zur Landkreiskarte              Ausführl.Beschreibg            Kirchen in der Gem.Hebertshausen

Filialkirche St. Johannes Baptist in OBERWEILBACH

zur KirchentürKelchbecherTurm 32 m hochChor-spätgotisch
Adresse: 85241 Hebertshausen, Oberweilbach 1
  Lage der Kirche auf der Landkarte


Kurzbeschreibung

Die Ortschaft Oberweilbach wurde urkundlich erstmals 1180 unter dem Namen "Narrenhofen", 150 Jahre später, im Jahr 1329, als "Obern Weilbach" genannt.

Das erste Kirchlein muss zwischen 1315 und 1524, also in gotischer Zeit errichtet worden sein. Denn es wurde erstmals in der Sunderndorfer'schen Matrikel von 1524 erwähnt, während die Konradinischen Matrikel von 1315 davon noch nichts zu berichten wusste.

Schon bald nach der Erbauung hieß es in einem Bericht: "Ist gar ain arms gottshauß". Das galt sowohl für die Ausstattung als auch für das Einkommen, das aus einem halben Schäffl. (= 112 Liter) und einem Viertel (= 19 Liter) Getreide bestand. Davon mussten alle Ausgaben bestritten werden.

Das Patronat der Kirche war in früheren Zeiten nicht eindeutig. 1524 war es dem hl.Johannes dem Täufer gewidmet. 35 Jahre später, 1560, wird der hl.Nicolaus als Kirchenpatron erwähnt. Eine Matrikel von 1738 nennt beide Heilige als Kirchenpatrone. Spätestens 1874 hat Johannes wieder das alleinige Patrozinium zurückgewonnen.


Die heutige Filialkirche St.Johannes Baptist der Pfarrei Pellheim wurde im Jahr 1711 errichtet.

1803 sollte die Kirche im Zuge der Säkularisation abgebrochen werden, doch die Bauern beantragten pro forma, das Gotteshaus als Wagenschupfen (Garage) benutzen zu dürfen. So konnte die Kirche gerettet werden.

Chor und Kirchenschiff besitzen die gleiche Breite und die gleiche Höhe. Das Dach ist durchgehend, so fehlt es der Kirche von außen an baulicher Struktur.
Sechs Fenster geben dem Raum Licht.

Auf der westlichen Giebelmauer sitzt ein achteckiger Dachreiter; er ist mit einer Zwiebelkuppel gekrönt.   
Die Glocken sind neu; ihre Vorgängerinnen aus dem Jahr 1712 wurden im Ersten Weltkrieg zum Einschmelzen abgeliefert.

Die letzte Renovierung fand in den Jahren 1965-1967 statt.

Innenausstattung

Die flache Kirchendecke ist mit einfachen Stuckverzierungen geschmückt.

Der Altar besitzt einen dreiteiligen Retabelaufbau im frühbarocken Stil des 17.Jh. Im Mittelteil des Altars eine Kreuzigungsgruppe mit Maria und Apostel Johannes. Assistenzfiguren sind Johannes der Täufer (mit Vollbart, in härenem Gewand und einem Lamm) sowie St.Nikolaus (im Bischofsornat mit den drei Goldkugeln). Diese Heiligen sind auch auf den leider nicht mehr gut erhaltenen Tafelbildern neben dem Tabernakel abgebildet.

Figurenausstattung

- St. Florian in römischer Rüstung, mit Wasserschaff in
  der Hand und Flammen unter seinem Gewand (17.Jh)
- Evangelist Markus mit dem Evangelienbuch in der
  Hand und einem Löwen zu seinen Füßen (17.Jh)
- Madonna mit dem Jesuskind und Zepter(16.Jh)
- Schale mit abgeschlagenem Haupt Johannes Bapt.


Vergrößerung von 10 Details (Altar, Figuren, Kreuzweg) per MouseklickJohannes d.TäuferSt.NikolausSt.MarkusMadonnaJohannisschüsselKreuzwegbilderKreuzwegbilderTabernakelbild: Nikolaus und die SeefahrerJohannes der TäuferKreuzigungsgruppeSt.FlorianGlasbilder

In der Kirche finden kaum noch Gottesdienste statt. Die gotischen Figuren sind deshalb ausgelagert und werden nur zu den wenigen Feiern in die Kirche gebracht.


Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen

Geschichte:  Matrikel 1315 u.1524  Visitation 1560  Neubau 1711  Matrikel 1738  Säkularisation 1803
     Beschreibung 1874  Beschreibung 1895    
Ausstattung:  Altarraum  Baubeschreibung  Altar  Empore  Fenster
    Figuren im Chor  Figuren im Schiff  Heiliger Wandel  Kreuzweg  

Oberweilbach liegt an der Straße zwischen Pellheim und Sigmertshausen. Die Ortschaft wurde urkundlich erstmals 1180 als "Narrenhofen" erwähnt und in einer Urkunde von 1329 "ze obern Weilbach" genannt. 1348 kam Oberbachern als Lehen an die Familie der Sentlinger in München, aus der übrigens der Freisinger Bischof Konrad III. (1314-1322) hervorgegangen war. Konrad war Namensgeber der sog.Konradinischen Matrikel, des ältesten Kirchenverzeichnisses in ganz Deutschland, das auch älter als die Kirche in Oberweilbach ist.


Geschichte der Kirche


Freisinger Matrikel
 01)
Es gab aber schon eine (wohl gotische) Vorgängerkapelle, die auch in der Sunderndorfer'schen Matrikel von 1524 mit dem Johannespatrozinium erwähnt ist ("capellam s.Joannis Baptistae in Oberweilbach). Sie muss zwischen 1315 und 1525 erbaut worden sein, weil in der
Konradinischen Matrikel von 1315 die Pfarrei Pellheim nur mit den beiden Filialen Unterbachern und Arzbach aufgeführt ist.
Das Patronat der Kirche war nach der Sunderndorfer'schen Matrikel von 1524 dem hl.Johannes dem Täufer gewidmet. 35 Jahre später, 1560 wird im Visitationsbericht zweimal der hl.Nicolaus als Kirchenpatron erwähnt. Eine Art Kompromiss geht die Schmid'sche Matrikel von 1738 ein, sie nennt beide Heilige als Kirchenpatrone. Spätestens 1874 hat Johannes wieder das alleinige Patrozinium zurückgewonnen; so jedenfalls die Bistumsbeschreibung von Mayer/Westermayr. Dass St.Nikolaus aber immer noch eine besondere Rolle zugedacht ist, zeigt sich am Altar, an dem alte Figuren und Bilder beider Heiliger stehen.


Visitationsbericht von 1560  10)
Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation, eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet. Die Visitation wurde durch bischöfliche und durch herzogliche Bevollmächtigte durchgeführt. Grund war die durch die Reformation Luthers (1517) entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen des Bistums zur Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte. Durch die Visitation wollte der Bischof einen detaillierten Einblick in die religiöse Situation der Pfarreien gewinnen. Insbesondere sollte festgestellt werden, ob die Pfarrer und die Gläubigen noch die katholische Lehre vertraten oder der neuen Lehre anhingen. Daneben interessierte die Prüfer die Lebensführung der Pfarrer sowie Umfang und Qualität ihrer religiösen Kenntnisse. Im Bericht über die Pfarrei Pellheim ist auch die Filiale "s.Nicolaus in Obernweilbach" kurz erwähnt. Das Einkommen der Kirche (neben dem der Pfarrei) bestand aus einem halben Schäffl. (= 112 Liter) und einem Viertel (= 19 Liter) Getreide. Davon mussten alle Ausgaben bestritten werden ("Miessen damit deckhen"). Das zeigt deutlich die Armut des Gotteshauses, die auch im Bericht ausdrücklich erwähnt wird ("Ist gar ain arms gottshauß"). Die Kirche habe aber alle Kirchenzier ("hat sonst alle kirchenzier zimblich"), heißt es. Ein Mesnerhaus gab es nicht (und war wohl auch nicht nötig). Der Mesner wird als "vleissig" geschildert. An liturgischen Gerätschaften waren vorhanden: Ein Kelch mit Corporale, ein Messbuch, ein Liturgiebuch und ein Messgewand. Ein Sakramentshaus fehlte. Der Bericht endet mit dem Satz "Sonst mit anderer notturfft zimblich versehen". Dies spricht dafür, dass die damalige Kapelle wohl erst um 1500 erbaut worden war.
Wenn Sie den ganzen Bericht von 1560 über die Visitation der Pfarrei Pellheim (in heutigem Deutsch) lesen möchten, klicken Sie hier...

1630 brachte man mehr Licht ins Gotteshaus, indem man ein zusätzliches Fenster ausgebrochen hat. Drei weitere Fenster wurden instand gesetzt, neu verglast und "mit Eißendradt vergättert, damit die Schwalben nit mehr in die Khürchen einkhommen und die Altär verderben khinden", heißt es in der Kirchenrechnung dieses Jahres.


Neubau 1711
Die heutige Filialkirche St.Johannes Baptist der Pfarrei Pellheim wurde im Jahr 1711 durch den Pellheimer Maurermeister Carl
Carlinger (gest. 4.4.1738) 06), 19) errichtet  05). Der Zimmermeister Joseph Falter 12) erstellte den Dachstuhl um 42 Gulden 11) . Das Turmkreuz (und wohl auch die Beschläge) fertigte der Dachauer Schlosser Georg Spizer (der auch in den Kirchen von Giebing, Vierkirchen, Oberroth, Dachau, Haimhausen, Röhrmoos, Sulzrain, Indersdorf, Oberbachern tätig war).

Chor und Kirchenschiff in Oberweilbach besitzen die gleiche Breite und die gleiche Höhe. Das Dach ist durchgehend und verleiht dem Gotteshaus eine ungewohnte Länge. Sechs Fenster geben dem Raum Licht.



Matrikel 1738/40
 01)
In der nur wenige Jahre nach der Erbauung angefertigte Schmidt'schen Matrikel von 1738/40 wird die Kirche als "Ecclesia filialis ss.Joann.Bapt. et Nicolai in Oberweilbach" also mit den Patronen Johannes und Nikolaus beschrieben. Ein Friedhof war auch damals nicht vorhanden. Die Kirche war sehr arm; ihr Vermögen betrug nur ca. 100 Gulden, das war z.B. nur ein Drittel des Vermögens der Kirche in Arzbach. Nicht einmal Paramente (Messgewänder) besaß sie; diese wurden zu den Messfeiern vom Pellheimer Pfarrer mitgebracht. Im Turm hingen zwei Glocken. Beide hatte Johann Mathias Langenecker aus München 1712 gegossen. Sie sind nicht mehr vorhanden, weil aus den Protokollen zur Ablieferung von Glocken im 1.Weltkrieg hervorgeht, dass Oberweilbach etwas übereifrig seine beiden Glocken von 1712 im Gewicht von 12 und 20 kg freiwillig hergab, obwohl damals nur nach 1770 gegossene Glocken mit einem Gewicht von mehr als 20 kg ablieferungspflichtig waren.


1750 wurde das Kirchendach ausgebessert.


Säkularisation 1803
1803 sollte die Kirche im Zuge der Säkularisation abgebrochen werden, doch die Bauern beantragten pro forma, das Gotteshaus als Wagenschupfen benutzen zu dürfen. So konnte die Kirche gerettet werden.


Beschreibung 1874
 02)
In der Statistischen Beschreibung des Erzbistums München und Freising vom Beneficiaten an der Domkirche Anton Mayer aus dem Jahr 1874 ist auch die Kirche St.Johannes Bapt. in Oberweilbach als Nebenkirche der Pfarrei Pellheim enthalten. Damals wohnten hier 35 Gläubige (in 5 Häusern). Mayer schreibt:
  "Erbauungsjahr unbekannt. Stil verzopft (=barock). Baupflicht: die Gemeinde, weil die Kirche zur Zeit der Säcularisation bereits zum Abbruche bestimmt war, u. von den Bauern nur dadurch gerettet wurde, daß sie baten, selbe als Wagenschupfen benützen zu dürfen. Kuppel-Thurm mit 2 Glöckchen. 1 Altar. Das Altarbild, die Heiligen Johannes d.Täufer u. Nikolaus darstellend, scheint sehr alt. Gottesdienste: Nur am Patrozinium (=24.Juni), wozu die Paramente (=Messgewänder) aus der Pfarrkirche herbeigebracht werden. Meßner ist ein Gütler. Kirchenvermögen 1870: rd. 350 Gulden."


 

Blitzschlag 1877  03)
Am 15.Juli 1877 schlug "Abends um 5 Uhr der Blitz in die Kirche zu Oberweilbach ein, riß aus der Thurmkuppel ein Stück, zertrümmerte einen Theil des Kirchendaches, schlug einen Balken durch, beschädigte die Emporkirche (Empore) und zerriß unter derselben die Mauer bis zum Boden, Mörtelstücke davon flogen bis hinter den Altar". Das meldete der Amperbote am 18.Juli 1877.



Beschreibung 1895  04)
Der Altar in der Oberweilbacher Kirche ist auch im Verzeichnis der Kunstdenkmale des Königreiches Bayerns enthalten, die Gustav von Bezold und Dr.Berthold Riehl im Auftrage des kgl.Staatsministeriums des Innern, für Kirchen- und Schulangelegenheiten erstellt haben. Im Bericht heißt es:
  "Auf dem Choraltar aus dem 17.Jh drei bemalte Holzfiguren aus dem Ende des 15.Jh: Maria mit dem Kinde auf dem Arm, Johannes der Täufer in härenem Gewand und S.Nikolaus. Sie sind zwar roh gearbeitet, entbehren aber doch nicht eines gewissen grossen Zuges".


Die letzte Renovierung erfolgte in den Jahren 1965-1967.  


Baubeschreibung

Die Kirche liegt etwas abseits der Hauptstraße, die das Dorf durchzieht, auf einer kleinen Anhöhe. Das freie Feld, das das Gotteshaus umgibt, könnte ein Friedhof gewesen sein, obwohl ein solcher in den Freisinger Matrikeln nie beschrieben ist.
Der Bau ist von einem schmalen Sockel umzogen. Sechs Fenster geben dem Raum Licht. Der Bodenbelag besteht aus einfachen Solnhofer Platten.

Der kaum eingezogene, zweiachsige Chor schließt mit drei Achteckseiten und ist gegenüber dem Altarraum um eine Stufe erhöht.
Der Eingang befindet sich an der Südwestseite des Langhauses. Da Chor und Kirchenschiff die gleiche Breite haben, ist der Bau außen kaum gegliedert. Die Kirche ist deshalb nur von weitem eine Zier des Dorfes.

Der achteckige Dachreiter sitzt auf der westlichen Giebelmauer und ist mit einer Zwiebelkuppel mit Kupferbedeckung gekrönt. 
1877 hatte ihn ein Blitzschlag getroffen und ein Stück der Kuppel herausgeschlagen, das durch den Dachstuhl und die Empore bis ins Kirchenschiff stürzte.
Hinter den schartenähnlichen Schallöffnungen des Turms hängt eine Glocke.

Innenausstattung


A
ltarraum

Der Chor und das Langhaus sind flach gedeckt. An der Chordecke ein Stuck-Rahmenfeld mit abgerundeten Ecken. In deren Mitte ein IHS-Zeichen, ein Kreuz und Herzsymbolik. Die Zeichen IHS sind griechische Buchstaben (das H ist ein Eta) und bedeuten "JHS(OUS)"=Jesus. Andere Deutungen sind: "Jesus, hominum salvator" (lateinisch "Jesus, Erlöser der Menschen") oder auch volkstümlich "Jesus, Heiland, Seligmacher".


A
ltar

Der einzige Altar besitzt einen dreiteiligen Retabelaufbau im frühbarocken Stil des 17.Jh.
Das mittlere Feld ist rechteckig, die beiden Seitenfelder haben eine rundbogige Form. Darüber ein durchgehendes Gesims, auf dem ein gesprengter Giebel sitzt. Der Altaraufsatz enthält ein Gemälde mit dem Auge Gottes.
Gekrönt wird der Altar durch ein vergoldetes Kreuz.

Die Stipes, der Altarblock, ist gemauert und besitzt seitliche Nischen. Auf der Altarrückwand ist umrisshaft eine spätgotische Darstellung des Jüngsten Gerichtes erkennbar (Mitte Christus, beiderseits Engel).
Im Mittelteil des Altars ist eine Kreuzi-gungsgruppe (leicht beschädigte Figuren von Christus am Kreuz, darunter Maria und der Apostel Johannes auf hohen Sockeln) vor dem Hintergrund einer bemalten Holztafel angebracht.
Daneben stehen Skulpturen aus der Zeit um 1500. Sie stellen die Heiligen Nikolaus (in vollem Bischofsornat mit den drei Goldkugeln) und Johannes Baptist (mit Vollbart, im härenen Gewand, mit Lamm auf der Bibel und einem Ziegenkopf zu seinen Füßen) dar. Der Ziegenkopf ist Symbol für das Judentum, das durch das Christentum (Lamm) abgelöst wird. Im Judentum wurde alljährlich ein Ziegenbock symbolisch mit den Sünden des ganzen Volkes beladen und in die Wüste getrieben, im Christentum nimmt Christus als Lamm durch seinen Tod die Sünden der Welt hinweg.

Die beiden bäuerlichen Engel neben den Heiligenfiguren stammen wahrscheinlich aus dem 17.Jh.

Der Tabernakel ist neu; er wurde in der Mitte des 20. Jh. angeschafft.


In der Predella hängen beiderseits des Tabernakels zwei 45 x 34 cm große Tafelbilder (Ölfarbe auf Holz) aus spätgotischer Zeit. Auch sie zeigen Johannes den Täufer sowie den hl. Nikolaus, der von Seefahrern in höchster Not zur Rettung angerufen wird.  
Das Bild in Oberweilbach ist die einzige mir bekannte Darstellung des Seefahrer-Patroziniums von Nikolaus im Dachauer Land. Der Bedarf von Hilfe aus Seenot ist hierzulande naturgemäß nicht sehr groß.
Leider sind die Gemälde in keinem guten Erhaltungszustand mehr.
  Hinweise: Nikolaus ist eine historische Person. Er war um das Jahr 300 Metropolit von Myra. Während der bald darauf einsetzenden Christenverfolgung wurde er um 310 gefangen genommen und gefoltert. Er überlebte und nahm 325 am 1. Konzil von Nicäa teil. Viele Legenden ranken sich um den Heiligen.
Die bekannteste erzählt davon, dass Nikolaus einer verarmten Familie durch Geldgeschenke (Goldkugeln), die er heimlich durchs Fenster und durch den Kamin in die darin aufgehängten Socken warf, geholfen hat.
Von der in Oberweilbach dargestellten Legende gibt es zwei Versionen. Die erste handelt von einem in Seenot geratenen Schiff mit drei Pilgern. Um sie zu retten, begab Nikolaus sich an Bord, stillte den Sturm und brachte das Schiff sicher in den Hafen. Die zweite Version spielt 700 Jahre später. Als im 11.Jh. italienische Kaufleute die Gebeine des Bischofs entwendeten und nach Bari bringen wollten, entstand auf dem Meer ein heftiger Sturm, der nach Anrufung des Heiligen besänftigt worden sein soll. So wurde Nikolaus Patron der Seefahrer.  07)
Johannes der Täufer
(ein Verwandter Jesu) war Bußprediger am Jordan und taufte dort auch Jesus. Mit den Worten "Dieser ist das Lamm Gottes, das die Schuld der ganzen Welt wegnimmt" hatte Johannes den Messias angekündigt (Johannes 1,29). Deshalb wird er in der Kunst häufig mit einem Lamm und mit dem Spruchband "Ecce agnus dei" am Kreuzstab abgebildet.


F
enster

In das südliche Chorfenster sind zwei Glasbilder mit Darstellungen der Heiligen Josef und Christophorus eingesetzt.
Josef ist in einen mit großen Blüten gemusterten roten Mantel gekleidet. Er hält ein Buch und eine große Lilie (seit dem Mittelalter Symbol für Reinheit und Keuschheit)in den Händen. Sein Haupt ist von einem gelben Heiligenschein (Rad-Nimbus) umgeben. Zu seinen Füßen sind die Zimmermanns-attribute Säge und Beil zu sehen. Welche Kirche im Hintergrund abgebildet ist, ist mir nicht bekannt.   
Das Glasbild von Christophorus zeigt den heiligen Riesen mit einem Baumstamm als Stock, der das Jesuskind auf seinen Schultern auf die andere Flussseite trägt. Das Gesicht ist Jesus zugewandt und drückt das Erstaunen aus, das das zunehmende Gewicht des Kindes erzeugt. Im Hintergrund steht eine Kapelle, rechts ist ein Segelboot zu sehen.
Die Glasbilder stammen von dem Dachauer Handwerker und Künstler Syrius Eberle (sign) und wurden 1935 erstellt. Mehr über Syrius Eberle...

 

 

 

 

 

Hinweise: Joseph war der Vater Jesu - oder Ziehvater Jesu, da nach altchristlicher Überzeugung Jesus der Sohn Gottes ist und durch den Heiligen Geist im Schoß der Jungfrau Maria gezeugt wurde. Joseph stammte aus dem Geschlecht des Königs Davids, aus dem nach dem Zeugnis des Alten Testaments der Messias hervorgehen werde. Er lebte als Zimmermann in Nazareth.
Christophorus ist eine Legendengestalt, die seit 1969 im aktuellen Heiligenkalender nicht mehr enthalten ist. Christophorus wird in der Kunst meist mit einem Kind auf dem Arm und einem Baumstamm in der Hand abgebildet. Der Legende nach suchte er unter seinem früheren Namen Reprobus (spätere Legenden: Offerus) den mächtigsten Herrscher der Welt um ihm zu dienen. Doch bald bemerkte er, dass der König den Teufel fürchtete und der Teufel Christus. Deshalb diente er auf Anraten eines Einsiedlers Christus, indem er seine Riesenkräfte sozial einsetzte und Leute über einen gefährlichen Fluss trug. Eines Tages transportierte der Heilige einen kleinen Knaben, der mit jedem Schritt an Gewicht zunahm, sodass Reprobus zu ertrinken fürchtete. Da erkannte er, dass er Christus trug. Reprobus wurde von Jesus auf den Namen Christophorus (Christusträger) getauft, und der als Stütze verwendete Baumstamm begann zu grünen. Christophorus gilt als Patron der Reisenden, Pilger, Fuhrleute und Schiffer sowie seit etwa 1900 auch der Kraftfahrer.
In der Vorstellung früherer Jahrhunderte war Christophorus vor allem für die Bewahrung vor einem jähen Tod zuständig. Die Volksfrömmigkeit besagte, wer ein Bild oder eine Figur von St.Christophorus erblickt, werde an diesem Tag nicht unversehen sterben. "Unversehen" ist nicht ein Synonym für "plötzlich", sondern bedeutet: ohne Empfang der Sterbesakramente. Gedenktag: 25. Juli


Heiliger Wandel

An der linken Chorwand hängt ein 1930/40 gemaltes Bild der Heiligen Familie beim Spaziergang (sog.Heiliger Wandel). Im Mittelpunkt des 114 x 89 cm großen Ölgemäldes (auf Leinwand) steht das freundlich blickende Jesuskind mit einladend ausgebreiteten Armen. Hinter ihm warten, ganz andächtig auf das Kind konzentriert, Maria und Josef in einer Felsenlandschaft mit einer orientalischen Stadt im Hintergrund. Über der Szene geben Wolken den Blick zum Himmel frei, wo Gottvater seine Arme segnend über die Familie ausbreitet. Vor ihm erscheint die Taube des Heiligen Geistes. Das Bild ergibt so in der Vertikalen auch eine Darstellung der Dreifaltigkeit. Der Heilige Wandel symbolisiert das Schreiten auf dem Lebensweg und soll zu christlicher Lebensführung mahnen.


KreuzwegbilderSt. FllorianVergrößerung von 2 Details (Figur, Kreuzweg) per MouseklickJohannes d.TäuferSt.NikolausSt.MarkusMadonnaHaupt des JohannesKreuzwegbilderKreuzwegbilderTabernakelbild: Nikolaus und die SeefahrerJohannes der TäuferKreuzigungsgruppeSt.FlorianGlasbilder

Chorbogenfiguren

Der Chorbogen hat die Form eines gedrückten Bogensegments. In seiner Laibung befinden sich zwei Nischen.
Darin stehen auf gemauerten Podesten barocke Figuren des hl. Florian in römischer Rüstung, mit einem Wasserschaff in der Hand und Flammen unter seinem Gewand sowie des Evangelisten Markus mit dem Evangelien-Buch in der Hand und einem Löwen zu seinen Füßen (17.Jh).
Hinweis: Der Löwe bei Markus wird als Hinweis auf den Anfang des Markusevangeliums verstanden, das von der Predigt des Johannes in der Wüste beginnt.
Florian war um das Jahr 304 Offizier der zweiten italienischen Legion des römischen Heeres. Wegen seines Glaubens wurde er verhaftet und nach vielen Martern mit einem Mühlstein um den Hals in die Enns geworfen. In seiner Jugend soll er ein brennendes Haus durch sein Gebet gerettet haben.

Die 10 Kirchenbänke aus neuester Zeit sind einfach gearbeitet. Seit der letzten Renovierung ist die Bestuhlung zweigeteilt. Bis zu diesem Zeitpunkt standen sechs breitere Bänke in der Mitte mit Zugang von beiden Seiten.

Langhaus / Kirchenschiff

Die weiße Langhausdecke (Flachdecke) ist durch einen rechteckigen und einen darin enthaltenen runden Stuckrahmen gegliedert. Der runde Rahmen umschließt eine Heilig-Geist-Taube, ebenfalls aus Stuck. In einer Johanneskirche hat die Darstellung des Heiligen Geistes natürlich einen Bezug zur Taufe Jesu. Nach Lukas 3, 22 kam "der Heilige Geist sichtbar auf ihn herab, anzusehen wie eine Taube". Deshalb wird der Hl.Geist in der Kunst (aufgrund einer Empfehlung des Konzils von Nicäa im Jahr 325) als Taube dargestellt. Papst Benedikt XIV machte sie 1745 verpflichtend und verbot die Darstellung der dritten göttlichen Person in Menschengestalt (wie sie bei uns noch in zwei Schlosskapellen zu finden ist).


Figuren im Kirchenschiff

An der Stelle von Seitenaltären befinden sich zwei Plastiken aus dem 15. bzw.17. Jh., die -wie erwähnt- außerhalb der Kirche aufbewahrt und nur zu den wenigen Gottesdiensten (sowie dankenswerterweise auch für diese Webseite) in die Kirche gebracht werden:

Links eine gekrönte Madonna mit dem nackten Kind auf dem rechten Arm und einem Zepter in der Hand (um 1500). Jesus hebt die rechte Hand segnend empor und hält die den Reichsapfel in der linken Hand. Krone, Zepter und Reichsapfel waren die königlichen Insignien des deutschen Kaiserreichs.
Maria ist mit einem roten Kleid und einem blauen Mantel bekleidet. Dies sind die traditionellen Marienfarben. Rot für den königlichen Anspruch, Blau für die hohe Wertschätzung. Im Mittelalter brauchte man für die Herstellung der blauen Malfarbe Lapislazuli, einen seltenen Edelstein aus Asien, der sehr teuer war.
Das Jesuskind segnet mit dem (westlichen) Segensgestus, dem nach oben gestreckten Daumen, Zeige- und Ringfinger und den zurückgebogenen restlichen Fingern. Die drei gestreckten Finger weisen auf die Dreifaltigkeit, die beiden geknickten  Finger auf die beiden Naturen Christi (göttlich und menschlich) hin.
Die Muttergottesfigur stand vor 100 Jahren noch auf dem Altar, dann eine Zeit lang in der Nische an der Nordwand des Altarraums, wo sich heute die Floriansfigur befindet.

Auf der rechten Seite hängt eine Schale mit dem abgeschlagenen Haupt von Johannes dem Täufer (Johannisschüssel, Durchmesser 38 cm). Diese spätgotische Darstellung erinnert an den Bericht über den Tod des Johannes im Markusevangelium (Mk.6,14-29).
Johannisschüssel
  Hinweise: Johannes der Täufer erhielt seinen Beinamen, weil er Jesus am Jordan (Lk.3,24) taufte. König Herodes Antipas nahm Johannes gefangen, weil der ihm die unrechtmäßige Verbindung mit seiner Schwägerin Herodias öffentlich vorhielt. Die hasserfüllte Herodias bewegte ihre Tochter Salome, als diese dem von ihrem Tanz entzückten Vater einen Wunsch äußern durfte, Johannes' Haupt zu fordern. Er wurde enthauptet, Salome brachte der Mutter das Haupt auf einer Schale (Mk.6, 14 - 29).



E
mpore und Kreuzwegbilder


Die Holzempore mit südwestlichem Aufgang ist naturbelassen. An der Emporenbrüstung und den Seitenwänden hängen schöne Kreuzweg-Stationsbilder aus der 2. Hälfte 18. Jh. Sie kamen so gegen 1905 von Unterweilbach in diese Kirche. In der Zwischenzeit wurden die Bilder renoviert. Es handelt sich um 58 x 47 cm große Ölgemälde (auf Leinwanduntergrund). Einige Stationen (z.B. Kreuzabnahme) stammen von Anton Huber, Dachau, der sie um 1840 neu malte.
Wenn Sie mehr über den Kreuzweg und seine Darstellungen in Kirchen des Landkreises erfahren wollen, klicken Sie hier...

Die Kirche hat keine Orgel.

Ob die innere Kirchentür noch diejenige ist, die der Dachauer Schreiner Michael Prugger (aus der Kistlerdynastie Prugger) 1711 gefertigt hat, ist mir nicht bekannt.

Jedenfalls sorgt inzwischen eine schmiedeeiserne Gittertüre für Sicherheit.

 

Hans Schertl


Quellen:
01) Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
02) Anton Mayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874
03) Amperbote (Wochenblatt) vom 18.Juli 1877 (Blitzschlag)
04) Bezold/Riel, Kunstdenkmale des Königreichs Bayern, 1895
05) Max Gruber, Für Dachau u.sein Hinterland bis 1800 tätige Architekten, Bau- und Maurermeister, Amperl 1982/3 (Carlinger)
06) Pellheimer Maurermeister Carl Carlinger (gest. 4.4.1738) errichtete zusammen mit dem Zimmerer Falter im Jahr 1711 die
         heutige Kirche in Oberweilbach. Er erbaute 1714-19 auch den Pfarrhof von Pellheim. Nach der Genealogie Kiening war
         Carl dreimal verheiratet:
         die erste Frau war die Witwe
Christine Härtl, bei der er 1695 einheiratete.
         Die zweite war Anna Fritz aus Etzenhausen (Hochzeit 9.1.1709), mit der er vier Kinder hatte.
         Am 7.1.1728 heiratete er -einen Monat nach dem Tod von Anna- zum dritten Mal; aus dieser Ehe mit Margarete Franz aus
         Pellheim
gingen zwei Kinder hervor.

07) Rudolf Goerge, Freising, Portrait eines Landkreises, Brauchtum im Landkreis, 1983 (Seefahrerpatron Nikol.)
08) Max Gruber, Im Amperland tätige Glockengießer, Amperland 1984/2
09) Max Gruber, Baugeschichte der Kirchen im Bereich der Gemeinde Hebertshausen, Amperland 1985
10) Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres 1560, 1986
11) Max Gruber, Bis gegen 1800 im Amperland tätige Zimmermeister, Amperl 1986 (Falter)
12) Joseph Falter stammte aus Thankirchen in der Hofmark Dietramszell. Er zog nach Dachau, wo er 1708 das Bürgerrecht
         erhielt. Am 1.9.1708 heiratete er die Witwe des Zimmermeisters Eusebius
Helfetsrieder und übernahm das Haus am
         Karlsberg 149 (heute Nr. 9). Falter war am Bau/Renovierung der Kirchen in Prittlbach, Oberweilbach, Etzenhausen,
         Oberbachern und Bergkirchen tätig. Der Zimmermeister starb am 30.3.1739.
13) Robert Böck, Kirchenrechnungen Landgericht Dachau, 1996 (Fenster 1630)
14) Dr.Peter Dorner, Der Abtransport der Dachauer Glocken 1917, Amperland 1994/2
15) Frau Fischhaber, Oberweilbach, 2002
16) Franz Thaler, Unterweilbach feiert 1200jähriges Bestehen, Röhrmooser Heimatblätter Okt.2004
17) Georg Brenninger, Die Glocken der Kirchen im Dekanat Dachau, Amperland 2005/1
18) Georg Otteneder, Unterweilbach, 2005
19) http://www.genealogie-kiening.de/B2/B2065.HTM (Lebensdaten Carlinger)

20 Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

9.3.2018