zur Landkreiskarte Kirchen
in der Gem.Odelzhausen
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Kapelle Maria Stern in TAXA
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Taxa hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Der Ort, an dem jetzt die 1848 gebaute Kapelle neben der alten Klosterlinde steht, war früher Sitz eines Klosters und Ziel vieler Wallfahrer (Landkarte...). Es begann 1606 mit
einem Gelübde des in Seenot geratenen Hofmarksherrn
von Odelzhausen Joh.Wilhelm von Hundt, er werde im Falle seiner Rettung
eine Marienkapelle bauen. Danach vergaß er sein Gelöbnis und wurde erst
ein Jahrzehnt später wieder daran erinnert, als am Ostermontag 1616
oder Karfreitag 1618 ein Hühnerei mit Relief eines Frauenkopfes
im Strahlen-kranz gefunden wurde. Um die Besonderheit gleich sichtbar
werden zu lassen, habe die Hundtsche Henne – so später Abraham a Sancta
Clara – dieses Ei auch nicht in einem gewöhnlichen Nest gelegt, sondern
"auff einen nagelneuen Zigel-Stain". Noch dazu soll die Henne
schwarz gewesen sein; dabei gab es in Taxa weder schwarze Hennen noch
neue Ziegelsteine.
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Bald kamen zahlreiche Pilger auch aus entfernten
Gegenden, so dass 1629 eine (zunächst eintürmige, später
sogar zweitürmige) Kreuzkirche an die Kapelle angebaut und noch während
des Dreißigjährigen Krieges abermals erweitert werden musste.
Zwar mochte der in Arnbach geborene Freisinger Fürstbischof Veit Adam von
Gepeckh (1618-1651) nicht an einen längeren Bestand der Taxaer Wallfahrt
glauben, doch der Zustrom der Wallfahrer zur Muttergottes vom Stern hielt unvermindert
an.
Als der Bischof im April 1644 die Gnadenstätte
besuchte, fand er hier eine richtige Kirche mit sieben Altären vor. Einen
Altar hatte übrigens Kaiser Ferdinand von Österreich gestiftet, einen
anderen der Erzbischof Ferdinand von Köln, der Bruder des bayer. Kurfürsten
Maximilian I. Am Ende hatte das Gotteshaus acht Altäre.
Anfangs hatte noch der alte Pfarrer Matthias Strohmayr von Sulzemoos die Wallfahrer
betreut; später stand ihm der Cooperator Georg Schädl zur Seite; dessen
Vater hatte das erste Stern-Ei gefunden. Nach dem Ende des Dreißigjährigen
Kriegs plante man, den Wallfahrtsbetrieb durch hauptamtliche Seelsorger in Taxa
betreuen zu lassen. Zunächst waren die Augustiner-Chorherren von Indersdorf
im Gespräch; sie wären auch dazu bereit gewesen. Doch Kaiser Ferdinand
machte sich für einen anderen Zweig
dieses Ordens stark, den in Wien ansässigen Orden der Unbeschuhten Augustiner.
Dieser strenge Orden war nach dem Konzil von Trient (1545 bis 1563) als eine
Reformkongregation der Augustinereremiten entstanden.
Taxa blieb die einzige Niederlassung in Bayern; es war der österreichischen
Ordensprovinz zugeordnet. Die Kleidung der Mönche bestand aus einem schwarzen
Habit mit Ledergürtel und einem großen Schulterkragen mit Kapuze.
Am 5.Mai 1654 übergab nun Bischof Albert Sigmund (1652-1685) die
Wallfahrt an die Augustiner-Barfüßer. Sechs Jahre später, im
Jahr 1660, legten Graf Preysing in Vertretung des Kurfürsten den
Grundstein zum Klosterbau. Der bestand nach seiner Fertigstellung aus vier Trakten
und einem Kreuzhof. (siehe Bild rechts). Die wohl dreischiffige Kirche mit den
Innenmaßen von 179 Fuß (55 Meter) Länge und 90 Fuß (=28
Meter) Breite besaß acht Altäre. Drei Eingänge führten
ins Innere, das vom Schmuck ungezählter Votivtafeln, die von der Hilfe
Marias in allen Nöten kündeten, prangte. Wie ein prächtig verzierter
Tempel, so wird sie beschrieben. 1665 wallfahrtete sogar der Kurfürst
Ferdinand Maria mit Gattin nach Taxa, um die Gottesmutter um Hilfe anzuflehen.
Die Kurfürstin Adelheid stiftete ein Kleid für das Gnadenbild, "ainen
khöstlichen schönen Rockh und anderes" heißt es. Auch andere
Gläubige stifteten Kleidungsstücke für die Muttergottes-Statue.
1802 waren 12 Stück vorhanden. Aber nicht nur Einzelpersonen, sondern ganze
Ortschaften pilgerten zur Abwendung von Notständen, Misswuchs, Hungersnot
und Seuchen von Mensch und Tier nach Taxa.
![]() Erste Klosterkirche |
Von 1670 bis 1672 war hier Abraham a Santa Clara als volkstümlicher und wortgewaltiger Kanzelprediger tätig. Seine originelle und bilderreiche Sprache machte ihn weithin berühmt. Er schrieb lange Zeit nach seiner 1683/1685 die Wallfahrts-geschichte nieder und veröffentlichte sie in seinem Buch mit dem Titel "Gack, Gack, Gack, Gack à Ga. Einer wunderseltzamen Henne in dem Herzogthumb Bayrn. Das ist eine ausführliche und umbständliche Beschreibung der berühmbten Wallfahrt Maria Stern in Taxa". Die Einzelheiten dazu will er von dem Verwalter Schädl von Odelzhausen erfahren haben, der das Wunder-Ei gefunden hatte. |
![]() Erweiterte Klosterkirche |
Abraham a Santa Clara wurde 1644 zu Kreenheinstetten
im Schwäbischen Jura geboren, erhielt seine Ausbildung auf den hohen Schulen
des damaligen Bayern in Ingolstadt und Salzburg, trat 1662 in Wien in den Orden
der Barfüßer ein. Nach weiteren Studienjahren in Ferrara und Prag
wurde er 1666 zum Priester geweiht und wirkte von 1670-72 als Sonntagsprediger
in Taxa. Dann kehrte er nach Wien zurück und machte dort Karriere: 1677
wurde er kaiserlicher Prediger, ab 1680 Prior des Wiener Augustinerklosters
und 1690 Provinzial der deutschsprachigen Provinz des gesamten Ordens. Er starb
am 1.9. 1709.
Ende des 17.Jh gab
es wohl größere Baumaßnahmen. Das Landgericht Dachau hatte
eine Art Baufond eingerichtet, der zinslose Kredite für Kirchenbauten ausreichte.
Der Fond wurde von einer Vielzahl von Pfarreien/Kirchen gespeist, die dazu verpflichtet
worden waren. Aus der Kirchenrechnung der Kirche in Etzenhausen geht hervor,
dass die Etzenhausener in den Jahren 1693 bis 1695 (zinslose) Beiträge
dazu leisteten.
Altarweihe 1709
Jedenfalls ist vom 13. Oktober 1715 eine Altarweihe überliefert. An diesem
Tag kam der
Fürstbischof Johann Franz von Eckher nach Taxa und weihte den neuen Altar
in der Kirche. Zugleich spendete er 405 (!) Kindern das Sakrament der Firmung,
die sicher auch aus weit entfernten Dörfern hierher kamen.
Der kunstsinnige Bischof regierte sein
Bistum von der Reisekutsche aus; er unternahm viele Pastoralreisen selbst in
kleinste Dörfer seines Bistums. In
seiner Regierungszeit von 1695 bis 1727 hat er 174 Kirchen (darunter Jarzt,
Pellheim, Palsweis, Ebertshausen, Hirtlbach, Straßbach, Lauterbach und
Kollbach) und ca. 1.100 Altäre und 734 Priester (23 pro Jahr) geweiht.
Im Spanischen Erbfolgekrieg (1704-1714) wurde Taxa schwer heimgesucht. Die Mönche waren unter Mitnahme des wertvollsten Kirchengeräts vor den heranrückenden Österreichern und Engländern in die Landeshauptstadt München geflohen. Ein Pater und mehrere Brüder, die zurückgeblieben waren, mussten entsetzt mitansehen, wie die siegestrunkenen Soldaten Schränke und Truhen durchwühlten und alles, was ihnen brauchbar erschien, raubten; das Übrige zerstörten sie mutwillig. Selbst die Glocken wurden von den Türmen heruntergeholt und als Beute fortgeschleppt.
Im Österreichischen Erbfolgekrieg 1741-45 (Pandurenkrieg) "ist weder dem Kloster noch der Kirche einiges Leid den ganzen Krieg hindurch zugefügt worden" schrieb der Chronist in Taxa.
Wallfahrt
Im 18.Jh wallfahrteten bis
zu 60.000 Pilger alljährlich nach Taxa; dies war nicht zuletzt auf die
oben erwähnte Schrift Abraham a Santa Claras zurückzuführen. Aus dem
Pilgerstrom erwuchs auch ein Geldstrom. 184 Tagwerk Wald und 19.400 Gulden Kapital
zählten zum Besitz des Klosters. Bis zu 24 Mönche lebten und wirkten hier
in Taxa. Hans Graßl schrieb 1977 in seinem Buch Unbekanntes Bayern: "Die
Wallfahrt in Taxa war über den Petersberg und Altomünster hinaus das
eigentliche geistliche Zentrum des Dachauer Hinterlands, wirklich der Ort, an
dem sich das bäuerliche und monastische Leben am innigsten berührten".
Das Taxaer Mirakelbuch hat einige Schicksale
von Wallfahrern der Nachwelt überliefert. Die meisten kamen wegen akuter
oder überstandener Krankheiten, Gefahren und Schäden aller Art. Viehseuchen
sind seltener verzeichnet; zweimal ist von einer Hühnerkrankheit die Rede.
Hier eine kleine Auswahl (entnommen der
Chronik von Odelzhausen von Franz Keiner):
1686: Matthias Hütt von Odelzhausen wurde von seinem Pferd so sehr getreten,
dass eine keine Hoffnung auf Genesung mehr hatte. Er verlobte sich an die Muttergottes
von Taxa mit einer hl.Messe, Beichte und Kommunion und erlangte seine völlige
Gesundheit wieder.
1683: Johannes Chrysostomus Rieger aus Altomünster war im Türkenkrieg
gefangen genommen worden. Er verlobte sich an Unsere Liebe Frau von Taxa und
war sieben Wochen später wieder frei.
1692: Sebastian Piettinger aus Essenbach besaß ein krankes Ross, das er
schon für verlohrn hielt. Er verlobte sich hierher, spendete zwei Kreuzer
in den Opferstock und betete einen Rosenkranz. Das hat "das Ross angfangen
zu essen und ist wiederum gesund geworden".
1705 (während des Spanischen Erbfolgekriegs)
wurden Bittflehende in folgenden Notsituationen erhört:
- Mathias Mall von Weitenried war von den Husaren gefangengenommen und verschleppt
worden.
- Auch den Georg Sedlmayr von Roßbach hatten die Husaren entführt,
mitsamt Pferd und Wagen.
- Soldaten raubten Catherina Kiermayrin von Sittenbach ihre einzige Kuh.
- Catharina Bernhartin aus Egenburg wurde von Soldaten mit einem Strick gedrosselt,
"dass ihr die Augen zum Kopf herausfallen
möchten"
- eine Frau aus Egenhofen dankte, weil ihr Haus von einer Feuersbrunst verschont
blieb, obwohl ringsum alles brannte.
- ein Mann/Soldat geriet in einen Kanonenbeschuss, bückte sich zufällig
und die Kugel tötete den Reiter hinter ihm.
In den Nummern 11 bis 15 des Pastoralblatts für
die Erzdiözese München-Freising aus dem Jahr 1867 wurde ein Fortsetzungbericht
über das Kloster Taxa veröffentlicht. Wenn sie den im Stil seiner
Zeit verfassten Aufsatz lesen möchten, klicken Sie hier...
Aufhebung des Klosters
Zu Beginn der Säkularisation 1802 wurde das Kloster aufgelöst und gegen
den Widerstand der Bevölkerung völlig abgebrochen. Denn Taxa galt für die Aufklärer
als eine "Brutstätte des Aberglaubens". Die Mönche wurden bei Nacht
und Nebel abgeholt, dennoch verabschiedeten sich hunderte von Menschen.
Schließlich stammten die meisten Mönche aus der Umgebung von Taxa. Sie mussten
Bayern verlassen und nach Österreich zum Mutterhaus ihres Ordens gehen. Bei
der Übertragung des Gnadenbildes nach Odelzhausen kam es beinahe zum Volksaufstand.
Nur mit großer Mühe gelang es, Männer zu finden, die sich zum Tragen des Marienbildes
bereit fanden. Der Zorn des Volkes richtete sich insbesondere gegen den Regierungsbeauftragten
Adam Heydoph aus Dachau, den die Leute "den Heydeifi" nannten. Der
übereifrige, im Glauben wohl nicht fest verwurzelte Beamte soll beim Abtransport
der Muttergottesstatue in Anspielung auf das Eiwunder der Gründungslegende geäußert
haben: "Mit eierm Hehnermadl wern ma glei ferti sei". Versuche der
umliegenden Ortschaften (darunter Sittenbach und 13 weitere Gemeinden) und Privatleuten
(darunter Joseph Widmann aus Oberroth), die Kirche durch die beträchtliche Geldspende
von 10.000 Gulden vor dem Abriss zu retten, schlugen fehl (Odelzhausen als der
eigentliche Gewinner der Klosterauflösung dürfte nicht darunter gewesen sein).
Doch das Inventar wurde zum Teil in die Odelzhausener Kirche gebracht; das Übrige
wurde verkauft und die Gebäude restlos abgerissen. Lediglich die Keller
erhielten sich noch 150 Jahre lang, auf die Privathäuser errichtet wurden. Sie
dienten im 2.Weltkrieg der Bevölkerung als Luftschutzbunker. Bei Neubauten nach
dem Krieg wurden auch diese Keller beseitigt.
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Lediglich der Friedhof ist wieder eingerichtet, wie dem nebenstehenden Schild zu entnehmen ist. Bei Bauarbeiten im Jahr 1986 wurde ein Teil der Gruft freigelegte, in der man Gebeine, hölzerne Gürtelschnallen und Reste von Textilien fand. Man geht davon aus, dass hier die Mönche aus Taxa beigesetzt worden waren. Allerdings waren die Gräber schon einmal (vielleicht im Zuge des Kirchenabrisses 1803) aufgebrochen und durchwühlt worden. Die große Kirchenorgel wanderte nach Altomünster, die kleine nach Niederroth. Dort stehen beide noch heute. Die Marienstatue, die Kanzel, Votivbilder, das Kanzelkreuz und die mater dolorosa überführte man nach Odelzhausen. Der Tabernakel und vielleicht auch ein Altar kamen nach Unterweikertshofen. Der Kreuzweg und ein weiterer Altar befinden sich derzeit in Sixtnitgern-St.Johann. Ein großer Rest der Ausstattung wurde meistbietend verkauft und landete im Privatbesitz auf Bauernhöfen in den Lkr. Dachau und Fürstenfeldbruck. Noch heute erhalten sind das Inventar des Bischofzimmers und des Refektoriums, eine Reihe von Gemälden (u.a. von Domenico Zampieri, 1581-1641), bedeutende Skulpturen, Kreuze, Bücher, das Uhrwerk der Turmuhr, ein Gipsrelief und viele persönliche Utensilien der Mönche. |
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Erst 46 Jahre nach der Zerstörung des Klosters, im Jahre 1848, wurde die jetzige, (38' lange und 22' breite) Kapelle am Standort der früheren Klosterkirche gebaut. Sie besitzt eine runde Apsis. Die gesamte Fassade ist durch Bogenfriese geschmückt. Dr. Deutinger weist ein Jahr später auf die Kapelle hin: "Im Jahre 1848 ist auch auf jenem Platze, wo frührer das Kloster Taxa stand, durch freywillige Beyträge der Bewohner dortiger Gegend wieder eine Capelle erbaut worden". S.Ferd. Hassenmaier habe bei der Grundsteinlegung eine Rede gehalten, schreibt Deutinger. Eine weitere Rede, die Hassenmaier bei der Feier anlässlich der Segnung des neuen Altarblatts am 9.September 1849 hielt, können Sie hier lesen...
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Im Türmchen der Kapelle hängen
offen zwei Glöckchen. In der Kapelle
steht ein barocker Altar, dessen Herkunft unbekannt ist. Das von
Amalie Kohler (1813-1881) gemalte Altarblatt zeigt die Kapellenpatronin
Maria. Der damalige Expositus von Odelzhausen Hassenmaier erklärte
das Bild im schwärmerischen Duktus seiner Zeit "zur köstlichsten
Zierde des neuen Kirchleins". In ihm "liegt solch himmlische
Anmut, dass ein Engel des Himmels (der Malerin) die Pinsel getünkt
und die Hand geführt zu haben scheint." |
Die kleine Marienstatue mit Jesuskind könnte das Gnadenbild aus der ersten, 1618 erbauten Kapelle sein. Zu sehen ist auch das vergoldete Symbol Henne und Ei.
Das rechte Fenster enthält eine Glasmalerei
mit dem Thema der Geburt Jesu. Es dürfte von Syrius Eberle aus Dachau stammen,
der das völlig gleiche Motiv auch in den Kirchen von Arnbach, Odelzhausen
und Westerndorf verwendet hat.
Vor wenigen Jahrzehnten sollen neben einigen Votivbildern auch noch Sterneier
aufbewahrt worden sein, die von Wallfahrern gestiftet worden waren. Mehr über
Sterneier siehe hier....
An der Decke der Kapelle ist ein Stern, das Wahrzeichen von Taxa, zu sehen.
Im Juli 2001 löste sich von der Decke der erst vor rund 20 Jahren renovierten Kapelle ein eineinhalb Quadratmeter großes Stück Putz. Deshalb musste die Kapelle gesperrt werden.
Hans Schertl
Quellen:
Dr. Martin v.Deutinger, Die älteren
Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Ferdinand Hassenmaier, Rede zur Übersetzung des neuen Altarbildes, München
1849
Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising,
1874
Bezold/Riel, Kunstdenkmale des Königreichs Bayern, 1893
Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
Dachauer Neueste vom 23.8.1977
Regionalanzeiger Landkreis Dachau v. 7.12.1978
Jakob Mois,Konsekrationsbuch des Fürstbischofs Eckher, 1982 (Altarweihe
1715)
Robert Böck, Wallfahrt im Dachauer Land, Bd 7 der Kulturgeschichte des
Dachauer Landes, 1991
Robert Böck, Kirchenrechnungen Landgericht Dachau, 1996 (Baumaßnahmen
1693)
Unser Dachauer Land, Beilage zu den Dachauer Nachrichten vom August 1998 (ASantaClara)
Dachauer SZ vom 31.7.2001, 26.3.2002 u. vom 4.9.2002
Dachauer Nachrichten von 2001 und vom 17.2.2003
Tobias Zauscher, Die Aufhebung des Augustinerklosters Taxa 1802, Amperland 2003/3
Frau Melina Watzke,
Laura Scherr, Klöster in Bayern, Haus der Bayerischen Geschichte, 2008
Prof. Dr.Liebhart, Zur Geschichte der Ei-Wallfahrt Maria Stern in Taxa bei Odelzhausen,
2009
Roswitha Gaiser, Nürnberg, 2012 (A.Kohler)
11 Bilder: Gaiser (2), Schertl (9)
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16.4.2012
Das Kloster Taxa
- aus Pastoralblatt für die Erzdiözese München-Freising 1867-
Wo jetzt seit 1848 erst, durch freiwillige Beiträge der Bewohner dortiger Gegend erbaut, nahe bei Odelzhausen, ein kleines Capellchen steht, während rings um selbes der Pflug die Felder durchfurcht, da befand sich einst ein herrlich Klostergebäude mit geschmackvoller Kirche. Gewaltige Linden schirmten beide gegen die anprallenden Weststürme. Drinnen aber wohnte Gnade und Friede.
Es war dieß das weithin gekannte und weither besuchte Augustinerkloster Maria Stern zu Taxa. Das wundervolle Ei mit dem Bildnisse der Gottesmutter in einem Sterne, welches im Hühnerhofe, unweit des Schlosses Odelzhausen, auf einem neuen Ziegelsteine von der sorgsamen Henne hingelegt worden war, hatte den Gutsherrn, Johann Baptist von Hundt bewogen, dort eine Capelle im Jahr 1616 zu erbauen, und so ein Gelübde freudig zu erfüllen, das er einst auf einer Reise als Gesandter des großen Churfürsten Maximilian I. v.Bayern gethan.
Die Capelle war in Form eines Sternes gebaut und Herzog Wilhelm V., der Fromme, schenkte dahin ein schönes Marienbildniß. Sie ward am 8.September 1619 consecrirt. Es entstand aber alsbald dort eine frequente Wallfahrt, so daß es nothwendig wurde, eine große Kirche zu bauen. Dieß begann auch noch Willhelm Hundt, der spätere Gutsherr Joh.Bapt.Beccaria vergrößerte selbe, und im Jahr 1654 wurde sie vom Bischofe Albert Sigmund v.Freising eingeweiht.
Um dem Andrange der Pilger zu den hl.Sacramenten der Buße und des Altars genügen zu können, ward auch ein Kloster daselbst erbaut und gleichzeitig den Augustinern der strengen Observanz Barfüßer alles übergeben. In Wenings Topographie finden wir eine gute Abbildung des spurlos verschwundenen Taxa. Der berühmte P.Abraham a Santa Clara schrieb über selbes ein Büchlein, das in München 1742 unter dem Namen "Gack, Gack, Gack, Gack a Ga einer wunderseltsamen Hennen in dem Herzogthum Bayrn, oder Beschreibung der Wallfahrt Maria Stern zu Taxa" erschien. Es enthält Abbildungen des wundersamen Eies vom Jahr 1616, sowie des Klosters. Die Kirche hatte 2 große Kuppel-Thürme mit 5 Glocken; 9 Altäre, auf deren einem die Scapulier-Bruderschaft war. In Mitte der Kirche war eine Crypta, als Begräbißstätte der dortigen Religiosen; aber auch die Hofmarksherrn von Odelzhausen beanspruchten das Sepultur-Recht in dieser Kirche, zu der sie Grund und Boden herschenkt, "auf ewige Zeiten!"
Was ist aber auf Erden ewig ? Im Jahre 1802 erhob sich wie eine Windsbraut der Sturm gegen die Klöster und Kirchen in Bayern. Wohl hatten die mächtigen Linden das friedlich schöne Taxa gegen die natürlichen Stürme treu geschützt, hier aber war ihre Kraft unzureichend. Kloster und Kirche wurden ausgeplündert, demolirt, das Gnadenbild Mariä auf Befehl des unvergeßlichen Commissärs Heydolf (!!) verhüllt, durch Laien nach Odelzhausen gebracht, während der genannte königl.Commissär den trauernden Ortsbewohnern verbot, zu beten, und das seit 186 Jahren hochverehrte Bildniß der Mutter Jesu als "Stück Holz" und als "Hühnermädel" schmähte.
Gründungsgeschichte aus
historischer Sicht
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Der Prediger Abraham
a Sancta Clara (siehe Bild rechts) berichtete, am Karfreitag 1618 habe man
ein Hühnerei mit dem Relief eines Frauenkopfes im Strahlenkranz gefunden,
das von einer schwarzen Henne auf einen Ziegelstein gelegt worden sei. Dieses
Ei habe Johann v.Hundt zum Anlass genommen, die in Seenot versprochene Kapelle
in Taxa zu errichten. Abraham a Sancta Clara hat die Geschichte in seinem 1683 verfassten Buch "Gack, Gack, Gack, Gack a Ga" veröffentlicht (siehe rechts). Damals lebte er in Graz. |
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50
Jahre vor Abraham a Sancta Clara hatte schon der Jesuitenpater Georg Stengel
(1585-1651) die Wallfahrtsgeschichte aufgeschrieben. 1634 verfasste er in lateinischer
Sprache das Werk "Ova Paschalis", das 100 Deutungen des Eies als Symbol
für Geburt und Leben enthält. Darin berichtet er auch, er sei als
Gutachter für die in Taxa gelegten Sterneier herangezogen worden. Die Eier,
so schreibt Stengel, hätten ausgesehen, "als wäre ein Siegel
in den weichen Kalk gedrückt" bzw. als sei die gerillte Struktur "mit
Linien und Strahlen mit einem Pinsel" gemacht worden. Dennoch glaubte auch
er an ein Wunder. Das erste Ei "mit aufgedrücktem Stern oder Sonnenkranz"
sei "unmittelbar nach (!) Baubeginn der Kapelle an einem Freitag gefunden
worden, das zweite "14 Tage darauf". Der Bauherr habe daraus den Schluss
gezogen, es sei richtig gewesen, der Kapelle einen sternförmigen Grundriss
gegeben zu haben. Von einem Gelübde des Joh.Wilhelm von Hundt ist
hier nicht die Rede.
Auch das
1642 angelegte Mirakelbuch, in dem alle Heilungen in Taxa verzeichnet sind,
enthält eine Gründungsgeschichte. Sie wurde vom Sulzemooser Pfarrer
Matthias Strohmayr verfasst und ist wohl vom Bericht Stengels beeinflusst:
"Alß man aber die H.Capellen hatt angefangen zuebauen, hatt sich
.. begeben, dass durch ain oder zway Hennen.. zwey tag nacheinander, ..jeden
tags ein Ay mit einem inprimirten (=eingedrückten) Stern und ausführlichen
Stern seindt gelegt" worden. Das erste Ei sei damals (1642) schon zerbrochen
gewesen. Auch hier kein Wort über das Gelübde.
Nach Auffassung
von Prof. Dr.Liebhart gab es wahrscheinlich keine Seenot und kein Gelübde,
auch kein Marienbild auf den Eiern, keinen Ziegelstein und keine schwarze Henne.
Der Kapellenbau diente der Abrundung des neu angelegten Hofes mit Geflügel-
und Fischzucht. Die Sternform des Kapellen-Grundrisses könnte auf die Charakterisierung
von Maria als "Stern des Meeres" (Lauretanischen
Litanei) zurückzuführen sein. Aber auch eine Änderung
des Bauplans angesichts der unglaublichen Wirkung des Sternwunders auf die Menschen
sei nicht auszuschließen. Abraham a Sancta Clara hat die tatsächlichen
Ereignisse umgestellt und reich ausgeschmückt um daraus eine für die
Menschen dieser Zeit schlüssigere Gründungsgeschichte zu erstellen.
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Quelle:
Prof.Dr.Liebhart, "Gack, Gack, Gack, Gack a Ga", Zur Geschichte der
Ei-Wallfahrt Maria Stern in Taxa, 2009
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Sterneier sind - nach Robert Böck - durchwegs sehr dünnschalige Eier, die auf einer Seite etwas plattgedrückt sind und dort eine elliptische blasenartige Ausbuchtung aufweisen, von der strahlenförmige Einschnürungen nach außen verlaufen. Bis heute sind solche Sterneier (fast nur) in der Region um Taxa nachgewiesen. Sie gelten nicht nur als Raritäten der Natur, sondern nach wie vor als Glücks- oder Wunderzeichen. Rudolf Kriß führt diese Missbildung der Eierschale auf eine Deformation des Eierstocks zurück. Möglicherweise liegt aber auch ein Kalkmangel vor, durch den sich die Eier beim Erkalten im Nest zusammenziehen. Das Futter oder die Hühnerrasse sind jedenfalls nicht ursächlich. Für Abraham a Sancta Clara gab es aber nur übernatürliche Ursachen. Er schrieb, die Sterneier seien ein Zeugnis dafür, wie die übergebenedeyte Himmelskönigin solches wertheste Herzogthumb und auch die Diözese Freising im Schutz und Schirm habe. Man sehe daran, dass die Muttergottes nicht nur von den Menschen, sondern auch von den gagazigeten Hennen verehrt werde. Deshalb solle man das Bayerland in Mariäland umbenennen. |
Amalie
Rosalie Kohler.
aus: Nekrologe Münchner Künstler XIX (1881)
| Auch
einer Künstlerin sei hier gedacht, der guten Amalie Rosalie Kohler.
Sie wurde am 4.September 1813 in Wallerstein geboren, wo ihr Vater
als fürstl. Öttingen-Wallerstein'scher Hofrath eine vielseitige Thätigkeit
entwickelte. Johann Kaspar Kohler, aus dem -durch seine Orgel und Knollers
Fresken berühmten- kleinen Neresheim gebürtig, hatte in Jena studiert, war
mit Schiller und Goethe, noch mehr mit der Naturphilosophie und den Häuptern
der Romantiker bekannt geworden und brachte ein reges, neues Leben in die
kleine Residenz. In Kohlers gastlichem Hause wurden die schönen Künste, namentlich Musik, eifrig betrieben, zahlreiche Besucher fanden sich ein, darunter z.B. Uhland, Justinus Kerner, Clemens Brentano. Ersterer, angelockt von den Schätzen der im Kloster Deggingen aufgestellten Bibliothek, Letzterer als Studiengenosse und alter Freund, der später auch noch nach ihrer Übersiedelung zu München die gute "Kohler-Familie" gern besuchte. (Eine prägnante Charakteristik des genialen Dichters Clemens Brentano aus Kohlers Feder findet sich in der biographischen Einleitung zu Brentano's "Gesammelten Briefen", Frankfurt 1855,1.38 f.f.) |
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In
Deggingen befand sich, gleich der Bibliothek unter Kohlers Direction,
auch eine nicht unerhebliche Gallerie (welche später an den bayerischen
Staat verkauft wurde, wobei Kohler die Verhandlungen und die Extradition an
Hrn. v. Dillis leitete); ihre Bilder weckten in der jungen Seele unserer Amalie
die erste Liebe und Begeisterung zur Kunst. Amalie Kohler hatte eine vortreffliche
Erziehung und Ausbildung in allen neueren Sprachen erhalten, den ersten systematischen
Zeichenunterricht bekam sie jedoch erst in München durch den Maler Gerhard Sipmann
(Gerhard Sipmann, geb.1790 zu Düsseldorf, seit 1814 in München, ertheilte von
1817-1860 den Zeichnungsunterricht am Cadettencorps, gest. 30. Dez. 1866) und
dann durch Wilhelm Kaulbach, welcher zu den Hausfreunden der Kohler'schen
Familie gehörte.
Für unsere Künstlerin begann nun eine glückliche Zeit; sie miethete ein Stübchen
in der Nähe von Kaulbach's Atelier (nächst dem damaligen Holzgarten) und zeichnete
und malte ohne Unterlaß voll Feuereifer unter Kaulbachs Leitung. Ihr erstes
Ölbild entstand im Auftrage des Fürsten Friedrich Wallerstein, welcher dasselbe
ex voto in seine Schloßkapelle stiftete; dann folgten viele Copien nach alten
und neueren Meistern, Familienportaits u. dgl.; auch ein Genrebild zu Berthold
Auerbachs "Schwarzwälder Dorfgeschichten" (erzählendes Märchen) wurde inscenirt
und vollendet.
Hatte sie bisher nur zu ihrem Vergnügen die Kunst gepflegt, so verlegte sie sich 1844 nach des Vaters Tode mit ebenso großem Eifer zur Verwerthung ihrer Fähigkeiten auf den Zeichnungsunterricht und erhielt durch ihr liebenswürdiges und bescheidenes Wesen bald die Hände voll Arbeit; die besten Familien bewarben sich um sie; im rühmlichst bekannten Ascher'schen Institut wirkte sie als vielverehrte Lehrerin, auch im Hause Sr. k. Hoh. des Herzogs Maximilian, wo sie alle Prinzessinnen zu ihren Schülerinnen zählte, außer 1. Maj. der Kaiserin Elisabeth insbesondere 1.kgl. Hoheit die fran Herzogin von'Alengon und die Erbprinzessin Helene von Thurn und Taxis, welche in rührender Weise ihrer alten Lehrerin immerdar eingedenk und wohlgesinnt verblieben. Nebenbei lieferte sie viele Aquarelle, cultivirte auch die Porcellanmalerei, überschritt aber nur selten das ihre Hauptdomäne bildende Gebiet der Botanik; ihre nach der Natur gemalten Blumenstücke erhielten längere Zeit großen Beifall.
Im vorigen Jahre brachte ein unglücklicher Fall einen Armbruch, ein neuer Sturz über die Treppe im heurigen Juni eine gefährliche Splitterung des Fußes. Die Künstlerin wählte zur besseren Pflege das Krankenhaus, wo schon nach 10 Tagen (28.Juni) eine Lungenlähmung ihr Leben endete. Amalie Kohler war eine reine und edle Seele, voll Heiterkeit, Güte und Gefälligkeit, geschätzt von Allen, die sie kannten. Die Schönheit ihrer Jugend wurde gerühmt, ihre kleine Hand oftmals von Kaulbach gemalt, und vielfach von wackeren Männern begehrt, aber keinem gereicht.
Aus der "Beilage zur Allgemeinen Zeitung" No.247 Sonntag, 4.September 1881
Rede
bei der Übersetzung des neuen Altarbildes in
das neuerbaute Kirchlein zu Taxa
am 9.September 1849
von Ferdinand Hassenmaier
Christliche Zuhörer !
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In
den Jahren 1616- 1618 geschah es durch wunderbare Veranlassung, daß
allhier in Taxa eine Kapelle zur Ehre der seligsten Jungfrau Maria erbaut
wurde. Das schöne Muttergottesbild in dieselbe ließ Herzog Wilhelm
V. von Bayern anfertigen, ein frommer Fürst, dessen ganzes Leben in
Gottseligkeit und in guten Werken bestand, der viele wohlthätige Stiftungen
machte, ein gar getreuer Sohn der Kirche und überaus großer Freund
der Armen war, die oft an seinem Tische saßen, die er häufig
auf ihrem Krankenlager besuchte, tröstete, unterstützte, ja mit
seiner fürstlichen Hand sogar wartete und pflegte, und für die
Sterbenden betete, bis daß die Seele vom Leibe geschieden war. Kloster Taxa Am 8.September 1619 - als(o) am Feste Mariä Geburt - dem gestrigen Tage wurde sodann die neuerbaute, mit dem schönen Muttergottesbilde geschmückte Kapelle vom damaligen Fürstbischofe von Freising, Veit Adam von Gebeck auf Arnbach feierlich unter den üblichen Kirchenceremonien eingeweiht, wozu sich eine ungeheuere Zahl Andächtiger von Nah und Fern eingefunden hatte. - Das große Vertrauen, das innige Anrufen der Fürsprache der seligsten Jungfrau seitens der zahlreichen Andächtigen, die nun gen Taxa wallfahrteten, riefen wundervolle Gebetserhörungen hervor; reichlich fiel das Opfer und weitere milde Gabe, und alsbald entstand daselbst eine herrliche Kirche mit Klostergebäude, und Taxa wurde ein weit berühmter Wallfahrtsort, der zur geistlichen Besorgung am 5.Mai 1654 vom Fürstbischofe von Freising Albert Sigmund an die baarfüßigen Augustiner übergeben wurde. |
Aufklärung
und Revolution
Gegen Ende des achtzehnten Jahrhunderts kam aber jener Sturm zum Ausbruch, den
lange schon die grimmigsten Feinde der christlichen Religion, voran ein Voltaire,
d'Alembert, Diderot mit ihrer vom Fürsten der Finsterniß beherrschten
Rotte heraufbeschworen hatten; - jener Männer, die das Christenthum ein
Werk des Betruges, die Apostel Schurken, Christus einen Zauber(Magie)kundigen
und das Evangelium eine Erdichtung nannten, welche die Unsterblichkeit der Seele
läugneten, den Unterschied zwischen Tugend und Laster aufhoben und Ehebruch,
Unzucht, Selbstmord erlaubte Dinge hießen. Dieser Sturm des neuen Heidenthumes
hat unheilvolle Verwüstung angerichtet. Oder wer weiß nicht, wie
in der französischen Revolution, die ein Kind des genannten neuen Heidenthums
war, das hochwürdigste Gut aus den Tabernakeln geworfen und ein freches
Weibsbild als Göttin auf den Altar gestellt wurde, und welche Peinigung
und Verfolgung die standhaften Priester und getreuen Gläubigen zu erleiden
hatten ? - Wie, nachdem die Altäre umgestürzt waren, eine beherzigungswerthe
Lehre !- auch am 21.Jänner 1793 Ludwig XVI, König von Frankreich,
durch die Guillotine hingerichtet, verbluten mußte ? Wie die vielen Schlachtfelder
mit Menschenblut getränkt, durch die Kriegsgeißel das Wohl der Länder
und Familien durch fast ganz Europa tief erschüttert wurde ? - Wie besonders
die Wuth dieses Sturmes des Unglaubens auf die Vernichtung der katholischen
Religion gerichtet war, und wie der damalige Oberhirt der Kirche Papst Pius
VI., ein mehr als 80jähriger Greis, schon an der Pforte der Ewigkeit stehend,
unter unmenschlicher Behandlung (sogar der Fischerring wurde ihm vom Finger
genommen) von Rom hinweggeschleppt, im Elende selbst von Solchen, die nicht
zu unserer Kirche gehörten, bewundert in seiner Tugend am 29.August 1799
starb ? - Wer kennt endlich nicht die Drangsale und Kämpfe, die sein Nachfolger
Papst Pius VII. zu bestehen hatte ?
Säkularisation
Die Grundsätze dieses neuen Heidenthumes übten auch auf Deutschland
verderblichen Einfluß, und riefen in unserm lieben Vaterlande Bayern,
bekannt in seiner Treue zum Glauben wie zum Fürsten, die sogenannte "Säkularisation"
hervor: die Stühle der Bischöfe blieben erledigt, Abteien und Klöster
wurden entvölkert und die herrlichen Gebäude und schönen Kirchen,
die kostbaren Bibliotheken und Sammlungen wurden auf eine wahrhaft barbarische
Weise zerstört und verschleudert. Erst dann, als der Finger des allmächtigen
Gottes dem Sturme des Unglaubens auf den Eisfeldern Rußlands einen Gränz-
und Markstein setzte, erst mit dem Sturze Napoleons, jenes großen Korsen,
der durch die Macht seiner Talente zwei Drittheile Europas gewaltig umklammerte,
fing die europäische Welt wieder an, die Rechte der Kirche anzuerkennen
und einzusehen, daß auch die Religion zu etwas nütze, und daß
auch die Religion zu etwas nütze, und daß ohne dieselbe die Welt
eine Mord- und Räuberhöhle des Lasters und der Ungerechtigkeit bilden
würde. Die Bistümer wurden wieder hergestellt, die religiöse
Erziehung kam wieder in Gang, und Tugend und Recht galten wieder etwas mehr
als für bloße Namen.
Klosteraufhebung
In jenem Sturm des Unglaubens, welcher die in ihren Folgen so nachtheilige Säkularisation
über unser liebes Vaterland herbeirief, ist auch der weltberühmte
Wallfahrtsort Maria Stern von Taxa untergegangen, und umsonst sucht das Auge
seit fast 42 Jahren jenes Haus des Friedens und der stillen Zurückgezogenheit
- das Kloster, in welchem die ehrwürdigen Pates Augustiner weiland ihr
Obdach gehabt, umsonst schaut seitdem das Auge nach jener herrlichen Marienkirche
zu Taxa, in der ehedem die zahlreichen Pilger und Pilgerinnen in tiefer Andacht,
gebetet, zerknirschtern Herzens ihre Sünden betreut, verdienstliche Bußthränen
geweint und jenen Frieden eingeärntet haben, den die Welt nicht und nimmer
geben kann.
Kapelle
von 1848
Doch, Bruder und Schwester ! erblickst jetzt dort, wo weiland das Kloster Taxa
mit seiner herrlichen Wallfahrtskirche gestanden, wie ich schon vor acht Tagen
sagte, wieder ein tröstendes Sternlein für jene Zeit, die so schlimm
und unchristlich gehaust, in dem neuerbauten freundlichen Marienkirchlein (dasselbe
ist 38' lang und 22' breit), in das so eben die feierliche Übersetzung
des neuen Altarbildes stattgefunden hat. - Im vorigen Jahre, am 16.August, wurde
hiezu feierlich der Grundstein gelegt, spärlich waren die Mittel, gut aber
und kräftig der Wille, und das Kirchlein steht schön und festgebaut,
und bald - heute 8 Tage, als am 16.September 1 Jahr- ist schon mit oberhirtlicher
Gutheißung die feierliche Benediktion (durch den erzbischöflichen
Commissär, Hochwürd. Hr. Lorenz Peischer, Pfarrer in Sulzemoos) wird
auch die heiligste Handlung darin gefeiert - das heiligste Meßopfer dargebracht
werden.
Altarblatt
Und wie vor 230 Jahren der fromme Bayernherzog Wilhelm V. dadurch, daß
er ein schönes Marienbild für die Kapelle in Taxa anfertigen ließ,
die Herzen der Gläubigen erfreute - so hat Gott, der die Gedanken in den
Herzen lenkt, eine edle Katholikin fromm begeistert, so daß dieselbe in
christlicher Uneigennützigkeit das schöne Marienbild - die köstlichste
Zierde des neuen Kirchleins in Taxa, gemalt, wobei ihr gleichsam, solch himmlische
Anmuth liegt im Bilde, ein Engel des Himmels die Pinsel getünkt und die
Hand geführt zu haben scheint. Gleichwie aber in der Geschichte christlicher
Dankbarkeit der Name "Herzog Wilhelm V." seit 230 Jahren noch nicht
verklungen ist, so wird auch in den spätesten Jahrzehnten in derselben
noch fortleben der Name "Amalie Kohler", der Name jener fromm begeisterten
Tochter unserer heiligen Kirche, welche voll christlicher Uneigennützigkeit,
wie ich schon erwähnt, das neue Altarbild gemalt.
Patronin
Maria
Ist nun gleich, seitdem der unheilvolle Sturm der Säkularisation vorübergebraust
ist, Manches wieder besser geworden, so sind doch die Wunden lange noch nicht
völlig geheilt, und der Indifferentismus: die Lauheit und Gleichgültigkeit,
wo es gilt, für Gott, seinen heiligen Dienst und für das Heil der
Seele, der Mangel an Nächstenliebe, die Geringachtung der göttlichen
Gebote, die freche Uebertretung der Kirchengebote, wodurch die entarteten Katholiken
ihrer eigenen Mutter ins Gesicht schlagen, - all dies ist traurig-wahrer Beleg
hierfür. Auf daß es besser werde unter uns in unserem lieben Vaterlande,
dafür haben wir eine mächtige Fürbitterin im Himmel - die seligste
Jungfrau Maria - sie ist die Patronin unsers lieben Bayerlandes und nun auch
dieses freundlichen Kirchleins, -- Deßhalb kommt gerne ins Kirchlein zu
Taxa, rufet vertrauensvoll an die Fürsprache Mariä, empfehlet ihrer
Fürsprache eure Geschäfte, eure Sorgen, eure Leiden, euren Glauben
- und es wird besser werden mit euch, besser in den Gemeinden ! Saget nicht
"Ja, es ist halt nicht das Gnadenbild", sondern merkt euch wohl: Euer
Vertrauen - euer herzinnigliches Anrufen und Beten macht für euch Maria
zur "Gnadenmutter". Amen !