Landkreiskarte     ausführliche Beschreibg.        Kirchen i.d.Gem. Bergkirchen


Filialkirche St. Jakobus in OBERBACHERN

KelchbecherTurm 32 m hochChor-spätgotischzur Kirchentür

Für Navi-Nutzer : 85232 Bergkirchen, Dorfstraße 42
Lage der Kirche auf der Landkarte ...


Kurzbeschreibung

Der Ort "Pahhara" (am Bach) wurde erstmals im Jahre 763 urkundlich erwähnt. Bachern gehört somit zu den ältesten Ansiedlungen im Landkreis Dachau.

Eine Kirche in Bachern wird erstmals in einer Gerichtsakte aus dem Jahr  824 erwähnt.

In der sog. "Konradinischen Matrikel" aus dem Jahre 1315 zählt Oberbachern zu den vier Filialkirchen der Pfarrei Bergkirchen. Dies gilt auch heute, nach 700 Jahren noch. Inzwischen bilden die Pfarreien Bergkirchen, Oberroth, Kreuzholzhausen und Schwabhausen einen Pfarrverband.

Die jetzige Kirche St.Jakobus wurde in der Zeit von 1722 bis 1726 von Gregor Glonner auf den Resten eines Vorgängerbaus, der nach zeitgenössischen Angaben das Aussehen eines römischen Wachturms hatte, erbaut.
Die Apsis schließt halbrund.

Der Zwiebelturm ist an der Nordostseite angebaut. Die beiden Glocken stammen aus dem 20.Jh.


Der Hund des hl. Rochus

Restaurierungen sind aus den Jahren 1879, 1908,1923 und 1977 bekannt.

Der Innenraum ist mit vielen Stuckarbeiten (von Augustin Pältl, 1726) geschmückt.

Der Hochaltar stammt aus der ehemaligen "Job-Kapelle" der Pfarrkirche von Bergkirchen. Er wurde 1726 von Bartholomäus Schuhpaur hier aufgestellt und 1963 durch Architekt Max Gruber aus Bergkirchen neu gestaltet. 
Mittelpunkt ist ein Gemälde von Richard Huber, das den Patron, den hl. Jakob zeigt.
Flankiert wird das Bild von den Figuren aus dem 16. Jahrhundert:
- dem Pestheiligen Sebastian (links) und
- dem Bauernheiligen Rochus (mit Hund). 
Ins Auge springt eine große Stuck-Muschel im Altaraufsatz.

Auch die beiden Seitenaltäre sind schon rd. 300 Jahre alt. Die Figurenausstattung an den Altären und Wänden entspricht dem ländlichen Milieu von Oberbachern in den letzten Jahrhunderten.
Linker Altar: Muttergottes mit Jesuskind auf dem
        Arm, St. Antonius mit Buch, dem man aus
        Platzgründen den linken Arm abgenommen hat
        und St.Franziskus mit Kreuz und Wundmalen.
Rechter Altar: S. Leonhard mit Viehketten.

An der Wand eine Figur von St.Konrad von Parzham

zur Beschreibung des linken Seitenaltars zur Beschreibung des lHochaltars Prozessionslaterne Prozessionslaterne zur Beschreibung des rechten  Seitenaltars
  Vergrößerung von 11 Details (Altäre, Figuren, Laterne) per Mouseklick


Die schöne barocke Korbkanzel mit den Figuren der vier Evangelisten (und ihren Attributen) aus dem
Ende 17. Jh. hing alten  Überlieferungen zufolge früher in Tödtenried.


Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen


Geschichte: Erste Kirche Matrikel 1315 Matrikel 1524 Visitation 1560 Neubau 1726
  Matrikel 1738 Beschreibung 1874 Restaurierungen
Ausstattung: Altarraum Apostelleuchter Baubeschreibung Beichtstuhl
Choraltar Chorglocke Deckengemälde Empore Ewig-Licht-Ampel
Fenster Kanzel Kanzelkreuz Kirchenschiff Kirchenbänke
Mater dolorosa Orgel Seitenaltäre Tabernakel Turm
Vorhaus Vortragekreuze

Der Ort "Pahhara" (Siedlung am Bach) wurde schriftlich erstmals vielleicht im Jahre 763, ganz sicher aber 777 in einer Schenkungsurkunde vom 17.Mai an die Freisinger Bischofskirche erwähnt und ist damit eine der ältesten Gemeinden im Landkreis Dachau. Ein Mann namens Pircho, seine Gattin Perhtcunda und sein Sohn Oadalcrim schenken ihren Besitz in Pahharun (Bachern) dem Bistum Freising. Am 11.Juni 823 übergab ein Diakon Engilman die Hälfte seines Besitzes in Pacharun (Urk.Nr. 507 der Freisinger Traditionen).

Unterscheidung Oberbachern-Unterbachern
Auch die Urkunde aus der Zeit zwischen 926 und 937, in der ein Tausch von Bischof Wolfram und dem Edlen Meginhart beschrieben wird (Bischof tauscht 1 Kolonie und eine Magd zu Isen gegen 2 Kolonien und eine Magd in Bachern), ist noch nicht eindeutig zuzuordnen.
Eine Unterscheidung in Ober- und Unterbachern wird erstmals aber erst in einer Scheyerner Klosterurkunde getroffen, die in die Zeit zwischen 1186 und 1199 zu datieren ist. Damals trat ein Dienstmann des Pfalzgrafen Friedrich von Wittelsbach in das Kloster ein und brachte als Mitgift ein Gut ein, das "in superiori Pacharn", im oberen Bachern, lag.
Die frühen Urkunden sind zeitlich nicht genau zu bestimmen, weil darin nicht das Erstellungsdatum, sondern oft nur der jeweils regierende Freisinger Bischof genannt ist. Manchmal ist der Zeitraum weiter einzugrenzen, wenn Lebensdaten der beim Vertragsabschluss anwesenden Zeugen bekannt sind.

 

Geschichte der Kirche


Ausschnitt aus der Karte
des Geographen Apian von 1568

Erste Kirche
Die erste Erwähnung einer Kirche in Bachern enthält eine Gerichtsakte aus dem Jahr 824. Danach verweigerten zwei Männer namens Hruadolf und Engilman die Herausgabe der Kirche in "Pachara" an den Freisinger Bischof Hitto (810-834). In dieser Urkunde wird von einer "Basilica" gesprochen, d.h. es bestand damals schon eine Kirche, keine Kapelle mehr; auch wenn es sich -wie damals allgemein üblich- um einen Holzbau gehandelt haben dürfte. Zwanzig Jahre später, im Jahr 843, wurde unter Bischof Erchanbert (835-854) eine Kirche zu Pacharon dem hl. Martin von Tours geweiht, berichten die Freisinger Akten. Dies könnte die Kirche in Unterbachern gewesen sein, die heute noch das Martinspatrozinium besitzt. Aber sicher ist das nicht.

Aus der 24jährigen Regierungszeit des Bischofs Hitto (811-835) sind 258 Güter- u. Kirchenschenkungen an das Bistum Freising verbürgt. Zur damaligen Zeit wurden Kirchen in der Regel von Adeligen gebaut. Sie stellten auf eigene Kosten Priester ein, die die Seelsorge im Besitztum und Umgebung durchführten. Das Bistum hatte kein Mitspracherecht. Die Bischöfe versuchten, das Kirchenwesen zu organisieren und unter ihrer Hoheit Pfarreien einzurichten. Da das Recht auf der Seite der Adeligen lag und Zwang und Gewalt ausschieden, blieben als einzige Möglichkeit die Schenkung, um die Kirchen in die Obhut des Bistums zu bekommen. Dies gelang dadurch, dass den Adeligen als Gegenleistung die Vergebung ihrer Sünden versprochen wurde oder dass ein adeliger Priester, der in der Regel ehe- und kinderlos war, sein Erbe aus Überzeugung ganz oder teilweise dem Bistum vermachte.


Konradinische Matrikel von 1315

In der "Konradinischen Matrikel" aus dem Jahre 1315 zählt Oberbachern zu den vier Filialkirchen der Pfarrei Bergkirchen. Dies waren Deutenhausen, Oberbachern, Feldgeding und Breitenau. Alle Filialkirchen waren schon damals mit Friedhöfen ausgestattet, was für eine gewisse regionale Bedeutung spricht.
Das Gedenken der Ahnen war damals viel wichtiger als heute. Schließlich gehören auch die Verstorbenen zur Pfarrgemeinde.


Sunderndorfer'sche Matrikel
von 1524
In der Sunderndorfer'sche Matrikel von 1524 wird erstmals das Patrozinium der Kirche genannt ("s.Jacobi in Bachern").


Visitationsbericht von 1560
Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation, eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet. Die Visitation wurde durch bischöfliche und durch herzogliche Bevollmächtigte durchgeführt. Grund war die durch die Reformation Luthers (1517) entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen des Bistums zur Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte. Durch die Visitation wollte der Bischof einen detaillierten Einblick in die religiöse Situation der Pfarreien gewinnen. Insbesondere sollte festgestellt werden, ob die Pfarrer und die Gläubigen noch die katholischen Lehre vertraten oder der neuen Lehre anhingen. Daneben interessierte die Prüfer die Lebensführung der Pfarrer (der in Bergkirchen hatte 12 Kinder) sowie Umfang und Qualität ihrer religiösen Kenntnisse.

Im Bericht über die Pfarrei Bergkirchen ist auch die Filiale "s.Jacobus in Oberpachern" erwähnt. Das Einkommen der Kirche (neben dem der Pfarrei) betrug 6 Pfund 8 Pfennige, 3 Pfund Wachs und 1 Gulden. Davon mussten sie einen Jahrtag mit 4 Priestern ausrichten ("Miessen davon ain jartag ausrichten mit 4 priestern"). Die Ausgaben für Öl und Wachs betrugen 3 1/2 Gulden. Der Rest wurde gespart ("Was uberbleibt legen sy in stockh"). Die Kirchenrechnung erstellte der Pfleger zu Dachau. Er erledigte diese Arbeit kostenlos ("hat verdigs jars weder er noch pfarrer nichts genommen"). Im Außenbereich der Kirche fanden die Visitatoren eine neue Mauer um den Friedhof ("haben neulich ain guete maur umb den freithof gmacht"). Im Inneren der Kirche standen 2 Altäre und ein Sakramentshaus mit Ewigem Licht. Der Satz "Babtismus ist bei der Pfarr", bedeutet, dass die Kinder nicht in Oberbachern, sondern in der Pfarrkirche von Bergkirchen getauft wurden. An liturgischen Geräten waren vorhanden: zwei Kelche mit Corporale, ein Messbuch und drei Messgewänder ("ain guet und zwei allte"). Weiter heißt es: Wird an jedem 2.Sonntag, an den anderen 12 "Pottentäg" (= Apostelfesten) und an allen Marienfesten ("Frauen täg") gesungen (!). Dem Pfarrer wurde bescheinigt, dass er sich noch an die alten Kirchenbräuche halte. Dazu gehörte wohl auch, dass die besitzenden Gläubigen am Kirchweihfest spenden mussten: Ein (Voll)Bauer zahlte 24, ein Huber 12 und ein Söldner 6 Heller. Der Bericht über Oberbachern schließt mit dem Satz "sonst kain mangel".
Wenn Sie ganzen Bericht über die Pfarrei Bergkirchen -in heutigem Deutsch- lesen möchten, klicken Sie hier...


Schon vor dem 30jährigen Krieg standen einige Reparaturen am Gotteshaus an. In der Kirchenrechnung von 1630 sind die dringensten Reparaturen aufgelistet: "heraußen an der Khürchen die Sohnnen uhr renoviern Zlasßen", innen "Unser lieben frauen und St.Anna seiten Altar Zu Renoviern". Dazu sollten die Gläubigen mit einer Extrasteuer beitragen. Ob die Maßnahmen angesichts des Schwedeneinfalls zwei Jahre später tatsächlich durchgeführt wurden, ist mir nicht bekannt. Aber der Kistler Hans Stuber aus Dachau lieferte damals Fensterrahmen; das spricht für eine Vergrößerung der Fenster, wie sie in der beginnenden Barockzeit üblich waren.


Neubau 1726

Von der Vorgängerkirche des jetzigen Gotteshauses in Oberbachern, wissen wir nur, dass im Jahre 1630, also zwei Jahre vor dem Einfall der Schweden in Bayern, noch umgebaut wurde. Die Maurerarbeiten erledigte Melchior Winckhler aus Wessobrunn. Der Kistler Hans Stuter fertigte neue Fensterrahmen an.
Pfarrer Scheffler aus Bergkirchen beschrieb diese Kirche um 1720 als sehr klein; sie gleiche einem Turm, wie ihn früher die Römer als Wachturm gebaut hätten. Zudem sei sie sehr alt und baufällig.
Pfarrer Scheffler, der Auftraggeber der Fischerkirche in Bergkirchen, veranlasste auch den Bau der heutigen Kirche von Oberbachern. Bis 1729 beliefen sich die Baukosten auf 1113 Gulden, das entspräche heute dem Wert von rd. 250.000 Euro, wenn man den Vergleich auf die Handwerkerlöhne von damals und heute bezieht.


  Am 21.3.1722 wurde ein Bittgesuch der Gemeinde um Genehmigung eines Neubaues
    eingereicht.
Zwischen 1722 und 1726 baut der Dachauer Maurermeister Gregor Glonner (der Vater
    von Anton Glonner), der auch in Bergkirchen und später in Rudelzhofen, Bogenried und
    Großberghofen tätig war, diese Kirche neu auf. Der Turm blieb noch mehrere Jahre
    ungedeckt.
der Zimmermeister Joseph
Falter aus Dachau erhielt für seine Arbeiten 45 fl. 50 kr.
1726 fertigte Augustin
Pältl aus Bergkirchen den Stuck, der zwar nicht üppig ist, aber
    doch etwas reichhaltiger ausgefallen ist, als in den Kirchen der Umgebung.
Schreinermeister Nikolaus Prugger, der bei mehreren Kirchenbauten im Landkreis mitwirkte
    (Sulzrain, Dachau-St.Jakob, Breitenau) lieferte 1726 zwei Türen, erstellte 1731 die
    Kanzeltür und die Kanzelstiege, das Antependium (Altarvorsatz), die Stufen zum Hoch-
    altar und zwei Hochaltarportale, wie sie bei einem Barockaltar üblich waren.
Die Schlosserarbeiten erledigte Georg Spitzer aus Dachau (Georg Spitzer war übrigens
    auch in den Kirchen von Giebing, Dachau, Vierkirchen, Oberroth, Dachau, Haimhausen,
    Röhrmoos, Indersdorf und Sulzrain tätig)
.
1730 erstellte Zimmermeister Joseph Falter, der schon am Neubau beteiligt war, einen
    Überschlag (Kostenvoranschlag) für die neue Turmkuppel. Die errechneten Kosten
    betrugen 57 Gulden. Im gleichen Jahr hat der Zimmerer Georg Khracher aus Dachau das
    Kirchendach ausgebessert.


Ansicht von Westen

Schmidt'sche Matrikel von 1738/40
In den Jahren 1738 bis 1740 besuchte der Freisinger Kanonikus Schmidt alle Pfarreien der Diözese Freising beschrieb die Pfarr- und auch die Filialkirchen (Schmidt'sche Matrikel). Zur "Ecclesia filialis s.Jacobi in Oberpachern" bemerkt er, die Kirche sei erst kürzlich errichtet und noch nicht geweiht worden. Der Turm sei aber ruinös. In der Kirche stünden zwei Altäre, die dem hl.Jakobus und der Jungfrau Maria geweiht seien. Sonntagsgottesdienste würden abwechselnd mit Deutenhausen gefeiert. Außerdem fänden Messen an Ostern und Pfingsten sowie Marienfesten und an den Festen der Apostel statt. Das Kirchweihfest falle auf den Sonn-tag nach Mariä Geburt (nach 8.9.). In der Sakristei würden die notwendigen Messgewänder aufbewahrt. Im Friedhof stehe ein Beinhaus (in das die Gebeine der Toten nach der Exhumierung einige Jahre nach der Beerdigung gebracht wurden). Im Turm hingen zwei geweihte Glocken. Die Einnahmen der Kirche verwalteten der Pfarrer von Bergkirchen und der Landpfleger von Dachau. Der Bericht schließt mit dem einzigen Satz in deutscher Sprache: "Das Vermögen dises Gottshauses ist wegen des Neupaues ganz erschöpfet".


Beschreibung 1874

Um das Jahr 1870 erstellte der Dombenefiziat Anton Mayer eine Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising und
veröffentlichte sie im Jahr 1874 als Buch. Über Oberbachern ist darin zu lesen, dass dort 160 Gläubige in 28 Häusern lebten. St.Jakobus galt als Hauptfiliale des Cooperators der Pfarrei Bergkirchen. Zur Kirche schrieb Mayer: "Erbauungsjahr unbekannt. Ursprünglich gothisch, später verzopft (barock). Geräumigkeit genügend. Baupflicht (am Gotteshaus) hat die Kirche, am Cemeterium (Friedhof) die Gemeinde. Kuppel-Thurm mit 2 Glocken. Patrozinium am Sonntag vor Jakobi (vor 25.7.). Drei Altäre. Keine Orgel. Friedhof ohne Capelle. Gottesdienste an den Sonntagen abwechselnd mit Deutenhausen, außerdem an allen Hauptfesten. Stiftungen: 6 Jahrtage, 2 Jahrmessen, 4 Quatembermessen (Quatembersonntage sind: 1.Fastensonntag, Pfingsten, 3.Septembersonntag und 3.Adventssonntag)
. Am Fest Peter und Paul (29.6.) Procession um die Felder cum Sanctissime (mit dem Allerheiligsten). Meßner ein Gütler. Vermögen 7756 Gulden".

Restaurierungen

- 1630  
 "Kirchenausbesserungen" durch Melchior Winckhler, Maurermeister aus Wessobrunn
- 1726    
Neubau der Kirche
- 1796    
der Kistler Joseph Socher aus Lauterbach erledigte verschiedene Arbeiten um 2 fl.24 kr
- 1879
- 1908
- 1923
- 1963

- 1978-79  wurde das Mauerwerk saniert, außen neu verputzt, der Turm mit Schindeln gedeckt und das Kreuz vergoldet.                  Zugleich hat man das Vorhaus erneuert.


Statistik

In den alten Matrikeln, Beschreibungen und Zeitungsberichten werden immer wieder Zahlen genannt, die sich auf die Bevölkerung, die Seelen (Pfarreiangehörige), Häuser, Anwesen, Gebäude oder Familien beziehen. Leider ist die Bezugsgröße dieser Zahlen sehr unterschiedlich; sie sind deshalb nicht immer vergleichbar. So beziehen sich die Werte teils auf die Ortschaft oder die Gemeinde, teils auf die Pfarrei bzw. den Filialkirchenbezirk.
1852: Gemeinde Günding mit 69 Familien und 333 Einwohnern
1867: Gemeinde mit 366 Einwohnern, 137 Gebäuden
         Ortschaft mit 173 Einwohnern in 66
Gebäuden (dazu Breitenau 41/18, Unterbachern 127/44, Ried 25/9)
1874: Filialkirche mit 160 Gläubigen in 28 Häusern
1933: Gemeinde mit  414 Einwohnern
1939: Gemeinde mit  414 Einwohnern

 


Baubeschreibung

Die Kirche St.Jakobus steht im nordwestlichen Teil des Dorfes, inmitten eines ummauerten Friedhofs. Josef Burkhart, Bergkirchner Pfarrer und Chronist, beschrieb die Kirche im Jahr 1948 als "unansehnlich, klein, den Bedürfnissen der Filiale gerade ausreichend". Die Größe ist zwar heute noch die gleiche, doch sie hat inzwischen durch Renovierungen erheblich an Schönheit gewonnen und reicht inzwischen für die Bedürfnisse der immer weniger werdenden Kirchenbesucher leicht aus.

Der Chor/Altarraum (5,20 x 8,5 Meter) ist nur gering eingezogen und schließt halbrund.
Das 12,5 x 9 Meter große Kirchenschiff erstreckt sich über drei Achsen.

Das Missionskreuz wurde von der Südseite entfernt, restauriert und am Giebel des Vorhauses angebracht.
Mehr über Volksmission erfahren Sie hier...


Missionskreuz

Zwiebelturm
Der mit Holzschindeln gedeckte Zwiebelturm ist nordöstlich am Chor angebaut. Der Grundriss ist in den unteren beiden Geschossen rechteckig (4,70 x 3,80 Meter), weiter oben achteckig. Der Turm ist durch Pilaster gegliedert und besitzt acht rundbogige Schallfenster. Die Turmzwiebel wird wohl im Anschlusss an den Neubau, um das Jahr 1730 errichtet worden sein, denn aus der Kirchenrechnung ist bekannt, dass der Zimmermeister Joseph Falter einen Überschlag für neue Turmkuppel erstellt hat und die Kosten auf 57 Gulden geschätzt hat.
Glocken
In der Glockenstube hängen
- die Glocke "Patrona Bavaria" aus dem Jahr 1922 und
- die "Josefsglocke" von 1949 (gegossen von Karl Czudnochowsky, Erding).
Früher soll auch eine sehr alte Glocke dort gehangen haben. Vielleicht wurde sie 1930 zerstört, als ein starker Sturm die Kirch-turmspitze heruntergerissen hatte. 
Eine Auflistung der ältesten Glocken im Landkreis finden sie übrigens hier....
Erst im Jahre 1978 erhielt der Kirchturm seine erste Turmuhr.

Zwiebelturm
Hinweis: Woher die so typisch bayerisch-barock anmutende Zwiebelform kommt, ist erstaunlicherweise nicht geklärt. Einige der Experten vermuten, dass sie eine Nachahmung und Weiterentwicklung der im 7.Jh errichteten Moschee auf dem Tempelberg in Jerusalem (Felsendom) und somit arabischen Ursprungs ist. Damals glaubten europäische Baumeister, die Kuppel stamme noch vom Tempel Salomons und verbanden mit ihr die Vision vom himmlischen Jerusalem. Andere Kunstexperten sehen in der Zwiebel eine Weiterentwicklung der byzantinischen Kuppel, die auch in Russland großen Anklang fand. Fest steht jedoch, dass die ältesten zwiebelförmigen Kuppeln im alten Baiern die der Münchner Frauentürme sind (1525). Weite Verbreitung fand die Zwiebel als Bauform aber erst im Italien der Renaissance und bei uns in der Barockzeit nach dem 30jährigen Krieg. Ihre Form -unten bauchig, oben spitz- passte wunderbar zur Kunstauffassung und zum Lebensstil des Barocks und galt "als Synthese aus der Bewegung ins Übersinnliche und dem Verharren in den Wölbungen des Sinnlichen".

Im Untergeschoss des Turms ist die Sakristei eingerichtet.

Der Eingang befindet sich an der Westseite und ist durch ein kleines Vorhaus vor Witterungseinflüssen geschützt.



Innenausstattung


A
ltarraum/Chor

Der Innenraum ist mit Stuckarbeiten von Augustin Pältl aus Bergkirchen geschmückt. Pältl war auch in den Kirchen von Rumeltshausen, Fahrenzhausen und Bergkirchen, sowie wahrscheinlich in Etzenhausen, Arnbach und Pipinsried tätig.
Blickfang ist eine große stuckierte Muschel in der halbrunden Apsis des Chores über dem Hochaltar.

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Stuckmuschel

Sie erinnert an den Kirchenpatron Jakobus. Die Muschel wurde zum Attribut von St.Jakob, weil Pilger an seinem Grab in Santiago de Compostela am Mantel oder am Hut eine Muscheldarstellung als Pilgerabzeichen mitbrachten.

Die Mitte des Chorgewölbes ziert ein vierpaßförmiges Stuckrahmenfeld.


Der Altarraum ist nur wenig eingezogen, und schließt halbrund


H
ochaltar /Choraltar

Der barocke, schwarz-gold gefasste Hochaltar stammt aus der ehemaligen "Job-Kapelle" der Pfarrkirche von Bergkirchen (andere Quelle: war der alte Hochaltar von Bergkirchen) und ist wohl um 1700 entstanden. 1726 wurde er von Bartholomäus Schuhpaur hier aufgestellt. Johann Friedrich Scheffler (ein Verwandter von Pfarrer Scheffler ?) fasste (bemalte) ihn damals (andere Quelle: 1738) für 52 Gulden neu; zuvor war er ganz schwarz gestrichen. 1963 gestaltete der Architekt Max Gruber aus Bergkirchen den Altar um. (Max Gruber hat sich auch bei der Erforschung der Geschichte der Kirchen im Dachauer Land und insbesondere der Erfassung der darin tätigen Künstler große Verdienste erworben).

Im Altaraufsatz ist seit 1960 in einem Glasschrein mit Muschelkalotte eine kleine Marienfigur nach Art des Ettaler Muttergottesbildes angebracht. Die Figur stand früher in Bergkirchen. Die Statue ist mit einem gold-bestickten Stoffmantel bekleidet. Auf ihrem Haupt trägt sie eine Krone.
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Altaraufsatz
Der Glasschrein steht unter einem modellierten Baldachin mit Quastenvorhang und einer großen Königskrone als Spitze. Auf diese Weise bildet das Gesamtwerk ein Dreieck, das in Kirchen meist auf die Dreifaltigkeit hindeutet. An der Wand umrahmen ein Strahlenkranz und die erwähnte große, das Bild des Altarraums prägende Stuckmuschel den Schrein.

Hochaltarblatt
Das Hochaltarblatt, in dem der Kirchenpatron St.Jakob als Prediger dargestellt wird, wurde vom Kunstmaler Richard Huber (1902-1982) aus Dachau im Jahr 1960, fünf Jahre nach dem Deckenfresko, gemalt. Mehr zu Richard Huber finden Sie hier..

Altarblatt: St.Jakobus
Hinweis: Jakobus der Ältere, der Patron der Kirche in Oberbachern, war der Sohn des Fischers Zebedäus und der ältere Bruder des Jüngers Johannes. Er zählte neben seinem Bruder und Petrus zu den drei bevor-zugten Jüngern, die bei der Verklärung Jesu und in seiner Todesangst im Garten Gethsemane zugegen waren.Der Überlieferung nach verkündete er nach Pfingsten in der Gegend um Samaria und Jerusalem das Evangelium, bis er durch König Herodes Agrippa I. von Judäa im Jahr 43 geköpft wurde; Jakobus war der erste Märtyrer unter der Aposteln (Ap 12, 1-2).
 
Der Legende nach setzten Anhänger seine Leiche in ein Boot, das im Meer herumtrieb und in Galizien, im Nord-westen Spaniens strandete. Dort hat man ihn begraben.
800 Jahre später, zur beginnenden Reconquista (Rückeroberung des maurischen Spaniens durch die Christen) entdeckte König Alonso II. das Grab wieder und baute eine Kirche darüber. Bald begann die Wallfahrt und Santiago de Compostela wurde eines der größten Wallfahrtszentren des Abendlandes. Durch ganz Europa führten feste Wallfahrtswege dorthin; bis ins 15. Jahrhundert zog der Ort mehr Pilger an als Rom oder Jerusalem. St.Jakob bekam seine Attribute (Pilgerkleidung und Muschel) erst im 13.Jh. Die Pilger erhielten am Ziel damals einen Hut, der mit einer Muschel geziert war. Zuvor war Jakobus meist mit einer Schriftrolle abgebildet.
Festtag: 25.Juli

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Engel am Altar

Links und rechts des Altarbildes sind auf dem vorkragenden Gesims Dachungsengel im Stile des 17.Jh angebracht. Sie tragen Kartuschen mit Textauszügen des eucharistischen Hymnus von Thomas von Aquin (1225–1274) und zwar den Beginn der zweiten Strophe "Tantum ergo": Links "Tantum ergo sacramentum", rechts "Veneremur cernui".
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Engel am Altar
Hinweis: Engel (von griechisch angelos = Bote) waren in der Kunst des Frühchristentums immer Männer ohne Flügel. Sie sollten sich von den antiken Göttern wie Nike oder Hermes unterscheiden, die Flügel trugen. Erst als das Christentum im 4.Jahrhundert Staatsreligion wurde, bekamen die Engel Flügel; dazu einen Heiligenschein und sogar Hoftracht. Bis zu den ersten weiblichen Engeln dauerte es aber noch 800 Jahre. Erst Giotto malte Engel mit weiblichen Zügen. Wahrscheinlich hat der damals beginnende Marienkult die Verweiblichung verstärkt. In der Renaissance und vor allem im Barock setzten sich die Putten (geflügelte Knaben, die auf heidnische Eroten = Liebesgötter zurückgehen) und die geflügelten Engelsköpfchen durch, die in kaum einer der Barock-kirchen unseres Landkreises fehlen. Erst in der Romantik wurden die Engel wieder erwachsener. Die Malerschule der Nazarener prägte die Engel mit großen Flügeln, Anmut und Hoheit, die uns als Schutzengel von den Bildern im Schlafzimmer oder den Heiligenbildchen des 20.Jh bekannt sind.
Zwischen den Wendelsäulen des Altars stehen als Assistenzfiguren zwei Heilige, die als Pestpatrone verehrt werden. Die Figuren wurden schon um das Jahr 1600 geschnitzt.
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St.Sebastian und St.Rochus
- Der hl. Sebastian am Marterbaum von Pfeilen
  durchbohrt (links) und
- der hl. Rochus mit Pestbeule am rechten Fuß,
   Pilgerflasche und Pilgerstab in der Hand. Zu
   seinen Füßen sitzt ein Hund mit Broten im
   Maul.
 

Hinweise:
Rochus (1295-1327) trat in den Dritten Orden der Franziskaner ein und begab sich auf Pilgerfahrt nach Rom; unterwegs half er bei der Pflege von Pestkranken. Er wurde selbst pestkrank (Pestbeule am Oberschenkel) und
zog sich in eine Hütte im Wald zurück. Dort pflegte ihn ein Engel und ein Hund brachte ihm Brot, bis er genesen war und heimkehren konnte. Daheim wurde er für einen Spion gehalten und bis zu seinem Tod eingekerkert. Rochus wird in einigen Gegenden zu den 14 Nothelfern (zuständig für Bein- und Knieleiden) gerechnet. Festtag: 16.Aug.
Pilgerflaschen (lat.curcurbita=Kürbis) waren meist birnenförmige Gefäße, die am Rand zum Durchziehen einer Tragekordel mit Ösen versehen waren. Ursprünglich bestanden sie aus einem ausgehöhlten und getrockneten Flaschenkürbis, später auch aus anderen Materialien. Da die Pilger auf ihrer Wanderschaft zu den großen Wallfahrtsstätten der Christenheit oft menschenleere Gebiete durchqueren mussten, führten sie in der Pilgerflasche immer einen Labetrunk mit sich. Vom Wallfahrtsort wurden dann meist mit geweihtem Wasser gefüllte Pilger-flaschen nach Hause mitgebracht.

Sebastian
soll nach der Legende im 3.Jh.ein Offizier der kaiserlichen Garde gewesen sein. Auf Befehl des Kaisers Diokletian wurde er wegen seines Glaubens mit Pfeilen durchschossen. Er erholte sich aber durch die Pflege von St.Irene, der Witwe des Märtyrers Kastulus, bekannte sich erneut zu seinem Glauben und wurde daraufhin mit Keulen erschlagen. Auf seine Anrufung hin, soll eine Pestepidemie abgewendet worden sein. Sebastian wird deshalb als Pestpatron und -der Pfeile wegen- als Patron der Schützenbruderschaften verehrt. Festtag: 20.Januar

Beide Heiligen könnten auf eine Pestepidemie in Oberbachern hindeuten sowie auf eine damals bestehende Sebastiani-Bruderschaft. 


Tabernakel

Der Tabernakel ist an der Frontseite mit vergoldeten Reliefs versehen. Umrahmt von Weinreben und Getreideähren (Sinnbild für Wein und Brot) ziert ein Kreuz die Mitte der Tabernakeltüren. Daneben sind die griechischen Buchstaben A und O (Alpha und Omega) eingraviert.
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Tabernakel
Diese beiden Zeichen sind der erste und letzte Buchstabe des griechischen Alphabets. Sie beziehen sich auf Kap.1 Vers 8 der Offenbarung: "Gott der Herr sagt, ich bin der Erste und der Letzte, der ist und der war und der kommt, der Herr der ganzen Welt." Die frühchristliche Kunst hat die Alpha- und Omegazeichen auch auf Christus bezogen um die von den Arianern bestrittene Wesensgleichheit (Göttlichkeit) von Christus mit Gottvater zu betonen.
  Hinweis: Tabernakel ist das lateinische Wort für Zelt. Die seit dem 12. Jh übliche Bezeichnung führt zurück zur Bundeslade der Israeliten zur Zeit Mose, die ebenfalls in einem Zelt untergebracht war. Der Tabernakel dient bereits seit frühchristlicher Zeit (unter anderem Namen) zur Aufbewahrung verwandelter Hostien für die Sterbenden. Im hohen Mittelalter wurde er auch Ort der Anbetung und Verehrung Christi in der Gestalt dieses eucharistischen Brotes. Der Ort und die Form der Aufbewahrung änderten sich im Laufe der Jahrhunderte häufig. Das Tridentinische Konzil (1545-63) ordnete die Aufstellung des Tabernakels auf dem Altar an. Doch diese Vorschrift wurde in Deutschland, wo man lange daran festhielt, die geweihten Hostien in Wandschränken und Sakramentshäuschen aufzubewahren, erst im 18. Jahrhundert umgesetzt. Das 2. Vatikanische Konzil (1962 - 65) lässt eine getrennte Aufbewahrung wieder zu. Deshalb werden in modernen oder modernisierten Kirchen Tabernakel häufig in die Wand eingelassen oder stehen frei auf einer Säule.

Das Antependium besteht aus Holz und ist marmoriert (=mit Marmormuster bemalt). Die Kreuzleisten sind teilvergoldet.




Beichtstuhl


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Beichtstuhl

Im Altarraum steht noch ein schöner alter Beichtstuhl im barocken Stil, der vor nicht allzu langer Zeit renoviert worden sein dürfte. Er wird durch ein großes Kreuz gekrönt.
Hinweis: Über Jahrhunderte hinweg wurde das Bekenntnis der Sünden offen im Kirchenraum beim Sitz (Kathedra) des Bischofs, später bei dem des Priesters im Altarraum abgelegt. Dieser besonders hervorgehobene Sitz des Beichtvaters war die Ausgangsform des Beichtstuhls.Durch die irisch-schottischen Mönche wurde die Beichte im 10.Jh individualisiert, d.h., nicht mehr öffentlich abgelegt. Dazu bedurfte es nicht nur einer größeren Zahl von Priestern, sondern auch neuer Einrichtungsgegenstände. Der heutige Beichtstuhl entwickelte sich allerdings erst ab dem 16.Jh. zu einem feststehenden, meist dreiteiligen, mehr oder weniger geschlossenen Beichtgehäuse mit dem Mittelteil für den Priester (in dem der Priester sitzt - deshalb Beichtstuhl) und mit der Trennung von Priester und Beichtenden durch eine Zwischenwand mit Sprechgitter. Die Beichtenden knien abwechselnd in den Seitenteilen. Damit wurden bessere Bedingungen für einen anonymen Vollzug der Beichte geschaffen. In neuerer Zeit bieten sogenannte Beichtzimmer mit ihrer persönlichen Atmosphäre eine räumliche Alternative für Beicht- und Glaubens-gespräche. Die Beichte geht auf das Bibelwort "Er hauchte sie an und sprach zu ihnen: Wem Ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem Ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert" (Joh 20,22) zurück.



C
horglocke

Am Eingang zur Sakristei ist die Chorglocke (Durchm. 10 cm) mit kunstvoll geschmiedetem Gestänge und einer breiten, mit Stickereien verzierten Borte als Glockenzug angebracht (um 1900).
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Chorglocke
Hinweis: Die Chorglocken werden geläutet, wenn Priester und Ministranten bei Beginn des Gottesdienstes die Sakristei verlassen und den Altarraum betreten.

Die Sakristeitüre aus Eichenholz mit ihren schmiedeeisernen Beschlägen stammt noch aus dem 18.Jh.


Glasmalereien an den Kirchenfenstern im Altarraum

 

Die Kirchenfenster im Chorraum sind von einem Stuckrahmen umgeben und mit Glasarbeiten über die Heiligen
      - Anna (Buch und Tochter Maria),
      - Josef (Lilie, Zimmermannsaxt),
      - Notburga (Getreideähren und Sichel) und
      - Leonhard (Vieh,Kette,Abts-Stab)
gestaltet. Die Fenster wurden um 1935 von der Familie Gasteiger aus Oberbachern gestiftet und vom Glasmaler Syrius Eberle aus Dachau geschaffen. Mehr über Syrius Eberle, der viele Kirchen des Landkreises verschönert hat, erfahren Sie hier...

  Hinweise:
Anna
war nach apokryphen Evangelien des 2. bis 6. Jh die Mutter von Maria und somit die Großmutter von Jesus. Ähnlich wie Hanna (1. Samuel 1-2) soll sie Maria erst nach zwanzigjähriger kinderloser Ehe geboren haben. Deshalb wird sie in der Kunst als ältere, verheiratete Frau mit Kopftuch dargestellt. Das Buch in der Hand deutet auf die Legende hin, dass sie ihrer Tochter Maria das Lesen beigebracht haben soll. Festtag: 26.Juli

Joseph
war der Vater Jesu - oder Ziehvater Jesu, da nach altchristlicher Überzeugung Jesus der Sohn Gottes ist und durch den Heiligen Geist im Schoß der Jungfrau Maria gezeugt wurde. Joseph stammte aus dem Geschlecht des Königs Davids, aus dem nach dem Zeugnis des Alten Testaments der Messias hervorgehen werde. Er lebte als Zimmermann in Nazareth. Festtag:19.März

Die in Bayern ungemein beliebte Notburga war eine Bauernsmagd aus Tirol, die der Aufforderung des Bauern, auch nach dem Gebetläuten noch auf dem Feld zu arbeiten, nicht nachkam und die Sichel in die Luft hängte. Sie ist eine der wenigen Heiligen, die aus ganz einfachen Verhältnissen kam und kein geistliches Amt innehatte. Festtag: 14.9.

Leonhard
(in Bayern einer der 14 Nothelfer) lebte um das Jahr 500 als Einsiedler und später als Abt in Frankreich. Regelmäßig besuchte er die Gefangenen und erreichte beim König Clodwig I., dass viele von ihnen freigelassen wurden. Deshalb galt er ursprünglich als Schutzpatron derer, "die in Ketten liegen", also der Gefangenen - und der Geisteskranken, die man bis ins 18. Jahrhundert ankettete. Als die Leonhardsverehrung nach Deutschland kam, hat man ihn wegen der Ketten, mit denen er in Frankreich abgebildet war, als Patron der Haustiere verehrt, weil man diese Ketten als Viehketten missdeutete.
In Bayern erreichte die Leonhardsverehrung im 19.Jh ihren Höhepunkt. Man nannte ihn auch den "bayerischen Herrgott". Am Leonhardstag, dem 6. November werden Leonhardiritte abgehalten und Tiersegnungen vorgenommen. Festtag: 6.Nov.

Ewig-Licht-Ampel

An der linken Seite des Altarraums hängt die prachtvolle neuromanische Ewig-Licht-Ampel aus getriebenem Messingblech, das versilbert wurde (2.Hälfte des 19.Jh). Getrieben bedeutet, dass das Kunstwerk durch Hämmern von der Rückseite her über einer nachgiebigen Unterlage erstellt wurde. Schon um 1670 war eine Ewig-Licht-Ampel erworben worden. Pfarrer Johann Lechner hatte dazu 200 Gulden (!) aus eigener Tasche dazugegeben. Es war wohl ein wertvolles Schmuckstück.

Ewig-Licht-Ampel
Hinweis: Das rote Öllämpchen, das stets im Altarraum brennt, gilt oft als Erkennungsmerkmal eines katholischen Gotteshauses. Früher gab es solche Lichter nur an den Märtyrergräbern. Mit der wachsenden Verehrung der aufbewahrten Eucharistie hat sich etwa seit dem 13. Jh der Brauch des "Ewigen Lichtes" vor dem Tabernakel, wo das Allerheiligste aufbewahrt wird, herausgebildet: Johanniter-Ritterorden hatten das Ewige Licht von den Kreuzzügen aus dem Heiligen Land mitgebracht. Durch sein dauerndes Brennen weist es darauf hin, dass in dieser Kirche geweihte Hostien aufbewahrt werden.

 

Die Kirche hat keinen Zelebrationsaltar (sog.Volksaltar); die hl. Messe muss vom Priester wie in vorkonziliaren Zeiten mit dem Rücken zum Volk gelesen werden.  Nach der Grundordnung des Römischen Messbuchs [2002 Nr. 299] soll ein Zelebrationsaltar aufgestellt werden: "überall wo es möglich ist" (quod expedit ubicumque possibile sit). Warum es in Oberbachern nicht möglich ist, ist mir nicht bekannt; mangelnder Platz kann es jedenfalls nicht sein.
  Hinweis: Der Altar war das Symbol des heidnischen Gottesdienstes. Das lateinische Wort adolere = verbrennen bezeichnet die ursprüngliche Bedeutung als Stätte zur Verbrennung der Opfer. Die ersten Christen hatten keinen Altar. Jesus versammelte die Seinen um den Tisch, und das hielten auch die Christen während der ersten Jahrhunderte so; zur Eucharistiefeier konnte jeder beliebige Tisch dienen. Im 4.Jh wurde das Opfer Jesu in das Tischgeschehen hineingenommen und der Altar eingeführt. Er war meist aus Stein, frei aufgestellt und von allen Seiten zugänglich. Ab dem 8. Jahrhundert weicht die Tischform immer mehr der Blockform. Dies kommt der Entwicklung entgegen, im Altar Reliquien von Märtyrern und Heiligen beizusetzen. Der zelebrierende Priester stand hinter dem Altar, sodass seine Handlungen während der Messfeier für die ganze Gemeinde sichtbar waren. Als der Altar dann im 11.Jh eine Rückwand mit hohen Altaraufbauten (Retabel) erhielt und weiter an die Ostwand rückte, wandte der Priester der Gemeinde den Rücken zu. Dies ist in der katholischen Kirche durch eine Liturgiereform erst vor 40 Jahren wieder rückgängig gemacht worden. Die Reform erreichte aber noch nicht alle Kirchen.

 

Kirchenschiff / Langhaus


Das Kirchenschiff bzw. Langhaus wird von vier Rundbogenfenstern und zwei kleineren, kreisrunden Fenstern erhellt.
Die an den Seiten abgeschrägt Decke ist mit einem großen Gemälde und vielen durch Stuckrahmen gebildeten geometrischen Feldern und Blumenornamenten in verschiedenen Pastellfarben verziert.
Ob der Stuck noch aus dem Jahr 1726 (von Augustin Pältl) stammt und in der Zeit um 1920 lediglich restauriert wurde oder 1920 neu aufgebracht wurde, vermag ich nicht zu sagen (unterschiedliche Quellen). In jedem Fall wurde er 1955 erneuert.



D
eckenfresko


Das Deckenfresko im Langhaus wurde von Richard Huber(1902-1982) im Jahr 1955 gemalt. In ihm ist der Kirchenpatron St.Jakob dargestellt. Bauernsleute bitten ihn um eine gute Ernte oder danken ihm dafür. Im Hintergrund eine Ortsansicht von Oberbachern.
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St.Jakobus
Mehr über den Dachauer Maler Richard Huber erfahren Sie hier...



S
eitenaltäre

Die beiden zweisäuligen Seitenaltäre stammen wohl aus dem späten 17.Jh und wurden bei ihrer Aufstellung 1725/26 und nochmals in den 1950er-Jahren umgearbeitet. Sie sind rot-beige marmoriert und teilvergoldet.
Ein Seitenaltar kommt, wie der Hochaltar, aus Bergkirchen, der zweite aus Palzing bei Freising. 

Linker Seitenaltar

Altaraufsatz
Im Aufsatzbild ist eine heilige Klosterfrau dargestellt. Sie hält ein Buch und einen Pfeil in der Hand. Über ihr schwebt als eine Art Vision das Bild des Gekreuzigten. Bei der dargestellten Heiligen dürfte es sich um Theresia von Avila  handeln.
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St.Theresia
Hinweis: Die hl. Theresia (1515-1582) war Klosterfrau bei den Karmelitinnen und erlebte eine Reihe von Visionen. Ihre Schriften bezeugen Teresa als Mystikerin von einer nie zuvor oder danach erreichten Tiefe des Erlebens. "Das große Buch von der Erbarmungen Gottes", "Der Weg zur Vollkommenheit", "Die Seelen-burg", ihre Autobiografie und mehr als 400 erhaltene
  Briefe begründen das ihr zugemessene Prädikat der Kirchenlehrerin. Der Pfeil erinnert an die "Transverberation", (mystischer Ausdruck für die Durchbohrung des Herzens durch einen Engel), die sie ständig körperliche Qualen erdulden ließ.
Mittelteil
Der linke Seitenaltar ist ein Marienaltar. Mittelpunkt ist eine lebensgroße Muttergottes-statue, die auf dem linken Arm das Jesuskind trägt und in der Rechten ein Zepter hält. Ihre Miene macht einen "etwas grantigen Eindruck". Die Figur stammt noch aus gotischer Zeit und wurde wohl um 1480 geschnitzt.
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St.Antonius-St.Maria-St.Franziskus
Assistenzfiguren sind Statuen
- des hl. Antonius, dem man aus Platzgründen
  den linken Arm abgenommen hat und der in
  der unversehrten Hand eine Buch hält (links) sowie
- des hl. Franziskus mit Kreuz und Wundmalen
  (rechts am Chorbogen).
Beide Figuren stammen wie der Altar aus der Zeit um 1700.
 
  Hinweise: Antonius lebte im 13.Jh und war ein begnadeter Redner, der sich gegen die damaligen Häretiker (Katharer, Albigenser und Waldenser) wandte. Seine Fastenpredigten in Padua 1231 hatten einen sensationellen Erfolg, denn die ganze Region schien danach wie umgewandelt: Schulden wurden erlassen, zerstrittene Familien versöhnten sich, Diebe gaben das gestohlene Gut zurück, unrechtmäßige und überhöhte Zinsen wurden den Schuldnern zurückerstattet. Bis heute gilt in Italien ein damals erlassenes Gesetz, dass niemand mit seinem Leben und seiner Freiheit für eine Schuld haften solle, sondern nur mit seinem Eigentum. Antonius wird als Hilfe zum Wiederauffinden verlorener Gegenstände angerufen und gilt deshalb als "Patron der Schlamperer". Dies geht auf zwei Legenden zurück: Als ihm ein Manuskript gestohlen worden war, betete er so lange, bis der Dieb damit zurückkehrte. Schöner ist die zweite Legende, nach der er einem Geizhals half sein Herz zu suchen und es in einer Geldtruhe fand. Die Darstellung mit dem Jesuskind auf seinem Arm ist bei uns erst seit dem 17.Jh verbreitet; sie verweist auf eine seiner Visionen, die er beim Bibellesen hatte. Festtag: 13.Juni

Der hl. Franziskus entsagte im 13.Jh allem Besitz und gründete den Orden der Minoriten, die sich besonderes der Armenpflege, Seelsorge widmeten. Seine glühende Liebe zu Gott und zur Schöpfung faszinierte die Menschen und er hatte damals schon viele Bewunderer und Verehrer. Franziskus wird häufig auch mit einem Kruzifix abgebildet, weil er in einer Vision Christus von einem (geflügelten) Kruzifix zu ihm herabsprechen hörte und dabei seine Wundmale erhielt. Zudem war ihm die Verbreitung der Passionsfrömmigkeit ein Hauptanliegen. Festtag
: 4.Oktober


Rechter Seitenaltar

Altaraufsatz
Im Altaraufsatz, auch Altarauszug genannt, ein Bild des hl. Ulrich von Augsburg mit wallendem Bart, im Bischofsornat und mit einem Fisch in der rechten Hand (2.Hälfte des 19.Jh). Zu beiden Seiten des ovalen Bildes zwei Anbetungsengel.
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St.Ulrich
Hinweis: Der hl. Ulrich (890-973) war Bischof von Augsburg. Berühmt wurde er als Sieger über die räuberischen Ungarn auf dem Lechfeld bei Augsburg im Jahr 955. Zum Dank verlieh ihm Kaiser Otto I. das Münzrecht für Augsburg.
  Hinweise: Ulrich (890-973) war Bischof von Augsburg. Berühmt wurde er als Sieger über die räuberischen Ungarn auf dem Lechfeld bei Augsburg im Jahr 955. Zum Dank verlieh ihm Kaiser Otto I. das Münzrecht für Augsburg. Ulrich baute dann die von den Ungarn zerstörten Klöster und Dörfer seines Gebiet wieder auf. Er selbst lebte bescheiden. Als er starb, wurde er mit dem Teppich, auf dem er auf der Erde zu schlafen pflegte, begraben. Die Fischlegende berichtet: Als er an einem Donnerstagabend mit dem Bischof Konrad von Konstanz zu Tisch saß, vertieften sich beide die Nacht über ins Gespräch, bis am Morgen des Freitag ein Bote des Herzogs, dem Ulrich Unrecht vorgehalten hatte, einen Brief brachte. Ulrich reichte als Botenlohn den beim Nachtessen nicht verzehr-ten Rest des Bratens, ein Gänsebein. Der Bote brachte dies dem Herzog, um den Bischof nun seinerseits des Unrechts überführen zu können, nämlich, dass er am Freitag Fleisch gegessen habe. Als der Herzog das Gänsebein aus der Umhüllung nahm, hatte es sich in einen Fisch verwandelt. Gedenktag: 4.Juli
Mittelteil
Der rechte Seitenaltar ist dem hl. Leonhard geweiht, dessen Statue aus dem 18.Jh. in der Mittelnische des Altars steht. Sie ist ausgestattet mit den typischen Attributen: Abtsstab, Ketten und Rind.
Früher hatte diese Figur ihren Platz weiter links am Chorbogen und richtet heute deshalb den Blick zum Fenster.
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St.Leonhard
Nach Meinung von Kirchenbesuchern macht der Kopf dieser Figur des Bauernheiligen einen sehr korrekten, "beamtenmäßigen" Eindruck.
Vergleichen Sie selbst, ist das der Kopf eines Beamten oder Buchhalters ?    
Auf dem rechten Seitenaltar sind keine Assistenzfiguren vorhanden.
   


Kanzel

Die schwarz-gold gefasste Barock-Kanzel mit Schalldeckel stammt aus dem Ende des 17. Jh und kommt -alten Überlieferungen zufolge- aus Tödtenried.
Am prächtigen Schalldeckel ist auf der unteren, dem Prediger zugewandten Seite, eine Heilig-Geist-Taube im Strahlenkranz angebracht. Sie soll die Anwesenheit des Heiligen Geistes symbolisieren, auf dessen sieben Gaben der Prediger in ganz besonderem Maß angewiesen ist. Die sieben Gaben des Heiligen Geistes gehen auf die Weissagung des alttestamentlichen Propheten Jesaja zurück: der Geist der Weisheit und der Einsicht, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und der Gottesfurcht" (Jes. 11,1.2). Die siebte Gabe, die der Frömmigkeit wurde-wohl wegen der "heiligen Zahl 7"- später hinzugefügt.

Kanzel 17.Jh.
Die Kanzel war über die Sakristei durch eine Türe in der Rückwand (Dorsale) zu betreten. Auf diese Blechtüre ist ein Bild von Jesus, dem Guten Hirten aufgemalt (2.Hälfte 19.Jh).Die Darstellungen des Guten Hirten mit einem Schaf auf den Schultern waren in der Frühzeit auf die Sündenvergebung bezogen (Mt.18,12-14). In der Barockzeit trat die von Jesus auf die Priester übertragene Hirtenfunktion in den Vorder-grund und damit dessen Hauptaufgabe, die Verkündi-gung des Evangeliums. Deshalb wurde der Gute Hirte -so wie in Oberbachern- ein bevorzugtes Bildnis an den Kanzeln.
Die Predigt wurde in altchristlicher Zeit -ähnlich wie heute- von einem Ambo aus gehalten. Ab dem 13. Jh. hat man Kanzeln gebaut, die zumeist seitlich im Mittelschiff ihren Platz haben, dort, wo die Gemeinde versammelt ist. Von hier aus konnten die Prediger auch von oben herab sprechen, was ihren Worten größere Wirkung verleihen sollte. Spätestens seit dem 2.Vatikanischen Konzil 1962 werden sie nicht mehr benutzt.
Der fünfeckige Kanzelkorb ruht auf einer halbkreisförmigen Konsole. In seinen Nischen stehen zwischen kleinen, gewendelten Säulen die Figuren der vier Evangelisten mit ihren Attributen.
  
Die vier Evangelisten
 

Matthäus

 

 

 

 

Evangelistensymbole:
— Der Löwe ist Sinnbild für Markus, weil das Markusevangeliums mit der Predigt des
   Johannes in der Wüste, dem Lebensraum des Löwen, beginnt.
— Den Adler des Johannes verstand man als Symbol für den spirituellen Höhenflug des
   Johannes-Evangeliums.
— Matthäus hat als Attribut einen Menschen, der auf den Stammbaum Jesu und auf seine
   Geburt (mit deren Bericht das Matthäusevangelium beginnt) hinweist.
— Der Opferstier des Lukas gilt als Zeichen für den Beginn des Lukas-Evangeliums, das
   mit dem Opfer des Zacharias einsetzt.
Unter den Evangelistenfiguren an der Oberbacherner Kanzel sind Schilder mit den Namen der Evangelisten angebracht. Dabei sind die Schilder unter Matthäus und Lukas vertauscht.


Kanzel-Detail

Gekrönt wird die Kanzel von einer mit Gold überzogenen IHS-Gloriole. Auf ihr prangt ein Kreuz mit dem
Jesusmonogramm IHS. Diese Buchstaben können auf zwei Arten gedeutet werden:
- als die Anfangsbuchstaben des in griechischen Großbuchstaben geschriebenen Namens Jesu   (JHSOUS);
- als die Anfangsbuchstaben von "Jesus, hominum salvator" mit der Bedeutung: "Jesus, Erlöser der Menschen"

 



K
reuzigungsgruppe
Kanzelkreuz und Mater Dolorosa

An der Südwand gegenüber der Kanzel hängt das sog. Kanzelkreuz, ein großes Kruzifix (um 1600 ?); der Corpus am Kreuz lässt das Leiden, das dem Tod am Kreuz vorausgegangen ist, nicht erkennen. Insbesondere die feine, nur wenig verletzte Haut ist ungewöhnlich.
Darunter steht eine Marienfigur (Mater dolorosa). Üblicherweise wird sie vom Künstler mit einem Schwert dargestellt, das die von Simeon angekündigten Schmerzen versinnbildlicht. Hier in Oberbachern fehlt das Schwert. Der Gesichtsausdruck und die über der Brust gekreuzten Hände weisen sie aber als Mater dolorosa (Schmerzens-mutter) aus. Sie ist in ein Gewand mit den "traditionellen Marienfarben" rot-blau-gold gehüllt. Ihr Kopf wird von einer barocken Krone bedeckt (Himmelskönigin); um ihr Haupt ein Kranz von 12 Sternen als Hinweis auf die apokalyptische Frau aus Kap 12, Vers 1 der Offenbarung des Johannes: (eine Frau ... mit einem Kranz von 12 Sternen um das Haupt...).

Die Kreuzigungsgruppe wurde 1726 vom Dachauer Maler Joh. Georg Hörmann (1672-1749) gefasst.

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Kanzelkreuz

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Mater dolorosa

  Hinweis: Kanzelkreuz
Das Kruzifix an der Südwand wird Kanzelkreuz genannt, weil es in der Regel der Kanzel gegenüber an der Wand angebracht ist. Es erinnert den Prediger an den 1.Korintherbrief (1,3), in dem der hl.Paulus schreibt: "Wir predigen Christus als den Gekreuzigten". Die Ansprache soll nicht weltliche Dinge, sondern den Tod und die Auferstehung Christi zum Inhalt haben. In den frühchristlichen Kirchen wurde das Kreuz ohne den Corpus des Gekreuzigten angebracht. Dann aber wurde Christus am Kreuz als lebender und über den Tod triumphierender, göttlicher Sieger mit geöffneten Augen und in aufrechter Haltung dargestellt. Erst im hohen Mittelalter (etwa seit dem 12. Jh) setzte sich die Abbildung des leidenden und toten Gekreuzigten, die Betonung des Menschseins Jesu durch, wie wir es von unseren Kirchen kennen.

Unter der Empore steht eine Gipsfigur des hl. Konrad von Altötting aus der Zeit um 1935.
  Hinweis: Konrad von Parzham (1818-1894) wirkte 41 Jahre lang im Kloster Altötting als Pförtner, wo er mit Tausenden von Wallfahrern zu tun hatte, die mit vielerlei Anliegen und Bitten zu ihm kamen. Aber auch Kinder aus vielen armen Altöttinger Familien kamen bettelnd an die Pforte; keines von ihnen ging leer aus. 1934 wurde Konrad von Papst Pius XI. heiliggesprochen. Damals wurden in unseren Kirchen viele Figuren dieses Volksheiligen aufgestellt, so auch in Oberbachern. Festtag: 21.April
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Bruder Konrad

Kirchenbänke
Die Kirchenbänke (8 bzw.9 Reihen) wurden um 1906 vom Oberbacherner Zimmerpolier Jakob Lachner geschreinert und 1976 erneuert.
An ihnen sind schön restaurierte Prozessionslaternen auf rot-weiß angestrichenen Stangen angebracht.
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Prozessions-laterne


Proezessionslaterne zur Beschreibung des lDeckenfreskos Proezessionslaterne zur Beschreibung der Figur von St.Konrad zur Beschreibung der Apostelleuchter Vortragskreuz Großes Vortragekreuz Vortragekreuzzur Beschreibung des lKriegerdenkmalszur Beschreibung der elektr.OrgelVergrößerung von 7 Details (Decke, Kreuze, Apostelleuchter, Laternen, Figur)
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Ewas weiter hinten stehen drei Vortragekreuze und eine Fahne.

Vortragekreuze
Ein Vortragekreuz mit schwarzem Rand wird bei Beerdigungen mitgeführt. "Jesus geht uns voraus - wir werden ihn sehen." Dieses Wort wird bei einer Beerdigung dadurch deutlicher. Der Leiter der Beerdigung spricht die Worte "Das Zeichen unserer Hoffnung, das Kreuz unseres Herrn Jesus Christus sei aufgerichtet über deinem Grab."
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Vortragekreuz
Auch die Prozessionsfahne in graubrauner Farbe dürfte diesem Zweck dienen. Sie ist mit einem eingestickten Kreuz mit aufgehender Sonne geschmückt: ein Zeichen für die Auferstehung von den Toten.
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Fahne

Ein weiteres Vortragekreuz besitzt eine vergoldete Kreuzfläche und dürfte bei Prozessionen Verwendung finden.

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Vortragekreuz
Das größte Vortragekreuz (19.Jh) ist mit einem Stoff-Baldachin mit Goldborte umrahmt. Der Baldachin symbolisiert schon seit dem Altertum Würde und Heiligkeit der darunter stehenden Person oder Figur.
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Vortragekreuz

Kreuzweg-Stationsbilder fehlen in der Kirche. Sie sind in Bergkirchen zwischengelagert.
Die 14 Bilder wurden von Th. Driendl aus München um 1850 gemalt (Ölfarbe auf Leinwand; Größe: 91 x 67 cm).



A
postelleuchter
An den Kirchenwänden sind Apostelleuchter vor schönen Apostelkreuzen angebracht. Die Leuchter bestehen aus lackiertem Holz (um 1900). Sie erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlische Jerusalems.
Interessant sind auch die Ornamentik an der Kreuzen: Im Inneren des Kreises befindet sich je nach Betrachtung entweder ein gleichschenkliges braunes Kreuz (ähnlich Templerkreuz) auf orangem Grund oder vier orange Blütenkelche auf braunem Grund. Blumen und Kreuz sollen Schöpfung und Erlösung symbolisieren.
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Apostelkreuz



E
mpore

Im Jahre 1920 erfolgte der Einbau der Empore. Sie  ruht auf zwei mit Kapitellen geschmückten Holzpfeilern und ist an den beiden Außenseiten nach vorne geschwungen. Die Emporenbrüstung ist -zum Deckenschmuck passend- durch gerahmte, weiß getünchte Felder gegliedert.


O
rgel

Die Kirche besitzt keine Pfeifenorgel; das schon etwas altersschwach klingende Harmonium von 1976 (Typ Techheim) wurde im Jahre 2004 durch eine moderne elektronische Orgel (10.500 Euro) ersetzt.

Orgeltisch-2 Manuale
Die Orgel besitzt die Disposition:
Hauptwerk: Bordun 16', Prinzipal 8', Gedackt 8',
   Oktave 8', Spitzflöte 4', Quinte 2 2/3', Oktave 2',    Mixtur V, Trompete 8', Koppel I-II
Schwellwerk: Bordun 8', Salizional 8', Schwebung 8',    Prästant 4', Flöte 2', Cornet 8', KleinMixtur 8',    Oboe 8', Tremulant, Zusatz-Re. HW, Sw, Ped.
Pedal: Prinzipal 16', Subbass 16', Oktavbass 8',
   Bassflöte 8',Choralbass 4',Posaune 16',Trompete 8',
Koppel: I-Ped, II-Ped.



Vorhaus
Im Vorhaus erinnert eine große Gedenktafel aus Stein an die Gefallenen des Ersten und Zweiten Weltkriegs.


Ebenfalls im Vorhaus steht der neue kupferne Weihwasserkessel, der 2005 angeschafft wurde. Am Kesselmantel ist das Christusmonogramm mit den ineinander verkreuzten griechischen Buchstaben P und X zu lesen; der abgerundete Deckel ist mit einem Kreuz verziert.


Kriegerdenkmal

  Hinweis: Das Christusmonogramm besteht aus zwei griechischen Buchstaben, dem chi (das ist
das "X") und dem rho (das ist das "P") und bezeichnet damit die ersten beiden Buchstaben des Titels "Christus" = der Gesalbte. Unter diesem Zeichen hat Kaiser Konstantin übrigens die Schlacht an der Milvischen Brücke gewonnen. Dies war ein Grund für die Befreiung des Christentums von der Verfolgung.

 

Hans Schertl


Quellen:
Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Stumpf,Pleikard, Geographisch-statistisch-historisches Handbuch des Königreiches Bayern, 1852
Arthur von Ramberg,Joseph Heyberger, Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern, Band 5, 1867 (Statistik)
Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874
Theodor Bitterauf, Die Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (84, 493, 507, 656b, 675, 732, 1058, 1185, 1285)
Josef Burkhart, Chronik von Bergkirchen, 1948
Max Gruber, Die Dachauer Schloßmaurerfamilie Glonner, Amperbote 1966
Max Gruber, Stuck im Dachauer Land, Amperland 1966/1
Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971

Wilhelm Störmer, Adelige Eigenkirchen und Adelsgräber - Denkmalpflegerische Aufgaben,1975, ZBLG 38, S.1142-1158 (UrkNr)
Max Gruber, Dachauer Kistler, Schreiner und Drechsler des 17. u. 18. Jh., Amperl 1975, S.40 (Stuber,Socher)
Dachauer Neueste 1979
Max Gruber, Werkverzeichnisse der Dachauer Maler Johann und Johann Georg Hörmann, Amperland 1980/4
Georg Brenninger, Kunsttopographie des Erzbistums München und Freising, 1982
Max Gruber, Für Dachau tätige Architekten und Maurermeister, Amperland 1982/3 (Winckhler)
Max Gruber, Im Amperland tätige Maler, Amperland 1982 (1738)
Max Gruber, Im Amperland tätige Schlosser und Spengler, Amperland 1985/2
Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres 1560, 1986
Max Gruber, Bis gegen 1800 im Amperland tätige Zimmermeister, Amperl 1986 (
Falter, Khracher)
Prof.Dr.Wilhelm Liebhart, Ober- u.Unterbachern im Mittelalter, Amperland 1994/4
Robert Böck, Kirchenrechnungen Landgericht Dachau, 1996 (Baumaßnahmen 1630)
Maria Thanbichler in der Schriftenreihe "Die Kirchen im Pfarrverband Bergkirchen", 2001
Dachauer Nachrichten 13./14.11.2004, 3.8.2005
Dr.Mich.Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte 1871-1990, www.verwaltungsgeschichte.de/, 2015 (Statistik 33,39)

44 Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

2.1.2016