheint auszurufen: "Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist!" (Luk 23,46). Einige Besonderheiten dieser Kruzifixdarstellung seien noch erwähnt: Die Nägel an den Händen sind nicht durch die Handflächen, sondern (historisch richtig) durch die

Außenkruzifix
Handwurzel getrieben. Die Handflächen hätten das Gewicht des Körpers nicht ausgehalten. Die Füße sind nebeneinander
mit zwei Nägeln angeheftet. Es handelt sich deshalb um ein sog. Viernagelkreuz, weil insgesamt vier Nägel gezeigt werden.

Diese Darstellung war in den ersten 1200 Jahren des Christentums üblich. Seit der Gotik werden die Beine des Gekreuzigten auf Darstellungen im Allgemeinen nicht mehr nebeneinander, sondern übereinandergeschlagen wiedergegeben. Die Füße sind nur mit einem Nagel am Kreuz befestigt (Dreinageltypus). Dies dürfte, wie Ausgrabungsfunden von Gekreuzigten zeigen, historisch korrekt sein.

Die unter dem Kreuz stehende schmerzhafte Muttergottes (Mater dolorosa) trauert nicht nur mit dem Gesicht, sondern mit der ganzen Körperhaltung. Das sonst übliche Schwert durch die Brust, das an das Simeonwort bei der Darstellung Jesu im Tempel erinnert (Luk 2,35), fehlt hier.


Mater dolorosa
außen

Türme

Indersdorf ist die einzige Kirche im Landkreis Dachau mit zwei Türmen. Der Unterbau des Nordturmes stammt noch aus romanischer Zeit. Zwischen 1440 und 1470 wurden der Südturm errichtet und beide Türme erhöht. Nun haben sie eine Höhe von 54 Metern bei einer quadratischen Grundfläche mit 6,70 Metern Seitenlänge.

Dieffenbrunner bildet auf seinem Stich aus dem Jahr 1762 noch die barocken Giebel ähnlich derjenigen der Ainhofener Kirche (1764 durch Mich und Regauer) ab. Die heutigen Spitzgiebel könnten aus der Zeit um 1800 stammen (1794 Überschlag durch den Stadtzimmermeister Simon Kern aus München 32) ). Bei der Restaurierung 1984 fand man in der Kugel des Nordturms (Durchmesser 70 cm) unter dem 2,30 m hohen Kreuz eine Kassette mit Urkunden aus der Zeit von 1834 bis 1905, Münzen, Rosenkränze, Wachsbilder und andere Andachtsgegenstände. 27) "Im nördlichen (linken) Thurm führt eine gothische Thüre zur Westempore der Kirche" schreiben Bezold/Riel 05) .

Die mir vorliegenden Angaben über die Glocken in den Türmen sind nicht eindeutig:

-
Nach Aussage des ehem. Kirchenpflegers Berghammer hängen im Nordturm noch drei der insgesamt sieben 27) von Meister Paul aus Augsburg (?) gegossenen alten Glocken von 1442 26) (andere Quellen: 1452, 1457 und 1470 23) ) sowie eine Glocke aus dem Jahr 1750.
Die beiden Glocken im Südturm, die von unter dem ab 1442 amtierenden Joh.Rothuet beschafft worden sind 71)
, sollen im Dreißigjährigen Krieg beschädigt worden sein und haben seither nicht mehr geläutet. Auch sie sollen vom Glockengießer Paul stammen. 26) Max Gruber schreibt, im Jahr 1762 habe der Augsburger Glockengießer Philipp Abraham Brandtmair eine Glocke für Indersdorf gegossen 26) .
-
In der Beschreibung von Anton Mayer aus dem Jahr 1874 sind die Inschriften von dreien der auch damals sechs Glocken enthalten:
a) Frauenglocke: "Anno Domini MCCCCLII (=1452). O rex gloriae Christe veni cum pace. O du hochgelopde losame junckfrau maria ich sag dir danck dir. - Glockenklang ich ruef den lemdigen ich klag die Toten, got geb maister Paulssen den ebigen lon.ihs. Maria.Johannes"
b) Vormeßglocke: Bild des hl.Florian und folgenden Text: "Anno Domini MCCCCLVII (=1457). O rex gloriae Christe veni cum pace. in den eren unser frauen. maister Pauls"
c) Wandlungsglocke: Sub Gelasio Praeposito ... campana haec fusa est Monachii MDCCLXI (=1761).
-
Nach einem Zeitungsbericht über eine Glockenweihe 1962 hingen vor den Weltkriegen vier Glocken aus dem Jahr 1457 und zwei jüngere Glocken auf dem Glockenturm. Im Weltkrieg mussten die beiden jüngeren, die zweitgrößte und die kleinste Glocke, zum Einschmelzen abgeliefert werden. Als "Ersatz" ist eine neue Glocke vom Erdinger Glockengießer Czudnochowsky beschafft worden. Sie wiegt 22 Zentner, erklingt im Ton Es und trägt die Aufschriften "Praedicamus Christum crucifixum" ("Wir predigen Christus den Gekreuzigten" = Wahlspruch von Kardinal Döpfner) und "Im Jahre des Herrn 1962 - HI. Florian bitt für uns." Der letztgenannte Text lässt den Schluss zu, dass sich unter den im Krieg abgelieferten Glocken auch die 1874 beschriebene Vormessglocke mit dem Bild des hl.Florian befand. Wenn Sie am Zeitungsbericht über die Glockenweihe 1962 durch Erzbischof Müller interessiert sind, klicken Sie hier...
Das Glockengeläute (Tonfolge: d1-f1-a1-d2-e2 ) ist in Youtube eingestellt; wenn Sie es hören möchten, klicken sie hier....

Mehr über die ältesten Glocken in den Kirchtürmen des Landkreises Dachau finden Sie hier ....

Die Westfassade der Kirche zwischen den Türmen enthält eine mit Marmor ausgekleidete Nische, in der eine Statue des hl.Augustinus, des Patrons des Klosters, auf Indersdorf und insbesondere auf den Biergarten direkt unter ihr hinunterblickt. Die jeder Witterung und allen Stürmen ausgesetzte Figur aus Lindenholz wurde um 1985 restauriert. Dabei wurden beide Hände, die seitlichen Falten des Mantels, das brennende Herz in der Hand und der Bischofsstab neu geschnitzt. Außerdem hat man die Figur neu gefasst und mit Blattgold in Ölgoldtechnik teilvergoldet. 30)


Innenausstattung

Maße: Die Länge der Kirche beträgt 52 Meter, die Breite 17 Meter. Das Mittelschiff ist 7 Meter breit und 14 Meter hoch. Die beiden Seitenschiffe haben mit 23 Metern nicht einmal die halbe Länge des Mittelschiffs; sie sind je 5 Meter breit und knapp 8 Meter hoch.


                großes Foto              360-Grad-Foto          

Die Kirche ist kein einheitlicher Rokokobau. Da im 18.Jh die Mittel für einen Neubau fehlten, wurden die vorhandenen (schmalen) gotischen Kirchenräume lediglich barockisiert. Dadurch wirkt der Bau im Inneren noch höher, als er tatsächlich ist. Da das Mauerwerk im 19.Jh wegen Geldmangels nicht verändert werden konnte, ist es so erhalten, wie es auf den Stichen des Propstes Morhart aus dem Jahr 1762 gezeigt wird.
Der vor einigen Jahren renovierte Innenraum mit reicher Rokokoverzierung ist mit überschwänglichem Rocaillestuck ausgestattet.
Der großartige Schmuck in der Kirche der Barockzeit sollte ein Abbild des Himmels erzeugen sowie die schon hereinleuchtende Herrlichkeit Gottes und die tröstliche Gemeinschaft der Heiligen darstellen. Die Klosterkirche Indersdorf gilt als Gegenstück zur Rokokokirche in Rottenbuch, die ähnlich prunkvoll gestaltet ist und in der ähnliche Themen behandelt werden wie in Indersdorf.

Die Maler und Stuckateure hatten sich mit den engen und steilen Proportionen des Raums auseinander zu setzen. Wie bei den Umbauten in Steingaden und Rottenbuch ist auch hier die Höhe des Schiffs zwischen Arkaden und den stark veränderten Fenstern durch den Einschub von Wandfresken bewältigt worden.

Deckenfresken 16) 42)

  
  Berühmt ist die Kirche in Indersdorf wegen ihrer vielen Fresken, die von den Künstlern Matthäus Günther
  (Deckenfresken im Hauptschiff) und Georg Dieffenbrunner geschaffen wurden.
  34 Bilder schmücken den Innenraum. Hauptthema sind Szenen aus dem Leben des hl. Augustinus.

  - An den Langhauswänden erzählen 16 Bilder vom Lebensweg des hl.Augustinus
  - An den Deckengemälden in den Seitenschiffen, in der Annakapelle u. in der Sakristei wird seine priesterliche Tätigkeit
    als Vorbild für den Orden dargestellt.  
  - Auf den Deckenbildern des Mittelschiffs erfolgt als letzte Steigerung, der Übergang zu göttlichen Bereichen als  
    Kirchenvater und Heiliger".  


  Eine Übersicht und die ausführliche Beschreibung der Fresken finden Sie hier..

 

 

Altarraum

Der in Klosterkirchen übliche tiefe, 3-jochige Chor ist gegenüber dem Kirchenschiff um 8 Stufen erhöht. Er bildet nicht wie in anderen Kirchen den Abschluss nach Osten hin; in Indersdorf schließt sich noch das sog. Altarhaus (Lichtschachtartiger Raum hinter dem Hochaltar) an. Es dürfte um 1705 errichtet worden sein.59) Der Chor ist zweischiffig; das linken Schiff bildet den Gang zur Sakristei aus dem Jahr 1755.

Hochaltar/ Choraltar

Der Hochaltar, 1721 (sign) gebaut durch den Kistler Blasius Zwinck ? aus Miesbach/ Schliersee, ist ein Prunkstück altbayerischer Altarbaukunst mit zweigeschossigem Aufbau und halbkreisförmigem Grundriss, nach Auffassung von Dehio "einer der imposantesten und üppigsten der Epoche" 10). Der unter der Kuppel erbaute Altar überragt sogar das Kirchenschiff.
12 Pfeiler und Säulen stützen das Gebälk mit zwei großen Engelsfiguren Von den (Komposit-)Kapitellen grüßen Englein. Der Altar ist überreich geziert, mit Rosetten, Blütengehänge, Akanthus, Durchbruchsarbeiten, Bandelwerk und Muschelwerk. 73)
Das Retabel (der hohe Altaraufbau) sitzt an keiner Stelle auf dem gemauerten Mensa auf; man kann den Altartisch deshalb vor der Retabel frei umrunden.
1721 wurde der Altar vom Oberschleißheimer Künstler Franz Deschler (für 1268 Gulden) neu gefasst (= bemalt). Der enorme Betrag erschließt sich aus den hohen Kosten für die Farben, die der Maler auf eigene Kosten beschaffen musste. Die Fassung zeigt (im Gegensatz zum Rokoko) ziemlich naturnahe Marmorierungen in Grau, Blau-Grün und Hellrot mit weißlichen Einsprenkelungen. 73)

TabernakelSt.KatharinaJohannes der TäuferAltarblatt
Der Hochaltar von 1721

Oberhalb der Bilder in dem mit Putten verzierten Altaraufsatz das Auge Gottes im Dreieck, das Symbol der Dreifaltigkeit und darüber, an der Spitze des Altars, drei volllfigurige Putten: die beiden Putten aus weißem Marmor stellen Engel dar, die den aus dunklerem Marmor gearbeiteten Menschen zu Gott geleiten.


Drei Putten

Das Hochaltarbild besteht aus dem Altarblatt "Himmelfahrt Mariae" und einem Oberbild. Es wurde vom kurfürstlichen Hofmaler Johann Andreas Wolff (1652-1716) im Jahr 1691 geschaffen (Sign:Andre Wolff Infenit Anno 1691) und erst 25 Jahre später in das Retabel übernommen. Das Altarblatt ist von zwei, das Oberbild von drei Säulen umrahmt.

Das große, untere Altarblatt auf dem
die "Himmelfahrt Mariens" dargestellt ist. Maria wird aus dem Sarkophag, der im unteren Teil des Bildes erkennbar ist, in den Himmel gehoben.

Der Sarkophag ist zwar offen; doch der Maler hat den Blick-winkel des Betrachters so gewählt, dass der nicht in den Sarkophag hineinsehen kann. Über dem Sarkophag stellt ein Gewölk die Trennung zwischen dem irdischen und dem himm-lischen Bereich dar.


Hochaltarblatt
v. Andreas Wolff

Zwei große Trage-Engel, einer davon mit schneeweißen Flügeln, heben den Körper Marias empor. Die Muttergottes ist in aufrechter Position schwebend dargestellt. Ihr Kleid ist rot, ihr Mantel blau. Ein weißes Tuch bedeckt den Kopf und die Schultern. Jesus erwartet in Begleitung von weiteren Engeln seine Mutter. Er hat ein orange-nes Tuch um seine Hüften gewickelt. In seiner rechten Hand hält er eine Sternen-krone, die er zum Haupt Marias führt. Am oberen Bildrand ist die weiße Heilig-Geist-Taube zu sehen.
Am rechten Bildrand erscheint hinter dem Sarkophag fast schemenhaft der Erz-engel Michael; er hält eine zarte Figur in den Händen. Es ist die Seele Marias, die er in den Himmel begleiten wird, so wie es die Legenda Aurea aus dem 13.Jh. schildert. Ein kleiner Putto links neben dem Sarkophag hält eine schwach leuchtende Mondsichel, ein Hinweis auf die Apokalypse. Ein weiterer Putto trägt einen Blumenkranz in der Hand. Das Altarblatt (Öl auf Leinwand) ist 4 x 2,25 m groß. 68)

Über das Farbenspiel auf dem Altarblatt schreibt Sabine Jasek (siehe Quellen):
  "In dem Altarbild wird von einem dunklen, grüngrauen Sarkophag und der dunkelbraunen unteren Zone ausgegangen. Dann folgen ein bräunlichviolettes Gewand des rechten Trageengels, der blaue Mantel Marias und die blassviolette Kleidung des linken großen Engels. Schließlich schimmern ein leuchtendes Gelb und der kräftig, leicht gebräunte Jesus in der hellen oberen Zone. Weiters verwendet Wolff verschiedene Formen des Lichts im Bild. Der Sarkophag ist in einem starken Hell-Dunkel-Kontrast auf der irdischen Ebene wiedergegeben, während Jesus und die Putten eher gleichmäßig hell dargestellt sind". 68)

Und auf eine weitere Besonderheit des Gemäldes, auf den Faltenwurf der Kleidung der von Wolff dargestellten Personen, weist Ulrike Götz hin.
  "Typisch für Wolff sind feine Geschlinge von schmalen Falten, deren Grate mittels eines zusätzlichen, teilweise sogar andersfarbigen, festen Pinselstrichs nochmals betont werden. Im Indersdorfer Altarbild kann dieser Faltenwurf bei den großen Engeln erkannt werden. Der rechte Trageengel trägt ein Tuch um seine Schultern, dessen Knoten am linken Oberarm im Licht erscheint. Der violette Stoff der Falten hat weiße Betonungen. Weiters trägt die Engelsfigur hinter Jesus ein weißbläuliches Gewand mit orangegelblichen Falten." 69)

Das Oberbild zeigt Gottvater mit der Weltkugel, der segnend auf die Besucher herabblickt. Das Oberbild war ursprünglich kleiner und zwiebelförmig gerahmt. Durch Planänderungen während des Altarbaus um 1715/21 musste es vergrößert werden: unten und oben wurden Leinwandpartien angefügt. Die Nahtstellen sind von unten erkennbar. 68)

Zwischen den beiden Altarbildern zwei Puttenfiguren, die eine goldene Krone mit Kreuz einrahmen. Beide Bilder sind von außerordentlicher künstlerischer Qualität. Das kompositorische Problem der Darstellung von zwei Frontalfiguren löste der Künstler dadurch, dass sich Christus und seine Mutter in ineinander verdrehten Spiralen annähern. 59)

Andreas Wolf war auch in Altomünster sowie in vielen anderen Klöstern tätig. Auch das Altarblatt in Albersbach scheint von ihm zu stammen. Auf seinen Bildern ist im Vordergrund fast immer ein großer Engel zu sehen. Typisch für Wolf ist auch die gerade Form der Nasen der gemalten Personen 41) . mehr zu Andreas Wolff finden Sie hier...

Assistenzfiguren am Hochaltar
Um das untere Altarblatt und den Tabernakel stehen sechs überlebensgroße Heiligenfiguren. Alle tragen vergoldete Gewänder. Die meisten von ihnen wenden sich in ihrer Körpergestik nicht dem Betrachter, sondern dem Altarbild zu. 73)

Es sind wohl Spätwerke des Bildhauers Andreas Faistenberger aus München (1646-1735), der öfter mit Wolff zusammenarbeitete. Einige Kunsthistoriker präferieren aber aufgrund von Stilvergleichen die Werkstatt der Fam. Ableithner, von der damals die Familienmitglieder Johann Blasius und Franz als Künstler tätig waren. Franz (1652 bis 1728) war übrigens mit der Tochter Anna Maria des Malers Nikolaus Prugger (1620-1694) verheiratet, dem Großvater der Asam-Brüder.

  Andreas Faistenberger zählte zu den erfolgreichsten und beliebtesten Bildhauern des Hoch- bzw. Spätbarock in Süddeutschland. Seine Werke sind in München auch in der Theatinerkirche, Frauenkirche, St.Peter, St.Michael Berg am Laim, der Herzogspitalkirche und im Nationalmuseum zu sehen.
Andreas Faistenberger wurde im Jahr 1646 als Sohn des Bildhauers Benedikt Faistenberger d. Ä. geboren. Er ging zunächst bei seinem Vater in der Lehre und arbeitete danach als Geselle bei Balthasar Ableithner. Im Alter von 21 Jahren reiste er nach Italien. Drei Jahre kam er nach München zurück. Im Jahr 1679 wurde Faistenberger vom Stadtrat als Meister der Bildhauerkunst anerkannt und übernahm nach der Vermählung mit der Tochter Maria Elisabeth 87) von Mathias Schütz (1610-1683) im gleichen Jahr auch dessen Bildhauerwerkstatt. Seine Werke sind in vielen Münchner Kirchen zu sehen: Theatinerkirche, Frauenkirche, St.Peter, St. Michael in Berg am Laim, Herzogspitalkirche und im Münchner Bürgersaal. Er starb am 8. Dezember 1735 in München
. 68)
Die Fassung (=Bemalung) der sechs Figuren ist dem Künstler Franz Deschler 89)zuzurechen; jedenfalls erhielt er 1720 "für 6 geschnittene Bilder", die er "mit fein golt und Silber planiert und mit Lasurfarben gefaßt" hat, 75 Gulden ausgezahlt. Dieser relativ geringe Betrag dürfte aber nur ein Abschlag gewesen sein. Denn ein Jahr später fasste Deschler den ganzen Hochaltar und erhielt dafür den enormen Betrag von 1268 Gulden 23) .
Heute weisen die Figuren nicht mehr die erwähnte Lüsterfassung auf; sie wurden im Zuge der Aufstellung des Tabernakels um 1900 abgelaugt und mit einer Inkarnatsfassung (=fleischfarben) und Polimentvergoldung (viertausendstel Millimeter dickes Blattgold auf Kreideuntergrund) versehen.
73)

Obere Assistenzfiguren sind die Heiligen Petrus und Paulus, die unmittelbar neben dem unteren Altarblatt zu finden sind. "Die aufgewirbelten Haare, die stark gelockten Bärte und die etwas feinteiliger geschnitzter Gewänder sind etwas unruhiger, aber auch reicher als die unteren Figuren", schreibt Dr.Morsch 73). Die beiden Heiligen halten ihre Attribute, die Himmelsschlüssel und das Schwert, in Händen.
Die Himmelsschlüssel bei Petrus erinnern an die Aussage Jesu "Dir will ich die Schlüssel des Himmelreiches geben. Was du binden wirst auf Erden, wird gebunden sein im Himmel, und was du lösen wirst auf Erden, wird gelöst sein im Himmel" (Matth 16,19). In der christlichen Symbolik repräsentieren die Schlüssel aber die Vollmacht, zu lösen und zu binden. Deshalb die beiden Schlüssel.
Das Schwert des Paulus ist das Marterinstrument. Paulus wurde als römischer Bürger nicht gekreuzigt, sondern enthauptet, berichtet die Legende.

     
Petrus und Paulus


Die inneren Figuren stellen die bekanntesten Heiligen Johannes dar:
Johannes d. Täufer
in kurzem härenem Schurz, mit Kreuzstab und Spruchband "Ecce agnus Dei" in den Händen. Johannes wendet sich mit dem Gesicht dem Betrachter zu und führt ihn mit seiner linken Hand hinauf zum Altarblatt mit der Himmelfahrt Mariens. Die Worte "Ecce Agnus Dei - übersetzt: Seht das Lamm Gottes, das die Schuld der ganzen Welt wegnimmt" sprach Johannes der Täufer, als er Jesus erstmals begegnete (Joh.1,29).
Joh.Evangelist
mit Schreibfeder und aufgeschlagenem Evangelienbuch, in dem die Worte "In principio erat verbum"- "Im Anfang war das Wort" - der Beginn seines Evangelienbuchs.


Die beiden Johannesfiguren stehen nicht zufällig an so prominenter Stelle in Indersdorf. Ihre Stellung erklärt sich aus der Inkorporierung der Chorherren in die Kongregation des Allerheiligsten Erlösers vom Lateran in Rom seit Propst Georg Mall (1673-1693). Durch die beiden Figuren sollten die Augustiner-chorherren auf die Gebetsverbrüderung hingewiesen und dem Kirchenbesucher die hohe Ehre der römischen Mitgliedschaft angezeigt werden.
73) Die dem hl.Johannes d.Täufer geweihte Lateranbasilika ist die Papstkirche so noch vor dem Petersdom die erste Kirche der Katholiken.


Johannes Bapt. u. Joh.Evangelist
 


Die beiden weiblichen Heiligen stehen auf den Außen-Postamenten.
St.Katharina
mit dem auf dem Boden aufgesetzten Schwert in der Hand und dem zerbrochenen Marterrad zu ihren Füßen      sowie die sonst eher unbekannte
St.Juliana
mit dem grünen Märtyrerpalmzweig. Die Heilige hat ihren Kopf in den Nacken gelegt und weist den Betrachter mit der linken Hand auf das Altarblatt hin. Der Palmzweig stellt den Sieg des Märtyrer über Welt und Fleisch dar. Er nimmt Bezug auf die Offenbarung des Johannes (Apo 7,9), in der es heißt: "Danach sah ich eine große Schar aus allen Nationen ... Sie standen in weißen Gewändern vor dem Thron und vor dem Lamm und trugen Palmzweige in den Händen".
Dr. Morsch vermutet in der Figur eine Darstellung der hl. Margareta, weil üblicherweise Katharinafiguren von Figuren der anderen beiden Nothelferinnen Barbara und Margareta begleitet werden. Da der hl. Barbara in Indersdorf bereits ein Seitenaltar gewidmet ist, sollte die Altarfigur St.Margareta darstellen.
   
St.Juliana und St.Katharina
Tabernakel
Den vergoldeten Tabernakel schuf um 1900 Josef Elsner aus München in neubarockem Stil. Auf der Kuppel über dem Mittelteil thront das Lamm Gottes auf dem Buch mit den 7 Siegeln.
Eingerahmt und gestützt wird der Tabernakel von Rebenlaub umwundenen Säulchen. Im Vorderfuß hält es die Siegesfahne. Das Buch mit den sieben Siegeln enthält die Namen der Gerechten und der Sünder sowie die Ereignisse die am Weltende geschehen werden.Die 7 Siegel können nur von Christus geöffnet werden (Ap 5,1 ff). Der Taber-nakel verdeckt die (vergoldeten) Sockel der Assistenzfiguren, die früher frei sichtbar waren.

Tabernakel
um 1900
Die ersten Jahre hatte der Choraltar von 1721 übri-gens keinen Tabernakel; der wurde erst unter Propst Aquilin I. Noder (1721-1728) angeschafft. Auch danach blieb der Tabernakel wohl leer. Denn die Annakapelle galt damals, also um 1700 als Sakra-mentskapelle. Der Altarraum war bis zur Rokoko-umgestaltung für das Chorgebet reserviert. Erst um 1755, als das Chorgebet auf die Empore verlagert war, hat man im Tabernakel die Eucharistie aufbe-wahrt. Das Lamm-Gottes-Fresko an der Decke über dem Altar ist ein Hinweis darauf. 73)
Hinweis: Tabernakel ist das lateinische Wort für Zelt. Die seit dem 12. Jh übliche Bezeichnung führt zurück zur Bundeslade der Israeliten zur Zeit Mose, die ebenfalls in einem Zelt unter-gebracht war. Der Tabernakel dient bereits seit frühchristlicher Zeit (unter anderem Namen) zur Aufbewahrung verwandelter Hostien für die Sterbenden. Im hohen Mittelalter wurde er auch Ort der Anbetung und Verehrung Christi in der Gestalt dieses eucharistischen Brotes. Der Ort und die Form der Aufbewahrung änderten sich im Laufe der Jahrhunderte häufig. Das Tridentinische Konzil (1545-63) ordnete die Aufstellung des Tabernakels auf dem Altar an. Doch diese Vorschrift wurde in Deutsch-land, wo man lange daran festhielt, die heiligen Hostien in Wandschränken und Sakramentshäuschen aufzubewahren, erst im 18. Jahrhundert umgesetzt. Durch die Aufstellung des Sakramentstabernakels beim Hochaltar wurde dieser zum geistigen Zentrum des christlichen Kirchenraums. Das 2. Vatikanische Konzil (1962-65) lässt die freie Aufstellung des Tabernakels wieder zu. Das geistige Zentrum ist nun der Zelebrationsaltar. Deshalb werden in modernen oder modernisierten Kirchen Tabernakel häufig in die Wand eingelassen oder stehen frei auf einer Säule.
Joseph Elsner (* 29. September 1845 in Schlaney, Landkreis Glatz, Provinz Schlesien; + 3. März 1933 in München) war ein Architekt und Kirchenausstatter des Historismus sowie Gemeindebevollmächtigter des Münchner Magistrats. Elsner führte überwiegend Arbeiten für kirchliche Auftraggeber aus München, Ober- und Niederbayern, dem bayerischen Schwaben und Schlesien aus. Häufig arbeitete er mit dem Münchner Architekten Johann Marggraff (1830-1917) und seinem Schüler Thomas Buscher(1860-1937) zusammen.

 

Altarhaus
Über dem Altar erhebt sich die um 1715 errichtete Kuppel, das sog. Altarhaus. Es ist ein achteckiger Bau, allerdings ein sog. Scheinoktogon, weil er außen viereckig ist. Darin stehen überlebensgroße Statuen der vier großen Kirchenlehrer.
Nach Dieter Morsch liegt "seine Qualität zweifellos in der neuen Lichtkonzeption des Kirchenraumes, die das Hochaltarretabel in hellstem Licht erschei-nen lässt und damit einen Höhepunkt in der Raum-abfolge bietet".

Kuppel über dem Choraltar
Große Fenster leiten von Süden und Norden Licht in den Kuppelraum, der innen achteckig, außen aber viereckig mit aufsitzender Laterne gestaltet ist. Dort stehen große Sta-tuen der vier Kirchenlehrer. Allerdings sind sie künstlerisch von einer geringen Qualität. "Details in der Gesichtsbehandlung sind stark eingeebnet, die Gewand-führung eher langweilig und manches, wie die fellartigen Zipfel an den Chorröcken, nicht verständlich". 73)

Die Mensa, der Altartisch ist gemauert. Die dicke Altarplatte darauf ist "eine unschöne Erneuerung vermutlich aus den 1980er Jahren", so Dr.Morsch. 73)


W
ittelsbacher-Gruft

Vor dem Choraltar liegt in den Boden eingelassen eine 1756 erneuerte Marmorplatte für den Stifter, Graf von Scheyern-Wittelsbach, mit Familienmitgliedern. Länge 140 cm, Breite 84,5 cm. 05)
Oben das Wittelbachische Wappen mit dem gezackten Balken.
Darunter die Schrift:
"
HIC REQUIESCIT + OTTO IV FUNDATOR / COMES DE WITLSPACH / CUM VIALYS ILLUSTR.SUAE FAMILIAE / OBYT IN DOMINO / MCXLVI. LAPIDEM HVNC / NOVUM POSUIT / GELASIUS PRAEPOSIT, 1756."

Wittelsbacher Gruft


Chorgestühl 25)


Chorgestühl
Das reiche Chorgestühl aus Eichenholz stammt aus dem Jahr 1760. Die hölzernen Sitzreihen für Kleriker und Mönche sind mit einer hohen Rückwand und schönen barocken Schnitzereien versehen. Es sind kleinere Einheiten mit nur jeweils drei breiten Dorsalfeldern. Nach Wartena Sybe wird "die Zentrierung hier zu einem guten Teil über die Schweifung und Verjüngung der Seiten erreicht. Die Rocaille hat sich vollständig der Pilaster bemächtigt" 50)
Das Chorgestühl diente den Mönchen zum gemeinsamen Lobpreis Gottes im Stundengebet und im Gesang beim Gottesdienst. Aber der Gestaltungsaufwand des Gestühls ging über diese reine Funktion hinaus.


Chorgestühlaufsatz

"Wenn der Barock den Chorraum mehr und mehr zu einer heilsgeschichtlichen Bühne umfunktionierte, Chorgesang und Gottesdienst mit Elementen des Schauspiels umgab, dann nahm das Chorgestühl neben seiner praktischen Aufgabe jetzt bühnenbildliche Funktion an", schreibt Herbert Schindler. Dafür mussten die Chorstühle aber im Sichtfeld der Gläubigen bleiben.
Ob diese Überlegung auch den sog. Chorstuhlstreit in Indersdorf beflügelt hat, ist mir nicht bekannt. Doch als bei den Umbaumaßnahmen 1755 Propst Morhart den Hochaltar nach vorne gerückt und die Chorstühle vom Altarraum auf die Orgelempore verlegt hat, stieß er auf erbitterten Widerstand der Konvents (= Mönchsvertretung). Sogar Bischof, Kurfürst und Papst wurden mit dem Streit befasst. Nach vielem juristischen Hin und Her setzte Morhart sein Konzept durch. Inzwischen ist das Chorgestühl aber wieder in den Altarraum zurückgekehrt. Mehr zum Indersdorfer Chorstuhlstreit siehe hier ...



Figuren im Altarraum

In den mit großen Muscheln ausgekleideten Nischen seitlich des Choreingangs stehen recht gute Figuren
-der Muttergottes in Gestalt einer Immaculata und
- von St.Josef, die -wie die Figuren am Hochaltar- von Andreas Faistenberger aus München (1646-1735) geschaffen worden sind. Sie können erst nach 1711 geschnitzt worden sein 59), sind aber wohl etwas älter als die Altarfiguren 73) . Beide Figuren am Chorbogen haben noch die originale Lüsterfassung, wie sie auch die Assistenzfiguren am Hochaltar bis 1900 besessen haben. Nach Dr.Morsch dürften im 18.u.19.Jh. alle großen Figuren der Kirche mit dieser Lüsterfassung versehen gewesen sein. 73)


Immaculata

Die Immaculatafigur steht auf einer blauen Erdkugel und auf dem Kopf einer Schlange, die die Welt umzüngelt.
Im Maul der Schlange steckt ein Apfel. Das Haupt Marias ist von einem Kranz von 12 Sternen umgeben . Maria überkreuzt beide Arme. Der Mantel wird mit einer Schließe über der Brust zusammengehalten und fällt über die Schultern herab. Diese Immaculatafigur in Indersdorf gleicht in hohem Maße der ebenfalls von Faistenberger geschnitzten Rodinger Immaculata (1709). Diese besteht jedoch aus Alabaster und ist nur 68 cm hoch.
Nach Dr.Morsch könnte die Anschaffung der Immaculatafigur mit der Aufnahme des Indersdorfer Stifts in die römische Bruderschaft der Unbefleckten Empfängnis" zusammenhängen, die in drei Breves von Papst Urban V. zwischen 1709 und 1713 bestätigt wurde 73)
, 04)

Die Darstellung der Immaculata zeigt Maria als neue Eva, die, wie in der Bibel angekündigt (Gen 3,15), der Schlange den Kopf zertritt. Die Schlange symbolisiert die Erbsünde und in weiterer Folge das Böse allgemein. Dieses Bildmotiv mit der Schlange ist erst seit dem 17. Jh. nachweisbar. Als nach der Reformation auf protestantischer Seite Christus mit dem Fuß auf dem Kopf der Schlange dargestellt wurde, hat Papst Pius V. (1566-1572) im Zuge der Gegenrefor-mation das Thema dogmatisch auf Maria fixiert ("Maria zertritt mit Hilfe von Christus die Schlange") und diese Darstellung in den katholischen Kirchen bildlich durchgesetzt. Immaculata-Madonnen sollen auch an die unbefleckte Empfängnis Mariens erinnern sollen. Papst Pius IX. verkündete 1854 das Dogma, dass Maria wie Jesus von der Erbsünde befreit gewesen sei. Die evangelischen Christen lehnen das Dogma ab. Auch im katholischen Raum wurde die Diskussion um diese Frage schon Jahrhunderte vorher kontrovers geführt. Deshalb gab es auch schon vor 1854 Immaculata-Madonnen.

Die Figur des hl.Joseph wird von der Autorin der Faistenberger-Biographie, Corinna Rösner, "wegen zu geringer Qualität" dem Künstler abgesprochen, doch es gibt auch für diese Figur in der Bürgersaalkirche ein Vorbild, das von Faistenberger stammt (1711). Hier stimmen die gleiche Stand- und Spielbeinstellung, die Haltung und das Zurücksinken der Schulter sowie die Gestaltung des Mantels frappierend überein. 73)

 


Zelebrationsaltar

Ambo

Der Zelebrationsaltar und der Ambo sind beide dem Stil des Rokoko nachempfunden, damit sie zu den übrigen Altäre passen.

Der Zelebrationsaltar besteht aus grau und rot marmoriertem Holz (= in Marmormuster bemalt) und ist teilweise, insbesondere an den Ecken vergoldet.
Der Ambo, der "Tisch des Wortes", ist wie ein Kerzenleuchter gestaltet.


Zelebrationsaltar
 

Hinweis: Der Ambo ist das Lesepult, an dem die Predigt, Lesungen und Evangelium vorgetragen werden.
In der Liturgiekonstitution des II.Vaticanums Sacro-sanctum concilium (SC 124) heißt es dazu:
"Die Verkündigung der Lesungen und des Evangeliums sowie die Predigt erfolgen wiederum von dem bereits
in der Liturgie des ersten Jahrtausends bekannten Ambo, dem als 'Tisch des Wortes'ein hoher Rang zukommt
".
Deshalb wurden nach dem Konzil (um 1970) in allen Kirchen Ambos (Lesepulte) aufgestellt. Sie sind der Ersatz für die nicht mehr benutzte Kanzel. Nach Möglichkeit soll der Ambo einen festen Platz haben und -wie der Altar- mit dem Boden fest verbunden sein. Die Größe der Buchauflage sollte sich am Evangeliar orientieren; ein Überstehen des aufgeschlagenen Buches kann hierbei die optische Präsenz des Wortes Gottes unterstreichen.

Hinweis: Der Altar war das Symbol des heidnischen Gottesdienstes. Das lateinische Wort adolere = verbrennen bezeichnet die ursprüngliche Bedeutung als Stätte zur Verbrennung der Opfer. Die ersten Christen hatten keinen Altar. Jesus versammelte die Seinen um den Tisch, und das hielten auch die Christen während der ersten Jahr-hunderte so; zur Eucharistiefeier konnte jeder beliebige Tisch dienen. Im 4.Jh wurde das Opfer Jesu in das Tischgeschehen hineingenommen und der Altar eingeführt. Er war meist aus Stein, frei aufgestellt und von allen Seiten zugänglich. Ab dem 8. Jh. weicht die Tischform immer mehr der Blockform. Dies kommt der Entwicklung entge-

Verzierung an den Ecken
gen,im Altar Reliquien von Märtyrern und Heiligen beizusetzen. Der zelebrierende Priester stand hinter dem Altar, sodass seine Handlungen während der Messfeier für die ganze Gemeinde sichtbar waren. Als der Altar dann im 11.Jh eine Rückwand mit hohen Altaraufbauten (Retabel) erhielt und weiter an die Ostwand rückte, wandte der Priester der Gemeinde den Rücken zu. Dies ist in der katholischen Kirche durch eine Liturgie-reform erst vor 55 Jahren wieder rückgängig gemacht worden. Der Zelebrationsalter ersetzt nun liturgisch voll den Hochaltar. 93)


Sakristei

Im Nordosten der Kirche ist seit 1752 die halbrunde Sakristei angebaut. Es ist -wie Dr.Peter Dorner schreibt 17) ,
    "ein erlesener Raum des Barock mit leichtem Feichtmayr-Stuck, Freskomalerei von Matthäus Günther und geschnitztem
     Schrankwerk. Hier findet sich in allem die künstlerische Höhe des Kirchenraumes, als dessen baugeschichtlicher Vorläufer
     und Probestück die Sakristei zu sehen ist
".
Die Sakristei hat einen elliptischen Grundriss. Sie wird von einem nur 5 m hohen Spiegelgewölbe überdeckt, das mit einem Gemälde von Matthäus Günther (sign 1753) bemalt ist. Wegen seines geringen Abstands zum Betrachter musste das Gemälde, das die Bekleidung des hl.Augustinus mit den bischöflichen Gewändern zeigt, mit extremer Untersicht gestaltet werden.
59)
Das Deckengemälde ist dem Raum angepasst: Es zeigt den hl.Augustinus, wie er mit den bischöflichen Gewändern bekleidet wird.

  Sakristei-
Kruzifix

Die Sakristei ist vom Altarraum durch einen Gang zu erreichen, der aus dem östlichen Teil des linken Seitenschiffs gebildet wird. Der Gang ist ein Reststück des romanischen Nordseitenschiffs mit seiner Apsis. 59) Auch er ist mit Deckengemälden von Georg Dieffenbrunner ausgestattet. Im Gang hängt seit einige Jahrzehnten ein großes spätgotisches Kruzifix an der Wand. Der tote Körper Jesu ist blutüberströmt. Das Kruzifix stand früher in der Fastenzeit auf dem Hochaltar und verbrachte den Rest des Jahres in einer Abstellkammer, wohl beim Nordturm. 1985 wurde sie von Hans Mayrhofer restauriert; dabei hat man die zweite von insgesamt fünf Fassungen wiederhergestellt. 30)
Die Sakristeitüre aus Eichenholz ist besonders reich mit Schnitzwerk und Beschlägen verziert; sie dürfte aus der Klosterschreinerei stammen.

Sakristeitüre

Sakristei  
In der Sakristei prägen neben dem Deckengemälde von Matthäus Günther die Stuckverzierungen an den Wänden und die passend in die Zwischenräume zwischen den Fenstern eingebauten, geschnitzten Paramentenschränke aus Eichenholz (1752 ebenfalls von der Klosterschreinerei erstellt) das Erscheinungs-bild.
Vor dem mittleren Fenster steht ein Altar mit einem großen, das Fenster überragenden Kreuz. Der Ankleidetisch des Propstes hat die Form eines Altars, er ist marmoriert, vergoldet und mit Puttenköpfen geschmückt.
Die weißen Stuckreliefs von Franz Xaver Feichtmayr/Feuchtmayer d.Ä. zeigen Putten, die liturgische Gegenstände für den Priester bereithalten: Manipel (= am linken Unterarm getragenes gesticktes Band), Stola, Kasel (= Messgewand), Messbuch, Mitra (= Bischofsmütze), Stab, Kelch, Alben, Amikt (=Schultertuch) und Cingulum (= Gürtel) 59)
Der Stuck ist somit inhaltlich dem Bildprogramm des Decken-gemäldes angepasst.
  
Engel mit Alben und Kasel

Franz Xaver Feichtmayr/Feuchtmayer der Ältere (* 11. August 1698 in Wessobrunn † 1763 in Augsburg) aus der Künstlerfamilie Feuchtmayer war ein Stuckateur der barocken Wessobrunner Schule.
Die Familie bestand aus Vater Michael Feuchtmayer (* 1667), den Söhnen Franz Xaver (1698-1763) und Johann Michael (1709-1772), sowie dem Enkel Franz Xaver Feuchtmayer der Jüngere (1735-1803), dem Sohn von Franz Xaver d.Älteren.
Franz Xaver d.Ältere arbeitete oft mit Joh.Michael Fischer, mit Matthäus und Ignaz Günther und natürlich mit seiner Familie zusammen. Arbeiten von ihm sind in folgenden Orten zu sehen: Schloss Ellingen, Münsterschwarzach, Augsburg/Dominikanerkirche, Dießen, Stams, Grafrath, Vierzehnheiligen, Rott am Inn und Sterzing.

Im Verzeichnis der Kunstdenkmale des Königreichs Bayern von 1895 sind einige liturgische Geräte erwähnt, die damals in der Sakristei aufbewahrt wurden. Es waren:
  Kelch, Silber, mit den Reliefs der Verkündigung, der Anbetung der Hirten und der 3 Könige (an der Kuppa), des Abendmahles, der Kreuzigung und Auferstehung (am Fuss). Inschrift: Georgit Praepositi Understorfensis 1686. Münchener Zeichen und Marke FK. Sehr gute Arbeit des Münchener Goldschmiedes Franz Kessler (zünftig 1664 -17?7)
  Von demselben Meister 2 Messkännchen nebst Platte, Silber, vergoldet; auf der Platte die getriebenen Reliefs: Gefangennehmung Jesu, Pilatus wäscht sich die Hände, Kreuztragung, dazwischen Engel mit den Leidenswerkzeugen; Pflanzenomamente. Gleiche Inschrift wie am Kelch.
  Von demselben Meister 2 (weitere) Messkännchen mit Platte, Silber mit feinem Band- und Blattwerk verziert Monstranz, Silber vergoldet, mit den Reliefe der thronenden Madonna, des hl. Augustin und des hl. Dominikus. Münchener Zeichen und Marke lEC. 18. Jahrh. Sehr gefällige Arbeit. H. 102 cm.
  Von den Paramenten sind hervorzuheben
Pluviale aus gelber Seide, mit gesticktem Blumenornament sehr zart in der Farbe. 18. Jahrh.
Pluviale, gelb, reich mit Blumen gestickt mit Verwendung von Gold und Silber. 18. Jahrhundert.
Casula, weisse Seide, reich mit Blumen gestickt (mit Verwendung von Gold und Silber). 18. Jahrhundert. H. Klostergobünde.

 

Kirchenschiff / Langhaus

Das Langhaus ist 3-schiffig und erstreckt sich über vier Joche. Das dem Altarraum nächstliegende Joch wird durch eine lichtspendende quer-ovale Kuppel mit Chorturm betont.
Am hohen, schmalen Chorbogen hat Matthäus Günther den höchsten Punkt mit einem Klosterwappen gekrönt: Roter Zickzack-Balken auf weißem Grund im linken Feld, zwei goldene Löwen auf blauem Grund im rechten Feld. Darüber hat Feichtmayr einen Puttenkopf mit Mitra und Stab gesetzt. Diese beiden Insignien, die wir in der Klosterkirche mehrfach finden (Sakristeistuck, Chorgestühl, Grabplatten) weisen auf das 1433 erworbene Infulrecht hin. Mehr darüber...

Im Kirchenschiff sind nicht zwei sondern sechs Altäre aufgestellt. Dies ist für große Kirchen aus der Zeit der Gotik nicht ungewöhnlich. Damals legte sich der Akzent stärker auf die Pflege privater Frömmigkeit. Und man erhoffte sich eine Vervielfachung der Gnadenströme, die von gelesenen Messen ausging, völlig unabhängig davon, ob das Volk beteiligt war oder nicht. Zudem waren viele Altäre notwendig, weil jeder Priester täglich eine Messe las. Vor den Pfeileraltären sind keine Kirchenbänke aufgestellt, um Platz für Priester und Ministranten zu haben. Die Mitwirkung von Gläubigen war nicht wichtig (missa sine populo).

Die Fenster in den Schildmauern (das ist der Teil des Mittelschiffs, der über die Seitenschiffe hinausragt) haben Ohrmuschelform (geschweifte Raute).


Die Kirche hat 2 Kapellen (Annakapelle und Rosenkranzkapelle jeweils mit Altar)


Anna-Altar

Reich gestaltet ist der Altar der Annakapelle am nördl. Seitenschiff, aufgestellt zwischen 1721 und 1728. Dieser Altar hat sich als einziger Seitenaltar unverändert erhalten.


Rosenkranzaltar
Die Rosenkranzkapelle am südlichen Seitenschiff ist dem Rosenkranzgeheimnis geweiht, dessen einzelne Stationen auf vergoldeten Reliefs rund um den Altar wiedergegeben sind. Künstlerischer Mittelpunkt ist das Antependium des Altars mit einem gotischen Fresko.


S
eitenaltäre

Im Kirchenschiff sind noch weitere 6 Altäre vorhanden, die z.T. an den Pfeilern aufgebaut sind. Die Altäre wurden schon um 1700 von Propst Georg Riezinger aufgestellt; damals hatten sie keine Altarbilder, sondern Fresken. Die Seitenaltäre sind noch vor dem Hochaltar und der Kanzel, um das Jahr 1710 entstanden. Sie dürften vom selben Kistler hergestellt worden sein, der auch den Hochaltar schuf; dafür sprechen die gleichen Ornamentsleisten am Gebälk. 73) Bei der Barockisierung um 1754 erhielten sie ihre heutige Form.

Augustinus-Aaltar
Das Altarbild (um 1710) zeigt den
hl. Augustinus beim Schreiben seines Buches über die hl. Dreifaltigkeit (de Trinitate).
Engel halten die bischöflichen Insignien.
  Nikolaus-Altar
Der Stifter des Klosters Otto V. von Wittelsbach überreicht dem hl. Nikolaus (dessen Kapelle vor dem Klosterbau an dieser Stelle stand) den Bauplan der Kirche
Maria-Hilf-Altar,
Mittelpunkt des Altars ist eine Kopie des Innsbrucker Maria-Hilf-Gnadenbildes im Frührokokorahmen.
Antonius-Altar
Mittelpunkt des Antonius-Altars ist seit der Restaurierung von 1907/1908 ein ikonographisch interessantes Wandbild des Stammbaums Jesu mit dem Gekreuzigten und seiner Mutter Maria (um 1450).
Ursula-Altar
Das Altarbild stellt die hl. Ursula von Köln dar, die einen Pfeil und die Märtyrerpalme in den Händen hält und von Putten umgeben ist. Im Hintergrund ist ein Segelschiff zu sehen.
  Barbara-Altar
Barbara erwartet den Schwertstreich, zu dem ihr grimmig dreinschauender Vater ausholt. Im Hintergrund der Barbaraturm mit den drei Fenstern.

Mehrere Altäre enthalten in der Predella Schreine mit sog. heiligen Leibern. Dabei handelt es sich um Reliquien von Katakomben-Heiligen. Nach der Wiederentdeckung der Katakomben in Rom im Jahr 1578 entstand ein reger Kult um die Gebeine der dort aufgefundenen Verstorbenen. Man erklärte sie allesamt zu Märtyrern, gab ihnen neue Namen und verkaufte die Gebeine als Reliquien in ganz Europa. Die Klosterkirche besitzt sechs heilige Leiber, die 1712 und 1741 gekauft wurden 49). Über die Translation der Gebeine 1741 gibt es einen zeitgenössischen Bericht, den ich auf der Seite der Rosenkranzkapelle abgedruckt habe (hier klicken..). Die textilen Arbeiten, mit denen die Reliquien bekleidet sind, sind in Indersdorf von besonderer Qualität. Sie weisen nach Meinung der Restauratorin Schwester M.Donatilla von Eckardt in allen Teilen der Gewänder besondere künstlerische Kompositionen auf. Unter den Reliquien soll sich auch ein Zahn des hl. Antonius von Padua befinden.

Eine ausführliche Beschreibung der Kapellen und der Altäre in der Indersdorfer Kirche erhalten Sie, wenn sie auf die jeweiligen Bilder oder blau eingefärbten Texte oben klicken.

Kanzel

Die Kanzel stammt aus der Zeit um 1717 und wurde bei der Rokokoausstattung der Kirche 1755 nur leicht verändert und um einen Pfeiler nach vorne versetzt.Gefasst, d.h. bemalt wurde die Kanzel von Joh. Georg Hörmann, der dafür 160 Gulden erhielt.

Auf dem Schalldeckel sitzt der Kirchenlehrer Augustinus in seiner Eigenschaft als als "Held und Streiter Gottes". Mit dem Fuß steht er auf einem Buch, auf dem der Name des Ketzers Manichäus verzeichnet ist. Die stilistische Ähnlichkeit mit den Figuren am Choraltar lässt auf Andreas Faistenberger als Bildhauer schließen.

Kanzel v. 1717
Am Kanzelfuß noch die Aufforderung aus dem Evangelium: "Handle danach und du wirst leben" (Hoc fac et vives, Luk 10,28).
An der Kanzeltür ist ein Bild des Guten Hirten vom Münchner Hofmaler Johann Degler (1667-1729), einem Schüler von Andreas Wolf, aus dem Jahr 1719 zu sehen 23)
.

Am Kanzelkorb sind zwei rundbogige Tafeln angebracht mit dem lateinischen Text der Aussage Jesu nach dem 10.Kap. des Lucasevangeliums: "Diliges dominum deum tuum ex proximum sicut te ipsum" .
An der Unterseite des Schall-deckels ein Hl.Geistbild von Joh. Degler. Die Hl.Geisttaube ist von 7 Putten umgeben. Sie dürften die sieben Gaben des Heiligen Geistes (Verstand, Weisheit, Rat, Stärke, Wissenschaft, Frömmig-keit u. Gottesfurcht) versinn-bildlichen.

Deckelunterseite

Schalldeckel-Aufsatz

Kanzelkorb mit 10 Geboten
Auf Deutsch: Du sollst den Herren deinen Gott lieben und den Nächsten wie dich selbst .
Die Form der Tafeln erinnert an die 10 Gebote des Alten Testaments,
der Text darauf an das höchste christliche Gebot.

  Hinweis: Die Darstellungen des Guten Hirten mit einem Schaf auf seinen Schultern waren in der Frühzeit auf die Sündenvergebung bezogen (Mt.18,12-14). In der Barockzeit trat die von Jesus auf die Priester übertragene Hirtenfunktion in den Vordergrund und damit dessen Hauptaufgabe, die Verkündigung des Evangeliums. Deshalb wurde der Gute Hirte ein bevorzugtes Bildnis an den Kanzeln.



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Kanzelkreuz und Mater Dolorosa

Gegenüber der Kanzel ist das sog. Kanzelkreuz mit einer darunter stehenden Mater dolorosa angebracht.
Das Kruzifix zeigt den toten Jesus am Kreuz. Der Korpus ist -wie im Barock üblich- zurückhaltend, d.h. ohne große Blutspuren und Schmerzverzerrungen dargestellt. In der Brust von Maria steckt langes Schwert. Die Figur steht auf einem Postament mit einer Textkartusche "Text: "Schmerzhafte Muttergottes bitt für uns"
Die Gruppe stammt aus der Barockzeit. Bei der Restaurierung in den 1980er Jahren wurde die Fassung (Übermalung) der Figuren aus 1874 abgenommen und die noch darunter liegende barocke Originalfassung wiederhergestellt. 30)


Kanzelkreuz u.
Mater dolorosa

  Hinweise: Das Kreuz heißt Kanzelkreuz, weil es in der Regel der Kanzel gegenüber an der Wand angebracht ist. Es erinnert den Prediger an den 1.Korintherbrief (1,3), in dem der hl. Paulus schreibt: "Wir predigen Christus als den Gekreuzigten". Die Ansprache soll nicht weltliche Dinge, sondern den Tod und die Auferstehung Christi zum Inhalt haben.
Die Mater dolorosa umfasst mit ihrer rechten Hand ein Schwert, das in ihrer Brust steckt. Dieses Schwert versinnbildlicht den Schmerz über den gekreuzigten Sohn und erinnert an das Simeonwort bei der Darstellung im Tempel "Dir selbst wird ein Schwert durch die Seele dringen" (Luk, 2,35). 

 

Kreuzweg-Stationsbilder

Die vierzehn Kreuzwegbilder in neubarocken Rahmen stammen aus dem 19.Jh. Sie sind im Altarraum und an den Pfeilern des Kirchenschiffs angebracht.

Die Indersdorfer Kreuzwegbilder gehören zu den Bildern, für die der bekannte Nazarener-Maler Joseph von Führich aus Wien (1800-1876) die Vorlage geschaffen hat. Joseph von Führich (auch "Theologe mit dem Stifte" genannt) war durch seine um 1846 gemalten Kreuzwegbilder international bekannt geworden. Schon 1847 wurde der gesamte Kreuzwegzyklus das erste Mal gedruckt, und seither gilt der Führich-Kreuzweg als der meistkopierte. Als Kupferstiche verbreiteten sie sich über das katholische Europa bis hin nach Kroatien und unzählige Maler (darunter auch Anton Huber für Puchschlagen und Anton Rick für Röhrmoos) benutzten sie als Vorlage für ihre Kreuzwegtafeln.



Kreuzwegbilder 19.Jh.

Aus diesem Grund gleichen sich die Kreuzwegbilder in mind. 23 Kirchen des Dachauer Landes in hohem Maße.
Eine Besonderheit ist die dritte Station. Dort hat Führich einen kleinen Hund in sein Bild eingefügt. Die Maler der ersten Kopien haben das Tier mit übernommen. Später wurde es als unwichtig erachtet und weggelassen. Deshalb ist das Vorhandensein des Hundes im Gemälde ein Zeichen für das Alter des Gemäldezyklus.
Da sich auch auf dem Indersdorfer Stationsbild III ein Hund befindet, ist davon auszugehen, dass das Bild schon vor 1870 entstanden ist.


Als Kreuzweg werden die aufeinanderfolgenden bildlichen oder plastischen Darstellungen bezeichnet, die meist aus vierzehn Stationen der Leidensgeschichte Jesu, angefangen von der Verurteilung durch Pilatus bis hin zur Grablegung, bestehen. Seinen Ursprung hat der Kreuzweg im Brauch der Pilger, bei Wallfahrten nach Jerusalem den Leidensweg Jesu auf der "Via Dolorosa" nachzugehen. Im späten Mittelalter wurde die Kreuzverehrung insbesondere durch den hl.Franziskus von Assisi gefördert, der durch die Stimme des Gekreuzigten vom Kreuz in St.Damiano zu einem christlichen Leben bekehrt wurde. Seit dieser Zeit wurden Kreuzwegandachten als Ersatz für die Pilgerfahrt ins Heilige Land abgehalten. Die Stationen bildeten dafür die Leidensstätten Jesu nach. Auf diese Weise konnte der letzte Weg Jesu vor Ort nachgegangen und sein Leiden anschaulicher betrachtet werden. Kreuzwegdarstellungen in Deutschland entstanden erstmals in und bei Klosterkirchen, auf Anhöhen und bei Wallfahrtsorten, insbesondere in der Nähe von Franziskanerklöstern. Mit der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert hielten sie als Kreuzwegbilder Einzug in die Innenräume der Pfarrkirchen und verbreiteten sich zunehmend. Papst Clemens XII. erkannte im Jahr 1731 mit seinem Breve Unterweisungen über die Art, wie man den Kreuzweg abhalten soll diese Form des Kreuzwegs als kanonisch an und bedachte ihn mit großzügigen Ablässen.

1. Station
Jesus wird von Pilatus zum
Tode verurteilt
2. Station
Jesus nimmt
das Kreuz
auf seine Schultern
3. Station
Jesus fällt
zum ersten Mal
unter dem Kreuze
4. Station
Jesus begegnet
seiner
Mutter Maria
5. Station
Simon v.Cyrene
hilft Jesus
d. Kreuz tragen
6. Station
Veronika reicht
Jesus das
Schweißtuch dar
7. Station
Jesus fällt
zum zweiten Mal
unter dem Kreuze
8. Station
Jesus tröstet
die weinenden
Frauen
9. Station
Jesus fällt
zum dritten Mal
unter dem Kreuze
10. Station
Jesus wird seiner
Kleider beraubt
11. Station
Jesus wird ans
Kreuz geschlagen
12. Station
Jesus
stirbt am Kreuz
13. Station
Jesus wird
vom Kreuz
abgenommen
14. Station
Jesus wird
ins Grab gelegt

Wenn Sie sich eine Zusammenstellung von Kreuzwegbildern aus den Kirchen des Dachauer Landes ansehen und mehr über die Geschichte des Kreuzwegs erfahren möchten, klicken Sie hier..

 

Apostelleuchter und -kreuze

  Unter den Kreuzwegbildern sind an der Wand Apostelleuchter befestigt. Sie sind mit Akanthus- und Rocaillemustern verziert und dürften aus Messing bestehen. Der Kerzenhalter ist als geöffneter Blütenkelch gestaltet.
Hinweis: Die Apostelleuchter erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind (Galaterbrief des hl.Paulus). Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlischen Jerusalems. Am Kirchweihfest oder bei anderen hohen Festen werden die Apostelkerzen angezündet.

 

Beichtstühle

Die Beichtstühle aus Fichtenholz wurden in der Klosterschreinerei gefertigt 59). Sie sind mit Schnitzwerk reich verziert. Ein weinender Engel zeigt die Reue vor der Beichte, ein lachender Putto die Freude über den Wegfall der Sündenlast.

Beichtstuhl
Hinweis: Über Jahrhunderte hinweg wurde das Bekenntnis der Sünden offen im Kirchenraum beim Sitz (Kathedra) des Bischofs, später bei dem des Priesters im Altarraum abgelegt. Dieser besonders hervorgehobene Sitz des Beichtvaters war die Ausgangsform des Beichtstuhls. Durch die irisch-schottischen Mönche wurde die Beichte im 10.Jh individualisiert, d.h., nicht mehr öffentlich abgelegt. Dazu bedurfte es nicht nur einer größeren Zahl von Priestern, sondern auch neuer Einrichtungsgegenstände. Der heutige Beichtstuhl entwickelte sich allerdings erst ab dem 16.Jh. zu einem feststehenden, meist dreiteiligen, mehr oder weniger geschlossenen Beichtgehäuse mit dem Mittelteil für den Priester (in dem der Priester sitzt - deshalb Beichtstuhl) und mit der Trennung von

Beichtstuhlaufsatz
Priester und Beichtenden durch eine Zwischenwand mit Sprechgitter. Die Beichtenden knien abwechselnd in den Seitenteilen. Damit wurden bessere Bedingungen für einen anonymen Vollzug der Beichte geschaffen. In neuerer Zeit bieten sogenannte Beichtzimmer mit ihrer persönlichen Atmosphäre eine räumliche Alternative für Beicht- und Glaubensgespräche. Die Beichte geht auf das Bibelwort "Er hauchte sie an und sprach zu ihnen: Wem Ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem Ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert" (Joh 20,22) zurück.



Maroldbild


Ein Ölbild aus dem Jahr 1868 zeigt den Bruder Marold, der an einem Bildstock betet. Im Hintergrund das Kloster Indersdorf und die Kirche in Straßbach. Maler war E.Huber (sign).

Maroldus war kurz nach der Klostergründung um 1130 als Laienbruder in das Kloster eingetreten.
Er war als Cellerar für Küche, Keller und die Ökonomie zuständig. Das war ziemlich beschwerlich, weil der Gutshofe, der Meierhof, in Straßbach lag, eine halbe Stunde Wegstrecke von Indersdorf entfernt. Marold musste den Weg mehrmals am Tag zurücklegen. Dabei räumte er heimlich die Essensreste von den Conventstischen ab und brachte sie zu den in einem Siechenhaus in Straßbach liegenden Armen und Gebrechlichen.

Maroldbild

Die Speisen trug er in einem Korb, den Wein in einer großen Flasche. Vom Probst überrascht und zur Rede gestellt, gab er zur Antwort, in der Flasche sei Lauge zum Reinigen der Wunden der Kranken und im Korbe Holzspäne, mit denen die Lauge erwärmt werden solle. Als der Probst nachschaute, war dies wunderbarerweise richtig. Doch Marold beichtete dem Probst die Wahrheit. Und der, beeindruckt von dem Wunder, erlaubte dem Bruder Marold seine guten Taten. Solche Lebensmittelwunder waren im Mittelalter verbreitet, so z.B. bei St.Elisabeth (um 1230) und St.Notburga (um 1280). Dies ist sicher eine Folge der franziskanischen Bemühungen um eine Verbesserung der Lebensverhältnisse der einfachen Bevölkerung. 55) Als Marold nach 40 Jahren auf seinem Heimweg während des Gebets vor einem Kruzifixbild der plötzliche Tod überraschte, läuteten alle Glocken der Klosterkirche von selbst. Man fand ihn, noch im Tod kniend mit gefalteten Händen. In einer feierlicher Prozession holte man seinen Leichnam ab und begrub ihn in der Kirche in einem Hochgrab vor dem Augustinusaltar (1172). Zahlreiche Andächtige besuchten in den folgenden Jahrhunderten dieses Grab und fanden Erhörung ihrer Anliegen. Später ging die Erinnerung an das Grab verloren. Probst Gelasius Morhart (1710–1771, im Amt:1748-1768) beschrieb dies in seiner Chronik von 1762 so:
  "Bey dessen etwas erhöhten Grab ware viel Jahr ein großer Zulauff des Volcks welches auch viele Votiv-Tafle aufhängete, welche aber alle auf einsmahligen Befehl des Ordinarii hinweg genohmen, und das Grab dem übrigen Kirchen-Pflaster gleich gemacht wurde, dass man also dermahlen eben so wenig mit Gewißheit sagen kan, wo seine Grabstatt seye, als wenig man wissen kan, wo vor 600 Jahren in der vorigen alten Kirche der Altar S.Augustini gestanden seye". 96)

Marold-Bildstock in Straßbach
Der Bildstock, an dem Bruder Marold von E.Huber gezeichnet wurde, steht noch immer am Wegrand zwischen Kloster Indersdorf und Straßbach. Auf ihm ist folgender Text zu lesen:
" Hier starb im Jahr 1172 der selige Marold, Laienbruder im Augustinerkloster Indersdorf, auf den Knien vor dem Bild des Gekreuzigten, ein Vorbild der Geduld und barmherzigen Liebe.
Text im Bild: Auf dem Wege zum Siechenhaus in Straßbach verherrlichte Gott die barmherzige Liebe des frommen Bruders Maroldus von Kloster Indersdorf durch die Wunder des Brotes + Weines + das der Klosterglocken zu seinem seligen Absterben anno 1172."

Stifterportraits 31)

In der Nähe der Kanzel sind an der Südwand Holzbilder mit Portraits der Stifter und Wohltäter des ehemaligen Augustinerchorherrenstifts angebracht. Diese gemalten Bilder hingen bis 1900 in der Nikolauskapelle, dem ehemaligen Kapitelsaal des Klosters, über den jeweiligen Grabsteinen. Es handelt sich um ein Stifterbild und um 14 ovale Bilder. Sie hängen in zwei nebeneinander liegenden Arrangements an der Südwand des Kirchenschiffs. Hier auf dieser Seite sind beide Teile untereinander gesetzt.

Die ovalen Bilder wurden von Dieffenbrunner (1759 oder 1760) mit feinem Pinselstrich gemalt. Die Portraitierten blicken frontal oder nur wenig nach links oder rechts gewandt selbstbewusst auf den Betrachter.
Darunter ist auch der Königsmörder Otto VII. (andere Zählung Otto VIII), der 1208 bei einer Hochzeit in Bamberg den als Gast anwesenden deutschen König Philipp von Schwaben mit dem Schwert getötet hat.
Die Gründe waren persönlicher und politischer Art 53) : König Philipp hatte seine mit Otto verlobte Tochter Kunigunde einem anderen gegeben und die daraufhin von Otto eingegangene Verlobung mit Gertrud von Schlesien hintertrieben. Außerdem hatte der König Länder von Verwandten der Herren von Andechs verwüstet, bzw. stand vor einem Feldzug gegen den Landgrafen von Thüringen, der mit Elisabeth von Andechs (der späteren Heiligen) verheiratet war. Deshalb waren die Andechser unter den Verschwörern. Otto VII. war nach dem Mord von Bamberg nach Kehlheim geflohen
. Durch Verrat wurde er von dem Ministerialen des Königs Heinrich von Kalden gestellt und getötet. Der warf den noch blutenden Kopf "in weitem Bogen in die Donau". Der Leichnam wurde in ein mit Pech ausgegossenes Fass gesteckt und neun Jahre im Keller des Klosters Indersdorf aufbewahrt. Erst als der Papst die Unterstützung der Wittelsbacher im Streit gegen den neuen deutschen König brauchte, hob er den Bann, der auf Otto VII. lag, auf. Die offizielle Begründung für die Aufhebung ist so abstrus wie für politische Entscheidungen der damaligen Zeit typisch: "Wir sind sicher, dass der Königsmörder im letzten Moment, bevor der Kopf vom Rumpfe auf den Boden fiel, seine Tat bereut hat".
So konnte der Rumpf Otto VII. -nicht ohne Pomp- in geweihter Erde begraben werden. Trauergäste waren der bayerische Herzog Ludwig I. und viele weitere Edle der damaligen Zeit.

Richarda v.Sachsen
Text:
"Richarda. Saxon.
II. Coniux.Ott III.
Hic Sep 1128"

Das große Stifterbild (Leinwandbild) in der Mitte, das Otto IV. ganzfigurig zeigt, ist älter als die Ovalbilder. Es wurde unter Probst Benedikt Mayr gemalt. Auf dem Bild ist zu lesen, dass der Probst 1631 gewählt und am 9. Sept. 1635 infuliert (= als Abt eingeführt bzw. zum Tragen der Inful od. Mitra berechtigt) wurde. Da das Sterbedatum des Propstes nicht enthalten ist, wird angenom-men, dass das Gemälde vor dem Tod am 12.9.1640 entstanden ist. 59)

Auf dem großen Bild ist der Klostergründer
Otto IV. mit einem reich bestickten Rock bekleidet, der eher einer türkischen Tracht des 17.Jh als der Mode seiner Lebenszeit um 1120 gleicht.
Otto hat den Fuß leicht nach vorne gesetzt und die linke Hand in die Hüfte gestützt; er steht neben einem Tisch und weist mit der Hand auf ein Modell von Indersdorf (mit 2 Türmen). Davor liegt auf dem Tisch die Stifterurkunde. Nach dem Wappen im Hintergrund dürfte das Bild in der Regierungszeit von Propst Benedikt Mayr (1631-1640) gemalt worden sein.

Der Maler des Bildes, das von Experten als "von künstlerisch mittel-mäßiger Qualität" bezeichnet wird, ist nicht bekannt.

Godefred v.Herzhsn.
Text:
"Godefredus de Herzhausen. Benef. Hic sep. 1172"

Propst Erhardus
Text:
"Erhardus, XVIII Praepo.Immus Infulatus obijt 1442"

Benedicta
Text:
"Benedicta.Donaw.
Con. Ott.Iun.Fil.Fund.
Hic sep.1185"

Otto IV
Text:
"Otto IV. Com.de Witlspach P.B. Fund.
hic sep. 1146"

Propst Rupertus I.
Text:
"Rupertus Primus
Praepositus
Obijt Anno 1132"

       

Eckardus von Junckenhofen
Text:
"Eckardus. De.Junckenhofen. Benef.Hic.Sep:1199"


Gründer des Klosters Otto IV. (1084-1156)

 

Otto III,
Vater des Klostergründers:
Text:
"Otto III. Parens Fundatoris, Hic Sepult (hier begraben) 1128"

Godefredus von Pettenbach
Text:
" Godefredus. De. Pettenbach. Benef: Hic.Sep: 1273

Otto VII
(andere Zählung Otto VIII)
Sohn Ottos VI,
der Königsmörder
Text:
"Otto VII.mus Fili. Ottonis VI.Palat: Bav:Hic.Sep:1217"

Otto VI
vierter Sohn Ottos IV
Text:
"Otto VI.us Iun:Fil:Fund:Palat.Bav. Hic.Sep:1189."

Otto von Indersdorf

Text:
"Otto Ündertorffens: Dotator (Schenker) Hic.Sep: 1131"

Georg von Eisenhofen
Text:
"Georgius. De. Eysenhofen. Benefact:Hic.Sep:1486"

Friedrich
Sohn Ottos IV
Text:
"Frideric Filius
Fund: II Gen:
Hic Prof: & Sep: 1195"


Weitere Figuren und Bilder im Kirchenschiff


St.Antonius

In der Nähe des Eingangs stehen Statuen der Heiligen Antonius mit dem Jesuskind auf dem Arm, Konrad von Parzham sowie von Augustinus in Bischofstracht mit einem brennenden Herzen in der Hand. Die Augustinus-Figur aus Lindenholz stand früher in einer Nische am Westgiebel und war so der Witterung ausgesetzt. Bei der Restaurierung in den 1980er Jahren mussten deshalb insbesondere äußere Teile der Figur (beide Hände, das Herz, der Bischofsstab und die Mantelfalten) neu geschnitzt und gefasst werden.
Ob die Figur des Augustinus zu den beiden Statuen gehört, die der Maler
Johann Adam Holzmair (1627-1668) nach seinem Werkverzeichnis in seinem Sterbejahr 1668 gefasst (=bemalt) hat, ist mir leider nicht bekannt. Es wird dort von einem hl.Josef und dem hl.Augustinus gesprochen (30 Gulden). 12)


St.Augustinus
  Antonius lebte im 13.Jh und war ein begnadeter Redner, der sich gegen die damaligen Häretiker (Katharer, Albigenser und Waldenser) wandte. Seine Fastenpredigten in Padua 1231 hatten einen sensationellen Erfolg, denn die ganze Region schien danach wie umgewandelt: Schulden wurden erlassen, zerstrittene Familien versöhnten sich, Diebe gaben das gestohlene Gut zurück, unrechtmäßige und überhöhte Zinsen wurden den Schuldnern zurückerstattet. Bis heute gilt in Italien ein damals erlassenes Gesetz, dass niemand mit seinem Leben und seiner Freiheit für eine Schuld haften solle, sondern nur mit seinem Eigentum.
Konrad von Parzham (1818-1894) wirkte 41 Jahre lang im Kloster Altötting als Pförtner, wo er mit Tausenden von Wallfahrern zu tun hatte, die mit vielerlei Anliegen und Bitten zu ihm kamen. Aber auch Kinder aus vielen armen Altöttinger Familien kamen bettelnd an die Pforte; keines von ihnen ging leer aus. 1934 wurde Konrad von Papst Pius XI. heiliggesprochen. Damals wurden in unseren Kirchen viele Figuren dieses Volksheiligen aufgestellt.
Augustinus ist der bedeutendste der vier lateinischen Kirchenväter. Er wurde am 13.11.354 zu Tagaste in Numidien (Nordafrika) geboren. Auf allerlei Irrwegen gelangte er zum christlichen Glauben und wurde 387 vom hl. Ambrosius in Mailand getauft. 394 wurde er zum Bischof von Hippo bei Karthago geweiht. Durch seine zahlreichen Schriften entwickelte er sich zum geistigen Führer der abendländischen Kirche. Er starb am 28.8.430 während der Belagerung Hippos durch den Vandalenkönig Geiserich. Augustinus wird in der Kunst häufig mit einem brennenden Herzen dargestellt. Dies soll seine brennende Liebe zu Gott sinnbildlich darstellen.

In einer Nische mit Muschelkalotte steht die Figur eines "Erbärmde-Heilands" aus dem 16.Jh.

Erbärmde-Heiland
Sie steht in der Fasten- und Passionszeit, während der ein Fastentuch den Hochaltar verdeckt, auf dem Tabernakel vor dem sog. Hungertuch und ist damit die einzige Figur des Hochaltars. Die Figur dürfte die Auszugsfigur des gotischen Choraltars gewesen sein 73).
Der Figurentypus des Erbärmde-Heilands geht der Überlieferung zufolge zurück auf Papst Gregor den Großen, dem bei einer Messe über dem Altar die Leidenswerkzeuge Christi und der lebend aus der Grabkufe aufsteigende Schmerzensmann erschienen sein soll. Aus den Wundmalen habe sich das Blut in den auf dem Altar stehenden Kelch ergossen. Die Figur wird auch Erbärmdechristus oder lat.imago pietatis genannt. Der aufrecht stehende, mit einem Lendentuch bekleidete und oftmals die Dornenkrone tragende Christus zeigt seine Wunden.
  Hinweis zum Fastentuch: Seit dem 10.Jh ist in der kath. Kirche der Brauch nachweisbar, den Hochaltar oder sogar den gesamten Altarraum während der Fastenzeit durch einen Vorhang vor der Gemeinde zu verhüllen. Der Vorhang erinnert an den Tempelvorhang in Jerusalem, der beim Tod Jesu zerrissen ist. Bei gotischen und neugotischen Flügelaltären werden die Flügel in der Bußzeit zugeklappt. Der Vorhang wird auch Hungertuch genannt, als Hinweis auf den Verzicht während der Fastenzeit. "So wie der Leib der üppigen Speise, Mund und Ohr dem freudigen Gesang entsagen müssen, so werden dem Auge die kostbaren Bilder vorenthalten". Im hohen Mittelalter wurde das Hungertuch meist mit Darstellungen der Passionsszenen oder der Leidenswerkzeuge Jesu bzw. mit Motiven aus dem Leben Jesu künstlerisch gestaltet. Dann waren die Fastentücher lange Jahre einfarbig violett. Seit einigen Jahren hat man den Brauch der Bemalung wieder aufgenommen und Motive aus den Entwicklungsländern gewählt, um das Bewusstsein für deren Probleme bei den Gläubigen zu wecken. So bekommt der Name Hungertuch noch eine weitere Bedeutung. Künstler aus aller Welt senden ihre Vorlagen an das Bischöfliche Hilfswerk Misereor, von dem die Pfarreien die Hungertücher beziehen können.

In weiteren Nischen stehen zwei Marienstatuen:
- die Figur einer schmerzhaften Muttergottes (Mater dolorosa) aus dem 18.Jh. Sie wurde wohl gleichzeitig mit den Figuren am Choraltar und der Figur der Immaculata am Chorbogen von Andreas Faistenberger geschnitzt. Die beiden Marienfiguren zeigen große Ähnlichkeiten: der aus dem Oberkörper herausgedrehte Kopf mit dem nach unten gewendeten Blick, die Falten des Gewands sowie die Händehaltung. 73)
Das Haupt der in ein rot-blau-goldenes Gewand gekleideten Maria ist von einem Kranz von 12 Sternen umgeben. In der Brust steckt ein Schwert.
Die zwölf Sterne erinnern an die Apokalyptische Frau, die Johannes in der Geheimen Offenbarung beschrieben hat. Sie war in der Vision vom Strahlenkranz der Sonne umgeben, über ihrem Haupt standen zwölf Sterne als Symbol für die zwölf Stämme Israels. Die Apokalyptische Frau wurde in frühchristlicher Zeit als Symbol für die Kirche angesehen und erst später mit Maria identifiziert.
Das Schwert in Marias Brust erinnert an das Simeonwort im Lukasevangelium (Kap 2,35) bei der Darstellung im Tempel: "Dir selbst wird ein Schwert durch die Seele dringen".

Mater dolorosa

An den Wänden der Seitenschiffe hängen noch vier weitere Gemälde aus der Rokokozeit. Sie sind mit einem fein geschnitzten Barockrahmen aus vergoldetem Holz versehen.

Eines der Gemälde zeigt den hl.Aloisius, der ein Kruzifix in seiner rechten Hand hält und es ganz versunken verehrt. Die Finger seiner linken Hand liegen in gespreizter Haltung auf seiner Brust. Unterhalb des Kruzifixes liegt auf einem Tisch eine Königskrone. Sie soll zeigen, dass Aloisius das Ordensleben einem Herrschaftsleben vorzog.
Hinweis: Aloisius, Erbprinz derer von Gonzaga, gelobte schon im Alter von zwölf Jahren ewige Keuschheit, trat 1585 gegen den Willen des Vaters in den Jesuitenorden ein. Dort widmete er sich theologischen Studien und der Kranken-pflege. In zahlreichen Briefen betrieb er auch Seelsorge an Jugendlichen. Luigi starb während einer Pestepidemie,


St.Aloisius
  nachdem er sich bei der Pflege von Kranken die tödliche Ansteckung holte. Die Volksfrömmigkeit verzeichnete das Bild dieses Heiligen zu einem keuschen Unschuldsengel, der sich nicht einmal getraut habe, seine Mutter anzuschauen und Frauen nur mit niedergeschlagenen Augen begegnet sei.

Herz-Jesu-Bild
Das zweite Gemälde ist ein Herz-Jesu-Bild. Dort zeigt Jesus auf mit beiden Händen auf sein Herz, um das die Dornenkrone gewunden ist. Aus dem Herz schlagen Flammen, und ihm entwächst am oberen Teil ein Kreuz.
Hinweis: Das Herz Jesu ist Symbol für die Erlöserliebe Christi. Diese Darstellung verbreitete sich in unseren Kirchen insbesondere nach der Einführung des Herz-Jesu-Festes durch Papst Clemens XIII.(1758 - 1769) im Jahr 1765.

Außergewöhnlich prächtig ist der Regence-Rahmen um das Bild des hl.Antonius von Padua, der das Jesuskind auf dem Arm hält. In den mit einer Krone versehenen Aufsatz des Rahmens ist ein rundes Reliquiar eingearbeitet. Auf diese Weise erscheint der Heilige dem Gläubigen von Angesicht zu Angesicht, der ihm seine Bitte sozusagen persönlich vortragen kann. Das Bild war vor 1907 Teil des Antoniusaltars, der in Aufbau und Form so gestaltet war, wie der gegenüber stehende Maria-Hilf-Altar. Als man bei der Renovierung 1907/08 am Antoniusaltar die alten Fresken entdeckte und der Öffentlichkeit zeigen wollte, hat man das Antoniusbild an die Südwand gehängt. Die Verehrung des Franziskanermönchs Antonius von Padua in einer Kirche der Augustinerchorherren erklärt sich daraus, dass der Heilige vor seinem Eintritt in den Franziskanerorden Mitglied des Augustinerordens war.


St.Antonius
  Hinweis: Antonius wird als Hilfe zum Wiederauffinden verlorener Gegenstände angerufen und gilt deshalb als "Patron der Schlamperer". Dies geht auf zwei Legenden zurück: Als ihm ein Manuskript gestohlen worden war, betete er so lange, bis der Dieb damit zurückkehrte. Schöner ist die zweite Legende, nach der er einem Geizhals half sein Herz zu suchen und es in einer Geldtruhe fand. Die Darstellung mit dem Jesuskind auf seinem Arm ist bei uns erst seit dem 17.Jh verbreitet; sie verweist auf eine seiner Visionen, die er beim Bibellesen hatte.

Beeindruckend ist ein Bildnis der Pieta, der trauernden Mutter Maria mit ihrem toten Sohn auf dem Schoß (Ölgemälde auf Holz). Die mit einem weißen Goller und einem dunklen Mantel gekleidete Maria sitzt in der Nähe der Grabstätte auf einem Stein. Im Hintergrund sieht man die leeren Kreuze von Golgatha und die Stadtmauer von Jerusalem. Maria hält auf ihrem Schoß den Leichnam Jesu, um den teilweise das Leichentuch gewickelt ist. Zärtlich berührt sie mit ihren Lippen den Kopf ihres Sohnes.
Westenrieder schreibt 1792 über dieses Bild: "In der Seitenkapelle ist eine auf Holz unvergleichlich gemalte Kopie eines bewunderungswürdigen Vesperbilds, dessen Original in der churfürstl. Gemäldegallerie zu München vorhanden, und wegen der einfachen Größe und ausnehmender Schönheit und Ausdruck der Formen anfangs von einigen für ein Meisterstück des Raphaels gehalten worden ist."  95)

Pieta
  Hinweis: Die Darstellung der Muttergottes mit ihrem toten Sohn auf dem Schoß entspricht keinem Bibelbericht. Nach dem Johannesevangelium stand Maria zwar unter dem Kreuz; ihre Anwesenheit bei der Kreuzabnahme ist aber nicht belegt. Deshalb standen die Pietas in Italien lange unter dem Verdacht der Ketzerei und wurden auch von den Reformatoren in Deutschland abgelehnt. Den Namen Vesperbild erhielten sie, weil die Zeit, die im Stundengebet der Mönche und Nonnen der Trauer um den Tod Jesu gewidmet wird, der Sonnenuntergang ist, die Zeit der Vesper. Der Begriff "Pieta" (ital. Mitleid) weist nach Robert Böck auf die kindliche Liebe und das innige Mitgefühl hin, das die Gläubigen dieser Darstellung entgegenbrachten.


Kirchenbänke
 
Kirchenbank-Wange
von 1729
Die Kirchenbänke haben kunstvoll geschnitzte Eichenholz-Stuhlwangen mit zwei unterschiedlichen Mustern. Das Muster mit den Akanthusblättern stammt aus dem Jahr 1729. Es entspricht dem vieler Kirchenstühle im Dachauer Land. Es trat erstmals 1695 in Glonn auf und wurde ab 1717 auch in Ainhofen, Albersbach, Arnbach, Arnzell, Aufhausen, Bergkirchen, Hilgertshausen, Markt Indersdorf (Marktkirche), Ottmarshart, Pasenbach, Pipinsried, Walkertshofen, Weichs, Westerholzhausen und hier in der Indersdorfer Klosterkirche verwendet.
  Hinweis: Kirchenstühle gab es nicht von Anfang an in den Kirchen. Die ersten 1500 Jahre standen die Gläubigen oder bewegten sich langsam im Raum. Lediglich für Alte und Schwache gab es einige Stühle an den seitlichen Wänden. Ohne Kirchenstühle fasst eine Kirche viel mehr Menschen; bei dichtem Gedränge während des Gottesdienstes schien der Raum voller Bewegung zu sein. Das feste Gestühl wurde zum Spiegel einer disziplinierten Gemeinschaft, in der jeder seinen festgefügten Platz hatte. Im 16.Jh. wurden zuerst die evangelischen Kirchen mit Bänken ausgestattet, weil dort die Predigt als Medium der Heilsvermittlung einen größeren Raum einnimmt; beim Sitzen ist der Zuhörer aufmerksamer, geduldiger und ruhiger. Die katholischen Kirchen zogen erst später nach. Die Bestuhlung war einer der Gründe, dass die Kirchen zu Beginn der Barockzeit vergrößert werden mussten.

In den Kirchen des Landkreises gibt es sehr schön geschnitzte Wangen mit unterschiedlichen Mustern und Verzierungen. Wenn Sie die Muster vergleichen wollen, klicken Sie hier....


Empore
      

Aufgang zur Empore
Die tiefe Empore erstreckt sich nur über das Mittelschiff der Kirche. Die schmalen, sehr urtümlich wirkenden Aufgänge aus der gotischen Zeit sind in der Verlängerung der Seitenschiffe untergebracht.

Orgel                
          

Die heutige Orgel wurde 1988 von Anton Staller errichtet; sie hat 2 Manuale, 1 Pedal und 33 Register.
Damit gehört ist sie die viertgrößte Orgel im Dachauer Land (nach Dachau Mariä Himmelfahrt, St.Jakob, St.Peter)
.

Prospekt
— Der prachtvolle Prospekt der Hauptorgel, von einem
    unbekannten Meister- stammt aus dem Jahr 1755
     und ist als fünfteilige Anlage um das Westfenster
    gruppiert. In ihm befinden sich das Hauptwerk
     und das Pedalwerk.
— Der Prospekt der Brüstungsorgel ist dagegen neu
   (Schnitzwerk von Bildhauer Friedrich Schmitt aus
    Forstinning). In dieser Brüstungsorgel sind die vom
    2.Manual gespielten Pfeifen enthalten. 34) 37)

Instrument
Die heutige Orgel hat Orgelbauer
Anton Staller (1923-2008) aus Grafing im Jahr 1988 errichtet. Es ist ein mechanische Schleifladenorgel mit 33 Registern, zwei Manualen und Pedal. Die Orgel besteht -wie der Prospekt- aus zwei Teilen:
aus dem um das Westfenster gruppierten Hauptwerk mit Pedal und
dem Brüstungswerk.
  Disposition der Orgel von 1988 (nach Berghammer):
  Hauptwerk(C-g'''): Bourdon 16', Principal 8', Gamba 8', Vilolflöte 8', Rohrflöte 8', Octave 4', Holzflöte 4', Quinte 2 2/3', Hohlflöte 2', Salicional 8', Octave 2', Cornett 5fach, Mixtur 4fach, Trompete 8', Vox humana 8',
  Brüstungswerk C-g: Copel 8', Quintade 8', Prinzipal 4', Koppelflöte 4', Nasard 2 2/3', Terz 1 3/5', Flautino 2',
quint 1 1/3', Scharff 3fach 1', Schalmei 8',
  Pedal: (C-f',30): Principal 16', Subbass 16', Quintbass 10 2/3', Octavbass 8', Gedeckbass 8', Oktave 4', Mixtur 2 2/3', Bombarde 16', Posaune 8', Cello 8'
Koppeln:
?

Frühere Orgeln

Prospekt der Brüstungsorgel
Schon um 1700 wurde eine zweiteilige Orgel errichtet. Wie lange sie ihren Dienst versah, ist mir
    nicht bekannt.

Der nächste Bericht über eine neue Orgel stammt aus dem Jahr 1900 (andere Quelle: 1901) als der
    Orgelbauer Borgias Maerz ein neues Instrument (pneumatisch, zwei Manuale mit 20 Registern)
    einbaute; sie hielt bis 1982. 18) 20)
  Disposition der Maerz-Orgel von 1901 (nach Brenninger):
  I. Manual (C-g'''): Bourdon 16', Principal 8', Gedeckt 8', Gamba 8',Salicional 8',Tibia 8', Flöte 4',
                         Octav 2', Mixtur 2 2/3'
  II. Manual:          Geigenprincipal 8', Aeoline 8', Dolce 8', Lieblich Gedeckt 8', Fugara 4'
  Pedal: (C-f',30):   Principalbaß 16', Subbaß 16', Violonbaß 16', Octavbaß 8', Cello 8'
Koppeln:
I-II, Ok I, OK II-I, I-P, II-P
Pedalerweiterung von d'auf f'später.

Bis sechs Jahre später die nächste und bisher letzte Orgel aufgestellt werden konnte, überbrückte ein gebrauchtes Instrument
    aus der Pfarrkirche Vagen die Zeit; 1988 hat man diese Orgel an die Filialkirche in Albersbach weitergegeben

Allgemeines zur Orgel
  Hinweis: Mit ihren vielen Pfeifen, die über ein Gebläse zum Klingen gebracht werden, steht die Orgel meist im rückwärtigen Bereich der Kirche auf der Empore. Sie hielt erst allmählich Einzug in die Kirchen, weil sie bis in das 11. Jahrhundert als profanes (weltliches) Instrument galt, das für das höfische Zeremoniell verwendet wurde. Erst ab dem 13. Jh wurde es zur Regel, in allen bedeutenden Kirchen Orgeln zu errichten. Heute gehört eine Orgel zur Ausstattung fast jeder Kirche. Mit ihrer Klangvielfalt und Klangfülle trägt sie zur Verschönerung des Gottesdienstes bei. Der Orgelprospekt, die Schauseite der Orgel, wurde früher meist durch Künstler gestaltet. Im Barock und im Klassizismus, deren Epochen unsere ältesten Orgeln im Landkreis Dachau angehören, wurde der Prospekt mit reicher Ornamentik verziert. Heute setzt sich immer mehr der "offene" Orgelprospekt durch, der allein durch die harmonische Anordnung der Pfeifen wirkt.
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                          Vorraumgitter

Unter der Emporenbrüstung trennt ein reich verziertes Gitter den eigentlichen Kirchenraum von einer Art Vorraum mit Kirchenstühlen. Das Gitter dürfte vom Schlosser Johann Georg Biedermann in den Jahren 1784/85 geschmiedet worden sein. Inzwischen wurde es aber teil-erneuert, weil die heutigen Gitterteile aus verschiedenen Zeiten stammen.


Gitter am Vorraum


Westportal

romanisches
Westportal
Das älteste Bauteil an der Indersdorfer Kirche ist das noch gut erhaltene Westportal aus der Zeit um 1200 zwischen den beiden Türmen 29) . Es ist nunmehr durch das Vorhaus vor Witterungseinflüssen geschützt.  Die zweifachen Rücksprünge auf beiden Seiten sind an den Ecken mit Säulen besetzt. Den Säulen aufgesetzt sind Würfelkapitelle und ein weiches Kämpfergesims, das aus Wulst und Platte besteht.  Die Basen der Säulen sind nicht sichtbar. Der Türsturz ist neueren Datums.

Vorhaus

Im Vorhaus ist eine Muttergottesstatue aufgestellt, die der Marienstatue in Loreto nachgebildet ist.
  Hinweis: Loreto ist der zweitwichtigste Wallfahrtsort in Italien und einer der wichtigsten der katholischen Welt. Die Basilika beinhaltet das Heilige Haus und eine Schwarze Madonna. In dem Haus soll Maria, die Mutter Jesu, geboren worden sein und bis zu ihrer Hochzeit mit Josef dort gelebt haben. Es wurde vermutlich von einer Kaufmannsfamilie Angeli (zu deutsch: Engel) aus Epirus im Jahre 1291/1294 nach Loreto transportiert. So könnte die Sage entstanden sein, dass es von Engeln dorthin gebracht worden sei. Nach dem Wallfahrtsort Loreto ist übrigens die Lauretanische Marienlitanei benannt.

Maria Loreto


Glasgemälde
für Gefallene

Das Glasgemälde im Fenster der Vorhalle ist den Gefallenen (wohl des Ersten Weltkriegs) gewidmet. Unter einem Kruzifix liegt ein sterbender Soldat in der Uniform des Deutschen Heeres im Ersten Weltkrieg. Christus am Kreuz beugt sich zum Soldaten herunter. Darunter zeigt eine Kartusche die Ansicht von Kloster Indersdorf und das bayrisch/wittelsbachische Rautenwappen; um die Kartusche windet sich ein Schriftband mit dem Text "Betet für Eure Brüder". Gestiftet wurde das Glasgemälde von den Mitwirkenden beim Passionsspiel. Erstellt wurde es 1922 von Glasmaler Zettler aus München.

 Epitaphe

In die Mauern der Klosterkirche sind außen und innen mehrere Epitaphe (Grabplatten) eingelassen. Sie erinnern besonders an die früheren Pröpste des Klosters.
 
1693 für die Pröpste
G.Mall und Quint. Noder
1704
für die Pröpste
Georg Riezinger
und G. Morhart
1609

Epitaphe gibt es in unseren Kirchen erst seit dem 14. Jh. als Gedächtnismal für einen Verstorbenen in Form einer Steinplatte, die innen oder außen an der Kirchenwand senkrecht aufgestellt wird. Epitaphe (griech. Grabinschrift) wurden für diesen Zweck eigens angefertigt; sie sind keine früheren Grabplatten. Das Epitaph ist auch kein Grabmal, weil sich weder dahinter noch darunter ein Grab befindet.


1486
Epitaph des Konrad von Eisenhofen, gest. an Neujahr 1472 und des Jörg Eysenhofen zu eyselczried (Eisolzried) hofmaiser, gest. 1486. Die Figur ist ein relativ flaches Relief. Höhe: 269, Breite: 132 cm.
Aus rotem Marmor. Darauf in ziemlich flachem Relief ein Ritter in spätgotischem Plattenharnisch, nach links gewendet, die linke Hand am Schwertgriff. In der Rechten das Banner. Zu seinen Füßen das Wappen des Geschlechts der Eisenhofer. In den Ecken des Schriftrandes um das Epitaph sind die Ahnenwappen gemeißelt:
Die der Auer von Pulach, der Güssen, der Laymingen und der Gumppenberg.
Das Epitaph soll nach Fürstbischof Eckhers Grabsteinbuch früher "in der Wandt der Eisenhofer Capelle" eingemauert gewesen sein.
05)

1792
Joh.Bapt.Sutor
Das Epitaph aus dem Jahr 1792 ist für den letzten Probst mit dem latinisierten Namen Johann Baptist Sutor (Schuster) angefertigt worden. Es ist in klassizistischem Stil gearbeitet (mit halbkreisförmigem Aufsatz) und enthält folgende Inschrift: "Gottes Friede über die Asche des hochwürd.hochwohlgeborenen Herr Joh.Bapt.Sutor, des ehemal.regul. Korstifts Indersdorf letzten würdigsten Prälaten und lateran. Abten: 1735 23.Jän.geb.zu Glon,   1753 21.Xbr.Prof.   1760 Professor, 1771-79 und nachhin.15 Jahre Pfr. zu Langenpöttenbach,   1780 26.Jän. Prälat,    1806 24.Nov.gestorben."
                       Nach der Aufhebung des Klosters sollte Sutor nach München ins Pfleghaus gehen, lehnte aber ab und zog in den Langenpettenbacher Pfarrhof, wo er sich bis 1798 der Seelsorge widmete. 1806 starb er in Indersdorf.
Der Text auf dem Grabstein lautet:
 

 

Ja Gottes Friede wehe hier,
Denn edel war Er, um den wir
Und all die Seinen
Am Grabe weinen.
Ernst war sein Blick und mild
Sein Leben Gottes Bild
Still-menschlich, die Geberde.
Wie Christus segnend nur
Gieng Er vorüber
Und hinterließ der Liebe Spur
 
  Im Himmel und auf Erde
War Ihm nichts lieber
Als Gott und Seine Herde
Sanft war, wie er, Sein Hirtenstab
Und treu blieb er ihr bis ins Grab
Sein letztes Herzens-Wort
War seines Lebens Sinn
Sein Trost im Tod
"Mich ruft ein bessrer Ort
Mit Freude geh ich hin
zum meinem Gott".
Interessant auch ein weiteres Epitaph aus dem Jahr 1673 für die 19jährige Maria Ries.

1673-
für Maria Ries
Text auf dem Grabstein:
Anno 1673 den 6.July starb die ehren- und tugentsame Jungfrau Maria Riesin aus Minchen in ihrer blieenden (blühenden) Jugend ihres Alters im 19.Jahr. So hie begraben ligt. Deren Sehl Gott gnedig und barmherzig sein wolle.

Zwei Epitaphe aus Rotmarmor mit relilfierten Rittern erinnern an Konrad und Jörg von Eisenhofen, die beide 1486 gestorben sind.

Zahlreiche Grabsteine, die sich vor dem Umbau im 18. Jh in der Kirche befanden, sind seitdem in der Nikolauskapelle untergebracht.



Kruzifix aus dem 16.Jh

In der Fastenzeit 2006 hing über dem Choraltar ein besonderes Kruzifix. Es war kurz vorher restauriert und in der Sonderausstellung Kreuz und Kruzifix auf dem Domberg Freising präsentiert worden.
Im Ausstellungskatalog war es vom Kunstexperten Alexander Heisig wie folgt beschrieben worden:

Kruzifix 16.Jh.
"Der im Besitz der Pfarrei Indersdorf befindliche Kruzifixus, dessen Provenienz (Herkunft) und Bestimmung bis dato nicht verifizierbar sind, der jedoch stilistisch in das späte 16.Jh zu datieren ist, stellt ein herausragendes Beispiel jesuitischer mittelalterlicher Kreuzmystik dar in der Nachfolge -der imitatio- Christi von Thomas von Kempen. Seine Entstehung könnte möglicherweise in der Amtszeit von Propst Johannes Aigele (1586-1604) erfolgt sein, der nach Jahren des Verfalls sich mit großem Eifer um eine Erneuerung der Kirche einsetzte. Aigele schickte seine Novizen teilweise zur Ausbildung nach Ingolstadt. ... ein geistiger Austausch mit den Ingolstädter Jesuiten und deren theologischem Gedankengut kann als sicher gelten und könnte somit auch in diesem einzigartigen Kruzifix seinen Niederschlag gefunden haben. Die im Zuge der jüngsten Restaurierung wiedergewonnene, wenngleich nur in Teilen erhaltene Originalfassung zeigt ein außergewöhnliches Geflecht an breiten, dunkelbraunen Adern, die dem Geäst
eines Baumes ähnlich den gesamten Körper durchziehen. Diese eigenwillige Gestaltung weckt unweigerlich Assoziationen zum Baum des Lebens, der im Kreuzestod Christi neu aufgerichtet wird ("Dies ist der würdigste Baum, mitten im Paradiese aufgerichtet, an dem der Ursprung des Heils durch seinen eigenen Tod den Tod aller überwunden hat"- Jakob Gretser, 1598). Während die Ast-artigen Blutbahnen indirekt auf Lebensbaum und Auferstehung weisen, wird gleichzeitig durch den Einsatz naturalistischer bzw. veristischer (wirklichkeitsgetreuer) Gestaltungselemente der

Adern am Corpus
Schmerz der Passion in drastischer Weise vor Augen geführt: Verbläuungen an den Wundmalen und Wangen. Echthaar und Dornenkrone. Der ausgemergelte Körper, die eingefallenen Wangen und der asketisch anmutende Gesichtsschnitt versinnbildlichen Leid. Qual und Tod stehen Auferstehung, Paradies und ewigem Leben gegenüber. In Christus wird dieser Widerspruch aufgelöst und zu einer Synthese geführt."


Krippe


Krippe
In der Weihnachtszeit ist in der Annakapelle eine Krippe mit über 60 cm hohen Figuren aufgestellt. Die Figuren werden regelmäßig verändert und zeigen insgesamt sieben Einzelereignisse aus dem Leben Jesu, darunter Maria Verkündigung, der Besuch Mariens bei ihrer Base Elisabeth, die Herbergssuche, Geburt Christi, die Hl.Dreikönige, Flucht nach Ägypten. Um die Krippe kümmert sich seit 20 Jahren Hans Hillreiner, unterstützt von Georg Ostermeier und Georg Harrer. Die Mauern, der Stall und die Mooshütte wurden in vielen Arbeitsstunden selbst gebaut. Allein das Aufstellen der Figuren dauert jeweils 3 Stunden.
Wenn Sie mehr Krippen aus den Kirchen des Dachauer Landes sehen möchten, klicken Sie hier...

Seit einigen Jahren wird in der Weihnachtszeit eine weitere sehr große und wertvolle Krippe in der ehem. Nikolauskapelle aufgebaut.


H
eiliges Grab
Von Karfreitag Nachmittag bis Karsamstag Mittag ist am Altar in der Rosenkranzkapelle hinter der den Altar umgebenden Balustrade ein eindrucksvolles Heiliges Grab aufgebaut.
... mehr dazu...

Heiliges Grab

Hinweis: Die ersten Heiligen Gräber entstanden durch Wallfahrer, die aus dem Heiligen Land zurückkehrten und Nachbildungen des historischen Grabes errichteten. Eine Hochblüte erlebte der Brauch in der durch das Konzil von Trient (1545-63) eingeleiteten Gegenreformation. Die Jesuiten sahen im Heiligen Grab ein "spectaculum sacrum", ein heiliges Schauspiel, das für die Gläubigen das Heilsgeschehen eindrucksvoll veranschaulichte. 67)

 

Pfarrhaus 48)

Das Pfarrhaus zwischen der Klosterkirche und dem Schneiderturm war ursprünglich das Priesterhaus, das nach der Aufhebung des Klosters 1783 anstelle der Wagenremise eingerichtet wurde.

Dort wohnten die Chorherren, die die Seelsorge für die Gläubigen von Indersdorf und Umgebung übernommen hatten. Nach deren Ableben übernahmen zwei Pfarrer und zwei Kapläne diese Aufgabe; das Priesterhaus wurde Pfarrhof.


Pfarrhaus mit Schneiderturm
In dem erst in den Jahren 2000 bis 2004 für 1,2 Mio Euro restaurierten Pfarrhaus mit einer Grundfläche von 150 qm befinden sich das Pfarrbüro, das Pfarrarchiv und drei Wohnungen.
Im daneben stehenden Schneiderturm hat der Heimatverein Indersdorf das "Augustiner Chorherren Museum" eingerichtet.


Im Sommer ist die Kirche an Sonntagen zwischen 14.00 Uhr und 16.00 Uhr geöffnet.
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Die Gottesdienstordnung finden Sie hier...

Hans Schertl



Quellen:
01) Michael Wening, "Historico-topographica descriptio Bavariae", Band 1, 1701
02) Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
03) Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1880
04) Eberhard Graf von Fugger, Geschichte des Klosters Indersdorf, 1883
05) Bezold/Riel, Kunstdenkmale des Königreichs Bayern, 1895 (S.267
06) Adolf Wacker, Zur Indersdorfer Kloster- und Ortsgeschichte, 1905
07) Theodor Bitterauf, Die Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (Nr. 1234)
08) Amperbote vom 18.7.1922
09) Alois Stallwanger, Geschichte des Klosters Indersdorf, 1949
10) Dehio/Gallo, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, 1964
11) Eisenmann-Hohn, Topo-geographisch-statistisches Lexicon vom Königreiche Bayern,1831
12) Max Gruber, Die Künstlerfamilie Holzmair, Amperland 1969 (Joh.Adam Holzm)
13) Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971 (Grab Ottos IV. in Ensdorf)
14) Dr.Peter Dorner, Indersdorfer Gnadenstätten. Zur Wallfahrtspflege des Augustiner Chorherrenstiftes, Amperl 1982, S. 341
15) Dr.Peter Dorner, Die Barockbauten des Indersdorfer Propstes Gelasius Morhart, Amperland 1973/2
16) Dr.Peter Dorner, Zur Ikonographie der Indersdorfer Decken, Amperland 1973
17) Dr.Peter Dorner, Die verschollene Pröpste-Galerie im Indersdorfer Sommerrefektorium, Amperland 1974
18) Georg Brenninger, Orgeln und Orgelbauer im Landkreis Dachau, Amperland 1975/2
19) Wilhelm Liebhart, Indersdorfer Hofmarks- und Dorfordnungen, Amperland 1976
20) Georg Brenninger: Orgeln in Altbayern. Bruckmann, München 1982, ISBN 3-7654-1859-5.
21) Süddeutsche Zeitung, Beilage Landkreis Dachau, 20.4.1979 (Zuwanderer 1648)
22) Dr.Josef Scheidl, Notizen über die Kriegsschäden der Schlacht bei Alling
23) Max Gruber, Bis 1800 tätige Künstler und Kunsthandwerker in Indersdorf, Amperl.1982/2 (Harschacher, Widmann, Märtl,
      Degler, Engelschalk, Hartwig, Renz, Spitzer
)
24) Dr.Wilhelm Liebhart, 100 Jahre Markt Indersdorf, Amperland 1982 (160 Zöglinge)
25) Herbert Schindler, Chorgestühle, Keysersche Verlagsbuchhandlung, 1983
26) Max Gruber, Im Amperland tätige Glockengießer, Amperland 1984/2 (Brandtmair, Meister Paul)
      Der Glockengießer Paul, genannt Meister Paul, aus Augsburg, hat Glocken nicht nur für Indersdorf (1442-6 Glocken),
      sondern auch für Oberhausen bei Augsburg (1412), sondern auch für den Münchner Dom (1442, 1451 und 1453) gegossen.
27) Josef Berghammer, Der Fund im Nordturm der Pfarrkirche Kloster Indersdorf, Amperland 1985/1
28) Der Baumeister Matthias Widmann wurde 1749 in Offenstetten geboren. Er zog 1766 nach München und wurde
      dort Hofkammerbau- und Bürgerlicher (Stadt-)Maurermeister. 1784 erstellte er einen Überschlag für geplante Kloster-
      umbauten in Indersdorf, 1785 einen Überschlag für Wirtschaftsgebäude und 1794 für neue Turmspitzen. Widmann starb
      1825 im Alter von 76 Jahren.
29) Gottfried Weber, Romanik in Oberbayern, 1985
30) Josef Berghammer, Die Sanierung und Restaurierung der Pfarrkirche Kloster Indersdorf, Amperland 1985/4, 1987/1
31) Dr.Georg Paula, Die Wohltäter- und Stifterportraits in der Klosterkirche Indersdorf, Amperland 1986/1
32) Max Gruber, Im Amperland tätige Zimmermeister, Amperland 1986/4 (Kern)
33) Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres 1560, 1986
34) Josef Berghammer, Die Orgel in der Pfarrkirche Kloster Indersdorf, Amperland 1987/3
35) Josef Mass, Das Bistum Freising im Mittelalter, 1988, I/150 (1128, Interdikt 1250)
36) Georg Friedrich Kramer, Pfarreien-Statistik des Regierungsbezirks von Oberbayern, 1847
37) Josef Berghammer, Orgelweihe in der Pfarrkirche Kloster Indersdorf, Amperland 1989/2
38) Robert Böck,Wallfahrt im Dachauer Land, Bd 7 der Kulturgeschichte des Dachauer Landes, 1991
39) Robert Böck, Rosenkranzandacht und Rosenkranzbruderschaften der Barockzeit im Dachauer Land, Amperland 1991/2
40) Josef Berghammer, Kleiner Kunstführer Schnell/Nr. 242, 1992
41) Prof.Dr.Wilhelm Liebhart, Ein unbekanntes Altarblatt von Johann Andreas Wolff, Amperland (Nasenform)
42) Bauer/Rupprecht, Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, 1996
43) Hans Kornprobst, Vorhut der Säkularisation: Die Aufhebung des Augustinerchorherrenstifts Indersdorf 1783, Amperl.2000/2
44  Stumpf, Pleikard, Geographisch-statistisch-historisches Handbuch des Königreiches Bayern, S.107 1852
45) Dr.Peter Dorner, Indersdorfer Chronik-Publikationen der Akad.d. Augustiner-Chorherren von Windesheim, 2003
46) Kurier, Dachau, Dezember 2005
47) Dachauer Nachrichten vom 7. März 2006,
48) Dachauer Nachrichten vom 5.7.2006 (Pfarrhof), v. 7./8.4.2007,
49) Dachauer Nachrichten vom 16.8.2010 (heilige Leiber in der Rosenkranzkp)
50) Sybe Wartena, Die Süddeutschen Chorgestühle von der Renaissance bis zum Klassizismus, Promotionsarbeit 2008
51) Siegfried Bschorer, München, 2008 - Obb. Archiv 25 S. 134(Altäre 1486)
52) Dr. Dieter Gerhard Morsch, Das Gnadenbild und die Marienwallfahrt von Ainhofen, Amperland 2009/03 (1126)
53) Eleonore Philipp (zit.Franz-Josef O. Loderer "Der Königsmörder", 2000), 2011 (Verwandtschaft Otto IV)
54) Dr. Dieter Gerhard Morsch, St.Salvator in Albersbach, Amperland 2011/2 (Altarblatt Annakp)
55) Eckart Bieger, Das Bilderlexikon der christlichen Symbole, 2011 (Rosen/Armenspeisg)
56) Dachauer Nachrichten vom 13.2.2013 (Pfarrverband)
57) http://www.dachau-agil.de/v3/data/presse_10/7_kloesterweg.pdf
58) Heinrich V. (HRR)-Wikipedia 2014 (Paschalis II)
59) Dr. Dieter Morsch, Die Kirchen im Pfarrverband Indersdorf 2014 (1120,1264,1755 Ausstattung,Seitenaltäre, Sakristeibild,
      Altarbild Antoniusaltar)
60) http://www.gerhardinger.org/ (Forerius,Barbaraaltar)
61) Georg Paula, Die Barockisierung der Klosterkirche nach den Rechnungsbüchern, Amperland 1980 S.326
62) Markus Sattler, Das Recht der Pröpste von Indersdorf, Mitra und Stab zu tragen, Amperland 1994/2
63) Dr.Peter Dorner, Die physikalische Sammlung des Klosters Indersdorf, Amperlang 1978
64) Ausstellungskatalog zur Wittelsbacher Ausstellung 1980, Band I, S. 423 (Backstein)
65) Josef Berghammer,Vorbereitungen zur Sanierung u.Restaurierung der Pfk.Kloster Indersdorf,Amp.1985 (Dicke Gewölbe)
66) Süddeutsche.de-www.sueddeutsche.de/muenchen/dachau/markt-indersdorf-gebrannte-geschichte-1.2232283 (Backstein)
67) Münchner Kirchenzeitung vom 25.3.2015 (Historik Hl.Grab)
68) Sabine Jasek, Diplomarbeit Die Hochaltarbilder von Johann Andreas Wolff, Uni Wien, 2013 (Hochaltarblatt, Faistenberger)
69) Götz Ulrike, Der Münchner Hofmaler Andreas Wolff (1652-1716) Untersuchungen zu seinen Altarbildern, Schriften aus dem
      Institut für Kunstgeschichte der Universität München, Bd. 35, München 1988.
70) 900 Jahre Nikolaikapelle, rs-indersdorf.de/Geschichte/Nicolai.htm, 1996, heruntergeladen 2003
71) Franz Xaver Bischof, Die benediktinische Klosterreform im 15. Jahrhundert, S.159, 2013
72) Joachim Sighart, Geschichte der bildenden Künste im Königr.Bayern von den Anfängen bis zur Gegenwart , S. 426, 1863
73) Dieter Gerhard Morsch, "die Pricipal-Closter-Kirchen herrlich gezieret, Amperland 2013/2 u. 3
74) Wilhelm Liebhart, Leichenpredigten aus dem Augustiner-Chorherrenstift Indersdorf, Amperland 2004, S.383
75) Heyberger/Schmitt/Wachter-Topografisch-statistisches-Handbuch des Konigreichs Bayern 1868, S. 84
76) Felix Joseph Lipowsky, Baierisches Künstlerlexikon, Band II, S. 171, 1810 (Ursulaaltar)
77) Dr.Georg Paula, Die Arbeiten Joh.Georg Dieffenbrunners für das Kloster Indersdorf in den Jahren 1755-1771, Amperl.1984/3
78) Alois Angerpointner, Das_Kloster_Indersdorf_und_die_Raudnitzer Reform im 15.Jh, Amperland 1968
79) Prof.Dr. Wilhelm Liebhart, Die Bedeutung des Augustinerchorherrenstifts Indersdorf für das Dachauer Land, 2000
80) Dr.Peter Dorner, Indersdorfer Gnadenstätten. Zur Wallfahrtspflege des Augustiner Chorherrenstiftes, Amperl 1982, S. 341
81) Königlich-bayerisches Kreis-Amtsblatt von Oberbayern-1 S. 2112, Erledigung der Pfarrei, 1866, (Ausschreibg Pfarrei)
82) Markus Sattler, Zur Gründung des Augustiner-Chorherrenstifts Indersdorf, Amperl 1990, S. 470 ff.
83) Dr.Peter Dorner, Renaissancebild einer Landschaft, Amperland 1968
84) Robert Stocker, Gebrannte Geschichte, SZ vom 21. November 2014
85) Walter Pötzl, Bruderschaften, in: Historisches Lexikon Bayerns, Zugriff: 15.04.2013
86) von Ulrike Gentz, Der Hallenumgangschor in der städtischen Backsteinarchitektur Mitteleuropas, S.317, FN 337,
87) Max Gruber, Im Amperland tätige Bildhauer, Amperland 1987/1
88) Pressebericht des Erzbistums zur Sanierung 2016 (Interneseite)
89) Der Maler Franz Deschler wurde um 1688 in Schleißheim geboren. Er fand 1717 Bürgeraufnahme in Freising. In den Jahren
      1720 und 1721 war er für die Indersdorfer Klosterkirche tätig. Er fasste 1720 sechs Figuren am Hochaltar       (lt.Kirchenrechnung: "75 Gulden für 6 geschnittene Bilder, die er mit fein golt und Silber planiert u.mit Lasurfarben gefaßt").
      Ein Jahr später fasste er den gesamten Hochaltar und erhielt dafür 1269 Gulden. Deschler war auch in den Kirche
      von Straßbach und der Kapelle von Harreszell künstlerisch tätig.
90) Max Gruber, Im Amperland tätige Glaser, Amperland 1984 (Wagner)
91)
Glasermeister Martin Weber, Sohn des Indersdorfer Glasers Thomas Weber (*1644), fand 1692 Bürgeraufnahme in Dachau. Er heiratete am 13.1.1693 Anna, die Witwe des Glasers Johann Huber. Interessant ist die Frage, ob Weber die nicht unerheblichen Gebühren für die Bürgeraufnahme zahlen musste, denn es bestand die Regelung, dass einem Bewerber das Bürgerrecht unentgeltlich verliehen wurde, wenn er die Witwe eines Bürgers heiratete. Die Hochzeit von Martin lag zeitlich kurz nach dem Erwerb des Bürgerrechts. Die Hochzeit zeigt noch eine Besonderheit: die Witwen von Handwerkern suchten sofort nach dem Tod ihrer Männer nach Handwerkskollegen, die in die verwaisten Betriebe einheiraten und die Geschäfte forführen konnten. Oftmals waren die neuen Männer erheblich jünger als die Witwen. Im vorliegenden Fall bestanden in Dachau zwei Glasergeschäfte gleichen Namens: Vater Ludwig Huber in der Wieningerstr.3, sein Sohn Johann Huber in der Färbergasse 1. Vater und Sohn starben beide 1692. Die Witwen heirateten bald darauf Glasermeister, die die Betriebe übernahmen. Die noch junge Witwe des Sohnes, Anna Huber, die dritte Frau von Johann Huber, nahm sich unseren Martin Weber zum Mann. Sie bekamen ein Jahr nach der Hochzeit auch einen Sohn, Quirin Weber, der ein berühmter Orgelbauer wurde. Martin Weber verkaufte 1697 seinen Wohnsitz in der Färbergasse und kauft das Haus in der Wieningerstr. 2, gegenüber dem Glaserbetrieb seines früheren Schwiegervaters. 1717 überschrieb er das Wohnhaus seinem Sohn Quirin, hatte aber bis zu seinem Tod am 9.12.1735 "Insitzrecht" (Wohnrecht), das er auch wahrnahm.
92) Max Gruber, Bis gegen 1800 im Amperland wirkende Bildhauer, Amperland 1982/1 (König)
  Der aus München stammende Bildhauer Christoph König (Kinig) wird erstmals im Zusammenhang mit der Bürgeraufnahme in Dachau im Jahr 1644 genannt. Er heiratet die Dachauerin Regina Lauttenschlager. Als Bildhauer hat er für das Kloster Indersdorf gearbeitet. Er schnitzte 1665/68 zwei Figuren für den Hochaltar für 26 Gulden. Eine weitere Arbeit, die Erstellung einer Marienfigur auf einer Säule im Hof aus (Rossbacher) Ton misslang: die Figur zerfiel schon vor dem Brennen. Die Figur aus Ton sollte ihre Vorgängerin aus Eiche (von Agathius Stainhardt) ersetzen, die durch ein Gewitter beschädigt worden war und danach zu faulen begann. 1667 erwarb König das Haus Wieningerstraße 20 um 290 Gulden. Schon 1669 geht es ihm (wirtschaftlich und/oder gesundheitlich) schlecht. Das Anwesen sei "ybl zergangen" heißt es. In diesem Jahr (1669) stirbt Christoph König. Das Haus kommt 1670 an den Schlosser Christoph Pichler. Die Witwe heiratet 1670 den 19jährigen Bildhauer Christian Handtschuch, zieht mit ihm nach Eichstätt, wo er eine große künstlerische und politische Karriere macht.

Der Weilheimer Bildhauer Agathius Stainhardt, der 1664 die Marienfigur auf einer Säule im Hof des Klosters Indersdorf aus Eichenholz geschnitzt hatte (die 1668 durch ein Gewitter Schaden nahm), hat 1665 für Indersdorf auch Figuren eines Papstes und eines Kardinals für 28 Gulden erstellt.
93) Dr Heisig, Kunstreferat des Ordinariats München und Freising, Kunstfahrt 2014 (Zelebr ersetzt Hochaltar)
94) Historischer Atlas v.Bayern, Die Landgerichte Dachau u. Kranzberg Bd.I, Hefte 11/12, Landkreis Dachau, 1952 (1818)
95) Lorenz Westenrieder, Statistische Beschreibung des churfürstl. Landgerichts Dachau, 1792 (Straßenzustand, Pieta)
96) Sonja Siegmund, Die Lüge, die zum Wunder wurde, Dachauer Nachrichten vom 28.12.2016 (Marold)
97) Dr.Lothar Altmann, Beschwerden a.d. Amperland an die Abgeordnetenkammer des Bay.Landtags 1819-1918, Amperl.98
98) "Es geht voran an der Klosterkirche", Dachauern Nachrichten vom 11.8.2017
99) Prof. Dr.Wilhelm Liebhart, Das Landgericht Dachau in der frühen Montgelaszeit, Amperland 1994
100) Dachauer Nachrichten vom 14.9.2017 (Kreuzgang)


125 Bilder: Hans Schertl (117), Hubert Eberl (3), Siegfried Bschorer (1), Augustiner Chorherren Museum (3)

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

14.10.2017

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Propst Gelasius Morhart

Gelasius Morhart ist einer der letzten, aber auch einer bekanntesten Pröpste des Klosters Indersdorf. Unter ihm hat die Kirche ihre heutige wunderbare Gestalt angenommen. Aber die Höhe seiner Ausgaben für die Kunst war wohl dafür verantwortlich, dass das Kloster keinen langen Bestand mehr hatte.
Gelasius Morhart wurde am 3.Mai 1710 in Augsburg geboren. Nach der Schule trat er mit 19 Jahren, am 23.10.1729 in den Konvent Indersdorf ein. Das Kloster schickte ihn zur weiteren Ausbildung auf die Universität Ingolstadt, wo er Philosophie, Mathematik, Theologie und Kanonisches Recht studierte. Nach Indersdorf zurückgekehrt, verfasste er eine Klosterchronik, die bis zum Jahr 1734 reicht, dem Jahr seiner Priesterweihe (17.Okt.1734). Anschließend studierte er in Innsbruck Sprachen bis er in Indersdorf selbst die Lehre übernimmt und für den Nachwuchs, die Novizen, Unterricht in Philosophie und Theologie. Außerdem wirkte er als Festprediger. Im Alter von 38 Jahren, 15 Jahre nach seiner Priesterweihe, wurde er am 13. November 1748 zum Propst gewählt.

Der Propst Gelasius Morhart war ein gelehrter, großzügiger, kunstverständiger und von seinem Amt erfüllter Mensch, dem es auch an Kampfgeist nicht mangelt. Er hat zahlreiche Baumaßnahmen durchführen lassen, an der Klosterkirche, dem Münchner Haus und der Rothschwaige in Dachau. Morhart förderte die Bildhauerei, die Stukkatur, die Malerei und die Genealogie.
Dazu kamen die wissenschaftlichen Arbeiten, zwei Klosterchroniken, die schon erwähnte handschriftliche, bis 1734 reichende in Latein und eine weitere, gedruckte in Deutsch (1762), mit vielen historisch wichtigen Kupferstichen.

Morhart hatte in Ingolstadt auch Naturwissenschaften studiert und in Indersdorf das Armarium physico-mathematicum (die physikalische Sammlung) gegründet, das mit zahlreichen kostbaren und bedeutenden Instrumenten ausgerüstet war, wie die Mitbrüder in einem Nachruf 1771 schrieben. Berühmt war die Indersdorfer Luftpumpe, die Antlia pneumatica, die vom Augsburger Instrumentenmacher Friedrich Brander gefertigt worden war. Branders Werkstätte war in ganz Europa für ihre präzisen Luftpumpen bekannt. Die Luftpumpe bestand aus zwei Halbkugeln, die nach der Extraktion der Luft vom atmosphärischen Druck so fest zusammengepresst werden, dass auch zwei Pferde sie nicht mehr auseinanderziehen können.
Auch Elektrizität und Magnetismus waren ein bedeutendes Forschungsgebiet. Bekannt war der Magnetismus und die statische Elektrizität, die durch Reibung entstand.Indersdorf besaß mehrere Reibunselektrisierungsmaschinen.
Propst Gelasius hat die physikalische Sammlung darüber hinaus mit den Neuerscheinungen aller wichtiger Fachbücher ausgestattet. Auch eine Sternwarte hat er am unteren Klostertor mit erheblichen Kosten eingerichtet. Alle, die diese Einrichtungen sahen,waren voll der Bewunderung und beneideten uns sogar, stand im Nachruf. 63)

   
Physikalische Sammlung

Als im Sommer 1767 ein schlimmes Unwetter die Ernte des Glonntales vernichtete und ganze Wälder umwarf, erkannte er die soziale Aufgabe seines Klosters, öffnete Scheunen und Kassen und half, wo er konnte.

Nachdem er in den 1760'er Jahren von Krankheit heimgesucht worden ist, gab er mit 57 Jahren sein Amt als Propst auf. Am 22.1.1768 wurde ein Vertrag zwischen Morhart und dem Konvent aufgesetzt:
"Wir ends unterschriebene urkunden kraft dieses, daß wir über hiernach stehende Punkte gänzlich einhellig miteinander verstanden seien. Das gesamte Kapitel verpflichtet sich:
1. den resignierenden Propst in Kost und Trank gleich seinem Nachfolger zu halten, und dieses umso viel mehr, weil hiesige Prälaten
    in Kost und Trunk sich von ihren Mitbrüdern nicht zu unterscheiden pflegen.
2. für selben einen eigenen Bedienten mit Kost und Lohn zu unterhalten.
3. demselben zu den allfälligen Reisen standesgemäß Pferde und Gefährt zu geben.
4. im Falle einer von den Medicis für nötig befundenen Kur die benötigten Unkosten auszuhalten und endlich
5. demselben zur Bestreitung der das jahr hindurch unterschiedlichen Ausgaben alljährlich in der Stiftswoche von der jährlichen
    Stifteinnahme 150 Gulden auszuhändigen. Entgegen verpflichtet sich obbmelter Propst mit obverstandenen Verpflegungspunkten
    zufrieden zu sein".

Morhart hätte seine großzügige Altersversorgung 3 1/2 Jahre genießen können, denn am 16.August 1771 starb er. Die Zeit des Ruhestands war aber leider ausgefüllt von Siechtum und schmerzhaften Koliken, von Fieber und Urämie.

Quelle:

Dr.Peter Dorner, Die Barockbauten des Indersdorfer Propstes Gelasius Morhart, Amperland 1973/2


Bayerns größter Backstein

Bayerns größter Backstein, den man 1972 bei Grabungsarbeiten in der Klosterkirche Indersdorf gefunden hatte, wurde wohl um das Jahr 1250 hergestellt. "Er ist eine kleine Sensation, weil es schwierig war, einen Stein dieser Größe zu brennen", sagte Hans Kornprobst vom Heimatverein Indersdorf. Das wertvolle Stück hat die Maße 74 mal 72 mal 13 Zentimeter.
Der Backstein kam bei Ausschachtungsarbeiten zum Vorschein, die beim Einbau einer neuen Warmluftheizung in der Klosterkirche notwendig waren. Er lag unter dem Fußboden vor dem Eingang zur Rosenkranzkapelle. Nach seiner Entdeckung wurde er im Bauarchiv des Landesamts für Denkmalpflege in Thierhaupten deponiert.

Im Jahr 2010 wollte der Heimatverein den Stein als Exponat für sein neues Heimatmuseum zurück haben. Doch das Landesamt für Denkmalpflege legte sich quer.
Ein erstes Schreiben der Indersdorfer blieb unbeantwortet, der nächste Versuch wurde mit der Begründung abgelehnt, der Zustand des Steins lasse einen Transport nicht zu. Erst als sich der Landtagsabgeordnete Bernhard Seidenath einschaltete und sich auch Kunststaatssekretär Bernd Sibler für die Übergabe einsetzte, wurde dem Antrag der Indersdorfer stattgegeben. Eine Woche vor der Museumseröffnung traf der Stein in Indersdorf ein.

Quellen:
Süddeutsche.de - www.sueddeutsche.de/muenchen/dachau/markt-indersdorf-gebrannte-geschichte-1.2232283
Josef Berghammer, Vorbereitungen zur Sanierung u.Restaurierung der Pfk.Kloster Indersdorf, Amperland 1985
Einzigartiges Museum eröffnet, Münchner Merkur vom 8.2.2014

 

Kreuzgang 100)

Wie jedes Kloster hatte auch das Stift Indersdorf einen Kreuzgang (im nebenstehenden Bild gelb hervorgehoben).
Man könnte ihn architektonisch als Zentrum des Klosters betrachten, an den die Wohn- und Sakralgebäude der Mönche angebaut sind. So war er nicht nur ein Wandelgang für die betenden Patres, sondern auch eine wichtige, überdachte Verkehrsfläche innerhalb des Stifts. Der auf quadratischem Grund angelegte Gang führt um den Klosterhof herum, eine Grünfläche, die von Kieswegen und umgeben und durchkreuzt wurde.
Die ältesten Teile des Kreuzgangs stammen noch aus dem 13.Jh. Wahrscheinlich hatte dieser romanische Kreuzgang einen offenen Dachstuhl. In der Gotik wurde der Kreuzgang zu seiner heutigen Gestalt umgebaut und mit einem Gewölbe versehen. Von der originalen Bemalung sind nur noch Reste erhalten. Die große Zahl von Grabplatten wurde erst bei der letzten, im Jahr 2017 abgeschlossenen Renovierung angebracht.

Der Kreuzgang kann im Rahmen einer Kirchenführung besichtigt werden.