zur
Landkreiskarte Ausführl.Beschreibg
Kirchen i.d. Gem. Röhrmoos
![]()
Filialkirche St. Margareta in KLEININZEMOOS
|
Kurzbeschreibung Die Ortschaft Inzemoos wird erstmals um 115o schriftlich genannt, doch erst 1446 wurde "Cleinen Intzemosen" von Großinzemoos (Intzemosen) unterschieden.Das Erbauungsjahr der Filialkirche St.Margareta der Pfarrei Großinzemoos in Kleininzemoos ist nicht bekannt.
|
|
Innenausstattung Der gotische Altarraum ist von einem Gewölbe
überdeckt. Die Kanzel aus der Zeit um 1700 besitzt keinen Schalldeckel. Am vierseitigen Kanzelkorb ist der Gute Hirte in einem Bild dargestellt. |
![]() 11 Details (Altäre, Figuren, Kanzel) per Mouseklick |
Figurenausstattung:
- St. Florian mit Siegesfahne und Wasserschaff.
Zu seinen Füßen ein brennendes Haus (18.Jh).
- die Muttergottes mit dem liebkosenden
Jesuskind; eine Nachbildung des Gnadenbildes Maria del populo in Rom (um 1520)
- St.Josef als Halbfigur mit dem
Jesuskind auf dem rechten Arm und einer Lilie, dem Symbol
für Reinheit und Keuschheit
in der linken Hand (18.Jh).
- Christus auf der Rast". Jesus ruht sich sitzend vor der Kreuzigung
aus und stützt dabei sein Haupt mit der rechten Hand
(17.Jh.)
| Wenn Sie eine Führung durch die Filialkirche St.Margareta wünschen, können Sie sich an Frau Ursula Mehr wenden: |
Ausführliche
Beschreibung
mit ikonographischen
und kunsthistorischen Hinweisen
Über die Gründerzeit von Kleininzemoos
ist noch nicht viel erforscht. Inzemoos wird erstmals um 115o genannt, doch
erst 1446 wurde "Cleinen Intzemosen" von Großinzemoos
unterschieden, das bis ins 18.Jh hinein weiter Inzemoos genannt wurde. Der Ort
bestand über Jahrhunderte aus 5 oder 6 Anwesen. Lediglich nach dem 30jährigen
Krieg (1649) war die Zahl auf 3 Höfe gesunken.
Geschichte der Kirche
Sunderndorfer'sche Matrikel von 1524
In der Konradinischen
Matrikel
von 1315 ist es noch nicht enthalten. Erst
die Sunderndorfer'schen
Matrikelvon 1524 erwähnt die Kirche St.Margareta
als Filiale von Inntzemoss ("Item habet unam filialem ecclesiam s.Margaretae
in Klein-Inntzemoss") im Dekanat Hebertshausen/Dachau.
Visitationsbericht von 1560
Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz
von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation,
eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet.
Die Visitation wurde durch bischöfliche und durch herzogliche Bevollmächtigte
durchgeführt. Grund war die durch die Reformation Luthers (1517)
entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen des Bistums zur
Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte. Durch die Visitation
wollte der Bischof einen detaillierten Einblick in die religiöse Situation
der Pfarreien gewinnen. Insbesondere sollte festgestellt werden, ob die Pfarrer
und die Gläubigen noch die katholischen Lehre vertraten oder der neuen
Lehre anhingen. Daneben interessierte die Prüfer die Lebensführung
der Pfarrer sowie Umfang und Qualität ihrer religiösen Kenntnisse.
Im Bericht über die Pfarrei Großinzemoos ist auch die Filiale St.Margareta
in Kleininzemoos unter dem Namen "Khlein Intzemoß" kurz erwähnt.
In einem der Berichte wird fälschlicherweise als Patron St.Silvester aufgeführt.
Das Einkommen der Kirche (neben dem der Pfarrei) betrug 5 Gulden. Der
Pfarrer erhielt davon 32 Pfennig. Die Kirchenrechnung erstellte das Gericht
zu Dachau. An liturgischen Geräten waren vorhanden: 2 Kelche aus vergoldetem
Silber, 5 1 gutes Messbuch, ein Psalmenbuch, ein zerrissenes Kantorenbuch und
fünf Messgewänder, darunter zwei minderer Qualität ("5 ornät,
seyn darunder zway nit vasst guet"). Das "Sakramentsheusl" war
"nit wol beschlossen, aber wol beleucht" (=EwigLicht). Das
Allerheiligste und die heiligen Öle wurden liturgisch rein behandelt. Das
Taufwasser war in einer Flasche aufbewahrt ("Baptismus ist in aim fleschl").
Ein Mesnerhaus war nicht vorhanden. Der als "vleissig" beschriebene
Mesner war wohl ein Bauer. Der Bericht endet mit gegensätzlichen Erkenntnissen:
Der Kirchenpfleger sah "das gotshauß zimblich wol erpaut und mit
aller zier zimblich versehen"; dagegen schrieb der Visitator nach der Inaugenscheinnahme
("ocularis inspectio") des Gotteshauses: "Khirch und freithofmaur
seind paufellig. Sonst kain mangel".
Dreißigjähriger
Krieg
Im 30jährigen Krieg waren drei der sechs Bauernhöfe zerstört
worden. Über den Zustand der Kirche ist nicht viel bekannt. Die Kirchenrechnung
von 1650 enthält aber einen indirekten Hinweis auf einen Unglücksfall.
Dort heißt es, dass zwei zerschmolzene Glocken nach der Prunst (Feuersbrunst)
bei M.Ernsten in München umgegossen werden mussten. Da scheint das Feuer
von den Höfen auf die Kirche übergegriffen zu haben. 1654 hat man
zur Ausbesserung der Kirchen- und Friedhofsmauern 48 Gulden ausgegeben.
Silvester-Pferderennen
Die noch erhaltenen Kirchenrechnungen aus der Zeit nach dem Dreißigjährigen
Krieg enthalten Posten, die auf "Renneth an Silvester" hinweisen.
Es geht hier um ein Pferderennen, das jeweils am letzten Tag des Jahres abgehalten
wurde. Diese Rennen werden wohl keine originär kirchliche Veranstaltungen
gewesen, sondern nur anlässlich der Feiern zu Silvester veranstaltet worden
sein. Aber die Tatsache, dass die Einnahmen und Ausgaben in den Kirchenrechnungen
auftauchen, legt doch eine enge Verbindung mit dem kirchlichen Bereich nahe.
Die Reiter hatten als eine Art Teilnahmegebühr Getreide zu spenden, das
sie vor den Altar schütteten; dafür wurden Ross und Reiter gesegnet.
Das Getreide verkaufte die Kirche und nahm dadurch Geld ein. Der Sieger des
Rennens erhielt ein großes rotes Tuch (s.o. 1654: "rott Tuech")
als Siegerpreis, das damals neben dem ideellen auch einen hohen wirtschaftlichen
Wert hatte; der rote Farbstoff war teuer. Die Nächstplatzieren dürften
Schweine als weitere Preise erhalten haben (sog.Rennsäue).
Wenn Sie mehr über die Pferderennen in Kleininzemoos erfahren möchten,
klicken Sie hier....
Umbau 17.Jh
Das Erbauungsjahr der Filialkirche St. Margaretha
der Pfarrei Großinzemoos in Kleininzemoos ist unbekannt. Aber der gotische
Stil des eingezogenen Altarraums spricht dafür, dass diese Kirche vielleicht
schon im 15. Jh bestanden hat.
In der 2. Hälfte des 17.Jh, einige Jahre nach dem 30jährigen
Krieg, wurde das Kirchenschiff grundlegend umgestaltet und die Kirche im Stil
des Barock ausgestattet. Die Erhöhung und gleichzeitige Erweiterung sind
im Kirchenspeicher am Chorbogenaufbau erkennbar.
Ein paar Jahrzehnte vorher, im Jahr 1630 hatte der Dachauer Bildhauer
Constantin Paader zwei "schöne hohe Crucifix geschnitzlet, weilln
khains verhandten gewest". Allerdings spricht der Lohn von 3 Gulden nicht
für große Kreuze. Dies berichtet die Kirchenrechnung von 1630. Darin
ist auch die Rede, dass der "Silvesstrj Altar gahr schlecht und Paufellig"
sei, "mueß ein anderer gemacht werden" heißt es. Wann
dies geschehen ist, ist nicht bekannt, denn zwei Jahre später kamen die
Schweden. Aber die in der Kirchenrechnung vermerkte Weihe eines Altars im Jahr
1710 könnte den Silvesteraltar betreffen. Der große zeitliche
Zwischenraum zwischen dem Ende des 30jährigen Krieges und dem Weihejahr
ließe sich damit erklären, dass die Freisinger Fürstbischöfe
von 1652 bis 1695 nur Fürsten waren und keine Bischofsweihe (z.T. nicht
einmal die Priesterweihe) empfangen hatten. Der Kirchenrechnung von 1710 ist
jedenfalls zu entnehmen, dass Fürstbischof Johann Franz Eckher von Kapfing
und Liechteneck(1695-1727) die "Neuweihe
des Altars" vorgenommen hat.
Schmidt'sche
Matrikel
von 1738/40
Etwas ausführlicher beschreibt die Schmidt'sche
Matrikel von 1738/40 die Kirche in ("Klein-Inzemos").
Sie hatte auch damals schon drei Altäre; der Hochaltar war "der jungfräulichen
Märtyrerin St.Margareta", der Patronin der Kirche geweiht, die Seitenaltäre
dem hl.Silvester und der Heiligsten Dreieinigkeit (jetzt Sebastiansaltar). Im
Friedhof stand ein Beinhaus. Im Turm hingen zwei geweihte Glocken. Damals gehörte
die Pfarrei zum Dekanat Hohenkammer. Die eingefallene Kirchenmauer sowie das
Kirchenpflaster waren schon 1730 repariert worden.
Säkularisation 1803
Zur Zeit der Säkularisation (1803) war
das Kirchlein schon für den Abbruch bestimmt (wie auch die Kirchen in Edenholzhausen
und Jedenhofen). Aber als sich die Gemeinde verpflichtete, die Unterhaltung
des Gebäudes und die Bestreitung aller Bedürfnisse auf sich zu nehmen, wurde
"genehmigt, dass die Kirche diesem Kultzwecke gewidmet" bleibt. Maßgebend
war auch, dass sich in Kleininzemoos eine Sepultur (Begräbnisstätten)
befand.
Beschreibung 1874
In der Statistischen Beschreibung des Erzbistums München und Freising vom
Beneficiaten an der Domkirche Anton Mayer aus dem Jahr 1874 ist auch die Kirche
von Kleininzemoos als Nebenkirche von Großinzemoos enthalten. Damals wohnten
in Kleininzemoos 47 Gläubige in 5 Häusern. Mayr schreibt: "Nebenkirche
Klein-Inzemoos, an der Ingolstädter-Bahn gelegen. Erbauungsjahr unbekannt.
Stil des Presbytheriums gothisch, Anbau modern, Plafond der Zopfzeit. Geräumigkeit
genügend. Baupflicht: an der Kirche und am Cemeterium (=Friedhof) die Gemeinde.
Kuppel-Thurm mit 2 Glöckchen. 3 Altäre. Keine Orgel. Gottesdienste:
Am Patrocinium, Mariä Geburt, Weihnachten-Missa in aurora(Frühmesse),
zweiten Sonntag nach Dreikönig (Sebastiansfest), Markustag, Pfingstmontag
und Fronleichnams-Sonntag. Stiftungen: 2 Jahrtage. Cemeterium ohne Capelle,
mit Ossuar (=Beinhaus). Meßner: ein Gütler. Kirchenvermögen
1870: rd. 1200 Gulden.
Die kleine Kirche
liegt am westlichen Rand des Dorfes, etwas erhöht, in einem ummauerten Friedhof.
Der einachsige Chor aus der gotischen Zeit schließt
in drei Seiten eine Achtecks und ist eingezogen.
Das im 17.Jh erhöhte und erweiterte Kirchenschiff /Langhaus erstreckt
sich über drei Achsen
(Joche).
| An der Ostseite des Chors steht in einer rundbogigen Nische hinter Glas eine Figur des hl.Antonius aus der 2.Hälfte des 19.Jh. Früher befand sie sich in der Pfarrkirche Großinzemoos. Antonius war Franziskanermönch. Deshalb ist er hier in der braunen Kutte der Franziskaner dargestellt. Die Farbe Braun steht traditionell für Demut und Bescheidenheit. | |||
| An der Südseite des Langhauses hängt ein Missionskreuz aus dem 19.Jh mit einem gegossenen und früher vergoldeten Korpus. Missionskreuze erinnern an Volksmissionen, die in längeren zeitlichen Abständen in den Pfarreien durchgeführt werden. Die Vorderseite des Bleches ist gezackt. Dies hat eine über die reine Verzierung hinausgehende Bedeutung: Die Zacken beschreiben den täglichen Lauf der Sonne vom Aufgang im Osten bis zum Niedergang im Westen. So wie die Sonne wieder aufgeht, so ist auch Christus auferstanden und so wird auch der Mensch vom Grabe auferstehen. |
| Hinweis: Die Volksmission geht auf das Konzil von Trient (1545-1563) zurück und war Teil der kath. Gegenreformation. Sie wurde in regelmäßigem zeitlichen Abstand in allen Pfarreien abgehalten. Das kirchliche Gesetzbuch von 1917 schrieb z.B. vor, dass wenigstens alle zehn Jahre eine Volksmission durchgeführt werden solle. Durch die Volksmission sollten die Gläubigen in den katholischen Gemeinden in einer Art Crashkurs von zehn bis fünfzehn Tagen wieder intensiver an die Sakramente, die Glaubenslehren und die Moral herangeführt werden. Dies geschah in der Regel durch speziell geschulte Ordensleute mit besonderen rhetorischen Begabungen. Sie hielten Predigten, luden zur Beichte ein, feierten Messen und hielten zahlreiche Vorträge. Mitunter wurden die Kanzeln in dieser Zeit sehr beansprucht, da öfter einmal harte Schläge auf die Holzeinfassung erfolgten. Im Vordergrund stand aber nicht die Förderung der christlichen Gemeinschaft, sondern das persönliche Verhältnis zu Gott nach dem Motto "Rette deine Seele". Heutzutage wird die Volksmission durch neuen Formen der Schulungs- und Missions- bzw. Evangelisationsarbeit ersetzt. |
| Der Turm auf der Westseite hat einen viereckigen Grundriss und einen sich verjüngenden achteckigen Aufbau mit jeweils einem Schallfenster auf jeder der acht Seiten. Im unteren Bereich ist eine Sonnenuhr aufgemalt. | Unterhalb der schön gestalteten Zwiebelhaube mit Kupferblech-Deckung hängen zwei Glöckchen. Sie wurden 1706 von der Gießerei Langenegger in München und 1921 von der Gießerei Anton Bachmair in Erding gegossen. |
![]() |
Hinweis: Woher die so typisch bayerisch-barock anmutende Zwiebelform kommt, ist erstaunlicherweise nicht geklärt. Einige der Experten vermuten, dass sie eine Nachahmung und Weiterentwicklung der im 7.Jh errichteten Moschee auf dem Tempelberg in Jerusalem (Felsendom) und somit arabischen Ursprungs ist. Damals glaubten europäische Baumeister, die Kuppel stamme noch vom Tempel Salomons und verbanden mit ihr die Vision vom himmlischen Jerusalem. Andere Kunstexperten sehen in der Zwiebel eine Weiterentwicklung der byzantinischen Kuppel, die auch in Russland großen Anklang fand. Fest steht jedoch, dass die ältesten zwiebelförmigen Kuppeln in Bayern die der Münchner Frauentürme sind (1525). Weite Verbreitung fand die Zwiebel als Bauform aber erst im Italien der Renaissance und bei uns in der Barockzeit nach dem 30jährigen Krieg. Ihre Form -unten bauchig, oben spitz- passte wunderbar zur Kunstauffassung und zum Lebensstil des Barocks und galt "als Synthese aus der Bewegung ins Übersinnliche und dem Verharren in den Wölbungen des Sinnlichen". |
An der Südseite des Chores ist die kleine Sakristei angebaut.
Innenausstattung
Der gotische Altarraum ist eingezogen und schließt in drei Seiten. Er ist mit einem Gewölbe versehen, in das Stichkappen einschneiden.
Mittelpunkt des zweisäuligen, barocken Hochaltars aus dem Jahr 1670 ist ein großes Ölgemälde (auf Leinwanduntergrund), das die Hinrichtung der Kirchenpatronin, der hl. Margareta darstellt. Margareta, im vornehmen Gewand und mit einer Krone auf dem Haupt, kniet vor ihrem Henker, der mit dem rechten Arm zum tödlichen Schwertstreich ausholt. Ein Putto über den Wolken hält schon den Märtyrerkranz und den Märtyrerpalmzweig bereit. Das 150 x 92 cm große Altarbild im versilberten Holzrahmen dürfte von Anton Huber dem Älteren (1799 -1868) aus Dachau gemalt worden sein, ist also jünger als der Hochaltar.
| Hinweis: Margareta (+305) aus Antiochien ist eine legendäre Märtyrerin. Wegen ihres christlichen Glaubens wurde Tochter eines heidnischen Priesters vor Gericht gestellt; die Richter begehrten die hübsche Angeklagte, wurden aber von ihr abgewiesen und rächten sich umso grausamer. Margareta wurde mit Fackeln angesengt und in siedendem Öl gekocht, aber sie blieb unverletzt. Das Volk war von diesen Wundern dermaßen beeindruckt, dass die Menschen sich offen zum Christengott bekannten - dafür aber geköpft wurden wie schließlich auch Margareta. Nach anderen Überlieferungen soll ihr der Teufel als ein riesiger Drache erschienen sein, um sie zu verschlingen. Aber er wurde zerbrochen durch das Kreuzzeichen, das Margareta über ihn machte. |
| Als Assistenzfiguren
stehen unter baldachinartigen Ausschwüngen beidseits
des Altarblatts der hl. Nikolaus mit Bischofsstab und drei Goldkugeln auf der Bibel (links) sowie die hl. Barbara mit dem drei-fenstrigen Turm in der Hand (rechts) . Die Figuren stammen noch aus gotischer Zeit. |
| Hinweise:
Nikolaus war um das Jahr 300 Metropolit von Myra. Während der bald
darauf einsetzenden Christenverfolgung wurde er um 310 gefangen genommen
und gefoltert. Er überlebte und nahm 325 am 1. Konzil von Nicäa teil. Eine weit verbreitete Legende erzählt,
Nikolaus habe einer verarmten Familie durch Geldgeschenke (Goldkugeln),
die er heimlich durchs Fenster und durch den Kamin in die darin aufgehängten
Socken warf, geholfen, damit der Vater seine drei Töchter nicht zur Prostitution
bewegen musste. Barbara ist eine legendäre Person. Das bildschöne Mädchen soll von ihrem heidnischen Vater, dem reichen Dioskuros von Nikomedia, während einer längeren Geschäftsreise in einen Turm geschlossen worden sein, um sie am Heiraten zu hindern. Barbara ließ im Turm ein Bad bauen, aber nicht wie vom Vater angeordnet mit zwei, sondern mit drei Fenstern, als Zeichen der Verehrung der Dreieinigkeit. Als der Vater zurückkam und merkte, dass sie Christin geworden war, ließ er sie geißeln, mit Keulen schlagen, die Brüste abschneiden und mit Fackeln brennen. Schließlich enthauptete der Vater die Tochter selbst, worauf er von Blitz getroffen wurde. Barbara gehört zu den 14 Nothelfern. Sie ist Patronin der Bergleute und -wegen des präzisen Blitzschlags- der Artilleristen. |
| Auf dem verkröpften Gebälk des Altars stützt ein gesprengter Volutengiebel den rechteckigen Altarauszug, der wiederum einen Segmentgiebel als oberen Abschluss hat. | Das Bild zeigt eine Halbfigur von Gottvater, der nachdenklich auf die Weltkugel in Form des Reichsapfels vor ihm blickt. In der Hand hält er ein Zepter als Zeichen für seine Herrschaft. Das göttliche Haupt ist von einem dreieckigem Heiligenschein (Nimbus) umgeben. |
| Hinweis: Der Nimbus oder Heiligenschein ist eine kreisförmige Fläche um das Haupt göttlicher oder heiliger Personen und bezeichnet deren Heiligkeit. Er war schon bei der Darstellung der Götter im Altertum (bei Persern, Indern, Griechen, Römern) üblich. Seit dem 4.Jh., nachdem das Christentum Staatsreligion geworden war, kennzeichnete der Nimbus das Haupt von Christus. Später wurde er auch Maria, den Märtyrern und sonstigen Heiligen beigegeben. Die Unterschiede in Farbe (gold, grün, rot ) oder Form (radförmig, reifenförmig, diskusförmig, dreieckig, viereckig) haben in der Regel keine besondere Bedeutung. Allerdings ist der dreieckige Nimbus Gottvater vorbehalten; einen viereckigen Nimbus tragen nur (damals) lebende Personen. In der Barockzeit verbreitete sich die Form eines Strahlenkranzes. Christus war ein dreistrahliger Nimbus (als Zeichen der Zugehörigkeit zur Dreifaltigkeit) vorbehalten. |
Der
barocke Tabernakel stammt aus
dem Jahr 1720. Zwei Wendelsäulchen auf Sockeln umgeben die rundbogige
Türe, auf der ein großer Kelch mit Hostie vor einem Strahlenkranz
zu sehen ist.
|
| wurde er auch Ort der Anbetung und Verehrung Christi in der Gestalt dieses eucharistischen Brotes. Der Ort und die Form der Aufbewahrung änderten sich im Laufe der Jahrhunderte häufig. Das Tridentinische Konzil (1545 - 63) ordnete die Aufstellung des Tabernakels auf dem Altar an. Doch diese Vorschrift wurde in Deutschland, wo man lange daran festhielt, die heiligen Hostien in Wandschränken und Sakramentshäuschen aufzubewahren, erst im 18. Jahrhundert umgesetzt. Das 2. Vatikanische Konzil (1962 - 65) lässt dies wieder zu. Deshalb werden in modernen oder modernisierten Kirchen Tabernakel häufig in die Wand eingelassen oder stehen frei auf einer Säule. |
Neben der Sakristeitüre steht auf einem Podest eine Schnitzfigur des hl.Florian aus der 1.Hälfte des 18.Jh.
|
Der
Heilige ist in ein römisches Gewand gekleidet. In seinen Armen
hält er die Siegesfahne. Mit einem Wasserschaff löscht er
ein brennendes Haus zu seinen Füßen. |
Wegen seines Glaubens wurde er verhaftet und nach vielen Martern mit einem Mühlstein um den Hals in die Enns geworfen. Florian ist der erste österreichische Märtyrer und Heilige. In seiner Jugend soll er ein brennendes Haus durch sein Gebet gerettet haben; aber erst im 15. Jh setzte sich diese Überlieferung durch, die heute seine Bedeutung als Schutzpatron vor Feuersgefahr begründet. |
| Am
Zugang zur Sakristei auf der Südseite des Altarraums hängt die Chorglocke
aus Bronze, die das akustische Zeichen für den Beginn des Gottesdienstes
gibt. An den schmiedeisernen Metallrahmen sind zwei rot gefärbte Blechobjekte
geschweißt, deren Bedeutung ich nicht kenne. Beim unteren Objekt handelt
es sich um die Darstellung eines Hufeisens. Die Chorglocke wird geläutet, wenn Priester und Ministranten die Sakristei verlassen und den Altarraum betreten. |
Der Zelebrationsaltar ist ein ungefasster Blocktisch. In das Antependium ist durch Schnitzwerk mit einem Kreuz in der Mitte gegliedert. Inmitten der drei alten Barockaltäre in hellblauem Grundton wirkt der Altar etwas fremd. |
| Hinweis: Der Altar war das Symbol des heidnischen Gottesdienstes. Das lateinische Wort adolere = verbrennen bezeichnet die ursprüngliche Bedeutung als Stätte zur Verbrennung der Opfer. Die ersten Christen hatten keinen Altar. Jesus versammelte die Seinen um den Tisch, und das hielten auch die Christen während der ersten Jahrhunderte so; zur Eucharistiefeier konnte jeder beliebige Tisch dienen. Im 4.Jh wurde das Opfer Jesu in das Tischgeschehen hineingenommen und der Altar eingeführt. Er war meist aus Stein, frei aufgestellt und von allen Seiten zugänglich. Ab dem 8. Jahrhundert weicht die Tischform immer mehr der Blockform. Dies kommt der Entwicklung entgegen, im Altar Reliquien von Märtyrern und Heiligen beizusetzen. Der zelebrierende Priester stand hinter dem Altar, sodass seine Handlungen während der Messfeier für die ganze Gemeinde sichtbar waren. Als der Altar dann im 11.Jh eine Rückwand mit hohen Altaraufbauten ( Retabel) erhielt und weiter an die Ostwand rückte, wandte der Priester der Gemeinde den Rücken zu. Dies ist in der katholischen Kirche durch eine Liturgiereform erst vor 40 Jahren wieder rückgängig gemacht worden. |
Kirchenschiff /Langhaus
Das Kirchenschiff besitzt eine flache Putzdecke. Sie ist nicht bemalt.
Die Seitenaltäre sind spätbarocke Säulenaufbauten mit Wendelsäulen aus der Zeit um 1730. Sie besitzen ein verkröpftes , vorgezogenes Gebälk. Die Antependien sind aus marmoriertem Holz mit versilberten Kranzleisten. Im den von seitlichen Voluten gestützten Altarauszug sind Herz-Jesu-Symbole zu sehen.
Linker Seitenaltar|
Sebastian soll nach der Legende im 3.Jh.ein Offizier der kaiserlichen Garde gewesen sein. Auf Befehl des Kaisers Diokletian wurde er wegen seines Glaubens mit Pfeilen durchschossen. Er erholte sich aber durch die Pflege der Witwe des Märtyrers Kastulus, bekannte sich erneut zu seinem Glauben und wurde daraufhin mit Keulen erschlagen. Auf seine Anrufung hin, soll eine Pestepidemie abgewendet worden sein. Der heilige Sebastian wird deshalb als Pestpatron und -der Pfeile wegen- als Patron der Schützenbruderschaften verehrt. |
| An der Predella unterhalb des Bildes die berühmte Halbfigur der Muttergottes mit dem liebkosenden Jesuskind (um 1520), einer Nachbildung des Gnadenbildes Maria del populo in Rom. | Es handelt sich um eine innige Darstellung der Muttergottes, die auf dem linken Am das Jesuskind hält, das seinen Kopf an Maria schmiegt und mit der linken Hand an den Hals Marias greift. |
| Das Bild auf dem rechten Seitenaltar
(ebenfalls von Anton Huber, Dachau 1847 gemalt) stellt den
hl.Papst Silvester bei einer Taufe dar. Der Täufling beugt
sich über ein Taufbecken in Form eines Kelches. Der Papst tauft ihn
mit einer Muschelschale. Dahinter steht ein Kleriker mit brennender Kerze
in der Hand. Drei geflügelte Engelsköpfe blicken auf die Szene
herab. Silvester I. war der Papst, unter dem das Christentum Staatsreligion
wurde. Der Täufling könnte der Kaiser Konstantin sein. Beide
haben Anfang des 4.Jh gelebt. Der Vorgänger dieses Altars wurde im Jahr 1650 als "gahr schlecht und Paufellig" bezeichnet mit der Mahnung "mueß ein anderer gemacht werden". Ob und wann dies verwirklicht wurde, ist mir nicht bekannt. |
| Auf dem Altartisch steht eine Halbfigur des hl. Josef mit dem Jesuskind auf dem rechten Arm und einer Lilie (seit dem Mittelalter Symbol für Reinheit und Keuschheit) in der linken Hand (2.Hälfte 18.Jh). Weiße Lilien gelten seit dem Mittelalter als Symbol für Reinheit und Keuschheit. St.Mechthild von Magdeburg betete im 13.Jh: "empfange Herr, deine Bräute und begegne ihnen mit den Lilien der lauteren Keuschheit alle ihre Tage". | Joseph war der Vater Jesu - oder Ziehvater Jesu, da nach altchristlicher Überzeugung Jesus der Sohn Gottes ist und durch den Heiligen Geist im Schoß der Jungfrau Maria gezeugt wurde. Joseph stammte aus dem Geschlecht des Königs Davids, aus dem nach dem Zeugnis des Alten Testaments der Messias hervorgehen werde. Er lebte als Zimmermann in Nazareth. |
Die
Kanzel aus der Zeit um 1700 ist
an der Nordwand angebracht. Der Schalldeckel fehlt. Eine Treppe mit Balustrade
führt zum vierseitigen Kanzelkorb, auf dem ein Bild von Jesus als dem
guten Hirten (46 x 29 cm) zu sehen ist.
|
| "vom verlorenen Schaf" (Lk 15, 3). Darin heißt es, dass sich Jesus über einen Sünder, der zur christlichen Gemeinde zurückfindet, mehr freut, als über 99 Gerechte. In der Barockzeit trat die von Jesus auf die Priester übertragene Hirtenfunktion in den Vordergrund und damit dessen Hauptaufgabe, die Verkündigung des Evangeliums. Deshalb wurde der Gute Hirte ein bevorzugtes Bildnis an den Kanzeln. |
| Auf der Südseite, gegenüber der Kanzel, hängt ein großes Kruzifix, das sog.Kanzelkreuz. Es wurde im 17.Jh geschnitzt. Der Korpus wird blutüberströmt dargestellt. | Unter dem Kanzelkreuz steht die Figur der schmerzhaften Muttergottes (mater dolorosa) in rot-blau-goldenem Gewand. In ihrer Brust steckt ein Schwert. Das Gesicht ist noch sehr jugendlich dargestellt. |
| Das Kreuz heißt Kanzelkreuz, weil es in der Regel der Kanzel gegenüber an der Wand angebracht ist. Es erinnert den Prediger an den 1.Korintherbrief (1,3), in dem der hl.Paulus schreibt: "Wir predigen Christus als den Gekreuzigten". Die Ansprache soll nicht weltliche Dinge, sondern den Tod und die Auferstehung Christi zum Inhalt haben. |
Das Schwert in Marias Brust erinnert das Simeonwort im Lukasevangelium (Kap 2,35) bei der Darstellung im Tempel: "Dir selbst wird ein Schwert durch die Seele dringen".
|
![]() Vergrößerung von Details (Figur, Kreuzwegbilder, Harmonium, Kanzel) per Mouseklick |
|
| Apostelleuchter
sind heute nicht mehr vorhanden. Einige der auf dem Putz aufgemalten Kreuze
wurden freigelegt; die übrigen sind noch unter dem Putz verborgen. Hinweis: Die Apostelleuchter und -kreuze erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlischen Jerusalems. |
| Am Eingang steht ein sehr urtümlich wirkender Opferstock. Es handelt sich um eine 44 cm hohe schmiedeeiserne Arbeit mit zwei massiven Schlossgurten auf einem Holzpflock. Es sieht aus, als könnte er schon im Jahr 1630 hier gestanden haben, als sich nach der ersten erhaltenen Kirchenrechnung am Jahresende im Stock 21 Gulden und 17 Kreuzer befunden haben. | Der Name rührt daher, dass der Opferstock aus einem großen ausgehöhlten Holzstock besteht. Dieser Block wird durch einen Metallmantel abgesichert. In den Kirchen des Landkreises Dachau gibt es viele unterschiedliche, außerordentlich interessante Opferstöcke. Wenn Sie sich dafür interessieren, klicken Sie hier.. |
Die Kirchenbänke (acht durchgehende Reihen) stammen aus dem 19.Jh und sind einfach gestaltet. Sie sind hellbraun lackiert und gemasert.
| An der vordersten Kirchenbank ist eine hohe, rotweiß bemalte Stange mit einem Vortragekreuz befestigt. Unterhalb des Kruzifixes ist eine vergoldete Verdickung zu sehen. Dabei handelt es sich um einen Nodus, wie er auch an den Schäften von Kelchen und Monstranzen und an Hirtenstäben zu sehen ist. Dieser Nodus stammt aus vorchristlicher Zeit, war früher ein Knoten und hatte ursprünglich eine unheilabwendende (apotropäische) Bedeutung. |
|
An der Nordwand steht unter der auf einer Holzsäule ruhenden Empore eine für den Kirchenraum unverhältnismäßig große, teilvergoldete Figur "Jesus auf der Rast" (Mitte 17.Jh., andere Quelle 16.Jh). Sie stellt Jesus dar, der sich, sein Haupt mit der rechten Hand stützend, vor seiner Kreuzigung ausruht. Die Größe der Figur lässt vermuten, dass sie nicht für Kleininzemoos geschaffen worden ist.
| Hinweis: Figuren von "Christus in der Rast" sind nicht selten in den Kirchen des Landkreises Dachau. Ähnliche Figuren stehen auch in Asbach, Bergkirchen, Biberbach, Kollbach, Haimhausen, Röhrmoos, Rumeltshausen und Westerholzhausen. Die Darstellung Christus auf der Rast geht zurück auf die heimlichen Leiden Christi. Das sind Schilderungen und bildliche Darstellungen von Martern Christi vor seiner Kreuzigung, die nicht in den Evangelien erwähnt werden. Sie entsprangen der Passionsmystik des Mittelalters und wurden in der Barockzeit von den Jesuiten und Franziskanern für Zwecke der Gegenreformation wieder belebt. Zu diesen heimlichen Leiden gehören Darstellungen von Christus im Kerker, von Maria mit ihrem toten Sohn Jesus auf dem Schoß (Vesperbilder) und Christus auf der Rast. Letzteres stellt Jesus dar, der nach dem Kreuzweg, kurz vor seiner Kreuzigung auf einem Stein oder dem Kreuz sitzt, seinen Ellbogen an den Schenkeln aufstützt und das Kinn bzw. eine Wange mit einer Hand hält. Eine uralte Geste der Klage. Diese Art der Gestaltung heißt im Volksmund manchmal auch "Zahnweh-Herrgott". Die Kleininzemooser Figur ist die älteste dieser Darstellungen im Landkreis Dachau. |
| Die Empore mit der verputzten
Brüstung ruht auf einer Stützsäule. Der Treppenzugang (um
1965) kann durch ein umklappbares Gitter
abgesperrt werden. Eine Orgel fehlt. Ihre Funktion wird von einem kleinen Harmonium wahrgenommen. |
| Die Kirchentüre wurde in den 1960er Jahren gemacht und mit einer modernen Alarmanlage ausgestattet. Der Türdrücker wurde von der Vorgängertüre übernommen. | Wenn Sie sich für alte Schlösser und Beschläge an den Kirchentüren interessieren, klicken Sie hier.... |
Neben der Kirche wurden Geheimgänge aus
der Schwedenzeit gefunden.
| Wenn Sie eine Führung durch die Filialkirche St.Margareta wünschen, können Sie sich an Frau Ursula Mehr wenden: |
Hans Schertl
![]()
Quellen:
Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln
des Bistums Freysing, 1849/50
Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising,
1874
Theodor Bitterauf, Die Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (Nr.97, 441,
697a)
Josef Scheidl, Die
Bevölkerungsentwicklung des Landgericht Dachau im Laufe früherer Jahrhunderte,
1925 (3 Höfe 1649)
Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
Max Gruber, Im Amperland tätige Glockengießer, Amperland 1984/2
Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres
1560, 1986
Röhrmoos Bürgerinformationen Gemeinde Röhrmoos, 1998
Robert Böck, Wallfahrt im Dachauer Land, Bd 7 der Kulturgeschichte des
Dachauer Landes , 1991
Robert Böck, Kirchenrechnungen Landgericht
Dachau, 1996 (Umbau 17.Jh)
Karl Grüner, "Unten bauchig, oben spitz", Münchner Kirchenzeitung,
v. 25.9.2005 und vom 2.10.2005
Manfred Bergmeister, Grabkreuzausstellung Hebertshausen, 2007 (Missionskreuz-Überdachung)
30 Bilder: Hans Schertl (2005)
|
|
6.9.2011