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Klosterkirche St.Alto und St.Birgitta in ALTOMÜNSTER

 
Ansicht vom Osten: im Vordergrund der Herrenchor von 1617
links: Statue der hl.Katharina von Schweden, der Tochter von Birgitta


Ausführliche Beschreibung

Klostergeschichte

Der Name Altomünster leitet sich vom hl. Alto und der früheren Bezeichnung für Kloster (= Münster) ab. Der Legende nach soll hl. Alto ein schottischer Wandermönch gewesen sein. Neuere Forschungen lassen aber den Schluss zu, dass Alto ein Bajuware war und der Sippe der im westoberbayerischen Raum sitzenden Huosi angehörte. Nach einer Altobiographie des Benediktinermönchs Otloh im Regensburger Kloster St.Emmeram aus dem Jahr 1060, soll Alto um 740 hier ein kleines Kloster errichtet haben.
Das Land, so heißt es, hätte ihm der fränkische König Pipin III. der Kurze, der Vater von Karl dem Großen, geschenkt. Das Kloster sei vom hl.Bonifatius geweiht worden. Tatsächlich dürfte sich dies alles etwas später, erst nach Altos Tod (nach 760) abgespielt haben. Damit scheidet Bonifatius, der schon 755 starb, als Weihebischof aus.


Wappen am Chorbogen

Der Name der Nachbarortschaft Pipinsried wird oft als Hinweis für die Schenkung Pipins herangezogen. Doch nach Aussagen von Dr.Gottfried Mayr ist der Ortsname auf die Gründerfamilie des Klosters Schäftlarn mit Namen Pipin zurückzuführen. Dazu passt auch das Patrozinium des hl.Dionysius für die Kirche in Pipinsried und das Kloster Schäftlarn.

Der
Geschichts-schreiber
Othloh
Der Geschichtsschreiber Othloh 33) hatte in Tegernsee die Schule besucht und kam über Hersfeld und Würzburg als Seelsorgspriester in die Diözese Freising. Als der selbstbewusste und federgewandte Priester beim Archipresbyter Werinher vorgeladen war, überreichte er dem statt einer Entschuldigung ein Spottgedicht. Othloh nahm seinen Abschied von der Diözese Freising und fand Aufnahme im Kloster St.Emmeram in Regensburg. Dabei erklärte er, er wolle jetzt "endlich mehr unter gebildeten Geistlichen sein, als unter diesen Bauernpfarrern. Diese einfältigen Dialektiker, die da meinten, man könne die Worte der Schrift nur nach den Grundsätzen der Dialektik verstehen und die mehr Boethius (= christlicher Philosoph um 500) als den heilgen Vätern vertrauen". Dieser Wechsel im Streit war wohl einer der Gründe, dass er sich zu einem Kämpfer für die Unabhängigkeit der Klöster von Bischöfen und weltlichen Herren einsetzte. Für dieses Ziel nahm er bei seinem umfangreichen literarischen Werk (darunter auch Biographien über St.Wolfgang, St.Bonifatius, St.Magnus u. St.Alto) Geschichtsklitterungen in Kauf nahm. Dies könnte im Falle von Altomünster ebenso gewesen sein.

Aber Alto war in jedem Fall eine historische Person, die um 760 eine Schenkungsurkunde unter Bischof Joseph von Freising (747-764) für Mammendorf signiert hat. Er wird wohl ein heiligmäßiges Leben geführt haben, denn schon im Freisinger Missale aus der Zeit des Bischofs Abraham (957-993) ist das Fest des hl.Alto am 9.Februar verzeichnet.

Alto, war wohl ein Bajuware aus der Sippe der im westoberbayerischen Raum sitzenden Huosi. Er soll erst in hohem Alter das Eremitendasein aufgegeben haben und Priester geworden sein.
Seine primitive Klause soll nordwestlich von Altomünster an der Stelle im Wald gestanden haben, an der sich heute der Gnadenbrunnen und eine Gedenkkapelle mit der Altofigur befinden.

Zu den Reliquien von Altomünster gehören die Hirnschale und das Messer von St.Alto.

Mehr über St.Alto ......

St.Alto
St.Alto

Benediktinerkloster (750-1056)
Die Klostergründung in Altomünster wird in die 2.Hälfte des 8.Jh. zu legen sein. Es dürfte -wie zur damaligen Zeit üblich- ein Benediktinerkloster gewesen sein. Und zwar ein Männerkloster.

Nachdem das Kloster von den Ungarn zerstört worden war, wurde es vom Fürstenhaus der Welfen noch vor der Jahrtausendwende wieder aufgebaut und mit Mönchen aus dem Ammergau besetzt. Graf Welf II., der mit der Nichte der Kaiserin Kunigunde verheiratet war, baute seine Herrschaft vom Lechrain aus zielgerichtet nach Osten aus und finanzierte das Kloster Altomünster als östlichen Vorposten seines Machtbereichs. Ita von Ohningen, die Mutter von Welf II., stiftete dem Kloster einige Weinberge in Südtirol und die Frau des Grafen Imiza schenkte ihm die Käsealmen im Leukenthal bei Kitzbühel. Beide Stifterinnen wurden in Altomünster bestattet.


Kanonissenstift (1056-1270)
Imiza war es wohl auch, die im Jahr 1056 die Idee hatte, in Altomünster ein Frauenkloster einzurichten.
Der Grund dafür war sehr banal. Imiza hatte 1036 in Altdorf (heute Weingarten bei Ravensburg) ein früheres Klerikerstift in ein "Institut für geistliche Frauen", also Kanonissen eingerichtet; sie waren alle von hohem Adel. 1055 kam es mit den hohen Damen zu Erbstreitigkeiten, weil diese das Erbe des früh verstorbenen Sohnes Welf III. für sich beanspruchten, Imiza es aber nicht herausgeben wollte. Die Grafenwitwe wollte die Kanonissen loswerden und setzte einen Konvent-Tausch durch. Die Frauen mussten von Kloster Altdorf (das erst seit 1865 Weingarten heißt) nach Altomünster übersiedeln und die Altomünsterer Mönche nach Altdorf. Der Tausch fand im Todesjahr von Kaiser Heinrich III. statt, also 1056.
Ab 1056 war Altomünster also ein Kanonissenstift, in dem die adeligen Frauen relativ frei ohne strenge Regeln lebten. Das Stift diente vor allem der Versorgung adeliger Töchter. Die Kanonissen mussten keine ewigen Gelübde (Keuschheit, Armut, Gehorsam) ablegen. Sie genossen weitgehende Freiheit des Lebenswandels, besaßen einen eigenen Wohnbereich z.T. mit Dienstboten und konnten Privatbesitz und Einkünfte aus Pfründen haben. Sie durften zwar nicht verheiratet sein, konnten aber, falls doch noch die große Liebe des Lebens kam, das Stift wieder verlassen.
Wie lange dieses Kanonissenstift bestanden hat, ist nicht klar, weil es aus der damaligen Zeit nicht viele Quellen gibt. Doch 1180 bestand es noch. Denn damals war die selige Euphemia Gräfin von Andechs, die dem Totenbuch nach eine Kanonisse war, Äbtissin des Stifts.

Benediktinerinnen-Kloster (1270-1485)
Spätestens 1278 bestand in Altomünster aber das Benediktinerinnenkloster. Diese Erkenntnis verdanken wir der einzigen Papsturkunde für Altomünster aus der Zeit vor den Birgitten, also vor 1497. Diese Urkunde beendete einen für die Menschen der damaligen Zeit schlimmen Zustand, nämlich ein Interdikt, das das religiöse Leben stark beeinträchtigte.


Interdikt
33)
Im Kampf zwischen Kaiser (Friedrich II.) und Papst (Gregor IX.) und deren innerbayerischen Anhängern Bischof von Freising (kaisertreu) und Herzog Otto II. (papsttreu) wurde 1239 vom päpstlichen Gesandten Albert Behaim neben anderen bayerischen Klöstern und Stiften explizit auch über das Kloster Altomünster ein Interdikt verhängt; es dauert 6 Jahre bis zur Aussöhnung zwischen dem Freisinger Bischof Konrad I. und Papst Innozenz IV. auf dem Konzil von Lyon am 3.8. 1245.
Interdikt bedeutete eine Schließung der Gotteshäuser, die Einstellung der Gottesdienstes, das Verstummen der Kirchenglocken und das Versagen der Sakramente und des kirchlichen Begräbnisses. Der Schmuck musste von den Altären entfernt und die Kruzifixe verhüllt werden. Das Interdikt traf in der Regel Unschuldige; es war darauf angelegt, in breiten Schichten des Volkes und des Klerus Verärgerung gegen den Herzog oder Bischof zu schaffen und ihn so zum politischen Kurswechsel zu zwingen. Im ausgehenden Mittelalter wurden Interdikte häufig als Druckmittel verwendet und stumpften als Waffe ab. Doch die seelsorgerische Betreuung der Bevölkerung und die Disziplin des Klerus litt darunter erheblich.
In Altomünster waren die Folgen eines Inderdikts etwas abgemildert durch die Papsturkunde von 1278. Darin erlaubte der Papst dem Kloster, auch während eines Interdikts den Gottesdienst zu feiern; allerdings nur hinter verschlossenen Türen.
Diese Papsturkunde erlaubt auch sonst interessante Einblicke in das benediktinische Klosterleben von Altomünster. Prof.Liebhart beschreibt in seinem Aufsatz "Das Frauenstift und Benediktinerinnenkloster Altomünster", dass Papst Nikolaus III. das Kloster unter seinen Schutz stellte. Er drohte denen, die das Kloster "beunruhigen und seinen Besitz entfremden" wollten, kirchliche Strafen an. Doch die Urkunde enthält auch eine Verschärfung der Klosterregeln. Die Nonnen sollten sparsamer leben. Die Konversen mussten der Welt entsagen und die Klostervorschriften einhalten. Konversen waren Erwachsene, die ihren Lebensabend im Kloster verbrachten. Niemand durfte ohne Zustimmung der Äbtissin das Kloster verlassen. Die Nonnen durften innerhalb der Kirche beerdigt werden. Die Äbtissin wurde vom Konvent gewählt und nicht von außen bestimmt.

Auch nach der Umwandlung vom Damenstift zum Benediktinerinnenkloster blieb Altomünster für den niederen Adel reserviert. Finanziert wurde es weiterhin durch Pfründe, die die Nonnen mit ins Kloster gebracht hatten. Das widersprach der Benediktinerregel, die vorsah, dass man sich selbst zu versorgen hatte und führte zu erheblichen Spannungen unter den Nonnen.
Während der bayerischen Landesteilung war Altomünster immer Grenzgebiet (es gehörte zu Bayern-Ingolstadt und zu Niederbayern). Es war deshalb häufig von den kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den Teilherzogtümern betroffen. Im Zusammenhang mit dem "Hauskrieg" 1420/1422 ist von einem Brand die Rede. Diese Kriege und auch die hohen Steuern der Ingolstädter Herzöge haben ihren Teil zum Niedergang des Klosters Altomünster beigetragen. Die Zahl der Nonnen nahm immer mehr ab; als 1477 die Äbtissin verstarb, konnte keine Nachfolgerin mehr gewählt werden.

Bis zur offiziellen Auflösung "wegen Misswirtschaft" dauerte es aber noch ein Jahrzehnt. Sie erfolgte durch päpstliche Aufhebungsbulle vom 31.3.1488. Durch Erblehensvergabe von Klostergut war die materielle Grundlage des Klosterlebens zerrüttet. Die letzte noch verbliebene Benediktinerin übergab die knapp 500jährige Hinterlassenschaft des Ordens, u.a. den Kirchenschatz, Urkunden, Verwaltungsbücher und eine kleine Bibliothek mit historischen Handschriften (Alto-Lebensbeschreibung, Welfenchronik) 23)
.

Birgittenkloster (seit 1496)
Herzog Georg der Reiche von Landshut (bekannt durch die Landshuter Hochzeit) schenkte das Kloster 1496 mit den "Hinterlassenschaften" dem Birgittenorden (Kloster Maihingen), der es 1497 als Doppelkloster in Besitz nahm. Die schwedische Mystikerin Birgitta (1303-1373) hatte um 1346 diesen Orden gegründet, der Nonnen und Mönche in Doppelklöstern vereinigte. Idealerweise sollten es 60 Nonnen und 13 Priester-Mönche (Apostelzahl + Paulus) und 4 Diakone (vier Kirchenlehrer) und 8 Laienbrüder sein. Die Mönche sollten die Seelsorge der Schwestern und der um die Klöster herum siedelnden Menschen sowie die Haus- und Feldarbeit übernehmen 29).
Dr.Liebhart spricht von 12 Priester, 8 Diakonen und 5 Laienbrüdern.
Diese Zahlen wurden in Altomünster nie erreicht, weil die wirtschaftlichen Grundlagen dafür nicht ausgereicht hätten 103)

...mehr über St.Birgitta...

Die ersten Nonnen und Mönche (15 Frauen, 5 Priester, 3 Brüder) für Altomünster kamen aus dem schwäbischen Maihingen, wo der Ritter Graf Wolfgang von Sandizell zu Unterwittelsbach (bei Schrobenhausen) und seine Frau als Laien in den Birgittenorden eingetreten waren. Wolfgang war ein Freund von Herzog Georg dem Reichen aus Landshut, zu dessen Herrschaftsgebiet damals Altomünster gehörte. Wolfgang wurde auch der erste Verwalter des Klosterguts. Die Übernahme durch die Birgittiner ist im Hauptteil des Kuppelfreskos dargestellt. Man sieht deutlich, wie die Mönche tiefer gestellt sind als die Nonnen; sie hatten in den Klöstern Birgittas nämlich der Äbtissin Gehorsam zu leisten, die den Gesamtkonvent aus Nonnen und Mönchen leitete.


Weihnachtstaler
Dass die "Herrschaft der Frauen" nicht überall Freude erregte, lässt sich einem Brief von Wolfgang Frabricius Capito (1478-1541) an Melanchthon entnehmen. Darin berichtet er im Jahr 1520 über den gemeinsamen Freund Ökolampadius, der später ein berühmter Reformator in Basel geworden ist. Capito schreibt, Ökolampadius müsse "einigen Weiblein gehorchen und mühe sich ängstlich in ihrem Dienst ab, denn es seien in ganz verkehrter Weise die Frauen über die Männer gesetzt". 29)
Tatsächlich aber besaß der Beichtvater und Prior wohl den gleichen Einfluss. Er hatte nach der Regel vom Bischof die volle Gewalt, zu binden und zu lösen, zu bessern und zu reformieren. Und er durfte im Gegensatz zur Äbtissin das Kloster für Geschäfte verlassen.

Apiankarte 1568
  
Apian-Karte von 1568  
Kartograph Philipp Apian hat in seiner Bayerischer Landtafel Nr. 13 auch das Kloster Altomünster dargestellt (siehe Landkarte links). Damals hatte die Kirche wohl noch einen Spitzturm, denn Apians Zeichnungen sind, wie Dr.Peter Dorner schreibt, authentische Ansichten der dargestellten Gebäude.

Philipp Apian war der bedeutendste bayerische Kartograph seiner Zeit. Er wurde 1531 in Ingolstadt als Sohn des aus Sachsen stammenden Mathematikprofessors Peter Bienewitz (latinisiert:Apian) geboren und trat die Nachfolge seines Vaters an der Universität Ingolstadt an. Sein Lebenswerk war die erste Landesaufnahme des Herzogtums Bayern. 1563 schon hatte er eine erste große Karte des Herzogtums im Maßstab von ca. 1:45.000 fertig gestellt. Eine Verkleinerung dieser sehr unhandlichen Karte stellen die "24 Bairischen Landtaflen" (jeweils 40 mal 30 Zentimeter) im Maßstab von ca. 1:140.000 dar, die 1568 vom Züricher Formschneider Jost Amman in Holz geschnitten und vom Maler Bartel Refinger koloriert wurden. Die Genauigkeit der Landkarten wurde erst im 19. Jh übertroffen; noch Napoleon benutzte sie für den Einmarsch in Bayern. Apian musste noch im Jahr des Erscheinens seines Werkes (1568) nach Tübingen emigrieren, weil er "der Reformation zugetan" war. Er starb dort 1589. 95)

Der Frauenkonvent (Nordteil des Klosters) residierte in Gebäuden, die 1488-1496 und -ein Jahrhundert später- in den Jahren 1589-1593 (Küche, Refektorium, Kapitelsaal) errichtet wurden; der alte Baubestand umfasst insbes. das Gästhaus mit gotischen Fenstern und gotischen Türstöcken. Der Bau des Männerkonvents (Süden) entstand erst in den Jahren 1723-1726 durch Hans Mayr d.J. (1677-1731), den Schwiegervater von J.M. Fischer, dem genialen Baumeister der Kirche.

Beide Konvente waren durch das Kirchengebäude getrennt, aber auch verbunden: Denn sie nutzten die Kirche miteinander, aber auf verschiedenen Ebenen und auf verschiedenen Seiten: Die Mönche im ersten Stock (östlich des Altars), die Nonnen im zweiten Stock (westlich des Altars). Ein Gang unter dem Herrenchor mündete in einen bis heute erhaltenen Raum mit einer breiten Durchreiche: Entsprechend der Klostertradition war das Frauenkloster für das Kochen und Waschen aller Mönche und Nonnen zuständig. An dieser Durchreiche wurde beides übergeben.

Im Jahr 1730 begingen Kloster und Markt Altomünster mit "8tägigem Ablaß, H.Gottesdienst, Predigen und Proceßionen der herumligenden Städten, Märckten, Hofmarken und Dorffschafften mit grosser Solemnität (=Festlichkeit) die 1000-Jahr-Feier. Der damalige Prior Jakob Scheckh (Priorat 1724-1755) hatte die Gründung des ersten Klosters durch St.Alto eigenmächtig auf das Jahr 730 festgelegt, obwohl auch damals schon bekannt war, dass Alto "um 740 oder 750" hier angekommen war.

Geistliche Theaterspiele in der Barockzeit 100)
Seit der Gegenreformation hat man im katholischen Raum als Instrument der Glaubensvermittlung religiöse Theaterspiele eingesetzt. Diese wurden besonders von Jesuiten gefördert. Auch in Altomünster hat man nach dem 30jährigen Krieg solche Spiele aufgeführt.
Prof.Dr.Liebhart hat in seinem Aufsatz ein Maria-Magdalena-Spiel (1651), ein Birgitta-Drama (um 1677), zwei Translationsspiele zu Ehren der Überführung von Gebeinen der Katakombenheiligen hinter den Altären in den Jahren 1688 und 1694 (von Prior Hörmann persönlich gedichtet 29)
) und das Altoschauspiel zur 1000-Jahr-Feier 1730 genannt. Dazu kamen geistliche Spiele während der Karwoche. 1753 wurde sogar ein Passionsspiel für Altomünster geschrieben. 1770, zur Zeit der Aufklärung, hat die bayerische Regierung alle geistlichen Theaterspiele verboten. Neben Altomünster gab es im Kurfürstentum übrigens noch weitere 150 (!) Passionsspielorte.

Klosteraufhebung
Schon ab 1773 plante der bayerische Kurfürst Max III. Joseph die Aufhebung des Klosters. Die offiziellen Gründe waren vielfältig, doch letztlich ging es dem Kurfürsten um die Einkünfte des Klosters. Denn Altomünster hatte zuletzt Anlagewerte von ca. 260.000 Gulden und Jahreseinnahmen von 11.000 Gulden 31)
.
Der Kurfürst plante die Gründung eines Damenstifts in München. Der kontemplative Orden der Birgitten bot sich den Aufklärern als Finanzierungsquelle an. Zudem nervte ein jahrzehntelanger Streit über das Wahlrecht unter den Mönchen in Altomünster die kurfürstl.Verwaltung in München. Es ging um das Wahlrecht (Laienbrüder wollten die Äbtissin mitwählen), aber auch um die sittliche Verhalten des Priors, der Schlüssel zu den Zellen der Chorschwestern besaß. Misstrauen und Feindschaft zwischen den Mönchen führte dazu, dass sich zwei Laienbrüder auf dem Friedhof versteckten, einer in einem frischen Grab, ein anderer hinter einem Grabstein, um den Prior zu überwachen, wie er nachts mit den Schlüsseln zu den Nonnen schlich. 31)
Auch wirtschaftlich war Altomünster durch Zwistigkeiten und Misswirtschaft am Ende. Die Äbtissin hatte sogar um Auflösung des Männerordens gebeten. Doch der Papst konnte Altomünster zunächst retten. Dies gelang auch noch einmal um 1780, als der neue Kurfürst Karl Theodor den Maltheserorden in Bayern einführen wollte, um seinen illegitimen Sohn standesgemäß versorgen zu können. Allerdings erhob der Staat ab 1783 eine 10-prozentige Sondersteuer auf die jährlichen Bruttoeinkünfte.


Frauenkloster
Nicht mehr zu halten war Altomünster aber bei der Säkularisation des Jahres 1803, als der Fortbestand aller Klöster zur Disposition gestellt wurde. Altomünster war damals mit 50 Konventualen (darunter 9 Patres und 3 Brüder 91) ) das personalstärkste Kloster Bayerns - und wurde dennoch aufgelöst. Die Mönche und Nonnen erhielten eine staatliche Pension. Das Herrenkloster in Altomünster wurde verkauft (es ist auch heute noch in Privatbesitz); das Frauenkloster hatte man zum Aussterbekloster bestimmt, nachdem vier Nonnen sich nicht daraus vertreiben ließen und sich -was wohl entscheidend war- auch kein Käufer für die Gebäude fand. Die Klosterschwestern hielten durch, bis 1841 wieder Nachwuchs in den Birgittenorden in Altomünster eintreten durfte. Von der Gründung bis zur Aufhebung 1803 hatte das Kloster 22 Äbtissinnen und 19 Prioren.

Seither ist das einzige Birgittenkloster Deutschlands ein reines Nonnenkloster. Der Besitz des Klosters (135 ha Grund, 641 ha Wald, 360 Bauernhöfe und viele Häuser in Altomünster) blieb in staatlicher Hand.


Eine interessante Beschreibung des Ortes und des Klosters Altomünster ist im geographisch-statistisch-historisches Handbuch des Königreiches 1852 zu finden:
  "Altomünster, 1555 Fuß über dem Meere unter 28 Grad 55 Minuten Länge und 47 Grad 23 Minuten Breite gelegen, Markt mit 225 Familien, 886 Einwohnern, 214 Häusern, einem Magistrate, einer Pfarr- und Nebenkirche, mehreren Mühlen, einem Rathhause, einer Ziegelei, einem Kloster und 4 Brauhäusern.
Das Kloster wurde durch den Schotten Alto, der hier in einem Walde lebte, den er vom König Pipin zum Geschenk erhalten hatte, um das Jahr 750 für sich un einige Männer aus dem Orden des hl.Benedikt gestiftet, von dem hl.Bonifacius um das Jahr 760 eingeweiht und von Alto als dem ersten Abt bewohnt. Als daselbe im 9.Jhh. in Verfall gerathen war, stellte es Heinrich, Fürst von Lechrain, wieder her und besetzte es mit Mönchen aus Ammergau. Im Jahre 1047 wanderten ndiese nach Altdorf aus, und an ihrer Stelle wurden Benedictiner-Nonnen hierher versetzt, die durch die Gräfin Itha aus Tyrol, die hier begraben liegt, vielfache Wohlthaten empfingen. Nachdem aber das Kloster nach und nach in Verfall gerathen war, stellte es der Herzog Georg der Reiche wieder her und übergab es 1486 dem Orden St.Salvator (Birgitterinnen). Im Jahre 1624 zählte das Kloster 36 Frauen und 13 Mönche. Die Klosterkirche wurde unter der Oberin Maria Huber neu erbaut und 1773 eingeweiht; dem Kloster, welches im Jahre 1803 säcularisirt, im Jahre 1841 den Birgittinerinnen wieder übergeben wurde, verdankt der Markt sein Entstehen. Ein Theil der Klosterrealitäten gehört nun dem Kaufmann Arzberger."

 

Geschichte: Kirchenbau 1244 Matrikel 1315 Umbau 1488 Matrikel 1524 Reformationszeit
Visitation 1560 Umbau 1613 30jähriger Krieg Unwetter 1756 Neubau 1763
Matrikel 1740 Säkularisation 1803 Benefizium 1823 1100-Jahrfeier 1830 Beschreibung 1880
Ausstattung: Altarraum Apostelleuchter Beichtraum Beichtstuhl Beinhaus
Bruderschaften Deckengemälde Epitaphe Herrenchor Hirnschale
Kanzel Kanzelkreuz Kirchenbänke Kreuzweg Lourdesgrotte
Mater dolorosa Ölberg Orgel Opferstock Reliquien
Renovierungen Seitenaltäre Taufstein Turm Umgang
  Vorhaus   Zeitungsberichte    

Geschichte der Kirche

Ältere Kirchenbauten

Die erste Kirche errichtete St. Alto in der zweiten Hälfte des 8.Jh.
Während der Ungarneinfälle des 10.Jh wurde sie mit Altomünster zerstört.
Im 11.Jh hat man eine neue Kirche erbaut (siehe Bild rechts), von der aber ebenfalls keine Bausubstanz mehr erhalten ist.


Romanische Kirche von 1244
Die Kenntnisse über den Vorgängerbau der heutigen Kirche in Altomünster sind zum großen Teil den Ausgrabungen im Jahr 2000 und den Berichterstattungen hierzu von Dr.Tilman Mittelstraß und Konrad Cremer zu verdanken.


Kirche aus 11.Jh

Die ältesten Teile der heutigen Kirche im Eingangsbereich stammen von der um 1244 errichteten dreischiffigen romanischen Basilika, der Vorgängerkirche des heutigen Gotteshauses. Noch erhalten ist das Mauerwerk des Turmunterbaus und des halbrunden Abschlusses hinter dem Zelebrationsaltar, an dem heute der Gottesdienst gefeiert wird. Die Kirche von 1244 diente den Benediktinerinnen als Klosterkirche, war aber darüber hinaus auch Pfarrkirche für den Ort. Bei Renovierungsarbeiten 1995 hat man von dieser Kirche einen Pfeiler und Reste der Außenmauern ausgegraben, die schon aus Backstein gebaut wurden. Backsteinbauten waren damals bei uns noch selten, obwohl schon die Römer mit diesem Material gearbeitet hatten.

romanische Kirche 1244
Die Basilika besaß drei Schiffe ohne Querhaus; sie hatte eine Länge von 48 Metern und eine lichte Breite (Innenmaß) von insgesamt 16,10 Metern:
Mittelschiff: 6,70 Meter, Säulen: 2 x 1 Meter, Seitenschiffe 3,90 Meter.
Wahrscheinlich besaß jedes Kirchenschiff eine Apsis als östlichen Abschluss (wie in der Basilika am Petersberg). An der Westseite stand ein massiver Turm mit Pyramidendach in der Breite des erhöhten Mittelschiffs.
Im Inneren der Kirche lag der Fußboden in den Kirchenschiffen zwei Meter unter dem heutigen Niveau, der Altarraum jedoch um 90-100 cm höher als heute. Der sich daraus ergebende Höhenunterschied von rd. 3 m wurde wohl durch eine lange Treppe -ähnlich der im Freisinger Dom- überwunden, die zunächst zur Chorschranke oder dem Lettner führte. Diese Trennwand teilte die Klosterkirchen im Mittelalter in den nur dem Klerus vorbehaltenen Chorraum und in das Kirchenschiff für die Laien; sie verhinderte, ähnlich wie die Bilderwand im orthodoxen Ritus noch heute, den Blick der Gläubigen auf den Hochaltar. Vor dem Lettner stand ein weiterer Altar, der sog.Kreuzaltar oder Volksaltar, an dem mit dem Rücken zum Volk die Gottesdienste für die Gläubigen gelesen wurden.
Der Kirchenraum war schon damals sehr hoch (13,20 m im Kirchenschiff und 10,30 m im Chorraum). Auf dem Bild links macht die Basilika einen schmalen, hochschultrigen Eindruck. Wir sehen hinter dem Turm das Mittelschiff, darunter das südliche Seitenschiff, und als dritten, untersten Bauteil, den Kreuzgang die Kirche mit einigen Sträuchern, in dessen Mitte das Brunnenhaus der Altoquelle (im Bild nicht sichtbar) lag.
Tillmann Mittelstraß gibt an, dass der erschlossene Kirchengrundriss von Altomünster in seinen Proportionen exakt dem der romanischen Basilika von Isen entspricht, auch wenn letztere Kirche in ihren absoluten Maßen etwas kleiner ist.
Noch mit dem Kirchenbau dürfte der 40-tägige Ablass zusammenhängen, den 1286 der Passauer Bischof von Prambach verlieh 74)
.

Konradinische Matrikel 1315 04)
In der Konradinischen Matrikel von 1315 war Altomünster als Dekanat aufgeführt, was in diesem Zusammenhang aber nur bedeutete, dass der Dekan in Altomünster residierte. Erstaunlicherweise wird es dort als Altenmünster bezeichnet. Die Kirche hatte bis zum Ende des Benediktinerinnenklosters (1485) ein Marienpatrozinium. Auch später war Maria wohl zweite Patronin, weil in der Festschrift zum tausendjährigen Bestehen des Ordens, 1730, von "Maria-Altomünster" die Rede ist. Die Muttergottes wird von den Birgittinnen als zweite Ordenspatronin verehrt.

In der Zeit der bayerischen Landesteilung gehörte das Kloster Altomünster zu Bayern-Ingolstadt und 50 Jahre zu Niederbayern.
Zu Beginn seiner niederbayerischen Zeit wurde die Kirche in Altomünster umgebaut. Darauf deutet ein 40-tägiger Ablass hin, den der päpstliche Legat Kardinal Nicolaus Cusanus am 20.3.1451 für den Besuch der Klosterkirche verlieh.
Der niederbayerische Herzog Ludwig IX. der Reiche bestätigte 1455 als neuer Landesherr alle Urkunden seiner Vorgänger, da sich die Nonnen "in den Dienst Gottes stätts mit Andacht beweisen".

Umbau 1488
Noch bevor 1497 die Birgittinnen anstelle der Benediktinerinnen das Kloster übernahmen, wurden Kloster und Kirche entsprechend den detaillierten Vorschriften ihres Ordens zum Kirchenbau umgestaltet. Damals wurde ein eigener Nonnenchor eingebaut, der nach schriftlicher und bildlicher Überlieferung etwa an der gleichen Stelle lag, wie der heutige ("auf einem Kreuzgewölbe ruhend"). Der Nonnenchor hatte (wie heute) einen direkten Zugang vom Nonnenkloster aus. Darunter lag der Brüderchor. An der Stelle des heutigen rechten Seitenaltars (Altoaltar), zu dem das Wasser der Altoquelle geleitet wird, könnte sich damals eine Altokapelle befunden haben, in der die Gläubigen Zugang zum Altograb und zum Wasser des Altobrunnens hatten. Auch ein Mönchschor wurde an die romanische Kirche angebaut, um die Trennung von Mönchen und Nonnen während des Gottesdienstes zu ermöglichen; das könnte aber auch erst 120 Jahre später geschehen sein. Bis dorthin war wohl der vorhandene Chor als Herrenchor genutzt worden.
Ausgrabungen haben auch gezeigt, dass die Kirche außen u.a. mit Ornamentik geschmückt war, die in Farbe, Gestalt und Größe an die Verzierungen am Turm der Kirche in Mühldorf bei Petershausen erinnern. In einer Papsturkunde aus dem Jahr 1504 wurde bestimmt, dass die Pfarrei Altomünster dem Birgittenkloster incorporiert wird und dass die Klosterkirche folgerichtig (wie schon früher) den Gläubigen als Ortspfarrkirche zur Verfügung stehen müsse. Die simultane Nutzung des Gotteshauses als Kloster und Pfarrkirche war auch schon Gegenstand einer 1489 vor dem Freisinger Bischof geschlossenen Vereinbarung zwischen Wolfgang v.Sandizell und dem damaligen Altomünsterer Pfarrer Niklas Morner.

Kirche 1497

Reformationszeit 1520
Um 1520 sollte für den Markt eine eigene Kirche gebaut werden, wie dies in Indersdorf schon der Fall war. Der als späterer Reformator bekannt gewordene Birgittinermönch Ökolampadius (1482-1531) betrieb einen solchen Bau und hatte dafür schon 200 Gulden aus Augsburg erhalten. Doch Ökolampadius verließ zusammen mit 10 Mönchen und einer Nonne das Kloster und ging nach Basel 91)
). Deshalb unterblieb der Neubau.


Kirche von 1244-1755

Sunderndorfer'sche Matrikel von 1524 04)
In der Sunderndorfer'schen Matrikel von 1524 wird die Pfarrei unter dem heutigen Namen Altomünster mit dem Patron St.Alto beschrieben, die zwei Filialen, die der Jungfrau Maria geweihte Kirche in Zeidlbach mit Friedhof und eine Johanneskapelle in Ruperskirchen ohne Friedhof hatte. Die Zahl der Gläubigen betrug ca 500, das waren zwar mehr als Dachau (450), aber weniger als Vierkirchen (700), Indersdorf oder Einsbach. Die Pfarrei Altomünster und das Kloster bildeten nach Aussage des Provisors der Pfarrei, Ulrich Clostermair, eine Einheit. Der Frühmesser (Geistlicher, der die Frühmesse las) war zugleich der Schullehrer. An dieser Schule wurde damals neben der lateinischen Sprache nur noch Religion und Musik gelehrt.

Die Pfarrei Altomünster war zwar meist in das Kloster inkorporiert. Doch lange Zeit wurde die Seelsorge für die Bewohner des Ortes von Weltpriestern wahrgenommen. Am 30.Oktober 1553 gestattete der päpstliche Legat wegen des vorherrschenden Priestermangels nach der Reformation, dass Mönche die Pfarrei mitbetreuen. Dies änderte sich später wieder. Die Weltpriester wohnten im Pfarrhof (im jetzigen Hofbauernanwesen) und wurden im Kloster verpflegt. Nach dem Dreißigjährigen Krieg übernahmen bis zur Säkularisation 1803 die Birgittiner wiederum die ganze Seelsorge und übten sie durch zwei Patres aus, die man ebenfalls Pfarrer nannte.

Visitationsbericht von 1560   32)
Bei der großen Visitation im Jahr 1560, die der Freisinger Bischof und der bayer.Herzog gemeinsam im Bistum durchführen ließen, wurden das Kloster Altomünster insgesamt sowie alle Nonnen und Mönche einzeln überprüft. Zur Pfarrei schreiben die Visitatoren, sie habe bei 700 Communicanten. Früher sei die Seelsorge von 3 Weltpriestern versehen worden; jetzt gebe es nur noch Kaplan Georg Waser (der wohl von Mönchen unterstützt wurde). Waser zelebriere am Sonntag Messen in Altomünster und/oder in Oberzeitlbach ["filial Zeidlpach"]. Und er halte sich an den katholischen Ritus: er predige aus alten Büchern, lasse keinen neuen (d.h. evangelischen) Ruf oder Psalmen singen, bitte für die Verstorbenen, höre die Beichte und halte Feier- und Fasttage. Das alles war kurz nach der Reformation nicht selbstverständlich. Schwerpunkte der Prüfung waren natürlich die Unterschiede zwischen den Konfessionen: Walser glaubt an die 7 Sakramente und verkündet sie auch (Protestanten kennen nur 2 Sakramente an), tauft die Kinder (nicht die Erwachsenen), reiche die Kommunion nicht unter beiderlei Gestalt und versage sie Leuten, die nicht vorher gebeichtet haben. Auch lese er die Messe in Latein. Kaplan Walser lebte im Kloster. Er habe keine Köchin, heißt es, zum einen weil er keine brauche, zum anderen weil das Kloster keine Köchin aufnehmen würde. Die Einnahmen der Pfarrei gingen voll in die Klosterkasse, aus der auch alle Ausgaben bestritten würden ["verrichten sy alle notturfft"]. Deshalb gab es auch keinen Kirchenpfleger ["hat kain khirchprobst"]. Der Kaplan erhielt neben Kost und Logis einen Lohn von 30 Gulden jährlich sowie die Stolgebühren (Gebühren für die von ihm verrichteten Dienste). Für eine Beerdigung erhielt er im Markt 5 Pfund, auswärts 1 Gulden und für ein Kind 2 Kreuzer. Dafür musste er für die verstorbene Person auch 3 Ämter halten. Zusätzliche Naturalien (z.B. Mehl, Eier), die die Hinterbliebenen dem Kaplan gaben, musste er im Kloster abgeben.
Der Beneficiat und Frühmesser Leonhard Numperger, ist zu lesen, sei in Altomünster geboren und in Freising ordiniert. Nach der Priesterweihe 1554 habe er als Kaplan in Tandern und in Aichach gewirkt. Als Beneficiat besitze er nur einen Jahresvertrag, der verlängert werden müsse ["mues alle jar darumb pitten"]. Numperger wolle wegen des zu geringen Lohns nicht hier bleiben, notierten die Visitatoren.


Umbau 1613

In den Jahren 1613/19 wurde die Kirche umgebaut. Der Umbau umfasste den gesamten Innenraum. Der Altarraum der Kirche wurde abgetragen und an seiner Stelle der heute noch erhaltene Doppelchor (westlich für das Volk, östlich dahinter und darüber der Herrenchor) errichtet (Kosten rd. 1000 Gulden). Damals erhielt auch die Kirche im Inneren eine einheitlich weiße Raumschale im Sinne des Frühbarocks mit antikisierenden Stuckgesimsen, geflügelten Engelsköpfchen und einem Perlstabmuster auf den Graten des Deckengewölbes. Zudem wurden die Sakristei und ein teilweise noch heute bestehender Kirchenumgang errichtet. Die um 1488 errichtete Kapelle mit dem Brunnenwasser wurde wieder geschlossen.
Nach Auffassung des Historikers Prof.Liebhart wurde der Herrenchor schon beim Umbau 1488, im Rahmen der Übernahme des Klosters durch den Birgittenorden errichtet. Um 1613/19 könnte dieser Chor lediglich renoviert oder neu ausgestattet worden sein, wie die Altarweihe 1619 nahelegt. Weitere vier Altäre waren schon am 6.Oktober 1617 (durch Weihbischof Bartholomäus Scholl) geweiht worden.


vor 1730


Dreißigjähriger Krieg  
27), 45)
Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Ortschaft Altomünster zweimal (1632 und 1648) von den Schweden verwüstet; das Kloster und die Kirche wurden aber verschont, weil die Nonnen und Mönche einem schwedischen Orden angehörten. Dennoch mussten die Klosterinsassen wegen der Kriegwirren in den Jahren 1634 und 1639 und nochmals 1645 und 1646 (Eingreifen der Franzosen) nach München fliehen, wo sie in Kanzler Johann von Adlzreiter einen prominenten Fürsprecher hatten. Die fünfte und letzte Flucht fand am 28.März 1648 statt, weil sich die katholischen Armeen nochmals über die Isar zurückziehen mussten. Die Mönche und Nonnen zogen mit dem Vieh auf dem "Erdweg" nach Süden, die Menschen nach München, das Vieh ins Leukental bei Kitzbühl, wo Altomünster Grundbesitz hatte. Sie kehrten zwar Anfang August wieder nach Altomünster zurück; doch schon eine Woche wurden sie wieder mit dem Krieg konfrontiert, als die Schweden ein letztes Mal das Kloster besetzten. Sie brandschatzten aber nicht, sondern stahlen 5 Pferde. Außerdem musste der Konvent neben der Verpflegung der Soldaten 600 Gulden Brandsteuer zahlen (dazu kamen 200 Gulden vom Markt Altomünster).
Vom ersten Einfall der Schweden berichtet Maurus Gandershofer, dass Mönche und Nonnen, die wegen Gebrechlichkeit nicht mehr flüchten konnten, z.T. verhungerten oder erschossen wurden. Stadel, Stallungen und Bruderhaus seien in Brand gesetzt worden. "Im Markte wurden ganze Gassen weggebrannt, viele Menschen ums Leben gebracht oder mißhandelt und dem Elende Preis gegeben, und diese Grausamkeit auf den ganzen Pfarrbezirk ausgedehnt, so daß im Jahre 1635 von 1300 Kommunikanten nur noch 200 gezählt wurden", schreibt Gandershofer. 23 Anwesen in Altomünster und 28 Klostergüter außerhalb waren dem Feuer zum Opfer gefallen. Der Krieges war auch Grund dafür, dass im Jahrzehnt von 1631 bis 1641 niemand in den Konvent eintrat 103).


Zwei Jahre nach dem Ende des 30jährigen Kriegs wurde ein Altar neu geweiht, d.h., er war im Krieg entweder beschädigt oder profaniert (entweiht) worden. Aus dem Oberland wurden 80 Personen geholt und in Altomünster angesiedelt.

Bruderschaften
Bruderschaften sind kirchlich errichtete Körperschaften, die je nach Ausrichtung allen Personen oder nur verschiedenen Personenkreisen (Zunftbruderschaften) offenstehen. Die theologische Wurzel bildet die Vorstellung von der Gemeinschaft der Kirche, zu der auch die Verstorbenen gehören (Corpus Christi Mysticum). Ein Hauptanliegen ist das religiöse Totengedenken. Dazu treten weitere Ziele (Caritas, Förderung individueller Frömmigkeit). Bruderschaften stehen unter dem Patronat eines Heiligen oder einer Heilstatsache (wied z.B. die Verehrung des eucharistischen Sakraments). Marianische Bruderschaften beziehen sich auf unterschiedliche Marienfeste oder Gnadenbilder oder treten auch als Rosenkranz- und Skapulierbruderschaften auf. Eine Wurzel des Bruderschaftswesens dürften die frühmittelalterlichen Gebetsverbrüderungen sein. Bruderschaften sind im Raum des heutigen Bayerns seit dem Spätmittelalter belegt, überwiegend jedoch im 15. Jahrhundert. Nach einem Einbruch im 16. Jahrhundert erlebte das Bruderschaftswesen in der Barockzeit eine neue Blüte. Die durch die Gegenreformation eingeleitete Erneuerung des religiösen Lebens führte zur Gründung zahlreicher neuer Bruderschaften. Gegenüber dem Mittelalter, in dem oft auch soziale Leistungen gefordert wurden, bezogen sich die Verpflichtungen, die die Mitglieder der Bruderschaften eingingen, in der Barockzeit fast ausschließlich auf geistliche Tätigkeiten. Im 19. Jahrhundert erhielten Bruderschaften durch das katholische Vereinswesen (Marianische Kongregation, Dritter Orden, Missionsverein, Kolpinsverein) eine neuartige Konkurrenz. Die meisten erloschen im Laufe des 20. Jahrhunderts ohne formelle Auflösung.  92)

Rosenkranzbruderschaft
Noch während des 30jährigen Krieges, 1644, wurde die erste Bruderschaft eingeführt. Es handelte sich um eine Rosenkranzbruderschaft. Dafür bekam das Kloster folgenden Ablass:
Jeder Gläubige, der gebeichtet und kommuniziert oder wenigstens seine Sünden bereut und den Beichtvorsatz gefasst hatte, konnte beim Rosenkranzbeten pro Perle 500 Jahre Ablass für sich und die Armen Seelen gewinnen. Der Rosenkranz musste aber durch den Generalbeichtvater des Birgittenordens geweiht worden sein. Der Altomünsterer Rosenkranz hatte nicht 50 sondern 63 Perlen. Es gab auch Spötter, die sich über die 31.500 Jahre Fegefeuerminderung pro Rosenkranz lustig machten. Doch die Zahl der verkauften Rosenkränze (z.B. im Jahr 1769: 12.000 Stück) spricht eine andere Sprache.

Herz-Jesu-Bruderschaft in der Loretokapelle, 1744 (ebenfalls mit Ablässen). Voller Name: Bruderschaft des heiligsten Herzen, der heiligen fünft wunden und des Kreuzes Jesu.
29)

Bruderschaft der hl.Birgitta und Alto
oberhirtlich errichtet am 5.7.1758, Ablässe vom 27.2.1758.

Herz-Mariä-Bruderschaft
, oberhirtlich errichtet am 3.9.1847

Sebastinani-Bündniß
(ein Gebets-Messen- und Leichenverein) ohne oberhirtliche Genehmigung besteht schon seit 1600, erneuert 1692 und 1845.


Reliquienverehrung

Der Reichtum eines Klosters des Mittelalters bestand nicht nur in seinem Grundbesitz und seinen Rechten, sondern auch aus vielen Reliquien, die von den Gläubigen der Region und von Wallfahrern verehrt worden sind. Wobei solche Wallfahrten und Bittgänge durchaus zur Verbesserung der Einkommenssituation des Klosters beigetragen haben.
In Altomünster verehrte man von Anfang an den Klostergründer St.Alto, von dem die Hirnschale, sonstige Gebeine, sein Rodungsmesser, zwei Bücher (heute in der Staatsbibliothek) und der berühmte Altokelch vorhanden waren (der Kelch wurde später bei der Säkularisation eingeschmolzen). Als in Altomünster noch eine Benediktinerinnenabtei stand (bis 1485), wurde auch die selige Äbtissin Euphemia verehrt, die im 12.Jh. die Abtei regiert hatte. Doch deren Kult endete mit dem Wechsel von den Benediktinerin-nen zu den Birgitten.

Aus dem Jahr 1654 hat sich noch ein Reliquienkatalog erhalten, der den ausschweifenden Titel trägt: "Beschreibung aller lieben heiligen Gebain und Heiltumber (Reliquien), so bey disem wirdigen Gotzhauß und Closter Altomünster ruen (ruhen) und in gebürendten Ehrn aufbehalten, auch järlich zu gewisen Zeiten als am Sontag Letare (4.Fastensonntag) und am Sontag nach Michaelis (=29.9.) offentlich gezaigt werden."
Dort sind genannt: Reliquien von St.Alto und St.Birgitta. Die Altoreliquien sind oben schon genannt; von St.Birgitta zählt der Katalog ein Schulterblatt, 1 Stück Oberarmknochen, 3 Stücke vom Gebein, 1 Hemd, einen Gürtel, Stücke von Kleidern und einen Rockärmel, sowie zwei große Stücke vom Tisch der Heiligen auf. Diese Reliquien waren 1485 von Papst Innozenz VIII. dem Gründer des neuen Birgittenklosters in Altomünster Wolfgang Sandizell geschenkt worden.
Der Reliquienkatalog von 1654 enthält auch eine damals neue Reliquie, eine "Heilige Leinwand". Es war eine originalgetreue Nachbildung des Turiner Grabtuchs, das dem echten Turiner Tuch auferlegt worden war. Diese Heilige Leinwand wurde jeweils am Sonntag Laetare, dem 4.Fastensonntag, auf einem Teppich öffentlich gezeigt. Für die Verehrung erhielten die Gläubigen einen vollkommenen Ablass und "die Erlösung einer Seele aus dem Fegefeuer". Dieser Brauch hat sich mindestens bis 1886 in Altomünster gehalten. Wo Sie die heute noch vorhandenen Reliquien in Altomünster auf dieser Internetseite sehen können erfahren Sie hier ...

1688 , wurden "zwei heilige Leiber", d.s. Skelettreliquien aus den Katakomben von Rom, angekauft. Weitere Skelettreliquien kamen 1694 und wohl um 1750 nach Altomünster. Es sind die Katakombenheiligen Maximilian und Sebastian (Seitenaltäre im Hauptraum), Alexander und Maximianus (sitzend hinter den Altarblättern des Beichtraums), Mercuria, Victoria Fortunata (stehend hinter den Altarblättern des Herrenchors) sowie (nach Prof.Liebhart) Clementia und Martha. Dazu kam eine Fülle von Reliquien in den vielen Reliquienbehältern verschiedenster Formen an den Altären.
Dass der Altomünsterer Prior Hörmann 1675 Generalprior aller Birgittenklöster geworden war und deshalb gute Beziehungen zum Vatikan besaß, war für die Translation der insgesamt neun Katakombenheiligen nach Altomünster sehr nützlich.

Prior Hörmann dichtete sogar zwei Translationsspiele, die bei der Überführung der Reliquien aufgeführt wurden. Um den Kult der neu angekommenen, angeblich römischen Märtyrer zu fördern, musste im Spiel der hl.Alto die römischen Zwillinge Fortunatus und Viktoria adoptieren. So entstand -jedenfalls im Spiel- eine lokale Heiligenfamlie. Weitere Katakombenheilige (Alexander und Maximian) erhielten eine Rolle als Personenschützer dieser hl.Familie.
29)
Aus dem Jahr 1694 ist ein Translationsspiel (Beginn 9:00 Uhr) bekannt, in dem St.Alto, der ja in Altomünster die höchste und älteste Verehrung genoss, die in Form der Heiligen Leiber neu angekommenen Heiligen fragte, ob sie auch tatsächlich das Martyrium erlitten haben. Erst als beide mit ja antworteten, erteilte er ihnen die Erlaubnis, hier in der Kirche Platz zu nehmen.
29)

Im Jahr 1684 erhielt die Kirche eine neue Turmuhr.
Vierzehn Jahre später, am 19.Juli 1707 hat hat Fürstbischof Johann Franz von Eckher vier Altäre geweiht. Das Weihedatum bedeutet aber nicht zwingend, dass die Altäre erst kurz vorher neu beschafft oder renoviert worden wären. Es ist vielmehr anzunehmen, dass 60 Jahre vorher - im 30jährigen Krieg - alle Altäre von Soldaten entweiht worden sind. Der Hauptaltar wurde als erster wieder hergestellt und 1650 geweiht. Die Reparatur der übrigen Altäre könnte länger gedauert haben. Ab 1652 war eine Altarweihe, die vom Bischof vorgenommen wird, vorübergehend nicht mehr möglich, weil die Bischöfe nicht geweiht waren. Erst 1695 kam mit Franz Eckher wieder ein echter Bischof an die Regierung, für den nach so langer Zeit ohne Kirchenweihen und ohne Firmungen viel zu tun war. Dieser kunstsinnige Bischof regierte sein


um 1700
Bistum von der Reisekutsche aus; er unternahm viele Pastoralreisen selbst in kleinste Dörfer seines Bistums. In seiner Regierungszeit von 1695 bis 1727 hat er 174 Kirchen (darunter Jarzt, Pellheim, Ebertshausen, Hirtlbach, Straßbach, Lauterbach, Westerholzhausen und Kollbach), ca. 1.100 Altäre und 734 Priester (= 23 pro Jahr) geweiht.


Spanischer Erbfolgekrieg 1704

Kaum 60 Jahre nach dem schlimmen Erfahrungen des 30jährigen Krieges mussten der Konvent schon wieder fliehen. Zu Beginn des Spanischen Erbfolgekriegs (1703-1714), am 8.9.1703, suchte ein erster Teil Zuflucht in Freising (Nonnen) und München (Mönche). Die übrigen kamen nach der Niederlage der Bayern in Donauwörth (2.7.1704) am 11.Juli 1704 nach. Die siegreichen Österreicher, Engländer und Holländer nahmen Altomünster ein und brannten Häuser und Städel ab. Im Kloster zerschlugen sie alle Öfen und Fenster und raubten die größeren Glocken. Bei ihrem Weiterzug nahmen sie menschliche Geiseln und das Vieh mit. 55)
Immerhin blieb Altomünster im weiteren Verlauf des Krieges unbehelligt.


Streit 1723

Das Zusammenleben des Klosters mit den Pfarrangehörigen war nicht konfliktfrei. So wird aus dem Jahr 1723 berichtet, dass Kloster und Bürger wegen eines ungenehmigten Hausbaus aneinander gerieten. Als die Bürger die Klosterbrüder daran hinderten, das Haus abzubrechen, hat der Prior alle Mannsbilder der Bürgerschaft, die dabei mitwirkten öffentlich exkommuniziert, die Osterkerze aus der Kirche entfernt, die Fronleichnamsprozession abgesagt und den Bürgern den Zutritt zur Kirche verboten.

In den Jahren 1723/24 wurde an der Südseite des Finsteren Gangs die Klostergruft errichtet. Diese Gruft wird heute nicht mehr als solche benutzt, sondern dient als Heizungskeller. Im Zweiten Weltkrieg war sie Luftschutzkeller.

Schmidt'sche Matrikel von 1738/40 04)
In den Jahren 1738 bis 1740 besuchte der Kanonikus Schmidt aus Freising die Pfarreien der Diözese und erstellte die nach ihm benannte Schmidt'sche Matrikel. Über die Pfarrei "s.Altonis in Altomünster" berichtete er, sie werde von einem Pater aus dem Kloster betreut. Es sei aber auch noch ein (wohl weltlicher) Cooperator vorhanden, der im Kloster Unterkunft und Verpflegung (cum potu cerevisiae - mit einem Krug Bier) erhielt. Die Zahl der Gläubigen war auf 1100 angestiegen. Sie hatte sich somit in den vergangenen 200 Jahren mehr als verdoppelt; und das trotz der großen menschlichen Verluste durch Kriegseinwirkungen und Pest, denen 90 Jahre zuvor mehr als die Hälfte der Bewohner zum Opfer gefallen waren. Viele Familien waren aus dem alpenländischen Raum zugewandert.


Österreichischer Erbfolgekrieg 1742
98)
Nach dem Tod von Josef I. erkannte der bayerische Kurfürst Karl Albrecht (im Amt 1726-1745) die Nachfolge von Maria Theresia nicht an und erhob Anspruch auf die Herrschaft in Österreich. Er begann mit Unterstützung französischer Truppen einen Krieg. In dessen Verlauf wurde aber Bayern von den österreichischen Truppen, die vor allem aus Panduren und Kroaten bestanden, besetzt und geplündert.
Am 19.Februar 1742 rückten Husaren in Altomünster ein und verlangten eine erste Zahlung von 117 Gulden. Um der Forderung Nachdruck zu verleihen, nahm der österreichische Rittmeister Hutter am 25.2.1742 den Prior Scheckh, den Bürgermeister Leonhard Mayr und den Inneren Rat Anton Spillberger als Geiseln und verschleppte sie nach Friedberg. Dort hielt er sie 10 Tage gefangen (bis wohl die Zahlung erfolgte).
Die Österreicher erhoben noch weitere finanzielle Forderungen. Am Sonntag, 17.6.1742 drangen 50 Husaren gewaltsam in das Kloster und stellten die unglaubliche Forderung von 2000 Gulden für den Markt und 1000 Gulden für das Kloster. Wieder wurden Geiseln genommen (Der erste und zweite Bürgermeister, der Klosterrichter und der Bierbrauer Joseph Magg) und nach Friedberg gebracht. Bürgermeister Leonhard Mayr wurde sogar nach Plattling und Passau mitgeschleppt und 7 Wochen lang festgehalten.
Ob die Zahlungen erfolgten, ist mir nicht bekannt.


Unwetter 1756
Im Juni 1756 deckte ein nächtlicher Sturm nicht nur viele Hausdächer, sondern auch die Kirchen- und Kirchturmbedachung größtenteils ab. Das wilde Feuer schlug in den Kirchturm. Das Wasser unterspülte auf einer Länge von 20 Metern die Klostermauer und die Friedhofsmauer, die daraufhin einfielen.
Zwei Jahre später, 1758, wird die Kirche als baufällig eingestuft. Unter der Dachung müssen eiserne Stangen als Sicherung eingebaut werden, weil die Kirchenmauern sich schon um 10 Zentimeter nach auswärts geneigt hatten.

Neubau  1763


1763

Ab 1763 wurde die heutige Basilika von dem berühmten Baumeister Johann Michael Fischer errichtet, der im Landkreis Dachau auch die Kirchen Sigmertshausen und Bergkirchen mitgestaltet hat. Vom alten Bau übernahm er die Fundamente des Turmes, zum Teil die Außenmauern sowie den Chor von 1617.

Fischer musste bei diesem Bau besondere Bedingungen berücksichtigen: 104)
- Altomünster war ein Doppelkloster für die Gemeinschaft von Nonnen und Mönchen (Priestermönche und
   Laienbrüder. Jede Gruppe benötigte einen eigenen Raum für das Chorgebet. Der Nonnenchor sollte die
   Mitte der Kirche einnehmen und dennoch die Nonnen vom übrigen Volk abschotten.
- Mönche und Nonnen mussten ihre vorgeschriebenen sonntäglichen Prozessionen durchführen können,
   ohne einander zu begegnen.
- Zugleich war Altomünster auch eine Wallfahrtskirche zum hl.Alto und zudem noch eine Pfarrkirche für
  die Menschen des Orts und der Umgebung.
- Das Baugelände stieg von Westen nach Osten an
- die Kirche musste zwischen die zu erhaltenden Bauteile, den im Westen stehenden Turm und den im Osten
   einen Stock höher liegenden, langen Priesterchor gebaut werden.


Am 6.April 1763 wurde die alte Kirche abgerissen. Die Kirchturmuhr setzte man dabei auf das Rathaus. Noch im selben Jahr wurde der Neubau begonnen. Als Fischer 2 Monate vor (andere Quelle: nach) der Schließung des Gewölbes 1766 starb, führten sein Palier Thomas Schmidt und Balthasar Trischberger (späterer Stadtbaumeister von München, 1721-1777) die Arbeiten fort, die 1773 vollendet wurden. Die Weihe erfolgte 29.8. durch den Freisinger Fürstbischof von Welden und seinen Weihbischof Ernst von Herberstein. Die Gesamt-Kosten des Neubaus betrugen 44.113 Gulden. Davon trugen die Einwohner von Altomünster immerhin 20 Prozent. 98)

Von den weiteren am Bau beteiligten Handwerkern und Künstlern sind bekannt:
  Zimmerer Joseph Mahl ( 1778) aus München (1764) 14)
  Bildhauer Franz de Paula Arnoldt aus Dachau (1764 Gätter der St.Anna-Kapelle, Brüstung des Nonnenchors und St.Altobildnis am Turm, St.Joachim und St.Joseph, 1768 Nonnenchor-Altar u. verschiedene Gitter)
Johann Bapt. Straub aus München (1765 Hochaltar, 1766-1769 weitere Altäre, 12 Apostelfig.)
Matthias Veigele
(1767- St.Alto im Nonnenchoraltar, 1768 Türfüllungen) 96)
Steinmetze Johann Sebastian Händle aus Mörnsheim (1765 weiße, geschliffene Pflastersteine, Antrittstafeln)
ungenannter Steinmetzmeister aus München (1767-68 Tuffsteine für den Kirchturm, 1768 Marmormuschel für den St.Alto-Brunnen)
  Kistler
(Schreiner)
Johann Mentele aus Rain am Lech (1765-67 Altäre) 97)
Nikolaus Pyhr ? (1768 vier Sakristeitüren) 97)

  Maler Johann Baldauf in Inchenhofen (1766 Hochaltarblatt St.Salvator und Vergoldung versch. Gätter)
Joseph Magges aus Augsburg (1766-68 Freskomalerei, 1768 zwei Altarblätter im Brüderchor)
Franz Joseph Zitter (1771 Altarblatt im Herrenchor)
  Stuckateur Jakob Rauch aus Augsburg (1766-68)
  Kupferschmied Johann Georg Sepp (1767 Kirchturmknopf)

 

Franzosenkrieg 1796
Am 26.Aug.1796 kamen die französichen Revolutionstruppen nach Altomünster. Sie forderten 550 Gulden (andere Quelle: 700 Gulden 55)
) vom Markt und die gleiche Summe vom Kloster für die Abstandnahme einer Brandschatzung. Das Kloster zahlte; den Betrag für den Markt konnte ihnen der Französisch sprechende Kaufmann und Weinwirt Franz Josef Jörger ausreden. Nach anderer Quelle 55) nahm der Rat 1000 Gulden bei den Bürgern von Altomünster auf, um die Forderung der Soldaten erfüllen zu können.
Auch beim zweiten Einfall im Jahr 1800 konnte Jörger den Kommandanten überreden, auf die 3000 Gulden baren Geldes, eine Anzahl Ochsen und eine Ladung Bier, die dieser vom Kloster gefordert hatte, zu verzichten. Zum Dank errichteten die Altomünster ihm nach seinem Tod ein Denkmal auf dem Friedhof bei der Loretokapelle.

Denkmal für
Franz-Josef Jöger

Säkularisation 1803
Bei der Säkularisation 1803 wurde die Pfarrei Altomünster selbstständig. Die Klosterkirche wurde zur Pfarrkirche erklärt. Die Baulast lag beim Staat. Wertvolle Pretiosen aus der Kirche wurden verkauft. So z.B. der Kelch des hl.Alto, eine Reliquienmonstranz der Fam.Fugger, ein Jesuskind von Kurfürst Maximilian I., Kruzifixe aus Alabaster, Elfenbein und Silber, wertvolle Messgewänder, eine silberne Büste des hl.Alto und weitere liturgische Gefäße. In der Kirche blieb nur eine Grundausstattung zurück. Einige Gegenstände wie z.B. das Messer des hl.Alto konnten gerettet werden, weil sie in den Klosterzellen der Nonnen aufbewahrt wurden. Diese Zellen wurden nur oberflächlich durchsucht.

Kloster um 1800
Als erster Pfarrer wurde ausgerechnet ein früherer Mönch des Klosters, Ignaz Magnus Nerb (1805-1837), bestimmt, der 1802 die Gemeinschaft wegen Intrigen verlassen hatte. Von diesem Pfarrer ist die Biographie erhalten 08) . Darin schreibt er über die erste Zeit seiner insgesamt 32 Jahre als Pfarrer: "Am 23.September 1802 ward ich als Pfarrer zur organisierten Pfarrei Altomünster allergnädigst dekretiert und nahm am 15.Dez. desselben Jahres gegen viele Protestaktionen von allen Seiten dieselbe in Besitz. Vom aufgelösten Kloster taten die Patres und die Nonnen, was in ihren Kräften stand, die ganze Pfarrgemeinde gegen den ausgesprungenen Mönch aufs Höchste zu empfehlen. Ich freute mich, die vortreffliche Orgel zu hören, die der Markt inzwischen vom Kloster Taxa um 600 Gulden kaufte. Doch der Klang war nicht gut. Die Klosterfrauen ließen ihren oberen Gang nicht durchbrechen; daher mussten einige Pfeifen gestutzt und andere, die stehen sollten, gelegt werden. Weiberregiment !"

Benefizium 1823
"Am 3.März 1823 hat die Bierbrauerswitwe Anna Maria Nißl zu Altomünster den Grund zur Stiftung eines Benefiziums in der Pfarrkirche zu Altomünster gelegt, welches im Jahre 1836 zu Stande kam und am 27.Febr. 1837 die oberhirtliche Bestätigung erhielt". Dies schreibt Dompropst und Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften Dr.Martin Deutinger in seinem 1850 erschienen Buch "Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing". Der Benefiziat, der aus den Erträgen bezahlt wurde, hatte wöchentlich 4 Messen zu halten und musste im Beichtstuhl aushelfen. Das Einkommen des Beneficiaten betrug 946 Gulden. Der zum Benefizium gehörende Grundbesitz umfasste knapp 50 Tagwerk der niedrigen Bonität 6-7. Das Benefizialhaus war gut gebaut und geräumig.

1100-Jahrfeier 1830
1830 beging die Pfarrei Altomünster die 1100-Jahrfeier des hl.Alto. Es wurde ein Programm gedruckt und an viele, auch weit entfernte Pfarrämter versandt. Im Markt wurden die Häuser verputzt, die Straßen mit Kiessand ausgebessert. In den Hauptgassen standen Bögen mit schönen Inschriften, die der Cooperator Max Sollacher verfasst hatte. Auf dem Röhrkastenbrunnen war eine kleine Statue des hl.Alto aufgestellt. Natürlich wa die Kirche besonders geschmückt, die Kanzel und die oberen Gänge mit Girlanden behängt. Zur Feier kamen der Bischof und viele Priester unter dem Gekrach der Böller in Kutschen gefahren. Eine halbe Stunde lang läuteten die Glocken. Beim Einzug in die Jubelkirche, bei dem auch die Hirnschale und das Messer des hl.Alto in schön geschmückten Gefäßen mitgetragen wurden, erklangen Trompeten, Pauken und Böller. Der Bischof predigte vom Herrenchor aus. Man feierte die ganze Woche lang. Die erste Messe fand täglich um 5 Uhr statt, danach alle 1/2 Stunden eine weitere Messe, bis zum Hauptgottesdienst um 9 Uhr mit jeweils einem prominenten auswärtigen Prediger.
Im Resümee über die Feier heißt es: In der Festwoche gingen über 22.000 Gläubige zu den Sakramenten. Im Friedhof und anderen Orten waren zusätzliche Beichtstühle aufgestellt. Sechs Gendarme haben "durch ihr solides Benehmen ganz vortrefflich gute Dienste geleistet". Die Brauer, Bäcker und Metzger haben alle Gäste mit Trunk und Nahrung versehen. Alles war regional organisiert. "Kein auswärtiger Geschäftsmann oder Professionist durfte hierher ziehen oder seine Ware zum Verkaufe schicken", schrieb Pfarrer Nerb. Die Kosten der Feier beliefen sich auf rd. 900 Gulden, die durch Spenden und Opfergeld gedeckt werden konnten. Insbesondere die Birgittinnen hatten sich bei der Planung und Durchführung der Feier hervorgetan. Der Bericht schließt mit der bangen Frage "Was werden unsere Nachkömmlinge 1930 denken und thun, wenn hier kein solches Frauenkloster mehr existiert ?".

Beschreibung 1880 06)
Kirche und Pfarrei Altomünster sind auch in der "Statistischen Beschreibung des Erzbisthums München-Freising" aus der Zeit um 1874-84 enthalten, die zunächst der Benefiziat Anton Mayer und -nach dessen Tod 1877- Pfarrer Georg Westermayer als Buch veröffentlichten.
Diese bisher umfangreichste Diözesanbeschreibung sollte in erster Linie den praktischen Bedürfnissen der Diözesan- und Staatsverwaltung dienen. Daneben hat das Werk in Form von "kleinen Notizen" die Ergebnisse der aufblühenden orts- und lokalgeschichtlichen Forschung sowie die gedruckten Quellen und die von Heckenstaller und Deutinger gesammelten Unterlagen im Archiv des Erzbistums verwertet. Erste Grundlage dieser "Mosaikarbeit" waren Mitteilungen der Pfarrämter.

Geographie: Die Pfarrei hat 1998 Seelen in 328 Häusern. Davon wohnen aber nur 1160 Gläubige (in 210 Häusern) im Markt Altomünster selbst, die Übrigen in Humbersberg 47 (5), Rupertskirchen 22 (5), Stumpfenbach 104 (18), Unterzeitlbach 97 (14), Oberzeitlbach 129 (21), Oberndorf (hier Oberdorf genannt) 57 (7), Plixenried 81 (14), Röckersberg (hier Rögersberg genannt) 41 (6) sowie in 12 weiteren Weilern und Einöden. Der Umfang der Pfarrei beträgt 30 km. Altomünster liegt 2 km von der Hauptstraße von München nach Aichach entfernt.
Pfarrei: Präsentationsrecht liegt beim bay.König (Das war eine Folge des Konkordats von 1817: der König hatte alle Rechte übernommen, die vor der Säkularisation bei den Klöstern und Stiften lagen). Das Widdum besteht aus einem mit einer Mauer umgebenen, nahezu 1 Tagwerk umfassenden Obstgarten. Das Pfarrhaus ist ein Gebäude des ehem.Klosters, nach der Säkularisation für seine jetzige Bestimmung umgewandelt. Für den Pfarrer allein hinreichend. Im Erdgeschosse feucht, oben trocken. Baupflicht hat der Staat. 2 Hilfspriester wohnen im ehemaligen Herrenkloster. Reinertrag 1958 Mark.
Kirche: Erbauungszeit 1763-1773; restauriert 1873 und 1907. Rococostyl. Geräumigkeit für die ganze Pfarrei wohl zureichend. Baupflicht: das Staatsärar. Kuppelthurm mit 6 Glocken mit den Inschriften: a) "Septies in die laudem dixi tibi", b) "Zu Gottes Lob und Dienst gehör ich", c)"Ave regina coelorum, ave Dominia angelorum". Diese drei Glocken gegossen von Martin Frey in München 1587. Die größte, gegossen von Andreas Schmidt in Augsburg 1867, trägt die Inschrift: "Vivos voco, mortuos ploro, fulgura frango". Die 2 andern Glocken sind gegossen von Ignaz Braun in München 1859. Consecrationsdatum (Weihedatum) der Kirche 29.8.1773. 8 Altäre. Orgel mit 14 Registern. An werthvollen Paramenten besitzt die Pfarrkirche nur mehr eine prächtig gestickte rothe Casula, ein Geschenk des Herzogs Wilhelms IV. und seiner Gemahling Maria Jakoba aus Anlaß ihres Besuches am 20.Juni 1535. Das Kloster der Brigittinerinnen (!) hat eine Gruft. Das Cemeterium (=Friedhof) von der Kirche entfernt gelegen; der ältere Friedhof mit Capelle wird nicht mehr benützt, der jetzige mit einem Beisetzhause, wurde 1874 angelegt. Den Meßnerdienst versieht ein eigens angestellter Meßner, den Cantorendienst ein eigens angestellter Organist. Eigenes Meßnerhaus nicht vorhanden. Vermögen rd. 42.500 Mark.


Beschreibung 1895 99)
Im Verzeichnis der Kunstdenkmale im Königreich Bayern vom elften bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts, das 1895 von Prof. von Betzold und Dr. Riehl im Auftrag des Königl.Bayer. Innenministeriums erstellt wurde, ist natürlich auch die Klosterkirche Altomünster enthalten. Wenn Sie den Bericht lesen möchten, klicken Sie hier...


Renovierungen
Die ersten kleineren Renovierungen wurden schon bald nach der Säkularisation, in den ersten Jahren des 19.Jh vorgenommen.
1871/73, gut 100 Jahre nach der Errichtung, war die erste große Innenrestauration fällig, die nach Aussage von Klaus Kratzsch (Landesamt für Denkmalpflege) -dem Zeitgeist entsprechend- nahezu rokokofeindlich durchgeführt wurde. Leitung hatte der Kirchenmaler Ludwig Hack aus Dorfen. Die Altäre und viele Figuren wurden restauriert und neu gefasst. "Die Wölbung des Vorchores wurde blau gestrichen und mit goldenen Sternchen versehen, die Altarfiguren erhielten eine dunkle Fassung und viele Vergoldungen wurden einfach zugestrichen. Anstelle des Kreuzaltars wurde ein neuer Altar mit im Halbkreis abschließender Rückwand von zweifelhafter Stilart und Schönheit angebracht" schrieb Prof. Hans Haggenmiller vom Generalkonservatorium in einem Gutachten von 1902. Schöpfer dieses neuen Altars im Zopfstil war der Münchner Architekt Josef Anton Müller (1839–1910) der auch in Fridolfing, Germering, München/St.Anton und Germering Altäre entworfen hat.
1898
wurden in einer weiteren Renovierung die Gewölbe der Kirche und des Nonnenchors durch Maler Krippner aus Freising übermalt.
1902 erfolgte eine Gesamtrenovierung der Kirche mit dem Ziel einer weitgehenden Wiederherstellung der ursprünglichen Raum- und Altarfassung unter Beseitigung der störenden Eingriffe durch Ludwig Hack. Die Leitung oblag dem Münchner Kirchenmaler Ludwig Ametsberger.
Sechs Jahre später, 1908, wird ein neuer Kreuzweg von Kunstmaler Emil Boehm angeschafft; es handelt sich um eine Reproduktion nach D.Tiepolo.
1910
wurde das Turmkreuz der Kirche renoviert. Dabei legten die Arbeiter eine Kapsel mit Schriftrolle in das Kreuz. Darauf waren die Spender und die Handwerker vermerkt.
1928
restaurieren die Kirchenmaler Mayrhofer und Ostenrieder aus München die Gemälde, so gut, "dass der Schmelz der Töne und die ganze Zartheit der Polychromie wieder zu Tage gefördert sind", wie es in einem Bericht der damaligen Zeit heißt.
Die beiden Künstler hatten zusammen einen Kirchenmalerbetrieb betrieben, dessen Nachfolger noch heute besteht (Hans Mayrhofer GmbH in Unterschleißheim).
1931 Prof. Josef Damberger die Altarblätter und
1964
der Nonnenchor durch Georg Gschwendtner aus Reichenhall.
Die meisten Ausbesserungen der früheren Jahre erschwerten die zweite große Restaurierung in den Jahren 2000-2003, die sich mit einem Kostenaufwand von 10 Mio Euro der originalgetreuen Wiederherstellung verpflichtet hatte.

Pfarrei
Die Pfarr- und Klosterkirche St. Alto und St.Birgitta gehört zur Diözese München-Freising.
Folgende Orte sind Teil der Pfarrei Altomünster: Breitenau, Erlach, Halmsried, Hohenried, Humersberg, Hutgraben, Obererlach, Oberndorf, Oberzeitlbach, Ottmarshausen, Plixenried, Radenzhofen, Röckersberg, Ruppertskirchen, Schauerschorn, Sengenried, Stumpfenbach, Übelmanna, Unterzeitlbach.
Die Pfarrei bildet seit 2007 mit den Pfarreien Wollomoos und Sielenbach einen Pfarrverband.
Die Gläubigenzahl (mit Kindern) betrug um 1550: 700, um 1730: 1350, um 1830: 1450 , um 1930: 2200 und um 2007: 3.200.

Statistik
In den alten Matrikeln, Beschreibungen und Zeitungsberichten werden immer wieder Zahlen genannt, die sich auf die Bevölkerung, die Seelen (Pfarreiangehörige), Häuser, Anwesen, Gebäude oder Familien beziehen. Leider ist die Bezugsgröße dieser Zahlen sehr unterschiedlich; sie sind deshalb nicht immer vergleichbar. So beziehen sich die Werte teils auf die Ortschaft oder die Gemeinde, teils auf die Pfarrei bzw. den Filialkirchenbezirk.
1260: 2 Meierhöfe, 26 Lehen, 44 Hausstellen, 1 Taverne
1550
: Pfarrei mit 700 Seelen
1730: Pfarrei mit 1350 Seelen
1800: Markt mit 142 Anwesen
1830: Pfarrei mit 1450 Seelen
1840: Gemeinde Altomünster mit 756 Einwohnern in 156 Häusern
1847: Pfarrei mit 1614 Seelen
1852: Gemeinde Altomünster mit 225 Familien und 886 Einwohnern in 214 Häusern. 05)

1930: Pfarrei mit 2200 Seelen

1867: Pfarrei mit 1788 Seelen, davon 1462 Communicanten. In diesem Jahr starben übrigens in der Pfarrei Altomünster
         23 Erwachsene und 36 Kinder (!) 30)

1930: Pfarrei mit 2200 Seelen
2007: Pfarrei mit 3.200 Seelen.

Berichte aus der Pfarrei
Zeitungen haben in den letzten 120 Jahren immer wieder aus dem Pfarrleben von Altomünster berichtet. Diese Berichte befassen sich nicht unmittelbar mit dem Kirchengebäude, vermitteln aber einen ergänzenden Eindruck aus der damaligen Zeit. So wird im Amperboten von 1921 über ein Jubelfest des und Veteranen- und Kriegervereins mit 3000 (!) Teilnehmern berichtet.
Wenn Sie am Bericht interessiert sind, klicken Sie hier...

Baubeschreibung der Klosterkirche

Die Kirche steht auf einem im unteren Teil steil ansteigenden und sich weiter oben etwas abflachenderen Hang inmitten der Marktgemeinde. Klöster betrachteten sich als geistliche Städte, die sich Jerusalem, die ebenfalls auf Hügeln erbaut ist, zum Vorbild nahmen. Im Psalmengebet der Benediktiner heißt es: "Gott wohnt auf den Bergen und wird dort angebetet". Die fast 60 m lange Kirche steht aber nicht planeben auf einem Plateau; ihre Grundfläche steigt vom Eingang bis zum Chorschluss um 6 Meter an. Der Kirchenraum wirkt trotz mittelalterlicher Bauteile, insbesondere der massiven Umfassungsmauern, recht einheitlich. Die Anordnung der vier Innenräume, die kunstvoll hintereinander gelagert sind, ergeben interessante Raumperspektiven. Drei Chöre, einer für die Nonnen, ein zweiter für die Mönche und ein weiterer für die Gemeinde sorgen dafür, dass diese drei Gruppen zeitgleich die Kirche benutzen konnten, ohne sich zu sehen.
Kunsthistoriker zählen die Klosterkirche von Altomünster zu den schönsten Rokoko-Gotteshäusern in Bayern.

Beichtraum Hauptraum Altarraum Herrenchor Felsengrotte Schon zu dem im Westen unter dem Turm liegenden Eingang führt eine Rampentreppe mit vielen Stufen hinauf. Um weitere 9 Stufen höher dann der große, fast quadratische Hauptraum, der außen durch jeweils vier Stützpfeiler verstärkt und durch ein separates Dach gekennzeichnet ist. Es handelt sich um einen achteckigen Zentralraum mit abgeschrägten Ecken und Emporen, über den sich eine 18 m hohe Flachkuppel erhebt. Der Raum erfüllt die Funktion des Kirchen-schiffs.

Danach folgt ein kleinerer Raum, der sog. Beichtraum, der die Form des Hauptraums in geringerem Ausmaß wiederholt. Darüber der Nonnenchor, der sich wie eine Brücke quer durch die Kirche zieht. Es folgen der Altarraum und dahinter, nochmals erhöht, der im Jahr 1617 errichtete "Herrenchor".

Der Kunstprofessor Harro Ernst beschreibt im Jahr 1972 die Architektur der Klosterkirche in einer -der Zeitepoche entsprechen-den- blumigen Sprache so:
  "Gleich einem Fernrohr leitet der niedere, dunkle Laienbrüderchor das Auge hin zum Langchor, wo weit mehr als mannshoch über einem Apsisrund, drei Altäre wie Ausstellungsstücke in den Raum komponiert sind. Dies Bild ist musealer Regie näher als dem barocken Theatrum. Indessen ist da, in Entferntheit, Licht und Freizügigkeit, echt ein Sehnsuchsziel.
Der Berglage zufolge, den Forderungen dann gemessen nach den Chören für Patres, Laienbrüder, Nonnen, nach einem Umgang für die Birgitinerinnen, musste ein kurioses Gebäude entstehen. Nie wird man in Altomünster ganz des Gedankens an Verbau und an Verhau ledig. Fischer vermochte es aber, aus der Last der Voraussetzungen Kapital zu schlagen, zu Diensten einer Sebstdarstellung der Epoche ohnegleichen. Was heißt: "Grabgesang des Barock und ingeniöse Vorschau, getan in einem Motivmusterhaus, mit einem Auswahlangebot von Stimmungen, bei Hintritt zu Nüchternheit und Natur, Volkstümlichkeit. Und man erfährt, daß Sacrales nunmehr in die Region der Romantik gerät, ein Traum wird, Hinwendung bedeutet, zu einem fernen Licht."


Umgänge
Auch vertikal ist die Kirche klar gegliedert: Im Erdgeschoss der Laienraum, die Pfarrkirche, im ersten Stock die Mönche und im zweiten Stockwerk die Nonnen. Vom Nonnen- wie vom Mönchschor gehen Umgänge um die ganze Kirche, auf denen die Ordensleute an Sonn- und Feiertagen Prozessionen hielten, ohne dass sich ihre Wege je kreuzen konnten. Beide Umgänge verlaufen zwischen Außen- und Innenmauern und machen die Wandform somit zweischalig. Die äußere Schale ist die Umfassungsmauer mit den Fenstern, die innere besteht aus der mehrstöckigen Bogenwand mit den Öffnungen zum Hauptraum hin. 104)

Der Kunstschriftsteller Wilhelm Hausenstein (1882-1957) sagte über den Kirchenraum: "Das ist das Merk-würdigste, was ich im Barock an Vielfältigkeit der Gliederung erlebt habe".

Nonnen-Umgang
An der Nordseite der Kirche verläuft der sog. "Finstere Gang", der nach Nordosten abknickend in den dreieckigen Hof zwischen Kloster und Pfarrhof führt.
Dort ist in einer vergitterten Nische eine kastenartige Tafel mit geschnitzten "Armen Seelen im Fegefeuer" zu sehen. Aus den Wundmalen Christi (Händen, Füßen und einem dornenbekränzten Herz) ergießen sich Blutstrah-len über die Armen Seelen (2.Hälfte des 19.Jh.), die im unteren Bereich in Flammen schmachten und "in ihrer Qual die Münder auf- und die Arme nach oben reißen".


Fegfeuer im
finsteren Gang

Auch aus dem mit der Dornenkrone umkränzten Herz Christi lodern Flammen der göttlichen Liebe, die ein darüber stehendes Kreuz umfangen. Der Finstere Gang schuf die Verbindung zwischen dem oberen Areal des Klosters zum ehemaligen Friedhof. Er wurde in der Zeit um 1500 angelegt, damit die Mönche unter dem Nonnenkloster zum Friedhof gelangen konnten, ohne den Bereich der Nonnen betreten zu müssen.

          360-Grad-Foto
          Der Künstler Max van Allen hat vom Finsteren Gang ein schönes HDR/360-Grad-Foto gemacht und bei Google+
           im Internet veröffentlicht. Wenn Sie es sich anschauen möchten, klicken Sie hier ...

Von Süden her führt ein Eingang in die Klostergruft von 1723. Im II.Weltkrieg diente die Gruft als Luftschutzkeller; heute wird sie als Lagerraum genutzt. Die Toten sind im Friedhof beerdigt.

Turm

Den schlanken, reich gegliederten Turm auf der Westseite über dem Eingang hat König Ludwig I. als den schönsten Turm in seinem Königreich! bezeichnet. Er hat eine Höhe von 62 Metern und ist damit der höchste Kirchturm im Landkreis Dachau. Eine Übersicht über die höchsten Kirchtürme erhalten Sie hier...

St.Alto

Die Fassade des Turms ist in zwei vertikale Abschnitte gegliedert.
Der untere Teil, der vom Kirchenschiff umschlossen scheint, wird durch zwei Pilasterpaare mit einfachem dorischen Kapitell und dem darauf ruhenden Segmentgiebel geteilt. Die beiden Außenseiten weisen auf die dahinter liegenden Kapellen hin.

Innerhalb der Säulen steht in 15 Metern Höhe eine große Statue des hl. Alto in einer Nische. Er ist im Abtsornat mit seinem Attribut, einem Kelch mit Jesusfigur dargestellt. Die 250 Jahre alte Originalfigur aus Eichenholz mit 3,50 Metern Höhe und einem Gewicht von 800 kg, die vom Dachauer Bildhauer Franz Arnoldt (1724-1788) geschnitzt worden sein dürfte, musste im Jahr 2002 wegen irreparabler Schäden entfernt werden. Bildhauer Erich Zimmer aus Iffeldorf hat 2005 eine neue Figur exakt nachgeschnitzt. Die Figur wurde mit 3800 Blatt Gold (=53 qm) vollvergoldet. Nur der gekrümmte Teil des Bischofsstabs, die Krümme, ist noch vom Original.

Der mittlere Teil mit den rundbogigen großen Schallfenstern wird von grauen Eckpilastern (mit jonischen Kapitellen) eingefasst. Die jonischen Kapitelle weisen nach der traditionellen Säulen-ordnung auf eine weibliche Heilige (hier St.Birgitta oder Maria) hin; die dorischen Kapitelle ein Stockwerk darunter dagegen auf einen männlichen Heiligen (hier St.Alto).

Der obere Teil mit Uhr und  als Voluten gestalteten  Ecklisenen trägt eine gestufte Zwiebelhaube mit Laterne und vergoldetem Kreuz.


Der schönste Turm
im Königreich Bayern
  Hinweis: Die so typisch bayerisch-barock anmutende Zwiebelform der Bedachung von Kirchtürmen -auch welsche Hauben genannt- stammt aus dem Orient. Sie wurde zuerst von den arabischen Baumeistern als Weiterentwicklung der Kuppeln von Hagia Sophia und Grabeskirche verwendet. Das erste Bild kam Ende des 15.Jh mit dem Buch "Pilgerreise in das Heilige Land" von Bernhard von Breitenbach nach Europa. Es enthielt einen Holzschnitt der im 7.Jh errichteten Moschee auf dem Tempelberg in Jerusalem (Felsendom). Breitenbach glaubte, die große zwiebelförmige Kuppel stamme noch vom Tempel Salomons und verband mit ihr die Vision vom himmlischen Jerusalem. Jörg von Halsbach war der erste Baumeister unserer Gegend, der Zwiebeltürme plante: die Münchner Frauentürme. Weite Verbreitung fand die Zwiebel als Bauform aber erst im Italien der Renaissance und bei uns in der Barockzeit nach dem 30jährigen Krieg. Ihre Form -unten bauchig, oben spitz- passte wunderbar zur Kunstauffassung und zum Lebensstil des Barocks und galt "als Synthese aus der Bewegung ins Übersinnliche und dem Verharren in den Wölbungen des Sinnlichen".

Glocken
Hinter den Schalllöchern hängen sechs große Glocken, die die Gläubigen zum Gottesdienst rufen.
Nach der Glockenbeschreibung von Prof.Dr.Klaus Peter Zeyer
80) stammen sie alle aus der Zeit nach dem 2.Weltkrieg:

1. Altoglocke. Die dem Patron St.Alto geweihte Glocke ist mit 2600 kg und einem Durchmesser von 165 cm die größte Glocke.     
  Sie wurde 1950 von Karl Czudnochowsky in Erding gegossen und erklingt auf den Schlagton b.
Die Inschrift lautet: "Heiliger Vater Alto bitt für uns".
Wenn Sie die Altoglocke auf Youtube als Einzelglocke läuten hören möchten, klicken Sie hier...
2. Christkönigsglocke, 1300 kg, Durchmesser 135 cm, Karl Czudnochowsky in Erding 1950, Schlagton d´.
3. Marienglocke, 900 kg, Durchmesser 115 cm, Karl Czudnochowsky 1950, Schlagton f´

4. Josefsglocke, 600 kg, Durchmesser 103 cm, gegossen von Rudolf Perner in Passau 1990, Schlagton g´

                        Die Glocke besitzt eine interessante Inschrift. Dr.Walter Kick hat sie übersetzt und ihre Herkunft erforscht: 93)

 
Inschrift:
"NOBIS SUMMA TRIAS PARCE PREGANTIBUS DA JOSEPH MERITIS SIDERA SCANDERE: UT TANDEM LICEAT NOS TIBI PERPETIM GRATUM PROMERE CANTICUM.".
 
Übersetzung:
"Höchste Dreifaltigkeit, verschone uns, die wir zu dir flehen und lass uns durch das verdienstvolle Zutun des (heiligen) Josef zu den (himmlischen) Sternen aufsteigen, damit wir letztendlich dir immerwährenden Wohlklang hervorbringen dürfen"
 
Provenienz:
Die für Zeit von 1990 (Glockenguss) ungewöhnliche Inschrift ist einem um 1710 entstandenen Hymnus für den hl.Josef, den Namenspatron von Kardinal Josepho Sacripanti (1642–1727), entnommen 94)
5. Birgittaglocke, 350 kg, Durchmesser 95 cm, Karl Czudnochowsky 1949, Schlagton a´
6. Michaelsglocke, 300 kg, Durchmesser 76 cm, Karl Czudnochowsky 1949, Schlagton c´´ Inschrift: "St.Michael bitte für uns"


Für fünf Glocken gibt es ein elektrisches Geläute; die Birgittaglocke muss noch mit der Hand geläutet werden. Die Uhr schlägt an die Christkönigsglocke (Viertelstunde) und an die Altoglocke (volle Stunde). Auch von ihnen allen gibt es eine Audioaufnahme im Internet
86) ; klicken Sie hier...

Glockenspiel
Seit 11.Dezember 2005 hat Altomünster -als einzige Kirche im Landkreis Dachau- ein Glockenspiel.
Dafür wurden 24 weitere Glöckchen von der Gießerei Perner angeschafft. Diese Glöckchen können nicht schwingen, sondern werden mechanisch mit einem Hammer angeschlagen. Die größte der 24 Glocken wiegt immerhin 200 kg. Das Glockenspiel ist von Hand über eine Tastatur oder auch automatisch durch Programmierung bespielbar. Damit werden jeweils an Werktagen um 9,13 und 17 Uhr und am Sonntag um 13, 15 und 17 Uhr Kirchenlieder aus dem Gotteslob gespielt, abgestimmt auf die jeweiligen Themen des Kirchenjahrs.
Das Glockenspiel ist ein "Dankeschön für die Geduld und Opferbereitschaft der Bürger von Altomünster während der jahrelangen Kirchenrestaurierung", so der damalige Pfarrer Wolf Bachbauer.
Natürlich gibt es im Internet auch vom Glockenspiel eine Audioaufnahme
86). Wenn Sie sie hören möchten, klicken Sie hier...

Historische Glocken von 1587
1587 hatte Dionysius Frey aus München fünf Glocken für Altomünster gegossen, die von Herzog Wilhelm V. (1579-1598) und seinem Bruder Herzog Ferdinand gestiftet worden waren. Diese am 15.Oktober von Weihbischof Bartholomäus Scholl geweihten Glocken waren den Heiligen Alto, Maria, Anna, Birgitta und Katharina gewidmet. Zwei (wohl die größten) wurden im Spanischen Erbfolgekrieg am 18.7.1704 von feindlichen Truppen geraubt. Die drei verbliebenen waren im Jahr 1884 noch in der Bestandsliste aufgeführt. Im Jahr 1891 wurde eine der Glocken von der Gießerei Ulrich Kortler umgegossen; sie hatte wohl irreparable Schäden aufgewiesen. Die beiden letzten der Glocken von 1587 überlebten den 1.Weltkrieg, weil sie wegen ihres Alters von der Ablieferungspflicht (zum Einschmelzen für Kriegsgeräte) befreit waren. Da aber die drei übrigen, Mitte des 19.Jh gegossenen Glocken eingeschmolzen wurden, hat Pfarrer Schwaiger 1929 ein völlig neues Geläute angeschafft. Die beiden historischen, damals schon 450 Jahre alte Glocken wurden verkauft:

Glocke von 1587
Die größere Glocke (700 kg) ging an die Gießerei Ulrich in Kempten. Da sie wegen ihres hohen Alters nicht eingeschmolzen werden durfte, könnte sie heute noch irgendwo vorhanden sein. Die kleinere der Frey-Glocken (Sterbeglocke, 235 kg ) wurde von Albert Schleich gekauft und für die Kriegergedenkstätte an der Loreto-Kapelle in Altomünster gestiftet. Als im 2.Weltkrieg alle übrigen Glocken aus Altomünster abgeliefert werden mussten, hat man diese Frey-Glocke für einige Jahre in den Kirchturm der Klosterkirche gehängt, wo sie zusammen mit einer Eisenbahnschiene (!), die mit dem Hammer angeschlagen wurde, für den Uhrenschlag sorgte. Nach dem 2.Weltkrieg kam die Glocke wieder zurück in die Kriegergedenkstätte, wo sie noch heute zu sehen ist (siehe Bild links).

Im Museum Altomünster hängt übrigens eine weitere historische Glocke, die entweder aus dem Jahr 1700 oder (wahrscheinlicher) aus dem Jahr 1856 stammt.


Innenausstattung

Man betritt die Kirche unter dem Turm durch eine verzierte Tür und kommt in einen Vorraum, der noch aus der alten romanischen Basilika von 1240 stammt. 'Der Eingang ist schmal. Ob der Baumeister an das von Matthäus in Kap.7 Vers 13 überlieferte Jesuswort gedacht hat: "Gehet ein durch die enge Pforte. Denn die Pforte ist weit, und der Weg ist breit, der ins Verderben führt, und viele sind es, die da hineingehen".

Vorraum

Im Gewölbe links ist seit 1872 eine Felsengrotte mit einer Todesangst-Christi-Kapelle eingerichtet (Einweihung durch Erzbischof von Thoma am 14.Okt. 1890). Vorher war der Seitenraum eine Rumpelkammer.


Todesangst
Christi-Kapelle
Vor einem Panoramabild sind die Figuren von Jesus, den drei schlafen-den Jüngern und dem Engel, der Jesus den Kelch reicht, zu sehen (nach Plänen von Ludwig Hack).

Ölbergszene
Daneben steht die überlebensgroße Figur des gefesselten Heilands im Kerker, die im Jahr 1767 von Franz Paul Arnoldt (1724-1788) aus Dachau (Franz de Paula Arnoldt), dem Schöpfer der großen Altofigur im Turm, geschnitzt wurde.

Jesus


Beinhaus

Daneben sind hinter einem großen Gitter die Reste aus einem Beinhauses (Karner) zu sehen, das es in Altomünster -an dieser oder anderer Stelle- sicher gab.

bemalter Schädel
Auf einem fünfstöckigen Regal liegen die bemalten und mit Inschriften versehenen Totenschädel der Verstorbenen.
  Hinweis: Das Beinhaus oder Karner (lat.carnarium=Fleischkammer) war vom Mittelalter bis zum 19.Jh. eine meist an die Kirche in der Nähe des Eingangs angebaute, zweigeschossige Friedhofskapelle, in deren Untergeschoss die Gebeine der schon lange Verstorbenen aufbewahrt wurden, um Neuzugängen Platz zu machen (Zweitbestattung). Ursprünglich hatte jeder Pfarrfriedhof, neben an oder unter der Kirche einen Karner. Auf den Synoden von Münster und Köln (1279/1280) wurden sie zwingend vorgeschrieben. In früheren Jahrhunderten war die Lebenserwartung niedrig und die Kindersterblichkeit hoch; 42 Prozent der Kinder starben im ersten Lebensjahr 45) . Deshalb gab es damals im Verhältnis zur Bevölkerungszahl mehr Beerdigungen als heute. Dies galt sogar noch im 19.Jahrhundert: im Kirchenjahr 1866/67 wurden in Altomünster 61 Kinder geboren. Es starben 36 (!) Kinder und 23 Erwachsene. 30)

Totenschädel-Regal
Friedhöfe waren immer um die Kirche herum angelegt und kaum erweiterungsfähig.Im Jahr 1058 beschränkte man die Grenzlinien der Friedhöfe auf 60 Schritte im Umkreis des Altars für Hauptkirchen und 30 Schritte für Kapellen. Weiter entfernt konnte man sich des Segens der im Altar ruhenden Reliquien und der Fürbitte des Heiligen nicht sicher sein. So war es üblich, die Gräber schon nach 5 bis 10 Jahren wieder zu verwenden. Zudem gab es keine Familiengräber; der nächste Tote erhielt das frei werdende Grab. Manche Totenschädel in den Beinhäusern wurden auch bemalt oder mit Inschriften versehen, um sie der Anonymität zu entreißen. Karner waren besonders in Bayern, Österreich und Ungarn verbreitet; sie standen an katholischen und
protestantischen Gotteshäusern. In den letzten hundert Jahren wurden die Karner abgerissen bzw. in Lourdeskapelle, Abstellräume oder Vorhäuser umgewandelt. In manchen Kirchen wie hier in Altomünster erinnert aber noch eine Nische mit einigen Totenköpfen an die frühere Trauerkultur. Die aufgestapelten Gebeine sollen die Kirchenbesucher an die Vergänglichkeit des Menschen ermahnen.


Epitaphe

Daneben stehen mehrere Grabdenkmäler an der Wand. Ein Epitaph erinnert an Christina von Machslrain zu Hochenburg (+1535), geborene Fürgerin von Millans, gestorben am Montag nach St.Martin 1536. Es besteht aus Rotmarmor und ist 2 Meter hoch und 98 cm breit. Darauf sind in einem Relief die Verstorbenen und zwei Wappen-tafeln mit doppelter Helmzier zu sehen. Darunter eine weitere Inschriftentafel für ihre fünf Enkel aus der Ehe zwischen ihrer Tochter und Wolf von Schellenberg; sie knien in zeittypischer Tracht vor einem Allianzwappen.
Inschrift:
  "Hie ligt begraben und ist gestorben an Sonntag nach Sand Marteinstag A.R. 1535. Die edl dugendhafft fraw Cristina weylandt Sygmundtn von Mächselrain zu Hochenburg verlassen witib gebornne Fürgerin von Mellans der gott genädi und barmherzig sein wele un all geläubig sellen. So ligen auch hiebei begraben ire fünf Ennkl, so ir tochter had Wolffen von Schellenberg zu Kyßlegk Marschalkh zu München geboren".

Ein zweites Epitaph gehört Barbara von Adelzhausen (Barbara von Wechsham), gest. 8.Mai 1536. Auch es ist aus Rotmarmor (173 x 79 cm); darauf ist die Verstorbene unter einem Spruchband kniend zu sehen; eine auch für die damalige Zeit altertümliche Darstellungsweise. Inschrift: "Anno Domini 1536 ist gestorben die edl und dugenthafft
fraw barbara Adelzhäusserin an den 8 Dag des mayen der gott genad".

Weitere Epitaphe für
- Katharina Bachlerin (gest. 1720) sowie für den
- Klosterkastner Kaspar Küpferle (+1652)
Platte von rothem Marmor. H. 133, br. 67 cm mit Wappen.



Christina von '
Machslrain


Barbara von Adelzhausen

Hinweis: Epitaphe gibt es in unseren Kirchen erst seit dem 14. Jh. als Gedächtnismal für einen
Verstorbenen in Form einer Steinplatte, die innen oder außen an der Kirchenwand senkrecht aufgestellt wird. Epitaphe (griech. Grabinschrift) wurden für diesen Zweck eigens angefertigt; sie sind keine früheren Grabplatten. Das Epitaph ist auch kein Grabmal, weil sich weder dahinter noch darunter ein Grab befindet.


Ein Kriegerdenkmal erinnert an die vier aus der Pfarrei Altomünster stammenden Soldaten, die teils an der Seite Napoleons, teils gegen ihn gekämpft haben und gefallen sind. Einer der Männer starb in der Schlacht bei Wageram (nahe Wien) am 5. und 6. Juli 1809, in der Napoleons französische Truppen mit bayerischer Unterstützung die Österreicher besiegten. Zwei andere Männer starben beim Rußlandfeldzug der französisch-alliierten Truppen in Pollozk in der Nähe von Wilna/Litauen. Dort hatte sich der bayerische General Wrede schwere Gefechte mit der russisch-finnische Armee geliefert.


Lourdesgrotte

Rechts im Vorraum ist eine Muttergotteskapelle eingerichtet. Eine große Figur der Lourdesmadonna steht in einer künstlichen Felsengrotte. Darunter befindet sich ein Lichtspalier, auf das Opferkerzen gesteckt werden können.

Lourdesgrotte im Vorraum
Die Muttergotteskapelle dient(e) den Mitgliedern der im Jahr 1644 gegründeten Rosenkranzbruderschaft als Gebetsstätte (früher hielten sie ihre Andachten am unteren Choraltar ab). Innerhalb dieser Bruderschaft gab es auch eine sog. Stundenbruderschaft. Die beson-dere Beziehung des Birgittenordens zum Rosenkranz-gebet zeigte sich darin, dass die Birgittinnen eine besondere Form des Rosenkranzes mit 6 Gesätzen, 7 Vaterunsern und 3 zusätzlichen Ave Maria (also 63 Ave
Maria) entwickelten als Ehrerbietung an das Lebensalter von 63 Jahren, das Maria nach den Revelationes erreicht haben soll. Zudem hatte der Papst um das Jahr 1500 einen besonderen Ablass für den erteilt, der einen von einem Birgittinnenprior geweihten Rosenkranz erwirbt.
In diese Kapelle wird übrigens das Brunnenwasser der Altoquelle geleitet. Das Wasser entspringt unter dem Altoaltar (rechts) im Hauptraum der Kirche, wird in den Klosterhof und von dort zurück in die Kapelle geleitet.
Der kleine Brunnen besteht aus Marmor. Das Wasserrohr ragt aus einem kleinen Relief in die Nische herein. Auf dem Relief wird das Quellenwunder des hl. Alto dargestellt. Der Heilige schlägt mit seinem Stab an einen Felsen: An dieser Stelle entsteht die Quelle.

Altobrunnen
im Vorraum



Hauptraum

Altomünster ist einer der letzten großen Rokokobauten. Dies ist schon an der zwar graziösen, sparsam verwendeten Stuckierung (Wessobrunner Schule) von Jakob Rauch, Augsburg zu erkennen, die den Wänden einen Alabaster-artigen Schimmer verleiht. Man spürt hier schon den beginnenden Klassizismus. Rauch hatte einige Jahre vorher den Stuck in der Kirche von Sittenbach gestaltet.
Auch die 1766/68 von Joseph Magges (1728-1769) kurz vor seinem Tode gemalten Deckenbilder (sign.) sind in der Bewegung gedämpfter, als man es im Rokoko sonst erleben kann. Magges schuf übrigens auch vier Altarblätter für Altomünster.
mehr zu Magges...

Über neun Stufen gelangt man zu einem kunstvollen Gitter, das 1763 vom Klosterbruder Martin Offner geschmiedet wurde. Dieses farbig gefasste Gitter hat zwei Flügel und zwei feststehende Teile. In die Flügel sind unten Birgittinnenkreuze, Weintrauben und Rosenblüten eingefügt. Im Fries oben ist das Dreifaltigkeitssymbol zu sehen, umgeben von Cherubim und Seraphim (Erzengel). Des weiteren erkennt man Das Auge Gottes, brennende, mit Dornen und Blüten bekränzte Herzen Jesu und Mariens, umgeben von Gloriolen (Heiligenscheinen).
Die Gitter scheinen gewaltsam unter die Empore eingepasst worden zu sein, da die abschließenden Ornamente schon etwas im Deckenputz stecken. Auch die Anschlüsse an die Gestühlsteile des Vorraums sind nicht original. Es ist von einer nachträglichen Veränderung an Gitter oder Gestühl auszugehen.
Hinweis: Das Herz Jesu ist Symbol für die Erlöserliebe Christi. Diese Darstellung verbreiteten sich nach der Einführung des Herz-Jesu-Festes durch Papst Clemens XIII. im Jahr 1765. Das Herz Mariens ist Zeichen für die mütterliche Liebe.

 

zur Beschreibung des linken Seitenaltarszur Beschreibung der Altäre im Beichtraumzur Beschreibung des  rechten Seitenaltarszur Beschreibung des linken Seitenaltarszur Beschreibung des Deckengemäldes im Beichtraumzur Beschreibung der Kanzelzur Beschreibung des Kanzelkreuzeszur Beschreibung der Altäre im  Herrenchorzur Beschreibung der Altäre im Beichtraumzur Beschreibung des Chorraumszur Beschreibung des Frauenchors im ersten Stockwerkzur Beschreibung der Kirchenbankwangen
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Durch das Gitter gelangt man zum achteckigen Kirchenschiff mit 18 m hoher Hängekuppel. Fischer hat diesen Raum als Zentralraum gestaltet, wie in Bergkirchen oder Sigmertshausen. Die Ecken sind abgeschrägt. Lisenen gliedern die Außenwände. Über vorkragendem, umlaufenden Gebälk sind über zwei Stockwerke Emporen mit rundbogigen Öffnungen mit herrlich geschnitzten Gittern angebracht. Viele Fenster, im barocken, unteren Teil zwei Reihen, im gotischen Herrenchor nierenförmig, sorgen für einen lichten, hellen Raum. Ein Verbindungselement zwischen den verschiedenen Raumteilen ist die gleiche Höhe der Gewölbeauflage (Kämpfer), unabhängig von der Höhe des Gewölbes.

Der Stuck wurde -wie erwähnt- von Jakob Rauch 1766 bis 1768 geschaffen. Er besteht aus Rocaillekartuschen, Blütengirlanden sowie rosa gefasste Putten und Engelskaryatiden (=weibliche Säulenfiguren als Gebälkträgerinnen)unter der Hauptkuppel. An der Brüstung der Orgelempore ein Stuckrelief mit zwei musizierenden Putten, am Gebälk des Hauptraums vier Gruppen von je zwei Putten mit Attributen christlicher Tugenden. Die Pilaster an den Wänden haben Stuckkapitelle mit Cheruben und Birgittenkreuz.

360-Grad-Foto
Der Künstler Max van Allen hat vom Hauptraum der Kirche ein tolles HDR/360-Grad-Foto gemacht und bei Google+ im Internet veröffentlicht. Wenn Sie es sich anschauen möchten, klicken Sie hier...

 

Seitenaltäre im Hauptraum

In den beiden östlichen Schrägen Ecken stehen die vom Münchner Bildhauer Johann Bapt. Straub (um 1772) erbauten Altäre zu Ehren des Hl. Augustinus bzw. des Hl. Alto. Ihr Holz ist rosa und grün marmoriert (= mit Marmormuster bemalt) und mit Schnitzdekor vergoldet. Im oberen Teil der Altäre eine Lichtöffnung, die mit einer Baldachin-artigen Reifkrone überdeckt ist. Durch sie scheint sich der Altaraufbau im oberen Teil fast aufzulösen. Über das Eck gestellte und gebauchte Pfeiler tragen ein Gebälk mit Ziervasen. Im Auszug der beiden Seitenaltäre vorgewölbte Gesimse in Baldachinform mit Ziervasen und schwebende Engel mit Reifkronen.

Beide Seitenaltäre enthalten Skelettreliquien mit Brustreliquiar (St.Maximilianus und St.Sebastian). Es handelt sich um nicht identifizierte Gebeine aus den Katakomben in Rom, die man Märtyrern zugeordnet und auf deren Namen nachgetauft hat. Sie sind mit kostbaren Gewändern, einem hellroten Obergewand, einem weiten, langen Rock aus Seidendamast und einem herabfallenden Umhang gekleidet. Die Gewänder sind mit Perlen, farbigen Steinen und Pailletten verziert. An den Füßen tragen sie schöne Schnürschuhe. In den Händen halten sie eine Krone und eine Märtyrerpalme aus Klosterarbeit. Auf dem mit Tülle-artiger Seide umhüllten Kopf sitzt ein goldener Lorbeerkranz. Beide Reliquien wurden 1724 erworben, um 1770 gefasst und 1861 sowie 1907 restauriert.


Skelettreliquie des hl.Sebastian

 

Linker Seitenaltar

Am Augustinusaltar (links) eine annähernd vollplas-tische Figur dieses Heiligen unter einem Gloriolen-fenster mit einem entflammten Herzen als Symbol der Gottesliebe. Der kleine Engel, der auf ein aufgeschla-genes Buch zeigt, erinnert an die Bekehrung des Augustinus.

St.Augustinus
Als er im Garten spazieren ging, rief ihm ein Engel zu: tolle lege" (nimm und lies). Augustinus fand im Haus eine aufgeschlagene Bibel mit dem Text des Römerbriefs (13,11) und trat danach zum Christentum über. Augustinus wird von den Birgittinnen als Gründervater verehrt, da die Birgittenregel im ersten Teil die Regel des hl.Augustinus enthält.

Als Assistenzfiguren dienen -wie an allen Altären der Kirche- zwei Apostel. Auch sie wurden um 1770 von Johann Bapt. Straub geschnitzt.
Links der Apostel Jakobus der Jüngere mit der Walkerstange (zur Filzherstellung).
In der kirchlichen Tradition werden die Lebensdaten von zwei Heiligen mit Namen Jakobus zu einer Vita vermischt. Jakobus der Jüngere, der Sohn des Alphäus war Apostel. Über seinen weiteren Werdegang nach Christi Himmelfahrt ist nichts bekannt. Vielleicht war das der Grund, ihm das Martyrium zuzuschreiben, das Jakobus, der "Bruder des Herrn" und spätere Bischof von Jerusalem erleiden musste. Der wurde im Jahr 62 von der Mauer Jerusalems gestürzt und mit einer Walkerstange erschlagen. Auf der rechten Seite steht Apostel Thomas, der Zweifler mit einem Spieß in der linken Hand. Die rechte Hand hat er an die Brust gelegt zum Zeichen der Überwindung seines Zweifels an der Auferstehung Christi.

Apostel Thomas
Alle Apostelfiguren in der Kirche ergeben einen Apostelzyklus, der an die Mutterkirche des Ordens in Vadstena in
Schweden erinnert, in der für jeden der Apostel ein Seitenaltar besteht.


Reliquienmonstranzen

Reliquienmonstranz

In der Predella des Altars, links und rechts vom Tabernakel stehen prächtige Reliquienmonstranzen, die sehr stark einer Hostienmonstranz gleichen. Sie besitzen eine reich geschnitzte Umrahmung sind vergoldet und versilbert. Fast alle wurden um 1700 aus Holz geschnitzt. Der Fuß ist mit einem Schaftring und einem Vasennodus geschmückt.


Reliquienmonstranz


Reliquienmonstranz Detail

Ein Teil der Monstranzen enthält zwei Schaugefäße: Unten ein größeres, oben ein kleineres mit Wachsmedaillon.    
Auf den Cedulae stehen die Namen der Heiligen, von denen die Reliquien stammen: "S.Aloysy Gons.; Innocentius; Incognito; S.Modesti M.; Euphrasi M; Alexander M.; S.Casimiri." "S.Stan.Kos.C.; Incognito; Fortunatus; Illuminatus; Mauritius; Innocenti."


Reliquienmonstranz

Detail

Im Sockel des Altars liegt in einer verglasten Nische hinter dem Ziergitter eine geschnitzte Liegefigur, eine Holzstatue der hl. Birgitta aus dem 19.Jh.
Holzstatue der hl.Birgitta
 

Hinweis: Birgitta wurde um 1303 als Tochter von Birger Persson, einem der reichsten Grundbesitzer Schwedens geboren. Als sie elf Jahre alt war starb ihre Mutter; ihr war kurz vor Birgittas Geburt, als sie bei einem Schiffbruch gerettet wurde, Maria erschienen und hatte ihr ein "seliges" Kind prophezeit. Schon im Alter von sieben Jahren hatte auch Birgitta Visionen des Gekreuzigten Christus und teuflischer Ungeheuer, die sie mit dem Kruzifix bannte. Mit Dreizehn heiratete sie und gebar im Laufe ihres Lebens acht Kinder. 1335 wurde Birgitta Hofmeisterin bei der Gemahlin von König Magnus Eriksson. Mit ihrem Mann unternahm sie 1342 eine Wallfahrt nach Santiago di Com-postela. Als ihr Mann 1344 starb, häuften sich die Visionen. Die über 600 ihrem Sekretär, einem Priester, diktier-ten Visionen wurden so schriftlich festgehalten, dann übersetzt und verbreitet. Sie sind in der Kunst vor allem für die Darstellung der vor dem Kinde knienden Maria bedeutsam geworden.
Dann zog sie sich in die Nähe der Zisterzienserabtei von Alvastra zurück, wo sie ein Leben in Armut führte. Sie erhielt in ihren Visionen Auftrag und Regeln für eine Klostergründung, die zur Reform des Mönchswesens beitragen sollte. Birgitta gründete den nach ihr benannten Birgittenorden, dem sie ergänzte Augustinerregeln gab und der Schwestern und Priester, eine Klosterfamilie als Symbol der Urgemeinde, umfasste. Der schwedische König Magnus stellte Birgitta 1346 das Gut Vadstena am Vättersee zum Bau eines Ordenshauses zur Verfügung. Politisch engagiert, kritisierte sie den Lebenswandel von Priestern und Bischöfen. 1349 begab sie sich nach Rom, um die Anerkennung des Birgittenordens zu erwirken; aber erst 1370 ordnete Papst Urban V. an, in Vadstena je ein Kloster für Nonnen und für Brüder zu errichten. Die Anerkennung des Ordens 1378 erlebte Birgitta, die am 23. Juli 1373 in Rom starb, nicht mehr. Zunächst in Rom bestattet, wurde Birgitta 1374 nach Vadstena überführt. Das erste Birgitten-Kloster auf dem europäischen Festland wurde in Gdansk/Danzig gegründet; dies war der Grund, warum die Arbeiterbewegung Solidarnosc Birgitta -nach Maria- zur zweiten Schutzpatronin wählte; und dies war wohl einer der Gründe für Papst Johannes Paul II., sie 1998 zur Patronin Europas zu erheben.
Das einzige Birgittenkloster in Deutschland ist heute das Kloster Altomünster.

Von der Heiligen wurde jedenfalls im Jahr 1830 noch ein "Wanderstab" als Reliquie verehrt. Dies berichtet Maurus Gandershofer in seiner Klostergeschichte.


Rechter Seitenaltar

Auf dem Altoaltar wird das Kelchwunder des St.Alto figürlich dargestellt. Als er während einer Messe bei der Wandlung den Kelch hob, sah er das Jesuskind in den Kelch hineinsteigen. Am Altar kniet St.Alto mit Stab und Mitra auf einer Wolkenbank. Vor ihm ein Putto.

St.Alto
Beide beten das aus einem Kelch erscheinende Christuskind an. Fünf Cheruben umgeben die Szene. Die Figuren sind weiß gefasst; die Gewandsäume und die Attribute vergoldet. Nur die Cheruben besitzen Inkarnatfassung.
Die Rückwand ist rosé gelüstert (= mit metallisch irisierendem Effekt versehen).

Unter dem Altar entspringt immer noch die Quelle, die Alto hier gefunden hat und die die Voraussetzung für die erste Ansiedlung von Ordensleuten war. Das Wasser wird in einer Wasserleitung aus Formziegeln unterirdisch in einen neben der Kirche liegenden Innenhof mit  Brunnenhäuschen (seit 1669 mit Quadersteinen gemauert) und seit 2004 wieder zurück in die Kirche - in die Lourdesgrotte im Vorraum unter dem Turm - geleitet. Auch der Brunnen auf dem Marktplatz wird von diesem Wasser gespeist. Im Beichtraum wird in einem Deckengemälde das Auffinden der Quelle durch St.Alto gezeigt.
Der Mönch Othloh berichtete um 1060 in seiner Altobiographie, dass der Brunnen jedenfalls seit der Zeit von St.Bonifatius nur Männern zugänglich sei. Erst seit 1056 -als Benediktinerinnen in das Kloster einzogen- sei es Frauen erlaubt worden, zum Altobrunnen zu gehen.


Brunnenhaus

Assistenzfiguren sind auch hier zwei Apostel (1770, Schnitzer Johann Bapt. Straub).


Apostel Simon

Links der Apostel Simon, der eine mannshohe Säge vor sich hält. Simon wurde der Legende nach bei seinem Martyrium zersägt.
Rechts Judas Thaddäus, der eifrig in der Bibel liest; sein Attribut, die Keule, lehnt in seiner linken Armbeuge. Thaddäus wurde mit Keulen erschlagen.

Simon wird barfuß abgebildet, Thaddäus mit Stiefeln.


Apostel Thaddäus


Im Sockel des Altars liegt in einer verglasten Nische hinter vergoldetem Ziergitter eine Holzfigur des hl.Alto aus dem 19. Jh.


Holzfigur von St.Alto
Während der Gottesdienste steht auf dem rechten Seitenaltar ein Glasschrein mit der Hirnschale des hl. Alto. Sie wurde der Überlieferung nach hier in Altomünster in einem Grab gefunden, das dem Heiligen zugeordnet wird. Die Hirnschale ist in Gold gefasst. Den Schrein haben Schulkinder zur 1200-Jahr-Feier im Jahr 1930 gestiftet.
Hirnschale von St.Alto
Am 9. Februar, dem Festtag des Heiligen, wird sie in feierlicher Prozession durch die Kirche getragen und danach den Gläubigen einzeln auf den Kopf aufgelegt. Früher soll aus der Hirnschale am Altofest "Wein zu trinken gereicht" worden sein. Bei der Auflösung des Klosters 2017 wurde die Hirnschale (zusammen mit dem Messer des hl.Alto) in die Obhut der Pfarrei Altomünster übergeben. 101)


Im Pfarrbesitz ist auch noch das Altomesser mit einer angeblich keltische Klinge. Das Heft, der Griff, besitzt eine zierliche Silber-fassung mit eingravierten Vöglein. Der Griff ist eine Arbeit des Birgittenmöches Pius Gensler aus dem Jahr 1700. Das Messer war bei der Klosteraufhebung 1803 abhanden gekommen und wurde später, nachdem es von einem Altomünsterer Bürger in einem Münchner Antiquitätengeschäft entdeckt worden war, wieder zurückgekauft.

Im Altarauszug des rechten Seitenaltars sieht man zwei Engel mit Reifkrone.

Auch auf dem rechten Seitenaltar stehen zwei Reliquiare, die denen auf dem linken Altar gleichen. Die Texte auf den Cedulae sind bis auf "S.Joannis de Deo C." unleserlich.

Deckengemälde im Hauptraum/Kirchenschiff

Die Deckengemälde im Hauptraum wurden 1768/69 von dem in Augsburg wohnenden Tiroler Joseph Mages (1728-1769) geschaffen. Seine Signatur ist im Südosten der Hauptkuppel zu sehen.

Gründung des Birgittenklosters durch Herzog Georg dem ReichenSchenkung des Waldgebiets an St.AltoSt.Alto  und weitere OrdensleuteSt.Maria (mit Krone) und St.Birgitta (im Habit)Gruppe  von Heiligen - im Hintergrund Kirchturm v.AltomünsterBestätigung des Birgittenordens durch Papst Urban V.Engel Heiligste DreifaltigkeitDie neue Kirche auf dem Deckengemälde
großes Deckengemälde im Hauptraum von Joseph Mages -
ziehen Sie mit der Mouse über das Gemälde
- durch Klick Detailvergrößerung

  Das Deckengemälde in der Kuppel des Hauptraums zeigt in der Mitte die Hl.Dreifaltigkeit auf Wolken vor hellem Lichtschein und umgeben von Engeln und Heiligen (Bildmitte ).

Auf der linken Seite etwas unterhalb der Dreifaltigkeit mehrere Ordensleute. Daneben St. Alto im Abtsgewand; ein Engel hält den Stab und Mitra.


St.Alto

Rechts von St.Alto steht die gekrönte Maria auf einer Mondsichel. Mit der rechten Hand hält sie ihren Mantel schützend über die Szene unter ihr
Vor Maria kniet die hl. Birgitta. Sie blickt zu Maria auf und weist mit der Rechten auf die Gründungs-szene. Damit empfiehlt sie das Kloster dem Schutz Mariens.Die erste Kirche war auch eine Marienkirche und der ursprüngliche Name des Klosters war Maria Altomünster.
Die begleitenden Birgittinnen sind Katharina von Schweden, die Tochter der hl.Birgitta und die Tatarenprinzessin Katharina Tatara. Bei den 3 Damen auf der Wolke über Birgitta handelt es sich um die Prinzessinnen Agnes, Ursula und Barbara, die -wie Birgitta- ihre hohe Stellung aufgaben, um Christus nachzufolgen.

St.Birgitta

An den Rändern des Gemäldes wird in zwei größeren und zwei kleineren Bildern
die Gründungsgeschichte von Altomünster dargestellt:

An der Nordseite ist die Schenkung des Waldgebiets an St.Alto thematisiert.
An einem Hügel mit hohem Baumbestand und einem kleinen Bach stehen der Mönch St.Alto mit Stab und ausgebreiteten Händen vor König Pipin dem Kurzen, der von seinem Pferd abgestiegen ist. Pipin in bunter Tracht und Hut, weist mit seiner Reitgerte auf die Waldlandschaft, die er dem Mönch schenken will. Zwei Begleiter des Königs, als Jäger dargestellt, beobachten die Szene. Links im Hintergrund die Klause von Alto, eine Hütte einfachster Art.

Schenkung des Waldgebiets an St.Alto


Das Gemälde an der Ostseite stellt die Gründung des Birgittenklosters in Altomünster dar. Auf einer Platt-form sieht man den in einen weiß-blauen Mantel mit Hermelinüberwurf gekleideten Herzog Georg den Reichen (dessen prächtige Hochzeit in Landshut immer noch nachgefeiert wird). Er überreicht die Gründungsurkunde an mehrere Ordensfrauen in der Tracht der Birgittinnen. Neben dem Herzog steht seine Gemahlin Hedwig (Jadwiga) von Polen in goldbesticktem Kleid. Ihre Familie hatte in Polen ein Birgittenkloster gegründet. Dies förderte sicher die Ansiedlung des Ordens in Bayern. Eine Ebene tiefer und außerhalb der Balustrade, die die Plattform umgibt, stehen drei Mönche des Birgittenordens. Dies weist darauf hin, dass bei den Birgitten die

Gründung des Birgittenklosters
Mönche weniger Einfluss hatten als die Nonnen. Sie mussten in den Klöstern Birgittas nämlich der Äbtissin Gehorsamzu leisten,
die den Gesamtkonvent aus Nonnen und Mönchen leitete. Hinter den Begleitern des Herzogs kniet Hofrat Wolfgang
der Sandizeller mit seiner Gemahlin Eva an einem großen Stein, der ihr Wappen trägt. Eva war schon in Mahingen in den Birgittenorden eingetreten. Deshalb hält sie eine Birgittinnenkrone in den Händen. Wolfgang trat später selbst in das Kloster Altomünster ein. Zwischen dem Bild auf der Ostseite und dem kleineren Gemälde auf der Südseite sind in hügeliger Landschaft der Ort und die neu erbaute Kirche dargestellt, wie sie sich 1766 präsentierten.


 Das Fresko auf der Südseite zeigt eine Gruppe von Heiligen.
Links St.Augustinus im Bischofsornat, daneben St. Leonhard, die Kette schwingend. Aufrecht steht St.Florian oder St. Donatus in Soldatenkleidung mit der Fahne in der Hand. Dahinter sitzt St. Wendelin in Hirtenkleidung. Hinter Wendelin drei heilige Frauen. Über dieser Gruppe auf Wolken eine weitere Heiligengruppe. Darunter die Heiligen Crispin und Crispinian, die Patrone der Schuster, mit einem Hämmerchen.

Detail mit Heiligen


Das große Gemälde auf der Westseite hat die Bestätigung des Birgittenordens zum Inhalt. In der Mitte steht Papst Urban V., der zur Bestätigung von Avignon nach Rom gereist war, an einen kleinen Rundtempel als dem Symbol der Kirche gelehnt. Hinter ihm hält ein Kardinal mit großem Hut auf dem Kopf ein aufgeschlagenes Buch in den Händen. Vor dem Papst kniet demütig die hl. Birgitta von Schweden in der grauen Ordenstracht: auf dem Kopf die Krone der Birgittinnen; sie besteht -als Erinnerung an die 5 Wunden Jesu- aus weißen Leinwandstreifen mit fünf aufgenähten roten Tuchstückchen. Darunter der schwarze Schleier und weißes Brusttuch. Birgitta hält ein aufgeschlagenes Buch in der Hand, aus dem ein Papierstreifen mit der Aufschrift Regula (Ordensregeln) hängt. Hinter Birgitta sind drei vornehme Frauen zu sehen. Am linken unteren Bildrand hält ein Engel das dritte aufgeschlagene Buch des Gemäldeteils, in dem der Text "Revelationes S.Pirgitae" (Visionen/Offenbarungen der hl.Birgitta) zu lesen ist. Über der Szene schwebt der Erzengel Michael in Rüstung mit gezogenem Schwert. Sein Schild sendet einen Blitz zu Personen, die das Böse der damaligen Zeit (stürzender Satan) symbolisieren. Ein


Bestätigung des Birgittenordens

Ketzer mit Schriftrolle, ein drachenähnliches Wesen mit drei Schlangenköpfen, ein Pfau für den Stolz, ein Ziegenkopf und ein nackter Mann mit einer brennenden Fackel neben sich. Auf der anderen Seite steht ein Weinberg für das Gute in der Welt.

Wappen im Rahmen des Kuppelbildes

 
Rosenkranzbruderschaft   -  Herrenkonvent
Im Rahmen des Kuppelbildes sind vier
Wappen zu sehen:
- im Osten das des Frauenkonvents,
- im Norden das der Altobruderschaft,
- im Westen das des Herrenkonvents u.
- im Süden das der Rosenkranzbruder -
   schaft
.
 
Frauenkonvent     -     Altobruderschaft


Unterhalb der Gemälde, an den acht grünen Kuppelzwickeln, sind rosa gefärbte Engelkarytiden (Gebälkträgerinnen) angebracht.

Die Fresken wurden 1871, 1898, 1907, 1928 und 2000-2003 renoviert.

In den Kirchen des Birgittenordens befinden sich auf Anordnung der hl.Birgitta Figuren aller zwölf Apostel (Apostelzyklus). In Altomünster stehen sie als Assistenzfiguren an den Altären.


Taufstein


Taufstein 14.Jh
In der Südwestnische steht der fast 1 Meter hohe spätgotische Taufstein aus Rotmarmor (14.Jh). Er besitzt ein kanneliertes Becken mit zwei Eisenringen, das auf einem ebenfalls kanneliertem Säulenstumpf ruht. Auf dem marmorierten Holzdeckel in Form einer stark eingezogenen Zwiebelkuppel sind barocke Schnitzfiguren von St.Johannes dem Täufer mit Kreuzstab, Schriftband (Ecce Agnus Dei) und Taufschale und den die Taufe empfangenden Jesus angebracht.
Sie stammen vom Dachauer Bildhauer Franz de Paula Arnoldt (1724-1788), der auch die Figur des gefes-selten Heilands im Kerker, die großen Altofigur im Turm (jetzt ersetzt) und das Speisgitter geschnitzt hat.

Taufsteinfiguren
Hinweis: Die Taufe der frühen Christen fand ursprünglich im Freien statt, überall dort, wo fließendes oder stehendes Wasser vorhanden war. Mit der Verlegung der Taufe in den Kircheninnenraum schuf man dort eigene Taufbecken. Als sich im 11.Jh die Praxis der Kindertaufe weitgehend durchsetzte, begann man mit der Errichtung erhöhter Taufgefäße; die Bodenbecken erwiesen sich für die Kindertaufe als weniger geeignet. Das Taufbecken ist meist aus Stein. Es hat in der Regel eine achteckige Form, weil die Zahl acht und das Achteck als Symbol für Erneuerung, Wiedergeburt und Herrschaft angesehen werden. Taufbecken und Deckel sind meist mit ornamentalem oder architektonischem Zierrat geschmückt. In der Barockzeit wurde auf dem Deckel häufig die Taufe Jesu figürlich dargestellt. Sie ist Vorbild für das Taufsakrament und  geht auf Empfehlungen des Konzils von Trient (1545 bis 1563) zurück.  Die Worte "Ecce Agnus Dei - übersetzt: Seht das Lamm Gottes, das die Schuld der ganzen Welt wegnimmt" sprach Johannes der Täufer, als er Jesus erstmals begegnete (Joh.1,29)


Beichtstühle


An der Süd-und Nordseite sind in die Wand unter den Emporen vier barocke Beichtstühle (aus der Erbauungszeit - 1773) eingelassen. Sie sind weiß lackiert und mit vergoldeten Verzierungen geschmückt.

Beichtstuhl
Der Beichtstuhl entwickelte sich erst ab dem 16.Jh zu einem feststehenden, meist dreiteiligen, mehr oder weniger geschlossenen Beichtgehäuse mit dem erhöhten Mittelteil für den Priester und mit der Trennung von Priester und Beichtenden durch eine Zwischenwand mit Sprechgitter.
 
Hinweis: Über Jahrhunderte hinweg wurde das Bekenntnis der Sünden offen im Kirchenraum beim Sitz (Kathedra) des Bischofs, später bei dem des Priesters im Altarraum abgelegt. Dieser besonders hervorgehobene Sitz des Beichtvaters war die Ausgangsform des Beichtstuhls. Durch die irisch-schottischen Mönche wurde die Beichte im 10.Jh individualisiert, d.h., nicht mehr öffentlich abgelegt. Dazu bedurfte es nicht nur einer größeren Zahl von Priestern, sondern auch neuer Einrichtungsgegenstände. Der heutige Beichtstuhl entwickelte sich allerdings erst ab dem 16.Jh. zu einem feststehenden, meist dreiteiligen, mehr oder weniger geschlossenen Beichtgehäuse mit dem Mittelteil für den Priester (in dem der Priester sitzt - deshalb Beichtstuhl) und mit der Trennung von Priester und Beichtenden durch eine Zwischenwand mit Sprechgitter. Die Beichtenden knien abwechselnd in den Seitenteilen. Damit wurden bessere Bedingungen für einen anonymen Vollzug der Beichte geschaffen. In neuerer Zeit bieten sogenannte Beichtzimmer mit ihrer persönlichen Atmosphäre eine räumliche Alternative für Beicht- und Glaubensgespräche. Die Beichte geht auf das Bibelwort "Er hauchte sie an und sprach zu ihnen: Wem Ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem Ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert" (Joh 20,22) zurück.

Darüber sind rote Emblemkartuschen zu sehen. An der Nordwand zwei Hände, die sich eine Krone reichen. Seitlich davon zertreten Füße, die Abzeichen geistlicher und weltlicher Macht. Die Inschrift HANC NON ISTA (diese und keine anderen) verweist darauf, dass Birgitta nach der Krone des Lebens und nicht nach geistlichen oder weltlichen Würden strebte. In der Kartusche auf der Südseite lehnen an einer Säule ein Pilger- und ein Birgittinnenstab. Im Hintergrund zwei Stadtansichten. Die Inschrift PEREGRIANDO (durch Wandern) weist auf die zwei großen Pilgerfahrten von Birgitta nach Santiago de Compostela und nach Jerusalem hin.

                 Prozessionsstangen

An den Kirchenbänken sind Prozessionsstangen mit rd. 40 cm hohen Heiligenfiguren befestigt, die zumeist aus dem 18.Jh stammen. Vorhanden sind Stangen mit Figuren der Heiligen Florian (um 1700), Josef (18.Jh), Leonhard, ein hl.Bischof (um 1700), Moses (18.Jh), Mönch (18.Jh), unbekannter Heiliger (18.Jh).


Prozessionsstangen-Figur St.Alto

Kirchenbänke

Die noch aus der Erbauungszeit stammenden Kirchenbänke haben reich verzierte Rocaillewangen, die der Klosterbruder Martin Offner geschnitzt hat. Offner war ein Kunsthandwerker. Er hat auch das schöne große Gitter, die daran angebrachten Opferstöcke und die Apostelleuchter geschmiedet.
Bis 1885 hatten die Gestühlsteile getrennte Podeste. Die Bänke bestehen aus Eichen- und Nadelholz.

Kirchenbank-Wange


Die Bestuhlung im Hauptraum erstreckt sich ohne Mittelgang über die ganze Breite des Kirchenraums. Männer und Frauen sind durch eine Mittelwand aus Holz getrennt. In Altomünster ist übrigens die rechte Seite die Frauenseite; ein Hinweis auf die "Herrschaft der Frauen" im Kloster. Ein Teil der Kirchenbank-Wangen hat eine blaue Farbe. Es handelt sich um ein sog. "Smalte-Blau", das bei der Restaurierung 2003 mit viel Aufwand hergestellt wurde: Für einen Liter Farbe ist u.a. das Eiweiß von 10 Hühnereiern erforderlich.
An den Kirchenbänken auf der tiefen Empore sind noch die Namensschilder angebracht, die früher den Bewohnern eines Hofes oder den Mitgliedern einer Familie einen festen Platz sicherten. Diese festen Plätze in der Kirchenbank waren in der Regel an den Hof gebunden; der Käufer eines Anwesens erwarb auch den mit dem Anwesen verbundenen Kirchenstuhl.

Namensschild
Solche Namensschilder sind auch noch in den Kirchen von Ainhofen, Odelzhausen, Dachau, Ebertshausen, Eglersried, Einsbach-Hl.Blut, Langenpettenbach, Puchschlagen, Asbach und in der Taxakapelle erhalten.
 

Hinweis: Kirchenstühle gab es nicht von Anfang an in den Kirchen. Die ersten 1500 Jahre standen die Gläubigen oder bewegten sich langsam im Raum. Lediglich für Alte und Schwache gab es einige Stühle an den seitlichen Wänden. Ohne Kirchenstühle fasst eine Kirche viel mehr Menschen; bei dichtem Gedränge während des Gottesdienstes schien der Raum voller Bewegung zu sein. Das feste Gestühl wurde zum Spiegel einer disziplinierten Gemeinschaft, in der jeder seinen festgefügten Platz hatte. Im 16.Jh. wurden zuerst die evangelischen Kirchen mit Bänken ausgestattet, weil dort die Predigt als Medium der Heilsvermittlung einen größeren Raum einnimmt; beim Sitzen ist der Zuhörer aufmerksamer, geduldiger und ruhiger. Die katholischen Kirchen zogen erst später nach. Die Bestuhlung war einer der Gründe, dass die Kirchen zu Beginn der Barockzeit vergrößert werden mussten.
Eine Besonderheit hat Altomünster noch: Während sonst in der Regel die rechte Seite der Kirchenbänke den Männern vorbehalten war, ist in Altomünster die rechte Seite die Frauenseite. Grund dafür ist, dass im Gemeinschaftskloster die Ordesfrauen das Sagen hatten und den Priestermönchen vorgesetzt waren. 44

Kristalleuchterzur Beschreibung der ProzessionsstangenfigurenKristalleuchter zur Beschreibung der Kanzel zur Beschreibung des Kanzelkreuzes zur Beschreibung der Prozessionsstangenfiguren zur Beschreibung der Orgel zur Beschreibung des Taufsteins Frauenchor, von dem aus die Predigt gehört wurde zur Beschreibung der Deckenfreskenzur Beschreibung der Kirchenstuhlwangen KanzelEvangelist LukasKanzelkreuz
Der Hauptraum - Blick vom Beichtraum zum Eingang
Vergrößerung von 8 Details (Orgel, Decke, Kanzel, Kanzelkreuz, Figuren)
per Mouseklick
Bei Dunkelheit wird der Kirchenraum durch Kristallleuchter mit Lampen in Kerzenform erhellt.

Leuchter
Kanzel
Am südöstlichen Pfeiler, am Übergang zum nächsten Raum ist rechts die Kanzel (von Franz de Paula Arnold ?) angebracht. Sie ist aus Holz geschnitzt und rotgrau marmoriert. Das Schnitzdekor ist vergoldet, der Skulpturen-schmuck polychrom (=mehrfarbig) gefasst.

Kanzel
An den Ecken des rechteckigen Kanzelkorbs sitzen Putti
mit den Symbolen der vier Evangelisten Matthäus (Engel), Markus (Löwe), Lukas (Stier) und Johannes (Adler).
Die Putten halten geöffnete Evangeliare (Bibeln) mit dem Text des Weihnachts-Evangeliums in der Hand. (Matthäus Kap.2, Vers 1 - Lukas 2,1 - Johannes 1,1. Da das Markusevangelium keine Weihnachtsgeschichte enthält, fehlt beim Löwen auch das Buch.

Kanzel-Detail
Der geschwungene, annähernd rechteckige Kanzelkorb ruht auf einer trichterförmigen Konsole. Die Rückwand (Dorsale) ist von zwei Pilastern eingerahmt. Auf den Voluten des Schalldeckels sitzen Putti auf einem Volutenbügel. Der oberste bläst auf einer Posaune.
  Hinweis: Das Motiv des Posaunenengels geht auf Papst Leo I. (440-461) zurück, der schreibt, dass von der Kanzel die Posaune des Evangeliums ertönt. Der Posaunenengel ist auch Zeichen für das jüngste Gericht. Der Engel bläst nicht zu den Kirchenbesuchern, sondern zum Altarraum, also nach Osten. Aus dieser Richtung wird Christus am Weltenende erwartet. Nach der Bibel ist übrigens der Posaunenengel der einzige Engel, der fliegen kann. 11


Kreuzwegbilder

An den Seitenwänden des Hauptraums und der weiteren Räume im Laienbereich hängen große Kreuzwegbilder in neubarocken Schnitzrahmen (Öl auf Leinwand). Sie wurden 1908 von Emil Boehm(e) nach einer berühmten Vorlage gemalt.

Dabei handelt es sich um den vom italienischen Künstler Giovanni Domenico Tiepolo (1727-1804) im Jahr 1747 für das Oratorium von San Polo in Venedig gemalten Kreuz-weg. Der war übrigens der erste Kreuzweg für Kirchen-innenräume in Venedig. Denn kurz vorher war diese Form der Passionsandacht von Papst erst eingeführt worden. Allerdings unterscheidet sich der Altomünsterer Kreuz-weg in Details vom Original. So fehlt in der 3.Station der berühmte Hund, der dem Geschehen zusieht.
Die neubarocken Rahmen fertigte Franz Wirth 1909 an.

Interessant ist, dass auch die 60 Jahre früher entstan-denen Kreuzwegbilder in Kleininzemoos oder in Obermar-bach den Tiepolo-Bildern gleichen.


Kreuzwegbild

Als Kreuzweg werden die aufeinanderfolgenden bildlichen oder plastischen Darstellungen bezeichnet, die meist aus vierzehn Stationen der Leidensgeschichte Jesu, angefangen von der Verurteilung durch Pilatus bis hin zur Grablegung, bestehen. Seinen Ursprung hat der Kreuzweg im Brauch der Pilger, bei Wallfahrten nach Jerusalem den Leidensweg Jesu auf der "Via Dolorosa" nachzugehen.Im späten Mittelalter wurde die Kreuzverehrung insbesondere durch den hl.Franziskus von Assisi gefördert, der durch die Stimme des Gekreuzigten vom Kreuz in St.Damiano zu einem christlichen Leben bekehrt wurde. Seit dieser Zeit wurden Kreuzwegandachten als Ersatz für die Pilgerfahrt ins Heilige Land abgehalten. Die Stationen bildeten dafür die Leidensstätten Jesu nach. Auf diese
Weise konnte der letzte Weg Jesu vor Ort nachge-gangen und sein Leiden anschaulicher betrachtet werden. Kreuzwegdarstellungen in Deutschland entstanden erstmals in und bei Klosterkirchen, auf Anhöhen und bei Wallfahrtsorten, insbesondere in der Nähe von Franziskanerklöstern. Mit der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert hielten sie als Kreuzwegbilder Einzug in die Innenräume der Pfarrkirchen und verbreiteten sich zunehmend. Papst Clemens XII. erkannte im Jahr 1731 mit seinem Breve Unterweisungen über die Art, wie man den Kreuzweg abhalten soll diese Form des Kreuzwegs als kanonisch an und bedachte ihn mit großzügigen Ablässen.

1. Station
Jesus wird von Pilatus zum
Tode verurteilt
2. Station
Jesus nimmt
das Kreuz
auf seine Schultern
3. Station
Jesus fällt
zum ersten Mal
unter dem Kreuze
4. Station
Jesus begegnet
seiner
Mutter Maria
5. Station
Simon v.Cyrene
hilft Jesus
d. Kreuz tragen
6. Station
Veronika reicht
Jesus das
Schweißtuch dar
7. Station
Jesus fällt
zum zweiten Mal
unter dem Kreuze
8. Station
Jesus tröstet
die weinenden
Frauen
9. Station
Jesus fällt
zum dritten Mal
unter dem Kreuze
10. Station
Jesus wird seiner
Kleider beraubt
11. Station
Jesus wird ans
Kreuz geschlagen
12. Station
Jesus
stirbt am Kreuz
13. Station
Jesus wird
vom Kreuz
abgenommen
14. Station
Jesus wird
ins Grab gelegt

Wenn Sie sich eine Zusammenstellung von Kreuzwegbildern aus den Kirchen des Dachauer Landes ansehen und mehr über die Geschichte des Kreuzwegs erfahren möchten, klicken Sie hier...

 

Apostelleuchter und Apostelkreuze

Darüber sind kunstvolle Apostelleuchter von Frater Martin Offner (1765) angebracht, der auch das Gitter und die daran angebrachten Opferstöcke geschmiedet und Kirchenbankwangen geschnitzt hat.
Es sind einarmige Leuchter, die teilweise vergoldet sind. Unter dem Kerzenteller ein Cherub.

Apostelleuchter

Die Apostelleuchter werden auch im Verzeichnis der Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern von 1895 enthalten. Dort heißt es:
"Im Laienschiff befinden sich an den Pilastern und in den Nischen zwolf Apostelleuchter, vergoldete Schmiedearbeit von seltener Zierlichkeit, ebenfalls aus dem späteren 18. Jahrhundert. Länge 48 cm." 99)
Die Apostelkreuze an der Wand sind stuckiert.

  Die Apostelleuchter und -kreuze erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlischen Jerusalems.



Kreuzigungsgruppe

Der Kanzel gegenüber hängt das sog. Kanzelkreuz mit einer darunter stehender Figur der Schmerzensmutter (mater dolorosa) in blaurotem Gewand und einem Schwert in der Brust. Beide Figuren sind überlebensgroß.
    
Kanzelkreuz
Der Korpus des Kanzelkreuzes stammt aus dem 16.Jh., dem Übergang von der Gotik zum Barock.
Bei der Renovierung im Jahr 2002 wurden die Originalbemalung und der Originalkopfschmuck aus Echthaar wieder hergestellt. Die Figur der schmerzhaften Muttergottes soll von Franz de Paula Arnoldt geschnitzt worden sein.
  Hinweis: Das Kreuz heißt Kanzelkreuz, weil es in der Regel der Kanzel gegenüber an der Wand angebracht ist. Es erinnert den Prediger an den 1.Korintherbrief (1,3), in dem der hl.Paulus schreibt: "Wir predigen Christus als den Gekreuzigten". Die Ansprache soll nicht weltliche Dinge, sondern den Tod und die Auferstehung Christi zum Inhalt haben. Das Schwert in Marias Brust erinnert an das Simeonwort im Lukasevangelium (Kap 2,35)bei der Darstellung im Tempel: "Dir selbst wird ein Schwert durch die Seele dringen" .  

 

Opferstöcke

In der Kirche sind viele Opferstöcke unterschiedlicher Gestaltung angebracht. Die ersten beiden, relativ kleinen Opferstöcke hängen am Schmuckgitter des Eingangs zum Hauptraum und wurden um 1770 vom Klosterbruder Martin Offner gefertigt, der auch das Gitter und Apostelleuchter geschmiedet und die Kirchenbankwangen geschnitzt hat.

Ein schöner alter Opferstock mit Holzsockel steht in der Nordwest-Nische. Er ist mit zwei Eisenbändern gesichert. Über ihm ein Bügel, der das Herausfischen von Geldscheinen verhindern soll. Der Opferstock stammt aus der Zeit um 1700.

      
verschiedene Opferstöcke
Neben den Seitenaltären hängen wieder kleinere Exemplare. Auch der Sockel der Mater dolorosa  unter dem Kanzelkreuz enthält einen Opferstock.

Schließlich warten im Beichtraum weitere Opferstöcke an der Wand auf Spenden. In den Kirchen des Landkreises Dachau gibt es viele unterschiedliche, außerordentlich interessante Opferstöcke. Wenn Sie sich dafür interessieren, klicken Sie hier...




O
rgel

Auf der besonders geschmückten Westempore im ersten Stock steht die Orgel im prächtigen Rokokogehäuse. Über den Orgelpfeifen das Ziffernblatt einer Uhr. Das rot marmorierte Orgelgehäuse stammt aus der Zeit um 1760 und wurde für die große Klosterkirche von Taxa geschaffen. Es ist mit vergoldeten Schnitzereien verziert. Sockel und Spieltisch sind aus marmorier-tem Holz. 1984 wurde das fünfteilige Gehäuse von der Fa Binapfl restauriert.


Orgel

Die Außenfelder des Orgelprospekts sind durch den Bogen teilweise dem Blick des Betrachters entzogen.
Der Prospekt erscheint deshalb in Altomünster auch etwas in die Empore eingezwängt. Der erste Pfarrer von Altomünster nach der Säkularisation (Pfr. Nerb) beklagte sich über die Enge auf der Empore und die dadurch hervogerufene Beein-trächtigung des Orgelklangs: "Ich freute mich, die vortreffliche Orgel zu hören, die der Markt

  inzwischen vom Kloster Taxa um 600 Gulden (Wert 2017: 13.200 Euro 105) ) kaufte. Doch der Klang war nicht gut. Die Klosterfrauen ließen ihren oberen Gang nicht durchbrechen; daher mussten einige Pfeifen gestutzt und andere, die stehen sollten, gelegt werden. Weiberregiment !"

Erbauer der Orgel war Johann Franz Michael König (1723-1791) aus Ingolstadt. Bei der Säkularisierung im Jahr 1803 kam das Werk (über eine Versteigerung) nach Altomünster. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die Kirche in Altomünster noch keine große Kirchenorgel, weil die Ordensregeln der Birgittinnen kein Orgelspiel erlaubten. Lediglich ein kleines Orgelpositiv war vorhanden; das wurde bei Ankunft der großen Orgel aus Taxa der Pfarrkirche in Rieden (Lkr. Aichach-Friedberg) überlassen. 1883 wurde die Taxa-Orgel von der Fa. Steinmeyer aus Öttingen überarbeitet. Auch Albert Moser wird in der Fachliteratur mit einer Arbeit in Altomünster im Jahr 1919 erwähnt (zwei Manuale mit 33 Registern).


Orgelspieltisch

Die heutige Orgel (ohne Prospekt) wurde 1986 von der Fa. Sandtner in Dillingen mit 25 Registern und 3 Manualen neu gebaut. Die Uhr ist eine barocke Zutat und soll an die Vergänglichkeit der Zeit erinnern.
 

Disposition der Moser-Orgel von 1919 (nach Brenninger):
I. Manual (C-g'''): Bourdon 16', Principal 8', Gemshorn 8', Salicional 8', Soloflöte 8', Gedeckt 8', Octav 4',
                        Amarosa 4', Rauschquinte 2 2/3', Mixtur 4fach 2', Trompete 8', (Tremolo).
II. Manual (C-g'''):Quintatön 16', Flötenprincipal 8', Echogamba 8', Aeoline 8', Vox Coelestis 8', Nachthorn 8',
                         Philiomela 8', Geigenprincipal 4', Kleingedeckt 4', Nasard 2 2/3', Flautico 2', Terzflöte 1 3/5',
                         Septime 1 1/7', None 8/9'Klarinette 8', Vox humana 8', (Tremolo).
Pedal: (C-f'):        Subbaß 16',Kontrabaß 16', Echobaß 16', Cello 8', Flötbaß 8', Posaune 16'
Koppeln:
             II-I, Ok II-I, Uk II-I, I-P, II-P

Von der Kirchenmusik in der Zeit kurz vor der Säkularisation berichtet der erste Pfarrer nach der Klosteraufhebung, Ignaz Magnus Nerb (Pfarrer von 1805-1837) in seiner Lebensgeschichte 08) ):
  "In Altomünster war ich der erste Chorregent und Organist, ein enthusiastischer Musiker, obgleich der Musik sehr wenig kundig; der Prior hatte ein gutes und schönes Positiv (transportable Orgel) bewilligt. Nach der Birgittinerordensregel ist hier keine Figuralmusik (mehrstimmiger Gesang im Gegensatz zum Choral) und am allerwenigsten durchaus keine Orgel gestattet; daher war hier kein anderer Gesang zu hören als der Choral von den Mönchen. Doch haben der Schulmeister, der Rathdiener und der Hochzeitslader miteinander alle Sonn- und Feiertag nach der Wandlung in der unteren Kirche ein angemessenes deutsches Lied gesungen. So hatte sich die Figuralmusik zum Unwillen der alten Patres immer mehr eingeschlichen. Nachdem ich nach Rom musste, kam der Klosterrichter Rathenbeck zur Orgel, der noch schlechter und ungleich armseliger als Organist war, wie ich".

Nerb war bis 1802 Angehöriger des Birgittenordens und wurde kurz nach der Aufhebung des Klosters vom Bistum als Pfarrer eingesetzt (1805-1837). Im Anschluss an seine Tätigkeit als Pfarrer wurde ihm vom Bayer.König, der damals das Patronat für die Pfarrei Altomünster hatte, das "Nißlsche Benefizium" übertragen 108). Im Schematismus der Erzdiözese München und Freising von 1843 wird er noch als Kammerer des Decanats Sittenbach erwähnt. Nerb war am 31.7.1766 in Großmehring geboren worden und erhielt am 31.10. 1790 in Freising die Priesterweihe. Zwei Jahre später trat er in den Orden ein. 106) Nerb starb 1852 im hohen Alter von 86 Jahren. 107)


Über der Orgelempore befindet sich der sog. Predigtchor der Nonnen. Die Ordensfrauen hatten von ihrem verglasten Nonnenchor über dem Beichtraum aus zwar eine gute Sicht auf den Choraltar und die Altäre im Herrenchor, nicht aber auf die Kanzel. Deshalb wechselten sie zum Anhören der Predigt auf ihrem Stockwerk ganz nach hinten. 

Über dem Durchgang zum sog. Beichtraum beginnt hinter der geschlossenen Ostempore im 2. Stockwerk der Nonnenchor über dem Beichtraum.


In Altomünster hat sich noch ein hölzerner Palmesel erhalten, der früher, und seit einigen Jahrzehnten wieder, in der Prozession am Palmsonntag mitgeführt wird. Es gibt nur noch zwei solche originale Figuren in unserem Gebiet (zweiter Esel in Scheyern).

  Hinweis: Im Mittelalter war es üblich, am Palmsonntag einen lebenden Esel mit einem als Jesus verkleideten Priester in der Palmprozession mitzuführen. Als die Esel seltener wurden, hat man sie durch eine hölzerne Figur auf Rädern ersetzt. Im Laufe der Jahre wurde aber mit diesem Esel viel Unsinn getrieben (mit Brezen behängt, aus der Kirche entführt oder bei Kinderlosigkeit sogar ins Bett gelegt). Wegen dieser Auswüchse wurde der Esel durch bischöflichen Erlass verboten. Die Figuren wurden zu Brennholz zerschlagen. Deshalb sind heute kaum noch Palmesel vorhanden. Es ist kein Zufall, dass beide erhaltenen Figuren in Klöstern zu finden sind.



W
eihnachtskrippe

In der Weihnachtszeit steht an der gesamten linken Seite im Hauptraum eine Krippe mit lebensgroßen Figuren.
Vorne die Hirten mit ihren Tieren, in der Mitte der Stall, im hinteren Teil die Heiligen Dreikönige.
 


Wegen des Umfangs der Internetseite über die Kirche in Altomünster finden Sie die Beschreibung der übrigen Räume auf eigenen Seiten, auf die Sie durch einen entsprechenden Mouseklick gelangen können.

Hans Schertl

zum Beichtraum.und Nonnenchor
zum Altarraum...
zum Herrenchor...
Beichtraum Hauptraum Altarraum Herrenchor

 

Pfarrhaus


          Pfarrhaus

Im Klostertrakt liegt auch das schöne Pfarrhaus mit Walmdach, das um 1690 als Gästehaus des Klosters für den Bischof errichtet wurde (es z.T. immer noch als Bischofshaus bezeichnet). Zum Pfarrhof wurde es 1803. Im Inneren besitzt es mehrere barocke Stuckdecken. Lange Zeit war hier das Pfarrbüro eingerichtet; zudem wurde es von vielen kirchlichen Gruppen genutzt. Um 2012 sollte das Pfarrhaus verkauft werden; doch die Gläubigen zeigten durch eine Unterschriftenaktion, dass sie das Pfarrhaus als kirchliche Einrichtung in der Pfarrei, als Treffpunkt für die Ministrantengruppen, Eltern-Kind-Gruppen, Nachbarschaftshilfe, Frauenbund, Kolpingsfamilie und die Jugend erhalten wollen. Das Ordinariat hat seine Zustimmung signalisiert.

Die Pfarrei Altomünster möchte das Haus zu einem Pfarrzentrum mit Konferenz- u. Gruppenräumen, einem Raum der Stille, einem Chorübungsraum, einer Übernachtungsmöglichkeit für Priester und einem 100-qm-Pfarrsaal als Anbau umwandeln. Das Pfarrbüro soll weiterhin im Katharinenhaus bleiben.




Die Kirche ist an Sonntagen ganz und sonst zu den Gottesdienstzeiten geöffnet. In der übrigen Zeit kann man das Innere durch ein Abschlussgitter bewundern. Kostenlose Führungen finden an jedem Sonntag um 14.00 Uhr statt. An Markttagen (Palmsonntag, Pfingstmontag, Magdalenenmarkt, Kirchweihmarkt) werden zwei Führungen, um 13 Uhr und 14 Uhr, gehalten.
Weitere Führungen nach Terminabsprache unter Telefon-Nr. 08254/8235.

weiter zu Berichten über das Pfarrleben...


Quellen
:
siehe Kurzbeschreibung (hier klicken)...

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

21.12.2015

Meditativer Wanderweg

Im Sommer 2012 wurde ein meditativer Wanderweg zwischen dem (früheren Kloster) Petersberg und dem Kloster Altomünster angelegt; der Weg führt 9 km etwa 2 km östlich der Bahnlinie durch das Dachauer - und das Altoland. 14 Stationen mit Kunstwerken, Hinweistafeln und Sinnsprüchen regen zur inneren Einkehr, zum Nachdenken und zum In-Sich-Gehen /Ins Ich Gehen an.
So ist z.B. an der Station "Gleichgewicht" eine Wippe installiert, an der der Wanderer versuchen kann, die Balance zu halten. Eine begehbare Sonnenuhr arbeitet mit dem Schatten der Wanderer als Uhrzeiger. An der Station "Vertrauen" wird auf einem Barfußpfad der Tastsinn erprobt. Eine in den Boden eingelassene Windrose und ein maßstabsgetreues Modell von Sonne und Erde ergänzen die Kunstwerke. Jede Station ist auch mit einer Sitzgelegenheit ausgestattet.
Infotafeln an den S-Bahnhöfen, am Petersberg und in Altomünster sowie eine durchgehende Beschilderung am 9 km langen Weg selbst leiten den Wanderer. Mehr dazu finden Sie auf der Internetseite der Gemeinde Erdweg; klicken Sie hier...


7-Klöster-Weg

Altomünster ist auch Endpunkt des 7-Klöster-Wegs, eines Radwegs, der die Standorte von sieben bestehenden oder ehemaligen Klöstern im Dachauer- und Wittelsbacher Land miteinander verbindet. Entlang der Radltour werden der historische Hintergrund, der Bezug zur Kunstgeschichte und zum Geistlichen Leben an jedem Klosterstandort ansprechend dargestellt. An vielen Klosterstandorten befinden sich heute noch neben geistlichen Einrichtungen Bildungshäuser, Orte sozialer Integration oder Museen.
Die Klöster sollen durch diesen Radweg wieder ins Bewusstsein gerufen und als Schatz des Dachauer Landes erfahrbar werden. Die Tour führt zu zahlreichen Wirtshäusern, Klostergaststätten, Cafés und Biergärten.
Die sieben Klöster sind:
1. Schönbrunn (Gem.Röhrmoos). Bestehendes Kloster der Assoziation der Diener und Dienerinnen der Göttlichen Vorsehung"
    im ehem. Schloss Schönbrunn. Große Behindertenanstalt.   ... mehr über Kloster Schönbrunn...
2. Weichs. Bestehender Schulorden der Armen Schulschwestern von Unserer Lieben Frau im ehem. Schloss der Reichsfreiherren.
3. Indersdorf. Ehem. Augustinerkloster von 1126-1783. ... mehr über Kloster Indersdorf...
4. Petersberg (Gem.Erdweg). Ehem. Kloster von 1104-1123.   ... mehr über den Petersberg...
5. Altomünster. Birgittenkloster seit 1496, vorher Benediktinerinnenkloster, um 760 Eremitenzelle von St.Alto  ... mehr darüber...
6. Maria Birnbaum (Gem.Sielenbach). Deutscher Orden. Wallfahrtskirche erbaut 1659. ... mehr über Maria Birnbaum...
7. Taxa (Gem.Odelzhausen). Ehem. Kloster der Augustiner-Barfüßer von 1654-1802. ... mehr über Kloster Taxa...

Der Radweg ist rd. 100 km lang. Er ist in beide Richtungen mit dem 7-Kloster-Logo beschildert und kann so von jedem Kloster aus begonnen werden.