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Stadtpfarrkirche St. Jakob in DACHAU


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Kurzbeschreibung

Als Pfarrei wird Dachau mit den Filialen Prittlbach, Etzenhausen und Goppertshofen (Dekanat Bergkirchen) erstmals in der Konradinischen Matrikel von 1315 erwähnt. Die damalige Kirche dürfte um 1240 erbaut worden sein. Der hl. Jakob gilt erst seit 1390 als Patron der Kirche.

Die im Zentrum der Stadt, inmitten von malerischen Bürgerhäusern gelegene Pfarrkirche St.Jakob wurde um 1625 anstelle einer Kirche aus der romanischen Zeit in dem für Altbayern seltenen Stil der Spätrenaissance gebaut. Architekt war ein berühmter Künstler des Münchener Hofes: Hanns Krumpper, ein Schüler des nicht minder berühmten Friedrich Sustris, der übrigens 1584 einen neuen Chor in Dachau errichtet hatte.
1624 wurde mit dem Bau der dreischiffigen Pfeilerhalle begonnen, die sich durch ihr flaches Kreuzgewölbe und den Rahmenstuck in die Breite öffnet. An die Südseite wurde 1629 die Jocherkapelle (siehe Bild links) gebaut, die jetzt als Sakristei verwendet wird.

Der 45 m hohe Turm mit Bogenfriesen aus gebrannten Formsteinen stammt in seinem unteren, quadratischen Teil als einziger Bauteil noch aus gotischer Zeit (um das Jahr 1425).

Er wurde 1676 bis 1678 um das Doppelte durch einen achteckigen Oberbau mit Stabwerkgliederung, krönender Zwiebelhaube und Laterne erhöht. Im Turm hängen 4 Glocken aus dem Jahr 1949.


Türklinke am Westeingang

An der Außenwand eine großflächige Sonnenuhr
des Dachauer Malers und Bürgermeisters Johann Georg Hörmann von 1699.

St. Jakob in Dachau ist die einzige größere Renaissancekirche im Landkreis Dachau (daneben nur noch die Kapelle in Essenbach). Sie wurde in den 380 Jahren ihres Bestehens nur zweimal unwesentlich verändert: Der Turm wurde 1677 aufgestockt und das Langhaus 1926 um ein Joch verlängert.

Die Kirche hat ein breites Mittelschiff, zwei schmale Seitenschiffe und einen kurzen, Chor, der etwas breiter als das Mittelschiff ist.
Obwohl die Kirche reich mit Figuren und Bildern ausgestattet ist, prägt doch die klare Renaissance- architektur den Eindruck der Besucher.

Selten in unserer oberbayerischen Kirchenlandschaft ist der spärliche frühbarocke Rahmenstuck im gesamten Kirchenraum.

Am Hochaltar (von 1939) ein Bild des Münchner Hofmalers Josef Hauber um 1800 (Jakobus, auf dem Gang zur Richtstätte).

Im Altarraum und an den Säulen im Langhaus stehen lebensgroße Figurenvon Christus und den Zwölf Aposteln (1625 von Constantin Pader).

An der Nordseite des Altarraums befinden sich ein prächtiges, mit vielen Edelsteinen besetztes Heilig-Kreuz-Reliquiar aus der Barockzeit sowie ein gotischer Taufstein mit einer schönen Figurengruppe von Adam Luidl.

Taufstein AltaraufsatzUhr KreuzreliquiarZelebrationsaltarTabernakellinker Seitenaltar - zur Vergrößerung bitte klickenrechter Seitenaltar-zur Vergrößerung bitte klickenMarienfigur auf dem Altar zur Vergrößerung bitte klickenFiguren auf Taufbecken -zur Vergrößerung bitte klickenApostel JakobusÂpostel Johannes
Vergrößerungen von9 Einzelheiten
(Figuren, Hochaltarbild, Seitenaltäre, Taufstein, Decke)  per Mouseklick

Die ehem. Heilig-Blut-Kapelle von 1629 an der Chorsüdseite wirkt wie ein barockes Querhaus, dessen Obergeschoss sich gegen den Chor hin als Empore öffnet. Der Bau ist auch als Jocherkapelle bekannt, benannt nach dem kurfürstlichen Rat und Pfleger von Dachau, Wilhelm Jocher.

Die Seitenaltäre sind barocke Stuckmarmor-Retabeln mit jeweils vier gewendelten Säulen und mit Altarblättern von Franz Josef Wurm (1853) im sog. Nazarenerstil (Maria mit Kind und Heilige Familie). In der Predella beider Altäre sind Skelettreliquien von Katakombenheiligen ausgestellt.

Weitere Heiligenfiguren und Bilder , eine spätgotische Kreuzigungsgruppe sowie prächtige Epitaphe sind an den Innenwänden des Kirchenschiffs angebracht. Auch in die Außenwände sind viele Grabplatten eingemauert.

Auf der zweigeschossigen Empore steht eine 1997 angeschaffte Vleugens-Orgel mit zwei Manualen und 31 Registern.

Die Seitentüren stammen noch aus der Erbauungszeit (1625); sie sind mit Heiligenreliefs geschmückt.

Die Kirche St.Jakob gehört mit den beiden Klosterkirchen in Indersdorf und Altomünster zu den bedeutendsten Kirchen im Landkreis.

Gottesdienstordnung der Pfarrei St. Jakob Dachau: klicken Sie hier...

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Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen


 Geschichte:  Erste Nennung 805  Kirchenbau 1240  Matrikel 1315  Kirchenumbau 15.Jh  Matrikel 1524
 Visitation 1560  Neubau 1625  30jähriger Krieg  Matrikel 1738  Beschreibg 1874
 Erweiterung 1926  Benefizien  Bruderschaften  Schlosskapelle  
       Alte Zeitungsberichte aus dem Pfarrleben
 Ausstattung:  Altarraum  Apostelleuchter  Apostelfiguren  Baubeschreibung  Bilder im Chor
 Bilder im Schiff  Choraltar  Empore  Epitaphe außen  Epitaphe innen
 Ewig-Licht-Ampel  Fenster  Figuren im Chor  Figuren im Schiff  Gottesdienstordnung
 Heiliges Grab  Jocher-Kapelle  Kirchenschiff  Kirchenbänke  Kreuzweg
 Kreuzigungsgruppe  Krippe  Matrikel v.1315  Matrikel v.1524  Matrikel v.1740
 Maria-7-Schmerzen  Orgel  Opferstock  Portale  Reliquien
 Sakristei  Sonnenuhr  Seitenaltäre  Taufstein  Tabernakel
 Vortragekreuze  Weihwasser  Zelebrationsaltar    

Geschichte der Pfarrei und der Kirche

Erste Nennung 805
Der Ort und die Kirche von Dachau werden in einer Freisinger Urkunde vom 15. August 805 als eine nur wenig früher entstandene Siedlung in "Loco Dahauua" erstmals genannt, wobei die althochdeutsche Namensableitung von daha = Lehm als lehmige Au" gedeutet werden kann. Die Urkunde Nr. 218 aus der Sammlung Freisinger Traditionen berichtet einer Frau namens Erchana, die der Kirche zu Dahawa (Dachau) Land und Unfreie schenkt. Sie und ihr Bruder Arpio, ein Kleriker, ,haben das geschenkte Besitztum wohl danach vom Bischof wieder als Lehen erhalten. Mit Vertrag vom 28.Januar 817 haben sie es zurückgegeben.


Damals gehörte Dachau wohl noch zur Pfarrei Steinkirchen, der Urpfarrei für das Dachauer Gebiet. Im 13.Jh wurde der Pfarrsitz von Steinkirchen nach Mitterndorf verlegt. Ungefähr zur gleichen Zeit wurde die seit 1240 bestehende Filialkirche St.Jakob aus dem Pfarrsprengel ausgegliedert und zur eigenen Pfarrei erhoben. Möglicherweise stand dies im Zusammenhang mit dem Pfarrsitzwechsel oder der Markterhebung Dachaus. Vom 16.Juni 1314 stammt die erste urkundliche Benennung des Dachauer Pfarrherrn Perchdolt.

Kirchenbau um 1240
Die erste Kirche am Platz der heutigen Stadtpfarrkirche St.Jakob wurde um 1240 im romanischen Stil erbaut. Der Bau stand vielleicht im Zusammenhang mit dem der neuen Straße von München über Dachau nach Augsburg, die von den neuen bayerischen Herrschern, den Wittelsbachern angelegt worden war. Die Wittelsbacher hatten 1183 Dachau und 1240 München in die Hand bekommen. Der Patron St.Jakob wurde seit dem Ende des 12.Jh -als sich die europaweite Wallfahrt nach Santiago etabliert hatte- auch als Schutzheiliger der Pilger, Wanderer und Fuhrleute verehrt. Das Pfarrhaus mit den dazugehörenden Wirtschaftsgebäuden entstand zwischen der Kirche und der Herzogsburg, die bis zum Brand 1403 in der Wieningerstraße stand.

Freisinger Matrikel 1315
Schriftlich wurde Dachau als Pfarrei erstmals in der Konradinischen Matrikel (Matrikel=Verzeichnis) von 1315 erwähnt, mit den Filialen Prittlbach, Etzenhausen und Goppertshofen. Der Dekan residierte damals in Bergkirchen. Der älteste Jahrtagseintrag stammt aus dem Jahr 1359, den ein Bürger mit dem nicht sehr vorteilhaften Namen "Heinrich Bscheißenteuffel" gestiftet hat.
Seit 1390 ist belegt, dassSt. Jakob Patron der Kirche ist. Damals stifteten die Bürger Berchtold Ruedl ein ewiges Licht und Kunrad der Purgschlögl eine ewige Kerze. Nach Heinrich Rauffer steht das Patronat der Kirche mit ihrem Standort im Zusammenhang: An der früheren Salzstraße von Salzburg nach Augsburg gelegen, sei sie dem Patron der Pilger und Reisenden, St. Jakob geweiht worden.


Auszug aus der Karte von Apian 1568
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Umbau 15.Jh
Im Jahr 1403 dürfte auch die Kirche St.Jakob bei der großen Feuersbrunst in Dachau in Mitleidenschaft gezogen worden sein. Vielleicht schon damals, vielleicht auch erst gegen Ende des 15. Jh. wurde sie umgestaltet. Im 16.Jh wird sie jedenfalls als gotische Hallenkirche beschrieben, die 103 Schuh (=32 m) lang und 48 Schuh (=15 m) breit war. Aus der gotischen Zeit stammt auch der Turm mit dem zierlichem Maßwerk an den Außenwänden, in dessen Erdgeschoss sich ursprünglich die gewölbte Sakristei befand. Reste dieses Turms sind noch im unteren viereckigen Teil erhalten.

Jahrtags-Stiftung 1477
Am Donnerstag um den St.Veitstag des Jahres 1477 stiftete der frühere bayerische Herzog Sigismund für sich, für seinen Vater Albrecht III. (gest.1460), seine Mutter Anna von Braunschweig (gest.1474) und seinen älteren Bruder und Mitregenten Herzog Johann IV. (gest.1463 an der Pest), einen feierlichen Jahrtag. Herzog Sigismund hatte sich 1467 zu Gunsten seines jüngeren Bruders Albrecht IV. von der bayerischen Regierung zurückgezogen und behielt nur Bayern-Dachau als Domäne, das nach seinem Tod wieder an Bayern-München fiel.

Freisinger Matrikel 1524
In der Sunderndorfer'schen Matrikel von 1524 ist die Pfarrei unter dem Namen "Tachaw" enthalten. Diese Matrikel beschäftigt sich im Wesentlichen mit den Einnahmen und den Abgaben der Kirche. Sie enthält aber auch die Namen der damaligen Geistlichen. Pfarrherr war Magnus Schöllenberg, ein Freisinger Kanonikus; die Seelsorge vor Ort hatte Vikar Sebastianus Hofer ausgeübt. Das Besetzungsrecht für die neuen Pfarrer lag beim Bistum Freising.
Auch in derSchmidt'schen Matrikel wird die Pfarrei aufgeführt.Der Pfarrhof war nach Aussagen Schmidts renovierungsbedürftig. Die Pfarrei hatte drei Filialkirchen, nämlich "s.Castuli in Brucklpach , s.Laurentii in Hetzenhausen cum sepulturis (= mit Friedhöfen), s.Nicolai in Goppartzhouen sine sepultura" (= ohne Friedhof). Die Pfarrei hatte damals 450 Communicantes (= erwachsene Gläubige). Sie war nach Vierkirchen, Indersdorf, Einsbach und Altomünster die fünftgrößte Pfarrei im Gebiet des heutigen Landkreises.


Auszug aus einer Karte
von Philipp Finkh -1655
Visitationsbericht von 1560
Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation, eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet. Die Visitation wurde durch bischöfliche und durch herzogliche Bevollmächtigte durchgeführt. Grund war die durch die Reformation Luthers (1517) entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen des Bistums zur Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte. Durch die Visitation wollte der Bischof einen detaillierten Einblick in die religiöse Situation der Pfarreien gewinnen. Insbesondere sollte festgestellt werden, ob die Pfarrer und die Gläubigen noch die katholischen Lehre vertraten oder der neuen Lehre anhingen. Daneben interessierte die Prüfer die Lebensführung der Pfarrer sowie Umfang und Qualität ihrer religiösen Kenntnisse Im Bericht über die "Pfarr St.Jakobus in Dachau"heißt es, Pfarrer sei seit 1 Jahr Erasmus Ziernhöld. Er wurde in Dachau geboren und 1555 in Freising zum Priester geweiht. Er war, wie der Visitator feststellte, in Lehre undPraxis
katholisch geblieben, behielt die alten Zeremonien bei und war des Protestantismus "nit verdechtlich". Privat wurde dem Pfarrer ein ehrbarer Lebenswandel bescheinigt. Das galt auch für den jungen Cooperator, der ebenfalls aus Dachau stammte und noch bei den Eltern schlief ("hat sein ligerstatt bei seim vatter zu Dachaw"). Das Essen erhielt er aber im Pfarrhof. Der dritte Priester in der Pfarrei war der 63 Jahre alte Frühmesser, der in jüngeren Jahren dem Zölibat nicht so große Bedeutung beimaß. Er hatte mit seiner -inzwischen leider schon verstorbenen- Köchin fünf Kinder. In der Pfarrei lebten 900 Communicantes, also doppelt so viele wie vor 35 Jahren. Möglicherweise war der zwischenzeitliche Schlossbau dafür verantwortlich. Die Kirche war in gutem Bauzustand. Das galt auch für den Pfarrhof (Pfarrer ist wol behaust").
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Neubau des Chors 1584/86
Schon im 16.Jh war der vorhandene gotische Bau zu klein gewordenen. Die Bevölkerung Dachaus hatte sich auf 130 Häuser mit 1200 (Rauffer: 900) Einwohnern vergrößert, wozu auch der Bau des Schlosses beigetragen haben dürfte. Zunächst wurde in den Jahren 1584/86 der Altarraum durch Friedrich Sustris (1540-1599), dem aus Italien stammenden fürstlichen Baumeister aus München, errichtet und bereits im Renaissancestil gestaltet. Der verlängerte Chor mit zurückgeschobenem Hochaltar brachte aber nur einen unwesentlichen Raumgewinn.

Neubau der Kirche 1624/25

Für eine Erweiterung des Langhauses fehlte aber das Geld. Der Dachstuhl war morsch und das Mauerwerk schadhaft. Der Rat der Stadt arbeitete auf einen Neubau hin und begann Baustoffe, insbesondere Steine anzusammeln.Dafür nützlich warendie
Steinstrafen, mit denen Bäcker, Brauer und Metzger belegt wurden, wenn sie gegen die Lebensmittelverordnung verstoßen hatten. Außerdem gelang es dem Dachauer Pfleger Wilhelm Jocher, sich 30.000 Steine aus dem Schlossabbruch von 1546 zu sichern. 8000 Ziegelsteine steuerte der Freisinger Bischof bei.
Der Bau wurde dem Münchner Baumeister und Planer Hans Krumpper übertragen. Der Auftrag wurde von den Beteiligten, drei Ratsherren und dem Baumeister, auch tüchtig begossen. Die Rechnung weist aus, dass sie zu viert 12 Kannen Wein, d.h., rd. 25 Liter, getrunken haben. Krumpper, seit 1592 ein Schwiegersohn Sustris, war einer der führenden Baumeister seiner Zeit in Bayern und hauptberuflich am Herzogshof tätig. Zum Zeitpunkt des Dachauer Kirchenbaus war er auch mit dem Umbau der Freisinger Domkirche betraut.

Älteste Ansicht der Dachauer Kirche
auf dem Grabstein von Schwankhler 1606
Am 15.4.1624 begann der Abbruch der alten Kirche und am 9.Mai des gleichen Jahres fand die Grundsteinlegung statt. Die Maurerarbeiten führte der Münchner Georg Ernst aus. Krumpper hat das neue Langhaus als dreischiffige Halle mit überbreitem Mittelschiff und mit schmalen Seitenschiffen konzipiert. Je vier Säulen mit kreuzförmigem Grundriß trennen Mittelschiff (mit Kreuzgewölbe) und Seitenschiffe (mit querliegenden Tonnengewölben). Pfeiler und Stuckbänder waren in hellem Grau, das Gewölbe in gelblichem Ocker, die Seitenwände in gedecktem Weiß gestrichen. Die Farben hatten als Grundlage holzgebrannten, mehrere Jahre lang abgelagerten Sumpfkalk, der vollständig atmungsaktiv ist.

Die Bauarbeiten dauerten bis 13. Sept. 1625. Als Zimmermeister war Kaspar Weinbusch aus Dachau beteiligt; das Bauholz brachten Dachauer Flößer auf der Ammer/Amper aus den Wäldern von Peiting und Schongau heran; sie waren seit 1608 zur Ammer-Flößerei privilegiert.
Der erste Gottesdienst im Neubau fand am 31.Oktober 1625 statt. Die Weihe der Kirche erfolgte fünf Jahre später am 25.7.1629 durch den Freisinger Diözesanbischof Veit Adam von Gepeckh (der 1584 in Arnbach geboren worden war). Im Jahr 1629 wurden auch noch die Empore und Jocherkapelle errichtet.
Der Staatsmann und Pfleger Wilhelm Jocher beteiligte sich auch mit eigenen Mitteln an der Finanzierung. Er streckte 300 Gulden ohne Zinsen vor, beglich Maler- und Kistlerrechnungen in Höhe von 796 Gulden, organisierte 600 Gulden von den befreundeten bayerischen Herzögen Wilhelm und Maximilian und spendierte über 800 Gulden für den neuen Hochaltar von Krumpper und Thonauer. Dieser Hochaltar soll ein Altarbild des Münchner Hofmalers Johann Depay enthalten haben; ein Restaurator aus dem Jahr 1781 glaubte sogar darin ein Gemälde von Peter Paul Rubens erkannt zu haben. Das Altarblatt wurde 1810 entfernt, sodass der Maler nicht mehr festgestellt werden kann.
Der Bau der Kirche stand am Ende einer seit 1550 andauernden Blütezeit des Marktes Dachau. Dass diese schon drei Jahre nach der Einweihung, im Jahr 1632 so jäh enden würde, konnte man damals nicht absehen; der Dreißigjährige Krieg war 1629 weit weg, in Norddeutschland und die katholische Partei stand kurz vor dem Sieg. Während der Blütezeit wurden die Kirche, der neue Friedhof, das Schloss und das Rathaus errichtet

Dreißigjähriger Krieg
ImDreißigjährigen Krieg hatte Dachau schwer gelitten. In den ersten Jahren des Krieges war die Kirche geplündert worden. Dies berichtet ein Schreiben des Dachauer Pfarrers an das Ordinariat in Freising vom 12.April 1641. Die Bausubstanz war zwar noch vorhanden, nur das Dach war renovierungsbedürftig. Aber alle Messgewänder und kirchlichen Geräte waren geraubt worden. 1641 hatte man sich wieder zwei Kelche und eine Monstranz beschafft, war aber auf Stiftungen, Sondersteuern und Einnahmen aus "langwürigem opffern" angewiesen. Denn die Einnahmen (Zehent) waren weggebrochen, weil die Bauernhöfe entweder abgebrannt waren ("ganz öedt ligen") oder nur noch die halbe Pacht erbrachten. Auch die Frühmess-Stiftung hatte ihre finanzielle Grundlage verloren, weil das gestiftete Haus "Güettl" abgebrannt war.
1648
, kurz vor dem Ende des Krieges, wurde die Kirche von den abrückenden Schweden in Brand gesetzt. Aus Rachsucht für den Überfall im Dachauer Moos, bei der
der schwedische General Wrangel nur knapp (unter Zurücklassung seines Degens) entkam. .

Die beiden Stiche zeigen jeweils die neue Kirche.

Links ein Stich von Matthias Merian um 1654. Hier sehen wir die Kirche von Südosten. Der noch aus gotischer Zeit stammende Turm scheint aber etwas zu breit geraten.
Rechts die Ansicht der Kirche um 1695 von Michael Wening (aus Nordwesten).
Es zeigt die Kirche mit dem 1678 erhöhten und mit einer Zwiebelhaube und Laterne versehenen Turm.
Michael Wening fügte seinem Stich folgende Beschreibung an: " In der Pfarrkirch darinn die Bruederschafften Corporis Christi und deß heiligen Rosenkrantz auffgericht ist S.Jacobus Major Schutz-Patron dessen silbernes Brustbild sonderbar hoch geachtet wird; benanntlichaber hat allda seinn eygne Grabstatt Herr Wilhelm Jocher von Hechenrhain etc. Churfürstl. geweßter Geheimber Rath und Haupt-Pfleger allhier sambt seiner Ehefrauen welcher für arme und elende Leuth in disem Marck unnd Gericht wie auch zu Erbauung eines neuen Spitals allhier ein zimbliche Summa verschaffet hat.... Ausser deß Marcks vor dem Weblinger Thor stehet ein nit längst erbaute schöne Capell U.L.Frauen von Alten Oeting; Item ein andere saubere Capell mitten in dem allerseyts mit Maur eingefangnen Gottsacker.

Freisinger Matrikel 1738
In den Jahren 1738 bis 1740 hat der Freisinger Kanonikus Schmidt alle Pfarreien der Diözese Freising besucht und in der nach ihm benannten Schmidt'schen Matrikel kurz beschrieben. Die Pfarrei St.Jakob wurde damals seit 1731 von Pfarrer Michael Ambacher betreut. Das Besetzungsrecht (für neue Pfarrer) wechselte monatlich zwischen dem Bistum Freising und dem bayerischen Kurfürsten (=Monatspfarrei; dabei konnte der Bischof einen neuen Pfarrer bestellen, wenn der Vorgänger in den sog.päpstlichen Monaten-ungeraden Monaten wechselte oder verstarb, andernfalls der Herzog). Der Pfarrhof wird als neu erbaut beschrieben. Die Zahl der Gläubigen hatte sich in den vergangen 200 Jahren mehr als verdoppelt und betrug 1155 Communicantes; das war nach Vierkirchen und Indersdorf die drittgrößte Pfarrei im heutigen Landkreis.
Die Pfarrei hatte drei Filialen, nämlich in "Prittelbach, Etzenhausen et Gobbertshoffen". Dazu kamen noch vier Kapellen, St.Nikolaus im Schloss, eine (ehemalige) Friedhofskapelle neben der Kirche, die Marienkapelle "Oettinganae" an der Stadtgrenze und die Kreuzkapelle (Krumpperkapelle) im äußeren Friedhof. Die Pfarrkirche selbst wird als von schöner Gestalt beschrieben. Sie hatte acht (!) Altäre. Der Hochaltar war dem Patron, dem Apostel Jakobus, geweiht. Auf ihm stand der Tabernakel. Deshalb war er auch der Altar für die Bruderschaft zur ewigen Anbetung des Altarsakraments. Aber auch die Georgsbruderschaft feierte hier ihre Gottesdienste. Der zweite Altar war dem hl.Sebastian, der dritte dem hl.Leonhard und der vierte der Jungfrau Maria von der immerwährenden Hilfe geweiht. Der fünfte Altar hatte St.Joseph, der sechste St.Franz Xaver als Patron. Die beiden letzten waren wiederum Marienaltäre: einer war der Jungfrau Maria und der andere der Rosenkranzmadonna gewidmet. Am letztgenannten Altar feierte die Rosenkranzbruderschaft ihre Gottesdienste; diese Bruderschaft sei ein Jahrhundert vorher (also um 1640) gegründet worden. In der Matrikel werden auch Benefizien (Mess-Stiftungen) aus den Jahren 1408, 1714 und 1730 mit ihren Einkünften aufgeführt. Die Beschreibung endet mit den Hinweisen, dass in der Kirche Taufstein und die Heiligen Öle, in der Sakristei genügend Messgewänder vorhanden seien. Im Turm hingen drei geweihte Glocken. Die Einkünfte verwalteten der Pfarrer und der Magistrat des Marktes Dachau. Im letzten Satz (dem einzigen in deutscher Sprache) macht Schmidt Angaben zum Vermögen: "Das eigentliche Vermögen dises Pfarr-Gottshauses ist aus Abgang der Rechnungs-Extracten nit wißlich, wird sich aber yber 1500 fl. (=Gulden) nit vil erstreckhen".

Beschreibung 1874
Um das Jahr 1870 hat der Dombenefiziat Anton Mayer eine Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising erstellt und 1874 als Buch veröffentlicht.
Über die Pfarrei Dachau schreibt er, sie habe 2535 Seelen in 404 Häusern, davon lebten 2061 (in 329 Häusern) im Markt selbst, die übrigen in Etzenhausen (163), Prittlbach (173), Goppertshofen (59), Walpertshofen (24) und Würmmühle (21) sowie in Steinkirchen (nur ein Haus mit 10 Personen nach Dachau) und Webling (nur 24 in 3 Häusern nach Dachau). Der Umfang der Pfarrei betrage 2 1/2 Stunden.
Über die Pfarrkirche berichtet Mayer: "(errichtet im) Baustil des 17.Jh. Restaurirt 1854. Geräumigkeit ungenügend. Baupflicht hat die Kirche. Kuppel-Thurm mit 4 Glocken. Im Inneren 6 Altäre... Orgel mit 16 Registern. Gottesdienste regelmäßig. Donnerstag-Aemter mit Procession. Stiftungen: 59 Jahrtage, 302 Jahrmessen und die von Prof.Dr. Josef Ziegel gemachte und 28.Sept.1869 confirmirte (bestätigte) Mai-Andachtstiftung. Täglich Rosenkranz. Bittgang nach Andechs am Samstage vor Christi Himmelfahrt und nach Puch bei Bruck zur hl.Edigna, gewöhnlich Ende Juni, auf Ansuchen mit geistl. Begleitung. Cemeterium (Friedhof) neu hergestellt und benediciert im October 1865, 10 Minuten von der Pfarrkirche entfernt, an welchem die Gemeinde Baupflicht hat. Bei selbem ist eine hl.Kreuz-Capelle (Krumpperkapelle) und ein im Jahr 1866 erbautes, 1867 benediciertes Leichenhaus.
Mesner wohnt im Meßnerhaus und vertritt bei geringeren Leichenbegängnissen die Cantorstelle. Sonst ist Cantor und Chorregent der Lehrer. Der Dachauer Pfarrer von 1874 war kein Landwirt mehr. Das Widdum, der Pfarr-Bauernhof war bis auf 3 Tagwerk Krautäcker verkauft. Er wohnte -zusammen mit einem Cooperator in dem 1858 erbauten Pfarrhaus. Die Coadjutorstelle war 1874 wegen Priestermangels nicht besetzt.Das Kirchenvermögen betrug damals 26.279 Gulden.

Erweiterung 1926
Im 19.Jh war die Kirche wegen der stetig angewachsenen Bevölkerungszahl wiederum zu klein geworden, wie ja Anton Mayer in seiner Statistischen Beschreibung von1874 schon bemerkt hatte. 1892 wurde ein Umbauprojekt der Pfarrkirche vorgelegt, dem im Laufe der Jahre weitere Vorschläge folgten. Sogar eine Verlegung der Kirche (in das Schloss oder in den Unteren Markt) hatte man in die Planung einbezogen. Erst 1926 wurde die Verlängerung des Langhauses um ein Joch nach Westen (Entwurf von Hans und Paul Gedon, München) tatsächlich ausgeführt.

Renovierung 1967

Benefizien

Frühmeßbenefizium von 1408
Am "Gottesleichnamstage 1408" haben die Marktgemeinde Dachau und Pfarrer Daniel Anstaller ein Frühmeßbenefizium gestiftet. Das Benefizium ermöglichte die Anstellung eines Benefiziaten, der verpflichtet war, täglich die Frühmesse - im Winter um 7 Uhr, im Sommer um 6 Uhr- zu lesen, an Sonn-und Festtagen für die Stifter zu beten und eine Frühlehre zu halten. Daneben hatte er in der Seelsorge auszuhelfen und Beichte zu hören. Das Patronat der Stiftung (Entscheidung über die Besetzung der Benefiziatenstelle) hatte der Magistrat von Dachau. Der Benefiziat wohnte in einem eigenen Beneficialhaus mit 21 Tagwerk Grundflächen der Bonität 17. Die Baupflicht am Gebäude hatte der Magistrat. Das Beneficium war einträglich: Den Einnahmen von 781 Gulden standen nur 50 Gulden Ausgaben gegenüber.
Mörz-Benefizium von 1714
Das Mörz-Beneficium stammt aus dem Jahr 1714. Es war ursprünglich vom Pfarrer Michael Mörz aus Haimhausen in der Heilig-Geist-Kirche zu München (Viktualienmarkt) gestiftet und erst später nach Dachau transferiert worden. Das Patronatsrecht (Besetzungsrecht) lag "beim Land-Capitel Dachau, doch so, "daß daselbe auf einen aus des Stüffters Blutsbefreunden usque ad quartum gradum (bis zum 4.Verwandtschafts-Grad) vor anderen reflectieren solle; in Abgang dessen aber alsdann ein anderer frommer Priester oder der etwa lange Jahr in vinea Domini (im Weinberg des Herrn) euffrig gedient, präsentirt werde" (= bei der Berufung eines Beneficiats musste erst in Priester aus der Verwandtschaft des Stifters gefragt werden). Die Verpflichtung des Beneficiaten belief sich zunächst auf 104, später 77 Messen jährlich und auf die Aushilfe im Beichtstuhl.

Metzger-Benefizium von 1730
Das dritte Beneficium stiftete der Dachauer Pfarrer und Dechant Anton Metzger im Jahr 1730. Es beinhaltete ursprünglich drei Wochenmessen. Der Collegiats-Stiftsdechant Ferdinand Zeller von Freising vermehrt das Fondscapital um 800 Gulden. Bischof Johann Theodor von Bayern (1727-1763) hatte die Stiftung confirmiert (bestätigt). Das Patronatsrecht für diese Stiftung lag beim Pfarrer von Dachau, der aber ebenfalls zunächst die Neffen des Stifters fragen musste, ob sie die Stelle wollten. Das Beneficiat hatte wöchentlich je 3 Messen für die Stifter zu lesen.
Mandel'sches-Benefizium 1654
Früher bestand auch noch das ursprünglich in die Metropolitankirche zu München gestiftete Baron v.Mandl'sche Benefizium, das aber im Jahr 1807 nach Hebertshausen verlegt worden ist.

Bruderschaften

- Rosenkranzbruderschaft. Gegründet von Dominikanern schon vor 1677, wahrscheinlich in der Schlosskapelle. In den Ordinariatsakten finden sich nämlich ein Bericht von Pfarrer Balthasar Wibmer vom23.7.1677, in dem ausgesagt wird, dass die (Bestätigungs)Bulle ein Sonderbestimmung für die Dominikaner enthalte: Sollten die Dominikaner in der Nähe von Dachau eine eigene Kirche erhalten, könnten die Ablässe und Privilegien der Bruderschaft neben den Stiftungen (bonis temporalibus) "ex praedicta capella" (aus der vorgenannten Capelle) in diese neue Dominikanerkirche übertragen werden. Man nimmt an, das mit "dieser Capelle" die Schlosskapelle gemeint war. Die Mitglieder der Bruderschaft hatten die Verpflichtung, jeden Tag einen Rosenkranz zu beten. Das Vermögen betrug 1874 rd. 2176 Gulden.
- Liebesbund christlicher Herzen zur Liebe des Nächsten und zum hl.Herzen Jesu, Mariä und Josef. Die Bruderschaft mit dem langen Namen wurde am 31.Mai 1752 durch oberhirtliche Confirmation (Bestätigung) gegründet. Das Titularfest fiel auf den 5.Sonntag nach Pfingsten. Papst Benedikt XIV. verlieh ihr Ablässe auf den Besuch des Hauptfestes und der 4 Quatember-Sonntage. Das Vermögen betrug im Jahr 1874 rd. 368 Gulden.
- früher bestanden noch die Sebastianistiftung für jährlich 1 Amt am Sebastianstag (20.1.) und die
- Bruderschaft vom hl.Georg (oberhirtlich confirmiert am 21.4.1733) mit Ablässen von Papst Clemens XII. Auch sie ist schon erloschen

Frühere Schlosskapelle
Im Dachauer Schloss gab es natürlich auch eine Kapelle. Sie war zu Ehren des hl.Nikolaus geweiht. In der Schmidt'schen Matrikel wurde sie als "picturis antiquis ornata" bezeichnet. Gemäß einer besonderen bischöflichen Erlaubnis vom 2.11.1719 durfte dort das Allerheiligste aufbewahrt werden, solange die churfürstliche Familie im Schlosse weilte. Die Kapelle wurde im Jahr 1800 "demolirt".

Berichte aus dem Pfarrleben
Die Dachauer Zeitungen haben in den letzten 120 Jahren immer wieder aus dem Pfarrleben von St.Jakob berichtet. Diese meist in blumiger Sprache geschriebenen Berichte befassen sich nicht unmittelbar mit dem Kirchengebäude, vermitteln aber einen ergänzenden Eindruck aus der damaligen Zeit. Wenn Sie Interesse an den Berichten haben, klicken Sie hier....


Baubeschreibung

St. Jakob in Dachau ist die einzige größere Renaissancekirche im Landkreis Dachau (daneben nur noch die Kapelle in Essenbach). Sie wurde in den 380 Jahren ihres Bestehens nur zweimal unwesentlich verändert: Der Turm wurde 1677 aufgestockt und das Langhaus 1926 um ein Joch verlängert.

Der Altarraum ist etwas breiter als das Mittelschiff, gegenüber der Gesamtbreite des Langhauses aber eingezogen.
Die 1926 gebaute Westfassade der Kirche besitzt abgeschrägte Ecken, um der Enge der Straße, der Unterkellerung der Kirche und der Aufgangstreppenanlage Rechnung zu tragen.

Das Kirchenschiff ist eine Renaissance-Pfeilerhalle mit großen rundbogigen Fenstern. Der Westeingang ist über eine mächtige Freitreppe zu erreichen. Die aus Granit bestehende Treppe wurde 1994 saniert. Damals wurde statt der Mauerbrüstung ein Eisengeländer angebracht.

Der Turm entstand gegen Ende des 15.Jh. Er ist in seinem Unterbau das älteste Gebäude Dachaus. Der frühere Kirchenpfleger Burghart hielt es für möglich, dass der Turm in dem Jahrzehnt nach 1403, als Dachau im herzoglichen Bruderzwist in Flammen aufging, erbaut worden sein könnte. Kurz vor 1560 hat man ihn umgebaut oder renoviert.
Als 1625 die Kirche neu errichtet wurde, hat man den alten Turm stehen lassen und die Kirche an den Turm herangebaut. Doch der überragte mit seinen 23 Metern das neue Kirchenschiff kaum noch. So hat man 50 Jahre später, in den Jahren 1676 bis 1678, seine Höhe durch einen achteckigen Oberbau mit Zwiebelkuppel und
Laterne auf 45 Meter verdoppelt. Über dem rechteckigen, spätgotischen Grundriss erhebt sich nun der Turm in sieben Geschossen. Dieser achteckige, schlanke Oberbau hat in jedem Stockwerk eine andere Gliederung.
Innen verläuft im Turm seit 1646 eine Wendeltreppe, auch "Schneck" genannt. An der Außenmauer ein Rundbogenfries (aus Ton gebrannt)sowie zwei Blendnischen. An der Spitze wird der Turm mit einer Zwiebelhaube und einer Laterne (mit einer Gesamthöhe von 9 Metern) bedeckt. Seit 1866 ist die kleine, seit1913 die große Kuppel mit Kupfer eingedeckt; vorher waren beide von Zeit zu Zeit nur grün angestrichen worden.
Die Kugel über der Laterne und unter dem Kreuz enthält Urkunden aus den Jahren 1866, 1913 und 1977, die über die jeweils in diesen Jahren durchgeführten Renovierungsmaßnahmen berichten. Die Restaurierung 1977 kostete 200.000 DM.
Eine Kirchturmuhr ist schon seit dem Jahr 1657 vorhanden; sie wurde am 26.Juli 1657 von einem unbekannten Uhrmacher eingebaut. Doch scheint sie nicht recht funktioniert zu haben, weil sie schon acht Jahre später vom Münchner Hofuhrmacher Michael Probst für 75 Gulden renoviert werden musste.
Im Jahr 1678, unmittelbar nach der Turmerhöhung, wurde vom Münchner Großuhrmacher Melchior Sturmb eine neue Turmuhr beschafft, die sogar alle Viertelstunden schlug. 1692 wurde sie unter die Kuppel gesetzt, damit sie besser zu sehen ist. Die Uhr hielt fast 200 Jahre, bis sie 1883 von einer neuen Uhr der Fa. Neher aus München ersetzt wurde.

Im Erdgeschoss des Turmes ist heute die Ministranten-Sakristei eingerichtet.

Glocken:
Bis 1936 hingen im Turm vier Glocken; die älteste stammte aus dem Jahr 1406 (die jetzt in der Krumperkapelle hängt), eine andere war 1468 gegossen worden. Die meisten Glocken wurden an die neu erbaute Kirche St.Peter abgegeben. St.Jakob erhielt ein neues Geläute. Doch die vier neuen Glocken waren für den Turm zu schwer. Der Turm begann beim Einläuten am Vorabend des Christi-Himmelfahrts-Festes 1936 ganz bedenklich zu schwanken. Man hängte die Glocken ein Stockwerk tiefer, was wiederum dem Klang schadete. Doch das Problem bestand nur 6 Jahre. 1942 wurden die drei größeren Glocken zu Kanonen eingeschmolzen.
1949 hat man das Geläute wieder komplettiert: Karl Chudnochowsky in Erding goss drei neue Glocken. Eine davon ist dem hl.Michael, eine weitere der Jungfrau Maria (mit der Inschrift "Unser liebe Frau von Dachau") und die dritte dem hl.Josef geweiht. Dazu kommt die kleine, 1936 bei den Gebrüdern Ulrich in Apolda/Thüringen gegossene und vom Münchner Erzbischof Michael Kardinal Faulhaber geweihte Glocke, die im Krieg dem Einschmelzen entkommen war; sie ist dem Bruder Konrad gewidmet.
Auch die kleine, 141 kg schwere Glocke aus dem Jahr 1406, hat den Krieg überstanden. Viele Jahre lagerte sie auf dem Dachboden der Jakobskirche. Seit einigen Jahren hat sie ihren Platz im Türmchen der nahen Friedhofskapelle gefunden. Sie ist die zweitälteste Glocke im Landkreis Dachau.
Eine Auflistung der ältesten Glocken finden Sie hier...

Epitaphe an den Außenmauern
In die Außenseite der Kirchenmauern sind an der Nordost-, der Ost- und der Südostseite viele kleinere Epitaphe eingelassen. Leider sind die Platten an der Nordseite mit der Mauerfarbe rosa übersprüht.
  Hinweis: Epitaphe gibt es in unseren Kirchen erst seit dem 14. Jh. als Gedächtnismal für einen Verstorbenen in Form einer Steinplatte, die innen oder außen an der Kirchenwand senkrecht aufgestellt wird. Epitaphe (griech. Grabinschrift) wurden für diesen Zweck eigens angefertigt; sie sind keine früheren Grabplatten. Das Epitaph ist auch kein Grabmal, weil sich weder dahinter noch darunter ein Grab befindet.
 
 
 
 
 
 

Wenn Sie auf die Epitaph-Bildchen oben klicken, können Sie mehr über die Verstorbenen erfahren.

Weitere Epitaphe für

- Stephan Viertl, Bürgermeister und Lebzelter 21.12.1779, Kalksandstein (43 cm quadratisch)
- Maria Theresia Reßl, gest.23.1.1800 u.Franz Josef Rößler, Rotgerber: 10.12.1800, Kalksandstein, oben Wappen (60 x 34 cm)
- Heinrich Stadler, gest.22.1.1731, Kooperator, Kalksandstein (47 cm quadratisch)
- Ignaz Gottlieb Berhold, gest.um 1781 , Kalksandstein (88 x 61 cm)
- Anton Hofter, gest.21.6.1788, Kalksandstein (61 x 48 cm)
- Maria Anna und Maria Catharina Schmetterer gest, 26.6.1731 bzw. 4.4.1742, Kalksandstein, unten Wappen (50 x 46 cm)
- Joseph Benedikt Schmetterer gest. 7.1.1811, Kalksandstein (42 cm quadratisch)


Sonnenuhr
Die großflächige Sonnenuhr mit Tierkreiszeichen an der südlichen Langhaus-Außenwand malte 1699 Johann Georg Hörmann (1672-1749), der auch Bürgermeister von Dachau war. Sie zeigt nicht nur die Stunden, sondern auch die Tage und Monate an. Über dem Zeiger schwebt Chronos, der römischeTitan der Zeit, mit einer Sense im linken Arm. Er hält den Zeiger wie eine Posaune. Die Stunden sind auf ein verschlungenes Band aufgemalt. Rechts vom Stab befinden sich 6 Stundenangaben, links nur vier. Der Grund liegt darin, dass die Kirchenwand nicht genau nach Süden weist, sondern um 15 Grad nach Osten abweicht.
Unter den Stundenangaben sind die Tierkreiszeichen gemalt und um eine Achter-Schleife herum die Anfangsbuchstaben der Monate geschrieben. Die Tierkreiszeichen sind durch eine waagrechte Linie mit dem Datum des Beginns (jeweils 19. bis 23. des Monats) verbunden. Ganz oben: Steinbock (21.12.), Linke Seite: Wassermann (20.1.), Fische (19.2.), Widder (21.3.), Stier (21.4.) auf der rechten Seite, darunter Zwillinge (21.5.), ganz unten Krebs (21.6.), links unten Löwe (23.7.), Jungfrau (23.8.), Wechsel auf die rechte Seite, Waage (23.9.), darüber Skorpion (23.10.), oben rechts Schütze (22.11.). Eingefasst sind die Monatsangaben von einem gerafften Theatervorhang.Die Sonnenuhr wurde 1884 und 1954 renoviert.
In einer Nische an der Außenwand, neben der Sonnenuhr und direkt über dem Südeingang, steht eine weitere Figur des Patrons St.Jakob. Die Nische ist mit einer Marmoreinfassung versehen und mit einer Glasscheibe abgedeckt. Darüber ist in einem Rundfenster das Jesusmonogramm "IHS" zu sehen.
  Hinweis: Die Zeichen IHS sind übrigens griechische Buchstaben (das H ist ein Eta) und bedeuten "JHS(OUS)"=Jesus. Andere Deutungen sind: "Jesus, hominum salvator" (lateinisch "Jesus, Erlöser der Menschen") oder auch volkstümlich "Jesus, Heiland, Seligmacher".

Jocherkapelle

Die ehem. Heilig-Blut-Kapelle von 1629 an der Chorsüdseite wirkt wie ein barockes Querhaus, dessen Obergeschoss sich gegen den Chor hin als Empore öffnet. Der Bau ist auch als Jocherkapelle bekannt, benannt nach dem kurfürstlichen Rat und Pfleger von Dachau, Wilhelm Jocher, der den Langhausbau veranlasste und förderte. Jocher war Studienkollege des Kurfürsten Maximilian I. (1597-1651) an der damals einzigen bayerischen Universität in Ingolstadt. Er hatte mehrere hohe Staatsämter inne, bevor er Pfleger in Dachau wurde. Jocher finanzierte die Kapelle und bereitete darin eine Grabstätte für sich und seine Gemahlin vor. In der heutigen Kirche erinnert noch ein Epitaph an Guilielm IOCHER (siehe rechts).

Restaurierungen
Restaurierungen fanden in den Jahren 1854, 1977 (außen) sowie 1976 und 1986 (innen) statt.

 

Beschreibung des Innenraums

Altarraum

Der nach Nordosten gerichtete Altarraum ist zwar gegenüber dem gesamten Kirchenschiff eingezogen;  er ist aber breiter als das Mittelschiff. Der Raum wurde 1584 vom Münchner Hofbaumeisters Friedrich Sustris, dem ersten großen Renaissance-Baumeister in Bayern, umgebaut und 1624/25 im Rahmen des Kirchenneubaus abgetragen und neu errichtet.

Der Chor schließt rechteckig.
An seitlichen Pfeilern im Altarraum sind noch Reste der früheren Bemalung erhalten. Sie wurden bei der Restaurierung 1986 aufgedeckt und zeigen eine aufgemalte Scheinarchitektur.

Selten in unserer oberbayerischen Kirchenlandschaft ist der spärliche frühbarocke Rahmenstuck im gesamten Kirchenraum von St. Jakob, der noch aus der Erbauungszeit stammt. Er ist mit Herzlaubmotiven und Eierstäben versetzt.


Hochaltar / Choraltar

Der heutige Hochaltar ist bereits der vierte (andere Quelle: sechste) seit Erbauung der Kirche 1625. Es handelt sich um einen neubarocken Altaraufbau von Prof. Georg Mattes, München aus dem Jahre 1939 , mit zwei Wendelsäulen, verkröpftem Gebälk und Segmentgiebel. Das Antependiumaus rosa und blauem Stuckmarmor stammt von Stefan Killer. Das Altargemälde (Ölfarbe auf Leinwand) des Münchner Hofmalers Josef Hauber (1816)  zeigt den Kirchenpatron, den hl. Jakobus, auf dem Gang zur Richtstätte seines Martyriums.Hauber, geb. am 14. April 1766 in Geretsried, gest. am 23. Dezember 1834 in München, hat 1830 auch das Hochaltarbild in Feldgeding gemalt.

Hochaltar von 1626 bis 1702 (Krumpperaltar)
Den ersten Altar nach dem Neubau 1625 hatten der Architekt der Kirche, Hofbaumeister Hans Krumpper und der Maler Hans Thonauer (Donauer) im Jahr 1626 entworfen. Ausgeführt wurde der Entwurf von verschiedenen Meistern am Münchner Hof: Bildhauer Christoph Angermair (u.a. Figuren, hl.Barbara und die hl.Katharina) , Maler Hans Jacob Khistler, Johann Brüderl und Johann Käppler. Das Altarblatt mit der Enthauptung des Kirchenpatrons St.Jakobus schuf der italienische Maler Dubelli. Finanziert wurde er im Wesentlichen durch Zuschüsse des bayerischen Kurfürsten Maximilian I (1066 Gulden). Dieser Altar ersetzte den 1584 vom Baumeister des Altarraums, Friedrich Sustris erstellten Hochaltar in der Vorgängerkirche, der vom bayerischen Herzog Wilhelm V. gestiftet worden war. Vater und Sohn hatten also jeweils einen Dachauer Altar gestiftet.

Der neue, 1626 entstandene Altar wurde nur kurze Zeit nach seiner Aufstellung, beim Schwedeneinfall 1632 stark beschädigt. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde er 1662 restauriert: Der Dachauer Kistler Veit Klumayr lieferte um 45 Gulden "bei dem Choraltar 2 grosse Newe Cästen und oben 2 grosse Pilder, als neben dem Altar stehendt". Der Maler Franz Benedikt Pfeil d.Ältere (gest.1671) schuf einen "marbelierten (marmorierten) Antritt". 1671 konnte der Altar vom Freisinger Fürstbischof Johann Caspar Kühner wieder geweiht werden.

Schon 1702 hat man einen neuen Hochaltar (von Franz Prugger) aufgestellt. Der Krumpperaltar von 1626 kam in die Jocherkapelle und wurde einige Jahre später (1709) von Franz Prugger und Bartholomäus Schupaur (Schuchpaur) erheblich umgestaltet. Er erhielt auch ein anderes Altarblatt, nämlich das seines Vorgängeraltars in der Jocherkapelle, eine Darstellung der Beweinung Christi nach der Kreuzabnahme. Der Dachauer Maler und spätere Bürgermeister Georg Hörmann fasste den Altar um 103 Gulden. Die beiden Schnitzfiguren St.Barbara und St.Katharina blieben am neuen Hochaltar. 1932 kamen sie nach Hirtlbach. Dort stehen sie noch heute als Assistenzfiguren auf dem Hochaltar.

Um 1774 wurde aus dem Altar ein "Hl.Blut-Altar", weil man in einem für 102 Gulden neu angeschafften Tabernakel "einen Tropfen des heiligsten Bluts Christi" in einer Monstranz aufbewahrte. Die "kostbare, mit silbern-vergoldeten und mit guten Steinen besetzte Monstranz" war von einem Münchner Goldschmied geschaffen und vom Tölzer Bierbrauer Franz de Paula Mathiß der Dachauer Jakobskirche gestiftet worden. Mathiß war der Sohn des Dachauer Mesners. Der relativ große Tabernakel war mit einem von Schlosser Mathias Rist mit einem "durchbrochenen eisernen Türl mit Schlößln" versehen und vom Maler Johann Benedikt Spät neu gefasst worden. Auch der Altar selbst, der wegen des großen Tabernakels umgebaut werden musste, wurde renoviert. Daran waren Franz de Paula Arnoldt und wiederum Johann B.Spät beteiligt.

Nach weiteren Veränderungen um 1887, bei dem aus dem Hl.Blut-Altar ein Kreuzaltar geworden ist, hat man den Altar 1931, als die Jocherkapelle zur Sakristei umfunktioniert wurde, nach Argelsried verkauft. Der Preis für den als "anspruchslos" bezeichneten Altar betrug nur 750 Mark. Die 1887 eingefügte Kreuzigungsgruppe wurde dort wieder herausgenommen und durch ein Altarblatt mit dem hl.Martin ersetzt.

Assistenzfiguren

Auf den seitlichen Konsolen stehen die frühbarocken Skulpturen des Apostelfürsten Petrus (mit den Himmelsschlüsseln) und des hl. Paulus (mit einem Schwert - Paulus soll enthauptet worden sein), vielleicht vom Dachauer Bildhauer Constantin Pader, vielleicht auch vom Münchner Bildhauer Hans Degler, dem Schwager von Hans Krumpper, der 1626 (zusammen mit Kistler Jakob Wembert) Arbeiten für den Hochaltar ausführte.
Bilder aller Apostel sind weiter unten zusammengestellt.
An den früheren Hochaltären standen übrigens über lange Zeit wertvolle Skulpturen der Nothelferinnen St.Katharina und St.Barbara. Sie stammten aus der Schnitzerwerkstatt des Weilheimer Bildhauers Christoph Angermair, der insbesondere durch seine Elfenbeinarbeiten berühmt geworden ist (1626).
  

Im Auszug des Hochaltars ist vor einem dichten Strahlenkranz Christus mit der Weltkugel in der Hand dargestellt. Zu beiden Seiten knien Engel, mit einem Kelch in den Händen.
Im unteren Bereich des Altaraufsatzes ist eine Kartusche angebracht, mit dem Text: "Gott schütze unser liebes Dachau"

Tabernakel



Auf dem Hochaltar steht ein prächtiger, doppelstöckiger Rokokotabernakel (18.Jh.). Er ist eine Kostbarkeit aus der ehemaligen Hofkapelle des Dachauer Schlosses. Der Tabernakel besteht aus Holz und ist vergoldet. Auf den seitlichen Verbreiterungen sind die Apostelfürsten Petrus und Paulus in Silberreliefs zu sehen. Gegliedert ist der Tabernakel durch Volutenpilaster, geschmückt mit Rocailleschnitzwerk und Traubengehängen.
An der unteren Türe ist eine reliefierte Abendmahlsdarstellung angebracht (siehe Bild rechts).
Der obere Teil ist als Nische ausgestaltet, in der das Jesusmonogramm IHS mit Herzsymbol und vielen Gnadenstrahlen einen schönen Hintergrund für das Kruzifix abgeben. Gekrönt wird der Tabernakel von drei versilberten Putten und einer Strahlenmonstranz.

 

 

Fenster

In den Fenstern der Choraltarnischen sind zwei Glasbilder zu sehen. Der Entwurf stammt von Paul v. d. Forst; ausgeführt wurde er durch Syrius Eberle, Dachau 1929; Stifter war der damalige Pfarrer Franz Xaver Taubenberger. Über den Portalen und auf der Empore sind Rundfenster eingebaut.

 

Sakristei

Die Jocherkapelle wurde 1932/33 zur Priestersakristei umgebaut. Bis zu diesem Zeitpunkt nutzten die Priester zusammen mit Ministranten die Sakristei im Turmuntergeschoss. Im Rahmen dieses Umbaus wurden Einrichtungsgegenstände der Jocherkapelle entfernt. So kam der Kreuzaltar in die Pfarrkirche von Argeltsried bei Gilching; die Kirche in Hirtlbach erhielt Figuren der Heiligen Barbara und Katharina, die der renommierte Elfenbeinschnitzer Christoph Angermair 1625 geschaffen hatte.
Im Jahr 2006 wurde die Sakristei aufwändig (160.000 Euro) renoviert und mit einer neuen Deckenkonstruktion aus Glas und Stahl versehen, die Licht von oben in den Raum einlässt. Weiteres Ziel dieser Baumaßnahme war, den Kapellencharakter von 1629 wieder herzustellen.

  
An der Sakristeitür ist eine reichverzierte Chorglocke (Sakristeiglocke) angebracht, die den Besuchern den Beginn eines Gottesdienstes akustisch anzeigt. Die Glockenstange ist aus Metall und mit Blumen geschmückt.

Bilder im Altarraum

Über der Sakristei ist ein offener Balkon entstanden. Dort hängen zwei 163 x 93 cm große Bilder des hl. Sebastian und St. Leonhard. Bei den Bildern handelt es sich um die frühen Altarblätter der Seitenaltäre (bis 1853).
Der schlanke Körper des Sebastian ist an einen Baumstumpf gefesselt und von Pfeilen durchbohrt. Putten halten über ihm bereits den Märtyrerpalmzweig und den Lorbeerkranz als Auszeichnung für das Martyrium bereit. Am Boden liegt sein Soldatenhelm als Hinweis darauf, dass der Heilige der Legende nach im 3.Jh.ein Offizier der kaiserlichen Garde gewesen sein soll.Das Bild wird dem Johann Georg Maler Hörmann zugerechnet (1.Hälfte des 18.Jh - Öl auf Leinwand)
Leonhard ist als junger Abt dargestellt, mit dem Abtsstab im Arm und Ketten in der Hand. Rechts hinten schauen zwei bärtige Gefangene hoffnungsvoll auf ihn. Auf der linken Seite Haustiere ( Pferd und Schaf).Das Bild dürfte vom Maler des Altargemäldes Hauber um 1800 geschaffen worden sein - Öl auf Leinwand)
  Hinweise: Sebastian wurde auf Befehl des Kaisers Diokletian wegen seines Glaubens mit Pfeilen durchschossen. Er erholte sich aber durch die Pflege von St.Irene, der Witwe des Märtyrers Kastulus, bekannte sich erneut zu seinem Glauben und wurde daraufhin mit Keulen erschlagen. Auf seine Anrufung hin, soll eine Pestepidemie abgewendet worden sein. Der heilige Sebastian wird deshalb als Pestpatron und -der Pfeile wegen- als Patron der Schützenbruderschaften verehrt. Im Christentum werden Märtyrer häufig mit Palmzweigen dargestellt. Die immergrünen Blätter symbolisieren das ewige Leben und den Sieg des Glaubens über das Heidentum. Die über 20 m hohe Palme mit dem elastischen, allen Stürmen standhaltenden Stamm galt seit alters her als Sinnbild für Sieg und Standhaftigkeit.
Leonhard lebte um das Jahr 500 als Einsiedler und später als Abt in Frankreich. Regelmäßig besuchte er die Gefangenen und erreichte für viele beim König Clodwig I. ihre Freilassung. Deshalb galt er ursprünglich als Schutzpatron derer, "die in Ketten liegen", also der Gefangenen - und der Geisteskranken, die man bis ins 18. Jahrhundert ankettete; nach der Reformation wurde er Schutzpatron der Haustiere, weil man die Ketten, mit denen er abgebildet wurde, als Viehketten deutete



Weitere Figuren im Altarraum



Halbfigur des hl.Jakobus mit Brustreliquiar (Herz)

Nur zum Patrozinium in der Pfarrkirche gezeigt wird die Silberbüste des hl. Jakobus, eine 110 x 63 cm große Halbfigur mit Brustreliquiar (siehe Bild links).
Es ist eine im Jahr 1696 gestiftete Goldschmiedearbeit des Münchner Meisters Johann Georg Oxner. Die Figur ist mit 21 blauen und roten Steinen besetzt. Auf dem Kunstwerk befindet sich folgende Inschrift in Majuskeln (= größeren Buchstaben):
  "D: Jacobo Apostolo Ecclesiae / Parochialis in Dachav Patrono sta / tvam hanc argenteam posvit Ferdi / nandvs Zeller SS: Theologiae Licen. / tiatvs eivsdem Ecclesiae per 16 annos / qvondam Rector indignvs nvnc vero Ser-/ enissimi Elector Coloniensis, et Consistory / Frisingens: Consiliar: ac insignis Ecclesiae Col= / legiatae ad S: Andream ibid: Canonicvs / 25 Jvly 1696"
Stifter der Büste war der ehem. Dachauer Pfarrer und spätere Freisinger Stiftsdekan bei St. Andreas, Ferdinand Zeller. Der Künstler Georg Oxner stammte aus Bregenz, war ab 1677 Meister in München und ab 1694 Hofgoldschmied. Er starb am 15.6.1712.
  Hinweis: Jakobus der Ältere war der Sohn des Fischers Zebedäus und der ältere Bruder des Jüngers Johannes. Er zählte neben seinem Bruder und Petrus zu den drei bevorzugten Jüngern, die bei der Verklärung Jesu und in seiner Todesangst im Garten Gethsemane zugegen waren. Der Überlieferung nach verkündete er nach Pfingsten in der Gegend um Samaria und Jerusalem das Evangelium, bis er durch König Herodes Agrippa I. von Judäa im Jahr 43 geköpft wurde; Jakobus war somit der erste Märtyrer unter der Aposteln (Ap 12, 1 - 2). Der Legende nach setzten Anhänger seine Leiche in ein Boot, das im Meer herumtrieb und in Galizien, im Nordwesten Spaniens strandete. Dort wurde er begraben. 800 Jahre später, zur beginnenden Reconquista (Rückeroberung des maurischen Spaniens durch die Christen) entdeckte König Alonso II das Grab wieder und baute eine Kirche darüber. Bald begann die Wallfahrt und Santiago de Compostela wurde eines der größten Wallfahrtszentren des Abendlandes. Durch ganz Europa führten feste Wallfahrtswege dorthin; bis ins 15. Jahrhundert zog der Ort mehr Pilger an als Rom oder Jerusalem. St.Jakob erhielt seine Attribute (Pilgerkleidung und Muschel) erst im 13.Jh. Die Pilger erhielten am Ziel damals einen Hut, der mit einer Muschel geziert war. Zuvor war Jakobus meist mit einer Schriftrolle abgebildet.


An der Chor Südseite ist eine Skulptur der hl. Anna mit ihrer Tochter Maria aus der Zeit um 1700 angebracht. Mutter Anna lehrt Maria das Lesen.
Hinweis: Anna hat nach den Apokryphen erst nach zwanzigjähriger kinderloser Ehe ihre Tochter Maria geboren. Deshalb wird sie in der Kunst immer als ältere, verheiratete Frau mit Kopftuch abgebildet. Das Buch in ihren Händen geht auf Legenden und Darstellungen zurück, in denen sie ihre Tochter Maria das Lesen lehrt. Das Thema der Unterweisung Mariens ist in der Kunst seit dem 14.Jh bekannt und war
besonders in der Barockzeit beliebt. Es geht zurück auf die Bibelstelle aus dem Buch der Sprichwörter (1,8) "Höre mein Sohn, auf die Mahnung des Vaters und die Lehre deiner Mutter verwirf nicht" und wendet das Wort auf Maria an. Die Kunst des Lesens beherrschten in früheren Zeiten nur wenige, meist vornehme Menschen. Dazu sollten auch Anna und Maria gerechnet werden.
An der Chor-Nordseite ein schönes barockes Kruzifix mit darunter stehender Schmerzhafter Muttergottes - beide möglicherweise vom Dachauer Bildhauer Franz de Paula Arnold (1724-1788). Maria trägt eine barocke Krone auf dem Haupt. In ihrer Brust steckt ein Schwert, das an das Simeonwort im Lukasevangelium (Kap 2,35) bei der Darstellung Jesu im Tempel erinnert: "Dir selbst wird ein Schwert durch die Seele dringen".
Altäre und Figuren von Paul Arnold stehen auch in den Kirchen von Pipinsried, Altomünster, Schwabhausen und Bergkirchen.
KruzifixMater dolorosa

Reliquienschrein

An der Nordseite des Altarraums steht ein prächtiges, mit vielen Edelsteinen besetztes Heilig-Kreuz-Reliquiar. 
Die winzige Reliquie ist inmitten eines Schmuckkreuzes aus Goldfäden zu finden.
Hinweis: Kreuzreliquien waren früher besonders wertvoll; schließlich galt das Kreuz Christi als kostbarste Reliquie der Christenheit. Größere Kreuzpartikel kamen ab 950 nach Deutschland. Sie wurden meist in Reliquienmonstranzen aufbewahrt (so wie hier in Dachau) und waren in der Regel Ziel kleinerer Wallfahrten.


Taufstein

Noch aus der Vorgängerkirche übernommen wurde der achteckige, spätgotische Rotmarmortaufstein des 15. Jh.
Er steht auf einem 87 cm hohen Fuß und hat einen Durchmesser von rd. 100 cm. Auf dem hölzernen Deckel aus der Barockzeit (um 1700) steht dekorativ eine Skulpturengruppe, die der Künstler Adam Luidl aus Mering 1675 geformt hat. Sie stellt die Taufe Jesu am Jordan dar. Jesus kniet am steinigen Ufer des Jordan, während ihn Johannes tauft. Johannes hält einen Kreuzstab mit dem Schriftband "Ecce Agnus Dei - seht das Lamm Gottes" in der linken Hand. Figuren der Schnitzerfamilie Luidl aus Landsberg u.Mering stehen auch in den Kirchen von Egenburg, Feldgeding, Lauterbach, Sittenbach, Rudelzhofen und Prittlbach.

Hinweis: Die Taufe der frühen Christen fand ursprünglich im Freien statt, überall dort, wo fließendes oder stehendes Wasser vorhanden war. Mit der Verlegung der Taufe in den Kircheninnenraum schuf man dort eigene Taufbecken. Als sich im 11.Jh die Praxis der Kindertaufe weitgehend durchsetzte, begann man mit der Errichtung erhöhter Taufgefäße; die Bodenbecken erwiesen sich für die Kindertaufe als weniger geeignet. Das Taufbecken ist meist aus Stein. Es hat in der Regel eine achteckige Form, weil die Zahl acht und das Achteck als Symbol für Erneuerung, Wiedergeburt und Herrschaft angesehen werden. Taufbecken und Deckel sind meist mit ornamentalem oder architektonischem Zierrat geschmückt. In der Barockzeit wurde auf dem Deckel häufig die Taufe Jesu figürlich dargestellt. Sie ist Vorbild für das Taufsakrament und  geht auf Empfehlungen des Konzils von Trient (1545 bis 1563) zurück.  Die Worte "Ecce Agnus Dei - übersetzt: Seht das Lamm Gottes, das die Schuld der ganzen Welt wegnimmt" sprach Johannes der Täufer, als er Jesus erstmals begegnete (Joh.1,29)

Wenn Sie eine Zusammenstellung von schönen Taufsteinfiguren in den Kirchen des Landkreises Dachau sehen möchten, klicken Sie hier...

Ewig-Licht-Ampel

In der Mitte des Chorraums hängt eine feine Silberampel aus dem Jahr 1704/05. Siestammt vom Augsburger Goldschmied Johann Joachim Lutz (1704) mit drei getriebenen (=gehämmerten) und applizierten (=aufgetragenen) Darstellungen: des hl. Jakob, der hl. Maria sowie des Schlosses und des Unteren Marktes Dachau mit Amper- und Mühlbachbrücke. Getrieben bedeutet, dass das Kunstwerk durch Hämmern von der Rückseite her über einer nachgiebigen Unterlage erstellt wurde. Die Zargeninschrift besteht aus einem Chronogramm:
ahoC eX Voto fierl CVraVerVnt / CiVes InColaeqVe DaChaVlenses. ParentI VIrigIne ae PraepotentI RosarII RegInae proserVato GlennIo annI ab hostILI InVaslone atqVe eXVstIone appIDo sVo"
Es handelt sich wohl um eine Stiftung zum Dank für die Errettung aus den Kriegsnöten des Spanischen Erbfolgekriegs (Besetzung Bayerns durch die Österreicher).
  Hinweis: Ein Chronogramm ist ein Satz oder eine Inschrift, meist in lateinischer Sprache, bei der alle darin vorkommenden Buchstaben, die zugleich römische Zahlensymbole sind (I, V, X, L, C, D, M), zusammengezählt die Jahreszahl des Ereignisses ergeben, auf das sich der Text des Chronogramms bezieht. Die Zahlensymbole sind hierbei meist hervorgehoben, etwa durch Großbuchstaben oder Vergoldung.


Z
elebrationsaltar
Den neuen Zelebrationsaltar (sog.Volksaltar) schuf 1976 der Glonner Bildhauer Blasius Gerg (1927-2007) aus weißem Jura. Die Frontseite des Altars ist mit einer versilberten Muschel, dem Attribut des hl. Jakobus, verziert.
Ebenfalls aus Jura hat Blasius Gerg auch den Ambo gearbeitet, von dem aus die Lesungen vorgetragen und die Predigten gehalten werden. Der akademische Bildhauer Blasius Gerg (geb.16. Januar 1927 in Lenggries - gest.17. Mai 2007 in Haslach) war Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.

 

 

Hinweis: Der Altar war das Symbol des heidnischen Gottesdienstes. Das lateinische Wort adolere = verbrennen bezeichnet die ursprüngliche Bedeutung als Stätte zur Verbrennung der Opfer. Die ersten Christen hatten keinen Altar. Jesus versammelte die Seinen um den Tisch, und das hielten auch die Christen während der ersten Jahrhunderte so; zur Eucharistiefeier konnte jeder beliebige Tisch dienen. Im 4.Jh wurde das Opfer Jesu in das Tischgeschehen hineingenommen und der Altar eingeführt. Er war meist aus Stein, frei aufgestellt und von allen Seiten zugänglich. Ab dem 8. Jahrhundert weicht die Tischform immer mehr der Blockform. Dies kommt der Entwicklung entgegen, im Altar Reliquien von Märtyrern und Heiligen beizusetzen. Der zelebrierende Priester stand hinter dem Altar, sodass seine Handlungen während der Messfeier für die ganze Gemeinde sichtbar waren. Als der Altar dann im 11.Jh eine Rückwand mit hohen Altaraufbauten (Retabel) erhielt und weiter an die Ostwand rückte, wandte der Priester der Gemeinde den Rücken zu. Dies ist in der katholischen Kirche durch eine Liturgiereform erst vor 40 Jahren wieder rückgängig gemacht worden.


Apostelzyklus

Im Chor und im Langhaus stehen lebensgroße Figuren der 12 Apostel aus der Zeit um 1625, die dem Dachauer Bildhauer Constantin Pader (oder Hans Degler ?) zugeschrieben werden. Seit der Neufassung durch Reinhard Huber im Rahmen der Renovierung um 1967 sind alle Figuren in Weiß mit goldenen Borten gehalten. Das Haupt ist mit einem Messingreif als Heiligenschein geschmückt. Die Figuren halten ihre Attribute in der Hand. Sie werden barfuß dargestellt, außer Jakobus d.Ältere, dessen Füße wegen des Bezugs zur Jakobuswallfahrt in Wanderschuhen stecken. Die Apostel tragen bis auf Johannes alle einen Bart. Der Bart war früher Symbol für Alter, Weisheit und Würde sowie für Männlichkeit und Stärke. Erfolgreiche Männer wurden früher immer mit starkem Bartwuchs dargestellt, auch wenn dies in Wirklichkeit nicht zutraf. Johannes, der Lieblingsjünger Jesu, wird zur Betonung seiner Jugend davon ausgenommen. Die Figuren standen bis zur Renovierung 1967 an den Außenwänden und wurden erst danach ins Blickfeld der Halle gerückt. Der frühere Kreisheimatpfleger Karlmax Küppers schwärmt von der Schönheit der Apostelfiguren: "Die himmelstürmende Kraft der dargestellten Apostelcharaktere sprengt schier die Ruhe des in klassischer Schönheit atmenden Kirchenraumes. Die Holzplastiken sind beschwingt von barocker Lebensbejahung und Lebendigkeit. Der feine Gesichtsausdruck ist das geistvolle Ergebnis hoher Bildhauerkunst. Von jeder Gestalt lässt sich deren innere Haltung und apostolische Sendung ablesen".
  Hinweis: Die Evangelien (z.B. Matt.10,2) nennen die Namen der Zwölf Apostel zu Lebzeiten Jesu: Petrus, Andreas, Jakobus d.Ä, Johannes, Jakobus d.J, Philippus, Bartholomäus, Matthäus, Thomas, Thaddäus, Simon und Judas Ischarioth. Matthias wurde nach dem Tod von Judas ausgelost (Ap1,15). Dem Paulus wurde durch die Urkirche im Jahr 258 die Apostelwürde verliehen. In der Jakobskirche von Dachau wird Paulus anstelle von Matthäus dargestellt.

Andreas

Bartholomäus

Jakobus d.Ä.

Jakobus d.J.

Johannes

Mathias

Paulus

Petrus

Philippus

Simon

Thaddäus

Thomas

Andreas(mit Andreaskreuz) war der Bruder des Petrus, wie dieser von Beruf Fischer (Joh 1, 14) . Er wurde vom röm.Statthalter Ägeas an ein X-förmiges Kreuz gebunden, an dem er nach zwei Tagen, an denen er weiter predigte, verstarb.
Bartholomäus (mit Messer) wurde zu einem besonders grausamen Tod verurteilt: zuerst wurde ihm die Haut abgezogen, danach wurde er gekreuzigt. Deshalb wird er meist mit einem Messer dargestellt.
Jakobus d.Ältere (mit Pilgerstab u.Muschelpailletten). Jakobus war der erste Märtyrer unter der Aposteln (Ap 12, 1-2). Der Legende nach setzten Anhänger seine Leiche in ein Boot, das im Meer herumtrieb und in Galizien, im Nordwesten Spaniens strandete. Dort wurde er begraben. Die Wallfahrt zum Apostelgrab in Santiago de Compostela wurde eine der größten des Abendlandes. Die Pilger erhielten am Ziel damals einen Hut, der mit einer Muschel geziert war.
Jakobus d.Jüngere (mit Walkerstange). In der kirchlichen Tradition werden die Lebensdaten von zwei Heiligen mit Namen Jakobus zu einer Vita vermischt. Jakobus der Jüngere, der Sohn des Alphäus war Apostel. Über seinen weiteren Werdegang nach Christi Himmelfahrt ist nichts bekannt. Vielleicht war das der Grund, ihm das Martyrium zuzuschreiben, das Jakobus, der "Bruder des Herrn" und spätere Bischof von Jerusalem erleiden musste. Der wurde im Jahr 62 von der Mauer Jerusalems gestürzt und mit einer Walkerstange (für die Filz-Herstellung) erschlagen.
Johannes (mit einem Kelch). Auf den Lieblingsjünger Jesu soll ein Giftanschlag verübt worden sein. Dabei sei das Gift in Form einer Schlange aus dem Kelch gekrochen, sodass Johannes überlebte.
Matthias (mit Hellebarde) kam als Nachrücker für Judas Ischariot ins Apostelkollegium (Apo 1, 28). Die Hellebarde deutet auf seinen Tod durch Enthaupten (um das Jahr 63) hin.
Paulus (mit Schwert) verfolgte zunächst mit großem Eifer die junge Kirche und war bei der Steinigung des Stephanus dabei. Vor Damaskus wurde er durch eine  Erscheinung Christi bekehrt und war danach einer der eifrigsten Missionare. Der Schwerpunkt der Glaubensverkündigung des Paulus ist die Gnade Gottes, die er den Menschen erweist. Nach eher unwahrscheinlichen Legenden starb Paulus im Jahr 67 als Märtyrer unter Kaiser Nero durch das Schwert. Ihm wurde durch die Urkirche im Jahr 258 die Apostelwürde verliehen.
Petrus
(mit den Himmelsschlüsseln) steht am Hochaltar.
Er ist -wie in den meisten Petrusdarstellungen seit dem 4.Jahrhundert - mit rundem Kopf und grauem, krausen Haarkranz sowie Bart dargestellt. Der sog.Himmelsschlüssel hat den Heiligen im Brauchtum zum Himmelspförtner gemacht. In der christlichen Symbolik repräsentiert der Schlüssel aber die Vollmacht, zu lösen und zu binden. Nach Matthäus 16,19 sagte Jesus zu Petrus: "Dir will ich die Schlüssel des Himmelreiches geben. Was du binden wirst auf Erden, wird gebunden sein im Himmel, und was du lösen wirst auf Erden, wird gelöst sein im Himmel".
Philippus
(mit einem Kreuzstab). Philippus wurde, ebenso wie das Brüderpaar Andreas und Petrus, von Jesus in Bethsaida zum Jünger berufen. Er wird mehrmals in der Bibel erwähnt (bei Brotvermehrung-Joh 6, 5-7 und Abendmahl-Joh 14, 8-9).Nach der Legende predigte Philippus 20 Jahre lang in Skythien. Dort wirkte er Wunder, vertrieb einen Drachen, erweckte Tote und heilte Kranke. Philippus soll am Kreuz gestorben sein. Deshalb wird er mit einem Kreuzstab dargestellt.
Simon (mit einer Säge). Simon trägt den Beiname "Zelotes", deutsch "der Eiferer" - weil er der politisch radikalen Bewegung der Zeloten angehörte, die gewaltsam die römischen Fremdherrscher aus Israel vertreiben wollte. Das Neue Testament nennt ihn in Aufzählungen der 12 Jünger (Mk 3, 18); besondere Erwähnung findet er hier sonst nicht.  Nach der Legenda Aurea wirkte Simon in Syrien und Persien und erlitt dort durch Zersägen seines Körpers den Martertod.
Judas Thaddäus (mit einer Keule) ist nicht zu verwechseln mit Judas, genannt Ischariot, der Jesus verraten hat. Judas Thaddäus wird im Neuen Testament nur einmal erwähnt (Joh 14, 22) mit der Frage, warum Jesus seine Abschiedsrede exklusiv den Jüngern und nicht der ganzen Welt offenbare. Später wirkte Judas in Babylon. Dort forderte er mit Wundertaten die örtlichen Zauberer heraus, die Judas mit einer Keule erschlagen ließen.
Thomas (mit Spieß). Thomas, der der Legende nachZwillingsbruder Jesu sein soll, wurde berühmt durch seine Zweifel an der Auferstehung Jesus und sein Verlangen, handgreiflich die Auferstehung zu überprüfen: erst nachdem Jesus ihn aufforderte, seine Wundmale zu berühren, glaubte er das Unfassbare und bekannte: "Mein Herr und mein Gott!". Später hat er in Indien missioniert. In Madras wurde er von feindlich Gesinnten mit einer Lanze ermordet. Die Thomas-Christen in Indien sehen ihn als Gründer ihres Bekenntnisses an.
Auch die Christusfigur im Auszug des Hochaltars gehört zu diesem Zyklus und dürfte vom selben Künstler stammen.

Die Figuren wurden im Jahr 1966 von Reinhard Huber, dem Sohn Richard Hubers und Vater von Christian Huber, restauriert.


V
ortragekreuz

Am Chorbogen steht ein schönes Vortragekreuz aus versilbertem Messing. Der Corpus und die Akanthusverzierungen in den dreipassförmigen Kreuzbalkenenden sind vergoldet.

Hinweis: Vortragekreuze werden beim Kirchenein- und Auszug, Prozessionen, Wallfahrten sowie bei Beerdigungen vorangetragen. Dies geht zurück auf das Jesuswort "Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach". Bei Gebetsprozessionen (Bittgängen, Kreuzweg) wird der Corpus des Kreuzes zu den nachgehenden betenden Menschen gedreht, damit sie den Gekreuzigten vor Augen haben. Bei anderen Prozessionen, z.B. an Fronleichnam und beim Ein- und Auszug zeigt der Corpus in die Gehrichtung, d.h., er weist ihnen den Weg. Die ältesten Vortragekreuze stammen schon aus dem 6.Jh.


K
irchenschiff / Langhaus

Das heutige Langhaus ist eine dreischiffigen Pfeilerhalle der Renaissance, die sich durch ihr flaches Kreuzgewölbe und den Rahmenstuck in die Breite öffnet. Die großen Rundbogenfenster lassen viel Licht ins Kirchenschiff.
Die drei Schiffe erstreckten sich ursprünglich nur über drei Joche. Das Kreuzgewölbe wird durch  sechs Pfeiler mit kreuzförmigem Grundriss getragen. Die Decke ist nicht bemalt, sondern durch Rahmenstuck verziert. Im vorderen Deckenteil ist seit 1681 eine Uhr angebracht. Die Vorgängeruhren befanden sich über der Jocherkapelle. Die erste Uhr wurde schon im Zusammenhang mit dem Kirchenbau im Jahr 1629 vom Dachauer Uhrmacher Matthias Zächerl
geliefert und war damals die älteste öffentliche Uhr Dachaus. 28 Jahre später, 1657, waren "die Uhrräder ganz ausgelaufen". Deshalb kaufte man beim churfüstl. Hofuhrmachermeister Michael Probst für 45 Gulden ein neues Werk. Das hielt 24 Jahre. 1681 baute der Dachauer Johann Rainer eine neue Uhr, die "Stund und Viertl schlägt". Das hölzerne Ziffernblatt lieferte der Dachauer Kistler Franz Prugger (1638-1736); es wurde vom Dachauer Maler und späteren Bürgermeister Johann Georg Hörmann mit Ölfarben bemalt. Der Uhrgewichtsstrick war 15 Klafter lang.


S
eitenaltäre

                    
Die Seitenaltäre sind barocke Stuckmarmor-Retabeln von 1714 (andere Quelle 1686) mit jeweils vier gewendelten Säulen und Altarblättern von Franz Josef Wurm (1853) im sog. Nazarenerstil. Diese Bilder waren in der Zeit von 1933 bis 1986 für die Kirche St.Peter bereitgehalten worden. Während dieser Zeit standen Holzplastiken von Maria und Josef an der Stelle der Bilder. Seit der Restaurierung 1986 befinden sich die Nazarener-Gemälde wieder an den Seitenaltären in St.Jakob.
Auf mächtigen
Gesimsen thronen die Altaraufsätze mit hochovalen Bildern.
 

Darüber sind Strahlenmonstranzen mit Monogrammen von Jesus und Maria angebracht.
Die Antependien der Altäre sind bemalt.
Die ehemaligen Seitenaltarbilder aus der Zeit vor 1850 mit Darstellungen von St. Leonhard und St. Sebastian hängen auf dem offenen Balkon über der Sakristei (Beschreibung siehe oben).

 

Nördlicher Altar


Das Altarblatt am nördlichen Altar (Rosenkranzaltar) zeigt eine Darstellung der Muttergottes mit ihrem Kind. Maria ist mit einem roten Kleid und einem blauen Mantel gekleidet. Dies sind die traditionellen Marienfarben. Rot für den königlichen Anspruch, Blau für die hohe Wertschätzung. Im Mittelalter brauchte man für die Herstellung der blauen Malfarbe Lapislazuli.
Maria trägt auf dem Haupt eine Krone; ihre Füße ruhen auf einer Mondsichel entsprechend der Aussage in Kapitel 12, Vers 1 der Offenbarung (..den Mond zu ihren Füßen). Auf ihrem Schoß steht das bekleidete Jesuskind mit einem Rosenkranz in der Hand.
Im Auszugsgemälde ist die Verkündigung Mariens durch den Erzengel Gabriel (hebräisch=Stärke Gottes)dargestellt. Maria liest gerade in einem Buch als der Engel erscheint. Über der Szene schwebt die Heilig-Geist-Taube und sendet Gnadenstrahlen herab.Zu beiden Seiten des Gemäldes sitzen zwei Engel im Stil des 17.Jh auf dem Gebälk. Über dem Bild ein Strahlenkranz mit dem Monogramm "IMI".

Hinweis: Die Gestalt der Taube für die künstlerische Darstellung des Heiligen Geistes gründet sich auf den Bericht der Taufe Jesu im Neuen Testament. Danach fuhr der heilige Geist in leiblicher Gestalt auf ihn hernieder wie eine Taube (Lk, 3,22). Obwohl dies nur bedeutet, dass sich der Geist bewegte sich wie eine Taube, nicht aber aussah wie ein Vogel, hat man die Taube als Symbol für die sonst nur schwer greifbare dritte Person Gottes gewählt. Das Konzil von Nicäa im Jahr 325 hat dies sogar empfohlen. Papst Benedikt XIV verbot 1745 die Darstellung der dritten göttlichen Person in Menschengestalt, wie sie vereinzelt immer noch vorkam (so z.B. im Deckengemälden der Schlosskapellen in Haimhausen und Unterweilbach).
Skelettreliquie
In die Predella ist ein sog. liegender hl. Leib mit den Gebeinen des römischen Märtyrer Ernest eingelassen. Er ruht -etwas nach außen gewendet und den äußeren Arm aufgestützt- auf einem Samtkissen. Arme und Beine sind mit Bändern, Finger und Zehen mit Perlenschnüren umwunden. Die hochgestellte Kniescheibe trägt eine Blattrosette. Über den Körper ist ein Schleier gebreitet. Von der Decke hängt eine aus Drahtarbeit bestehende Ampel. Diese Ampel könnte das himmlische Licht repräsentieren oder als "Blutgefäß" den Martyrertod symbolisieren. Auf einer28,5 x 46,5 cm großen Marmorplatte im Holzrahmen steht die Majuskelinschrift: "PX I Ernesto I martire I an CXXVir".

Bei den Reliquien handelt es sich um einen sog. Katakomben-Heiligen. Die in den Katakomben Roms gefundenen anonymen Gebeine wurden mit einem Namen versehen und als Märtyrergebeine verkauft. Die Dachauer Reliquien wurden im Jahr 1719 erworben.
Der Indersdorfer Chorherr Georgius Penzl (1697-1748) vertritt in seiner Chronik des Klosters Indersdorf die Auffassung, dass die Dachauer Katakomben-Reliquien, wie die des Klosters Indersdorf, durch den Münchner Kaufherrn Benno Höger beschafft wurden. Zwar wurde nie von einem Kaufpreis gesprochen, sondern nur von Auslagenerstattung. Doch auch das war nicht billig. In Rom war die Zahl der Käufer groß und so kosteten die Reliquien 300 Gulden. Und der Transport nach Deutschland war unsicher; häufig wurden die Reliquientransporte auf Wunsch eines anderen Interessenten ausgeraubt. In München wurden die Gebeine der Reliquienfasserin Josepha Antonia Khroningerin übergeben, die aus Gold- und Silberdraht, 33 Ellen Bändern, 53 Dutzend Edelsteinimitationen, 9 Dutzend gefassten Halbedelsteinen, 24 Maschen Perlen und 5 Pfund Rosshaar die Katakombenheiligen ausstaffierte. Antonia Khroninger fasste übrigens auch die Reliquien in der Klosterkirche Indersdorf. Die Schreine mit darauf sitzenden Engeln (leider nicht mehr vorhanden) wurden von Bartholomäus Schuhpaur gefertigt und vom Maler Johann Georg Hörmann vergoldet. Das Glas lieferte der Glasermeister Georg Älbl, die Schlosserarbeiten besorgte Georg Spizer. Die Gesamtkosten beliefen sich auf rd. 1400 Gulden, einen Betrag, um den man einen Bauernhof mit 120 Tagwerk Grund erwerben konnte. Bei der Überführung nach Dachau (Translation) und in den folgenden 8 Jahrzehnten bis 1801 jeweils am Jahrtag der Tranlation wurden die Katakombenheiligen in einer großen Prozession durch den Markt getragen.
An diesem Altar ist auch eine reiche Klosterarbeit der Reliquienfasserin Khroninger aus dem Jahr 1719 sehen.
...mehr über Klosterarbeiten...

Im Antependium des Altars ein Marienmonogramm (
in dem die vier verschiedenen Buchstaben des Namens "MARIA" ineinander geschrieben sind).

Am linken Seitenaltar steht auf einem Leuchter auch eine fast 200 Jahre alte Votivkerze des Marktes Dachau.
Sie war 1715 gestiftet und 1883 restauriert worden. Die Kerze ist mit einem Blumenmuster bemalt.

Früher stand auf dem Altar eine Zeit lang auch die schlichte Marienstatue (Unsere Liebe Frau von Dachau), die aus der Priesterbaracke des Konzentrationslagers Dachau kam. Sie ist jetzt in der Kirche des Klosters Karmel auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte aufgestellt. Diese Figur stammt aus dem von den Nazis aufgelösten Breslauer Kloster und kam 1943 ins KZ. Von Häftlingen wurde sie so beschrieben: "Es ist Maria, die auf der Flucht nach Ägypten, also in der Verfolgung, in der Verbannung, das göttliche Kind als Inbegriff allen Trostes an das Mutterherz drückt. Zu diesem Marienbild fühlten wir uns immer wieder hingezogen. Dieser mütterlichen Frau konnten wir allen Kummer, unsere leiblich und seelische Not anvertrauen."


Südlicher Altar

Das Altarblatt am südlichen Seitenaltar (Josefi-Altar) zeigt die Hl. Familie, signiert von " Fr. Wurm 1853" (= Franz Josef Wurm, München, 1816-1865). Das rundbogige Bild wurde mit Ölfarbe auf Leinwanduntergrund gemalt.
Die sitzende Maria ist in rotes und blaues Gewand gekleidet. Auf ihrem Schoß liegt auf einer Windel ihr schlafendes Kind. Dahinter steht St.Josef, auf einen Stock gelehnt.

Auch an diesem Altar sind Skelettreliquien ausgestellt, hier vom Märtyrer Sigismund. Die Kartuscheninschrift lautet (in Majuskeln): "PXI Sigismondo martire I an CXXVJI".

In dem mit einem vergoldeten Rahmen (mit Akanthusmotiven und einem Puttenkopf verziert) umgebenen Auszugbild wird die Taufe Jesu dargestellt. Jesus steht mit zum Gebet über der Brust gekreuzten Händen im Jordan und wird von Johannes mit Wasser aus einer Schale getauft. Johannes trägt ein härernes Gewand und hält in der linken Hand einen Kreuzstab mit dem Textband "Ecce Agnus Dei". Über der Szene schwebt die Heilig-Geist-Taube, von der Lukas in seinem Evangelium (3,22) berichtet: "Der Heilige Geist kam sichtbar auf ihn herab, anzusehen wie eine Taube". Das Gemälde wurde in der 2. Hälfte des 19. Jh. gemalt.

Auf dem Altarauszug ist über dem Bild ein Strahlenkranz mit dem Monogramm "M" angebracht.

Im Antependium des rechten Seitenaltars das Jesusmonogramm IHS.

In der Weihnachtszeit liegt auf dem rechten Seitenaltar in einem wunderbaren Rokokoschrein mit grazilen Säulchen ein Fatschenkindl auf einem Rosenbett. Das Kindl wurde in der 2. Hälfte 18. Jh. aus Wachs modelliert. Der Schrein hat die Maße 57 x 59,5 cm.
Hinweis: Das Fatschnkindl (von lat.fascia=die Binde) stellt das nach barocker Art in Windeln und Wickelkissen gewickelte (eingefatschte) Christkind dar. Es ist die erste Krippendarstellung, lange bevor es Weihnachts-krippen gab. Die Praxis, Babys zu fatschen , damit sie keine "krummen Glieder" bekommen, war bis ins 19. Jh., in ländlichen Gebieten sogar noch in den ersten Jahrzehnten des 20. Jh., üblich.



Bilder an den Wänden des Kirchenschiffs

An den Wänden des Kirchenschiffs befinden sich: 

- (südlich) ein Ölgemälde (auf Leinwandgrund) in barockem Goldrahmen (1735), das den hl. Johannes Nepomuk auf dem
   Totenbett
  zeigt. In der Hand hält er das Kreuz; sein Kopf ist mit fünf Sternen bekränzt.
  Hinweis: Johannes aus Pomuk, "ne Pomuk", war Ende des 14.Jh Generalvikar des Erzbischofs in Prag und machte sich beim König wegen seines energischen Auftretens für die Rechte der Kir-che beim  König Wenzel unbeliebt. Der ließ ihn am 20. März 1393 in der Moldau ertränken. Der Legende nach wurde der Fundort der Leiche durch eine Erscheinung von fünf Sternen offenbart.
- (nördlich) ein Gemälde (um 1735) vom Tod des hl. Franz Xaver am 3. Dezember 1552 auf der Insel Sancian (Santschao) bei Kanton in China. Franz Xaver liegt mit dem Kruzifix im Arm auf einer Lagerstatt. Im Hintergrund ist ein Hafen mit einem massiven Turm sowie mehrere Schiffe zu sehen.



Hinweis: Franz Xaver, ein Spanier, war ein Zeitgenosse von Ignatius von Loyola und einer der ersten Jesuiten.Von Goa in Indien aus missionierte er auf mehreren Reisen den fernen Osten u.a. Japan und China und taufte dort viele Menschen. Das hochgehaltene Kruzifix erinnert an den Eifer, mit dem er die Botschaft vom Gekreuzigten verkündete. In der Münchner Michaelskirche befindet sich eine Knochenreliquie mit dem Spruchband: "25 Tote erweckt, 120.000 getauft". Die Zahl der Taufen war damals -anders als heute- ein Maßstab für den Erfolg der Mission.

 

Figuren an den Wänden des Kirchenschiffs

Über dem Südportal stehen zwei Skulpturen (18.Jh), die aus der Filialkirche von Steinkirchen stammen sollen. Leider können Sie keinen bestimmten Heiligen zugeordnet werden:

- ein Heiliger in Rüstung mit Palmzweig.
  Hinweis: Der Palmzweig deutet auf einen Märtyrer hin;in der christlichen Kunst werden Märtyrer häufig mit Palmzweigen dargestellt. Die immergrünen Blätter symbolisieren das ewige Leben und den Sieg des Glaubens über das Heidentum. Die über 20 m hohe Palme mit dem elastischen, allen Stürmen standhaltenden Stamm galt seit alters her als Sinnbild für Sieg und Standhaftigkeit.
- eine weibliche Heilige, ohne Attribute in den Händen.


- Barockfigur des hl. Florian, in römischer Rüstung mit Siegesfahne, Wasserschaff und brennendem Haus.
  Hinweis: St.Florian war um das Jahr 304 Offizier der zweiten italienischen Legion des römischen Heeres. Wegen seines Glaubens wurde er verhaftet und nach vielen Martern mit einem Mühlstein um den Hals in die Enns geworfen. In seiner Jugend soll er ein brennendes Haus durch sein Gebet gerettet haben

(südlich) In einer vergitterten Nische ist ein kniender Christus dargestellt, dessen Hände mit Ketten gefesselt sind.
Dargestellt werden soll damit Jesus am Ende des Kreuzweges, kurz vor seiner Kreuzigung.
Die originale Holzfigur aus der Zeit um 1720 wurde 1997 bei einem Einbruchgestohlen.

- (nördlich) Figur (um 1630) des hl. Rasso in voller Ritterrüstung und Hermelinüberzug (Patron von Grafrath bei Fürstenfeldbruck, aus dem Geschlecht der Grafen Andechs-Dießen).
Rasso (900-954), nach der Überlieferung 2 Meter 50 groß, war Ritter, berühmter Feldherr und unternahm einen erfolgreichen Feldzug gegen die Ungarn. Aus Dankbarkeit wallfahrtete er nach Rom und ins Heilige Land, brachte wertvolle Reliquien mit und ließ hierfür im heutigen Grafrath ein Benediktinerkloster bauen. Er trat - kinderlos geblieben - selbst als Laienbruder in dieses Kloster ein. Rasso wurde in der Klosterkirche bestattet, seine Gebeine werden heute im Glasschrein des Hochaltars aufbewahrt. Die von Rasso mitgebrachten Reliquien werden heute in Andechs am Ammersee gezeigt.

Die Sebastiansfigur(nördlich) ist ohne den sonst üblichen Marterbaum abgebildet, an den der Heilige bei seinem ersten Martyrium gebunden war. Sebastian wird sogar schreitend dargestellt. Die vier Pfeile, die in seinem Körper stecken, haben keine lebenswichtigen Organe getroffen. In dieser Darstellung lässt der Künstler Raum für die Legende, nach der sich Sebastian von den Pfeilwunden erholte, dann erneut zu seinem Glauben bekannte und schließlich durch Keulenschläge sein zweites Martyrium erlitt.


- (nördlich) ein mit Kupfer beschlagener Weihwasserbehälter mit Schöpfkelle. In diesem Weihwasserbehälter (Weihbrunnen) wird das in der Osternacht geweihte Wasser aufbewahrt, damit es von den Dachauer Gläubigen für die Gräber und für die Wohnung entnommen werden kann. Weihwasser hat nur eine symbolische Bedeutung und soll an die Taufe erinnern.

Krumpper-Kreuzigungsgruppe

Seit Juli 2005 ist über dem Südeingang eine Kreuzigungsgruppe angebracht, die seit ihrer Entstehung vor 440 Jahren schon an vielen Orten innerhalb Dachaus zu sehen war:
1562/67-1806
1806-1933
1933-1960
1960-1968
1968-1987
1987-2005
ab 2005
in der Schlosskapelle
Gottesackerkp
Jakobskirche
Gottesackerkp
Altes Rathaus
Bezirksmuseum
Jakobskirche

Die Gruppe im Stil der Spätgotik besteht aus einem Kruzifix, einer darunter stehenden Muttergottesstatue, sowie einer Figur des Apostels Johannes. Die Figuren sind bis ins Detail mit großer Sorgfalt durchgebildet und von ungewöhnlich hoher künstlerischer Qualität.

Schnitzer war Adam Krumpper, der Vater des Baumeisters der Kirche, Hans Krumpper. Adam Krumpper (1543-1625) stammte aus Weilheim und war des öfteren für den Münchner Hof tätig. Auftraggeber war der bayerische Herzog Albrecht V. Er zahlte dem Künstler für das Kruzifix 33 Gulden.


Krumpper schuf die Figuren in den Jahren 1562 (Johannes) und 1567 (Kruzifix und Maria). Maria hält die Hände in Gebetshaltung gekreuzt über der Brust. Ihre Augen blicken unter dem Schleiertuch schmerzversunken ins Leere.
Johannes blickt mit flehend erhobenen Händen zum Gekreuzigten hinauf. In seinem jugendlichen Gesicht, das von dunklen Locken gerahmt wird sind Schmerz und Ratlosigkeit zu sehen. Johannes wird als einziger Apostel traditionell ohne Bart dargestellt, um seine Jugendlichkeit zu betonen.
Jesus am Kreuz trägt die Dornenkrone. Von seinem Haupt gehen drei Strahlen eines Heiligenscheins aus. Seine Augen sind geöffnet, obwohl die Seitenwunde ihn als tot kennzeichnet. Die offenen Augen sind deshalb symbolisch zu verstehen, als Zeichen fortdauernden Lebens und der Göttlichkeit Jesu.
"Die Leiblichkeit des Herrn schläft am Kreuz, seine Göttlichkeit aber wacht" ist im Physiologus zu lesen. Das um seine Lenden gebundene Tuch (Perizonium) ist sehr groß gehalten. Es ist rechts zu einem Knoten gebunden und flattert hinter dem Kreuzesstamm vorbei noch weiter auf die linke Seite.
  Hinweis: Ob Jesus bei der Kreuzigung überhaupt ein Lendentuch getragen hat, ist ungewiss. Nach römischem Recht waren alle Gekreuzigten nackt. Die Blöße und die Tatsache, dass sie nicht beerdigt sondern in der Regel von den Tieren gefressen wurden, waren Teil der Strafe und sollten bewusst erniedrigen. Ob wegen des jüdischen Empfindens Ausnahmen vom Gebot der Nacktheit galten, ist nicht bekannt, sodass wohl auch Jesus nackt gekreuzigt worden ist. Früher gab es auch Darstellungen mit dem nackten Jesus. Der Legende nach soll Maria mit ihrem Schleier die Blöße Jesu bedeckt haben. Das Lendentuch, das dem Gekreuzigten heute von den Künstlern als Blickschutz für die Blöße beigegeben wird, soll der Würde Jesu Rechnung tragen. Es ist Bestandteil der künstlerischen Darstellung geworden, flatternd im Wind, nur von einer Kordel gehalten.
Die Figuren wurden -einer Inschrift auf der Rückseite zufolge- "1813 renoviert" , "1980 von Reinhard Huber freigelegt" und anschließend retuschiert.

- (nördlich) ein weiteres spätgotisches Kruzifix. Das Gesicht Jesu ist noch im Tod von Schmerz verzerrt. Die Rippen treten hervor. Er trägt die Dornenkrone auf dem Haupt.

 
Hinweis: Die Dornenkrönung im Rahmen der Verspottung Jesu ist in den Evangelien genannt (z.B. Mtth 27, 28-30). Ob Jesus auch am Kreuz die Dornenkrone getragen hat, ist der Bibel nicht zu entnehmen. Dies wird aber in den Apokryphen erwähnt. Die hl.Birgitta, die Patronin Altomünsters hat in ihren Offenbarungen geschrieben, die Dornenkrone sei Jesus nach dem Anheften an das Kreuz aufgesetzt worden.

Kanzel

Eine Kanzel ist seit der Renovierung Ende der 1960er Jahre nicht mehr vorhanden. Sie stammte aus der Erbauungszeit und hatte 340 Jahre in der Kirche gestanden bis sie den Apostelfiguren weichen musste.


Kreuzwegbilder

Die 14 Kreuzwegstationsbilder in Stuckrahmen wurden im Jahr 1936 von Richard Huber aus Dachau in Freskotechnik auf Putz gemalt (Bildformat 56 x 44 cm) .
 Der Maler hat, nach Aussage seines Enkels Christian damit ein "sehr ausdrucksstarkes und zeitgemäßes Werk geschaffen. 
Nur Jesus und die wichtigsten und bekanntesten Figuren des Geschehens tragen antike Gewänder, alle anderen Beteiligten hätte man 1935 auch draußen auf dem Marktplatz Dachau begegnen können". Der Simon von Cyrene, der Jesus das Kreuz tragen hilft, könnte ein Selbstbildnis von Richard Huber sein.
Hinweis: Seinen Ursprung hat der Kreuzweg übrigens im Brauch der Pilger, bei Wallfahrten nach Jerusalem den Leidensweg Jesu nachzugehen. Wenn Sie mehr über die Entstehung der Kreuzwegstationen und seiner Darstellungen in Kirchen des Landkreises erfahren wollen, klicken Sie hier...

Wenn Sie sich für die Kunstwerke, die Richard Huber für die Kirchen des Landkreises Dachau geschaffen hat, interessieren, klicken sie hier...
Mit Richard Huber hat übrigens schon ein zweites Mitglied der berühmten Malerfamilie einen Kreuzweg für St.Jakob geschaffen. Sein Urgroßvater Anton Huber malte den Vorgänger-Kreuzweg im Jahr 1826. Dieser Kreuzweg kam später für kurze Zeit in die Kirche St.Peter.

Apostelkreuze und -Leuchter

Die Apostelkreuze sind aus Stuck geformt und übertüncht. Die Leuchter wurden erst vor wenigen Jahrzehnten aus Eisen geschmiedet
Hinweis: Die Apostelleuchter u. -kreuze erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlischen Jerusalems. Apostelleuchter vor den gemalten Apostelkreuzen angebracht.


Kirchenstühle




Das spätklassizistische Laiengestühl stammt aus der 1. Hälfte des 19. Jh. Es sind beidseits des Mittelganges und der Seitengänge zweimal 24 Reihen, auf der Empore zweimal 13 Reihen. Die vordersten Bänke im Kirchenschiff haben an der Frontseite eine schwungvolle Verzierung. An einer Reihe von Bänken sind noch die Namensschilder vorhanden, die den Gläubigen gegen eine angemessene Gebühr einen festen Platz sicherten.
Opferstöcke
An den Seitenwänden stehen alte schmiedeeiserne Opferstöcke, die mit Rosetten geschmückt sind (92 cm Höhe).Ob es sich dabei um den Bruderschafts-Opferstock aus dem Jahr 1629 oder dem Sebastiansopferstock
aus dem Jahr 1651 handelt, wäre noch zu klären. Eine Rosenkranzbruderschaft mit eigenem Opferstock wurde im Dachau 1628 gegründet. In den Kirchen des Landkreises Dachau gibt es viele unterschiedliche, außerordentlich interessante Opferstöcke. Wenn Sie sich dafür interessieren, klicken Sie hier..

Orgel St.Florian Kirchenbank-Verzierungen
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Empore und Orgel

Die Westempore von 1927 ist zweigeschossig. Die obere Empore sollte Ende des 20.Jh abgetragen werden, um für eine größere Orgel Platz zu machen. Doch das Denkmalschutzamt bestand auf dem Erhalt des oberen Geschosses. Die Brüstung an der obersten Empore besteht aus einem Eichengeländer. Am südwestlichen Emporenpfeiler ist eine Inschrift (in Majuskeln) angebracht: "Ecclesia hac amplifica / matrem svam carissimam, / tvtela Sti. Jacobi divi hvivs / ecclesiae patroni ab infantia /frvitam hic commemorant / Johannes et Pavlvs Gedon, / qui aedificavervnt. / A. D. MCMXXVll".
Als 1986 die Entscheidung anstand, eine neue Orgel zu beschaffen, kam wegen der Platzverhältnisse nur eine große Brüstungsorgel in Frage, die in ihrem Ausmaß dem großen Kirchenraum (mit übrigens hervorragender Akustik) angemessen war. Für Chor und Orchester war es aber dort oben zu eng geworden; sie fanden ihren Platz auf der unteren Empore, wo ein zweiter Spieltisch eingerichtet wurde.

Es dauerte aber noch bis 1997 bis das Geld für die neue Orgel zusammenkam. Dazu wurden unter anderem die Pfeifen des alten Instruments verkauft.
Die Orgel wurde 1997 die von der Orgelbauwerkstätte Vleugels aus Hardheim in der Nähe von Tauberbischofsheim erbaut. Die MIDI-fähige Orgel mit weicher, süddeutscher Klangfarbe besitzt zwei Manuale und 35 Register, insgesamt 2000 Pfeifen. Das weiß bemalte und golden verzierte Gehäuse fügt sich harmonisch in die Kirche ein. Nach Aussage des Münchner Organisten Michael Manigel klingt die Vleugel-Orgel in Dachau "generell sehr hell". Ein zweiter Spieltisch ermöglicht die Begleitung der Chorsänger.

Frühere Orgeln
In der Kirche stand schon 1626 eine Orgel mit 12 Registern. Sie war vom berühmten Münchner Orgelbaumeister Hans Lechner geschaffen worden. Allerdings war sie nicht auf der Empore, sondern im Altarraum aufgestellt. Im Jahr 1639 erhielt diese Orgel, nachdem sie von Schwedischen Soldaten "zerschlaifft und vergengt" worden war, vom Nachfolger Lechners, dem Orgelbaumeister Hans Mehrer, ein neues Pfeifenwerk im alten Gehäuse. Erst 1697 wurde die Orgel auf ihren heutigen Standort, die Westempore, verlegt. Der Maler Joh.Georg Hörmann fasste den Orgelkasten. Doch schon neun Jahre später, 1706, erwarb die Pfarrei vom Münchner Instrumentenmacher Franz Disl eine neue Orgel für 226 Gulden. Das Gehäuse fertigte der Kistler Franz Prugger; Joh.Georg Hörmann bemalte es. Franz Borgias Maerz soll im Jahr 1884 eine zweimanualige Orgel mit 15 Registern eingebaut/renoviert haben, die 1927 auf 25 Register erweitert wurde. 1968 kam eine von Anton Staller aus Grafing eingebaute Brüstungsorgel hinzu. Die Orgel hatte nun drei Manuale und 31 Register.


Am Emporenaufgang hängt ein neu erworbenes Gemälde Maria mit Kind, aus der Cuzco-Schule, Peru, 17. Jh.
(Maße 105 x 78 cm). Maria wird in einem nach der Mode der vornehmen spanischen Damen des 17.Jh. geschneiderten Gewand mit zwei Schnurreihen und einem Wappen dargestellt. Der von den breiten Borten eingefasste Mittelteil des Kleides könnte ein Skapulier sein. Der Kopf Mariens ist mit einer Krone geschmückt. Auf dem linken Arm hält sie ihren ebenfalls gekrönten Sohn. Das Jesuskind segnet den Betrachter und drückt eine blaue Weltkugel an seine Brust. Die Figurengruppe ist von vielen Blumen umgeben, meist von Rosen, der Blume Mariens. Auch die Muttergottes hält
einen Blumenstrauß in der rechten Hand. Zu Füßen Marias knien andächtig zwei Heilige im Ordenshabit mit Wappen auf der Brust. Die linke Person, Petrus Nolascus, hat einen Degen im Gürtel stecken, was ihn als Mitglied eines Ritterordens ausweist. Die rechte Person, St. Ramón Nonato, trägt auf dem blutigen Haupt eine Dornenkrone; durch seine Lippen ist ein Vorhängeschloss gezogen.
 

Hinweis: Das Wappen auf dem Kleid Mariens und die beiden Heiligen zu ihren Füßen weisen auf den Mercedarierorden (die Kongregation der "Seligen Jungfrau Maria vom Loskauf der Gefangenen) hin. Der Orden ist 1218 vom hl. Petrus Nolascus in Katalonien gegründet worden, nachdem ihm die Muttergottes erschienen war. Größter Förderer war König Jakob I.von Aragon, dessen Wappen die Mönche übernahmen und mit dem Ritterkreuz ergänzten. St.Ramón - ein Mitbegründer des Ordens- erhielt den Namen Nonato ("Nicht geboren"), weil er aus dem Mutterleib geschnitten wurde. Seine Mutter starb bei der Entbindung, bevor er das Licht der Welt erblickt hatte. Das Vorhängeschloss wurde ihm während seiner Gefangenschaft bei den Muslimen in Algier durch die Lippen getrieben, weil er trotz Verbots weiterhin seinen Glauben predigte. Da er in der Gefangenschaft auch gegeißelt wurde, hat ihn der Künstler auf dem Dachauer Bild mit einer Dornenkrone dargestellt.



An der Südseite der Empore: Kruzifix, wohl 17. Jh.Der Corpus ist annähernd lebensgroß.
Hinweis: In den frühchristlichen Kirchen wurde das Kreuz ohne den Corpus des Gekreuzigten angebracht. Dann aber wurde Christus am Kreuz als lebender und über den Tod triumphierender, göttlicher Sieger mit geöffneten Augen und in aufrechter Haltung dargestellt. Erst im hohen Mittelalter (etwa seit dem 12. Jh) setzte sich die Abbildung des leidenden und toten Gekreuzigten, die Betonung des Menschseins Jesu durch, wie wir es von unseren Kirchen kennen.

An der Nordseite der Empore: Madonna auf Mondsichel in besonders ausgeprägtem Strahlenkranz, um 1920 (Höhe 180 cm). Der Strahlenkranz und die Mondsichel erinnern an Maria als die Frau aus der Offenbarung des Johannes (Offb 12,1) "von der Sonne umkleidet, den Mond zu ihren Füßen".

Sieben Schmerzen Mariens


Im hinteren Teil des Langhauses, in der Nähe des Empore, ist an der Südseite eine Statue der von sieben Schwertern durchbohrtenMuttergottes angebracht. Die um 1740 entstandene barocke Figur wurde um 1935 von Prälat Pfanzelt in Tirol erworben;  sie wird Thaddäus Stammel aus Graz (1695-1765) zugeschrieben.Vor der Figur können auf einem Lichtspalier Opferkerzen angezündet werden.
  Hinweis:Die Wurzeln für die Darstellung der 7 Schmerzen Mariens reichen in das 13.Jh zurück. Im Laufe der Jahrhunderte schwankte die Zahl zwischen 5 und 50, ja sogar bis zu 1500 im Einzelnen bezeichneten Schmerzen (Alanus de Rupe, 1428). Nach der Einführung des "Festes zum Gedächtnis der Sieben Schmerzen Mariens" im Jahr 1423 verblieb es bei der Zahl 7.
1.die Darstellung im Tempel
2. die Flucht nach Ägypten
3. die Suche nach dem 12jährigen im Tempel
4. die Begegnung Mariens auf dem Kreuzweg
5. die Kreuzigung
6. die Kreuzabnahme und
7. die Grablegung Jesu.
Seither stellt die Kunst die volkstümliche "Mater dolorosa" mit einem oder mit sieben Schwertern in der Brust dar. Die Darstellung der Schmerzen Mariens geht auf das Simeonwort bei der Darstellung im Tempel "
Dir selbst wird ein Schwert durch die Seele dringen" (Luk, 2,35)zurück.


Krippe

Auf der linken Seite ist an Weihnachten eine Krippe in einem Glasschrein unter der Empore zu sehen. Nach den Gottesdiensten drängen sich nicht nur die Kinder vor der Scheibe. Wenn Sie sich für Krippen interessieren, klicken Sie hier...

Epitaphe

Die prächtigsten Epitaphe sind an den Innenwänden des Kirchenschiffs angebracht. Hier in der Kirche wurden Geistliche, Beamte und vornehme Bürger begraben. Um 1800 ruhten etwa 50 Personen in St.Jakob. Aus gesundheitspolizeilichen Gründen waren weitere Begräbnisse aber zu dieser Zeit nicht mehr gern gesehen. "Viele bilden sich ein, dass sie vor dem Teufel sicherer wären, wann sie in der Kirch begraben liegen, welches aber eine große Einfalt ist und den geringsten Grund nicht hat", wetterte der große bayerische Rechtsgelehrte Wiguläus Xav.Kreittmayr gegen das Grab in der Kirche. Er selbst ruht in der Offenstettener Pfarrkirche St.Vitus.
Hier in St.Jakob sind folgende Epitaphe zu sehen:
1550
1618
1623
1624
1636
1788
Drei Grabdenkmäler möchte ich hier näher beschreiben. Mehr über die übrigen Epitaphe im Inneren erfahren sie nach einem Klick auf die kleinen Bildchen oben.

1.Epitaph von 1606 für den Kastner und späteren Schlossverwalter Georg Schwanckhler (gest.1606), das bis vor einigen Jahrzehnten noch außen in die Mauer eingelassen war:
Auf dem Epitaph knien über dem Wappen der Schwankhlers mit dem Kopf und Hals eines Schwans Männer und Frauen, nach Geschlechtern getrennt vor einem Kruzifix und beten den Rosenkranz. Es handelt sich um Georg Schwankhler und seine beiden Gattinnen Ursula (geb.Langhammer) -rechts- und Anna (geb. Friedinger) sowie die vier Söhne und fünf Töchter.
Georg Schwankhler (ganz links) hält einen kurzen Rosenkranz mit 10 Avekugeln und einer Paternosterkugel in der Hand, der damals bei den Männern beliebt war und Mannsbeter hieß. Die Gattin in der Mitte hat dagegen einen langen Rosenkranz mit 55 Kugeln um die Hand geschlungen. Über den Köpfen der ersten Gattin, von zwei Söhnen und drei Töchtern sind Kreuze zu sehen, als Zeichen dafür, dass diese Personen im Zeitpunkt der Erstellung des Epitaphs schon gestorben waren.

Detail aus dem Epitaph für Georg Schwanckhler (gest.1606).
Im Hintergrund ist die Silhouette von Dachau um 1600 zu sehen; es handelt sich um die wahrscheinlich früheste Darstellung des Marktes Dachau. Zu sehen sind -nach Dr.Kübler- die Brauerei Ziegler, die Kirche, das Rathaus mit 3 hohen und breiten gotischen Fenstern, das Birgmannhaus, das Altherrhaus, das Münchner Tor, das heutige Bezirksmuseum und die ehem.Friedhofsmauer.
  Text: "Anno Domini 1606 den 4.Maius Starb der Ernuesst Georg Schwanckhler dt.gewester Casstner Alhie.
Anno 1569 den 1. Juni starb die Ernuesst Tugenthafft frau Ursula Lanckhamerin sein Erste Hausfraw. Anno 1625 den 3. Septembri starb die Ernuesst Tugenthafft Fraw Anna Friedingerin sein Andere Hausfraw. D.G.G"
Georg Schwankler war eine vielbeschäftigte Person. Er übte zugleich folgende Tätigkeiten aus: Dachauer Kastners (Finanzbehördenleiter) von 1565 bis 1601, Wirt einer Gaststätte neben dem Kastenamt, Verwalter des Klosters von Altomünster und des Dachauer Schlosses von 1601 bis zu seinem Tode im Jahr 1606.


 

 

 

 

2.Epitaph aus dem Jahr 1784 für den "Wohlgebohrnen Herrn Clement Albrecht Edlen von Vacchiery" (gest.28.4.1758) und seine Frau Anna (gest.10.1.1784) mit einer Umrandung aus acht Familienwappen (u.a. Keuslin v. und zum Reichlsperg, von Machhans, Wanner von Stözling, von Steinheil.
Text:
Der prächtige Marmor sagt nicht ihr Lob, dieß sagen die Herzen in denen sie Leben.
Gott zur Ehre
Ihren innich geliebten Aeltern, dem Wohlgebohrnen Herrn Clement Albrecht Edlen von Vacchiery auf Castell nuovo des R.R.... Ritter Churcöllnischer Truchseß und Rathe, dann Churbaierischen Truchseß, Hofkammerrathe, Hofkastner und Mauthner, dann Schloßpfleger zu Dachau, so gestorben den 28.April 1758 im 58.Jahre seines Alters.
Dann Der auch Wohlgebohrnen Frau Maria Anna von Vacchierin gebohrnen von Steinheil, so gestorben den 10.Jenner 1784 im 67 Jahre ihres Alters.
Zum Gedächtniße Setzen dieß Ehre und Denkmahl aus Kinderspflicht Der Churfrl adeliche Hofrath Joh Bapt.von Vacchiery auf ...hofen, der Churfrl wirklich geheimde Rath und Hofraths Vice Director Albrecht von Vacchiery und die Adelheit von Vacchiery ... ... R.I.P.

 

 

 

 

3.Epitaph für den Bierbrauer Josef Benedikt Schmetterer (gest 7.1.1781) im Innenraum der Kirche. Weiße Marmorbüste mit klassizistischem Dekor in der Art des Münchner Bildhauers Roman Anton Boos (1730-1810) Maße: Gesamt 155, Büste 72 cm.
Der Text auf dem Epitaph lautet:

"Dies Denkmal der Liebe, Ehrfurcht, Dankbarkeit
Weihn die zurückgelaßnen drey Kinder
Ihrem geliebtesten Vater
Joseph Benedikt Schmetterer
Weingastgeb. und Bierbrauer
Dem Edlen Wohlthätigen Rechtschafenen
Dem Freunde seiner Mitbürger, der Armen Stütze
Sanft wallte sein Geist nach 70 u.einem Jahre
seines tugendhaften Lebens
durch die nächtlichen Schatten des Todes
Zzum Sonnenlichte der Unsterblichkeit !!!
Den VII Jänner 1801."

In der Nähe des Südportals ist im Inneren der Kirche ein Marmorstein mit dem Text zur Grundsteinlegung aus dem Jahre 1624 zu sehen. Die etwas verwitterte Inschrift des Märbelsteins lautet:


Den 15.Aprilis Ao 1624
Hat man die alte Vil zue
Enge Khirchen angefang
en abzuebrechen.
Den 9.May hernach man
dan die Erste Stain gelegt.
Den 31.October Ao 1625
ist der Erste Gottesdienst ge-
Halten.
Alleß durch hilf Und Zu
thuen Gottsferchtiger Hoch
en und Nidern stands per
sohnen wie solches Alles
In einem absonderlich
en Buech verzeichnet.
Gott dem Herrn Sei lob
Und danckh der welles
Reichlich belohnen.


    Türen


Südportal mit Nikolaus und Laurentius

Die Seitentüren stammen noch aus der Erbauungszeit und sind somit schon 380 Jahre alt. Sie sind mit Heiligenreliefs geschmückt:

an der Südseite (siehe Bild links) die Heiligen Nikolaus im Bischofsornat mit Buch und 3 Goldkugeln sowie Laurentius  im kurzärmeligen Gewand des Diakons mit Märtyrerpalme und Feuerrost in den Händen.

an der Nordseite der Kirche den hl. Jakobus und einen bayerischen Herzog (bez. als BAVARIAE DUX), bei dem es sich um den bayerischen Kurfürst Maximilian I (1573-1651) handeln dürfte. Der Spaten in den Händen
würdigt seine Bedeutung im Zusammenhang mit dem Bau der Pfarrkirche (1625). Krumpper stand im Dienst des Kurfürsten.

Das Hauptportal an der Westseite wurde 1927 von Schreinermeister Schwaiger erstellt. Es zeigt die hl. Elisabeth mit Rosen im Arm und die hl. Agnes mit dem Märtyrerpalmzweig.

Der Türgriff auf der Westseite ist in der Form eines Fisches gearbeitet (Bild siehe ganz oben).
  Hinweis: Der Fisch soll -historisch nicht belegt - eine Art Geheimzeichen in der frühen Kirche gewesen sein. Denn das griechische Wort für Fisch ist ein so genanntes Akrostichon, das heißt, ein Wort, das aus Anfangsbuchstaben anderer Wörter zusammengesetzt ist. Griechisch heißt Fisch Ichthys. Das sind die Anfangsbuchstaben von „Jesus Christus, Gottes Sohn, Erlöser"=Iesus Christos Theou Yios  Soter". Sicher ist, dass der Fisch noch vor dem Kreuz das Symbol für die Christen war.


Weihwasserbecken

An den Eingängen stehen barock geformte, ovale Weihwasserbecken. Eines besteht aus Graumarmor (20 x 26 cm). Es wurde im Jahre 1741 geschaffen, wie eine Inschrift am schlanken, pyramidenförmigen Schaft anzeigt. Die beiden anderen sind aus geschecktem Rotmarmor gearbeitet. Sie sind größer (Höhe 95 cm, Durchmesser 36 x 57 cm). Inschrift: 1711
  Hinweis: Das Weihwasser an den Türen jeder katholischen Kirche, mit dem sich die Eintretenden in Kreuzesform bezeichnen, soll an die Taufe erinnern.


Heiliges Grab

Von Karfreitag Nachmittag bis Karsamstag Mittag ist in der Kapelle unter der Eingangstreppe ein Hl.Grab aufgebaut.
Der mit 1,60 cm fast lebensgroße Grabchristus stammt noch aus dem 18.Jh. und besitzt Inkarnatfassung.

Der Brauch des "Hl.Grabes" und des sog. "Graberlschauns" stammt aus der Barockzeit und diente der Veranschaulichung des Heilsgeschehens.
Wenn Sie sich die übrigen "Heiligen Gräber" in den Kirchen des Landkreises anschauen wollen,
klicken Sie hier....

 

Die Stadtpfarrkirche besitzt bedeutende Goldschmiedearbeiten Münchner und Augsburger Meister, die sich jedoch nicht in der Kirche befinden. Zu erwähnen ist eine Prachtmonstranz der Zeit um 1730, die neben Paramenten (geistlichen Gewändern) von der Dachauer Bürgerschaft bei der Säkularisation im Jahr 1803 aus dem eingezogenen Gut des Klosters Fürstenfeld vom Zugriff des Staates gesichert wurde.

Hans Schertl


Lieber Besucher, Sie können sich Bilder aus der Stadtpfarrkirche auch
als Diavortrag (nur bei eingeschalteter Script-Funktion) oder
in Form einer Zusammenstellung (auch ohne Script-Funktion)
anschauen. Klicken Sie auf das Wort.


Quellen:
Bericht des Pfarrers von Dachau über Kriegsschäden an den Gotteshäusern vom 12.4.1641
Michael Wening, "Historico-topographica descriptio Bavariae", Band 1, 1701Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874
Theodor Bitterauf, Die Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (Nr.218, 317, 672, 1074)
Widmann, Kunstreiseführer "Von München zur Donau", 1966
Karlmax Küppers, Die Renovierung der alten Dachauer Marktkirche, Amperland 1967 (Apostelfiguren)
Kirschbaum, Lexikon der Christlichen Ikonographie, 1968
Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
Dr.Gerhard Hanke, Die Anfänge der öffentlichen Uhren in Dachau, Amperland 1976/1
Georg Brenninger, Beiträge zu Kirchenmusik des 17.Jh in Dachau-St.Jakob, Amperland 1976/2
Dachauer Nachrichten vom 31.10.1975 (Märbelstein), 13.1.1997 (Orgel), 17.7.1997 (Diebstahl Geißelheiland),
                              vom 26./27.7.1997 (Orgel), 9.10.2002, 19.10.2004, 1.8.2005, 9./10.7.2005, 4.8.2006, 19.12.2006,
                              vom 29.6.2007 (Orgel), 3.7.2007 (Krumpperaltar), vom 4./5.7.2009 (Schwankler-Epitaph/Paul Brandt)
Süddeutsche Zeitung/Dachauer Neuste/Dachauer SZ vom 9.9.1977, 22.6.77 (Gocken), 24./25.11.1979, 5.5.1986 (Nazarener),
                              vom Sommer 1986 (Farbe 1625), 28.12.1993 (Freitreppe), 1.8.2005, 20.8.2005, 3./4.2.2007
Georg Brenninger, Orgeln in Altbayern, 1978
Heinrich Rauffer, 350 Jahre Pfarrkirche St.Jakob, Unser Dachau 1979/1
Süddeutsche Zeitung vom 20.Juli 1979 (Pfarrsitz)
Dr.Peter Dorner, Die Dachauer Sonnenuhr, Amperland 1980/43
Max Gruber, Werkverzeichnisse der Dachauer Maler Johann und Johann Georg Hörmann, Amperland 1980/4
Dr. Werner Gross, Kirche und Denkmalpflege-Die Erneuerung der Liturgie durch das Zweite Vatikanische Konzil
Max Gruber, Im Dachauer Land wirkende Bildhauer, Amperland 1982/1
Georg Brenninger, Orgeln in Altbayern, 1978
Prof.Ottilie Thiemann-Stoedtner, Zum Tode des Dachauer Kunstmalers Richard Huber, Amperland 1983/1
Max Gruber, Im Amperland tätige Schlosser und Spengler, Amperland 1985/2
Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres 1560, 1986
Max Gruber, Im Amperland tätige Kistler, Schreiner, Tischler und Schneidkistler, Amperland 1986/3
Max Gruber,Im Amperland tätige Architekten, Bau und Maurermeister, Amperland 1987/2
Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV, 1990
"Kleine Kunstführer" durch Kirchen, Schlösser und Sammlungen im mitteleuropäischen Kulturraum
Robert Böck, Rosenkranzandacht und Rosenkranzbruderschaften der Barockzeit im Dachauer Land, Amperland 1991/2
Robert Böck, Wallfahrt im Dachauer Land, Bd. 7 der Kulturgeschichte des Dachauer Landes 1991
Dr.Gislind M.Ritz, Die Katakombenheiligen S.Sigismund und S.Ernest in St.Jakob in Dachau, Amperland 1992/1
Orgelspiegel, Ars Organi 1998
Unser Dachauer Land, Heimatbeilage der Dachauer Nachrichten vom 27.2.1999
Eleonore Philipp, Die vergessene Gnadenmutter, Amperland 2000/1
Andreas R.Bräunling, Die Familie Schwankler in Dachau, Amperland 2000/4
Christian Huber, Der Maler Richard Huber, Amperland 2002/2
Das große Kunstlexikon von P.W. Hartmann
Peter Dorner, Indersdorfer Chronik-aus der Reihe Publikationen der Akademie der Augustiner-Chorherren von Windesheim, 2003
Madonna-das Bild der Muttergottes, Dombergmuseum Freising, 2003
Dr. Eckhard Bieger SJ, das Katholische Symbollexikon, 2004
Georg Brenninger, Die Glocken der Kirchen im Dekanat Dachau, Amperland 2005/1
Ausstellungskatalog Kreuz und Kruzifix, Freising, 2005
Kiening, Genealogie (Franz Paul Arnoldt)
Sabine Remiger,Münchner Kirchenzeitung v. 3.9.2006 (Petrus)
Brigitte Rhinow, Göttingen, 2006 (Maria-Cuzco)
Dr. Lothar Altmann, Der Dachauer Hochaltar von 1626, Amperland 2007/2
Dr.Edgar Forster, Führung Luja und Prost, 2008 (Bauauftragsfeier)
118 Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Landkreis Dachau - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

18.6.2010