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Alte Zeitungsberichte aus dem Pfarrleben von DACHAU

Recherchiert von Hubert Eberl, Bergkirchen

Jahr

Ereignis

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1877
Primizfeier des Herrn Ludwig Schiela - Amperbote vom 18.7.1877
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1882
Primizfeier des Herrn J. B. Kreitmair - Amperbote vom 23.7.1882
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1889
Beerdigung von Pfarrer Georg Riggauer -Amperbote vom 23.2.1889
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1890
Primizfeier in Dachau von J. Pichler - Amperbote vom 16.7.1890
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1897
Primizfeier von Johann Wittmann - Amperbote vom 7.8.1897
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1898
Empfang von Pfarrer Winhart -Amperbote vom 7. Juli 1898
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  Primizfeier von J. Göttler - Amperbote vom 11.Juli 1898
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1900
Spendung der heiligen Firmung - Amperbote vom 28.03.1900
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1918
Kirchenglockenbeschlagnahme - Amperbote vom 28.08.1918
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1931
Zum Tod unseres Pfarrerherrn Taubenberger - Amperbote vom 31.10.1931
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1935
Primizfeier von Wilhelm Bayerl - Amperbote vom 14.5.1935
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1953
Pfarrer Märkl 40 Jahre Seelsorger - Dachauer Nachrichten vom 28.07.1953
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1955
Prälat Pfanzelt 25 Jahre in Dachau - Dachauer Nachrichten vom 16./17. Juni 1955
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1958
Prälat Friedrich Pfanzelt beerdigt - Dachauer Nachrichten vom 11.09.1958
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  J. Jäger neuen Stadtpfarrer - Dachauer Nachrichten vom 31.12.1958
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Primizfeier des Herrn Ludwig Schiela
Amperbote vom 18.7.1877

Am vergangenen Sonntag (= 15.7.1877) feierte der hochw. Herr Ludwig Schiela auf dem Schloßberge sein erstes hl.Meßopfer, welchem eine ungeheure Menge Volkes beiwohnte. Nachmittags waren die Geistlichkeit und die Verwandten und Freunde des Hrn. Primizianten im Gasthause des Hrn. Kraisy zu einem Festmahle versammelt, wo neben der ausgezeichneten Musik, mehrere herzlich Toaste ausgebracht wurden. Eine Primizfeier übt noch immer eine merkwürdige Zugkraft auf das Volk aus, ein Beweis, wie innig Clerus und Volk verwachsen sind. Das Volk erkennt am Priester seinen treuesten Freund und Führer für Zeit und Ewigkeit.

 

Primizfeier des Herrn J. B. Kreitmair von hier (Dachau)
Amperbote vom 23.7.1882

Gestern war unser Markt der Schauplatz einer ebenso großartigen wie erhebenden Feier. Es war dies die Primizfeier des Herrn J. B. Kreitmair von hier. Schon am Vorabend des Festes schmückten sich von der Wohnung des Primizianten bis zum Schlossplatz, wo der Gefeierte sein erstes heiliges Messeopfer abringen sollte, die Häuser mit Girlanden, Kränzen und Fahnen und ein Triumphbogen schöner wieder andere, geschmückt mit Girlanden und sinnigen Sprüchen, erhob sich auf der Straße. Des Abends brachte die hiesige Musikkapelle eine Serenade.
Am Sonntagmorgen um 8:00 Uhr wurde der Herr Primiziant, an der Spitze den hiesigen und fremden Klerus, in feierlicher Prozession mit Kreuz und Fahnen an seiner Wohnung, wo schon vorher die Feuerwehr zur Aufrechterhaltung der Ordnung und der Gesellenverein und in Verbindung mit diesem der Arbeiter-Kranken-Unterstützungsverein zum Zweck des Ehrengeleites sich aufgestellt hatten, abgeholt. Weiß gekleidete Mädchen umringten den Herrn Primizianten beim Austritt aus seiner Wohnung und den ihn begleitenden geistlichen Bruder und übrigen Klerus mit Girlanden und unter festlichem Glockengeläut und Böllerschüssen bewegte sich der Zug durch die geschmückten Straßen. Gewaltig war der Andrang der großen Menschenmenge und demnach löste unsere tüchtige Feuerwehr ihre Aufgabe, die Ordnung aufrecht zu erhalten, glänzend. Als der Menschenstrom so groß wurde, dass es unmöglich schien, den feierlichen Zug ohne Störungen durchzuführen, entwickelten die wackeren Feuerwehrleute blitzschnell ihre langen Seile, verbanden sie und bildeten damit eine Kette, mit welcher sie den ganzen Zug bis zur Feststätte umspannten, so das er sich trotz des kolossalen Menschenandrangs ungestört, ununterbrochen und in musterhafter Ordnung bis zum Festplatz bewegte.
Hier war der Altar mit seiner Front gegen den Markt zu, sinnig geschmückt, an die Schlosswand gestützt, errichtet und durch ein Dach geschützt. Etwas weiter nach vorn zur Linken des Altars auf dem Schlossplatz war eine Kanzel aufgestellt und ihre gegenüber zur Rechten nahm eine gedeckte Tribüne die fremden Herrn Geistlichen, die eingeladenen Herrschaften, die geladenen Gäste und die Verwandten des Herrn Primizianten auf.
Der Bruder des Gefeierten bestieg sodann die Kanzel und nachdem er für sich und das ganze versammelte Volk von dem Primizianten den Segen erbeten, den dieser auch erteilte, sprach er über das heilige Messeopfer als dem ersten und vorzüglichsten Gnadenquell, dem unerschöpflichen Gnadenhorn der katholischen Kirche, aus dem so unendlich viel Heil und Segen sprudele. Als der stimmbegabte Festprediger am Schluss seiner stil- und formgewandten Predigt den Herrn Primizianten aufforderte, bei seinem Erstlingsopfer, die dem Herrn besonders gefielen, der Anliegenden der heiligen katholischen Kirche, des Heiligen Vaters Leo XIII, des hochwürdigen Erzbischofs der Diözese München-Freising, der Klerikal-Seminarien und aller geistlichen Anstalten, aller Freunde und Wohltäter, seinen Verwandten und besonders seines hochbetagten Vaters, der für seine Kinder so viel gesorgt und gearbeitet im Leben, insbesondere aber der verstorbenen Mutter im Gebet zu gedenken, da blieb kein Auge trocken.
Sodann nahm die heilige Messe ihren Anfang und wohnte die versammelte Menschenmenge, die etwa 4000 bis 5000 Köpfe stark gewesen sein mag, der heiligen Handlung bei.
Nach Ende der Feier bewegte sich der Zug zur Pfarrkirche und löste sich dort auf. Um 12:00 Uhr versammelten sich die nächsten Verwandten, die hiesigen und fremden Herrn Geistlichen und sonstige Geladene im sinnig geschmückten Saal des Herrn Kraisy, um den Herrn Primizianten zu einem Festmahl, indem die festliche Stimmung durch die vorzüglichen Leistungen unserer durch einige auswärtige Musiker verstärkte hiesige Musikkapelle gehobenen und manches ernste auf das Fest bezügliche Wort gesprochen wurde. Alle Teilnehmer an dem Fest werden sich sagen müssen, dass sie einem schönen, erhebenden und anregenden Fest beigewohnt haben.

 

Beerdigung des hochwürdigen Herren Pfarrers Georg Riggauer
Amperbote vom 23.2.1889

Vorgestern Morgen um halb 9:00 Uhr wurde die Leiche des hochwürdigen Herrn Pfarrers und Distriktsschulinspektors, Georg Riggauer, unter großer Teilnahme des Klerus des Distrikts Dachau und befreundeter Amtsbrüder, sowie der Beteiligung sämtlicher hiesiger Vereine mit ihren Fahnen, der Behörden und gemeindlichen Korporationen der Marktgemeinde Dachau, denen sich die Einwohner der Marktgemeinde vollzählig anschlossen, unter dem feierlichen Gesang des Klerus und der zahlreich vertretenen, zur Inspektion des Verewigten gehörigen Lehrer zu der würdig gezierten letzten Ruhestätte geleitet.
Dort mischte sich plötzlich das von dem Verschiedenen gestiftete Glöcklein des neuen Krankenhauses in das feierliche Grabgeläut der Kirchenglocken. - Des Glöckleins erster Gruß war seines Stifters Schlummerlied.
Der hochwürdige Herr Dekan Spanaus von Röhrmoos hielt die Trauerrede für seinen Amtsbruder und Freund, mit dem er seit 30 Jahren in Freundschaft, Freud und Leid, verbunden war. Die Charakter- und Herzenseigenschaften des Verewigten hob der Redner noch ausführlicher hervor, als dies in der für den verehrten Dahingeschiedenen in der letzten Nummer des Amperboten gewidmeten Retrologie bereits geschehen war und warf ein glänzendes Licht auf die erfolg- und segensreiche Seelsorgtätigkeit des Verewigten, dem nicht allein die Herzen, sondern auch die Gaben reichlich zugewendet wurden, mit denen er seiner Lieblingsneigung, das Haus des Herrn zu zieren und zu schmücken, nachgehen konnte. Groß sei der Verlust, den die Marktgemeinde Dachau durch das Hinscheiden eines solchen Seelsorgers erleide, groß die Trauer der bekannten und Freunde, der Geschwister und des Bruders.
Aber der Dahingeschiedene, den man heute neben seiner ihm vorausgegangenen Schwester zur Ruhe bette, welcher heute der einzige sei, der gewonnen habe, indem er an den Tag, an welchem das Evangelium den Herrn die Arbeiter im Weinberg auslohnen lasse, des Lebens Schmerz und Bürde abgeworfen habe, um von seinem Herrn und Schöpfer den Lohn für treue Arbeit zu empfangen, werde auch dort seiner teuren Pfarrgemeinde und aller derer fürbittend gedenken, die ihm neben seinem Herzen nahe gestanden.
Nachdem der mit Blumen und Kränzen schwer beladene Sarg hinab gelassen, stimmten die vereinigten Lehrer einen Grabgesang an, dem sich eine Grabmusik, herrlich exekutiert von der Kapelle Keilberth, München/Lüttich anschloss. Mag die Erde aufnehmen, was an dem hochwürdigen Pfarrer Riggauer vergänglich ist, in den Herzen seiner Mitmenschen wird er in dankbarer Erinnerung bleiben und fortleben, bis auch sie dem Staube zerfallen und dann, wie sie hoffen, ihre unsterbliche Seele dort wieder mit ihm vereinigen, wo der Schmerz auf immer vergeht.

Primizfeier in Dachau
Amperbote vom 16.7.1890

Gestern feierte der hochwürdige Herr J. Pichler von hier seine Primiz. Das Haus des Herrn Primizianten sowie die Nachbarhäuser waren festlich geschmückt. Die Straßen, welche der Festzug passierte, zierten Triumphbögen.
Gegen 9:00 Uhr wurde der hochwürdige Primiziant in feierlichem Zug von den Schulkindern und dem hochwürdigen Klerus abgeholt und auf den Schlossplatz geleitet, wo der Altar und die Kanzel sowie Tribünen für die geladenen Gäste errichtet waren. Die freiwillige Feuerwehr hielt die Ordnung in musterhafter Weise aufrecht, die Festpredigt, wie die heilige Messe, sowie der ganze Festakt waren in auffallender Weise vom Wetter begünstigt, obwohl es am Vorabend und bis in die frühen Morgenstunden des Festtages fast unaufhörlich geregnet hatte. Die Begeisterung der Einwohner von hier und der Umgebung war eine verhältnismäßig sehr große.
Der hochwürdige Herr Kooperator Kreitmair, gebürtig von hier, ein Jugendfreund des Primizianten, hielt die Festpredigt. Anschließend an das Sonntags-Evangelium "Hütet euch vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern umherschleichen, innerlich aber reißende Wölfe sind, suchend, wen sie verschlingen könnten", führte derselbe aus, nachdem er den Herrn Primizianten beglückwünscht, dass er nun das langersehnte und erstrebte Ziel erreicht und nun hinaustrete, der Weisung des Herrn an die Apostel folgend: "Gehet hin und lehrt alle Völker im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes", in die Welt, nachdem er sich in Gehorsam und in der Selbstverleugnung lange genug geübt, in die Freiheit, die aber nicht für jeden ein so wünschenswertes Gut sei. Der Prediger verbreitet sich sodann über die wahre Freiheit, die nicht darin besteht, dass jeder tun und lassen dürfe, was er wolle, sondern in der Freiheit von der Sünde, in der Freiheit vom Bösen. Freiheit fordere die Welt, die heutige Jugend. Sie meine jedoch die maßlose Freiheit, welche keine Ordnung, keine Autorität, keine Schranken anerkenne, die selbst das höchste Wesen sich gesetzt habe. Gerade die Sünde ziehe Schranken, beschwere den Menschen wie Sklaverei und beschränke die wahre Freiheit.
Dann ermahnt der hochwürdige Prediger Eltern, Vormünder und alle, deren Obhut die Erziehung der Jugend anvertraut ist, dieselbe vor der maßlosen Freiheit zu bewahren und sie die wahre Freiheit, die in der Enthaltung von der Sünde bestehe, zu lehren. Das Joch der Sünde liege hart auf der ganzen Menschheit und jener Fluch bei dem Sündenfall der ersten Menschen: "Verflucht sei die Erde in deinem Werk; im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis dieser Körper von dir genommen ist", lastet schwer auf der Menschheit. Der fromme Christ füge sich geduldig der Last, die ihm auferlegt, nach dem Beispiel des Heilandes, der als Prediger und das Evangelium verkündend trotz Hitze und Sonnenbrand von Ort zu Ort gezogen sei und selbst dann noch die Kindlein zu sich kommen ließ, als sie die Jünger mit Rücksicht auf die Ermüdung des Meisters zurückweisen wollten. Die Gebote des Herrn seien nicht schwer und wer sie erfülle, lebe in der wahren Freiheit, während die Sorgen und Kümmernisse des Sünders zahlreicher seien, wie die Sandkörner am Meer und die Sterne des Himmels. Darum möge der hochwürdige Herr Primiziant seine Aufmerksamkeit auf die Sünde richten, sie von der Sklaverei der Sünde befreien und sie zu der wahren Freiheit der Kinder Gottes führen, mit den Worten des Heilandes: "geh hin, deine Sünden sind dir vergeben". Leider fehlt uns der Raum, die Festpredigt ganz zu skizzieren.
Unter der Mitwirkung des von Herrn Lehrer Feldigl dirigierten Kirchenchors und einer Abteilung der Musik des schweren Reiterregiments vollzog sich sodann die heilige Handlung des ersten heilige Messeopfers des hochwürdigen Primizianten.
Hierauf versammelte ein gemeinschaftliches Mahl die Geladenen im Hartmann-Saal. Das Haus des Herrn Primizianten war des Abends festlich illuminiert.

Primizfeier von Johann Wittmann
Amperbote vom 7.8.1897

Nächsten Sonntag, den 8. August feiert der Priester Johann Wittmann sein erstes heiliges Messopfer in Dachau. Wir wünschen dem Herrn Primizianten, der, von armen Bahnwärterseheleuten aus Karlsfeld abstammend, während seiner Studienzeit sich recht mühsam und bescheiden durchbringen musste, zu dieser Feier, welche im Freien auf dem Schlossberg stattfindet, eine recht zahlreiche Teilnahme aus nah und fern und laden auch die hochwürdigen Herren Philister und Aktiven der Verbingung "Rhätia" ein, der erhebenden Feier ihres Corpsphilisters beizuwohnen.

 

Empfang von Pfarrer Winhart
Amperbote vom 7. Juli 1898

Gestern Nachmittag gegen 4:00 Uhr kam der hochwürdige Herr Pfarrer Winhart hier an. Die hochwürdige Geistlichkeit, das Magistrats- und Gemeinde-Kollegium der Marktgemeinde und viele Bewohner, nebst der Schuljugend zogen dem hochwürdigen Herrn Pfarrer in feierlicher Prozession entgegen. Nach einer kurzen Begrüßung zwischen dem Herrn Bürgermeister und Vorstellung der Marktgemeinde-Vertretung trugen weißgekleidete Mädchen Begrüßungsgedichte vor, worauf sich der Zug zur Kirche in Bewegung setzte. Dort gilt der hochwürdige Herr Pfarrer eine von Herzen kommende und zu Herzen dringende Ansprache, in welcher er für den schönen Empfang dankte und betonte, dass sein Herzenswunsch sich erfüllt habe, in der Gemeinde als Pfarrer wirken zu können, in welcher er früher gewirkt, und mit welcher Wirksamkeit stets so angenehme und freundliche Erinnerungen an die Liebe und das Vertrauen, welches ihm die Bewohner dieser Pfarrgemeinde entgegengebracht, verbunden gewesen seien. Er werde sich bemühen, seinen Pfarrkindern mit priesterlicher Liebe entgegenzukommen. Er hoffe auf deren Entgegenkommen und Bitte um ihr Gebet, damit er den Pflichten seines Seelsorgeramtes stets nachkommen könne. Des Abends um 9:00 Uhr brachte die Liedertafel Dachau dem hochwürdigen Herrn Pfarrer einen Fackelzug und ein Ständchen.

Primizfeier der hochwürdigen Primizianten J. Göttler
Amperbote vom 11.07.1898

Gestern feierte der hochwürdige Primiziant, Herr J. Göttler von Augustenfeld sein erstes heiliges Messopfer. Die Straßen, durch welche der Herr Primiziant zur Kirche ziehen musste, waren durch Triumphbögen, fast jedes Haus sinnig mit Kränzen geschmückt. Der untere Markt prangte zu Ehren des jungen Priesters im Festgewand. Um 09 Uhr bewegte sich der Zug unter dem feierlichen Geläut der Glocken von der Pfarrkirche nach dem Schlossberg, wo der Altar errichtet war. Die Aufrechterhaltung der Ordnung beim Zug hatte wie sonst auch, die hiesige freiwillige Feuerwehr übernommen, welche die Aufgabe in ebenso musterhafter wie taktvoller Weise löste. Dort angelangt bestieg alsbald der hochwürdige Herr Pfarrer Winhard von hier die Kanzel.

Nachdem der hochwürdige Primiziant den trotz des zweifelhaften Wetters ungemein zahlreichen Festteilnehmern den hl. Segen erteilt hatte, hielt der vorgenannte hochwürdige Herr die Festpredigt. Anknüpfend and die Worte des lieben Heilandes in der Bergpredigt: "Mich jammert des Volkes!" und die Stimmung der Tausende von Menschen mit einigen Broten und Fischen, entwickelte der Redner in großen Zügen und in formvollendeter Weise das Bild der allzeit Gnade und Segen spendenden Kirche. Wie Tausende dem lieben Heiland gefolgt seien auf den Berg, um seinen Worten zu lauschen, so seien auch heute Tausenden gekommen, um dem erhabenen Schauspiel beizuwohnen, wo ein neuer Arbeiter eingestellt werde im Weinberg des Herrn, ein junger Priester sein erstes hl. Messopfer darbringe. Das gleiche Bedürfnis nach Gnade und Segen, welches die Tausende dem lieben Heiland folgen ließ, hätte die Gläubigen heute hierher geführt.
Der Redner zeigt den Zuhörern sodann den segnenden Heiland, wie in Liebe und Mitleid zu den Menschen kommen ließ, um Segen und Liebe von der Krippe bis zum Schächer am Kreuz auszuspenden. Wie er für jeden Stand und jedes Alter in liebevollster Weise gesorgt. Wie er durch seinen Tod neues Leben der Welt gegeben. Und all` seine Lebensfülle und all` seine Segenkraft habe er seinen Nachfolgern überlassen. Diese Nachfolger und zugleich Diener Jesu Christi seien die Bischöfe und Priester. In ihnen sende er Schnitter in seine Ernte, welche berufen seien zu arbeiten in heiliger Liebe für das Volk, auszuspenden seinen Segen, seine Gnaden, beginnend am lallenden Kinde bis zum Greis im Silberhaar. Diener Jesu Christ zu sein und Ausspender seiner Gnaden sei ein hoher, heiliger Beruf, welcher Tausende der hervorragendsten und größten Männer angefeuert habe hinaus zu ziehen in die unwirtlichsten Gegenden, um dort das Evangelium Christi zu verkünden. Dem Volk in hl. Liebe beistehend von der Wiege bis zum Grab. Unermüdlich, unverdrossen. Ein letztes Tagwerk, es sei sein schwerstes. Er solle den scheidenden Geist hinüberführen in`s Jenseits, damit er mit dem lieben Heiland sagen könne: O Herr, die du mir anvertraut hast, keiner ist verloren gegangen.
Anknüpfend an den Namenspatron des Herrn Primizianten, den hl. Josef und den hiesigen Kirchenpatron, den hl. Jakob, zeigt der hochwürdige Redner, dass Priester und Volk zusammengehören. Jede Trennung sei unnatürlich, da sie nur den Feinden der Kirche Freude bereite, welche da sagen: Ihr versprecht uns einen Himmel im Jenseits; wir wollen nicht arbeiten im Ewigen, ohne ins Zeitliche hinein zu greifen. So sei Gesittung und Kultur ausgegangen von der Kirche, aus der stillen Klosterzelle habe die Wissenschaft ihre Wanderung angetreten in die Welt. Die würdigsten Vorbilder fand die Kunst in den Kirchen und ihren Kunstschätzen. Wir können die herrlichen Worte des Redners mit Rücksicht auf den Raum nur kurz skizzieren.

Nach beendigter Predigt brachte der Hochwürden Herr Primiziant sein erstes hl. Messopfer dar. Ein Gesangs- und Musikchor erhöhten die Feier. Nach der Wandlung empfingen die Verwandten des Primizianten aus dessen Hand die hl. Kommunion. Abgesehen von einigen kurzen Regengüssen, hielt sich das Wetter wider Erwarten gut.

 

Spendung der heiligen Firmung
Amperbote vom 28.03.1900

Die Spendung der hl. Firmung wird seine Excellenz der hochw. Herr Erzbischof von München-Freising, Dr. v. Stein an folgenden Tagen und Orten vornehmen:
Am 2. Mai in Dachau für die Pfarreien Ampermoching, Bergkirchen, Dachau, Hebertshausen, Kollbach, Kreuzholzhausen, Mitterndorf und Pellheim.
Am 3. Mai in Dachau für die Pfarreien Giebing, Haimhausen, Röhrmoos und Vierkirchen, Asbach, Obermarbach und Petershausen, Oberroth und Schwabhausen.
Am 5. Mai in Indersdorf für die Pfarreien Arnbach, Hirtlbach, Indersdorf , Langenpettenbach, Niederroth, Weichs, Westerholzhausen und Großinzemoos.
Am 7. Mai in Altomünster für die übrigen Pfarreien des Dekanats Sittenbach.
Am 8. Mai in Scheyern für die Pfarreien des Dekanats Scheyern mit Ausnahme von Asbach, Obermarbach und Petershausen, sowie für die Pfarrei Hohenkammer des Dekanats Dachau.

 

Kirchenglockenbeschlagnahme im Jahr 1918
Amperbote vom 28.08.1918

In Sachen Kirchenglockenbeschlagnahme wird den Verwaltungen empfohlen, in geeigneten Fällen Protest zum Reichsschiedsgericht einzureichen. Besonders über die Höhe der Entschädigung! - Das skandalöse Missverhältnis zwischen Arbeitsleistung der Abnehmer und den festgesetzten Gebühren ist aus der letzten Abnahme noch in aller Erinnerung. - Wie ist es denn bei der Blitzableiterabnahme wieder? Unseres Wissens ist vom Reich voller Ersatz der Kosten zugesichert! Was hat man aber daraus gemacht, aus dem vollen Ersatz! Da wird für das Kilo abgelieferten Draht eine bestimmte Summe angeboten. Punktum basta! Und wenn`s nicht genügt, wenn man nachweislich das Dreifache an Kosten aufzuwenden hat für einen, um höflich zu bleiben, "mageren" Ersatz, dann heißt es in Berlin kurz: Ja, das schreibt halt zu Euren Kriegskosten! Als ob nicht jedes gezahlt werden müsste, als ob nicht jede sich zahlen ließe! So ist nicht gewettet! Es regen sich Stimmen der Entrüstung. Wenn sie sich mehren, dürfte es wohl gehen wie mit der Oberkleiderabgabe, man wird eben auch dem Wunsch des Volkes sich fügen, das eine nach allen Seiten gerechte Regelung verlangt!

 

Zum Tod unseres Pfarrerherrn Taubenberger
Amperbote vom 31.10.1931

Nun hat sich die Erde über den sterblichen Überresten unseres beliebten Pfarrerherrn geschlossen und allen Teilnehmern wird das imposante Leichenbegängnis des hochwürdigen Herrn Geistlichen Rates Taubenberger in dauernder Erinnerung bleiben. Wir sind heute in der Lage, zu unserem gestrigen Bericht über die Trauerfeier am Grab noch einen ergänzenden Nachtrag zu bringen.

Als Vertreter hiesiger Behörden nahmen an der Trauerfeier ferner noch Teil: Herr Amtsgerichtsvorstand Böhngen, Herr Bezirks Arzt Dr. Hingsamer, Herrn Bahnvorstand Rohrmüller und Herr Zollinspektor Haas. Außer der hochwürdigen Geistlichkeit des Dekanates und des Bezirkes Dachau, die fast vollzählig vertreten war, ließen es sich hochwürdige Herren auch aus Pfarreien außerhalb unseres Bezirkes nicht nehmen, ihrem Amtsbruder das letzte Geleit zu geben, so aus Schleißheim, Allach, Ismaning und Olching, von wo neben dem Pfarrerherrn auch der Neffe des Verstorbenen, Hochwürden Herr Kooperator und Chorregent Johann Taubenberger zur Beerdigung herbeigeeilten waren. Es nahmen an dem Leichenbegängnis ferner noch Teil Hochwürden Herr Monsignore Wittmann aus München-Haidhausen, und Monsignore Murböck, München. Vor allem aber waren es die ehemaligen Kooperatoren, die zum weitaus größten Teil aus allen Teilen Oberbayerns gekommen waren, ihrem ehemaligen toten Pfarrerherrn und Führer die letzte Ehre zu erweisen.
Neben Hochwürden Herrn Pfarrer Sebastian Rieger, der für die ehemaligen Kooperatoren einen Kranz niederlegte, waren erschienen: Stadtpfarrer Dr. Muhler, München-St. Andreas; Stadtkaplan Esterbauer, München-St. Andreas; Katechete Fischer, München-St. Rupert; Katechete Haslwimmer, München-St. Rupert; Kurat Franz Xaver Meisl, München - Harlaching; Benefiziat Korbinian Westermaier, Siegertsbrunn; Pfarrer Josef Bauer, Rottbach; Kooperator Josef Kandler, Gräfelfing; Kaplan Heribert Stadler, Unterföhring; Direktor Kothieringer, Fürstenried. - Ihnen schlossen sich an die aus der Pfarrei Dachau gebürtigen Hochwürden Herr Geistlicher Rat Pichler aus Moosburg, Benefiziat Märkl aus Frauenhofen, Subregens Dr. Westermayr aus Freising und Pfarrer Sturm aus Schwaben, sowie der Bruder des Herrn Schneidermeister Wexelberger, Frater Wolf Beileidskundgebungen sind unter anderem erfolgt von Hochwürden Herrn Oberstudienrat geistlicher Rat Heinzinger, der an der Teilnahme am Leichenbegängnis verhindert war, ebenso von den beiden ehemaligen Dachauer Kooperatoren Hochwürden Herrn Weichselgartner und Arnold aus Kranzberg, ferner von Herrn Hochschulprofessor Holzheu aus Freising, Herrn Regierungsrat Winkler aus der Rothschwaige und Herrn Stadtrat Gerstl aus München.
Der katholische Arbeiterverein Bruckmühl, dessen Gründer und erster Präses der Verstorbene war, war ebenfalls mit Fahne und einer Abordnung erschienen, um Hochwürden Herrn geistlichen Rat auf seinem letzten Weg zu geleiten. Das offene Grab waren mit Kirschlorbeerbäumchen aus dem Gartenbaubetrieb Heinrich Rhein geschmückt, der auch das Material für den prächtigen von Herrn Pfarrmesner Grahamer mit erteilten Katafalk in der Pfarrkirche lieferte. Edellorbeer- und Kugelbäume, Pyramiden, Hortensien und Edelfarne gaben der mit den priesterlichen Insignien geschmücktem Bahre ein ungemein feierliches Aussehen. Den ganzen Nachmittag über wurde das Grab des Pfarrerherrn besucht und es wird wohl manches Gebet für den Verstorbenen an seiner letzten Ruhestätte zum Himmel empor gestiegen sein. Die vielen Kränze mit ihren Schleifen decken das Priestergrab vollständig zu. An Widmungen sind auf den Schleifen zu lesen:"Ihrem treubesorgten Pfarrerherrn in Dankbarkeit / katholische Kirchenverwaltung Dachau"; "Letzter Gruß / Gemeinderat Dachau"; "Letzter Gruß / Lehrerschaft der Knaben- und Mädchenschule Dachau"; "In Dankbarkeit die 7. und 8. Knabenklasse"; "Seinem lieben tatkräftigen Vorstand gewidmet vom katholischen Kirchenbauverein St. Jakob Dachau"; "Unserem verdienten Förderer / katholischer Kirchenbauverein Unterer Markt"; "Unserem unvergesslichen Führer in Dankbarkeit gewidmet / Kartell der katholischen Vereine Dachau"; "Unserem lieben geistlichen Beirat / katholischer Frauenbund, Mariannische Kongregation, weiblicher Jugendverein"; "Ihrem verehrten geistlichen Beirat die katholische Elternvereinigung"; "Unserem hochverdienten Gründer und Vorsitzenden / Verein katholisches Gesellschaftshaus"; "Gewidmet Pfarrgemeinde Kirchdorf a. H." (von Herrn Pfarrmesner Grabichler für die ehemalige Pfarrei des Verstorbenen niedergelegt) und einen Kranz mit der Aufschrift "Franziskaner-Leistbrauerei". Während der Zeit in der Hochwürden Herr geistlicher Rat Taubenberger im Leichenhaus aufgebahrt lag, haben viele seiner Pfarrkinder ihm noch einen letzten Besuch abgestattet. Im Laufe des Dienstags tauchte verschiedentlich die Meinung auf, unser Pfarrherr könnte vielleicht nur im Starrkrampf liegen, da sein Tod unerwartet plötzlich kam. Herr Bezirksarzt Dr. Hingsamer nahm deshalb abends im Leichenhaus noch eine eingehende Untersuchung des Herzens und einen Fersenschnitt vor. Die amtsärztliche Untersuchung bestätigte die Meinung, unser Pfarrherr könnte vielleicht noch leben, leider nicht. Seine Augen öffneten sich nicht mehr, des Pfarrerherrn Herz hatte endgültig aufgehört zu schlagen. Unter Blumen und Kränzen ruht nun unser verdienter Pfarrherr Taubenberger aus von seinem arbeits- aber auch erfolgreichen Leben. Länger aber wie die Blumen auf dem Grab, die Beweise der Achtung und Wertschätzung sind, wird die Liebe zum Verstorbenen in den Herzen seiner Pfarrkinder dauern.

Primizfeier von HH.Wilhelm Bayerl in Dachau
Amperbote vom 14.5.1935

Die katholische Pfarrgemeinde Dachau feierte allgemeiner Teilnahme am gestrigen Sonntag die Primiz eines Sohnes der Stadt Dachau, des Hochwürden Herrn Primizianten Wilhelm Bayerl, der vor acht Tagen in Freising mit der Priesterweihe zu seinem künftigen hohen Amt berufen wurde.
Viele Häuser der Stadt hatten Festschmuck angelegt und vor dem Pfarrhof stellte sich der Zug der Vereinsfahnen, weiß gekleideten Mädchen, der ehemaligen Schulkameraden, des Kirchenverwaltungsrates, der Geistlichkeit Dachaus und Umgebung auf, um den Neupriester an der elterlichen Wohnung abzuholen, wo sich inzwischen auch die Verwandten und Bekannten eingefunden hatten. Ein Triumphbogen mit der Inschrift "Heut'ist diesem Haus Heil widerfahren" zierte den Eingang zum Elternhaus in der Burgfriedensstraße, wo ein weiß gekleidetes Mädchen, die kleine Primizbraut (Rauffer), den Hochwürden Herrn Primizianten begrüßte. Die Burgfrieden- und Augsburgerstraße, durch welche sich der Zug zur Stadtpfarrkirche bewegte, war stellenweise von dichten Menschenmassen umsäumt.

Bis auf den letzten Platz gefüllt war die Pfarrkirche, als unter dem Jubelgesang des Kirchenchores der Primiziant seinen Einzug hielt. Pfarrmesner Grahamer ist bekannt dafür, dass er zu festlichen Gelegenheiten der seiner Obhut anvertrauten Pfarrkirche auch ein festliches Kleid gibt. Zur gestrigen Primiz aber will scheinen, als ob er sich im Schmuck des Gotteshauses noch übertroffen hätte. Der Hochaltar mit der Maienkönigin war mit einer verschwenderischen Pracht aus der Gärtnerei Rhein geziert, Blattpflanzen umrahmten das ganze Presbyterium und grüne Kränze mit Schleifen in den Kirchenfarben zierten die Kirchenwände, Buchsbaumgirlanden schmückten die Kanzel.
Der Pfarrherr von Mitterndorf, Hochwürden Herr Pfarrer Eicher, betrat die Kanzel, seiner Festpredigt das Heilandswort vorauszustellen: "Nicht Ihr habt mich erwählt, sondern Ich habe euch erwählt und bestellt, dass Ihr hinausgeht und Früchte bringt und Eure Frucht bleibe". Wie in der Natur das Licht, so führte er aus, so sei im Reich der Seele die Freude diejenige Kraft, die Leben schafft. Diese Freude aber habe sich am reinsten übertragen im Herzen eines Neupriesters, mit dem sich alle Gläubigen freuen. Tief bewegt und bot er dem Primizianten im Namen aller die herzlichsten Glückwünsche, das er sein Ziel, den Priesterstand, erreicht hat. Im weiteren Verlauf ging der Prediger mehr ein auf das Verhältnis zwischen Priestertum und Volk. Nicht Menschenwerk sei das Priestertum, sondern vom Heiland selbst eingesetzt als Wahrerin seiner Kirche. Der Priester Gottes sei Diener am Wort Gottes, das er von der Kanzel, der Säule und Grundfeste der Kirche, herab dem Volk künde. Der Priester sei weiter der Verwalter der Göttlichen Gnaden und stehe als solcher als Mittler zwischen Gott und den Menschen. Als wohlmeinendster Freund des katholischen Volkes sei der Priester der Hirte der Gläubigen. In mahnenden Worten bat Hochwürden Herr Pfarrer Eicher die Gläubigen, Vertrauen zum Priester zu haben, der nicht seine eigene Ehre zu mehren trachte, sondern nur das Wohl der ihm anvertrauten Seelen zu fördern. Das katholische Volk möge auf seine Priester hören und möge für sie beten, dass sie die Kraft finden, ihre schwierige Aufgabe zu erfüllen.

Dann war der Augenblick gekommen, an dem der Neupriester am Altar seiner Heimatskirche das heilige Messeopfer zum ersten Mal feiern sollte. Als Diakon diente ihm der zweite Primiziant des Dachauer Bezirkes, Hochwürden Herr Lamprecht von Riedenzhofen, der am kommenden Sonntag in Röhrmoos sein erstes Messeropfer feiert, und ihm der Neupriester Bayerl als Diakon die gleichen Dienste leisten wird. Unter Chordirektor Ritthalers Leitung führte der Kirchenchor die Rheinberger Messe auf. Mit Andacht folgte alles der heiligen Handlung, mächtig brauste der Gesang des "Großer Gott wir loben Dich" durch die Kirche und dann erteilte der Neupriester dem gläubigen Volk freilich seinen Primizsegen.

Die Fahnen der Vereine, Kirchenverwaltung, Schulkameraden, weiß gekleidete Mädchen, die Geistlichkeit, die kleinen Mädchen, die mit grünen Kränzen den Primizianten und die kleine Primizbraut begleitet hatten, geleiteten ihn wieder aus der Kirche zu Pfarrhof. Das Mittagsmahl, zudem eine größere Anzahl Gäste erschienen war, wurde im Gasthaus Kraisy eingenommen. Der Kraisysaal war hierzu aufs schönste geschmückt worden. Gastwirt Dandl und Gattin hatten keine Mühe gescheut, um ein festliches Mahl zu bereiten. Während desselben ergriff Hochwürden Herr Pfarrer Eicher nochmals das Wort, einem alten Brauch Folge zu leisten, wonach der Primizprediger auch die Tischrede hält. Er erklärte zunächst die Ursache, warum gerade er die Predigt des Primiztages gehalten habe. Als junger Student sei der heutige Neupriester in den von ihm als Präses damals betrauten katholischen Jugendverein Dachau gekommen. In unterhaltender Form schilderte er dann die schönen Stunden jener Zeit, die eine enge Verbundenheit zwischen Präses und dem jungen Studenten brachten. Zwischen der aufklingenden Erinnerung stand die Schilderung des langen Weges, den der junge Student gehen musste, bis er sein Ziel erreichte. Die kurze Rede schloss mit einem auf den Primizianten ausgebrachten Hoch.

Später kam eine reizende Gruppe kleiner Mädchen, die kleine Auer und Wölfel mit der reizenden Primizbraut Rauffer, die auf einem Kissen die Myrtenkrone trug, sprachen reizende Verschen und entboten so aus Kindermund dem jungen Geistlichen ihre Glückwünsche. Ebenso hübsch war der Vortrag eines Gedichtchens durch die kleine Martha Zwillsperger, die ohne Lampenfieber entzückend ihr Sprüchlein sagte. Nachdem noch zwei größere Mädchen Verse, darunter eines mit Erinnerungen an die Kindheitszeit des Primizianten, gesprochen hatten, sagte noch der kleine Heinzinger-Bub ein Gedicht auf. Die ganze mittägliche Feier war umrahmt von musikalischen Darbietungen einer kleinen Kapelle: Berkau, Zwillspeter, Zenkel, Salvermoser, die fleißig gute Musik bot.
Zur Nachmittagsandacht hatte sich die Pfarrkirche nochmals gefüllt, der Primiziant der bereits diese Woche, am 16. Mai, seinen ersten Posten in Frasdorf im schönen Chiemgau antreten wird, erteilte nochmals seinen neupriesterlichen Segen. Damit klang die schöne Primizfeier in Dachau aus.

"Er gibt sein letztes Hemd für die Armen!"
Pfarrer Benno Märkl 40 Jahre Seelsorger
Dachauer Nachrichten vom 28.07.1953

Dachau - Zu einer besonders innigen Feier gestaltete sich das 40jährige Priesterjubiläum von Pfarrer Benno Märkl. Der Jubilar, ein geborener Purtlhofer (Ampermoching), blieb all die Jahre seiner Abwesenheit treu mit der Dachauer Heimat verbunden, obwohl ihn seine berufliche Ausbildung schon früh von hier fortführte. Am 29. Juni 1913 wurde er im Dom zu Freising zum Priester geweiht. An seine Primiz auf dem Dachauer Schlossplatz können sich die alten Dachauer noch sehr gut erinnern. An diesem herrlichen Sommertag waren die Leute aus nah und fern zu Tausenden gekommen. Bis zur Investitur des Jubilars in Sünzhausen führte ein weiter Weg, der ihn zunächst nach Kleeberg (Passau) als Schlossgeistlicher führte, dann nach Mettenheim, Velden, Neufraunhofen, Haunzenbergersöll und Palling. Pfarrer von Sünzhausen wurde er schließlich am 5. September 1939.

Seit dieser Zeit erfreut er sich in seiner neuen Heimat großer Wertschätzung. "Unser Pfarrer gab sein letztes Hemd für die Armen", sagt man dort und in Dachau spricht man nicht viel anders von ihm. Das zeigte so recht die Feier am letzten Sonntag. Man hatte ihm zu Ehren in der Dachauer Stadtpfarrkirche die Mozart-Messe aufgeführt und den Gottesdienst besonders festlich gestaltet. Der kirchlichen schloss sich eine weltliche Feier bei seinen Verwandten im Gasthaus "Zwingereck" an. Bis auf den letzten Platz war die alte Dachauer Gaststätte besetzt. Lustige und ernste Reden würzten das Mahl, Kinder brachten Prologe und Prälat Pfanzelt schilderte das Leben von Pfarrer Märkl. Der Jubilar dankte für die vielen kleinen Aufmerksamkeiten, die ihm von seinen Dachauer Verwandten und Bekannten erwiesen wurden, vor allem auch den Veranstaltern der Jubelfeier. Dafür zeichnete in erster Linie Stadtrat Burghart verantwortlich, der nur bedauerte, dass man nicht länger Zeit zur Vorbereitung hatte. "Aber es war auch so sehr eindrucksvoll", das wurde ihm vom Jubilar in seiner Ansprache bestätigt. Der Jubilar bat die Anwesenden, treu zum Glauben zu halten. Er wies auf die Schwierigkeiten hin, die heutzutage im Priesternachwuchs bestehen und bat die Eltern, die gute alte Art von früher, wo man geeignete Söhne "geistlich studieren" ließ, weiter zu pflegen. Leider musste die Feier etwas früher als vorgesehen beendet werden, da den Jubilar berufliche Pflichten wieder in seine Heimatpfarrei zurückriefen. Die Dachauer Urlaubstage und die Jubelfeier, zu der sogar sein Haus in der Burgfriedenstraße festlichen Schmuck angelegt hatte, werden ihm und allen Beteiligten in steter Erinnerung bleiben.

Ein Leben voll Güte und Hilfsbereitschaft
Prälat Friedrich Pfanzelt 25 Jahre in Dachau
Festabend im Schlosssaal
Donnerstag/Freitag, den 16./17. Juni 1955

Dachau -Morgen, Freitag 17. Juni, werden es 25 Jahre, seitdem Prälat Friedrich Pfanzelt in Dachau weilt and die hiesige Pfarrei betreut. Am 17. Juni 1930 verließ er seine damalige Pfarrei in Olching und folgte einem Ruf seines kirchlichen Oberhirten, der ihn für die damals verwaiste Pfarrei Dachau vorgesehen hatte. In all diesen Jahren hat sich die segensreiche Arbeit des Pfarrherrn ausgewirkt.
Als an diesem 17. Juni 1930 nachmittags gegen 5 Uhr der neue Pfarrherr seinen Einzug in Dachau hielt, war der Markt in heller Aufregung. St. Jakob war damals noch die einzige Kirche des Marktes. Bei der Übernahme der Pfarrei wurde dem neuen Pfarrherrn von seinem Oberhirten als vordringlichste Aufgabe die Lösung der Kirchenbaufrage in Dachau aufgetragen. Nach der feierlichen Einführung und der religiösen Feier in der Kirche, an der mit den katholischen Vereinen auch die Bevölkerung zahlreich teilnahm, brachten am Abend die Vereine dem neuen Seelsorger vor dem Pfarrhaus nochmals eine besondere Huldigung. In bewegten Worten dankte damals der Priester, der den Dachauern noch ein Unbekannter war, für die herzliche Aufnahme. Pfarrer Pfanzelt hatte mit der Seelsorge in Dachau keine leichte Aufgabe übernommen. Arbeitslosigkeit und Elend herrschten und die politischen Gegensätze brachten viel Streit unter die Dachauer Bevölkerung.
Dass er in all den bewegten Jahren vor, in und nach dem 2. Weltkrieg immer wieder den Friede in seiner Pfarrei bewahren konnte, verdankte der Geistliche seinen hohen menschlichen Qualitäten. Er war immer der Verstehende und Helfende, ohne dabei die Belange der Kirche zu übersehen. In diesen nunmehr 25 Jahren, mit ihrer wechselvollen Geschichte ist Prälat Pfanzelt eine der markantesten Persönlichkeiten Dachaus und des ganzen Landkreises geworden.
Seine Verdienste um die Stadt, vor allem in der schweren Zeit von 1945, kamen der ganzen Bevölkerung ohne Unterschied von Stand und Konfession zugute. Sie waren u. a. auch der Grund zu der hohen Auszeichnung, die ihm von Rom aus zuteil wurde: Die Ernennung zum päbstlichen Hausprälaten, eine Ehrung, die für gewöhnlich nur wenigen Priestern zuteil wird. Vor allem sein unerschrockener Einsatz für die KZ-Häftlinge aller Nationen hat seinen Namen weit über Dachau und Bayern hinaus bekannt gemacht. Vorher aber schon hat der Pfarrherr die im bei der Übernahme der Pfarrei aufgetragene Aufgabe des Kirchenneubaus glänzend gelöst.
Am 18. Juni 1933 wurde die Kirche von St. Johann in der unteren Stadt eingeweiht. Im Jahre 1937 wurde das Gotteshaus in Augustenfeld gebaut und St. Peter geweiht. Neben diesen beiden Neubauten galt seine größte Sorge auch der altehrwürdigen St.-Jakobs-Kirche. Im Jahre 1930 erhielt sie ein neues Geläut, das erstmals am Christi-Himmelfahrts-Tag erklang. Die Glocken fielen dem Krieg zum Opfer und mussten 1942 abgeliefert werden. Im Jahre 1949 wurde dann das neue Geläut, diesmal Euphonglocken, beschafft und am 18. Dezember feierlich eingeweiht. Die Pfarrkirche, deren Inneres ebenfalls einer gründlichen Erneuerung unterzogen wurde, erhielt im vergangenen Jahr auch äußerlich einen neuen Anstrich. Aber nicht nur dem kirchlichen, auch dem öffentlichen Leben gegenüber zeigte sich Prälat Pfanzelt stets aufgeschlossen und hilfsbereit. Siedlungen und Vereine zahlten ihn bei ihren Festlichkeiten zu ihrem Gast. Erst, im vergangenen Jahr segnete der Prälat hoch zu Rosse einen festlichen Umzug der Pferde und Fahrzeuge. Die Grundsteinlegung der Kirche Dachau-Süd nahm er ebenfalls vor. Ungenannt aber sind die vielen Fälle, wo er Notleidenden geholfen hat, sie mit Wort und Tat über schwere Stunden hinwegführte und sie so am Leben nicht verzweifeln ließ. Anerkennung seiner segensreichen Arbeit in Dachau durch den Staat war die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes im vergangenen Jahr. Die Pfarrgemeinde Dachau wird aus Anlass seines 25jährigen Pfarrjubiläums am Samstag, 2. Juli, um 20 Uhr, im Schlosssaal einen Festabend veranstalten und am Sonntag, 3. Juli, vormittags 9 Uhr, Prälat Pfanzelt im feierlichen Zug zur Kirche zum Festgottesdienst geleiten. Weihbischof Dr. Johannes Neuhäusler wird dabei die Festpredigt halten.

Der Pfarrhof ist jetzt verwaist
Prälat Friedrich Pfanzelt nach St. Jakob und zum Friedhof überführt
Dachauer Nachrichten vom 11.09.1958

Dachau - Trauer liegt über der Stadt und dem Landkreis Dachau. Nicht nur die vielen Freunde, Confratres und engsten Mitarbeiter des Prälaten waren im Innersten getroffen vom Tod des Stadtpfarrers von St. Jakob, sondern auch die Menschen, die abseits der Kirche stehen oder eine neutrale Stellung zu ihr einnehmen. Überall, wo Menschen zusammenkamen, sprach man nur vom Prälaten und seinem so überraschenden Tod. Da eine Heimatzeitung zu den Persönlichkeiten im Landkreis, die an exponierter Stelle stehen, ihr besonderes Verhältnis hat, und gerade auch die "Dachauer Nachrichten" dem Prälaten, wenn er sich an die breite Öffentlichkeit wenden wollte, Platz in ihren Spalten gab wie erst kürzlich beim Aufruf zur Wallfahrt nach Altötting, nahmen wir persönlich von dieser Priesterpersönlichkeit stillen Abschied.
Dachauer geben ihren Prälaten nicht her."
Ein Pensionist gab offen zu: "Als ich gehört habe, daß der Prälat tot sei, da habe ich geweint wie ein kleines Kind. In früheren Jahren hatte ich mich mit ihm oft gehackelt, aber eines Tages da bot mir der Prälat das "Du" an und seitdem waren wir Freunde." "Man musste ihn schätzen" Es hat wirklich nichts mit Rührseligkeit zu tun, wenn wir berichten, daß in Dachau am Dienstag in vielen Häusern sich die Menschen ihrer Tränen nicht geschämt haben. Der Prälat vertrat seine Auffassung ohne Einschränkung, deswegen achteten ihn selbst Gegner.
Man trauert, weil ein wirklicher Mensch von uns gegangen ist. Kaum daß der Tod diesen Priester von dieser Welt abberufen hatte, bekannten viele, daß Friedrich Pfanzelt oft in den eigenen Geldbeutel gegriffen habe, um schnell finanziell zu helfen. Ein Zeitungsträger berichtete uns: "Er hat mir geholfen, eine neue Existenz aufzubauen." So sah man gerade am Dienstag bei der Überführung in die Kirche sehr viele einfache Menschen, die mit ganzem Herzen den Rosenkranz mitbeteten. Eine Bäuerin meinte schlicht nach der Einsegnung: "Den Prälaten hat die Mutter Gottes geholt, weil er am 8. September, dem Tag Maria Geburt, gestorben ist."
Als man den Toten zum Friedhof brachte, gingen hinter dem Sarg die nächsten Angehörigen, davor eine Anzahl von Priestern aus dem Landkreis, sowie hinter der Bahre die Geistlichkeit aus der Stadt Dachau, ferner Dachaus erster Bürgermeister, der Kirchenpfleger, Stadtrat Burghart, Kreisrat Bachinger sowie verschiedene Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und die Schwestern, denen sich eine große Zahl von betenden Frauen angeschlossen hatten. Wuchtig klangen die Glocken über die Stadt zur Ehre des toten Prälaten.

Morgen wird Prälat Pfanzelt beerdig!
Die Ordnung in der Kirche, beim Trauerzug und auf dem Friedhof
Donnerstag, 11. September 1958

Dachau - Das Seelenamt für Prälat Pfanzelt morgen, Freitag, 9 Uhr, in der Stadtpfarrkirche St. Jakob, wird Domdekan Prälat Buchwieser zelebrieren. Die Beerdigung und Predigt hält Domkapitular Anton Maier. Nach dem Amt bewegt sich der Trauerzug von St. Jakob über die Augsburger- und Gottesackerstraße zum alten Friedhof. Die Ordnung des Zuges ist wie folgt: Kreuzträger, Abordnungen der Oberschule und Volksschule, die Knabenkapelle, dann die Banner und Fahnen der Vereine (ohne ihre Mitglieder). Es folgen die Ordensschwestern, die Lehrerschaft, die Honorationen aus Stadt und Land. Danach gehen die Ministranten vor der Geistlichkeit und den Angehörigen des Prälaten. Die übrigen Gläubigen schließen sich dem Zug an. In der Kirche selbst ist die ganze rechte Seite bis zur Empore und der linke Sitzblock bis zum Quergang für die Angehörigen und Freunde des Prälaten und Vertreter der kirchlichen und weltlichen Behörden frei zu halten. Um das Grab herum auf dem Friedhof wird ebenfalls ein Teil für die Teilnehmer am Trauerzug freigehalten. Die Geistlichkeit von St. Jakob und der Kirchenpfleger bitten im Interesse eines würdigen Verlaufs der Beerdigungsfeierlichkeiten, sich an die Anordnungen zu halten.

 

Vom Bauernhof nach St. Jakob
Papst Johannes XXIII. bestätigt Johann Jäger als neuen Stadtpfarrer
Dachauer Nachrichten vom 31.12.1958

Dachau - Johann Jäger, der neuernannte Stadtpfarrer von St. Jakob in Dachau, wurde am 6. November 1907 als Sohn hoch-ieachteter Bauerneheleute in der Pfarrei Palling im Chiemgau geboren. Er wuchs mit noch zwölf Geschwistern wohlbehütet auf dem väterlichen Hofe auf. Der talentierte Junge, der schon frühzeitig den Drang zum Priestertum in sich verspürte, kam in jungen Jahren bereits nach Freising zum Studium, wo er das humanistische Gymnasium besuchte und später in das Klerikalseminar übertrat. Am 29. Juni 1933 wurde er zum Priester geweiht. Drei Jahre verbrachte Johann Jäger in der Großstadtseelsorge, und zwar bei Herz-Jesu in München-Neuhausen und in St. Maria in Pasing. Bereits nach drei Priesterjahren wurde dem jungen Geistlichen die Landpfarrei Kay im Dekanat Tittmoning übertragen, in der er sehr segensreich über 22 Jahre lang wirkte. Kay ist eine der wenigen Pfarreien in unserer Erzdiözese, auf der der jeweilige Pfarrherr die Ökonomie noch selbst betreibt; der Pfarrhof ist zugleich Bauernhof. Pfarrer Jäger bewirtschaftet mit seinem Bruder zu Kay einen Hof mit 140 Tagwerk. Der Pfarrhof selber liegt inmitten der Widdumsgründe abseits vom Dorfe.
Aus einer bäuerlichen Familie hervorgegangen, hängt Pfarrer Jäger mit Leib und Seele an seiner Landwirtschaft, seinem Vieh und seinem Stall; aber zugleich ist er ein allseits geschätzter und in seiner Gemeinde hochangesehener Priester, dem zugleich die Jugendseelsorge im Dekanat Tittmoning übertragen wurde. Nun hat ihn sein Bischof beim Heiligen Stuhl für die verwaiste Stadtpfarrei St. Jakob in Dachau vorgeschlagen. Dieser Tage traf von Rom die Bestätigung ein: Eine wunderbare Pergamenturkunde besagt, dass Papst Johannes XXIII. zur Ernennung des Pfarrers von Kay als Pfarrherr von Dachau sein Einverständnis erteilt. Die Urkunde selbst ist vom Kardinal Tedeschini unterzeichnet. Nun wird sich der Pfarrer von Kay bald von seiner bisherigen Gemeinde, zum großen Leidwesen seiner 900 Pfarrkinder, trennen müssen, denen er sogar eine Zeitlang auch Bürgermeister war. Er wird mit seiner Schwester Theres, die ihm bereits bisher den Haushalt geführt hat, nach Dachau übersiedeln und im Laufe des Januar 1959 hier eintreffen, um sich künftig ganz den 12 000 Seelen der ehrwürdigen St.-Jakobs-Pfarrei in Dachau zu widmen. Pfarrer Jäger gilt als aufgeschlossener, würdiger und frommer Priester; er wird sicherlich ein beliebter Seelsorger auch in Dachau werden. Die bischöfliche Investitur findet am 5. Januar, die feierliche Installation am 1. Februar des neuen Jahres statt.
Josef Burghart, Kirchenpfleger