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Klosterkirche St.Alto und St.Birgitta in ALTOMÜNSTER


Ansicht vom Osten: im Vordergrund der Herrenchor von 1617
links: Statue der hl.Katharina von Schweden, der Tochter von Birgitta


Ausführliche Beschreibung

Klostergeschichte
Der Name Altomünster leitet sich vom hl.(Alto und der früheren Bezeichnung für Kloster (= Münster) ab. Der Legende nach soll hl. Alto ein schottisch-irischer Wandermönch gewesen sein. Neuere Forschungen lassen aber den Schluss zu, dass Alto ein Bajuware war und der Sippe der im westoberbayerischen Raum sitzenden Huosi angehörte. Nach einer Altobiographie des Benediktinermönchs Otloh im Regensburger Kloster St.Emmeram aus dem Jahr 1060, soll Alto um 740 hier ein kleines Kloster errichtet haben.
Das Land hätte ihm der fränkische König Pipin III. der Kurze, der Vater von Karl dem Großen, geschenkt. Das Kloster sei vom hl.Bonifatius geweiht worden. Tatsächlich dürfte sich dies alles etwas später abgespielt haben.


Wappen am Chorbogen

Der Geschichtsschreiber Othloh hatte in Tegernsee die Schule besucht und kam über Hersfeld und Würzburg als Seelsorgspriester in die Diözese Freising. Als der selbstbewusste und federgewandte Priester beim Archipresbyter Werinher vorgeladen war, überreihte er dem statt einer Entschuldigung ein Spottgedicht. Er nahm dann seinen Abschied von der Diözese Freising und fand Aufnahme im Kloster St.Emmeram in Regensburg. Dabei erklärte er, er wolle jetzt "endlich mehr unter gebildeten Geistlichen sein, als unter diesen Bauernpfarrern. Diese einfältigen Dialektiker, die da meinten, man könne die Worte der Schrift nur nach den Grundsätzen der Dialektik verstehen und die mehr Boethius (= christlicher Philosoph um 500) als den heilgen Vätern vertrauen". Dieser Wechsel im Streit war wohl einer der Gründe, dass er sich zu einem Kämpfer für die Unabhängigkeit der Klöster von Bischöfen und weltlichen Herren einsetzte. Für dieses Ziel nahm er bei seinem umfangreichen literarischen Werk (darunter auch Biographien über St.Wolfgang, St.Bonifatius, St.Magnus u. St.Alto) Geschichtsklitterungen in Kauf nahm. Dies könnte im Falle von Altomünster ebenso gewesen sein.

St.Alto

AberAlto ist eine historische Person, die um 760 eine Schenkungsurkunde signiert hat. Schon im Freisinger Missale aus der Zeit des Bischofs Abraham (957-993) ist das Fest des hl.Alto am 9.Februar verzeichnet. Alto, war wohl ein Bajuware aus der Sippe der im westoberbayerischen Raum sitzenden Huosi. Er soll erst in hohem Alter das Eremitendasein aufgegeben haben und Priester geworden sein. Die Klostergründung wird deshalb in die 2.Hälfte des 8.Jh. zu legen sein.

Seine primitive Klause soll nordwestlich von Altomünster an der Stelle im Wald gestanden haben, an der sich heute der Gnadenbrunnen und eine Gedenkkapelle mit der Altofigur befinden.

Mehr über St.Alto ......

Nachdem das Kloster von den Ungarn zerstört worden war, wurde es vom Fürstenhaus der Welfen noch vor der Jahrtausendwende als Benediktinerkloster wieder aufgebaut. Zunächst war es ein Mönchskloster. Im Jahr 1056 tauschten die Klöster Altdorf bei Weingarten und Altomünster den Konvent. Die Benediktiner aus Altomünster kamen nach Altdorf ins bisherige Frauenstift, die hochadeligen Kanonissen von Altdorf nach Altomünster. Kanonissenstift blieb Altomünster bis 1270/80. Es diente der Versorgung adeliger Töchter. Die Kanonissen besaßen einen eigenen Wohnbereich, konnten Privatbesitz und mit Einkünften ausgestattete Pfrüde haben und durften das Stift im Falle der Verheiratung wieder verlassen. Um 1280 wurde Altomünster eine niederadelige Benediktinerinnenabtei.
Vom Mönchskloster Altomünster aus war 1056 das Benediktinerkloster Weingarten am Bodensee gegründet worden, das man damals Altdorf (nach Alto) benannte.
Interdikt
Im Kampf zwischen Kaiser (Friedrich II.) und Papst (Gregor IX.) und deren innerbayerischen Anhängern Bischof von Freising (kaisertreu) und Herzog Otto II. (papsttreu) wurde 1239 vom päpstlichen Gesandten Albert Behaim neben anderen bayerischen Klöstern und Stiften explizit auch über das Kloster Altomünster ein Interdikt verhängt; es dauert 6 Jahre bis zur Aussöhnung zwischen dem Freisinger Bischof Konrad I. und Papst Innozenz IV. auf dem Konzil von Lyon am 3.8. 1245.
Interdikt bedeutete eine Schließung der Gotteshäuser, die Einstellung der Gottesdienstes, das Verstummen der Kirchenglocken und das Versagen der Sakramente und des kirchlichen Begräbnisses. Der Schmuck musste von den Altären entfernt und die Kruzifixe verhüllt werden. Das Interdikt traf in der Regel Unschuldige; es war darauf angelegt, in breiten Schichten des Volkes und des Klerus Verärgerung gegen den Herzog oder Bischof zu schaffen und ihn so zum politischen Kurswechsel zu zwingen. Im ausgehenden Mittelalter wurden Interdikte häufig als Druckmittel verwendet und stumpften als Waffe ab. Doch die seelsorgerische Betreuung der Bevölkerung und die Disziplin des Klerus litt darunter erheblich.
In Altomünster waren die Folgen eines Inderdikts etwas abgemildert durch die Papsturkunde von 1278. Darin erlaubte der Papst dem Kloster, auch während eines Interdikts den Gottesdienst zu feiern; allerdings nur hinter verschlossenen Türen.
Diese Papsturkunde erlaubt auch sonst interessante Einblicke in das benediktinische Klosterleben von Altomünster. Prof.Liebhart beschreibt in seinem Aufsatz "Das Frauenstift und Benediktinerinnenkloster Altomünster", dass Papst Nikolaus III. das Kloster unter seinen Schutz stellte. Er drohte denen, die das Kloster "beunruhigen und seinen Besitz entfremden" wollten, kirchliche Strafen an. Doch die Urkunde enthält auch eine Verschärfung der Klosterregeln. Die Nonnen sollten sparsamer leben. Die Konversen mussten der Welt entsagen und die Klostervorschriften einhalten. Konversen waren Erwachsene, die ihren Lebensabend im Kloster verbrachten. Niemand durfte ohne Zustimmung der Äbtissin das Kloster verlassen. Die Nonnen durften innerhalb der Kirche beerdigt werden. Die Äbtissin wurde vom Konvent gewählt und nicht von außen bestimmt.

450 Jahre später, im Jahr 1485, wurde das Benediktinerinnenkloster wegen Misswirtschaft aufgelöst. Durch Erblehensvergabe von Klostergut war die materielle Grundlage des Klosterlebens zerrüttet. Herzog Georg der Reiche von Landshut (bekannt durch die Landshuter Hochzeit) schenkte das Kloster dem Birgittenorden, der es 1497 als Doppelkloster in Besitz nahm. Die schwedische Mystikerin Birgitta (1303-1373) hatte um 1346 diesen Orden gegründet, der Nonnen und Mönche in Doppelklöstern vereinigte. Idealerweise sollten es 60 Nonnen und 13 Mönche (Apostelzahl + Paulus) und 4 Diakone (vier Kirchenlehrer) und 8 Laienbrüder sein. Die Mönche sollten die Seelsorge der Schwestern und der um die Klöster herum siedelnden Menschen sowie die Haus- und Feldarbeit übernehmen. 
Die Nonnen und Mönche für Altomünster kamen aus dem schwäbischen Maihingen, wo der Ritter Graf Wolfgang von Sandizell zu Unterwittelsbach (bei Schrobenhausen) und seine Frau als Laien in den Birgittenorden eingetreten waren. Wolfgang war ein Freund von Herzog Georg dem Reichen aus Landshut, zu dessen Herrschaftsgebiet damals Altomünster gehörte. Wolfgang wurde auch der erste Verwalter des Klosterguts. Die Übernahme durch die Birgittiner ist im Hauptteil des Kuppelfreskos dargestellt. Man sieht deutlich, wie die Mönche tiefer gestellt sind als die Nonnen; sie hatten in den Klöstern Birgittas nämlich der Äbtissin Gehorsam zu leisten, die den Gesamtkonvent aus Nonnen und Mönchen leitete.

1589-1593 entstand der Neubau des Frauenkonvents (Norden), 1723 der des Männerkonvents (Süden) durch Hans Mayr d.J. (1677-1731), den Schwiegervater von J.M. Fischer, dem genialen Baumeister der Kirche. Beide Konvents waren durch das Kirchengebäude getrennt, aber auch verbunden: Denn sie nutzten die Kirche miteinander, aber auf verschiedenen Ebenen und auf verschiedenen Seiten: Die Mönche im ersten Stock (östlich des Altars), die Nonnen im zweiten Stock (westlich des Altars). Ein Gang unter dem Herrenchor mündete in einen bis heute erhaltenen Raum mit einer breiten Durchreiche: Entsprechend der Klostertradition war das Frauenkloster für das Kochen und Waschen aller Mönche und Nonnen zuständig. An dieser Durchreiche wurde beides übergeben.

Klosteraufhebung
Schon ab 1773 plante der bayerische Kurfürst Max III. Joseph die Aufhebung des Klosters. Die offiziellen Gründe waren vielfältig, doch letztlich ging es dem Kurfürsten um die Einkünfte des Klosters. Er plante die Gründung eines Damenstifts in München. Der kontemplative Orden der Birgitten bot sich den Aufklärern als Finanzierungsquelle an. Zudem nervte ein langer Streit unter den Mönchen in Altomünster die kurfürstl.Verwaltung in München. Die Äbtissin hatte sogar um Auflösung des Männerordens gebeten. Doch der Papst konnte Altomünster retten. Dies gelang auch noch einmal um 1780, als der neue Kurfürst Karl Theodor den Maltheserorden in Bayern einführen wollte, um seinen illegitimen Sohn standesgemäß versorgen zu können. Allerdings erhob der Staat ab 1783 eine 10prozentige Sondersteuer auf die jährlichen Bruttoeinkünfte.


Frauenkloster
Nicht mehr zu halten war Altomünster aber bei der Säkularisation des Jahres 1803, als der Fortbestand aller Klöster zur Disposition gestellt wurde. Altomünster war damals mit 50 Konventualen das personalstärkste Kloster Bayerns - und wurde dennoch aufgelöst. Die Mönche und Nonnen erhielten eine staatliche Pension. Das Herrenkloster in Altomünster wurde verkauft (es ist auch heute noch in Privatbesitz); das Frauenkloster hatte man zum Aussterbekloster bestimmt, nachdem vier Nonnen sich nicht daraus vertreiben ließen und sich -was wohl entscheidend war- auch kein Käufer für die Gebäude fand. Die Klosterschwestern hielten durch, bis 1841 wieder Nachwuchs in den Birgittenorden in Altomünster eintreten durfte.
Seither ist das einzige Birgittenkloster Deutschlands ein reines Nonnenkloster. Der Besitz des Klosters (135 ha Grund, 641 ha Wald, 360 Bauernhöfe und viele Häuser in Altomünster) blieb in staatlicher Hand.

Geschichte: Kirchenbau 1244 Matrikel 1315 Umbau 1488 Matrikel 1524 Reformationszeit
Visitation 1560 Umbau 1613 30jähriger Krieg Unwetter 1756 Neubau 1763
Matrikel 1740 Säkularisation 1803 Benefizium 1823 1100-Jahrfeier 1830 Beschreibung 1880
Ausstattung: Altarraum Apostelleuchter Beichtraum Beichtstuhl Beinhaus
Bruderschaften Deckengemälde Epitaphe Herrenchor Hirnschale
Kanzel Kanzelkreuz Kirchenbänke Kreuzweg Lourdesgrotte
Mater dolorosa Ölberg Orgel Opferstock Reliquien
Renovierungen Seitenaltäre Taufstein Turm Umgang
  Vorhaus        

Geschichte der Kirche

Ältere Kirchenbauten

Die erste Kirche errichtete St. Alto in der zweiten Hälfte des 8.Jh.
Während der Ungarneinfälle des 10.Jh fiel auch Altomünster der Zerstörung anheim.
Im 11.Jh wurde eine neue Kirche erbaut, von der aber ebenfalls keine Bausubstanz mehr erhalten ist.
Die ältesten Teile der heutigen Kirche im Eingangsbereich stammen von der um 1244 errichteten dreischiffigen romanischen Basilika. Diese um 1244 errichtete dreischiffige Basilika ohne Querhaus hatte eine Länge von 48 Metern und eine Gesamtbreite von rd.15 Metern (Mittelschiff 6,70 Meter, Seitenschiffe je 4,10 Meter) -andere Quelle: 14 m-. Wahrscheinlich besaß jedes Kirchenschiff eine Apsis als östlichen Abschluss (wie in der Basilika am Petersberg). Im Inneren der Kirche lag der Fußboden in den Kirchenschiffen zwei Meter unter dem heutigen Niveau, der Altarraum jedoch um 90 cm höher als heute. Der sich daraus ergebende Höhenunterschied von 2,90 m wurde wohl durch eine lange Treppe (ähnlich der im Freisinger Dom) überwunden, die zunächst zur Chorschranke oder dem Lettner führte.


Kirche aus 11.Jh
Diese Trennwand teilte die Klosterkirchen im Mittelalter in den nur dem Klerus vorbehaltenen Chorraum und in das Kirchenschiff für die Laien; sie verhinderte, ähnlich wie die Bilderwand im orthodoxen Ritus noch heute, den Blick der Gläubigen auf den Hochaltar. Der Kirchenraum war schon damals sehr hoch (13,20 m im Kirchenschiff und 10,30 m im Chorraum). Auf einem Andachtsbild aus dem Jahr 1730 machte die Basilika einen schmalen, hochschultrigen Eindruck. Als schmaler Anbau umgab ein Kreuzgang die Kirche. Tillmann Mittelstraß gibt an, dass der erschlossene Kirchengrundriss von Altomünster in seinen Proportionen exakt dem der romanischen Basilika von Isen entspricht, auch wenn letztere Kirche in ihren aboluten Maßen etwas kleiner ist.

Konradinische Matrikel 1315
In der Konradinischen Matrikel von 1315 war Altomünster als Dekanat aufgeführt, was in diesem Zusammenhang aber nur bedeutete, dass der Dekan in Altomünster residierte. Erstaunlicherweise wird es dort als Altenmünster bezeichnet. Die Kirche hatte bis zum Ende des Benediktinerinnenklosters (1485) ein Marienpatrozinium. Auch später war Maria wohl zweite Patronin, weil in der Festschrift zum tausendjährigen Bestehen des Ordens, 1730, von "Maria-Altomünster" die Rede ist. Die Muttergottes wird von den Birgittinnen als zweite Ordenspatronin verehrt.

Umbau 1488
Als die 1488 Birgittinnen anstelle der Benediktinerinnen das Kloster übernahmen, haben sie auch die Kirche entsprechend den detaillierten Vorschriften ihres Ordens zum Kirchenbau umgestaltet. Damals wurde ein eigener Nonnenchor eingebaut, der nach schriftlicher und bildlicher Überlieferung etwa an der gleichen Stelle lag, wie der heutige ("auf einem Kreuzgewölbe ruhend"). Der Nonnenchor hatte (wie heute) einen direkten Zugang vom Nonnenkloster aus. Darunter lag der Brüderchor. An der Stelle des heutigen rechten Seitenaltars (Altoaltar), zu dem das Wasser der Altoquelle geleitet wird, könnte sich damals eine Altokapelle befunden haben, in der die Gläubigen Zugang zum Altograb und zum Wasser des Altobrunnens hatten.
Auch ein Mönchschor wurde an die romanische Kirche angebaut, um die Trennung von Mönchen und Nonnen während des Gottesdienstes zu ermöglichen. Ausgrabungen haben gezeigt, dass die Kirche außen mit u.a. mit Ornamentik geschmückt war, die in Farbe, Gestalt und Größe an die Verzierungen am Turm der Kirche in Mühldorf bei Petershausen erinnern.
In einer Papsturkunde aus dem Jahr 1504 wurde bestimmt, dass die Pfarrei Altomünster dem Birgittenkloster incorporiert wird und dass die Klosterkirche folgerichtig (wie schon früher) den Gläubigen als Ortspfarrkirche zur Verfügung stehen müsse. Die simultane Nutzung des Gotteshauses als Kloster und Pfarrkirche war auch schon Gegenstand einer 1489 vor dem Freisinger Bischof geschlossenen Vereinbarung zwischen Wolfgang v.Sandizell und dem damaligen Altomünsterer Pfarrer Niklas Morner.

Reformationszeit 1520
Um 1520 sollte für den Markt eine eigene Kirche gebaut werden, wie dies in Indersdorf schon der Fall war. Der als späterer Reformator bekannt gewordene Birgittinermönch Ökolampadius betrieb einen solchen Bau und hatte dafür schon 200 Gulden aus Augsburg erhalten. Doch Ökolampadius verließ zusammen mit 10 Mönchen und einer Nonne das Kloster und ging nach Basel. Deshalb unterblieb der Neubau.

um 1524

Sunderndorfer'sche Matrikel von 1524
In der Sunderndorfer'schen Matrikelvon 1524 wird die Pfarrei unter dem heutigen Namen Altomünster mit dem Patron St.Alto beschrieben, die zwei Filialen, die der Jungfrau Maria geweihte Kirche in Zeidlbach mit Friedhof und eine Johanneskapelle in Ruperskirchen ohne Friedhof hatte. Die Zahl der Gläubigen betrug ca 500, das waren zwar mehr als Dachau (450), aber weniger als Vierkirchen (700), Indersdorf oder Einsbach. Die Pfarrei Altomünster und das Kloster bildeten nach Aussage des Provisors der Pfarrei, Ulrich Clostermair, eine Einheit. Der Frühmesser (Geistlicher, der die Frühmesse las) war zugleich der Schullehrer. An dieser Schule wurde damals neben der lateinischen Sprache nur noch Religion und Musik gelehrt.

Die Pfarrei Altomünster war zwar meist in das Kloster inkorporiert. Doch lange Zeit wurde die Seelsorge für die Bewohner des Ortes von von Weltpriestern wahrgenommen. Am 30.Oktober 1553 gestattete der päpstliche Legat wegen des vorherrschenden Priestermangels nach der Reformation, dass Mönche die Pfarrei mitbetreuen. Dies änderte sich später wieder. Die Weltpriester wohnten im Pfarrhof (im jetzigen Hofbauernanwesen) und wurden im Kloster verpflegt. Nach dem Dreißigjährigen Krieg übernahmen bis zur Säkularisation 1803 die Birgittiner wiederum die ganze Seelsorge und übten sie durch zwei Patres aus, die man ebenfalls Pfarrer nannte.

Visitationsbericht von 1560
Bei der großen Visitation im Jahr 1560, die der Freisinger Bischof und der bayer.Herzog gemeinsam im Bistum durchführen ließen, wurden das Kloster Altomünster insgesamt sowie alle Nonnen und Mönche einzeln überprüft. Zur Pfarrei schreiben die Visitatoren, sie habe bei 700 Communicanten. Früher sei die Seelsorge von 3 Weltpriestern versehen worden; jetzt gebe es nur noch Kaplan Georg Waser (der wohl von Mönchen unterstützt wurde). Waser zelebriere am Sonntag Messen in Altomünster und/oder in Oberzeitlbach ["filial Zeidlpach"]. Und er halte sich an den katholischen Ritus: er predige aus alten Büchern, lasse keinen neuen (d.h. evangelischen) Ruf oder Psalmen singen, bitte für die Verstorbenen, höre die Beichte und halte Feier- und Fasttage. Das alles war kurz nach der Reformation nicht selbstverständlich. Schwerpunkte der Prüfung waren natürlich die Unterschiede zwischen den Konfessionen: Walser glaubt an die 7 Sakramente und verkündet sie auch (Protestanten kennen nur 2 Sakramente an), tauft die Kinder (nicht die Erwachsenen), reiche die Kommunion nicht unter beiderlei Gestalt und versage sie Leuten, die nicht vorher gebeichtet haben. Auch lese er die Messe in Latein. Kaplan Walser lebte im Kloster. Er habe keine Köchin, heißt es, zum einen weil er keine brauche, zum anderen weil das Kloster keine Köchin aufnehmen würde. Die Einnahmen der Pfarrei gingen voll in die Klosterkasse, aus der auch alle Ausgaben bestritten würden ["verrichten sy alle notturfft"]. Deshalb gab es auch keinen Kirchenpfleger ["hat kain khirchprobst"]. Der Kaplan erhielt neben Kost und Logis einen Lohn von 30 Gulden jährlich sowie die Stolgebühren (Gebühren für die von ihm verrichteten Dienste). Für eine Beerdigung erhielt er im Markt 5 Pfund, auswärts 1 Gulden und für ein Kind 2 Kreuzer. Dafür musste er für die verstorbene Person auch 3 Ämter halten. Zusätzliche Naturalien (z.B. Mehl, Eier), die die Hinterbliebenen dem Kaplan gaben, musste er im Kloster abgeben.
Der Beneficiat und Frühmesser Leonhard Numperger, ist zu lesen, sei in Altomünster geboren und in Freising ordiniert. Nach der Priesterweihe 1554 habe er als Kaplan in Tandern und in Aichach gewirkt. Als Beneficiat habe er nur einen Jahresvertrag, der verlängert werden müsse ["mues alle jar darumb pitten"]. Numperger wolle wegen des zu geringen Lohns nicht hier bleiben, notierten die Visitatoren.

Umbau 1613

Im Jahr 1613 wurde der Altarraum der Kirche abgetragen und an seiner Stelle der heute noch erhaltene Doppelchor (westlich für das Volk, östlich dahinter und darüber der Herrenchor) errichtet (Altarweihe 1619). Damals erhielt auch die Kirche im Inneren eine einheitlich weiße Raumschale im Sinne des Frühbarocks mit antikisierenden Stuckgesimsen, geflügelten Engelsköpfchen und einem Perlstabmuster auf den Graten des Deckengewölbes. Zudem wurden die Sakristei und ein teilweise noch heute bestehender Kirchenumgang errichtet. Die um 1488 errichtete Kapelle mit dem Brunnenwasser wurde wieder geschlossen.
Nach Auffassung des Historikers Prof.Liebhart wurde der Herrenchor schon beim Umbau 1488, im Rahmen der Übernahme des Klosters durch den Birgittenorden errichtet. Um 1613/19 könnte dieser Chor renoviert oder neu ausgestattet worden sein, wie die Altarweihe 1619 nahelegt. Weitere vier Altäre waren schon am 6.Oktober 1617 geweiht worden.


um 1700

Dreißigjähriger Krieg
Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Ortschaft Altomünster zweimal (1632 und 1648) von den Schweden verwüstet ; das Kloster und die Kirche wurden aber verschont, weil die Nonnen und Mönche einem schwedischen Orden angehörten. Dennoch war das Kloster 1634 und 1639 wegen der Kriegwirren mehrmals verlassen worden. Zwei Jahre nach dem Ende des 30jährigen Kriegs wurde ein Altar neu geweiht, d.h., er war im Krieg entweder beschädigt oder profaniert (entweiht) worden. 1632 hatte die Pfarrei Altomünster 1200 Communicantes, 1635 noch 200. Aus dem Oberland wurden 80 Personen geholt und in Altomünster angesiedelt.

Bruderschaften

Rosenkranzbruderschaft
Noch während des 30jährigen Krieges, 1644, wurde die erste Bruderschaft eingeführt. Es handelte sich um eine Rosenkranzbruderschaft
Bruderschaft der hl.Birgitta und Alto
oberhirtlich errichtet am 5.7.1758, Ablässe vom 27.2.1758.
Herz-Mariä-Bruderschaft , oberhirtlich errichtet am 3.9.1847
Sebastinani-Bündniß (ein Gebets-Messen- und Leichenverein) ohne oberhirtliche Genehmigung besteht schon seit 1600, erneuert 1692 und 1845

Im Jahr 1684 erhielt die Kirche eine neue Turmuhr. Vier Jahre später, 1688, werden "zwei heilige Leiber", d.s. Skelettreliquien aus den Katakomben von Rom angekauft. Weitere drei Skelettreliquien kamen 1694 nach Altomünster.

Am 19.Juli 1707 hat hat Fürstbischof Johann Franz von Eckher vier Altäre geweiht. Das Weihedatum bedeutet aber nicht zwingend, dass die Altäre erst kurz vorher neu beschafft oder renoviert worden wären. Es ist vielmehr anzunehmen, dass 60 Jahre vorher - im 30jährigen Krieg - alle Altäre von Soldaten entweiht worden sind. Der Hauptaltar wurde als erster wieder hergestellt und 1650 geweiht. Die Reparatur der übrigen Altäre könnte länger gedauert haben. Ab 1652 war eine Altarweihe, die vom Bischof vorgenommen wird, vorübergehend nicht mehr möglich, weil die Bischöfe nicht geweiht waren. Erst 1695 kam mit Franz Eckher wieder ein echter Bischof an die Regierung, für den nach so langer Zeit ohne Kirchenweihen und ohne Firmungen viel zu tun war. Dieser kunstsinnige Bischof regierte sein Bistum von der Reisekutsche aus; er unternahm viele Pastoralreisen selbst in kleinste Dörfer seines Bistums. In seiner Regierungszeit von 1695 bis 1727 hat er 174 Kirchen (darunter Jarzt, Pellheim, Ebertshausen, Hirtlbach, Straßbach, Lauterbach, Westerholzhausen und Kollbach), ca. 1.100 Altäre und 734 Priester (= 23 pro Jahr) geweiht.


vor 1730


Das Zusammenleben des Klosters mit den Pfarrangehörigen war nicht konfliktfrei. So wird aus dem Jahr 1723 berichtet, dass Kloster und Bürger wegen eines ungenehmigten Hausbaus aneinander gerieten. Als die Bürger die Klosterbrüder daran hinderten, das Haus abzubrechen, hat der Prior alle Mannsbilder der Bürgerschaft, die dabei mitwirkten öffentlich exkommuniziert, die Osterkerze aus der Kirche entfernt, die Fronleichnamsprozession abgesagt und den Bürgern den Zutritt zur Kiche verboten.

In den Jahren 1723/24 wurde an der Südseite des Finsteren Gangs die Klostergruft errichtet. Diese Gruft wird heute nicht mehr als solche benutzt, sondern dient als Heizungskeller. Im Zweiten Weltkrieg diente sie als Luftschutzkeller.

Schmidt'sche Matrikel von 1738/40
In den Jahren 1738 bis 1740 besuchte der Kanonikus Schmidt aus Freising die Pfarreien der Diözese und erstellte die nach ihm benannte Schmidt'sche Matrikel. Über die Pfarrei "s.Altonis in Altomünster" berichtete er, sie werde von einem Pater aus dem Kloster betreut. Es sei aber auch noch ein (wohl weltlicher) Cooperator vorhanden, der im Kloster Unterkunft und Verpflegung (cum potu cerevisiae - mit einem Krug Bier) erhielt. Die Zahl der Gläubigen war auf 1100 angestiegen. Sie hatte sich somit in den vergangenen 200 Jahren mehr als verdoppelt; und das trotz der großen menschlichen Verluste durch Kriegseinwirkungen und Pest, denen 90 Jahre zuvor mehr als die Hälfte der Bewohner zum Opfer gefallen waren. Viele Familien waren aus dem alpenländischen Raum zugewandert.

Unwetter 1756
Im Juni 1756 deckt ein nächtlicher Sturm nicht nur viele Hausdächer, sondern auch die Kirchen- und Kirchturmbedachung größtenteils ab. Das wilde Feuer schlägt in den Kirchturm. Das Wasser unterspült auf einer Länge von 20 Metern die Klostermauer und die Friedhofsmauer, die dann auch einfallen.
Zwei Jahre später, 1758, wird die Kirche als baufällig eingestuft. Unter der Dachung müssen eiserne Stangen als Sicherung eingebaut werden, weil die Kirchenmauern sich schon um 10 Zentimeter nach auswärts geneigt hatten.

Neubau  1763

Ab 1763 wurde die heutige Basilika von dem berühmten Baumeister Johann Michael Fischer errichtet, der im Landkreis Dachau auch die Kirchen Sigmertshausen und Bergkirchen mitgestaltet hat. Vom alten Bau übernahm er die Fundamente des Turmes z.T. die Außenmauern und den Chor (1617), der hinter dem Hochaltar, wegen ansteigende Gelände, einen Stock höher liegt als das Kirchenschiff.

Am 6.April 1763 wurde die alte Kirche abgerissen. Die Kirchturmuhr hat man dabei auf das Rathaus gesetzt. Noch im selben Jahr wurde der Neubau begonnen. Als Fischer 2 Monate vor (andere Quelle: nach) der Schließung des Gewölbes 1766 starb, führten sein Palier Thomas Schmidt und Balthasar Trischberger (späterer Stadtbaumeister von München, 1721-1777) die Arbeiten fort, die 1773 (Weihe 29.8. durch Freisinger Fürstbischof von Welden und seinen Weihbischof Ernst von Herberstein) vollendet wurden.

Von den weiteren am Bau beteiligten Handwerkern und Künstlern sind bekannt:
  Zimmerer Joseph Mahl aus München
  Bildhauer Franz de Paula Arnoldt aus Dachau (1764 Gätter der St.Anna-Kapelle, Brüstung des Nonnenchors und St.Altobildnis am Turm, St.Joachim und St.Joseph, 1768 Nonnenchor-Altar u. verschiedene Gitter)
Johann Baptist Straub aus München (1765 Hochaltar, 1766 -1769 weitere Altäre)
Matthias Veigele (1767- St.Alto im Nonnenchoraltar, 1768 Türfüllungen)
  Steinmetze Johann Sebastian Händle aus Mörnsheim (1765 weiße, geschliffene Pflastersteine, Antrittstafeln)
ungenannter Steinmetzmeister aus München (1767-68 Tuffsteine für den Kirchturm, 1768 Marmormuschel für den St.Alto-Brunnen)
  Kistler
(Schreiner)
Johann Mentele aus Rain am Lech (1765-67 Altäre)
Nikolaus Pyhr ? (1768 vier Sakristeitüren)
  Maler Johann Baldauf in Inchenhofen (1766 Hochaltarblatt St.Salvator und Vergoldung versch. Gätter)
Joseph Magges aus Augsburg (1766-68 Freskomalerei, 1768 zwei Altarblätter im Brüderchor)
Franz Joseph Zitter (1771 Altarblatt im Herrenchor)
  Stukkateur Jakob Rauch aus Augsburg (1766-68)
  Kupferschmied Johann Georg Sepp (1767 Kirchturmknopf)
Am 26.Aug.1796 kamen die Franzosen nach Altomünster. Sie forderten 550 Gulden vom Markt und die gleiche Summe vom Kloster für die Abstandnahme einer Brandschatzung. Das Kloster zahlte; den Betrag für den Markt konnte ihnen der Französisch sprechende Kaufmann und Weinwirt Franz Josef Jörger ausreden. Auch beim zweiten Einfall im Jahr 1800 konnte Jörger den Kommandanten überreden, auf die 3000 Gulden baren Geldes, eine Anzahl Ochsen und eine Ladung Bier, die dieser vom Kloster gefordert hatte, zu verzichten. Zum Dank errichteten die Altomünster ihm nach seinem Tod ein Denkmal auf dem Friedhof bei der Lorettokapelle.

Säkularisation 1803
Bei der Säkularisation 1803 wurde die Pfarrei Altomünster selbstständig. Die Klosterkirche wurde als Pfarrkirche erklärt. Die Baulast lag beim Staat. Wertvolle Pretiosen aus der Kirche wurden verkauft. So z.B. der Kelch des hl.Alto, eine Reliquienmonstranz der Fam.Fugger, ein Jesuskind von Kurfürst Maximilian I., Kruzifixe aus Alabaster, Elfenbein und Silber, wertvolle Messgewänder, eine silberne Büste des hl.Alto und weitere liturgische Gefäße. In der Kirche blieb nur eine Grundausstattung zurück. Einige Gegenstände wie z.B. das Messer des hl.Alto konnte gerettet werden, weil sie in den Klosterzellen der Nonnen aufbewahrt wurden. Diese Zellen wurden nur oberflächlich durchsucht.

um 1800
Als erster Pfarrer wurde ausgerechnet ein früherer Mönch des Klosters, Ignaz Magnus Nerb (1805-1837), bestimmt, der 1802 die Gemeinschaft wegen Intrigen verlassen hatte. Von diesem Pfarrer ist die Biographie erhalten. Darin schreibt er über die erste Zeit seiner insgesamt 32 Jahre als Pfarrer: "Am 23.September 1802 ward ich als Pfarrer zur organisierten Pfarrei Altomünster allergnädigst dekretiert und nahm am 15.Dez. desselben Jahres gegen viele Protestaktionen von allen Seiten dieselbe in Besitz. Vom aufgelösten Kloster taten die Patres und die Nonnen, was in ihren Kräften stand, die ganze Pfarrgemeinde gegen den ausgesprungenen Mönch aufs Höchste zu empfehlen. Ich freute mich, die vortreffliche Orgel zu hören, die der Markt inzwischen vom Kloster Taxa um 600 Gulden kaufte. Doch der Klang war nicht gut. Die Klosterfrauen ließen ihren oberen Gang nicht durchbrechen; daher mussten einige Pfeifen gestutzt und andere, die stehen sollten, gelegt werden. Weiberregiment !"

Benefizium 1823
"Am 3.März 1823 hat die Bierbrauerswitwe Anna Maria Nißl zu Altomünster den Grund zur Stiftung eines Benefiziums in der Pfarrkirche zu Altomünster gelegt, welches im Jahre 1836 zu Stande kam und am 27.Febr. 1837 die oberhirtliche Bestätigung erhielt". Dies schreibt Dompropst und Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften Dr.Martin Deutinger in seinem 1850 erschienen Buch "Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing". Der Benefiziat, der aus den Erträgen bezahlt wurde, hatte wöchentlich 4 Messen zu halten und musste im Beichtstuhl aushelfen. Das Einkommen des Beneficiaten betrug 946 Gulden. Der zum Benefizium gehörende Grundbesitz umfasste knapp 50 Tagwerk der niedrigen Bonität 6-7. Das Benefizialhaus war gut gebaut und geräumig.

1100-Jahrfeier 1830
1830 wurde die 1100-Jahrfeier des hl.Alto durchgeführt. Es wurde ein Programm gedruckt und an viele, auch weit entfernte Pfarrämter versandt. Im Markt wurden die Häuser verputzt, die Straßen mit Kiessand ausgebessert. In den Hauptgassen standen Bögen mit schönen Inschriften, die der Cooperator Max Sollacher verfasst hatte. Auf dem Röhrkastenbrunnen war eine kleine Statue des hl.Alto aufgestellt. Insbesondere die Kirche war geschmückt, die Kanzel und die oberen Gänge mit Girlanden behängt. Zur Feier sind der Bischof und viele Priester unter dem Gekrach der Böller in Kutschen gekommen. Eine halbe Stunde lang läuteten die Glocken. Beim Einzug in die Jubelkirche, bei dem auch die Hirnschale und das Messer des hl.Alto in schön geschmückten Gefäßen mitgetragen wurden, erklangen Trompeten, Pauken und Böller. Der Bischof predigte vom Herrenchor aus. Man feierte die ganze Woche lang. Die erste Messe fand täglich um 5 Uhr statt, danach alle 1/2 Stunden eine weitere Messe, bis zum Hauptgottesdienst um 9 Uhr mit jeweils einem prominenten auswärtigen Prediger. Im Resumee über die Feier heißt es: In der Festwoche gingen über 22.000 Gläubige zu den Sakramenten. Im Friedhof und anderen Orten waren zusätzliche Beichtstühle aufgestellt. Sechs Gendarme haben "durch ihr solides Benehmen ganz vortrefflich gute Dienste geleistet". Die Brauer, Bäcker und Metzger haben alle Gäste mit Trunk und Nahrung versehen. Alles war regional organisiert. "Kein auswärtiger Geschäftsmann oder Professionist durfte hierher ziehen oder seine Ware zum Verkaufe schicken", schrieb Pfarrer Nerb. Die Kosten der Feier beliefen sich auf rd. 900 Gulden, die durch Spenden und Opfergeld gedeckt werden konnten. Insbesondere die Birgittinnen habe sich bei der Planung und Durchführung der Feier hervorgetan. Der Bericht schließt mit der bangen Frage "Was werden unsere Nachkömmlinge 1930 denken und thun, wenn hier kein solches Frauenkloster mehr existiert ?".

Beschreibung 1880
In der Zeit von 1870 bis 1880 hat der Dombenefiziat Anton Mayer eine Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising erstellt und 1880 als Buch veröffentlicht. Darin ist im Band II die Pfarrei Altomünster als eine der größten Pfarreien des Dachauer Landes enthalten. Mayer schreibt:
Geographie: Die Pfarrei hat 1998 Seelen in 328 Häusern. Davon wohnen aber nur 1160 Gläubige (in 210 Häusern) im Mark Altomünster selbst, die Übrigen in Humbersberg 47 (5), Rupertskirchen 22 (5), Stumpfenbach 104 (18), Unterzeitlbach 97 (14), Oberzeitlbach 129 (21), Oberndorf (hier Oberdorf genannt) 57 (7), Plixenried 81 (14), Röckersberg (hier Rögersberg genannt) 41 (6) sowie in 12 weiteren Weilern und Einöden. Der Umfang der Pfarrei beträgt 30 km. Altomünster liegt 2 km von der Hauptstraße von München nach Aichach entfernt.
Pfarrei: Präsentationsrecht liegt beim bay.König (Das war eine Folge des Konkordats von 1817: der König hatte alle Rechte übernommen, die vor der Säkularisation bei den Klöstern und Stiften lagen). Das Widdum besteht aus einem mit einer Mauer umgebener, nahezu 1 Tagwerk umfassender Obstgarten. Das Pfarrhaus ist ein Gebäude des ehem.Klosters, nach der Säkularisation für seine jetzige Bestimmung umgewandelt. Für den Pfarrer allein hinreichend. Im Erdgeschosse feucht, oben trocken. Baupflicht hat der Staat. 2 Hilfspriester wohnen im ehemaligen Herrenkloster. Reinertrag 1958 Mark.
Kirche: Erbauungszeit 1763-1773; restauriert 1873 und 1907. Rococostyl. Geräumigkeit für die ganze Pfarrei wohl zureichend. Baupflicht: das Staatsärar. Kuppelthurm mit 6 Glocken mit den Inschriften: a) "Septies in die laudem dixi tibi", b) "Zu Gottes Lob und Dienst gehör ich", c)"Ave regina coelorum, ave Dominia angelorum". Diese drei Glocken gegossen von Martin Frey in München 1587. Die größte, gegossen von Andreas Schmidt in Augsburg 1867, trägt die Inschrift: "Vivos voco, mortuos ploro, fulgura frango". Die 2 andern Glocken sind gegossen von Ignaz Braun in München 1859. Consecrationsdatum (Weihedatum) der Kirche 29.8.1773. 8 Altäre. Orgel mit 14 Registern. An werthvollen Paramenten besitzt die Pfarrkirche nur mehr eine prächtig gestickte rothe Casula, ein Geschenk des Herzogs Wilhelms IV. und seiner Gemahling Maria Jakoba aus Anlaß ihres Besuches am 20.Juni 1535. Das Kloster der Brigittinerinnen (!) hat eine Gruft. Das Cemeterium (=Friedhof) von der Kirche entfernt gelegen; der ältere Friedhof mit Capelle wird nicht mehr benützt, der jetzige mit einem Beisetzhause, wurde 1874 angelegt. Den Meßnerdienst versieht ein eigens angestellter Meßner, den Cantorendienst ein eigens angestellter Organist. Eigenes Meßnerhaus nicht vorhanden. Vermögen rd. 42.500 Mark.


Renovierungen
Die ersten kleineren Renovierungen wurden schon bald nach der Säkularisation, in den ersten Jahren des 19.Jh vorgenommen.
1871/73, gut 100 Jahre nach der Errichtung, war die erste große Innenrestauration fällig, die nach Aussage von Klaus Kratzsch (Landesamt für Denkmalpflege) -dem Zeitgeist entsprechend- nahezu rokokofeindlich durchgeführt wurde. Leitung hatte der Kirchenmaler Ludwig Hack aus Dorfen. Die Altäre und viele Figuren wurden restauriert und neu gefasst. "Die Wölbung des Vorchores wurde blau gestrichen und mit goldenen Sternchen versehen, die Altarfiguren erhielten eine dunkle Fassung und viele Vergoldungen wurden einfach zugestrichen. Anstelle des Kreuzaltars wurde ein neuer Altar mit im Halbkreis abschließender Rückwand von zweifelhafter Stilart und Schönheit angebracht" schrieb Prof. Haggenmiller vom Generalkonservatorium in einem Gutachten von 1902. Schöpfer dieses neuen Altars im Zopfstil war der Architekt Josef Anton Müller.
1898
wurden in einer weiteren Renovierung die Gewölbe der Kirche und des Nonnenchors durch Maler Krippner aus Freising übermalt.
1902 erfolgte eine Gesamtrenovierung der Kirche mit dem Ziel einer weitgehenden Wiederherstellung der ursprünglichen Raum- und Altarfassung unter Beseitigung der störenden Eingriffe durch Ludwig Hack. Die Leitung oblag dem Münchner Kirchenmaler Ludwig Ametsberger.
Sechs Jahre später, 1908, wird ein neuer Kreuzweg von Kunstmaler Emil Boehm angeschafft; es handelt sich um eine Reproduktion nach D.Tiepolo.
1910
wurde das Turmkreuz der Kirche renoviert. Dabei legten die Arbeiter eine Kapsel mit Schriftrolle in das Kreuz. Darauf waren die Spender und die Handwerker vermerkt.
1928
restaurieren die Kirchenmaler Mayrhofer und Ostenrieder aus München die Gemälde, so gut, "dass der Schmelz der Töne und die ganze Zartheit der Polychromie wieder zu Tage gefördert sind", wie es in einem Bericht der damaligen Zeit heißt.
1931
Prof. Josef Damberger die Altarblätter und 1964 der Nonnenchor durch Georg Gschwendtner aus Reichenhall.
Die meisten Ausbesserungen der früheren Jahre erschwerten die zweite große Restaurierung in den Jahren 2000-203, die sich mit einem Kostenaufwand von 10 Mio Euro der originalgetreuen Wiederherstellung verpflichtet hatte.

Die Pfarr- und Klosterkirche St. Alto und St.Birgitta gehört zur Diözese München-Freising. Die Pfarrei bildet seit 2007 mit den Pfarreien Wollomoos und Sielenbach einen Pfarrverband.
Die Gläubigenzahl (mit Kindern) betrug um 1550: 700, um 1730: 1350, um 1830: 1450 und um 1930: 2200.

Berichte aus der Pfarrei
Zeitungen haben in den letzten 120 Jahren immer wieder aus dem Pfarrleben von Altomünster berichtet. Diese Berichte befassen sich nicht unmittelbar mit dem Kirchengebäude, vermitteln aber einen ergänzenden Eindruck aus der damaligen Zeit. So wird im Amperboten von 1921 über ein Jubelfest des und Veteranen- und Kriegervereins mit 3000 (!) Teilnehmern berichtet.
Wenn Sie am Bericht interessiert sind, klicken Sie hier...


Baubeschreibung

Die Kirche steht auf einem im unteren Teil steil ansteigenden und sich weiter oben etwas abflachenderen Hang inmitten der Marktgemeinde. Klöster betrachteten sich als geistliche Städte, die sich Jerusalem, die ebenfalls auf Hügeln erbaut ist, zum Vorbild nahmen. Im Psalmengebet der Benediktiner heißt es: Gott wohnt auf den Bergen und wird dort angebetet. Die fast 60 m lange Kirche steht aber nicht planeben auf einem Plateau; ihre Grundfläche steigt vom Eingang bis zum Chorschluss um 6 Meter an. Der Kirchenraum wirkt trotz mittelalterlicher Bauteile, insbesondere der massiven Umfassungsmauern, recht einheitlich. Die Anordnung der vier Innenräume, die kunstvoll hintereinander gelagert sind, ergeben interessante Raumperspektiven. Kunsthistoriker zählen die Klosterkirche von Altomünster zu den schönsten Rokoko-Gotteshäusern in Bayern

Beichtraum Hauptraum Altarraum Herrenchor Felsengrotte Schon zu dem im Westen unter dem Turm liegenden Eingang führt eine Rampentreppe mit vielen Stufen hinauf. Um weitere 9 Stufen höher dann der große, fast quadratische Hauptraum, der außen durch jeweils vier Strebepfeiler verstärkt und durch ein separates Dach gekennzeichnet ist . Es handelt sich um einen achteckigen Zentralraum mit abgeschrägten Ecken und Emporen, über den sich eine 18 m hohe Flachkuppel erhebt. Der Raum erfüllt die Funktion des Kirchenschiffs.

Danach folgt ein kleinerer Raum, der sog. Beichtraum, der die Form des Hauptraums in geringerem Ausmaß wiederholt. Darüber der Nonnenchor, der sich wie eine Brücke quer durch die Kirche zieht. Es folgen der Altarraum und dahinter, nochmals erhöht, der im Jahr 1617 errichtete "Herrenchor".

Umgänge
Auch vertikal ist die Kirche klar gegliedert: Im Erdgeschoss der Laienraum, die Pfarrkirche, im ersten Stock die Mönche und im zweiten Stockwerk die Nonnen.  Vom Nonnen- wie vom Mönchschor gehen Umgänge um die ganze Kirche, auf denen die Ordensleute an Sonn- und Feiertagen Prozessionen hielten, ohne dass sich ihre Wege je kreuzen konnten.
 

 

An der Nordseite der Kirche verläuft der sog. "Finstere Gang", der nach Nordosten abknickend in den dreieckigen Hof zwischen Kloster und Pfarrhof führt. Dort ist in einer vergitterten Nische eine kastenartige Tafel mit geschnitzten "Armen Seelen im Fegefeuer" zu sehen. Aus den Wundmalen Christi (Händen, Füßen und einem dornenbekränzten Herz) ergießen sich Blutstrahlen über die Armen Seelen (2.Hälfte des 19.Jh.), die im unteren Bereich in Flammen schmachten und "in ihrer Qual die Münder auf- und die Arme nach oben reißen". Auch aus dem mit der Dornenkrone umkränzten Herz Christi lodern Flammen der göttlichen Liebe, die ein darüber stehendes Kreuz umfangen.
Der Finstere Gang schuf die Verbindung zwischen dem oberen Areal des Klosters zum ehemaligen Friedhof. Er wurde in der Zeit um 1500 angelegt, damit die Mönche unter dem Nonnenkloster zum Friedhof gelangen konnten, ohne den Bereich der Nonnen betreten zu müssen.

Von Süden her führt ein Eingang in die Klostergruft von 1723. Im II.Weltkrieg diente die Gruft als Luftschutzkeller; heute wird sie als Lagerraum genutzt. Die Toten sind im Friedhof beerdigt.

Turm

Den schlanken, reich gegliederten Turm auf der Westseite über dem Eingang hat König Ludwig I. als den schönsten Turm in seinem Königreich! bezeichnet. Er hat eine Höhe von 62 Metern und ist damit der höchste Kirchturm im Landkreis Dachau. Eine Übersicht über die höchsten Kirchtürme erhalten Sie hier...

Die Fassade des Turms ist in zwei vertikale Abschnitte gegliedert.
Der untere Teil, der vom Kirchenschiff umschlossen scheint, wird durch zwei Pilasterpaare mit einfachem dorischen Kapitell und dem darauf ruhenden Segmentgiebel geteilt. Die beiden Außenseiten weisen auf die dahinter liegenden Kapellen hin.

Innerhalb der Säulen steht in 15 Metern Höhe eine große Statue des hl. Alto in einer Nische. Er ist im Abtsornat mit seinem Attribut, einem Kelch mit Jesusfigur dargestellt. Die 250 Jahre alte Originalfigur aus Eichenholz mit 3,50 Metern Höhe und einem Gewicht von 800 kg, die vom Dachauer Bildhauer Franz Arnoldt (1724-1788) geschnitzt worden sein dürfte, musste im Jahr 2002 wegen irreparabler Schäden entfernt werden. Bildhauer Erich Zimmer aus Iffeldorf hat 2005 eine neue Figur exakt nachgeschnitzt. Die Figur wurde mit 3800 Blatt Gold (=53 qm) vollvergoldet. Nur der gekrümmte Teil des Bischofsstabs, die Krümme, ist noch vom Original.

Der mittlere Teil mit den rundbogigen großen Schallfenstern wird von grauen  Eckpilastern (mit jonischen Kapitellen) eingefasst. Dorische Kapitelle weisen nach der traditionellen Säulenordnung  auf einen männlichen Heiligen hin, hier St.Alto, die jonischen Kapitelle dagegen auf eine weibliche Heilige, hier St.Birgitta oder Maria).

Der obere Teil mit Uhr und  als Voluten gestalteten  Ecklisenen trägt eine gestufte Zwiebelhaube mit Laterne mit vergoldetem Kreuz.

  Hinweis: Die so typisch bayerisch-barock anmutende Zwiebelform der Bedachung von Kirchtürmen -auch welsche Hauben genannt- stammt aus dem Orient. Sie wurde zuerst von den arabischen Baumeistern als Weiterentwicklung der Kuppeln von Hagia Sophia und Grabeskirche verwendet. Das erste Bild kam Ende des 15.Jh mit dem Buch "Pilgerreise in das Heilige Land" von Bernhard von Breitenbach nach Europa. Es enthielt einen Holzschnitt der im 7.Jh errichteten Moschee auf dem Tempelberg in Jerusalem (Felsendom). Breitenbach glaubte, die große zwiebelförmige Kuppel stamme noch vom Tempel Salomons und verband mit ihr die Vision vom himmlischen Jerusalem. Jörg von Halsbach war der erste Baumeister unserer Gegend, der Zwiebeltürme plante: die Münchner Frauentürme. Weite Verbreitung fand die Zwiebel als Bauform aber erst im Italien der Renaissance und bei uns in der Barockzeit nach dem 30jährigen Krieg. Ihre Form -unten bauchig, oben spitz- passte wunderbar zur Kunstauffassung und zum Lebensstil des Barocks und galt "als Synthese aus der Bewegung ins Übersinnliche und dem Verharren in den Wölbungen des Sinnlichen".

Hinter den Schalllöchern hängen sechs große Glocken, die die Gläubigen zum Gottesdienst rufen. Fünf Glocken wurden von der Fa. Czudnochowsky in Erding in den Jahren 1948 (mit Durchmessern von 165 und 135 cm) und 1950 (Durchmesser 115, 95 u. 76 cm) gegossen. Die jüngste Glocke stammt von der Gießerei Perner in Passau (1989, Durchmesser 103 cm).
Seit 11.Dezember 2005 hat Altomünster -als einzige Kirche im Landkreis Dachau- ein Glockenspiel. Dafür wurden 24 weitere Glöckchen von der Gießerei Perner angeschafft. Mit diesen Glocken werden Kirchenlieder aus dem Gotteslob gespielt, abgestimmt auf das Kirchenjahr.



I
nnenausstattung

Man betritt die Kirche unter dem Turm durch eine verzierte Tür und kommt in einen Vorraum, der noch aus der alten romanischen Basilika von 1240 stammt. 'Der Eingang ist schmal. Ob der Baumeister an das von Matthäus in Kap.7 Vers 13 überlieferte Jesuswort gedacht hat: "Gehet ein durch die enge Pforte. Denn die Pforte ist weit, und der Weg ist breit, der ins Verderben führt, und viele sind es, die da hineingehen".

Vorraum

Im Gewölbe links ist seit 1872 eine Felsengrotte mit einer Todesangst-Christi-Kapelle eingerichtet (Einweihung durch Erzbischof von Thoma am 14.Okt. 1890). Vorher war der Seitenraum eine Rumpelkammer.

Vor einem Panoramabild sind die Figuren von Jesus, den drei schlafenden Jüngern und dem Engel, der Jesus den Kelch reicht, zu sehen (nach Plänen von Ludwig Hack).
Daneben steht die überlebensgroße Figur des gefesselten Heilands im Kerker, die im Jahr 1767 von Franz Paul Arnoldt aus Dachau (Franz de Paula Arnoldt), dem Schöpfer der großen Altofigur im Turm, geschnitzt wurde.

Beinhaus
Daneben sind hinter einem großen Gitter die Reste aus einem Beinhauses (Karner) zu sehen, das es in Altomünster -an dieser oder anderer Stelle- sicher gab. Auf einem fünfstöckigen Regal liegen die bemalten und mit Inschriften versehenen Totenschädel der Verstorbenen.
  Hinweis: Das Beinhaus oder Karner (lat.carnarium=Fleischkammer) war vom Mittelalter bis zum 19.Jh. ein meist an die Kirche in der Nähe des Eingangs angebaute, zweigeschossige Friedhofskapelle, in deren Untergeschoss die Gebeine der schon lange Verstorbenen aufbewahrt wurden, um Neuzugängen Platz zu machen. In früheren Jahrhunderten war die Lebenserwartung nicht so hoch; so sind in Relation zur Bevölkerungszahl mehr Menschen gestorben. Friedhöfe waren damals immer um die Kirche herum angelegt und kaum erweiterungsfähig.
Im Jahr 1058 beschränkte man die Grenzlinien der Friedhöfe auf 60 Schritte im Umkreis des Altars für Hauptkirchen und 30 Schritte für Kapellen. Weiter entfernt konnte man sich des Segens der im Altar ruhenden Reliquien und der Fürbitte des Heiligen nicht sicher sein. So war es üblich, die Gräber schon nach 5 bis 10 Jahren wieder zu verwenden. Zudem gab es keine Familiengräber; der nächste Tote erhielt das frei werdende Grab. Manche Totenschädel in den Beinhäusern wurden auch bemalt oder mit Inschriften versehen, um sie der Anonymität zu entreißen.
Karner waren besonders in Bayern, Österreich und Ungarn verbreitet; sie standen an katholischen und protestantischen Gotteshäusern. In den letzten hundert Jahren wurden die Karner abgerissen bzw. in Lourdeskapelle, Abstellräume oder Vorhäuser umgewandelt. In manchen Kirchen wie hier in Altomünster erinnert aber noch eine Nische mit einigen Totenköpfen an die frühere Trauerkultur. Die aufgestapelten Gebeine sollen die Kirchenbesucher an die Vergänglichkeit des Menschen ermahnen.

Epitaphe

Daneben stehen mehrere Grabdenkmäler an der Wand. Ein Epitaph erinnert an Christina von Machslrain zu Hochenburg (+1535), geborene Fürgerin von Millans, gestorben am Monatag nach St.Martin 1536. Es besteht aus Rotmarmor und ist 2 Meter hoch und 98 cm breit. Darauf sind in einem Relief die sind die Verstorbenen und zwei Wappentafeln mit doppelter Helmzier zu sehen. Darunter eine weitere Inschriftentafel für ihre fünf Enkel aus der Ehe zwischen ihrer Tochter und Wolf von Schellenberg; sie knien in zeittypischer Tracht vor einem Allianzwappen.
Inschrift: "Hie ligt begraben und ist gestorben an Sonntag nach Sand Marteinstag A.R. 1535. Die edl dugendhafft fraw Cristina weylandt Sygmundtn von Mächselrain zu Hochenburg verlassen witib gebornne Fürgerin von Mellans der gott genädi und barmherzig sein wele un all geläubig sellen. So ligen auch hiebei begraben ire fünf Ennkl, so ir tochter had Wolffen von Schellenberg zu Kyßlegk Marschalkh zu München geboren".

Ein zweites Epitaph gehört Barbara von Adelzhausen (Barbara von Wechsham), gest. 8.Mai 1536. Auch es ist aus Rotmarmor (173 x 79 cm); darauf ist die Verstorbene unter einem Spruchband kniend zu sehen; eine auch für die damalige Zeit altertümliche Darstellungsweise. Inschrift: "Anno Domini 1536 ist gestorben die edl und dugenthafft fraw barbara Adelzhäusserin an den 8 Dag des mayen der gott genad".

Weitere Epitaphe für Katharina Bachlerin (gest. 1720) sowie für den Klosterkastner Kaspar Küpferle (+1652)


 

Hinweis: Epitaphe gibt es in unseren Kirchen erst seit dem 14. Jh. als Gedächtnismal für einen Verstorbenen in Form einer Steinplatte, die innen oder außen an der Kirchenwand senkrecht aufgestellt wird. Epitaphe (griech. Grabinschrift) wurden für diesen Zweck eigens angefertigt; sie sind keine früheren Grabplatten. Das Epitaph ist auch kein Grabmal, weil sich weder dahinter noch darunter ein Grab befindet.


Ein Kriegerdenkmal erinnert an die vier aus der Pfarrei Altomünster stammenden Soldaten, die teils an der Seite Napoleons, teils gegen ihn gekämpft haben und gefallen sind. Einer der Männer starb in der Schlacht bei Wageram (nahe Wien) am 5. und 6. Juli 1809, in der Napoleons französische Truppen mit bayerischer Unterstützung die Österreicher besiegten. Zwei andere Männer starben beim Rußlandfeldzug der französisch-alliierten Truppen in Pollozk in der Nähe von Wilna/Litauen. Dort hatte sich der bayerische General Wrede schwere Gefechte mit der russisch-finnische Armee geliefert.

Lourdesgrotte

Rechts im Vorraum ist eine Muttergotteskapelle eingerichtet. Eine große Figur der Lourdesmadonna steht in einer künstlichen Felsengrotte. Darunter befindet sich ein Lichtspalier, auf das Opferkerzen gesteckt werden können.
Die Muttergotteskapelle dient(e) den Mitgliedern der im Jahr 1644 gegründeten Rosenkranzbruderschaft als Gebetsstätte (früher hielten sie ihre Andachten am unteren Choraltar ab). Innerhalb dieser Bruderschaft gab es auch eine sog. Stundenbruderschaft. Die besondere Beziehung des Birgittenordens zum
Rosenkranzgebet zeigte sich darin, dass die Birgittinnen eine besondere Form des Rosenkranzes mit 6 Gesätzen, 7 Vaterunsern und 3 zusätzlichen Ave Maria (also 63 Ave Maria) entwickelten als Ehrerbietung an das Lebensalter von 63 Jahren, das Maria nach den Revelationes erreicht haben soll. Zudem hatte der Papst um das Jahr 1500 einen besonderen Ablass für den erteilt, der einen von einem Birgittinnenprior geweihten Rosenkranz erwirbt.
In diese Kapelle wird übrigens das Brunnenwasser der Altoquelle geleitet. Das Wasser entspringt unter dem Altoaltar (rechts) im Hauptraum der Kirche, wird in den Klosterhof und von dort zurück in die Kapelle geleitet.
Der kleine Brunnen besteht aus Marmor. Das Wasserrohr ragt aus einem kleinen Relief in die Nische herein. Auf dem Relief wird das Quellenwunder des hl. Alto dargestellt. Der Heilige schlägt mit seinem Stab an einen Felsen. An dieser Stelle entsteht die Quelle.

Hauptraum

Altomünster ist einer der letzten großen Rokokobauten. Dies ist schon an der zwar graziösen, sparsam verwendeten Stuckierung (Wessobrunner Schule) von Jakob Rauch, Augsburg zu erkennen, die den Wänden einen alabasterartigen Schimmer verleiht. Man spürt hier schon den beginnenden Klassizismus. Rauch hatte einige Jahre vorher den Stuck in der Kirche von Sittenbach gestaltet.
Auch die 1766/68 von Joseph Mages (1728-1769) kurz vor seinem Tode gemalten Deckenbilder (sign.) sind in der Bewegung gedämpfter, als man es im Rokoko sonst erleben kann. Mages schuf übrigens auch vier Altarblätter für Altomünster.

Über neun Stufen gelangt man zu einem kunstvollen Gitter, das 1763 vom Klosterbruder Martin Offner geschmiedet wurde. Dieses farbig gefasste Gitter hat zwei Flügel und zwei feststehende Teile. In die Flügel sind unten Birgittinnenkreuze, Weintrauben und Rosenblüten eingefügt. Im Fries oben ist das Dreifaltigkeitssymbol zu sehen, umgeben von Cherubim und Seraphim (Erzengel). Des weiteren erkennt man Das Auge Gottes, brennende, mit Dornen und Blüten bekränzte Herzen Jesu und Mariens, umgeben von Gloriolen (Heiligenscheinen).
Die Gitter scheinen gewaltsam unter die Empore eingepasst worden zu sein, da die abschließenden Ornamente schon etwas im Deckenputz stecken. Auch die Anschlüsse an die Gestühlsteile des Vorraums sind nicht original. Es ist von einer nachträglichen Veränderung an Gitter oder Gestühl auszugehen.
  Hinweis: Das Herz Jesu ist Symbol für die Erlöserliebe Christi. Diese Darstellung verbreiteten sich nach der Einführung des Herz-Jesu-Festes durch Papst Clemens XIII. im Jahr 1765. Das Herz Mariens ist Zeichen für die mütterliche Liebe.

Durch das Gitter gelangt man zum achteckigen Kirchenschiff mit 18 m hoher Hängekuppel. Fischer hat diesen Raum als Zentralraum gestaltet, wie in Bergkirchen oder Sigmertshausen. Die Ecken sind abgeschrägt. Lisenen gliedern die Außenwände. Über vorkragendem, umlaufenden Gebälk sind über zwei Stockwerke Emporen mit rundbogigen Öffnungen mit herrlich geschnitzten Gittern angebracht. Viele Fenster (im barocken, unteren Teil zwei Reihen, im gotischen Herrenchor nierenförmig) sorgen für einen lichten, hellen Raum. Ein Verbindungselement zwischen den verschiedenen Raumteilen ist die gleiche Höhe der Gewölbeauflage (Kämpfer), unabhängig von der Höhe des Gewölbes.

Der Stuck wurde -wie erwähnt- von Jakob Rauch 1766 bis 1768 geschaffen. Er besteht aus Rocaillekartuschen, Blütengirlanden sowie rosa gefasste Putten und Engelskaryatiden (=weibliche Säulenfiguren als Gebälkträgerinnen)unter der Hauptkuppel. An der Brüstung der Orgelempore ein Stuckrelief mit zwei musizierenden Putten, am Gebälk des Hauptraums vier Gruppen von je zwei Putten mit Attributen christlicher Tugenden. Die Pilaster an den Wänden haben Stuckkapitelle mit Cheruben und Birgittenkreuz.


Seitenaltäre im Hauptraum

In den beiden östlichen Schrägen Ecken stehen die vom Münchner Bildhauer Johann B. Straub (um 1772) erbauten Altäre zu Ehren des Hl. Augustinus, bzw. des Hl. Alto. Ihr Holz ist rosa und grün marmoriert (= mit Marmormuster bemalt) und mit Schnitzdekor vergoldet. Im oberen Teil der Altäre eine Lichtöffnung, die mit einer baldachinartigen Reifkrone überdeckt ist. Durch sie scheint sich der Altaraufbau im oberen Teil fast aufzulösen. Über das Eck gestellte und gebauchte Pfeiler tragen ein Gebälk mit Ziervasen. Im Auszug der beiden Seitenaltäre vorgewölbte baldachinartige Gesimse mit Ziervasen und schwebende Engel mit Reifkronen

Beide Seitenaltäre enthalten Skelettreliquien mit Brustreliquiar (St.Maximilianus und St.Sebastian). Es handelt sich um nicht identifizierte Gebeine aus den Katakomben in Rom, die man Märtyrern zugeordnet und auf deren Namen nachgetauft hat. Sie sind mit kostbaren Gewändern, einem hellroten Obergewand, einem weiten, langen Rock aus Seidendamast und einem herabfallenden Umhang gekleidet. Die Gewänder sind mit Perlen, farbigen Steinen und Pailletten verziert. An den Füßen tragen sie schöne Schnürschuhe. In den Händen halten sie eine Krone und die Märtyrerpalme aus Klosterarbeit. Auf dem mit tülleartiger Seide umhüllten Kopf sitzt ein goldener Lorbeerkranz. Beide Reliquien wurden 1724 erworben, um 1770 gefasst und 1861 u. 1907 restauriert.

Linker Seitenaltar

Skelettreliquie des hl.Sebastian
Am Augustinusaltar (links) eine annähernd vollplastische Figur dieses Heiligen unter einem Gloriolenfenster mit einem entflammten Herzen als Symbol der Gottesliebe. Der kleine Engel, der auf ein aufgeschlagenes Buch zeigt erinnert an die Bekehrung des Augustinus. Als er im Garten spazieren ging, rief ihm ein Engel zu: tolle lege" (nimm und lies). Augustinus fand im Haus eine aufgeschlagene Bibel mit dem Text des Römerbriefs (13,11) und trat danach zum Christentum über.Augustinus wird von den Birgittinnen als Gründervater verehrt, da die Birgittenregel im ersten Teil die Regel des hl.Augustinus enthält.


Als Assistenzfiguren dienen -wie an allen Altären der Kirche- zwei Apostel. Auch sie wurden um 1770 von Joh.Bapt.Straub geschnitzt.
Links der Apostel Jakobus der Jüngere mit der Walkerstange (Wollbogen). In der kirchlichen Tradition werden die Lebensdaten von zwei Heiligen mit Namen Jakobus zu einer Vita vermischt. Jakobus der Jüngere, der Sohn des Alphäus war Apostel. Über seinen weiteren Werdegang nach Christi Himmelfahrt ist nichts bekannt. Vielleicht war das der Grund, ihm das Martyrium zuzuschreiben, das Jakobus, der "Bruder des Herrn" und spätere Bischof von Jerusalem erleiden musste. Der wurde im Jahr 62 von der Mauer Jerusalems gestürzt und mit einer Walkerstange (für die Filz-Herstellung) erschlagen. Auf der rechten Seite steht Apostel Thomas, der Zweifler mit einem Spieß in der linken Hand. Die rechte Hand hat er an die Brust gelegt zum Zeichen der Überwindung seines Zweifels an der Auferstehung Christi.
Alle Apostelfiguren in der Kirche ergeben einen Apostelzyklus, der an die Mutterkirche des Ordens in Vadstena in Schweden erinnert, in der für jeden der Apostel ein Seitenaltar besteht.'

Reliquienmonstranzen

In der Predella des Altars, links und rechts vom Tabernakel stehen prächtige Reliquienmonstranzen, die sehr stark einer Hostienmonstranz gleichen. Sie besitzen eine reich geschnitzte Umrahmung sind vergoldet und versilbert. Fast alle wurden um 1700 aus Holz geschnitzt. Der Fuß ist mit einem Schaftring und einem Vasennodus geschmückt.

Ein Teil der Monstranzen enthalten zwei Schaugefäße: Unten ein größeres,oben ein kleineres mit Wachsmedaillon.   
Auf den Cedulae stehen die Namen der Heiligen, von denen die Reliquien stammen: "S.Aloysy Gons.; Innocentius; Incognito; S.Modesti M.; Euphrasi M; Alexander M.; S.Casimiri." "S.Stan.Kos.C.; Incognito; Fortunatus; Illuminatus; Mauritius; Innocenti."
Im Sockel des Altars liegt in einer verglasten Nische hinter dem Ziergitter eine geschnitzte Liegefigur, eine Holzstatue der hl. Birgitta aus dem 19.Jh.
  Hinweis: Birgitta wurde um 1303 als Tochter von Birger Persson, einem der reichsten Grundbesitzer Schwedens geboren. Als sie elf Jahre alt war starb ihre Mutter; ihr war kurz vor Birgittas Geburt, als sie bei einem Schiffbruch gerettet wurde, Maria erschienen und hatte ihr ein "seliges" Kind prophezeit. Schon im Alter von sieben Jahren hatte auch Birgitta Visionen des Gekreuzigten Christus und teuflischer Ungeheuer, die sie mit dem Kruzifix bannte. Mit Dreizehn heiratete sie und gebar acht Kinder. 1335 wurde Birgitta Hofmeisterin bei der Gemahlin von König Magnus Eriksson. Mit ihrem Mann unternahm sie 1342 eine Wallfahrt nach Santiago di Compostela. Als ihr Mann 1344 starb, häuften sich die Visionen. Die über 600 ihrem Sekretär, einem Priester, diktierten Visionen wurden so schriftlich festgehalten, dann übersetzt und verbreitet. Sie sind in der Kunst vor allem für die Darstellung der vor dem Kinde knienden Maria bedeutsam geworden. Dann zog sie sich in die Nähe der Zisterzienserabtei von Alvastra zurück, wo sie ein Leben in Armut führte. Sie erhielt in ihren Visionen Auftrag und Regeln für eine Klostergründung, die zur Reform des Mönchswesens beitragen sollte. Birgitta gründete den nach ihr benannten Birgittenorden, dem sie ergänzte Augustinerregeln gab und der Schwestern und Priester, eine Klosterfamilie als Symbol der Urgemeinde, umfasste. Der schwedische König Magnus stellte Birgitta 1346 das Gut Vadstena am Vättersee zum Bau eines Ordenshauses zur Verfügung. Politisch engagiert, kritisierte sie den Lebenswandel von Priestern und Bischöfen. 1349 begab sie sich nach Rom, um die Anerkennung des Birgittenordens zu erwirken; aber erst 1370 ordnete Papst Urban V. an, in Vadstena je ein Kloster für Nonnen und für Brüder zu errichten; die Anerkennung des Ordens 1378 erlebte Birgitta, die am 23. Juli 1373 in Rom starb, nicht mehr. Zunächst in Rom bestattet, wurde Birgitta 1374 nach Vadstena überführt. Das erste Birgitten-Kloster auf dem europäischen Festland wurde in Gdansk/Danzig gegründet; dies war der Grund, warum die Arbeiterbewegung Solidarnosc Birgitta -nach Maria- zur zweiten Schutzpatronin wählte; und dies war wohl einer der Gründe für Papst Johannes Paul II., sie 1998 zur Patronin Europas zu erheben. Das einzige Birgittenkloster in Deutschland ist heute das Kloster Altomünster.


Rechter Seitenaltar

Auf dem Altoaltar (rechts) wird das Kelchwunder des St.Alto figürlich dargestellt. Als er während einer Messe bei der Wandlung den Kelch hob, sah er das Jesuskind in den Kelch hineinsteigen. Am Altar kniet St.Alto mit Stab und Mitra auf einer Wolkenbank. Vor ihm ein weiß gefasster Putto. Beide beten das aus einem Kelch erscheinende Christuskind an. Fünf Cheruben umgeben die Szene. Die Figuren sind weiß gefasst; die Gewandsäume und die Attribute vergoldet. Nur die Cheruben besitzen Inkarnatfassung.
Die Rückwand ist rosé gelüstert (mit metallisch irisierendem Effekt).

Unter dem Altar entspringt immer noch die Quelle, die Alto hier gefunden hat und die die Voraussetzung für die erste Ansiedlung von Ordensleuten war. Das Wasser wird in einer Wasserleitung aus Formziegeln unterirdisch in einen neben der Kirche liegenden Innenhof mit  Brunnenhäuschen (seit 1669 mit Quadersteinen gemauert) und seit 2004 wieder zurück in die Kirche - in die Lourdesgrotte im Vorraum unter dem Turm - geleitet. Auch der Brunnen auf dem Marktplatz wird von diesem Wasser gespeist. Im Beichtraum wird in einem Deckengemälde das Auffinden der Quelle durch St.Alto gezeigt.
Der Mönch Othloh berichtete um 1060 in seiner Altobiographie, dass der Brunnen jedenfalls seit der Zeit von St.Bonifatius nur Männern zugänglich sei. Erst seit 1056 -als Benediktinerinnen in das Kloster einzogen- sei es Frauen erlaubt, zum Altobrunnen zu gehen.

Assistenzfiguren sind auch hier zwei Apostel (1770, Joh.B.Straub).

Links der Apostel Simon, der eine mannshohe Säge vor sich hält. Simom wurde der Legende nach bei seinem Martyrium zersägt.
Rechts Judas Thaddäus, der eifrig in der Bibel liest; sein Attribut, die Keule, lehnt in seiner linken Armbeuge. Thaddäus wurde mit Keulen erschlagen.

Simon wird barfuß abgebildet, Thaddäus mit Stiefeln.



Im Sockel des Altars liegt in einer verglasten Nische hinter vergoldetem Ziergitter eine Holzfigur des hl.Alto aus dem 19. Jh.

Während der Gottesdienste steht auf dem rechten Seitenaltar ein Glasschrein mit der Hirnschale des hl. Alto, die der Überlieferung nach hier in Altomünster in einem Grab, das dem Heiligen zugeordnet wird, gefunden worden sein soll.
Die Hirnschale ist in Gold gefasst. Den Schrein haben Schulkinder zur 1200-Jahr-Feier im Jahr 1930 gestiftet. Am 9. Februar, dem Festtag des Heiligen, wird sie in feierlicher Prozession durch die Kirche getragen und danach den Gläubigen einzeln auf den Kopf aufgelegt.
Früher soll aus der Hirnschale am Altofest "Wein zu trinken gereicht" worden sein.

Im Pfarrbesitz ist auch noch das Altomesser, eine angeblich keltische Klinge, das Heft in zierlicher Silberfassung mit eingravierten Vöglein. Der Griff war eine Arbeit des Birgittenmöches Pius Gensler aus dem Jahr 1700. Das Messer war bei der Klosteraufhebung 1803 abhanden gekommen und wurde später, nachdem es von einem Altomünsterer Bürger in einem Münchner Antiquitätengeschäft entdeckt worden ist, wieder zurückgekauft.

Im Altarauszug des rechten Seitenaltars sieht man zwei Engel mit Reifkrone.

Auch auf dem rechten Seitenaltar stehen zwei Reliquiare, die denen auf dem linken Altar gleichen. Die Texte auf den Cedulae sind bis auf "S.Joannis de Deo C." unleserlich.

Deckengemälde im Hauptraum/Kirchenschiff

Die Deckengemälde im Hauptraum wurden 1768/69 von dem in Augsburg wohnenden Tiroler Joseph Mages geschaffen. Seine Signatur ist im Südosten der Hauptkuppel zu sehen.

Im Rahmen des Kuppelbildes sind vier Wappen zu sehen: im Osten das des Frauenkonvents, im Norden, das der Altobruderschaft, im Westen das des Herrenkonvents und im Süden das der Rosenkranzbruderschaft.

Das Deckengemälde in der Kuppel des Hauptraums zeigt in der Mitte die Hl.Dreifaltigkeit auf Wolken vor hellem Lichtschein und umgeben von Engeln und Heiligen (Bild links). Auf der linken Seite mehrere Ordensleute, daneben St. Alto im Abtsgewand Ein Engel hält den Stab und Mitra. Rechts von St.Alto steht die gekrönte Maria auf einer Mondsichel. Mit der rechten Hand hält sie ihren Mantel schützend über die Szene unter ihr. Vor Maria kniet die hl. Birgitta. Sie blickt zu Maria auf und weist mit der Rechten auf die Gründungsszene. Damit empfiehlt sie das Kloster dem Schutz Mariens. Die erste Kirche war auch eine Marienkirche und der ursprüngliche Name des Klosters war Maria Altomünster.
Die begleitenden Birgittinnen sind Katharina von Schweden, die Tochter der hl.Birgitta und die Tatarenprinzessin Katharina Tatara. Bei den 3 Damen auf der Wolke über Birgitta handelt es sich um die Prinzessinnen Agnes, Ursula und Barbara, die wie Birgitta ihre hohe Stellung aufgaben, um Christus nachzufolgen.

An den Rändern des Gemäldes wird in zwei größeren und zwei kleineren Bildern die Gründungsgeschichte von Altomünster dargestellt:

An der Nordseite wird die Schenkung des Waldgebiets an St.Alto thematisiert.
An einem Hügel mit hohem Baumbestand und einem kleinen Bach stehen der Mönch St.Alto mit Stab und ausgebreiteten Händen vor dem König Pipin dem Kurzen, der von seinem Pferd abgestiegen ist. Pipin in bunter Tracht und Hut weist mit seiner Reitgerte auf die Waldlandschaft, die er dem Mönch schenken will. Zwei Begleiter des Königs, als Jäger dargestellt, beobachten die Szene. Links im Hintergrund die Klause von Alto, eine Hütte einfachster Art.

Das Gemälde an der Ostseite stellt die Gründung des Birgittenklosters in Altomünster dar. Auf einer Plattform überreicht der in einen weiß-blauen Mantel mit Hermelinüberwurf gekleidete Herzog Georg der Reiche (dessen prächtige Hochzeit in Landshut immer noch nachgefeiert wird) die Gründungsurkunde mehreren Ordensfrauen in der Tracht der Birgittinnen. Neben dem Herzog steht seine Gemahlin Hedwig (Jadwiga) von Polen in goldbesticktem Kleid. Ihre Familie hatte in Polen ein Birgittenkloster gegründet. Dies förderte sicher die Ansiedlung des Ordens in Bayern. Eine Ebene tiefer und außerhalb der Balustrade, die die Plattform umgibt,
stehen drei Mönche des Birgittenordens. Dies weist darauf hin, dass bei den Birgitten die Mönche weniger Einfluss hatten als die Nonnen. Sie mussten in den Klöstern Birgittas nämlich der Äbtissin Gehorsam zu leisten, die den Gesamtkonvent aus Nonnen und Mönchen leitete. Hinter den Begleitern des Herzogs kniet Hofrat Wolfgang der Sandizeller mit seiner Gemahlin Eva an einem großen Stein, der ihr Wappen trägt. Eva war schon in Mahingen in den Birgittenorden eingetreten. Deshalb hält sie eine Birgittinnenkrone in den Händen. Wolfgang trat später selbst in das Kloster Altomünster ein. Zwischen dem Bild auf der Ostseite und dem kleineren Gemälde auf der Südseite ist in hügeliger Landschaft der Ort und die neu erbaute Kirche dargestellt, wie sie sich 1766 präsentierten.

 Das Fresko auf der Südseite zeigt eine Gruppe von Heiligen. Links St.Augustinus in Bischofsornat, daneben St. Leonhard, die Kette schwingend. Aufrecht steht St.Florian oder St. Donatus in Soldatenkleidung mit der Fahne in der Hand. Dahinter sitzt St. Wendelin in Hirtenkleidung. Hinter Wendelin drei heilige Frauen. Über dieser Gruppe auf Wolken eine weitere Heiligengruppe. Darunter die Heiligen Crispin und Crispinian, die Patrone der Schuster mit einem Hämmerchen.

Das große Gemälde auf der Westseite hat die Bestätigung des Birgittenordens zum Inhalt. In der Mitte steht Papst Urban V., der zur Bestätigung von Avignon nach Rom gereist war, an einen kleinen Rundtempel als dem Symbol der Kirche gelehnt. Hinter ihm hält ein Kardinal mit großem Hut auf dem Kopf ein aufgeschlagenes Buch in den Händen. Vor dem Papst kniet demütig die hl. Birgitta von Schweden in der grauen Ordenstracht: auf dem Kopf die Krone der Birgittinnen (=aus weißen Leinwandstreifen
mit fünf aufgenähten roten Tuchstückchen als Erinnerung an die 5 Wunden Jesu), darunter der schwarze Schleier und weißes Brusttuch. Sie hält ein aufgeschlagenes Buch in der Hand aus dem ein Papierstreifen mit der Aufschrift Regula (Ordensregeln) hängt. Hinter Birgitta sind drei vornehme Frauen zu sehen. Am linken unteren Bildrand hält ein Engel das dritte aufgeschlagene Buch des Gemäldeteils, in dem der Text "Revelationes S.Pirgitae" (Visionen/Offenbarungen der hl.Birgitta) zu lesen ist. Über der Szene schwebt der Erzengel Michael in Rüstung mit gezogenem Schwert. Sein Schild sendet einen Blitz zu Personen, die das Böse der damaligen Zeit (stürzender Satan) symbolisieren. Ein Ketzer mit Schriftrolle, ein drachenähnliches Wesen mit drei Schlangenköpfen, ein Pfau für den Stolz, ein Ziegenkopf und ein nackter Mann mit einer brennenden Fackel neben sich. Auf der anderen Seite steht ein Weinberg für das Gute in der Welt.

Unterhalb der Gemälde, an den acht grünen Kuppelzwickeln, sind rosa gefärbte Engelkarytiden (Gebälkträgerinnen) angebracht.

Die Fresken wurden 1871, 1898, 1907, 1928 und 2000-2003 renoviert.

In den Kirchen des Birgittenordens befinden sich auf Anordnung der hl.Birgitta Figuren aller zwölf Apostel (Apostelzyklus). In Altomünster stehen sie als Assistenzfiguren an den Altären.


Taufstein

In der Südwestnische steht der fast 1 Meter hohe spätgotische Taufstein aus Rotmarmor (14.Jh). Er besitzt ein kanneliertes Becken mit zwei Eisenringen, das auf einem ebenfalls kanneliertem Säulenstumpf ruht.
Auf dem marmorierten Holzdeckel in Form einer stark eingezogenen Zwiebelkuppel sind barocke Schnitzfiguren von St.Johannes dem Täufer mit Kreuzstab, Schriftband (Ecce Agnus Dei) und Taufschale und den die Taufe empfangenden Jesus angebracht.
Sie stammen vom Dachauer Bildhauer Franz de Paula Arnoldt (1724-1788), der auch die Figur des gefesselten Heilands im Kerker, die großen Altofigur im Turm (jetzt ersetzt) und das Speisgitter geschnitzt hat.
Hinweis: Die Taufe der frühen Christen fand ursprünglich im Freien statt, überall dort, wo fließendes oder stehendes Wasser vorhanden war. Mit der Verlegung der Taufe in den Kircheninnenraum schuf man dort eigene Taufbecken. Als sich im 11.Jh die Praxis der Kindertaufe weitgehend durchsetzte, begann man mit der Errichtung erhöhter Taufgefäße; die Bodenbecken erwiesen sich für die Kindertaufe als weniger geeignet. Das Taufbecken ist meist aus Stein. Es hat in der Regel eine achteckige Form, weil die Zahl acht und das Achteck als Symbol für Erneuerung, Wiedergeburt und Herrschaft angesehen werden. Taufbecken und Deckel sind meist mit ornamentalem oder architektonischem Zierrat geschmückt. In der Barockzeit wurde auf dem Deckel häufig die Taufe Jesu figürlich dargestellt. Sie ist Vorbild für das Taufsakrament und  geht auf Empfehlungen des Konzils von Trient (1545 bis 1563) zurück.  Die Worte "Ecce Agnus Dei - übersetzt: Seht das Lamm Gottes, das die Schuld der ganzen Welt wegnimmt" sprach Johannes der Täufer, als er Jesus erstmals begegnete (Joh.1,29)


Beichtstühle

An der Süd-und Nordseite sind in die Wand unter den Emporen vier barocke Beichtstühle (aus der Erbauungszeit - 1773) eingelassen. Sie sind weiß lackiert und mit vergoldeten Verzierungen geschmückt.
Der Beichtstuhl entwickelte sich erst ab dem 16.Jh zu einem feststehenden, meist dreiteiligen, mehr oder weniger geschlossenen Beichtgehäuse mit dem erhöhten Mittelteil für den Priester und mit der Trennung von Priester und Beichtenden durch eine Zwischenwand mit Sprechgitter.
  Hinweis: Über Jahrhunderte hinweg wurde das Bekenntnis der Sünden offen im Kirchenraum beim Sitz (Kathedra) des Bischofs, später bei dem des Priesters im Altarraum abgelegt. Dieser besonders hervorgehobene Sitz des Beichtvaters war die Ausgangsform des Beichtstuhls. Durch die irisch-schottischen Mönchen wurde die Beichte im 10.Jh privatisiert, d.h., nicht mehr öffentlich abgelegt. Dazu bedurfte es nicht nur einer größeren Zahl von Priestern, sondern auch neuer Einrichtungsgegenstände. Der heutige Beichtstuhl entwickelte sich allerdings erst ab dem 16.Jh. zu einem feststehenden, meist dreiteiligen, mehr oder weniger geschlossenen Beichtgehäuse mit dem Mittelteil für den Priester (in dem der Priester sitzt - deshalb Beichtstuhl) und mit der Trennung von Priester und Beichtenden durch eine Zwischenwand mit Sprechgitter. Die Beichtenden knien abwechselnd in den Seitenteilen. Damit wurden bessere Bedingungen für einen anonymen Vollzug der Beichte geschaffen. In neuerer Zeit bieten sogenannte Beichtzimmer mit ihrer persönlichen Atmosphäre eine räumliche Alternative für Beicht- und Glaubensgespräche. Die Beichte geht auf das Bibelwort "Er hauchte sie an und sprach zu ihnen: Wem Ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem Ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert" (Joh 20,22) zurück.

Darüber sind rote Emblemkartuschen zu sehen. An der Nordwand zwei Hände, die sich eine Krone reichen. Seitlich davon zertreten Füße die Abzeichen geistlicher und weltlicher Macht. Die Inschrift HANC NON ISTA (diese und keine anderen) verweist darauf, dass Birgitta nach der Krone des Lebens und nicht nach geistlichen oder weltlichen Würden strebte. In der Kartusche auf der Südseite lehnen an einer Säule ein Pilger- und ein Birgittinnenstab. Im Hintergrund zwei Stadtansichten. Die Inschrift PEREGRIANDO (durch Wandern) weist auf die zwei großen Pilgerfahrten von Birgitta nach Santiago de Compostela und nach Jerusalem hin.

Kirchenbänke

Die noch aus der Erbauungszeit stammenden Kirchenbänke haben reich verzierte Rocaillewangen, die der Klosterbruder Martin Offner geschnitzt hat. Bis 1885 hatten die Gestühlsteile getrennte Podeste. Die Bänke bestehen aus Eichen- und Nadelholz.
Die Bestuhlung im Hauptraum erstreckt sich ohne Mittelgang über die ganze Breite des Kirchenraums. Männer und Frauen sind durch eine Mittelwand aus Holz getrennt.In Altomünster ist übrigens die rechte Seite die Frauenseite; ein Hinweis auf die "Herrschaft der Frauen" im Kloster. Ein Teil der Kirchenbank-Wangen hat eine blaue Farbe. Es handelt sich um ein sog. "Smalte-Blau", das bei der Restaurierung 2003 mit viel Aufwand hergestellt wurde: Für einen Liter Farbe ist u.a. das Eiweiß von 10 Hühnereiern erforderlich.
An den Kirchenbänken auf der tiefen Empore sind noch die Namensschilder angebracht, die früher den Bewohnern eines Hofes oder den Mitgliedern einer Familie einen festen Platz sicherten. Diese festen Plätze in der Kirchenbank waren in der Regel an den Hof gebunden; der Käufer eines Anwesens erwarb auch den mit dem Anwesen verbundenen Kirchenstuhl.
Solche Namensschilder sind auch noch in den Kirchen von Ainhofen, Odelzhausen, Dachau, Ebertshausen, Eglersried, Einsbach-Hl.Blut, Langenpettenbach, Puchschlagen und Asbach erhalten
  Hinweis: Kirchenstühle gab es nicht von Anfang an in den Kirchen. Die ersten 1500 Jahre standen die Gläubigen oder bewegten sich langsam im Raum. Lediglich für Alte und Schwache gab es einige Stühle an den seitlichen Wänden. Ohne Kirchenstühle fasst die Kirche viel mehr Menschen; bei dichtem Gedränge während des Gottesdienstes schien der Raum voller Bewegung zu sein. Das feste Gestühl wurde zum Spiegel einer disziplinierten Gemeinschaft, in der jeder seinen festgefügten Platz hatte. Im 16.Jh. sind zuerst die evangelischen Kirchen mit Bänken ausgestattet worden, weil dort die Predigt als Medium der Heilsvermittlung einen größeren Raum einnimmt. Die katholischen Kirchen zogen erst später nach. Die Bestuhlung war einer der Gründe, dass die Kirchen zu Beginn der Barockzeit vergrößert werden mussten.

Prozessionsstangen

An den Kirchenbänken sind Prozessionsstangen mit rd. 40 cm hohen Heiligenfiguren befestigt, die zumeist aus dem 18.Jh stammen. Vorhanden sind Stangen mit Figuren der Heiligen Florian (um 1700), Josef (18.Jh), Leonhard, ein hl.Bischof (um 1700), Moses (18.Jh), Mönch (18.Jh), unbekannter Heiliger (18.Jh).

Kristalleuchter Orgel Taufstein Bestätigung des Birgittenordens Heiligen-Gruppe Klostergründung Frauenchor, von dem aus die Predigt gehört wurde Kristalleuchter KanzelEvangelist LukasKanzelkreuz
Der Hauptraum - Blick vom Beichtraum zum Eingang
Vergrößerung von 8 Details (Orgel, Decke, Kanzel, Kanzelkreuz, Figuren)
per Mouseklick
Bei Dunkelheit wird der Kirchenraum durch Kristallleuchter mit Lampen in Kerzenform erhellt.

Kreuzwegbilder
und Apostelleuchter
An den Seitenwänden des Hauptraums und der weiteren Räume im Laienbereich hängen große Kreuzwegbilder in neubarocken Schnitzrahmen (Öl auf Leinwand). Sie wurden 1908 von Emil Boehm(e) gemalt. Die Rahmen fertigte Franz Wirth 1909 an.
  Seinen Ursprung hat der Kreuzweg im Brauch der Pilger, bei Wallfahrten nach Jerusalem den Leidensweg Jesu nachzugehen. Wenn Sie mehr über den Kreuzweg und seine Darstellungen in Kirchen des Landkreises erfahren wollen, klicken Sie hier...

Darüber sind kunstvolle Apostelleuchter von Frater Martin Offner (1765) angebracht, der auch das Gitter geschmiedet hatte. Es sind einarmige Leuchter, die teilweise vergoldet sind.Unter dem Kerzenteller ein Cherub. Die Apostelkreuze an der Wand sind stuckiert.
  Die Apostelleuchter erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlischen Jerusalems.

Kanzel
Am südöstlichen Pfeiler, am Übergang zum nächsten Raum ist rechts die Kanzel (von Franz de Paula Arnold ?) angebracht. Sie ist aus Holz geschnitzt und rotgrau marmoriert. Das Schnitzdekor ist vergoldet, der Skulpturenschmuck polychrom (=mehrfarbig) gefasst. An den Ecken des rechteckigen Kanzelkorbs sitzen Putti mit den Symbolen der vier Evangelisten Matthäus (Engel), Markus (Löwe), Lukas (Stier) und Johannes (Adler).
Die Putten halten geöffnete Evangeliare (Bibeln) mit dem Text des Weihnachts-Evangeliums in der Hand.
(Matthäus Kap.2, Vers 1 - Lukas Kap.2, Vers 1 - Johannes Kap.1 Vers 1).
Da das Markusevangelium keine Weihnachtsgeschichte enthält, fehlt beim Löwen auch das Buch.
Der geschwungene, annähernd rechteckige Kanzelkorb ruht auf einer trichterförmigen Konsole. Die Rückwand (Dorsale) ist von zwei Pilastern eingerahmt. Auf den Voluten des Schalldeckels sitzen Putti auf einem Volutenbügel. Der oberste bläst auf einer Posaune.
  Hinweis: Das Motiv des Posaunenengels geht auf Papst Leo I. (440-461) zurück, der schreibt, dass von der Kanzel die Posaune des Evangeliums ertönt. Der Posaunenengel ist auch Zeichen für das jüngste Gericht. Der Engel bläst nicht zu den Kirchenbesuchern, sondern zum Altarraum, also nach Osten. Aus dieser Richtung wird Christus am Weltenende erwartet.


Kreuzigungsgruppe

Der Kanzel gegenüber hängt das sog. Kanzelkreuz mit einer darunter stehender Figur der Schmerzensmutter (mater dolorosa) in blaurotem Gewand und einem Schwert in der Brust. Beide Figuren sind überlebensgroß.
    
Der Korpus des Kanzelkreuzes stammt aus dem 16.Jh., dem Übergang von der Gotik zum Barock. Bei der Renovierung im Jahr 2002 wurde die Originalbemalung wieder hergestellt. Der Kopfschmuck besteht wie im Original wieder aus Echthaar. Die Figur der schmerzhaften Muttergottes wurde von Franz de Paula Arnoldt (?) geschnitzt.
  Hinweis: Das Kreuz heißt Kanzelkreuz, weil es in der Regel der Kanzel gegenüber an der Wand angebracht ist. Es erinnert den Prediger an den 1.Korintherbrief (1,3), in dem der hl.Paulus schreibt: "Wir predigen Christus als den Gekreuzigten". Die Ansprache soll nicht weltliche Dinge, sondern den Tod und die Auferstehung Christi zum Inhalt haben. Das Schwert in Marias Brust erinnert das Simeonwort im Lukasevangelium (Kap 2,35)bei der Darstellung im Tempel: "Dir selbst wird ein Schwert durch die Seele dringen".  

 

Opferstöcke

In der Kirche sind viele Opferstöcke unterschiedlicher Gestaltung angebracht. Die ersten beiden, kleinen Opferstöcke hängen am Schmuckgitter des Eingangs zum Hauptraum und wurden um 1770 vom Klosterbruder Martin Offner gefertigt, der auch das Gitter geschmiedet hat.

Ein schöner alter Opferstock mit Holzsockel steht in der Nordwest-Nische. Er ist mit zwei Eisenbändern gesichert. Über ihm ein Bügel, der das Herausfischen von Geldscheinen verhindern soll. Der Opferstock stammt aus der Zeit um 1700.

      
Neben den Seitenaltären hängen wieder kleinere Exemplare. Auch der Sockel der Mater dolorosa  unter dem Kanzelkreuz enthält einen Opferstock.
Schließlich warten im Beichtraum weitere Opferstöcke an der Wand auf Spenden. In den Kirchen des Landkreises Dachau gibt es viele unterschiedliche, außerordentlich interessante Opferstöcke. Wenn Sie sich dafür interessieren, klicken Sie hier..



Orgel

An der besonders geschmückten Westempore im ersten Stock steht die Orgel im prächtigen Rokokogehäuse. Über den Orgelpfeifen das Ziffernblatt einer Uhr. Das rot marmorierte Orgelgehäuse stammt aus der Zeit um 1760 und wurde für die große Klosterkirche von Taxa geschaffen. Es erscheint deshalb in Altomünster auch etwas in die Empore eingezwängt. Die Außenfelder sind durch den Bogen teilweise dem Blick des Betrachters entzogen. 1984 wurde das fünfteilige Gehäuse von der Fa Binapfl restauriert.
Erbauer der Orgel war Johann Franz Michael König (1723-1791) aus Ingolstadt. Bei der Säkularisierung im Jahr 1803 kam das Werk (über eine Versteigerung) nach Altomünster. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die Kirche in Altomünster noch keine große Kirchenorgel, weil die Ordensregeln der Birgittinnen kein Orgelspiel erlaubten. Lediglich ein kleines Orgelpositiv war vorhanden, das der Pfarrkirche in Rieden (Lkr. Aichach-Friedberg) überlassen wurde. 1883 wurde die Orgel von der Fa. Steinmeyer aus Öttingen überarbeitet. Auch Albert Moser wird in der Fachliteratur mit einer Arbeit in Altomünster im Jahr 1919 erwähnt (zwei Manuale mit 33 Registern).
Die heutige Orgel (ohne Prospekt) wurde 1986 von der Fa. Sandtner in Dillingen mit 25 Registern und 3 Manualen neu gebaut. Die Uhr ist eine barocke Zutat und soll an die Vergänglichkeit der Zeit erinnern.
 

Disposition der Moser-Orgel von 1919 (nach Brenninger):
I. Manual (C-g'''): Bourdon 16', Principal 8', Gemshorn 8', Salicional 8', Soloflöte 8', Gedeckt 8', Octav 4',
                        Amarosa 4', Rauschquinte 2 2/3', Mixtur 4fach 2', Trompete 8', (Tremolo).
II. Manual (C-g'''):Quintatön 16', Flötenprincipal 8', Echogamba 8', Aeoline 8', Vox Coelestis 8', Nachthorn 8',
                         Philiomela 8', Geigenprincipal 4', Kleingedeckt 4', Nasard 2 2/3', Flautico 2', Terzflöte 1 3/5',
                         Septime 1 1/7', None 8/9' Klarinette 8', Vox humana 8', (Tremolo).
Pedal: (C-f'):        Subbaß 16',Kontrabaß 16', Echobaß 16', Cello 8', Flötbaß 8', Posaune 16'
Koppeln:
             II-I, Ok II-I, Uk II-I, I-P, II-P

Von der Kirchenmusik in der Zeit kurz vor der Säkularisation berichtet der erste Pfarrer nach der Klosteraufhebung, Ignaz Magnus Nerb (1805-1837) in seiner Lebensgeschichte: "In Altomünster war ich der erste Chorregent und Organist, ein enthusiastischer Musiker, obgleich der Musik sehr wenig kundig; der Prior hatte ein gutes und schönes Positiv (transportable Orgel) bewilligt. Nach der Birgittinerordensregel ist hier keine Figuralmusik (mehrstimmiger Gesang im Gegensatz zum Choral) und am allerwenigsten durchaus keine Orgel gestattet; daher war hier kein anderer Gesang zu hören als der Choral von den Mönchen. Doch haben der Schulmeister, der Rathdiener und der Hochzeitslader miteinander alle Sonn- und Feiertag nach der Wandlung in der unteren Kirche ein angemessenes deutsches Lied gesungen. So hatte sich die Figuralmusik zum Unwillen der alten Patres immer mehr eingeschlichen. Nachdem ich nach Rom musste, kam der Klosterrichter Rathenbeck zur Orgel, der noch schlechter und ungleich armseliger als Organist war, wie ich".

Über der Orgelempore befindet sich der sog. Predigtchor der Nonnen. Die Ordensfrauen hatten von ihrem verglasten Nonnenchor über dem Beichtraum aus zwar eine gute Sicht auf den Choraltar und die Altäre im Herrenchor, nicht aber auf die Kanzel. Deshalb wechselten sie zum Anhören der Predigt auf ihrem Stockwerk ganz nach hinten. 

Über dem Durchgang zum sog. Beichtraum beginnt hinter der geschlossenen Ostempore im 2. Stockwerk der Nonnenchor über dem Beichtraum erstreckt.

Wegen des Umfangs der Seite finden Sie die Beschreibung der übrigen Räume auf eigenen Seiten, auf die Sie durch einen entsprechenden Mouseklick gelangen können.

In Altomünster hat sich noch ein hölzerner Palmesel erhalten, der früher, und seit einigen Jahrzehnten wieder, in der Prozession am Palmsonntag mitgeführt wird. Es gibt nur noch zwei solche originale Figuren in unserem Gebiet (zweiter in Scheyern).
  Hinweis: Im Mittelalter war es üblich, am Palmsonntag einen lebenden Esel mit einem als Jesus verkleideten Priester in der Palmprozession mitzuführen. Als die Esel seltener wurden, hat man sie durch eine hölzerne Figur auf Rädern ersetzt. Im Laufe der Jahre wurde aber mit diesem Esel viel Unsinn getrieben (mit Brezen behängt, aus der Kirche entführt oder bei Kinderlosigkeit sogar ins Bett gelegt). Wegen dieser Auswüchse wurde der Esel durch bischöflichen Erlass verboten. Die Figuren wurden zu Brennholz zerschlagen. Deshalb sind heute kaum noch Esel vorhanden. Es ist kein Zufall, dass beide erhaltenen Figuren in Klöstern zu finden sind.

Hans Schertl

zum Beichtraum.und Nonnenchor
zum Altarraum...
zum Herrenchor...
Beichtraum Hauptraum Altarraum Herrenchor

Im Klostertrakt liegt auch das schöne Pfarrhaus mit Walmdach, das um 1690 als Gästehaus des Klosters für den Bischof errichtet wurde. Zum Pfarrhof wurde es 1803. Im Inneren besitzt es mehrere barocke Stuckdecken.


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Die Kirche ist an Sonntagen ganz und sonst zu den Gottesdienstzeiten geöffnet. In der übrigen Zeit kann man das Innere durch ein Abschlussgitter bewundern. Kostenlose Führungen finden an jedem Sonntag um 14.30 Uhr und sonst nach Terminabsprache statt: Telefon 08254/8235.


Quellen
:
siehe Kurzbeschreibung

Kirchen und Kapellen im Landkreis Dachau - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

16.8.2011