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Stadtpfarrkirche St. Jakob in DACHAU

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Adresse : 85221 Dachau, Augsburger Str. 5
Lage der Kirche auf der Landkarte ...
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alle Kirchen und Kapellen in der Stadt Dachau


Kurzbeschreibung

Die Pfarrkirche St.Jakob liegt, umgeben von malerischen Bürgerhäusern, im Zentrum der Stadt. Sie dürfte um das Jahr 1240 erbaut worden sein.

Damals wird wurde wohl auch die Pfarrei Dachau eingerichtet worden sein, die durch eine Aufteilung der Urpfarrei Steinkirchen in die Pfarreien Mitterndorf und Dachau entstanden sein dürfte.
Schriftlich erwähnt wird die Pfarrei Dachau mit den Filialen Prittlbach, Etzenhausen und Goppertshofen (Dekanat Bergkirchen) aber erst in der Konradinischen Matrikel von 1315.
Der hl. Jakob ist seit 1390 nachweislich Patron der Kirche.

Das heutige Gotteshaus entstand in der Zeit um 1600. 1584 errichtete der berühmte Baumeister Friedrich Sustris den Chor; 1626 erbaute der nicht minder berühmte Künstler des Münchener Hofes Hanns Krumpper, ein Schüler von Sustris, das Kirchenschiff, und zwar in dem für Altbayern seltenen Stil der Spätrenaissance. Seitdem besteht der Bau aus einer dreischiffigen Pfeilerhalle, die sich durch ihr flaches Kreuzgewölbe und den Rahmenstuck in die Breite öffnet. An die Südseite wurde 1629 die Jocherkapelle (siehe Bild links mit Uhr) gebaut, die seit 1933 als Sakristei verwendet wird.

Der 44 m hohe Turm mit Bogenfriesen aus gebrannten Formsteinen stammt in seinem unteren, quadratischen Teil als einziger Bauteil noch aus gotischer Zeit (um das Jahr 1425).

Er wurde von 1676 bis 1678 um das Doppelte erhöht, durch einen achteckigen Oberbau mit Stabwerkgliederung, krönender Zwiebelhaube und Laterne.
Im Turm hängen 4 Glocken aus dem Jahr 1949.


Türklinke am Westeingang

An der Außenwand ist eine großflächige Sonnenuhr zu sehen, die der Dachauer Maler und Bürgermeister Johann Georg Hörmann im Jahr 1699 geschaffen hat.

St. Jakob in Dachau ist die einzige größere Renaissancekirche im Landkreis Dachau (daneben nur noch die Kapelle in Essenbach). Sie wurde in den 380 Jahren ihres Bestehens nur zweimal -unwesentlich- verändert: Der Turm wurde 1677 aufgestockt und das Langhaus 1926 um ein Joch verlängert.

Die Kirche besitzt ein breites Mittelschiff, zwei schmale Seitenschiffe und einen kurzen Chor, der etwas breiter ist, als das Mittelschiff.
Obwohl die Kirche reich mit Figuren und Bildern ausgestattet ist, prägt doch die klare Renaissance- architektur den Eindruck der Besucher.

Selten in unserer oberbayerischen Kirchenlandschaft ist der spärliche frühbarocke Rahmenstuck im gesamten Kirchenraum.

Am Hochaltar (von 1939) ein Bild des Münchner Hofmalers Josef Hauber um 1800 (Jakobus, auf dem Gang zur Richtstätte).

Im Altarraum und an den Säulen im Langhaus stehen lebensgroße Figuren von Christus und den Zwölf Aposteln (1625 von Constantin Pader).

An der Nordseite des Altarraums befinden sich ein prächtiges, mit vielen Edelsteinen besetztes Heilig-Kreuz-Reliquiar aus der Barockzeit sowie ein gotischer Taufstein mit einer schönen Figurengruppe von Adam Luidl.

zur Beschreibung der  Apostelfigurenzur Beschreibung der  Apostelfigurenzur Beschreibung der Apostelfigurenzur Beschreibung der Apostelfigurenzur Beschreibung der  Apostelfiguren zur Beschreibung des Hochaltars Taufstein zur Beschreibung der Deckenuhr Kreuzreliquiarzur Beschreibung der Zelebrationsaltarszur Beschreibung des Tabernakelszur Beschreibung der  Apostelfigurenlinker Seitenaltar - zur Vergrößerung bitte klickenrechter Seitenaltar-zur Vergrößerung bitte klickenMarienfigur auf dem Altar zur Vergrößerung bitte klickenFiguren auf Taufbecken -zur Vergrößerung bitte klickenApostel JakobusÂpostel Johannes
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Die ehem. Heilig-Blut-Kapelle von 1629 an der Chorsüdseite wirkt wie ein barockes Querhaus, dessen Obergeschoss sich gegen den Chor hin als Empore öffnet. Der Bau ist auch als Jocherkapelle bekannt, benannt nach dem kurfürstlichen Rat und Pfleger von Dachau, Wilhelm Jocher.

Die Seitenaltäre sind barocke Stuckmarmor-Retabeln mit jeweils vier gewendelten Säulen und mit Altarblättern von Franz Josef Wurm (1853) im sog. Nazarenerstil (Maria mit Kind und Heilige Familie). In der Predella beider Altäre sind Skelettreliquien von Katakombenheiligen ausgestellt.

Weitere Heiligenfiguren und Bilder, eine spätgotische Kreuzigungsgruppe sowie prächtige Epitaphe sind an den Innenwänden des Kirchenschiffs angebracht. Auch in die Außenwände sind viele Grabplatten eingemauert.

Auf der zweigeschossigen Empore steht eine 1997 angeschaffte Vleugens-Orgel mit zwei Manualen und 31 Registern.

Die Seitentüren stammen noch aus der Erbauungszeit (1625); sie sind mit Heiligenreliefs geschmückt.

Die Kirche St.Jakob gehört mit den beiden Klosterkirchen in Indersdorf und Altomünster und Bergkirchen zu den größten Kirchen im Landkreis Dachau.


Was noch interessiert...

Gottesdienstordnung der Pfarrei St. Jakob Dachau: klicken Sie hier...
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Alte Zeitungsberichte über das Pfarrleben in der Pfarrei St.Jakobus von 1882-1958. klicken Sie hier...
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Jakobsweg

Jakobswegzeichen
Dachau liegt am sog. Dachauer Jakobsweg, den Dachau-Agil mit dem europäischen Jakobswegzeichen ausgeschildert hat. Die Karte mit dem Verlauf des Weges finden Sie hier...

Die Wege der Jakobspilger sind ein System von ausgeschilderten und in Führern beschriebenen Pilgerwegen, die von vielen Ausgangspunkten kommend, quer durch Europa bis nach Pamplona und von dort in einer Route nach Santiago de Compostela führen. Sie orientieren sich in der Regel an den historisch nachweisbaren Routen mittelalterlicher Jakobspilger.

 

Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen


 Geschichte:  Erste Nennung 805  Kirchenbau 1240   Matrikel 1315  Kirchenumbau 15.Jh  Matrikel 1524
 Visitation 1560  Neubau 1625  30jähriger Krieg  Matrikel 1738  Beschreibg 1874
 Erweiterung 1926  Benefizien  Bruderschaften  Schlosskapelle  Pfarrerliste
 Alte Zeitungsberichte aus dem Pfarrleben
 Ausstattung:  Altarraum  Apostelleuchter  Apostelfiguren  Baubeschreibung  Bilder im Chor
 Bilder im Schiff  Choraltar  Empore  Epitaphe außen  Epitaphe innen
 Ewig-Licht-Ampel  Fenster  Figuren im Chor  Figuren im Schiff  
 Heiliges Grab  Jocher-Kapelle  Kirchenschiff  Kirchenbänke  Kreuzweg
 Kreuzigungsgruppe  Krippe  Matrikel v.1315  Matrikel v.1524  Matrikel v.1740
 Maria-7-Schmerzen  Orgel  Opferstock  Portale  Reliquien
 Sakristei  Sonnenuhr  Seitenaltäre  Taufstein  Tabernakel
 Vortragekreuze  Weihwasser  Zelebrationsaltar  Gottesdienstordng  

Geschichte der Pfarrei und der Kirche


Erste Nennung 805

Der Ort und die Kirche von Dachau werden in einer Freisinger Urkunde vom 15. August 805 als eine nur wenig früher entstandene Siedlung in "Loco Dahauua" erstmals genannt, wobei die althochdeutsche Namensableitung von daha = Lehm als lehmige Au" gedeutet werden kann. Die Urkunde Nr. 218 aus der Sammlung Freisinger Traditionen berichtet von einer Frau namens Erchana, die der Kirche zu Dahawa (Dachau) Land und Unfreie schenkt; "zu ihrem Seelenheil nach vielfältigen Fehltritten" heißt es. 13)
.

Diese Begründung muss aber nicht bedeuten, dass sich Erchana besonders viel zu Schulden hätte kommen lassen. Die Selbst-bezichtigungen waren notwendig, um der Schenkung Rechtssicherheit zu geben. Denn die weltliche Obrigkeit war nicht begeistert, dass die Kirche durch diese Schenkungen immer mächtiger wurde. Deshalb regelten sie im damals geltenden Gesetz, dem Lex Baiuvariorum, dass einer sein Vermögen nur dann der Kirche überschreiben dürfe, wenn dies "zur Erlösung seiner Seele" geschehe (und nachdem er mit seinen Söhnen geteilt hat). Da war das allgemein gehaltene Eingeständnis von Fehlern, die eine Erlösung notwendig machten, recht hilfreich und nicht ehrenrührig. Erchana und ihr Bruder Arpio, ein Kleriker, haben das geschenkte Besitztum wohl danach vom Bischof wieder als Lehen erhalten. Mit Vertrag vom 28.Januar 817 haben sie es zurückgegeben.

Wilhelm Störmer und Prof. Liebhart sind der Meinung, dass die Kirche neben der Gottesmutter Maria auch dem dem hl.Korbinian 22) und dem hl. Lambert 22) geweiht war. Nach Prof. Liebhart war dies sogar die einzige dem hl.Lambertus geweihte Kirche in Bayern 88). Welcher heiliger Lambertus gemeint ist, ist mir nicht bekannt. Es gibt vier Heilige dieses Namens. Davon haben zwei (Lambertus von Lüttich und Lambertus von Lyon) vor dem Jahr 805 gelebt. Der uns bekannte St.Lambertus von Freising könnte erst später der Patron gewesen sein: er war erst von 937-957 Bischof von Freising; sein Grab wurde rd. 100 Jahre später "erhoben", das Zeichen dafür, dass er von den Gläubigen verehrt und ihm das Patronat von Kirchen übertragen werden durfte.

Dachau war, so Dr.Gerhard Hanke 109), vor Mitte des 10.Jahrhunderts eine große ländliche Siedlung. Seit 805 waren zu dem Herrenhof, der Urzelle von Dachau, eine Eigenkirche, eine Mühle (Steinmühle) und sechs Kolonenhöfe hinzugekommen. Diese Kolonenhöfe lagen aber in großem Abstand zum Herrenhof. So dürfte die Fläche der Siedlung Dachau im 9. und 10.Jh. größer gewesen sein als die des Marktes Dachau im Mittelalter.

Glaubensleben um 805
Um 805 war der neue Glaube bei der Bevölkerung noch nicht theologisch untermauert, sondern mehr formelhaft geprägt. Dies zeigt sehr anschaulich eine Predigt im Rahmen einer Tauffeier aus dem Jahr 805, dem Jahr der ersten Nennung einer Dachauer Kirche, die in Freising niedergeschrieben wurde. Die "Exhortatio ad plebem christianam" (Mahnung an das christliche Volk) forderte die Gemeinde und besonders die Taufpaten auf, wenigstens das Glaubensbekenntnis und Vaterunser selbst zu lernen und die Kinder darin zu unterrichten. Das Glaubenswissen bestand damals aus wenigen Formeln, die aber mit großem Nachdruck gefordert und für deren Unterweisung die Laien hauptverantwortlich gemacht wurden.
Wenn Sie die Predigt lesen möchten, klicken Sie hier...


Pfarrei
Im Jahr 805 gehörte Dachau wohl noch zur Pfarrei Steinkirchen, der Urpfarrei für das Dachauer Gebiet. Im 13.Jh wurde der Pfarrsitz von Steinkirchen nach Mitterndorf verlegt. Ungefähr zur gleichen Zeit wurde die seit 1240 bestehende Filialkirche St.Jakob aus dem Pfarrsprengel ausgegliedert und zur eigenen Pfarrei erhoben
32). Möglicherweise stand dies im Zusammenhang mit der Verlegung des Amperübergangs der Fernstraße von Salzburg über München nach Augsburg: die Straße (Via salaria 86)
) führte nun nicht mehr bei Mitterndorf,sondern bei Dachau über die Amper und dort den Karlsberg hinauf. Zugleich wurde die Burg vom Giglberg in Mitterndorf auf den Dachauer Schlossberg verlegt. Die Wittelsbacher, seit 1180 bayerische Herzöge, hatten 1183 Dachau und 1240 auch die Stadt München in die Hand bekommen und die Verbindung zwischen den beiden Orten ausgebaut. Zudem wurde Dachau zum Markt erhoben.

Weitere Entwicklung der Pfarrei 21)
1315 waren Etzenhausen, Goppertshofen, Prittlbach Filialen der Pfarrei. 1830 wurde auch Augustenfeld genannt, Polln, Moosschwagie, Webling, Steinkirchen, Walpertshofen und ein Hof in Pullhausen (bis 1847). Die Gröbmühle kam 1847 aus der Pfarrei Berghkirchen hinzu, der Grashof 1856 aus der Pfarrei Hebertshausen, 1859 die Würmmühle und die Rothschwaige aus der Pfarrei Mitterndorf. Seit 24.Juli 2011 bildet die Pfarrei St.Jakob mit den Dachauer Pfarreien Mariä Himmelfahrt, St.Maria und Nikolaus in Mitterndorf, und St.Ursula in Pellheim einen großen Pfarrverband mit rd. 15.000 Katholiken 91).


Kirchenbau um 1240
Die erste Kirche am Platz der heutigen Stadtpfarrkirche St.Jakob wurde um 1240 im romanischen Stil erbaut. Die Lage an der vielbefahrenden Fernstraße wird wohl zur Wahl des hl.Jakobus zum Patron der Kirche beigetragen haben. Denn St.Jakob wurde seit dem Ende des 12.Jh -als sich die europaweite Wallfahrt nach Santiago etabliert hatte- auch als Schutzheiliger der Pilger, Wanderer und Fuhrleute verehrt. Und Dachau lag an der Straße nach Augsburg, das ein wichtiger Sammelplatz der Pilger Süddeutschlands war, von dem aus man die Reise nach Santiago gemeinsam antrat.
Das Pfarrhaus mit den dazugehörenden Wirtschaftsgebäuden entstand zwischen der Kirche und der Herzogsburg, die bis zum Brand 1403 in der Wieningerstraße stand.
Die erste urkundliche Benennung eines Dachauer Pfarrherrn stammt vom 16.Juni 1314 (Pfarrer Perchdolt).

Freisinger Matrikel 1315 06)
Schriftlich wurde Dachau als Pfarrei erstmals in der Konradinischen Matrikel (Matrikel=Verzeichnis) von 1315 erwähnt, mit den Filialen Prittlbach, Etzenhausen und Goppertshofen. Der Dekan residierte damals in Bergkirchen.

Der älteste Jahrtagseintrag stammt aus dem Jahr 1359, den ein Bürger mit dem nicht sehr vorteilhaften Namen "Heinrich Bscheißenteuffel" gestiftet hat.
Seit 1390 ist belegt, dass St. Jakob Patron der Kirche ist 21). Damals stifteten die Bürger Berchtold Ruedl ein ewiges Licht und Kunrad der Purgschlögl eine ewige Kerze. Nach Heinrich Rauffer steht das Patronat der Kirche mit ihrem Standort im Zusammenhang: An der früheren Salzstraße von Salzburg nach Augsburg gelegen, sei sie dem Patron der Pilger und Reisenden, St.Jakob geweiht worden 61).


Auszug aus der Karte von Apian 1568
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Umbau 15.Jh
Im Jahr 1403 dürfte auch die Kirche St.Jakob bei der großen Feuersbrunst in Dachau in Mitleidenschaft gezogen worden sein. Das Feuer war Folge der Eroberung Dachaus durch die Ingolstädter Wittelsbacher im Krieg von 1398-1403 04)
.
Vielleicht schon damals, vielleicht auch erst gegen Ende des 15. Jh. wurde die Kirche umgestaltet. Im 16.Jh wird sie jedenfalls als gotische Hallenkirche beschrieben, die 103 Schuh (=32 m) lang und 48 Schuh (=15 m) breit war.
Aus der gotischen Zeit (Ende des 15.Jh.
) 86) stammt auch der Turm mit dem zierlichem Maßwerk an den Außenwänden, in dessen Erdgeschoss sich ursprünglich die gewölbte Sakristei befand. Reste dieses Turms sind noch im unteren viereckigen Teil erhalten. Die Glocke von 1468 gibt einen Hinweis auf die Baufertigstellung.

Jahrtags-Stiftung 1477
Am Donnerstag um den St.Veitstag des Jahres 1477 stiftete der frühere bayerische Herzog Sigismund für sich, für seinen Vater Albrecht III. (gest.1460), seine Mutter Anna von Braunschweig (gest.1474) und seinen älteren Bruder und Mitregenten Herzog Johann IV. (gest.1463 an der Pest), einen feierlichen Jahrtag. Herzog Sigismund hatte sich 1467 zu Gunsten seines jüngeren Bruders Albrecht IV. von der bayerischen Regierung zurückgezogen und behielt nur Bayern-Dachau als Domäne, das nach seinem Tod wieder an Bayern-München fiel. Er war ein großer Liebhaber der Kunst, des schönen Lebens und der Jagd. "Denn ihm wars wohl mit schönen Frauen, mit weißen Tauben, Pfauen, Meerschweinchen, Vögeln und allerlei seltsamen kleinen Tierlein, auch mit Singen und Saitnspiel", heißt es in einem Bericht. Und von seinen Hobbies profitierte auch sein Wohnsitz, das Schloss Dachau. 95)

Sunderndorfersche Matrikel 1524 06)
In der Sunderndorfer'schen Matrikel von 1524 ist die Pfarrei unter dem Namen "Tachaw" enthalten. Diese Matrikel beschäftigt sich im Wesentlichen mit den Einnahmen und den Abgaben der jeweiligen Pfarrei. Sie enthält aber auch die Namen der damaligen Geistlichen. Offizieller Pfarrherr und damit Empfänger aller Einnahmen war Magnus Schöllenberg, ein Freisinger Kanonikus (=Domherr). Die Seelsorge vor Ort übte Vikar Sebastianus Hofer aus, gegen eine hoffentlich angemessene Entlohnung. Diese Arbeitsteilung war schon mehrere Jahrhunderte alt und hatte früher wegen allzu niedriger Bezahlung der Vikare zur bitteren Armut des einfachen Klerus geführt. Erst ein Beschluss der bayerischen Provinzialsynode von 1418, die Vikare müssten ein anständiges Einkommen erhalten, hat die Ungleichheit im Einkommen etwas abgemildert. Das Besetzungsrecht für die neuen Pfarrer lag beim Bistum Freising. Mehrfachbesetzungen, d.h. die Übertragung mehrerer Pfarreien an einen Pfarrherrn (Pfründehäufungen), waren die Regel. Ein Vikar durfte aber seit 1418 nur noch eine Pfarrei seelsorgerisch betreuen; auch das war bis dahin wegen des Hungerlohns der Vikare möglich.
Die Pfarrei Dachau hatte drei Filialkirchen, nämlich "s.Castuli in Brucklpach (Prittlbach), s.Laurentii in Hetzenhausen (Etzenhausen) cum sepulturis (= mit Friedhöfen), s.Nicolai in Goppartzhouen sine sepultura" (= ohne Friedhof). Die Pfarrei hatte damals 450 Communicantes (= erwachsene Gläubige). Sie war nach Vierkirchen, Indersdorf, Einsbach und Altomünster die fünftgrößte Pfarrei im Gebiet des heutigen Landkreises Dachau.

Visitationsbericht von 1560 41)

Auszug aus einer Karte
von Philipp Finkh -1655
Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation, eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet. Die Visitation wurde durch bischöfliche und durch herzogliche Bevollmächtigte durchgeführt. Grund war die durch die Reformation Luthers (1517) entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen des Bistums zur Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte. Durch die Visitation wollte der Bischof einen detaillierten Einblick in die religiöse Situation der Pfarreien gewinnen. Insbesondere sollte festgestellt werden, ob die Pfarrer und die Gläubigen noch die katholischen Lehre vertraten oder der neuen Lehre anhingen. Daneben interessierte die Prüfer die Lebensführung der Pfarrer sowie Umfang und Qualität ihrer religiösen Kenntnisse.
Im Bericht über die "Pfarr St.Jakobus in Dachau" heißt es, Pfarrer sei seit einem Jahr Erasmus Ziernhöld. Er wurde in Dachau geboren und 1555 in Freising zum Priester geweiht. Er war, wie der Visitator feststellte, in Lehre und Praxis katholisch geblieben, behielt die alten Zeremonien bei und war des Protestantismus "nit verdechtlich".
Privat wurde dem Pfarrer ein ehrbarer Lebenswandel
bescheinigt. Das galt auch für den jungen Cooperator, der ebenfalls aus Dachau stammte und noch bei den Eltern schlief ("hat sein ligerstatt bei seim vatter zu Dachaw"). Das Essen erhielt er aber im Pfarrhof. Der dritte Priester in der Pfarrei war der 63 Jahre alte Frühmesser, der in jüngeren Jahren dem Zölibat nicht so große Bedeutung beimaß. Er hatte mit seiner -inzwischen leider schon verstorbenen- Köchin fünf Kinder. In der Pfarrei lebten 900 Communicantes, also doppelt so viele wie vor 35 Jahren. Möglicherweise war der zwischenzeitliche Schlossbau dafür verantwortlich. Die Kirche war in gutem Bauzustand. Das galt auch für den Pfarrhof (Pfarrer ist wol behaust").
Wenn Sie den ganzen Text des Visitationsberichts lesen möchten, klicken sie hier...
Kirchenpröpste
29) .
Ansprechpersonen bei der Visitation 1560 waren neben dem Pfarrer vor allem die beiden Kirchenpröpste (Khirchpröbst), die in manchen Pfarreien auch Zechpröpste genannt wurden. Sie entsprechen in etwa den heutigen Kirchenpflegern, hatten aber mehr Befugnisse. Sie waren ehrenamtlich tätig und wurden jährlich vom Ratsplenum des Marktes gewählt. In der Regel gehörten sie selbst schon längere Zeit dem Rat an. Und in der Regel wurden sie alljährlich wiedergewählt; so übten die meisten das Ehrenamt auf Lebenszeit aus. Die politsche Gemeinde hatte auf diese Weise einen erheblichen Einfluss auf das Kirchenvermögen. Der erste Kirch- oder Zechpropst war für die die gesamte Verwaltung des Kirchenvermögens und der vorhandenen Barmittel zuständig, dem zweiten Propst oblag die Kontrolle, aber auch die Mithilfe (Vieraugenprinzip). In der Regel hat der Rat vermögende Personen zu Kirchpröpsten gewählt, denn sie waren verpflichtet, bei erfolgloser Eintreibung von Außenständen die Fehlbeträge aus eigener Tasche zu begleichen. Zudem wurde von ihnen erwartet, dass sie bei größeren Bauaufgaben oder Anschaffungen die Finanzierungslücken aus ihrem persönlichen Vermögen auffüllten oder für die von der Pfarrei eingegangenen Verpflichtungen die Haftung zu übernahmen. Zudem mussten sie den Umgang mit größeren Geldbeträgen gewohnt sein und bei Verhandlungen mit Künstlern und Handwerkern auf Augenhöhe agieren. Eine Auflistung der Dachauer Kirchenpröpste aus dem 17.Jh zeigt, dass sie bis auf einen Weißgerber und einen Handelsmann ausschließlich aus dem Kreis der Brauer und Wirte kamen. Ein indirekter Hinweis, in welchen Berufen man damals viel Geld verdienen konnte.
Welches Geld hatten sie zu verwalten ?
Zu unterscheiden ist die Vermögensmasse für den Unterhalt des Kirchengebäudes und für die kirchlichen Aufwendungen (fabrica ecclesiae) und die Pfründestiftung (beneficium), die dem personalen Aufwand des Geistlichen diente. Das Vermögen konnte aus Grundstücken bestehen oder Ewiggilten (Geld, das durch Hypotheken auf Grundstücken gesichert war) oder Wiederkaufsgilten (Hypotheken, die von den Spendern nach einer bestimmten Frist zum Nennwert +Zinsen zurückgekauft werden konnten), Ewiggeld (Zinsen eines irgendwo angelegten Kapitals) oder Jahrtagsstiftungen. Dazu kamen die Einnahmen aus dem Opferstock, aus dem vermieteten Kirchengestühl und aus Schenkungen aus verschiedenen Anlässen. Alles in allem hohe Geldbeträge, die von der Kirche gegen 5 % Zins ausgeliehen wurden. Da es damals noch keine Sparkassen gab, war die Kirchenstiftung neben anderen Stiftungen und den Zünften eine der größten Kapitalvermittlerinnen und die Kirchenpröpste auch eine Art Bankiers.


Neubau des Chors 1584/86
Schon im 16.Jh war der vorhandene gotische Bau zu klein gewordenen. Die Bevölkerung Dachaus hatte sich auf 130 Häuser mit 1200 (Rauffer: 900) Einwohnern vergrößert, wozu auch der Bau des Schlosses beigetragen haben dürfte. Zunächst wurde in den Jahren 1584/86 der Altarraum durch Friedrich Sustris (1540-1599), dem aus Italien (?) stammenden fürstlichen Baumeister aus München, errichtet und bereits im Renaissancestil gestaltet. Der verlängerte Chor mit zurückgeschobenem Hochaltar brachte aber nur einen unwesentlichen Raumgewinn. Die Türme erhielten eine neue Turmbekrönung in Anlehnung an die Kuppelhauben der neuen Schlosstürmchen 86).


Neubau der Kirche 1624/25
Für eine Erweiterung des Langhauses fehlte aber das Geld. Der Dachstuhl war morsch und das Mauerwerk schadhaft. Der Rat der Stadt arbeitete auf einen Neubau hin und begann Baustoffe, insbesondere Steine anzusammeln. Dafür nützlich waren die Steinstrafen, mit denen Bäcker, Brauer und Metzger belegt wurden, wenn sie gegen die Lebensmittelverordnung verstoßen hatten. Außerdem soll es dem Dachauer Pfleger Wilhelm Jocher (1565-1636) gelungen sein, sich 30.000 Steine 86) aus dem Schlossabbruch von 1546 zu sichern (wo waren die 70 Jahre lang gelagert ?). 8000 Ziegelsteine steuerte der Freisinger Bischof bei 86)
. Der Kurfürst Maximilian stiftete den Hochaltar, die Kurfürstin Elisabeth das Chorgestühl. Jocher selbst streckte 300 Gulden zinslos vor 86).

Der Bau wurde dem Münchner Hofbaumeister und Planer Hans Krumpper (1570-1634) übertragen. Der Auftrag wurde von den Beteiligten, drei Ratsherren und dem Baumeister, auch tüchtig begossen. Die Rechnung weist aus, dass sie zu viert 12 Kannen Wein, d.h., rd. 25 Liter, getrunken haben. Die hochkarätige Bauleitung war sicher den engen Bindun-gen Dachaus zum bayerischen Herrscherhaus zu verdanken, die auf der Burg ihren Sommersitz eingerichtet hatten 84) .


Älteste Ansicht der Dachauer Kirche
auf dem Grabstein von Schwankhler 1606
  Krumpper, seit 1592 ein Schwiegersohn seines Vorgängers im Hofbaumeisteramt Sustris,
war einer der führenden Baumeister seiner Zeit in Bayern und hauptberuflich am bayer. Herzogshof tätig. Zum Zeitpunkt des Dachauer Kirchenbaus arbeitete er auch an Plänen für den Umbau des Freisinger Doms 16) , die allerdings nicht verwirklicht wurden. Sein Hauptwerk, die von 1621 bis 1623 errichtete Paulanerkirche in München, wurde1902 abgebrochen. Als Hofbildhauer entwickelte er aus dem niederländisch-italienisch geprägten Manierismus die eigenständige frühbarocke bayrische Plastik. Zu seinen wichtigsten Werken in München gehören die Residenz, (Fassade, Patrona Bavariae, Wittelsbacher Brunnen), der Dianatempel im Münchner Hofgarten, und die Überbauung des Grabmals von Kaiser Ludwig dem Bayern in der Frauenkirche. Krumpper z
ählt auch zu den bedeutendsten Bildhauern des Frühbarock in Deutschland; seine Großbronzen gehören zu den besten Leistungen seiner Zeit 30) .

Am 15.4.1624 begann der Abbruch der alten Kirche und am 9.Mai des gleichen Jahres fand die Grundsteinlegung statt.
...mehr zum Grundstein...

Die Maurerarbeiten führte der Münchner Georg Ernst aus 86)
. Krumpper hat das neue Langhaus als dreischiffige Halle mit überbreitem Mittelschiff und mit schmalen Seitenschiffen konzipiert. Je vier Säulen mit kreuzförmigem Grundriss trennen Mittelschiff (mit Kreuzgewölbe) und Seitenschiffe (mit querliegenden Tonnengewölben). Pfeiler und Stuckbänder waren in hellem Grau, das Gewölbe in gelblichem Ocker, die Seitenwände in gedecktem Weiß gestrichen. Die Farben hatten als Grundlage holzgebrannten, mehrere Jahre lang abgelagerten Sumpfkalk, der vollständig atmungsaktiv ist. 44)
Säulen in der Kirche haben nicht nur statische Aufgaben. Sie sind auch Symbol für den Zusammenhang von Oben und Unten, sie verbinden Himmel und Erde. Deshalb ist die Säule vor allem an Altären eine beliebte Bauform.

Die Bauarbeiten dauerten bis 13. Sept. 1625. Als Zimmermeister war Kaspar Weinbusch aus Dachau beteiligt; das Bauholz brachten Dachauer Flößer auf der Ammer/Amper aus den Wäldern von Peiting und Schongau heran; sie waren seit 1608 zur Ammer-Flößerei privilegiert.
Der erste Gottesdienst im Neubau fand am 31.Oktober 1625 statt. Die Weihe der Kirche erfolgte fünf Jahre später, am Jakobitag (25.7.) des Jahres 1629 66)
durch den Freisinger Diözesanbischof Veit Adam von Gepeckh (der 1584 in Arnbach geboren worden war). Im Jahr 1629 wurden auch noch die Empore und Jocherkapelle errichtet.
Der Staatsmann und Pfleger Wilhelm Jocher beteiligte sich auch mit eigenen Mitteln an der Finanzierung. Er streckte, wie erwähnt, 300 Gulden ohne Zinsen vor, beglich Maler- und Kistlerrechnungen in Höhe von 796 Gulden, organisierte 600 Gulden von den befreundeten bayerischen Herzögen Wilhelm V. und Maximilian I. und spendierte über 800 Gulden für den neuen Hochaltar von Krumpper und Thonauer. Dieser Hochaltar soll ein Altarbild des Münchner Hofmalers Johann de Pay enthalten haben; ein Restaurator aus dem Jahr 1781 glaubte sogar darin ein Gemälde von Peter Paul Rubens erkannt zu haben. Das Altarblatt wurde 1810 entfernt, sodass der Maler nicht mehr festgestellt werden kann.
Johann de Pay (* 1609/1614 in Riedlingen/Württemberg; † 1660 in München) der sich auch Depay, Depey oder Pey schrieb, war ein kurbayerischer Hofmaler. Er erhielt seine erste Ausbildung in der elterlichen Malerwerkstatt, kam später in die Niederlanden und stand dort unter dem Einfluss Anton van Dycks. 1637 (mitten im 30jährigen Krieg) kam er nach München und wurde 1640 Hofmaler beim bayerischen Kurfüsten Maximilian I. Seine Werke sind nur zum Teil erhalten geblieben. Zu finden sind sie in München (Beweinung Christi in der Peterskirche), in Nürnberg (Bildnis eines Mannes im Germanischen Nationalmuseum), in Landshut (Choraltarblatt in St.Martin), in Stuttgart (Bildnis einer Frau) und in der Riedlinger Klosterkirche (Hochaltarbild-Martyrium des hl.Sebastian) 98).


Der Bau der Kirche stand am Ende einer seit 1550 andauernden Blütezeit des Marktes Dachau. Dass diese schon drei Jahre nach der Einweihung, im Jahr 1632 so jäh enden würde, konnte man damals nicht absehen; der Dreißigjährige Krieg war 1629 weit weg, in Norddeutschland, und die katholische Partei stand kurz vor dem Sieg. Während der Blütezeit wurden die Kirche, der neue Friedhof, das Schloss und das Rathaus errichtet, alles teure Objekte.

Dreißigjähriger Krieg
Im Dreißigjährigen Krieg hat Dachau schwer gelitten. In der -Chronologische Geschichte von Dachau, die der Verfasser Reithofer 1816 geschrieben hat, wird der Schwedeneinmarsch 1632 geschildert 04) :
  "Die Schweden drohten den Markt abzubrennen und machten sogleich den Anfang mit den Häusern des churfürstl. Kastners Grimm's und Menzinger's. ... Die benachbarte Roth-Schwaig des Klosters Indersdorf von ihrem Erbauer, dem Probste Johann Rothhut so genannt, wurde abgebrannt in diesem Jahre, die Kirche aber noch erhalten".

1632 war der Kirche also nicht gebrandschatzt, aber doch geplündert worden. Dies berichtet ein Schreiben des Dachauer Pfarrers an das Ordinariat in Freising vom 12.April 1641 01) . Die Bausubstanz war zwar noch vorhanden, nur das Dach war renovierungs-bedürftig. Aber alle Messgewänder und kirchlichen Geräte waren geraubt, die Orgel zerstört worden.
1641 hatte man sich wieder zwei Kelche und eine Monstranz beschafft, war aber auf Stiftungen, Sondersteuern und Einnahmen aus "langwürigem opffern" angewiesen. Denn die Einnahmen (Zehent) waren weggebrochen, weil die Bauernhöfe entweder abgebrannt waren ("ganz öedt ligen") oder nur noch die halbe Pacht erbrachten. Auch die Frühmess-Stiftung hatte ihre finanzielle Grundlage verloren, weil das gestiftete Haus "Güettl" abgebrannt war.
1648
, kurz vor dem Ende des Krieges, wurde die Kirche von den abrückenden Schweden in Brand gesetzt 62). Aus Rachsucht für den Überfall im Dachauer Moos, bei der der schwedische General Wrangel nur knapp (unter Zurücklassung seines Degens) entkam. Dabei gingen auch "die hiesigen pfarrlichen Einschreib-Bücher, namentlich das der Getrauten, zu Grunde".

Neuanschaffungen nach dem 30jährigen Krieg
Nach den Beschädigungen und Zerstörungen des 30jährigen Kriegs musste zunächst das Kirchengebäude wieder repariert werden. Eine Generation später, 1678, waren wieder genügend Mittel vorhanden, um nicht nur den Turm zu erhöhen, sondern auch einen neuen Xaveri-Altar unter der Empore errichten zu können. 1681 folgte eine neue "Urständ Christi" (eine Figur des Auferstandenen), 1685 ein neues Kirchenpflaster im Chor aus "Marbelstein" (Marmor). Im Jahr 1688 erhielt St.Jakob einen neuen Ölberg; den Ölbergchristus schnitzte Joh.Ulrich Gailler (1668-1704) aus Bergkirchen 19) (der in Einsbach die Figuren SS.Apollonia und Barbara geschnitzt hat) 19). 1690 wurde eine Kapelle vor dem Weblinger Tor errichtet, ein Jahr später konnte die Kirche die Schulden, die sie für den Turmbau aufgenommen hatte, zurückzahlen. 1696 hat man die Friedhofsmauer erneuert, danach den Totenkerker (= Karner oder Beinhaus) verändert und ein neues Kirchendach aufgesetzt. 1699 wurden die Apostelfiguren von Joh.Ulr. Gailler ausgebessert 19) .


Ansicht 1654
Die beiden Stiche zeigen jeweils die neue Kirche.

Links ein Stich von Matthias Merian um 1654. Hier sehen wir die Kirche von Südosten. Der noch aus gotischer Zeit stammende Turm scheint aber etwas zu breit geraten.
Rechts die Ansicht der Kirche um 1696 von Michael Wening (aus Nordwesten).
Es zeigt die Kirche mit dem 1678 erhöhten und mit einer Zwiebelhaube und Laterne versehenen Turm.

Ansicht 1678

Michael Wening fügte seinem Stich folgende Beschreibung an: "In der Pfarrkirch darinn die Bruederschafften Corporis Christi und deß heiligen Rosenkrantz auffgericht ist S.Jacobus Major Schutz-Patron dessen silbernes Brustbild sonderbar hoch geachtet wird; benanntlichaber hat allda seinn eygne Grabstatt Herr Wilhelm Jocher von Hechenrhain etc. Churfürstl. geweßter Geheimber Rath und Haupt-Pfleger allhier sambt seiner Ehefrauen welcher für arme und elende Leuth in disem Marck und Gericht wie auch zu Erbauung eines neuen Spitals allhier ein zimbliche Summa verschaffet hat.... Ausser deß Marcks vor dem Weblinger Thor stehet ein nit längst erbaute schöne Capell U.L.Frauen von Alten Oeting; Item ein andere saubere Capell mitten in dem allerseyts mit Maur eingefangnen Gottsacker 2) .
Michael Wening (*11.7.1645 in Nürnberg, + 18.4.1718 in München) hat in seiner vierbändigen Beschreibung des Kurfürsten- und Herzogtums Ober- und Niederbayern rd. 750 Kupferstiche bayerischer Schlösser, Klöster und Kirche erstellt. 103) Finanziell lohnte sich die Arbeit nicht. Dazu schrieb er: "Ich hab mit Herzeleid ansehen müssen, wie ich in dieses Werkh über 6000 Gulden hineingesteckt, doch seyne frucht in hoechster noth brodlos nit hab genüßen können, sodaß ich die Zeit seither schier hätt krepieren muessen". 2)
Michael Wening war im Herbst 1696 nach Dachau gekommen, um die Entwürfe für seine Dachau-Stiche anzufertigen. Er logierte bei Johann Ulrich Pinzer gegenüber dem Rathaus. Die Kosten dafür hatte auf kurfürstlichen Befehl die Dachauer Marktkammer zu tragen. 4 Gulden 4 Kreuzer betrug die Rechnung für Kost und Logie "als er den Markt allhier delinieret hatte". 104)


Neuer Choraltar 1702
In dieser Zeit fand der beim Neubau der Kirche vom Hofbaumeister Hans Krumpper gestaltete, inzwischen 75 Jahre alt gewordene Choraltar/Hochaltar keinen Gefallen mehr. Man sammelte Geld für einen neuen Altar und konnte schon 1702 für mehr als 1239 Gulden einen neuen Hochaltar von Franz Prugger (1638-1736) aufstellen. Die Spenden gingen nach Gerhard Hanke auch deshalb so zahlreich ein, weil die Kurfürst Max Emanuel rigoros die Barmittel hoch besteuern ließ. Da spendeten die betuchten Bürger lieber, machten sich einen Namen als Stifter und sorgten so für ihr Seelenheil. Auch die Kirche gab ihre Überschüsse sofort wieder für neue Anschaffungen aus, um zu verhindern, dass ein großer Teil davon als staatliches Zwangsdarlehen eingezogen wird. In der Zeit der österreichischen Besatzung 1704-1714 hat man aus diesem Grund eine neue Orgel (1706), eine Kanzel (1707), die Dacheindeckung (1708) und ein neues Pflaster im Kirchenschiff -wieder aus Marbelstein- (1710) erworben.

Um das Jahr 1700 hatte die Jakobskirche in Dachau mindestens sieben Altäre:
Neben den drei noch heute erhaltenen, zwei weiter unter der alten Empore, die den Heiligen Joh.Nepomuk und dem hl.Franz Xaver geweiht waren und die bei der Kirchenerweiterung 1926 abgetragen werden mussten.
Dazu noch zwei weitere Altäre, von denen noch die Altarblätter (St.Leonhard und St.Sebastian) im Chorraum erhalten sind.


Schmidt'sche Matrikel 1738 06)
In den Jahren 1738 bis 1740 besuchte der Freisinger Kanonikus Schmidt alle Pfarreien der Diözese Freising, die er in der nach ihm benannten Schmidt'schen Matrikel kurz beschrieb. Die Pfarrei St.Jakob wurde damals seit 1731 von Pfarrer Michael Ambacher betreut. Das Besetzungsrecht (für neue Pfarrer) wechselte monatlich zwischen dem Bistum Freising und dem bayerischen Kurfürsten (=Monatspfarrei; dabei konnte der Bischof einen neuen Pfarrer bestellen, wenn der Vorgänger in den sog.päpstlichen Monaten-ungeraden Monaten wechselte oder verstarb, andernfalls der Herzog). Der Pfarrhof wird als neu erbaut beschrieben. Die Zahl der Gläubigen hatte sich in den vergangen 200 Jahren mehr als verdoppelt und betrug 1155 Communicantes; das war nach Vierkirchen und Indersdorf die drittgrößte Pfarrei im heutigen Landkreis.
Die Pfarrei hatte drei Filialen, nämlich in "Prittelbach, Etzenhausen et Gobbertshoffen". Dazu kamen noch vier Kapellen, St.Nikolaus im Schloss, eine (ehemalige) Friedhofskapelle neben der Kirche, die Marienkapelle "Oettinganae" an der Stadtgrenze und die Kreuzkapelle (Krumpperkapelle) im äußeren Friedhof. Die Pfarrkirche selbst wird als von schöner Gestalt beschrieben. Sie hatte acht (!) Altäre. Der Hochaltar war dem Patron, dem Apostel Jakobus, geweiht. Auf ihm stand der Tabernakel. Deshalb war er auch der Altar für die Bruderschaft zur ewigen Anbetung des Altarsakraments. Aber auch die Georgsbruderschaft feierte hier ihre Gottesdienste. Der zweite Altar war dem hl.Sebastian, der dritte dem hl.Leonhard und der vierte der Jungfrau Maria von der immerwährenden Hilfe geweiht. Der fünfte Altar hatte St.Joseph, der sechste St.Franz Xaver als Patron. Die beiden letzten waren wiederum Marienaltäre: einer war der Jungfrau Maria und der andere der Rosenkranzmadonna gewidmet. Am letztgenannten Altar feierte die Rosenkranzbruderschaft ihre Gottesdienste; diese Bruderschaft war ein Jahrhundert vorher (also um 1640) gegründet worden. In der Matrikel werden auch Benefizien (Mess-Stiftungen) aus den Jahren 1408, 1714 und 1730 mit ihren Einkünften aufgeführt. Die Beschreibung endet mit den Hinweisen, dass in der Kirche Taufstein und die Heiligen Öle, in der Sakristei genügend Messgewänder vorhanden seien. Im Turm hingen drei geweihte Glocken. Die Einkünfte verwalteten der Pfarrer und der Magistrat des Marktes Dachau. Im letzten Satz (dem einzigen in deutscher Sprache) macht Schmidt Angaben zum Vermögen: "Das eigentliche Vermögen dises Pfarr-Gottshauses ist aus Abgang der Rechnungs-Extracten nit wißlich, wird sich aber yber 1500 fl. (=Gulden) nit vil erstreckhen".

Neuer Altar 1810
Um 1810 stiftete Pfarrer Stöger aus seinen Privatmitteln einen neuen Hochaltar. Er ließ den damals 100 Jahre alten barocken Altar von 1702 abbrechen und durch einen "aus der Meisterhand des Wessobrunner Stuckateurs Michael Sporer" ersetzen. Das Altarbild mit der Darstellung der Enthauptung von St.Jakob schuf der Münchner Maler Prof. Josef Hauber (1766-1834). Der erst 1774 erworbene Hl.Blut-Tabernakel (mit einem Blutstropfen Christi) wurde übernommen. Altarbild und Tabernakel schmücken auch heute noch die Kirche.


Neubesetzung der Pfarrei 1816
Im April 1816 war der Dachauer Pfarrherr gestorben. Daraufhin wurde die Pfarrei im Königlich-Bayerischen Intelligenzblatt für den Isarkreis (auf Seite 395) für Interessenten unter den Priestern ausgeschrieben 03):
  "Die erledigte Pfarrei Dachau betreffend. - Im Namen seiner Majestät des Königs.
Die Pfarrey Dachau ist durch den Tod des letzten Besitzers erledigt. Sie liegt im m Königl. Landgerichte gleichen Namens und im Bisthume Freysing. Sie zählet 1487 Seelen in einem Umkreise von 2 Stunden, sie hat 3 Filialen und eine Schule.
Die Pfarrgeistlichkeit besteht in dem Pfarrer, einem Cooperator und einem Provisor für das dem Pfarrer zugelegte 2.Beneficium. Auch ist ein Frühmeß-Beneficiat im Markte Dachau. Die Renten belaufen sich auf 1500 Gulden, die Lasten dagegen auf 800 Gulden.
München, den 30.April 1816 - Königliches General-Commissariat des Isarkreises
v.Hoffstetten Kreis-Direktor, Rainprechter Secretär."

1847: Die Pfarrei Dachau besitzt 1904 Gläubige 20)

Kurzbeschreibungen 1867 und 1868
Die Bücher "Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern" und "Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern", beide von Joseph Heyberger enthalten ein Kurzbeschreibungen von Dachau. Darunter auch Bemerkungen über religiöse Einrichtungen
11):

1867: 1. Dekanat Dachau: 30 kath. Pfarreien, 26 kath. Schulen, 3 Filialinstitute der Armen Schulschwestern (Weichs, Dachau
              Lauterbach), 1 Filialinstitut der barmherzigen Schwestern mit Erziehungsanstalt für arme Kinder in Indersdorf,
              1 Localkrankenhaus.
          2. Das Bezirksamt Dachau besteht aus 233 Orten. Darunter 1 Markt, 88 Dörfer (darunter 29 Pfarrdörfer, 44 Kirchdörfer),
              81 Weiler, 63 Einöden und Mühlen, 13 Schlösser. Das Gebiet hat 18.573 Seelen, darunter 103 Protestanten,
              14 Reformierte, 91 Mennoniten, die 3817 Familien bilden und in 3101 Häusern wohnen. Daneben bestehen 249
              öffentliche Gebäude und 2783 sonstige Gebäude. Die Zahl der Gemeinden beträgt 56. 09)


Statistik 19.u.20.Jh
1852: "Der Markt an der Ammer zählt 349 Familien, 1426 Seelen und 306 Gebäude". 07)
1868: "Dachau, Markt und Pfarrei im Erzbisthum München-Freising, 1404 Einwohner in 306 Gebäuden, davon 3 Protestanten,
          2 Kirchen, Schule, Filiale der Armen Schulschwestern, mehrere Brücken...." 10)

1925: Markt mit   7.148 Einwohnern 97)
1933: Stadt mit   8.234 Einwohnern 97)
1939: Stadt mit 17.472 Einwohnern (davon 1.576 evang., 13.559 kath. 18 sonst.Christen, 184 jüdisch) 97)



Pfarrei-Beschreibung 1874 12)
Um das Jahr 1870 erstellte der Dombenefiziat Anton Mayer eine Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising und veröffentlichte sie 1874 als Buch .
Über die Pfarrei Dachau schreibt er, sie habe 2535 Seelen in 404 Häusern, davon lebten 2061 (in 329 Häusern) im Markt selbst, die übrigen in Etzenhausen (163), Prittlbach (173), Goppertshofen (59), Walpertshofen (24) und Würmmühle (21) sowie in Steinkirchen (nur ein Haus mit 10 Personen nach Dachau) und Webling (nur 24 in 3 Häusern nach Dachau). Der Umfang der Pfarrei betrage 2 1/2 Stunden.
Über die Pfarrkirche berichtet Mayer: "(errichtet im) Baustil des 17.Jh. Restaurirt 1854. Geräumigkeit ungenügend. Baupflicht hat die Kirche. Kuppel-Thurm mit 4 Glocken. Im Inneren 6 Altäre... Orgel mit 16 Registern. Gottesdienste regelmäßig. Donnerstag-Aemter mit Procession. Stiftungen: 59 Jahrtage, 302 Jahrmessen und die von Prof.Dr. Josef Ziegel gemachte und 28.Sept.1869 confirmirte (bestätigte) Mai-Andachtstiftung. Täglich Rosenkranz. Bittgang nach Andechs am Samstage vor Christi Himmelfahrt und nach Puch bei Bruck zur hl.Edigna, gewöhnlich Ende Juni, auf Ansuchen mit geistl. Begleitung. Cemeterium (Friedhof) neu hergestellt und benediciert im October 1865, 10 Minuten von der Pfarrkirche entfernt, an welchem die Gemeinde Baupflicht hat. Bei selbem ist eine hl.Kreuz-Capelle (Krumpperkapelle) und ein im Jahr 1866 erbautes, 1867 benediciertes Leichenhaus.
Mesner wohnt im Meßnerhaus und vertritt bei geringeren Leichenbegängnissen die Cantorstelle. Sonst ist Cantor und Chorregent der Lehrer. Der Dachauer Pfarrer von 1874 war kein Landwirt mehr. Das Widdum, der Pfarr-Bauernhof war bis auf 3 Tagwerk Krautäcker verkauft. Er wohnte -zusammen mit einem Cooperator in dem 1858 erbauten Pfarrhaus. Die Coadjutorstelle war 1874 wegen Priestermangels nicht besetzt.Das Kirchenvermögen betrug damals 26.279 Gulden.

 

Geplante Schlosskirche als Ersatz für die Pfarrkirche 14)

Ende des 19.Jh. war klar geworden, dass die Kirche St.Jakob für die wachsende Zahl der Katholiken in Dachau zu klein war. Auch Anton Mayer hatte in seiner Beschreibung von 1874 festgestellt: " Geräumigkeit ungenügend".

Plan für Schlossberg-kirche 1892
- von vorne -

Da hatten die Dachauer Gemeindeväter und ihr Pfarrer einen kühnen Plan: Sie wollten das verfallene Schloss erwerben und aus dem vom Abriss 1803 verschonten Teil eine Kirche gestalten. Links und rechts des Schlossflügels wollten sie in Richtung Markt zwei wuchtige Türme setzen und daneben zwei Querschiffe anbauen. Dachau würde durch diesen Kirchenbau auf stolzer Höhe im Gesamtbild gewinnen. Bei einer Breite ohne Querschiff von 11 Metern und einer Länge von insges.80 Metern wären die Proportionen allerdings sehr ungewöhnlich gewesen.
Die Kirchenverwaltung unter ihrem rührigen Pfarrherrn Martin Hartl (1888-1895), dem Bruder des Weihbischofs Alois Hartl, ließen einen Plan fertigen und reichten ihn mit Datum vom 4.Nov. 1892 bei der kgl. Bayer. Regierung ein. Details aus dem Plan sehen sie links und rechts.


Plan für Schlossbergkirche 1892 - Seitenansicht

Das Generalkonservatorium der Kunstdenkmäler und Altertümer in Bayern, das von der Regierung zur Stellungnahme aufgefordert worden war, äußerte aber erhebliche Bedenken: Das Dachauer Schloss stelle auch in seiner verkleinerten Form als imposantes Denkmal einer der bedeutendsten Perioden des Wittelbachischen Königshauses dar und verdiene es, unverändert als Schloss erhalten zu werden. Außerdem werde auch der Hofgarten bei einer Umgestaltung zur Kirche seinen Charakter als einstiger herzoglicher Lustgarten verlieren. Im Inneren des Schlosses, im großen Saal, seien noch Wandfresken aus der Erbauungszeit um 1560 mit mythologischen Figuren erhalten, die nicht in einen Kirchenraum passen würden. Außerdem müsste man die jetzige Jakobskirche schon aus Denkmalschutzgründen weiter erhalten.
Den entscheidenden Grund lieferte das königl. Bayer. Finanzministerium, das von der Pfarrei Dachau als Ablöse 30.000 Mark forderte, damit es für die im Schloss untergebrachten Behörden neue Räume beschaffen könne. Das war eine absurd hohe Forderung, die alle Pläne zunichte machte. Unter den Neinsagern war übrigens auch der damalige Bayerische Kultusminister Dr.August von Müller, der in dem 1890 abgebrochenen Augsburger Tor in Dachau geboren worden war.
Aber es gab auch viele Bürger und Pfarrangehörige, die sich gegen die Schlossbergkirche wandten. Für alte Leute war es schon beschwerlich, zur Jakobskirche zu kommen; zum Schlossberg wären es noch einige Höhenmeter mehr gewesen. So hieß es: "für alte Leute fürwahr schon ein Kreuzweg, bevor sie zur Kreuzwegandacht kämen !"

zum Kirchenschiff
Der 1926 neu angebaute Teil der Kirche mit Zugang und Treppe.

Erweiterung des Kirchenschiffs 1926

Die schon um 1890 geplante Vergrößerung des Kirchenraums (ersatzweise auch den o.e. Umbau des Schlosses oder die Errichtung eines Neubaus im Unteren Markt) ließ lange Zeit auf sich warten.
Die angestellten Überlegungen gibt am besten der Bericht von Architekt Dr.O.Doering wieder, der 1917 schrieb:
107 )
  "Die Frage, was hier im Interesses des vermehrten Bedarfes zu geschehen habe, ließ sich verschieden beantworten. Vom Standpunkte der Denkmalpflege am weitesten ging die Auffassung, der auch ich mich seiner Zeit angeschlossen habe, von jeglicher Änderung überhaupt abzusehen, die alte Kirche zu lassen und zu erhalten, wie sie ist und an passender sonstiger Stelle eine neue zu errichten. Die entgegengesetzte Anschauung vertrat den Wunsch eines völligen Neubaus an Stelle der abzubrechenden alten Kirche. Den Sieg trug eine vermittelnde Meinung davon. Sie ging auf einen Erweiterungsbau aus. Die Schwierigkeiten eines solchen war sehr erheblich. Galt es doch die Lösung des Problems, auf sehr geengtem Raume große Zutaten zu schaffen, die dem Charakter der alten Kirche wie des Ortsbildes sich verständnisvoll anzupassen hätten."

Nachdem der Entschluss für den Erweiterungsbau gefallen war, wurde ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben, an dem die Münchner Professoren Richard Berndl, Fritz Fuchsenberger, Rupert von Miller und Hermann Selzer sowie der Augsburger Architekt Michael Kurz teilnahmen. Verlangt wurde eine Nutzungsfläche von 1200 qm. Die Baukosten sollten 130.000 Mark nicht übersteigen.

Es dauerte dann aber noch 9 Jahre, bis man im Jahr 1926 das Langhauses um ein Joch nach Westen verlängerte. Wahrscheinlich hatten die Unsicherheiten nach dem 1.Weltkrieg und die Inflation 1923 die Umsetzung der Pläne von 11917 verhindert. Jedenfalls erhielt den Planungsauftrag keiner der Architekten von 1917, sondern Hans und Paul Gedon, München 86 ). Da sich im Anschluss der Marktplatz von Dachau befand, gestaltete man die Westseite als Schauseite aus.


Umgestaltung 1966
Im Zuge der Liturgiereform des 2.Vatikanischen Konzils wurde die Kirche 1966 unter Leitung des Münchner Bildhauers Reinhold Grübl umgestaltet. Der Hochaltar erhielt im Aufsatz eine Christusstatue, die Apostelfiguren aus der Zeit um 1625 wurden von den Außenwänden an die Pfeiler des Kirchen-schiffs versetzt, die Fenster erhielten Butzenscheiben.
Der neue Volksaltar und der Ambo (von Blasius Gerg) kamen erst 1976 dazu.

Benefizien
Die hier in Dachau genannten Benefizien sind Stiftungen von Geld oder Grundstücken, aus deren Ertrag die Kosten für eine bestimmte Anzahl von Messen für das Seelenheil von Verstorbenen bestritten werden sollten (Mess-Stipendien). Die Kosten umfassten in erster Linie die Bezahlung eines sog. Benefiziaten, eines mit dieser Aufgabe betrauten Geistlichen und sonstige allgemeine Ausgaben. Der Benefiziat stand weiterhin im Dienst der Diözese, wurde aber für diese Aufgabe (manchmal auch nur teilweise) abgestellt. Marcus Pilz (siehe Quellen) spricht von "Messstipendien, bei denen von der Anzahl der brennenden Kerzen bis zu den Glocken, die geläutet werden sollen und der Anzahl der Ministranten jedes Detail exakt festgelegt und einzeln honoriert wurde". Manchmal mussten die Benefiziaten der Pfarrei auch Paramentengelder für die Benutzung der Messgewänder bezahlen.
Für Dachau ist sogar die Klage eines Benefiziaten wegen "Überlassung eines schlechten Beichtstuhls" durch den Pfarrer überliefert. Im Allgemeinen war das Amt eines Benefiziaten aber begehrt, weil sie, so Pilz, bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts oftmals vom Seelsorgedienst befreit waren und somit nur ihre gestiftete Messverpflichtung zu erfüllen hatten. Hatte man eine solche Stellung erreicht, war man mit überschaubaren Verpflichtungen ein Leben lang gut bis sehr gut versorgt.

Aus der Schmidtschen Matrikel und von Mayer/Westermayr erfahren wir, dass in der Pfarrei Dachau folgende Benefizien eingerichtet waren:


Frühmeßbenefizium von 1408

Am "Gottesleichnamstage 1408" haben die Marktgemeinde Dachau und Pfarrer Daniel Anstaller (wohl im Zuge des Wiederaufbaus nach der Verwüstung des Marktes durch Truppen des Herzogs von Baiern-Ingolstadt 1403 51) )
ein Frühmeßbenefizium gestiftet. Das Benefizium ermöglichte die Anstellung eines Benefiziaten, der verpflichtet war, täglich die Frühmesse - im Winter um 7 Uhr, im Sommer um 6 Uhr- zu lesen, an Sonn-und Festtagen für die Stifter zu beten und eine Frühlehre zu halten. Daneben hatte er in der Seelsorge auszuhelfen und Beichte zu hören. Das Patronat der Stiftung (Entscheidung über die Besetzung der Benefiziatenstelle) hatte der Magistrat, der Rat des Marktes Dachau. Der Benefiziat wohnte in einem eigenen Beneficialhaus mit 21 Tagwerk Grundflächen der Bonität 17. Die Baupflicht am Gebäude hatte der Magistrat. Das Beneficium war einträglich: Den Einnahmen von 781 Gulden standen nur 50 Gulden Ausgaben gegenüber. Aus der Zeit des 30jährigen Kriegs ist aber bekannt, dass das Benefizium "wegen seiner geringen Dotation" in den Jahren 1644 bis 1646 von zwey Benediktinern zum hl.Kreuz in Donauwörth versehen" worden war. 04)
Im Jahr 1816 wurde das erst 1812 neu erbaute Benefiziumshaus im Königlich-Bayerischen Intelligenzblatt für den Isarkreis mit folgenden Worten zum Verkauf ausgeschrieben:
  "Auf Andringen der Gläubiger der Burgkartischen Kirschners-Eheleute zu Dachau wird deren zum hießigen Frühmeß-Beneficium mit 3 Gulden 36 Kreuzer bodenzinsiges, erst im Jahre 1812 neu erbautes Haus, welches in der Länge 30, in der Breite 28 Schuhe hält, und sammt dem dabey befindlichen Gartenplätzchen 15 Decimalen Tagwerk einnimmt, am Montag den 30sten December i.J. salva ratificatione creditorum, öffentlich verkauft. Kauflustige wollen sich am bemerkten Tage Vormittags 9 Uhr dahier einfinden, um ihre Anbothe zu Protocoll zu geben. Bey der nähmlichen Gelegenheit wird auch einn geringer Vorrath von Hausfahrnissen gegen gleich baare Bezahlung versteigert. Den 2. December 1816. Königlich-Bayerisches Landgericht Dachau. Lict. Heydolph Landrichter."


Mörz-Benefizium von 1714
Das Mörz-Beneficium mit einem Kapital von 2000 Gulden stammt aus dem Jahr 1714. Es war ursprünglich vom Pfarrer Michael Mörz aus Haimhausen in der Heilig-Geist-Kirche zu München (Viktualienmarkt) gestiftet und erst später nach Dachau transferiert worden. Das Patronatsrecht (Besetzungsrecht) lag "beim Land-Capitel Dachau, doch so, "daß daselbe auf einen aus des Stüffters Blutsbefreunden usque ad quartum gradum (bis zum 4.Verwandtschafts-Grad) vor anderen reflectieren solle; in Abgang dessen aber alsdann ein anderer frommer Priester oder der etwa lange Jahr in vinea Domini (im Weinberg des Herrn) euffrig gedient, präsentirt werde" (= bei der Berufung eines Beneficiats musste erst in Priester aus der Verwandtschaft des Stifters gefragt werden). Die Verpflichtung des Beneficiaten belief sich zunächst auf 104, später 77 Messen jährlich und auf die Aushilfe im Beichtstuhl.


Metzger-Benefizium von 1730 94)
Das dritte Beneficium wurde vom Dachauer Pfarrer und Dechant Anton Metzger (1691-1729) testamen-tarisch, also nach seinem Tod, im Jahr 1730 gestiftet. Der aus Feldgeding stammende Metzger (auch Mözger oder Mezger geschrieben) hatte in Freising Theologie und Jura studiert, war von 1691 bis zu seinem Tode mit 64 Jahren, am 20.12.1729, Pfarrer in Dachau; er ist bis auf den heutigen Tag der am längsten amtierende Pfarrer in dieser Pfarrei. An der Nordwand der Kirche ist sein Epitaph erhalten.
Das Benefizium bestand aus einem Kapital von 4500 Gulden, die einen jährlichen Ertrag von 200 Gulden brachten. Der Collegiats-Stiftsdechant Ferdinand Zeller von Freising vermehrte das Fondskapital um weitere 800 Gulden. Bischof Johann Theodor von Bayern (1727-1763) hatte die Stiftung confirmiert (bestätigt). Der Beneficiat war verpflichtet, wöchentlich je drei Messen für die Stifter (zwei Messen für Metzger und eine

Anton Metzger
Messe für Zeller) zu lesen. Daneben musste er seelsorgerische Hilfstätigkeit in der Pfarrei übernehmen, vor allem
das Beichthören. Das Patronatsrecht für diese Stiftung lag offiziell beim Pfarrer von Dachau, war aber bei der Erstbesetzung durch eine Klausel stark eingeschränkt.

Nach dieser Klausel musste der Pfarrer zunächst die Neffen des Stifters fragen, ob sie nicht die Stelle selbst einnehmen wollten. Und einer der Neffen machte von diesem Vorrecht Gebrauch. Es war der 21 Jahre alte Franz Ferdinand Effner, Sohn des Dachauer Hofgärtners Johann Christoph Effner und Bruder des berühmten Münchner Hofbaumeisters Josef Effner. Der Dachauer Pfarrer Haimgarten aber sträubte sich, ihm das Amt des Benefiziaten zu übertragen. Er argumentierte damit, dass Ferdinand Effner die in der Stiftungsurkunde festgelegten Pflichten als Benefiziat nicht erfüllen könne, weil er nicht zum Priester geweiht sei (Ferdinand hatte erst die niederen Weihen empfangen). Ihm als Pfarrer war die sofortige Mithilfe in der Seelsorge und im Beichtdienst wichtig; dies war aber nur einem voll geweihten Priester möglich. Zudem sprach Pfarrer Haimgarten die Vermutung aus, der Vater Effner wolle mit den Einkünften aus dem Benefizium nur das teure Studium seines Sohnes finanzieren. Der folgende Rechtsstreit, den Marcus Pilz in seiner Facharbeit detailliert beschrieben hat, gewann im Ergebnis Effner, der wohl seine gute Beziehungen zum Hof des bayerischen Kurfürsten nutzte. Es kam zu einem "Vergleich", der dem Ferdinand Effner das Benefizium zusprach. Die Aufgaben des Benefiziats musste der Dachauer Pfarrer zunächst selbst übernehmen; dafür erhielt er
von den Erträgen des Benefiziats gut die Hälfte (112 Gulden und 30 Kreuzer jährlich). Für Effner blieben so fast 90 Gulden übrig, für die er nichts zu tun hatte. Pfarrer Haimgarten verlor (wohl durch den Streit) die Dachauer Pfarrstelle, wurde aber noch weiter von Effner gerichtlich verfolgt, der die Einnahmen rückwirkend haben wollte. 1733 wurde Effner zum Priester geweiht, übernahm das Benefizium in vollem Umfang und wurde neun Jahre später, 1742 sogar selbst zum Dachauer Pfarrer berufen. Als er am 30.März 1746 im Alter von nur 36 Jahren starb, war er als Pfarrer hoch angesehen. Davon zeuge der umfangreiche Nekrolog im Sterbebuch der Pfarrei, schreibt Pilz. Das Epitaph von Ferdinand Effner ist an der Außenseite der Kirche zu finden.

Ferdinand Effner


Mandel'sches-Benefizium 1654
Früher bestand auch noch das ursprünglich in die Metropolitankirche zu München (Liebfrauendom) gestiftete Baron v.Mandl'sche Benefizium, das aber im Jahr 1807 nach Hebertshausen verlegt worden ist.

Durch Kriege, Inflationen, die Säkularisation und die Bauernbefreiung von 1849 verloren die Benefizien viel von ihrem Vermögensgrundstock. Deshalb hat man das Mörz- und das Metzgerbenefizium zusammengelegt und später mit der Pfarrstelle von St.Jakob vereinigt.


Robert Böck nennt in seinem Buch "Wallfahrten im Dachauer Land" noch folgende weitere Stiftungen:


Schüler- oder Ministrantenstiftung
51)
Diese Stiftung wurde 1482 vom Herzog von Bayern-Dachau Sigismund (1439-1501) ins Leben gerufen. Stiftungszweck war, durch kleine Belohnungen dafür zu sorgen, dass Schüler oder Ministranten den Pfarrer bei den Versehgängen (zur Spendung der sog.Letzten Ölung) begleiteten. Nach den Kirchenrechnungen erhielten die Ministranten jeweils 2 schwarze Pfennig Entlohnung.
    "Auff die Schuelerbueben, alß man die Kranckhe Persohnen mit unserm lieben Herrn versehen, denen so mit gangen seindt."


Die Sebastianistiftung 51)
war 1594 von Annan Hofmannin und Colman Miller von Dachau mit einem Stiftungsvermögen von 36 Gulden errichtet worden. Zweck war die Finanzierung einer ewige Wochenmesse am Pfinztag (Donnerstag) am Sebastianialtar und eine Jahrtagsmesse am Sebastianitag (20.Januar). Nach der Jahrtagsmesse erhielten die Besucher aus dem Kelch Wein zum Trinken ("nach dem Gottedienste armen und reichen ain Maß Wein aus dem Khelch Zu Segen Zethrinckhen"). Es war eine Erinnerung an den Brauch in Ebersberg, wo den Gläubigen Wein aus der Hirnschale des hl.Sebastian angeboten wurde.
Weitere Aufgaben der Stiftung bestand darin, den Sebastiansaltar und die davor hängende Ewig-Licht-Ampel sowie die große Sebastianskerze aus 18 Pfund Wachs zu unterhalten.
1819 hatte die Stiftung ein Vermögen von nur 48 Gulden.



B
ruderschaften

Bruderschaften sind kirchlich errichtete Körperschaften, die je nach Ausrichtung allen Personen oder nur verschiedenen Personenkreisen (Zunftbruderschaften) offenstehen. Die theologische Wurzel bildet die Vorstellung von der Gemeinschaft der Kirche, zu der auch die Verstorbenen gehören (Corpus Christi Mysticum). Ein Hauptanliegen ist das religiöse Totengedenken. Dazu treten weitere Ziele (Caritas, Förderung individueller Frömmigkeit). Bruderschaften sind kirchlich errichtete Körperschaften, die je nach Ausrichtung allen Personen oder nur verschiedenen Personenkreisen (Zunftbruderschaften) offenstehen. Die theologische Wurzel bildet die Vorstellung von der Gemeinschaft der Kirche, zu der auch die Verstorbenen gehören (Corpus Christi Mysticum). Ein Hauptanliegen ist das religiöse Totengedenken. Dazu treten weitere Ziele (Caritas, Förderung individueller Frömmigkeit). Bruderschaften stehen unter dem Patronat eines Heiligen oder einer Heilstatsache (wied z.B. die Verehrung des eucharistischen Sakraments). Marianische Bruderschaften beziehen sich auf unterschiedliche Marienfeste oder Gnadenbilder oder treten auch als Rosenkranz- und Skapulierbruderschaften auf.
Eine Wurzel des Bruderschaftswesens dürften die frühmittelalterlichen Gebetsverbrüderungen sein. Bruderschaften sind im Raum des heutigen Bayerns seit dem Spätmittelalter belegt, überwiegend jedoch im 15. Jahrhundert. Nach einem Einbruch im 16. Jahrhundert erlebte das Bruderschaftswesen in der Barockzeit eine neue Blüte. Die durch die Gegenreformation eingeleitete Erneuerung des religiösen Lebens führte zur Gründung zahlreicher neuer Bruderschaften. Gegenüber dem Mittelalter, in dem oft auch soziale Leistungen gefordert wurden, bezogen sich die Verpflichtungen, die die Mitglieder der Bruderschaften eingingen, in der Barockzeit fast ausschließlich auf geistliche Tätigkeiten. Im 19. Jahrhundert erhielten Bruderschaften durch das katholische Vereinswesen (Marianische Kongregation, Dritter Orden, Missionsverein, Kolpinsverein) eine neuartige Konkurrenz. Die meisten erloschen im Laufe des 20. Jahrhunderts ohne formelle Auflösung. 105)Bruderschaften stehen unter dem Patronat eines Heiligen oder einer Heilstatsache (wied z.B. die Verehrung des eucharistischen Sakraments). Marianische Bruderschaften beziehen sich auf unterschiedliche Marienfeste oder Gnadenbilder oder treten auch als Rosenkranz- und Skapulierbruderschaften auf.
Eine Wurzel des Bruderschaftswesens dürften die frühmittelalterlichen Gebetsverbrüderungen sein. Bruderschaften sind im Raum des heutigen Bayerns seit dem Spätmittelalter belegt, überwiegend jedoch im 15. Jahrhundert. Nach einem Einbruch im 16. Jahrhundert erlebte das Bruderschaftswesen in der Barockzeit eine neue Blüte. Die durch die Gegenreformation eingeleitete Erneuerung des religiösen Lebens führte zur Gründung zahlreicher neuer Bruderschaften. Gegenüber dem Mittelalter, in dem oft auch soziale Leistungen gefordert wurden, bezogen sich die Verpflichtungen, die die Mitglieder der Bruderschaften eingingen, in der Barockzeit fast ausschließlich auf geistliche Tätigkeiten. Im 19. Jahrhundert erhielten Bruderschaften durch das katholische Vereinswesen (Marianische Kongregation, Dritter Orden, Missionsverein, Kolpinsverein) eine neuartige Konkurrenz. Die meisten erloschen im Laufe des 20. Jahrhunderts ohne formelle Auflösung. 105)

Rosenkranzbruderschaft 50), 51)
Die ersten Rosenkranzbruderschaften gab es in Bayern schon kurz nach der Gründung der ersten Kölner Rosenkranzbruderschaft im Jahre 1475. Hier nach Dachau kam sie aber erst 150 Jahre später.
Nach Robert Böck wurde die Dachauer Rosenkranzbruderschaft von Bürgermeister Simon Klaffenbacher und seiner Frau Anna gestiftet und am 7.10.1628 von den Dominikanern, die sich besonders um das Rosenkranzgebet verdient gemacht hatten, in die Pfarrkirche eingesetzt. 1656 wurde das Stiftungsvermögen um 200 Gulden aufgebessert. Dadurch und durch ertrag-reiche Opferstockgefälle verfügte die Bruderschaft über nicht unerhebliche finanzielle Mittel. Sie dienten der Durchführung von Bruderschaftsfesten, Prozessionen und Wallfahrten. Mit dem Geld finanzierten sie auch Ornate, Fahnen, Bruderschafts-stöcke und Bilder. Das Hauptbild auf dem Bruderschaftsaltar in der Jakobskirche war eine Kopie des wundertätigen Gnaden-bildes aus der Landshuter Dominikanerkirche, das an diesem Gnadenbild anberührt war.

In den Ordinariatsakten finden sich nämlich ein Bericht von Pfarrer Balthasar Wibmer vom 23.7.1677, in dem ausgesagt wird, dass die (Bestätigungs)Bulle ein Sonderbestimmung für die Dominikaner enthalte: Sollten die Dominikaner in der Nähe von Dachau eine eigene Kirche erhalten, könnten die Ablässe und Privilegien der Bruderschaft neben den Stiftungen (bonis temporalibus) "ex praedicta capella" (aus der vorgenannten Capelle) in diese neue Dominikanerkirche übertragen werden. Man nimmt an, das mit "dieser Capelle" die Schlosskapelle gemeint war. Die Mitglieder der Bruderschaft hatten die Ver-pflichtung, jeden Tag einen Rosenkranz zu beten. Das Vermögen betrug 1819: 675 Gulden 05), 1874 rd. 2176 Gulden 12) .

Liebesbund christlicher Herzen zur Liebe des Nächsten und zum hl.Herzen Jesu, Mariä und Josef.
Die Bruderschaft mit dem langen Namen wurde am 31.Mai 1752 durch oberhirtliche Confirmation (Bestätigung) von Pfarrer und Dekan Donat Gruber
51) gegründet. Das Titularfest fiel auf den 5.Sonntag nach Pfingsten. Papst Benedikt XIV. verlieh ihr Ablässe auf den Besuch des Hauptfestes und der 4 Quatember-Sonntage (= 1.Fastensonntag, Pfingsten, 3.September-sonntag, 3.Adventssonntag).
Die Mitglieder mussten bestimmte Gebete verrichten, sich in guten Werken, insbesondere der Nächstenliebe zu üben und einen Ablasspfennig mit der Aufprägung von Jesus, Maria und Josef mit brennendem Herzen an den Rosenkranz hängen oder an der Kleidung tragen
51). Das Vermögen betrug im Jahr 1819: 138 Gulden, 1874: rd. 368 Gulden.
Bruderschaft vom hl.Georg
(oberhirtlich confirmiert am 21.4.1733) mit Ablässen von Papst Clemens XII. Auch sie ist schon erloschen. Grundlage für diese Bruderschaft war die Erzählungen in der Legenda Aurea, nach der Georg in weißer Rüstung den Kreuzrittern vor Jerusalem erschien: er seit von Gott zur Erde zurück geschickt worden und werde sie in ihrem Kampf gegen die Sarazenen unterstützen. Die Legende berichtet weiter, Georg habe die Sarazenen erschlagen und Jerusalem erobert. 106)
Johann Nepomuk-Bruderschaft
Von ihr ist mir nur bekannt, dass sie 1819 ein sehr hohes Vermögen von 2.290 Gulden besaß.
Die Mitglieder der Johannes-Nepomuk-Bruderschaft sollten sich bemühen, die Ehre und den guten Ruf der Mitmenschen zu achten.

Kapitelbruderschaft 51)
Von der Bruderschaft ist erstmals in der 2.Hälfte des 15.Jh die Rede. Prominentestes Mitglied war Herzog Sigismund von Bayern (1439-1501), der 1485 aufgenommen wurde.

Corporis Christi-Bruderschaft 51)
Sie ist aus dem Jahr 1739 bekannt. Zweck war die Ewige Anbetung des allerheiligsten Altarsakraments mit einer wöchentlichen Dienstagsmesse. Höhepunkt war natürlich die Fronleichnamsprozession.


Frühere Schlosskapelle
Im Dachauer Schloss gab es natürlich auch eine Kapelle. Sie war zu Ehren des hl.Nikolaus geweiht. In der Schmidt'schen Matrikel wurde sie als "picturis antiquis ornata" (mit alten Gemälden ausgestattet) bezeichnet. Gemäß einer besonderen bischöflichen Erlaubnis vom 2.11.1719 durfte dort das Allerheiligste aufbewahrt werden, solange die churfürstliche Familie im Schlosse weilte.
Die Kapelle wurde im Jahr 1800 "demolirt". Der Historiker Reithofer schrieb 1816 zur Schlosskapelle: "... hatte in der dasigen Hofkapelle folgende Inschrift auf Stein: "Posteritati. Illustrissimi utriusque Bavariae Principes Comit. Palat. Rheni etc. D.Wilhelmus Ejusque filius D.Albertus vetustiss. hoc castrum ex ruinis prope restitut. novis aedificiis exornaverunt. Prior MDXLVI. (1546) Alter XII post Annum Christo Nato". 04)


W
allfahrten
39)
Interessant sind auch Berichte von Dr. Gerhard Hanke über die vielen Wallfahrten und Kreuzgänge, die die Dachauer, teils von der Pfarrei, meist aber vom Markt Dachau organisiert und finanziert, durchgeführt haben.
Mehr dazu finden Sie hier...


Berichte aus dem Pfarrleben
Die Dachauer Zeitungen haben in den letzten 120 Jahren immer wieder aus dem Pfarrleben von St.Jakob berichtet. Diese meist in blumiger Sprache geschriebenen Berichte befassen sich nicht unmittelbar mit dem Kirchengebäude, vermitteln aber einen ergänzenden Eindruck aus der damaligen Zeit. Wenn Sie Interesse an den Berichten haben, klicken Sie hier....



Baubeschreibung der Kirche


St. Jakob in Dachau ist die einzige größere Kirche im Stil der Spätrenaissance im Landkreis Dachau (daneben nur noch die Kapelle in Essenbach). Sie ist zudem eine von nur vier dreischiffigen Kirchen im Dachauer Land.
zur Sonnenuhrzur Jakobusfigurzu den Epitaphenzur Jocherkapellezum Kirchenschiff
Südseite

Sie wurde in den 380 Jahren ihres Bestehens nur zweimal unwesentlich verändert: Der Turm wurde 1677 aufgestockt und das Langhaus 1926 um eine Achse verlängert.

Der Altarraum ist etwas breiter als das Mittelschiff, gegenüber der Gesamtbreite des Langhauses aber eingezogen. Er wurde um 1584 von Friedrich Sustris errichtet.
Das 1625 erbaute Kirchenschiff ist eine Renaissance-Pfeilerhalle mit großen rundbogigen Fenstern. Der Westeingang ist über eine mächtige Freitreppe zu erreichen. Die aus Granit bestehende Treppe wurde 1994 saniert. Damals hat man statt der Mauerbrüstung ein Eisengeländer angebracht. 53) St.Jakob ist eine der wenigen Kirchen im Dachauer Land, deren Westseite als Schauseite gestaltet ist. Die 1926 gebaute Westfassade der Kirche besitzt abgeschrägte Ecken, um der Enge der Straße, der Unterkellerung der Kirche und der Aufgangstreppenanlage Rechnung zu tragen.

Der 45 m hohe Turm ist stilistisch zweigeteilt. Der obere Teil mit der Zwiebelhaube entstand in der Barockzeit um 1676, die untere Hälfte wurde in der Gotik gegen Ende des 15.Jh. errichtet.
Dieser gotische Unterbau ist das älteste Gebäude Dachaus 27). Der frühere Kirchenpfleger Burghart hielt es für möglich, dass der Turm im Jahrzehnt nach 1403, als Dachau im herzoglichen Bruderzwist in Flammen aufging, erbaut worden sein könnte. Kurz vor 1560 hat man ihn umgebaut oder renoviert. Dabei hat man dem Turm eine Kuppel aufgesetzt, deren Form sich an die der Schlosstürme anlehnte 86) .

Als 1625 die Kirche neu errichtet wurde, ließ man den alten Turm stehen und baute die Kirche an den Turm heran. Doch der überragte mit seinen 23 Metern das neue Kirchenschiff kaum noch. So hat man 50 Jahre später, in den Jahren 1676 bis 1678, die Turmhöhe durch einen achteckigen Oberbau mit Zwiebelkuppel und Laterne (für 2402 Gulden) auf 44/45 Meter verdoppelt. 27) Über dem rechteckigen, spätgotischen Grundriss erhebt sich nun der Turm in sieben Geschossen. Dieser achteckige, schlanke Oberbau hat in jedem Stockwerk eine andere Fassadengliederung. Seit seiner Erhöhung bildet der Turm zusammen mit dem Schloss die Skyline der Stadt.

Rundbogenfries
Innen verläuft im Turm seit 1646 eine Wendeltreppe, auch "Schneck" genannt. An der Außenmauer ein Rundbogenfries (aus Ton gebrannt) sowie zwei Blendnischen. An der Spitze wird der Turm mit einer Zwiebelhaube (Höhe 5 Meter, Durchmesser 7,30 Meter) und einer Laterne (Höhe 2 Meter) bedeckt. 27)
Da der Abstand zwischen der großen und der kleinen Kuppel auch 2 Meter beträgt, ist die Zwiebelkonstruktion insgesamt 9 Meter hoch.
Seit 1866 ist die kleine, seit 1913 die große Kuppel mit Kupfer eingedeckt; vorher waren beide von Zeit zu Zeit nur grün angestrichen worden. 27)
Die Kugel über der Laterne und unter dem Kreuz enthält Urkunden aus den Jahren 1866, 1913 und 1977, die über die jeweils in diesen Jahren durchgeführten Renovierungsmaßnahmen berichten.  Die Restaurierung 1977 kostete 200.000 DM. Dabei wurde der untere Teil neu verputzt, die oberste Kuppel neu aufgesetzt und das Kreuz neu feuervergoldet. 26)
Die erste Uhr der Kirche wurde nicht außen am Turm, sondern innen im Kirchenraum eingebaut (1629). Mehr darüber erfahren Sie hier ...

Eine Kirchturmuhr ist seit 1657 vorhanden; sie wurde am 26.Juli 1657 von einem unbekannten Uhrmacher eingebaut. Doch sie scheint nicht recht funktioniert zu haben; denn schon zwei Jahre später musste sie vom Dachauer Schlosser Rudolf Otter (für 1 Gulden) und acht Jahre später vom Münchner Hofuhrmacher Michael Probst für den hohen Betrag von 75 Gulden renoviert werden. 24)
Im Jahr 1678, unmittelbar nach der Turmerhöhung, hat der Münchner Großuhrmacher Melchior Sturmb für 200 Gulden eine neue Turmuhr beschafft, die sogar alle Viertelstunden schlug. 1692 wurde das Ziffernblatt unter die Kuppel gesetzt, damit es besser zu sehen ist. Die Uhr von 1678 hielt (mit mehreren Ausbesserungen) zwei Jahrhunderte, bis sie 1883 von einer neuen Uhr der Fa. Neher aus München ersetzt wurde. 24)

Im Erdgeschoss des Turmes ist heute die Ministranten-Sakristei eingerichtet.

Heutige Glocken:

Heute hängen vier Glocken im Turm. Eine stammt aus dem Jahr 1936 und wurde von den Gebr.Ulrich aus Apolda/Thüringen gegossen, die anderen drei stammen von Karl Chudnochowsky aus Erding (1949) 86) , 67)
Wenn Sie das Glockengeläute hören möchten, klicken Sie hier...

Frühere Glocken 27)
Auch in der Zeit vor 1936 gab es vier Glocken; die älteste stammte aus dem Jahr 1406 (die jetzt in der Krumpperkapelle hängt), eine andere war 1468 gegossen worden. Die meisten Glocken wurden an die neu erbaute Kirche St.Peter in Dachau-Ost abgegeben. St.Jakob erhielt ein neues Geläute. Doch die vier neuen Glocken waren für den Turm zu schwer. Der Turm begann beim Einläuten am Vorabend des Christi-Himmelfahrts-Festes 1936 ganz bedenklich zu schwanken. Man hängte die Glocken ein Stockwerk tiefer, was wiederum dem Klang schadete. Doch das Problem bestand nur 6 Jahre. 1942 wurden die drei größeren Glocken zu Kanonen eingeschmolzen.
1949 hat man das Geläute wieder komplettiert: Karl Chudnochowsky in Erding goss drei neue Glocken. Eine davon ist dem hl.Michael, eine weitere der Jungfrau Maria (mit der Inschrift "Unser liebe Frau von Dachau") und die dritte dem hl.Josef geweiht. Dazu kommt die kleine, 1936 bei den Gebrüdern Ulrich in Apolda/Thüringen gegossene und vom Münchner Erzbischof Michael Kardinal Faulhaber geweihte Glocke, die im Krieg dem Einschmelzen entkommen war; sie ist dem Bruder Konrad gewidmet.
Auch die kleine, 141 kg schwere Glocke aus dem Jahr 1406, hat den Krieg überstanden. Viele Jahre lagerte sie auf dem Dachboden der Jakobskirche. Seit einigen Jahren hat sie ihren Platz im Türmchen der nahen Friedhofskapelle gefunden. Sie ist die zweitälteste Glocke im Landkreis Dachau.
Eine Auflistung der ältesten Glocken finden Sie hier...



Grabplatten an den Außenmauern
In die Außenseite der Kirchenmauern sind an der Nordost-, der Ost- und der Südostseite viele kleinere Epitaphe eingelassen. Es handelt sich um Grabplatten des früheren Friedhofs, der rings um die Kirche angelegt war. Die letzte Beerdigung ist aus dem Jahr 1802 überliefert. Die älteste Steinplatte stammt aus dem Jahr 1634. Bei der Neuanlage des Platzes um die Kirche in den 1970er Jahren wurde ein Teil der noch erhaltenen Särge und der Gebeine zerstört und entsorgt. Aus den Epitaphien der Geistlichen, Hofbeamten und angesehenen Bürgern lässt sich -nach Lothar Altmann- die soziale Situation Dachaus ablesen.
  Hinweis: Epitaphe gibt es in unseren Kirchen erst seit dem 14. Jh. als Gedächtnismal für einen Verstorbenen in Form einer Steinplatte, die innen oder außen an der Kirchenwand senkrecht aufgestellt wird. Epitaphe (griech. Grabinschrift) wurden für diesen Zweck eigens angefertigt; sie sind normalerweise keine früheren Grabplatten. Das Epitaph ist auch kein Grabmal, weil sich weder dahinter noch darunter ein Grab befindet.
 
 
Marterl für Ignaz Berthold
1634
Anna Cath. Rhuellin
1644
Georg Ertl
1657
Joh.Leonhard Wanner
1706
Magd. v.Paumbgartt
1715
D.Andreas de Tryeb
 
 
1717
Michael Ambacher
1729
Anton Mözger
1743
Ignatius Kreutmair
1746
Kaspar Pökh
1746
Franc. Ferdinand Effner
1799
Sebastian Dolinger
 
 
1751
Dr. D.Josephus Pallauf
1751
G. Willib. Schmetterer
1772
Maria Katharina
Eva Schmetterin

1772
Franz Joseph Saurle

1777
M. Barbara
Gebhardtin
1801
Jos. Benedict Schmetterer
 
 
1731
Heinrich Stadler

nicht lesbar

nicht lesbar
1779
Schmetterer
1779
Stephan Viertl
1802
Maria u.Franz Rößler
Wenn Sie auf die Bildchen oben klicken, können Sie mehr über die Verstorbenen erfahren.

In älteren Beschreibungen sind noch weitere Grabplatten genannt, die in die Kirchenmauer eingelassen waren:
- Ignaz Gottlieb Berhold, gest.um 1781 , Kalksandstein (88 x 61 cm)
- Anton Hofter, gest.21.6.1788, Kalksandstein (61 x 48 cm)


Sonnenuhr 34)

Sonnenuhr
Die großflächige Sonnenuhr mit Tierkreiszeichen an der südlichen Langhaus-Außenwand malte 1699 Johann Georg Hörmann (1672-1749), der später auch Bürgermeister von Dachau war 86) . Sie zeigt nicht nur die Stunden, sondern auch die Tage und Monate an. Über dem Zeiger schwebt Chronos, der römische Titan der Zeit, mit einer Sense im linken Arm. Er hält den Zeiger wie eine Posaune. Die Stunden sind auf ein verschlungenes Band aufgemalt. Rechts vom Stab befinden sich 6 Stundenangaben, links nur vier. Der Grund liegt darin, dass die Kirchenwand nicht genau nach Süden weist, sondern um 15 Grad nach Osten abweicht. Unter den Stundenangaben sind die Tierkreiszeichen gemalt und um eine Achter-Schleife herum die Anfangsbuchstaben der Monate geschrieben. Die Tierkreiszeichen sind durch eine waagrechte Linie mit dem Datum des Beginns (jeweils 19. bis 23. des Monats) verbunden.
Ganz oben: Steinbock (21.12.), Linke Seite: Wassermann (20.1.), Fische (19.2.), Widder (21.3.), Stier (21.4.) auf der rechten Seite, darunter Zwillinge (21.5.), ganz unten Krebs (21.6.), links unten Löwe (23.7.), Jungfrau (23.8.), Wechsel auf die rechte Seite, Waage (23.9.), darüber Skorpion (23.10.), oben rechts Schütze (22.11.). Eingefasst sind die Monatsangaben von einem gerafften Theatervorhang. Die Sonnenuhr wurde 1884 und 1954 renoviert.

Wenn Sie über die Dachauer Sonnenuhr mehr erfahren möchten, kann ich Ihnen den Aufsatz von Dr.Dorner im Amperland 1980 ("Die Dachauer Sonnenuhr-Eine Art Gebrauchsanleitung") empfehlen. Bitte klicken Sie hier...

In einer Nische an der Außenwand, neben der Sonnenuhr und direkt über dem Südeingang, steht eine weitere Figur des Patrons St.Jakob. Die Nische ist mit einer Marmoreinfassung versehen und mit einer Glasscheibe abgedeckt. Darüber ist in einem Rundfenster das Jesusmonogramm "IHS" zu sehen.
  Hinweis: Die Zeichen IHS sind übrigens griechische Buchstaben (das H ist ein Eta) und bedeuten "JHS(OUS)"=Jesus. Andere Deutungen sind: "Jesus, hominum salvator" (lateinisch "Jesus, Erlöser der Menschen") oder auch volkstümlich "Jesus, Heiland, Seligmacher".

 


St.Jakob über dem Südeingang

 


Jocherkapelle


Die ehem. Heilig-Blut-Kapelle von 1629 an der Chorsüdseite wirkt wie ein barockes Querhaus, dessen Obergeschoss sich gegen den Chor hin als Empore öffnet. Der Bau ist auch als Jocherkapelle bekannt, benannt nach dem kurfürstlichen Rat und Pfleger von Dachau, Wilhelm Jocher, der den Langhausbau veranlasste und förderte. Sie wurde seit 1774 als Hl.Blut-Kapelle bezeichnet 86)
.


Epitaph für
Wilhelm Jocher 1636

1933 wurde sie zur Priestersakristei mit Empore für die Krankenhausschwestern umgebaut. Diese Empore hat man aber 2006 wieder abgebrochen und die Sakristei mit Glas-Stahl-Decke nach Plänen von Prof.Michael Gaenssler, Mch versehen 86) 78) . .

Jocher (geb.15.11.1565, gest. 3.5.1636) war Stu-dienkollege des Kurfürsten Maximilian I. (reg.1597-1651) an der damals einzigen bayerischen Universi-tät in Ingolstadt, wo er 1592 zum Dr.jur promovier-te. Er hatte mehrere hohe Staatsämter inne, bevor er Pfleger in Dachau wurde. Jocher finanzierte die

Kapelle und bereitete darin eine Grabstätte für sich und seine Gemahlin vor. In der heutigen Kirche erinnert noch ein Epitaph an Guilielm IOCHER (siehe oben). Der Text auf dem Grabstein lässt die Bedeutung von Jocher erkennen: "Dem Besten und Größten Gott. Wilhelm Jocher von Egerberg, Rechtsgelehrter, einst 13 Jahre lang Assessor am höchsten Gericht des Römischen Reichs in Speyer. Dann 32 Jahre Geheimer Rat und Pfleger von Dachau des ehrwürdigsten Herzogs von Ober- und Niederbayern und Kurfürsten des Heiligen Römischen Reichs Maximilian" 89) .

1627 hatte Jocher im Zusammenhang mit dem Bau der Friedhofskapelle eine ewige Wochenmesse zu seinem und seiner Verwandtschaft Seelenheil gestiftet, die abwechselnd am Mittwoch in der Kapelle, am Freitag in der Jocherkapelle gelesen werden sollte. Die Messen waren mit einem Kapital von 1100 Gulden ausgestattet worden, das 62 Gulden Zinsen abwarf und das mit seinem Privathaus abgesichert war. Nach dem Tod Jochers wurde die Messstiftung in eine Almosenstiftung umgewandelt; dies hatte er in seinem Testament so bestimmt: Aus dem Erlös solle "man alle Freytag oder Sambstag, gleich nach der Friehmeß oder anderer Meß, welche man zue halten pflegt, 24 elendigisten, nothleidenten,presthaften, armen Persohnen, doch wann sye der Meß beywohnen können, jeglicher drey Kreuzer auf die Handt soll außgetheilt und die Armen bey der Meß ieder Zeit für ihne, seine Frau, dero Eltern und Befreundten, zuegleich auch für gmaine Wohlfahrt andechtig petten." Der Pfarrer war zunächst gegen die Umwidmung der Stiftung, hat sich aber letztlich doch gefügt und das Geld an die Armen verteilt 89) .

Restaurierungen
Restaurierungen fanden in den Jahren 1854, 1977 (außen) sowie 1976 und 1986 (innen) statt.

Zuletzt hat man die Kirche 2006 die Sakristei saniert und umgebaut.

 

Innenausstattung der Kirche

Altarraum

Der nach Nordosten gerichtete Altarraum ist zwar gegenüber dem gesamten Kirchenschiff eingezogen,  
er ist aber breiter als das Mittelschiff. Der Raum wurde 1584 vom Münchner Hofbaumeisters Friedrich Sustris, dem ersten großen Renaissance-Baumeister in Bayern, umgebaut und 1624/25 im Rahmen des Kirchenneubaus abgetragen und neu errichtet. Die großen Rundbogen-fenster lassen viel Licht in den Raum.


Illusionsmalerei
von 1625
Der Chor schließt rechteckig.
An seitlichen Pfeilern im Altarraum sind noch Reste der früheren Illusionsbemalung aus der Erbauungszeit erhalten. Sie wurden bei der Restaurierung 1986 aufgedeckt und zeigen eine aufgemalte Scheinarchitektur (Muschelnischen) 86).
Im Altarraum standen von 1816 bis 1898 noch zwei Nebenaltäre, deren Altarblätter (St.Sebastian und St.Leonhard) nun über der Sakristei hängen.

Selten in unserer oberbayerischen Kirchenlandschaft ist der spärliche frühbarocke Rahmenstuck im gesamten Kirchenraum von St. Jakob, der noch aus der Erbauungszeit stammt. Er ist mit Herzlaubmotiven und Eierstäben versetzt.

 

Friedrich Sustris geb. um 1540 in Italien 74) (oder 1526 in Amsterdam 65)), gest. 1599 in München, war Maler, Dekorateur und Architekt. Der Sohn des niederländischen, in Italien tätigen Künstlers Lambert Sustris ging zunächst bei seinem Vater in die Lehre. Von 1563 bis 1567 war er Schüler und Gehilfe Giorgio Vasaris in Florenz, nachdem er um etwa 1560 eine Zeit lang in Rom gelebt hatte. Sein erster Auftrag war die Ausschmückung und der Dekoration des Fuggerhauses in Venedig. Bis 1573 war er für die Fugger tätig, dann trat er als Kunstintendant in die Dienste des bayerischen Herzogs und Thronfolgers Wilhelm V. Hauptaufgabenfeld war die Leitung der Umgestaltung des Schloss Trausnitz über Landshut. 1583 wurde er oberster Baumeister im Hofdienst. Er brachte die Formensprache des niederländisch-italienischen Manierismus nach München und trug dadurch wesentlich dazu bei, dass München zur deutschen Kunstmetropole der Spätrenaissance aufstieg. In München beteiligte sich Sustris am Ausbau des Antiquariums und des Grottenhofs der Münchner Residenz. Von 1583 bis 1597 entstand das wichtigste und bekannteste Werk Sustris: die Jesuitenkirche St. Michael sowie vermutlich auch das angrenzende Kolleg. Gleichzeitig errichtete in Dachau den Altarraum der Kirche.


Hochaltar / Choraltar

Der heutige Hochaltar ist bereits der vierte (andere Quelle: sechste 70) ) seit Erbauung der Kirche 1625. Es handelt sich um einen neubarocken Altaraufbau von Prof. Georg Mattes, München aus dem Jahre 1939 86) mit zwei Wendelsäulen, verkröpftem Gebälk und Segmentgiebel. Das Antependium aus rosa und blauem Stuckmarmor stammt von Stefan Killer.
Choraltarblatt
Martyrium v.Jakobus
Das Altargemälde (Ölfarbe auf Leinwand) des Münchner Hofmalers Josef Hauber (1816) 86) zeigt den Kirchenpatron, den hl. Jakobus, auf dem Gang zur Richtstätte seines Martyriums.
  Hauber, geb. am 14. April 1766 in Görisried im Allgäu, war Sohn eines Schreiners. Er studierte an der Wiener und Münchner Zeichnungsakademie, trat in den bayer. kurfürstl. Dienst bei Karl Theodor und wurde Professor an der Zeichnungsakademie, seiner früheren Schule. Hauber portraitierte König Max I. und seine Frau Karoline sowie das Ehepaar Montgelas. Er schuf 1830 auch das Hochaltarbild in Feldgeding und hat insgesamt weitere 50 Kirchen mit seinen Gemälden ausgeschmückt. Hauber starb am 23. Dezember 1834 in München. 64) )

Ehemalige Hochaltäre

 


Hochaltar von 1626 bis 1702 (Krumpperaltar) 79) )

Den ersten Altar nach dem Neubau 1625 hatten der Architekt der Kirche, Hofbaumeister Hans Krumpper und der Maler Hans Thonauer (Donauer) im Jahr 1626 entworfen. Ausgeführt wurde der Entwurf von verschiedenen Meistern am Münchner Hof: Bildhauer und Elfenbeinschnitzer Christoph Angermair , Maler Hans Jacob Khistler, Johann Brüderl († 29.2.1634) und Johann Käppler. Das Altarblatt mit der Enthauptung des Kirchenpatrons St.Jakobus schuf der italienische Maler Dubelli. Finanziert wurde er im Wesentlichen durch Zuschüsse des bayerischen Kurfürsten Maximilian I. (1066 Gulden). Dieser Altar ersetzte den 1584 vom Baumeister des Altarraums, Friedrich Sustris erstellten Hochaltar in der Vorgängerkirche, der vom bayerischen Herzog Wilhelm V. gestiftet worden war. Vater und Sohn hatten also jeweils einen Dachauer Altar gestiftet.
  Christoph Angermair 56) wurde als Sohn des Goldschmieds Abraham 1580 in Weilheim geboren. Er ging bei dem Bildhauer H. Degler in Weilheim in die Lehre. 1606 ist er in Innsbruck nachweisbar, 1611 in Augsburg. 1622 wurde er Bürger von München und wurde als Meister anerkannt. 1621-31 stand er als Hofdrechsler im Dienste des Kurfürsten Maximilian I. von Bayern. Seine Arbeiten zeichnen Individuelle Gestaltungskraft und meisterhafte Sorgfalt im Kleinen aus. Er gehörte zu den besten deutschen Elfenbeinschnitzereien seiner Zeit. Angermair war auch Holzbildhauer. Im Dachauer Land stehen u.a. Figuren, hl.Barbara und die hl.Katharina in der Kirche von Hirtlbach 86)) Angermair starb Ende 1632 oder Anfang 1633 München.

Der neue, 1626 entstandene Altar wurde nur kurze Zeit nach seiner Aufstellung, beim Schwedeneinfall 1632 stark beschädigt. Nach dem Dreißigjährigen Krieg hat man ihn 1662 restauriert: Der Dachauer Kistler Veit Klumayr lieferte um 45 Gulden "bei dem Choraltar 2 grosse Newe Cästen und oben 2 grosse Pilder, als neben dem Altar stehendt". Der Maler Franz Benedikt Pfeil d.Ältere (gest.1671) schuf einen "marbelierten (marmorierten) Antritt". 1671 konnte der Altar vom Freisinger Fürstbischof Johann Caspar Kühner wieder geweiht werden.

Hochaltar von 1702-1810

Schon 1702 hat man einen neuen Hochaltar von Franz Prugger (1638-1736) aufgestellt 86)
. Der Krumpperaltar von 1626 kam in die Jocherkapelle und wurde einige Jahre später (1709) von Franz Prugger und Bartholomäus Schupaur (Schuchpaur) erheblich umgestaltet. Er erhielt auch ein anderes Altarblatt, nämlich das seines Vorgängeraltars in der Jocherkapelle, eine Darstellung der Beweinung Christi nach der Kreuzabnahme. Der Dachauer Maler und spätere Bürgermeister Georg Hörmann (1672-1749) fasste den Altar um 103 Gulden. Die beiden Schnitzfiguren St.Barbara und St.Katharina blieben am neuen Hochaltar. 1932 kamen sie nach Hirtlbach. Dort stehen sie noch heute als Assistenzfiguren auf dem Hochaltar 86) .

Um 1774 wurde aus dem Altar ein "Hl.Blut-Altar", weil man in einem für 102 Gulden neu angeschafften Tabernakel "einen Tropfen des heiligsten Bluts Christi" in einer Monstranz aufbewahrte. Die "kostbare, mit silbern-vergoldeten und mit guten Steinen besetzte Monstranz" war von einem Münchner Goldschmied geschaffen und vom Tölzer Bierbrauer Franz de Paula Mathiß der Dachauer Jakobskirche gestiftet worden. Mathiß war der Sohn des Dachauer Mesners. Der relativ große Tabernakel war mit einem von Schlosser Mathias Rist mit einem "durchbrochenen eisernen Türl mit Schlößln" versehen und vom Maler Johann Benedikt Spät neu gefasst worden. Auch der Altar selbst, der wegen des großen Tabernakels umgebaut werden musste, wurde renoviert. Daran waren Franz de Paula Arnoldt und wiederum Johann B.Spät beteiligt.

Hochaltar von 1810-1939 110)

Um 1810 stiftete Pfarrer Stöger aus seinen Privatmitteln einen neuen Hochaltar. Er ließ den damals 100 Jahre alten barocken Altar von 1702 abbrechen und durch einen "aus der Meisterhand des Wessobrunner Stuckateurs Michael Sporer" ersetzen. Das Altarbild mit der Darstellung der Enthauptung von St.Jakob schuf der Münchner Maler Prof. Josef Hauber (1766-1834). Der erst 1774 erworbene Hl.Blut-Tabernakel wurde übernommen. Altarbild und Tabernakel schmücken auch heute noch die Kirche. Pfarrer Stöger wir wegen dieser großzügigen Stiftung auch als "Wohltäter der Pfarrkirche St.Jakob" bezeichnet.
Nach weiteren Veränderungen um 1887 durch den Münchner Architekten Joseph Elsner (1845-1933), bei dem aus dem Hl.Blut-Altar ein Kreuzaltar geworden ist, hat man den Altar 1931, als die Jocherkapelle zur Sakristei umfunktioniert wurde, nach Argelsried verkauft. Der Preis für den als "anspruchslos" bezeichneten Altar betrug nur 750 Mark. Die 1887 eingefügte Kreuzigungsgruppe wurde dort wieder herausgenommen und durch ein von August Figel (1889-1954) gemaltes Altarblatt mit dem hl.Nikolaus, dem Patron der Argelsrieder Kirche, ersetzt. 82)

 

Assistenzfiguren


St.Petrus
Auf den seitlichen Konsolen stehen die frühbarocken Skulpturen des Apostelfürsten Petrus (mit den Himmelsschlüsseln) und des hl. Paulus (mit einem Schwert - Paulus soll enthauptet worden sein). Sie wurden vielleicht um 1625 vom Dachauer Bildhauer Constantin Pader (1605-1681) geschnitzt 86) ; vielleicht auch vom Weilheimer Bildhauer und berühmten Altarbauer Hans Degler (1564-1632), seit 1590 Schwager von Hans Krumpper, der 1626 (zusammen Hans Donauer und mit Kistler Jakob Wembert) Arbeiten für den Hochaltar ausführte. Die Figuren wurden erst 1966 hierher versetzt 86).
Die Bilder aller Apostel sind weiter unten zusammengestellt.
An den früheren Hochaltären standen übrigens über lange Zeit wertvolle Skulpturen der Nothelferinnen St.Katharina und St.Barbara (jetzt in Prittlbach). Sie stammten aus der Schnitzerwerkstatt des Weilheimer Bildhauers Christoph Angermair (1580-1633), der insbesondere durch seine Elfenbeinarbeiten berühmt geworden ist (1626).
  
St.Paulus

Im Auszug des Hochaltars ist vor einem dichten Strahlenkranz Christus mit der Weltkugel in der Hand dargestellt. Zu beiden Seiten knien Engel, mit einem Kelch in den Händen.

Christus mit der Weltkugel
Die Christusstatue wurde erst 1966 beim Altarraumumbau infolge der Liturgiereform des 2.Vatikanischen Konzils (Bildhauer Reinhold Grübl) aufgestellt 86). Im unteren Bereich des Altaraufsatzes ist eine Kartusche angebracht, mit dem Text: "Gott schütze unser liebes Dachau". Die Kartusche hat -wie fast alle Kartuschen in Kirchen- eine unregel-
  mäßige Form: sie hat sich aus einer Schnur entwickelt, die ursprünglich um Inschriften, Wappen und Namen geschlungen wurde. Deshalb sind die meisten Einrahmungen von Kartuschen nicht rechteckig, sondern kurvig.
Tabernakel 86)


Tabernakel 18.Jh

Auf dem Hochaltar steht ein prächtiger, doppelstöckiger Rokokotabernakel (18.Jh.).
Er ist eine Kostbarkeit aus der ehemaligen Hofkapelle des Dachauer Schlosses. Der Tabernakel besteht aus Holz und ist vergoldet. Auf den seitlichen Verbreiterungen sind die Apostelfürsten Petrus und Paulus in Silberreliefs zu sehen. Gegliedert ist der Tabernakel durch Volutenpilaster, geschmückt mit Rocailleschnitzwerk und Traubengehängen.
An der unteren Türe ist eine reliefierte Abendmahlsdarstellung angebracht (siehe Bild rechts).


Abendmahl-Relief
auf der Tabernakeltüre

Der obere Teil ist als Nische ausgestaltet, in der das Jesusmonogramm IHS mit Herzsymbol und vielen Gnadenstrahlen einen schönen Hintergrund für das Kruzifix abgeben. Gekrönt wird der Tabernakel von drei versilberten Putten und einer Strahlenmonstranz.
Obwohl die biblischen Berichte vom Essen des Paschalammes reden, ist der Tisch auf dem Abendmahlsbild hier in Dachau anders gedeckt: Auf dem Teller liegt ein großer Fisch, garniert mit Broten. Dies zeigt deutlich, dass nicht die Abbildung des historischen Abendmahles beabsichtigt ist, sondern die eucharistische Speisung der Gläubigen durch Christi Fleisch und Blut im Vordergrund steht.
In den ersten Jahrhunderten des Christentums waren die Prototypen für die eucharistische Speisung nicht das Abendmahl sondern der Fisch und die Brote, wie sie sich in den biblischen Erzählungen von der wunderbaren Speisung der Fünftausend (Joh. 6 u. Matth. 14,) und der Speisung der Jünger nach der Auferstehung am Ufer des Sees Genezareth (Joh. 21) zeigen. Deshalb hat man auch schon auf frühchristlichen Abendmahlsdarstellungen das historisch korrekte Paschalamm durch den Fisch ersetzt. Dies hat sich bis heute fortgesetzt 80) .

Fenster

In den Fenstern der Choraltarnischen sind zwei Glasbilder zu sehen. Der Entwurf stammt von Paul v. d. Forst; ausgeführt wurde er durch Syrius Eberle, Dachau 1929; Stifter war der damalige Pfarrer Franz Xaver Taubenberger.
Über den Portalen und auf der Empore sind Rundfenster eingebaut.


Sakristei

Die Jocherkapelle (Hl.Blut-Kapelle) wurde 1932/33 zur Priestersakristei umgebaut. Bis zu diesem Zeitpunkt nutzten die Priester zusammen mit Ministranten die Sakristei im Turmuntergeschoss. Im Rahmen dieses Umbaus wurden Einrichtungsgegenstände der Jocherkapelle entfernt. So kam der Kreuzaltar in die Pfarrkirche von Argeltsried bei Gilching; die Kirche in Hirtlbach erhielt Figuren der Heiligen Barbara und Katharina, die der renommierte Elfenbeinschnitzer Angermair Christoph 1625 geschaffen hatte.
Im Jahr 2006 wurde die Sakristei aufwändig (160.000 Euro) renoviert und mit einer neuen Deckenkonstruktion aus Glas und Stahl versehen, die Licht von oben in den Raum einlässt. Die Neugestaltung stand unter der Leitung von Prof. Michael Gaenssler aus München. Weiteres Ziel dieser Baumaßnahme war, den Kapellencharakter von 1629 wieder herzustellen 77)
78) .

  
Chorglocke
An der Sakristeitür ist eine reichverzierte Chorglocke (Sakristeiglocke) angebracht, die den Besuchern den Beginn eines Gottesdienstes akustisch anzeigt. Die Glockenstange ist aus Metall und mit Blumen geschmückt.

Bilder im Altarraum

Über der Sakristei ist ein offener Balkon entstanden. Dort hängen zwei 163 x 93 cm große Bilder des hl. Sebastian und St. Leonhard. Bei den Bildern handelt es sich um die frühen Altarblätter der Nebenaltäre, die bis 1853 im Altarraum zu beiden Seiten des Hochaltars aufgestellt waren 86). Früher war der Balkon eine Empore für die Krankenhausschwestern 86).
Der schlanke Körper des Sebastian ist an einen Baumstumpf gefesselt und von Pfeilen durchbohrt. Putten halten über ihm bereits den Märtyrerpalmzweig und den Lorbeerkranz als Auszeichnung für das Martyrium bereit. Am Boden liegt sein Soldatenhelm als Hinweis darauf, dass der Heilige der Legende nach im 3.Jh.ein Offizier der kaiserlichen Garde gewesen sein soll. Das Bild wird dem Johann Georg Maler Hörmann (1672-1749) zugerechnet (Öl auf Leinwand).

 St.Sebastian - St.Leonhard

Leonhard ist als junger Abt dargestellt, mit dem Abtsstab im Arm und Ketten in der Hand. Rechts hinten schauen zwei bärtige Gefangene hoffnungsvoll auf ihn. Auf der linken Seite Haustiere ( Pferd und Schaf). Das Bild dürfte vom Maler des Altargemäldes Hauber (1766-1834) um 1800 geschaffen worden sein - Öl auf Leinwand).
Lothar Altmann rechnet es ebenfalls dem Maler Hörmann zu 86) .
  Hinweise: Sebastian wurde auf Befehl des Kaisers Diokletian wegen seines Glaubens mit Pfeilen durchschossen. Er erholte sich aber durch die Pflege von St.Irene, der Witwe des Märtyrers Kastulus, bekannte sich erneut zu seinem Glauben und wurde daraufhin mit Keulen erschlagen. Auf seine Anrufung hin, soll eine Pestepidemie abgewendet worden sein. Der heilige Sebastian wird deshalb als Pestpatron und -der Pfeile wegen- als Patron der Schützenbruderschaften verehrt.In der Hand hält er einen Palmzweig. Die Palme ist -schon seit der Antike- Zeichen der sieghaften Vollendung und des Triumphs. Dies hat man für die christlichen Märtyrer übernommen. Zudem berichtet Johannes in der Geheimen Offenbarung: "... sie standen in weißen Gewändern vor dem Thron und vor dem Lamm und trugen Palmzweige in den Händen" (Offb 7,9).
Leonhard (in Bayern einer der 14 Nothelfer) lebte um das Jahr 500 als Einsiedler und später als Abt in Frankreich. Regelmäßig besuchte er die Gefangenen und erreichte beim König Clodwig I., dass viele von ihnen freigelassen wurden. Deshalb galt er ursprünglich als Schutzpatron derer, "die in Ketten liegen", also der Gefangenen - und der Geisteskranken, die man bis ins 18. Jahrhundert ankettete. Als die Leonhardsverehrung nach Deutschland kam, hat man ihn wegen der Ketten, mit denen er in Frankreich abgebildet war, als Patron der Haustiere verehrt, weil man diese Ketten als Viehketten missdeutete. In Bayern erreichte die Leonhardsverehrung im 19.Jh ihren Höhepunkt.



Weitere Figuren im Altarraum


Nur zum Patrozinium in der Pfarrkirche gezeigt wird die Silberbüste des hl. Jakobus, eine 110 x 63 cm große Halbfigur mit Brustreliquiar (siehe Bild links). Im Büstenreliquiar erscheint der Heilige dem Gläubigen von Angesicht zu Angesicht, der ihm seine Bitte sozusagen persönlich vortragen kann.
Es ist eine im Jahr 1696 gestiftete Goldschmiedearbeit des Münchner Meisters Johann Georg Oxner 86)
(ca.1660- 1712 od.1722)Der Künstler Joh.Georg Oxner d.Ältere stammte aus Bregenz, war ab 1677 Meister in München und ab 1694 Hofgoldschmied. Oxner verrichtete 1686 verschiedene Arbeiten für die Dachauer Kirche. 10 Jahre später schuf er die Jakobusfigur. Georg Oxner war verwandt mit dem ebenso berühmten Goldschmied Franz Keßler (ca. 1640-1717), von dem 70 Werke im südbayerischen Raum erhalten sind, darunter 30 wertvolle Kelche. Georg Oxner starb am 15.6.1712 (andere Quelle: +1722) 74) .


Halbfigur des hl.Jakobus mit Brustreliquiar (Herz)

Die Jakobusfigur ist mit 21 blauen und roten Steinen besetzt. Auf dem Kunstwerk befindet sich folgende Inschrift in Majuskeln (= größeren Buchstaben):
  "D: Jacobo Apostolo Ecclesiae / Parochialis in Dachav Patrono sta / tvam hanc argenteam posvit Ferdi / nandvs Zeller SS: Theologiae Licen. / tiatvs eivsdem Ecclesiae per 16 annos / qvondam Rector indignvs nvnc vero Ser-/ enissimi Elector Coloniensis, et Consistory / Frisingens: Consiliar: ac insignis Ecclesiae Col= / legiatae ad S: Andream ibid: Canonicvs / 25 Jvly 1696"

Stifter der Büste war der ehem. Dachauer Pfarrer und spätere Freisinger Stiftsdekan bei St. Andreas, Ferdinand Zeller 86) .
  Hinweis: Jakobus der Ältere war der Sohn des Fischers Zebedäus und der ältere Bruder des Jüngers Johannes. Er zählte neben seinem Bruder und Petrus zu den drei bevorzugten Jüngern, die bei der Verklärung Jesu und in seiner Todesangst im Garten Gethsemane zugegen waren. Der Überlieferung nach verkündete er nach Pfingsten in der Gegend um Samaria und Jerusalem das Evangelium, bis er durch König Herodes Agrippa I. von Judäa im Jahr 43 geköpft wurde; Jakobus war somit der erste Märtyrer unter der Aposteln (Ap 12, 1 - 2). Der Legende nach setzten Anhänger seine Leiche in ein Boot, das im Meer herumtrieb und in Galizien, im Nordwesten Spaniens strandete. Dort wurde er begraben. 800 Jahre später, zur beginnenden Reconquista (Rückeroberung des maurischen Spaniens durch die Christen) entdeckte König Alonso II das Grab wieder und baute eine Kirche darüber. Bald begann die Wallfahrt und Santiago de Compostela wurde eines der größten Wallfahrtszentren des Abendlandes. Durch ganz Europa führten feste Wallfahrtswege dorthin; bis ins 15. Jahrhundert zog der Ort mehr Pilger an als Rom oder Jerusalem. St.Jakob erhielt seine Attribute (Pilgerkleidung und Muschel) erst im 13.Jh. Die Pilger erhielten am Ziel damals einen Hut, der mit einer Muschel geziert war. Zuvor war Jakobus meist mit einer Schriftrolle abgebildet.


An der Chor Südseite ist eine Skulptur der hl. Anna mit ihrer Tochter Maria aus der Zeit um 1700 angebracht. Mutter Anna lehrt Maria das Lesen.
Hinweis: Anna hat nach den Apokryphen erst nach zwanzigjähriger kinderloser Ehe ihre Tochter Maria geboren. Deshalb wird sie in der Kunst immer als ältere, verheiratete Frau mit Kopftuch abgebildet. Das Buch in ihren Händen geht auf Legenden und Darstellungen zurück, in denen sie ihre Tochter Maria das Lesen lehrt. Das Thema der Unterweisung Mariens ist in der Kunst seit dem 14.Jh bekannt und war besonders in der Barockzeit beliebt. Es geht zurück auf die Bibelstelle aus dem Buch der Sprichwörter (1,8) "Höre mein Sohn, auf die Mahnung des Vaters und die Lehre deiner Mutter verwirf nicht" und wendet das Wort auf Maria an. Die Kunst des Lesens beherrschten in früheren Zeiten nur wenige, meist vornehme Menschen. Dazu sollten auch Anna und Maria gerechnet werden.

St.Anna u.Maria

An der Chor-Nordseite ein schönes barockes Kruzifix mit darunter stehender Schmerzhafter Muttergottes - beide möglicherweise vom Dachauer Bildhauer Franz de Paula Arnoldt (1724-1788). Maria trägt eine barocke Krone auf dem Haupt. In ihrer Brust steckt ein Schwert, das an das Simeonwort im Lukasevangelium (Kap 2,35) bei der Darstellung Jesu im Tempel erinnert: "Dir selbst wird ein Schwert durch die Seele dringen". Die Kreuzigungsgruppe bildete früher das Kanzelkreuz, das der Kanzel gegenüber angebracht war.

Altäre und Figuren von Bildhauern der aus Tirol zugewanderten Familie Arnold, stehen auch in den Kirchen von Pipinsried, Glonn, Indersdorf, Altomünster, Schwabhausen und Bergkirchen, möglw. auch in Weichs. Franz de Paula hatte es bis zum Münchner Hofbildhauer gebracht. 73) 15) .
KruzifixMater dolorosa
Kanzelkreuz



Reliquienschrein- Heilig Blut-Reliquiar

An der Nordseite des Altarraums steht ein prächti-ges, mit vielen Edelsteinen besetztes Reliquiar  ei-nes Münchner Goldschmieds aus dem Jahr 1774, das der aus Dachau stammende Tölzer Gastwirt und Bier-brauer Franz de Paula Mathiß gestiftet hat 86),51). Der Reliquienschrein gehört zum sog. Kirchenschatz der Pfarrei 86).
Das Reliquiar wurde insbesondere von der "Kostbare-Blut-Bruderschaft" verehrt. Es enthält den sog. Heiligblut-Tröster,auch Blutstein genannt; das ist eine Partikel vom Heiligen Blut Christi. 51)

Reliquiar
Das kostbare Behältnis wurde früher am Fest des hl.Blutes (2.Juli) bei einem Umzug in der Kirche mitgetragen. 51)
Das Reliquiar enthält in der Mitte, gut sichtbar, eine Kreuzreliquie inmitten eines Schmuckkreuzes aus Goldfäden. Daneben birgt es auch Partikel der Heiligen Sebastian und Joh.Nepomuk.


Kreuzreliquie


Der
"Heiligblut-Tröster" mit dem "Tropfen des heiligsten Bluts Christi", der dem Reliquiar seinen Namen gegeben hat, soll sich, für den Betrachter unsichtbar, in einem Gefäß direkt hinter der Kreuzreliquie befinden 69). Vielleicht ist er aber im großen roten Edelstein oberhalb der Kreuzreliquie enthalten.
 

Hinweise:
Über die Herkunft der Heiligblutreliquien berichtet eine Legende: Bei der Kreuzigung Jesu hat der Soldat mit der Lanze (Longinus) das herabfließende Blut aus der Seitenwunde Jesu mit einem Schwamm aufgefangen und diesen über einem Gefäß ausgedrückt. Und natürlich war dieses Blut Jesu wundertätig. Von alledem steht in der Bibel nichts. Dennoch behaupten einige Historiker, so unwahrscheinlich, wie es klingt, sei dies nicht, denn schon seit ältesten Zeiten gelte das Blut von Hingerichteten als Heil- und Zaubermittel. Über viele Stationen kam die Reliquie zum Kloster Weingarten nach Baden-Württemberg, wo sie bis heute verehrt wird. 51)

Wie der Blutstein nach Dachau kam, ist mir nicht bekannt.

Kreuzreliquien waren früher besonders wertvoll; schließlich galt das Kreuz Christi als kostbarste Reliquie der Christenheit. Größere Kreuzpartikel kamen ab 950 nach Deutschland. Sie wurden meist in Reliquienmonstranzen aufbewahrt (so wie hier in Dachau) und waren in der Regel Ziel kleinerer Wallfahrten. Die Reliquienkästchen wurden früher durch das bischöfliche Ordinariat offiziell versiegelt, um den Reliquiendiebstahl zu verhindern.



Taufstein


Taufstein
Noch aus der Vorgängerkirche übernommen wurde der achteckige, spätgotische Rotmarmor-taufstein des 15. Jh. Er steht auf einem 87 cm hohen Fuß und hat einen Durchmesser von rd. 100 cm.
Auf dem hölzernen Deckel aus der Barockzeit (um 1700) steht dekorativ eine Skulpturengruppe, die der Künstler Adam Luidl (1645-1760) aus Mering 1675 86) geformt hat. Sie stellt die Taufe Jesu am Jordan dar. Jesus kniet am steinigen Ufer des Jordan, während ihn Johannes tauft. Johannes hält einen Kreuzstab mit dem Schriftband "Ecce Agnus Dei - seht das Lamm Gottes" in der linken Hand. Figuren der Schnitzerfamilie Luidl aus Landsberg u. Mering stehen auch in den Kirchen von Egenburg, Feldgeding, Lauterbach, Sittenbach, Rudelzhofen und Prittlbach.

Taufsteinfiguren

Hinweis: Die Taufe der frühen Christen fand ursprünglich im Freien statt, überall dort, wo fließendes oder stehendes Wasser vorhanden war. Mit der Verlegung der Taufe in den Kircheninnenraum schuf man dort eigene Taufbecken. Als sich im 11.Jh die Praxis der Kindertaufe weitgehend durchsetzte, begann man mit der Errichtung erhöhter Taufgefäße; die Bodenbecken erwiesen sich für die Kindertaufe als weniger geeignet. Das Taufbecken ist meist aus Stein. Taufbecken und Deckel sind meist mit ornamentalem oder architektonischem Zierrat geschmückt.

In der Barockzeit wurde auf dem Deckel häufig die Taufe Jesu figürlich dargestellt. Sie ist Vorbild für das Taufsakrament und  geht auf Empfehlungen des Konzils von Trient (1545 bis 1563) zurück.  Die Worte "Ecce Agnus Dei - übersetzt: Seht das Lamm Gottes, das die Schuld der ganzen Welt wegnimmt" sprach Johannes der Täufer, als er Jesus erstmals begegnete (Joh.1,29)
Das Taufbecken hat -wie hier in Dachau- in der Regel eine achteckige Form, weil die Zahl acht und das Achteck als Symbol für Erneuerung, Wiedergeburt und Herrschaft angesehen werden Die Taufe gilt als der achte Schöpfungstag. Schon im 4.Jh hat der Kirchenvater Ambrosius von Mailand über einer Taufkapelle die Inschrift anbringen lassen:
93)
"Mit acht Nischen erhebt sich der Tempel zu göttlichem Dienste
Achteckig eingefasst ist der Quell, würdig für das heilige Geschehen.
In der mystischen Acht muss das Haus unserer Taufe erstehen,
denn darinnen wird allem Volk ewiges Heil geschenkt"

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Ewig-Licht-Ampel

In der Mitte des Chorraums hängt eine feine Silberampel aus dem Jahr 1704/05.
Sie stammt vom Augsburger Goldschmied Johann Joachim Lutz (1704) mit drei getriebenen (=gehämmerten) und applizierten (=aufgetragenen) Darstellungen: des hl. Jakob, der Rosenkranzkönigin Maria sowie des Schlosses 86) und des Marktes Dachau mit Amper- und Mühlbachbrücke. Getrieben bedeutet, dass das Kunstwerk durch Hämmern von der Rückseite her über einer nachgiebigen Unterlage erstellt wurde.

Ewig-Licht-Ampel

Die Ampel wurde 1706 von der Bürgerschaft Dachau als Dank für die Erhaltung des Marktes im Spanischen Erbfolgekrieg gestiftet.
Sie hing wohl früher vor dem Sebastiansaltar; ihr Unterhalt gehörte zu den Aufgaben der Sebastiani-stiftung. 51)

Die Zargeninschrift besteht aus einem Chronogramm:
ahoC eX Voto fierl CVraVerVnt / CiVes InColaeqVe DaChaVlenses. ParentI VIrigIne ae PraepotentI RosarII RegInae proserVato GlennIo annI ab hostILI InVaslone atqVe eXVstIone appIDo sVo"
Es handelt sich wohl um eine Stiftung zum Dank für die Errettung aus den Kriegsnöten des Spanischen Erbfolgekriegs (Besetzung Bayerns durch die Österreicher).
Hinweis: Ein Chronogramm ist ein Satz oder eine Inschrift, meist in lateinischer Sprache, bei der alle darin vorkommenden Buchstaben, die zugleich römische Zahlensymbole sind (I, V, X, L, C, D, M), zusammengezählt die Jahreszahl des Ereignisses ergeben, auf das sich der Text des Chronogramms bezieht. Die Zahlensymbole sind hierbei meist hervorgehoben, etwa durch Großbuchstaben oder Vergoldung.


Z
elebrationsaltar


Den neuen Zelebrationsaltar (sog.Volksaltar) schuf 1976 der Glonner Bildhauer Blasius Gerg (1927-2007) aus weißem Jurakalkstein 86). Die Frontseite des Altars ist mit einer versilberten Muschel, dem Attribut des hl. Jakobus, verziert.
Der akademische Bildhauer Blasius Gerg war Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.


Zelebrationsaltar
Ebenfalls aus Jura hat Blasius Gerg auch den Ambo gearbeitet, von dem aus die Lesungen vorgetragen und die Predigten gehalten werden.
"Die Verkündigung der Lesungen und des Evangeliums sowie die Predigt erfolgen wiederum von dem bereits in der Liturgie des ersten Jahrtausends bekannten Ambo, dem als 'Tisch des Wortes'ein hoher Rang zukommt", heißt es in der Liturgiekonstitution des II.Vaticanums


Ambo

 

 

Sacrosanctum concilium (SC 124). Deshalb wurden nach dem Konzil (um 1970) in allen Kirchen Ambos (Lesepulte) aufgestellt. Ambos sind der Ersatz für die nicht mehr benutzte Kanzel.
Hinweis: Der Altar war das Symbol des heidnischen Gottesdienstes. Das lateinische Wort adolere = verbrennen bezeichnet die ursprüngliche Bedeutung als Stätte zur Verbrennung der Opfer. Die ersten Christen hatten keinen Altar. Jesus versammelte die Seinen um den Tisch, und das hielten auch die Christen während der ersten Jahrhunderte so; zur Eucharistiefeier konnte jeder beliebige Tisch dienen. Im 4.Jh wurde das Opfer Jesu in das Tischgeschehen hineingenommen und der Altar eingeführt. Er war meist aus Stein, frei aufgestellt und von allen Seiten zugänglich. Ab dem 8. Jahrhundert weicht die Tischform immer mehr der Blockform. Dies kommt der Entwicklung entgegen, im Altar Reliquien von Märtyrern und Heiligen beizusetzen. Der zelebrierende Priester stand hinter dem Altar, sodass seine Handlungen während der Messfeier für die ganze Gemeinde sichtbar waren. Als der Altar dann im 11.Jh eine Rückwand mit hohen Altaraufbauten (Retabel) erhielt und weiter an die Ostwand rückte, wandte der Priester der Gemeinde den Rücken zu. Dies ist in der katholischen Kirche durch eine Liturgiereform erst vor 40 Jahren wieder rückgängig gemacht worden.


Apostelzyklus

Im Chor und im Langhaus stehen lebensgroße Figuren der 12 Apostel aus der Zeit um 1625, die dem Dachauer Bildhauer Constantin Pader 86)   (oder Hans Degler ?) zugeschrieben werden. Zum ersten Mal wurden sie 1699 von Joh.Ulrich Gailler ausgebessert. Seit der Neufassung durch Reinhard Huber im Rahmen der Renovierung um 1967 sind alle Figuren in Weiß mit goldenen Borten gehalten. Die Häupter sind mit Messingreifen als Heiligenscheine geschmückt. Die Figuren standen früher an den Seitenschiffwänden; 1966 hat man sie im Zug der Umbauten wegen der Liturgiereform des 2.Vatic.Konzils an die Langhauspfeiler versetzt 86).
Die Figuren halten ihre Attribute in der Hand. Sie werden barfuß dargestellt, außer Jakobus d.Ältere, dessen Füße wegen des Bezugs zur Jakobuswallfahrt in Wanderschuhen stecken. Die Figuren standen bis zur Renovierung 1967 an den Außenwänden und wurden erst danach ins Blickfeld des Kirchenraums gerückt. Der frühere Kreisheimatpfleger Karlmax Küppers schwärmt von der Schönheit der Apostelfiguren: "Die himmelstürmende Kraft der dargestellten Apostelcharaktere sprengt schier die Ruhe des in klassischer Schönheit atmenden Kirchenraumes. Die Holzplastiken sind beschwingt von barocker Lebensbejahung und Lebendigkeit. Der feine Gesichtsausdruck ist das geistvolle Ergebnis hoher Bildhauerkunst. Von jeder Gestalt lässt sich deren innere Haltung und apostolische Sendung ablesen".
  Hinweis: Die Evangelien (z.B. Matt.10,2) nennen die Namen der Zwölf Apostel zu Lebzeiten Jesu: Petrus, Andreas, Jakobus d.Ä, Johannes, Jakobus d.J, Philippus, Bartholomäus, Matthäus, Thomas, Thaddäus, Simon und Judas Ischarioth. Matthias wurde nach dem Tod von Judas ausgelost (Ap1,15). Dem Paulus wurde durch die Urkirche im Jahr 258 die Apostelwürde verliehen. In der Jakobskirche von Dachau wird Paulus anstelle von Matthäus dargestellt.

Andreas   

Bartholomäus

Jakobus d.Ä.

Jakobus d.J.

Johannes

Mathias

Paulus

Petrus

Philippus

Simon

Thaddäus

Thomas

Andreas (mit Andreaskreuz und langem, zotteligen Bart) war der Bruder des Petrus, wie dieser von Beruf Fischer (Joh 1, 14) . Er wurde vom röm.Statthalter Ägeas an ein X-förmiges Kreuz gebunden, an dem er nach zwei Tagen, an denen er weiter predigte, verstarb.
Bartholomäus (mit Messer) wurde zu einem besonders grausamen Tod verurteilt: zuerst wurde ihm die Haut abgezogen, danach wurde er gekreuzigt. Deshalb wird er meist mit einem Messer dargestellt.
Jakobus d.Ältere (mit Pilgerstab u.Muschelpailletten). Jakobus war der erste Märtyrer unter der Aposteln (Ap 12, 1-2). Der Legende nach setzten Anhänger seine Leiche in ein Boot, das im Meer herumtrieb und in Galizien, im Nordwesten Spaniens strandete. Dort wurde er begraben. Die Wallfahrt zum Apostelgrab in Santiago de Compostela wurde eine der größten des Abendlandes. Die Pilger erhielten am Ziel damals einen Hut, der mit einer Muschel geziert war.
Jakobus d.Jüngere (mit Walkerstange). In der kirchlichen Tradition werden die Lebensdaten von zwei Heiligen mit Namen Jakobus zu einer Vita vermischt. Jakobus der Jüngere, der Sohn des Alphäus war Apostel. Über seinen weiteren Werdegang nach Christi Himmelfahrt ist nichts bekannt. Vielleicht war das der Grund, ihm das Martyrium zuzuschreiben, das Jakobus, der "Bruder des Herrn" und spätere Bischof von Jerusalem erleiden musste. Der wurde im Jahr 62 von der Mauer Jerusalems gestürzt und mit einer Walkerstange (für die Filz-Herstellung) erschlagen.
Johannes (mit einem Kelch). Das Attribut Kelch wird der Legende nach dem Evangelisten zugewiesen. Auf ihn soll ein Giftanschlag verübt worden sein. Dabei sei das Gift in Form einer Schlange aus dem Kelch gekrochen, sodass Johannes überlebte. Früher glaubte man, der Evangelist und der Apostel seien eine Person gewesen.
Matthias (mit Hellebarde) kam als Nachrücker für Judas Ischariot ins Apostelkollegium (Apo 1, 28). Die Hellebarde deutet auf seinen Tod durch Enthaupten (um das Jahr 63) hin.
Paulus (mit Schwert) verfolgte zunächst mit großem Eifer die junge Kirche und war bei der Steinigung des Stephanus dabei. Vor Damaskus wurde er durch eine  Erscheinung Christi bekehrt und war danach einer der eifrigsten Missionare. Der Schwerpunkt der Glaubensverkündigung des Paulus ist die Gnade Gottes, die er den Menschen erweist. Nach eher unwahrscheinlichen Legenden starb Paulus im Jahr 67 als Märtyrer unter Kaiser Nero durch das Schwert. Ihm wurde durch die Urkirche im Jahr 258 die Apostelwürde verliehen.
Petrus
(mit zwei Himmelsschlüsseln) steht am Hochaltar. Er ist -wie in den meisten Petrusdarstellungen seit dem 4.Jahrhundert - mit rundem Kopf und grauem, krausen Haarkranz sowie Bart dargestellt
75) . Diese sog.Himmelsschlüssel, die der Künstler der Petrus-Darstellung in die Hand drückte, haben den Heiligen im Brauchtum zum Himmelspförtner gemacht. In der christlichen Symbolik repräsentieren die Schlüssel aber die Vollmacht auf Erden und im Himmel zu lösen und zu binden. Deshalb die beiden Schlüssel. Nach Matthäus 16,19 sagte Jesus zu Petrus: "Dir will ich die Schlüssel des Himmelreiches geben. Was du binden wirst auf Erden, wird gebunden sein im Himmel, und was du lösen wirst auf Erden, wird gelöst sein im Himmel". Diese Vollmacht wurde in weiterer Folge auf den Kreis der Jünger und den Klerus übertragen.
Philippus
(mit einem Kreuzstab). Philippus wurde, ebenso wie das Brüderpaar Andreas und Petrus, von Jesus in Bethsaida zum Jünger berufen. Er wird mehrmals in der Bibel erwähnt (bei Brotvermehrung-Joh 6, 5-7 und Abendmahl-Joh 14, 8-9).Nach der Legende predigte Philippus 20 Jahre lang in Skythien. Dort wirkte er Wunder, vertrieb einen Drachen, erweckte Tote und heilte Kranke. Philippus soll am Kreuz gestorben sein. Deshalb wird er mit einem Kreuzstab dargestellt.
Simon (mit einer Säge). Simon trägt den Beiname "Zelotes", deutsch "der Eiferer" - weil er der politisch radikalen Bewegung der Zeloten angehörte, die gewaltsam die römischen Fremdherrscher aus Israel vertreiben wollte. Das Neue Testament nennt ihn in Aufzählungen der 12 Jünger (Mk 3, 18); besondere Erwähnung findet er hier sonst nicht.  Nach der Legenda Aurea wirkte Simon in Syrien und Persien und erlitt dort durch Zersägen seines Körpers den Martertod.
Judas Thaddäus (mit einer Keule) ist nicht zu verwechseln mit Judas, genannt Ischariot, der Jesus verraten hat. Judas Thaddäus wird im Neuen Testament nur einmal erwähnt (Joh 14, 22) mit der Frage, warum Jesus seine Abschiedsrede exklusiv den Jüngern und nicht der ganzen Welt offenbare. Später wirkte Judas in Babylon. Dort forderte er mit Wundertaten die örtlichen Zauberer heraus, die Judas mit einer Keule erschlagen ließen.
Thomas (mit Spieß). Thomas, der der Legende nach Zwillingsbruder Jesu sein soll, wurde berühmt durch seine Zweifel an der Auferstehung Jesus und sein Verlangen, handgreiflich die Auferstehung zu überprüfen: erst nachdem Jesus ihn aufforderte, seine Wundmale zu berühren, glaubte er das Unfassbare und bekannte: "Mein Herr und mein Gott!". Später hat er in Indien missioniert. In Madras wurde er von feindlich Gesinnten mit einer Lanze ermordet. Die Thomas-Christen in Indien sehen ihn als Gründer ihres Bekenntnisses an.
Auch die Christusfigur im Auszug des Hochaltars gehört zu diesem Zyklus. Sie wurde erst 1966 vom Münchner Bildhauers Reinhold Grübl hinzugefügt
86). Im Stil gleicht sie den Apostelfiguren, deren Standorte im Kirchenschiff, im Chorraum und am Hochaltar auf Christus hinführen sollen.

Die Figuren wurden im Jahr 1966 von Reinhard Huber, dem Sohn Richard Hubers und Vater von Christian Huber, restauriert
18) .


Vortragekreuz

Am Chorbogen steht ein schönes Vortragekreuz aus versilbertem Messing. Der Corpus und die Akanthusverzierungen in den dreipassförmigen Kreuzbalkenenden sind vergoldet.


Vortragekreuz

Hinweis: Vortragekreuze werden beim Kirchenein- und Auszug, Prozessionen, Wallfahrten sowie bei Beerdigungen vorangetragen. Dies geht zurück auf das Jesuswort "Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach". Bei Gebetsprozessionen (Bittgängen, Kreuzweg) wird der Corpus des Kreuzes zu den nachgehenden betenden Menschen gedreht, damit sie den Gekreuzigten vor Augen haben. Bei anderen Prozessionen, z.B. an Fronleichnam und beim Ein- und Auszug zeigt der Corpus in die Gehrichtung, d.h., er weist ihnen den Weg. Die ältesten Vortragekreuze stammen schon aus dem 6.Jh.



Kirchenschiff / Langhaus

Die Bezeichnung des Langhauses als Kirchenschiff ist darauf zurückzuführen, dass die Kirchenväter die Gemeinschaft der Glaubenden als Schiff bezeichneten, das die Gläubigen aus dem Sturm der Zeit und den gefährlichen Wogen des Schicksals rettet.

Das heutige Langhaus ist eine dreischiffigen Pfeilerhalle der Renaissance. Das Mittelschiff ist etwas breiter als die Seitenschiffe 62). Schlanke Pfeiler mit kreuzförmigem Grundriss tragen das flache Kreuzgewölbe und den Rahmenstuck. In den Seitenschiffen Quertonnen mit Stichkappen 62).
Die sechs großen Rundbogenfenster (mit einer Fläche von über 200 qm) lassen viel Licht ins Kirchenschiff.
Die drei Schiffe erstreckten sich ursprünglich nur über drei Joche. Die Decke ist nicht bemalt, sondern durch weiß gehaltenen Wessobrunner Rahmenstuck in grau getönten Feldern verziert und -wie in der Kirchenbeschreibung von 1993 zu lesen ist, "mit dekorativ freier Benutzung des ionischen Kapitellmotivs, Schlagwerk-artig mit Herzlaub und Eierstäben versetzt".

Es handelt sich dabei um eine sog. Quadraturarbeit von Georg Ernst, wohl nach Plänen von Hans Krumpper. Quadratur ist die geometrische Anordnung von Bändern und Profilen auf Wand- und Deckenflächen 17)


Uhr an der Decke 24)
Im vorderen Deckenteil ist seit 1681 eine Uhr angebracht. Die Vorgängeruhren befanden sich über der Jocherkapelle.
Erste Uhr 1629
Die erste Uhr wurde schon im Zusammenhang mit dem Langhausneubau (1625) im Jahr 1629 wahrschein-lich vom Dachauer Uhrmacher Matthias Zächerl geliefert; sie war die älteste öffentliche Uhr Dachaus. Überliefert ist die Anschaffung des Ziffernblatts und der Uhrseile, an denen die Uhrgewichte hingen; sie hatten eine Länge von 16 Klaftern (=28 Meter). Der Mesner erhielt für das Aufziehen der Uhr einen Lohn von jährlich 4 Gulden.
Die Kirchenrechnungen berichten über mehrere Reparaturen, deren Kosten übrigens in der Regel nicht die Kirchenstiftung, sondern die Dachauer Marktkammer trug. Dies unterstreicht den öffentlichen Charakter dieser in der Kirche befindlichen Uhr. Die Uhr von 1629 hielt nur 28 Jahre.


Uhr an der Decke

Zweite Uhr 1657
In den Kirchenrechnungen des Jahres 1657 wird berichtet, dass "die Uhrräder ganz ausgelaufen" und nicht mehr zu richten waren. Deshalb tauschte die Marktkammer die Uhr beim churfüstl. Hofuhrmachermeister Michael Probst für einen Aufpreis von 45 Gulden gegen ein neues Werk ein. Das hielt 24 Jahre, musste aber auch schon im Jahr 1674 vom neuen Dachauer Uhrmacher Johann Rainer für den hohen Betrag von 6 Gulden 30 Kreuzern repariert werden. Zwei Jahre später waren eine abgebrochene Zeigerstange sowie Hammerzug und Hammerfeder zum Schlagwerk nötig (3 Gulden 33 Kreuzer).
Dritte Uhr 1681

In diesem Jahr baute Rainer eine neue Uhr, die "Stund und Viertl schlägt". Sie war nicht mehr über der Jocherkapelle, sondern -wie heute- an der Langhausdecke angebracht. Das hölzerne Ziffernblatt lieferte der Dachauer Kistler Franz Prugger (1638-1736); es wurde vom Dachauer Maler und späteren Bürgermeister Johann Georg Hörmann mit Ölfarben bemalt. Die Uhrgewichtsstricke waren nur noch 15 Klafter lang. Mit Uhrmacher Johann Rainer schloss der Rat des Marktes einen Wartungsvertrag ab. Er hatte die Aufgabe, die Uhr in regelmäßigen Abständen zu schmieren und "alle Mängel zu wenden". Dafür erhielt er jährlich eine Vergütung von 2 Gulden 15 Kreuzern bis zu seinem Tod 1696. Danach wurde der Betrag noch für zwei Jahre an seine Witwe bezahlt, die wiederum ihren Sohn, den Freisinger Hofuhrmacher Johann Paulus Rainer, mit der Arbeit betraute. Ab 1700 übernahm der Dachauer Schlosser Marcell Ruedolf die Wartung der Uhr mit einem leichten Aufpreis (2 Gulden 30 Kreuzer).


Seitenaltäre

 
Linker Seitenaltar
Die Seitenaltäre sind barocke Stuckmarmor-Retabeln von 1714 86)  (andere Quelle 1686 62) ) mit jeweils vier gewendelten Säulen und mit Altarblättern von Franz Josef Wurm (1816–1865) im sog. Nazarenerstil (gemalt 1853) 86), 43) .
Diese Bilder waren in der Zeit von 1933 bis 1986 an die Kirche St.Peter in Dachau Ost abgegeben worden. Während dieser Zeit standen in St.Jakob Holzplastiken von Maria und Josef an der Stelle der Bilder. Im Rahmen der Restaurierung 1986 hatte man die Gläubigen darüber entscheiden lassen, ob die Seitenaltäre mit den bisherigen Figuren oder mit den Altarblättern von St.Peter, die dort inzwischen auf dem Dachboden gelagert waren, ausgestattet werden sollen. Die Wahl fiel auf die Gemälde 87) .

Rechter Seienaltar

Auf mächtigen Gesimsen thronen die Altaraufsätze mit hochovalen Bildern. Darüber sind Strahlenmonstranzen mit Monogrammen von Jesus und Maria angebracht. Die Antependien der Altäre sind bemalt.
Im 18.Jh zierten sechs Seitenaltäre die Kirche. Sie waren notwendig, damit die zahlreichen, von Wohltätern der Kirche gestifteten Messen von den hierfür bezahlten Priestern (Benefiziaten) vertragsgemäß gefeiert werden konnten. Jede Bruderschaft hatte ihren festen Altar.


Nördlicher Altar

Im Auszugsgemälde ist die Verkündigung Mariens durch den Erzengel Gabriel (hebräisch=Stärke Gottes) dargestellt. Maria liest gerade in einem Buch als der Engel erscheint. Über der Szene schwebt die Heilig-Geist-Taube und sendet Gnadenstrahlen herab.Zu beiden Seiten des Gemäldes sitzen zwei Engel im Stil des 17.Jh auf dem Gebälk. Über dem Bild ein Strahlenkranz mit dem Monogramm "IMI".

Verkündigung Mariens
Hinweis: Die Gestalt der Taube für die künstlerische Darstellung des Heiligen Geistes gründet sich auf den Bericht der Taufe Jesu im Neuen Testament. Danach fuhr der heilige Geist in leiblicher Gestalt auf Jesus hernieder wie eine Taube (Lk, 3,22). Obwohl dies nur bedeutet, dass sich der Geist bewegte wie eine Taube, nicht aber aussah wie ein Vogel, hat man die Taube als Symbol für die sonst nur schwer greifbare dritte Person Gottes gewählt. Das Konzil von Nicäa

 

im Jahr 325 hat dies sogar empfohlen. Papst Benedikt XIV verbot 1745 die Darstellung der dritten göttlichen Person in Menschengestalt, wie sie vereinzelt immer noch vorkam (so z.B. im Deckengemälden der Schlosskapellen in Haimhausen und Unterweilbach).
Das Altarblatt am nördlichen Altar (Rosenkranzaltar) zeigt eine Darstellung der Muttergottes mit ihrem Kind. Maria ist mit einem roten Kleid und einem blauen Mantel gekleidet. Dies sind die traditionellen Marienfarben. Rot für den königlichen Anspruch, Blau für die hohe Wertschätzung. Im Mittelalter brauchte man für die Herstellung der blauen Malfarbe Lapislazuli.

Muttergottes

Maria trägt auf dem Haupt eine Krone; ihre Füße ruhen auf einer Mondsichel entsprechend der Aussage in Kapitel 12, Vers 1 der Offenbarung (..den Mond zu ihren Füßen). Auf ihrem Schoß steht das bekleidete Jesuskind mit einem Rosenkranz in der Hand.

Skelettreliquie 52) (wird derzeit restauriert)
In die Predella ist ein sog. liegender hl. Leib mit den Gebeinen des römischen Märtyrer Ernest eingelassen (mundartlich: Heilignboana 96) ). Er ruht -etwas nach außen gewendet und den äußeren Arm aufgestützt - auf einem Samtkissen. Arme und Beine sind mit Bändern, Finger und Zehen mit Perlenschnüren umwunden. Die hochgestellte Kniescheibe trägt eine Blattrosette. Über den Körper ist ein Schleier gebreitet. Von der Decke hängt eine aus Drahtarbeit bestehende Ampel. Diese Ampel könnte das himmlische Licht repräsentieren oder als "Blutgefäß" den Martyrertod symbolisieren. Auf einer 28,5 x 46,5 cm großen Marmortafel im Holzrahmen
steht die Majuskelinschrift: "PX I Ernesto I martire I an CXXVII" (= St.Ernesto erlitt im Jahr 127 den Martertod). Die Tafel war Bestandteil der früheren Prunkschreine, die heute nicht mehr vorhanden sind 86).

Bei den Reliquien handelt es sich um einen sog. Katakomben-Heiligen. Die in den Katakomben Roms gefundenen anonymen Gebeine wurden mit einem Namen versehen und als Märtyrergebeine verkauft. Die Dachauer Reliquien wurden im Jahr 1718
86) erworben. Der Indersdorfer Chorherr Georgius Penzl (1697-1748) vertritt in seiner Chronik des Klosters Indersdorf die Auffassung, dass die Dachauer Katakomben-Reliquien, wie die des Klosters Indersdorf, durch den Münchner Kaufherrn Benno Höger beschafft wurden. Zwar wurde nie von einem Kaufpreis gesprochen, sondern nur von Auslagenerstattung. Doch auch das war nicht billig. In Rom war die Zahl der Käufer groß und so kosteten die Reliquien 300 Gulden. Und der Transport nach Deutschland war unsicher; häufig wurden die Reliquientransporte auf Wunsch eines anderen Interessenten ausgeraubt 92) .

In München wurden die Gebeine der Reliquien-fasserin Josepha Antonia Khroningerin übergeben, die aus Gold- und Silberdraht, 33 Ellen Bändern, 53 Dutzend Edelsteinimitationen, 9 Dutzend gefassten Halbedelsteinen, 24 Maschen Perlen und 5 Pfund Rosshaar die Katakombenheiligen ausstaffierte. Antonia Khroninger fasste übrigens auch die Reliquien in der Klosterkirche Indersdorf. Die Schreine mit darauf sitzenden Engeln (leider nicht mehr vorhanden) wurden von Bartholomäus Schuhpaur gefertigt und vom Maler Johann Georg Hörmann vergoldet.

Hl.Leib - Märtyrer Ernest
Das Glas lieferte der Glasermeister Georg Älbl. Die Schlosserarbeiten besorgte Georg Spizer(der auch in den Kirchen von Giebing, Vierkirchen, Oberroth, Oberweilbach, Haimhausen, Röhrmoos, Indersdorf, Oberbachern tätig war 40) ). Die Gesamtkosten beliefen sich auf rd. 1400 Gulden, einen Betrag, um den man einen Bauernhof mit 120 Tagwerk Grund erwerben konnte. Bei der Überführung nach Dachau (Translation) 1719 86) und in den folgenden acht Jahrzehnten bis 1801 wurden jeweils am Jahrtag der Translation die Katakombenheiligen in einer großen Prozession durch den Markt getragen.

Die hl.Leiber machten die Gegenwart der Heiligen als Helfer und Fürbitter vor Gott augenfällig; sie brachten den Gläubigen den Himmel in greifbare Nähe.


An diesem Altar ist auch eine reiche Klosterarbeit der Reliquienfasserin Khroninger aus dem Jahr 1719 sehen.
...mehr über Klosterarbeiten...


Votivkerze

Im Antependium des Altars ein Marienmonogramm (in dem die vier verschiedenen Buchstaben des Namens "MARIA" ineinander geschrieben sind).

Am linken Seitenaltar stand bis vor kurzem auf einem Leuchter auch eine fast 200 Jahre alte Votivkerze des Marktes Dachau. Sie war 1715 gestiftet und 1883 restauriert worden. Die Kerze ist mit einem Blumenmuster bemalt.


Früher befand sich auf dem linken Seitenaltar eine Zeit lang auch die schlichte Marienstatue (Unsere Liebe Frau von Dachau), die aus der Priesterbaracke des Konzentrationslagers Dachau kam. Sie ist jetzt in der Kirche des Klosters Karmel auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte aufgestellt. Diese Figur stammt aus dem von den Nazis aufgelösten Breslauer Kloster und kam 1943 ins KZ. Von Häftlingen wurde sie so beschrieben: "Es ist Maria, die auf der Flucht nach Ägypten, also in der Verfolgung, in der Verbannung, das göttliche Kind als Inbegriff allen Trostes an das Mutterherz drückt. Zu diesem Marienbild fühlten wir uns immer wieder hingezogen. Dieser mütterlichen Frau konnten wir allen Kummer, unsere leiblich und seelische Not anvertrauen."
58) ).


Südlicher Altar

In dem mit einem vergoldeten Rahmen (mit Akanthus-motiven und einem Puttenkopf verziert) umgebenen Auszugbild wird die Taufe Jesu dargestellt.
Jesus steht mit zum Gebet über der Brust gekreuzten Händen im Jordan und wird von Johannes mit Wasser aus einer Schale getauft.


Taufe Jesu

Johannes trägt ein härernes Gewand und hält in der linken Hand einen Kreuzstab mit dem Textband "Ecce Agnus Dei". Über der Szene schwebt die Heilig-Geist-Taube, von der Lukas in seinem Evangelium (3,22) berichtet: "Der Heilige Geist kam sichtbar auf ihn herab, anzusehen wie eine Taube". Das Gemälde wurde in der 2. Hälfte des 19. Jh. gemalt.

Das Altarblatt am südlichen Seitenaltar (Josefi-Altar) zeigt die Hl. Familie, signiert von " Fr. Wurm 1853" (= Franz Josef Wurm, München, 1816-1865). Das rundbogi-ge Bild wurde mit Ölfarbe auf Leinwanduntergrund gemalt.

Heilige Familie
Die sitzende Maria ist in rotes und blaues Gewand gekleidet. Auf ihrem Schoß liegt auf einer Windel ihr schlafendes Kind. Dahinter steht St.Josef, auf einen Stock gelehnt.

Auch an diesem Altar sind Skelettreliquien ausgestellt, hier vom Märtyrer Sigismund. Die Kartuscheninschrift lautet (in Majuskeln): "PXI Sigismondo martire I an CXXVJI". Auf dem Altarauszug ist über dem Bild ein Strahlenkranz mit dem Monogramm "M" angebracht.

Im Antependium des rechten Seitenaltars das Jesusmonogramm IHS.



Bilder an den Wänden des Kirchenschiffs

An den Wänden des Kirchenschiffs befinden sich zwei Ölgemälde (auf Leinwanduntergrund) in barockisierendem
Goldrahmen (1735) 86)
, die im Zeitpunkt ihrer Entstehung wohl Altarbilder von zusätzlichen Seitenaltären (insgesamt sechs bzw. sieben 86) ) in der Kirche waren. Sie stammen (lt. Werkverzeichnis) vom Dachauer Maler Joh. Georg Hörmann (1672-1749).
Die vielen Seitenaltäre dienten nicht nur der Repräsentation sondern waren Altäre der Bruderschaften, an denen die gestifteten Messen vertragsgemäß gefeiert wurden. Die Zahl der vorhandenen Priester allein hätte die hohe Zahl nicht gerechtfertigt.

- (südlich) ein Ölgemälde, das den hl. Johannes Nepomuk auf dem Totenbett zeigt. In der Hand hält er das Kreuz; sein Kopf ist mit fünf Sternen bekränzt. Bekleidet ist er mit Rochett, Mozetta und Birett. Die Mozetta, das mit einer Knopfreihe vorn geschlossene Schultertuch ist dem höheren Klerus vorbehalten. Das Wort kommt vom italienischen "abgeschnitten". Rochett (it.Rock) bezeichnet ein mit Stickereien verziertes weißes Hemd, das über dem schwarzen Talar getragen wird. Das Birett ist eine quadratisch geformte Mütze mit vier Stegen (Kardinäle nur drei Stege), das außerhalb des Gottesdienstes den Kopf der Priester bedeckt.
  Hinweis: Johannes aus Pomuk, "ne Pomuk", war Ende des 14.Jh Generalvikar des Erzbischofs in Prag und machte sich beim König Wenzel wegen seines energischen Auftretens für die Rechte der Kirche unbeliebt. Der ließ ihn am 20. März 1393 gefangen nehmen, foltern, brannte ihn selbst mit Pechfackeln, ließ ihn durch die Straßen schleifen und schließlich in der Moldau ertränken. Die Legende berichtet, der eigentliche Grund sei gewesen, dass Johannes, der auch Beichtvater der Königin war, dem König keine Auskunft über die Sünden seiner Frau gegeben habe. Das 1215 eingeführte Beichtgeheimnis hat in der kath.Kirche einen hohen Stellenwert. Der Fundort der Leiche in der Moldau wurde durch eine Erscheinung von fünf Sternen geoffenbart. Nepomuk ist neben Maria der einzige Heilige, der mit Sternen geschmückt ist. Die Verehrung von Nepomuk ist zwar schon seit 1400 nachweisbar; sie war aber nicht sehr umfangreich und zudem auf Prag beschränkt. Sein Denkmal auf der Prager Karlsbrücke, das 1693 errichtet wurde, machte ihn zum Brückenheiligen. Erst als man über 300 Jahre nach seinem Tod, im Jahre 1719, bei der Öffnung des Grabes in der Prager Veitskirche die Zunge des Heiligen unverwest vorfand, hat die Verehrung an Dynamik gewonnen. Im Jahre 1721 wurde der Kult von Rom anerkannt, am 19.3.1729 folgte die Heiligsprechung durch Papst Benedikt XIII. Noch im gleichen Jahr wurde Nepomuk zum Landespatron von Bayern (18.8.1729) erklärt. Die Jesuiten förderten die Verehrung kräftig und nach kurzer Zeit stand die Nepomukfigur auf vielen Brücken und in vielen Kirchen. Nepomuk war der Modeheilige der Rokokozeit. Festtag: 16.Mai


Tod von Nepomuk


- (nördlich) ein Gemälde vom Tod des hl. Franz Xaver am 3. Dezember 1552 auf der Insel Sancian (Santschao) bei Kanton in China. Franz Xaver liegt mit dem Kruzifix im Arm auf einer Lagerstatt. Im Hintergrund ist ein Hafen mit einem massiven Turm sowie mehrere Schiffe zu sehen.


Tod von Franz Xaver

Hinweis: Franz Xaver, ein Spanier, war ein Zeitgenosse von Ignatius von Loyola und einer der ersten Jesuiten.Von Goa in Indien aus missionierte er auf mehreren Reisen den fernen Osten u.a. Japan und China und taufte dort viele Menschen. Das hochgehaltene Kruzifix erinnert an den Eifer, mit dem er die Botschaft vom Gekreuzigten verkündete. In der Münchner Michaelskirche befindet sich eine Knochenreliquie mit dem Spruchband: "25 Tote erweckt, 120.000 getauft". Die Zahl der Taufen war damals -anders als heute- ein Maßstab für den Erfolg der Mission. Festtag: 3.Dezember

 

Figuren an den Wänden des Kirchenschiffs

Über dem Südportal stehen zwei Skulpturen (18.Jh), die aus der Filialkirche von Steinkirchen stammen sollen. Leider können Sie keinen bestimmten Heiligen zugeordnet werden:

- ein Heiliger in Rüstung mit Palmzweig.
  Hinweis: Der Palmzweig deutet auf einen Märtyrer hin; in der christlichen Kunst werden Märtyrer häufig mit Palmzweigen dargestellt. Die immergrünen Blätter symbolisieren das ewige Leben und den Sieg des Glaubens über das Heidentum. Die über 20 m hohe Palme mit dem elastischen, allen Stürmen standhaltenden Stamm galt seit alters her als Sinnbild für Sieg und Standhaftigkeit.
- eine weibliche Heilige, ohne Attribute in den Händen.

(südlich) In einer vergitterten Nische ist ein kniender Christus dargestellt, dessen Hände mit Ketten gefesselt sind.
Dargestellt werden soll damit Jesus nach der Geißelung.
Die originale Holzfigur aus der Zeit um 1720 wurde 1997 bei einem Einbruch gestohlen und konnte bisher nicht wieder gefunden werden. 86)
55) . Das Bundeskriminalamt gab damals eine Anzeige mit folgendem Text auf:
"Einbruch in Kirche in Dachau
In der Nacht zum 15.7.97 bohrten Unbekannte an der St.Jakobs-Kirche neben dem Schloß der Holz-Seitentür ein Loch, wodurch sie die Verriegelung lösen konnten. Bei einer weiteren, dahinter befindlichen Eisengittertür drehten sie den Zylinder ab. Dann brachen die Täter gewaltsam das einfache Vorhängeschloß am Gitter zu einer Mauernische auf und stahlen folgende Figur: Marterchristus, sog. Ecce-Homo (Geißelchristus), 93 cm hoch, um 1730 entstanden, kniend, Inkarnatfassung, Schamtuch golden, mit Eisenschellen gefesselt, Dornenkrone verblieb am TO zurück, Wert ca. 10.000 DM. Wo aufgefallen ?"


Geißelheiland

- Barockfigur des hl. Florian, in römischer Rüstung mit Siegesfahne, Wasserschaff und brennendem Haus.
  Hinweis: St.Florian war um das Jahr 304 Offizier der zweiten italienischen Legion des römischen Heeres. Wegen seines Glaubens wurde er verhaftet und nach vielen Martern mit einem Mühlstein um den Hals in die Enns geworfen. In seiner Jugend soll er ein brennendes Haus durch sein Gebet gerettet haben, deshalb ist er Patron der Feuerwehrleute geworden.
Sein Gedenktag ist der 4.Mai.


St.Florian


- (nördlich) Figur (um 1630) des hl. Rasso in voller Ritterrüstung und Hermelinüberzug (Patron von Grafrath bei Fürstenfeldbruck, aus dem Geschlecht der Grafen Andechs-Dießen). Die Dachauer machten alljährlich auf ihrer Wallfahrt nach Andechs in Grafrath beim hl.Rasso Station und stifteten auch Wallfahrtskerzen. mehr dazu...

St.Rasso
Rasso (900-954), nach der Überlieferung 2 Meter 50 groß, war Ritter, berühmter Feldherr und unternahm einen erfolgreichen Feldzug gegen die Ungarn. Aus Dankbarkeit wallfahrtete er nach Rom und ins Heilige Land, brachte wertvolle Reliquien mit und ließ hierfür im heutigen Grafrath ein Benediktinerkloster bauen. Er trat - kinderlos geblieben - selbst als Laienbruder in dieses Kloster ein. Rasso wurde in der Klosterkirche bestattet, seine Gebeine werden heute im Glasschrein des Hochaltars aufbewahrt. Die von Rasso mitgebrachten Reliquien werden heute in Andechs am Ammersee gezeigt. Festtag: 19.Juni


St.Sebastian

Die Sebastiansfigur (nördlich) ist ohne den sonst üblichen Marterbaum abgebildet, an den der Heilige bei seinem ersten Martyrium gebunden war. Sebastian wird sogar schreitend dargestellt. Die vier Pfeile, die in seinem Körper stecken, haben keine lebenswichtigen Organe getroffen. In dieser Darstellung lässt der Künstler Raum für die Legende, nach der sich Sebastian von den Pfeilwunden erholte, dann erneut zu seinem Glauben bekannte und schließlich durch Keulenschläge sein zweites Martyrium erlitt. Festtag: 20.Januar
Die im frühen 17.Jh. geschnitzte Figur kam erst 1997 in die Kirche. Vorher stand sie in einer Mauernische der Scheierlmühle in Dachau, bis dieses Gebäude im Jahr 1989 abgerissen wurde.
1997 schenkten die Besitzer, die Fam. Kaiser, die Skulptur der Pfarrei St.Jakob, die die Fassung (Bemalung) von Vergoldermeister und Restaurator Johannes Glück ergänzen bzw. wiederherstellen ließ.101)




Weihwasserbehälter
- (nördlich) ein mit Kupfer beschlagener Weihwasserbehälter mit Schöpfkelle. In diesem Weihwasserbehälter (Weihbrunnen) wird das in der Osternacht geweihte Wasser aufbewahrt, damit es von den Dachauer Gläubigen für die Gräber und für die Wohnung entnommen werden kann. Weihwasser hat nur eine symbolische Bedeutung und soll an die Taufe erinnern.

Krumpper-Kreuzigungsgruppe

Seit Juli 2005 ist über dem Südeingang eine Kreuzigungsgruppe angebracht, die seit ihrer Entstehung vor 440 Jahren schon an vielen Orten innerhalb Dachaus zu sehen war 72) :
1562/67-1806
1806-1933
1933-1960
1960-1968
1968-1987
1987-2005
ab 2005
in der Schlosskapelle
Gottesackerkp
Jakobskirche
Gottesackerkp
Altes Rathaus
Bezirksmuseum
Jakobskirche

Die Gruppe im Stil der Spätgotik besteht aus einem Kruzifix, einer darunter stehenden Muttergottes-statue (zur Rechten Jesu), sowie einer Figur des Apostels Johannes.
Die Figuren sind bis ins Detail mit großer Sorgfalt durchgebildet und von ungewöhnlich hoher künstlerischer Qualität.


Kreuzigungsgruppe v. Krumpper

Schnitzer war Adam Krumpper, der Vater des Baumeisters der Kirche, Hans Krumpper. Adam Krumpper stammte aus Weilheim und war des Öfte-ren für den Münchner Hof als Bildhauer und als Kistler (Schreiner) tätig. Er war Lehrherr und Schwiegervater des bekannten Bildhauers Johann Degler (1564-1633), mit dem er von 1590 und 1596 für den Münchener Hof zusammenarbeitete. Seine Lebensdaten sind nicht genau bekannt. Als Geburtsjahre gelten 1538,1540 oder 1543; das Todesjahr wird mit 1620 oder 1625 angegeben.

Auftraggeber für die Kreuzigungsgruppe in Dachau war der bayerische Herzog Albrecht V. (1528-1579). Krumpper schuf die Figuren in seinen frühen Schaffensjahren 1562 (Johannes) und 1567 (Kruzifix und Maria) 71). Auf dem Rücken des Gekreuzigten ist folgende Inschrift zu lesen:"1567 und "1813 renoviert" und "1980 freigelegt Reinh. Huber". Weitere Hinweise auf die Figuren sind in den Hofzahlamtsrechnungen des Jahres 1567 zu finden. Unter den Ausgaben für das Schloss Dachau, die allen im genannten Jahr insgesamt über 5142 fl (Florentiner Gulden). betrugen, steht der Vermerk: "mer zahlt maister Adam pildthaur von Weilhaimb von ainem crucifichs in die capeln 33 fl". 72) 100)

Mater dolorosa
Maria hält die Hände in Gebetshaltung gekreuzt über der Brust. Ihre Augen blicken unter dem Schleiertuch schmerzversunken ins Leere. Das zarte Antlitz ist starr vor Trauer und Niederge-schlagenheit.
Johannes blickt mit flehend erhobenen Händen zum Gekreuzigten hinauf. In seinem jugendlichen Gesicht, das von dunklen Locken gerahmt wird, sind Schmerz und Ratlosigkeit zu sehen. Johannes wird als einziger Apostel traditionell ohne Bart dargestellt, um seine Jugendlichkeit zu betonen.

St.Johannes
Jesus am Kreuz trägt die Dornenkrone über den schwarzen Lockensträhnen. Von seinem Haupt gehen drei Strahlen eines Heiligenscheins aus. Seine Augen sind geöffnet, obwohl die Seitenwunde ihn als tot kennzeichnet. Die offenen Augen sind deshalb symbo-lisch zu verstehen, als Zeichen fortdauernden Lebens und der Göttlichkeit Jesu.


Kruzifix

"Die Leiblichkeit des Herrn schläft am Kreuz, seine Göttlichkeit aber wacht" ist im Physiologus zu lesen. Das um seine Lenden gebundene Tuch (Perizonium) ist sehr groß gehalten. Es ist rechts zu einem Knoten gebunden und flattert hinter dem Kreuzesstamm vorbei noch weiter auf die linke Seite.
 
Hinweis: Ob Jesus bei der Kreuzigung überhaupt ein Lendentuch getragen hat, ist ungewiss. Nach römischem Recht waren alle Gekreuzigten nackt. Die Blöße und die Tatsache, dass sie nicht beerdigt sondern in der Regel von den Tieren gefressen wurden, waren Teil der Strafe und sollten bewusst erniedrigen. Ob wegen des jüdischen Empfindens Ausnahmen vom Gebot der Nacktheit galten, ist nicht bekannt, sodass wohl auch Jesus nackt gekreuzigt worden ist. Früher gab es auch Darstellungen mit dem nackten Jesus. Der Legende nach soll Maria mit ihrem Schleier die Blöße Jesu bedeckt haben. Das Lendentuch, das dem Gekreuzigten heute von den Künstlern als Blickschutz für die Blöße beigegeben wird, soll der Würde Jesu Rechnung tragen. Es ist Bestandteil der künstlerischen Darstellung geworden, flatternd im Wind, nur von einer Kordel gehalten.

Die Figuren wurden -einer Inschrift auf der Rückseite zufolge- "1813 renoviert" , "1980 von Reinhard Huber freigelegt" und anschließend retuschiert. Die Figurengruppe befindet sich immer noch im Besitz der Stadt Dachau; Der damalige Kulturreferent Rauffer initiierte 2005 einen Leihvertrag der Stadt mit der der Kirchenstiftung St.Jakob, damit die Gruppe in der Kirche aufgestellt werden kann. "So kann die Kreuzigung wohl auf immer in den sakralen Bereich - auf einen würdigen Platz der Verehrung, dermeditativen Betrachtung und auch der kunsthistorischen Würdigung zurückkehren" erklärte Rauffer. 71)

 

- (nördlich) ein weiteres spätgotisches Kruzifix. Das Gesicht Jesu ist noch im Tod von Schmerz verzerrt. Die Rippen treten hervor. Er trägt die Dornenkrone auf dem Haupt.

 
Kruzifix
Hinweis: Die Dornenkrönung im Rahmen der Verspottung Jesu ist in den Evangelien genannt (z.B. Mtth 27, 28-30). Ob Jesus auch am Kreuz die Dornenkrone getragen hat, ist der Bibel nicht zu entnehmen. Dies wird aber in den Apokryphen erwähnt. Die hl.Birgitta, die Patronin Altomünsters hat in ihren Offenbarungen geschrieben, die Dornenkrone sei Jesus nach dem Anheften an das Kreuz aufgesetzt worden.

Kanzel

Eine Kanzel ist seit der Renovierung Ende der 1960er Jahre nicht mehr vorhanden. Sie stammte aus der Erbauungszeit 16) und hing 340 Jahre in der Kirche bis sie den Apostelfiguren weichen musste.

Kreuzwegbilder

Die 14 Kreuzwegstationsbilder in Stuckrahmen wurden im Jahr 1935/36 von Richard Huber aus Dachau in Freskotechnik auf Putz gemalt (Bildformat 56 x 44 cm) .
 Der Maler hat, nach Aussage seines Enkels Christian damit ein "sehr ausdrucksstarkes und zeitgemäßes Werk" geschaffen. 
Nur Jesus und die wichtigsten und bekanntesten Figuren des Geschehens tragen antike Gewänder, allen anderen Beteiligten hätte man 1935 auch draußen auf dem Marktplatz Dachau begegnen können". Der Simon von Cyrene, der Jesus das Kreuz tragen hilft, könnte ein Selbstbildnis von Richard Huber sein.
60)

Vergrößerung der Bilder durch Mouseklick

1. Station
Jesus wird von Pilatus
zum Tod verurteilt
2. Station
Jesus nimmt das Kreuz
auf seine Schultern
3. Station
Jesus fällt zum ersten Mal
unter dem Kreuze
4. Station
Jesus begegnet
seiner Mutter Maria
5. Station
Simon v.Cyrene hilft Jesus
das Kreuz tragen
6. Station
Veronika reicht Jesus
das Schweißtuch dar
7. Station
Jesus fällt zum zweiten Mal
unter dem Kreuze
Signatur von Richard Huber
an der 5. Station
8. Station
Jesus tröstet die
weinenden Frauen
9. Station
Jesus fällt zum dritten Mal
unter dem Kreuze
10. Station
Jesus wird seiner
Kleider beraubt
11. Station
Jesus wird ans
Kreuz geschlagen
12. Station
Jesus stirbt am Kreuz
13. Station
Jesus wird vom Kreuz
abgenommen
14. Station
Jesus wird ins Grab gelegt

Wenn Sie sich für weitere Kunstwerke, die Richard Huber für die Kirchen des Landkreises Dachau geschaffen hat, interessieren, klicken sie hier...
Mit Richard Huber hat übrigens schon ein zweites Mitglied der berühmten Malerfamilie einen Kreuzweg für St.Jakob gestaltet. Sein Urgroßvater Anton Huber malte den Vorgänger-Kreuzweg im Jahr 1826. Dieser Kreuzweg kam später für kurze Zeit in die Kirche St.Peter.

Apostelkreuze und -Leuchter


Apostelleuchter
Die Apostelkreuze sind aus Stuck geformt und übertüncht. Die Leuchter wurden erst vor wenigen Jahrzehnten aus Eisen geschmiedet
Hinweis: Die Apostelleuchter u. -kreuze erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlischen Jerusalems.

 

Opferstöcke

Opferstock
An den Seitenwänden stehen alte schmiedeeiserne Opferstöcke, die mit Rosetten geschmückt sind (92 cm Höhe). Ob es sich dabei um den Bruderschafts-Opferstock aus dem Jahr 1629 oder dem Sebastiansopferstock aus dem Jahr 1651 handelt, wäre noch zu klären. Eine Rosenkranzbruderschaft mit eigenem Opferstock wurde im Dachau 1628 gegründet.
In den Kirchen des Landkreises Dachau gibt es viele unterschiedliche, außerordentlich interessante Opferstöcke. Wenn Sie sich dafür interessieren, klicken Sie hier..

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Kirchenstühle


Kirchenbank
Das spätklassizistische Laiengestühl stammt aus der 1. Hälfte des 19. Jh. Es sind beiderseits des Mittelganges und der Seitengänge zweimal 24 Reihen, auf der Empore zweimal 13 Reihen. Die vordersten Bänke im Kirchenschiff haben an der Frontseite eine schwungvolle Verzierung.
An einer Reihe von Bänken sind noch die Namensschilder vorhanden, die den Gläubigen gegen eine angemessene Gebühr einen festen Platz sicherten.

Namensschilder



Empore und Orgel

Die Westempore von 1927 ist zweigeschossig. Die untere Empore bietet Platz für zusätzliche Kirchenbesucher. Die obere Empore sollte Ende des 20.Jh abgetragen werden, um für eine größere Orgel Platz zu machen. Doch das Denkmalschutzamt bestand auf dem Erhalt des oberen Geschosses.
Die Brüstung an der obersten Empore besteht aus einem Eichengeländer. Am südwestlichen Emporenpfeiler ist eine Inschrift (in Majuskeln) angebracht: "Ecclesia hac amplifica / matrem svam carissimam, / tvtela Sti. Jacobi divi hvivs / ecclesiae patroni ab infantia /frvitam hic commemorant / Johannes et Pavlvs Gedon, / qui aedificavervnt. / A. D. MCMXXVll" .

Als 1986 die Entscheidung anstand, eine neue Orgel zu beschaffen, kam wegen der Platzverhältnisse nur eine große Brüstungsorgel in Frage, die in ihrem Ausmaß dem großen Kirchenraum (mit übrigens hervorragender Akustik) angemessen war. Für Chor und Orchester war es aber dort oben zu eng geworden; sie fanden ihren Platz auf der unteren Empore, wo ein zweiter Spieltisch eingerichtet wurde. Die Orgel sollte über dem Chor stehen. Es dauerte aber noch bis 1997 bis das Geld für die neue Orgel (500.000 €) zusammenkam. Dazu wurden unter anderem die Pfeifen des alten Instruments verkauft.
102)


Orgel

Die Orgel wurde 1997 die von der Orgelbauwerkstätte Vleugels aus Hardheim in der Nähe von Tauberbischofsheim erbaut 86) 54). Die MIDI-fähige Orgel mit weicher, süddeutscher Klangfarbe besitzt zwei Manuale und 35 Register, insgesamt 2000 Pfeifen. Das weiß bemalte und golden verzierte Gehäuse fügt sich harmonisch in die Kirche ein. Nach Aussage des Münchner Organisten Michael Manigel klingt die Vleugel-Orgel in Dachau "generell sehr hell" 81) mit weicher "Süddeutscher Klangfarbe" 102). Allerdings stand schon 2011 wegen ungewöhnlich starken Schimmelbefalls eine Sanierung an, die von Orgelbaumeister Siegfr.Schmied aus Immenstadt (für 70.000 €) durchgeführt wurde 90) .
Der Schimmelbefall ist auf den ungünstigen Standort nahe der Wand und den wechselnden Temperaturen mit der damit verbundenen unterschiedlichen Feuchtigkeit zurückzuführen. Deshalb wurde ein Dachschweller eingebaut, damit die vorne in das Instrument eintretende Luft besser abgeführt wird. 83)


Orgelbank


Frühere Orgeln

In der Kirche stand schon 1626 eine Orgel mit 12 Registern. Sie war vom berühmten Münchner Orgelbaumeister Hans Lechner geschaffen worden. Allerdings war sie nicht auf der Empore, sondern im Altarraum aufgestellt.
Im Jahr 1639 erhielt diese Orgel, nachdem sie 1635 (1632 102)) von Schwedischen Soldaten "zerschlaifft und vergengt" worden war, vom Nachfolger Lechners, dem Orgelbaumeister Hans Mehrer, ein neues Pfeifenwerk im alten Gehäuse. Erst 1697 wurde die Orgel auf ihren heutigen Standort, die Westempore, verlegt. Der Maler Joh.Georg Hörmann fasste den Orgelkasten. Doch schon neun Jahre später, 1706, erwarb die Pfarrei vom Münchner Instrumentenmacher Franz Disl eine neue Orgel für 226 Gulden. Das Gehäuse fertigte der Kistler Franz Prugger; Joh.Georg Hörmann bemalte es. 1726 wurde die Orgel vom Dachauer Quirinius Weber umgebaut 102). Franz Borgias Maerz soll im Jahr 1884 eine zweimanualige Orgel mit 15 Registern eingebaut/renoviert haben, die 1927 auf 25 Register erweitert wurde. 1968 kam eine von Anton Staller aus Grafing eingebaute Brüstungsorgel hinzu. Die Orgel hatte nun drei Manuale und 31 Register.
102)

Bekannt sind sogar der Name und die Entlohnung des Organisten des Jahres 1638. Georg Schnabl, im Hauptberuf Marktschreiber, erhielt für die musikalische Tätigkeit von der Marktkammer (!) 30 Gulden und von der Kirche 6 Gulden jährlich. Im Allgemeinen waren die Organisten meist Lehrer. Sie leiteten auch den Kirchenchor, der aber nur aus wenigen, ausschließlich männlichen Mitgliedern bestand. So ist aus der Kammerrechnung 1696 zu sehen, dass der Chor aus wenigen Knaben (Diskantisten), dem Kantor und dem Organisten bestand. 25)


Am Emporenaufgang hängt ein Gemälde Maria mit Kind, aus der Cuzco-Schule, Peru, 17. Jh. (Maße 105 x 78 cm) im indianisch-spanischen Mischstil.
Das Bild wurde 1991 von Jakob Reischl aus Dachau gestiftet. 101)
Maria wird in einem nach der Mode der vornehmen spanischen Damen des 17.Jh. geschneiderten Gewand mit zwei Schnurreihen und einem Wappen dargestellt.


Maria - Cuzco-Schule
Der von den breiten Borten eingefasste Mittelteil des Kleides könnte ein Skapulier sein. Der Kopf Mariens ist mit einer Krone geschmückt. Auf dem linken Arm hält sie ihren ebenfalls gekrönten Sohn. Das Jesuskind segnet den Betrachter und drückt eine blaue Weltkugel an seine Brust. Die Figurengruppe ist von vielen Blumen umgeben, meist von Rosen, der Blume Mariens. Auch die Muttergottes hält einen Blumenstrauß in der rechten Hand.
Zu Füßen Marias knien andächtig zwei Heilige im Ordenshabit mit Wappen auf der Brust. Die linke Person, Petrus Nolascus, hat einen Degen im Gürtel stecken, was ihn als Mitglied eines Ritterordens ausweist. Die rechte Person, St. Ramón Nonato, trägt auf dem blutigen Haupt eine Dornenkrone; durch seine Lippen ist ein Vorhängeschloss gezogen.
 

Hinweis: Das Wappen auf dem Kleid Mariens und die beiden Heiligen zu ihren Füßen weisen auf den Mercedarierorden (die Kongregation der "Seligen Jungfrau Maria vom Loskauf der Gefangenen) hin. Der Orden wurde 1218 vom hl. Petrus Nolascus in Katalonien gegründet, nachdem ihm die Muttergottes erschienen war. Größter Förderer war König Jakob I.von Aragon, dessen Wappen die Mönche übernahmen und mit dem Ritterkreuz ergänzten. St.Ramón - ein Mitbegründer des Ordens- erhielt den Namen Nonato ("Nicht geboren"), weil er aus dem Mutterleib geschnitten wurde. Seine Mutter starb bei der Entbindung, bevor er das Licht der Welt erblickt hatte. Das Vorhängeschloss wurde ihm während seiner Gefangenschaft bei den Muslimen in Algier durch die Lippen getrieben, weil er trotz Verbots weiterhin seinen Glauben predigte. Da er in der Gefangenschaft auch gegeißelt wurde, hat ihn der Künstler auf dem Dachauer Bild mit einer Dornenkrone dargestellt. 76)



An der Südseite der Empore: Kruzifix, wohl 17. Jh.Der Corpus ist annähernd lebensgroß.

Kruzifix
Hinweis: In den frühchristlichen Kirchen wurde das Kreuz ohne den Corpus des Gekreuzigten angebracht. Dann aber wurde Christus am Kreuz als lebender und über den Tod triumphierender, göttlicher Sieger mit geöffneten Augen und in aufrechter Haltung dargestellt. Erst im hohen Mittelalter (etwa seit dem 12. Jh) setzte sich die Abbildung des leidenden und toten Gekreuzigten, die Betonung des Menschseins Jesu durch, wie wir es von unseren Kirchen kennen.

An der Nordseite der Empore: Madonna auf Mondsichel in besonders ausgeprägtem Strahlenkranz (Aureole), um 1920 (Höhe 180 cm). Der Strahlenkranz und die Mondsichel erinnern an Maria als die Frau aus der Offenbarung des Johannes (Offb 12,1) "von der Sonne umkleidet, den Mond zu ihren Füßen".

Mondsichelmadonna

Sieben Schmerzen Mariens



7-Schmerzen Mariens
Im hinteren Teil des Langhauses, in der Nähe des Empore, ist an der Südseite eine Statue der von sieben Schwertern durchbohrten Muttergottes angebracht. Die um 1740 entstandene barocke Figur wurde 1939 von Prälat Pfanzelt in Tirol erworben;  sie wird Thaddäus Stammel aus Graz (1695-1765) zugeschrieben 86). Vor der Figur können auf einem Lichtspalier Opferkerzen angezündet werden.
  Hinweis:Die Wurzeln für die Darstellung der 7 Schmerzen Mariens reichen in das 13.Jh zurück. Im Laufe der Jahrhunderte schwankte die Zahl zwischen 5 und 50, ja sogar bis zu 1500 im Einzelnen bezeichneten Schmerzen (Alanus de Rupe, 1428). Nach der Einführung des "Festes zum Gedächtnis der Sieben Schmerzen Mariens" im Jahr 1423 verblieb es bei der Zahl 7.
1.die Darstellung im Tempel
2. die Flucht nach Ägypten
3. die Suche nach dem 12jährigen im Tempel
4. die Begegnung Mariens auf dem Kreuzweg
5. die Kreuzigung
6. die Kreuzabnahme und
7. die Grablegung Jesu.
Seither stellt die Kunst die volkstümliche "Mater dolorosa" mit einem oder mit sieben Schwertern in der Brust dar. Die Darstellung der Schmerzen Mariens geht auf das Simeonwort bei der Darstellung im Tempel " Dir selbst wird ein Schwert durch die Seele dringen" (Luk, 2,35) zurück.


K
rippe und Fatschenkindl


 
   Krippe
Auf der linken Seite ist an Weihnachten eine Krippe in einem Glasschrein unter der Empore zu sehen. Nach den Gottesdiensten drängen sich nicht nur die Kinder vor der Scheibe. Wenn Sie sich für Krippen interessieren, klicken Sie hier...

Am rechten Seitenaltar ist während dieser Zeit ein wunderschönes Fatschenkindl in einem prächtigen Rokokoschrein mit grazilen Säulchen auf einem Rosenbett zu sehen. Das Kindl wurde in der 2. Hälfte 18. Jh. aus Wachs modelliert. Der Schrein hat die Maße 57 x 59,5 cm. Wenn Sie sich auch für Fatschnkindl in anderen Kirchen des Landkreises interessieren, klicken Sie hier..

Fatschnkindl
Hinweis: Das Fatschnkindl(von lat.fascia=die Binde) stellt das nach barocker Art in Windeln und Wickelkissen gewickelte (eingefatschte) Christkind dar. Es ist die erste Krippendarstellung, lange bevor es Weihnachts-krippen gab. Die Praxis, Babys zu fatschen , damit sie keine "krummen Glieder" bekommen, war bis ins 19. Jh., in ländlichen Gebieten sogar noch in den ersten Jahrzehnten des 20. Jh., üblich.



Epitaphe

Die prächtigsten Epitaphe sind an den Innenwänden des Kirchenschiffs angebracht. Hier in der Kirche wurden Geistliche, Beamte und vornehme Bürger begraben. Um 1800 ruhten etwa 50 Personen in St.Jakob. Aus gesundheitspolizeilichen Gründen waren weitere Begräbnisse aber zu dieser Zeit nicht mehr gern gesehen. "Viele bilden sich ein, dass sie vor dem Teufel sicherer wären, wann sie in der Kirch begraben liegen, welches aber eine große Einfalt ist und den geringsten Grund nicht hat", wetterte der große bayerische Rechtsgelehrte Wiguläus Xav.Kreittmayr gegen das Grab in der Kirche. Er selbst ruht aber ebenfalls in einer Pfarrkirche in Offenstetten.
Hier in St.Jakob sind folgende Epitaphe zu sehen:
1618
Holzmair
1624
Gründungsstein
1636
Jocher

Vier Grabdenkmäler möchte ich hier näher beschreiben. Mehr über die übrigen Epitaphe im Inneren erfahren sie nach einem Klick auf die kleinen Bildchen oben.

1.Epitaph von 1606
für den Kastner (Finanzverwalter)und späteren Schlossverwalter Georg Schwanckhler (gest.1606), das bis vor einigen Jahrzehnten noch außen in die Mauer eingelassen war:

Schwanckhler
Auf dem Epitaph knien über dem Wappen der Schwankhlers mit dem Kopf und Hals eines Schwans, Männer und Frauen, nach Geschlechtern getrennt vor einem Kruzifix und beten den Rosenkranz. Es handelt sich um Georg Schwankhler und seine beiden Gattinnen Ursula (geb. Langhammer) -rechts- und Anna (geb. Friedinger) sowie die vier Söhne und fünf Töchter.
Georg Schwankhler (ganz links) hält einen kurzen Rosen-kranz mit 10 Avekugeln und einer Paternosterkugel in der Hand, der damals bei den Männern beliebt war und Manns-beter hieß. Der kurze Rosenkranz hatte am Ende einen Ring, der nach jedem Gesätz auf einen anderen Finger der Hand gesteckt wurde 50). Die Gattin in der Mitte hat dagegen einen langen Rosenkranz mit 55 Kugeln um die Hand geschlungen. Über den Köpfen der ersten Gattin sowie von zwei Söhnen und drei Töchtern sind Kreuze zu sehen. Sie sind Zeichen dafür, dass diese Personen im Zeitpunkt der Erstellung des Epitaphs schon gestorben waren.

Detail aus dem Epitaph für Georg Schwanckhler (gest.1606).
Im Hintergrund ist die Silhouette von Dachau um 1600 zu sehen; es handelt sich um die wahrscheinlich früheste Darstellung des Marktes Dachau. Zu sehen sind -nach Dr.Kübler- die Brauerei Ziegler, die Kirche, das Rathaus mit 3 hohen und breiten gotischen Fenstern, das Birgmannhaus, das Altherrhaus, das Münchner Tor, das heutige Bezirksmuseum und die ehem.Friedhofsmauer.
  Text: "Anno Domini 1606 den 4.Maius Starb der Ernuesst Georg Schwanckhler dt.gewester Casstner Alhie.
Anno 1569 den 1. Juni starb die Ernuesst Tugenthafft frau Ursula Lanckhamerin sein Erste Hausfraw. Anno 1625 den 3. Septembri starb die Ernuesst Tugenthafft Fraw Anna Friedingerin sein Andere Hausfraw. D.G.G"
Georg Schwankler war eine vielbeschäftigte Person. Er übte zugleich folgende Tätigkeiten aus: Dachauer Kastners (Finanzbehördenleiter) von 1565 bis 1601, Wirt einer Gaststätte neben dem Kastenamt, Verwalter des Klosters von Altomünster und des Dachauer Schlosses von 1601 bis zu seinem Tode im Jahr 1606. 85) 59)


2.Epitaph von 1784


Vacciery

 

 

 

 

Das Epitaph aus dem Jahr 1784 erinnert an den "Wohlgebohrnen Herrn Clement Albrecht Edlen von Vacchiery" (gest.28.4.1758) und seine Frau Anna (gest.10.1.1784) mit einer Umrandung aus acht Familienwappen (u.a. Keuslin v. und zum Reichlsperg, von Machhans, Wanner von Stözling, von Steinheil.
Text:
Der prächtige Marmor sagt nicht ihr Lob, dieß sagen die Herzen in denen sie Leben.
Gott zur Ehre
Ihren innich geliebten Aeltern, dem Wohlgebohrnen Herrn Clement Albrecht Edlen von Vacchiery auf Castell nuovo des R.R.... Ritter Churcöllnischer Truchseß und Rathe, dann Churbaierischen Truchseß, Hofkammerrathe, Hofkastner und Mauthner, dann Schloßpfleger zu Dachau, so gestorben den 28.April 1758 im 58.Jahre seines Alters.
Dann Der auch Wohlgebohrnen Frau Maria Anna von Vacchierin gebohrnen von Steinheil, so gestorben den 10.Jenner 1784 im 67 Jahre ihres Alters.
Zum Gedächtniße Setzen dieß Ehre und Denkmahl aus Kinderspflicht Der Churfrl adeliche Hofrath Joh Bapt.von Vacchiery auf ...hofen, der Churfrl wirklich geheimde Rath und Hofraths Vice Director Albrecht von Vacchiery und die Adelheit von Vacchiery ... ... R.I.P.

3.Epitaph von 1781


Schmetterer

 

 

 

 

Epitaph für den Bierbrauer Josef Benedikt Schmetterer (gest 7.1.1781) im Innenraum der Kirche. Weiße Marmorbüste mit klassizistischem Dekor in der Art des Münchner Bildhauers Roman Anton Boos (1730-1810) Maße: Gesamt 155, Büste 72 cm.
Der Text auf dem Epitaph lautet:

"Dies Denkmal der Liebe, Ehrfurcht, Dankbarkeit
Weihn die zurückgelaßnen drey Kinder
Ihrem geliebtesten Vater
Joseph Benedikt Schmetterer
Weingastgeb. und Bierbrauer
Dem Edlen Wohlthätigen Rechtschafenen
Dem Freunde seiner Mitbürger, der Armen Stütze
Sanft wallte sein Geist nach 70 u.einem Jahre
seines tugendhaften Lebens
durch die nächtlichen Schatten des Todes
Zzum Sonnenlichte der Unsterblichkeit !!!
Den VII Jänner 1801."


Benedikt Schmetterer um 1780

4.Epitaph von 1636



Wilhelm Jocher

 

 

 

 


Epitaph für den Wilhelm Jocher (gest 3. Mai 1636)
Im unteren Teil die prächtigen Wappen der Verstorbenen. Zwei Engel darüber halten einen Totenschädel und Oberschenkelknochen in den Händen.
Der Text auf dem Epitaph lautet:

D[eo] O[ptimo] M[aximo] GVILELM[VS] IOCHER in Egersperg I[uris] C[onsul]tus Quondam summi in Imp[eri]o Rom[an]o Tribunalis Spirensis XIII. ann[os] Assessor. Deinde Ser[enissi]mo vlt[erioris] Bau[ariae] Duci et S[ancti] R[omani] I[mperii] Electori MAXIMILIANO XXXII. ann[os] Intim[us] Consiliarius. Et Praeses Dachauiens[is] MIHI et ANNAE MITTERSPACHERIN Coniugi Opt[im]ae viuens F.P. [? ?] Natus Mautterdorfij XVII Cal[endas] Dec[embris] A[nno] MDLXV. VIXI ann[os] LXX mens[es] V. dies XIIX Obij Monachij V. non[arum] Mai A[nno] MDCXXXVI. Hic quiesco VIATOR Siste, Parce, Precare, Sequere, Abi Sortis TVAE et MEAE Memor. Longum Vale.

Übersetzung: 108)
Gott dem Allerbesten und Allergrößten Wilhelm Iocher in Egersberg, Rechtsgelehrter, dereinst des höchsten Gerichts im Römischen Reich 13 Jahre Beisitzer danach dem Durchlauchtigsten beider Bayern Herzog und des Heiligen Römischen Reichs Kurfürsten Maximilian 33 Jahre Geheimer Rat und Dachauer Vorsteher für mich und Anna Mitterpacher, die beste Gemahlin, lebend (im Leben) [??] Geboren zu Mauterndorf den 16. November 1565. Ich lebte 70 Jahre, 5 Monate, 18 Tage. Ich starb zu München den 3. Mai 1636. Hier ruhe ich Wanderer Halt ein, hüte dich, bete, folge, geh dahin, deines Schicksals und des meinen eingedenk. Lebewohl für lange.


Wilhelm Jocher 1636

 

 


In der Nähe des Südportals ist im Inneren der Kirche ein Marmorstein mit dem Text zur Grundsteinlegung aus dem Jahre 1624 zu sehen. Die etwas verwitterte Inschrift des "Märbelsteins" aus dem Salzburger Land (der Heimat des Erbauers der Kirche Wilhelm Jocher) 23) lautet:

Grundstein

Den 15.Aprilis Ao 1624
Hat man die alte Vil zue
Enge Khirchen angefang
en abzuebrechen.
Den 9.May hernach man
dan die Erste Stain gelegt.
Den 31.October Ao 1625
ist der Erste Gottesdienst ge-
Halten.
Alleß durch hilf Und Zu
thuen Gottsferchtiger Hoch
en und Nidern stands per
sohnen wie solches Alles
In einem absonderlich
en Buech verzeichnet.
Gott dem Herrn Sei lob
Und danckh der welles
Reichlich belohnen.


    Kirchenportale

Die Seitentüren stammen noch aus der Erbauungszeit und sind somit schon 380 Jahre alt. Sie sind mit Heiligenreliefs geschmückt:


Südportal mit Nikolaus und Laurentius

- An der Südseite (siehe Bild links) die Heiligen Nikolaus im Bischofsornat mit Buch und 3 Goldkugeln sowie Laurentius  im kurzärmeligen Gewand des Diakons mit Märtyrerpalme und Feuerrost in den Händen. Diese Reliefs wurden zwar schon 1625 geschnitzt, kamen aber erst 1898 an diese Tür 86).
Das Südportal war bis zur Verlängerung des Kirchenschiffs 1926 das Hauptportal. Deshalb befindet sich über dem Eingang die Nischenfigur des Kirchenpatrons 86).

- An der Nordseite der Kirche den hl. Jakobus und eine Person im Herzogsgewand.
Die Reliefs waren bis 1898 am Südeingang angebracht. Wen diese Person (mit der In-schrift "BAVARIAE DUX") darstellt, ist umstrit-ten. In einigen Publikationen wird die Auffas-sung vertreten, es handle sich um den bayeri-schen Herzog und Kurfürsten Maximilian I. 66).


Jakobus und
Bavariae Dux

oder um dessen Vater Herzog Wilhelm V. Die Barttracht passt zu beiden Herrschern. Der Spaten in den Händen würdigt die Bedeutung im Zusammenhang mit dem Bau der Pfarrkirche (1625). Herrscher im Jahr 1625 war Maximilian.
Im neuen Kirchenführer wird diese Figur trotz der Inschrift als St.Kastulus bezeichnet, dessen Schaufel auf die Art seines Martyriums hinweist (er wurde lebendig begraben). Für diese Auslegung spricht, dass dann alle Kirchenpatrone der Pfarrei an den Türen dargestellt wären: Jakob für die Pfarrkirche, St.Nikolaus für Goppertshofen, St.Laurentius für Etzenhausen und St.Kastulus für Prittlbach 86).

- Das Hauptportal an der Westseite wurde 1927 von Schreinermeister Schwaiger erstellt. Es zeigt die hl. Elisabeth mit Rosen im Arm und die hl. Agnes mit dem Märtyrerpalmzweig.


St.Elisabeth und St.Agnes

  Hinweise: Die hl. Elisabeth von Thüringen (1207-1231) ist eine historische Person. Sie stammte
aus Ungarn und war Ehefrau des Landgrafen Ludwig IV. von Thüringen. Im Hungerjahr 1226 speiste sie die Armen vor den Toren der Wartburg. Als Ludwig, von seiner Umgebung gegen Elisabeths angebliche Verschwendung aufgehetzt, sie zur Rede stellte, verwandelten sich die Brote in ihrer Schürze zu Rosen. Dass in der Schürze ausgerechnet Rosen lagen, geht darauf zurück, dass im Mittelalter -schon lange vor Elisabeth- die Armenspeisen Rosen genannt wurden
93). Festtag: 17.November
St.Agnes lebte Ende des 3.Jh. Sie lehnte die Brautwerbung des Sohnes des Stadtpräfekten mit der Begründung ab, sie sei mit schon mit Jesus Christus verlobt. Man zwang sie nackt in ein Bordell, doch Engel brachten ihr ein Lichtgewand; der Sohn des Präfekten, der sie als Freier aufsuchen wollte, fiel tot um. Als Agnes ihn durch ihr Gebet zum Leben zurückrief, wurde sie als Zauberin zum Tode verurteilt. Ein Richter floh vor dem Prozess, sein Vertreter ließ Agnes ins Feuer werfen und -als die Flammen zurückwichen- mit dem Schwert ihre Kehle durchstoßen. Später soll sie Sehern in einem Reigen schöner Jungfrauen erschienen sein, mit einem goldenen Gewand bekleidet, den Verlobungsring mit Christus am Finger und ein weißes Lamm zu ihrer Rechten. Die Kirche in Rom segnet jedes Jahr an ihrem Festtag, dem 21.Januar, zwei Schafe. Aus deren Wolle wird dann das Pallium hergestellt, das der Papst den Bischöfen bei ihrer Ernennung überreicht. Festtag: 21.Januar

Der Türgriff auf der Westseite ist in der Form eines Fisches gearbeitet (Bild siehe ganz oben).
  Hinweis: Der Fisch soll -historisch nicht belegt - eine Art Geheimzeichen in der frühen Kirche gewesen sein. Denn das griechische Wort für Fisch ist ein so genanntes Akrostichon, das heißt, ein Wort, das aus Anfangsbuchstaben anderer Wörter zusammengesetzt ist. Griechisch heißt Fisch Ichthys. Das sind die Anfangsbuchstaben von "Jesus Christus, Gottes Sohn, Erlöser"=Iesus Christos Theou Yios  Soter". Sicher ist, dass der Fisch noch vor dem Kreuz das Symbol für die Christen war.


Weihwasserbecken

An den Eingängen stehen barock geformte, ovale Weihwasserbecken. Zwei sind aus geschecktem Rotmarmor gearbeitet. Sie sind haben die Maße: Höhe 95 cm, Durchmesser 36 x 57 cm. Dazu die Inschrift: "1711", das Entstehungsjahr. Das Dritte besteht aus Graumarmor (20 x 26 cm). Es wurde im Jahre 1741 geschaffen, wie eine Inschrift am schlanken, pyramidenförmigen Schaft anzeigt.
  Hinweis: Das Weihwasser an den Türen jeder katholischen Kirche, mit dem sich die Eintretenden in Kreuzesform bezeichnen, soll an die Taufe erinnern.

Weihwasserbecken


Heiliges Grab

Von Karfreitag Nachmittag bis Karsamstag Mittag ist in der Kapelle unter der Eingangstreppe ein Hl.Grab aufgebaut.
Der mit 1,60 cm fast lebensgroße Grabchristus stammt noch aus dem 18.Jh. und besitzt Inkarnatfassung.

 


Heiliges Grab
Hinweis: Die ersten Heiligen Gräber entstanden durch Wallfahrer, die aus dem Heiligen Land zurückkehrten und daheim Nachbildungen des historischen Grabes errichteten. Eine Hochblüte erlebte der Brauch in der durch das Konzil von Trient (1545-63) eingeleiteten Ge-genreformation. Die Jesuiten sahen im Heiligen Grab ein "spectaculum sacrum", ein heiliges Schauspiel, das für die Gläubigen das Heilsge-schehen eindrucksvoll ver-anschaulichte. Spectacula sacra waren in der ganzen Barockzeit ein beliebtes Mit-tel der Glaubensverkündi-gung. Die Kulissen heiligen Gräber wurden im Laufe der
Zeit immer größer. Es entstanden fantastische Scheinarchitekturen mit biblischen Landschaften, mit Engeln und Wachsoldaten; im Zentrum Felsengrotten, in die man eine Figur von Christi Leichnam legte. In manchen Pfarreien standen fromme Bürger, als römische Soldaten oder als Engel verkleidet, am Grab 99).

In der Zeit der Aufklärung und der Säkularisation (ca. 1780-1820) wurde das spectaculum sacrum verboten. Doch staatliche Verbote haben in Glaubenssachen meist keine große Wirkung. Ab der Mitte des 19.Jh. lebte der Brauch wieder auf und führte zu einem neuen Höhepunkt; die Pfarreien wetteiferten miteinander in der prunkvollen Ausgestaltung.

Erst nach dem 2.Vatikanischen Konzil (1962-65) kam der Brauch zum Erliegen, weil er nicht mehr zur neuen Liturgie der Kartage passte. Leider wurden damals viele der Kulissen verbrannt oder entsorgt. Denn in den letzten Jahren werden in den vielen Kirchen wieder Heilige Gräber aufgestellt. Wenn auch die kunsthistorischen Gründe für die Renaissance des Brauchs überwiegen, so kommen doch am Karfreitag Abend und Karsamstag Vormittag viele Gläubige in die Kirche, um sich in dieser, alle Sinne berührenden Umgebung, in das Leiden und Sterben Christi zu vertiefen.

Inzwischen gibt es im Landkreis Dachau wieder mehrere Kirchen, in denen ein Hl.Grab errichtet wird. Im Jahr 2007 waren dies neben Hirtlbach noch Altomünster, Dachau-Mariä-Himmelfahrt, Dachau-Heilig-Kreuz, Dachau-St.Jakob, Ebertshausen, Kloster Indersdorf, Langenpettenbach, Weichs und Riedenzhofen. Wenn Sie interessiert sind, klicken Sie hier...

Goldschmiedearbeiten

Die Stadtpfarrkirche besitzt bedeutende Goldschmiedearbeiten Münchner und Augsburger Meister, die sich jedoch nicht in der Kirche befinden. Zu erwähnen ist eine Prachtmonstranz der Zeit um 1730, die neben Paramenten (geistlichen Gewändern) von der Dachauer Bürgerschaft bei der Säkularisation im Jahr 1803 aus dem eingezogenen Gut des Klosters Fürstenfeld vom Zugriff des Staates gesichert wurde.

Zunft-Standarten

Meist in den Schränken werden die Zunftstandarten (Zunftfahnen) aufbewahrt. Nur zu besonderen Festen oder Zeiten werden sie im Kirchenschiff an den Kirchenbänken festgemacht. Auf ihnen sind -in Stickereien- die Patrone der Handwerksberufe dargestellt.
Die Fahnen wurden wohl im 19.Jh. gefertigt.

 

Pfarrhof

Über den Pfarrhof ist mir nicht viel bekannt. Wie auch in anderen Pfarreien bestand er aus dem Pfarrhaus, der Wohnung des Pfarrers und Wirtschaftsgebäuden. Er war, wie der Name schon sagt, ein Bauernhof, den der Pfarrer mit seinem Gesinde betrieb und aus dem er die Mittel für seinen persönlichen Lebensunterhalt zog.
Erstmals erwähnt wurde der Pfarrhof im Zusammenhang mit dem ersten Kirchenbau um 1240. Er stand zwischen der Kirche und der Herzogsburg in der heutigen Wieningerstraße.
1560 hieß es im Visitationsbericht: "Der Pfarrer wohnt in einem gut gebauten Pfarrhof ("Pfarrer ist wol behaust").
Um 1690 hatte der Pfarrhof folgende Größe: 41 Juchart (17 ha) Acker, 37 1/2 Tagwerk (13 ha) Änger, 7 Tagwerk (2,4 ha) Mooswiesen, 67 Krautstücke.
1858 wurde der Pfarrhof wohl neu gebaut. Jedenfalls ist in der Auflistung der vom bayerischen Staat gewährten Zuschüsse an die Kirche auch der Dachauer Pfarrhof genannt: "Zu dem Pfarrhof-Neubau im Markte Dachau über bereits bezahlte 4000 Gulden noch (weitere) 3354 Gulden und 54 1/2 Kreuzer" 08)
.
1874 war der Dachauer Pfarrer schon kein Landwirt mehr. Das Widdum, der Pfarr-Bauernhof, war bis auf 3 Tagwerk Krautäcker verkauft.

Hans Schertl



Pfarrerliste bis ca. 1820 04), 110)

Pfarrer ab

Epitaph für Anton Mözger 1729

Pfarrer ab
Daniel Abstaller 1408 Balthasar Wibmer 1672
Konrad Schön 1421 Ferdinand Zeller 1679
Simon Canzler 1457 Anton Mözger 1691-1729
Hanns v.Weilbach 1464 Johann Mich. Ambacher 1730
Peter Zollinger, Vicar 1472 Franz Ferd. Effner 1742
Nicola Müllberger 1479 Max Rudolph von Maphei 1746
Leonhard Pichler 1484 Joh. Bapt.Ignaz v. Mery 1746
Peter Neumayr 1493 Peter Donat.Gruber
1749
Lucas Mayr 1495 Joseph Heitmayr 1755
Geord Hörl 1495 Lorenz Ant.Pichler
1764
Sebastian Hofer 1518 Franz X. Sautermeister
1775
Ottmar Oeschay 1533 Felix Sigler 1776
Georg Rab 1538 Peter Berueff, Geistl.Rat 1781
Johann Hörl 1540 Josef Stöger 1793
Georg Zacherl 1544 Simon Aloys Härtl 1816
Ottmar Oeschay 1548    
Veit Laucher 1574    
Caspar Khölbel 1623 Friedrich Pfanzelt, Prälat 1930-1958
Bartholomäus Holzner 1641 Johann Jäger, Dekan um 1966
Philipp Osterbucher 1649    
Georg Nörl 1651      
Marx Textor 1663      
Ignaz Sieß 1670   Wolfgang Borm 2003

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Quellen:
01) Bericht des Pfarrers von Dachau über Kriegsschäden an den Gotteshäusern vom 12.4.1641
02) Michael Wening, "Historico-topographica descriptio Bavariae", Band 1, 1701
03) Königlich-Bayerisches Intelligenzblatt für den Isarkreis, 1816
04
) Franz Dionys Reithofer, Chronologische Geschichte von Dachau in Baiern, 1816
05) Königlich-Bayerisches Intelligenzblatt für den Isarkreis, 1819 S. 603 (Stiftungsvermögen)
06) Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
07) Stumpf,Pleikard, Geographisch-statistisch-historisches Handbuch des Königreiches Bayern, S.105, 1852
08) Zuschuss BY zu kirchl.Renovierungen-König.-bayer. Kreis-Amtsblatt von Oberbayern, 1858, S. 1473 (Pfarrhofbau 1858)
09) Arthur von Ramberg,Joseph Heyberger, Topograph.-statist. Handbuch des Königreichs Bayern, Band 5, 1867 (Statistik)
10) Heyberger, Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern,1868
11) Heyberger, Schmitt, Wachter, Topographisch-statistisches Handbuch des Königreich Bayern, 1868
12) Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1880, Band I.
13) Theodor Bitterauf, Die Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (Nr.218, 317, 672, 1074)
14) Dachauer Nachrichten vom 26.7.1970 (Schlossbergkirche)
15) Max Gruber, Die Dachauer Bildhauerfamilie Arnoldt, Amperland 1965
16) Widmann, Kunstreiseführer "Von München zur Donau", 1966
17) Max Gruber, Stuck im Dachauer Land, Amperland 1966/4
18) Karlmax Küppers, Die Renovierung der alten Dachauer Marktkirche, Amperland 1967/2
19) Max Gruber, Zwei Dorf-Genies aus dem Dachauer Land: Ulrich Gailler und Hans Maurer, 1968/4
20) Georg Friedrich Kramer, Pfarreien-Statistik des Regierungsbezirks von Oberbayern,1847
21) Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
22) Wilhelm Störmer,Adelige Eigenkirchen u.Adelsgräber-Denkmalpfleger.Aufgaben,1975,ZBLG 38, S.1154
23) Dachauer Nachrichten vom 31.10.1975
24) Dr.Gerhard Hanke, Die Anfänge der öffentlichen Uhren in Dachau, Amperland 1976/1
25) Georg Brenninger, Beiträge zu Kirchenmusik des 17.Jh in Dachau-St.Jakob, Amperland 1976/2
26) Süddeutsche Zeitung/Dachauer Neuste v.9.9.1977
27) Süddeutsche Zeitung/Dachauer Neuste v.22.6.77
28) Josef Mass, Geschichte des Erzbistums München und Freising, 1986 (Wallfahrt Andechs)
29) Dr.Gerhard Hanke, Finanzstruktur und finanzielle Lage einer altbayerischen Kleinstadt vor dem spanischen Erbfolgekrieg.
                                  Dargestellt am Beispiel des Marktes Dachau und seiner Pfarrkirchenstiftung, ZBLG 41,1978
30) Diemer, Dorothea, "Krumper, Johann" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 125-127 (Onlinefassung)
31) Heinrich Rauffer, 350 Jahre Pfarrkirche St.Jakob, Unser Dachau 1979/1
32) Süddeutsche Zeitung vom 20.Juli 1979 (Pfarrsitz)
33) Dachauer Neueste v. 24./25.11.1979,
34) Dr.Peter Dorner, Die Dachauer Sonnenuhr, Amperland 1980/S.63
35) Max Gruber, Werkverzeichnisse der Dachauer Maler Johann und Johann Georg Hörmann, Amperland 1980/4
36) Dr. Werner Gross, Kirche und Denkmalpflege-Die Erneuerung der Liturgie durch das Zweite Vatikanische Konzil
37) Max Gruber, Im Dachauer Land wirkende Bildhauer, Amperland 1982/1
38) Prof.Ottilie Thiemann-Stoedtner, Zum Tode des Dachauer Kunstmalers Richard Huber, Amperland 1983/1
39) Dr.Gerhard Hanke, Beiträge zum Dachauer Wallfahrtswesen, Amperland 1984 (Wallfahrt)
40) Max Gruber, Im Amperland tätige Schlosser und Spengler, Amperland 1985/2
41) Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres 1560, 1986
42) Max Gruber, Im Amperland tätige Kistler, Schreiner, Tischler und Schneidkistler, Amperland 1986/3
43) Dachauer Neueste v.5.5.1986 (Nazarener)
44) Dachauer Neueste vom Sommer 1986 (Farbe 1625),
45) Josef Mass, Geschichte des Erzbistums München und Freising, 1986 (Exhortatio)
46) Dr.Gerhard Hanke, Michael Wening in Dachau, aus Volks- und heimatkundliche Findlinge aus dem Amperland, Amperl 1982
47) Max Gruber,Im Amperland tätige Architekten, Bau und Maurermeister, Amperland 1987/2
48) Dr.Gerhard Hanke, Die Wallfahrten und Kreuzgänge der Marktgemeinde Dachau, Amperland 1989 (Wallfahrt)
49) Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV, 1990
50) Robert Böck, Rosenkranzandacht und Rosenkranzbruderschaften der Barockzeit im Dachauer Land, Amperland 1991/2
51) Robert Böck, Wallfahrt im Dachauer Land, Bd. 7 der Kulturgeschichte des Dachauer Landes 1991
52) Dr.Gislind M.Ritz, Die Katakombenheiligen S.Sigismund und S.Ernest in St.Jakob in Dachau, Amperland 1992/1
53) Dachauer Nachrichten vom 28.12.1993
54) Dachauer Nachrichten vom13.1.1997 (Orgel)
55) Dachauer Nachrichten vom 17.7.1997 (Diebstahl Geißelheiland),
56) Braun-Ronsdorf, Margarete, "Angermair, Christof" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S.293,Onlinefassung
57) Unser Dachauer Land, Heimatbeilage der Dachauer Nachrichten vom 27.2.1999
58) Eleonore Philipp, Die vergessene Gnadenmutter, Amperland 2000/1
59) Andreas R.Bräunling, Die Familie Schwankler in Dachau, Amperland 2000/4
60) Christian Huber, Der Maler Richard Huber, Amperland 2002/2
61) Dachauer Nachrichten vom 10.2002
62) Hermann Bauer, Kunstwanderungen in Bayern südlich der Donau, 1973 S.220
63) Peter Dorner, Indersdorfer Chronik-aus:Publikationen der Akadem.der Augustiner-Chorherren von Windesheim, 2003
64) Holland, Hyacinth, "Hauber, Joseph" in: Allgemeine Deutsche Biographie 11 (1880), S. 38, Onlinefassung
65) Wessely, Joseph Eduard, "Sustris, Friedrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 37 (1894), S. 195-196, Onlinefassung
66) Dachauer Nachrichten vom 18.10.2004
67) Georg Brenninger, Die Glocken der Kirchen im Dekanat Dachau, Amperland 2005/1
68) Ausstellungskatalog Kreuz und Kruzifix, Freising, 2005
69) Frau Deininger, Pastoralreferentin, Erklärung zum Heilig-Blut-Reliquiar, 30.6.2015
70) Dachauer Nachrichten vom  v. 9./10.7.2005
71) Dachauer Nachrichten v. 1.8.2005 (Kreuzigungsgruppe Süd)
72) Jutta Mannes, Krumppers frühes Meisterwerk, Dachauer SZ v. 20.8.2005 
73) Kiening, Genealogie (Franz Paul Arnoldt)
74) https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Sustris
75) Sabine Remiger, Münchner Kirchenzeitung v. 3.9.2006 (Petrus)
76) Brigitte Rhinow, Göttingen, 2006
77) A.Donaubauer, Die Sakristei St.Jakob wird saniert, Dachauer Nachrichten vom 4.8.2006
78) Dachauer Nachrichten vom 19.12.2006
79) Dr. Lothar Altmann, Der Dachauer Hochaltar von 1626, Amperland 2007/2
80) Heinrich und Margarethe Schmidt, die vergessene Bildersprache christlicher Kunst, 2007
81) Dr.Bärbel Schäfer, An der Orgel Stimmungspotenzial geweckt, Dachauer Nachrichten vom 29.6.2007
82) Annemarie Donaubauer, Anspruchsloser Altar brachte 750 Mark, Dachauer Nachrichten vom 3.7.2007
83) Dr.Bärbel Schäfer, Überwältigendes Klangerlebnis, Dachauer Nachrichten vom 18.4.2012
84) Dr.Edgar Forster, Führung Luja und Prost, 2008 (Bauauftragsfeier)
85) Dachauer Nachrichten vom 4./5.7.2009 (Schwankler-Epitaph/Paul Brandt)
86) Lothar Altmann, Kirchenführer St.Jakob Dachau, Schnell&Steiner, 2010
87) Stadtführerin Anni Härtl, 2011 (Abstimmung 1986)-
88) Prof.Dr.Wilhelm Liebhart, Etzenhausen 804, Amperland 2010/2 S.58
89) Reinhard Heydenreuther, Der Staatsmann Dr.Wilhelm Jocher, Amperland 2010/4
90) Dachauer Nachrichten vom 18.4.2012
91) Vier Pfarreien verbünden sich, Dachauer Nachrichten vom 20.7.2011
92) Andreas Estner/Matth. Morgenroth, Heilige Gebeine, BR-2, 1.11.2011, 18:05 Uhr
93) Eckard Bieger, Das Bilderlexikon der christlichen Symbole, 2011
94) Marcus Pilz, Das Metzgersche Benefizium an der Pfarrkirche St. Jacob in Dachau und der Besetzungsstreit
                         um Ferdinand Effner 1731, Hausarbeit im Fach Bayerische Kirchengeschichte, 2011
95) Dachauer Nachrichten vom 26.7.14
96) Dr.Wilhelm Kaltenstadler,Joh.Andreas Schmeller u. das neue bayer.Wörterbuch,Aich. Heimatblatt, Nov.2014
97) Dr.Mich.Rademacher,Deutsche Verwaltungsgeschichte 1871-1990,www.verwaltungsgeschichte.de/, Zugriff 2015
98) http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_de_Pay, 2015
99) Münchner Kirchenzeitung vom 25.3.2015
100) Dr. Jutta Mannes, www.merkur.de/lokales/regionen/fruehwerk-adam-krumppers-270968.html, 2015 (Kreuzigungsgruppe)
101) Anni Härtl, Kirchenführerin, Hinweise auf Veränderungen, 2015
102) Dorothea Friedrich, Historische Präludien auf dem Weg zu 35 Registern, Orgeljubiläum, DAH-SZ vom 3./4.2.2007

103) https://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Wening, Zugriff 2014
104)
Gerhard Hanke, Volks- und heimatkundliche Findlinge aus dem Amperland 1982 (Wening)
105) Walter Pötzl, Bruderschaften, in: Historisches Lexikon Bayerns, Zugriff: 15.04.2013
106) www.heiligenlexikon.de/BiographienG/Georg_der_Maertyrer.htm
107) Dr.O.Doering,
Wettbewerb für einen Erweiterungsbau der Pfarrkirche zu Dachau, Aus: Die Christl.Kunst 1917/18-S.137
108) Dr. Hans-Helmut Görtz, Epitaph Wilhelm Jocher, Übersetzung des eingravierten Textes, Freinsheim, Jan. 2016
109) Dr. Gerhard Hanke, Die Siedlungsanfänge von Dachau, Amperland 1973/9
110) Paul Brandt, Er war ein Wohltäter der Pfarrkirche, Dachauer Nachrichten vom 26.April 2016 (Stöger)

131 Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

17.8.2015

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Visitationsbericht 1560 Berichte aus dem Pfarrleben Richard Huber Kreuzgänge

 

Exhortatio ad plebem christianam
(Predigt zu einer Tauffeier in Freising im Jahr 805) 45)

"Hört, liebe Söhne, die Glaubensregel (= Glaubensbekenntnis), die ihr im Herzen behalten müsst, da ihr den christlichen Namen empfangen habt. Sie ist das Kennzeichen eueren christlichen Glaubens, vom Herrn eingegeben und von den Aposteln aufgestellt. Der Worte sind es nur wenige, aber sie umfassen große Geheimnisse. Der Heilige Geist hat nämlich den heiligen Aposteln als Lehrer der Kirche diese Worte in solcher Kürze diktiert, damit alle Christen verstehen und im Gedächtnis behalten können, was sie glauben und jederzeit bekennen müssen Denn wie wollte sich einer einen Christen nennen, der die wenigen Worte des Glaubensbekenntnisses, durch die er gerettet werden soll, und das Herrengebet, das der Herr selbst geboten hat, nicht lernen und im Gedächtnis behalten wollte? Oder wie in möchte jemand für einen anderen den Glauben verbürgen und versprechen, der diesen Glauben gar nicht kennt? Darum müsst ihr Kenntnis haben, meine Kinder. Denn solange einer von euch seinem Kind, das er aus der Taufe gehoben hat, dieses Glaubensbekenntnis nicht verständlich gelehrt hat, bleibt er an seinem Glaubensversprechen schuldig. Und wer es versäumt hat, sein Kind zu unterrichten, muss am Tag des Gerichtes Rechenschaft darüber ablegen. Nun also soll jeder, der ein Christ sein will, das Glaubensbekenntnis und das Gebet des Herrn möglichst rasch lernen, und jene, die er aus der Taufe hebt, darin unterrichten, damit er nicht vor dem Gericht Christi dafür zu Rechenschaft gezogen werden muss; denn das ist Gottes Gebot, das ist unser Heil und das ist unseres Herren Auftrag; sonst können wir für unsere Sünden nicht Vergebung erlangen."