zur
Landkreiskarte ausführl.Beschreibung
Kirchen in der
Marktgem.Indersdorf
Klosterkirche Mariä Himmelfahrt in INDERSDORF
|
|
Kurzbeschreibung 1120 gründete Pfalzgraf Otto IV. von Wittelsbach das Augustiner-Chorherrenstift als Sühne für seine Teilnahme an der Gefangennahme des Papstes Paschalis II durch Kaiser Heinrich V. im Jahr 1111, durch die er mit dem Kirchenbann belegt worden war. Die erste Klosterkirche (eine dreischiffige Pfeilerbasilika ohne Querschiff, ähnlich der Kirche auf dem Petersberg) wurde 1128 zu Ehren Mariä und der Apostelfürsten Petrus und Paulus geweiht. Von dieser Kirche sind noch der Grundriss und das romanische Portal erhalten.
|
In den Jahren 1754 bis 1758 erhielt die Kirche ihre heutige Rokokoausstattung. Bauherr war der Gelasius Morhart. Aus Kostengründen hat man aber das gotische Bauwerk mit seiner engen Pfeilerstellung und dem schmalen, hohen Raum belassen und das Innere mit reicher Dekoration ausgestattet. Die Künstler der Rokoko-Umgestaltung waren die Freskenmaler Matthäus Günther und Georg Dieffenbrunner und der Stuckateur Franz Xaver Feichtmayr, die eine der prächtigsten Kirchen im Raum nördlich von München schufen. Die hohen Baukosten leiteten das Ende des Klosters ein. 1783 wurde das Stift wegen finanziellen Bankrotts aufgehoben.
Seit mehreren Jahren bildet die Pfarrei Indersdorf mit den Pfarreien Westerholzhausen und Langenpettenbach einen Pfarrverband.
Innenausstattung
|
Die Kirche
ist kein einheitlicher Rokokobau. Da im 18.Jh die Mittel für einen
Neubau fehlten, wurden die vorhandenen (schmalen) gotischen Kirchenräume
lediglich barockisiert. Dadurch wirkt die Kirche noch höher, als
sie tatsächlich ist. |
|
Der prachtvolle Orgelprospekt aus dem Jahr 1755 ist als fünfteilige Anlage um das Westfenster gruppiert.
Heiligenfiguren und Heiligenbilder
- St.Antonius von Padua mit dem Jesuskind auf dem Arm,
- St.Konrad von Parzham sowie von
- St.Augustinus in Bischofstracht mit einem brennenden Herzen in der Hand.
- "Erbärmde-Heilands"aus
dem 16.Jh.
- (Mater
dolorosa) aus dem 18.Jh
- Maria Immaculata.
- St.Aloisius, der ein Kruzifix in seiner rechten Hand hält und es ganz
versunken verehrt.
- Herz-Jesu-Bild.
- Bildnis der Pietá, der trauernden Mutter Maria mit ihrem toten Sohn
auf dem Schoß
- Bruder Marold, der an einem Bildstock betet.
In die Mauern der Klosterkirche sind außen und innen viele Epitaphe (Grabplatten) eingelassen. Sie erinnern besonders an die früheren Pröpste des Klosters.
Ausführliche
Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen
Hinweisen
Der Ort Indersdorf wurde erstmals um 960 als Undiesdorf (Dorf des Undeo) urkundlich erwähnt. In der Zeit um 972 tauschte der Freisinger Bischof Abraham von dem Edlen Erchanger Liegenschaften zu Sendling und Pasing gegen andere zu Indersdorf. Bei der Abfassung der Urkunde waren viele namentlich genannte Zeugen anwesend. Die Zeugen waren nach einem typisch baierischen Brauch an den Ohrläppchen gezogen worden (testes per aures tracti), damit sie sich später besser an das Rechtsgeschäft erinnern konnten.
Kloster Indersdorf
1120 gründete Pfalzgraf Otto IV.
von Scheyern-Wittelsbach (der Sohn von Eckard I., Graf von Scheyern) das Augustiner-Chorherrenstift
als Sühne für seine Teilnahme an der Gefangennahme des Papstes Paschalis
II.
Otto IV. war im Jahr 1111 mit Kaiser Heinrich V. als Bannerträger des Heiligen
Römischen Reiches Deutscher Nation nach Rom gezogen. Heinrich V. erzwang
seine Krönung dadurch, dass er Papst Paschalis II. vom Altar weg gefangen
nahm, ihn zusammen mit anderen hohen Würdenträgern im kaiserlichen
Lager zwei Monate lang einsperrte, die Peterskirche und den Vatikan zur Plünderung
freigab und alles niederzumachen befahl, was seinem Kriegsvolk Widerstand entgegensetzte.
Wegen dieser frevlerischen Tat waren Kaiser Heinrich V. und seine Mittäter,
darunter auch Pfalzgraf Otto IV, mit dem Kirchenbann belegt worden. Otto IV.
fürchtete um sein Seelenheil und wollte sich mit der Kirche wieder versöhnen.
Als 1119 ein neuer Papst (Calixtus II.) den Thron bestieg, bat der Pfalzgraf
um Aufhebung des Bannfluches. Das Schreiben, mit dem der Papst den Kirchenbann
löste, hat -in deutscher Übersetzung aus dem Jahr 1805- folgenden
Wortlaut:
| "Kalixtus, Bischof, Knecht der Knechte Gottes, dem erlauchten Manne, Pfalzgrafen Otto Gruß und apostolischen Segen! - Es ist Uns zu Ohren gekommen, dass es Dir schwer fällt und Du darüber betrübt bist, an jener Expedition Theil genommen zu haben, in welcher Unser in frommem Andenken stehender Papst Paschalis in allzu grausamer Weise gefangen genommen wurde. Wir wissen aber auch, dass Du weder zu seiner Gefangennehmung noch zu der Inhafthaltung gerathen und freuen uns dessen sehr, danken auch dem allmächtigen Gott, dass Dein Herz sich in Folge Erleuchtung des Heiligen Geistes zur Buße geneigt bewiesen hat. Auf dass Du nun vom Guten zum Besseren vorwärts schreiten mögest und standhaft bleiben und ausharren in der Einigkeit mit der Kirche und dem Gehorsam, legen Wir Dir zum Nachlass Deiner Sünden auf, eine Kirche für die Chorherren nach der Regel des hl.Augustinus zu errichten, die allezeit fortzubestehen hat zur Ehre Gottes und zum Heil Deiner Seele unter der Botmäßigkeit des hl.Petrus und seiner römischen Kirche. Dadurch wirst Du mit Unserer Hilfe und Unserem Rath die Gnade Gottes erlangen." |
Unweit des Dorfes Indersdorf, damals Ünderstorff
genannt, stand nahe der Mündung der Roth in die Glonn, das Kirchlein St.Nikolaus
am Wörth. Es war eine Stiftung von Otto III., dem Onkel Ottos IV.
Hier an diesem Nikolauskirchlein begann also Otto IV. im Jahre 1124 mit dem
Bau des Sühneklosters, das schon zwei Jahre danach, am Augustinustag (26.8.)
des Jahre 1126 mit Mönchen aus dem Mutterkloster Marbach bei Basel bezogen
werden konnte. Zu den ersten einheimischen Mönchen gehörte der selige
Bruder Marold,
der ein heiligmäßiges Leben führte und dem mehrere Wunder nachgesagt
wurden. Ein Bild in der Kirche und ein Bildstock im Wald erinnern an diesen
Lokalheiligen. Die Weihe des Klosters nahm der Erzbischof von Salzburg vor.
Er war Metropolitan
der bayerischen Kirchenprovinz, eine Art "Oberbischof", der im Rang
über dem Freisinger Bischof stand.
1130
trat der kinderlose Freiherr Otto von Indersdorf (ein Verwandter des Stifters)
in das Kloster ein und brachte seinen gesamten Besitz rund um das Kloster (Hofmark
Indersdorf) mit, "zum Troste seiner Seele und seiner Voreltern", wie
es hieß. Gleiches tat der zweite Sohn des Klostergründers, Pfalzgraf
Friedrich von Scheyern, der nach mehreren Kreuzzügen das Mönchsgewand
nahm. Beide Adelige sind auf den Stifterportraits
abgebildet, die an der südlichen Langhauswand hängen. Mit ihrem Eintritt
schufen sie die wirtschaftliche Grundlage für den Bestand und den Aufstieg
des Klosters. Noch hieß es allerdings "St.Nikolaus am Wörth".
Erst durch die Bestätigung der Schenkung durch Kaiser Lothar auf dem Reichstag
zu Regensburg wurde es zum Kloster Indersdorf. Es war neben Scheyern und Ensdorf
das dritte Hauskloster der Wittelsbacher. Mehrere Wittelsbacher Herzöge
sind hier begraben. Der Stifter Otto IV. liegt jedoch in Ensdorf.
Die erste Hälfte des 14.Jh war eine Blütezeit für das Kloster. Der gelehrte Propst Konrad II (1306-55) war ein vertrauter Rat des Kaisers Ludwig des Bayern. Dieser übergab Propst Konrad die Urkunden und Privilegien sämtlicher bayerischer Klöster zu treuen Händen in Verwahrung. Kloster Indersdorf war damals Mittelpunkt des bayerischen Ordenslebens.
Aus der zweiten Hälfte des 14.Jh ist die
Schilderung einer Propstwahl überliefert. Als am 3.Juli 1371 Probst
Ulrich gestorben war, schritt man zur Wahl des Nachfolgers. Doch man konnte
sich zunächst auf keinen Kandidaten einigen. Der Bischof schickte einen
Kommissär, um die Wahl zu überwachen. Es dauerte zwei Jahre bis endlich
der neue Probst Ulrich III. feststand. Die Wahl kam damals mit den neuen Kleidern,
Paramenten und Weihefeierlichkeiten auf 400-470 Gulden und belasteten die Finanzen
des Klosters erheblich. Übrigens: 43 Pröpste leiteten das Kloster
in den 557 Jahren von der Gründung 1226 bis zur Aufhebung 1783.
Nicht alle waren so erfolgreich wie Propst Konrad II. Schwache Pröpste
hatten meist einen Verfall der Klosterdisziplin zur Folge. So ging am 1.7.1412
unter Propst Petrus die Nachricht vom Mord im Kloster Indersdorf durch
Bayern. Am Vorabend des Festes Mariä Heimsuchung gerieten drei Mönche
wegen eines Geldbetrags dermaßen in Streit, dass der Augustinerpater Bartholomäus
Hünd "in der Hitze seines Zorns" seinen geistigen Mitbruder Konradus
Grabistädt erschlug. Noch im gleichen Jahr wurde ein neuer Propst (Erhard
Prunner) gewählt, der 20 disziplinlose Konventuale aus dem Kloster warf.
Unter ihm wurde Indersdorf wieder zum Vorzeigekloster, aus dem 31 Chorherren
als Pröpste und Dekane an andere Klöster versetzt wurden. Der bayerische
Herzog Albrecht kam viele Jahre in der Osterzeit als Gast ins Kloster.
Indersdorfer
Reformbewegung 1418
Im 15.Jh lag das Klosterleben darnieder. Die Mönche hatten zunehmend Privateigentum,
während das Kloster immer mehr verarmte. Darin sahen Zeitgenossen die Hauptursache
am Verfall des geistlichen und sittlichen Lebens. Die Sorge um die Privatgüter
zwang die Mönche, sich häufig aus dem Kloster zu entfernen. Daran
zerbrach das Gemeinschaftsleben. Die Visitationsprotokolle dieser Jahre zeichnen
ein düsteres Bild. Abhilfe brachte eine Klosterreform, die um die Zeit
1417/18 in Indersdorf Fuß fasste. Die von Böhmen ausgehende Reformbewegung
mit dem eigenwilligen Namen "Raudnitzer Gewohnheiten" gelangte über
Neunkirchen am Brand nach Indersdorf, wo Propst Erhard Prunner sie einführte.
Sie haben sich im Handschriftenbestand des Klosters erhalten (Clm 7720) und
breiteten sich von hier aus über viele bayerische Chorherrnstifte aus,
sodass man von einer Indersdorfer Reformbewegung sprechen kann. Der Propst Prunner
leitete persönlich die Reformation von 24 Augustinerstiften und 31 Chorherren
aus Indersdorf traten in andere Konvente über, um die Erneuerung in diesen
Häusern zu gewährleisten. Besonderen Wert legten die neuen Statuten
auf die Verpflichtung zu wissenschaftlicher Arbeit und auf tätige Nächstenliebe.
In der Klostervisitation des Jahres 1426 wird Indersdorf als Musterbeispiel
eines reformierten Augustinerstifts bezeichnet.
Die Indersdorfer nahmen ihre neuen Regeln sehr ernst und stritten in "überängstlicher
Gewissenhaftigkeit", wie es heißt, um Fastenregeln und liturgische
Fragen. Sie beantragten als Schiedsgericht von sich aus eine Visitation, die
von den Bischöfen Johannes Tulbeck aus Freising und den Äbten von
Weihenstephan und Scheyern im Jahr 1460 durchgeführt wurden. Im Bericht
wird von der großen Buchstabengerechtigkeit des Konvents" gesprochen,
die 14 Jahre vorher schon den großen Bernhard von Waging abgestoßen
habe. Der zog damals von Indersdorf zu den Benediktinern nach Tegernsee. Diese
Begebenheit zeigt, dass es im ausgehenden Mittelalter nicht nur Diszipinlosigkeit
im Weltklerus und der Vernachlässigung des Armutsgelübdes bei den
Franziskanern gab, sondern auch den Ernst pastoraler Praxis in den reformierten
Chorherrenstiften. Sie zeigt vor allem, dass in solchen Einflussbereichen der
Predigt und der Einführung des Volkes in die Zeichen der Liturgie hoher
Festtage ganz großen Wert beimaß und so die vorherrschenden Ausdrucksformen
der Volksfrömmigkeit (Bruderschaft, Heiligenverehrung, Wallfahrt) sinnvoll
ergänzten.
Mehr zur Geschichte des Klosters siehe Internetseite des Marktes Indersdorf...
Geschichte der Pfarrei und der Kirche '
|
Das Kloster Indersdorf war auch eine große Pfarrei, übte darüber hinaus in weiteren Pfarreien die Seelsorge aus oder hatte das Besetzungsrecht. Die Pfarrei Indersdorf war mit 9 Filialkirchen die bedeutendste. Dazu gehörten über viele Jahrhunderte die Filialkirchen Glonn, Ottmarshart, Straßbach, Albersbach, Harreszell, Langenpettenbach, Ainhofen, Arnzell und die Marktkirche St.Bartholomäus. Die Pfarrei Glonn kam 1220 zu Indersdorf. Weil die Einkünfte des Klosters so gering, die Mönche aber eine weitgerühmte und umfangreiche Gastfreundschaft pflegten, sprach der als großzügig geltende Freisinger Bischof Gerold die Pfarrei Glonn mit allen pfarrlichen Rechten dem Chorherrenstift zu. Die Vikare wohnten im Kloster und mussten täglich den beschwerlichen und teils langen Weg zu den Kirchen auf sich nehmen. Deshalb wurde 1734 in Langenpettenbach eine Außenstelle (Expositur) eingerichtet, in denen die zwei Pater wohnten, die die nördlichen Pfarreien betreuten. Nachdem Langenpettenbach 1864 eine eigene Pfarrei geworden war (mit Ainhofen und Arnzell), sind der Pfarrei Indersdorf noch fünf Filialkirchen geblieben. |
![]() |
Erste
Kirche 1096
Die erste Klosterkirche dürfte die schon von Otto III. im Jahr 1096
erbaute Nikolauskirche gewesen sein (eine dreischiffige Pfeilerbasilika ohne
Querschiff, ähnlich der Kirche auf dem Petersberg), um die das kleine Kloster
angelegt wurde. Der Klosterbau und diese Kirche wurden 1128 von Salzburger
Erzbischof Konrad zu Ehren Mariä und der Apostelfürsten Petrus und Paulus geweiht.
Erzbischof Konrad war der Sohn des Klosterstifters. Von der Kirche aus dem Jahr
1128 sind noch der Grundriss und das romanische Portal erhalten.
1186 wurde die Nikolauskirche renoviert und von Bischof Otto II. von
Freising wieder ausgeweiht.
Klosterbrand
1249
Nach einem Klosterbrand im Jahr 1249 wurde die Kirche neu errichtet und 1264
geweiht. Der Brand entstand durch einen unvorsichtigen Mesner beim Auslöschen
einer Kerze am Altar im Predigthaus. Das war ein hölzerner Anbau für
die Gläubigen, die in der Nikolauskapelle keinen Platz gefunden hatten,
aber der Messe beiwohnen und der Predigt zuhören wollten. Dieses Predigthaus
stand auf dem Platz der heutigen Kirche. Dem Feuer fiel das ganze Kloster zum
Opfer. Die zwölf Mönche waren obdachlos und wurden in anderen Klöstern
untergebracht. Der Wiederaufbau war teuer; man musste einige Klostergüter
verpfänden oder verkaufen. Aber das Geld reichte für einen richtigen
Turm; es ist der heutige Nordturm.
Interdikte
Es war damals die Zeit eines der vielen Interdikte im Mittelalter; der bayerische
Herzog als Anhänger des Kaisers und Widersacher des Freisinger Bischofs
war von Papst Innozenz IV. gebannt und über sein Gebiet, zu dem auch das
Kloster Indersdorf gehörte, ein Lokalinterdikt verhängt worden. Ein
Interdikt war im Mittelalter eine kirchliche Strafmaßnahme, die in der
Regel vom Papst oder vom Bischof gegenüber dem Herzog ausgesprochen wurde.
Es bedeutete eine Schließung der Gotteshäuser, die Einstellung der Gottesdienstes,
das Verstummen der Kirchenglocken und das Versagen der Sakramente und des kirchlichen
Begräbnisses im gesamten herzoglichen Gebiet.
Es traf in der Regel Unschuldige und war darauf angelegt, in breiten Schichten
des Volkes, des niederen Klerus und der Mönche Verärgerung gegen den
Herzog zu schaffen und
ihn so zum politischen Kurswechsel zu zwingen. Die seelsorgerische Betreuung
der Bevölkerung und die Disziplin des Klerus litt darunter erheblich. Nicht
immer wurde das Interdikt streng eingehalten, manchmal wurden auch Ausnahmen
gewährt oder Schlupflöcher eröffnet. 1250 gab es für das
Kloster Indersdorf so eine Ausnahme:
Hier durfte der gewöhnliche Gottesdienst abgehalten werden, allerdings
ohne Glockengeläut und nur bei verschlossenen Türen (Bulle von Papst
Innozenz IV. aus dem Jahr 1250). Damals beklagte sich der Freisinger Bischof
Konrad I. beim Papst, dass der bayerische Herzog Otto II. u.a. trotz des Inderdikts
Gottesdienste und kirchliche Begräbnisse abhalten lasse. Übrigens:
von 1239 bis 1245 und von 1246 bis 1249 war auch über das Bistum Freising
ein päpstliches Interdikt verhängt, weil Bischof Konrad zeitweise
Parteigänger von Kaiser Friedrich II. war.
In der Konradinischen Matrikel von 1315 wird Indersdorf zwar als Kloster, nicht aber (anders als Altomünster) als Pfarrei erwähnt.
1394 brannte es wiederum in Indersdorf. Während des Karfreitagsgottesdienstes hat ein "liederlicher Mensch" Feuer gelegt. Die ganze Ortschaft brannte ab; die Kirche blieb aber vom Feuer verschont.
Gotischer Umbau
1432
Um die Zeit von 1432 wurde die Kirche nach gotischem Zeitgeschmack umgestaltet;
die Seitenschiffe wurden verkürzt, die Decken eingewölbt, drei neue Altäre
angeschafft, die Rosenkranzkapelle errichtet und ein zweiter Turm (Südturm)
dazugebaut. Dazu kam ein Geläute von sieben Glocken, die in Augsburg gegossen
worden waren. 50 Jahre später, gegen Ende des 15.Jh, hat man die Zahl der
Seitenaltäre (wohl auf die heutige Anzahl) erweitert.
Vor 1519 scheint auch Schwabhausen eine Filiale gewesen zu sein, die dann gegen Ainhofen eingetauscht worden ist; das mutmaßt der Indersdorfer Chorherr Georgius Penzl (1697-1748) in seiner Chronik des Klosters Indersdorf.
![]() |
Sunderndorfer'sche
Matrikel von 1524 |
Visitationsbericht
von 1560
Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz
von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. eine
Visitation, eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien
angeordnet. Die Visitation wurde durch bischöfliche und durch herzogliche
Bevollmächtigte durchgeführt. Grund war die durch die Reformation
Luthers (1517) entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen
des Bistums zur Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte. Durch
die Visitation wollte der Bischof einen detaillierten Einblick in die religiöse
Situation der Pfarreien gewinnen. Insbesondere sollte festgestellt werden, ob
die Pfarrer und die Gläubigen noch die katholischen Lehre vertraten oder
der neuen Lehre anhingen. Daneben interessierte die Prüfer die Lebensführung
der Pfarrer sowie Umfang und Qualität ihrer religiösen Kenntnisse.
Dabei wurden das Kloster Indersdorf insgesamt sowie alle Mönche einzeln
überprüft. Zur Pfarrei schreiben die Visitatoren, es gebe 400 Communicantes
(=Gläubige über 10 Jahre), von denen keiner die Kommunion unter
beiden Gestalten begehre. Wiedertäufer oder andere Schwärmer gebe
es nicht, auch niemand, der dem Gottesdienst fernbleibe. Die Pfarrei werde vom
Kloster aus durch einen Conventual (= Mönch) versehen. Er predige
an den Feiertagen aus katholischen Büchern. Die Pfarrkinder verhalten sich
beim Gottesdienst unverdächtig und beichten zweimal in der Fastenzeit.
Sie bezahlen den Zehent an das Kloster. An Selgerät fordere man von jedem
Gläubigen 72 Pfennig (= 0,3 Gulden). Die letzte Firmung lag 4 Jahre
zurück. In der Kirche würden das Allerheiligste, die heiligen Öle
und die Reliquien mit Ehrerbietung und ohne Mangel aufbewahrt. In der Sakristei
seien schöne (goldene) Messgewänder vorhanden, die sauber gehalten
werden. Der Bericht endet mit dem Satz: "Die khirch ist sonst mit aller
zier wol orniert (=ausgestattet) und kain paufelligkait verhanden".
Bruderschaften
- 1630, zwei Jahre bevor der 30jährige Krieg nach Indersdorf kam, wurde
hier eine Rosenkranzbruderschaft gegründet. Für sie wurde eine
eigene "an der Pfarrkirche anliegende Capelle mit einem Altar" errichtet.
Hauptfest war das Rosenkranzfest, Nebenfeste die Frauenfeste (Marienfeste) und
der 1.Sonntag im Monat mit Rosenkranz (Mai,Oktober). Die Feste wurden mit Rosenkranzgebet
oder Vesper, jeweils mit Predigt und Procession gefeiert. Das Vermögen
betrug 1880 rd. 13.500 Mark.
- Rund 250 Jahre später wurde der
Verein christlicher Mütter gegründet. (errichtet am m27.11.1874, aggregiert
am 29.12.1874).
| Im 30jährigen Kriegwurde Indersdorf so stark getroffen, dass es sich wirtschaftlich nicht mehr ganz erholte. 139 Höfe, die dem Kloster gehörten, brannten ab oder wurden zerstört. Bauern und Mönche wurden ermordet oder fielen der Pest zum Opfer. Zweimal, 1632 und 1634 kamen die Heere zum Kloster, das der Plünderung unterstellt wurde und dem Niederbrennen beim Abzug der Schweden nur wie durch ein Wunder entging, weil die Nachbarschaft schon gelegte Brände (in der Annakapelle) löschte. Dabei wurde auch die Kirche schwer in Mitleidenschaft gezogen, d.h., vollständig ausgeraubt sowie Fenster und Türen herausgebrochen. Deshalb musste der damals noch gotische Bau erneuert werden. Dies ist bereits im Stil des Barocks geschehen. Zur Finanzierung musste das Kloster mehrere noch erhaltene Bauernhöfe verkaufen. die Bevölkerung war durch Pest und Krieg so dezimiert worden, dass Zuwanderer aus Tirol, der Steiermark und aus Baden angeworben werden mussten. |
Um 1680 ließ Probst Georg I. eine neue Gruft anlegen, in der er selbst und zwei seiner Nachfolger begraben liegt. Zu beiden Seiten entstanden zwei weitere Probstgrüfte. Als Symbole sind Totenköpfe angebracht, einmal mit einer Schlange ein weiteres Mal mit einem Frosch zwischen den Zähnen.
Spanischen Erbfolgekrieg 1704
![]() um 1700 mit Kuppeln |
Schmidtsche
Matrikel 1738/40 In den Jahren 1738/40 besuchte der Freisinger Kanonikus Schmidt alle Pfarreien im Bistum und erstellte in der nach ihm benannten Schmidt'sche Matrikel. Darin wird zunächst berichtet, dass die Pfarrei in das Kloster inkorporiert und von einem Vikar aus der Mönchsgemeinschaft seelsorgerisch betreut werde. Der damalige Vikar hieß Herkulanus Veldner. Die Pfarrkirche hatte neun Filialen. In den letzten 200 Jahren waren Albersbach und Harreszell dazugekommen. Die Zahl der Communicantes war auf 1165 angestiegen. Dies ist zwar angesichts der Kriegsgräuel und der Pest bemerkenswert; der Anstieg der Gläubigen ist hier aber geringer ausgefallen als in den übrigen Pfarreien des Dachauer Landes. |
Die Künstler der Rokoko-Umgestaltung waren die Freskenmaler Matthäus Günther und Georg Dieffenbrunner und der Stuckateur Franz Xaver Feichtmayr, die trotz der vorgegebenen Enge des Baues eine der prächtigsten Kirchen im Raum nördlich von München schufen. Aus Kostengründen hatte man das gotische Bauwerk mit seiner engen Pfeilerstellung und dem schmalen, hohen Raum belassen. Dennoch waren die Kosten der Rokokoausstattung immens hoch; sie waren eine der Ursachen, die letztendlich zum wirtschaftlichen Niedergang des Klosters führten.
Aufhebung
des Stifts 1783
Im Jahr 1783 wurde das Stift wegen finanziellen Bankrotts aufgehoben. Dadurch
blieb Indersdorf vom Klostersturm der Säkularisation
1803 verschont und ist jetzt eine der besterhaltenen Klosteranlagen Bayerns.
Nach den Chorherren bewohnten Salesianerinnen das Klostergebäude. 1856
kamen die Barmherzigen Schwestern des hl. Vinzenz v.Paul, die sich der Erziehungsarbeit
widmeten und Schulen betrieben. 1987 wurde das ehem.Stift durch die Erzdiözese
München und Freising übernommen.
Beschreibung 1880
In der Zeit von 1870 bis 1880 hat der Dombenefiziat Anton Mayer eine Statistische
Beschreibung des Erzbisthums München-Freising erstellt und 1880 als Buch
veröffentlicht. Darin ist unter dem Dekanat Sittenbach auch die Pfarrei
Indersdorf als eine der größten Pfarreien des Dachauer Landes enthalten.
Mayer schreibt:
Geographie: Indersdorf ist an der Glonn ziemlich tief gelegen. Die Pfarrei
hat 1484 Seelen in 249 Häusern. Davon wohnen 967 Gläubige (in 162
Häusern) in Indersdorf selbst, die Übrigen in Albersbach 51 (7), Glonn
237 (44), Ottmarshart 73 (12), Siechhäusern 33 (8), Straßbach 36
(7) und in 5 weiteren Weilern und Einöden. Der Umfang der Pfarrei beträgt
19 km.
Pfarrei: Das Präsentationsrecht liegt beim bay.König. Die Pfarr-Rechnung
ergibt bei Einnahmen von 3269 M und Ausgaben von 1412 M einen Reinertrag von
1857 Mark. Ein Widum war nicht vorhanden. Der Grundbesitz umfasste nur 2 Tagwerk.
Das Pfarrhaus war Teil der früheren Klostergebäude. Es ist geräumig,
zu ebener Erde feucht und insgesamt nicht sehr passend; das Erbauungsjahr ist
unbekannt. Baupflicht hat das Staatsärar. Im Pfarrhaus wohnen der Pfarrer
und 2 Hilfspriester. Jetzt, im Jahr 1874, ist eine Stelle unbesetzt. Die Matrikelbücher
der Pfarrei beginnen 1603.
Kirche: "Ursprünglich gebaut um 1127. Restaurirt durch Probst
Gelasius 1755. Baustyl ursprünglich romanisch, jetzt Rococo. Geräumigkeit
zureichend. Baupflicht der Staat. 2 Spitzthürme mit 6 Glocken. Erste Consecration
der Kirche vorgenommen 1128 durch Conrad, Erzbischof von Salzburg. 8 Altäre,
Orgel mit 22 Registern. Cemeterium (=Friedhof) bei der Kirche, ohne Kapelle.
Gruft in der Kirche. Seit 1879 ist für das Districtskrankenhaus ein eigenes
Cemeterium mit Capelle angelegt. Gottesdienste an allen Sonn- und Festtagen.
An den Monatsonntagen Rosenkranz,Predigit und theophorische Procession (=feierliche
kirchliche Prozession) in der Kirche. Am Tage nach Christi Himmelfahrt Bittgang
nach Ainhofen, am Pfingstmontag Bittgang nach Straßbach. Den Meßnerdienst
besorgt ein angestellter Meßner, den Cantordienst der Lehrer. Eigenes
Meßnerhaus vorhanden. Vermögen 41.700 Mark".
Benefizium: Bei der Pfarrkirche besteht das Kiening'sche Emeriten-Beneficium,
gestiftet am 15.Juli 1873 von Nikolaus Kiening, Privatier zu Kloster Indersdorf,
confirmirt (=bestätigt) am 5.1.1875. Besetzungsrecht hat der Bischof.
Der Beneficiat, der aus den Erträgen finanziert wurde, musste wöchentlich
4 Messen sowie je 1 Obligatmesse an den Quatemberfreitagen (=Freitage nach:
1.Fastensonntag, Pfingsten, 3.Septembersonntag und 3.Adventssonntag) halten;
daneben hat er im Beichtstuhle, bei Leichengottesdiensten und bei feierlichen
Prozessionen auszuhelfen. Er wohnt im neu erbauten Benefizialhaus mit Wurzgarten,
das im Erdgeschosse etwas feucht ist. Die Erträgnisse des Beneficiums betragen
1108 Mark jährlich".
|
Restaurierungen: 1907/08, 1937 Berichte
aus der Pfarrei |
Baubeschreibung
der Klosterkirche
|
Der Grundriss der Kirche entspricht noch
immer dem romanischen Bau von 1128. Aus dieser Zeit ist noch das
etwas klobige Stufenportal im Westen (die gewölbte Vorhalle aus dem 16.
Jh.). Beim Kirchenbau handelt sich um drei Schiffe ohne Querschiff
mit sieben Arkaden
(4 im Laienschiff, 3 im Chor), wobei die Chorarkaden im unteren Teil vermauert,
im Obergeschoss aber zu imposanten Emporen geöffnet sind. |
Über dem Altarraum sitzt ein vierseitiger niedriger Turm mit Laterne. Dadurch ergibt sich im Inneren ein durchlichteter Kuppelraum über der Apsis. Er wurde wohl zusammen mit dem Hochaltar um 1690 erbaut. Die Fenster in den Schildmauern (im Mauerwerk des Hauptschiffs oberhalb der Seitenschiffe) haben Ohrmuschelform.
| An der dem Friedhof
an der Nordseite zugewandten Außenmauer sind ein großes Kruzifix
mit darunter stehender schmerzhafter Muttergottes angebracht. Das Kreuz hat einen besonders langen senkrechten Balken; die Balkenenden sind dreipassförmig gestaltet. Der Corpus zeigt Jesus wohl im Moment des Sterbens. Er hat sein Gesicht zum Himmel gerichtet und scheint auszurufen: "Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist!" (Luk 23,46). Einige Besonderheiten dieser Kruzifixdarstellung seien noch erwähnt: Die Nägel an den Händen sind nicht durch die Handflächen, sondern |
| Die unter dem Kreuz stehende schmerzhafte Muttergottes (Mater dolorosa) trauert nicht nur mit dem Gesicht, sondern mit der ganzen Körperhaltung. Das sonst übliche Schwert durch die Brust, das an das Simeonwort bei der Darstellung Jesu im Tempel erinnert (Luk 2,35), fehlt hier. |
|
Indersdorf 1762 |
Indersdorf ist die einzige Kirche im Landkreis Dachau mit zwei Türmen. Der Unterbau des Nordturmes stammt noch aus romanischer Zeit. Zwischen 1440 und 1470 wurde der Südturm errichtet und beide Türme erhöht. Nun haben sie eine Höhe von 54 Metern bei einer Grundfläche von 6,70 Metern. Dieffenbrunner bildet auf seinem Stich
aus dem Jahr 1762 noch die barocken Giebel ähnlich derjenigen der Ainhofer
Kirche (1764 durch Mich und Regauer) ab. Die heutigen Spitzgiebel könnten
aus der Zeit um 1800 stammen (1794 Überschlag durch den Stadtzimmermeister
Simon Kern aus München). Bei der Restaurierung 1984 fand man in der
Kugel des Nordturms (Durchmesser 70 cm) unter dem 2,30 m hohen Kreuz eine
Kassette mit Urkunden aus der Zeit von 1834 bis 1905, Münzen, Rosenkränze,
Wachsbilder und andere Andachtsgegenstände. |
Die mir vorliegenden Angaben über die Glocken in den Türmen sind nicht eindeutig:
|
-
|
Nach Aussage des ehem.Kirchenpflegers Berghammer hängen im Nordturm hängen noch drei von Meister Pauls aus Augsburg gegossene alte Glocken von 1442 (andere Quellen: 1457 und 1470) und eine aus dem Jahr 1750. Die beiden Glocken im Südturm seien im Dreißigjährigen Krieg beschädigt worden und hätten seither nicht mehr geläutet. Auch sie sollen vom Glockengießer Pauls stammen. |
|
-
|
In der Beschreibung von Anton
Mayer aus dem Jahr 1874 sind die Inschriften von dreien der auch damals
sechs Glocken enthalten: a) Frauenglocke: "Anno Domini MCCCCLII (=1452). O rex gloriae Christe veni cum pace. O du hochgelopde losame junckfrau maria ich sag dir danck dir. - Glockenklang ich ruef den lemdigen ich klag die Toten, got geb maister Paulssen den ebigen lon.ihs. Maria.Johannes" b) Vormeßglocke: Bild des hl.Florian und folgenden Text: "Anno Domini MCCCCLVII (=1457). O rex gloriae Christe veni cum pace. in den eren unser frauen. maister Pauls" c) Wandlungsglocke: Sub Gelasio Praeposito ... campana haec fusa est Monachii MDCCLXI (=1761). |
|
-
|
Nach einem Zeitungsbericht über eine Glockenweihe 1962 hingen vor den Weltkriegen vier Glocken aus dem Jahr 1457 und zwei jüngere Glocken auf dem Glockenturm. Im Weltkrieg mussten die beiden jüngeren, die zweitgrößte und die kleinste Glocke, zum Einschmelzen abgeliefert werden. Als "Ersatz" ist eine neue Glocke vom Erdinger Glockengießer Czudnochowsky beschafft worden. Sie wiegt 22 Zentner, erklingt im Ton Es und trägt die Aufschriften "Praedicamus Christum crucifixum" ("Wir predigen Christus den Gekreuzigten" = Wahlspruch von Kardinal Döpfner) und "Im Jahre des Herrn 1962 - HI. Florian bitt für uns." Der letztgenannte Text lässt den Schluss zu, dass sich unter den im Krieg abgelieferten Glocken auch die 1874 beschriebene Vormessglocke mit dem Bild des hl.Florian befand. Wenn Sie am Zeitungsbericht über die Glockenweihe 1962 durch Erzbischof Müller interessiert sind, klicken Sie hier... |
| Die Westfassade der Kirche zwischen den Türmen enthält eine mit Marmor ausgekleidete Nische, in der eine Statue des hl.Augustinus, des Patrons des Klosters, auf Indersdorf und insbesondere auf den Biergarten direkt unter ihr hinunterblickt. Die Figur dürfte in den 1980er Jahren, also zu jener Zeit entstanden sein, als ihre ältere Vorgängerin wegen Witterungsschäden restauriert und dann im Kirchenschiff untergebracht wurde. |
Innenausstattung
Die Kirche ist
kein einheitlicher Rokokobau. Da im 18.Jh die Mittel für einen Neubau fehlten,
wurden die vorhandenen (schmalen) gotischen Kirchenräume lediglich barockisiert.
Dadurch wirkt die Kirche noch höher, als sie tatsächlich ist. Da
die Kirche auch im 19.Jh wegen Geldmangels nicht verändert werden konnte, ist
sie so erhalten, wie sie auf den Stichen des Propstes Morhardt aus dem Jahr
1762 gezeigt wird. Der vor einigen Jahren renovierte Innenraum mit reicher Rokokoverzierung
ist mit überschwänglichem Rocaillestuck ausgestattet. Der großartige Schmuck
in der Kirche der Barockzeit sollte ein Abbild des Himmels erzeugen sowie die
schon hereinleuchtende Herrlichkeit Gottes und die tröstliche Gemeinschaft
der Heiligen darstellen. Die Klosterkirche
Indersdorf gilt als Gegenstück zur Rokokokirche in Rottenbuch, das ähnlich
prunkvoll gestaltet ist und in dem ähnliche Themen behandelt werden wie
in Indersdorf.
Die Maler und Stuckateure hatten sich mit
den engen und steilen Proportionen des Raums auseinander zu setzen. Wie bei
den Umbauten in Steingaden und Rottenbuch ist auch hier die Höhe des Schiffs
zwischen Arkaden
und den stark veränderten Fenstern durch den Einschub von Wandfresken bewältigt
worden.
| Berühmt ist die Kirche in Indersdorf
auch wegen ihrer vielen Fresken, die von den Künstlern Matthäus Günther
(Deckenfresken im Hauptschiff) und Georg Dieffenbrunner geschaffen wurden.
34 Bilder schmücken den Innenraum. Hauptthema sind Szenen aus dem Leben des hl. Augustinus. Eine Übersicht und die ausführliche Beschreibung der Fresken finden Sie hier.. |
Die Klosterkirche besitzt insgesamt 9 Altäre,
von denen zwei in den angebauten Kapellen stehen.
Die Altartische stammen alle noch aus gotischer Zeit, wurden im Barock aber
neu verkleidet. Die Altaraufbauten bestehen aus Holz mit farbenfrohen Fassungen
und lebhaften Marmorierungen.
Der in Klosterkirchen übliche tiefe, 3-jochige Chor ist gegenüber dem Kirchenschiff um 8 Stufen erhöht. Er bildet nicht wie in anderen Kirchen den Abschluss nach Osten hin; in Indersdorf schließt sich noch das sog. Altarhaus (Raum hinter dem Hochaltar) an. Der Chor ist zweischiffig; das linken Schiff bildet den Gang zur Sakristei aus dem Jahr 1755.
![]() Der Hochaltar |
|
|
| Die Hochaltarbilder, die der kurfürstliche Hofmaler Johann Andreas Wolf (1652-1716) im Jahr 1691 geschaffen hat (Sign:Andre Wolff Infenit Anno 1691), zeigen unten die Aufnahme Mariens in den Himmel und darüber Gottvater, der Maria im Himmel erwartet. Wolf war auch in Altomünster sowie in vielen anderen Klöstern tätig. | ||
|
Auf seinen Bildern ist im Vordergrund fast immer ein großer Engel zu sehen. Typisch für Wolf ist auch die gerade Form der Nasen der gemalten Personen. Die Büste von Andreas Wolf steht in der Münchner Ruhmeshalle hinter der Bavariafigur. 1721 wurde der Hochaltar vom Oberschleißheimer Künstler Franz Deschler neu gefasst. Um das untere Altarblatt und den Tabernakel stehen sechs große Heiligenfiguren. Alle tragen vergoldete Gewänder. |
||
| Obere Assistenzfiguren
sind die Heiligen Petrus und Paulus,
die unmittelbar neben dem unteren Altarblatt zu finden sind. Sie halten ihre Attribute die Himmelsschlüssel und das Schwert in Händen. Der Himmelsschlüssel in seiner Hand, erinnert an die Aussage Jesu "Dir werde ich die Schlüssel des Himmelreiches geben". Das Schwert des Paulus ist das Marterinstrument. Paulus wurde als römischer Bürger nicht gekreuzigt, sondern enthauptet. |
|
|
|
Die inneren Figuren stellen die bekanntesten Heiligen Johannes dar: Johannes d. Täufer in kurzem härenem Schurz, mit Kreuzstab und Spruchband "Ecce agnus Dei" in den Händen. Joh.Evangelist mit Kelch und aufgeschlagenem Evangelienbuch, in dem die Worte "In principio erat verbum" - "Im Anfang war das Wort" - der Beginn seines Evangelienbuchs. Viele Jahrhunderte lang dachte man, Johannes der Apostel und der Evangelist seien eine Person gewesen. Deshalb hat der Künstler der Figur auch einen Kelch in die Hand gegeben. Er erinnert an einen Giftanschlag auf den Apostel Johannes. Die Worte "Ecce Agnus Dei - übersetzt: Seht das Lamm Gottes, das die Schuld der ganzen Welt wegnimmt" sprach Johannes der Täufer, als er Jesus erstmals begegnete (Joh.1,29). |
|
| Die beiden weiblichen Heiligen stehen auf den Außen-Postamenten. St.Katharina mit dem Schwert in der Hand und dem zerbrochenen Marterrad zu ihren Füßen sowie die sonst eher unbekannte St.Juliana mit dem grünen Märtyrerpalmzweig. |
| Den vergoldeten Tabernakel schuf 1900 Josef Elsner aus München in neubarockem Stil. Auf der Kuppel über dem Mittelteil thront das Lamm Gottes auf dem Buch mit den 7 Siegeln. Eingerahmt und gestützt wird der Tabernakel von Rebenlaub umwundenen Säulchen. | Im Vorderfuß hält es die Siegesfahne. Das Buch mit den sieben Siegeln enthält die Namen der Gerechten und der Sünder sowie die Ereig-nisse die am Weltende geschehen werden. Die 7 Siegel können nur von Christus geöffnet werden (Ap 5,1 ff) |
| Hinweis: Tabernakel ist das lateinische Wort für Zelt. Die seit dem 12. Jh übliche Bezeichnung führt zurück zur Bundeslade der Israeliten zur Zeit Mose, die ebenfalls in einem Zelt unter-gebracht war. Der Tabernakel dient bereits seit frühchristlicher Zeit (unter anderem Namen) zur Aufbewahrung verwandelter Hostien für die Sterbenden. Seit dem hohen Mittelalter wurde er auch Ort der Anbetung und Verehrung Christi in der Gestalt dieses eucharistischen Brotes. Der Ort und die Form der Aufbewahrung änderten sich im Laufe der Jahrhunderte häufig. Das Tridentinische Konzil (1545-63) ordnete die Aufstellung des Tabernakels auf dem Altar an. Doch diese Vorschrift wurde in Deutschland, wo man lange daran festhielt, die heiligen Hostien in Wandschränken und Sakramentshäuschen aufzubewahren, erst im 18. Jahrhundert umgesetzt. Das 2. Vatikanische Konzil (1962-65) lässt dies wieder zu. Deshalb werden in modernen oder modernisierten Kirchen Tabernakel häufig in die Wand eingelassen oder stehen frei auf einer Säule. | ||
| Vor dem Altar eine 1756 erneuerte Marmorplatte für den Stifter, Graf von Scheyern-Wittelsbach, mit Familienmitgliedern. |
| Das reiche Chorgestühl
aus Eichenholz stammt aus dem Jahr 1760. Die hölzernen
Sitzreihen für Kleriker und Mönche sind mit einer hohen Rückwand und barocken
Schnitzereien versehen. Das Chorgestühl diente den
Mönchen zum gemeinsamen Lobpreis Gottes im Stundengebet und im Gesang beim
Gottesdienst. Das Standort des Gestühls war vor 250 Jahren Grund für den sog. Chorstuhlstreit. Bei den Umbaumaßnahmen 1755 hat Propst Morhard den Hochaltar nach vorne gerückt und die etwas sperrigen Chorstühle auf die Orgelempore verlegt. Dies stieß auf erbitterten Widerstand der Konvents (der Mönchsvertretung). Sogar Bischof und Kurfürst wurden mit dem Streit befasst. Und nach vielem juristischen Hin und Her setzte Morhard sein Konzept durch. Inzwischen ist das Chorgestühl aber wieder in den Altarraum zurückgekehrt. |
Figuren im Altarraum
In den Nischen
seitlich des Choreingangs recht gute Figuren der Muttergottes und von
St.Josef aus dem Beginn des 18.Jh.
Im Nordosten der Kirche ist seit 1752 die halbrunde Sakristei angebaut. Es ist -wie Dr.Peter Dorner schreibt, "ein erlesener Raum des Barock mit leichtem Feichtmayr-Stuck, Freskomalerei von Matthäus Günther und geschnitztem Schrankwerk. Hier findet sich in allem die künstlerische Höhe des Kirchenraumes, als dessen baugeschichtlicher Vorläufer und Probestück die Sakristei zu sehen ist".
| Die Sakristei ist vom Altarraum
durch einen Gang zu erreichen, der aus dem östlichen Teil des linken
Seitenschiffs gebildet wird. Der Gang ist mit Deckengemälden von Georg
Dieffenbrunner ausgestattet; in ihm hängt ein großes barockes
Kruzifix an der
Wand. Der tote Körper Jesu ist blutüberströmt. Die Sakristeitüre ist besonders reich mit Schnitzwerk und Beschlägen verziert |
|
In der Sakristei prägen das Deckengemälde von Matthäus Günther, die Stuckverzierungen an den Wänden und die passend in die Zwischenräume zwischen den Fenstern eingebauten Paramentenschränke (1752) das Erscheinungsbild. Vor dem mittleren Fenster steht ein Altar mit einem großen, das Fenster überragenden Kreuz. Die Stuckreliefs von Franz Xaver Feichtmayr d.Ä. zeigen Putten, die Messgewänder für den Priester (im Bild rechts: Alben und Kasel) bereithalten. Das Deckengemälde ist dem Raum angepasst: Es zeigt den hl.Augustinus, wie er mit den bischöflichen Gewändern bekleidet wird. |
Das Langhaus ist 3-schiffig und erstreckt sich über 4 Joche. Das dem Altarraum nächstliegende Joch wird durch eine lichtspendende quer-ovale Kuppel mit Chorturm betont.
Im Kirchenschiff sind nicht zwei sondern sechs Altäre aufgestellt. Dies ist für große Kirchen aus der Zeit der Gotik nicht ungewöhnlich. Damals legte sich der Akzent stärker auf die Pflege privater Frömmigkeit. Und man erhoffte sich eine Vervielfachung der Gnadenströme, die von gelesenen Messen ausging, völlig unabhängig davon, ob das Volk beteiligt war oder nicht. Zudem waren viele Altäre notwendig wegen der Verpflichtung, jeder Priester müsse täglich eine Messe lesen. Vor den Pfeileraltären sind keine Kirchenbänke aufgestellt, um Platz für Priester und Ministranten zu haben. Die Mitwirkung von Gläubigen war nicht wichtig (missa sine populo).
Die Fenster in den Schildmauern (das ist der Teil des Mittelschiffs, der über die Seitenschiffe hinausragt) haben Ohrmuschelform.
Die Kirche hat 2 Kapellen (Annakapelle und
Rosenkranzkapelle jeweils mit Altar)
|
Reich gestaltet ist der Altar der Annakapelle am nördl. Seitenschiff, aufgestellt zwischen 1721 und 1728. Dieser Altar hat sich als einziger Seitenaltar unverändert erhalten. |
Die Rosenkranzkapelle am südlichen Seitenschiff ist dem Rosenkranzgeheimnis geweiht, dessen einzelne Stationen auf vergoldeten Reliefs rund um den Altar wiedergegeben sind. Künstlerischer Mittelpunkt ist das Antependium des Altars mit einem gotischen Fresko. |
Im Kirchenschiff sind noch weitere 6 Altäre vorhanden, die z.T. an den Pfeilern aufgebaut sind. Die Altäre wurden schon in spätgotischer Zeit (Ende des 17.Jh) von Propst Georg Riezinger aufgestellt; damals hatten sie keine Altarbilder, sondern Fresken. Bei der Barockisierung Mitte des 18.Jh erhielten sie ihre heutige Form. Die Altargemälde stammen von Andreas Wolff und Jos. Winter.
| Augustinus-Aaltar
Das Altarbild zeigt den hl. Augustinus beim Schreiben seines Buches über die hl. Dreifaltigkeit. Engel halten die bischöflichen Insignien. |
Nikolaus-Altar Der Stifter des Klosters Otto V. von Wittelsbach überreicht dem hl. Nikolaus (dessen Kapelle vor dem Klosterbau an dieser Stelle stand) den Plan der Kirche |
|||
| Maria-Hilf-Altar,
Mittelpunkt des Altars ist eine Kopie des Innsbrucker Maria-Hilf-Gnadenbildes im Frührokokorahmen. |
Antonius-Altar Mittelpunkt des Antonius-Altars ist seit der Restaurierung von 1907/1908 ein ikonographisch interessantes Wandbild des Stammbaums Jesu mit dem Gekreuzigten und seiner Mutter Maria (um 1450). |
|||
| Ursula-Altar Das Altarbild stellt die hl. Ursula von Köln dar, die einen Pfeil und die Märtyrerpalme in den Händen hält und von Putten umgeben ist. Im Hintergrund ist ein Segelschiff zu sehen. |
Barbara-Altar Barbara erwartet den Schwertstreich, zu dem ihr grimmig dreinschauender Vater ausholt. Im Hintergrund der Barbaraturm mit den drei Fenstern. |
Mehrere Altäre enthalten in der Predella Schreine mit sog. heiligen Leibern. Dabei handelt es sich um Reliquien von Katakomben-Heiligen. Nach der Wiederentdeckung der Katakomben in Rom im Jahr 1578 entstand ein reger Kult um die Gebeine der dort aufgefundenen Verstorbenen. Man erklärte sie allesamt zu Märtyrern, gab ihnen neue Namen und verkaufte die Gebeine als Reliquien in ganz Europa. Die Klosterkirche besitzt sechs heilige Leiber, die 1712 und 1741 gekauft wurden. Über die Translation der Gebeine 1741 gibt es einen zeitgenössischen Bericht, den ich auf der Seite der Rosenkranzkapelle abgedruckt habe (hier klicken..). Die textilen Arbeiten, mit denen die Reliquien bekleidet sind, sind in Indersdorf von besonderer Qualität. Sie weisen nach Meinung der Restauratorin Schwester M.Donatilla von Eckardt in allen Teilen der Gewänder besondere künstlerische Kompositionen auf. Unter dem Reliquien soll sich auch ein Zahn des hl. Antonius von Padua befinden.
Eine ausführlichere Beschreibung der
Kapellen und der Altäre erhalten Sie, wenn sie auf den jeweiligen Bilder klicken.
| Die Kanzel stammt aus der Zeit zwischen 1721 und 1728. Auf dem Schalldeckel sitzt der hl. Augustinus in seiner Eigenschaft als Lehrer. Am Kanzelkorb sind zwei Gesetzestafeln angebracht mit dem lateinischen Text der Aussage Jesu nach dem 10.Kap. des Lucasevangeliums: Du sollst den Herren deinen Gott lieben und den Nächsten wie dich selbst (Diliges dominum deum tuum ex proximum sicut te ipsum"). Am Kanzelfuß noch die Aufforderung aus dem : "Handle danach und du wirst leben"( Hoc fac et vives, Luk 10,28). An der Kanzeltür ist ein Bild des Guten Hirten vom Münchner Hofmaler Johann Degler aus dem Jahr 1719 zu sehen. |
| Hinweis: Die Darstellungen des Guten Hirten mit einem Schaf auf seinen Schultern waren in der Frühzeit auf die Sündenvergebung bezogen (Mt.18,12-14). In der Barockzeit trat die von Jesus auf die Priester übertragene Hirtenfunktion in den Vordergrund und damit dessen Hauptaufgabe, die Verkündigung des Evangeliums. Deshalb wurde der Gute Hirte ein bevorzugtes Bildnis an den Kanzeln. |
|
|
Kanzelkreuz und Mater Dolorosa Gegenüber der Kanzel ist das sog. Kanzelkreuz mit einer darunter stehenden Mater dolorosa angebracht. Das Kruzifix zeigt den toten Jesus am Kreuz. Der Korpus ist -wie im Barock üblich- zurückhaltend, d.h. ohne große Blutspuren und Schmerzverzerrungen dargestellt. In der Brust von Maria steckt langes Schwert. Die Figur steht auf einem Postament mit einer Textkartusche "Text: "Schmerzhafte Muttergottes bitt für uns"
|
Die vierzehn Kreuzwegbilder
in neubarocken Rahmen stammen aus der Zeit um 1900. Sie sind im Altarraum
und an den Pfeilern des Kirchenschiffs angebracht.
|
||||
Beichtstühle
Die Beichtstühle aus Fichtenholz sind mit Schnitzwerk reich verziert. Ein weinender Engel zeigt die Reue vor der Beichte, ein lachender Putto die Freude über den Wegfall der Sündenlast.
| Hinweis: Über Jahrhunderte hinweg wurde das Bekenntnis der Sünden offen im Kirchenraum beim Sitz (Kathedra) des Bischofs, später bei dem des Priesters im Altarraum abgelegt. Dieser besonders hervorgehobene Sitz des Beichtvaters war die Ausgangsform des Beichtstuhls. Durch die irisch-schottischen Mönchen wurde die Beichte im 10.Jh privatisiert, d.h., nicht mehr öffentlich abgelegt. Dazu bedurfte es nicht nur einer größeren Zahl von Priestern, sondern auch neuer Einrichtungsgegenstände. Der heutige Beichtstuhl entwickelte sich allerdings erst ab dem 16.Jh. zu einem feststehenden, meist dreiteiligen, mehr oder weniger geschlossenen Beichtgehäuse mit dem Mittelteil für den Priester (in dem der Priester sitzt - deshalb Beichtstuhl) und mit der Trennung von Priester und Beichtenden durch eine Zwischenwand mit Sprechgitter. Die Beichtenden knien abwechselnd in den Seitenteilen. Damit wurden bessere Bedingungen für einen anonymen Vollzug der Beichte geschaffen. In neuerer Zeit bieten sogenannte Beichtzimmer mit ihrer persönlichen Atmosphäre eine räumliche Alternative für Beicht- und Glaubensgespräche. Die Beichte geht auf das Bibelwort "Er hauchte sie an und sprach zu ihnen: Wem Ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem Ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert" (Joh 20,22) zurück. |
| Ein Ölbild aus dem Jahr 1868 zeigt den Bruder Marold, der an einem Bildstock betet. Im Hintergrund das Kloster Indersdorf und die Kirche in Straßbach. Maler war E.Huber (sign). |
| Maroldus war kurz nach der Klostergründung um 1130 als Laienbruder in das Kloster eingetreten. Er war für Küche, Keller und die Ökonomie zuständig. Das war ziemlich beschwerlich, weil der Meierhof in Straßbach lag, eine halbe Stunde Wegstrecke von Indersdorf entfernt. Marold musste den Weg mehrmals am Tag zurücklegen. Dabei räumte er heimlich die Essensreste von den Conventstischen ab und brachte sie zu den in einem Siechhaus in Straßbach liegenden Armen und Gebrechlichen. Die Speisen trug er in einem Korb, den Wein in einer großen Flasche. Als er vom Probst überrascht und zur Rede gestellt wurde, gab er zur Antwort, in seinem Korbe seien Holzspähne, in der Flasche Lauge zum Reinigen der Kranken. Als der Probst nachschaute, war dies wunderbarerweise richtig. Doch Marold beichtete dem Probst die Wahrheit. Und der, beeindruckt von dem Wunder, erlaubte dem Bruder Marold seine guten Taten. Als Marold nach 40 Jahren auf seinem Heimweg während des Gebets vor einem Kruzifixbild der plötzliche Tod überraschte, läuteten alle Glocken der Klosterkirche von selbst. Man fand ihn, noch kniend mit gefalteten Händen, holte die Leiche in feierlicher Prozession ab und begrub ihn in der Kirche am Augustinusaltar (1172). Zahlreiche Andächtige hatten dieses Grab besucht und Erhörung ihrer Anliegen gefunden. Später ging die Erinnerung an das Grab verloren. |
| Der
Bildstock, an dem Bruder
Marold von E.Huber gezeichnet wurde, steht noch immer am Wegrand zwischen
Kloster Indersdorf und Straßbach. Auf ihm ist folgender Text zu lesen:
" Hier starb im Jahr 1172 der selige Marold, Laienbruder im Augustinerkloster Indersdorf, auf den Knien vor dem Bild des Gekreuzigten, ein Vorbild der Geduld und barmherzigen Liebe. Text im Bild: Auf dem Wege zum Siechenhaus in Straßbach verherrlichte Gott die barmherzige Liebe des frommen Bruders Maroldus von Kloster Indersdorf durch die Wunder des Brotes + Weines + das der Klosterglocken zu seinem seligen Absterben anno 1172." |
In der Nähe der Kanzel sind an der Südwand
Holzbilder mit Portraits
der Stifter und Wohltäter des ehemaligen Augustinerchorherrenstifts angebracht.
Diese gemalten Bilder hingen bis 1900 in der Nikolauskapelle,
dem ehemaligen Kapitelsaal des Klosters, über den jeweiligen Grabsteinen.
Es handelt sich um ein Stifterbild und um 14 ovale Bilder.
Das große Stifterbild (Leinwandbild) in der Mitte, das Otto IV.
ganzfigurig zeigt, ist älter. Der Klostergründer ist mit einem reich
bestickten Rock bekleidet, der eher einer türkischen Tracht des 17.Jh als
der Mode seiner Lebenszeit um 1120 gleicht. Otto hat den Fuß leicht nach
vorne gesetzt und die linke Hand in die Hüfte gestützt; er steht neben
einem Tisch und weist mit der Hand auf ein Modell von Indersdorf (mit 2 Türmen).
Davor liegt auf dem Tisch die Stifterurkunde. Nach dem Wappen im Hintergrund
dürfte das Bild in der Regierungszeit von Propst Benedikt Mayr (1631-1640)
gemalt worden sein. Der Maler des Bildes, das von Experten als "von künstlerisch
mittelmäßiger Qualität" bezeichnet wird, ist nicht bekannt.
Die acht ovalen Bilder wurden von Dieffenbrunner (1759 oder 1760) mit feinem
Pinselstrich gemalt. Die Portraitierten blicken frontal oder nur wenig nach
links oder rechts gewandt selbstbewusst auf den Betrachter.
Darunter ist auch der Königsmörder Otto VII. (andere Zählung
Otto VIII), der 1208 bei einer Hochzeit in Bamberg den als Gast anwesenden deutschen
König Philipp von Schwaben mit dem Schwert getötet hat. Die Gründe
waren persönlicher und politischer Art: König Philipp hatte seine
mit Otto verlobte Tochter Kunigunde einem anderen gegeben und die daraufhin
von Otto eingegangene Verlobung mit Gertrud von Schlesien hintertrieben. Außerdem
hatte der König Länder von Verwandten der Herren von Andechs verwüstet,
bzw. stand vor einem Feldzug gegen den Landgrafen von Thüringen, der mit
Elisabeth von Andechs (der späteren Heiligen) verheiratet war. Deshalb
waren die Andechser unter den Verschwörern. Otto VII. war nach dem Mord
von Bamberg nach Kehlheim geflohen.
Durch Verrat wurde er von dem Ministerialen des Königs Heinrich von Kalden
gestellt und getötet. Der warf den noch blutenden Kopf "in weitem
Bogen in die Donau". Der Leichnam wurde in ein mit Pech ausgegossenes Fass
gesteckt und neun Jahre im Keller des Klosters Indersdorf aufbewahrt. Erst als
der Papst die Unterstützung der Wittelsbacher im Streit gegen den neuen
deutschen König brauchte, hat er den Bann, der auf Otto VII. lag, aufgehoben.
Die offizielle Begründung für die Aufhebung ist so abstrus wie für
politsche Entscheidungen der damaligen Zeit typisch: "Wir sind sicher,
dass der Königsmörder im letzten Moment, bevor der Kopf vom Rumpfe
auf den Boden fiel, seine Tat bereut hat". So konnte der Rumpf Otto
VII. -nicht ohne Pomp- in geweihter Erde begraben werden. Trauergäste waren
der bayerische Herzog und viele weitere Edle der damaligen Zeit.
Die Bilder zeigen im Einzelnen (Vergrößerung durch Klick aufs Bild):
|
Eckardus
von Junckenhofen |
![]() |
Otto
III, |
||
|
Godefredus
von Pettenbach |
Otto
VII |
|||
|
Otto
VI |
Text: |
|||
|
Georg
von Eisenhofen |
Friedrich |
| In der Nähe des Eingangs stehen Statuen der Heiligen Antonius mit dem Jesuskind auf dem Arm, Konrad von Parzham sowie von Augustinus in Bischofstracht mit einem brennenden Herzen in der Hand. Die Augustinus-Figur aus Lindenholz stand früher in einer Nische am Westgiebel und war so der Witterung ausgesetzt. Bei der Restaurierung in den 1980er Jahren mussten deshalb insbesondere äußere Teile der Figur (beide Hände, das Herz, der Bischofsstab und die Mantelfalten) neu geschnitzt und gefasst werden. |
| Antonius
lebte im 13.Jh und war ein begnadeter Redner, der sich gegen die damaligen
Häretiker (Katharer, Albigenser und Waldenser) wandte. Seine Fastenpredigten
in Padua 1231 hatten einen sensationellen Erfolg, denn die ganze Region
schien danach wie umgewandelt: Schulden wurden erlassen, zerstrittene Familien
versöhnten sich, Diebe gaben das gestohlene Gut zurück, unrechtmäßige und
überhöhte Zinsen wurden den Schuldnern zurückerstattet. Bis heute gilt in
Italien ein damals erlassenes Gesetz, dass niemand mit seinem Leben und
seiner Freiheit für eine Schuld haften solle, sondern nur mit seinem Eigentum.
Konrad von Parzham (1818-1894) wirkte 41 Jahre lang im Kloster Altötting
als Pförtner, wo er mit Tausenden von Wallfahrern zu tun hatte, die mit
vielerlei Anliegen und Bitten zu ihm kamen. Aber auch Kinder aus vielen
armen Altöttinger Familien kamen bettelnd an die Pforte, keines von ihnen
ging leer aus. 1934 von Papst Pius XI. heilig gesprochen. Damals wurden
in unseren Kirche viele Figuren dieses Volksheiligen aufgestellt. Augustinus
ist der bedeutendste der vier lateinischen Kirchenväter. Er wurde am 13.11.354
zu Tagaste in Numidien (Nordafrika) geboren. Auf allerlei Irrwegen gelangte
er zum christlichen Glauben und wurde 387 vom hl. Ambrosius in Mailand getauft.
394 wurde er zum Bischof von Hippo bei Karthago geweiht. Durch seine zahlreichen
Schriften entwickelte er sich zum geistigen Führer der abendländischen Kirche.
Er starb am 28.8.430 während der Belagerung Hippos durch den Vandalenkönig
Geiserich. Augustinus wird in der Kunst häufig mit einem brennenden Herzen
dargestellt. Dies soll seine brennende Liebe zu Gott sinnbildlich darstellen.
Antonius lebte im 13.Jh und war ein begnadeter Redner, der sich gegen
die damaligen Häretiker
(Katharer, Albigenser und Waldenser) wandte. Seine Fastenpredigten in Padua
1231 hatten einen sensationellen Erfolg, denn die ganze Region schien danach
wie umgewandelt: Schulden wurden erlassen, zerstrittene Familien versöhnten
sich, Diebe gaben das gestohlene Gut zurück, unrechtmäßige
und überhöhte Zinsen wurden den Schuldnern zurückerstattet.
Bis heute gilt in Italien ein damals erlassenes Gesetz, dass niemand mit
seinem Leben und seiner Freiheit für eine Schuld haften solle, sondern
nur mit seinem Eigentum. Konrad von Parzham (1818-1894) wirkte 41 Jahre lang im Kloster Altötting als Pförtner, wo er mit Tausenden von Wallfahrern zu tun hatte, die mit vielerlei Anliegen und Bitten zu ihm kamen. Aber auch Kinder aus vielen armen Altöttinger Familien kamen bettelnd an die Pforte, keines von ihnen ging leer aus. 1934 von Papst Pius XI. heilig gesprochen. Damals wurden in unseren Kirche viele Figuren dieses Volksheiligen aufgestellt. Augustinus ist der bedeutendste der vier lateinischen Kirchenväter. Er wurde am 13.11.354 zu Tagaste in Numidien (Nordafrika) geboren. Auf allerlei Irrwegen gelangte er zum christlichen Glauben und wurde 387 vom hl. Ambrosius in Mailand getauft. 394 wurde er zum Bischof von Hippo bei Karthago geweiht. Durch seine zahlreichen Schriften entwickelte er sich zum geistigen Führer der abendländischen Kirche. Er starb am 28.8.430 während der Belagerung Hippos durch den Vandalenkönig Geiserich. Augustinus wird in der Kunst häufig mit einem brennenden Herzen dargestellt. Dies soll seine brennende Liebe zu Gott sinnbildlich darstellen. |
| Der Figurentypus desErbärmde-Heilands geht der Überlieferung zufolge zurück auf Papst Gregor den Großen, dem bei einer Messe über dem Altar die Leidenswerkzeuge Christi und der lebend aus der Grabkufe aufsteigende Schmerzensmann erschienen sein soll. Aus den Wundmalen habe sich das Blut in den auf dem Altar stehenden Kelch ergossen. Die Figur wird auch Erbärmdechristus oder lat.imago pietatis genannt. Der aufrecht stehende, mit einem Lendentuch bekleidete und oftmals die Dornenkrone tragende Christus zeigt seine Wunden. |
| Hinweis zum Fastentuch: Seit dem 10.Jh ist in der kath. Kirche der Brauch nachweisbar, den Hochaltar oder sogar den gesamten Altarraum während der Fastenzeit durch einen Vorhang vor der Gemeinde zu verhüllen. Der Vorhang erinnert an den Tempelvorhang in Jerusalem, der beim Tod Jesu zerrissen ist. Bei gotischen und neugotischen Flügelaltären werden die Flügel in der Bußzeit zugeklappt. Der Vorhang wird auch Hungertuch genannt, als Hinweis auf den Verzicht während der Fastenzeit. "So wie der Leib der üppigen Speise, Mund und Ohr dem freudigen Gesang entsagen müssen, so werden dem Auge die kostbaren Bilder vorenthalten". Seit dem hohen Mittelalter wurde das Hungertuch meist mit Darstellungen der Passionsszenen oder der Leidenswerkzeuge Jesu bzw. mit Motiven aus dem Leben Jesu künstlerisch gestaltet. Dann waren die Fastentücher lange Jahre einfarbig violett. Seit einigen Jahren hat man den Brauch der Bemalung wieder aufgenommen und Motive aus den Entwicklungsländern gewählt, um das Bewusstsein für deren Probleme bei den Gläubigen zu wecken. So bekommt der Name Hungertuch noch eine weitere Bedeutung. Künstler aus aller Welt senden ihre Vorlagen an das Bischöfliche Hilfswerk Misereor, von dem die Pfarreien die Hungertücher beziehen können. |
| Die zwölf Sterne erinnern
an die Apokalyptische Frau, die Johannes in der Geheimen Offenbarung beschrieben
hat. Sie war in der Vision vom Strahlenkranz der Sonne umgeben, über
ihrem Haupte standen zwölf Sterne als Symbol für die zwölf
Stämme Israels. Die Apokalyptische Frau wurde in frühchristlicher
Zeitals Symbol für die Kirche angesehen und erst später mit Maria
identifiziert. Das Schwert in Marias Brust erinnert das Simeonwort im Lukasevangelium (Kap 2,35) bei der Darstellung im Tempel: "Dir selbst wird ein Schwert durch die Seele dringen". |
| Die Darstellung der Immaculata zeigt Maria als neue Eva, die, wie in der Bibel angekündigt (Gen 3,15), der Schlange den Kopf zertritt. Die Schlange symbolisiert die Erbsünde und in weiterer Folge das Böse allgemein. Dieses Bildmotiv mit der Schlange ist erst seit dem 17. Jh. nachweisbar. Als nach der Reformation auf protestantischer Seite Christus mit dem Fuß auf dem Kopf der Schlange dargestellt wurde, hat Papst Pius V. (1566-1572) im Zuge der Gegenreformation das Thema dogmatisch auf Maria fixiert ("Maria zertritt mit Hilfe von Christus die Schlange") und diese Darstellung in den katholischen |
| Kirchen bildlich durchgesetzt. Immaculata-Madonnen sollen auch an die unbefleckte Empfängnis Mariens erinnern sollen. Papst Pius IX. verkündete 1854 das Dogma, dass Maria wie Jesus von der Erbsünde befreit gewesen sei. Die evangelischen Christen lehnen das Dogma ab. Auch im katholischen Raum wurde die Diskussion um diese Frage schon Jahrhunderte vorher kontrovers geführt. Deshalb gab es auch schon vor 1854 Immaculata-Madonnen. | ||
An den Wänden der Seitenschiffe hängen noch vier weitere Gemälde aus der Rokokozeit. Sie sind mit einem fein geschnitzten Barockrahmen aus vergoldetem Holz versehen.
|
Eines der
Gemälde zeigt den hl.Aloisius,
der ein Kruzifix in seiner rechten Hand hält und es ganz versunken
verehrt. Die Finger seiner linken Hand liegen in gespreizter Haltung auf
seiner Brust. Unterhalb des Kruzifixes liegt auf einem Tisch eine Königskrone.
Sie soll zeigen, dass Aloisius das Ordensleben einem Herrschaftsleben
vorzog. |
| Krankenpflege. In zahlreichen Briefen betrieb er auch Seelsorge an Jugendlichen. Luigi starb während einer Pestepidemie, nachdem er sich bei der Pflege von Kranken die tödliche Ansteckung holte. Die Volksfrömmigkeit verzeichnete das Bild dieses Heiligen zu einem keuschen Unschuldsengel, der sich nicht einmal getraut habe, seine Mutter anzuschauen und Frauen nur mit niedergeschlagenen Augen begegnet sei. |
| Das zweite Gemälde ist
ein Herz-Jesu-Bild. Dort
zeigt Jesus auf mit beiden Händen auf sein Herz, um das die Dornenkrone
gewunden ist. Aus dem Herz schlagen Flammen, und ihm entwächst am oberen
Teil ein Kreuz. Hinweis: Das Herz Jesu ist Symbol für die Erlöserliebe Christi. Diese Darstellung verbreitete sich in unseren Kirchen insbesondere nach der Einführung des Herz-Jesu-Festes durch Papst Clemens XIII.(1758 - 1769) im Jahr 1765. |
Außergewöhnlich
prächtig ist der Rokoko-Rahmen um das Bild des hl.Antonius
von Padua, der das Jesuskind auf dem Arm hält. In den mit einer
Krone versehenen Aufsatz des Rahmens ist ein rundes Reliquiar eingearbeitet.
Auf diese Weise erscheint der Heilige dem Gläubigen von Angesicht zu
Angesicht, der ihm seine Bitte sozusagen persönlich vortragen kann.
Das Bild war vor 1907 Teil des Antoniusaltars, der in Aufbau und Form so
gestaltet war, wie der gegenüber stehende Maria-Hilf-Altar. Als man
bei der Renovierung 1907/08 am Antoniusaltar die alten Fresken entdeckte,
hat man das Antoniusbild an die Südwand gehängt.
|
| Beeindruckend ist ein Bildnis der Pietá, der trauernden Mutter Maria mit ihrem toten Sohn auf dem Schoß (Ölgemälde auf Holz). Die mit einem weißen Goller und einem dunklen Mantel gekleidete Maria sitzt in der Nähe der Grabstätte auf einem Stein. Im Hintergrund sieht man die leeren Kreuze von Golgatha und die Stadtmauer von Jerusalem. Maria hält auf ihrem Schoß den Leichnam Jesu, um den teilweise das Leichentuch gewickelt ist. Zärtlich berührt sie mit ihren Lippen den Kopf ihres Sohnes. |
| Hinweis: Die Darstellung der Muttergottes mit ihrem toten Sohn auf dem Schoß entspricht keinem Bibelbericht. Nach dem Johannesevangelium stand Maria zwar unter dem Kreuz; ihre Anwesenheit bei der Kreuzabnahme ist aber nicht belegt. Deshalb standen die Pietàs in Italien lange unter dem Verdacht der Ketzerei und wurden auch von den Reformatoren in Deutschland abgelehnt. Den Namen Vesperbild erhielten sie, weil die Zeit, die im Stundengebet der Mönche und Nonnen der Trauer um den Tod Jesu gewidmet wird, der Sonnenuntergang ist, die Zeit der Vesper. Der Begriff "Pietà" (ital. Mitleid) weist nach Robert Böck auf die kindliche Liebe und das innige Mitgefühl hin, das die Gläubigen dieser Darstellung entgegenbrachten. |
| Die Kirchenbänke haben kunstvoll geschnitzte Eichenholz-Stuhlwangen mit zwei unterschiedlichen Mustern. Das Muster mit den Akanthusblättern stammt aus dem Jahr 1729. Es entspricht dem vieler Kirchenstühle im Dachauer Land. Es trat erstmals 1695 in Glonn auf und wurde ab 1717 auch in Ainhofen, Albersbach, Arnbach, Arnzell, Aufhausen, Bergkirchen, Hilgertshausen, Markt Indersdorf (Marktkirche), Ottmarshart, Pasenbach, Pipinsried, Walkertshofen, Weichs, Westerholzhausen und hier in der Indersdorfer Klosterkirche verwendet. |
| Hinweis: Kirchenstühle gab es nicht von Anfang an in den Kirchen. Die ersten 1500 Jahre standen die Gläubigen oder bewegten sich langsam im Raum. Lediglich für Alte und Schwache gab es einige Stühle an den seitlichen Wänden. Ohne Kirchenstühle fasst die Kirche viel mehr Menschen; bei dichtem Gedränge während des Gottesdienstes schien der Raum voller Bewegung zu sein. Das feste Gestühl wurde zum Spiegel einer disziplinierten Gemeinschaft, in der jeder seinen festgefügten Platz hatte. Im 16.Jh. sind zuerst die evangelischen Kirchen mit Bänken ausgestattet worden, weil dort die Predigt als Medium der Heilsvermittlung einen größeren Raum einnimmt. Die katholischen Kirchen zogen erst später nach. Die Bestuhlung war einer der Gründe, dass die Kirchen zu Beginn der Barockzeit vergrößert werden mussten. |
|
|
Die tiefe Empore erstreckt sich nur über das Mittelschiff der Kirche. Die schmalen, sehr urtümlich wirkenden Aufgänge aus der gotischen Zeit sind in der Verlängerung der Seitenschiffe untergebracht. |
Schon um 1700 wurde -um das Westfenster gruppiert- eine zweiteilige Orgel errichtet. Wie lange sie ihren Dienst versah, ist mir nicht bekannt. Der nächste Bericht über eine neue Orgel stammt aus dem Jahr 1900 (andere Quelle: 1901) als der Orgelbauer Borgias Maerz ein neues Instrument (pneumatisch, zwei Manuale mit 20 Registern) einbaute; sie hielt bis 1982.
|
Disposition
der originalen Maerz-Orgel von 1901 (nach Brenninger): |
| 1988 hat Orgelbauer Anton Staller aus Grafing die heutige mechanische Schleifladenorgel mit 33 Registern errichtet. Der prachtvolle Prospekt der Orgel am Fenster -von einem unbekannten Meister- stammt aus dem Jahr 1755 und ist als fünfteilige Anlage um das Westfenster gruppiert. In ihm befinden sich das Hauptwerk und das Pedalwerk. Der Prospekt der Brüstungsorgel ist dagegen neu (Schnitzwerk von Bildhauer Friedrich Schmitt aus Forstinning). In dieser Brüstungsorgel sind die vom 2.Manual gespielten Pfeifen enthalten. |
| Hinweis: Mit ihren vielen Pfeifen, die über ein Gebläse zum Klingen gebracht werden, steht die Orgel meist im rückwärtigen Bereich der Kirche auf der Empore. Sie hielt erst allmählich Einzug in die Kirche, weil sie bis in das 11. Jahrhundert als profanes (weltliches) Instrument galt, das für das höfische Zeremoniell verwendet wurde. Erst ab dem 13. Jh wurde es zur Regel, in allen bedeutenden Kirchen Orgeln zu errichten. Heute gehört eine Orgel zur Ausstattung fast jeder Kirche. Mit ihrer Klangvielfalt und Klangfülle trägt sie zur Verschönerung des Gottesdienstes bei. Der Orgelprospekt, die Schauseite der Orgel, wurde früher meist durch Künstler gestaltet. Im Barock und im Klassizismus, deren Epochen unsere ältesten Orgeln im Landkreis Dachau angehören, wurde der Prospekt mit reicher Ornamentik verziert. Heute setzt sich immer mehr der "offene" Orgelprospekt durch, der allein durch die harmonische Anordnung der Pfeifen wirkt. |
Unter der Emporenbrüstung trennt ein reich verziertes Gitter den eigentlichen Kirchenraum von einer Art Vorraum mit Kirchenstühlen. Das Gitter dürfte vom Schlosser Johann Georg Biedermann in den Jahren 1784/85 geschmiedet worden sein. Inzwischen wurde es aber teil-erneuert, weil die heutigen Gitterteile aus verschiedenen Zeiten stammen.
| Das älteste Bauteil an der Indersdorfer Kirche ist das noch gut erhaltene Westportal aus der Zeit um 1200 zwischen den beiden Türmen. Es ist nunmehr durch das Vorhaus vor Witterungseinflüssen geschützt. Die beidseitig zweifachen Rücksprünge sind an den Ecken mit Säulen besetzt. Den Säulen sind Würfelkapitelle und ein kräftiges Kämpfergesims, bestehend aus Wulst und Platte aufgesetzt. Der Türsturz ist neueren Datums. |
| Im Vorhaus ist eine Muttergottesstatue aufgestellt, die der Marienstatue in Loreto nachgebildet ist.
|
|
Das Glasgemälde im Fenster der Vorhalle ist den Gefallenen (wohl des Ersten Weltkriegs) gewidmet. Unter einem Kruzifix liegt ein sterbender Soldat in der Uniform des Deutschen Heeres im Ersten Weltkrieg. Christus am Kreuz beugt sich zum Soldaten herunter. Darunter zeigt eine Kartusche die Ansicht von Kloster Indersdorf und das bayrisch/wittelsbachische Rautenwappen; um die Kartusche windet sich ein Schriftband mit dem Text "Betet für Eure Brüder". Gestiftet wurde das Glasgemälde von den Mitwirkenden beim Passionsspiel. Erstellt wurde es 1922 von Glasmaler Zettler aus München. |
In die Mauern der Klosterkirche sind außen und innen mehrere Epitaphe (Grabplatten) eingelassen. Sie erinnern besonders an die früheren Pröpste des Klosters.
|
1486
|
1673
|
1693
für die Pröpste
G.Mall und Quint. Noder |
1704
für die Pröpste Georg Riezinger und G. Morhart |
1609
|
| Das Epitaph aus dem Jahr 1792 ist für den letzten Probst mit dem latinisierten Namen Johann Baptist Sutor (Schuster) angefertigt worden. Es ist in klassizistischem Stil gearbeitet (mit halbkreisförmigem Aufsatz) und enthält folgende Inschrift: "Gottes Friede über die Asche des hochwürd.hochwohlgeborenen Herr Joh.Bapt.Sutor, des ehemal.regul. Korstifts Indersdorf letzten würdigsten Prälaten und lateran. Abten: 1735 23.Jän.geb.zu Glon, 1753 21.Xbr.Prof. 1760 Professor, 1771-79 und nachhin.15 Jahre Pfr. zu Langenpöttenbach, 1780 26.Jän. Prälat, 1806 24.Nov.gestorben." |
|
|
|
|
Interessant
auch ein weiteres Epitaph aus dem
Jahr 1673 für die 19jährige Maria Ries.
|
Text auf dem Grabstein:
Anno 1673 den 6.July starb die ehren- und tugentsame Jungfrau Maria Riesin aus Minchen in ihrer blieenden (blühenden) Jugend ihres Alters im 19.Jahr. So hie begraben ligt. Deren Sehl Gott gnedig und barmherzig sein wolle. |
| "Der im Besitz der Pfarrei Indersdorf befindliche Kruzifixus, dessen Provenienz (Herkunft) und Bestimmung bis dato nicht verifizierbar sind, der jedoch stilistisch in das späte 16.Jh zu datieren ist, stellt ein herausragendes Beispiel jesuitischer mittelalterlicher Kreuzmystik dar in der Nachfolge der imitatio Christi (Nachfolge Christi) von Thomas von Kempen. Seine Entstehung könnnte möglicherweise in der Amtszeit von Propst Johannes Aigele (1586-1604) erfolgt sein, der nach Jahren des Verfalls sich mit großem Eifer um eine Erneuerung der Kirche einsetzte. Aigele schickte seine Novizen teilweise zur Ausbildung nach Ingolstadt. ... ein geistiger Austausch mit den Ingolstädter Jesuiten und deren theologischem Gedankengut kann als sicher gelten und könnte somit |
| auch in diesem einzigartigen Kruzifix seinen Niederschlag gefunden haben. Die im Zuge der jüngsten Restaurierung wiedergewonnene, wenngleich nur in Teilen erhaltene Originalfassung zeigt ein außergewöhnliches Geflecht an breiten, dunkelbraunen Adern, die dem Geäst eines Baumes ähnlich den gesamten Körper durchziehen. Diese eigenwillige Gestaltung weckt unweigerlich Assoziationen zum Baum des Lebens, der im Kreuzestod Christi neu aufgerichtet wird ("Dies ist der würdigste Baum, mitten im Paradiese aufgerichtet, an dem der Ursprung des Heils durch seinen eigenen Tod den Tod aller überwunden hat"- Jakob Gretser, 1598). |
| In der Weihnachtszeit ist in der Annakapelle eine Krippe mit über 60 cm hohen Figuren aufgestellt. Die Figuren werden regelmäßig verändert und zeigen insgesamt sieben Einzelereignisse aus dem Leben Jesu, darunter Maria Verkündigung, der Besuch Mariens bei ihrer Base Elisabeth, die Herbergssuche, Geburt Christi, die Hl.Dreikönige, Flucht nach Ägypten. Um die Krippe kümmert sich seit 20 Jahren Hans Hillreiner, unterstützt von Georg Ostermeier und Georg Harrer. Die Mauern, der Stall und die Mooshütte wurden in vielen Arbeitsstunden selbst gebaut. Allein das Aufstellen der Figuren dauert jeweils 3 Stunden. |
Seit einigen Jahren wird in der Weihnachtszeit eine weitere sehr große und wertvolle Krippe in der ehem. Nikolauskapelle aufgebaut.
Das Pfarrhaus neben der Klosterkirche war ursprünglich das Priesterhaus, das nach der Aufhebung des Klosters 1783 anstelle der Wagenremise eingerichtet wurde.|
Dort wohnten die Chorherren, die die Seelsorge für die Gläubigen von Indersdorf und Umgebung übernommen hatten. Nach deren Ableben übernahmen zwei Pfarrer und zwei Kapläne diese Aufgabe; das Priesterhaus wurde Pfarrhof. |
In dem erst in den Jahren 2000 bis 2004 für 1,2 Mio Euro restaurierten Pfarrhaus mit einer Grundfläche von 150 qm befinden sich das Pfarrbüro, das Pfarrarchiv und drei Wohnungen. |
Im Sommer ist die Kirche an Sonntagen zwischen
14.00 Uhr und 16.00 Uhr geöffnet.
Wenn Sie die Internetseite des Pfarrverbands Indersdorf besuchten möchen,
klicken Sie hier...
Die Gottesdienstordnung finden Sie hier...
Hans Schertl
Quellen:
Michael Wening,
"Historico-topographica descriptio Bavariae", Band 1, 1701
Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising,
1880
Eberhard Graf von Fugger, Geschichte des Klosters Indersdorf, 1883
Bezold/Riel, Kunstdenkmale des Königreichs Bayern, 1893
Adolf Wacker, Zur Indersdorfer Kloster- und Ortsgeschichte, 1905
Theodor
Bitterauf, Die Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (Nr. 1234)
Amperbote vom 18.7.1922
Alois Stallwanger, Geschichte des Klosters Indersdorf, 1949
Dehio/Gallo, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, 1964
Werner Widmann, Kunstreiseführer Von München zur Donau, 1966
Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
Bauer/Rupprecht, Kunstwanderungen in Bayern südlich der Donau, 1973
Dr.Peter Dorner, Die Barockbauten des Indersdorfer Propstes Gelasius Morhart,
Amperland 1973/2
Dr.Peter Dorner, Zur_Ikonographie_der_Indersdorfer_Decken, Amperland 1973
Dr.Peter Dorner, Die verschollene Pröpste-Galerie im Indersdorfer Sommerrefektorium,
Amperland 1974
Georg Brenninger, Orgeln und Orgelbauer im Landkreis Dachau, Amperland 1975/2
Georg Brenninger, Orgeln in Altbayern, 1978
Süddeutsche Zeitung, Beilage Landkreis Dachau, 20.4.1979 (Zuwanderer 1648)
Gerhard Eckert, Zwischen Ingolstadt und München aus DuMont Kunst-Reiseführer,
1980
Künstler in Indersdorf, Amperland 1982/2
Max Gruber, Im Amperland tätige Glockengießer, Amperland 1984/2
Josef Berghammer, Der Fund im Nordturm der Pfarrkirche Kloster Indersdorf, Amperland
1985/1
Max Gruber, Im Amperland tätige Schlosser und Spengler, Amperland 1985/2
Gottfried Weber, Romanik in Oberbayern, 1985
Josef Berghammer, Die Sanierung und Restaurierung der Pfarrkirche Kloster Indersdorf,
Amperland 1985/4, 1987/1
Dr.Georg Paula, Die Wohltäter- und Stifterportraits in der Klosterkirche
Indersdorf, Amperland 1986/1
Max Gruber, Im Amperland tätige Zimmermeister, Amperland 1986/4
Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres
1560, 1986
Josef Mass, Geschichte des Erzbistums München und Freising, 1986 (Interdikt
1250)
Josef Berghammer, Die Orgel in der Pfarrkirche Kloster Indersdorf, Amperland
1987/3
Dewiel/Rasp, Kunstfahrten in Oberbayern. Südd. Verl. 1989
Josef Berghammer, Orgelweihe in der Pfarrkirche Kloster Indersdorf, Amperland
1989/2
Robert Böck,Wallfahrt im Dachauer Land, Bd 7 der Kulturgeschichte des Dachauer
Landes, 1991
Robert Böck, Rosenkranzandacht und Rosenkranzbruderschaften der Barockzeit
im Dachauer Land, Amperland 1991/2
Josef Berghammer, Kleiner Kunstführer Schnell/Nr. 242, 1992
Prof.Dr.Wilhelm Liebhart, Ein unbekanntes Altarblatt von Johann Andreas Wolf,
Amperland
Bauer/Rupprecht, Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, 1996
Hans Kornprobst, Vorhut der Säkularisation: Die Aufhebung des Augustinerchorherrenstifts
Indersdorf 1783, Amperland 2000/2
Josef Berghammer bei einer Kirchenführung, 2002
Dr.Peter Dorner, Indersdorfer Chronik-Publikationen der Akad.d. Augustiner-Chorherren
von Windesheim, 2003
Kurier, Dachau, Dezember 2005
Dachauer Nachrichten vom 7.März 2006, 5.7.2006 (Pfarrhof), v. 7./8.4.2007,
16.8.2010 (heiligeLeiber)
Siegfried Bschorer, München, 2008
Eleonore Philipp (zit.Franz-Josef O. Loderer "Der Königsmörder", 2000), 2011
(Verwandtschaft Otto IV)
Eckart Bieger, Das Bilderlexikon der christlichen
Symbole, 2011
(Rosen/Armenspeisg)
76 Bilder: Hans Schertl (73), Hubert Eberl (3)
|
|
14.11.2010