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Alte Zeitungsberichte aus dem Pfarrleben von DACHAU
Recherchiert von Hubert
Eberl, Bergkirchen
http://home.arcor.de/hubert1112.eberl/zeitung/index.htm
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Jahr
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Ereignis |
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Bericht
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1882
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Primizfeier des Herrn J. B. Kreitmair - Amperbote vom 23.7.1882 |
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1889
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Beerdigung von Pfarrer Georg Riggauer -Amperbote vom 23.2.1889 |
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1890
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Primizfeier in Dachau von J. Pichler - Amperbote vom 16.7.1890 |
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1897
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Primizfeier von Johann Wittmann - Amperbote vom 7.8.1897 |
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1898
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Empfang von Pfarrer Winhart -Amperbote vom 7. Juli 1898 |
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| Primizfeier von J. Göttler - Amperbote vom 11.Juli 1898 |
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1918
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Kirchenglockenbeschlagnahme - Amperbote vom 28.08.1918 |
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1931
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Zum Tod unseres Pfarrerherrn Taubenberger - Amperbote vom 31.10.1931 |
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1953
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Pfarrer Märkl 40 Jahre Seelsorger - Dachauer Nachrichten vom 28.07.1953 |
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1955
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Prälat
Pfanzelt 25 Jahre in Dachau - Dachauer Nachrichten vom 16./17. Juni
1955 |
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1958
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Prälat Friedrich Pfanzelt beerdigt - Dachauer Nachrichten vom 11.09.1958 |
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| J. Jäger neuen Stadtpfarrer - Dachauer Nachrichten vom 31.12.1958 |
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Primizfeier
des Herrn J. B. Kreitmair von hier (Dachau)
Amperbote vom 23.7.1882
Gestern
war unser Markt der Schauplatz einer ebenso großartigen wie erhebenden Feier.
Es war dies die Primizfeier des Herrn J. B. Kreitmair von hier. Schon am Vorabend
des Festes schmückten sich von der Wohnung des Primizianten bis zum Schlossplatz,
wo der Gefeierte sein erstes heiliges Messeopfer abringen sollte, die Häuser
mit Girlanden, Kränzen und Fahnen und ein Triumphbogen schöner wieder andere,
geschmückt mit Girlanden und sinnigen Sprüchen, erhob sich auf der Straße. Des
Abends brachte die hiesige Musikkapelle eine Serenade.
Am Sonntagmorgen um 8:00 Uhr wurde der Herr Primiziant, an der Spitze den hiesigen
und fremden Klerus, in feierlicher Prozession mit Kreuz und Fahnen an seiner
Wohnung, wo schon vorher die Feuerwehr zur Aufrechterhaltung der Ordnung und
der Gesellenverein und in Verbindung mit diesem der Arbeiter-Kranken-Unterstützungsverein
zum Zweck des Ehrengeleites sich aufgestellt hatten, abgeholt. Weiß gekleidete
Mädchen umringten den Herrn Primizianten beim Austritt aus seiner Wohnung und
den ihn begleitenden geistlichen Bruder und übrigen Klerus mit Girlanden und
unter festlichem Glockengeläut und Böllerschüssen bewegte sich der Zug durch
die geschmückten Straßen. Gewaltig war der Andrang der großen Menschenmenge
und demnach löste unsere tüchtige Feuerwehr ihre Aufgabe, die Ordnung aufrecht
zu erhalten, glänzend. Als der Menschenstrom so groß wurde, dass es unmöglich
schien, den feierlichen Zug ohne Störungen durchzuführen, entwickelten die wackeren
Feuerwehrleute blitzschnell ihre langen Seile, verbanden sie und bildeten damit
eine Kette, mit welcher sie den ganzen Zug bis zur Feststätte umspannten, so
das er sich trotz des kolossalen Menschenandrangs ungestört, ununterbrochen
und in musterhafter Ordnung bis zum Festplatz bewegte.
Hier war der Altar mit seiner Front gegen den Markt zu, sinnig geschmückt, an
die Schlosswand gestützt, errichtet und durch ein Dach geschützt. Etwas weiter
nach vorn zur Linken des Altars auf dem Schlossplatz war eine Kanzel aufgestellt
und ihre gegenüber zur Rechten nahm eine gedeckte Tribüne die fremden Herrn
Geistlichen, die eingeladenen Herrschaften, die geladenen Gäste und die Verwandten
des Herrn Primizianten auf.
Der Bruder des Gefeierten bestieg sodann die Kanzel und nachdem er für sich
und das ganze versammelte Volk von dem Primizianten den Segen erbeten, den dieser
auch erteilte, sprach er über das heilige Messeopfer als dem ersten und vorzüglichsten
Gnadenquell, dem unerschöpflichen Gnadenhorn der katholischen Kirche, aus dem
so unendlich viel Heil und Segen sprudele. Als der stimmbegabte Festprediger
am Schluss seiner stil- und formgewandten Predigt den Herrn Primizianten aufforderte,
bei seinem Erstlingsopfer, die dem Herrn besonders gefielen, der Anliegenden
der heiligen katholischen Kirche, des Heiligen Vaters Leo XIII, des hochwürdigen
Erzbischofs der Diözese München-Freising, der Klerikal-Seminarien und aller
geistlichen Anstalten, aller Freunde und Wohltäter, seinen Verwandten und besonders
seines hochbetagten Vaters, der für seine Kinder so viel gesorgt und gearbeitet
im Leben, insbesondere aber der verstorbenen Mutter im Gebet zu gedenken, da
blieb kein Auge trocken.
Sodann nahm die heilige Messe ihren Anfang und wohnte die versammelte Menschenmenge,
die etwa 4000 bis 5000 Köpfe stark gewesen sein mag, der heiligen Handlung bei.
Nach Ende der Feier bewegte sich der Zug zur Pfarrkirche und löste sich dort
auf. Um 12:00 Uhr versammelten sich die nächsten Verwandten, die hiesigen und
fremden Herrn Geistlichen und sonstige Geladene im sinnig geschmückten Saal
des Herrn Kraisy, um den Herrn Primizianten zu einem Festmahl, indem die festliche
Stimmung durch die vorzüglichen Leistungen unserer durch einige auswärtige Musiker
verstärkte hiesige Musikkapelle gehobenen und manches ernste auf das Fest bezügliche
Wort gesprochen wurde. Alle Teilnehmer an dem Fest werden sich sagen müssen,
dass sie einem schönen, erhebenden und anregenden Fest beigewohnt haben.
Beerdigung
des hochwürdigen Herren Pfarrers Georg Riggauer
Amperbote vom 23.2.1889
Vorgestern Morgen
um halb 9:00 Uhr wurde die Leiche des hochwürdigen Herrn Pfarrers und Distriktsschulinspektors,
Georg Riggauer, unter großer Teilnahme des Klerus des Distrikts Dachau und befreundeter
Amtsbrüder, sowie der Beteiligung sämtlicher hiesiger Vereine mit ihren Fahnen,
der Behörden und gemeindlichen Korporationen der Marktgemeinde Dachau, denen
sich die Einwohner der Marktgemeinde vollzählig anschlossen, unter dem feierlichen
Gesang des Klerus und der zahlreich vertretenen, zur Inspektion des Verewigten
gehörigen Lehrer zu der würdig gezierten letzten Ruhestätte geleitet.
Dort mischte sich plötzlich das von dem Verschiedenen gestiftete Glöcklein des
neuen Krankenhauses in das feierliche Grabgeläut der Kirchenglocken. - Des Glöckleins
erster Gruß war seines Stifters Schlummerlied.
Der hochwürdige Herr Dekan Spanaus von Röhrmoos hielt die Trauerrede für seinen
Amtsbruder und Freund, mit dem er seit 30 Jahren in Freundschaft, Freud und
Leid, verbunden war. Die Charakter- und Herzenseigenschaften des Verewigten
hob der Redner noch ausführlicher hervor, als dies in der für den verehrten
Dahingeschiedenen in der letzten Nummer des Amperboten gewidmeten Retrologie
bereits geschehen war und warf ein glänzendes Licht auf die erfolg- und segensreiche
Seelsorgtätigkeit des Verewigten, dem nicht allein die Herzen, sondern auch
die Gaben reichlich zugewendet wurden, mit denen er seiner Lieblingsneigung,
das Haus des Herrn zu zieren und zu schmücken, nachgehen konnte. Groß sei der
Verlust, den die Marktgemeinde Dachau durch das Hinscheiden eines solchen Seelsorgers
erleide, groß die Trauer der bekannten und Freunde, der Geschwister und des
Bruders.Aber
der Dahingeschiedene, den man heute neben seiner ihm vorausgegangenen Schwester
zur Ruhe bette, welcher heute der einzige sei, der gewonnen habe, indem er an
den Tag, an welchem das Evangelium den Herrn die Arbeiter im Weinberg auslohnen
lasse, des Lebens Schmerz und Bürde abgeworfen habe, um von seinem Herrn und
Schöpfer den Lohn für treue Arbeit zu empfangen, werde auch dort seiner teuren
Pfarrgemeinde und aller derer fürbittend gedenken, die ihm neben seinem Herzen
nahe gestanden.
Nachdem der
mit Blumen und Kränzen schwer beladene Sarg hinab gelassen, stimmten die vereinigten
Lehrer einen Grabgesang an, dem sich eine Grabmusik, herrlich exekutiert von
der Kapelle Keilberth, München/Lüttich anschloss. Mag die Erde aufnehmen, was
an dem hochwürdigen Pfarrer Riggauer vergänglich ist, in den Herzen seiner Mitmenschen
wird er in dankbarer Erinnerung bleiben und fortleben, bis auch sie dem Staube
zerfallen und dann, wie sie hoffen, ihre unsterbliche Seele dort wieder mit
ihm vereinigen, wo der Schmerz auf immer vergeht.
Primizfeier
in Dachau
Amperbote vom 16.7.1890
Gestern feierte der hochwürdige
Herr J. Pichler von hier seine Primiz. Das Haus des Herrn Primizianten sowie
die Nachbarhäuser waren festlich geschmückt. Die Straßen, welche
der Festzug passierte, zierten Triumphbögen.
Gegen 9:00 Uhr wurde der hochwürdige Primiziant in feierlichem Zug von
den Schulkindern und dem hochwürdigen Klerus abgeholt und auf den Schlossplatz
geleitet, wo der Altar und die Kanzel sowie Tribünen für die geladenen
Gäste errichtet waren. Die freiwillige Feuerwehr hielt die Ordnung in musterhafter
Weise aufrecht, die Festpredigt, wie die heilige Messe, sowie der ganze Festakt
waren in auffallender Weise vom Wetter begünstigt, obwohl es am Vorabend
und bis in die frühen Morgenstunden des Festtages fast unaufhörlich
geregnet hatte. Die Begeisterung der Einwohner von hier und der Umgebung war
eine verhältnismäßig sehr große.
Der hochwürdige Herr Kooperator Kreitmair, gebürtig von hier, ein
Jugendfreund des Primizianten, hielt die Festpredigt. Anschließend an
das Sonntags-Evangelium "Hütet euch vor den falschen Propheten, die in
Schafskleidern umherschleichen, innerlich aber reißende Wölfe sind,
suchend, wen sie verschlingen könnten", führte derselbe aus, nachdem
er den Herrn Primizianten beglückwünscht, dass er nun das langersehnte
und erstrebte Ziel erreicht und nun hinaustrete, der Weisung des Herrn an die
Apostel folgend: "Gehet hin und lehrt alle Völker im Namen des Vaters,
des Sohnes und des heiligen Geistes", in die Welt, nachdem er sich in Gehorsam
und in der Selbstverleugnung lange genug geübt, in die Freiheit, die aber
nicht für jeden ein so wünschenswertes Gut sei. Der Prediger verbreitet
sich sodann über die wahre Freiheit, die nicht darin besteht, dass jeder
tun und lassen dürfe, was er wolle, sondern in der Freiheit von der Sünde,
in der Freiheit vom Bösen. Freiheit fordere die Welt, die heutige Jugend.
Sie meine jedoch die maßlose Freiheit, welche keine Ordnung, keine Autorität,
keine Schranken anerkenne, die selbst das höchste Wesen sich gesetzt habe.
Gerade die Sünde ziehe Schranken, beschwere den Menschen wie Sklaverei
und beschränke die wahre Freiheit.
Dann ermahnt der hochwürdige Prediger Eltern, Vormünder und alle,
deren Obhut die Erziehung der Jugend anvertraut ist, dieselbe vor der maßlosen
Freiheit zu bewahren und sie die wahre Freiheit, die in der Enthaltung von der
Sünde bestehe, zu lehren. Das Joch der Sünde liege hart auf der ganzen
Menschheit und jener Fluch bei dem Sündenfall der ersten Menschen: "Verflucht
sei die Erde in deinem Werk; im Schweiße deines Angesichts sollst du dein
Brot essen, bis dieser Körper von dir genommen ist", lastet schwer auf
der Menschheit. Der fromme Christ füge sich geduldig der Last, die ihm
auferlegt, nach dem Beispiel des Heilandes, der als Prediger und das Evangelium
verkündend trotz Hitze und Sonnenbrand von Ort zu Ort gezogen sei und selbst
dann noch die Kindlein zu sich kommen ließ, als sie die Jünger mit
Rücksicht auf die Ermüdung des Meisters zurückweisen wollten.
Die Gebote des Herrn seien nicht schwer und wer sie erfülle, lebe in der
wahren Freiheit, während die Sorgen und Kümmernisse des Sünders
zahlreicher seien, wie die Sandkörner am Meer und die Sterne des Himmels.
Darum möge der hochwürdige Herr Primiziant seine Aufmerksamkeit auf
die Sünde richten, sie von der Sklaverei der Sünde befreien und sie
zu der wahren Freiheit der Kinder Gottes führen, mit den Worten des Heilandes:
"geh hin, deine Sünden sind dir vergeben". Leider fehlt uns der Raum, die
Festpredigt ganz zu skizzieren.
Unter der Mitwirkung des von Herrn Lehrer Feldigl dirigierten Kirchenchors und
einer Abteilung der Musik des schweren Reiterregiments vollzog sich sodann die
heilige Handlung des ersten heilige Messeopfers des hochwürdigen Primizianten.
Hierauf versammelte ein gemeinschaftliches Mahl die Geladenen im Hartmann-Saal.
Das Haus des Herrn Primizianten war des Abends festlich illuminiert.
Primizfeier
von Johann Wittmann
Amperbote vom 7.8.1897
Nächsten Sonntag, den 8. August feiert der Priester Johann Wittmann sein erstes heiliges Messopfer in Dachau. Wir wünschen dem Herrn Primizianten, der, von armen Bahnwärterseheleuten aus Karlsfeld abstammend, während seiner Studienzeit sich recht mühsam und bescheiden durchbringen musste, zu dieser Feier, welche im Freien auf dem Schlossberg stattfindet, eine recht zahlreiche Teilnahme aus nah und fern und laden auch die hochwürdigen Herren Philister und Aktiven der Verbingung "Rhätia" ein, der erhebenden Feier ihres Corpsphilisters beizuwohnen.
Empfang
von Pfarrer Winhart
Amperbote vom 7. Juli 1898
Gestern Nachmittag gegen 4:00 Uhr kam der hochwürdige Herr Pfarrer Winhart hier an. Die hochwürdige Geistlichkeit, das Magistrats- und Gemeinde-Kollegium der Marktgemeinde und viele Bewohner, nebst der Schuljugend zogen dem hochwürdigen Herrn Pfarrer in feierlicher Prozession entgegen. Nach einer kurzen Begrüßung zwischen dem Herrn Bürgermeister und Vorstellung der Marktgemeinde-Vertretung trugen weißgekleidete Mädchen Begrüßungsgedichte vor, worauf sich der Zug zur Kirche in Bewegung setzte. Dort gilt der hochwürdige Herr Pfarrer eine von Herzen kommende und zu Herzen dringende Ansprache, in welcher er für den schönen Empfang dankte und betonte, dass sein Herzenswunsch sich erfüllt habe, in der Gemeinde als Pfarrer wirken zu können, in welcher er früher gewirkt, und mit welcher Wirksamkeit stets so angenehme und freundliche Erinnerungen an die Liebe und das Vertrauen, welches ihm die Bewohner dieser Pfarrgemeinde entgegengebracht, verbunden gewesen seien. Er werde sich bemühen, seinen Pfarrkindern mit priesterlicher Liebe entgegenzukommen. Er hoffe auf deren Entgegenkommen und Bitte um ihr Gebet, damit er den Pflichten seines Seelsorgeramtes stets nachkommen könne. Des Abends um 9:00 Uhr brachte die Liedertafel Dachau dem hochwürdigen Herrn Pfarrer einen Fackelzug und ein Ständchen.
Primizfeier
der hochwürdigen Primizianten J. Göttler
Amperbote vom 11.07.1898
Gestern feierte der hochwürdige Primiziant, Herr J. Göttler von Augustenfeld sein erstes heiliges Messopfer. Die Straßen, durch welche der Herr Primiziant zur Kirche ziehen musste, waren durch Triumphbögen, fast jedes Haus sinnig mit Kränzen geschmückt. Der untere Markt prangte zu Ehren des jungen Priesters im Festgewand. Um 09 Uhr bewegte sich der Zug unter dem feierlichen Geläut der Glocken von der Pfarrkirche nach dem Schlossberg, wo der Altar errichtet war. Die Aufrechterhaltung der Ordnung beim Zug hatte wie sonst auch, die hiesige freiwillige Feuerwehr übernommen, welche die Aufgabe in ebenso musterhafter wie taktvoller Weise löste. Dort angelangt bestieg alsbald der hochwürdige Herr Pfarrer Winhard von hier die Kanzel.
Nachdem
der hochwürdige Primiziant den trotz des zweifelhaften Wetters ungemein zahlreichen
Festteilnehmern den hl. Segen erteilt hatte, hielt der vorgenannte hochwürdige
Herr die Festpredigt. Anknüpfend and die Worte des lieben Heilandes in der Bergpredigt:
"Mich jammert des Volkes!" und die Stimmung der Tausende von Menschen mit einigen
Broten und Fischen, entwickelte der Redner in großen Zügen und in formvollendeter
Weise das Bild der allzeit Gnade und Segen spendenden Kirche. Wie Tausende dem
lieben Heiland gefolgt seien auf den Berg, um seinen Worten zu lauschen, so
seien auch heute Tausenden gekommen, um dem erhabenen Schauspiel beizuwohnen,
wo ein neuer Arbeiter eingestellt werde im Weinberg des Herrn, ein junger Priester
sein erstes hl. Messopfer darbringe. Das gleiche Bedürfnis nach Gnade und Segen,
welches die Tausende dem lieben Heiland folgen ließ, hätte die Gläubigen heute
hierher geführt.
Der Redner zeigt den Zuhörern sodann den segnenden Heiland, wie in Liebe und
Mitleid zu den Menschen kommen ließ, um Segen und Liebe von der Krippe bis zum
Schächer am Kreuz auszuspenden. Wie er für jeden Stand und jedes Alter in liebevollster
Weise gesorgt. Wie er durch seinen Tod neues Leben der Welt gegeben. Und all`
seine Lebensfülle und all` seine Segenkraft habe er seinen Nachfolgern überlassen.
Diese Nachfolger und zugleich Diener Jesu Christi seien die Bischöfe und Priester.
In ihnen sende er Schnitter in seine Ernte, welche berufen seien zu arbeiten
in heiliger Liebe für das Volk, auszuspenden seinen Segen, seine Gnaden, beginnend
am lallenden Kinde bis zum Greis im Silberhaar. Diener Jesu Christ zu sein und
Ausspender seiner Gnaden sei ein hoher, heiliger Beruf, welcher Tausende der
hervorragendsten und größten Männer angefeuert habe hinaus zu ziehen in die
unwirtlichsten Gegenden, um dort das Evangelium Christi zu verkünden. Dem Volk
in hl. Liebe beistehend von der Wiege bis zum Grab. Unermüdlich, unverdrossen.
Ein letztes Tagwerk, es sei sein schwerstes. Er solle den scheidenden Geist
hinüberführen in`s Jenseits, damit er mit dem lieben Heiland sagen könne: O
Herr, die du mir anvertraut hast, keiner ist verloren gegangen.
Anknüpfend an den Namenspatron des Herrn Primizianten, den hl. Josef und den
hiesigen Kirchenpatron, den hl. Jakob, zeigt der hochwürdige Redner, dass Priester
und Volk zusammengehören. Jede Trennung sei unnatürlich, da sie nur den Feinden
der Kirche Freude bereite, welche da sagen: Ihr versprecht uns einen Himmel
im Jenseits; wir wollen nicht arbeiten im Ewigen, ohne ins Zeitliche hinein
zu greifen. So sei Gesittung und Kultur ausgegangen von der Kirche, aus der
stillen Klosterzelle habe die Wissenschaft ihre Wanderung angetreten in die
Welt. Die würdigsten Vorbilder fand die Kunst in den Kirchen und ihren Kunstschätzen.
Wir können die herrlichen Worte des Redners mit Rücksicht auf den Raum nur kurz
skizzieren.
Nach beendigter Predigt brachte der Hochwürden Herr Primiziant sein erstes hl. Messopfer dar. Ein Gesangs- und Musikchor erhöhten die Feier. Nach der Wandlung empfingen die Verwandten des Primizianten aus dessen Hand die hl. Kommunion. Abgesehen von einigen kurzen Regengüssen, hielt sich das Wetter wider Erwarten gut.
Kirchenglockenbeschlagnahme
im Jahr 1918
Amperbote vom 28.08.1918
In Sachen Kirchenglockenbeschlagnahme wird den Verwaltungen empfohlen, in geeigneten Fällen Protest zum Reichsschiedsgericht einzureichen. Besonders über die Höhe der Entschädigung! - Das skandalöse Missverhältnis zwischen Arbeitsleistung der Abnehmer und den festgesetzten Gebühren ist aus der letzten Abnahme noch in aller Erinnerung. - Wie ist es denn bei der Blitzableiterabnahme wieder? Unseres Wissens ist vom Reich voller Ersatz der Kosten zugesichert! Was hat man aber daraus gemacht, aus dem vollen Ersatz! Da wird für das Kilo abgelieferten Draht eine bestimmte Summe angeboten. Punktum basta! Und wenn`s nicht genügt, wenn man nachweislich das Dreifache an Kosten aufzuwenden hat für einen, um höflich zu bleiben, "mageren" Ersatz, dann heißt es in Berlin kurz: Ja, das schreibt halt zu Euren Kriegskosten! Als ob nicht jedes gezahlt werden müsste, als ob nicht jede sich zahlen ließe! So ist nicht gewettet! Es regen sich Stimmen der Entrüstung. Wenn sie sich mehren, dürfte es wohl gehen wie mit der Oberkleiderabgabe, man wird eben auch dem Wunsch des Volkes sich fügen, das eine nach allen Seiten gerechte Regelung verlangt!
Zum
Tod unseres Pfarrerherrn Taubenberger
Amperbote vom 31.10.1931
Nun hat sich die Erde über den sterblichen Überresten unseres beliebten Pfarrerherrn geschlossen und allen Teilnehmern wird das imposante Leichenbegängnis des hochwürdigen Herrn Geistlichen Rates Taubenberger in dauernder Erinnerung bleiben. Wir sind heute in der Lage, zu unserem gestrigen Bericht über die Trauerfeier am Grab noch einen ergänzenden Nachtrag zu bringen.
Als
Vertreter hiesiger Behörden nahmen an der Trauerfeier ferner noch Teil: Herr
Amtsgerichtsvorstand Böhngen, Herr Bezirks Arzt Dr. Hingsamer, Herrn Bahnvorstand
Rohrmüller und Herr Zollinspektor Haas. Außer der hochwürdigen Geistlichkeit
des Dekanates und des Bezirkes Dachau, die fast vollzählig vertreten war, ließen
es sich hochwürdige Herren auch aus Pfarreien außerhalb unseres Bezirkes nicht
nehmen, ihrem Amtsbruder das letzte Geleit zu geben, so aus Schleißheim, Allach,
Ismaning und Olching, von wo neben dem Pfarrerherrn auch der Neffe des Verstorbenen,
Hochwürden Herr Kooperator und Chorregent Johann Taubenberger zur Beerdigung
herbeigeeilten waren. Es nahmen an dem Leichenbegängnis ferner noch Teil Hochwürden
Herr Monsignore Wittmann aus München-Haidhausen, und Monsignore Murböck, München.
Vor allem aber waren es die ehemaligen Kooperatoren, die zum weitaus größten
Teil aus allen Teilen Oberbayerns gekommen waren, ihrem ehemaligen toten Pfarrerherrn
und Führer die letzte Ehre zu erweisen.
Neben Hochwürden Herrn Pfarrer Sebastian Rieger, der für die ehemaligen Kooperatoren
einen Kranz niederlegte, waren erschienen: Stadtpfarrer Dr. Muhler, München-St.
Andreas; Stadtkaplan Esterbauer, München-St. Andreas; Katechete Fischer, München-St.
Rupert; Katechete Haslwimmer, München-St. Rupert; Kurat Franz Xaver Meisl, München
- Harlaching; Benefiziat Korbinian Westermaier, Siegertsbrunn; Pfarrer Josef
Bauer, Rottbach; Kooperator Josef Kandler, Gräfelfing; Kaplan Heribert Stadler,
Unterföhring; Direktor Kothieringer, Fürstenried. - Ihnen schlossen sich an
die aus der Pfarrei Dachau gebürtigen Hochwürden Herr Geistlicher Rat Pichler
aus Moosburg, Benefiziat Märkl aus Frauenhofen, Subregens Dr. Westermayr aus
Freising und Pfarrer Sturm aus Schwaben, sowie der Bruder des Herrn Schneidermeister
Wexelberger, Frater Wolf Beileidskundgebungen sind unter anderem erfolgt von
Hochwürden Herrn Oberstudienrat geistlicher Rat Heinzinger, der an der Teilnahme
am Leichenbegängnis verhindert war, ebenso von den beiden ehemaligen Dachauer
Kooperatoren Hochwürden Herrn Weichselgartner und Arnold aus Kranzberg, ferner
von Herrn Hochschulprofessor Holzheu aus Freising, Herrn Regierungsrat Winkler
aus der Rothschwaige und Herrn Stadtrat Gerstl aus München.
Der katholische Arbeiterverein Bruckmühl, dessen Gründer und erster Präses der
Verstorbene war, war ebenfalls mit Fahne und einer Abordnung erschienen, um
Hochwürden Herrn geistlichen Rat auf seinem letzten Weg zu geleiten. Das offene
Grab waren mit Kirschlorbeerbäumchen aus dem Gartenbaubetrieb Heinrich Rhein
geschmückt, der auch das Material für den prächtigen von Herrn Pfarrmesner Grahamer
mit erteilten Katafalk in der Pfarrkirche lieferte. Edellorbeer- und Kugelbäume,
Pyramiden, Hortensien und Edelfarne gaben der mit den priesterlichen Insignien
geschmücktem Bahre ein ungemein feierliches Aussehen. Den ganzen Nachmittag
über wurde das Grab des Pfarrerherrn besucht und es wird wohl manches Gebet
für den Verstorbenen an seiner letzten Ruhestätte zum Himmel empor gestiegen
sein. Die vielen Kränze mit ihren Schleifen decken das Priestergrab vollständig
zu. An Widmungen sind auf den Schleifen zu lesen:"Ihrem treubesorgten Pfarrerherrn
in Dankbarkeit / katholische Kirchenverwaltung Dachau"; "Letzter Gruß / Gemeinderat
Dachau"; "Letzter Gruß / Lehrerschaft der Knaben- und Mädchenschule Dachau";
"In Dankbarkeit die 7. und 8. Knabenklasse"; "Seinem lieben tatkräftigen Vorstand
gewidmet vom katholischen Kirchenbauverein St. Jakob Dachau"; "Unserem verdienten
Förderer / katholischer Kirchenbauverein Unterer Markt"; "Unserem unvergesslichen
Führer in Dankbarkeit gewidmet / Kartell der katholischen Vereine Dachau"; "Unserem
lieben geistlichen Beirat / katholischer Frauenbund, Mariannische Kongregation,
weiblicher Jugendverein"; "Ihrem verehrten geistlichen Beirat die katholische
Elternvereinigung"; "Unserem hochverdienten Gründer und Vorsitzenden / Verein
katholisches Gesellschaftshaus"; "Gewidmet Pfarrgemeinde Kirchdorf a. H." (von
Herrn Pfarrmesner Grabichler für die ehemalige Pfarrei des Verstorbenen niedergelegt)
und einen Kranz mit der Aufschrift "Franziskaner-Leistbrauerei". Während der
Zeit in der Hochwürden Herr geistlicher Rat Taubenberger im Leichenhaus aufgebahrt
lag, haben viele seiner Pfarrkinder ihm noch einen letzten Besuch abgestattet.
Im Laufe des Dienstags tauchte verschiedentlich die Meinung auf, unser Pfarrherr
könnte vielleicht nur im Starrkrampf liegen, da sein Tod unerwartet plötzlich
kam. Herr Bezirksarzt Dr. Hingsamer nahm deshalb abends im Leichenhaus noch
eine eingehende Untersuchung des Herzens und einen Fersenschnitt vor. Die amtsärztliche
Untersuchung bestätigte die Meinung, unser Pfarrherr könnte vielleicht noch
leben, leider nicht. Seine Augen öffneten sich nicht mehr, des Pfarrerherrn
Herz hatte endgültig aufgehört zu schlagen. Unter Blumen und Kränzen ruht nun
unser verdienter Pfarrherr Taubenberger aus von seinem arbeits- aber auch erfolgreichen
Leben. Länger aber wie die Blumen auf dem Grab, die Beweise der Achtung und
Wertschätzung sind, wird die Liebe zum Verstorbenen in den Herzen seiner Pfarrkinder
dauern.
"Er
gibt sein letztes Hemd für die Armen!"
Pfarrer Benno Märkl 40 Jahre Seelsorger
Dachauer Nachrichten vom 28.07.1953
Dachau - Zu einer besonders innigen Feier gestaltete sich das 40jährige Priesterjubiläum von Pfarrer Benno Märkl. Der Jubilar, ein geborener Purtlhofer (Ampermoching), blieb all die Jahre seiner Abwesenheit treu mit der Dachauer Heimat verbunden, obwohl ihn seine berufliche Ausbildung schon früh von hier fortführte. Am 29. Juni 1913 wurde er im Dom zu Freising zum Priester geweiht. An seine Primiz auf dem Dachauer Schlossplatz können sich die alten Dachauer noch sehr gut erinnern. An diesem herrlichen Sommertag waren die Leute aus nah und fern zu Tausenden gekommen. Bis zur Investitur des Jubilars in Sünzhausen führte ein weiter Weg, der ihn zunächst nach Kleeberg (Passau) als Schlossgeistlicher führte, dann nach Mettenheim, Velden, Neufraunhofen, Haunzenbergersöll und Palling. Pfarrer von Sünzhausen wurde er schließlich am 5. September 1939.
Seit dieser Zeit erfreut er sich in seiner neuen Heimat großer Wertschätzung. "Unser Pfarrer gab sein letztes Hemd für die Armen", sagt man dort und in Dachau spricht man nicht viel anders von ihm. Das zeigte so recht die Feier am letzten Sonntag. Man hatte ihm zu Ehren in der Dachauer Stadtpfarrkirche die Mozart-Messe aufgeführt und den Gottesdienst besonders festlich gestaltet. Der kirchlichen schloss sich eine weltliche Feier bei seinen Verwandten im Gasthaus "Zwingereck" an. Bis auf den letzten Platz war die alte Dachauer Gaststätte besetzt. Lustige und ernste Reden würzten das Mahl, Kinder brachten Prologe und Prälat Pfanzelt schilderte das Leben von Pfarrer Märkl. Der Jubilar dankte für die vielen kleinen Aufmerksamkeiten, die ihm von seinen Dachauer Verwandten und Bekannten erwiesen wurden, vor allem auch den Veranstaltern der Jubelfeier. Dafür zeichnete in erster Linie Stadtrat Burghart verantwortlich, der nur bedauerte, dass man nicht länger Zeit zur Vorbereitung hatte. "Aber es war auch so sehr eindrucksvoll", das wurde ihm vom Jubilar in seiner Ansprache bestätigt. Der Jubilar bat die Anwesenden, treu zum Glauben zu halten. Er wies auf die Schwierigkeiten hin, die heutzutage im Priesternachwuchs bestehen und bat die Eltern, die gute alte Art von früher, wo man geeignete Söhne "geistlich studieren" ließ, weiter zu pflegen. Leider musste die Feier etwas früher als vorgesehen beendet werden, da den Jubilar berufliche Pflichten wieder in seine Heimatpfarrei zurückriefen. Die Dachauer Urlaubstage und die Jubelfeier, zu der sogar sein Haus in der Burgfriedenstraße festlichen Schmuck angelegt hatte, werden ihm und allen Beteiligten in steter Erinnerung bleiben.
Ein
Leben voll Güte und Hilfsbereitschaft
Prälat
Friedrich Pfanzelt 25 Jahre in Dachau
Festabend im Schlosssaal
Donnerstag/Freitag, den 16./17. Juni 1955
Dachau
-Morgen, Freitag 17. Juni, werden es 25 Jahre, seitdem Prälat Friedrich Pfanzelt
in Dachau weilt and die hiesige Pfarrei betreut. Am 17. Juni 1930 verließ er
seine damalige Pfarrei in Olching und folgte einem Ruf seines kirchlichen Oberhirten,
der ihn für die damals verwaiste Pfarrei Dachau vorgesehen hatte. In all diesen
Jahren hat sich die segensreiche Arbeit des Pfarrherrn ausgewirkt.
Als an diesem 17. Juni 1930 nachmittags gegen 5 Uhr der neue Pfarrherr seinen
Einzug in Dachau hielt, war der Markt in heller Aufregung. St. Jakob war damals
noch die einzige Kirche des Marktes. Bei der Übernahme der Pfarrei wurde dem
neuen Pfarrherrn von seinem Oberhirten als vordringlichste Aufgabe die Lösung
der Kirchenbaufrage in Dachau aufgetragen. Nach der feierlichen Einführung und
der religiösen Feier in der Kirche, an der mit den katholischen Vereinen auch
die Bevölkerung zahlreich teilnahm, brachten am Abend die Vereine dem neuen
Seelsorger vor dem Pfarrhaus nochmals eine besondere Huldigung. In bewegten
Worten dankte damals der Priester, der den Dachauern noch ein Unbekannter war,
für die herzliche Aufnahme. Pfarrer Pfanzelt hatte mit der Seelsorge in Dachau
keine leichte Aufgabe übernommen. Arbeitslosigkeit und Elend herrschten und
die politischen Gegensätze brachten viel Streit unter die Dachauer Bevölkerung.
Dass er in all den bewegten Jahren vor, in und nach dem 2. Weltkrieg immer wieder
den Friede in seiner Pfarrei bewahren konnte, verdankte der Geistliche seinen
hohen menschlichen Qualitäten. Er war immer der Verstehende und Helfende, ohne
dabei die Belange der Kirche zu übersehen. In diesen nunmehr 25 Jahren, mit
ihrer wechselvollen Geschichte ist Prälat Pfanzelt eine der markantesten Persönlichkeiten
Dachaus und des ganzen Landkreises geworden.
Seine Verdienste um die Stadt, vor allem in der schweren Zeit von 1945, kamen
der ganzen Bevölkerung ohne Unterschied von Stand und Konfession zugute. Sie
waren u. a. auch der Grund zu der hohen Auszeichnung, die ihm von Rom aus zuteil
wurde: Die Ernennung zum päbstlichen Hausprälaten, eine Ehrung, die für gewöhnlich
nur wenigen Priestern zuteil wird. Vor allem sein unerschrockener Einsatz für
die KZ-Häftlinge aller Nationen hat seinen Namen weit über Dachau und Bayern
hinaus bekannt gemacht. Vorher aber schon hat der Pfarrherr die im bei der Übernahme
der Pfarrei aufgetragene Aufgabe des Kirchenneubaus glänzend gelöst.
Am 18. Juni 1933 wurde die Kirche von St. Johann in der unteren Stadt eingeweiht.
Im Jahre 1937 wurde das Gotteshaus in Augustenfeld gebaut und St. Peter geweiht.
Neben diesen beiden Neubauten galt seine größte Sorge auch der altehrwürdigen
St.-Jakobs-Kirche. Im Jahre 1930 erhielt sie ein neues Geläut, das erstmals
am Christi-Himmelfahrts-Tag erklang. Die Glocken fielen dem Krieg zum Opfer
und mussten 1942 abgeliefert werden. Im Jahre 1949 wurde dann das neue Geläut,
diesmal Euphonglocken, beschafft und am 18. Dezember feierlich eingeweiht. Die
Pfarrkirche, deren Inneres ebenfalls einer gründlichen Erneuerung unterzogen
wurde, erhielt im vergangenen Jahr auch äußerlich einen neuen Anstrich. Aber
nicht nur dem kirchlichen, auch dem öffentlichen Leben gegenüber zeigte sich
Prälat Pfanzelt stets aufgeschlossen und hilfsbereit. Siedlungen und Vereine
zahlten ihn bei ihren Festlichkeiten zu ihrem Gast. Erst, im vergangenen Jahr
segnete der Prälat hoch zu Rosse einen festlichen Umzug der Pferde und Fahrzeuge.
Die Grundsteinlegung der Kirche Dachau-Süd nahm er ebenfalls vor. Ungenannt
aber sind die vielen Fälle, wo er Notleidenden geholfen hat, sie mit Wort und
Tat über schwere Stunden hinwegführte und sie so am Leben nicht verzweifeln
ließ. Anerkennung seiner segensreichen Arbeit in Dachau durch den Staat war
die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes im vergangenen Jahr. Die Pfarrgemeinde
Dachau wird aus Anlass seines 25jährigen Pfarrjubiläums am Samstag, 2. Juli,
um 20 Uhr, im Schlosssaal einen Festabend veranstalten und am Sonntag, 3. Juli,
vormittags 9 Uhr, Prälat Pfanzelt im feierlichen Zug zur Kirche zum Festgottesdienst
geleiten. Weihbischof Dr. Johannes Neuhäusler wird dabei die Festpredigt halten.
Der
Pfarrhof ist jetzt verwaist
Prälat Friedrich Pfanzelt nach St. Jakob und zum Friedhof
überführt
Dachauer Nachrichten vom 11.09.1958
Dachau
- Trauer liegt über der Stadt und dem Landkreis Dachau. Nicht nur die vielen
Freunde, Confratres und engsten Mitarbeiter des Prälaten waren im Innersten
getroffen vom Tod des Stadtpfarrers von St. Jakob, sondern auch die Menschen,
die abseits der Kirche stehen oder eine neutrale Stellung zu ihr einnehmen.
Überall, wo Menschen zusammenkamen, sprach man nur vom Prälaten und seinem so
überraschenden Tod. Da eine Heimatzeitung zu den Persönlichkeiten im Landkreis,
die an exponierter Stelle stehen, ihr besonderes Verhältnis hat, und gerade
auch die "Dachauer Nachrichten" dem Prälaten, wenn er sich an die breite Öffentlichkeit
wenden wollte, Platz in ihren Spalten gab wie erst kürzlich beim Aufruf zur
Wallfahrt nach Altötting, nahmen wir persönlich von dieser Priesterpersönlichkeit
stillen Abschied.
Dachauer geben ihren Prälaten nicht her."
Ein Pensionist gab offen zu: "Als ich gehört habe, daß der Prälat tot sei, da
habe ich geweint wie ein kleines Kind. In früheren Jahren hatte ich mich mit
ihm oft gehackelt, aber eines Tages da bot mir der Prälat das "Du" an und seitdem
waren wir Freunde." "Man mußte ihn schätzen" Es hat wirklich nichts mit Rührseligkeit
zu tun, wenn wir berichten, daß in Dachau am Dienstag in vielen Häusern sich
die Menschen ihrer Tränen nicht geschämt haben. Der Prälat vertrat seine Auffassung
ohne Einschränkung, deswegen achteten ihn selbst Gegner.
Man trauert, weil ein wirklicher Mensch von uns gegangen ist. Kaum daß der Tod
diesen Priester von dieser Welt abberufen hatte, bekannten viele, daß Friedrich
Pfanzelt oft in den eigenen Geldbeutel gegriffen habe, um schnell finanziell
zu helfen. Ein Zeitungsträger berichtete uns: "Er hat mir geholfen, eine neue
Existenz aufzubauen." So sah man gerade am Dienstag bei der Überführung in die
Kirche sehr viele einfache Menschen, die mit ganzem Herzen den Rosenkranz mitbeteten.
Eine Bäuerin meinte schlicht nach der Einsegnung: "Den Prälaten hat die Mutter
Gottes geholt, weil er am 8. September, dem Tag Maria Geburt, gestorben ist."
Als man den Toten zum Friedhof brachte, gingen hinter dem Sarg die nächsten
Angehörigen, davor eine Anzahl von Priestern aus dem Landkreis, sowie hinter
der Bahre die Geistlichkeit aus der Stadt Dachau, ferner Dachaus erster Bürgermeister,
der Kirchenpfleger, Stadtrat Burghart, Kreisrat Bachinger sowie verschiedene
Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und die Schwestern, denen sich eine
große Zahl von betenden Frauen angeschlossen hatten. Wuchtig klangen die Glocken
über die Stadt zur Ehre des toten Prälaten.
Morgen
wird Prälat Pfanzelt beerdig!
Die Ordnung in der Kirche, beim Trauerzug und auf dem Friedhof
Donnerstag, 11. September 1958
Dachau - Das Seelenamt für Prälat Pfanzelt morgen, Freitag, 9 Uhr, in der Stadtpfarrkirche St. Jakob, wird Domdekan Prälat Buchwieser zelebrieren. Die Beerdigung und Predigt hält Domkapitular Anton Maier. Nach dem Amt bewegt sich der Trauerzug von St. Jakob über die Augsburger- und Gottesackerstraße zum alten Friedhof. Die Ordnung des Zuges ist wie folgt: Kreuzträger, Abordnungen der Oberschule und Volksschule, die Knabenkapelle, dann die Banner und Fahnen der Vereine (ohne ihre Mitglieder). Es folgen die Ordensschwestern, die Lehrerschaft, die Honorationen aus Stadt und Land. Danach gehen die Ministranten vor der Geistlichkeit und den Angehörigen des Prälaten. Die übrigen Gläubigen schließen sich dem Zug an. In der Kirche selbst ist die ganze rechte Seite bis zur Empore und der linke Sitzblock bis zum Quergang für die Angehörigen und Freunde des Prälaten und Vertreter der kirchlichen und weltlichen Behörden frei zu halten. Um das Grab herum auf dem Friedhof wird ebenfalls ein Teil für die Teilnehmer am Trauerzug freigehalten. Die Geistlichkeit von St. Jakob und der Kirchenpfleger bitten im Interesse eines würdigen Verlaufs der Beerdigungsfeierlichkeiten, sich an die Anordnungen zu halten.
Vom
Bauernhof nach St. Jakob
Papst Johannes XXIII. bestätigt Johann Jäger als neuen Stadtpfarrer
Dachauer Nachrichten vom 31.12.1958
| Dachau - Johann Jäger, der neuernannte Stadtpfarrer von St. Jakob in Dachau, wurde am 6. November 1907 als Sohn hoch-ieachteter Bauerneheleute in der Pfarrei Palling im Chiemgau geboren. Er wuchs mit noch zwölf Geschwistern wohlbehütet auf dem väterlichen Hofe auf. Der talentierte Junge, der schon frühzeitig den Drang zum Priestertum in sich verspürte, kam in jungen Jahren bereits nach Freising zum Studium, wo er das humanistische Gymnasium besuchte und später in das Klerikalseminar übertrat. Am 29. Juni 1933 wurde er zum Priester geweiht. Drei Jahre verbrachte Johann Jäger in der Großstadtseelsorge, und zwar bei Herz-Jesu in München-Neuhausen und in St. Maria in Pasing. Bereits nach drei Priesterjahren wurde dem jungen Geistlichen die Landpfarrei Kay im Dekanat Tittmoning übertragen, in der er sehr segensreich über 22 Jahre lang wirkte. Kay ist eine der wenigen Pfarreien in unserer Erzdiözese, auf der der jeweilige Pfarrherr die Ökonomie noch selbst betreibt; der Pfarrhof ist zugleich Bauernhof. Pfarrer Jäger bewirtschaftet mit seinem Bruder zu Kay einen Hof mit 140 Tagwerk. Der Pfarrhof selber liegt inmitten der Widdumsgründe abseits vom Dorfe. |
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