Landkreiskarte           ausführliche Beschreibg.         Kirchen i.d.Gem.Odelzhausen

Pfarrkirche St. Benedikt in ODELZHAUSEN


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Kurzbeschreibung

Die Pfarrkirche St.Benedikt in Odelzhausen steht weithin sichtbar über dem Ort.
Erste Erwähnung der Kirche im Jahr 814.
In der Konradinischen Matrikel von 1315 ist sie unter der Bezeichnung " Otolshausen" als eine der Filialkirchen der Pfarrei Sulzemoos enthalten.
Erst 1923 wurde Odelzhausen eine eigenständige Pfarrei mit den
Filialen in Miegersbach, Essenbach und Taxa.
Derzeit bildet sie mit den Pfarreien Egenburg, Einsbach, Pfaffenhofen, Sittenbach und Sulzemoos einen Pfarrverband.

Nach den Ungarneinfällen im 10. Jh. und in gotischer Zeit wurde die Kirche neu errichtet und nach den Zerstörungen im 30jährigen Krieg wieder aufgebaut und dabei barockisiert.  


 
Bei der heutigen Kirche handelt es sich um eine völlige Neugestaltung aus dem Jahr 1891. Dabei wurde die Decke mit Putz und Gemälden um drei Meter angehoben.

 

              
Stuck im Altarraum

Der 46,5 m hohe Turm stammt im unteren, quadratischen Teil noch aus dem Mittelalter, der obere, achteckige Teil aus der Zeit um 1890.
Im Turm hängen 4 Glocken, von denen eine aus dem aufgelösten Kloster Taxa übernommen wurde.

Innenausstattung

Die Kirche wirkt innen wie ein prächtiger Theatersaal.

Chor und Langhaus sind mit zarten Bandelwerkformen stuckiert. Die
Deckenfresken malte Franz Mayr aus Dachau (1735). Themen sind die Glorie und Leben des hl. Benedikt, sowie die Anbetung der Hirten und Verkündigung Mariens (Langhaus)

Ein Teil der Kirchenausstattung stammt aus dem bei der Säkularisation (1803) abgerissenen Kloster Taxa. So z.B. am Hochaltar das frühere Gnadenbild (1618) die prächtige Doppelkanzel und vier ovale Ölbilder aus Taxa (17.Jh.) Assistenzfiguren am Hochaltar sind Schnitzfiguren der Heiligen Joachim und Anna um 1500.
An den Seitenaltären Bilder mit den Themen Gnadenstuhl (links) und Herz-Jesu (rechts).

Bilderzyklus aus der Jugendzeit von JesusLeuchterKlosterarbeitenlinker Seitenaltar - zur Vergrößerung bitte klickenGnadenbild  am Hochaltar  -  zur Vergrößerung bitte klickenKanzel - zur Vergrößerung  bitte klickenrechter Seitenaltar - zur Vergrößerung bitte klickenzur Vergrößerung der Figur des hl.Josef bitte klickenLesepultSt. AnnaDeckengemälde im ChorOvale Fresken zur BenediktuslegendeOvale Fresken zur BenediktuslegendeZelebrationslaltarSt.AugustinusSt. FlorianSt. Joachim KlosterarbeitenSt-. LeonhardLeuchterSt. SebastianSt. LantpertSchädel von St. FelicisTaufsteinfigurBilderzyklus aus der Jugendzeit von JesusTaxabild
    23 Details (Altäre, Kanzel, Kirchenstühle, Taufbecken, Figuren, Gemälde) per Mouseklick
In die Wände des Kirchenschiffs sind innen und außen
Epitaphe (Grabplatten) für frühere Hofmarksherren eingelassen.

Gottesdienstzeiten erfahren Sie auf der Internetseite des Erzbistums München und Freising. Klicken Sie hier....



Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen

Geschichte: Erste Kirche Matrikel 1315 Gotischer Umbau Benefizium 1403 Matrikel 1524
30jähriger Krieg Matrikel 1740 Säkularisation Bruderschaft 1840 Beschreibg1870
  Umbau 1891        
Ausstattung: Altarraum Ambo Apostelleuchter Baubeschreibung Choraltar
  Chorbogen Deckengemälde-1 Deckengemälde-2 Empore Epitaphe innen
  Epitaphe außen Fenster Figuren im Chor Figuren im Schiff Gottesdienstzeiten
  Kanzel Kanzelkreuz Kirchenschiff Kirchenbänke Kreuzweg
  Mater dolorosa Orgel Opferstöcke Prozessionslaternen Reliquien
  Reliquiar-1 Reliquiar-2 Säkularisation Seitenaltäre Taufstein
  Tabernakel Vorhäuser Votivbilder Zelebrationsaltar  

Die Ortschaft Odelzhausen dürfte in der Zeit um 600 gegründet worden sein. Darauf deutet der Ortsname mit der Endung -hausen hin. Allerdings siedelten hier schon in der Jungsteinzeit und der Bronzezeit (4000 bis 2000 v.Chr.) Menschen.
Während der Römerzeit gehörte das Gebiet zur Provinz Raetien mit der Hauptstadt Augusta Vindelicum (Augsburg). Danach herrschte hier ein Ortsadel, zu dem auch die Familie Otolt, die Namensgeber von Odelzhausen gehört haben dürfte. Danach löste sich eine Vielzahl von Grundherren ab, darunter die Eisenhofer, die Edlen von Auer-Pullach, die Grafen von Scheyern, die Minnuccis und die Grafen v.Hundt.

Im Jahr 1568 veröffentlichte der Kartograph Philipp Apian 24 Landtafeln, die zusammen eine Landkarte (im Maßstab 1:144.000) des noch mittelalterlichen Bayern bildeten. Die Genauigkeit der Landkarten wurde erst im 19. Jh übertroffen; noch Napoleon benutzte sie für den Einmarsch in Bayern.
In der Karte und in der begleitenden Landesbeschreibung sind nur die bedeutenden Orte mit Gebäuden dargestellt. Dazu zählt auch Odelzhausen. Es wird sogar zweimal dargestellt: Als Gesamtkomplex in der Karte und etwas detaillierter in der Landesbeschreibung. Es sind, wie Dr.Peter Dorner schreibt, authentische Ansichten der betreffenden Schlösser und Burgen.
Apian hat Odelzhausen als "arx permagna et vetusta", als weitläufiges Schloss mit langer Geschichte beschrieben. Es war im 14./15.Jh ausgebaut worden, als Odelzhausen Grenzbefestigung zwischen den zeitweise verfeindeten Herzogtümern Oberbayern und Niederbayern war. Zu Apians Zeiten gehörte das Schloss der Familie Auer aus Pullach.

Holzschnitt des Schlosses Odelzhausen
in der Landesbeschreibung 1568.

 

Geschichte der Kirche

Eine Kirche in Odelzhausen (Otolteshusir) wird erstmals im Jahr 814 genannt, als sie in einem Gerichtsstreit dem Bischof von Freising zugesprochen wurde (Urkunden-Nr.327 der Freisinger Traditionen). Der Priester Freido hatte, um seines Seelenheiles willen, die (von ihm erbaute ?) Kirche einschließlich seines Bauernhofs an den Mariendom des Bistums Freising übergeben. Dies wollten drei Männer namens Hunprecht, Hroadleoz und Ermanrich nicht anerkennen und erhoben am 2.10.814 bei einer Gerichtsversammlung in Bergkirchen unter Vorsitz des Freisinger Bischofs Hitto und des Vertreters der fränkischen Herrschaft, des Grafen Engilhard, selbst Anspruch auf das Gotteshaus (und auf den dazugehörenden Bauernhof). Sie begründeten dies damit, dass die Schenkung des Priesters Freido nicht beurkundet sei. Doch mehrere Edle schworen, sie hätten gehört, wie der Priester Freido kurz vor seinem Tod zum zweitenmal die Übereignung der Kirche an den Mariendom ausgesprochen habe. Das Gotteshaus verblieb bei Freising. Unter Beteiligung vieler Edelleute, die in der Urkunde als Zeugen aufgeführt werden, wurde die Übereignung durch das Überreichen eines Sakramentars nochmals vollzogen.
Dr.Walter Kick hat die vom 2.10.814 Urkunde aus dem Lateinischen übersetzt; wenn Sie sie lesen möchten, klicken Sie hier...

Zwei Wochen vorher hatte Freido übrigens in einer weiteren Schenkung Grundbesitz und Kirche in UnterUmbach an Freising übergeben.

1100 Jahre war Odelzhausen eine Filialkirche der Urpfarrei Sulzemoos. Zum Patron des ursprünglich sicher nur kleinen, hölzernen Kirchleins in "Otolteshusir" wurde der heilige Benedikt bestimmt. Wahrscheinlich wurde Odelzhausen durch ein Benediktinerkloster gegründet (vielleicht von Altomünster aus).

Bei den Ungarneinfällen im 10.Jh (Schlacht am Lechfeld 955) haben der Ort Odelzhausen und seine Kirche besonders stark gelitten. Nach den Ungarneinfällen dürfte die Odelzhausener Kirche neu errichtet worden sein - möglicherweise diesmal aus Stein anstelle der früheren Holzkonstruktion.

Konradinischen Matrikel 1315
In der Konradinischen Matrikel von 1315 wurde sie Otolshausen genannt. Sie hatte schon damals einen Friedhof; dies spricht für eine gewisse regionale Bedeutung. In dieser Matrikel wird (wohl als spätere Anmerkung) auch das Ausenkoferische (Eisenhofer'sche) Beneficium auf dem Lampertusaltarin Odelzhausen angesprochen, das danach aus dem Jahr 1300 stammen sollte (tatsächlich wohl erst später lt. Urkunde vom 11. Nov.1363). Franz Keimer spricht sogar erst vom Jahr 1403 mit bischöflicher Bestätigung vom 3.August 1406; diese wurde ausgestellt von Erzbischof Berchtold von Salzburg, der auch das Bistum Freising verwaltete.

Gotischer Umbau um 1400
In der Zeit zwischen 1350 und 1450 wurde die Kirche im gotischen Stil umgebaut. Schon dieser Bau soll nach Franz Keiner drei Altäre besessen haben, die dem hl.Benedikt, demhl. Lampert und der Gottesmutter geweiht waren.

Eisenhofersches Benefizium 1403
Nach einer Indersdorfer Überlieferung war das Benefizium Sühneleistung für einen Turnierunfall in München. Ritter Görg hatte seinen Gegner Hanns von Weichs mit der Lanze mit solcher Wucht vom Pferd gestoßen, dass sich dieser beim Sturz das Genick brach. Ein normaler Unfall war das nicht, weil die beiden Kontrahenten kurz vorher gestritten hatten. Nach den Turnierregeln hätte der Zweikampf nur nach vorheriger Aussöhnung stattfinden dürfen. Die Stiftung diente der Seelenruhe von Ritter Görg, der später sogar als Laienbruder ins Kloster Indersdorf eintrat und dort 1430 während einer Pestepidemie starb. Das Benefizium von 1406 (tatsächlich wohl schon von 1363) bestand aus neun größeren und kleineren Bauernhöfen in Odelzhausen, Unterumbach und Hohenzell, ferner 300 Tagwerk Holz. Eine weitere Hofstatt stiftete Görgs Bruder Ulrich, ein Haus in Hadersried die Gräfin Ysen dazu. Odelzhausen war so eine reiche Kirche geworden. Ein Teil des Waldbesitzes gehört bis heute zur Kirchenstiftung.
Odelzhausen konnte sich so einen eigenen Priester am Ort (Benefiziaten) leisten, dessen Hauptaufgabe es war, "all tag zu der Zeit, als die sun aufgeht" eine Messe mit kurzem Vortrage für das ewige Heil der Eisenhofer Sippe und aller gelaubigen Seellen" zu lesen Er wurde deshalb auch Frühmesser genannt. Außerdem hatte er dafür zu sorgen, dass am Lampertusaltar immer eine Öllampe brannte. Der Stiftungsbrief lädt dem Beneficiaten keine seelsorgliche Verpflichtung auf; er hat nur auf Ansuchen Aushilfen (z.B. im Beichtstuhle) zu leisten. So hielt er neben dem Dienst in Odelzhausen Messen in Miegersbach und half dem Pfarrer in Sulzemoos. Daneben war der Benefiziat auch mit dem Amt des Schlosskaplans bei der Stifterfamilie betraut. Die Einkünfte aus dem Benefizium betrugen 1870 rd. 770 Gulden.

Auszug aus der Karte
von Apian 1568
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Sunderndorfer'sche Matrikel
Nach der Sunderndorfer'schen Matrikel aus dem Jahr 1524 war die Kirche in Odelzhausen der Jungfrau Maria geweiht ("filia B.Virginis in Odeltzhausen cum sepulturis)". Die Pfarrei Sulzemoos war dem Pfarrherrn Eberhard von Hiernheim übertragen, der gleichzeitig auch Pfarrer von Aubing und Domkapitular in Freising war. Er entstammte dem schwäbischen Adel und machte eine geistliche Karriere: zunächst als Domherr in Augsburg, dann als Domprobst und Archidiakon in Salzburg und schließlich als Bischof von Eichstätt. Das Präsentationsrecht (Vorschlagsrecht für die Besetzung einer Stelle)für diesen Kaplan besaß der Freiherr Auer ("Nobilis Awer"). Die Seelsorge vor Ort versah Benefiziat Christoph Scheirer, der aus dem o.a. Benefizium bezahlt wurde, das 60 Gulden jährlich abwarf. Scheirer war übrigens auch Pfarrherr von Sittenbach; dort überließ er die Seelsorge einem Vikar. Das hatte den Vorteil, dass er die Einkünfte als Pfarrherr und als Benefiziat erhielt und nur den Vikar zu bezahlen hatte.


Ausschnitt aus der Karte von
Georg Philipp Finckh von 1655

Im Dreißigjährigen Krieg verwüsteten feindliche Heere mehrfach die Gegend und brannten Schloss wie Kirche von Odelzhausen nieder. Die Hälfte aller Menschen im Landgericht Dachau kam durch Kriegshandlungen und die Pest ums Leben.

Nach dem Wiederaufbau 1645 bis 1687, wurde die Kirche um das Jahr 1730, unter Belassung des gotischen Chores und des mittelalterlichen Unterbaus des Turmes an der Nordseite des Chors, barockisiert. Sie war damals die Hofmarkkirche des Grafen Minucci.


Schmidt'sche Matrikel 1738/40
Acht Jahre nach dem Kirchenbau hatte der Freisinger Kanonikus (Domherr) Schmidt alle Pfarreien der Diözese Freising besucht und in der nach ihm benannten Matrikel (Schmidt'sche Matrikel) auch die Filialkirchen (Odelzhausen war damals noch Filiale der Pfarrei Sulzemoos) kurz beschrieben. Zur "Ecclesia filialis s.Benedicti in Odelzhausen" bemerkte er, die Kirche sei unter den Kirchen im ländlichen Raum ein besonders edler Bau. Er habe drei Altäre. Der Hochaltar sei dem hl. Abt Benediktus, die Seitenaltäre der Jungfrau Maria und dem hl.Lantpertus geweiht. Im Lantpertusaltar werde das Haupt des Katakombenheiligen Felix aufbewahrt. Schmidt erwähnt auch das Benefizium des Jahres 1406. Der aktuelle Benefiziat heiße Joseph Pek und sei 1710 installiert worden. Auch er müsse die Abgabe "dat pro primis fructibus" beim Wechsel des Freisinger Bischofs zahlen. Die Summe betrage 10 florenos (Goldmünzen). Wohl auch einen Teil der Stiftung stellt das Benefiziatenhaus dar, das von Schmidt als sehr gut geeignet eingeschätzt wird.
Das Kirchweihfest von Odelzhausen fiel auf den Sonntag vor Jakobi (25.Juli). Im Friedhof um die Kirche stehe ein Beinhaus. Im Turm hingen zwei geweihte Glocken. In der Kirche befänden sich auch die Gräber der adeligen Familien "Auer, Leonroth, Hund, Ausenhoffer de Beccaria". Die Einnahmen verwalteten der Pfarrer und der Hofmarksherr von Odelzhausen ("Comes de Minuzi"). Der Bericht schließt mit dem Satz: "Das Vermögen dises Gottshauses hat sich letzthin auf 882 fl. (=Gulden), 30 kr.(=Kreuzer) und 3 1/2 hl.(=Heller) erstreckhet".

Kirche 1701

In der Schmidt'schen Matrikel ist auch die Schlosskapelle kurz erwähnt. Sie besitze einen Altar, der zu Ehren der Jungfrau Maria errichtet sei. Das Kirchweihfest falle auf den Sonntag nach Bartholomaei (24.Aug).

Säkularisation 1803
Eine (auch wirtschaftliche) Blüte erreichte Odelzhausen zur Zeit der Säkularisation (1802). Das Gnadenbild der aus der zum Abbruch bestimmten Klosterkirche von Taxa wurde in die Odelzhausener Kirche übertragen und auf dem Hochaltar aufgestellt. Später kamen noch drei Altäre, die Kanzel, Teile des Speisgitters, eine Glocke und die vier noch jetzt im Chor hängenden Ölbilder über die Entstehung der Wallfahrt Maria Stern dazu. 

Als neue Wallfahrtsstätte gewann Odelzhausen rasch großen Zulauf. Da auch das Recht zur Abhaltung der sechs Jahrmärkten von Taxa nach Odelzhausen gewandert war, kurbelte die Wallfahrt auch das Wirtschaftsleben an. Beides ergänzte sich: Der Opferstock in der Kirche sei so schnell gefüllt worden, dass man einen Nebenstock und eine Täzn [= Blechnapf] auflegen musste. Im Jahre 1826 scheiterte ein Versuch von Geschäftsleuten (Kramer, Metzger, Bäcker, Wirt) aus Taxa, das Gnadenbild in ihre neu erbaute Kapelle zurück zu holen. Doch in der folgenden Zeit ließ der Wallfahrtsbesuch auch in Odelzhausen nach. Seit etwa 1830 verlagerte er sich mehr und mehr zur Marienkapelle in der Geiselwies.

Bruderschaft 1840
Im Jahr 1840 wurde eine Scapulierbruderschaft vom Berge Carmel gegründet. Das Hauptfest wurde am Scapulierfest (Sonntag nach dem 16.Juli) gefeiert. Nebenfeste waren der Sonntag vor der hl.Kreuz-Erfindung (=3.5.) u. vor Michaeli (=29.9.). An den Festtagen wurde ein Amt mit Predigt und Procession celebriert. Bruderschaftsvermögen rd. 1900 Gulden.
Die Bruderschaft bestand jedenfalls im Jahr 1874 noch.

Um 1850 schreibt Dr.Deutinger, in Odelzhausen sei neben dem Benefiziaten auch der Cooperator von Sulzemoos als Expositus tätig. Odelzhausen wurde also von zwei Geistlichen seelsorgerisch betreut. Auch Deutinger bestätigt, dass "nach der Demolierung der Klosterkirche in Taxa das in derselben verehrte Bild der Mutter Gottes (nach Odelzhausen) übersetzt" worden sei.

Beschreibung 1874
Um das Jahr 1870 hat der Dombenefiziat Anton Mayer eine Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising erstellt und 1874 als Buch veröffentlicht. Darin ist im Kapitel über die Pfarrei Sittenbach auch die Expositur Odelzhausen enthalten. Mayer schreibt:
Geographie: Odelzhausen, ehem.Hofmark, an der Hauptstraße von München nach Augsburg im Glonnthale gelegen, mit schönem Schlosse. Im Bezirk der Expositur, zu der auch die Kirchen in Essenbach und Miegersbach und Oberumbach gehören, leben 852 Seelen (in 124 Häusern). Im Ort Odelzhausen selbst wohnten 274 Gläubige in 33 Häusern.
Pfarrei: Präsentationsrecht liegt beim Domkapitel in Freising (=das Domkapitel, der engste Mitarbeiterstab des Bischofs, war eine eigenständige juristische Person, die unabhängig vom Bischof selbst kirchlichen Besitz und Rechte haben konnte). Der Expositus übt die volle Seelsorge in Odelzhausen aus und ist auch Local-Inspektor der Schule. Die Expositur-Rechnung enthält 475 fl (=Gulden) Einnahmen und 3 fl. Ausgaben, was einen Reinertrag von 472 Gulden ergibt. Das Pfarrhaus (Expositurhaus) wurde 1838 von der Gemeinde Odelzhausen erbaut und wird auch von ihr erhalten.
Kirche: Erbauungsjahr unbekannt. Stillos. Geräumigkeit hinreichend. Spitz-Thurm mit 3 Glocken (früher nur 2). Die größte stammt aus dem Kloster Taxa, gegossen 1710 von J.M. Langenegger in München, die mittlere vom Jahr 1865 (Gießer Schmid in Augsburg), die kleine vom Jahr 1844 (gegossen von Jgnaz Beck in Augsburg). Imjahr 1803 wurde das Gnadenbild "Maria Stern" aus Taxa hierher transferirt, und seitdem ist hier die Wallfahrtskirche. 3 Altäre, Orgel mit 8 Registern. Stiftungen: 43 Jahrtage, 12 Jahrmessen. Bittgänge: zweimal nach Sulzemoos. Meßner und Cantor war der Lehrer, der sich einen Gehilfen hielt. Kirchenvermögen: 14.300 Gulden.

Umbau 1891
1891/92wurde das Langhaus der Kirche durch den Anbau von Seitenschiffen verbreitert, mit Granitsäulen versehen und zur Säulenbasilika erweitert. Der Turm wurde mit einem achteckigen Aufsatz und seiner heutigen Spitze versehen. Die alte Flachdecke wurde nach Angaben des Mesners mitsamt dem Putz und den Gemälden um 3 Meter (auf eine Innen-Gesamthöhe von 10 Metern) angehoben, um die wertvollen Gemälde nicht zerstören zu müssen. Für die damaligen Stand der Technik eine Meisterleistung. Vor den Arbeiten war noch mit allen Arbeitern eine Bittandacht um das Gelingen des Vorhabens abgehalten worden. Auch heute zeigt sich noch kein Riss im Stuck oder den Fresken. Die Weihe nach der Erweiterung der Kirche fand jedoch erst 10 Jahre später, am 20. April 1902, durch Erzbischof Josef von Stein statt.

Anheben der Kirchenschiff-Decke 1891

1923 wurde die eigenständige Pfarrei Odelzhausen gegründet. Sie zählte im Jahr 2002 insgesamt 2056 Katholiken. Derzeit bildet sie mit den Pfarreien Egenburg, Einsbach, Pfaffenhofen, Sittenbach und Sulzemoos einen Pfarrverband.
Über die Pfarrerhebung existiert ein Zeitungsbericht, den Sie hier... lesen können.

Die letzte Renovierung wurde im Jahr 1990 durchgeführt.



Berichte aus der Pfarrei
Die Dachauer Zeitungen haben in den letzten 120 Jahren immer wieder aus dem Pfarrleben berichtet. Diese oftmals in blumiger Sprache verfassten Berichte beschäftigen sich nicht unmittelbar mit dem Kirchengebäude, vermitteln aber einen ergänzenden Eindruck aus der damaligen Zeit. Meist werden Primizen oder Priesterjubiläen beschrieben, wie hier auf der Seite für Odelzhausen. Wenn Sie die Berichte lesen möchten, klicken Sie hier...

Baubeschreibung

Die Kirche liegt etwas erhöht im Ort inmitten eines ummauerten Friedhofs. Der stark eingezogene Chor stammt noch aus spätgotischer Zeit und wird außen durch zweifach abgetreppte Strebepfeiler gestützt.

Das fünfachsige Kirchenschiff (Langhaus) ist seit dem Umbau 1891 eine dreischiffige Basilika, deren Schiffe durch massive Säulen aus Granit getrennt sind. Die Außenwände sind in Traufhöhe durch horizontale Bänder und Profilgesimse geschmückt.
Der 46,5 m hohe, durch Ecklisenen und umlaufende Simse gegliederte Turm ist im unteren Teil, der noch aus dem Mittelalter (vor 1400) stammt, quadratisch, mit neugotischen Schallfenstern über den Ziffernblätter der Uhr. Der obere Teil aus der Zeit um 1890 ist achteckig (mit acht ovalen Schallfenstern) und mit einer Spitzhaube gekrönt. Das Turmuntergeschoss ist noch mit einem gotischen Kreuzgratgewölbe überdeckt und besitzt zwei spitzbogige Fenster. Im 2.Weltkrieg wurde der Turm zerschossen und musste später wieder hergestellt werden.
Im Turm hängen 4 Glocken, von denen eine ("Maria Stern Glocke" mit 12 Zentnern) aus dem Kloster Taxa übernommen wurde. Sie war die einzige, die in den Weltkriegen nicht für Kriegszwecke abgeliefert werden musste. Die übrigen drei Glocken stammen aus dem Jahr 1949: Die "Christkönigsglocke" mit 28 Zentnern, die "Josefsglocke" mit 18 Zentnern (Sterbeglocke) und die "Bendiktusglocke" mit 8 Zentnern Gewicht (1 Zentner = 50 kg). Die Turmuhr wurde 1900 von der Fa. J.Neher & Söhne aus München eingebaut.
Die zweistöckige Sakristei ist südlich am Chor angebaut.

Die Portale an der Süd- und der Nordseite sind durch Vorhäuser vor den Einflüssen der Witterung geschützt.

Epitaphe im Außenbereich

In die Friedhofsmauer und die Außenwände des Vorhauses sind vier Epitaphe eingelassen, die an die Hofmarksherren Grafen Minucci erinnern.
  Hinweis: Epitaphe gibt es in unseren Kirchen erst seit dem 14. Jh. als Gedächtnismal für einen Verstorbenen in Form einer Steinplatte, die innen oder außen an der Kirchenwand senkrecht aufgestellt wird. Epitaphe (griech. Grabinschrift) wurden für diesen Zweck eigens angefertigt; sie sind keine früheren Grabplatten. Das Epitaph ist auch kein Grabmal, weil sich weder dahinter noch darunter ein Grab befindet.

- am Vorhaus:
  das Epitaph aus graurotem Marmor für den am 28.8.1747 gestorbenen Maximilian Emanuel de Veritá, Graf de la Selva
  in Brogno (114 x 66 cm)

- Epitaph (111 x 39 cm) aus grauem Marmor für den am 8.4.1816 verstorbenen Minucius Vincentius Wilhelmus Graf
   von Minucci

- Epitaph aus grauem Marmor für den am 24.9.1812 verstorbenen Franciscus Xaverius Graf von Minucci (111 x 39 cm)

- an der Friedhofsmauer
  die Priestergrab- und -gedenkstätte in einer ädikula-artigen Wandnische mit kannelierten Pilastern und Dreiecksgiebel.
  Dort steht ein fast lebensgroßer Bronzechristus. Links und rechts davon zwei Marmortafeln mit den Namen und Sterbedaten
  von elf in Odelzhausen tätigen Geistlichen  aus dem 19.u.20.Jh.

Innenausstattung

Altarraum

Der noch von der alten Kirche stammende eingezogene, dreiseitig geschlossene Altarraum (Chorraum) ist 10 m lang und 7 m breit. Er ist von einem Tonnengewölbe mit Stichkappen überdeckt und -wie das Langhaus- mit zartem Bandelwerkformen (um 1735) stuckiert. Die 1891 errichteten Seitenschiffe sind durch jeweils vier polierte Säulen aus grauem Granit vom Hauptschiff geschieden; sie schließen an der Ost- und der Westseite (vorne und hinten) gerade.

Deckenfresken im Altarraum

Thema der Fresken an der Decke des Altarraums ist der heilige Benedikt. Die Bilder wurden von Franz Mayr aus Dachau (*1707 in Lauterbach, gest.1752 in Dachau) um das Jahr 1735 gemalt. Franz Mayr hat im Übrigen auch die Deckengemälde in Orthofen und in Rumeltshausen geschaffen. Mehr über Franz Mayr ....
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Das große zentrale Gemälde stellt den hl. Benedikt als Patron von Odelzhausen dar. Der Heilige wird auf Wolken in den Himmel gehoben. Viele Engel umgeben ihn. Einer trägt die Mitra in den Händen. Ein anderer hält einen zerbrochenen Giftbecher mit der Schlange. Ganz oben wartet die Hl. Dreifaltigkeit. Im unteren Teil des Bildes sind die Odelzhausener Kirche vor dem Umbau mit Zwiebelturm sowie das vierstöckige Schloss Odelzhausen mit Doppelgiebel zu sehen.

An den Stichkappen 10 kleinere ovale Fresken mit Szenen aus dem Leben des hl. Benedikt.
In der Reihenfolge links hinten über links vorne (1-5), rechts vorne und rechts hinten (6-10) werden folgende Szenen dargestellt:
 

1. Das zerbrochene Sieb der Amme (Die Amme, die Benedikt in die Einsamkeit begleitet hatte, zerbrach ein Sieb; auf das Gebet des Benedikt hin wurde es wieder ganz)

 

2. Romanus nimmt sich des jungen Benedikt an.      
(Der Einsiedler Romanus führt den in römische Soldatentracht gekleideten Benedikt in seine Klause. Ein Putto weist auf die irdischen Freuden hin, denen Benedikt durch diesen Schritt entsagt).


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3. Romanus ernährt Benedikt in der Einöde
(Romanus ernährte den Benedikt mittels eines Korbes, in dem er Brot zu ihm in einer Felsnische hinab ließ).

  4. Das Ostermahl in der Einöde                          
(ein Priester in der Nähe von Benedikt wurde von Gott angewiesen, das Ostermahl dem Benedikt in seiner Felshöhle zu bringen).
  5. Die Versuchung des hl. Benedikt
(Im Hintergrund: Der Teufel kam in Gestalt einer Amsel und flößte ihm "einen Brand zur Unlauterkeit" ein.
im Vordergrund: Benedikt wälzte sich nackt in Dornen).
  6. Benedikt und das vergiftete Brot
(ein Priester namens Florentinus war auf die Erfolge Benedikts neidisch und schickte ihm vergiftetes Brot. Doch Benedikt erkannte die Gefahr, rief einen Raben, der das Brot an einen Ort brachte, wo es niemandem gefährlich werden konnte).
  7. Der Teufel stört beim Klosterbau                          -siehe Bild rechts-
Der Teufel war wegen des Klosterbaus so voller Zorn, dass er einen Mönch zu Tode kommen ließ. (Im Bild rechts stürzt der Mönch -vom nackten Teufel gestoßen- vom Bauwerk). Auf das Gebet Benedikts wurde er wieder lebendig.
  8. Der Teufel beschwert einen Stein
Der Teufel setzte sich auf einen Stein, damit er nicht mehr zu bewegen war. Benedikt segnete den Stein und das Zusatzgewicht war verschwunden.
  9. Totila vor Benedikt
Der König Totila schickte an seiner Stelle seinen Vertrauten Ricco zu Benedikt. Der erkannte die Täuschung. Daraufhin kam König Totila selbst und fiel vor ihm auf die Knie
 

10. Die Seele Benedikts fliegt in den Himmel
Beim Tod Benedikts sahen seine Mitbrüder die Seele in den Himmel fliegen.

Die Ornamentskartuschen in den Gewölbezwickeln zu beiden Seiten des Hochaltars enthalten Embleme zur Gottesliebe des hl. Benedikt:
links ein brennendes Herz in den Wolken, das mit Strahlen ein auf der Erde liegendes Herz entzündet (Liebe Gottes entzündet die menschliche Liebe)
rechts eine Sonnenblume, die sich der Sonne zuwendet (sinnbildlich für die Zuwendung des Heiligen zu Gott).
Am Chorschluss hinter dem Hochaltar wurde ein Fresko aus der Zeit um 1600 freigelegt, das den hl.Michael mit zwei Wappen zeigt. Leider ist es mit zahlreichen Hackspuren gezeichnet.

Ein Teil der Kirchenausstattung stammt aus dem bei der Säkularisation (1803) abgerissenen Kloster Taxa (Gnadenbild, ovale Votivbilder, Doppelkanzel, eine Glocke, Kanzelkreuz, Mater dolorosa).


Choraltar / Hochaltar

Der 3,20 Meter breite und raumhohe Choraltar ist ein neubarockes Säulenretabel aus der Zeit um 1895. Links außen ist er signiert: "Gefasst u. Vergoldet von Jg:Rampfmoser Malermeister in Nymphenburg". Die Stipes, der Altarunterbau, ist mit Holz in klassizistischer Sarkophagform verkleidet. Vier Säulen tragen ein verkröpftes Gebälk mit Segmentbögen, aufgesetzten Obelisken und Sternen

Mittelpunkt des Choraltars ist ist das Gnadenbild aus Taxa, eine thronende Muttergottes mit dem Jesuskind auf dem Arm (1618), umgeben von vielen Engeln. Man hatte sie nach der Auflösung des Klosters Taxa am 8.Juli 1802 nach Odelzhausen übertragen. Die Schnitzfigur wurde im 20.Jh neu gefasst (übermalt).

      
Assistenzfiguren sind die Großeltern von Jesus, die Heiligen Joachim (mit Hirtenstab und Täubchen) und Anna (mit Buch in der Hand) um 1500 (andere Quelle: um 1895).
  Hinweise: Joachim war nach dem Protoevangelium des Jakobus aus der 2. Hälfte des 2. Jh der Vater Marias. Im 5. und 6. Jahrhundert wurden sein Name und der seiner Frau Anna in Marienlegenden weiterverbreitet. Besonders die Orden der Karmeliten und Kapuziner förderten die Verehrung der Großeltern Jeus. Die Schäferschaufel Joachims führt zum apokryphen Jakobusevangelium, nach dem ihm ein Engel erschien, während er auf dem Feld die Herden hütete. Die Opfertäubchen im Körbchen erinnern an folgende Legende: Joachim und Anna hatten lange keine Kinder. Dies galt im alten Israel als Makel und als Strafe Gottes. Deshalb wurde Joachim, als er im Tempel von Jerusalem das übliche Opfer, 2 Täubchen darbringen wollte, vom Priester zurückgewiesen.
Das Buch in den Händen von Anna geht auf Legenden und Darstellungen zurück, in denen sie ihre Tochter Maria das Lesen lehrt. Das Thema der Unterweisung Mariens ist in der Kunst seit dem 14.Jh bekannt und war besonders in der Barockzeit beliebt. Es geht zurück auf die Bibelstelle aus dem Buch der Sprichwörter (1,8) "Höre mein Sohn, auf die Mahnung des Vaters und die Lehre deiner Mutter verwirf nicht" und wendet das Wort auf Maria an. Die Kunst des Lesens beherrschten in früheren Zeiten nur wenige, meist vornehme Menschen. Dazu sollten auch Anna und Maria gerechnet werden.
Im Altarauszug ein Bild des hl.Benedikt mit einem Knaben, der ein Kelchglas mit Schlange trägt (Ölfarbe auf Holz, um 1895). In einem Kloster bei Tivoli sollte Benedikt vergiftet werden, doch das Gift entwich in Gestalt einer Schlange aus seinem Kelch.
Darüber ein flammendes Herz mit Rosenkranz.
Der neubarocke Tabernakel aus der Zeit um 1895 mit seiner konvex vorspringenden Mittelnische ist mit Volutenbändern und reichem Schnitzdekor versehen. Er trägt auch den Sockel für die Marienfigur.
Zu beiden Seiten des Tabernakels sind Figuren von knienden Anbetungsengeln angebracht. Auf dem Tabernakel sitzt ein Pelikan aus Ton, der sich mit dem Schnabel die Brust aufreißt, um die Jungen mit seinem Blut zu ernähren. Er ist das Symbol für Jesus Christus.
In alten Büchern (Bestiarium,Physiologus) wird berichtet, dass der Pelikan seine Brust aufreißt, um mit dem eigenen Blut die Jungen zu ernähren; er galt deshalb als Sinnbild für Aufopferung und als Symbol für Christi Todesopfer. Die ersten künstlerischen Darstellungen des Pelikan wurden schon im 3.Jh. nachgewiesen. Biologisch ist dieser Bericht vom Pelikan heute überholt. Die Fabel entstand wohl, weil die Art und Weise, wie der Pelikan seine Jungen aus dem dehnbaren Kehlsack heraus füttert, indem er dabei den Schnabel auf die Brust stemmt, um die Fische einfacher auswürgen zu können und dabei seine weißen Federn mit dem Fischblut rötet, falsch gedeutet wurde.
Reliquiare
Zu beiden Seiten des Tabernakels sind Kastenreliquiare mit rechteckigen, vergoldeten Akanthusrahmen und aufgesetztem Stern (von Taxa) eingebaut.
Im Inneren sind reiche Klosterarbeiten aus dem 18.Jh mit goldener Sprengstickerei, Perlen, Goldspitzen, farbigen Steinen und Wachsmedaillons zu sehen. Auf den Cedulae, den Pergamentstreifen, sind die Namen der Heiligen zu lesen, deren Gebeine hier enthalten sind:
Linkes Reliquiar:
"S.Francisci Ass.; S.Clarae Ass.; S.Corbiniani; S.Hyacinthi M.; S.Donati Mart.; S.Sixti P.M; S.Hilarii Mart.; S.Modesti Mart.; S..... Mart."
Rechtes Reliquiar:
"S. Conatantin M.; S.Victoriani M.; S.Mauritii M.; S.Clementis M.; S.Sebastiani M.; S.Severi M.; S.Illuminati M.; S.Tranquillinae M.; S.Theophili M."
Die Reliquienkästchen wurden früher durch das bischöfliche Ordinariat offiziell versiegelt, um den Reliquiendiebstahl zu verhindern.

Votivbilder aus Taxa

An den Chorwänden hängen vier hochovale Votivbilder aus Taxa (17.Jh.), die die Entwicklung der Wallfahrt in Taxa darstellen und die früher den Gang zwischen der Klosterkirche Taxa und der Sakristei schmückten (Öl auf Leinwand, 135 x 90 cm):

 


1. 1606 geriet der Hofmarksherr von Odelzhausen Wilhelm von Hundt in Seenot. Da legte er das Gelübde ab, er werde im Falle seiner Rettung eine Marienkapelle bauen (Schiff mit dem Votanten im stürmischen Meer, darüber Gnadenbild von Taxa)

3. Bald kamen zahlreiche Pilger auch aus entfernten Gegenden, sodass 1629 eine (zunächst eintürmige, später sogar zweitürmige) Kreuzkirche an die Kapelle angebaut und bald darauf nochmals erweitert werden musste (Wallfahrer besuchen die Gnadenkapelle, neben der schon die neue Kirche auf kreuzförmigem Grundriss gebaut wird.)
2. Danach vergaß er sein Gelöbnis und wurde erst 1616 wieder daran erinnert, als am Ostermontag ein Hühnerei mit Relief eines Frauenkopfes im Strahlenkranz gefunden wurde, das ein schwarzes Huhn auf einen neuen Ziegelstein gelegt hatte, obwohl es schwarze Hühner und neue Ziegelsteine auf dem Hof nicht gab. Er löste nun sein Versprechen ein und baute 1618 die Kapelle im nahen Taxa (auf dem Bild Huhn mit Ei und Ziegelstein vor der Landschaft mit Gehöft und Hühnerstall; darüber das Gnadenbild. Auf dem Ziegelstein die Jahreszahl 1618.
4. Im Jahr 1654 übergab der Bischof die Wallfahrt an die Augustiner-Eremiten, die 166o den Grundstein zum Klosterbau legten.


Heiligenfiguren im Altarraum

Unter und neben den Votivbildern aus Taxa stehen vier Heiligenfiguren auf Podesten an den Wänden des Altarraums:

St. Florian (links) mit brennendem Haus und Wasserschaff. Die Schnitzfigur selbst stammt aus der Zeit um 1700/20, die Fassung aus dem 20.Jh.
St.Florian war um das Jahr 304 Offizier der zweiten italienischen Legion des römischen Heeres. Wegen seines Glaubens wurde er verhaftet und nach vielen Martern mit einem Mühlstein um den Hals in die Enns geworfen. In seiner Jugend soll er ein brennendes Haus durch sein Gebet gerettet haben.
St. Sebastian am Marterbaum, von Pfeilen durchbohrt. Diese Figur wurde um 1890/1900 geschnitzt.
Der Heilige war im 3.Jh. als Offizier der kaiserlichen Garde auf Befehl des Kaisers Diokletian mit Pfeilen durchschossen worden. Auf seine Anrufung hin, soll eine Pestepidemie abgewendet worden sein. Der hl. Sebastian wird deshalb  als Pestpatron und -der Pfeile wegen- als Patron der Schützenbruderschaften verehrt.
St. Augustinus (rechts) im Bischofsornat mit einem kleinen Engel zu Füßen, der mit einer Muschel Wasser schöpft (Mitte des 20.Jh).
Nach der Legende traf Augustinus, der immer das Geheimnis der Dreifaltigkeit ergründen wollte, am Meeresstrand ein Kind/Engel an, das mit einer Muschelschale das Wasser des Meeres auszuschöpfen versuchte. Als Augustinus das Kind auf die Aussichtslosigkeit seines Tuns aufmerksam machte, erwiderte es, dass sein Tun nicht weniger aussichtslos sei als der Versuch, das Wesen der Dreifaltigkeit Gottes zu ergründen.
St. Leonhard im Ordensgewand mit einem Stier zu seinen Füßen und der Bibel in der Hand (um 1900).
Der Abt Leonhard setzte sich um 500 beim König für Gefangenen ein. Deshalb galt er ursprünglich als Schutzpatron derer, "die in Ketten liegen", also der Gefangenen - und der Geisteskranken, die man bis ins 18. Jahrhundert ankettete. Später wurde er Schutzpatron der Haustiere, weil man die Ketten, mit denen er abgebildet wurde, als Viehketten deutete.

Zelebrationsaltar

Der am 13.10.2002 durch Weihbischof Haßlberger geweihte Zelebrationsaltar (Volksaltar) wurde von dem in Windach am Ammersee lebenden Künstler Franz Hämmerle (verwandt mit Otto Hämmerle, dem Maler von Tandern ?) geschaffen.
Der Altar besteht aus rötlich strukturiertem Marmor. Vier beieinander stehende Säulen tragen ein Messingkreuz, auf dem die Tischplatte ruht. Nach den Intentionen des Künstlers soll der Altar nicht nur die verschiedenen architektonischen Elemente der Odelzhausener Kirche bündeln, sondern zum Brennpunkt des Ortes werden, an dem sich das zentrale Geschehen der Messe vollzieht.
  Hinweis: Der Altar war das Symbol des heidnischen Gottesdienstes. Das lateinische Wort adolere = verbrennen bezeichnet die ursprüngliche Bedeutung als Stätte zur Verbrennung der Opfer. Die ersten Christen hatten keinen Altar. Jesus versammelte die Seinen um den Tisch, und das hielten auch die Christen während der ersten Jahrhunderte so; zur Eucharistiefeier konnte jeder beliebige Tisch dienen. Im 4.Jh wurde das Opfer Jesu in das Tischgeschehen hineingenommen und der Altar eingeführt. Er war meist aus Stein, frei aufgestellt und von allen Seiten zugänglich. Ab dem 8. Jahrhundert weicht die Tischform immer mehr der Blockform. Dies kommt der Entwicklung entgegen, im Altar Reliquien von Märtyrern und Heiligen beizusetzen. Der zelebrierende Priester stand hinter dem Altar, sodass seine Handlungen während der Messfeier für die ganze Gemeinde sichtbar waren. Als der Altar dann im 11.Jh eine Rückwand mit hohen Altaraufbauten (Retabel) erhielt und weiter an die Ostwand rückte, wandte der Priester der Gemeinde den Rücken zu. Dies ist in der katholischen Kirche durch eine Liturgiereform erst vor 40 Jahren wieder rückgängig gemacht worden.


Ambo

Auch das Lesepult aus Messingguss wird von einem Kreuz getragen. Es harmoniert stilistisch mit dem Volksaltar


Chorbogen / Triumphbogen

Zwischen Chor und Langhaus ein Triumphbogen, der seinem Namen alle Ehre macht. In einem Gemälde ist Christus inmitten von Heiligen dargestellt. Christus sitzt auf Wolken. Der Hält in der linken Hand ein geöffnetes Buch mit den Buchstaben Alpha und Omega. Seine rechte Hand hat er erhoben um dem Betrachter seine Wundmale zu zeigen. Im Vordergrund knien die Eltern Jesu, Josef mit Lilie und
daneben Maria. Links im Hintergrund weibliche Heilige, darunter zwei mit Königskronen und eine Ordensfrau. Ganz links ist St.Barbara mit Kelch und Turm zu erkennen. Auf der rechten Seite im Vordergrund der Cousin Jesu, Johannes der Täufer mit Kreuzstab und Lamm. Dahinter der Erzengel Michael mit Schwert und Schild. Rechts im Hintergrund sind nur männliche Heilige abgebildet. Hinter Michael erkennt man St.Laurentius mit dem Rost an seinen Füßen. Daneben der Apostel Johannes mit einem Kelch auf dem Knie, dann St.Paulus mit Schwert und St. Petrus mit einem Schlüssel.


Glasgemälde im Altarraum

 

In die Rundbogenfenster sind viele kleinere Glasbilder eingefügt. Sie stammen wohl aus der Umbauzeit 1890/93.
In vier der Fenster des Altarraums sind Rundscheiben eingesetzt, auf denen vermutlich die vier lateinischen Kirchenväter dargestellt sind.
An der Nordseite: Augustinus und Ambrosius
An der Südseite: Gregor der Große und Hieronymus.
Die Fenster im Chorschluss sind mit zwei weiteren Glasgemälden geschmückt mit Darstellungen der Verkündigung Mariens (nordöstlich) und der Geburt Christi (südöstlich). Zu dieser Thematik gehören auch die beiden Bilder in den Fenstern an der Nord- und Südseite der Seitenschiffe, die die Flucht nach Ägypten und eine Pietà zeigen. Alle vier Bilder dürften aus der Werkstatt des Glasmalers Syrius Eberle in Dachau stammen, der vor dem 2.Weltkrieg tätig war. Das Bild von der Geburt Christi jedenfalls ist in fast identischer Form auch in den Kirchen von Arnbach, Palsweis und Westerndorf zu sehen. Dort ist Syrius Eberle als Maler genannt. Möchten Sie vergleichen ?
Auf den Evangelistenfenstern sind die Attribute der Evangelienschreiber abgebildet: für Matthäus ein Mensch oder Engel, für Markus ein Löwe, für Lukas ein Stier und für Johannes ein Adler.
Weitere Glasbilder
(aus der Zeit um 1890) zeigen:
- ein Huhn mit dem von ihm gelegten sterngeschmückten Ei aus der Gründungslegende des Wallfahrtsorts Taxa
- ein Pelikan, der seine Jungen mit seinem Blut nährt
- das Lamm Gottes mit Siegesfahne, auf dem Bluch mit den 7 Siegeln lagernd.


Ewig-Licht-Ampel

Vom Chorbogen herab hängt die Ewig-Licht-Ampel aus dem Ende des 19.Jh. Sie besteht aus versilbertem, getriebenem Messingblech mit getriebenen Verzierungen. Die Aufhänge-Ösen sind zu großen Henkeln ausgebildet, die die Ampel fast wie einen Pokal erscheinen lassen.
  Hinweis: Das rote Öllämpchen, das stets im Altarraum brennt, gilt oft als Erkennungsmerkmal eines katholischen Gotteshauses. Früher gab es solche Lichter nur an den Märtyrergräbern. Mit der wachsenden Verehrung der aufbewahrten Eucharistie hat sich etwa seit dem 13. Jh der Brauch des "Ewigen Lichtes" vor dem Tabernakel, wo das Allerheiligste aufgewahrt wird, herausgebildet. Durch sein dauerndes Brennen weist es darauf hin, dass in der Kirche geweihte Hostien aufbewahrt werden. Meist sind die von der Decke herabhängenden Ampeln aus Silber oder versilberten Material gebaut, in eleganten Formen und mit vielen grazilen Verziehrungen versehen.


Kirchenschiff / Langhaus

 
Das 1892 errichtete prächtige und in seiner einheitlichen Architektur beeindruckende Langhaus (20x 14m) besteht aus 3 Schiffen, die durch dunkle Marmorsäulen mit vergoldeten an den korinthischen Stil angeglichenen Kapitellen und profilierten Kämpfergesimsen getrennt sind und durch schöne Leuchter erhellt werden.
Die Stuckierung der Deckenfläche mit Bandlwerk, Akanthusranken, Rosetten, Muschelwerk und Fruchtkörben dürfte um 1735 entstanden sein. Bei der Anhebung der Decke 1892 ist er aber sicher überarbeitet oder ergänzt worden. Die heutige polychrome (farbige) Fassung der Stuckarbeiten wird nicht von allen Kunstexperten für glücklich gehalten.


Deckenfresken im Langhaus

An die 1891 um 3 Meter gehobenen Langhausdecke sind zwei 3 x 2,2 m große Fresken von Franz Mayr (*1707 in Lauterbach, + 1752 in Dachau) aus dem Jahr 1735 gemalt. Sie werden durch kleine, liegende Fenster im Obergaden erhellt.

Im westlichen (hinteren) Teil der Decke ist in einem Bild die Anbetung der Hirten dargestellt. Maria sitzt im Stall von Bethlehem und hält das auf ein Tuch gelegte nackte Kind in der Krippe. Hinter ihr steht Josef. Rechts sind drei Hirten zu sehen. Einer kniet vor dem Kind, die beiden anderen stehen hinter einer Mauerbrüstung. Im Hintergrund lugen Ochs und Esel hervor. Zu Füßen des Kindes liegt ein Lamm. Im oberen Teil des Bildes wird ein Blick in den Himmel gewährt, wo Engel auf Wolken sitzend ein Spruchband mit dem Text "Gloria in excelsis deo" halten und himmlische Strahlen die beiden Szenen miteinander verbinden.
  Hinweis: Ochs und Esel versinnbildlichen das Judentum (Ochs, reines Tier) und das Heidentum (Esel, unreines Tier); sie erinnern aber auch an den zweiten Satz des Buches Jesaja „Der Ochse kennt seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines Herrn; Israel aber hat keine Erkenntnis, mein Volk hat keine Einsicht."

Im östlichen (vorderen) Teil der Decke ist in einem zweiten Fresko die  Verkündigung Mariens zu sehen. Maria kniet rechts auf einem Betpult. Der Engel Gabriel (hebräisch=Stärke Gottes)mit einer Lilie (seit dem Mittelalter Symbol für Reinheit und Keuschheit) in den Händen, kommt auf Wolken von links in den Raum. Am oberen Bildrand geben Wolken den Blick in den Himmel frei, wo der Hl.Geist in Form einer Taube Strahlen auf Maria herabsendet. Im Vordergrund weist ein kleiner Putto auf ein geöffnetes
Buch mit dem Text: "Ecce Virgo concipiet et pariet filium" (seht die Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären).
  Hinweis: Die Gestalt der Taube für die künstlerische Darstellung des Heiligen Geistes gründet sich auf den Bericht der Taufe Jesu im Neuen Testament. Danach fuhr der heilige Geist in leiblicher Gestalt auf ihn hernieder wie eine Taube (Lk, 3,22). Obwohl dies nur bedeutet, dass sich der Geist bewegte sich wie eine Taube, nicht aber aussah wie ein Vogel, hat man die Taube als Symbol für die sonst nur schwer greifbare dritte Person Gottes gewählt. Das Konzil von Nicäa im Jahr 325 hat dies sogar empfohlen. Papst Benedikt XIV verbot 1745 die Darstellung der dritten göttlichen Person in Menschengestalt, wie sie vereinzelt immer noch vorkam.

In den Kartuschen links und rechts des Bildes sind die Darstellung im Tempel (ein Hohepriester hält den Jesusknaben auf den Armen; vor ihm kniet Maria, Dahinter ist Josef mit den beiden Opfertauben zu sehen) und
die Heimsuchung Mariens (Elisabeth kniet vor Maria nieder, deren Körper ein Licht umstrahlt. Rechts ist Zacharias dargestellt)
  Hinweis: Maria hatte bei der Verkündigung durch den Erzengel Gabriel erfahren, dass auch ihre betagte Kusine Elisabeth guter Hoffnung war. Sie machte sich daraufhin auf den Weg, um Elisabeth zu besuchen (Lied: Als Maria übers Gebirge ging). Bei der Begrüßung durch ihre Kusine wurde Elisabeth offenbar, dass sie der Mutter des Gottessohnes begegnete, denn es heißt in der Bibel bei Lukas: Als Elisabeth den Gruß Marias hörte, da hüpfte das Kind in ihrem Leib und Elisabeth wurde erfüllt vom Heiligen Geist. Sie erhob laut ihre Stimme und rief: "Gebenedeit bist du unter den Frauen und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes!" Maria antwortete darauf mit dem Magnifikat, das mit den Worten beginnt: Magnificat anima mea Dominum (= Hoch preiset meine Seele den Herrn ..)

An die oberen Seitenwänden des Mittelschiffs (Lünetten) wurden nach dem Umbau 1892 große Wandbilder im Nazarenerstil zur Jugendgeschichte Jesu gemalt. Sie zeigen die Geburt Jesu (vorne links), Josefs Traum (vorne rechts), Flucht nach Ägypten (mitte links), Jesus in der Zimmermannswerkstatt (Mitte rechts) Tod Josefs (hinten links) und den Tod Mariens (hinten rechts).

 

Seitenaltäre

Die 2,20 Meter breiten Seitenaltäre wurden ebenfalls um 1895 aufgestellt. Die Stipes, die Altartische, sind mit marmoriertem Holz verkleidet. In der Mitte des Antependiums ein Kreuz. Zwei Säulen tragen ein verkröpftes Gebälk mit Spenggiebeln und Inschriftenkartuschen sowie den ädikulaartigen Auszug mit hochovalen Bildern.
An der Predella beider Seitenaltäre stehen neben hinter Glas schöne Klosterarbeiten (mehr über Klosterarbeiten....).
Dabei handelt es sich um Kastenreliquiare in Pyramidenform. Sie wurden um 1900 aus Holz geschnitzt und vergoldet. Die Rahmung ist volutenartig gerollt. Hinter dem Glas Agnus-Dei-Medaillons mit farbigen Steinen,Goldlahn und Goldspitze auf rotem Samt. Weitere Details weiter unten.

Linker Seitenaltar

 

 

  

Der linke Seitenaltar zeigt in einem eindrucksvollen Altarbild die Hl.Dreifaltigkeit. Jesus, Gott Sohn, hängt am Kreuz. Gottvater steht hinter ihm und stützt ihn. Im Auszug die Hl.Geist-Taube. Gottvater hinter dem Kreuz bedeutet auch, dass er das Opfer des Sohnes annimmt. Am unteren Bildrand ist die Ansicht von Odelzhausen zu sehen.  Bei diesem 180 x 120 cm großen Gemälde aus der Zeit um 1895 handelt es sich um das sog. Gnadenstuhl-Motiv.

Hinweis: Der Gnadenstuhl ist ein Darstellungstypus der göttlichen Dreifaltigkeit in der christlichen Kunst. Gott Vater präsentiert Christus den Betrachtern als denjenigen, der für ihre Sünden am Kreuz gestorben ist. Der Heilige Geist, der zwischen Gott und Christus steht, vermittelt zwischen beiden. Die Aussage des Gnadenstuhls kann mit den Worten "Zugang zu Gott nur über Jesus Christus" beschrieben werden. Die Anfänge des Gnadenstuhl-Motivs sind auf Illustrationen des um 1120 entstandenen Messkanons zu finden. Der Begriff "Gnadenstuhl" taucht zum ersten Mal in Luthers Bibelübersetzung auf; er bezeichnet damit den Deckel der Bundeslade, über dem Gott seinen Gläubigen erscheint (2.Mos.25,7- 22). Bei Sühneritualen sollte auf diesem Deckel ein Opfertier dargebracht werden (3.Mos14). Luther verstand also -ähnlich wie der mittelalterliche Abt Suger- den Deckel als christlichen Altar und das Blut des Opfertieres als das Blut Christi.

Der Tabernakel ist im klassizistischen Stil gehalten. Zwei kannelierte Säulen mit korinthischen Kapitellen stützen den Aufbau, der mit einem Kreuz zwischen zwei Ziervasen gekrönt wird.

Die Tabernakeltüre ist mit einem vergoldeten Relief aus Getreideähren und Weinreben geschmückt.
Darüber, aus dem Tympanon, blickt ein geflügelter Puttenkopf herab.
Reliquiare
Zu beiden Seiten des Tabernakels stehen barocke Reliquiare
Das erste Reliquiar enthält ein Wachsmedaillon mit der Schmerzensmutter Maria sowie viele Reliquien. Die Namen der Heiligen, von denen die Knochensplitter stammen, sind auf den Cedulae, den Pergamentzettelchen, zu lesen:
"S.Hippoliti M.; S.Achati M.; S.Silvani M.; S.Euphemiae M.; S.Sintori M.; S.Jucundini M.; S.Paphmutii M.; S.Liberatae M.; S.Rogati M.; S. Fastae V.M.; S.Petri Mart.; S.Theophili M.; S.Candidae M.; S.Casti M.; S.Nazarii M.; S.Germanae M.; S.Vitalianis M.; S.Tranquillinae M.; S. Hadriani M.; S.Amaeni M.; S.Modestae M.; S.Victoris M.; S.Cuciani M.; S.Germanae V.M.; S.Fausti Mart.; S.Generosi M.; S.Liberati M.; S.Salome V.; Bonifaci M.; S.Veremundi M.; S. Alexandris M.; S.Candidae V.M.; S.Secundi M.; S.Entropii M.; S.Martini P.M.; S.Justinae V.M.; S....nctor Innocenti; .... Innocent.; S.Liberatae M."
Im zweiten Reliquiar sind die Reliquien folgender Katakombenheiliger genannt:
"S.Justi M.; S.Tranquillinae M.; S.Generosae M.; S.Vitalianis M.; S.Thodorae M.; S.Felicissimae M.; S.Severae M.; S.Desiderii M.; S.Domitillae V.M.; S.Petronillae V.M.; S.Gaudiosi M.; S. Fortunati M.; S.Aurae V.M.; S.Simplicii M.; S.Galli Abb; S.Peregrini M.; S.Ottonis M.; S.Christophori M.; S.Agathae V.M.; S.Vitalis Mart.;S.Urbani P.M.; S.Innocentii M.; S.Romulae M.; S. Gratae Virg.; S.Justini M.; S.Verecundi M.; S.Lely Mart.; S.Felicisssimi M.; S.Adalberti M.; S.Crescentii M.; S.Theclae V.M.; S.Victoriani M.; S.Placidi M.; S.Achatii M.; S.Simplicii M.; S.Desiderii M.; S.Benedicti Abb.; S.Martini Ep."


Rechter Seitenaltar
Der rechte Seitenaltar ist dem hl.Lantpert (Lambert) geweiht, jenem Freisinger Bischof, der durch die Kraft seines Gebets Freising vor der Zerstörung durch die Ungarn bewahrt haben soll. Sein Bild ist im Altarauszug zu sehen.
Das 180 x 120 cm große Altargemälde zeigt eine Mischung aus Herz-Jesu-Bild und Salvatordarstellung. Das wohl Ende des 19.Jh entstandene Bild zeigt Jesus im weiß-roten Gewand. Auf das weiße Untergewand ist das Herz mit umwundener Dornenkrone aufgedruckt. Jesus zeigt dem Betrachter seine Kreuzigungswunden an den Händen von denen Gnadenstrahlen ausgehen.
  Hinweis: Das Herz Jesu ist Symbol für die Erlöserliebe Christi. Diese Darstellung verbreitete sich in unseren Kirchen insbesondere nach der Einführung des Herz-Jesu-Festes durch Papst Clemens XIII.(1758 - 1769) im Jahr 1765.

In der Predella des rechten Seitenaltars ist in einem kleinen tabernakelähnlichen Schrein ein in Gaze gehüllter Totenschädel zu sehen. Nach der Inschrift auf dem Spruchband am Kissen handelt es sich um St.Felicitas, einer sog. Katakombenheiligen.

Reliquiare
In den Altar sind -wie am linken Seitenaltar- zwei Kastenreliquiare eingebaut. Die Knochensplitter stammen von folgenden Heiligen:

"S.S.Crescentii Mart.; S.Cajetani C.; S.Magni Abb.; S.Modestae M.; Lact.M.Virg.; S.Francisci Ser.; S.Petri M.; S.Basilidis M.; S.Valerani M.; S.Thomae Ap.; S.Sebastiani M.; S.Agathae M.; S.Remigii Ep.; S....eltrudis V.; S.Silvani M.; S.Bonifaci M.; S.Margarithae V.M.; S.Chiliani Ep. M.; S.Mauritii M.; S.Barbarae V.; S.Sixti M.; S.Speciosi M.; zwei weitere nicht mehr leserlich "S.BarbaraeV M.; S.Marthae V.M.; S.Ehrentrudis; S.Hippolyti C.; S.Roberti C.; S.Helenae Imp.; S.Wolfgangi Ep.; S.Victoriae V.M.; S.Ursulae V.M.; S.Agnetae V.M.; S.Augustini Ep.; S.Catherinae...; S.Hilarii Ep.;" Rest unleserlich.


Taufstein

Unter der Josefsfigur steht auf einem zylindrischen Schaft der neubarocke Taufstein aus rotem und hellem Marmor. Sein breites bauchiges Becken wird von einem Deckel mit einer farbig gefassten Holzskulptur von Johannes dem Täufer bedeckt. Der Heilige hält einen Kreuzstab mit Spruchband im linken Arm. Die rechte Hand weist segnend nach oben. Zu seinen Füßen liegt ein Lamm. Die Figur ist eine von Albert Krottenthaler anhand von Fotos angefertigte Kopie der Originalfigur, die 1989 gestohlen wurde.
Hinweis: Die Taufe der frühen Christen fand ursprünglich im Freien statt, überall dort, wo fließendes oder stehendes Wasser vorhanden war. Mit der Verlegung der Taufe in den Kircheninnenraum schuf man dort eigene Taufbecken. Als sich im 11.Jh die Praxis der Kindertaufe weitgehend durchsetzte, begann man mit der Errichtung erhöhter Taufgefäße; die Bodenbecken erwiesen sich für die Kindertaufe als weniger geeignet. Das Taufbecken ist meist aus Stein. Taufbecken und Deckel sind meist mit ornamentalem oder architektonischem Zierrat geschmückt. In der Barockzeit wurde auf dem Deckel häufig die Taufe Jesu figürlich dargestellt. Sie ist Vorbild für das Taufsakrament und geht auf Empfehlungen des Konzils von Trient (1545 bis 1563) zurück.


LesepultZelebrationslaltarSzenen  aus der Jugendzeit JesuLeuchterNamenschidlerNamenschidlerSt. AntoniusDeckengemäldeLeuchterOrgelProzessionslaterneSzenen  aus der Jugendzeit Jesu
 7 Details (Orgel, Decke, Kirchenbänke, Prozessionslaterne, Figuren,
Epitaphe, Leuchter) per Mouseklick
Kanzel

Neben dem rechten Seitenaltar ist, auf eine durch rundbogige Blendarkaden gegliederte Säule gestützt, eine prächtige Kanzel aufgebaut. Ihr Holz ist grün-gelb marmoriert und mit vergoldetem Schnitzdekor aus der Zeit um 1900 versehen.

Unter der Farbe aber besitzt sie Intarsien aus verschieden Hölzern oder aus Zinn, die aus der 2.Hälfte des 17.Jh stammen dürften; dies hat eine Probefreilegung ergeben. Wahrscheinlich kam die Kanzel aus dem 1803 aufgelösten Kloster Taxa und wurde bei der Neuausstattung der Kirche um 1895 verändert. Sie besitzt einen Doppelkorb; so können die Prediger auch von den Gläubigen in den Seitenschiffen gesehen werden. Am Kanzelkorb fehlen heute die originalen Brüstungsfiguren (Christus und die vier Evangelisten), die sich in Privatbesitz auf einem Bauernhof im Landkreis Fürstenfeldbruck befinden. An ihrer Stelle sind zwischen den Säulchen Engel mit den Symbolen der göttlichen Tugenden zu sehen: Glaube, Liebe und Hoffnung. Dort sind auch Christus mit dem offenen Buch des Lebens und die griechischen Buchstaben Alpha und Omega dargestellt.
  Hinweis: Die Predigt wurde in altchristlicher Zeit -ähnlich wie heute- von einem Ambo aus gehalten. Ab dem 13. Jh. hat man Kanzeln gebaut, die zumeist seitlich im Mittelschiff ihren Platz haben, dort, wo die Gemeinde versammelt ist. Von hier aus konnten die Prediger auch von oben herab sprechen, was ihren Worten größere Wirkung verleihen sollte. Spätestens seit dem 2.Vatikanischen Konzil 1962 werden sie nicht mehr benutzt.
Die drei Tugenden erhalten das Attribut göttlich, weil die christliche Lehre davon ausgeht, dass sie nicht von Menschen erbracht, sondern durch den Geist Gottes geschenkt werden.

Kanzelkreuz u. Mater Dolorosa

An der Langhausnordseite hängt eine Kreuzigungsgruppe (ebenfalls aus Taxa). Die Kanzelkreuz-Gruppe stammt wohl aus dem Jahr 1767; diese Jahreszahl steht jedenfalls auf dem Sockel. Nach Meinung von Kunsthistorikern sind die Figuren etwas zu derb für diese Zeit und mutmaßen, dass sie früher geschnitzt und 1767 nur restauriert oder neu gefasst worden sein könnte.
Unter dem Kruzifix steht die schmerzhafte Muttergottes (mater dolorosa) mit einer großen Krone auf dem Haupt und einem Schwert in ihrer Brust.
  Hinweis:Das Schwert in Marias Brust erinnert das Simeonwort im Lukasevangelium (Kap 2,35)bei der Darstellung im Tempel: "Dir selbst wird ein Schwert durch die Seele dringen".
 



V
otivbild

 

Gegenüber auf der Südseite ein großes Votivbild der Heiligen Familie (Öl auf Leinwand).
Im Bildteil werden Josef, Jesus und Maria beim Spaziergang vor dem Hintergrund einer befestigten Stadt inmitten einer südländischen Landschaft gezeigt. Der Text im reich verzierten Bilderrahmen lautet: "Zu Ehren Jesu, Maria & Josef. Für erhörtes Gebet. S.W. 1890"



Kreuzwegbilder


An den Seitenwänden des Kirchenschiffs hängen die schönen, sehr großen Kreuzwegbilder (88 x 61 cm mit Ölfarbe auf Leinwand, 1890).
  Hinweis: Im späten Mittelalter hielt man dann Kreuzwegandachten als Ersatz für die Pilgerfahrt ins Heilige Land. Wenn Sie mehr über die Entstehung der Kreuzwegstationen und seiner Darstellungen in Kirchen des Landkreises erfahren wollen, klicken Sie hier...



Kirchenbänke

Die Kirchenbänke mit ihren 520 Sitzplätzen haben schön geschnitzte Wangen mit drei unterschiedlichen Mustern (vorderes Kirchenschiff, hinteres Kirchenschiff und Empore). Die Wangen an den ersten 12 Bänken im vorderen Schiff wurden um 1900 gefertigt. Die übrigen Wangen mit Akanthusschnitzereien stammen noch aus der Zeit um 1720. Hinter den unteren Emporenbänken erhebt sich eine kassettierte Rückwand aus Holz mit Zahnschnittfries und gemalten Kreuzmotiven. Die Kreuze wurden um 1900 bemalt. Unter unter dieser Farbschicht sind bei einer Freilegungsprobe barocke Blumenmalereien zum Vorschein gekommen.
Auch dies könnte -wie bei der Kanzel- für eine frühere Verwendung in der Kirche von Taxa sprechen. Jedenfalls sind Wandvertäfelungen auf Emporen recht ungewöhnlich und es wird sich wohl hier in Odelzhausen um die Zweitverwendung einer Rückwand aus der abgerissenen Klosterkirche handeln.
  Hinweis: Kirchenstühle gab es nicht von Anfang an in den Kirchen. Die ersten 1500 Jahre standen die Gläubigen oder bewegten sich langsam im Raum. Lediglich für Alte und Schwache gab es einige Stühle an den seitlichen Wänden. Ohne Kirchenstühle fasst die Kirche viel mehr Menschen; bei dichtem Gedränge während des Gottesdienstes schien der Raum voller Bewegung zu sein. Das feste Gestühl wurde zum Spiegel einer disziplinierten Gemeinschaft, in der jeder seinen festgefügten Platz hatte. Im 16.Jh. sind zuerst die evangelischen Kirchen mit Bänken ausgestattet worden, weil dort die Predigt als Medium der Heilsvermittlung einen größeren Raum einnimmt. Die katholischen Kirchen zogen erst später nach. Die Bestuhlung war einer der Gründe, dass die Kirchen zu Beginn der Barockzeit vergrößert werden mussten.

In fast allen Bänken sind noch die alten Namensschilder erhalten, die früher in fast allen Kirchen zu finden waren. Heute ist dies -zumindest in dieser Anzahl- sehr selten im Landkreis Dachau. Die Schilder sicherten früher den Bauern (gegen ein angemessenes Entgelt) einen festen Platz in der Kirche. Die festen Plätze in der Kirchenbank waren in der Regeln an den Hof gebunden; der Käufer eines Anwesens erwarb auch den mit dem Anwesen verbundenen Kirchenstuhl.

  Hinweis: Solche Namensschilder sind auch noch in den Kirchen von Ainhofen, Altomünster, Dachau, Eglersried,Ebertshausen, Einsbach-Hl.Blut, Langenpettenbach, Puchschlagen und Asbach erhalten
Wenn Sie sich noch weitere Muster von Kirchenbankwangen in den Kirchen des Landkreises anschauen möchten, klicken Sie hier...

 

Opferstöcke

An den Kirchenbänken im Seitengang stehen zwei hölzerne Opferstöcke im Stil der Erbauungszeit
In den Kirchen des Landkreises Dachau gibt es viele unterschiedliche, außerordentlich interessante Opferstöcke. Wenn Sie sich dafür interessieren, klicken Sie hier..


Prozessionslaternen und Apostelleuchter

Erwähnenswert sind noch die großen Leuchter und die an den Bänken befestigten Prozessionslaternen, die bei der Fronleichnamsprozession mitgeführt werden.
        
An den Wänden im Langhaus sind auch die Apostelleuchter mit den Apostelkreuzen als Hintergrund angebracht, die früher an den Festtagen angezündet wurden.
  Hinweis: Die Apostelleuchter erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlische Jerusalems.


Epitaphe im Innenraum

Im hinteren Bereich des Kirchenschiffs sind Epitaphe (Grabplatten) früherer Hofmarksherren in die Wand eingelassen:


- An der rechten Seitenwand ist eine große Grabplatte aus Solnhofener Plattenkalk (245 x 117 cm) aus dem Jahr 1602 für Christoph Aver von und zu Puelach zu sehen, die mit dem Relief einer Ritterfigur geschmückt ist. Der Helm des Ritters liegt am Boden, ein Zeichen für seinen Tod. Als eine Art Rahmen dienen sechs verschiedene Wappen, darunter auch derer von Weichs, Stettner, Auer, Leonrod und Sandizell. Darüber steht der lateinische Vers:
Christophor sit hic Awer de Stemate Puelach - Lustra decem et medium vixit at o Nemora -
Fernandi Bavari vestrum lugete magistrum - Vel saltem hanc mortem tu Philomela cane.
(Hier liegt Chrisoph Auer aus dem Stamme Pullach er hat nur viereinhalb Jahrzehnte gelebt. Jetzt aber ihr Wälder, betrauert Euren des Herzogs Ferdinand von Bayern Hofmeister oder mögest du liebe Nachtigall diesen Tod beklagen).
Auf dem Stein hält der Ritter in der Hand einen kurzen Rosenkranz, den sog. Mannsbeten, der für Männer erlaubt war. Er beginnt mit dem Kredokreuz, an das sich zehn Ave-Kugeln anschließen. Oft hatten sie am Ende noch ein Medallion oder eine Quaste. Dies ist bei dieser Figur leider nicht zu sehen, weil der Stein an dieser Stelle beschädigt ist. Die Beschädigung erfolgte erst in unserer Zeit, als man den Stein versetzte.
Das Epitaph ist rechts unten mit "C.Senft f." signiert.
Christoph starb übrigens mit 45 Jahren, knapp zweieinhalb Jahre nach seinem Vater, "den 9.Aprilis zwischen 1 und 2 Uhrn nach Miternacht". Er hinterließ neben seiner Frau nur ein nichteheliches Kind. Die Witwe heiratete übrigens das Jahr darauf den Schlossherrn Wilhelm Hundt von Lauterbach auf Schloss Sulzemoos.



Unter einem Löwen, der ein Wappen in seinen Pranken hält, befindet sich das Epitaph für den "Edlen Fest- und Hochgelehrten" Hofmarksrichter Franz Alexander Faber, der am 17.5.1730 gestorben ist. (Solnhofener Kalkplatte, 36 x 35 cm; Wappen aus Sandstein)

Von prächtigen Wappen gekrönt ist auch das Epitaph für Freiherrn Johann von Beccaria und Silano (gest. 31.12.1739) und für Anna Regina Silva (gest.21.11.1704). Darunter ein Totenkopf mit gekreuzten Oberschenkelknochen. Auf dem Schädel steht eine Sanduhr (Rotmarmor, 155 x 85 cm).Die gekreuzten Oberschenkelknochen unter dem Totenschädel versinnbildlichen die abgestorbene Kraft der Lenden, der Schädel den entschwundenen Geist. Die Sanduhr erinnert an die Vergänglichkeit des Lebens (Vanitasmotiv)

Epitaph aus Solnhofener Plattenkalk (73 x 58 cm) für Francisca Gräfin von Minucci
(geb. 28.4.1762, gest. 25.1.1817)
Text: "Francisca Graefin von Minucci, Schlüßel Dame J. Majestaet der Koenigin von Baiern und Elisabethen Ordens Dame. Starb den 25ten januar 1817. Sie war gebohren den 28ten April 1762."

Epitaph aus grauem Granit (116,x 66 cm) für Graf Anton Törring-Minucci (geb.24.8.1798, gest.13.12.1846) und für Franziska Gräfin Törring-Minucci (geb.14.12.1804, gest.5.10.1850)
Text: "Hier ruht der Hochgeborne Graf Anton Törring-Minucci, k.b.Kämmerer, geboren den 24.ten August 1798, gestorben den 13.ten December 1846, und seine Gattin die hochgeborne Frau Franziska Gräfin Törring Minucci, geb. Gräfin Minucci,geboren den 14.t. December 1804, gestorben den 5t. Oktober 1850. R.I.P."

Epitaph für Pfarrer Martin Kieninn (geb.14.3.1763, gest.11.2.1807) (Solnhofener Plattenkalk, 76 x 52 cm)
Text: "Hier verwest die Huelle nur des Hohwürdigen Hohgelehrten Herrn Martin Kiening, Regulirten Korherrn des ehemaligen Stiftes Indersdorf.
1763 14 März zu Großinzemoos gebohren, 1782-28 April Profeß im Stifte Indersdorf, 1786-1.May Priester und Curatus daselbst, 1802-18.Oktobr. Schloß Capellan zu Odelzhausen, 1807-11.Febr. daselbst gestorben.
Nein seinen Geist berührte nicht der Tod - Der schwang sich jubelnd auf zu Gott - Um in verklärten Himmels Auen - Ihn ewig selig anzuschauen - Denn Er war ja - Der Aeltern zärtlichtreuster Sohn - Und der Geschwister Herzens Bruder - Und der Befreunde trautster Freund - Der Kirche Gottes Beyspiel vollster Priester - Der Armen hilfreicher Vatter - Und allen Menschen hold und gut - Und deshalb werth der Seligkeit - Die ewig lohnend Ihn erfreut. R+I+P."

- Epitaph aus Solnhofener Plattenkalk für Adam Joseph Hindermair, gest. 19.8.1696 (48 x 37 cm)

- Epitaph aus Rotmarmor (102 x 84 cm) für Karl Albert Graf von Minucci (geb. 23.7.1719, gest. 23.7.1793)

- Epitaph aus Solnhofener Plattenkalk (86 x 59 cm) für Benefiziat Joseph Speramani, gest. 30.6.1808 (86 x 59 cm)

- Epitaph aus Solnhofener Plattenkalk (73 x 58 cm) für Maria Anna Gräfin von Berchem (geb. 26.12.1747, gest. 18.11.1816)

- Epitaph aus Solnhofener Plattenkalk (118 x 73 cm) für Ferdinand Graf von Minucci (gest. 14.5.1813).
  Unten rechts signiert mit: "fecit H.Staudinger/Augsburg1864"

 

Figuren im Kirchenschiff

Neben dem linken Seitenaltar ist am Chorbogen eine große Figur des hl. Josef angebracht. Er hält eine Lilie in der linken Hand als Symbol seiner Keuschheit und damit als Zeichen, dass Jesus Gottes Sohn ist. An seinen Füßen lehnt eine Axt.
  Hinweis: Joseph war der Vater Jesu - oder Ziehvater Jesu, da nach altchristlicher Überzeugung Jesus der Sohn Gottes ist und durch den Heiligen Geist im Schoß der Jungfrau Maria gezeugt wurde. Joseph stammte aus dem Geschlecht des Königs Davids, aus dem nach dem Zeugnis des Alten Testaments der Messias hervorgehen werde. Er lebte als Zimmermann in Nazareth.

Unter der Doppel-Empore eine Figur des hl. Antonius mit dem Jesuskind auf dem Arm.
  Hinweis: Der Heilige lebte im 13.Jh und war ein begnadeter Redner, der sich gegen die Sekten der Katharer, Albigenser und Waldenser wandte. Seine Fastenpredigten in Padua 1231 hatten einen sensationellen Erfolg: Die ganze Region schien wie umgewandelt: Schulden wurden erlassen, zerstrittene Familien versöhnten sich, Diebe gaben das gestohlene Gut zurück, unrechtmäßige und überhöhte Zinsen wurden den Schuldnern zurückerstattet. Bis heute gilt in Italien ein damals erlassenes Gesetz, dass niemand mit seinem Leben und seiner Freiheit für eine Schuld haften solle, sondern nur mit seinem Eigentum. Das Jesuskind auf seinem Arm ist Hinweis auf eine seiner Visionen, die er beim Bibellesen hatte. Antonius wird als Hilfe zum Wiederauffinden verlorener Gegenstände angerufen und gilt deshalb als "Patron der Schlamperer". Dies geht auf zwei Legenden zurück: Als ihm ein Manuskript gestohlen worden war, betete er so lange, bis der Dieb damit zurückkehrte. Schöner ist die zweite Legende, nach der er einem Geizhals half sein Herz zu suchen und es in einer Geldtruhe fand.



Empore und Orgel

Die zweigeschoßige Empore ruht auf Gusseisensäulen. Hinter der Empore der dreiseitig zum Kircheninneren vorspringende Treppenturm. Die untere Empore reicht über die gesamte Breite des Raumes (alle drei Schiffe), die obere nur über die Breite des Mittelschiffs.

Die wunderschöne, teils in die Emporenbrüstung integrierte Orgel stammt aus dem Jahr 1993 und besitzt 22 Register. Sie  wurde -wie schon ihre Vorgängerin aus dem Jahr 1930 mit 25 Registern- von Leopold Nenninger aus München errichtet. Die Firma Nenninger hat auch die Orgeln in den Kirchen von Sittenbach, Welshofen, Wiedenzhausen und Langenpettenbach gebaut sowie die Orgel in der Haimhausener Schlosskapelle restauriert. Vor 1930 war eine Orgel mit 8 Registern eingebaut, die sich schon vor 1874 in der Kirche befand. Der Orgelprospekt ist in den Formen des Neurokoko gestaltet.


Vorhäuser


Im Vorhaus des auf der Südseite liegenden Eingangs sind an der Stelle, an der früher vielleicht ein Beinhaus gestanden hat, hinter einem Ziergitter Totenschädel vor einem großen Wandfresko zu sehen. Das Bild zeigt unter der Überschrift "Erbarmt Euch unser" eine Muttergottesfigur auf Wolken, begleitet von Engeln, deren
Fürbitte Seelen im Fegefeuer mit erhobenen Händen ersehnen. Der Text "Erbarmt Euch unser" ist nicht an Maria, sondern an die Gläubigen in Odelzhausen gerichtet, die dadurch zu einem Gebet oder zu guten Werken für die Seelen im Fegefeuer angehalten werden sollen. Die drei Totenschädel am Fuße des Bildes dürften nicht echt sein. Sie liegen auf einer Treppenkonsole, auf die der Text: "R.I.P. Nichts ist gewißer als der Tod" geschrieben ist.
  Hinweis: Das Beinhaus oder Karner (lat.carnarium=Fleischkammer) war vom Mittelalter bis zum 19.Jh. ein meist an die Kirche in der Nähe des Eingangs angebaute, zweigeschossige Friedhofskapelle, in deren Untergeschoss die Gebeine der schon lange Verstorbenen aufbewahrt wurden, um Neuzugängen Platz zu machen. In früheren Jahrhunderten war die Lebenserwartung nicht so hoch; so sind in Relation zur Bevölkerungszahl mehr Menschen gestorben. Friedhöfe waren damals immer um die Kirche herum angelegt und kaum erweiterungsfähig. Im Jahr 1058 beschränkte mandie Grenzlinien der Friedhöfe auf 60 Schritte im Umkreis des Altars für Hauptkirchen und 30 Schritte für Kapellen. Weiter entfernt konnte man sich des Segens der im Altar ruhenden Reliquien und der Fürbitte des Heiligen nicht sicher sein. So war es üblich, die Gräber schon nach 5 bis 10 Jahren wieder zu verwenden. Zudem gab es keine Familiengräber; der nächste Tote erhielt das frei werdende Grab. Manche Totenschädel in den Beinhäusern wurden auch bemalt oder mit Inschriften versehen, um sie der Anonymität zu entreißen. Karner waren besonders in Bayern, Österreich und Ungarn verbreitet; sie standen an katholischen und protestantischen Gotteshäusern. In den letzten hundert Jahren wurden die Karner abgerissen bzw. in Lourdeskapelle, Abstellräume oder Vorhäuser umgewandelt. In manchen Kirchen wie hier in Odelzhausen erinnert aber noch eine Nische mit einigen Totenköpfen an die frühere Trauerkultur. Die aufgestapelten Gebeine sollen die Kirchenbesucher an die Vergänglichkeit des Menschen ermahnen.

Im Vorhaus auf der Nordseite hängt ein Gemälde mit der Darstellung eines einem Sterbenden beistehenden Priesters (Öl auf Blech, 134 x 90 cm, um 1890).
Außerdem steht dort ein Gedenkstein zum Kirchenumbau von 1892-1902 (grauer Marmor, 53 x 56 cm).

Gottesdienstzeiten erfahren Sie auf der Internetseite des Erzbistums München und Freising.
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Hans Schertl

Quellen:

Dr.Martin v. Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
H. Carl Roth, Örtlichkeiten des Bisthums Freising aus Kozrohs Handschrift in ganzen Sätzen ausgehoben, München 1856/57
Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874
Theodor Bitterauf, Die Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (Nr. 327, 1011)
Amperbote vom 08.07.1922 (Primiz von Johann Wirthmüller), vom 16.11.1922 (Pfarrerhebung)
Kirschbaum, Lexikon der Christlichen Ikonographie, 1968
Dr.Peter Dorner, Renaissancebild einer Landschaft, Amperland 1968 (Apian 1568)
Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
Josef Bogner, 1200 Jahre Fürholzen, Amperland 1974 (Namensschilder)
Georg Brenninger, Orgeln und Orgelbauer im Landkreis Dachau, Amperland 1975/4
Wilhelm Störmer, Adelige Eigenkirchen und Adelsgräber - Denkmalpflegerische Aufgaben,1975, ZBLG 38, S.1142-1158 (UrkNr)
Georg Brenninger, Orgeln in Altbayern, 1978
Süddeutsche Zeitung, Beilage Landkreis Dachau, 20.4.1979 (Ortsgeschichte)
Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV, 1990
Robert Böck,Wallfahrt im Dachauer Land, Bd. 7 der Kulturgeschichte des Dachauer Landes, 1991
Dr.Stefan Nadler, Kunsttopographie des Erzbistums München und Freising, 1992
Franz Keiner, Dorf und Hofmark Odelzhausen 814-1914, 1992
Bauer/Rupprecht, Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, 1996
Dachauer Neueste von 1998 
Unser Dachauer Land, Beilage zu den Dachauer Nachrichten vom August 1998 (Übertragungsdatum Gnadenfigur)
Dr. Lothar Altmann, Barocke Deckenmalerei im Landkreis Dachau, Amperland 1998/3
Internetseite der Pfarrei Odelzhausen, 2002
Dachauer SZ vom 10.10. 2002, v. 12./13.10.2002, v. 19.3.2008 (30jKrieg)
Dachauer Nachrichten v. 11.07.1970 (Turmbeschuss), 12.10.2002
Tobias Zauscher, Die Aufhebung des Augustinerklosters Taxa 1802, Amperland 2003/3
Münchner Kirchenzeitung v. 30.10.2005
Andreas Estner/Matth. Morgenroth, Heilige Gebeine, BR-2, 1.11.2011, 18:05 Uhr

99 Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Landkreis Dachau - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

22.3.2012


Gerichtlicher Anspruch auf Eigentum in der Angelegenheit des Priesters Freido
Hunperht, Hroadleoz und Ermanrih begeben sich ihrer Ansprüche auf die Kirche zu Odelzhausen,
eine Schenkung des Priesters Freido, Bergkirchen 814, Oktober 2.

Als Bischof Hitto und seine vornehmen Begleiter Engilhardus und Liutpald bei der Kirche, die Percchiricha (Bergkirchen) genannt wird, verweilten, kamen auch viele andere dorthin an diesen Ort, sie waren gekommen in Gegenwart von Hunperht et Hroadleoz et Ermanrih und machten Ansprüche geltend nach jener Kirche im Ort namens Otolteshusir (Odelzhausen), welche der Priester Freido zum Heil seiner Seele dem Hause der heiligen Maria übergeben hat. Darauf erhoben sich Kaganhart und viele andere mit ihm und bezeugten, daß sie gesehen hatten, daß der vorgenannte Freido die Kirche in die Hände des Bischofs Atto und zum Haus der heilgen Maria übergeben hatte, als Bischof Atto jene Kirche consecrierte. Dazu antworteten Hunperht und Hrodleoz und Ermanrih, daß sie niemals übergeben wurde. Dann verlangte der vornehme Engilhardus, daß diese edlen Männer schwören sollten die Wahrheit zu sagen. Insbesondere schwor Ekkihart, desgleichen Kerhart, Salomon, Cunzo, Pernhart, Hrodfolch, Sindihho, Lantperht, Odalpato, Uuîmo, Ato. Und nach dem Schwur sagten sie, daß der vorgenannte Freido in seiner Sterbestunde sie zu sich rief und ein zweites Mal jene Kirche zum Haus der Heiligen Maria übergeben habe und in ihre (=Ekkihart ect.) Hände bestimmte, daß sie vor Gericht auftreten und die oben genannte Kirche dem Haus der Heiligen Maria übergeben sollten. Darauf sahen die vorgenannten Leute, die jene Kirche einforderten, daß sie sich mit ihrer Meinung überhaupt nicht durchsetzen konnten, im Gegenteil, sie wurden durch ein gerechtes Urteil überwältigt und waren bei sich überzeugt, daß sie zu Unrecht gehandelt hatten. Darnach kamen die vorgenannten Ekkihart und Kerhart zusammen mit jenen Leuten, deren Händen man die Kirche anvertraute und alle zusammen, die die Kirche für das Freisinger Kloster einforderten, alle machten jene Schenkung dem Hause der Heiligen Maria mit einem Treueeid vor der ganzen Versammlung. Und dies sind die Namen derer, die gesehen und gehört haben, was zustande gekommen und bekräftigt wurde. Bischof Hitto. die Edlen Engilhart und Liutpald. Reginhart. Reginperht. Deothart. Kaganhart. Tiso. Pern. Spulit. Cunzo. Uuenilo. Reginolt Cronhart. Liutfrid. Freso. Unforht. Lantperht. Snelperht. Uuicperht. Francho. Alto. Secki. Itto. Liutunc. Oadalrih und viele andere, die dies gesehen und gehört haben. Dies ist geschehen am 2. Oktober im Jahr 814, unter der glorreichen Herrschaft des Kaisers Ludwig des Ersten in der 7. Indiktion und im 13. Mond.

Urkunde übersetzt von Dr. Walter Kick, Dachau

Erhebung von Odelzhausen zur Pfarrei
Amperbote vom 16.11.1922

Mit Entschließung des Ministeriums für Unterricht und Kultus vom 17. Oktober wurde die Expositur Odelzhausen zur Pfarrei erhoben. Damit werden langjährige Bestregungen, die mindestens bis 1870 zurückreichen, endlich mit Erfolg gekrönt. Damals war es, dass die Pfarrei Sulzemoos sich erledigte. Diese Gelegenheit glaubte der damalige Hofmarksherr Graf Ferdinand von Minicci dazu benutzen zu sollen, um seine Hofmark Odelzhausen zur Pfarrei zu befördern. Das dortige Benefizium sollte den Grudnstock abgeben, und, durch Zustiftungen bereichert, zur Pfarrpfründe umgestaltet werden. Auch der kurfürstliche Hof, wo der Graf in hohem Ansehen stand und wichtige Ämter bekleidete, war dem Plan günstig gesinnt. Allein das Unternehmen scheiterte an dem Widerspruch des bischöflichen Ordinariats Freising, angeblich, weil ohnehin in seelsorglicher Beziehung nichts ermangle, in Wirklichkeit aber, wohl, um das Pfarramt nicht in Abhängigkeit vom Schloss geraten zu lassen. Auch später wurden mancherlei Versuche gemacht, die Metropole des oberen Glonntales von der Mutterpfarrei unabhängig zu machen, die, wie schon gesagt, nunmehr zum Erfolg führten. Durch Errichtung der Pfarrei Odelzhausen verliert das altehrwürdige tausendjährige Sulzemoos, dessen Grenzsteine einst in Machtenstein und Stockach an der Pfarrei Mering standen, seine Hauptfiliale und beschränkt sich auf die Ortschaft und nächste Umgebung. Auch ein Bild irdischer Vergänglichkeit.

(Recherchiert von Hubert Eberl, Bergkirchen)