Landkreiskarte            ausführliche Beschreibg.          Kirchen i.d.Gem.Odelzhausen


Pfarrkirche St. Benedikt in ODELZHAUSEN

Luftbild

Adresse : 85235 Odelzhausen, Marktstraße 9
Lage der Kirche auf der Landkarte ...


K
urzbeschreibung

Die Pfarrkirche St.Benedikt in Odelzhausen steht weithin sichtbar über dem Ort.

Eine Kirche wird erstmals in einer Schenkungsurkunde aus dem Jahr 814 erwähnt.
In der Konradinischen Matrikel von 1315 ist sie unter der Bezeichnung "Otolshausen" als eine der Filialkirchen der Pfarrei Sulzemoos enthalten.

Erst 1923 wurde Odelzhausen eine eigenständige Pfarrei mit den
Filialen in Miegersbach, Essenbach und Taxa.

Nach den Ungarneinfällen im 10. Jh. und in gotischer Zeit wurde die Kirche neu errichtet und nach den Zerstörungen im 30jährigen Krieg wieder aufgebaut und dabei barockisiert.  

Bei der heutigen Kirche handelt es sich um eine völlige Neugestaltung aus dem Jahr 1891. Dabei wurde die Decke einschließlich Putz und Gemälde um drei Meter angehoben und ein neues Kirchenschiff darunter gebaut. Eine Meisterleistung der damaligen Ingenieurskunst.

Der 46,5 m hohe Turm stammt im unteren, quadratischen Teil noch aus dem Mittelalter, der obere, achteckige Teil aus der Zeit um 1890.

Im Turm hängen 4 Glocken, von denen eine im Jahr 1927, die übrigen drei 1949 gegossen wurden.


Stuck im Altarraum

Die Pfarrei Odelzhausen hat vier Filialen: Essenbach, Miegersbach, Hadersried-Kapelle, Taxa-Kapelle.
Seit 1979 bildet sie zusammen mit den Pfarreien Egenburg, Einsbach, Ebertshausen, Pfaffenhofen, Sittenbach und Sulzemoos den Pfarrverband Odelzhausen.

Innenausstattung

Die Kirche wirkt innen wie ein prächtiger Theatersaal.

Chor und Langhaus sind mit zarten Bandelwerkformen stuckiert. Die Decken-fresken malte Franz Mayr aus Dachau (1735). Themen sind die Glorie und Leben des hl. Benedikt, sowie die Anbetung der Hirten und Verkündigung Mariens (Langhaus)

Ein Teil der Kirchenausstattung stammt aus dem bei der Säkularisation (1803) abgerissenen Kloster Taxa. So z.B. am Hochaltar das frühere Gnadenbild (1618) die prächtige Doppelkanzel und vier ovale Ölbilder aus Taxa (17.Jh.) Assistenzfiguren am Hochaltar sind Schnitzfiguren der Heiligen Joachim und Anna um 1500.
An den Seitenaltären Bilder mit den Themen Gnadenstuhl (links) und Herz-Jesu (rechts).

In die Wände des Kirchenschiffs sind innen und außen Epitaphe (Grabplatten) für frühere Hofmarksherren eingelassen.

Zur Beschreibung des Bilderzyklus aus der Jugendzeit von JesusZur Beschreibung der LeuchterZur Beschreibung der Klosterarbeitenlinker Seitenaltar - zur Vergrößerung bitte klickenZur Beschreibung der Kanzel - zur Vergrößerung  bitte klickenrechter Seitenaltar - zur Vergrößerung bitte klickenzur Vergrößerung der Figur des hl.Josef bitte klickenZur Beschreibung der Lesepultszur Breschreibung der Deckengemälde im Chorzur Breschreibung der Deckengemälde im Chorzur Breschreibung der Deckengemälde im ChorZur Beschreibung des Zelebrationsaltarszur Breschreibung der Figur des hl..Augustinuszur Breschreibung der Figur des hl.FlorianZur Beschreibung der Klosterarbeitenzur Breschreibung der Figur des hl. LeonhardZur Beschreibung der Leuchterzur Breschreibung der Figur des hl.SebastianSt. LantpertZur Beschreibung des Schädels von St. FelicisZur Beschreibung der TaufsteinfigurZur Beschreibung des Bilderzyklus aus der Jugendzeit von JesusZur Beschreibung der Bilder am TriumpfbogenZur Beschreibung des TaxabildesZur Beschreibung des Choraltars
    23 Details (Altäre, Kanzel, Kirchenstühle, Taufbecken, Figuren, Gemälde) per Mouseklick



W
as noch interessiert...

Gottesdienstzeiten erfahren Sie auf der Internetseite des Pfarrverbands Odelzhausen. Klicken Sie hier...
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Alte Zeitungsberichte über das Pfarrleben in der Pfarrei St.Benedikt von 1877-1970; klicken Sie hier...
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Glockengeläute
Von den Glocken der Pfarrkirche gibt es Audioaufnahmen auf Youtube. Wenn Sie es hören möchten, klicken Sie hier
Es handelt sich um Feierabend-Einläuten am 16.7. 2011 um 14:00 Uhr.

 



Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen

Geschichte: Erste Kirche Matrikel 1315 Gotischer Umbau Benefizium 1403 Matrikel 1524
  Visitation 1560 30jähriger Krieg Matrikel 1740 Säkularisation Bruderschaft 1840
  Beschreibg 1880 Umbau 1891 Beschreibg 1895   Pfarrerliste
Ausstattung: Altarraum Ambo Apostelleuchter Baubeschreibung Choraltar
  Chorbogen Deckengemälde-1 Deckengemälde-2 Empore Epitaphe innen
  Epitaphe außen Fenster Figuren im Chor Figuren im Schiff Gottesdienstzeiten
  Kanzel Kanzelkreuz Kirchenschiff Kirchenbänke Kreuzweg
  Mater dolorosa Orgel Opferstöcke Prozessionslaternen Reliquien
  Reliquiar-1 Reliquiar-2 Säkularisation Seitenaltäre Taufstein
  Tabernakel Vorhäuser Votivbilder Zelebrationsaltar  

Die Ortschaft Odelzhausen dürfte in der Zeit um 600 gegründet worden sein. Darauf deutet der Ortsname mit der Endung -hausen hin. Allerdings siedelten hier schon in der Jungsteinzeit und der Bronzezeit (4000 bis 2000 v.Chr.) Menschen.
Während der Römerzeit gehörte das Gebiet zur Provinz Raetien mit der Hauptstadt Augusta Vindelicum (Augsburg). Danach herrschte hier ein Ortsadel, zu dem auch die Familie Otolt, die Namensgeber von Odelzhausen gehört haben dürfte. Danach löste sich eine Vielzahl von Grundherren ab, darunter die Eisenhofer, die Edlen von Auer-Pullach, die Grafen von Scheyern, die Minnuccis und die Grafen v.Hundt.

Im Jahr 1568 veröffentlichte der Kartograph Philipp Apian 24 Landtafeln, die zusammen eine Landkarte (im Maßstab 1:144.000) des noch mittelalterlichen Bayern bildeten. Die Genauigkeit der Landkarten wurde erst im 19. Jh übertroffen; noch Napoleon benutzte sie für den Einmarsch in Bayern.
In der Karte und in der begleitenden Landesbeschreibung sind nur die bedeutenden Orte mit Gebäuden dargestellt. Dazu zählt auch Odelzhausen. Es wird sogar zweimal dargestellt: Als Gesamtkomplex in der Karte und etwas detaillierter in der Landesbeschreibung. Es sind, wie Dr.Peter Dorner schreibt, authentische Ansichten der betreffenden Schlösser und Burgen.
Apian hat Odelzhausen als "arx permagna et vetusta", als weitläufiges Schloss mit langer Geschichte beschrieben. Es war im 14./15.Jh ausgebaut worden, als Odelzhausen Grenzbefestigung zwischen den zeitweise verfeindeten Herzogtümern Oberbayern und Niederbayern war. Zu Apians Zeiten gehörte das Schloss der Familie Auer aus Pullach.

Holzschnitt des Schlosses Odelzhausen
in der Landesbeschreibung 1568.

 

Geschichte der Kirche

Eine Kirche in Odelzhausen (Otolteshusir) wird erstmals im Jahr 814 genannt, als sie in einem Gerichtsstreit dem Bischof von Freising zugesprochen wurde (Urkunden-Nr.327 der Freisinger Traditionen). Der adelige Priester Freido hatte, um seines Seelenheiles willen, die (von ihm erbaute ?) Kirche in Odelzhausen (sowie eine weitere im nahen Umbachtal) einschließlich seines Bauernhofs an den Mariendom des Bistums Freising übergeben. 35) .
Dies wollten drei Männer namens Hunprecht, Hroadleoz und Ermanrich (einer der drei war ein Verwandter Freidos) nicht anerkennen und erhoben am 2.10.814 bei einer Gerichtsversammlung in Bergkirchen unter Vorsitz des Freisinger Bischofs Hitto und des Vertreters der fränkischen Herrschaft, des Grafen Engilhard, selbst Anspruch auf das Gotteshaus (und auf den dazugehörenden Bauernhof). Sie begründeten dies damit, dass die Schenkung des Priesters Freido nicht beurkundet sei. Dies war tatsächlich der Fall, weil Freido zwar noch die Schenkung einer Kirche im Umbachtal am 18.9.814 schriftlich vollzogen hatte; für Odelzhausen war dies zwei Wochen danach vorgesehen. Doch die Beurkundung gelang nicht mehr, weil Freido vorher starb. Doch mehrere Edle schworen, sie hätten gehört, wie der Priester Freido kurz vor seinem Tod geäußert habe, er wolle auch die Odelzhauser Kirche an den Mariendom in Freising vermachen. Ja, sie bezeugten, dass Freido die Odelzhauser Kirche schon dem Vorgänger Hittos, dem Bischof Atto (783-811) anlässlich der Kirchweihe versprochen habe. Demnach muss Bischof Atto die Kirche schon vor 811 geweiht haben. Angesichts dieser klaren Aussagen zogen die Kläger ihre Klage zurück; die Kirche verblieb bei Freising. Unter Beteiligung vieler Edelleute, die in der Urkunde als Zeugen aufgeführt werden, wurde die Übereignung durch das Überreichen eines Sakramentars nochmals vollzogen.
Dr.Walter Kick hat die vom 2.10.814 Urkunde aus dem Lateinischen übersetzt; wenn Sie sie lesen möchten, klicken Sie hier...

Zur damaligen Zeit wurden Kirchen in der Regel von Adeligen gebaut. Sie stellten auf eigene Kosten Priester ein, die die Seelsorge im Besitztum und Umgebung durchführten. Das Bistum hatte kein Mitspracherecht. Die Bischöfe versuchten, das Kirchenwesen zu organisieren und unter ihrer Hoheit Pfarreien einzurichten. Da das Recht auf der Seite der Adeligen lag und Zwang und Gewalt ausschieden, blieben als einzige Möglichkeit die Schenkung, um die Kirchen in die Obhut des Bistums zu bekommen. Dies gelang dadurch, dass den Adeligen als Gegenleistung Vergebung ihrer Sünden versprochen wurde oder dass, wie hier in Odelzhausen, ein adeliger Priester, der in der Regel ehe- und kinderlos war, sein Erbe aus Überzeugung ganz oder teilweise dem Bistum vermachte. Allein aus der 24jährigen Regierungszeit des Bischofs Hitto (811-835) sind 258 Güter- u. Kirchenschenkungen an das Bistum Freising verbürgt.

1100 Jahre war Odelzhausen eine Filialkirche der Urpfarrei Sulzemoos. Zum Patron des ursprünglich sicher nur kleinen, hölzernen Kirchleins in "Otolteshusir" wurde der heilige Benedikt bestimmt. Wahrscheinlich wurde Odelzhausen durch ein Benediktinerkloster gegründet; vielleicht von Altomünster aus.

Bei den Ungarneinfällen im 10.Jh (Schlacht am Lechfeld 955) haben der Ort Odelzhausen und seine Kirche besonders stark gelitten. Danach dürfte die Odelzhausener Kirche neu errichtet worden sein - möglicherweise diesmal aus Stein anstelle der früheren Holzkonstruktion.

Konradinischen Matrikel 1315 02)
In der Konradinischen Matrikel von 1315 wurde sie Otolshausen genannt. Sie hatte schon damals einen Friedhof; dies spricht für eine gewisse regionale Bedeutung. In dieser Matrikel wird (wohl als spätere Anmerkung) auch das Ausenkoferische (Eisenhofer'sche) Beneficium auf dem Lampertusaltar in Odelzhausen angesprochen, das aus dem Jahr 1300 stammen sollte, tatsächlich wohl erst später eingerichtet wurde (lt. Urkunde vom 11. Nov.1363). Franz Keimer spricht sogar erst vom Jahr 1403, wie aus der bischöflichen Bestätigung vom 3.August 1406 hervorgehe. Diese wurde von Erzbischof Berchtold von Salzburg ausgestellt, der auch das Bistum Freising verwaltete.

Gotischer Umbau um 1400
In der Zeit zwischen 1350 und 1450 wurde die Kirche im gotischen Stil umgebaut. Schon dieser Bau soll nach Franz Keimer drei Altäre besessen haben, die dem hl.Benedikt, dem hl. Lampert und der Gottesmutter geweiht waren.


Eisenhofer'sches Benefizium 1403
Nach einer Indersdorfer Überlieferung war das Benefizium Sühneleistung für einen Turnierunfall in München. Ritter Görg hatte seinen Gegner Hanns von Weichs mit der Lanze mit solcher Wucht vom Pferd gestoßen, dass sich dieser beim Sturz das Genick brach. Ein normaler Unfall war das nicht, weil die beiden Kontrahenten kurz vorher gestritten hatten. Nach den Turnierregeln hätte der Zweikampf nur nach vorheriger Aussöhnung stattfinden dürfen. Die Stiftung diente der Seelenruhe von Ritter Görg, der später sogar als Laienbruder ins Kloster Indersdorf eintrat und dort 1430 während einer Pestepidemie starb.
Das Benefizium von 1406 (oder von 1363) bestand aus neun größeren und kleineren Bauernhöfen in Odelzhausen, Unterumbach und Hohenzell, ferner 300 Tagwerk Holz. Görgs Bruder Ulrich stiftete eine weitere Hofstatt, die Gräfin Ysen noch ein Haus in Hadersried.
Odelzhausen war so eine reiche Kirche geworden. Ein Teil des Waldbesitzes gehört bis heute zur Kirchenstiftung.
Odelzhausen konnte sich so einen eigenen Priester am Ort (Benefiziaten) leisten, dessen Hauptaufgabe es war, "all tag zu der Zeit, als die sun aufgeht" eine Messe mit kurzem Vortrage für das ewige Heil der Eisenhofer Sippe und aller gelaubigen Seellen" zu lesen Er wurde deshalb auch Frühmesser genannt. Außerdem hatte er dafür zu sorgen, dass am Lampertusaltar immer eine Öllampe brannte. Der Stiftungsbrief lädt dem Beneficiaten keine seelsorgliche Verpflichtung auf; er hat nur auf Ansuchen Aushilfen (z.B. im Beichtstuhle) zu leisten. So hielt er neben dem Dienst in Odelzhausen Messen in Miegersbach und half dem Pfarrer in Sulzemoos. Daneben war der Benefiziat auch mit dem Amt des Schlosskaplans bei der Stifterfamilie betraut. Die Einkünfte aus dem Benefizium betrugen 1870 rd. 770 Gulden.

Auszug aus der Karte
von Apian 1568
Vergrößerung per Mouseklick


Sunderndorfer'sche Matrikel 1524  
02)
/b> Nach der Sunderndorfer'schen Matrikel aus dem Jahr 1524 war die Kirche in Odelzhausen der Jungfrau Maria geweiht ("filia B.Virginis in Odeltzhausen cum sepulturis)". Die Pfarrei Sulzemoos war dem Pfarrherrn Eberhard von Hiernheim übertragen, der gleichzeitig auch Pfarrer von Aubing und Domkapitular in Freising war. Er entstammte dem schwäbischen Adel und machte eine geistliche Karriere: zunächst als Domherr in Augsburg, dann als Domprobst und Archidiakon in Salzburg und schließlich als Bischof von Eichstätt. Das Präsentationsrecht (Vorschlagsrecht für die Besetzung einer Stelle) für diesen Benefiziaten in Odelzhausen besaß der Freiherr Auer ("Nobilis Awer"). Die Seelsorge vor Ort versah 1524 der Benefiziat Christoph Scheirer, der aus dem o.a. Benefizium bezahlt wurde, das 60 Gulden jährlich abwarf. Scheirer war übrigens auch Pfarrherr von Sittenbach; dort überließ er die Seelsorge einem Vikar. Das hatte den Vorteil, dass er die Einkünfte als Pfarrherr und als Benefiziat erhielt und nur den Vikar zu bezahlen hatte.


Visitationsbericht von 1560 40)
Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation, eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet.
Die Visitation wurde durch bischöfliche und durch herzogliche Bevollmächtigte durchgeführt. Grund war die durch die Reformation Luthers (1517) entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen des Bistums zur Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte. Durch die Visitation wollte der Bischof einen detaillierten Einblick in die religiöse Situation der Pfarreien gewinnen. Insbeson-dere sollte festgestellt werden, ob die Pfarrer und die Gläubigen noch die katholische Lehre vertraten oder der neuen Lehre anhingen. Daneben interessierte die Prüfer die Lebensführung der Pfarrer sowie Umfang und Qualität ihrer religiösen Kenntnisse.

Im Bericht über die Pfarrei Sulzemoos ist auch Odelzhausen (damals unter der Bezeichnung "Ödeltzhausen") kurz erwähnt.
In Odelzhausen wirkte damals ein sog. Frühmesser. Über ihn enthält der Bericht folgende Aussagen:

Cooperator/Frühmesser zu Odelzhausen
Der Frühmesser heißt Jakob Eirl. Er wurde in Aichach geboren. Nach dem Theologiestudium in Salzburg und Ingolstadt wurde er 1548 in Dillingen zum Priester geweiht. Einige Jahre war er in der Pfalz tätig; doch von dort sei er "durch die Lutherey vertriben worden". Die Primiz feierte er in seiner Vaterstadt Aichach. Seit 7 Jahren ist er Frühmesser in Odelzhausen. Da der Sulzemooser Pfarrer derzeit keinen Kooperator hat, verrichtet Eirl auch diese Aufgaben.
Eirl predigt -wie der Pfarrer- aus katholischen Büchern und verhält sich auch sonst katholsch; insbesondere bei der hl.Messe , den Ceremonien, bei der Anrufung der Heiligen, bei den Glaubensgrunsätzen und bei den Werken. Er glaubt an die 7 Sakramente, die er auch aufzählen und erklären kann.
Das junge Volk beichtet (in Odelzhausen) zweimal im Jahr, die Alten nur einmal.
Der Frühmesser hat eine Köchin und mit ihr 3 Kinder. Die Bemerkung "Sey sein dienerin" soll wohl aussagen, dass sie nicht seine Ehefrau ist. Für eine Ehe waren damals keine kirchlichen Zeremonien nötig; die Erklärung der Eheleute reichte aus.
Odelzhausen hat 200 Communicanten, die bei der Reformation alle katholisch geblieben sind. Auch der Hofmarksherr Auer sei weiterhin katholisch. Für das Abhalten der Frühmesse erhält er 50 Gulden jährlich. Davon ab gehen die Ausgaben für Wachs und Öl.

Kirche in Odelzhausen
Das Einkommen der Kirche liegt bei 9 Gulden und etlichen Pfund Wachs. Die Kirchenrechnung erstellt der Hofmarksherr Wilhelm Auer kostenlos. Vermögen der Kirche ist nicht vorhanden; die Schulden betragen 55 Gulden. Vor drei Jahren wurden 150 Gulden gestohlen ["Seien vor dreien jarn von disem gottshauß gestolen worden 150 fl."]
In der Kirche sind 4 "wol getzierte" Altäre vorhanden. Dazu ein Taufstein und ein gut verschlossenes Sakramentshaus mit Ewig-Licht-Leuchte. Die geweihten Hostien und die hl.Öle werden rein behandelt. Das Taufwasser befindet sich in einem Krügl.
An liturgischen Geräten sind vorhanden: eine kleine Messingmonstranz, ein Silberkreuz ["ain silbrins creutz"] und zwei Kelche; vor drei Jahren sei in der Kirche von Odelzhausen 3 Kelche gestohlen worden.
Des Weiteren sind vorhanden: 3 Corporale, 6 Messgewänder unterschiedlicher Qualität ["hat 6 meßgewandt, guet und beß"],
3 Messbücher, ein Buch über die Beerdigungsriten, ein zerrissenes Buch mit Stundengebeten, ein Psalmenbuch.
In der Messe werden nur Gesänge nach altem Brauch angestimmt.
Um die Kirche ist ein Friedhof angelegt.
In Odelzhausen gibt es ein Mesnerhaus. Mit dem Mesner sind sie zufrieden ["Mesner helt sich wol"].
Der letzte Satz über Odelzhausen lautet: "Sonst kain mangel".

...vollständiger Bericht über die Pfarrei Sulzemoos ...



Ausschnitt aus der Karte von
Georg Philipp Finckh von 1655

Im Dreißigjährigen Krieg verwüsteten feindliche Heere mehrfach die Gegend und brannten Schloss und Kirche von Odelzhausen nieder. Die Hälfte aller Menschen im Landgericht Dachau kam durch Kriegshandlungen und die Pest ums Leben.Der Wiederaufbau zog sich bis 1687 hin.

Um das Jahr 1730 hatte man die finanziellen Mittel, um die Kirche zu barockisieren. Dabei hat man den gotischen Chor und den mittelalterlichen Unterbau des Turmes an der Nordseite belassen, aber ein neues Kirchenschiff errichtet. Außerdem wurde die Kirche insgesamt mit einer Einrichtung im Stile des Barocks bzw. Frührokoko versehen.
Einer der Hauptfinanziers waren wohl die Grafen Minucci; die Kirche St.Benedikt war damals ihre Hofmarkkirche.



Schmidt'sche Matrikel 1738/40
  02)
Acht Jahre nach dem Kirchenbau hatte der Freisinger Kanonikus (Domherr) Schmidt alle Pfarreien der Diözese Freising besucht und in der nach ihm benannten Matrikel (Schmidt'sche Matrikel) auch die Filialkirchen (Odelzhausen war damals noch Filiale der Pfarrei Sulzemoos) kurz beschrieben. Zur "Ecclesia filialis s.Benedicti in Odelzhausen" bemerkte er, die Kirche sei unter den Kirchen im ländlichen Raum ein besonders edler Bau. Er habe drei Altäre. Der Hochaltar sei dem hl. Abt Benediktus, die Seitenaltäre der Jungfrau Maria und dem hl.Lantpertus geweiht. Im Lantpertusaltar werde das Haupt des Katakombenheiligen Felix aufbewahrt. Schmidt erwähnt auch das Benefizium des Jahres 1406. Der aktuelle Benefiziat heiße Joseph Pek und sei 1710 installiert worden. Auch er müsse die Abgabe "dat pro primis fructibus" beim Wechsel des Freisinger Bischofs zahlen. Die Summe betrage 10 florenos (Goldmünzen). Wohl auch einen Teil der Stiftung stellte das Benefiziatenhaus dar, das von Schmidt als sehr gut geeignet eingeschätzt wird.
Das Kirchweihfest von Odelzhausen fiel auf den Sonntag vor Jakobi (25.Juli). Im Friedhof um die Kirche stehe ein Beinhaus, schrieb er. Im Turm hingen zwei geweihte Glocken. In der Kirche befänden sich auch die Gräber der adeligen Familien "Auer, Leonroth, Hund, Ausenhoffer de Beccaria". Die Einnahmen verwalteten der Pfarrer und der Hofmarksherr von Odelzhausen ("Comes de Minuzi"). Der Bericht schließt mit dem Satz: "Das Vermögen dises Gottshauses hat sich letzthin auf 882 fl. (=Gulden), 30 kr.(=Kreuzer) und 3 1/2 hl.(=Heller) erstreckhet".

Kirche 1701

In der Schmidt'schen Matrikel ist auch die Schlosskapelle kurz erwähnt. Sie besitze einen Altar, der zu Ehren der Jungfrau Maria errichtet sei. Das Kirchweihfest falle auf den Sonntag nach Bartholomaei (24.Aug).


Säkularisation 1803
Eine (auch wirtschaftliche) Blüte erreichte Odelzhausen zur Zeit der Säkularisation (1802). Odelzhausen war der Gewinner des Niedergangs von Kloster Taxa. Das Gnadenbild aus der Klosterkirche von Taxa wurde in die Odelzhausener Kirche übertragen und auf dem Hochaltar aufgestellt. Später kamen noch drei Altäre, die Kanzel, Teile des Speisgitters, eine Glocke und die vier noch jetzt im Chor hängenden Ölbilder über die Entstehung der Wallfahrt Maria Stern dazu. 

Votivbild als Dank für die
Hilfe der Gnadenmutter
von Odelzhausen
Als neue Wallfahrtsstätte gewann Odelzhausen rasch großen Zulauf. Da auch das Recht zur Abhaltung der sechs Jahrmärkten von Taxa nach Odelzhausen gewandert war, kurbelte die Wallfahrt auch das Wirtschaftsleben an. Beides ergänzte sich: Der Opferstock in der Kirche sei so schnell gefüllt worden, dass man einen Nebenstock und eine Täzn [= Blechnapf] auflegen musste.
Links sehen Sie ein Votivbild, das 1823 als Dank für Taxa-Muttergottes in Odelzhausen gestiftet wurde.
Der Text auf dem Bild lautet:
  "Anno 1823 den 17.April kam unversehens in Großberghofen eine fürchterlich große Feuersbrunst aus, wo bey mehr als der dritte Theil ein Raub der Flamen geworden. Bey dieser mit Sturmwind begleiteten Feuersgefahr, verlobte sich Maria Anna Seitz von Hier zur gnaden Mutter in Odelzhausen durch gebeth und Opfer, wobey der Knälnhof nebst Haus und Stadl Wunderbar errettet worden. Gott und seiner göttlichen Mutter sey ewiger Dank gesagt."
Im Jahre 1826 scheiterte ein Versuch von Geschäftsleuten (Kramer, Metzger, Bäcker, Wirt) aus Taxa, das Gnadenbild in ihre neu erbaute Kapelle zurück zu holen. Doch in der folgenden Zeit ließ der Wallfahrtsbesuch auch in Odelzhausen nach. Seit etwa 1830 verlagerte er sich mehr und mehr zur Marienkapelle in der Geiselwies.

Bruderschaft 1840
Im Jahr 1840 wurde eine Scapulierbruderschaft vom Berge Carmel gegründet. Das Hauptfest wurde am Scapulierfest (Sonntag nach dem 16.Juli) gefeiert. Nebenfeste waren der Sonntag vor der hl.Kreuz-Auffindung (=3.5.) u. vor Michaeli (=29.9.). An den Festtagen wurde ein Amt mit Predigt und Procession celebriert. Bruderschaftsvermögen rd. 1900 Gulden.
Die Bruderschaft bestand jedenfalls im Jahr 1874 noch.

Um 1850 schreibt Dr.Deutinger, in Odelzhausen sei neben dem Benefiziaten auch der Cooperator von Sulzemoos als Expositus tätig. Odelzhausen wurde also von zwei Geistlichen seelsorgerisch betreut. Auch Deutinger bestätigt, dass "nach der Demolierung der Klosterkirche in Taxa das in derselben verehrte Bild der Mutter Gottes (nach Odelzhausen) übersetzt" worden sei.


Beschreibung 1874  39)
Um das Jahr 1870 erstellte der Dombenefiziat Anton Mayer eine Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising und veröffentlichte sie 1874 als Buch. Darin ist im Kapitel über die Pfarrei Sittenbach auch die Expositur Odelzhausen enthalten.
Mayer schreibt:
  Geographie: "Odelzhausen, ehem.Hofmark, an der Hauptstraße von München nach Augsburg im Glonnthale gelegen, mit schönem Schlosse. Im Bezirk der Expositur, zu der auch die Kirchen in Essenbach und Miegersbach und Oberumbach gehören, leben 852 Seelen (in 124 Häusern). Im Ort Odelzhausen selbst wohnten 274 Gläubige in 33 Häusern.
Pfarrei: Präsentationsrecht liegt beim Domkapitel in Freising (= das Domkapitel, der engste Mitarbeiterstab des Bischofs, war eine eigenständige juristische Person, die unabhängig vom Bischof selbst kirchlichen Besitz und Rechte haben konnte). Der Expositus übt die volle Seelsorge in Odelzhausen aus und ist auch Local-Inspektor der Schule. Die Expositur-Rechnung enthält 475 fl. (=Gulden) Einnahmen und 3 fl. Ausgaben, was einen Reinertrag von 472 Gulden ergibt. Das Pfarrhaus (Expositurhaus) wurde 1838 von der Gemeinde Odelzhausen erbaut und wird auch von ihr erhalten.
Kirche: Erbauungsjahr unbekannt. Stillos. Geräumigkeit hinreichend. Spitz-Thurm mit 3 Glocken (früher nur 2). Die größte stammt aus dem Kloster Taxa, gegossen 1710 von J.M. Langenegger in München, die mittlere vom Jahr 1865 (Gießer Schmid in Augsburg), die kleine vom Jahr 1844 (gegossen von Jgnaz Beck in Augsburg). Im Jahr 1803 wurde das Gnadenbild "Maria Stern" aus Taxa hierher transferirt, und seitdem ist hier die Wallfahrtskirche. 3 Altäre, Orgel mit 8 Registern. Stiftungen: 43 Jahrtage, 12 Jahrmessen. Bittgänge: zweimal nach Sulzemoos. Meßner und Cantor war der Lehrer, der sich einen Gehilfen hielt. Kirchenvermögen: 14.300 Gulden. "




Beschreibung 1895   06)

Die Odelzhausener Kirche ist auch im Verzeichnis der Kunstdenkmale des Königreiches Bayerns enthalten, die Gustav von Bezold und Dr.Berthold Riehl im Auftrage des kgl.Staatsministeriums des Innern, für Kirchen- und Schulangelegenheiten erstellt haben. Im Bericht heißt es auf Seite 312:
Expositurkirche
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Innen an der Nordwand des Schiffes: Christus am Kreuz, gutes Oelbild auf Leinwand. Ende des 17. Jahrhunderts.
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Kanzel, mit eingelegten Ornamenten. Schluss des 17. Jahrhunderts.
Grabsteine:
Außen an der Südwand
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Grabstein der Maria Magdalena von Wildenstein, eine geborene Avin von Buelach, des Christof von Wildenstein zue Wildbach . . . Hausfrau +1580, mit der Auferstehung Christi und den beiden Wappen. H. 218, br. 105 cm.
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Grabstein des Johannes Baptista Freyherrn von Beccaria und Silano, Herrn zu Gehwöningen vnd Hundthaimb der Churf Drlt. in Bayern Kriegs- vnd Hofkammer-Rath, auch Haubt- Pfleger zu Abensperg vnd Altmanstain +31. Dezember 1739 und der Johanna Regina Silvia Freyfrau von Beccaria geb. von Ligsaltz von vnd zu Ascholding + 21. Nov. 1704. Mit den beiden Wappen. Rother Marmor. H. 157, br. 82 cm.
Im westlichen Vorzeichen
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Grabstein mit der Reliefhalbfigur eines Pfarrherrn; ohne Inschrift. Um 1600. Rother Marmor. H. 130, br. 58 cm.
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Grabstein des Maximilianus Emanuel De Verita Comes de La Selva in Brogno + 28. August 1747. Mit Wappen. Rother Marmor. H. 110, Br 63 cm.
Im Chor am Fussboden
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Grabplatte des Osaicus comes de Minucci Dominus de Ollzhausen +3. Dez. 1755 im 85. Lebensjahr

Innen am Aufgang zum Chor

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im Fussboden Grabstein des Hanns Wiguleus Hundt von Lautterbach, Maximilian Hertzog von Ober- und Niederbayern gewester Hofrath u. Truchsess + 3. November 1621 im 78. Jahr seines Alters Rother Marmor.
Ausstattung
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In der Sakristei: Wassergefäss mit Hahn, Kupfer, unten bauchig, mit gewundenen getriebenen Buckeln, am Hals 1682 und Monogramm. Kasten aus Kloster Taxa; die einzelnen Fächer durch Pilaster getrennt; mit eingelegten Ornamenten; um 1700. Casula, weiss, mit reichen Gold- und Silberstickereien, mit der Jahreszahl 1618. Aus Kloster Taxa.
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Wohl aus derselben Zeit Kanzelbehänge, gelb, mit reichen silbergestickten Ranken. H. Schloss. Erbaut in der Spätzeit des 17. Jahrhunderts.
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Ein stattlicher Bau, aber ziemlich verwahrlost. Nur ein kleines Zimmer hat noch eine Stuckdecke aus der Erbauungszeit und an den Wänden Malereien auf Leinwand (Chinesen) aus dem 18. Jahrhundert.
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Ferner ist ein Kamin mit einfachem Aufsatz, auf welchem ein Mädchen mit einem Hund dargestellt ist, gleichfalls aus dem 18. Jahrhundert, erhalten.

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(Schloss)Kapelle: Einrichtung aus der Erbauungszeit.


Statistik

In den alten Matrikeln, Beschreibungen und Zeitungsberichten werden immer wieder Zahlen genannt, die sich auf die Bevölkerung, die Seelen (Pfarreiangehörige), Häuser, Anwesen, Gebäude oder Familien beziehen. Leider ist die Bezugsgröße dieser Zahlen sehr unterschiedlich; sie sind deshalb nicht immer vergleichbar. So beziehen sich die Werte teils auf die Ortschaft oder die Gemeinde, teils auf die Pfarrei.
1867: Gemeinde mit 360 Einwohnern, 106 Gebäuden
         Ortschaft mit 241 Einwohnern in 67 Geb. (dazu Dietenhausen 49/19, Lucca 55/15, Todtenried 15/5)
04)
1876: Gemeinde mit 427 Einwohnern, 124 Gebäuden, 76 Wohngeb.  38
         Ortschaft mit 300 Einwohnern in 85 Geb. (dazu Dietenhausen 58/19, Lucca 51/16, Todtenried 18/4)

1933: Gemeinde mit  539 Einwohnern
1939: Gemeinde mit  579 Einwohnern



Umbau 1891
1891/92 wurde das Langhaus der Kirche durch den Anbau von Seitenschiffen verbreitert, mit Granitsäulen versehen und zur Säulenbasilika erweitert. Der Turm wurde mit einem achteckigen Aufsatz und seiner heutigen Spitze versehen. Die alte Flachdecke wurde nach Angaben des Mesners mitsamt dem Putz und den Gemälden um 3 Meter (auf eine Innen-Gesamthöhe von 10 Metern) angehoben, um die wertvollen Gemälde nicht zerstören zu müssen. Für die damaligen Stand der Technik eine Meisterleistung. Vor den Arbeiten war noch mit allen Arbeitern eine Bittandacht um das Gelingen des Vorhabens abgehalten worden. Auch heute zeigt sich noch kein Riss im Stuck oder den Fresken. Die Weihe nach der Erweiterung der Kirche fand jedoch erst 10 Jahre später, am 20. April 1902, durch Erzbischof Josef von Stein statt.

Anheben der Kirchenschiff-Decke 1891

Pfarrei Odelzhausen
1923
wurde die eigenständige Pfarrei Odelzhausen (mit den Filialen Essenbach, Miegersbach, Taxa und Hadersried) gegründet. Sie war vorher schon seit dem 19.Jh. eine Expositur. Die Pfarrei zählte im Jahr 2002 insgesamt 2056 Katholiken. Derzeit bildet sie mit den Pfarreien Egenburg, Einsbach, Pfaffenhofen, Sittenbach und Sulzemoos einen Pfarrverband.
Über die Pfarrerhebung 1923 existiert ein Zeitungsbericht, den Sie hier... lesen können.

Die letzte Renovierung wurde im Jahr 1990 durchgeführt.




Berichte aus der Pfarrei
Die Dachauer Zeitungen haben in den letzten 120 Jahren immer wieder aus dem Pfarrleben berichtet. Diese oftmals in blumiger Sprache verfassten Berichte beschäftigen sich nicht unmittelbar mit dem Kirchengebäude, vermitteln aber einen ergänzenden Eindruck aus der damaligen Zeit. Meist werden Primizen oder Priesterjubiläen beschrieben, wie hier auf der Seite für Odelzhausen. Wenn Sie die Berichte lesen möchten, klicken Sie hier...

Baubeschreibung

Die Kirche liegt etwas erhöht im Ort inmitten eines ummauerten Friedhofs. Der stark eingezogene Chor stammt noch aus spätgotischer Zeit und wird außen durch zweifach abgetreppte Stützpfeiler gestützt.

Blick von Westen

Das fünfachsige Kirchenschiff (Langhaus) ist seit dem Umbau 1891 eine dreischiffige Basilika, deren Schiffe durch massive Säulen aus Granit getrennt sind. Die Außenwände sind in Traufhöhe durch horizontale Bänder und Profilgesimse geschmückt.
Der 46,5 m hohe, durch Ecklisenen und umlaufende Simse gegliederte Turm besitzt einen quadratischen unteren und einen achteckigen oberen Teil.
Der untere Teil stammt noch aus dem Mittelalter (vor 1400). Das Turmuntergeschoss ist noch mit einem gotischen Kreuzgratgewölbe überdeckt und besitzt zwei spitzbogige Fenster. Die zugemauerten Schallfenster über den Ziffernblätter der Uhr wurden aber erst nachträglich eingebaut.
Der obere Teil aus der Zeit um 1890 ist etwas eingezogen und achteckig. Auf jeder Seite sind größere hochovale und darüber kleinere querovale Schallfenster ausgebrochen.
Der Turm ist mit einer hohen Spitzhaube gekrönt. Im 2.Weltkrieg wurde der Turm zerschossen und musste später wieder hergestellt werden.
Die Turmuhr wurde 1900 von der Fa. J.Neher & Söhne aus München eingebaut.
Im Turm hängen vier Glocken:
- Die älteste, mit einem Gewicht von 12 Zentnern, stammt aus dem Jahr 1927 und wurde von  
  der Glockengießerei Hamm in Regensburg gegossen. Sie ist den Gefallenen des 1. Weltkrieges
  gewidmet. Wegen ihrer Verzierung mit dem Zeichen der Taxa-Muttergottes wird sie auch   "Maria Stern Glocke" genannt.
- Die übrigen drei Glocken wurden 1949 von Czudnochowsky in Erding gegossen und am 9. Okt.   geweiht.

Name der Glocke
Grundton
Gewicht in kg
gegossen in
Gießerei Sonstiges
Maria-Stern-Glocke
fis'
600
1927
Hamm in Regensburg  34
Christkönigsglocke
d'
1400
1949
Czudnochowsky in Erding Sterbeglocke
Josefsglocke
e'
900
1949
Czudnochowsky in Erding
Benediktusglocke
a'
400
1949
Czudnochowsky in Erding

Auf Youtube können Sie das Geläute der Glocken hören 32). Es handelt sich um Feierabend-Einläuten am 16.7. 2011 um 14h.
klicken Sie hier..

Die zweistöckige Sakristei ist südlich am Chor angebaut.
Die Portale an der Süd- und der Nordseite sind durch Vorhäuser vor den Einflüssen der Witterung geschützt.


Innenausstattung

  Innenmaße des Kirchenbaus:
—  Länge des Kirche 27,70 m (davon Kirchenschiff: 18,86 m; Altarraum: 8,22 m; Chorbogen 0,62)
—  Breite der Kirche: Kirchenschiff: 13,95 m; Altarraum: 6,07 m; Chorbogen: 5,71 m
—  Höhe: Kirchenschiff: 9,60 m; Altarraum: 6,07 m (+ 3 Altarraumstufen); Chorbogen 6,44 über Kirchenschiff

Altarraum

Der noch von der alten Kirche stammende eingezogene, dreiseitig geschlossene Altarraum (Chorraum) ist 10 m lang und 7 m breit. Er ist von einem Tonnengewölbe mit Stichkappen überdeckt und -wie das Langhaus- mit zartem Bandelwerkformen (um 1735) stuckiert. Die 1891 errichteten Seitenschiffe sind durch jeweils vier polierte Säulen aus grauem Granit vom Hauptschiff geschieden; sie schließen an der Ost- und der Westseite (vorne und hinten) gerade.

Deckenfresken im Altarraum

Thema der Fresken an der Decke des Altarraums ist der Kirchenpatron St.Benedikt. Die Bilder wurden von Franz Mayr (1707-1752) aus Dachau um das Jahr 1735 gemalt. Franz Mayr hat im Übrigen auch die Deckengemälde in Orthofen und in Rumeltshausen geschaffen. Mehr über Franz Mayr ....
Das große zentrale Gemälde stellt den hl. Benedikt als Patron von Odelzhausen dar. Der Heilige wird auf Wolken in den Himmel gehoben. Viele Engel umgeben ihn. Einer trägt die (Abts-)Mitra in den Händen. Ein anderer hält einen zerbrochenen Giftbecher mit der Schlange. Er erinnert an den Giftanschlag der Mönche von Vicovaro bei Tivoli in Norditalien, die ihn erst zum Abt wählten und ihn dann, als er strenge Regeln einführte, vergiften wollten. Doch der Becher mit dem Gift zerbrach, als Benedikt vor dem Trinken das Kreuzzeichen über ihn machte.
 
Glorie von St.Benedikt  
Ganz oben im Bild wartet die Hl. Dreifaltigkeit. Im unteren Teil des Bildes sind die Odelzhausener Kirche vor dem Umbau mit Zwiebelturm sowie das vierstöckige Schloss Odelzhausen mit Doppelgiebel zu sehen.

An den Stichkappen 10 kleinere ovale Fresken mit Szenen aus dem Leben des hl. Benedikt.
In der Reihenfolge von links hinten über links vorne (1-5), rechts vorne und rechts hinten (6-10) werden folgende Szenen dargestellt:
 

1. Das zerbrochene Sieb der Amme (Die Amme, die Benedikt in die Einsamkeit begleitet hatte, zerbrach ein Sieb; auf das Gebet des Benedikt hin wurde es wieder ganz)


Siebwunder
 

2. Romanus nimmt sich des jungen Benedikt an.      
(Der Einsiedler Romanus führt den in römische Soldatentracht gekleideten Benedikt in seine Klause. Ein Putto weist auf die irdischen Freuden hin, denen Benedikt durch diesen Schritt entsagt).


bei Romanus
 

3. Romanus ernährt Benedikt in der Einöde
(Romanus ernährte den Benedikt mittels eines Korbes, in dem er Brot zu ihm in einer Felsnische hinab ließ).


Brotkorb

  4. Das Ostermahl in der Einöde                          
(ein Priester in der Nähe von Benedikt wurde von Gott angewiesen, das Ostermahl dem Benedikt in seiner Felshöhle zu bringen).

Ostermahl
  5. Die Versuchung des hl. Benedikt
(Im Hintergrund: Der Teufel kam in Gestalt einer Amsel und flößte ihm "einen Brand zur Unlauterkeit" ein.
im Vordergrund: Benedikt wälzte sich nackt in Dornen).


Versuchung

  6. Benedikt und das vergiftete Brot
(ein Priester namens Florentinus war auf die Erfolge Benedikts neidisch und schickte ihm vergiftetes Brot. Doch Benedikt erkannte die Gefahr, rief einen Raben, der das Brot an einen Ort brachte, wo es niemandem gefährlich werden konnte).


vergiftetes Brot

  7. Der Teufel stört beim Klosterbau                          -siehe Bild rechts-
Der Teufel war wegen des Klosterbaus so voller Zorn, dass er einen Mönch zu Tode kommen ließ. (Im Bild rechts stürzt der Mönch -vom nackten Teufel gestoßen- vom Bauwerk). Auf das Gebet Benedikts wurde er wieder lebendig.

Totenerweckung
  8. Der Teufel beschwert einen Stein
Der Teufel setzte sich auf einen Stein, damit er nicht mehr zu bewegen war. Benedikt segnete den Stein und das Zusatzgewicht war verschwunden.

Teufel auf Stein
  9. Totila vor Benedikt
Der Ostgoten-König Totila (+ 552) schickte an seiner Stelle seinen Vertrauten Ricco zu Benedikt. Der erkannte die Täuschung. Daraufhin kam König Totila selbst und fiel vor ihm auf die Knie

Totila vor Benedikt
 

10. Die Seele Benedikts fliegt in den Himmel
Beim Tod Benedikts sahen seine Mitbrüder die Seele in den Himmel fliegen.


Seele Benedikts

Die Ornamentkartuschen in den Gewölbezwickeln zu beiden Seiten des Hochaltars enthalten Embleme zur Gottesliebe des hl. Benedikt:

Sonnenblume
links ein brennendes Herz in den Wolken, das mit Strahlen ein auf der Erde liegendes Herz entzündet (Liebe Gottes entzündet die menschliche Liebe)
rechts eine Sonnenblume, die sich der Sonne zuwendet (sinnbildlich für die Zuwendung des Heiligen zu Gott).
Am Chorschluss hinter dem Hochaltar wurde ein Fresko aus der Zeit um 1600 freigelegt, das den hl.Michael mit zwei Wappen zeigt. Leider ist es mit zahlreichen Hackspuren gezeichnet.

Brennendes Herz

Ein Teil der Kirchenausstattung stammt aus dem bei der Säkularisation (1803) abgerissenen Kloster Taxa (Gnadenbild, ovale Votivbilder, Doppelkanzel, eine Glocke, Kanzelkreuz, Mater dolorosa).


Choraltar / Hochaltar

Der 3,20 Meter breite und raumhohe Choraltar ist ein neubarockes Säulenretabel aus der Zeit um 1895. Links außen ist er signiert: "Gefasst u. Vergoldet von Jg:Rampfmoser Malermeister in Nymphenburg". Die Stipes, der Altarunterbau, ist mit Holz in klassizisti-scher Sarkophagform verkleidet. Vier Säulen tragen ein verkröpftes Gebälk mit Segmentbögen, aufgesetzten Obelisken und Sternen.
Im Altarauszug ein Bild des hl.Benedikt mit einem Knaben, der ein Kelchglas mit Schlange trägt (Ölfarbe auf Holz, um 1895).

St.Benedikt
In einem Kloster bei Tivoli sollte Benedikt vergiftet werden, doch das Gift entwich in Gestalt einer Schlange aus seinem Kelch als Benedikt das Tischgebet sprach.
Über den Personen ein flammendes Herz mit Rosenkranz. Gedenktag: 12.Februar

Mittelpunkt des Choraltars ist das letzte Gnadenbild aus Taxa, eine thronende Muttergottes mit dem Jesuskind auf dem Arm (1618), umgeben von vielen Engeln. Man hatte sie nach der Auflösung des Klosters Taxa am 8.Juli 1802 nach Odelzhausen übertragen. Die Schnitzfigur wurde im 20.Jh neu gefasst (übermalt).

      
St.Joachim - Gnadenfigur von Taxa - St.Anna
Assistenzfiguren sind die Großeltern von Jesus, die Heiligen Joachim (mit Hirtenstab und Täubchen) und Anna (mit Buch in der Hand). Zum Alter gibt es zwei widersprüchliche Angaben: die Zeit um 1500 oder das Jahr 1895.
 
Hinweise: Joachim war nach dem Protoevangelium des Jakobus aus der 2. Hälfte des 2. Jh der Vater Marias. Im 5. und 6. Jahrhundert wurden sein Name und der seiner Frau Anna in Marienlegenden weiterverbreitet. Besonders die Orden der Karmeliten und Kapuziner förderten die Verehrung der Großeltern Jeus. Die Schäferschaufel Joachims führt zum apokryphen Jakobusevangelium, nach dem ihm ein Engel erschien, während er auf dem Feld die Herden hütete. Die Opfertäubchen im Körbchen erinnern an folgende Legende: Joachim und Anna hatten lange keine Kinder. Dies galt im alten Israel als Makel und als Strafe Gottes. Deshalb wurde Joachim, als er im Tempel von Jerusalem das übliche Opfer, 2 Täubchen darbringen wollte, vom Priester zurückgewiesen. Gedenktag: 26.Juli
Das Buch in den Händen von Anna geht auf Legenden und Darstellungen zurück, in denen sie ihre Tochter Maria das Lesen lehrt. Das Thema der Unterweisung Mariens ist in der Kunst seit dem 14.Jh bekannt und war besonders in der Barockzeit beliebt. Es geht zurück auf die Bibelstelle aus dem Buch der Sprichwörter (1,8) "Höre mein Sohn, auf die Mahnung des Vaters und die Lehre deiner Mutter verwirf nicht" und wendet das Wort auf Maria an. Die Kunst des Lesens beherrschten in früheren Zeiten nur wenige, meist vornehme Menschen. Dazu sollten auch Anna und Maria gerechnet werden. Gedenktag: 26.Juli

Der neubarocke Tabernakel aus der Zeit um 1895 mit seiner konvex vorspringenden Mittelnische ist mit Volutenbändern und reichem Schnitzdekor versehen. Er trägt auch den Sockel für die Marienfigur.

Tabernakel
Zu beiden Seiten des Tabernakels sind Figuren von knienden Anbetungsengeln angebracht. Auf dem Tabernakel sitzt ein Pelikan aus Ton, der sich mit dem Schnabel die Brust aufreißt, um die Jungen mit seinem Blut zu ernähren. Er ist das Symbol für Jesus Christus.

Tabernakelengel


Pelikan

In alten Büchern (Bestiarium, Physiologus) wird berichtet, dass der Pelikan seine Brust aufreißt, um mit dem eigenen Blut die Jungen zu ernähren; er galt deshalb als Sinnbild für Aufopferung und als Symbol für Christi Todesopfer. Ein Fronleichnamsgebet von Thomas v.Aquin (1225-1275) lautet: Laß Jesu Herr und Heiland, teurer Pelikan, von deinem Blut mich Sünder Reinigung empfahn". Die ersten künstlerischen Darstellungen des Pelikan wurden schon im 3.Jh. nachgewiesen. Biologisch ist dieser Bericht vom Pelikan heute überholt. Die Fabel entstand wohl, weil die Art und Weise, wie der Pelikan seine Jungen aus dem dehnbaren Kehlsack heraus füttert, indem er dabei den Schnabel auf die Brust stemmt, um die Fische einfacher auswürgen zu können und dabei seine weißen Federn mit dem Fischblut rötet, falsch gedeutet wurde.
Reliquiare
Zu beiden Seiten des Tabernakels sind Kastenreliquiare mit rechteckigen, vergoldeten
Akanthusrahmen und aufgesetztem Stern (von Taxa) eingebaut. Im Inneren sind reiche Klosterarbeiten aus dem 18.Jh mit goldener Sprengstickerei, Perlen, Goldspitzen, farbigen Steinen und Wachsmedaillons zu sehen. Auf den Cedulae, den Pergamentstreifen, sind die Namen der Heiligen zu lesen, deren Gebeine hier enthalten sind:
Linkes Reliquiar:
"S.Francisci Ass.; S.Clarae Ass.; S.Corbiniani; S.Hyacinthi M.; S.Donati Mart.; S.Sixti P.M; S.Hilarii Mart.; S.Modesti Mart.; S..... Mart."

           
Reliquiare
Rechtes Reliquiar:
"S. Conatantin M.; S.Victoriani M.; S.Mauritii M.; S.Clementis M.; S.Sebastiani M.; S.Severi M.; S.Illuminati M.; S.Tranquillinae M.; S.Theophili M."
Die Reliquienkästchen wurden früher durch das bischöfliche Ordinariat offiziell versiegelt, um den Reliquiendiebstahl zu verhindern.

Votivbilder aus Taxa

An den Chorwänden hängen vier hochovale Votivbilder aus Taxa (17.Jh.), die die Entwicklung der Wallfahrt in Taxa darstellen und die früher den Gang zwischen der Klosterkirche Taxa und der Sakristei schmückten (Öl auf Leinwand, 135 x 90 cm):

 
Wilhelm v.Hundt in Seenot


1. 1606 geriet der Hofmarksherr von Odelzhausen Wilhelm von Hundt in Seenot. Da legte er das Gelübde ab, er werde im Falle seiner Rettung eine Marienkapelle bauen (Schiff mit dem Votanten im stürmischen Meer, darüber Gnadenbild von Taxa)

3. Bald kamen zahlreiche Pilger auch aus entfernten Gegenden, sodass 1629 eine (zunächst eintürmige, später sogar zweitürmige) Kreuzkirche an die Kapelle angebaut und bald darauf nochmals erweitert werden musste.
Auf dem Bild besuchen Wallfahrer die Gna-denkapelle, neben der schon die neue Kirche auf kreuzförmigem Grundriss gebaut wird.

Erste Kapelle

Henne u.Ei
2. Danach vergaß er sein Gelöbnis und wurde erst 1616 wieder daran erinnert, als am Ostermontag ein Hühnerei mit Relief eines Frauenkopfes im Strahlenkranz gefunden wurde, das ein schwarzes Huhn auf einen neuen Ziegelstein gelegt hatte, obwohl es schwarze Hühner und neue Ziegelsteine auf dem Hof nicht gab. Er löste nun sein Versprechen ein und baute 1618 die Kapelle im nahen Taxa.
Auf dem Bild ein Huhn mit Ei und ein Ziegelstein vor der Landschaft mit Gehöft und Hühnerstall; darüber das Gnadenbild. Auf dem Ziegelstein die Jahreszahl 1618.

4. Im Jahr 1654 übergab der Bischof die Wallfahrt an die Augustiner-Eremiten, die 166o den Grundstein zum Klosterbau legten.

Auf dem Bild die erste, noch eintürmige Klosterkirche.

Kirche in Taxa


Heiligenfiguren im Altarraum

Unter und neben den Votivbildern aus Taxa stehen vier Heiligenfiguren auf Podesten an den Wänden des Altarraums:


St.Florian
St. Florian (links) mit brennendem Haus und Wasserschaff. Die Schnitzfigur selbst stammt aus der Zeit um 1700/20, die Fassung aus dem 20.Jh.
St.Florian war um das Jahr 304 Offizier der zweiten italienischen Legion des römischen Heeres. Wegen seines Glaubens wurde er verhaftet und nach vielen Martern mit einem Mühlstein um den Hals in die Enns geworfen. In seiner Jugend soll er ein brennendes Haus durch sein Gebet gerettet haben.

St.Sebastian
St. Sebastian am Marterbaum, von Pfeilen durchbohrt. Diese Figur wurde um 1890/1900 geschnitzt.
Der Heilige war im 3.Jh. als Offizier der kaiserlichen Garde auf Befehl des Kaisers Diokletian mit Pfeilen durchschossen worden. Auf seine Anrufung hin, soll eine Pestepidemie abgewendet worden sein. Der hl. Sebastian wird deshalb  als Pestpatron und -der Pfeile wegen- als Patron der Schützenbruderschaften verehrt.
St. Augustinus (rechts) im Bischofsornat mit einem kleinen Engel zu Füßen, der mit einer Muschel Wasser schöpft (Mitte des 20.Jh).
Nach der Legende traf Augustinus, der immer das Geheimnis der Dreifaltigkeit ergründen wollte, am Meeresstrand ein Kind/Engel an, das mit einer Muschelschale das Wasser des Meeres auszuschöpfen versuchte. Als Augustinus das Kind auf die Aussichtslosigkeit seines Tuns aufmerksam machte, erwiderte es, dass sein Tun nicht weniger aussichtslos sei als der Versuch, das Wesen der Dreifaltigkeit Gottes zu ergründen.

St.Augustinus
St. Leonhard im Ordensgewand mit einem Rind zu seinen Füßen und der Bibel in der Hand (um 1900).
Der Abt Leonhard setzte sich um 500 beim König für Gefangenen ein. Deshalb galt er ursprünglich als Schutzpatron derer, "die in Ketten liegen", also der Gefangenen - und der Geisteskranken, die man bis ins 18. Jahrhundert ankettete. Später wurde er Schutzpatron der Haustiere, weil man die Ketten, mit denen er abgebildet wurde, als Viehketten deutete.

St.Leonhard

Zelebrationsaltar

Der am 13.10.2002 durch Weihbischof Haßlberger geweihte Zelebrationsaltar (Volksaltar) wurde von dem in Windach am Ammersee lebenden Bildhauer und Theologen Franz Hämmerle geschaffen. Der Altar besteht aus rötlich strukturiertem Marmor.

Zelebrationsaltar
Vier beieinander stehende Säulen tragen ein Messingkreuz, auf dem die Tischplatte ruht. Nach den Intentionen des Künstlers soll der Altar nicht nur die verschiedenen architektonischen Elemente der Odelzhausener Kirche bündeln, sondern zum Brennpunkt des Ortes werden, an dem sich das zentrale Geschehen der Messe vollzieht.

Franz Hämmerle wurde 1949 in Lengenfeld bei Landsberg a. Lech geboren. Er studierte Theologie und später Kunst an der Akademie München. Hämmerle später Meisterschüler bei bei Prof. Ladner und legte 1982 sein Staatsexamen für Kunsterziehung ab. Seit 1987 hat er sein Atelier in Windach am Ammersee eingerichtet. Der Künstler ist Bildhauer, Theologe und Musiker. "Dieser Dreiklang" so Hemmerle auf seiner Internetseite, "verdichtet sich in seinem Werk zu einer Vielzahl von künstlerischen Äußerungen, deren Verwurzelung im christlichen Glauben spürbar ist". Werke im Landkreis Dachau: Hämmerle schuf auch ein großes Kruzifix für das evang. Gemeindehaus in Vierkirchen. In der evangelischen Versöhnungskirche der KZ-Gedenkstätte Dachau befindet sich seit 1996 sein Werk "Christus mit Ecclesia". 2005 beteiligte sich Franz Hämmerle am Skulpturenweg in Altomünster.

  Hinweis: Der Altar war das Symbol des heidnischen Gottesdienstes. Das lateinische Wort adolere = verbrennen bezeichnet die ursprüngliche Bedeutung als Stätte zur Verbrennung der Opfer. Die ersten Christen hatten keinen Altar. Jesus versammelte die Seinen um den Tisch, und das hielten auch die Christen während der ersten Jahrhunderte so; zur Eucharistiefeier konnte jeder beliebige Tisch dienen. Im 4.Jh wurde das Opfer Jesu in das Tischgeschehen hineingenommen und der Altar eingeführt. Er war meist aus Stein, frei aufgestellt und von allen Seiten zugänglich. Ab dem 8. Jahrhundert weicht die Tischform immer mehr der Blockform. Dies kam der Entwicklung entgegen, im Altar Reliquien von Märtyrern und Heiligen beizusetzen. Der zelebrierende Priester stand hinter dem Altar, sodass seine Handlungen während der Messfeier für die ganze Gemeinde sichtbar waren. Als der Altar dann im 11.Jh eine Rückwand mit hohen Altaraufbauten (Retabeln) erhielt und weiter an die Ostwand rückte, wandte der Priester der Gemeinde den Rücken zu. Dies ist in der katholischen Kirche durch eine Liturgiereform erst vor 55 Jahren wieder rückgängig gemacht worden.


Ambo

Auch das Lesepult aus Messingguss wird von einem Kreuz getragen. Es harmoniert stilistisch mit dem Volksaltar

  Hinweis: Der Ambo (griech.ambon = erhöhter Rand) war im Frühchristentum und Mittelalter die erhöhte Plattform an der altchristlichen Chorschranke in der Kirche zum Vorlesen und Vorsingen liturgischer Texte (Epistel, Evangelium); ab dem 14. Jh. wurde die Funktion des Ambos von der Kanzel übernommen. In neuester Zeit ist der Ambo wieder fester Bestandteil in der Ausstattung der Kirchen.
"Die Verkündigung der Lesungen und des Evangeliums sowie die Predigt erfolgen wiederum von dem bereits in der Liturgie des ersten Jahrtausends bekannten Ambo, dem als 'Tisch des Wortes' ein hoher Rang zukommt", heißt es in der Liturgiekonstitution des II.Vaticanums Sacrosanctum concilium (SC 124). Deshalb wurden nach dem Konzil (um 1970) in allen Kirchen Ambos (Lesepulte) aufgestellt. Sie sind der Ersatz für die nicht mehr benutzte Kanzel.

Chorbogen / Triumphbogen

Zwischen Chor und Langhaus befindet sich ein Triumphbogen, der seinem Namen alle Ehre macht. In einem Gemälde ist Christus inmitten von Heiligen dargestellt. Christus sitzt auf Wolken.

Bild über Triumphbogen
Der hält in der linken Hand ein geöffnetes Buch mit den Buchstaben Alpha und Omega. Seine rechte Hand hat er erhoben um dem Betrachter seine Wundmale zu zeigen. Im Vordergrund knien die Eltern Jesu, Josef mit Lilie und daneben Maria. Links im Hintergrund weibliche
Heilige, darunter zwei mit Königskronen und eine Ordensfrau. Ganz links ist St.Barbara mit Kelch und Turm zu erkennen. Auf der rechten Seite im Vordergrund der Cousin Jesu, Johannes der Täufer mit Kreuzstab und Lamm. Dahinter der Erzengel Michael mit Schwert und Schild. Rechts im Hintergrund sind nur männliche Heilige abgebildet. Hinter Michael erkennt man St.Laurentius mit dem Feuerrost an seinen Füßen. Daneben der Apostel Johannes mit einem Kelch auf dem Knie, dann St.Paulus mit Schwert und St. Petrus mit einem Schlüssel.


Glasgemälde im Altarraum

St.Benedikt und Gregor der Große
Henne auf Ziegelst. u.Taxa-Ei
geflügelter Stier u. geflügelt. Löwe
geflügelter Mensch und Adler
Lamm Gottes und Pelikan
         

Flucht nach Ägypten -

Geburt Christi

Pieta
 

In die Rundbogenfenster sind viele kleinere Glasbilder eingefügt. Sie stammen wohl aus der Umbauzeit 1890/93.
In vier der Fenster des Altarraums sind Rundscheiben eingesetzt, auf denen vermutlich die vier lateinischen Kirchenväter dargestellt sind.
Die Fenster im Chorschluss:
sind mit zwei weiteren Glasgemälden geschmückt; mit Darstellungen der
- Verkündigung Mariens
(nordöstlich) und der
- Geburt Christi (südöstlich).

Die Fenster im Altarraum:
- An der Nordseite: Augustinus und Ambrosius
- An der Südseite: Gregor der Große und Hieronymus.

Die Fenster im Kirchenschiff
Zu dieser Thematik gehören auch die beiden Bilder in den Fenstern an der Nord- und Südseite der Seitenschiffe, die die
Flucht nach Ägypten und eine
Pieta
zeigen.
Alle vier Bilder dürften aus der Werkstatt des Glasmalers Syrius Eberle in Dachau stammen, der vor dem 2.Weltkrieg tätig war. Das Bild von der Geburt Christi jedenfalls ist in fast identischer Form auch in den Kirchen von Arnbach, Palsweis, Taxa und Westerndorf zu sehen. Dort ist Syrius Eberle als Maler genannt. Möchten Sie vergleichen ?

Auf den Evangelistenfenstern sind die Attribute der Evangelienschreiber abgebildet:
für Matthäus ein Mensch oder Engel, für Markus ein Löwe, für Lukas ein Stier und für Johannes ein Adler.

Weitere Glasbilder
(aus der Zeit um 1890) zeigen:
- ein Huhn mit dem von ihm gelegten sterngeschmückten Ei aus der Gründungslegende des Wallfahrtsorts Taxa
- ein Pelikan, der seine Jungen mit seinem Blut nährt
- das Lamm Gottes mit Siegesfahne, auf dem Buch mit den 7 Siegeln lagernd.



Ewig-Licht-Ampel

Vom Chorbogen herab hängt die Ewig-Licht-Ampel aus dem Ende des 19.Jh. Sie besteht aus versilbertem, getriebenem Messingblech mit getriebe-nen Verzierungen. Die Aufhänge-Ösen sind zu großen Henkeln ausgebildet, die die Ampel fast wie einen Pokal erscheinen lassen.

Ewig-Licht-Ampel
Hinweis: Das rote Öllämpchen, das stets im Altarraum brennt, gilt oft als Erkennungsmerkmal eines katholischen Gotteshauses. Früher gab es solche Lichter nur an den Märtyrergräbern. Mit der wachsenden Verehrung der aufbewahrten Eucharistie hat sich etwa seit dem 13. Jh der Brauch des "Ewigen Lichtes" vor dem Tabernakel, wo das Allerheiligste aufbewahrt wird, herausgebildet.
  Durch sein dauerndes Brennen weist es darauf hin, dass in der Kirche geweihte Hostien aufbewahrt werden. Meist sind die von der Decke herabhängenden Ampeln aus Silber oder versilberten Material gebaut, in eleganten Formen und mit vielen grazilen Verzierungen versehen.



Sakreisteischrank

Sakristei

In der Sakristei steht ein schön verzierter Sakristeischrank wohl aus dem Ende des 19.Jh. Darin werden liturgische Geräte aufbewahrt.
Das Verzeichnis der Kunstdenkmale des Königreiches Bayerns von 1895 enthält zur Sakristei in Odelzhausen folgende Angaben:
  "In der Sakristei: Wassergefäss mit Hahn, Kupfer, unten bauchig, mit gewundenen    getriebenen Buckeln, am Hals 1682 und Monogramm. Kasten aus Kloster Taxa; die    einzelnen Fächer durch Pilaster getrennt; mit eingelegten Ornamenten; um 1700.
   Casula (=Messgewand), weiss, mit reichen Gold- und Silberstickereien, mit der
   Jahreszahl 1618. Aus Kloster Taxa."


Sakreisteischrank


Kirchenschiff / Langhaus

 

Das 1892 errichtete prächtige Langhaus (20 x 14 m) besteht aus 3 Schiffen. Sie sind durch dunkle Marmorsäulen getrennt, die vergoldete, an den korinthischen Stil angeglichene Kapitelle haben.
Darüber
profilierte Kämpfergesimse, auf denen die Decken der Seitenschiffe und die Lünetten des Mittelschiffs ruhen.


Kämpfergesims über
dem goldenen Kapitell
Die Stuckierung der Deckenfläche mit Bandlwerk, Akanthusranken, Rosetten, Muschelwerk und Fruchtkörben dürfte um 1735 entstanden sein. Bei der Anhebung der Decke 1892 ist der Stuck aber sicher überarbeitet oder ergänzt worden. Die heutige polychrome (farbige) Fassung der Stuckarbeiten wird nicht von allen Kunstexperten für glücklich gehalten.
Die Kirchenschiffe werden durch schöne Leuchter mit jeweils 16 elektrischen Kerzen erhellt.

Leuchter


D
eckenfresken im Langhaus

An die 1891 um 3 Meter gehobene Langhausdecke sind zwei 3 x 2,2 m große Fresken von Franz Mayr (*1707 in Lauterbach, + 1752 in Dachau) aus dem Jahr 1735 gemalt. Sie werden durch kleine, liegende Fenster im Obergaden erhellt.

Im westlichen (hinteren) Teil der Decke ist in einem Bild die Anbetung der Hirten dargestellt. Maria sitzt im Stall von Bethlehem und hält das auf ein Tuch gelegte nackte Kind in der Krippe. Hinter ihr steht Josef. Rechts sind drei Hirten zu sehen.
Anbetung der Hirten
Einer kniet vor dem Kind, die beiden anderen stehen hinter einer Mauerbrüstung. Im Hintergrund lugen Ochs und Esel hervor. Zu Füßen des Kindes liegt ein Lamm.
Im oberen Teil des Bildes wird ein Blick in den Himmel gewährt, wo Engel auf Wolken sitzend ein Spruchband mit dem Text "Gloria in excelsis deo" halten und himmlische Strahlen die beiden Szenen miteinander verbinden.
  Hinweis: Ochs und Esel versinnbildlichen das Judentum (Ochs, reines Tier) und das Heidentum (Esel, unreines Tier); sie erinnern aber auch an den zweiten Satz des Buches Jesaja "Der Ochse kennt seinen Besitzer und der Esel die Krippe seines Herrn; Israel aber hat keine Erkenntnis, mein Volk hat keine Einsicht." Der Kirchenlehrer und östl. Kirchenvater Bischof Gregor von Nazianz (330-390) greift einen weiteren Gedanken auf: "Zwischen dem jungen Ochsen/Stier, der an das jüdische Gesetz gespannt ist, und dem Esel, der mit der Sünde des heidnischen Götzendienstes beladen ist, liegt der Gottessohn, der sie von beiden Lasten befreite".

Im östlichen (vorderen) Teil der Decke ist in einem zweiten Fresko die  Verkündigung Mariens zu sehen. Maria kniet rechts auf einem Betpult. Der Engel Gabriel (hebräisch=Stärke Gottes) mit einer Lilie (seit dem Mittelalter Symbol für Reinheit und Keuschheit) in den Händen, kommt auf Wolken von links in den Raum.

Verkündigung Mariens
Am oberen Bildrand geben Wolken den Blick in den Himmel frei, wo der Hl.Geist in Form einer Taube Strahlen auf Maria herabsendet. Im Vordergrund weist ein kleiner Putto auf ein geöffnetes Buch mit dem Text: "Ecce Virgo concipiet et pariet filium" (seht die Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären).

  Hinweis: Die Gestalt der Taube für die künstlerische Darstellung des Heiligen Geistes gründet sich auf den Bericht der Taufe Jesu im Neuen Testament. Danach fuhr der Heilige Geist in leiblicher Gestalt auf Jesus hernieder wie eine Taube (Lk., 3,22). Obwohl dies nur bedeutet, dass sich der Geist bewegte wie eine Taube, nicht aber aussah wie ein Vogel, hat man die Taube als Symbol für die sonst nur schwer greifbare dritte Person Gottes gewählt. Das Konzil von Nicäa im Jahr 325 hat dies sogar empfohlen. Papst Benedikt XIV verbot 1745 die Darstellung der dritten göttlichen Person in Menschengestalt, wie sie vereinzelt immer noch vorkam.

In den Kartuschen links und rechts des Bildes sind
- die Darstellung im Tempel (ein Hohepriester hält den Jesusknaben auf den Armen; vor ihm kniet Maria, Dahinter ist Josef mit
  den beiden Opfertauben zu sehen) und
- die Heimsuchung Mariens (Elisabeth kniet vor Maria nieder, deren Körper ein Licht umstrahlt. Rechts ist Zacharias dargestellt)
  Hinweis: Maria hatte bei der Verkündigung durch den Erzengel Gabriel erfahren, dass auch ihre betagte Kusine Elisabeth guter Hoffnung war. Sie machte sich daraufhin auf den Weg, um Elisabeth zu besuchen (Lied: Als Maria übers Gebirge ging). Bei der Begrüßung durch ihre Kusine wurde Elisabeth offenbar, dass sie der Mutter des Gottessohnes begegnete, denn es heißt in der Bibel bei Lukas: Als Elisabeth den Gruß Marias hörte, da hüpfte das Kind in ihrem Leib und Elisabeth wurde erfüllt vom Heiligen Geist. Sie erhob laut ihre Stimme und rief: "Gebenedeit bist du unter den Frauen und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes!" Maria antwortete darauf mit dem Magnifikat, das mit den Worten beginnt: Magnificat anima mea Dominum (= Hoch preiset meine Seele den Herrn ..)

An die oberen Seitenwänden des Mittelschiffs (Lünetten) wurden nach dem Umbau 1892 große Wandbilder im Nazarenerstil zur Jugendgeschichte Jesu gemalt.

Tod Mariens
Sie zeigen:
-die Geburt Jesu (vorne links),
-Josefs Traum (vorne rechts),
-die Flucht nach Ägypten (mitte links),
-Jesus in der Zimmermannswerkstatt (Mitte rechts) -Tod Josefs (hinten links) sowie
-den Tod Mariens (hinten rechts).

Seitenaltäre

Linker Seitenaltar
Dreifaltigkeitsaltar
Die 2,20 Meter breiten Seitenaltäre sollen aus der Klosterkirche Taxa stammen. Sie wurden jedenfalls um 1895 neu gestaltet. Die Stipes, die Altartische, sind mit marmoriertem Holz verkleidet.
In der Mitte des
Antependiums ein Kreuz. Zwei Säulen tragen ein verkröpftes Gebälk mit Spenggiebeln und Inschriftenkartuschen sowie den ädikulaartigen Auszug mit hochovalen Bildern.
An der Predella beider Seitenaltäre stehen neben hinter Glas schöne Klosterarbeiten (mehr über Klosterarbeiten....)


Rechter Seitenaltar
Herz-Jesu-Altar

Dabei handelt es sich um Kastenreliquiare in Pyrami-denform. Sie wurden um 1900 aus Holz geschnitzt und vergoldet. Die Rahmung ist volutenartig gerollt. Hinter dem Glas Agnus-Dei-Medaillons mit farbigen Steinen, Goldlahn (= mit Goldfaden umwickelter Metalldraht) und Goldspitze auf rotem Samt.

Reliquiar
Die Agnus-Dei-Medaillons, die nicht nur in Odelzhausen, sondern auch in vielen anderen Orten des Landkreises in die Reliquiare aufgenommen wurden, sind schon seit dem Mittelalter bekannt. Damals ließen die Päpste zunächst im ersten sowie in jedem siebenten Jahr ihres Pontifikats, später dann jährlich aus den Resten der geweihten Osterkerze zuerst runde, in der Folge meist ovale"Agnus-Dei-Medaillons" gießen. Diese Wachsreliefs zeigen auf
  der Schauseite das Gotteslamm, oft mit einer Umschrift "ECCE AGNUS DEI QUI TOLLIT PECCATA MUNDI" (dies ist das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünden der Welt) versehen, sowie den Papstnamen. Die in der Regel nicht sichtbare Rückseite ist häufig mit dem Bild eines Heiligen versehen. Wegen ihrer großen Wertschätzung stellte man Agnus-Dei-Medaillons in späterer Zeit auch außerhalb Roms her.
Weitere Details über die Reliquiare in Odelzhausen weiter unten.

Linker Seitenaltar

Der linke Seitenaltar zeigt in einem eindrucksvollen Altarbild die Hl.Dreifaltigkeit. Jesus, Gott Sohn, hängt am Kreuz. Gottvater steht hinter ihm und stützt ihn. Im Auszug die Hl.Geist-Taube. Gottvater hinter dem Kreuz bedeutet auch, dass er das Opfer des Sohnes annimmt. Am unteren Bildrand ist die Ansicht von Odelzhausen zu sehen.  Bei diesem 180 x 120 cm großen Gemälde aus der Zeit um 1895 handelt es sich um das sog. Gnadenstuhl-Motiv.

Gnadenstuhl
Hinweis: Der Gnadenstuhl ist ein Darstellungstypus der göttlichen Dreifaltigkeit in der christlichen Kunst. Gott Vater präsentiert Christus den Betrachtern als denjenigen, der für ihre Sünden am Kreuz gestorben ist. Der Heilige Geist, der zwischen Gott und Christus steht, vermittelt zwischen beiden. Die Aussage des Gnadenstuhls kann mit den Worten "Zugang zu Gott nur über Jesus Christus" beschrieben werden.

 

  

Das Wort Gnadenstuhl ist erst von Martin Luther geprägt worden. Gnadenstuhl entspricht dabei der Übersetzung der Formel von thronum gratiae, die sich im Hebräerbrief (9,5) findet. Dort beschreibt Paulus die Bundeslade: "Oben darüber aber waren die Cherubim der Herrlichkeit, die überschatteten den Gnadenthron". Die Anfänge des künstlerische Gnadenstuhl-Motivs sind auf Illustrationen des um 1120 entstandenen Messkanons zu finden. Der Gnadenstuhl gilt als die bedeutendste mittelalterliche Bildschöpfung für die Darstellung der Dreifaltigkeit.

Tabernakel
Der Tabernakel ist im klassizistischen Stil gehalten. Zwei kannelierte Säulen mit korinthischen Kapitellen stützen den Aufbau, der mit einem Kreuz zwischen zwei Ziervasen gekrönt wird.


Tabernakel

Die Tabernakeltüre ist mit einem vergoldeten Relief aus Getreideähren und Weinreben geschmückt. Sie sind Symbole für Brot und Wein.

Darüber, aus dem Tympanon, blickt ein geflügelter Puttenkopf herab.
Reliquiare
Zu beiden Seiten des Tabernakels stehen barocke Reliquiare

Reliquiar links
Das erste Reliquiar enthält ein Wachsmedaillon mit der Schmerzensmutter Maria sowie viele Reliquien. Die Namen der Heiligen, von denen die Knochensplitter stammen, sind auf den Cedulae, den Pergamentzettelchen, zu lesen:
"S.Hippoliti M.; S.Achati M.; S.Silvani M.; S.Euphemiae M.; S.Sintori M.; S.Jucundini M.; S.Paphmutii M.; S.Liberatae M.; S.Rogati M.; S. Fastae V.M.; S.Petri Mart.; S.Theophili M.; S.Candidae M.; S.Casti M.; S.Nazarii M.; S.Germanae M.; S.Vitalianis M.; S.Tranquillinae M.; S. Hadriani M.; S.Amaeni M.; S.Modestae M.; S.Victoris M.; S.Cuciani M.; S.Germanae V.M.; S.Fausti Mart.; S.Generosi M.; S.Liberati M.; S.Salome V.; Bonifaci M.; S.Veremundi M.; S. Alexandris M.; S.Candidae V.M.; S.Secundi M.; S.Entropii M.; S.Martini P.M.; S.Justinae V.M.; S....nctor Innocenti; .... Innocent.; S.Liberatae M."
Im zweiten Reliquiar sind die Reliquien folgender Katakombenheiliger genannt:
"S.Justi M.; S.Tranquillinae M.; S.Generosae M.; S.Vitalianis M.; S.Thodorae M.; S.Felicissimae M.; S.Severae M.; S.Desiderii M.; S.Domitillae V.M.; S.Petronillae V.M.; S.Gaudiosi M.; S. Fortunati M.; S.Aurae V.M.; S.Simplicii M.; S.Galli Abb; S.Peregrini M.; S.Ottonis M.; S.Christophori M.; S.Agathae V.M.; S.Vitalis Mart.;S.Urbani P.M.; S.Innocentii M.; S.Romulae M.; S. Gratae Virg.; S.Justini M.; S.Verecundi M.; S.Lely Mart.; S.Felicisssimi M.; S.Adalberti M.; S.Crescentii M.; S.Theclae V.M.; S.Victoriani M.; S.Placidi M.; S.Achatii M.; S.Simplicii M.; S.Desiderii M.; S.Benedicti Abb.; S.Martini Ep."

Reliquiar rechts


Rechter Seitenaltar

Der rechte Seitenaltar ist dem hl.Lantpert / Lambert (937/938-957) geweiht, jenem Freisinger Bischof, der durch die Kraft seines Gebets Freising vor der Zerstörung durch die Ungarn bewahrt haben soll.

St.Lantpert
Sein Bild ist im Altarauszug zu sehen.
Ins Auge fallen die Mitra, die bischöfliche Kopfbedeckung und der wallende Bart von Lantpert.

Das 180 x 120 cm große Altargemälde zeigt eine Mischung aus Herz-Jesu-Bild und Salvator-darstellung. Das wohl am Ende des 19.Jh entstandene Bild zeigt Jesus im weiß-roten Gewand. Auf das weiße Untergewand ist das Herz mit umwundener Dornenkrone aufgedruckt. Jesus zeigt dem Betrachter seine Kreuzigungswunden an den Händen von denen Gnadenstrahlen ausgehen.

Herz-Jesu-Bild
Hinweis: Das Herz Jesu ist Symbol für die Erlöserliebe Christi. Diese Darstellung verbreitete sich in unseren Kirchen insbesondere nach der Einführung des Herz-Jesu-Festes durch Papst Clemens XIII.(1758 - 1769) im Jahr 1765.

 


Märtyrer-Schädel
In der Predella des rechten Seitenaltars ist in einem kleinen tabernakelähnlichen Schrein ein in Gaze gehüllter Totenschädel zu sehen. Nach der Inschrift auf dem Spruchband am Kissen handelt es sich um St.Felicitas, eine sog. Katakombenheilige.
Reliquiare
In den Altar sind -wie am linken Seitenaltar- zwei Kastenreliquiare eingebaut. Die Knochensplitter stammen von folgenden Heiligen:

Reliquiar
"S.S.Crescentii Mart.; S.Cajetani C.; S.Magni Abb.; S.Modestae M.; Lact.M.Virg.; S.Francisci Ser.; S.Petri M.; S.Basilidis M.; S.Valerani M.; S.Thomae Ap.; S.Sebastiani M.; S.Agathae M.; S.Remigii Ep.; S....eltrudis V.; S.Silvani M.; S.Bonifaci M.; S.Margarithae V.M.; S.Chiliani Ep. M.; S.Mauritii M.; S.Barbarae V.; S.Sixti M.; S.Speciosi M.; zwei weitere nicht mehr leserlich "S.BarbaraeV M.; S.Marthae V.M.; S.Ehrentrudis; S.Hippolyti C.; S.Roberti C.; S.Helenae Imp.; S.Wolfgangi Ep.; S.Victoriae V.M.; S.Ursulae V.M.; S.Agnetae V.M.; S.Augustini Ep.; S.Catherinae...; S.Hilarii Ep.;" Rest unleserlich.

Reliquiar rechts


Taufstein

Unter der Josefsfigur steht auf einem zylindrischen Schaft der neubarocke Taufstein aus rotem und hellem Marmor. Sein breites, bauchiges Becken wird von einem Deckel mit einer farbig gefassten Holzskulptur von Johannes dem Täufer bedeckt. Der Heilige hält einen Kreuzstab mit Spruchband im linken Arm. Die rechte Hand weist segnend nach oben. Zu seinen Füßen liegt ein Lamm. Die Figur ist eine von Albert Krottenthaler anhand von Fotos angefertigte Kopie der Originalfigur, die 1989 gestohlen wurde.

Taufsteinfigur

Hinweis: Die Taufe der frühen Christen fand ursprünglich im Freien statt, überall dort, wo fließendes
oder stehendes Wasser vorhanden war. Mit der Verlegung der Taufe in den Kircheninnenraum schuf man dort eige-ne Taufbecken. Als sich im 11.Jh die Praxis der Kindertaufe weitgehend durchsetzte, begann man mit der Errich-tung erhöhter Taufgefäße; die Bodenbecken erwiesen sich für die Kindertaufe als weniger geeignet. Das Tauf-becken ist meist aus Stein. Taufbecken und Deckel sind meist mit ornamentalem oder architektonischem Zierrat geschmückt. In der Barockzeit wurde auf dem Deckel häufig die Taufe Jesu figürlich dargestellt; dies geht auf Empfehlungen des Konzils von Trient (1545 bis 1563) zurück. Das Taufbecken hat in der Regel -so wie in Odelz-hausen- eine achteckige Form, weil die Zahl acht und das Achteck als Symbol für Erneuerung, Wiedergeburt und Herrschaft angesehen werden. Die Taufe gilt als der achte Schöpfungstag. Schon im 4.Jh hat der Kirchenvater Ambrosius von Mailand über einer Taufkapelle die Inschrift anbringen lassen:

"Mit acht Nischen erhebt sich der Tempel zu göttlichem Dienste
Achteckig eingefasst ist der Quell, würdig für das heilige Geschehen.
In der mystischen Acht muss das Haus unserer Taufe erstehen,
denn darinnen wird allem Volk ewiges Heil geschenkt"


Kanzel

Neben dem rechten Seitenaltar ist eine prächtige Kanzel aufgebaut. Sie stützt sich auf eine Säule, die durch rundbogige Blendarkaden gegliedert ist. Ihr Holz ist grün-gelb marmoriert und mit vergoldetem Schnitzdekor aus der Zeit um 1900 versehen.

Intarsien aus 17.Jh.
an der Kanzel
Unter der Farbe besitzt sie Intarsien aus verschieden Hölzern oder aus Zinn, die aus der 2.Hälfte des 17.Jh stammen dürften; dies hat eine Probefreilegung ergeben. Wahrscheinlich kam die Kanzel aus dem 1803 aufgelösten Kloster Taxa und wurde bei der Neuausstattung der Kirche um 1895 verändert. Sie besitzt einen Doppelkorb; so können die Prediger auch von den Gläubigen in den Seitenschiffen gesehen werden. Am Kanzelkorb fehlen heute die originalen Brüstungsfiguren (Christus und die vier Evangelisten),die sich in Privatbesitz auf einem Bauernhof im Landkreis Fürstenfeldbruck befinden. An ihrer Stelle sind -zwischen den Säulchen-

Kanzel
Engel mit den Symbolen der göttlichen Tugenden zu sehen: Glaube, Liebe und Hoffnung. Dort sind auch Christus mit dem offenen Buch des Lebens sowie die griechischen Buchstaben Alpha und Omega dargestellt.
  Hinweis: Die Predigt wurde in altchristlicher Zeit -ähnlich wie heute- von einem Ambo aus gehalten. Ab dem 13. Jh. hat man Kanzeln gebaut, die zumeist seitlich im Mittelschiff ihren Platz haben, dort, wo die Gemeinde versammelt ist. Von hier aus konnten die Prediger auch von oben herab sprechen, was ihren Worten größere Wirkung verleihen sollte. Spätestens seit dem 2.Vatikanischen Konzil 1962 werden sie nicht mehr benutzt.
Die drei Tugenden erhalten das Attribut göttlich, weil die christliche Lehre davon ausgeht, dass sie nicht von Menschen erbracht, sondern durch den Geist Gottes geschenkt werden.

LesepultZur Beschreibung des ZelebrationslaltarsZur Beschreibung der Szenen  aus der Jugendzeit JesuZur Beschreibung der LeuchterZur Beschreibung der NamenschilderZur Beschreibung der NamenschilderZur Beschreibung der KapitelleZur Beschreibung der DeckengemäldeZur Beschreibung der LeuchterZur Beschreibung der OrgelZur Beschreibung der KapitelleZur Beschreibung der Szenen  aus der Jugendzeit Jesu
 7 Details (Orgel, Decke, Kirchenbänke, Prozessionslaterne, Figuren,
Epitaphe, Leuchter) per Mouseklick

Kanzelkreuz u. Mater Dolorosa

An der Langhausnordseite hängt eine Kreuzigungs-gruppe, die ebenfalls aus Taxa übernommen wurde.
Die Kanzelkreuz-Gruppe soll im Jahr 1767 geschnitzt worden sein; diese Jahreszahl steht jedenfalls auf dem Sockel. Nach Meinung von Kunsthistorikern sind die Figuren etwas zu derb für diese Zeit; sie mutmaßen, dass die Figuren früher geschnitzt und 1767 nur restauriert oder neu gefasst worden sein könnten.
Unter dem Kruzifix steht die schmerzhafte Muttergottes (mater dolorosa) mit einer großen Krone auf dem Haupt und einem Schwert in ihrer Brust.
  Hinweis: Das Schwert in Marias Brust erinnert an das Simeonwort im Lukasevangelium (Kap 2,35)bei der Darstellung im Tempel: "Dir selbst wird ein Schwert durch die Seele dringen".


Kanzelkreuz  
Mater dolorosa


V
otivbild


Gegenüber, auf der Südseite, ein großes Votivbild der Heiligen Familie (gemalt mit
Öl auf Leinwand).
Im Bildteil werden Josef, Jesus und Maria beim Spaziergang vor dem Hintergrund einer befestigten Stadt inmitten einer südlän-dischen Landschaft gezeigt. Der Text im reich verzierten Bilderrahmen lautet: "Zu Ehren Jesu, Maria & Josef. Für erhörtes Gebet. S.W. 1890"


Heilige Familie



Kreuzweg-Stationsbilder

An den Seitenwänden des Kirchenschiffs hängen die schönen, sehr großen Kreuzwegbilder (88 x 61 cm mit Ölfarbe auf Leinwand, um 1870).

Die Odelzhausener Kreuzwegbilder gehören zu den Bildern, für die der bekannte Nazarener-Maler Joseph von Führich aus Wien (1800-1876) die Vorlage geschaffen hat.
Joseph von Führich (auch "Theologe mit dem Stifte" genannt) war durch seine um 1846 gemalten Kreuzwegbilder international bekannt geworden. Schon 1847 wurde der gesamte Kreuzwegzyklus das erste Mal gedruckt, und seither gilt der Führich-Kreuzweg als der meistkopierte. Als Kupferstiche verbreiteten sie sich über das katholische Europa bis hin nach Kroatien und unzählige Maler (darunter auch Anton Huber für Puchschlagen und Anton Rick für Röhrmoos) benutzten sie als Vorlage für ihre Kreuzwegtafeln.

Aus diesem Grund gleichen sich die Kreuzwegbilder in mind. 23 Kirchen des Dachauer Landes in hohem Maße.
Eine Besonderheit ist die dritte Station. Dort hat Führich einen kleinen Hund in sein Bild eingefügt.
Die Maler der ersten Kopien haben das Tier mit übernommen. Später wurde das bei den Juden als unrein angesehene Tier weggelassen. Deshalb ist das Vorhandensein des Hundes im Gemälde ein Zeichen für das Alter des Gemäldezyklus'.
Da sich auch auf dem Odelzhausener Stationsbild III ein Hund befindet, ist davon auszugehen, dass das Bild schon vor 1870 entstanden ist. Eine andere Quelle schätzt die Entstehungszeit auf 1890.

Als Kreuzweg werden die aufeinanderfolgenden bildlichen oder plastischen Darstellungen bezeichnet, die meist aus vierzehn Stationen der Leidensgeschichte Jesu, angefangen von der Verurteilung durch Pilatus bis hin zur Grablegung, bestehen. Seinen Ursprung hat der Kreuzweg im Brauch der Pilger, bei Wallfahrten nach Jerusalem den Leidensweg Jesu auf der "Via Dolorosa" nachzugehen. Im späten Mittelalter wurde die Kreuzverehrung insbesondere durch den hl.Franziskus von Assisi gefördert, der durch die Stimme des Gekreuzigten vom Kreuz in St.Damiano zu einem christlichen Leben bekehrt wurde. Seit dieser Zeit wurden Kreuzwegandachten als Ersatz für die Pilgerfahrt ins Heilige Land abgehalten. Die Stationen bildeten dafür die Leidensstätten Jesu nach. Auf diese Weise konnte der letzte Weg Jesu vor Ort nachgegangen und sein Leiden anschaulicher betrachtet werden. Kreuzwegdarstellungen in Deutschland entstanden erstmals in und bei Klosterkirchen, auf Anhöhen und bei Wallfahrtsorten, insbe-sondere in der Nähe von Franziskanerklöstern. Mit der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert hielten sie als Kreuzwegbilder Einzug in die Innenräume der Pfarrkirchen und verbreiteten sich zunehmend. Papst Clemens XII. erkannte im Jahr 1731 mit seinem Breve "Unterweisungen über die Art, wie man den Kreuzweg abhalten soll" diese Form des Kreuzwegs als kanonisch an und bedachte ihn mit großzügigen Ablässen.

1. Station
Jesus wird von Pilatus zum
Tode verurteilt
2. Station
Jesus nimmt
das Kreuz
auf seine Schultern
3. Station
Jesus fällt
zum ersten Mal
unter dem Kreuze
4. Station
Jesus begegnet
seiner
Mutter Maria
5. Station
Simon v.Cyrene
hilft Jesus
d. Kreuz tragen
6. Station
Veronika reicht
Jesus das
Schweißtuch dar
7. Station
Jesus fällt
zum zweiten Mal
unter dem Kreuze
8. Station
Jesus tröstet
die weinenden
Frauen
9. Station
Jesus fällt
zum dritten Mal
unter dem Kreuze
10. Station
Jesus wird seiner
Kleider beraubt
11. Station
Jesus wird ans
Kreuz geschlagen
12. Station
Jesus
stirbt am Kreuz
13. Station
Jesus wird
vom Kreuz
abgenommen
14. Station
Jesus wird
ins Grab gelegt

Wenn Sie sich eine Zusammenstellung von Kreuzwegbildern aus den Kirchen des Dachauer Landes ansehen und mehr über die Geschichte des Kreuzwegs erfahren möchten, klicken Sie hier..



Prozessionslaternen und Apostelleuchter

Erwähnenswert sind noch die großen Leuchter und die an den Bänken befestigten Prozessionslaternen, die bei der Fronleichnamsprozession mitgeführt werden.
        
Prozessionslaterne - Apostelleuchter
An den Wänden im Langhaus sind auch die Apostelleuchter mit den Apostelkreuzen als Hintergrund angebracht, die früher an den Festtagen angezündet wurden.
Hinweis: Die Apostelleuchter erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlischen Jerusalems.


K
irchenbänke


Kirchenbank
Die Kirchenbänke mit ihren 520 Sitzplätzen haben schön geschnitzte Wangen mit drei unterschiedlichen Mustern (vorderes Kirchenschiff, hinteres Kirchenschiff und Empore). Die Wangen an den ersten 12 Bänken im vorderen Schiff wurden um 1900 gefertigt. Die übrigen Wangen mit Akanthusschnitzereien stammen noch aus der Zeit um 1720. Hinter den unteren Emporenbänken erhebt sich eine kassettierte Rückwand aus Holz mit Zahnschnittfries und gemalten Kreuzmotiven. Die Kreuze wurden um 1900 bemalt. Unter dieser Farbschicht kamen bei einer Freilegungs-probe barocke Blumenmalereien zum Vorschein. Auch dies könnte -wie bei der Kanzel- für eine frühere Verwendung in der Kirche von Taxa sprechen. Jedenfalls sind Wand-vertäfelungen auf Emporen recht ungewöhnlich und es wird sich wohl hier in Odelzhausen um die Zweitverwendung einer Rückwand aus der abgerissenen Klosterkirche handeln.
  Hinweis: Kirchenstühle gab es nicht von Anfang an in den Kirchen. Die ersten 1500 Jahre standen die Gläubigen oder bewegten sich langsam im Raum. Lediglich für Alte und Schwache gab es einige Stühle an den seitlichen Wänden. Ohne Kirchenstühle fasst eine Kirche viel mehr Menschen; bei dichtem Gedränge während des Gottesdienstes schien der Raum voller Bewegung zu sein. Das feste Gestühl wurde zum Spiegel einer disziplinierten Gemeinschaft, in der jeder seinen festgefügten Platz hatte. Im 16.Jh. wurden zuerst die evangelischen Kirchen mit Bänken ausgestattet, weil dort die Predigt als Medium der Heilsvermittlung einen größeren Raum einnimmt; beim Sitzen ist der Zuhörer aufmerksamer, geduldiger und ruhiger. Die katholischen Kirchen zogen erst später nach. Die Bestuhlung war einer der Gründe, dass die Kirchen zu Beginn der Barockzeit vergrößert werden mussten.

In den Bänken sind noch die alten Namensschilder erhalten, die früher in fast allen Kirchen zu finden waren. Heute ist dies -zumindest in dieser Anzahl- sehr selten im Landkreis Dachau. Die Schilder sicherten früher den Bauern (gegen ein angemessenes Entgelt) einen festen Platz in der Kirche. Die festen Plätze in der Kirchenbank waren in der Regeln an den Hof gebunden; der Käufer eines Anwesens erwarb auch den mit dem Anwesen verbundenen Kirchenstuhl.


Namensschilder
  Hinweis: Solche Namensschilder sind auch noch in den Kirchen von Ainhofen, Altomünster, Dachau, Eglersried, Ebertshausen, Einsbach-Hl.Blut, Glonn, Langenpettenbach, Puchschlagen, Asbach und in der Taxakapelle erhalten.
Wenn Sie sich noch weitere Muster von Kirchenbankwangen in den Kirchen des Landkreises anschauen möchten, klicken Sie hier...

 

Opferstöcke


Opferstock
An den Kirchenbänken im Seitengang stehen zwei hölzerne Opferstöcke im Stil der Erbauungszeit.

In den Kirchen des Landkreises Dachau gibt es viele unterschiedliche, außerordentlich interessante Opferstöcke. Wenn Sie sich dafür interessieren, klicken Sie hier..


Epitaphe

  Hinweis: Epitaphe gibt es in unseren Kirchen erst seit dem 14. Jh. als Gedächtnismal für einen Verstorbenen in Form einer Steinplatte, die innen oder außen an der Kirchenwand senkrecht aufgestellt wird. Epitaphe (griech. Grabinschrift) wurden für diesen Zweck eigens angefertigt; sie sind keine früheren Grabplatten. Das Epitaph ist auch kein Grabmal, weil sich weder dahinter noch darunter ein Grab befindet.

Im Innenraum

Im hinteren Bereich des Kirchenschiffs sind Epitaphe (Grabplatten) früherer Hofmarksherren in die Wand eingelassen:

- An der rechten Seitenwand ist eine große Grabplatte aus Solnhofener Plattenkalk (245 x 117 cm) aus dem Jahr 1602 für Christoph Aver von und zu Puelach zu sehen, die mit dem Relief einer Ritterfigur geschmückt ist. Der Helm des Ritters liegt am Boden, ein Zeichen für seinen Tod. Als eine Art Rahmen dienen sechs verschiedene Wappen, darunter auch derer von Weichs, Stettner, Auer, Leonrod und Sandizell. Darüber steht der lateinische Vers:
  Christophor sit hic Awer de Stemate Puelach - Lustra decem et medium vixit at o Nemora -
Fernandi Bavari vestrum lugete magistrum - Vel saltem hanc mortem tu Philomela cane.
(Hier liegt Chrisoph Auer aus dem Stamme Pullach er hat nur viereinhalb Jahrzehnte gelebt. Jetzt aber ihr Wälder, betrauert Euren des Herzogs Ferdinand von Bayern Hofmeister oder mögest du liebe Nachtigall diesen Tod beklagen).
Auf dem Stein hält der Ritter in der Hand einen kurzen Rosenkranz, den sog. Mannsbeten, der für Männer erlaubt war. Er beginnt mit dem Kredokreuz, an das sich zehn Ave-Kugeln anschließen. Oft hatten sie am Ende noch ein Medaillon oder eine Quaste. Dies ist bei dieser Figur leider nicht zu sehen, weil der Stein an dieser Stelle beschädigt ist. Die Beschädigung erfolgte erst in unserer Zeit, als man den Stein versetzte.
Das Epitaph ist rechts unten mit "C.Senft f." signiert.
Christoph starb übrigens mit 45 Jahren, knapp zweieinhalb Jahre nach seinem Vater, "den 9.Aprilis zwischen 1 und 2 Uhr nach Miternacht". Er hinterließ neben seiner Frau nur ein nichteheliches Kind. Die Witwe heiratete übrigens das Jahr darauf den Schlossherrn Wilhelm Hundt von Lauterbach auf Schloss Sulzemoos.


Epitaph v. 1602


1730

Unter einem Löwen, der ein Wappen in seinen Pranken hält, befindet sich das Epitaph für den "Edlen Fest- und Hochgelehrten" Hofmarksrichter Franz Alexander Faber, der am 17.5.1730 gestorben ist. (Solnhofener Kalkplatte, 36 x 35 cm; Wappen aus Sandstein)


1739

Von prächtigen Wappen gekrönt ist auch das Epitaph für Freiherrn Johann von Beccaria und Silano (gest. 31.12.1739), Herrn zu Gehwöningen vnd Hundthaimb der Churf Drlt. in Bayern Kriegs- vnd Hofkammer-Rath, auch Haubt- Pfleger zu Abensperg vnd Altmanstain   06) und für Anna Regina Silva (gest.21.11.1704). Darunter ein Totenkopf mit gekreuzten Oberschenkelknochen. Auf dem Schädel steht eine Sanduhr (Rotmarmor, 155 x 85 cm).Die gekreuzten Oberschenkelknochen unter dem Totenschädel versinnbildlichen die abgestorbene Kraft der Lenden, der Schädel den entschwundenen Geist. Die Sanduhr erinnert an die Vergänglichkeit des Lebens (Vanitasmotiv)
Der Stein befand sich 1895 noch außen an der Südwand.  06)


1817

Epitaph aus Solnhofener Plattenkalk (73 x 58 cm) für Francisca Gräfin von Minucci
(geb. 28.4.1762, gest. 25.1.1817)
Text: "Francisca Graefin von Minucci, Schlüßel Dame J. Majestaet der Koenigin von Baiern und Elisabethen Ordens Dame. Starb den 25ten januar 1817. Sie war gebohren den 28ten April 1762."


1850
Epitaph aus grauem Granit (116,x 66 cm) für Graf Anton Törring-Minucci (geb.24.8.1798, gest.13.12.1846) und für Franziska Gräfin Törring-Minucci (geb.14.12.1804, gest.5.10.1850)
Text: "Hier ruht der Hochgeborne Graf Anton Törring-Minucci, k.b.Kämmerer, geboren den 24.ten August 1798, gestorben den 13.ten December 1846, und seine Gattin die hochgeborne Frau Franziska Gräfin Törring Minucci, geb. Gräfin Minucci,geboren den 14.t. December 1804, gestorben den 5t. Oktober 1850. R.I.P."


1807

 

 

 

Epitaph für Pfarrer Martin Kiening (geb.14.3.1763, gest.11.2.1807) (Solnhofener Plattenkalk, 76 x 52 cm)
Pfarrer Kiening war 1782 in das Chorherrenstift Indersdorf eingetreten. Während seines Studienaufenthalts in Ingolstadt wurde das Stift 1783 aufgehoben. Kiening musste nun die Laufbahn eines Weltgeistlichen einschlagen. Als Schlosskaplan von Odelzhausen erlebte er die Aufhebung und Zerstörung des nahen Klosters Taxa.
33)

Text: "Hier verwest die Huelle nur des Hohwürdigen Hohgelehrten Herrn Martin Kiening, Regulirten Korherrn des ehemaligen Stiftes Indersdorf.
1763 - 14 Maerz zu Großinzemoos gebohren,
1782 - 28 April Profeß im Stifte Indersdorf,
1786-1.May Priester und Curatus daselbst,
1802-18.Oktobr. Schloß Capellan zu Odelzhausen,
1807-11.Febr. daselbst gestorben.
Nein seinen Geist berührte nicht der Tod - Der schwang sich jubelnd auf zu Gott - Um in verklärten Himmels Auen - Ihn ewig selig anzuschauen - Denn Er war ja - Der Aeltern zärtlichtreuster Sohn - Und der Geschwister Herzens Bruder - Und der Befreunde trautster Freund - Der Kirche Gottes Beyspiel vollster Priester - Der Armen hilfreicher Vatter - Und allen Menschen hold und gut - Und deshalb werth der Seligkeit - Die ewig lohnend Ihn erfreut. R+I+P."


1816

Epitaph aus Solnhofener Plattenkalk (73 x 58 cm) für Gräfin Maria Anna von Berchem, die 1816 im Alter von 68 Jahren starb.
Text: Maria Anna, Graefinn von Berchem, gebohrne Graefinn von Minucci,
Churbaierische Staats- und Conferenz- Ministers Wittfrau,
und Sternkreuz-Ordens Dame,
Starb den 18ten Nov. 1816. Sie war gebohren den 26ten Dez. 1747


1747

Im nördlichen Vorhaus stehen an der Wand drei Epitaphe vor einheitlich dunkler Steinrückwand.
Das große mittlere Epitaph ist dem Maximilianeus Emmanuel De Verita, dem Grafen von La Selva in Brogno gewidmet, dem Kammerer des Fürsten und Cardinals von Bayern, der am 28. August 1747 im Alter von 53 Jahren gestorben ist. Im oberen Teil des Epitaphs ein großes Relief, das das Wappen der Familie Verita de la Selva di Progno darstellt.
Die Gravuren auf den äußeren Steinen sind schlecht zu lesen. Der rechte Stein jedenfalls erinnert an den Major Graf Franciscus Xaverius Minucci.

— Epitaph aus Solnhofener Plattenkalk für Adam Joseph Hindermair, gest. 19.8.1696 (48 x 37 cm)

— Epitaph aus Rotmarmor (102 x 84 cm) für Karl Albert Graf von Minucci (geb. 23.7.1719, gest. 23.7.1793)

— Epitaph aus Solnhofener Plattenkalk (86 x 59 cm) für Benefiziat Joseph Speramani, gest. 30.6.1808 (86 x 59 cm)

— Epitaph aus Solnhofener Plattenkalk (118 x 73 cm) für Ferdinand Graf von Minucci (gest. 14.5.1813).
    Unten rechts signiert mit: "fecit H.Staudinger/Augsburg1864"


Epitaphe im Außenbereich

In die Friedhofsmauer und die Außenwände des Vorhauses sind vier Epitaphe eingelassen, die an die Hofmarksherren Grafen Minucci erinnern.

— am Vorhaus:
    das Epitaph aus graurotem Marmor für den am 28.8.1747 gestorbenen Maximilian Emanuel de Verita, Graf de la Selva
    in Brogno (114 x 66 cm)

— Epitaph (111 x 39 cm) aus grauem Marmor für den am 8.4.1816 verstorbenen Minucius Vincentius Wilhelmus Graf
    von Minucci

— Epitaph aus grauem Marmor für den am 24.9.1812 verstorbenen Franciscus Xaverius Graf von Minucci (111 x 39 cm)

— an der Friedhofsmauer
   die Priestergrab- und -gedenkstätte in einer ädikulaartigen Wandnische mit kannelierten Pilastern und Dreiecksgiebel.
   Dort steht ein fast lebensgroßer Bronzechristus. Links und rechts davon zwei Marmortafeln mit den Namen und Sterbedaten
   von elf in Odelzhausen tätigen Geistlichen  aus dem 19.u.20.Jh.


Frühere Epitaphe:

Früher waren noch weitere Epitaphe eingelassen. Jedenfalls nennt das Verzeichnis der Kunstdenkmale des Königreichs Bayern von 1895 noch folgende Grabsteine:

Grabstein mit der Reliefhalbfigur eines Pfarrherrn; ohne Inschrift. Um 1600. Rother Marmor. H. 130, br. 58 cm. (im Vorhaus)

Grabstein der Maria Magdalena von Wildenstein, eine geborene Avin von Buelach, des Christof von Wildenstein zue
    Wildbach . . . Hausfrau +1580, mit der Auferstehung Christi und den beiden Wappen. H. 218, br. 105 cm. (außen an der
    Südwand)


Grabplatte des Osaicus comes de Minucci Dominus de Ollzhausen +3. Dez. 1755 im 85. Lebensjahr

 


Figuren im Kirchenschiff

Neben dem linken Seitenaltar ist am Chorbogen eine große Figur des hl. Josef angebracht. Er hält eine Lilie in der linken Hand als Symbol seiner Keuschheit und damit als Zeichen, dass Jesus nicht sein Sohn sein kann, sondern Gottes Sohn ist. An seinen Füßen lehnt eine Axt.
  Hinweis: Joseph war der Vater Jesu - oder Ziehvater Jesu, da nach altchristlicher Überzeugung Jesus der Sohn Gottes ist und durch den Heiligen Geist im Schoß der Jungfrau Maria gezeugt wurde. Joseph stammte aus dem Geschlecht des Königs Davids, aus dem nach dem Zeugnis des Alten Testaments der Messias hervorgehen werde. Er lebte als Zimmermann in Nazareth.

St.Josef

Unter der Doppel-Empore eine Figur des hl. Antonius mit dem Jesuskind auf dem Arm.
  Hinweis: Der Heilige lebte im 13.Jh und war ein begnadeter Redner, der sich gegen die Sekten der Katharer, Albigenser und Waldenser wandte. Seine Fastenpredigten in Padua 1231 hatten einen sensationellen Erfolg: Die ganze Region schien wie umgewandelt: Schulden wurden erlassen, zerstrittene Familien versöhnten sich, Diebe gaben das gestohlene Gut zurück, unrechtmäßige und überhöhte Zinsen wurden den Schuldnern zurückerstattet. Bis heute gilt in Italien ein damals erlassenes Gesetz, dass niemand mit seinem Leben und seiner Freiheit für eine Schuld haften solle, sondern nur mit seinem Eigentum. Das Jesuskind auf seinem Arm ist Hinweis auf eine seiner Visionen, die er beim Bibellesen hatte. Antonius wird als Hilfe zum Wiederauffinden verlorener Gegenstände angerufen und gilt deshalb als "Patron der Schlamperer". Dies geht auf zwei Legenden zurück: Als ihm ein Manuskript gestohlen worden war, betete er so lange, bis der Dieb damit zurückkehrte. Schöner ist die zweite Legende, nach der er einem Geizhals half sein Herz zu suchen und es in einer Geldtruhe fand.

St.Antonius



Empore und Orgel

Die zweigeschossige Empore ruht auf Gusseisensäulen. Hinter der Empore befindet sich der dreiseitig zum Kircheninneren vorspringende Treppenturm. Die untere Empore reicht über die gesamte Breite des Raumes (alle drei Schiffe), die obere nur über die Breite des Mittelschiffs. Die wunderschöne, teils in die Emporenbrüstung integrierte Orgel, stammt aus dem Jahr 1993 und besitzt 22 Register.

Orgel
Sie  wurde -wie schon ihre Vorgängerin aus dem Jahr 1930 mit 25 Registern- von Leopold Nenninger aus München errichtet. Die Firma Nenninger hat auch die Orgeln in den Kirchen von Sittenbach, Welshofen, Wiedenzhausen und Langenpettenbach gebaut sowie die Orgel in der Haimhausener Schlosskapelle restauriert. Vor 1930 war eine Orgel mit 8 Registern eingebaut, die sich schon vor 1874 in der Kirche befand. Der Orgelprospekt ist in den Formen des Neurokoko gestaltet.



Vorhäuser


Im Vorhaus des auf der Südseite liegenden Eingangs sind an der Stelle, an der früher vielleicht ein Beinhaus gestanden hat, hinter einem Ziergitter Totenschädel vor einem großen Wandfresko zu sehen. Das Bild zeigt unter der Überschrift "Erbarmt Euch unser" eine Muttergottesfigur auf Wolken, begleitet von Engeln, deren Fürbitte die Seelen im Fegefeuer mit erhobenen Händen ersehnen. Der Text "Erbarmt Euch unser" ist nicht an Maria, sondern an die Gläubigen in Odelzhausen gerichtet, die dadurch zu einem Gebet oder zu guten Werken für die Seelen im Fegefeuer angehalten werden sollen. Die drei Totenschädel am Fuße des Bildes dürften nicht echt sein. Sie liegen auf einer Treppenkonsole, auf die der Text: "R.I.P. Nichts ist gewißer als der Tod" geschrieben ist.


Karner
Gedenkstätte

  Hinweis: Das Beinhaus oder Karner (lat.carnarium=Fleischkammer) war vom Mittelalter bis zum 19.Jh. eine meist an die Kirche in der Nähe des Eingangs angebaute, zweigeschossige Friedhofskapelle, in deren Untergeschoss die Gebeine der schon lange Verstorbenen aufbewahrt wurden, um Neuzugängen Platz zu machen (Zweitbestattung). Ursprünglich hatte jeder Pfarrfriedhof, neben an oder unter der Kirche einen Karner. Auf den Synoden von Münster und Köln (1279/1280) wurden sie zwingend vorgeschrieben. In früheren Jahrhunderten war die Lebenserwartung niedrig und die Kindersterblichkeit hoch; 42 Prozent der Kinder starben im ersten Lebensjahr 20) . Deshalb gab es damals im Verhältnis zur Bevölkerungszahl mehr Beerdigungen als heute. Friedhöfe waren immer um die Kirche herum angelegt und kaum erweiterungsfähig. Im Jahr 1058 beschränkte mandie Grenzlinien der Friedhöfe auf 60 Schritte im Umkreis des Altars für Hauptkirchen und 30 Schritte für Kapellen. Weiter entfernt konnte man sich des Segens der im Altar ruhenden Reliquien und der Fürbitte des Heiligen nicht sicher sein. So war es üblich, die Gräber schon nach 5 bis 10 Jahren wieder zu verwenden. Zudem gab es keine Familiengräber; der nächste Tote erhielt das frei werdende Grab. Manche Totenschädel in den Beinhäusern wurden auch bemalt oder mit Inschriften versehen, um sie der Anonymität zu entreißen. Karner waren besonders in Bayern, Österreich und Ungarn verbreitet; sie standen an katholischen und protestantischen Gotteshäusern. In den letzten hundert Jahren wurden die Karner abgerissen bzw. in Lourdeskapelle, Abstellräume oder Vorhäuser umgewandelt. In manchen Kirchen wie hier in Odelzhausen erinnert aber noch eine Nische mit einigen Totenköpfen an die frühere Trauerkultur. Die aufgestapelten Gebeine sollen die Kirchenbesucher an die Vergänglichkeit des Menschen ermahnen.

Im Vorhaus auf der Nordseite hängt/hing ein Gemälde mit der Darstellung eines Priesters, der einem Sterbenden beisteht (Öl auf Blech, 134 x 90 cm, um 1890).
Außerdem steht/stand dort ein Gedenkstein zum Kirchenumbau von 1892-1902 (grauer Marmor, 53 x 56 cm).

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Hans Schertl

Quellen:

01)Hochfürstlich-Freysingischer Hof- und Kirchenkalender 1758 mit beygefügtem Schematismo, S.144 (Pfarrerliste)
02) Dr.Martin v. Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
03) H. Carl Roth, Örtlichkeiten des Bisthums Freising aus Kozrohs Handschrift in ganzen Sätzen ausgehoben, München 1856/57
04) Arthur von Ramberg,Joseph Heyberger, Topographisch-statistisches Handbuch des Königr. Bayern, Band 5, 1867 (Statistik)
05) Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874
06) Bezold/Riel, Kunstdenkmale des Königreichs Bayern, 1895
07) Theodor Bitterauf, Die Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (Nr. 327, 1011)
08) Amperbote vom 08.07.1922 (Primiz von Johann Wirthmüller),
09) Amperbote vom 16.11.1922 (Pfarrerhebung)
10) Dr.Peter Dorner, Renaissancebild einer Landschaft, Amperland 1968 (Apian 1568)
11) Josef Bogner, 1200 Jahre Fürholzen, Amperland 1974 (Namensschilder)
12) Georg Brenninger, Orgeln und Orgelbauer im Landkreis Dachau, Amperland 1975/4
13) Wilhelm Störmer, Adelige Eigenkirchen und Adelsgräber - Denkmalpflegerische Aufgaben,1975, ZBLG 38, S.1142-1158 (UrkNr)
14) Georg Brenninger: Orgeln in Altbayern. Bruckmann, München 1982, ISBN 3-7654-1859-5.
15) Süddeutsche Zeitung, Beilage Landkreis Dachau, 20.4.1979 (Ortsgeschichte)
16) Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV, 1990
17) Robert Böck,Wallfahrt im Dachauer Land, Bd. 7 der Kulturgeschichte des Dachauer Landes, 1991
18) Dr.Stefan Nadler, Kunsttopographie des Erzbistums München und Freising, 1992
19) Franz Keiner, Dorf und Hofmark Odelzhausen 814-1914, 1992
20) Prof. Dr.Wilhelm Liebhart, Das Landgericht Dachau in der frühen Montgelaszeit, Amperland 1994
21) Bauer/Rupprecht, Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, 1996
22) Dachauer Neueste von 1998 
23) Unser Dachauer Land, Beilage zu den Dachauer Nachrichten vom August 1998 (Übertragungsdatum Gnadenfigur)
24) Dr. Lothar Altmann, Barocke Deckenmalerei im Landkreis Dachau, Amperland 1998/3
25) Internetseite der Pfarrei Odelzhausen, 2002
26) Dachauer SZ vom 10.10. 2002, v. 12./13.10.2002, v. 19.3.2008 (30jKrieg)
27) Dachauer Nachrichten v. 11.07.1970 (Turmbeschuss), 12.10.2002
28) Tobias Zauscher, Die Aufhebung des Augustinerklosters Taxa 1802, Amperland 2003/3
29) Münchner Kirchenzeitung v. 30.10.2005 (Erlass von 1058)
30) Heinrich und Margarethe Schmidt, die vergessene Bildersprache christlicher Kunst, 2007 (OchsEsel,Pelikan)
31) Andreas Estner/Matth. Morgenroth, Heilige Gebeine, BR-2, 1.11.2011, 18:05 Uhr
32) https://www.youtube.com/watch?v=j0wN2fIj_KA (Glockenläuten 2011)
33) Prof.Wilhelm Liebhart, Grab-und Gedenkinschriften aus Oberbayern, Amperland 2012/4 (Kiening)
34) Ralf Müller, Oberhaching, 2014 (Maria-Stern-Glocke)
35) Dachauer Rundschau v. 16.7.2014 (Glocken), v. 23.7.2014 (Schenkung 814)
36) Dr.Mich.Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte 1871-1990, www.verwaltungsgeschichte.de/, 2015 (Statistik 33,39)
37) Armin Eberle, Gründung des Pfarrverbands Odelzhausen, 2016
38) Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern, vom kgl. Statistischen Bureau in München, 1876
39) Karl Meichelbeck / Anton Baumgärtner, Geschichte der Stadt Freising und ihrer Bischöfe, 1854 S. 4
40) Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres 1560, 1986
41) Freysinger Hof-und Kirchenkalender mit beygefügtem Schematismo 1790-82


119 Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

12.3.2018


Gerichtlicher Anspruch auf Eigentum in der Angelegenheit des Priesters Freido
Hunperht, Hroadleoz und Ermanrih begeben sich ihrer Ansprüche auf die Kirche zu Odelzhausen,
eine Schenkung des Priesters Freido, Bergkirchen 814, Oktober 2.

Als Bischof Hitto und seine vornehmen Begleiter Engilhardus und Liutpald bei der Kirche, die Percchiricha (Bergkirchen) genannt wird, verweilten, kamen auch viele andere dorthin an diesen Ort, sie waren gekommen in Gegenwart von Hunperht et Hroadleoz et Ermanrih und machten Ansprüche geltend nach jener Kirche im Ort namens Otolteshusir (Odelzhausen), welche der Priester Freido zum Heil seiner Seele dem Hause der heiligen Maria übergeben hat. Darauf erhoben sich Kaganhart und viele andere mit ihm und bezeugten, daß sie gesehen hatten, daß der vorgenannte Freido die Kirche in die Hände des Bischofs Atto und zum Haus der heilgen Maria übergeben hatte, als Bischof Atto jene Kirche consecrierte. Dazu antworteten Hunperht und Hrodleoz und Ermanrih, daß sie niemals übergeben wurde. Dann verlangte der vornehme Engilhardus, daß diese edlen Männer schwören sollten die Wahrheit zu sagen. Insbesondere schwor Ekkihart, desgleichen Kerhart, Salomon, Cunzo, Pernhart, Hrodfolch, Sindihho, Lantperht, Odalpato, Uuimo, Ato. Und nach dem Schwur sagten sie, daß der vorgenannte Freido in seiner Sterbestunde sie zu sich rief und ein zweites Mal jene Kirche zum Haus der Heiligen Maria übergeben habe und in ihre (= Ekkihart ect.) Hände bestimmte, daß sie vor Gericht auftreten und die oben genannte Kirche dem Haus der Heiligen Maria übergeben sollten. Darauf sahen die vorgenannten Leute, die jene Kirche einforderten, daß sie sich mit ihrer Meinung überhaupt nicht durchsetzen konnten, im Gegenteil, sie wurden durch ein gerechtes Urteil überwältigt und waren bei sich überzeugt, daß sie zu Unrecht gehandelt hatten. Darnach kamen die vorgenannten Ekkihart und Kerhart zusammen mit jenen Leuten, deren Händen man die Kirche anvertraute und alle zusammen, die die Kirche für das Freisinger Kloster einforderten, alle machten jene Schenkung dem Hause der Heiligen Maria mit einem Treueeid vor der ganzen Versammlung. Und dies sind die Namen derer, die gesehen und gehört haben, was zustande gekommen und bekräftigt wurde. Bischof Hitto. die Edlen Engilhart und Liutpald. Reginhart. Reginperht. Deothart. Kaganhart. Tiso. Pern. Spulit. Cunzo. Uuenilo. Reginolt Cronhart. Liutfrid. Freso. Unforht. Lantperht. Snelperht. Uuicperht. Francho. Alto. Secki. Itto. Liutunc. Oadalrih und viele andere, die dies gesehen und gehört haben. Dies ist geschehen am 2. Oktober im Jahr 814, unter der glorreichen Herrschaft des Kaisers Ludwig des Ersten in der 7. Indiktion und im 13. Mond.

Urkunde übersetzt von Dr. Walter Kick, Dachau

Erhebung von Odelzhausen zur Pfarrei
Amperbote vom 16.11.1922

Mit Entschließung des Ministeriums für Unterricht und Kultus vom 17. Oktober wurde die Expositur Odelzhausen zur Pfarrei erhoben. Damit werden langjährige Bestregungen, die mindestens bis 1870 zurückreichen, endlich mit Erfolg gekrönt. Damals war es, dass die Pfarrei Sulzemoos sich erledigte. Diese Gelegenheit glaubte der damalige Hofmarksherr Graf Ferdinand von Minicci dazu benutzen zu sollen, um seine Hofmark Odelzhausen zur Pfarrei zu befördern. Das dortige Benefizium sollte den Grundstock abgeben, und, durch Zustiftungen bereichert, zur Pfarrpfründe umgestaltet werden. Auch der kurfürstliche Hof, wo der Graf in hohem Ansehen stand und wichtige Ämter bekleidete, war dem Plan günstig gesinnt. Allein das Unternehmen scheiterte an dem Widerspruch des bischöflichen Ordinariats Freising, angeblich, weil ohnehin in seelsorglicher Beziehung nichts ermangle, in Wirklichkeit aber, wohl, um das Pfarramt nicht in Abhängigkeit vom Schloss geraten zu lassen. Auch später wurden mancherlei Versuche gemacht, die Metropole des oberen Glonntales von der Mutterpfarrei unabhängig zu machen, die, wie schon gesagt, nunmehr zum Erfolg führten. Durch Errichtung der Pfarrei Odelzhausen verliert das altehrwürdige tausendjährige Sulzemoos, dessen Grenzsteine einst in Machtenstein und Stockach an der Pfarrei Mering standen, seine Hauptfiliale und beschränkt sich auf die Ortschaft und nächste Umgebung. Auch ein Bild irdischer Vergänglichkeit.

(Recherchiert von Hubert Eberl, Bergkirchen)

Benefiziaten bzw. Pfarrer von Odelzhausen

Name
am /von-bis
Name
am /von-bis
   
    Vinzenz Kaußler 1888-
Christoph Scheirer, Benefiziat
1524
   
Joseph Pek, Benefiziat 1710-1738 ff. Steinhardt
1928-1938
Anton Singer, Benefiziat 01), 41)
<1758-1790>
Geistlicher Rat Brugger
1938-1964
    Lorenz Perzlmaier 1964-

 

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