zur Landkreiskarte               Beschreibung der Kapelle             Kirchen in der Gem.Odelzhausen

Das frühere Kloster Maria Stern in TAXA
1618-1802


Das Kloster Taxa um 1700

Die Geschichte des Klosters Taxa begann der Legende nach im Jahr 1606 mit einem Gelübde des in Seenot geratenen Hofmarksherrn von Odelzhausen Joh.Wilhelm von Hundt, er werde im Falle seiner Rettung eine Marienkapelle bauen. Nach der Rettung vergaß er sein Gelöbnis und wurde erst ein Jahrzehnt später wieder daran erinnert, als am Ostermontag 1616 oder Karfreitag 1618 an dem zum Schloss Odelzhausen gehörenden Sedlhof in Taxa (einem Einödhof im Wäldchen Taxet 04)) ein Hühnerei mit Relief eines Strahlenkranzes gefunden wurde. Später glaubte man, darin auch noch einen Frauenkopf zu erkennen.   "Ein deutliches Hirnbatzl hinsichtlich des vergessenen Bauversprechens", so Eugen Otker. Um die Besonderheit gleich sichtbar werden zu lassen, habe die Hundtsche Henne - so später Abraham a Sancta Clara - dieses Ei auch nicht in einem gewöhnlichen Nest gelegt, sondern  "auff einen nagelneuen Zigel-Stain". Noch dazu soll die Henne schwarz gewesen sein; dabei gab es in Taxa keine schwarze Hennen. Joh.Wilhelm von Hundt war beeindruckt. Er löste nun sein Versprechen ein und baute 1618 eine Kapelle im nahen Taxa, die als "Maria Stern in den Daxen" am 8.Sept. (Mariä Geburt) 1619 vom Freisinger Auxiliarbischof Bartholomäus Scholl geweiht wurde. Die Kapelle lag am östlichen Ortsende von Taxa, zwischen einem nach Essenbach führenden Strässchen und der zum Glonntal hin abfallenden Terrassenkante 21). Das Patrozinium der Kapelle soll aber nicht auf das Sternei zurückzuführen sein, sondern auf die Verehrung Marias als Meerstern. Auch Abraham a Santa Clara ging davon aus, wenn er schrieb:   "Maria ist ein trostvoller Meerstern allen denjenigen, so auf dem gefährlichen Meer diser Welt schiffen und Zuflucht bei ihr suchen".

Ob die vor allem von Abraham a Sancta Clara verbreitete Gründungsgeschichte den historischen Ereignissen entsprach, ist zweifelhaft. Der Historikprofessor Dr.Liebhart hat hierzu andere Erkenntnisse.
Mehr darüber können Sie hier erfahren ...



Erste Kapelle 1618

Bei der ersten Kapelle handelte es sich um einen Zentralbau (wohl aus Holz) über sternförmigem Grundriss. Dies ist in Schrift und Bild glaubhaft überliefert.
(Bild links)

Auf den Gründungsbildern aus dem 17.Jh., die jetzt in der Kirche Odelzhausen hängen ist eine andere Kapelle als frühe Kapelle dargestellt (Bild rechts). Sie gleicht einer bäuerlichen Hofkapelle. Diese erheblich stabiler wirkende Kapelle könnte später errichtet worden sein.
"Da sich der Maler der Odelzhauser Tafeln", so Dr.Mittelstraß, "bei der Darstellung dieser Kirche als durchaus zuverlässig erwiesen hat, nehme ich an, daß er, unter Weglassung des nachträglich angefügten Schiffs mit Westturm, auch die Gnadenkapelle in ihrer realen Erscheinungsform in der zweiten Hälfte des 17.Jh. abbildete, d.h. als Chor ohne die an sich schon bestehende Kirche." 21)


Zweite Kapelle

Allerdings ist bei späteren Abbildungen der Kirche ein niedriger Bau mit achteckigem Zwiebelturm als Chor zu sehen. Dies deutet eher darauf, dass doch die erste Kapelle Bestand hatte und übernommen worden ist. Auch in der Beschreibung des Innenraums der Kirche wird der Grundriss des Altarraums/Gnadenkapelle teils als rund, teils als sternförmig geschildert. Auf alle Fälle handelte es sich um einen Zentralbau. Die Platten des Marmorfußbodens, die Fensterscheiben und fast alle Verzierungen waren sternförmig ausgebildet.

Für die neue Kapelle erstellte der Bildhauer Hans Schütz im Jahr 1619 drei Altäre. Für den Hauptaltar schnitzte er eine Marienfigur auf dem Ei; eine sitzende Muttergottes, die ein auf ihrem Schoß stehendes Jesuskind am Arm hält. Das Kind hat seine Hand erhoben und streckt zwei Finger in die Höhe. 1630 schuf er -dann schon für die neue Kirche- Gesimsengel für die Seitenaltäre. 12)

Bald kamen zahlreiche Pilger auch aus entfernten Gegenden. Sie wurden vom alten Pfarrer Matthias Strohmayr aus Sulzemoos betreut, dem Priester der Umgebung zu Hilfe kamen. Bald unterstützte auch der Jungpriester Georg Schädl, der Sohn des Verwalters, der das Sternei gefunden hatte, die Seelsorge.

 

Kirchenbau


Kirche 1654
Weil die Kapelle dem Besucherstrom nicht mehr gewachsen war, baute man 1629 eine eintürmige, Kreuzkirche an die Kapelle an, die noch während des Dreißigjährigen Krieges abermals erweitert werden musste. Die vorhandene Kapelle wurde zum winzigen Altarraum, der Neubau zum Langhaus/Kirchenschiff der neuen Wallfahrtskirche. An die Kirche wurden auf der Süd- und der Nordseite zwei Nebenkapellen angebaut, durch die sie einen Grundriss in Form eines Kreuzes mit kurzen Seitenarmen erhielt.
Die Bilder links und rechts zeigen diese Kirche, wie sie in den Jahren 1654 und 1672 (mit im Jahr 1660 angebautem Kloster) gemalt wurde. Insbesondere die Form des Daches weist doch erhebliche Unterschiede auf.

Kirche 1672

Interessanterweise erhielt das neu angebaute Kirchenschiff ein eigenes Kreuz-Patrozinium. Das war eine Besonderheit, weil normalerweise Kirchen nur ein einheitliches Patrozinium aufweisen. Allerdings war die Wallfahrtskirche hier in Taxa aus zwei eigenständigen (aber miteinander verbundenen) Bauten zusammengesetzt. Die Verknüpfung von Kreuzestheologie und Marienverehrung ist schlüssig, weil Maria als Vermittlerin der Erlösungsgnade gilt.

1693 wurde die Kirche um- und ausgebaut. Sie erhielt zwei Türme auf der Westseite und einen Dachreiter auf der Ostseite, also über der alten Kapelle, die nun den Chorraum bildete. 21)
Die Westfassade hatte einen barocken Giebel mit einem Doppelkreuz, das vergoldet gewesen sein dürfte. Die beiden Türme waren bis zum Giebelansatz quadratisch und hatten einen achteckigen Aufsatz mit zwiebelförmiger Kuppel. Auf der Turmspitze waren statt der üblichen Kreuze sechsstrahlige Sterne angebracht. In den Türmen sollen vier Glocken gehangen sein, die Schmidt'sche Matrikel spricht sogar von 5 Glocken. 01)Weitere zwei Glocken waren im Dachreiter auf der Ostseite des Langhauses untergebracht: sie riefen die Mönche zum Gebet.
Zum Bau des Klosters .....

Innenausstattung der Kirche

Die wohl dreischiffige Kirche besaß die Innenmaßen von 178 Fuß (= 52 Meter) Länge und 90 Fuß (=26 Meter) Breite (incl.Kreuzgang) und wohl 10 m Höhe. 21) Die Kirche von Taxa war damit größer als die Kirche im Kloster Indersdorf. Drei Eingänge führten ins Innere, das vom Schmuck ungezählter Votivtafeln, die von der Hilfe Marias in allen Nöten kündeten, prangte. "Wie ein prächtig verzierter Tempel" wird sie von Zeitgenossen beschrieben. Mitten in der Kirche lag die Mönchsgruft 21) (ein Kreuz nördlich der heutigen Kapelle wies noch 1970 auf die Grabstelle hin).

Altäre


Die Angaben über die Zahl der Altäre in der Kirche sind in den alten Beschreibungen unterschiedlich. Zum einen wurden die Altäre wohl erst nach und nach im Lauf der Zeit eingebaut, zum anderen wird oft nicht von der ganzen Kirche, sondern nur von der Kreuzkirche mit oder ohne Kapellen gesprochen. Wahrscheinlich ist der Aussage von Dr.Kaiser zu folgen, nach der in der Kirche insgesamt 13 Altäre (!) standen. Davon einer in der Chorkapelle, zwei am Chorbogen, acht im Kirchenschiff und zwei in den Seitenkapellen.

Die Kirche hatte im Kirchenschiff also acht Altäre, von denen heute noch zwei in der Pfarrkirche von Odelzhausen als Seitenaltäre zu sehen sind. Sie bestanden aus marmoriertem Holz "mit vergoldeten Zierraten". Diese Altäre hatten folgende Patrozinien:
- Evangelienseite (von hinten aus gesehen links): 1. Dreifaltigkeit   2.St.Petrus   3. St.Augustinus und St.Monika   4. St.Paulus
- Epistelseite (rechts):    1. St.Nikolaus v.Tolentino   2. Hl.Familie  3. Sel.Jungfrau vom Berge Karmel   4.Verkündigung Mariens.

Die Anordnung lässt kein ikonologisches Konzept erkennen. Deshalb ist anzunehmen, dass die Altäre nicht gleichzeitig, sondern im Laufe mehrerer Jahre oder Jahrzehnte beschafft worden sind. Der sonst nur selten verehrte Nikolaus von Tolentino verdankt die Ehre des Altars der Tatsache, dass er, wie St.Augustinus, dem Orden der Augustiner-Eremiten angehörte. Zudem wird er häufig mit einem Stern als Attribut dargestellt.
Die Weihe eines Altars zu Ehren der seligsten Jungfrau vom Berge Karmel hängt mit der Einführung der Skapulierbruderschaft im Jahre 1645 zusammen. Die Mitglieder der Skapulierbruderschaften trugen unter der Kleidung Skapuliere, d.s. zwei kleine Vierecke aus Stoff, die mit Schnüren so verbunden sind, dass ein Viereck vorne an der Brust, das andere am Rücken getragen wird. Seine Verbreitung verdankt das Skapulier einer Verheißung der Jungfrau Maria. Sie soll am 16.7.1251 dem Ordensgeneral der Karmeliten Simon Stock verkündet haben, dass derjenige, der mit einem Skapulier bekleidet sterbe, nicht das Feuer der Hölle erleiden müsse.

Gnadenbild-1719

In einem Brief an den Kurfürsten vom 30.Mai 1635 findet sich die Beschreibung zweier weiterer Altäre, die im Jahr 1630 von Maler Anton Reismüller sowie den Bildhauern Hans Schütz und Rupprecht Pichler aus Fürstenfeldbruck für den Preis von insg. 700 Gulden erstellt worden sind. Diese Altäre sollen -nach Dr.Kaiser- am Durchgang vom Langhaus zur Gnadenkapelle gestanden sein, der wohl als Chorbogen/Triumphbogen mit dem Wappen des Bauherrn gestaltet war.
Den einen Altar hatte Kurfürst Clemens aus Köln gestiftet. Das Altarblatt zeigte die Anbetung der Hl.Dreikönige, das Aufsatzbild die Personifikation der göttlichen Tugend Caritas (Liebe). Assistenzfiguren waren Glaube und Hoffnung. In der Predella war die Flucht nach Ägypten dargestellt.
Der zweite Altar war von Kaiser Ferdinand gestiftet worden. Er war der Geburt Christi gewidmet. Im Aufsatz ein Bild von Mutter Anna. Assistenzfiguren waren St.Joachim und St.Josef. In der Predella Mariä Verkündigung. Auf dem Gesims beider Altäre waren "geschnitzelte Engel mit etlichen Waffen Christi" angebracht.
  Anton Reismüller hat 1716 auch die Deckengemälde in der Indersdorfer Marktkirche gemalt. Rupprecht Pichler war Freisinger Hofmaler und bischöflicher Baumeister. Er hat 1619 in der Fürstenfelder Klosterkirche den Konventaltar gestaltet. Im Dachauer Land war er nur in Taxa tätig und schuf hier um 1630 die drei Hauptaltäre, den rechten Seitenaltar mit Geburt Christi, Englischem Gruß, Fides und Spes sowie den linken Seitenaltar mit den Hl.Dreikönigen, der Flucht nach Ägypten, Joseph, Joachim und Anna.
Hans Schütz (ab 1615 in FFB genannt) schnitzte für Taxa insbesondere die Engel an den drei Altären, die Rupprecht Pichler gestaltet hat. 12)


Nebenkapellen

Auch in den beiden Nebenkapellen standen Altäre, die von Graf Hundt gestiftet worden waren (Hundt war auch der Finanzier der beiden Kapellenanbauten). In der linken Kapelle stand der Altar zu Ehren der sieben Schmerzen Mariens. Der Altaraufsatz zeigte St.Sebastian, das Altarblatt die schmerzhafte Muttergottes. Assistenzfiguren waren St.Benno und St.Rochus.

Der Altar in der rechten Kapelle war Mariä Himmelfahrt geweiht. Im Altaraufsatz konnte man ein Bild von Johannes Evangelist sehen, im Altargemälde die Aufnahme Mariens in den Himmel. Assistenzfiguren waren St.Karl Borromäus und St.Franziskus.
Auch auf diesen Altären waren wieder "geschnitzelte Engel mit etlichen Waffen Christi" zu sehen. Diese Waffen Christi oder arma Christi werden als Majestätssymbole verstanden, die an den Sieg Christi über den Satan erinnern. Im 17.Jh. wurden diese arma Christi auch als Zeichen der Überwindung der Reformation gesehen.


Orgel

Auf der Westseite der Kirche, über dem Eingang und dem Vorraum befand sich eine Orgelempore (Musikchor). Erbauer der letzten Orgel, die später nach Altomünster kam, war Johann Franz Michael König (1723-1791) aus Ingolstadt. Der mit vergoldeten Schnitzereien verzierte Orgelprospekt ist fünfteilig aufgebaut und besitzt hohe seitliche Rundtürme mit zur Mitte abfallenden Zwischenfeldern. Sockel und Spieltisch waren aus marmoriertem Holz gefertigt.

 

Franz Michael König wurde als Sohn des Orgelbauers Caspar König am 28. September 1717 in Ingolstadt in eine Orgelbauer-Dynastie hineingeboren. Der Großvater Johann stammte aus Solothurn in der Schweiz und war nach dem 30jährigen Krieg nach Ingolstadt gekommen, wo er 1678 das Bürgerrecht erhielt. Als Johann König am 15.10.1691 in Ingolstadt im Alter von nur 52 Jahren starb, war sein Sohn Caspar, der Vater unsres Franz König, noch nicht ganz 16 Jahre alt. Doch die Großmutter führte den Betrieb weiter; so blieb die Werkstatt erhalten. Caspar wurde einer der führenden Meister in Altbayern. Er starb laut Sterbematrikel am 9. Juli 1765 kurz vor Vollendung seines 90. Lebensjahres. Da hatte der Sohn Franz Michael König schon lange die Werkstatt übernommen (1750). Ab 1755/56 tragen die Orgelverträge seinen Namen und seine Unterschrift. Franz König starb am 3. November 1791 im Alter von 74 Jahren . Die Liste der Werke der Familie König ist lang. Franz hatte schon 1758 in Straubing vermerkt, dass sein Vater über 170 Orgeln gefertigt habe. Darunter sind aber nur 50 neue Orgeln, der Rest sind Reparaturen und Umbauten.
Der Name König ist im Zusammenhang mit dem Orgelbau auch im Westen Deutschlands gut bekannt. Der Onkel von Franz, Balthasar König, ebenfalls Orgelbauer, zog 1711 nach Münstereifel und gründete dort einen neuen Betrieb. Hermann Fischer und Hans-Wolfgang Theobald schreiben dazu:
" Keine andere Orgelbauwerkstatt hat das nördliche Rheinland im 18. Jahrhundert so geprägt, wie die Familie König in Münstereifel und Köln. Trotz regionaler Überschneidungen mit konkurrierenden Werkstätten in benachbarten Regionen, etwa die der Familie Stumm in Sulzbach im Hunsrück oder die Familie Kleine-Roetzel in Alpen im Bergischen Land, konnte die König-Werkstatt zunächst von Münstereifel aus, später von Köln aus wichtige Impulse für die Orgel geben und über die Kurfürstentümer Trier und Köln hinaus wirken, über Schüler sogar bis weit in die folgende Zeit."

    
Kirchenbankwange

Die Besucherbänke in der Klosterkirche hatten -der Zeit entsprechend- kunstvolle Wangen im Stil des Rokoko.
Erhalten sind zwei unterschiedliche Wangen. Leider wissen wir nicht, wo die entsprechenden Stühle gestanden haben. Aber es wäre eine Unterteilung in die Gnadenkapelle und in das Kirchenschiff denkbar.
27)
Wenn Sie auch schön geschnitzte Stuhlwangen anderer Kirchen im Landkreis sehen möchten, klicken Sie hier...


Kirchenbankwange

In der Nähe des Musikchores befand sich ein Oratorium. Es war mit einem geschnitzten Kruzifix, einem Marienbild und einem Aufriß der neuesten Kloster- und Kirchengebäude ausgestattet. Unter der Kirche war eine Krypta für die Mönche und die Hofmarksherren angelegt.


Gnadenkapelle

Östlich des Langhauses lag die alte Gnadenkapelle, die nun auch Chorkapelle genannt wurde, weil sie den Altarraum der neuen Wallfahrtskirche bildete. Der Grundriss wird teils als rund, teils als sternförmig beschrieben. Auf alle Fälle handelte es sich um einen Zentralbau. Die Platten des Marmorfußbodens, die Fensterscheiben und fast alle Verzierungen waren sternförmig ausgebildet. Die Wände waren mit Stuck verziert; Fresken fehlten hier ebenso wie im Kirchenschiff. Eine kleine Chororgel begleitete den Gesang der Mönche, wenn sie im Chorgestühl ihr Morgen- und Abendlob sangen. Ein Kruzifix mit den gemalten Bildern von Maria und Johannes, ein weiteres Marienbild, Gemälde von Augustinus und seiner Mutter Monika und sieben Portraits von verstorbenen Augustiner-Eremiten vervollständigten die Ausstattung der Kapelle. Den Mittelpunkt bildete der kostbare, aus Gold und Silber gearbeitete Gnadenaltar. In einer alten Beschreibung heißt es:
  "Den Altar in der anfangs erbauten ... Haubt und Chorkapellen, in welchem ein geschnitztes unserer lieben Frauen Bild, das stehende Christkindlein mit dem gerechten Arm haltend, auf jeder Seiten ein stehender Engel und so alles mehrer thails mit Gold geziehrt ist, hat machen und dazu in Anno 1619 gnädigst hergeben lassen 100 Reichsthaller der durchläuchtigste Fürst Wilhelm...".
Auf der Altarmensa, dem Altartisch, stand der Tabernakel für die Aufbewahrung des Allerheiligsten, darauf ein Aufsatz aus vergoldetem Messing, der mit vielen silbernen Ornamenten geschmückt war. Über dem Tabernakel war das Gnadenbild unserer lieben Frau vom Stern mit einem stehenden Jesusbild zu sehen. Es war umgeben von einem Baldachin, dessen Vorhänge von je einem Engel recht und links gehalten wurde.
Das Versteigerungsprotokoll von 1802 komplettiert die Angaben mit dem Materialwert des Hochaltars:
 

"Der Hochaltar von Goldschmiedearbeit von Kupfer, vergoldet und mit vielen silbernen Ziehraten nach geschehener Abschätzung
an Kupfer 294 Pfund à 1 Gulden,
an Messing 14 Pfund à 34 Kreuzer,
an Silber 46 Pfund à Loth 1 Gulden 11,5 Kreuzer,
zusammen 1758 Gulden und 54 Kreuzer".


Altar in der Gnadenkapelle
Bauherr der Kirche 1629 war Graft Hundt. Der nachfolgende Hofmarksherr Johann Bapt.Beccaria von Hilan ließ weitere Anbauten anfügen, deren Umfang nicht genauer festgestellt werden kann.
Die Päpste Gregor XV., Urban VIII. und Clemens IX. statteten die Kirche mit speziellen Ablässen aus, was den Zulauf noch weiter steigerte. Die Mirakelbücher, die Aufzeichnungen der Wunderheilungen, füllten sich. Pro Jahr wurden über 40 Wunder aufgezeichnet. Hilfe erhielten die Wallfahrer vor allem bei Frauenleiden, Fieber und Geburtsnöten.

Wening-Stich-1672
Zwar mochte der in Arnbach geborene Freisinger Fürstbischof Veit Adam von Gepeckh (1618-1651) nicht an einen längeren Bestand der Taxaer Wallfahrt glauben, doch der Zustrom der Wallfahrer zur Muttergottes vom Stern hielt unvermindert an.
Als der Bischof im April 1644 (noch im 30jährigen Krieg) die Gnadenstätte besuchte, fand er hier eine richtige Kirche mit sieben Altären vor. Einen Altar hatte übrigens Kaiser Ferdinand von Österreich gestiftet, einen anderen der Erzbischof Ferdinand von Köln, der Bruder des bayer. Kurfürsten Maximilian I. Am Ende hatte das Gotteshaus mindestens acht, nach anderer Quelle 13 Altäre (mit den Altäre in den Nebenkapellen). Nach dem Ende des Dreißigjährigen Kriegs plante man, den Wallfahrtsbetrieb durch hauptamtliche Seelsorger in Taxa betreuen zu lassen. Zunächst waren die Augustiner-Chorherren von Indersdorf im Gespräch; sie wären auch dazu bereit gewesen. Doch Kaiser Ferdinand machte sich für einen anderen Zweig dieses Ordens stark, den in Wien ansässigen Orden der Unbeschuhten Augustiner.

Dieser strenge Orden war nach dem Konzil von Trient (1545 bis 1563) als eine Reformkongregation der Augusti-nereremiten entstanden. Taxa war die einzige Niederlassung des Ordens in Bayern; er blieb in den 148 Jahren seines Bestehens der österreichischen Ordensprovinz zugeordnet. Die meisten Mönche, im Zeitpunkt der Aufhebung waren es 17 Priester, 6 Laienbrüder, kamen aber aus der nächsten oder nahen Umgebung.

Die Kleidung der Mönche bestand aus einem schwarzen Habit mit Ledergürtel und einem großen Schulterkragen mit Kapuze. Es waren und einige Angstellte in der Brauerei und in der Gärtnerei.

Klosterbau
Am 5.Mai 1654 übergab nun Bischof Albert Sigmund (1652-1685) die Wallfahrt an die Augustiner-Barfüßer.
Sechs Jahre später, im Jahr 1660, legte Johannes Franziscus Graf von Preysing zu Weikertshofen in Vertretung des Kurfürsten den Grundstein zum Klosterbau. Der bestand nach seiner Fertigstellung aus vier Trakten und einem Kreuzhof. Auf allen Ansichten überragen die Türme und der Dachfirst der Kirche die übrigen Klostergebäude. Die Kirche blieb damit das dominante Gebäude im Gesamtkomplex.
Die im Geviert errichteten 2-stöckigen Konventsgebäude hatten die Maße 100 Fuß mal 210 Fuß (29 x 60 m).

Erste Klosterkirche mit Konventsgebäuden

Neben der Bibliothek und einem Konzertsaal standen 30 Mönchszellen und 10 Gästezimmer (eines davon das Bischofszimmer) zur Verfügung. Der Ostgarten war 1 1/2 Tagwerk groß. Zum Immobilienbesitz gehörten 183 Tagwerk (61 ha) Wald, 2 Fischweiher und ein Bauernhof in Miegersbach. Für diesen Bauernhof mussten alljährlich 5 hl.Messen für den Stifter Ambrosius Wagner, Hofkammerrat aus München gelesen werden.


Erweiterte Klosterkirche mit Konventsgebäuden
Dazu kamen Zehentrechte, Gilten und Kapitalien in Höhe von fast 20.000 Gulden.

1665 wallfahrtete sogar der Kurfürst Ferdinand Maria mit Gattin nach Taxa, um die Gottesmutter um Hilfe anzuflehen. Die Kurfürstin Adelheid stiftete ein Kleid für das Gnadenbild, "ainen khöstlichen schönen Rockh und anderes" heißt es. Auch andere Gläubige spendeten Kleidungsstücke für die Muttergottes-Statue. 1802 waren 12 Gewänder vorhanden. Aber nicht nur Einzelpersonen, sondern ganze Ortschaften pilgerten zur Abwendung von Notständen, Misswuchs, Hungersnot und Seuchen von Mensch und Tier nach Taxa, das im 18.Jh neben Altötting und Tuntenhausen zu den drei bedeutendsten Marienwallfahrten in Oberbayern gehörte.
mehr zur Wallfahrt...


Prediger Abraham a Santa Clara
Von 1670 bis 1672 war hier Abraham a Santa Clara als volkstümlicher und wortgewaltiger Kanzelprediger tätig. Er war vom Stammkloster der Augustiner-Barfüßer in Wien gesandt worden, weil aus Taxa "Ungereimtheiten und Schlampereien" gemeldet worden waren. Seine originelle und bilderreiche Sprache machte ihn weithin berühmt. Er schrieb, allerdings lange Zeit nach seiner Zeit in Taxa, 1683/1685 in Graz die Wallfahrtsgeschichte nieder und veröffentlichte sie in seinem Buch mit dem ausführlichen Titel:
    "Gack, Gack, Gack, Gack a Ga. Einer wunderseltzamen Henne in dem Herzogthumb Bayrn. Das ist eine ausführliche und
     umbständliche Beschreibung der berühmbten Wallfahrt Maria Stern in Taxa".
Die Einzelheiten dazu will er von dem Verwalter Schädl von Odelzhausen erfahren haben, der das Wunder-Ei gefunden hatte.
Mehr über Abraham a Santa Clara erfahren Sie hier...


Ausschnitt aus der Karte-Bavaria Superior Et Inferior
Cum Quatuor Praefecturis von 1730
Umbau
Ende des 17.Jh, möglicherweise 1681 gab es größere Baumaßnahmen. Die Gnadenkapelle, das Chortürmchen und die Sakristei wurden renoviert. Das Landgericht Dachau hatte eine Art Baufond eingerichtet, der zinslose Kredite für Kirchenbauten ausreichte.
Der Fond wurde von einer Vielzahl von Pfarreien/Kirchen gespeist, die dazu verpflichtet worden waren.

Aus der Kirchenrechnung der Kirche in Etzenhausen geht hervor, dass die Dorfbewohner in den Jahren 1693 bis 1695 (zinslose) Beiträge (zur Tilgung der Schulden) leisteten.

Altarweihe 1709
Jedenfalls ist vom 13. Oktober 1715 eine Altarweihe überliefert. An diesem Tag kam der Fürstbischof Johann Franz von Eckher nach Taxa und weihte den neuen Altar in der Kirche. Zugleich spendete er 405 (!) Kindern das Sakrament der Firmung, die sicher auch aus weit entfernten Dörfern hierher kamen. Der kunstsinnige Bischof regierte sein Bistum von der Reisekutsche aus; er unternahm viele Pastoralreisen selbst in kleinste Dörfer seines Bistums. In seiner Regierungszeit von 1695 bis 1727 hat er 174 Kirchen (darunter Jarzt, Taxa, Palsweis, Ebertshausen, Hirtlbach, Straßbach, Lauterbach und Kollbach) und ca. 1.100 Altäre und 734 Priester (23 pro Jahr) geweiht.

Im Spanischen Erbfolgekrieg (1704-1714) wurde Taxa schwer heimgesucht. Die Mönche waren unter Mitnahme des wertvollsten Kirchengeräts vor den heranrückenden Österreichern und Engländern in die Landeshauptstadt München geflohen. Ein Pater und mehrere Brüder, die zurückgeblieben waren, mussten entsetzt mit ansehen, wie die siegestrunkenen Soldaten Schränke und Truhen durchwühlten und alles, was ihnen brauchbar erschien, raubten; das Übrige zerstörten sie mutwillig. Selbst die Glocken wurden von den Türmen heruntergeholt und als Beute fortgeschleppt.

Im Österreichischen Erbfolgekrieg 1741-45 (Pandurenkrieg) "ist weder dem Kloster noch der Kirche einiges Leid den ganzen Krieg hindurch zugefügt worden" schrieb der Chronist in Taxa.

Wallfahrt

Taxa war am Anfang eine kleine Wallfahrt. von 1642 bis 1654 gab es durchschnittlich 3145 Kommunikanten und 840 gestiftete Mes-sen im Jahr. Zunächst war geplant, die Wallfahrtsbetreuung dem Stift Indersdorf oder dem Kloster Altomünster zu übergeben. Doch der Bischof lehnte beide Male ab. Bischof Veit Adam von Gepeckh (1618-1651) war ein erklärter Gegner dieser Wallfahrt die sich nur deshalb entwickeln konnte, weil der bayerische Kurfürst und sogar der Kaiser Ferdinand in Wien zu den Unterstützern gehörten. 33) Als 1654 die Augustinerbarfüßer aus Wien die Wallfahrtsseelsorge übernahmen, entwickelte sich Taxa rasant: In den ersten 5 Jahren verdoppelte sich die Zahl der Kommunikanten auf 7435; die Zahl der Messtiftungen stieg auf 1420 im Jahr. 30)

Im 18.Jh wallfahrteten bis zu 60.000 Pilger alljährlich nach Taxa; dies war nicht zuletzt auf die oben erwähnte Schrift Abraham a Santa Claras zurückzuführen. Aus dem Pilgerstrom erwuchs auch ein Geldstrom. 184 Tagwerk Wald und 19.400 Gulden Kapital zählten zum Besitz des Klosters. Bis zu 24 Mönche lebten und wirkten hier in Taxa.
Die Pilger versprachen sich von der Wallfahrt Heilung von Krankheit oder Schutz für Haus und Hof.

Taxa soll, so meinen Historiker, noch vor Altötting die größte Marienwallfahrt Bayerns gewesen sein, andere sprechen von der drittgrößten Wallfahrt nach Altötting und Tuntenhausen 33). Vielleicht sprechen beide Gruppen von verschiedenen Zeiten
Hans Graßl schrieb 1977 in seinem Buch Unbekanntes Bayern:
    "Die Wallfahrt in Taxa war über den Petersberg und Altomünster hinaus das
     eigentliche geistliche Zentrum des Dachauer Hinterlands, wirklich der Ort, an
     dem sich das bäuerliche und monastische Leben am innigsten berührten".
Die frühere Bedeutung von Taxa zeigt sich auch daran, dass Taxa im Bilderzyklus der bayerischer Marienwallfahrtsstätten in der Bürgersaalkirche in München (als Daxa) vertreten ist (siehe Bild rechts). Das Bild wurde von Franz Joachim Beich um 1720/30 gemalt.


Taxakirche in der Bürgersaalkirche


Mirakelbücher
Das erste Taxaer Mirakelbuch (Aufzeichnungen der Gebetserhörungen/Wunder) wurde von Pfarrer Strohmayr aus Sulzemoos angelegt, nachdem er im Jahr 1640 vom Bischof dazu aufgefordert worden war ("die alldort sich begebende Miracul in ein absonderliches Büchl zu beschreiben"). Die Aufzeichnungen beginnen mit dem 1.1.1642 und erstrecken sich bis zum 7. Mai 1654, dem Tag, an dem die Augustiner-Eremiten aus Wien die Wallfahrtsseelsorge übernahmen. Diese legten ein zweites Mirakelbuch an, das den Hundert-Jahre-Zeitraum von 1654 bis 1754 abdeckte. Beide Mirakelbücher werden heute in der Bayerischen Staatsbibliothek aufbewahrt. Ein drittes, zeitlich sich anschließendes Mirakelbuch dürfte in den Wirren der Säkularisation 1802 verloren gegangen sein. Der Historiker und Brauchtumsforscher Robert Böck hat in seinem Aufsatz "Alle Vürnemere Opferung vnd Schankhungen zu Maria Stern in Taxa" (siehe Quellen) die Stiftungseintragungen in die Mirakelbücher, die ich hier nur auszugsweise und zusammenfassend wiedergebe, ausführlich dargestellt:

Gebetserhörungen
Im Hauptteil des Mirakelbuchs sind aber die Gebetserhörungen aufgeführt. Hier sind einige Schicksale von Wallfahrern der Nachwelt überliefert. Die meisten kamen wegen akuter oder überstandener Krankheiten, Gefahren und Schäden aller Art. Viehseuchen sind seltener verzeichnet; zweimal ist von einer Hühnerkrankheit die Rede.
So zählen Franz Keiner in der Chronik von Odelzhausen und Robert Böck im o.a. Aufsatz auf:
1643 opferte Maria Martini aus Pfaffenhofen/Ilm einen "viereggeten Taler an einem blawseidenen pant" wegen Gefahr zur Kriegszeit
1686: Matthias Hütt von Odelzhausen wurde von seinem Pferd so sehr getreten, dass eine keine Hoffnung auf Genesung mehr hatte. Er verlobte sich an die Muttergottes von Taxa mit einer hl.Messe, Beichte und Kommunion und erlangte seine völlige Gesundheit wieder.
1683: Johannes Chrysostomus Rieger aus Altomünster war im Türkenkrieg gefangen genommen worden. Er verlobte sich an Unsere Liebe Frau von Taxa und war sieben Wochen später wieder frei.
1692: Sebastian Piettinger aus Essenbach besaß ein krankes Ross, das er schon für verlohrn hielt. Er verlobte sich hierher, spendete zwei Kreuzer in den Opferstock und betete einen Rosenkranz. Das hat "das Ross angfangen zu essen und ist wiederum gesund geworden".
1705 (während des Spanischen Erbfolgekriegs) wurden Bittflehende in folgenden Notsituationen erhört:
- Mathias Mall von Weitenried war von den Husaren gefangengenommen und verschleppt worden.
- Auch den Georg Sedlmayr von Roßbach hatten die Husaren entführt, mitsamt Pferd und Wagen.
- Soldaten raubten Catherina Kiermayrin von Sittenbach ihre einzige Kuh.
- Catharina Bernhartin aus Egenburg wurde von Soldaten mit einem Strick gedrosselt, "dass ihr die Augen zum Kopf herausfallen
   möchten"
- eine Frau aus Egenhofen dankte, weil ihr Haus von einer Feuersbrunst verschont blieb, obwohl ringsum alles brannte.
- ein Mann/Soldat geriet in einen Kanonenbeschuss, bückte sich zufällig und die Kugel tötete den Reiter hinter ihm
.

In den Nummern 11 bis 15 des Pastoralblatts für die Erzdiözese München-Freising aus dem Jahr 1867 wurde ein Fortsetzungsbericht über das Kloster Taxa veröffentlicht. Wenn Sie den im Stil seiner Zeit verfassten Aufsatz lesen möchten, klicken Sie hier...

Stiftungen 13) .
Der erste Band der Mirakelbücher enthält neben 314 Eintragungen von Gebetserhörungen und Wundern im Abschnitt "Alle Vürnemere Opferung vnd Schanckhungen zu disem würdigen Gottshauß" auch die Namen von Stiftern von wertvollen Opfergaben.
Hier finden wir vor allem adelige Namen, an der Spitze die Kurfürstin Maria Anna von Bayern, die nach dem Tod ihres Gemahls Kurfürst Maximilian I. am 27.9.1651 die Regierungsgeschäfte für ihren noch minderjährigen Sohn Ferdinand Maria führte. Sie stiftete am 29.5.1653 "ain dreypfündige weisse khörzen", die während der hl. Messe vor dem wundertätigen Bild Mariens brennen sollte. Pfalzgräfin Anna Catherina hatte schon 1643 ein neues, mit Silber und Gold eingelegtes Messgewand gestiftet. Von Ihrer Durchlaucht Maria von Elnßheim in Straßburg stammte ein goldenes Sternlein mit 13 Rubinen (1654), von Gräfin Juliana Fugger sechs weiße Wachskerzen. Am 8.8.1644 stiftete das Ehepaar von Perling zu Gerolzheim und Trugenhofen dem Gnadenbild von Taxa eine Krone ("ein schön perline Cron mit guldenen röslin"), ein Altartuch und einen Fingerring mit Smaragd ("guldenes handtringl mit einem schönen grossen smaragd") mit der Bitte um Hilfe bei einer Augenkrankheit (nach dem Volksglauben galt der Smaragd als Amulettstein für die Erhaltung des Augenlichts).

Mehrfach sind auch Hofmarksherren aus dem Dachauer Land als Stifter genannt: Die Familie Beccaria aus Odelzhausen (Jesuskind aus Alabaster, Zinnleuchter), Fam. Hundt zu Lauterbach und Eisolzried (Mayen als Altarschmuck, Rock für das Jesuskindlein), Fam. Barth aus Pasenbach (Kleid für Gnadenbild). Auch die Namen einer großen Zahl von Geistlichen finden sich im Schenkungsbuch, die nicht nur Schmuck für das Gnadenbild oder Reliquien, sondern auch ganz praktische Gegenstände wie z.B. Geschirr, Haushaltsgeräte und Tischwäsche für das Kloster stifteten. Der größte Teil der Spender stammte aus München, von der Bürgerschaft der Haupt- und Residenzstadt.

Auch ganze Pfarrgemeinden sind in der Liste aufgeführt. So z.B. die Pfarrei Jarzt, die am 2.Mai 1642 aus nicht bekanntem Anlass eine 3 1/2 pfündige Kerze stiftete und sie im folgenden Jahr auf 5 Pfund sowie ein weiteres Jahr später auf 9 Pfund verstärken ließ. Kerzen stifteten auch Schrobenhausen, Rain am Lech, Dasing, Motzenhofen, Tünzhausen und Sigmertshausen.

Ein weiteres Kapitel im 1. Mirakelbuch "Alle Vürnemere Opferung vnd Schankhungen zu Maria Stern in Taxa" beschreibt die 28 dort geopferten Rosenkränze. Sie bieten, wie Robert Böck in seinem Aufsatz "Rosenkranzandacht und Rosenkranzbruderschaften.." schreibt, einen interessanten Querschnitt durch die von barocker Frömmigkeit geprägten Formen der Rosenkränze. Sie umfassen solche mit 3, 5, 6, 7, 10 oder 15 Gesätzen, mit 63 Aveperlen (Birgittenrosenkranz) oder sogar mit 216 Perlen + 16 Untermarken.
Ungewöhnlich ist auch das Material, aus dem die Kugeln bestanden: Koralle, Kristall, Alabaster, Agtstein, Elfenbein, Holz mit Perlmutteinlagen, Silber oder Gedenkmünzen.

Ort Taxa
Die Ortschaft Taxa, die vor dem Kapellenbau lediglich aus einem Gehöft bestanden haben dürfte, entwickelte sich im Schatten des Klosters zu einer blühenden Gemeinde. Die Märkte an den Marienfeiertagen waren gut besucht. Viele speziell auf Wallfahrer eingestellte Handwerker und Händler (Weber, Hutmacher, Bader, Herrgottsschnitzer und Wachszieher) siedelten sich hier an. Im Kloster entstand eine eigene Brauerei.


Aufhebung des Klosters

Zu Beginn der Säkularisation 1802 wurde das Kloster aufgelöst und gegen den Widerstand der Bevölkerung völlig abgebrochen. Denn Taxa galt für die Aufklärer als eine "Brutstätte des Aberglaubens". Zudem waren die Augustinerbarfüßer ein Orden, der sich von Spenden und durch Betteln finanzierte. Die Beamten um Montgelas sahen in diesem Orden nur volkswirtschaftliche Schädlinge.
Deshalb wurde an Taxa auch ein Exempel statuiert.
Die 17 Patres und 6 Fratres wurden bei Nacht und Nebel abgeholt. Sie durften nicht von ihren Verwandten Abschied nehmen; schließlich stammten die meisten Mönche aus der Umgebung von Taxa. Dennoch kamen hunderte von Menschen nach Taxa und verabschiedeten sich in einer stillen hl.Messe von ihnen. Sie mussten Bayern verlassen und nach Österreich zum Mutterhaus ihres Ordens gehen; sie erhielten (als bayerische Staatsbürger) in Österreich Asyl. Bei der Übertragung des Gnadenbildes nach Odelzhausen kam es beinahe zum Volksaufstand. Nur mit großer Mühe gelang es, Männer zu finden, die sich zum Tragen des Marienbildes bereit fanden.

Der Zorn des Volkes richtete sich insbesondere gegen den Regierungsbeauftragten Adam Heydolph aus Dachau, den die Leute "den Heydeifi" nannten. Der übereifrige, im Glauben wohl nicht fest verwurzelte Beamte soll beim Abtransport der Muttergottesstatue in Anspielung auf das Eiwunder der Gründungslegende geäußert haben:   "Mit eierm Hehnermadl wern ma glei ferti sei".
Der damals wohl 47jährige Heydolf, aus Eggenfelden gebürtig, hatte in Ingolstadt Jura studiert und kam 1791 zum Landgericht Dachau. Er hatte wohl einen schwieriger Charakter. Ein Mitstudent, Joseph von Sasso, schrieb damals an Theodor von Lippert, den damaligen Landrichter in Dachau und Vorgänger Heydolphs:
    "Zu der Anstellung Heydolphs wünsche ich Ihnen aber nicht Glück, ich hätte vielmehr gewunschen, daß Sie einen biedern mann zur Seite bekommen hätten; er machte auf der Universität den Kalfakter ("zudringlicher geschäftiger Mensch") und Fuchsschwanz bey H.Prof.Krenner und wurde allgemein gehaßt. Doch villeicht bin ich auch wider Gebühr voll Abneigung gegen alle Schwätzer.. vielleicht besserte er sich in der großen Welt, ich wünsche es."

Eine besonders unwürdige Rolle spielte auch der frühere Theologe und spätere Kramer und Nachbar des Klosters Ignaz Schmidmair. Er hatte sich in die Gunst der Patres eingeschlichen, arbeitete aber heimlich mit Heydolph zusammen. So schrieb er seinem Auftrag-geber:   "ich werde mir Ausspähungen und Aufdeckungen jederzet zur besonderen Pflicht machen".
Schmidmair kaufte im Oktober 1802 zusammen mit einem Compagnon die Kirchengebäude, riss sie ab und verkaufte das Abbruchmaterial.

Versuche der umliegenden Ortschaften (darunter Sittenbach und 13 weitere Gemeinden) und Privatleuten (darunter Joseph Widmann aus Oberroth), die Kirche durch die beträchtliche Geldspende von 10.000 Gulden vor dem Abriss zu retten, schlugen fehl. Odelzhausen als der eigentliche Gewinner der Klosterauflösung dürfte nicht darunter gewesen sein. Doch das Inventar wurde zum Teil in die Odelzhausener Kirche gebracht; das Übrige wurde verkauft und die Gebäude restlos abgerissen. Auch der 61 ha große Wald wurde verkauft: 40 ha an Graf Minucci von Odelzhausen, 5 ha an Graf von Hundt zu Unterweikerts-hofen, 7 ha an den Wirt von Oberroth, der Rest an verschiedene weitere Käufer. Die sollen die Kunstgegenstände mit dem Heuwagen fortgebracht haben 30).
Lediglich die Keller erhielten sich noch 150 Jahre lang, auf denen Privathäuser errichtet wurden. Sie dienten im 2.Weltkrieg der Bevölkerung als Luftschutzbunker. Bei Neubauten nach dem Krieg wurden auch diese Keller beseitigt.
Spätere Versuche, die Wallfahrtsstätte wieder zu errichten sind 1817 und 1825 gescheitert. 1826 kam mit dem Bescheid des Münchner Ordinariats das endgültige Aus: Es habe "bey dem seit mehr als 20 Jahren stattgefundenen Verhältnis sein Verbleiben".


Wiederangelegter Friedhof
Lediglich der Friedhof ist wieder eingerichtet, wie dem nebenstehenden Schild zu
entnehmen ist. Bei Bauarbeiten im Jahr 1986 wurde ein Teil der Gruft freigelegte, in der man Gebeine, hölzerne Gürtelschnallen und Reste von Textilien fand. Man geht davon aus, dass hier die Mönche aus Taxa beigesetzt worden waren. Allerdings waren die Gräber schon einmal (vielleicht im Zuge des Kirchenabrisses 1803) aufgebrochen und durchwühlt worden.

Geblieben ist das Symbol des Taxasterns. Er hat sich im Wappen der Gemeinde Odelzhausen erhalten.
Und auch im Wappen der Schlossbrauerei Odelzhausen; vielleicht kommt daher der in der Region verbreitete Spruch: "Der hot an "Taxastern" (Vollrausch). 33)


Erhaltene Ausstattungsgegenstände

Die große Kirchenorgel wanderte über einen Zwischenhändler, den Münchner Tändler Lambeck, der sie um 411 Gulden gekauft hatte, nach Altomünster, die kleine nach Niederroth. Dort stehen beide Prospekte noch heute.
Die mittlere Glocke mit einem Gewicht von 9 Zentnern, die Marienstatue, die Kanzel, Votivbilder, das Kanzelkreuz und die mater dolorosa überführte man nach Odelzhausen. Ein Altar kam nach Schöngeising, der Tabernakel nach Unterweikertshofen.
Der interessante Hinterglas-Kreuzweg und ein weiterer Altar (der allerdings schon früher nach Roßbach abgegeben worden sein soll) befinden sich derzeit in Sixtnitgern-St.Johann. Nach einer anderen Quelle sollen zwei Altäre nach Odelzhausen abgegeben worden sein, wo sie jetzt -im 19.Jh. verändert- als Seitenaltäre dienen. Die übrigen Altäre wurden zusammen mit dem Kirchengebäude abgegeben und wohl verbrannt. Noch heute erhalten sind das Inventar des Bischofzimmers und des Refektoriums, eine Reihe von Gemälden (u.a. von Domenico Zampieri (1581-1641), bedeutende Skulpturen, Kreuze, Bücher, das Uhrwerk der Turmuhr, ein Gipsrelief und viele persönliche Utensilien der Mönche. Die Waldungen erwarb Graf Minucci.

Ein großer Rest der Ausstattung wurde meistbietend verkauft und landete im Privatbesitz auf Bauernhöfen in den Lkr. Dachau und Fürstenfeldbruck. Vor allem der frühere Theologiestudent und Bauer Anton Knoller aus Hochdorf /FFB hatte den Wert der regelrecht verschleuderten Kunstwerke erkannt. Er erwarb bei der Versteigerung Möbel, Skulpturen, Bilder, Bücher, Gebrauchsgegenstände der Mönche und sogar eine große Turmuhr der Klosterkirche und transportierte die Erwerbungen mit sieben (!) Heuwägen ab. Rund 200 Jahre verblieben die Gegenstände im Besitz dieser Familie. Als der letzte Hofbesitzer 2009 starb, ließen die Erben die Gegenstände versteigern.

Versteigerungen 2009/10

Die Gemeinde Odelzhausen hatte schon Jahre vorher versucht, in den Besitz dieser Ausstattungsgegenstände zu gelangen. Nun mussten schnell Sponsoren für die Ersteigerung gefunden werden. Dies gelang unter großem Einsatz des Gemeinderats Dr.Roderich Zauscher. Auch Gemeinde und Pfarrgemeinde beteiligten sich mit größeren Summen. Zuletzt standen 45.000 Euro für den Ankauf von Kunstwerken zur Verfügung. Bei zwei Versteigerungen 2009 und 2010 erhielt Zauscher den Zuschlag für eine Reihe von Bildern und Plastiken, darunter die wertvollen ehemaligen Kanzelfiguren der Kirche. Auch zwei überlebensgroße Holzbilder der Heiligen Nepomuk und Franz Xaver, sowie eine Reliefgruppe Moses und der brennende Dornbusch konnten erworben werden, ebenso wie die Ikone einer schwarzen Madonna aus dem 17.Jh.
Durch Vermittlung von Christoph Kürzeder, Leiter des Diözesanmuseums Freising, gelang es außerdem, ein zuvor schon verkauftes Bozzetto (Modell) für ein Deckengemälde in Kirche oder Kloster zu erwerben. Im Jahr 2014 konnte Odelzhausen Kirchenbankwangen aus Taxa vom Lippbauern in Wenigmünchen zurückkaufen. Alle Erwerbungen wurden renoviert und im Juni 2015 in einer Ausstellung unter großem Publikumsandrang im Odelzhausener Rathaus gezeigt und in Vorträgen von Bgm. Markus Trinkl, Prof.Dr.Liebhart, Dr.Roderich Zauscher und Robert Gasteiger vorgestellt.


Bozetto des Deckengemäldes

Der größte und dekorativste Ausstattungsgegenstand ist das Bozetto eines Deckengemäldes. Es handelt sich um ein rd. zwei Quadratmeter großes ovales Gemälde (Ölfarbe auf Leinwand), das als Entwurf für das Deckenfresko diente. In der Malerei wird so ein Entwurf auch als Macchia oder Schizzo bezeichnet. Das Bozetto fertigte Johannes Chrysostomos Winck (1725-1795). Er war einer de bekanntesten Altarblatt- und Kreuzwegmaler der späten Rokokozeit und wirkte hauptsächlich im Fürstbistum Eichstätt. Im Dachauer Land stammt möglicherweise das Altarblatt in der Kapelle zu Lindach von ihm.

Die Skizzierung ist notwendig, weil Fresken auf den nassen Putz gemalt wurden. Die Farbe zog sofort ein und war kaum noch zu korrigieren. Deshalb mussten Fresken gut vorbereitet werden. Es genügte nicht, das Werk nur grob zu skizzieren; das Gemälde musste auf dem Bozetto/Maccia/Schizzo möglichst in jedem Detail ausgearbeitet werden um es dann maßstabsgetreu übertragen zu können.

Bozetto für Deckenbild Krönung Mariens

Das hat z.B. auch Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle so gehalten; das Bozetto für das Jüngste Gericht ist noch erhalten.

Man kann durchaus sagen, dass die eigentliche künstlerische Arbeit am Bozzetto stattfindet. Die Übertragung der künstlerischen Idee auf die Decke ist dann lediglich Handwerkskunst auf höchstem Niveau.

Ein vollends ausgearbeitetes Bozetto lag auch im Sinne des Auftraggebers, weil der nun wusste, was er erwarten durfte und bei Bedarf noch Korrekturen anregen konnte. Der Unterschied zwischen Bozetto und Originalwerk gibt hierzu interessante Aufschlüsse.
Leider wissen wir nicht, an welcher Stelle das Deckenfresko in Taxa angebracht war. Ja, es nicht einmal sicher, ob das Wandgemälde jemals ausgeführt wurde. Da das Gemälde viele stilistische Elemente des Rokoko zeigt, stammt es aus der Zeit von 1730 bis 1780. Da war bis zur überraschenden Aufhebung des Klosters 1802 noch genügend Zeit zur Ausführung.

Thema des Gemäldes von Taxa ist die Krönung Mariens durch die Hl.Dreifaltigkeit. Maria wird von Engeln in den Himmel empor-gehoben. Jesus mit Kreuz, in wallendem roten Mantel und ein Engel halten die kostbare Krone über die Gottesmutter, die sich demütig verneigt. Abweichend vom sonst üblichen Typus entsprechender Darstellungen legt Gottvater nicht selbst Hand an die Krone, sondern lässt sich von einem Engel vertreten. Die Heilig-Geist-Taube schwebt zwischen den beiden göttlichen Personen. Ein Putto über der Taube hält einen zusätzlichen Kranz aus 6 roten Rosen und 6 weißen Sternen.

Joachim und Petrus
Blumenkorb
König David
Krönung Mariens
Stefanus
Katharina und Barbara

Eine Schar von Heiligen umgibt die Krönungsszene. Aber nicht alle konzentrieren sich auf die heilige Handlung. Auf der rechten Seite sind die beiden Prinzessinen (und Nothelferinnen) St.Barbara (mit Kelch und Turm) und Katharina (mit zerbrochenem Marterrad) in ein intensives Gespräch vertieft. St. Joachim, der Vater von Maria, ist mehr mit seinen Täubchen beschäftigt, die er in einem Behältnis mitgebracht hat (Mitte rechts). Dagegen sind St.Petrus (mit Schlüsseln), St.Stephanus ( im kurzärmeligen Gewand des Diakons mit einigen Steinen) und St.Zacharias, der Onkel Jesu (im jüd.Priestergewand mit Rauchfass) blicken ganz fasziniert auf den Krönungsvorgang. Über Zacharias wird von Putten ein Gerät (vielleicht die Bundeslade der Israeliten) getragen. Hinter Stephanus steht ein Heiliger mit Pfeilen in der einen und einer Art Fahne in der anderen Hand. Es könnte sich um Sebastian handeln, der mit Pfeilen gemartert wurde oder um einem Wetterheiligen, denn über der Person kann man eine schwarze Wolke erkennen. Die Pfeile wären dann die Blitze, die aus der Wolke fahren. Der bekannteste Wetterheilige (als Einzelheiliger) in unserer Gegend ist St.Donatus.
Im unteren Bildbereich kniet König David im Hermelinmantel auf einem roten Kissen und spielt die Harfe. Zwei Putten halten das wohl etwas lappige Notenblatt. Ganz links schwingt eine groß dargestellte Person drohend ein Schwert. Um wen es sich handelt, ist mir nicht bekannt. Zwischen den Personen schweben Engel und verrichten verschiedene weitere Tätigkeiten: sie tragen Maria, präsentieren einen Blumenkorb oder halten den Bühnenvorhang, der die Szene umgibt, zurück.

Kanzelfiguren

  
Evangelisten +Christus
Ersteigert werden konnten 2010 auch die wertvollen Figuren der vier Evangelisten und von Christus. Die fünf ausdrucksstarken Figuren in faltenreichen und wehenden Gewändern zierten die Kanzel in der Klosterkirche (die sich heute in der Odelzhausener Kirche befindet). Hinter den Füßen der Evangelistenfiguren lugen deren Attribute hervor: Matthäus mit Mensch, Lukas mit Stier, Markus mit Löwen und Johannes mit dem Adler. Die Symbole gehen zurück auf die Offenbarung des Johannes (Kap.4 Vers 7). Dort werden sie als die vier Lebewesen, die rings um Gottes Thron stehen, erwähnt.

Als Evangelistensymbole dienen sie erst seit dem frühen Mittelalter. Seit Hieronymus (347-420) werden sie wie folgt gedeutet: 

- Der geflügelte Mensch (nicht Engel !) bei Matthäus weist auf den Stammbaum Jesu und auf dessen Geburt
  (mit deren Bericht das Matthäusevangelium beginnt) hin. 
- Der geflügelte Löwe ist Sinnbild für Markus, weil das Markusevangeliums mit der Predigt des Johannes in der
  Wüste, dem Lebensraum des Löwen, beginnt und weil sein Evangelium die Kraft der Auferstehung und Todesüberwindung betont.
- Der geflügelte Stier (als Opfertier) des Lukas galt als Zeichen für den Beginn des Lukas-Evangeliums,
  das mit dem Opfer des Zacharias einsetzt und das am innigsten auf den Opfertod Christi hindeutet.
- Den Adler des Johannes versteht man als Symbol für den spirituellen Höhenflug des Johannes-Evangeliums,
  das mit den Worten beginnt "Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort".


Kopie der Schwarze Madonna von Brünn
03)

Die Ikone der Schwarzen Madonna in Taxa ist eine Kopie des entsprechenden Originalbildes in der Basilika Mariä Himmelfahrt der Augustinerabtei in Alt Brünn.
Das Originalbild ist sehr alt. Seine Existenz ist seit dem 14.Jh verbürgt; nach der Legende soll es sogar vor 2000 Jahren vom hl.Lukas gemalt worden sein. Überliefert ist jedenfalls, dass Kaiser Karl IV. die Ikone im Jahr 1356 dem neugegründeten Kloster der Augustinereremiten vermachte, dessen Gründer sein Bruder Markgraf Johann Heinrich war. 02) Der Orden, zu dem auch der Konvent in Taxa gehörte, hat wohl das Bild als Kopie nach Taxa weitergegeben.

Die Kopie der Ikone in Taxa ist -im Gegensatz zum Originalbild- mit einer vergoldeten Schablone verse-hen, die den Hintergrund des oberen Bildteils bildet und insbesondere die reliefierten Kronen von Maria und dem Jesuskind enthält. Die Fassung in Taxa erinnert an die offizielle Krönung der Brünner Madonna am 10.Mai 1736 mit gegenständlichen Goldkronen und einer Goldkette. Die Kronen mit über 100 Edelsteinen waren von Goldschmieden in Rom erstellt worden. Deshalb ist in die Kronen von 1736 auch das Wort "Roma" eingraviert.


Madonna von Brünn



Diesen Namen der Stadt Rom finden wir auch auf der Kopie aus Taxa (auf der Krone Mariens). Die Krone des Jesuskindes ist mit der Jahreszahl 1765 versehen; es dürfte das Jahr der Entstehung der Ikone aus Taxa sein.
Auf dem Bild tragen Maria und Jesus gegenständliche Perlenketten, Maria dazu noch eine rautenförmige Goldbrosche.
Der prächtige Rokokorahmen korrespondiert zwar mit dem Goldhintergrund des Bildes, drängt aber die ursprüngliche Form als Ikone in den Hintergrund.


Die Kopie aus Taxa war-einer Inschrift auf der Rückseite zufolge- am wundertätigen Original in Brünn anberührt worden. Man ging davon aus, dass durch die Berührung die religiöse Kraft des Originalbildes auf die Kopie übergeht.
Die Augustiner von Brünn schreiben auf ihrer Internetseite:
"Die individuellen Gesichtszüge der Madonna verschwinden im Dunkel und ermöglichen eine mystische Einheit mit dem/der Beter/in".



Heiligenbilder Zur geretteten Ausstattung gehören auch Holzbilder der Heiligen Johannes Nepomuk (mit Kreuz und Birett) und Franz Xaver (mit Täufling)


Joh.Nepomuk

 

 

 

Johannes aus Pomuk, "ne Pomuk", war Ende des 14.Jh Generalvikar des Erzbischofs in Prag und machte sich beim König Wenzel wegen seines energischen Auftretens für die Rechte der Kirche unbeliebt. Der ließ ihn am 20. März 1393 gefangen nehmen, foltern, brannte ihn selbst mit Pechfackeln, ließ ihn durch die Straßen schleifen und schließlich in der Moldau ertränken. Die Legende berichtet, der eigentliche Grund sei gewesen, dass Johannes, der auch Beichtvater der Königin war, dem König keine Auskunft über die Sünden seiner Frau gegeben habe. Das 1215 eingeführte Beichtgeheimnis hat in der kath.Kirche einen hohen Stellenwert. Der Fundort der Leiche in der Moldau wurde durch eine Erscheinung von fünf Sternen geoffenbart. Nepomuk ist neben Maria der einzige Heilige, der mit Sternen geschmückt ist. Die Verehrung von Nepomuk ist zwar schon seit 1400 nachweisbar; sie war aber nicht sehr umfangreich und zudem auf Prag beschränkt. Sein Denkmal auf der Prager Karlsbrücke, das 1693 errichtet wurde, machte ihn zum Brückenheiligen. Erst als man über 300 Jahre nach seinem Tod, im Jahre 1719, bei der Öffnung des Grabes in der Prager Veitskirche die Zunge des Heiligen unverwest vorfand, hat die Verehrung an Dynamik gewonnen. Im Jahre 1721 wurde der Kult von Rom anerkannt, am 19.3.1729 folgte die Heiligsprechung durch Papst Benedikt XIII. Noch im gleichen Jahr wurde Nepomuk von Kurfürst Karl Albrecht zum Landespatron von Bayern (18.8.1729) erklärt. Die Jesuiten förderten die Verehrung kräftig und nach kurzer Zeit stand die Nepomukfigur auf vielen Brücken und in vielen Kirchen. Nepomuk war der Modeheilige der Rokokozeit. Festtag: 16.Mai

Franz Xaver, ein Spanier, war ein Zeitgenosse von Ignatius von Loyola und einer der ersten Jesuiten. Von Goa in Indien aus missionierte er auf mehreren Reisen den fernen Osten u.a. Japan und China und taufte dort viele Menschen. Am 3. Dezember 1552 starb der Heilige auf der Insel Sancian (Santschao) bei Kanton in China. Das hochgehaltene Kruzifix erinnert an den Eifer, mit dem er die Botschaft vom Gekreuzigten verkündete. In der Münchner Michaelskirche befindet sich eine Knochenreliquie mit dem Spruchband: "25 Tote erweckt, 120.000 getauft". Die Zahl der Taufen war damals -anders als heute- ein Maßstab für den Erfolg der Mission. (Gedenktag: 3.Dezember).

 

 


Franz Xaver


Relief "Moses und der brennende Dornbusch"

Wieder beschafft werden konnte auch das zweiteilige Relief "Moses und der brennende Dornbusch".
Im brennenden Dornbusch gibt sich Gott zu erkennen und reicht dem vor ihm knienden Moses seine Hand. Die Gestik erinnert an das Schöpfungs-bild von Michelangelo in der Sixtinischen Kapelle.


Moses und der brennende Dornbusch
Der brennende Dornbusch erinnert in der christlichen Ikonologie an die Auferstehung. Auch Jesus interpretiert diese Stelle in diesem Sinne, denn: "Gott ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebendigen."
(Lk.20,38)
Die Bibel (Buch Exodus, Kap.3) schildert die Szene:
"Mose weidete die Schafe und Ziegen seines Schwiegervaters Jitro, des Priesters von Midian. Eines Tages trieb er das Vieh über die Steppe hinaus und kam zum Gottesberg Horeb. Dort erschien ihm der Engel des Herrn in einer Flamme, die aus einem Dornbusch emporschlug. Er schaute hin: Da brannte der Dornbusch und verbrannte doch nicht. .....
Und der Herr sprach: Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Da verhüllte Mose sein Gesicht; denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen..... "

 

Quellen:
01)
Dr. Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
02) Hans Belting, Bild und Kult: eine Geschichte des Bildes vor dem Zeitalter der Kunst, S. 374, 1990 (1356)
03) http://www.opatbrno.cz/opat_hist_de.htm, 2015 (Altbrünner Madonna)
04) Renate Zauscher, Vom Marien-Ei und anderen Wundern, DAH-SZ vom 20./21.6.2015 (Taxet)
05) Thomas Führer: Die Aufhebung des Klosters Maria Stern bei Taxa (1. Teil), Amperland 1966
06) Thomas Führer: Die Aufhebung des Klosters Maria Stern bei Taxa (2. Teil), Amperland 1967
07) Dachauer Neueste vom 23.8.1977
08) Regionalanzeiger Landkreis Dachau v. 7.12.1978
09) Jakob Mois,Konsekrationsbuch des Fürstbischofs Eckher, 1982 (Altarweihe 1715)
10) Max Gruber, Zu den vom Landgerichtsschreiber Heydolph durchgeführten Klosteraufhebungen im Lkr.Dachau,
         Amperl.1983(Heydolph)
11) Max Gruber, Bis gegen 1800 im Amperiand tätige Maler, Amperland 1987 (Pichler)
12) Max Gruber, Im Amperland tätige Bildhauer, Amperland 1987/1 (Hans Schütz)
         Der Bildhauer Hans Schütz wurde erstmals 1615 in Fürstenfeldbruck genannt. Er war verheiratet mit Veronika Wöhrlein.
         In Taxa erstellte Schütz Altäre für die erste Kapelle (1619) und für die Klosterkirche (1630). Er schnitzte den Hochaltar mit
         einer Marienfigur und stehendem Kind, zwei Engel, und für die Seitenaltäre Gesimsengel, Wappen und Waffen Christi.
13) Robert Böck, Alle Vürnemere Opferung vnd Schankhungen zu Maria Stern in Taxa, Amperland 1990 (Schenkungen)
14) Dr.Alfred Kaiser, Maria Stern von Taxa. Zur Ikonographie einer verschwundenen Wallfahrtskirche, Amperl.89 (Ausstattg)
15) Robert Böck, Wallfahrt im Dachauer Land, Bd 7 der Kulturgeschichte des Dachauer Landes, 1991
16) Robert Böck, Rosenkranzandacht u. Rosenkr-Bruderschaften der Barockzeit im Dachauer Land, Amperl.1991/2 (Rosenkr.)
17) Eugen Otker, Gack Gack Gack Gack a Ga, 1993
18) Gerd Holzheimer, Kloster Taxa und sein Prediger, Unser Bayern, Heimatbeilage der bay.Staatszeitung, 1994
19) Robert Böck, Kirchenrechnungen Landgericht Dachau, 1996 (Baumaßnahmen 1693)
20) Unser Dachauer Land, Beilage zu den Dachauer Nachrichten vom August 1998 (ASantaClara)
21) Dr.Tilman Mittelstraß, Taxa: Archaeologie im Nest der Sterneneier, Amperland 2000
22) Dachauer Nachrichten von 2001 und vom 17.2.2003
23) Tobias Zauscher, Die Aufhebung des Augustinerklosters Taxa 1802, Amperland 2003/3
24) Laura Scherr, Klöster in Bayern, Haus der Bayerischen Geschichte, 2008
25) Prof. Dr.Liebhart, Zur Geschichte der Ei-Wallfahrt Maria Stern in Taxa bei Odelzhausen, 2009
26) Faltblatt "Das Kloster Maria Stern in Taxa, 2013
27) Dachauer SZ vom 14./15.8.2014 (Kirchenbankwangen aus dem Kloster)
28) Hermann Fischer/Hans-Wolfgang Theobald, Die rheinischen Orgelbauer Balthasar u.Christian Ludwig König, (Orgelb.König)
29) Dachauer SZ vom 31.7.2001, 26.3.2002 u. vom 4.9.2002
30) Claudia Schuri, Das Ei-Wunder von Taxa, Dachauer Nachrichten vom 10.1.2018
31) Das Kloster Taxa - Beschreibung 1867, Pastoralblatt für die Erzdiözese München-Freising 1867
32) Gustav von Bezold und Berthold Riehl, Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern, Bd.1, Das Kloster Taxa 1895
33)
Eierlei, ein Magazin und ums Ei, Bayerischer Rundfunk 2, Sendung Zeit für Bayern, 31.3.2018, 12-13 Uhr


30 Bilder: Schertl

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

20.3.2018


Das Kloster Taxa - Beschreibung 1867
- Beschreibung des früheren Klosters im Pastoralblatt für die Erzdiözese München-Freising 1867- 31)

Wo jetzt seit 1848 erst, durch freiwillige Beiträge der Bewohner dortiger Gegend erbaut, nahe bei Odelzhausen, ein kleines Capellchen steht, während rings um selbes der Pflug die Felder durchfurcht, da befand sich einst ein herrlich Klostergebäude mit geschmackvoller Kirche. Gewaltige Linden schirmten beide gegen die anprallenden Weststürme. Drinnen aber wohnte Gnade und Friede.

Es war dieß das weithin gekannte und weither besuchte Augustinerkloster Maria Stern zu Taxa. Das wundervolle Ei mit dem Bildnisse der Gottesmutter in einem Sterne, welches im Hühnerhofe, unweit des Schlosses Odelzhausen, auf einem neuen Ziegelsteine von der sorgsamen Henne hingelegt worden war, hatte den Gutsherrn, Johann Baptist von Hundt bewogen, dort eine Capelle im Jahr 1616 zu erbauen, und so ein Gelübde freudig zu erfüllen, das er einst auf einer Reise als Gesandter des großen Churfürsten Maximilian I. v.Bayern gethan.

Die Capelle war in Form eines Sternes gebaut und Herzog Wilhelm V., der Fromme, schenkte dahin ein schönes Marienbildniß. Sie ward am 8.September 1619 consecrirt. Es entstand aber alsbald dort eine frequente Wallfahrt, so daß es nothwendig wurde, eine große Kirche zu bauen. Dieß begann auch noch Willhelm Hundt, der spätere Gutsherr Joh.Bapt.Beccaria vergrößerte selbe, und im Jahr 1654 wurde sie vom Bischofe Albert Sigmund v.Freising eingeweiht.

Um dem Andrange der Pilger zu den hl.Sacramenten der Buße und des Altars genügen zu können, ward auch ein Kloster daselbst erbaut und gleichzeitig den Augustinern der strengen Observanz Barfüßer alles übergeben. In Wenings Topographie finden wir eine gute Abbildung des spurlos verschwundenen Taxa. Der berühmte P.Abraham a Santa Clara schrieb über selbes ein Büchlein, das in München 1742 unter dem Namen "Gack, Gack, Gack, Gack a Ga einer wunderseltsamen Hennen in dem Herzogthum Bayrn, oder Beschreibung der Wallfahrt Maria Stern zu Taxa" erschien. Es enthält Abbildungen des wundersamen Eies vom Jahr 1616, sowie des Klosters. Die Kirche hatte 2 große Kuppel-Thürme mit 5 Glocken; 9 Altäre, auf deren einem die Scapulier-Bruderschaft war. In Mitte der Kirche war eine Crypta, als Begräbißstätte der dortigen Religiosen; aber auch die Hofmarksherrn von Odelzhausen beanspruch-ten das Sepultur-Recht in dieser Kirche, zu der sie Grund und Boden herschenkt, "auf ewige Zeiten!"

Was ist aber auf Erden ewig ? Im Jahre 1802 erhob sich wie eine Windsbraut der Sturm gegen die Klöster und Kirchen in Bayern. Wohl hatten die mächtigen Linden das friedlich schöne Taxa gegen die natürlichen Stürme treu geschützt, hier aber war ihre Kraft unzureichend. Kloster und Kirche wurden ausgeplündert, demolirt, das Gnadenbild Mariä auf Befehl des unvergeßlichen Commissärs Heydolf (!!) verhüllt, durch Laien nach Odelzhausen gebracht, während der genannte königl.Commissär den trauernden Ortsbewohnern verbot, zu beten, und das seit 186 Jahren hochverehrte Bildniß der Mutter Jesu als "Stück Holz" und als "Hühnermädel" schmähte.


Das Kloster Taxa
     im Buch "Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern", Bd.1 32)
1895

von Gustav von Bezold und Berthold Riehl

Taxa war als Wallfahrt und Kloster der Augustiner strenger Observanz (Barfusser) berühmt. Hier war 1616 von Johann Baptist von Hundt eine Kapelle erbaut worden, in der ein Hühnerei mit dem Bildniss der Gottesmutter in einem Stern, das eine Henne an dieser Stelle gelegt hatte, aufbewahrt wurde.
Es entstand bald eine besuchte Wallfahrt, so dass es nöthig wurde, eine grosse Kirche zu bauen, welche 1654 geweiht wurde. Gleichzeitig mit der Kirche wurde ein Kloster errichtet, welches den Augustiner-Barfüßern übergeben wurde. Von 1666 - 1668 war Abraham a Sancta Clara Pater und Prediger in Taxa.
Das Kloster wurde 1802 säcularisirt und die Gebäude nebst der Kirche zerstört. Eine Abbildung bei Wening, Rentamt München Taf. 98. Beschreibung im Kalender für katholische Christen 1871. S. 43 ff.

Zahlreich waren in dem Bezirke die Schlösser und Hofmarken, allein es haben sich nur wenige und diese zumeist nur in verstümmelten Resten erhalten. Vergl. Wening, Rentamt München, Gericht Dachau. Unter den erhaltenen Schlössern sind Haimhausen und Odelzhausen die bedeutendsten. Die Gegend war stets etwas abseits vom grossen Verkehr gelegen, sie entbehrte städtischer Mittelpunkte und grosser Klöster, welche die Kunstübung der Gegend wesentlich beeinflusst hätten, denn auch Indersdorf hat zu keiner Zeit eine bedeutende Kunstthätigkeit entwickelt. Nur im Beginn des 18. Jahrhunderts scheinen Anregungen für den Bau und die Dekoration einiger umliegender Kirchen von Indersdorf ausgegangen zu sein. Der Bezirk ist verhältnissmässig reich an romanischen Bauresten, es lassen sich deren dreizehn nachweisen, welche zwar nicht unverändert auf uns gekommen sind, doch aber zum Theil in solcher Erhaltung, dass wir aus ihnen ein klares Bild der Bauweise gewinnen.

Quelle: Gustav von Bezold und Berthold Riehl, Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern, Bd.1, Das Kloster Taxa 1895

 

 

Gründungsgeschichte aus historischer Sicht
von Prof.Dr.Liebhart 25)

Der Prediger Abraham a Sancta Clara berichtete, am Karfreitag 1618 habe man ein Hühnerei mit dem Relief eines Frauenkopfes im Strahlenkranz gefunden, das von einer schwarzen Henne auf einen Ziegelstein gelegt worden sei. Dieses Ei habe Johann v.Hundt zum Anlass genommen, die in Seenot versprochene Kapelle in Taxa zu errichten.

Abraham a Sancta Clara hat die Geschichte in seinem 1683 verfassten Buch "Gack, Gack, Gack, Gack a Ga" veröffentlicht (siehe rechts). Damals lebte er in Graz. Mehr über Abraham a Sancta Clara...

Buch von Abraham a S.Clara
über Taxa

50 Jahre vor Abraham a Sancta Clara hatte schon der Jesuitenpater Georg Stengel (1585-1651) die Wallfahrtsgeschichte aufgeschrieben. 1634 verfasste er in lateinischer Sprache das Werk "Ova Paschalis", das 100 Deutungen des Eies als Symbol für Geburt und Leben enthält. Darin berichtet er auch, er sei als Gutachter für die in Taxa gelegten Sterneier herangezogen worden.
Die Eier, so schreibt Stengel, hätten ausgesehen, "als wäre ein Siegel in den weichen Kalk gedrückt" bzw. als sei die gerillte Struktur "mit Linien und Strahlen mit einem Pinsel" gemacht worden. Dennoch glaubte auch er an ein Wunder. Das erste Ei "mit aufgedrücktem Stern oder Sonnenkranz" sei "unmittelbar nach (!) Baubeginn der Kapelle an einem Freitag gefunden worden, das zweite "14 Tage darauf". Der Bauherr habe daraus den Schluss gezogen, es sei richtig gewesen, der Kapelle einen sternförmigen Grundriss gegeben zu haben. Von einem Gelübde des Joh.Wilhelm von Hundt ist hier nicht die Rede.


Auch das 1642 angelegte Mirakelbuch, in dem alle Heilungen in Taxa verzeichnet sind, enthält eine Gründungsgeschichte. Sie wurde vom Sulzemooser Pfarrer Matthias Strohmayr verfasst und ist wohl vom Bericht Stengels beeinflusst: "Alß man aber die H.Capellen hatt angefangen zuebauen, hatt sich .. begeben, dass durch ain oder zway Hennen.. zwey tag nacheinander, ..jeden tags ein Ay mit einem inprimirten (=eingedrückten) Stern und ausführlichen Stern seindt gelegt" worden. Das erste Ei sei damals (1642) schon zerbrochen gewesen. Auch hier kein Wort über das Gelübde.


Nach Auffassung von Prof. Dr.Liebhart gab es wahrscheinlich keine Seenot und kein Gelübde, auch kein Marienbild auf den Eiern, keinen Ziegelstein und keine schwarze Henne. Der Kapellenbau diente der Abrundung des neu angelegten Hofes mit Geflügel- und Fischzucht. Die Sternform des Kapellen-Grundrisses könnte auf die Charakterisierung von Maria als "Stern des Meeres" (Lauretanischen Litanei) zurückzuführen sein. Aber auch eine Änderung des Bauplans angesichts der unglaublichen Wirkung des Sternwunders auf die Menschen sei nicht auszuschließen. Abraham a Sancta Clara hat die tatsächlichen Ereignisse umgestellt und reich ausgeschmückt, um daraus eine für die Menschen dieser Zeit schlüssigere Gründungsgeschichte zu erstellen.
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Quelle:
Prof.Dr.Liebhart, "Gack, Gack, Gack, Gack a Ga", Zur Geschichte der Ei-Wallfahrt Maria Stern in Taxa, 2009


Stern-Eier


Sternei im Huttermuseum

Sterneier sind - nach Robert Böck - durchwegs sehr dünnschalige Eier, die auf einer Seite etwas plattgedrückt sind und dort eine elliptische blasenartige Ausbuchtung aufweisen, von der strahlenförmige Einschnürungen nach außen verlaufen. Bis heute sind solche Sterneier (fast nur) in der Region um Taxa nachgewiesen. Sie gelten nicht nur als Raritäten der Natur, sondern nach wie vor als Glücks- oder Wunderzeichen. Eier von schwarzen Hennen galten früher als Schutz vor Hexen, Teufeln und Unglücksfällen. 30)
Rudolf Kriß führt diese Missbildung der Eierschale auf eine Deformation des Eierstocks zurück. Möglicherweise liegt aber auch ein Kalkmangel vor, durch den sich die Eier beim Erkalten im Nest zusammenziehen. Das Futter oder die Hühnerrasse sind jedenfalls nicht ursächlich.


Für Abraham a Sancta Clara gab es aber nur übernatürliche Ursachen. Er schrieb, die Sterneier seien ein Zeugnis dafür, wie die "übergebenedeyte Himmelskönigin solches wertheste Herzogthumb und auch die Diözese Freising im Schutz und Schirm" habe. Man sehe daran, dass die Muttergottes nicht nur von den Menschen, sondern auch von den "gagazigeten Hennen" verehrt werde. Deshalb solle man das Bayerland in Mariäland umbenennen.

Sage
der Entstehung des Namens der Grafen v.Hundt
18)

Die Grafenfamilie Hundt hieß vor langer Zeit Altdorff. Eines Tages hat eine Frau Gräfin dieser Familie in Abwesenheit ihres Mannes Zwölflinge geboren. Sie wollte ihrem Mann bei der Rückkehr aber keine zwölf Kinder, sondern nur eines präsentieren. Deshalb befahl sie einer Bediensteten, elf dieser Kinder in einen Sack zu stecken und zu ertränken. Auf dem Weg zum Tatort begegnete sie dem heimkehrenden Grafen, der sie fragte, was sie in dem Sack transportiere. Sie entgegnete: Junge Hunde. Da wollte der Herr Graf einen dieser Hunde sehen. So kam die geplante Mordtat auf. Der Graf ließ seine Gemahlin aber nicht, wie sonst in Sagen üblich, auf dem Scheiterhaufen verbrennen, sondern schwieg über sein Wissen. Er ließ die elf Kinder an einem geheimen Ort aufziehen und präsentierte sie im Alter von sechs Jahren ihrer Mutter. Die zeigte sich reumütig; er war großmütig und verzieh ihr. Doch seiner Nachkommenschaft verordnete er den Namen Hundt.
Auf vielen Gemälden, die die Fam. Hundt in Auftrag gegeben hat, ist ein kleiner, meist weißer Hund zu sehen.

Quelle: Gerd Holzheimer, Kloster Taxa und sein Prediger, Unser Bayern, 1994



A
braham a Santa Clara  18)


Abraham a Sancta Clara
Abraham a Santa Clara (bürgerlicher Name: Hans Ulrich Megerle) wurde am 2.7.1644 zu Kreenheinstetten im Schwäbischen Jura (Lkr. Sigmaringen) geboren, erhielt seine Ausbildung auf den hohen Schulen des damaligen Bayern in Ingolstadt und Salzburg, trat 1662 in Wien in den Orden der Barfüßer ein. Nach weiteren Studienjahren in Ferrara und Prag wurde er 1666 zum Priester geweiht, wirkte zunächst in Wien und von 1670 bis 1672 als Sonntagsprediger in Taxa. Dann kehrte er nach Wien zurück und machte dort Karriere: 1677 wurde er kaiserlicher Prediger, ab 1680 Prior des Wiener Augustinerklosters und 1690 Provinzial der deutschsprachigen Provinz des gesamten Ordens. Dazwischen lebte er um 1683 ein paar Jahre in Graz. Die Belagerung Wiens durch die Türken von Juli bis September 1683 erlebte er so von außen.
Er starb im Alter von 65 Jahren am 1.12.1709 in Wien.

Abraham a Sancta Clara gilt als sprachgewaltigster christlicher Prediger im deutschen Sprachraum des 17. Jahrhunderts. Einige Literaturwissenschaftler sehen in dem Ordensmann sogar den eigentlichen Begründer der deutschen Schriftsprache.
Berühmt ist Abraham a Santa Clara vor allem wegen seiner originellen und bilderreichen Sprache, die durchaus einen Hang ins Derbe aufwies. Er selber nannte seine Predigtmethode "dem Volke aufs Maul schauen". Für seine literarische Bekanntheit spricht, dass sich auch Schiller (1759-1805) und Goethe (1749-1832) mit ihm befasst haben; Abraham a Santa Clara gab die Vorlage zur Kapuziner-predigt in 'Wallensteins Lager". Jean Paul (1763-1825) wollte "auf das Grab des guten Abraham a Santa Clara eine Blume legen", weil er seinen Humor so schätzte. Auch Eichendorff (1788-1857) und Heidegger (1889-1976) hielten große Stücke auf ihn.

Aussagen über die Sprache Abrahams a Santa Clara:
Gerd Holzheimer:
Die Sprache des wortgewaltigen Mönches ist, so schreibt der Münchner Schriftsteller Gerd Holzheimer, je nach Bedarf humoristisch, satirisch, parodistisch getönt, mit ausgreifenden Wortwiederholungen, gewagten Metaphern, Kalauern, Wortwitzen, Alliterationen und Wortspielen.
18)
Prof.Dr.Liebhart:
Nach Historiker Prof.Dr.Liebhart war er "einer der bedeutendsten Poeten, ein wortgewandter Prediger, der die Menschen in seinen Bann zog. Er hat mit allen Mittel gearbeitet, er hat manipuliert und auf Marketing gesetzt".
30)
Dr.Norbert Göttler:
Der Bezirksheimatpfleger von Oberbayern erklärte in einem Interview 2018: Er war ein geistlicher Marktschreier und hat durch eine höchst plastische, derbe Sprache und auch mit Witzen unterfütterte Sprache versucht, die Leute zu erreichen. Heute würde man sagen, so ein Tonfall kommt einem Geistlichen nicht zu. Auch mit Drohungen, Verleumdungen und auch Bischimpfungen hat er nicht gespart.
30)

Abraham a Santa Clara besaß auch eine ordentliche Portion Chuzpe: In Wien predigte er einmal, dass es am kaiserlichen Hof Damen gebe, "die nicht wert seien, dass sie ein Hund anbrunzt". Als der Kaiser einen Widerruf dieser Grobheit verlangte, verkündete Abraham von der Kanzel: "Es gibt am Hof auch Damen, die es wert sind, dass sie ein Hund anbrunzt".

Aber die Predigten von Abraham hatten auch außerordentliche reaktionäre Züge. Seine Feindbilder sind eindeutig zu erkennen: Religiös die Moslems, Juden und Protestanten, politisch die Türken, die zum Sturm auf Wien ansetzten und allgemein die Frauen.

Frauen
Den Ausschnitt an den Frauenkleidern nannte er "Satansfenster". Von den Jungfrauen verlangte er, sie sollten sein "wie die Chlocken am Charfreytag (nämlich still) oder wie eine Orgel: "sobald dise angetastet wird, so schreyt sie".
Das Heiraten gleiche für Frauen einem Glückstopf, predigte er:
  "Manche zieht, und erhält einen Kamm, welcher sie tüchtig zauset.
Diese zieht einen Schwamm, einen Säufer, welcher niemals trocken wird.
Jene erhält einen Würfel, einen Spieler, welcher alles durchbringt und die Kinder an den Bettelstab versetzt.
Und die Männer warnte er:
  Manche hat jetzt goldne Haare, und bald maßt sie sich wie eine alte Bruthenne.
Die Augen sind glänzend schwarz, aber bald werden sie triefend, und rot, wie die gewisser Tauben.
Die Wangen sind voll, und lieblich, aber bald werden sie einfallen, wie ein leerer Dudelsack.
Die Nase ist schön geformt, alabastern, aber bald wird sie ein alter Kalender, der immer nasses Wetter anzeigt.
Der Mund glänzt wie Corallen, aber bald wir er einer gerupften Blaumeise gleichen.
Der Wuchs ist schön, aber bald geht er in Trümmer, wie die alabasternen Büchsen der Magdalena.
Tugend besteht, aber Schönheit vergeht.

Die Türken nannte er heimtückisch und wortbrüchig und setzte sie mit dem Teufel gleich, den die Christen mit ihren Sünden selbst herbeigeschworen haben.

Auch eine Reihe von Sprichwörtern stammt von ihm (oder wird ihm zugeschrieben):

- Ein Vorsatz ist wie ein Aal: leichter zu fassen als zu halten.
- Die Pforte im Himmel ist klein, es kann kein Prahlhans hinein.
- Freund und Anker erkennet man, wenn sie Hilf'in Not getan.
- Brummt das Weib den ganzen Tag, so geht der Mann zum Schwarzen Bären.
- Ein Jahrmarkt ohne Hiebe, ein Jüngling ohne Liebe, ein Ehestand, der wohlbestellt, sind selt'ne Dinge in der Welt.
- Wenn das Schwein am fettesten ist, hat es den Metzger am meisten zu fürchten.
- Sitzt die Maus am Speck, so piepst sie nicht.
- Ein schwerer Beutel macht leicht eitel.
- Er liebt das trübe Wasser wie ein Aal.
- Ein zänkisches Weib ist wie ein immer durchtriefendes Dach.
- Der Ehestand gleicht häufig dem Fische. Da sieht man viel Fröhlichkeit, und muntere Sprünge, im Hintergrunde aber findet sich
  Galle, ungeheuer viel Galle.


Quelle: Gerd Holzheimer, Kloster Taxa und sein Prediger, Unser Bayern, 1994

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür