zur Landkreiskarte           ausführl.Beschreibg      Kirchen i.d. Gem.Petershausen

Pfarrkirche St. Martin in KOLLBACH

Schweifgiebel
Adresse : 85238 Petershausen, Dachauer Straße 12
Lage der Kirche auf der Landkarte ...


K
urzbeschreibung

Eine Pfarrkirche in Kollbach wurde schon in einer Urkunde von 1311 sowie in der Konradinischen Matrikel von 1315 mit zwei Friedhöfen erwähnt. Wahrscheinlich handelte es sich dabei aber um die Frauenkirche, die 1288 erbaut worden sein soll. Wann die Martinskirche erbaut wurde, ist nicht bekannt. Die Sunderndorfersche Matrikel aus dem Jahr 1524 beschreibt aber eindeutig St.Martin als Pfarrkirche.
Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Kirche zerstört und unter Verwendung des gotischen Chores und der Langhausmauern um 1650 wieder aufgebaut.

Die Kirche ist ein fünfachsiger Saalbau, der 1889 auf die Gesamtlänge von 30 Metern erweitert wurde. 
Der gotische Chor ist leicht eingezogen, schließt in drei Achteckseiten und ist außen durch abgesetzte Strebepfeiler verstärkt.

An der Chorsüdseite steht der 28 Meter hohe gotische Turm mit Satteldach. An den Giebeln sind hohe Zinnen mit schwalbenschwanz-ähnlichem Abschluss angebracht, die dem Turm sein markantes Aussehen geben. 
Im Turm hängen vier Glocken, von denen die älteste aus dem Jahr 1732 stammt.

Die Pfarrei Kollbach war bis 1498 dem Kollegiatstift Ilmmünster inkorporiert, später dem Stift zu Unserer Lieben Frau in München. Erst 1803, nach der Säkularisation, wurde es eine selbstständige Pfarrei. Seit 1994 bildet Kollbach zusammen mit den Pfarreien Asbach, Petershausen und Obermarbach einen Pfarrverband.
Apostelleuchter Zelebrationsaltar St.Martin St.Ulrich St.Arsatius Deckengemälde Verkündigung Schutzengelfigur am linken Seitenaltar Marienstatue Mater dolorosa AmboDeckengemäldeAufsatzgemälde St.AugusiinusAufsatzbild St.JosefTaufsteinKanzelkreuzMauernische

Innenausstattung

Der Altarraum ist mit einem Netzgewölbe überdeckt, dessen Rippen abgeschlagen sind.
Der neuromanische Altar ohne den sonst üblichen Altaraufbau stammt aus dem 19. Jh. Hinter dem breiten Tabernakel und dem Blumenschmuck Figuren der Heiligen Ulrich (links) Martin und Arsatius.
Der girlandengeschmückte Rahmen am Chorbogen im Bild rechts dient der Stabilität der Kirche.

Das Deckengemälde im Chor (18.Jh), stellt die Mantelteilung des hl. Martin dar; das Gemälde im Langhaus die Verkündigung Mariens durch Gabriel.  

Die beiden Seitenaltäre (um 1750/55) wurden im Jahr 1947 von der Wallfahrtskirche "Maria Stern" in Neukirchen am Simssee geholt. Sie zeigen eine Schutzengel- und eine Muttergottesfigur, sowie in den Auszugsbildern St.Augustinus und St.Josef.

An den Wänden Figurendes  hl. Josef (mit Jesuskind), die  hl. Cäcilia mit Orgelpfeifen, die Muttergottes als Patronin Bavariae, das Kanzelkreuz mit Mater dolorosa sowie das ehemalige Hochaltargemälde mit St.Martin und der Kirche von Kollbach. 
An den Seitenwänden eingelassen sind neben vielen Epitaphen drei runde, reliefierte Schlusssteine (15.Jh)  mit Inschriften aus dem ehemals gotischen Gewölbe. 


Vergrößerung von 13 Details (Altäre, Figuren, Kanzel, Deckengemälde)  per Mouseklick

Auf der Empore: ein barocker Ölbergchristus und ein Leidenskelch-Engel.




 

Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen


Geschichte: Matrikel 1315 Matrikel 1524 Visitation 1560 30jähriger Krieg Matrikel 1740
Bruderschaft 1738 Beschreibung 1874 Geschichte Pfarrei Berichte aus dem Pfarrleben
Ausstattung: Altarraum Apostelleuchter Baubeschreibung Choraltar Chorglocke
Deckenfresken-1 Deckenfresken-2 Empore Epitaphe
Ewig-Licht-Ampel Figuren im Chor Figuren im Schiff Kanzel Kanzelkreuz
Kirchenbänke Kirchenschiff Kreuzweg Kreuzpartikel Mater dolorosa
Orgel Pfarrhaus Seitenaltäre Taufstein Turm
Totengedenktafel Zelebrationsaltar

Die erste urkundliche Erwähnung der Ortschaft stammt aus der Regierungszeit des 18. Freisinger Bischofs Egilbert und dürfte im Zeitraum 1006 bis 1022 entstanden sein. Damals schenkte eine edle Frau namens Cuntpirc dem Hochstift Freising eine "Hube zu Cholapach". 100 Jahre später schenkte die Ministeriale Matthilt ein Gut in Cholobach dem Bistum.

Geschichte der Pfarrei und der Kirche

Die Pfarrei Kollbach gehörte lange Zeit zum Kollegiatstift Ilmmünster, das seit 775 die Reliquien des hl.Arsatius besaß und deshalb Ziel einer kleinen Wallfahrt war. Aus dieser Zeit stammen auch die Beziehungen Kollbachs zu diesem hl.Bischof; seine Figur steht an prominenter Stelle im Chorraum. Im Mittelalter waren Wallfahrten fast ausschließlich auf Heiligenreliquien ausgerichtet. Nur die körperliche Nähe zu den Reliquien sicherte den besonderen Schutz der Heiligen. Marienwallfahrten gab es bis 1500 kaum, weil Reliquien der Muttergottes fehlten. Erst kurz vor 1500 kam die Verehrung von Gnadenbildern in Mode. Als im Jahr 1493 das Kollegiatsstift Ilmmünster aufgelöst und "unter Beibehaltung aller seiner Freiheiten" dem neu errichteten Stift zu Unserer Lieben Frau in München "einverleibt und zinsbar", gemacht wurde, hat man auch die Gebeine des hl.Arsatius aus dem Grab geholt und zur neu gebauten Liebfrauenkirche gebracht. Das Volk von Ilmmünster war außer sich, weil man ihm den Heiligen und damit seinen Schutz und seine Fürsprache bei Gott wegnahm. ".. als ward ein groß geschray von dem paurenvolckh umb dem heiligen", berichtet der Chronist.

Ab 1493 war Kollbach also in das Kollegiatstift in München incorporiert. Als später dann St. Benno in der Münchner Frauenkirche hoch verehrt wurde, führte man auch von Kollbach aus Wallfahrten nach München und entzündete dort die Kollbacher Wallfahrtskerze, die im Liebfrauendom aufbewahrt war.
Die Verehrung des hl.Benno in Bayern entstand erst im 16.Jh im Zusammenhang mit der Reformation. St.Benno, der von 1066 bis 1106 in Meißen als Bischof gewirkt hatte, wurde am 16.Juni 1524 zur Ehre der Altäre gehoben. Luther verurteilte diese Heiligsprechung in seiner Schrift "Wider den neuen Abgott und alten Teufel, der zu Meißen soll erhoben werden" aufs Schäfste. Als Sachsen 1539 protestantisch wurde, hat man das Grabmal Bennos geöffnet und seine angeblichen Gebeine in die Elbe geworfen. Allerdings behauptete der letzte Bischof von Meißen, der später übrigens selbst die evangelischen Konfession annahm, schon vorher die Gebeine aus dem Sarg entfernt und die Sekundärreliquien, das Messgewand, Mitra und Bischofsstab in Sicherheit gebracht. Sie wurden 1576 (wohl gegen einen ansehnlichen Betrag) zusammen mit einem Wunder-Verzeichnis dem bayerischen Herzog Albrecht V. überlassen. 1580 hat man die Gebeine in der Münchner Liebfrauenkirche beigesetzt, wo sie nun das Ziel vieler Wallfahrer aus dem bayerischen Land waren. Maßgeblich dafür waren sicher seine Patronate für München und Altbaiern sowie seine Funktion als Wetterheiliger.

Pfarrei
Erst 1803, nach der Säkularisation, wurde es eine selbstständige Pfarrei. Seit 1994 bildet Kollbach zusammen mit den Pfarreien Asbach, Petershausen und Obermarbach einen Pfarrverband.
Seit frühester Zeit hatte die Pfarrrei als Filialkirchen die Frauenkirche in Kollbach und St.Martin in Amperpettenbach. Im Jahr 1749 kam die neugebaute Kirche in Weißling dazu. 1818 wurde Amperpettenbach nach Haimhausen ausgepfarrt. Jüngste Filialkirche ist seit 1936 die Kirche Mariä Verkündigung in Glonnbercha (vorher Pfarrei Asbach). Letzter Pfarrer in Kollbach war Johann Hinterreiter von 1953 bis 1993.


Freisinger Matrikel 1315
Eine Kirche in Kollbach war wahrscheinlich schon um die Jahrtausendwende vorhanden. Das erste schriftliche Zeugnis stammt aus dem Jahr 1311, als in einer Urkunde vom 24.Febr. ein Herr Chunr(ad) der Pf(arrer) von Cholbach" erscheint. Unter dieser Bezeichnung ist Kollbach auch in der Konradinischen Matrikel von 1315 aufgeführt, mit 2 Friedhöfen im Ort und einer Filialkirche in Petenbach (= "Amperpettenbach"), das 1 1/2 Gehstunden entfernt lag. Ob es sich bei der "Ecclesia in Cholbach" um die heutige Pfarrkirche oder um die nahe gelegene Frauenkirche handelte, ist nicht bekannt. Der Originaltext lautet: "Ecclesia Cholbach soluit VIII Pfund, habet in villa II sepulturas et filialem Petenbach".
In der Schmidschen Matrikel des Fürstbistums Freising von 1738/40 wird bemerkt, dass man sich erzähle, die spätere Nebenkirche Mariä Geburt (Frauenkirche) sei die ursprüngliche Pfarrkirche gewesen; erst als die Bevölkerungszahl anstieg, sei die jetzige Pfarrkirche errichtet worden ("Haec ecclesia, in pago Kollbach sita, traditur olim fuisse parochalis, et ecclesia moderna parochalis putatur primum successive pro crescente populi multitudine fuisse adificata"). Wann dies der Fall war, ist aber nicht bekannt.


Freisinger Matrikel 1524
Erst die Sunderndorfer'sche Matrikel aus dem Jahr 1524 beschreibt die Martinskirche als Pfarrkirche ("ecclesia s.Martini in Kolwach"), erwähnt aber keine weitere Kirche im Ort. Auch damals gab es nur die Filiale "St.Martini in Bettnbach". Die Zahl der Communicantes, der Gläubigen (ohne Kinder), betrug rd. 200. Das war die Durchschnittsgröße einer kleineren Pfarrei. Der Pfarrer hieß Joannes Braunauer. Er hatte das Amt durch den Verzicht seines Vorgängers erhalten und zahlte dafür ein Absentgeld von 6 Gulden an das Stift zu Unserer Lieben Frau in München, dem Kollbach einverleibt war. Das Pfarrhaus und die landwirtschaftlichen Gebäude seien gut erhalten, schreibt Schmidt. Die Aufgaben des Vogtes waren dem Weichser Hofmarksherrn übertragen, der dafür ein Osterlamm, 100 Eier, 15 Reiß Har und als Geld 2 Gulden sowie 120 Silberpfennige erhielt. Ein Vogt war notwendig, weil das der Inhaber der Pfarrei, das Stift, eine geistliche Institution war, die keine Rechtsgeschäfte abschließen durfte. Außerdem erhielt der Kurat Hynn (Vorgänger des Pfarrers ?) eine Pension in Höhe von 26 rheinischen Gulden jährlich.


Visitationsbericht von 1560

Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation, eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet. Die Visitation wurde durch bischöfliche und durch herzogliche Bevollmächtigte durchgeführt. Grund war die durch die Reformation Luthers (1517) entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen des Bistums zur Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte. Durch die Visitation wollte der Bischof einen detaillierten Einblick in die religiöse Situation der Pfarreien gewinnen. Insbesondere sollte festgestellt werden, ob die Pfarrer und die Gläubigen noch die katholischen Lehre vertraten oder der neuen Lehre anhingen. Daneben interessierte die Prüfer die Lebensführung der Pfarrer sowie Umfang und Qualität ihrer religiösen Kenntnisse. Im Bericht über die Pfarrei Kollbach es gebe im Ort zwei Kirchen; die Pfarrei umfasse 150 Communicanten, alle seien gut katholisch, heißt es.
Wenn Sie den ganzen Bericht von 1560 (in heutigem Deutsch) lesen möchten, klicken Sie hier...


Dreißigjähriger Krieg
Der 30jährige Krieg hat in Kollbach nach Aussage von Anton Mayer in seiner Beschreibung von 1874 schlimm gewütet. Deshalb haben sich kaum Urkunden aus der Zeit vorher erhalten. Erst Mitte des 19.Jh habe man Kirchenrechnungen von Kollbach aus den Jahre 1646-1668 aufgefunden. Sie zeigten, dass die Schweden fast alle Bewohner des damaligen Pfarrdorfs ermordet haben. Von den wenigen Überlebenden, die sich zunächst durch Flucht in die Wälder retten konnten, seien viele nicht zurückgekommen. Es heiße in den Kirchenrechnungen oft "sind ins Elendt gegangen". Die ehemaligen Höfe würden als "Brandstatt" bezeichnet. Daher seien die alten Familiennamen verschwunden und an deren Stelle die der neuen Ansiedler aus Tirol und Salzburg getreten. Auch die Kirche wurde durch Brand beschädigt. 1650 seien die zerstörten Seitenmauern des Kirchenschiffes neu gebaut worden. Von Vierkirchen habe man eine Kanzel um 10 Gulden gekauft.


Freisinger Matrikel 1738/40
In der Schmidt'schen Matrikel von 1738/40, die der Freisinger Kanonikus Schmidt erstellt hat, hatte die Pfarrei Kollbach zwei Filialkirchen, Amperpettenbach und die Frauenkirche in Kollbach. Das Recht der Präsentation (eines Pfarrherrn) wechselte monatlich zwischen dem kurfürstlichen Hof in München und dem Bistum Freising (=Monatspfarrei; dabei konnte der Bischof einen neuen Pfarrer bestellen, wenn der Vorgänger in den sog.päpstlichen Monaten=ungeraden Monaten wechselte oder verstarb, andernfalls der Herzog). Kollbacher Pfarrer war seit 1737 Joannes Franciscus Kästel. Das Pfarrhof und die landwirtschaftlichen Gebäude zeigten keine Schäden. Die Zahl der Communikantes in der Pfarrei hatte sich in den vergangenen 200 Jahren mit 413 mehr als verdoppelt. Die Kirche selbst wird zwar als alt, aber von gutem Bauzustand bezeichnet. Im Inneren standen drei Altäre: der Hochaltar mit Kreuzreliquie, der dem Kirchenpatron St.Martin, die Seitenaltäre, die dem Johannes d.Täufer und dem hl.Sebastian geweiht waren. In der Sakristei wurden Messgewänder in hinreichender Zahl aufbewahrt. Im Friedhof um die Kirche stand ein Beinhaus. Im Turm hingen zwei geweihte Glocken. Die Einkünfte verwalteten der Pfarrer und der Hofmarschall in Illmünster. "Das völlige Vermögen mit Einschluß des U.L.Frauen-Gottshauses solle sich diser Zeit über 700 fl. (Gulden) belauffen."
Wie schon 1524 waren auch 1738 noch Abgaben an den Weichser Hofmarksherrn Frhr. v. Tannberg (sog.2/3-Weichs) zu entrichten (die Weichser Hofmark war in eine 1/3 und eine 2/3-Herrschaft geteilt): "Item gibt Pfarrer jährlich zum Baron Tannbergischen Aigenthumb (=Eigentum) des 2/3 Hofmarchsguets Weix 100 Ayr (=Eier) und ain Osterlambh...". Zudem mussten "ein Pfarrer zu Kollbach sambt dem Pfarrer zu Weix der Herrschaft alda einen Heerwagen mit 2 Knechten und 4 Rossen bespannt halten, auch ainen Emer (?) Wein, 60 Zenterling (=Geräuchertes) gedechtletes Fleisch (=Surfleisch ?) und 60 pfennwerth (=im Wert von 60 Pfennigen) brodt mitführen".


Bruderschaft von 1783
Auf Veranlassung des früheren Höckhofbauern wurde am 2.Juli 1783 eine Schutzengelbruderschaft eingeführt. Er stattete die Bruderschaft mit einem Vermögen von über 500 Gulden aus. Die Mitglieder hatten täglich "zu Ehren der hl. Dreifaltigkeit und des Schutzengels 3 Vaterunser, 3 Ave Maria und den Christlichen Glauben mit dem Beisatz Heiliger Schutzengel, stehe mir bei, - heute, diesen Tag und in der Stunde meines Todes"', zu beten. Die Schutzengelbruderschaften waren nach Einführung des Schutzengelfestes durch Papst Paul V. (1605-1621) entstanden. Nach dem Tode des Höckhofbauern 1814 wurde der Wirth Franz Xaver Stürzer von Kollbach Vorstand und Wohlthäter der Bruderschaft. Hauptfest: der 5.Sonntag nach Ostern; Conventtage am 3.Adventssonntage, 3.Sonntag in den Fasten, Sonntag nach Fronleichnamsfest und Schutzengelfest (2.10.). Ablässe: die einfachen Bruderschaftsablässe von P.Pius VI. vom 23.Mai 1783, und transferirt auf den 5.So nach Ostern und auf den Sonntag nach dem QuatemberSonntage im Jahr 1786. Bruderschaftsgottesdienste am Hauptfest und den Conventtagen mit Predigt, Gedenken und Rosenkranz. Jahrtag für die abgeleibten (=verstorbenen) Mitglieder am Montag nach dem Hauptfest. Bruderschaftsvermögen 1870: 360 Gulden.
Im Kircheninneren ist In die Nordwand eine Steintafel eingelassen, die an die Stiftung der Schutzengel-Bruderschaft durch Joseph Reischl im Jahr 1783 erinnert.
Text: "Zur Ehre Gottes und zum Trost der Armen Seellen in dem Fegfeüer hat diese Bruderschaft der Heiligen Schutz Englen, errichten laßen Joseph Reischl und sein Eheweib gewester Hegmayr damals bey Kolbach, wozu seiner Päbstlichen Heiligkeit Piius der VI. auf dieses Pfarr Gotteshaus zu Kolbach den Ablaß auf Ewig verlihen hat. Der ablaß Tag wirt alle Jahr am Sontage vor der Kreuzwochen gehalten, an welchem das Titular Fest begangen wirt, wobei jederzeit der Ablaß zu gewinnen ist, und zugleich in diese löbliche Bruderschaft ein eingeschriben werden wirt. Ich bitte Gott um seine Göttliche Gnade, das ich an diser Andacht jederzeit theilhaftig werden möge".

Beschreibung 1874
Um das Jahr 1870 hat der Dombenefiziat Anton Mayer eine Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising erstellt und 1874 als Buch veröffentlicht.
Über die Pfarrei Kollbach bemerkt er, sie habe 450 Seelen in 84 Häusern. Davon wohnten nur etwas mehr als die Hälfte, nämlich 271 Gläubige (in 46 Häusern) in Kollbach selbst, die übrigen Pfarrmitglieder in Glonnbercha 36 (5), Höckhof 14 (1) und Weißling 120 (31). Auch ein Haus in Mühldorf mit 9 Bewohnern gehörte zu Kollbach (im Übrigen nach Hohenkammer). In Glonnbercha waren die Kirche, der Friedhof und zwei der sieben Häuser Teil der Pfarrei Asbach. Die Pfarrei hatte "einen Umfang von mässigen 2 Stunden".
Der Pfarrer wohnte in einem 1683-85 errichteten Pfarrhaus, das als "gut gebaut" qualifiziert wird. Der hintere Teil lehne sich aber an den Friedhofshügel und sei deshalb sehr feucht. Die Ökonomiegebäude seien entsprechend (=durchschnittlich). Das Widdum, der Pfarrbauernhof habe eine Größe von 87 Tagwerk (29 ha); Bonität 11. Die Ökonomie war aber schon auf Dauer verpachtet und das Inventar versteigert worden. Den Erlös aus der Versteigerung hat Pfarrer Matthias Schwarzbauer übrigens für die Renovierung der Frauenkirche ausgegeben.
Zur Pfarrkirche schreibt Anton Mayer: "Erbauungsjahr unbekannt. Ursprünglich und im Presbyterium noch erkennbar- gothisch. Anbau im Stile des vorigen Jahrhunderts. Einschiffig. Geräumigkeit nicht hinreichend. Feuchte Wände. Baupflicht: die Kirche, am Cemeterium(=Friedhof) die Gemeinde. Sattel-Thurm mit 4 Glocken, wovon drei aus neuerer zeit, die andre ebenfalls ohne historische Bedeutung. 3 Altäre. Orgel mit 6 Registern. Gottesdienste: Alle, an den Festen des Herrn und den Sonntagen. Die Frauenfeste werden in der U.L.Frauenkirche gehalten. Patrocinium am 5.Sonntag nach Ostern (=Bruderschaftsfest) und an Mariä Geburt (8.9.) lt. Breve vom 25.6.1866. Stiftungen: 60 Jahrmessen. Kreuzgänge: Zweimal nach Weißling (am 4.So nach Ostern und am Erntedankfest), am Ulrichsfest nach Mühldorf, einmal nach Kammerberg. Ein Hilfspriester ist nicht nöthig. Meßner und Cantor ist der Lehrer.
Cemeterium ohne Capelle; Ossuarium (=Beinhaus) mit Oelbergsbild. Kirchenrechnung: Einnahmen 1673 Gulden - Ausgaben 96 Gulden = Reinertrag 1577 Gulden. Kirchenvermögen 1870: rd. 7800 Gulden. Der einzige Lehrer unterrichtete 94 Werktagsschüler und 36 Feiertagsschüler.

Seit 1994 bildet die Pfarrei zusammen mit den Pfarreien Asbach, Petershausen und Obermarbach einen Pfarrverband.

In den Jahren 2007/09 wurde die Kirche renoviert.

Berichte aus dem Pfarrleben
Die Dachauer Zeitungen haben in den letzten 120 Jahren immer wieder aus dem Pfarrleben von Kollbach berichtet. Diese Berichte befassen sich nicht unmittelbar mit dem Kirchengebäude, vermitteln aber einen ergänzenden Eindruck aus der damaligen Zeit. Dabei handelt es sich um Berichte von Primizfeiern, Priesterjubiläen, Wallfahrten und sogar Kriminalfällen.
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Baubeschreibung

Die St.Martins-Kirche steht auf einer leichten Anhöhe in der Mitte des Straßendorfs, 2 km südlich von Petershausen. Sie ist ist ein langer, nüchterner, fünfachsiger Saalbau, der 1889 um 10 Meter auf die Gesamtlänge von 30 Metern (Chor 9, Schiff 21) erweitert wurde. Der gotische Chor ist geringfügig eingezogen, schließt in fünf Achteckseiten und ist außen durch sechs abgesetzte Strebepfeiler verstärkt. Die Kirche in Kollbach wurde im Dreißigjährigen Krieg schon zu Beginn der Kampfhandlungen in Bayern (1632) zerstört; dabei kamen auch fast alle Bewohner ums Leben und den wenigen, denen die Flucht gelang, sind "ins Elend gegangen" und nicht wieder zurückgekehrt. Die zerstörte Kirche wurde aber schon bald nach dem Ende des Krieges, 1650, unter Belassung des gotischen Chores und der noch stehenden Langhausmauern wieder aufgebaut.

An der Chorsüdseite steht der 28 m hohe gotische Turm mit Satteldach. An den Giebeln sind hohe Zinnenmit schwalbenschwanzähnlichem Abschluss angebracht, die dem Turm sein markantes Aussehen geben. Die Geschosse des Turms sind außen durch Felderungen angezeigt. Die Turmuhr ist seit 1997 funkgesteuert. Im Erdgeschoss des Turmes ist ein Teil der Sakristei eingerichtet. Der Raum ist mit einem gotischen Netzgewölbe überdeckt. Der andere Teil der Sakristei befindet sich in einem doppelgeschoßigen Anbau an der Turmostseite. Die Vielzahl der Rippen im Netzgewölbe ist nicht - wie z.B. beim Kreuzrippengewölbe- allein durch die Statik bedingt, sondern dient auch der Zierde.


Netzgewölbe
im Turm

Bis zum Ersten Weltkrieg hingen im Turm hinter den spitzbogigen Schallfenstern vier Glocken. Die älteste war 1732 von Christoph Thaller, drei weitere im Jahr 1853 von Anton Hubinger in München gegossen worden. Eine von den dreien aus 1853 musste im Ersten Weltkrieg abgeliefert werden, die anderen beiden hielten durch bis 1937, bis man sie durch zwei neue Bronze-Glocken ersetzte. Diese wiederum überstanden den Zweiten Weltkrieg nicht: sie wurden zu Kanonen umgeschmolzen.
Seit 1949 hängen im hölzernen Glockenstuhl fünf Glocken, von denen vier im Jahr 1949 von der Gießerei Karl Czudnochowsky in Erding gegossen wurden. Nur das Wetterglöcklein von 1732 hat alle Kriege überstanden.
Die größte Glocke ist die Martinsglocke (1296 kg, Ton d') mit der Inschrift: Martinus heiße ich / die Hochfeste beläut ich / die bösen Wetter vertreib ich / die Toten bewein ich / die Lebenden ruf ich". Die zweite Glocke ist die Muttergottesglocke (662 kg, Ton fis') mit der Inschrift: Maria mit dem Kindel lieb, uns allen deinen Segen gib !". Die dritte Glocke ist die Schutzengelglocke (397 kg, Ton a') mit dem Text: Die Engel ruf ich / daß sie beschützen euch / vor Sünde, Unfried und Streit." Die vierte Glocke ist dem hl.Leonhard geweiht (271 kg, Ton h'). Die Inschrift lautet: St.Leonhard beschirm uns Haus und Hof und Stall und Feld !". Die fünfte und kleinste und älteste Glocke (35 kg, Ton b'') enthält als Text den Namen des Glockengießers Christoph Thaller und das Entstehungsjahr 1732.

Restaurierungen erfolgten 1839, 1874, 1889(Verlängerung), 1919(Elektrik), 1926(Gemälde), 1934(außen), 1947(innen), 1957(Friedhof), 1966 (Geläute) und eine Gesamtrestaurierung 1973. Die neueste Renovierung wurde 2006 eingeleitet und dauert noch an.

An der Nordseite ist an der Außenmauer eine leere Nische zu sehen. In ihr waren früher das Beinhaus und später die Ölbergdarstellung untergebracht. Im Jahr 1870 sollen hier drei sehr altes Steinreliefs ein Kreuz sowie die Heiligen Martin und Johannes d.T. gezeigt haben. Anton Mayer glaubte darin Reste aus der ältesten Kirche" entdeckt zu haben. Wo die Reliefs geblieben sind, ist mir nicht bekannt. Seit der letzten Renovierung hängt hier ein Epitaph für den früheren Wirt und Handelsmann Gregor Knesinger aus dem Jahr 1733.

 

 

 

Hinweis: Das Beinhaus oder Karner (lat.carnarium=Fleischkammer) war vom Mittelalter bis zum 19. Jh ein meist an die Kirche in der Nähe des Eingangs angebaute, zweigeschossige Friedhofskapelle, in deren Untergeschoss die Gebeine der schon lange Verstorbenen aufbewahrt wurden, um Neuzugängen Platz zu machen. In früheren Jahrhunderten war die Lebenserwartung nicht so hoch; so sind in Relation zur Bevölkerungszahl mehr Menschen gestorben. Friedhöfe waren damals immer um die Kirche herum angelegt und kaum erweiterungsfähig. Im Jahr 1058 beschränkte mandie Grenzlinien der Friedhöfe auf 60 Schritte im Umkreis des Altars für Hauptkirchen und 30 Schritte für Kapellen. Weiter entfernt konnte man sich des Segens der im Altar ruhenden Reliquien und der Fürbitte des Heiligen nicht sicher sein. So war es üblich, die Gräber schon nach 5 bis 10 Jahren wieder zu verwenden. Zudem gab es keine Familiengräber; der nächste Tote erhielt das frei werdende Grab. Manche Totenschädel in den Beinhäusern wurden auch bemalt oder mit Inschriften versehen, um sie der Anonymität zu entreißen. Karner waren besonders in Bayern, Österreich und Ungarn verbreitet; sie standen an katholischen und protestantischen Gotteshäusern. In den letzten hundert Jahren wurden die Karner abgerissen bzw. in Lourdeskapelle, Abstellräume oder Vorhäuser umgewandelt. In manchen Kirchen wie hier in Kollbach erinnert aber noch eine Nische mit einigen Totenköpfen an die frühere Trauerkultur.

Das Kriegerdenkmal in Kollbach hat die Form einer Kapelle und steht am Kirchenvorplatz im Norden der Kirche an der Ortsstraße. Es wurde im Jahr 1956 eingeweiht. Außen sind die Worte "Herr, gib ihnen das ewige Leben" zu lesen. Im Inneren des durch ein Gitter abgetrennten Raumes hängt zwischen den Tafeln für die Gefallenen der beiden Weltkriege ein in Glasmalerei gestaltetes Kruzifix . Neben dem Corpus sind Leidenswerkzeuge (arma Christi) abgebildet (Leiter, Schweißtuch der Veronika, Lanze,die die Seite öffnete, Würfel, mit denen um den Rock Jesu gewürfelt wurde, Hammer und Zange, Kelch, der das Blut aus der Seitenwunde auffängt).

 

Innenausstattung

Altarraum

Der Altarraum ist mit einem Netzgewölbe mit sieben Stichkappen überzogen, dessen Gewölberippen aber abgeschlagen sind. Die ursprüngliche Gewölbeform hat sich noch im Untergeschoss des Turmes erhalten. Die drei Fenster wurden nachträglich vergrößert.

Deckengemälde
Das ovale Deckengemälde im Chor stellt den hl. Martin bei der Mantelteilung dar. Es ist zu Beginn des 18.Jh. entstanden, wurde später übermalt und erst 1947  bei der Renovierung wieder freigelegt. Der Maler ist nicht bekannt. Nach Bauer/Rupprecht (siehe Quellen) handelt es sich um einfache bäuerliche Malerei von der Qualität eines durchschnittlichen Votivbildes. Das in einem gemalten Rahmen eingefügte Bild zeigt St. Martin in Ritterrüstung auf einem braunen Pferd. Sein Haupt ist von einem Strahlenkranz umgeben. Der Heilige schneidet mit dem Säbel ein Stück seines Mantels ab. Unter ihm wartet der unbekleidete Bettler mit Krücke.

Hochaltar
/ Choraltar
Die Pfarrkirche erhielt Ende des 19. Jh eine vollständige neuromanische Einrichtung und 1895 eine neue Ausmalung durch Eduard Müller. Auch der 1883 errichtete Choraltar war neuromanisch. Dieser Altar bestand bis nach 1950. Im Jahr 1973 wurde der Altaraufbau (nach Aussage des damal.Pfarrers "ein neubarocker Kasten") entfernt, weil er wurmstichig war.

  
Die drei neugotischen Heiligenfiguren, die früher ihren Platz auf dem entfernten Altar hatten, stehen nun hinter dem Altar an der Rückwand. In der Mitte ist die große Figur des Patrons der Kirche, des hl. Martin als Bischof zu sehen, links von ihm steht eine kleiner Figur des hl. Ulrich, des Patrons des Bistums von Augsburg mit seinen Attributen Stab, Buch und Fisch.
Die rechte Statue stellt nach dem Text auf dem Sockel den hl. Arsatius mit Dreikönigsschrein und Stab mit Schlange dar. Dieser seltene Heilige ist der Verbindung von Kollbach zu Ilmmünster zu verdanken. Denn dort liegen seine Gebeine, die in der Zeit um 775 dorthin gebracht (transliert) worden sind. Arsatius war um 400 Bischof von Mailand und erlitt den Märtyrertod.
Noch vom früheren Altar vorhanden ist der sehr breite, von Leuchtern auf einem Sockel gesäumte neuromanische Tabernakel mit Doppeltüre. Er hat versilberte Felder mit Bandreliefs, die von vergoldeten Rahmen umgeben werden. Gesäumt wird der Tabernakel von vielen Kerzenleuchtern auf flachen Podesten.
Auch das Antependium besteht noch in seiner ursprünglichen Form.

Kreuzreliquie

In der Schmidt'sche Matrikel des Fürstbistums Freising von 1738/40 wird berichtet, im Altar werde eine Partikel vom Kreuz Christi verwahrt, die von Pfarrer Joseph Gessl im Jahre 1723 erworben worden war. Diese Partikel ließ er am 3.Mai, dem Fest der Kreuzauffindung, in der Pfarrkirche Kollbach verehren. An diesem Tag und am Fest der Kreuzerhöhung (14.9.) hatten bislang die Kollbacher eine Wallfahrt nach Petershausen zur dortigen Kreuzpartikel unternommen. Die Petershausener fürchteten, dass die Wallfahrten und damit auch die Opferstockeinnahmen nun ausfallen könnten. Sie beklagten sich deshalb beim Fürstbischof in Freising und erreichten, dass die Kollbacher an einem der beiden Kreuz-Feste, dem 3.Mai, wieder nach Petershausen gehen müssten; lediglich den 14.Sept. könnten sie daheim in Kollbach feiern.
 

Hinweis: Kreuzreliquien waren früher besonders wertvoll; schließlich galt das Kreuz Christi als kostbarste Reliquie der Christenheit. Die hl.Helena, Mutter von Kaiser Konstantin, soll im Jahr 320 nach der Legende das Kreuz Christi aufgefunden haben (Fest am 3.Mai). Größere Kreuzpartikel kamen ab 950 nach Deutschland; die meisten wurden aber im 17. und 18.Jh erworben. Sie wurden meist in Reliquienmonstranzen aufbewahrt und waren in der Regel Ziel kleinerer Wallfahrten.


Figuren im Altarraum
An der Chorsüdseite ist eine Figur der Muttergottes in Art der Patronin Bavariae mit Herzogskrone und Zepter aus der zweiten Hälfte des 17. Jh. angebracht. Maria trägt ein rotes Kleid und darüber, von einer großen Spange zusammengehalten, einen goldenen Mantel. Auf ihrem linken Arm trägt sie das unbekleidete Kind, das die dritte königliche Insignie, den Reichsapfel in der Hand hält. Das Gesicht von Maria ist nach unten geneigt. Der rechte Fuß ruht auf der Mondsichel über einer schlangenumwundenen Weltkugel. Auf der Mondsichel liegt ein Apfel. Maria steht mit einem Fuß auch auf dem Kopf der Schlange, die die Erbsünde und in weiterer Folge das Böse allgemein symbolisiert.

  Hinweis: Dieses Bildmotiv ist erst seit dem 17. Jh. nachweisbar. Als nach der Reformation auf protestantischer Seite Christus mit dem Fuß auf dem Kopf der Schlange dargestellt wurde, hat Papst Pius V.(1566-1572) im Zuge der Gegenreformation das Thema dogmatisch auf Maria fixiert ("Maria zertritt mit Hilfe von Christus die Schlange") und seine Darstellung in den katholischen Kirchen bildlich durchgesetzt. Der Apfel galt aufgrund der äußeren Form und der Form des Kernhauses seit alters her als Symbol sinnlicher Reize und Begierden. Deshalb wurde er im Zusammenhang mit der Versuchung von Adam und Eva im Paradies durch die Schlange als Verkörperung der Erbsünde. Seit dem 11. Jh. ist der Apfel in der christlichen Symbolik Zeichen der Erlösung von der Erbsünde.

 

An der Nordwand steht eine große Figur des Heilands an der Geisselsäule (um 1800). Sein Haupt ist von einem dreistrahligen Heiligenschein (Nimbus) umgeben. Der nackte Oberkörper ist von Wunden übersät. Die Hände sind gefesselt und an eine Steinsäule gekettet. Hinweis: Die ersten Darstellungen von Jesus an der Geißelsäule entstanden zwar schon im Mittelalter. In den Landkreis Dachau gelangten vereinzelte Bilder jedoch erst im 17.Jh. Die große Verbreitung dieser Darstellungen setzte noch 100 Jahre später, nach dem Wunder in der Wies (1738) ein. Der Heiland auf dem Bild beim Wiesbauern bei Steingaden soll Tränen vergossen haben. Daraufhin setzte eine Wallfahrt ein und die berühmte Wieskirche wurde gebaut. Die meisten der rd. 15 Geißelheiland-Darstellungen im Landkreis Dachau wurden nach dem Vorbild des Wies-Heilands gestaltet; so auch in Kollbach.

An der Südwand des Altarraums steht die Figur einer Mater dolorosa (um 1700), die man eher unter dem Kanzelkreuz vermuten würde. Maria trägt das traditionelle rote Kleid und einen außen goldenen und innen blauen Kapuzenmantel. In ihrer Brust steckt ein langes Schwert.
Hinweis: Das Schwert in Marias Brust erinnert das Simeonwort im Lukasevangelium (Kap 2,35) bei der Darstellung im Tempel: "Dir selbst wird ein Schwert durch die Seele dringen".

In einer Mauernische rechts neben dem Choraltar steht seit der letzten Renovierung die Figur von Johannes dem Täufer, die vorher den Taufstein zierte. Es dürfte sich um ein Werk des 20.Jh handeln.
Im Marienmonat Mai wird auf den Tabernakel eine Muttergottesfigur aus dem Ende des 19.Jh gestellt. Maria ist in ein goldfarbenes Gewand gekleidet, trägt eine Krone und hält ein Zepter in der Hand. Um das Haupt ein Kreis von 12 Sternen. Das unbekleidete Jesuskind sitzt auf dem rechten Knie seiner Mutter und segnet den Betrachter.
Die zwölf Sterne erinnern an die Apokalyptische Frau, die Johannes in der Geheimen Offenbarung beschrieben hat. Sie war in der Vision vom Strahlenkranz der Sonne umgeben, über ihrem Haupte standen zwölf Sterne als Symbol für die zwölf Stämme Israels. Die Apokalypti-sche Frau wurde in frühchristlicher Zeitals Symbol für die Kirche angesehen und erst später mit Maria identifiziert.


Zelebrationsaltar

 Der neue Zelebrationsaltar hat eine einfache Tischform. Er wurde um 1970 aufgestellt, im Zuge der Liturgiereform durch die Beschlüsse des 2.Vatikanische Konzils, und bedeutet eine Rückkehr zu den Wurzeln der Eucharistiefeier.
  Hinweis: Der Altar war das Symbol des heidnischen Gottesdienstes. Das lateinische Wort adolere = verbrennen bezeichnet die ursprüngliche Bedeutung als Stätte zur Verbrennung der Opfer. Die ersten Christen hatten keinen Altar. Jesus versammelte die Seinen um den Tisch, und das hielten auch die Christen während der ersten Jahrhunderte so; zur Eucharistiefeier konnte jeder beliebige Tisch dienen. Im 4.Jh wurde das Opfer Jesu in das Tischgeschehen hineingenommen und der Altar eingeführt. Er war meist aus Stein, frei aufgestellt und von allen Seiten zugänglich. Ab dem 8. Jahrhundert weicht die Tischform immer mehr der Blockform. Dies kommt der Entwicklung entgegen, im Altar Reliquien von Märtyrern und Heiligen beizusetzen. Der zelebrierende Priester stand hinter dem Altar, sodass seine Handlungen während der Messfeier für die ganze Gemeinde sichtbar waren. Als der Altar dann im 11.Jh eine Rückwand mit hohen Altaraufbauten (Retabel) erhielt und weiter an die Ostwand rückte, wandte der Priester der Gemeinde den Rücken zu. Dies ist in der katholischen Kirche durch eine Liturgiereform erst vor 40 Jahren wieder rückgängig gemacht worden.
Das Ambo, ein Lesepult, an dem Lesung und Evangelium vorgelesen wird, hat eine grün-marmorierte Vorderfläche, auf die ein goldfarbenes Kreuz gemalt ist.
  Hinweis: Das Ambo (griech. ámbon = erhöhter Rand) war im Frühchristentum und Mittelalter eine erhöhte (bis zu zwei Meter) Plattform in der Kirche zum Vorlesen und Vorsingen liturgischer Texte (Epistel, Evangelium); ab dem 13. Jahrhundert wurde die Funktion des Ambos von der Kanzel übernommen.


Ewig-Licht-Ampeln

An der rechten Seite des Altarraums sind zwei Ewig-Licht-Ampeln zu sehen. Sie gehören -obwohl sie gleich alt sind - unterschiedlichen Stilrichtungen an. Beide bestehen aus Messing und sind teilweise versilbert.
  
Eine der Ampeln ist neubarock und rund und wird von getriebenem Blattwerk verziert. Die andere Ampel ist sechseckig, wenig versilbert und zeigt als Schmuck Maßwerk-Ornamentik.
  Hinweis: Das rote Öllämpchen, das stets im Altarraum brennt, gilt oft als Erkennungsmerkmal eines katholischen Gotteshauses. Früher gab es solche Lichter nur an den Märtyrergräbern. Mit der wachsenden Verehrung der aufbewahrten Eucharistie hat sich etwa seit dem 13. Jh der Brauch des "Ewigen Lichtes" vor dem Tabernakel, wo das Allerheiligste aufgewahrt wird, herausgebildet, nachdem der Johanniter-Ritterorden das Ewige Licht von den Kreuzzügen aus dem Heiligen Land mitgebracht hatten. Durch sein dauerndes Brennen weist es darauf hin, dass in der Kirche geweihte Hostien aufbewahrt werden. Meist sind die von der Decke herabhängenden Ampeln aus Silber oder versilberten Material gebaut, in eleganten Formen und mit vielen grazilen Verziehrungen versehen.


Noch ganz im gotischen Stil (Spitzform) ist der Sakristeizugang gestaltet. Das Gewände ist dreimal hintereinander abgestuft. Die Türe aus dem 19.Jh ist mit Maßwerkrelief verziert.
Am Zugang zur Sakristei hängt in einem schmiedeisernen Ständer eine kleine Glocke, die mit einem Seil zum Klingen gebracht wird. Die Chorglocke wird geläutet, wenn Priester und Ministranten die Sakristei verlassen und den Chor betreten.
Aus der Zeit um 1870 berichtet Anton Mayer, dass in der Sakristei ein Cruzifix mit der Jahreszahl 1590 gehangen habe.

Auch der spitzbogige Chorbogen, der den Altarraum vom Kirchenschiff trennt, ist viermal abgestuft.

Langhaus / Kirchenschiff

Im Langhaus ist ein fünfachsiger Saalbau. Die flache Putzdecke ruht über einer breiten, rosa bemalten Hohlkehle. Das Kirchenschiff wird durch acht Rundbogenfenster und durch Rundfenster (Okuli) erhellt.

Aus der Zeit um 1500 stammen noch drei runde, reliefierte Schlusssteine aus dem ehemals gotischen Gewölbe, die jetzt an den Seitenwänden eingelassen sind:
Auf einem der Steine findet sich ein Kreuz mit dreipassförmigen Kreuzbalkenenden und die Inschrift "heilig kreitz", auf dem anderen der halbfigurige hl. Martin als Bischof, der auf der Linken eine Gans trägt, und auf dem dritten Schlussstein der hl. Johannes der Täufermit Kreuzstab, Fahne und Lamm.
  Hinweis: Die Schlusssteine der Gewölberippen sind im Scheitelpunkt eine Bogens oder im Knotenpunkt von Rippen eingefügt. Sie verkeilen das gebogene Mauerwerk und geben dem statischen Gefüge den entscheidenden Halt. Neben seiner bautechnischen Aufgaben hat der Schlussstein auch eine religiöse Bedeutung. Denn Paulus schreibt im Epheserbrief: "Ihr seid das Fundament der Apostel und Propheten gebaut. Der Schlussstein ist Jesus Christus selbst. Durch ihn wird der ganze Bau zusammengehalten und wächst zu einem heiligen Tempel im Herrn (Eph 2,20-22).
  Hinweis: Johannes (ein Verwandter Jesu) war Bußprediger am Jordan und taufte dort auch Jesus. Später wurde er auf Wunsch der Herodias, der Geliebten von Herodes und ihrer Tochter Salome enthauptet. Mit den Worten "Dieser ist das Lamm Gottes, das die Schuld der ganzen Welt wegnimmt" hatte Johannes den Messias angekündigt (Johannes 1,29). Deshalb wird er in der Kunst häufig mit einem Lamm und mit dem Spruchband "Ecce agnus dei" am Kreuzstab abgebildet.

Deckengemälde im Langhaus

Das große Deckengemälde im Langhaus stellt im geschweiften Rahmen die Verkündigung Mariens dar. Es ist signiert mit: "Al.Katzen, München, 1894. Renoviert Anno Domini 1873 Fa.Reinh.Huber, Dachau, Ausgef.Hans Marcher".
Im Bild kniet Maria vor einem Altar mit geöffneter Bibel. Sie wird beim Lesen vom Engel Gabriel überrascht, der ihr mit einer Lilie in der Hand und auf Gewölk schwebend, die Empfängnis Jesu verkündigt. Vom Himmel blickt der gekrönte Gottvater auf die Szene. Vor ihm der Hl.Geist in Gestalt einer Taube, der einen Gnadenstrahl auf Maria herabsendet.
Zwei Rundmedaillons aus dem zweiten Viertel des 20. Jahrhunderts zeigen Pflanzen, die mit dem Heilsgeschen zu tun hatten. Im westlichen Medaillon ist der Paradiesbaum mit Schlange und Äpfeln sowie der Hand Gottes darüber als Zeichen für das Alte Testament zu sehen, ein Weinstock und Ähren unter dem Auge Gottes im östlichen Medaillon stehen für das Neue Testament.

Seitenaltäre

Die barocken Seitenaltäre stehen erst seit 60 Jahren in Kollbach. Im Jahr 1947 kamen sie aus der Wallfahrtskirche "Maria Stern" in Neukirchen am Simssee. Sie sind um 1750/55 wohl von Rosenheimer Meistern gefertigt worden. Die Altäre bestehen aus schmalen Frührokoko-Säulenaufbauten mit gewundenen Säulen, reicher Bandwerkornamentik und bewegtem Auszug mit geschweift gerahmten Rahmen. Die früheren Altäre waren schon 1739 dem hl.Johannes dem Täufer und dem Pestpatron Sebastian geweiht (siehe auch Schmidt'sche Matrikel von 1738/40).

Linker Seitenaltar
Der linke Seitenaltar aus dem Ende des 19. Jahrhunderts zeigt die Figur eines Schutzengels (Ende 19.Jh.), der seine Arme über einem kleinen Kind ausbreitet.
Im barocken Auszugsgemälde ist der hl. Augustinus zu sehen, wahrscheinlich von Joseph Anton Höttinger aus Rosenheim um 1755 gemalt. Er hält in der rechten Hand die Schreibfeder, in der Linken ein feuriges Herz.
  Hinweise: Die liturgische Verehrung der Schutzengel hat sich vor allem im 15. und 16. Jahrhundert verbreitet, zunächst in Verbindung mit dem Fest des Erzengels Michael (29. September); 1670 hat Papst Klemens X. das Schutzengelfest für die ganze Kirche vorgeschrieben und auf den 2. Oktober festgelegt. Der Glaube an die Schutzengel stützt sich vor allem auf Mt 18, 10. Dort ist zu lesen: Hütet Euch davor, einen dieser Kleinen zu verachten. Denn ich sage Euch Ihre Engel im Himmel sehen stets das Angesicht meines himmlischen Vaters.
Augustinus ist der bedeutendste der vier lateinischen Kirchenväter. Er war um das Jahr 400 Bischof von Hippo bei Karthago. Durch seine zahlreichen Schriften entwickelte er sich zum geistigen Führer der abendländischen Kirche.


Recher Seitenaltar
In der Nische des rechten Seitenaltar steht eine Muttergottesstatue (Ende 19.Jh.). Maria ist als Königin mit Krone und Zepter dargestellt, die ihr bekleidetes Kind auf dem linken Arm trägt. Möglicheweise handelt es sich dabei um die Statue, die Baron von Cramer-Klett auf Schloss Hohenschau für den Hauptaltar in der Frauenkirche gestiftet hatte.
Im barocken Auszug ist der hl. Josef mit Jesuskind und einer Lilie abgebildet (1755 ebenfalls von Joseph Anton Höttinger gemalt). Seit dem Mittelalter gelten weiße Lilien als Symbol für Reinheit und Keuschheit. In der Hand Josefs soll diese Blume letztendlich besagen, dass Josef eine nach ihm benannte "Josefsehe" führte und er deshalb nicht der natürliche Vater Jesu gewesen sein kann.

Taufstein

Noch aus dem Spätmittelalter stammt der rotmarmorne Taufstein vor dem rechten Seitenaltar. Der schlanke Schaft und das Becken sind achteckig.
Der Holzdeckel aus dem 19.Jh besitzt eine dunklere Farbe; er ist mit Ornamentik im Stil des Modernismus verziert.
Bis zur Renovierung 2008/09 stand auf dem Taufstein die Figur von Johannes dem Täufer, die sich nun in der Mauernische des Altarraums befindet. Seither wird der Taufstein durch ein Kreuz gekrönt. mit Kreuzstab und Schriftband

Hinweis: Die Taufe der frühen Christen fand ursprünglich im Freien statt, überall dort, wo fließendes oder stehendes Wasser vorhanden war. Mit der Verlegung der Taufe in den Kircheninnenraum schuf man dort eigene Taufbecken. Als sich im 11.Jh die Praxis der Kindertaufe weitgehend durchsetzte, begann man mit der Errichtung erhöhter Taufgefäße; die Bodenbecken erwiesen sich für die Kindertaufe als weniger geeignet.
  Das Taufbecken ist meist aus Stein. Es hat in der Regel eine achteckige Form, weil die Zahl acht und das Achteck als Symbol für Erneuerung, Wiedergeburt und Herrschaft angesehen werden. Taufbecken und Deckel sind meist mit ornamentalem oder architektonischem Zierrat geschmückt. In der Barockzeit wurde auf dem Deckel häufig die Taufe Jesu figürlich dargestellt. Sie ist Vorbild für das Taufsakrament und geht auf Empfehlungen des Konzils von Trient (1545 bis 1563) zurück.


Kanzelkreuz und Mater Dolorosa

An der Südwand des Langhauses ist ein großes Kruzifix angebracht. Das Kreuz nennt man auch Kanzelkreuz, weil es in der Regel der Kanzel gegenüber an der Wand angebracht ist.
Es erinnert den Prediger an den 1.Korintherbrief (1,3), in dem der hl.Paulus schreibt: "Wir predigen Christus als den Gekreuzigten".Die Ansprache soll nicht weltliche Dinge, sondern den Tod und die Auferstehung Christi zum Inhalt haben.
Unter dem Kreuz steht eine Schmerzhafte Muttergottes eine Mater dolorosa aus dem 19.Jh. Maria ringt die Hände als Zeichen ihrer Verzweiflung.
Ein Schwert in ihrer Brust, wie es sonst bei Darstellungen der Mater dolorosa üblich ist, fehlt hier.


Figuren und Bilder im Kirchenschiff
Neben dem Kanzelkreuz steht eine Statue des hl.Josef aus dem 20.Jh vom Bildhauer L.Fuchs und dem Fassmaler Otto Wimmer,München aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Josef hält seinen Ziehsohn Jesus auf dem Arm und einen blühenden Aaronstab in der Hand. Das segnende Jesuskind umgreift mit seiner linken Hand den Reichsapfel als Zeichen seiner Königswürde.
  Hinweise: Der blühende Aaronstab erinnert an Berichte aus dem von der Kirche nicht anerkannten Jakobusevangelium von der Brautwerbung Josephs. Demnach sei Maria Tempeljungfrau in Jerusalem gewesen und sollte einem Mann verheiratet werden, der sie unberührt lassen würde ("Josephs-Ehe"). Jeder Bewerber - allesamt waren Witwer - sollte einen Stab auf dem Altar des Tempels niederlegen; Josephs Stab grünte und blühte, zudem ließ sich eine Taube als Zeichen der göttlichen Bestätigung auf seinem Kopf nieder.
Der Apfel war schon im Altertum Sinnbild für den Kosmos, später auch für die Erde, nachdem man deren Kugelform erkannt und akzeptiert hatte. Der mit dem Kreuz versehene Reichsapfel in der Hand des Königs ist seit 1191 Teil der königlichen Insignien und symbolisiert den von Gott verliehenen Herrschaftsanspruch. Gleiches gilt auch für das Jesuskind. Hier kommt aber die weitere Bedeutung des Apfels als Paradiesapfel und Sinnbild für den Sündenfall hinzu: Jesus weist den Betrachter darauf hin, dass er durch seinen Tod die Erbsünde überwindet.

An der Nordseite befindet sich eine Figur der hl. Cäcilia aus der Zeit um das Ende des 19. Jh. In ihrer Hand hält sie Orgelpfeifen und einen Märtyrerpalmzweig.
Hinweis: Cäcilia soll eine hübsche adlige Römerin gewesen sein, die in der Zeit der Christenverfolgung in kochendes Wasser gesetzt und schließlich mit dem Schwert schwer verwundet wurde. 1599 wurde ihr Leichnam unverwest gefunden. Bekannt ist Cäcilia als Nothelferin und als Patronin der Kirchenmusik. Dieses Patronat verdankt sie einem Übersetzungsfehler, nach dem sie auf ihrer Hochzeit selbst die Orgel gespielt haben soll. Tatsächlich wird nur von ihrem Gesang berichtet.
Etwas westlich hängt das ehemalige Hochaltarblatt, das in der zweiten Hälfte des 18. Jh gemalt worden ist. Es stellt einen knienden hl. Martin auf Gewölk dar (mit Gans), den die Hl. Dreifaltigkeit im Himmel empfängt. Englein tragen die Bischofsinsignien. Links unten die Abbildung der Mantelteilung; dahinter eine zeitgenössische Darstellung der Kirche Kollbachs .


Kanzel

Mit den Seitenaltären kam 1947 auch die 1755 gefertigte Kanzel mit reich geschnitzter Bandwerkornamentikaus der Wallfahrtskirche "Maria Stern" in Neukirchen. Die an der Nordwand angebrachte Kanzel ersetzte eine wohl jüngere auf der Südseite.

Die erste urkundlich erwähnte Kanzel wurde beim Kirchenneubau nach dem Dreißigjährigen Krieg (1650) in Vierkirchen für 10 Gulden erworben, ist aber nicht mehr vorhanden.
Die Brüstung der heutigen Kanzel ist grün-rot marmoriert. Am geschweiften Korb sind drei Kartuschen angebracht. Dazwischen Fruchtgirlanden.

Die Kanzelrückwand ziert eine eine geschnitzte Akanthusstaude. Auf dem geschweiften Schalldeckel trägt ein Volutenpfeiler die Darstellung der beiden alttestamentlichen Gesetzestafeln; an der Unterseite ist eine Heilig-Geist-Taube angebracht.
  Hinweis: Die Predigt wurde in altchristlicher Zeit -ähnlich wie heute- von einem Ambo aus gehalten. Ab dem 13. Jh. hat man Kanzeln gebaut, die zumeist seitlich im Mittelschiff ihren Platz haben, dort, wo die Gemeinde versammelt ist. Von hier aus konnten die Prediger auch von oben herab sprechen, was ihren Worten größere Wirkung verleihen sollte. Spätestens seit dem 2.Vatikanischen Konzil 1962 werden sie nicht mehr benutzt. Die Gestalt der Taube für die künstlerische Darstellung des Heiligen Geistes gründet sich auf den Bericht der Taufe Jesu im Neuen Testament. Danach fuhr der heilige Geist in leiblicher Gestalt auf ihn hernieder wie eine Taube (Lk, 3,22). Obwohl dies nur bedeutet, dass sich der Geist bewegte sich wie eine Taube, nicht aber aussah wie ein Vogel, hat man die Taube als Symbol für die sonst nur schwer greifbare dritte Person Gottes gewählt. Das Konzil von Nicäa im Jahr 325 hat dies sogar empfohlen. Papst Benedikt XIV verbot 1745 die Darstellung der dritten göttlichen Person in Menschengestalt, wie sie vereinzelt immer noch vorkam (so z.B. im Deckengemälden der Schlosskapellen in Haimhausen und Unterweilbach).

KreuzwegbilderApostelleuchterApostelleuchterKanzelkreuzDeckengemälde VerkündigungDeckengemäldeMater dolorosa Kreuzwegbilder Ölberg-Figuren Martinsbild St.JosefGründungstafel der SchutzengelbruderschaftApostelleuchterKirchenbänkeAmboTaufsteinTotengedenktafelMaria S.
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Kreuzwegbilder
Die in Oel auf Leinwand gemalten Kreuzwegbilder stammen vom Historienmaler Joachim Müller (Kloster Scheyern, 1852) und wurden unter Pfarrer Weninger (1893-96) beschafft. Sie sind von marmorierten Rahmen umgeben.


Apostelleuchter

Die Apostelleuchter aus dem 20.Jh bestehen aus schmiedeeisen und sind golden eingefärbt. Die Apostelkreuze sind an die Wand gemalt.
Hinweis: Die Apostelleuchter erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlischen Jerusalems. .

Kirchenbänke


Das Laiengestühl aus dem Ende des 19.Jh. wurde um 1975 erneuert. Es besteht aus insgesamt neunzehn durchgehenden Reihen zwischen den beiden Seitengängen.

 

Epitaphe

An den Wänden des Kirchenschiffs innen und außen sind viele Epitaphe eingemauert. Sie erinnern vor allem an die in der Pfarrei wirkenden Geistlichen.
  Hinweis: Epitaphe gibt es in unseren Kirchen erst seit dem 14. Jh. als Gedächtnismal für einen Verstorbenen in Form einer Steinplatte, die innen oder außen an der Kirchenwand senkrecht aufgestellt wird. Epitaphe (griech. Grabinschrift) wurden für diesen Zweck eigens angefertigt; sie sind keine früheren Grabplatten. Das Epitaph ist auch kein Grabmal, weil sich weder dahinter noch darunter ein Grab befindet.
 
1634
1703
1733
1735
1764
1772
1774
1812
1882
1936
1634
Epitaph aus Kalkstein mit Kelchrelief unten für Mathias Holzinger, gestorben am 9. August 1634, 16 Jahre Pfarrer; Text: Anno 1634 den 9.August ist in Gott entschlafen, der ehem. geistlich und wohlgelehrte Herr M. Mathias Holzinger in die 16 Jahre Pfarrer allhier zu Kollbach, dem Gott Gnade. Amen";
1669
für Michael Faber. An der Südwand des Kirchenschiffs ist eine Relieftafel aus rötlichem Marmor mit dem Bildnis des Pfarrers Faber mit einem Kelch in der Hand angebracht. Inschrift in gotischer Schrift: Anno 1669 starb der Ehrwürdig und Geistlich Herr Michael Faber gewester Pfarrer zu Kollbach dem Gott gnedig sein wolle"
1703
In der Sakristei ist ein besonders schönes Epitaph angebracht. Es besteht aus Kalkstein und wurde für den Pfarrer Bartholomäus Obermair gemeißelt, der von 1669 bis 1715 die Pfarrei leitete und noch bis 1721 als Pfarrer in Ruhe aushalf. Der Haupttext ist von einem Fruchtkranz umgeben. Im unteren Teil ist ein prächtiges Wappen mit einem Kelch, darüber ein Helm und darauf ein Mann mit Ähren in den Händen zu sehen.
Text: Anno MDCCIII. Posuit hoc Monumentum R.D.Bartholomaeus Obermair. Parochus in Kolbach in honorem Passionis Domini Jesu Christi. Requiescat in Pace. 1703". An den Ecken sind die Lebensdaten geschrieben "Parochiam coelis 51, Aetatis tuae 76, Parochus creat 1669, Obiit in Chr(ist)o A(nno) 1721" (51 Jahre Pfarrer, Alter 76, Pfarrer in Kollbach seit 1669, gestorben 1721).
1733
für Gregor Knesinger
Text: "Alhier ruehet der ehrngeachtete Gregori Knesinger, gewester Wyrth und Handlsman in Kolbach, der in 72.Iahr seines Alters den 7.Merzen 1733 nach erhaltnen H.Sacra in Gott sellig entschlaffen, deme Gott genedig sein wolle.
1735
Quadratischer Kalkstein mit Kelchrelief für Pfarrer Josef Gessl, vorher Vikar in Obermarbach, gestorben am 26. März 1735 im Alter von 66 Jahren, 19 Jahre Pfarrer. Text: "ADM. Reverendus d(omi)nus Josephus Gessl, Parochus in Kolpach per XIX Ann(os). Pientissime obiit XXVI. Martii MDCCXXXV Retatis ann.LXVI. Requiescat in pace."
1764
Geschweiftes Epitaph aus grauem Marmor mit Wappen auf Goldhintergrund (oben) und Weihwasserschale in Muschelform für Pfarrer Kästl, vorher Pfarrer in Jetzendorf (1699-1764), geweiht am 28.9.1728. Das Epitaph befindet sich am Wandpfeiler neben dem Schutzengelaltar Text: "Hic jacet Joan.Franc.Kästl, SS. Theol. et SS.Can.Cand.Parochus in Kollbach. Peccator max. Erector et Benefactor Capellae St. Nothburgae in Weislingen."
1772
Geschweiftes Epitaph am Wandpfeiler neben dem Schutzengelaltar (links). Es besteht aus rotem Marmor mit teilvergoldetem Wappen mit 5 Sternen und Flügelhelm (oben) und Weihwasserschale (unten) für Pfarrer Markus Anton Weidmann, geboren am 3.3.1722 in Freising, geweiht am 7.4.1746, gestorben am 14. März 1772 im Alter von 50 Jahren. Text: "Siste Gradum Viator et aspice. Ex Nihilo nihil. Ossa Plur.Rev.ac Doctissimi Dom. Marci Antonii Weidmann Parochi huius loci zelosissimus et specialis Benefactoris Pauperum. Tu qui pius es, ora pro eius anima. Obiit die 14.Martii ao 1772 aet.suae 50. R. in P."
1774
Epitaph am Kanzelaufgang aus grauem Muschelkalk mit darin enthaltenen Versteinerungen für Pfarrer Nikolaus Karl, früher Vikar in Reichertshausen, geb. am 26.7.1706, gestorben am 27. Dezember 1774. Ovales Wappen im oberen Teil. Text: "Adm.Rev.Dom. Nicolao Carl, nato 1706 26.Julii. Denato 1774 27.Dez. Vicario Reichertzhusano annis XLI Parocho Kollbacensi XXI seniori Familiae Benefactori maximo. Bona aeterna precatur Familia Carliana. R.I.P."
1812
Epitaph an der Nord-Außenseite aus Kalkstein für Ehepaar Reischl: Text: "Hier ruhet Joseph Reischl, Högmair bey Kolbach, gestorben im Jahre 1812 seines Alters 75 Jahr. Und sein Eheweib Eva Reischlin, gestorben im Jahre 1801 ihres Alters 62 Jahr. Wier bitten um ein Vatterunser und ein Avemaria für unsere Arme Selen. Herr gib ihnen die Ewige Ruhe".
1882
GeschweiftesEpitaph an der Nord-Außenseite aus weißem Marmor für den Wirt Joh.Grasenhiller. Text: Zum Andenken An Herrn Joh. Bapt. Grasenhiller, ehemaliger Wirth von Freising, welher am 22. März 1882, im Alter von 27 Jahren 14 Tag dahier aus diesem Leben geschieden ist. R.I.P.
1936
Rotmarmorstein mit Kelchrelief für Georg Axtner, gestorben am 5. Mai 1936, Pfarrer von 1933 bis 1936. Priesterweihe 1904. Text: Zum Andenken im Gebete an den hochwürdigen Herrn Georg Axtner, Pfarrer in Kollbach, vom 15.5.1933 bis 5.5.1936, * 21.8.1879, + 5.5.1936. Ein treubesorgter Hirte seiner Herde, ein Wohltäter der Seinen, eine Zierde seines Standes. R.I.P. Gewidmet v.d. dankb. Pfarrgemeinde

Totengedenktafel

An der Westwand unter der Empore stand früher ein breiter, dreiteiliger Beichtstuhl. Nur der etwas vorgewölbe Mittelteil mit neugotischer Verzierung und zwei begleitenden Säulchen ist schon über 100 Jahre alt. Die aus Nut- und Federbrettern gebildeten Seitenteile sind lediglich eine funktionale Ergänzung. Seit der Renovierung 2008/09 ziert eine Gedenktafel die Westseite der Kirche. An ihr werden die Sterbebildchen der in letzter Zeit Verstorbenen befestigt.

 

Empore und Orgel

Die einstöckige Empore wird durch zwei Rundbogenfenster erhellt, die bis zum Raum unter die Empore reichen. Die Brüstung ist in 7 Felder gegliedert. Auf der Empore stehen 10 Bänke.
Seit 1994 besitzt die Pfarrkirche wieder eine kleine elektronische Not-Orgel, es ist diejenige, die zuvor die Gottesdienste in Petershausen begleitete. Ihr Ton wird über Lautsprecher verstärkt, die an der Westmauer hängen. Aus der Beschreibung der Pfarrkirche von Franz Biedermann aus dem Jahr 1950 wissen wir, dass früher eine von Leopold Nenninger gebaute zweimanualige Orgel mit 15 Registern seit 1936 ihren Dienst tat. Sie wurde 1970 abgebaut. Auch 1814 stand hier schon eine Orgel mit zunächst 5 Registern und später, 1874 sechs Registern.
Auf der Empore befinden sich zur Zeit ein barocker Ölbergchristus und ein Leidenskelch-Engel, Figuren, die früher an der äußeren Chornordseite in der gemauerten Ölbergnische ihren Platz hatten. Die hinten hohle Figur von Jesus wurde im 18.Jh geschnitzt; der Engel stammt aus der Zeit gegen Ende des 19.Jh.

In der Nähe der Orgel wartet noch eine alte Karfreitagsratsche auf ihren zweitägigen Einsatz pro Jahr. Am Karfreitag und Karsamstag schweigen einem alten Brauch zufolge die Kirchenglocken.
Ihre Funktion nehmen die Holzratschen ein, die an diesem Feiertag von Ministranten durchs Dorf gezogen werden und mit lauten Klappergeräuschen auf die Gottesdienstzeiten aufmerksam machen.


Pfarrhaus
Das Pfarrhaus in Kollbach wurde 1681 von Pfarrer Obermair gebaut. 1764 erlitt der Pfarrhof zusammen mit den Ökonomiegebäuden bei einem Brand schwere Schäden. Die Pfarrmatrikel verbrannten fast vollständig. Nur ein paar Kirchenrechnungen wurden wieder aufgefunden. Die letzte Renovierung, die dem Pfarrhof sein heutiges Aussehen verlieh, wurde 1998 durchgeführt.

 

Hans Schertl

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Quellen:
Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874
Theodor Bitterauf, Die Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (Nr.1606, 1675)
Amperbote vom 22.08.1877 (Installationsfeier), 15.09.1921 (Installation), 18.09.1926 (Pfarrer Hauser verstorben ),
               vom 30.12.1926+18.01.1927 (Installationsfeier), vom 09.05.1928 (Volksmission), 03.7.1929 (Primiz),
               Dachauer Nachrichten vom 24.06.1960 (Renovierung)
Kirschbaum, Lexikon der Christlichen Ikonographie, 1968
Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
Dr. Georg Brenninger, Orgeln und Orgelbauer im Landkreis Dachau, Amperland 1976/1
Josef Mass, Geschichte des Erzbistums München und Freising, 1986 (Ilmmünster 1493)
Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV, 1990
Dr. Georg Brenninger in Chronik der Gemeinde Petershausen, Band 2, Geschichte und Kultur, 2000
www.webspace.st-michaelsbund.de/StMartinKollbach/martin.htm
Bauer/Rupprecht, Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, 1996
Münchner Kirchenzeitung v. 30.10.2005
Dachauer Nachrichten vom 18.8.2006, 16.4.2007
Eckart Bieger, Das Bilderlexikon der christlichen Symbole, 2011 (Netzgewölbe)
64 Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Landkreis Dachau - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

 

17.6.2010