zur Landkreiskarte          ausführl.Beschreibg          Kirchen i.d. Gem. Röhrmoos

Pfarrkirche St. Johannes in RÖHRMOOS

zur KirchentürKelchbecherTurm 32 m hochChor-spätgotischEpitaph von 1837Epitaph von 1834


85244 Röhrmoos, Am Kirchplatz 1
Lage der Kirche auf der Landkarte...


Kurzbeschreibung

Röhrmoos gehört zu den ältesten Ortschaften im Landkreis Dachau.
Schon im Jahr 774 wurde von einer Kirche in Röhrmoos berichtet. Damals übergab ein Mann namens Onolf seinen Besitz, darunter auch das Bethaus zu "roraga mussea" (=Moossumpf mit Röhricht) dem Bischof von Freising.
In der Konradinischen Matrikel von 1315 ist Röhrmoos unter der Bezeichnung  "Rörenmos" als Pfarrei mit zwei Filialen Schönprunne  und Sigmarshausen erwähnt. 
Die ältesten Teile der heutigen Pfarrkirche St.Johannes Baptist und Evangelist, der dreiseitig geschlossene Chor und der 33 m hohe Turm, stammen aus der Frühzeit der Gotik (15.Jh), das Langhaus aus der Zeit des Barocks (um 1690).  
Um 1921 wurde das Kirchenschiff verlängert sowie mit Stuck und Deckengemälden geschmückt.
An der Außenfassade sind mehrere Epitaphe für Pfarrer aus der Barockzeit angebracht.

Die Pfarrei Röhrmoos bildet mit der Pfarrei Großinzemoos einen Pfarrverband und seit 2008 zusammen mit den Pfarreien Ampermoching und Hebertshausen eine Pfarreiengemeinschaft.

Die letzten größeren Renovierungen der Pfarrkirche wurden 1914, Ende der 50er Jahre, 1975 und 2002-2004 durchgeführt.

Kelchverzierung


Inneneinrichtung

Beim Betreten der Kirche ist man von ihrer grazilen barocken Ausschmückung überrascht. Ganz besonders reich erscheint der Stuckaturenschmuck an der Decke und an den Wänden der Kirche. Er wurde aber -wie auch die 38 Deckengemälde- erst im Jahre 1921 angebracht. Die Pläne für die Stuckarbeiten stammen aber aus dem Jahr 1711 und waren für die Kirche in Altenberg bei Glonn erstellt worden.

Mittelpunkt des reich verzierten barocken Hochaltars ist eine Kopie des Mariahilf-Bildes aus Passau mit figürlichem Schmuck. Neben dem Gnadenbild Statuen der beiden Patrone hl.Johannes Baptist (mit Lamm) und hl. Johannes Evangelist (mit Kelch).

Die Seitenaltäre zeigen Bilder des Malers Anton Rick (1876) von der wandernden hl. Familie (sog. Heiliger Wandel) und der Steinigung des hl.Stephanus (rechts).

Viele Epitaphe an den Innen- und Außenwänden erinnern an frühere Pfarrer.

ApostelleuchterDoppelpilasterDoppelpilasterzur vergrößerten Ansicht des Hochaltars bitte klickenDeckengemälde - bitte klickenJohannes der Täuferder Evangelist Johannes Epitaph für Pfr. AufkircherDoppelpilasterHochaltaraufsatzTabernakelSt.BonifatiusSt.KorbinianZelebrationsaltarDeckengemälde Anbetung der WeisenAltarblatt Hl.FamilieFamilie des Johannes Bapt.TabernakelSteinigung des StephanusAltaraufsatz: St.AntoniusKanzelkreuzKanzelKirchenbänkeApostelleuchterKreuzwegbilderSt.Georg
Details (Choraltarbild und -figuren, Seitenaltäre, Deckengemälde)
per Mouseklick vergrößern

An den Wänden der Kirche stehen Figuren der Heiligen
Korbinian
(mit einem Bären),
Bonifatius
(mit Axt; die Figur stellte in den ersten 100 Jahren seines Bestehens den St.Wolfang dar),
Georg
(auf einem Schimmel; bekämpft den Drachen),
Martin (der seinen Mantel mit einem Bettler teilt), des Erzengels Michael (im Kampf mit dem Luzifer, dem armen Teufel),
des Schutzengels (mit Kind an der Hand), einer Mater dolorosa (mit Schwert in der Brust) und
von Christus auf der Rast (mit Spottmantel und Binsenrohr).

Die Brüstung der Empore zieren Ölgemälde auf Holzuntergrund von Christus und den zwölf Aposteln (19. Jh).

Röhrmoos hat auch eine Internetseite, auf der Sie die Gottesdienstzeiten erfahren können. Klicken Sie hier....

Lieber Besucher, Sie können sich Bilder aus der Kirche in Röhrmoos auch
als Gesamtschau ansehen. Klicken Sie hier....

Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen

 Geschichte:  Erste Kirche 774  Matrikel 1315  Matrikel 1524  Visitation 1560  Neubau 1690
   Matrikel 1740  Beschreibung 1874  Decken-Absturz 1891  Beschreibung 1893
 Einrichtung:  Altarraum  Apostelleuchter  Apostelbilder  Baubeschreibung  Bilder im Chor
 Choraltar  Deckengemälde  Empore  Epitaphe innen  Epitaphe außen
 Ewig-Licht-Ampel  Fenster  Figuren im Chor  Figuren im Schiff  Geschichte
 Kanzel  Kanzelkreuz  Kirchenschiff  Kirchenbänke  Kreuzweg
 Krippe  Mater dolorosa  Orgel  Pfarrhaus  Pfarrerliste
 Reliquiare  Sakristei  Seitenaltäre  Taufstein  Tabernakel
 Turm  Zelebrationsaltar  Gottesdienstzeiten

Die Pfarrei Röhrmoos bildet seit vielen Jahrzehnten mit der Pfarrei Großinzemoos einen Pfarrverband und seit 2008 zusammen mit dem aus den Pfarreien Ampermoching und Hebertshausen gebildeten Pfarrverband Hebertshausen eine Pfarreiengemeinschaft.
Die Priester der Pfarrei können seit 1424 lückenlos nachgewiesen werden. Hier die Pfarrerliste...

Geschichte der Kirche

Schenkung des Jahres 774
Die erste schriftliche Erwähnung einer Kirche in Röhrmoos datiert aus dem Jahr 774, also 18 Jahre nach der Ermordung des hl. Bonifatius in Friesland und 50 Jahre nach dem Tod des hl. Korbinian in Freising. In der Karwoche dieses Jahres, am 30.März, sah sich der reiche Grundbesitzer Onolf veranlasst, seinen Besitz in Allach, Glonn und Röhrmoos, darunter auch das Bethaus (ecclesia vel oratorium) zu "roraga mussea" (= Moossumpf mit Röhricht) an die "in der ummauerten Stadt Freising gelegene Kirche der seligen unbefleckten Maria, der Jungfrau Gottes und der Mutter des Herrn" zu übergeben (Urkunde Nr. 65 der Freisinger Traditionen).

Erste Erwähnung von Röhrmoos in der Urkunde von 774
(gelber Text: "ad locu quae dicitur roraga mussea")
Freising war kurz vorher, im Jahr 739 Sitz des Bischofs geworden. Damals standen die meisten Kirchen noch im Eigentum ihres Stifters, dem auch ein evtl. anfallender Kirchenzehent zustand. Das Bistum konnte sich nur entfalten, wenn freie Grundbesitzer und Adelige, so wie Onolf, ihm Güter schenkten; sei es, um die Kirche zu stärken, familienpolitische Interessen durchzusetzen oder aus (oftmals berechtigter) Sorge um das Seelenheil. Der frühmittelalterliche Christ wußte sich nach dem Tod einem strengen Gericht ausgeliefert, für das er durch gute Werke einen gnädigen Gott zu gewinnen hoffte. Der Wert frommer Schenkungen wurde nach damaliger Ansicht nicht geschmälert, wenn gleichzeit politische Interessen verbunden waren. So hatte die bayerische Kirchensynode von Aschheim um 760 vom jungen Herzog Tassilo gefordert, er solle sich auf politischer Ebene dafür einsetzen, dass die Eigenkirchen dem Bistum überschrieben werden.
Onolf hatte seinen Sohn Keparoh "durch räuberische Nachstellung" (wie er selber schreibt) verloren. Es dürfte sich aber um einen Sippenstreit gehandelt haben. Die Schenkung sollte dem Seelenheil des Getöteten dienen. Der zweite Sohn von Onolf, Hrodinus, war für den geistlichen Stand bestimmt; so befürchtete Onolf ein Aussterben der Sippe. Für den Fall, dass Hrodinus aber kein Priester werden würde, durfte er die Besitzungen bis zu seinem Ableben nutzen. Und dieser Fall trat wohl ein. Der zweite Sohn entschied sich -für frühmittelalterliche Adelsfamilien verständlich- für die "Weiterführung des Blutes", also für eine Heirat und gegen das Priestertum. Später werden in Urkunden Nachkommen von ihm in Allach und (Unter/Ober-)Weilbach erwähnt.
Die Schenkung des Jahres 774 zeigt jedenfalls deutlich, dass die Kirche in Röhrmoos bis 774 eine Eigenkirche von Onolf war. Später dürfte sie eine der Missionskirchen geworden sein, von denen sich der christliche Glaube in der Gegend zwischen Amper und Glonn ausgebreitet hat.


Konradinische Matrikel 1315

In der Konradinischen Matrikel von 1315 wird Röhrmoos als Pfarrei mit zwei Filialkirchen in Sigmertshausen und Schönbrunnbeschrieben ("Rörenmos habet II filias, Sigmarshausen et Schönprunne cum sepulturis").


Sunderndorfer'sche Matrikel 1524
Das Patronat der Kirche wird erstmals in der Sunderndorfer'schen Matrikel aus dem Jahr 1524 erwähnt. Damals war einziger Patron Johannes der Täufer. In dieser Zeit war die Pfarrei dem Rector D.Waldassar Leb übertragen. Die Seelsorge vor Ort wurde
aber von Mathias Schuhl wahrgenommen, der zugleich Benefiziat in Unterweilbach war. Das Recht den Pfarrer einzusetzen (Patronatsrecht) hatte das Domkapitel Freising (=das Domkapitel, der engste Mitarbeiterstab des Bischofs, war eine eigenständige juristische Person, die unabhängig vom Bischof selbst kirchlichen Besitz und Rechte haben konnte). Auch 1524 hatte die Pfarrei noch die beiden Filialkirchen "s.Vitalis in Sumarsshausen et s.Catharinae in Schönbrun". Die Zahl der Communicantes, also der Gläubigen nach der Erstkommunion, betrug 210. Röhrmoos war eine durchschnittlich große Pfarrei. Der Bericht, der sich insbesondere mit den Abgaben befasst, endet mit dem Hinweis, dass das Pfarrhaus und die dazugehörenden landwirtschaftlichen Gebäude von hinreichender Bausubstanz seien.
Als Anhang zur Sunderndorferschen Matrikel ist bei Deutinger der Text der Bulle vom 16.Juli 1518 beigefügt, wodurch Papst Leo X. dem Domkapitel in Freising das Recht einräumt, "von der Pfarrey Röhrmoosen Behufs des Unterhaltes der Choralisten in der Domkirche ein Absent von 27 rheinischen Goldgulden zu erheben. Die Stiftung der Domchoralisten zu Freysing erfolgte wohl im Jahre 1491 durch Bischof Sixtus.

Auszug aus der Karte
von Apian 1568
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Gotischer Neubau

In gotischer Zeit (wohl 15./16. Jh) wurde die Kirche neu gebaut. Von diesem Bau haben sich der Altarraum und der schlanke Sattelturm noch bis heute erhalten. Die Kirche wurde des Öfteren umgestaltet. Im Jahr 1630 wurden Turm und Empore renoviert (durch Johann Lindtmayr aus Wester- oder Kreuzholzhausen). Der berühmte Dachauer Bildhauer Constantin Pader schnitzte in diesem Jahr für das Hl.Grab die Figur eines Grabchristus, die von Christoph Pfab gefasst, d.h. bemalt wurde. Nach dem 30jährigen Krieg, 1653, mussten die Kirchendächer und die Friedhofmauer erneuert werden. Um das Jahr 1690 wurde das Kirchenschiff neu gebaut.


Visitationsbericht von 1560

Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation, eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet. Die Visitation wurde durch bischöfliche und durch herzogliche Bevollmächtigte durchgeführt. Grund war die durch die Reformation Luthers (1517) entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen des Bistums zur Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte. Durch die Visitation wollte der Bischof einen detaillierten Einblick in die religiöse Situation der Pfarreien gewinnen. Insbesondere sollte festgestellt werden, ob die Pfarrer und die Gläubigen noch die katholischen Lehre vertraten oder der neuen Lehre anhingen. Daneben interessierte die Prüfer die Lebensführung der Pfarrer sowie Umfang und Qualität ihrer religiösen Kenntnisse Im Bericht über St.Johannes in Rörmoß heißt es, Pfarrer und Dekan


Ausschnitt aus der Karte von
Georg Philipp Finckh von 1655
Röhrmoos = Rörmosn

sei Leonhardus Fabri, aus Ampermoching gebürtig. Er hatte in Ingolstadt studiert. Auf alle Fragen der Visitatoren über die katholische Theologie und Praxis wusste er gut zu antworten. Er war der katholischen Lehre treu geblieben. Fabri war kein Wirtshausgänger oder Spieler ("Pfarrer sey kain sauffer, spiler noch rumorer"). Er lebte mit einer Konkubine zusammen, hatte aber keine Kinder. In der Pfarrei lebten 250 erwachsene Gläubige ("communicantes"), die alle katholisch waren. Die Gläubigen zahlten den Kirchenzehent zuverlässig und ließen es an Opferbereitschaft nicht fehlen ("Hat an opfer und zehent kain clag"). Ein Problem gab es nur mit dem Pfarrangehörigen August Bast. Der lebt bei einer Frau, die von ihrem Mann verlassen wurde ("haust mit ainer eefrauen, davon ir mann geloffen"). Die Pfarrei Rörmoos war dem Domkapitel zu Freising incorporiert. Der Pfarrhof sei "wolerpaut", heißt es im Bericht.
Kirche: Die Kirche dagegen war nicht so schön und innen wenig geschmückt ("Khirch ist mit der zier ubl versehen..wenig gmäl in der kirchen"). Wenn Sie den ganzen Text des Visitationsberichts lesen möchten, klicken sie hier...

Um 1700 scheinen die Glockenstühle marod gewesen zu sein. Man befürchtete, dass die Glocken herabfallen und den Turm samt Kirche beschädigen könnte. Nach der Kirchenrechnung hat der Uhrmacher (!) Simon Rottenfußer aus Aufkirchen für 14 Gulden die Aufhängung der Glocken erneuert, "thailß außbösert und thailß von neuem gemacht und zu gueten bstand gebracht".

1730 wurde die Kirche renoviert. Die Kirchenrechnung berichtet über die Instandsetzung der teilweise eingefallenen Friedhofsmauer, über Reparatur der Kirchenmauer und den Neubau der Sakristei. Die Arbeiten kosteten 182 Gulden.


Schmidt'sche Matrikel 1740

In der Zeit um 1740 besuchte der Kanonikus Schmidt aus Freising die Pfarreien der Diözese und erstellte die nach ihm benannte Schmidt'schen Matrikel. Über die Pfarrei "ss.Joan.Bapt. et Ev. in Roermosen" berichtete er: Das Präsentationsrecht(Vorschlagsrecht für die Besetzung einer Pfarrerstelle) liegt allein beim Freisinger Bischof. Der seit 1735 installierte Pfarrer heißt Franc.Xav. Ponschab. Das aus Holz gebaute Pfarrhaus war -im Gegensatz zu den Wirtschaftsgebäuden - in schlechtem baulichen Zustand. Er sollte neu gebaut werden, rät Schmidt. (1718 waren größere Baumaßnahmen durchgeführt worden; sie dürften aber wohl nur die Wirtschaftsgebäude betroffen haben). Die Zahl der Gläubigen hatte sich in den 200 Jahren seit 1524 trotz der Verluste im 30jährigen Krieg mit 378 fast verdoppelt. Die Zahl der Filialkirchen war gleichgeblieben. Aber im Schloss Schönbrunn gab es eine neue Kapelle, die zwar benediciert (gesegnet), aber nicht konsekriert (geweiht) war.
Die Pfarrkirche, so schreibt Schmidt, habe eine schöne Form und liege anmutig auf einem kleinen Hügel. Sie hatte auch damals drei Altäre: Der Hochaltar mit Tabernakel war den beiden Kirchenpatronen Johannes geweiht. Von den Seitenaltären hatte einer die Heilige Familie, der andere die Heiligen Stephanus, Andreas und Martin zum Patron. Gottesdienste wurden hier an allen Marienfesten und den Festen der Apostel sowie jeden dritten Sonntag gefeiert; an den anderen beiden Sonntagen fanden die Gottesdienste in Schönbrunn und Sigmertshausen statt. Das Kirchweihfest fiel auf den Sonntag vor dem Fest des hl.Gallus (16.Okt), das Patrozinium wurde zweimal gefeiert, am 26.Juni und am 27.Dezember. Eigens erwähnt wird, dass in der Kirche Taufstein und die Heiligen Öle und in der Sakristei genügend Messgewänder vorhanden waren. Um die Kirche lag der Friedhof mit Grabstätten und Beinhaus. Im Turm hingen zwei gesegnete Glocken. Die Einnahmen verwalteten der Pfarrer und der Landpfleger von Dachau. Das Vermögen der Pfarrkirche betrug 400 Gulden. Das war für so eine große Kirche ein geringer Betrag.


Beschreibung 1874

Um das Jahr 1870 hat der Dombenefiziat Anton Mayer eine Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising erstellt und 1874 als Buch veröffentlicht. Darin ist die Pfarrei Röhrmoos unter dem Namen Röhrmoosen enthalten. Nur die Häuser am Bahnhof nennt er dem Namen der Gemeinde und des Bahnhofs (1867) entsprechend Röhrmoos. Mayer schreibt:
Geographie: "Die Pfarrei hat 613 Seelen in 102 Häusern. Davon wohnen in Röhrmoosen selbst 136 Gläubige (in 26 Häusern), am Bahnhof Röhrmoos 66 (13), in Schillhof 16 (2), in Schönbrunn 183 (15), in Ziegelberg 11 (2), und in Sigmertshausen 202 (44). Bis 1866 gehörte auch der Weiler Unterhandenzhofen zur Pfarrei (nunmehr Pfarrei Niederroth). Die Pfarrei hat einen Umfang von nahezu 3 Stunden.
Pfarrei: "Präsentationsrecht: de libera collatione (Erzbischof überträgt die Pfarrei). Die Kirchenrechnung von 1870 ergibt bei 1789 Gulden Einnahmen und 126 Gulden Ausgaben einen jährlichen Reinertrag von 1663 Gulden. Allerdings hatte die Pfarrei damals Schulden (Onus-Capitalien) in Höhe von rd. 4700 Gulden.
Der Pfarrer wohnt in dem 1835 (von Pfarrer Deubelly) errichteten Pfarrhaus. Das Widum, der Pfarrbauernhof, hat Grundstücke von 94 Tagwerk (31 ha) der Bonität 9. Die Ökonomiegebäude hat man 1867 wegen Baufälligkeit abgebrochen; sie sollen bis 1881 neu errichtet werden. Bis dahin sind die Grundstücke verpachtet. Von den Pachteinnahmen hat der Pfarrer 100 Gulden an den Baufond abzugeben. Ein Hilfspriester ist nicht in der Pfarrei".
Stark belastet war wohl auch der einzige Lehrer in Röhrmoos. Er hatte 120 Werktagsschüler und 40 Feiertagsschüler zu unterrichten und war zugleich Mesner in Röhrmoos und Cantor in Röhrmoos und Sigmertshausen.
Pfarrkirche: "Erbauungsjahr unbekannt. Stillos. Einschiffig mit Plafond (Flachdecke). Geräumigkeit hinreichend, größere wäre wünschenswerth. Baupflicht an der Kirche haben das Aerar und die Condecimatoren (Pfarrer, Bruderschaft in Kreuzholzhausen und Graf Spreti auf Weilbach). Sattel-Thurm mit 3 Glocken vom Jahr 1867. 3 Altäre, Orgel mit 6 Registern. Gottesdienste: jeden dritten Sonntag abwechselnd mit Schönbrunn und Sigmertshausen und an vielen Heiligenfesten. Stiftungen: 19 Jahrtage, 2 Jahr- und 4 Quatembermessen. Meßner und Cantor: der Lehrer. Kirchenvermögen Bruderschaft vom hl.Erzengel Michael. Jahr der Errichtung ist unbekannt. Sie ist der Erzbruderschaft zu Berg am Laim aggregirt und hat die Ablässe derselben. Am Michaelitag (=29.9.) Procession durch das Pfarrdorf. Kirchenvermögen 1870: rd. 7200 Gulden.


Decken-Absturz 1891

Am 8.Dezember 1891, am Fest der unbefleckten Empfängnis stürzte unmittelbar vor dem feierlichen Pfarrgottesdienst ein Teil des Plafonds (Deckenstuck) in der Pfarrkirche ab. So notierte es Pfarrer Schanderl in sein Tagebuch. "Die Decke zerschmetterte den Schalldeckel der Kanzel und verletzte die junge Jackerbäuerin von Schillhofen und die Ordensschwester Gabriela von Schönbrunn, so daß sie bluteten. Ein Stück desselben traf die Schwester Gabriela auf dem Kopfe. Hätten die großen Stücke einen Menschen am Kopfe getroffen, so hätten sie demselben wegen ihrer Schwere den Kopf zerschmettert. Verursacht wurde der Absturz durch Regen, der durch das undichte Dach eingedrungen war". Daraufhin ordnete der Bezirksbaumeister die Entfernung des gesamten Plafonds an; der Pfarrer stimmte zu, obwohl dadurch die Deckenmalerei verloren ging. Die Kosten für die Restaurierung übernahm die Pfarrei durch freiwillige Beiträge, schreibt Schanderl, "von denen die höchsten die des Jakerbauer von Schillhofen, der alten Jakerbäurin, des Sedlbauer von Schönbrunn und der alten Sedlbäuerin von Schönbrunn waren. Die Bemalung der neuen Decken übernahm J.Weber aus Indersdorf (um 500 Mark). Bei dieser Gelegenheit wurde auch ein neuer Beichtstuhl angeschafft, den Franz Xaver Katzl fertigte.


Beschreibung 1893
Die Röhrmooser Kirche ist auch im Verzeichnis der Kunstdenkmale des Königreiches Bayerns enthalten, die Gustav von Bezold und Dr.Berthold Riehl im Auftrage des kgl.Staatsministeriums des Innern, für Kirchen- und Schulangelegenheiten erstellt haben. Im Bericht heißt es:
  "Auf dem Choraltar um 1700 zwei in Silber getriebene Tafeln in schwarzem Holzrahmen mit silbernen Beschlägen, die eine das Abendmahl, die andere die Fusswaschung darstellend, aus dem Beginn des 18.Jh. H.45 cm (mit Rahmen 100 cm), br.34 cm, mit Rahmen 56 cm. (Heute hängen die Tafeln an der Chorwand). Das lebensgrosse Holzcruzifix innen an der Südwand ist eine gute Arbeit aus dem Anfang des 18.Jh.
Innen am nördlichen Triumpfbogenpfeiler Grabstein des Pfarrers Vitus Kreyttmayr + 1735 und des Pfarrers Leon.Faber + 6.Oktober 1584; beide unbedeutend, gleichwie der Stein des Abraham Plank pastor huius ecclesiae + 1606, am Aeusseren der Südwand."

1920/21 wurde das Kirchenschiff nach Westen hin verlängert und mit Stuckarbeiten neu ausgestattet.
Von diesen Arbeiten ist noch ein Foto erhalten; klicken sie auf das Bild rechts.

Bittgänge
Aus den Kirchenrechnungen ist bekannt, dass die Röhrmooser alljährlich nach Neufahrn, zum Kloster Taxa, nach Eching, Inhausen und natürlich nach Mariabrunn wallfahrteten. Die dortigen Mesner erhielten für das Läuter der Glocken bei Ankunft und Weggang der Wallfahrer ein kleines Entgelt, das in der Kirchenrechnung von Röhrmoos verbucht wurde.


Baubeschreibung

Die Pfarrkirche steht am nordöstlichen Dorfrand auf einer kleiner Anhöhe inmitten eines ummauerten Friedhofs. Es handelt sich um eine Saalkirche, deren Decke ohne tragende Zwischensäulen den gesamten Raum überwölbt.

Die Kirche in Röhrmoos hat wie die meisten Kirchen in unserer Gegend einen rechteckigen Grundriss. Sie gehört architektonisch zu den Nachfahren der römischen Basilika, eines säkularen Gebäudes, in dem ein hoher Amtsträger Petitionen entgegennahm, Erlaubnisse erteilte oder zu Gericht saß. Die frühen Christen mussten sich nach ihrer Legalisierung im 4.Jh entscheiden, welche Form ihre Gotteshäuser haben sollten; der römische Tempel war für den christlichen Liturgie ungeeignet. Während die Christen im Osten die Rundgebäude bevorzugten, wählten sie in Rom und Italien das vorhandene und gewohnte Versammlungsgebäude, die rechteckige Basilika mit einer überwölbten Ausbuchtung ganz vorne, unter der der Versammlungsleiter saß. Architektur und Ritus beeinflussen sich gegenseitig. Die römische Messliturgie ist -so Jesuitenpater Eckhart Bieger- wohl auch unter dem Einfluss der Architektur eine Prozessionsliturgie geworden. Einzug, Evangelienprozession, Vorbringen der Gaben, Kommunionempfang und Auszug sind noch heute erhalten. Vor 1564 gab es zusätzlich Reliquienprozessionen zu den Seitenaltären. Alle diese Prozessionen heben die wichtigen Teile des Gottesdienstes heraus. Für eine solche Prozessionsliturgie ist nach Bieger das langgestreckte Rechteck mit seinen langen Wegen besser geeignet als eine runde kompakte Kirche mit einem Altar in der Mitte, zumal es bis ins 16.Jh. keine Kirchenbänke gab.

Die ältesten Teile der heutigen Baues sind der aus drei Achteckseiten bestehende Chor und der schlanke, 33 Meter hohe Sattelturm. Sie stammen aus frühgotischer Zeit.
Das Kirchenschiff wurde dagegen erst nach dem Dreißigjährigen Krieg, 1689, errichtet. In alten Akten des Pfleggerichts Dachau steht dazu "ist aus hocher Pauföllikheit bis auf den Chor abgetragen worden." Das Schiff besitzt fünf Joche, von denen aber die beiden westlichen erst bei der Verlängerung der Kirche im Jahr 1920 angebaut wurden.

Der nur durch zwei dünne Gesimse gegliederte Turm besitzt ein sehr steiles Dach mit Ecktürmchen. Am Giebel ist eine leicht vertiefte Arkade mit zwei Schallöffnungen und einer Rundsäule mit einfachem Kapitell zu sehen. Die im Inneren des Turmes noch sichtbaren Fensteröffnungen in Höhe des Deckengewölbes des Kirchenschiffs legen die Vermutung nahe, dass der Turm in Notzeiten auch als Zufluchtsstätte vorgesehen war. Die von Karl Czudnochowsky im Jahr 1950 gegossenen Glocken sind der Gottesmutter Maria und dem hl. Johannes dem Täufer geweiht. Deren Bilder sind auf den Glocken zu sehen. Die Sterbeglocke trägt das Gebet: "Bewahre uns Herr vor einem plötzlichen und unvorhergesehenen Tod!" Das Läuten der Glocken wird seit 2004 von einem Computer gesteuert, um die Eigenschwingungen des Kirchturms zu reduzieren.
Die Turmuhr, deren Uhrwerk im Erdgeschoss des Turms aus der Zeit um 1900 stammt, besitzt vier Ziffernblätter mit 1 Meter langen Zeigern. Sie wurden 2004 entrostet und neu bemalt.
Die erste Kirchturmuhr besaß Röhrmoos schon im 17.Jh. Nach den Kirchenrechnungen reparierte nämlich im Jahr 1700 Simon Rottenfußer von Aufkirchen das Uhrwerk.
Der Haupteingang auf der Südwestseite markiert in etwa den früheren Abschluss. Dieser Eingang wurde im Rahmen der Renovierung 2004 durch ein auf Säulen ruhende Vordach wettergeschützt gestaltet. An der Außenwand des Chores hängt ein Missionskreuz, das vor kurzem von der Schreinerei Fottner restauriert, wetterfest eingelassen, neu gefasst wurde. Es erinnert an eine der Volksmissionen, die in der Pfarrei durchgeführt wurden.
 
Die Außenfassade ist durch hell gehaltene Lisenen gegliedert, die jeweils ein Joch umspannen.

Die doppelgeschossige Sakristei wurde 1730 östlich an den Turm angebaut und durch das Erdgeschoss des Turms mit der Kirche verbunden.

Die letzten größeren Renovierungen der Pfarrkirche wurden 1914, Ende der 50er Jahre, 1975 und 2002-2004 durchgeführt.

Epitaphe an der Außenmauer
An der südlichen Außenmauer sind Epitaphe (Grabplatten) angebracht, die an geistliche Herren von Röhrmoos erinnern. Die meisten von ihnen sind neben der Inschrift mit einem Kelch geschmückt, dem Zeichen, dass der Tote ein Priester war.


1606-Abr. Planck


1736-Ägid.Perchthold


1834-Martin Gruber

1837-Josef Deubelly

1866-Clemens Röckl

1905-Adolph Schanderl
1606 - für Pfarrer Abraham Planck
Die Grabtafel besteht aus Rotmarmor (Maße: 65 x 51 cm). Abraham Planck war von 1584 oder 1585 bis 1601 Pfarrer in Röhrmoos. Im unteren Bereich ist ein Kelch eingemeißelt.
Text: "Reverendus Dominus Abraham Planck Pastor hujus Eclesiae. Obiit anno Domj. 1609"
1736 -für Pfarrer Ägidius Perchthold

Epitaph aus Kalksandstein (Maße: 57 x 46,5 cm) für Ägidius Perchthold. Er war vier Jahre lang Provisor in Röhrmoos und starb 1736 im Alter von nur 37 Jahren.
Der Kelch ist im unteren Bereich eingraviert.
Text auf dem Epitaph: "Adm. Revdus et doctiss. Dog. Aegidius Perchthold Theologiae Mor.Cand. Provisor - Rermosii obiit 4.Aprilis 1736. Aetatis sua A: 37. Requiescat in Pace"

1834- für Pfarrer
Martin Gruber
Pyramidenförmiges Epitaph aus Kalksandstein (Maße: 60 x 35 cm) für Martin Gruber, der von 1819 bis 1834 Pfarrer in Röhrmoos war.
Text: "Geweiht dem Schatten des innigstgeliebten Bruders Martin Gruber 15 Jahre würdigsten Pfarrers zu Röhrmoosen geb. zu Ruprechtsberg den 10. Nov. 1769 gestorben den 8. Jäner 1834 Friede seiner Asche".
1837- für Pfarrer
Josef Deubelly
Epitaph aus hellem Marmor (Maße: 72 x 32 cm) für Josef Deubelly, von 1834 bis 1837 Pfarrer in Röhrmoos, der im Alter von 36 Jahren an "Abzehrung" gestorben ist. Im oberen Bereich des Epitaphs ist ein Kelch mit Hostie zu sehen. Der Tote hatte anstelle des mehr als 300 Jahre alten Pfarrhofs aus Holz einen neuen, heute noch stehenden Pfarrhof aus Stein erbaut.
Der Text auf der Grabtafel lautet: "Hier ruht der Hochwürdige und Hochgelobte Herr Josef Deubelly, Pfarrer in Röhrmoos, geb. zu Landshut den 13.Juli 1801, gest. 1.April 1837 - Friede seiner Asche"
1866 - für Pfarrer Clemens Röckl
Epitaph aus Kalksandstein (Maße 72 x 78 cm) für Clemens August Röckl, Pfarrer in Röhrmoos von 1843-1866, der im Alter von 62 Jahren an Brustwassersucht gestorben war.
Text: "Hier ruht Seiner Hochwürden Herr Clemens August Röckl, Pfarrer zu Röhrmoos, geboren den 19.Juli 1803 zum Priester geweiht den 20.Mai 1827, gestorben den 10.Januar 1866. R.I.P."

1905 - für Pfarrer Adolph Schanderl

Prächtiges Epitaph aus Marmor, mit Aufsatz (Kreuz und Kelch) und einem Weihwasserbecken (Maße 100 x 85 cm) für Adolph Schanderl von 1890 bis 1905 Pfarrer in Röhrmoos. Er soll ein hervorragender Musiker gewesen sein. Sein Tagebuch hat sich erhalten; Auszüge daraus sind im Kapitel "Geschichte" dieser Seite zu lesen.
Das Epitaph war bei der Renovierung 1975 verloren gegangen und wurde 2004 vom Steinmetzbetrieb Gschwendtner aus Petershausen anhand alter Fotos wieder erstellt.
Text: "Hier ruht in Frieden der hochwürdige Herr Adolph Schanderl, Pfarrer von Röhrmoos, geb. 13.Jan. 1840 zu Übersee, gest.dat: 16.Juli 1905- O Herr gib Ihm die ewige Ruhe"

1873- für Pfarrer
Matthias Reithmayer
Epitaph für Pfarrer R.D. Matthias Reithmayer (Maße 100 x 51 cm), der am 13.Mai 1873 im Alter von 54 Jahren an allgemeiner Wassersucht gestorben ist. Er war Pfarrer in Röhrmoos. Nach einem Verzeichnis der Röhrmooser Pfarrer war Matthias Reithmayer auf den Tag genau 7 Jahre lang, von 1866 bis 1873, Pfarrer in Röhrmoos. Er wog aufgrund seiner Krankheit nicht weniger als 336 Pfund. Unter ihm wurden 1867 die ganz baufälligen Ökonomiegebäude abgebrochen und die Grundstücke der Pfarreipfründe verpachtet; nur der Wald blieb in Selbstbewirtschaftung des Pfarrers
Text: "Ruhestätte des Hochwürdigen Herrn Matthias Reithmayer Pfarrers in Röhrmoos welchen Gott der Allmächtige in seinem 54. Lebensjahre nach Empfang der hl. Sterbesakramente am 13. Mai 1873 dem VII. Jahrestage seiner Installation zu sich abberufen hat. Gott und die Menschen hatten ihn lieb, immer wird sein Andenken im Segen sein Sir. 45,1 "
1896- für die Pfarrhaushälterin
Franziska Nöggler
Epitaph (Maße 60 x 65 cm) für die Haushälterin des Pfarrers Adolph Schanderl, Franziska Nöggler, die im Alter von 82 Jahren am 7.November 1896 an Herzschlag gestorben ist.
Text: "Hier ruht die tugendsame Jungfrau Franziska Nöggler Haushälterin im Pfarrhofe dahier. Gestorben. 82 Jahre alt, am 7ten Nov. 1896 R.I.P.

 

Innenausstattung

Der Innenraum wird durch reichen Stuckaturenschmuck an der Decke und an den Wänden des Kirchenschiffs geprägt. Man könnte glauben, er stamme aus der Rokokozeit; tatsächlich wurde er aber erst im Rahmen der Langhausverlängerung 1921 aufgebracht.

Altarraum

Der nur ein Joch tiefe Altarraum stammt aus spätgotischer Zeit und ist mit einem Tonnengewölbe mit Stichkappen überdeckt. Er schließt mit drei Seiten eines Achtecks.

Choraltar / Hochaltar

Der prächtige barocke Hochaltar der Pfarrkirche in Röhrmoos aus der Zeit um 1690 besteht aus einem Retabel, die von vier gedrehten Säulen getragen wird. Zu beiden Seiten ragen Vorhangdraperien mit je einem Englein heraus. Auf dem verkröpften, oben abgerundeten Gebälk sitzen Engel. Dazwischen rundet das hochovale Aufsatzbild den geschlossenen Gesamteindruck des Altars nach oben ab.

Mittelpunkt des Altars ist eine Kopie des Passauer Gnadenbildes Maria-Hilf unter einem baldachinartigen Vorbau mit Freiherrn-Krone. Die Inschrift auf der Rückseite des Gemäldes in lateinischer Sprache bezeichnet das Bild als "wundertätig". Sie besagt weiter, dass man es am 17. Juni 1722 auf dem Hochaltar anbrachte, nachdem es seit einigen Jahren in der Pfarrkirche verehrt worden war. Möglicherweise deutet die Freiherrnkrone auf eine Kostenbeteiligung des Hofmarkherrn von Schönbrunn, Franz Xaver Joseph v. Unertl hin.

Das Altarbild ist eine von unzähligen Kopien des Gnadenbildes "Maria Hilf' in Passau, das interessanterweise selbst eine Kopie ist. Das Röhrmooser Bild sticht aber durch den Schmuck aus getriebenem Silberblech mit farbigen Steinen heraus, der direkt im Leinwandbild angebracht ist und der die Heiligenscheine, das Halsband und die Armbänder von Maria bildet. Am Rande des Gemäldes sind viele Attribute Marias (Lilien, Taube, Rosen, Herz mit Blumenkranz) zu sehen. 
Hinweis: Das Original des Maria-Hilf-Bildes malte
um 1530 der Lutherfreund Lucas Cranach d.Ä. für den sächsischen Kurfürsten (was charakteristisch für die damals noch recht diffusen Konfessionsunterschiede war). Als Geschenk gelangte es 1611 nach Passau, 1625 nach Tirol, wo es heute noch in der Innsbrucker Stadtpfarrkirche hängt. Für Passau wurde 1622 die erwähnte Kopie gefertigt und schon bald in der Kirche "Maria Hilf als wundertätiges Gnadenbild hoch verehrt; besonders wurde es angerufen zur Abwendung der Türkengefahr und der Pest. Im Gefolge seiner Verehrung entstanden im 17./18.Jh zahlreiche "Maria-Hilf-Bruderschaften" um die Zentren Innsbruck, Passau und Wien. Die etwas verspielt-neckische Darstellung voll idyllischer Intimität kam der gefühlsbetonten Frömmigkeit des späten Rokoko besonders entgegen, sodass allenthalben weitere neue Kopien hergestellt wurden, die ehrfürchtigen Zulauf fanden.

Rechts und links vom Gnadenbild stehen als Assistenzfiguren die aus Holz geschnitzten lebensgroßen Barockfiguren des hl. Johannes des Evangelisten mit einem Kelch in der Hand, und des hl. Johannes des Täufers, der einen Kreuzstab mit Schriftband (Ecce agnus dei) hält und zu dessen Füßen ein Lamm sitzt;  ein früher noch vorhandenes Buch kam bei der vorletzten Renovierung abhanden.
  
Beide Figuren aus dem 18.Jh. wurden bei der Renovierung 2002/04 vom Dorfener Kirchenmaler Hornsteiner gründlich erneuert.
  Hinweise: Johannes der Täufer (ein Cousin Jesu) war Bußprediger am Jordan und taufte dort auch Jesus. Später wurde er auf Wunsch der Herodias, der Geliebten von Herodes und ihrer Tochter Salome enthauptet.
Mit den Worten "Dieser ist das Lamm Gottes, das die Schuld der ganzen Welt wegnimmt" hatte Johannes den Messias angekündigt (Johannes 1,29). Deshalb wird er in der Kunst häufig mit einem Lamm und mit dem Spruchband "Ecce agnus dei" am Kreuzstab abgebildet.
Der Evangelist Johannes lebte wohl erst um das Jahr 95. Bei der Domitianischen Verfolgung soll er in eine Kessel mit siedendem Öl gesteckt worden sein, doch das Öl verwandelte sich in ein erfrischendes Bad. Er entstieg unversehrt und wurde auf die Insel Patmos verbannt, wo er das Buch der "Offenbarung" schrieb. Wegen seiner "hohen Theologie" wird er mit einem Adler dargestellt. Die Schlange im Kelch erinnert an den Versuch, Johannes in Ephesus zu vergiften. Das Gift entwich dem Kelch in Form der Schlange. .

 

Im Altarauszug aus dem 17.Jh. zeigt ein kleines ovales Bild den hl. Erzengel Michael im Kampf mit Luzifer.
Der Erzengel Michael stürzte nach der Überlieferung schon vor Beginn der Schöpfung - den Engel Luzifer, der sich gegen Gott gewandt hatte, in die Hölle.


Der Tabernakel wurde Anfang des 20.Jh im Stil des Neurokoko erstellt. Er ist von zwei Leuchterenglein begleitet und durch ein schönes Altarkreuz geschmückt. Die Engelsfiguren stellen nicht nur eine Verzierung dar. Sie sind auch auf die Gestaltung der Bundeslade der Israeliten in biblischer Zeit zurückzuführen, die als Vorgängerin des Tabernakels angesehen wird. Die Bundeslade war von zwei goldenen Engelsfiguren (Cherubim) eingerahmt (Ex, 37,7-9).

Auf den beiden vergoldeten Türen sind Reliefs von Getreideähren und Weinreben angebracht, die auf die Eucharistie hinweisen.

Der frühere barocke Tabernakel steht jetzt in der Freisinger Residenzkapelle.

  Hinweis: Tabernakel ist das lateinische Wort für Zelt. Die seit dem 12. Jh übliche Bezeichnung führt zurück zur Bundeslade der Israeliten zur Zeit Mose, die ebenfalls in einem Zelt untergebracht war. Der Tabernakel dient bereits seit frühchristlicher Zeit (unter anderem Namen) zur Aufbewahrung verwandelter Hostien für die Sterbenden. Seit dem hohen Mittelalter wurde er auch Ort der Anbetung und Verehrung Christi in der Gestalt dieses eucharistischen Brotes. Der Ort und die Form der Aufbewahrung änderten sich im Laufe der Jahrhunderte häufig. Das Tridentinische Konzil (1545-63) ordnete die Aufstellung des Tabernakels auf dem Altar an. Doch diese Vorschrift wurde in Deutschland, wo man lange daran festhielt, die heiligen Hostien in Wandschränken und Sakramentshäuschen aufzubewahren, erst im 18. Jahrhundert umgesetzt.


Figuren und Bilder im Altarraum

In tiefen, relativ hoch angebrachten Nischen der Chorschrägseiten beidseits des Altars stehen zwei fast lebensgroße, teilvergoldete Schnitzfiguren aus der Zeit um 1740: Diese beiden Figuren des Korbinian und Bonifatius hat Pfarrer Erhard Lex vor dem Zerfall im Speicher des alten Pfarrhofes zu Widden bewahrt und in der Röhrmooser Kirche aufgestellt. Die Figuren stammten aus der früheren Kirche aus Pang. Dort hatte man sie rd. 100 Jahre nach ihrer Entstehung, also um 1850, beim Neubau des Panger Gotteshauses wegen ihres "elenden Styles" herausgenommen und auf den Pfarrhaus-Speicher verfrachtet.

Rechts steht der hl. Korbinian in Bischofsornat. Zu seinen Füßen krabbelt ein kleiner Bär.   
Welchen Heiligen die Figur in der linken Nische darstellt, ist umstritten. Das Attribut der Axt einer Bibel in der Hand könnte auf St.Wolfgang und auf St.Bonifatius hindeuten. In der Kirche von Pang stellte die Figur den hl.Wolfgang dar. Hier in Röhrmoos hat man sich aber für St.Bonifatius entschieden. Entweder wusste man 1921 schon nicht mehr, welchen Heiligen die Figur darstellt, oder man wollte in Röhrmoos auf das hohe Alter der Kirche verweisen, das fast bis an die Lebenszeit von St.Bonifatius heranreicht.


 




 

Hinweise:
Bonifatius wurde als Wynfreth 672 in England geboren. Er wurde Benediktinermönch und war als Lehrer für Grammatik und Dichtung tätig. Wynfreth verfasste die erste englische Grammatik der lateinischen Sprache. Papst Gregor II beauftragte ihn 718, den deutschen Völkern das Evangelium zu verkünden und gab ihm den Namen Bonifatius (nach dem Märtyrer Bonifatius von Tarsus). Der Heilige wirkte in Friesland, Thüringen, Hessen, Sachsen und Bayern. Bekannt ist die Erzählung, nach der er im hessischen Geismar persönlich die dem Gott Thor geweihte Eiche umschlug (deshalb das Attribut Axt) und daraus eine Kapelle baute. Bonitfatius legte das organisatorische Fundament für die deutsche Kirche. Er gründete viele Bistümer (darunter auch Freising) und sorgte durch seinen guten Verbindungen zum Kaiser und nach Rom dafür, dass sich der Papst aus byzantinischen Bindungen löste und mehr Mitteleuropa zuwandte (schon damals dürfte in Röhrmoos ein Kirchlein bestanden haben). 738 wurde er päpstlicher Legat für das Frankenreich. Später schwand sein Einfluss. Bei einer Tauffeier an Pfingsten 754 wurde er in Westfriesland überfallen und erschlagen. Sein Grab liegt -seinem Wunsch entsprechend- in Fulda. Dort findet seit 1867 alljährlich die Konferenz der deutschen Bischöfe statt.
Korbinian wurde um 670 bei Melun (Frankreich) geboren, lehrte zuerst in seiner Heimat mit großem Erfolg das Evangelium. Papst Gregor II. bat ihn, das Evangelium in Bayern zu verbreiten und weihte ihn zum Bischof. Er wurde der erste Bischof des Bistums Freising, das Bonifatius gegründet hatte. Dort starb er nach einem Zwangsaufenthalt in Südtirol im Jahr 725. Auch sein Grab liegt in Freising, obwohl er selbst in Südtirol begraben sein wollte. Nach der Legende wurde auf einer Romreise Korbinians ein Lasttier von einem Bären angefallen. Korbinian zwang daraufhin den Bären, selbst die Last zu ragen.



Ein großes geschnitztes Holzkreuz aus dem 20.Jh. hängt neben der Tür zur Sakristei. Es wird von zwei Tafeln mit Reliefs aus getriebenem Silberblech eingerahmt, die das Abendmahl und die Fußwaschung darstellen. Silbergetrieben bedeutet, dass das Kunstwerk durch Hämmern von der Rückseite her über einer nachgiebigen Unterlage erstellt wurde. Die Tafeln in den geschweiften Holzrahmen stammen etwa aus der Zeit um 1730, und sind ein Geschenk der Klosterfrauen am Herzogspital in München aus dem Jahre 1879, als diese ihre Kirche neu einrichteten. Einige Tafeln befinden sich in der Filialkirche Sigmertshausen. Vor 100 Jahren standen die Tafeln noch auf dem Altar.

  Hinweise: Abendmahldarstellungen sind heute die wichtigste künstlerische Ausdruck für die Einsetzung der Eucharistie. In den ersten Jahrhunderten waren dies -wie Darstellungen auf den frühchristlichen Sarkophagen zeigen- das Weinwunder von Kana und die Brotvermehrung. In die Bildende Kunst fand das letzte Abendmahl erst im 5./6. Jh. Eingang. Ursprünglich wurde Jesus an der linken Ecke der Tafel sitzend wiedergegeben, ab dem 11. Jh. meist in der Mitte thronend, flankiert von seinen Jüngern, wie hier in Röhrmoos.


Taufbecken

Noch beim Renovieren ist die Figurengruppe auf der Abdeckplatte des kleinen Taufbecken aus hellem Marmor, das früher an der rechten Wand des Altarraumes befestigt war. Die geschnitzte Figurengruppe aus der Zeit um 1740 stellt die Taufe Jesu im Jordan dar. Sie zeigt, wie Johannes d.Täufer (mit Kreuzstab in einer Hand) mit einem Gefäß Jordanwasser über Jesus gießt. Dabei würdigt er den vor ihm knienden Jesus keines Blickes. Die Darstellung der Taufe Jesu am Taufort in der Kirche als Vorbild für das Taufsakrament war vom Konzil von Trient (1545 bis 1563) vorgeschrieben und deshalb in der Barockzeit weit verbreitet.


Epitaphe an den Chorwänden

In die Wand des Altarraums sind fünf Steintafeln eingemauert, die an Pfarrherren und Wohltäter von Röhrmoos erinnern:


1584-Leonhard Faber

1620-Ulrich Zollner

1660
-Mechthild Reischl


1713 Joh. Kaspar Aufkircher


1735-Vitus Kreyttmayr
1584- für Pfarrer
Leonhard Faber
Epitaph aus Kalksandstein (68 x 55 cm) an der rechten Seite des Chorbogens. Im unteren Bereich ein Kelch. Der Tote war Pfarrer in Dachau; er ist am 6.10.1584 gestorben. Der Stein war früher wohl in Dachau angebracht.
Text: ANNO DOMINI 1584 DIE SEXTO OCTOB. OBIIT VENERABILIS: ET PERDOCTUS. LEON. FABER. PASTOR HUIUS EDCCLESIAE ET DECANUS CUIUS ANIMA. DEO ….AT … (Rest nicht mehr leserlich).
1620- für
Ulrich Zollner

Epitaph aus Kalksandstein (Maße: 51 x 32 cm) beim rechten Seitenaltar. Im unteren Bereich ein Wappen. Der Vater oder Bruder des Toten, Casparus Zollner, war von 1607 bis 1627 Pfarrer in Röhrmoos.
Text: "Anno 1626 Den 12. February. Ist In Gott Verschieden Der Ehren….. …… Ulrich Zollner gewester Strafrichter Zue Wasserburg Dessen seel gott Wolle genedig sein. Amen"

1660 - für
Mechthild Reischl
Epitaph aus Rotmarmor (Maße: 42 x 34 cm) beim rechten Seitenaltar. Im unteren Bereich wieder ein Wappen. Mechthild Reischl starb im Alter von ungefähr 80 Jahren (im Sterbebuch steht: "circiter annorum 80").
Text: "Anno 1660 Den 29. November Ist gestorben Mechtildis Reischlin geweste pöckhin in München. Diser und all anderen Christglaubigen Seelen wolle Gott gnedig und Barmhertzig sein. Amen"
1713 - für Pfarrer
Joh. Kaspar Aufkircher
Epitaph aus Kalksandstein (Maße: 76 x 47 cm) an der linken Seite des Chorbogens für Pfarrer Aufkircher, der mit 69 Jahren am 16.März 1713 starb. Er war 42 Jahre lang, von Juli 1671 bis 1713 Pfarrer in Röhrmoos. Unter ihm wurde das Kirchenschiff neu gebaut. Im unteren Bereich des Steins ein Kelch mit Hostie.
Text:" Adam R.D. Joannes Casparus Aufkircher, post Parochiam Rermosensem XXXXII annis Procuratam pie obiit XVI. Martii anno MDCCXII, Aetatis su LVIIII. Requiescat in Pace."
1735 - für Pfarrer
Vitus Kreyttmayr
Epitaph aus Kalksandstein (Maße: 98 x 66 cm) an der rechten Seite des Chorbogens für Pfarrer Kreyttmayr, der 37 Jahre Pfarrer war, davon 22 Jahre in Röhrmoos (1713-1735) und der im Alter von 61 am 12.August 1735 starb. In oberen Bereich des Steins ein Kelch mit Hostie auf einem Totenkopf mit gekreuzten Oberschenkelknochen. Im unteren Bereich ein Wappen in Medaillonform.
Text: "Adm.Reverendus Nobilis et Clarissimus. Dominus Vitus Kreyttmayr I.V.L. Parochus Rermosii: Anni XXII, Sacerdos: Anni XXXVII, Obiit: XII. Men.Aug. Ann: 1735- Aetatis suae Ann: LXI. Requiescat in Pace. Amen."
   


Zelebrationsaltar

Der Zelebrationsaltar besitzt einen Edelstahlfuß mit dem Grundriss eines gleichschenkligen Kreuzes. Darauf ist die 100 x 75 cm große Altar-Tischplatte (=Mensa) befestigt. Die Mensa besteht aus dunklem Wenge-Holz, einem der edelsten Hölzer der Welt. Es wächst im afrikanischen Regenwald. Der Altar hat die Form eines Tisches und wird damit dem Anliegen des II.Vaticanischen Konzils besonders gerecht.

Der Architekt Guido Sonani hat nach Zeitungsberichten bei der Gestaltung des Zelebrationsaltars darauf geachtet, "dass der dahinterliegende barocke Hochaltar noch besser zur Geltung kommt". Um den Altar wurde ein Podium errichtet, das den etwas engen Altarraum über die Stufen zum Kirchenschiff erweitert.

Der Altar wurde am 17.Januar 2010 aufgestellt und von Weihbischof Dr.Bernhard Haßlberger geweiht. Dabei wird der Altar mit Weihwasser besprengt und mit Chrisamöl gesalbt. Daraufhin werden Wachs und Weihrauch in vier kleine Schalen mit jeweils 4 Dochten und in eine große Schale gefüllt und auf der Mensa verbrannt. Das Entzünden des Weihrauchs auf dem Altar will den neuen Altar als den Christusaltar gemäß Offb 8,3-5 sichtbar machen. Der aufsteigende Weihrauch soll die Gebete gleichsam sichtbar machen, wie es auch die Worte des Bischof beim Auflegen des Weihrauch zum Ausdruck bringen: "Gott, wie Weihrauch steige unser Gebet zu dir empor. Und wie dieses Haus mit wohlriechendem Duft sich füllt, so erfülle Christi Geist deine Kirche."

  Hinweis: Der Altar war das Symbol des heidnischen Gottesdienstes. Das lateinische Wort adolere = verbrennen bezeichnet die ursprüngliche Bedeutung als Stätte zur Verbrennung der Opfer. Die ersten Christen hatten keinen Altar. Jesus versammelte die Seinen um den Tisch, und das hielten auch die Christen während der ersten Jahrhunderte so; zur Eucharistiefeier konnte jeder beliebige Tisch dienen. Im 4.Jh wurde das Opfer Jesu in das Tischgeschehen hineingenommen und der Altar eingeführt. Er war meist aus Stein, frei aufgestellt und von allen Seiten zugänglich. Ab dem 8. Jahrhundert weicht die Tischform immer mehr der Blockform. Dies kommt der Entwicklung entgegen, im Altar Reliquien von Märtyrern und Heiligen beizusetzen. Der zelebrierende Priester stand hinter dem Altar, sodass seine Handlungen während der Messfeier für die ganze Gemeinde sichtbar waren. Als der Altar dann im 11.Jh eine Rückwand mit hohen Altaraufbauten (Retabel) erhielt und weiter an die Ostwand rückte, wandte der Priester der Gemeinde den Rücken zu. Dies ist in der katholischen Kirche durch eine Liturgiereform erst vor 40 Jahren wieder rückgängig gemacht worden.
Mit dem neuen Zelebrationsaltar wurde im Jan. 2010 auch ein neuer Ambo angeschafft. Er besitzt nur einen senkrechten Seitenteil und ist so konstruiert, dass der Blick vom Kirchenschiff auf den Choraltar möglichst nicht beeinträchtigt ist.  
Der frühere Zelebrationsaltar war dem barocken Stil der Kirche und dem dort vorherrschenden Farbspektrum angepasst. Er hatte eine konkave Form, bestand aus Holz und war rot-weiß-blau marmoriert. Er war um 1970 aufgestellt worden, im Zuge der Liturgiereform durch die Beschlüsse des 2.Vatikanische Konzils,und bedeutet eine Rückkehr zu den Wurzeln der Eucharistiefeier.


Ewig-Licht-Ampel

Am Chorbogen hängt die neu versilberte Ewig-Licht-Ampel, die aus der 2.Hälfte des 18.Jh stammt. Sie besteht aus getriebenem, versilbertem Messingblech und ist mit Muschelornamenten verziert. 2004 wurde sie von der Regensburger Fa. Weiß neu versilbert.

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Hinweis: Das rote Öllämpchen, das stets im Altarraum brennt, gilt oft als Erkennungsmerkmal eines katholischen Gotteshauses. Früher gab es solche Lichter nur an den Märtyrergräbern. Mit der wachsenden Verehrung der aufbewahrten Eucharistie hat sich etwa seit dem 13. Jh der Brauch des "Ewigen Lichtes" vor dem Tabernakel, wo das Allerheiligste aufgewahrt wird, herausgebildet. Durch sein dauerndes
  Brennen weist es darauf hin, dass in der Kirche geweihte Hostien aufbewahrt werden. Meist sind die von der Decke herabhängenden Ampeln aus Silber oder versilberten Material gebaut, in eleganten Formen und mit vielen grazilen Verziehrungen versehen.

Kirchenschiff / Langhaus

Das mit fünf Jochen sehr lange Kirchenschiff mit Spiegelgewölbe überrascht die Besucher mit seiner barocken Ausschmückung. Ganz besonders reich erscheint der Stuckaturenschmuck mit Akanthusblättern und Blumen an Decke und Wänden. Er stammt aber erst
aus dem Jahre 1921.Damals, in der Zeit der beginnenden Inflation, kam der Röhrmooser Pfarrer Erhard Lex auf die Idee, die bis dahin so leere Decke mit einer Kopie der Stuckaturen der Wallfahrtskirche Altenberg bei Glonn zu schmücken. Die Maßverhältnisse der beiden Kirchen waren gleich. Die Vorlage stammt aus dem Jahr 1711 und lehnt sich an italienische Vorbilder an. Die reichhaltige Stuckatur und die farblich abgesetzten marmorierten Doppelpilaster (angedeutete Säulen) mit stuckierten Kapitellen an den Seitenwänden beleben den Kirchenraum und prägen das Erscheinungsbild im Inneren.


Deckengemälde im Altarraum und im Kirchenschiff

Auch die Deckengemälde im Kirchenschiff wurden erst 1922 vom Maler Hoferer aus München, einem Verwandten des damaligen Röhrmooser Pfarrers Erhard Lex, geschaffen. Zwei große Gemälde zeigen im Kirchenschiff die Anbetung der drei Weisen aus dem Morgenland und die Aufnahme Marias in den Himmel. Weitere 36 über die ganze Kirche verteilte Medaillons stellen Anrufungen aus der Lauretanischen Litanei dar. Die schon beschriebenen prachtvollen Stuckaturen, bestehend aus Blätter und Rankenwerk, umrahmen die Fresken und füllen den dazwischen liegenden Raum.

Im Deckengemälde des Altarraums sind Maria, begleitet von den beiden Patronen der Kirche auf Wolken dargestellt. Im unteren Bereich des Bildes ist die Ortschaft Röhrmoos mit ihrem typischen hohen Kirchturm zu sehen. Das Bild will die Ortschaft den Heiligen zur Fürsprache empfehlen.

Am Chorbogen ist auf der dem Kirchenschiff zugewandten Seite  -von Stuckgirlanden umrahmt- eine Textkartusche mit blauem Hintergrund angebracht. Der Text lautet: "Ecce Tabernaculum Dei" (Seht das Zelt/Haus Gottes).
Auf der Innenseite des Chorbogens ist ein Bild des hl.Vitus im Ölkessel zu sehen. Der Heilige wurde der Legende nach während seines Martyriums in siedendes Öl gesteckt, überlebte aber die Tortur. Er ist einer der 14 Nothelfer und wurde bei über 30 Krankheiten angerufen, darunter bei Veitstanz, der seinen Namen trägt. Helfer bei Bettnässen wurde er wegen der Ähnlichkeit des Ölkessels mit einem Nachttopf.  

Im kleineren der beiden großen Langhausgemälde wird die Anbetung der Weisen aus dem Morgenland dargestellt. Maria, in blauem Mantel und rotem Kleid sitzt vor einer Steinsäule, mit dem schon etwas älteren Jesuskind auf dem Schoß. Vor dem auf dem Schoß zappelnden Kind knien die drei Weisen mit Geschenken in den Händen. Hinter Maria  steht Josef und beobachtet aufmerksam die Szene. Das Gemälde ist -wie alle Gemälde in der Kirche- von einem Stuckrahmen (hier aus Akanthusblättern) umgeben.  
 Das große Deckengemälde im Langhaus zeigt die Aufnahme Marias in den Himmel und ihre Krönung zur Königin des Himmels. Von vielen Engeln umgeben schwebt Maria auf mächtigem Gewölk zum Himmel empor. Auch auf diesem Bild ist sie in einen blauen Mantel und in ein rotes Kleid gehüllt. Ihr Haupt ist von einem Strahlenkranz umgeben. Über Maria warten Gottvater (mit einer Weltkugel auf dem Knie -links) und Christus mit einem großen Kreuz im Arm (rechts) auf die Ankunft Marias. Sie halten zusammen die Krone, die sie Maria aufsetzen werden. Darüber schwebt in Gestalt einer Taube der Heilige Geist.
Rot und Blau sind die traditionellen Marienfarben. Rot für den königlichen Anspruch, Blau für die hohe Wertschätzung (im Mittelalter brauchte man für die Herstellung der blauen Malfarbe Lapislazuli).

In vielen Medaillons werden -über die ganze Decke verteilt- die Fürbitten der Lauretanischen Litanei bildlich und im Text dargestellt. Die folgenden Bilder sind über der Empore zu sehen. Bei der Fürbitte "Du Heil der Kranken" wird die Kirche in Schönbrunn gezeigt.
"Du Heil der Kranken"
"Du Königin der Märtyrer"
"Du Königin der Jungfrauen"
"Du Turm Davids"
Die "Lauretanische Litanei" hat sich aus einem frühmittelalterlichen Hymnus (Paris, um 1200) entwickelt und wurde 1587 nach dem Marienwallfahrtsort Loreto in Italien benannt. Sie besteht aus poetischen Lobpreisungen Marias in bildhafter Sprache. Im Laufe der Jahre wurden die Litanei erweitert (so z.B. nach der Erscheinung von Fatima -1917- um die Anrufung "Königin des Friedens". ....mehr über die Lauretanische Litanei-


Seitenaltäre

Bei den Seitenaltären handelt sich um zweisäulige Barockretabel aus der Zeit um 1700. Die Altarblätter wurden von Anton Rick aus Ebersberg im Jahre 1876 gemalt. Auf dem verkröpften Gebälk bilden Volutengiebel mit Ziervasen und hochovale Aufsätze mit krönenden Darstellungen des Herzens Jesu und des Herzens Mariä den oberen Abschluss. Die Antependien bestehen aus marmoriertem (marmorartig bemalten) Holz.

Linker Seitenaltar

Der linke Seitenaltar ist der Hl.Familie geweiht. Das in der 1.Hälfte des 18.Jh auf Leinwand gemalte Altarbild zeigt Maria und Joseph, das Jesuskind zwischen sich führend, über diesem, in den Wolken schwebend, die Heiliggeisttaube und Gottvater. Man nennt diese Art der Bilder auch den "Heiligen Wandel", das ist eine Darstellung der hl. Familie in der Horizontalen, die wiederum zusammen mit der Hl. Dreifaltigkeit in der Vertikalen eine Einheit bildet. Im Hintergrund ist eine Kirche zu sehen, bei der es sich um die Röhrmooser Kirche handeln dürfte.

Das Medaillon darüber, im Aufsatz des Altares, zeigt Johannes den Täufer als Kind mit seinen Eltern Zacharias und Elisabeth. Der kleine Johannes hält in seinen Armen ein Lamm und einen Kreuzstab mit Inschriftenband, den späteren Attributen des Heiligen. Das Bild wurde wie der Altar um das Jahr 1700 gemalt.
Auf dem Segmentgiebel des Aufsatzes ist ein blumenumkränztes Herz Mariä angebracht.
 
Auch der Tabernakel am linken Seitenaltar ist -wie der Tabernakel am Choraltar im Stil des Neurokoko Anfang des 20.Jh aus marmoriertem Holz gemacht. Auf seine einflügelige Türe ist ein Kreuz mit phantasievollen Strahlen gemalt. Der figürliche Korpus ist gegossen.


Rechter Seitenaltar
Das Altarblatt des rechten Seitenaltares zeigt die Steinigung des hl. Stephanus aus dem 18.Jh. Der Heilige im kurzärmeligen Gewand des Diakons sinkt von Steinen getroffen zu Boden. Einer aus der Menge holt zum nächsten Steinwurf aus. Der bärtige Mann im Hintergrund könnte den hl.Paulus, damals noch Saulus, darstellen. Rechts oben sitzt auf einer dunklen Wolke der hl. Martin im blauen Bischofsgewand mit Buch und Gans. Dahinter steht ein weiterer, mir nicht bekannter Heiliger mit Wundmalen an den Händen. 
  Hinweis: Stefanus war einer der Diakone der urchristlichen Gemeinde in Jerusalem, die neben der Glaubensverkündigung auch für die sozialen Belange der Gemeinde zuständig waren. Sie hatten den Rang von Gemeindeleitern, die in ihrer Bedeutung nahe an die Apostel heranreichten. Durch eine seiner Predigten geriet Stephanus mit den Juden  in Konflikt. Sie brachten ihn vor den Hohen Rat.  Die in  Apostelgeschichte 7, 2 - 53 wiedergegebene, eindrucksvolle Rede belegt, dass Stephanus noch vor Paulus den universellen Anspruch des Christentums verkündete.  Stephanus wurde als Lästerer verurteilt und von der aufgebrachten Menge gesteinigt. Stephanus sah den Himmel offen, kniete, seinen Widersachern vergebend, im Gebet nieder und starb.  Stephanus' Steinigung war der Auftakt zu einer großen Christenverfolgung in Jerusalem.das Medaillon
Im Altarauszug des rechten Seitenaltars sieht man den hl. Antonius von Padua in der Franziskanerkutte, dem das Jesuskind ein Kreuz überreicht und die linke Hand auf das schüttere Haar des Heiligen legt (18.Jh).Antonius war Franziskanermönch. Deshalb ist er auf dem Bild in der braunen Kutte der Franziskaner dargestellt. Die Farbe Braun steht traditionell für Demut und Bescheidenheit.
Gekrönt wird der Aufsatz durch ein von einer Dornenkrone umgebene Herz (Herz-Jesu).
  Antonius lebte im 13.Jh und war ein begnadeter Redner, der sich gegen die damaligen Häretiker (Katharer, Albigenser und Waldenser) wandte. Seine Fastenpredigten in Padua 1231 hatten einen sensationellen Erfolg, denn die ganze Region schien danach wie umgewandelt:

  Schulden wurden erlassen, zerstrittene Familien versöhnten sich, Diebe gaben das gestohlene Gut zurück, unrechtmäßige und überhöhte Zinsen wurden den Schuldnern zurückerstattet. Bis heute gilt in Italien ein damals erlassenes Gesetz, dass niemand mit seinem Leben und seiner Freiheit für eine Schuld haften solle, sondern nur mit seinem Eigentum. Antonius wird als Hilfe zum Wiederauffinden verlorener Gegenstände angerufen und gilt deshalb als "Patron der Schlamperer". Dies geht auf zwei Legenden zurück: Als ihm ein Manuskript gestohlen worden war, betete er so lange, bis der Dieb damit zurückkehrte. Schöner ist die zweite Legende, nach der er einem Geizhals half sein Herz zu suchen und es in einer Geldtruhe fand. Die Darstellung mit dem Jesuskind auf seinem Arm ist bei uns erst seit dem 17.Jh verbreitet; sie verweist auf eine seiner Visionen, die er beim Bibellesen hatte.


Fenster

Die vier mittleren der acht rundbogigen Fenster wurden im Mai 1903 mit Glasmalereien von der Münchner Fa. Ostermann ausgestattet. die Kosten betrugen 800 Mark.

Auf der Nordseite zeigt das vordere Fenster die Jungfrau Maria (mit den Lilien der Keuschheit), die mit ihrer Hand auf ihr Herz weist.  Das Herz Mariens ist Zeichen für die mütterliche Liebe.   Das vordere Fenster auf der Südseite wurde von Johannes und Maria Göttler im Jahr 1903 gestiftet und zeigt eine Herz-Jesu-Figur.
Das Herz Jesu ist Symbol für die Erlöserliebe Christi. Diese Darstellung verbreitete sich in unseren Kirchen insbesondere nach der Einführung des Herz-Jesu-Festes durch Papst Clemens XIII.(1758 -1769) im Jahr 1765.
Im hinteren Fenster auf der Nordseite ist die hl.Anna zu sehen, die ihre Tochter Maria das Lesen lehrt. Das Thema der Unterweisung Mariens ist in der Kunst seit dem 14.Jh bekannt. Die Kunst des Lesens beherrschten in früheren Zeiten nur wenige, meist vornehme Menschen. Dazu sollten auch Anna und Maria gerechnet werden.   Stifter des Fensters daneben waren Joseph Rottmaier. Dargestellt ist der hl. Josef, der Namenspatron des Stifters. Er hält in seinen Händen die Attribute Winkel (von Beruf Zimmermann) und Lilie (Zeichen für Keuschheit und letztendlich für die Gottessohnschaft Jesu).
KanzelkreuzDeckengemälde - bitte klickenKanzelSt.GeorgKirchenbänkeSimon der ZelotMatthiasThaddäusAndreasJohannesPaulusJesusJakobus der ÄlterePetrusThomasPhilippusMatthäusDeckengemälde Lauretanische LitaneiDeckengemälde Lauretanische LitaneiDeckengemälde Lauretanische LitaneiKreuzwegbilderKreuzwegbilderApostelleuchterApostelleuchterDeckengemälde Lauretanische LitaneiBartholomäusOrgel
Details (Emporenbilder Apostelleuchter, Kreuzwegbilder, Kirchenbänke, Deckengemälde)
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Kreuzwegbilder
1754 bewilligte das Fürstbischöfliche Ordinariat in Freising die Einsetzungdes von KatharinaHörmann aus Röhrmoos gestifteten Kreuzweges, an dessen Stelle 1875 neue Stationsbildervon
der Hand des Historienmalers Rick (Riegg) kamen. In der Zeit von 1967 bis 2004 hing in der Kirche ein Kreuzweg in Form einer versilberte Treibarbeit mit Muschelwerkdekor von Michael

Kreuzweg 1967-2004
Weingartner (1917-1996)aus Pfaffenhofen an der Ilm. Seit der Renovierung im Jahr 2004 sind wieder die Kreuzwegbilder von 1875 vom Historienmaler Rick  angebracht. Rick hatte auch einen Kreuzweg für die Schönbrunner Klosterkirche gemalt.


derzeitiger Kreuzweg

Wenn Sie sich eine Zusammenstellung von Kreuzwegbildern aus den Kirchen des Dachauer Landes ansehen und mehr über die Geschichte des Kreuzwegs erfahren möchten, klicken Sie hier...


Apostelleuchter


Über das ganze Kirchenschiff verteilt sind kunstvollen Apostelleuchter auf prächtigen Apostelkreuzen aus Stuckwerk angebracht. Die Leuchter wurden aber erst 2004 nach alten Vorlagen geschmiedet. Sie erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlischen Jerusalems.



K
irchenbänke
Die Kirchenbänke mit den prächtigen Neurokokowangen wurden 1922 vom Röhrmooser Wagnermeister Peter Wiedemann unter Mitarbeit von Johann Katzl erstellt. Signaturen sind an vier Bänken zu erkennen.

Viele Kirchen im Landkreis haben schöne Kirchenbank-Wangen. Wenn Sie sich dafür interessieren, klicken Sie hier...

  Hinweis: Kirchenstühle gab es nicht von Anfang an in den Kirchen. Die ersten 1500 Jahre standen die Gläubigen oder bewegten sich langsam im Raum. Lediglich für Alte und Schwache gab es einige Stühle an den seitlichen Wänden. Ohne Kirchenstühle fasst die Kirche viel mehr Menschen; bei dichtem Gedränge während des Gottesdienstes schien der Raum voller Bewegung zu sein. Das feste Gestühl wurde zum Spiegel einer disziplinierten Gemeinschaft, in der jeder seinen festgefügten Platz hatte. Im 16.Jh. sind zuerst die evangelischen Kirchen mit Bänken ausgestattet worden, weil dort die Predigt als Medium der Heilsvermittlung einen größeren Raum einnimmt. Die katholischen Kirchen zogen erst später nach. Die Bestuhlung war einer der Gründe, dass die Kirchen zu Beginn der Barockzeit vergrößert werden mussten.


Kanzel

Die Kanzel an der Nordseite des Kirchenschiffs aus dem Ende des 17.Jh besitzt einen hochbarocken Aufbau. Der durch Pilaster stark gegliederte Kanzelkorb ist marmoriert und teilvergoldet. Der Schalldeckel fehlt leider. Er soll sich dem Vernehmen nach auf dem Kirchenspeicher befinden. Nach Max Gruber war er mit einer Figur des hl.Nepomuk gekrönt. Derzeit ist nur eine Heilig-Geist-Taube über der Kanzel an der Wand angebracht.

     

Hinweis: Die Gestalt der Taube für die künstlerische Darstellung des Heiligen Geistes gründet sich auf den Bericht der Taufe Jesu im Neuen Testament. Danach fuhr der heilige Geist in leiblicher Gestalt auf ihn hernieder wie eine Taube (Lk, 3,22). Obwohl dies nur bedeutet, dass sich der Geist bewegte sich wie eine Taube, nicht aber aussah wie ein Vogel, hat man die Taube als Symbol für die sonst nur schwer greifbare dritte Person Gottes gewählt. Das Konzil von Nicäa im Jahr 325 hat dies sogar empfohlen. Papst Benedikt XIV verbot 1745 die Darstellung der dritten göttlichen Person in Menschengestalt, wie sie vereinzelt immer noch vorkam.


K
anzelkreuz

Gegenüber der Kanzel hängt ein Kruzifix (sog. Kanzelkreuz). Es zeigt den noch lebenden Christus am Kreuz. Seine Augen sind zum Himmel gewandt; die Seitenwunde ist noch nicht vorhanden. Das Kruzifix ist auch im Verzeichnis der Kunstdenkmale des Königreichs Bayern von 1893 als eine gute Arbeit aus dem Anfang des 18.Jh. aufgeführt.
Der Corpus Christi wurde 2004 vom Kunstmaler Christian Huber renoviert.  
  Hinweis: Das Kreuz heißt Kanzelkreuz, weil es in der Regel der Kanzel gegenüber an der Wand angebracht ist. Es erinnert den Prediger an den 1.Korintherbrief (1,3), in dem der hl.Paulus schreibt: "Wir predigen Christus als den Gekreuzigten". Die Ansprache soll nicht weltliche Dinge, sondern den Tod und die Auferstehung Christi zum Inhalt haben.


F
iguren
an den Seitenwänden des Kirchenschiffs

Folgende Figuren sind an den Seitenwänden angebracht:

Figur der schmerzerfüllten Muttergottes (mater dolorosa) aus dem Jahr 1749 (sign), wie sie üblicherweise unter dem Kruzifix steht. Die Muttergottesfigur, eine Nachbildung der Herzogspitalmadonna aus München, kam 1928 anlässlich eines Tausches der Mater-dolorosa-Figuren zwischen Riedenzhofen und Röhrmoos in die Kirche. In der Brust Marias steckt ein Schwert; ihr Haupt ist von einem Kranz von 12 Sternen umgeben.
  Hinweis: Das Schwert in Marias Brust erinnert das Simeonwort im Lukasevangelium (Kap 2,35) bei der Darstellung im Tempel: "Dir selbst wird ein Schwert durch die Seele dringen".  
Die zwölf Sterne erinnern an die Apokalyptische Frau, die Johannes in der Geheimen Offenbarung beschrieben hat. Sie war in der Vision vom Strahlenkranz der Sonne umgeben, über ihrem Haupte standen zwölf Sterne als Symbol für die zwölf Stämme Israels. Die Apokalyptische Frau wurde in frühchristlicher Zeitals Symbol für die Kirche angesehen und erst später mit Maria identifiziert.
Der hl. Michael im Kampf mit dem Luzifer. Er schwingt sein kurzes Flammenschwert und setzt seinen Fuß auf den besiegten "armen Teufel". Die Figur stammt aus dem 18.Jh. Michael gilt als einer der vier Erzengel, der nach der Bibel und der Überlieferung häufig in das Heilsgeschehen eingegriffen hat. Der Engelssturz ist in der Bibel nicht erwähnt. Flammenschwert ist übrigens die Bezeichnung für ein Schwert, dessen Klinge gewellte (geflammte) Schneiden hat.

 
An der Südwand steht auf einem Postament eine teilvergoldete Schutzengelgruppe aus dem 18.Jh auf barocker Konsole. Der Schutzengel führt ein Kind an der Hand und weist ihm mit der Rechten den Weg nach vorne.
  Hinweis: Die liturgische Verehrung der Schutzengel hat sich vor allem im 15. und 16. Jahrhundert verbreitet, zunächst in Verbindung mit dem Fest des Erzengels Michael (29. September); 1670 hat Papst Klemens X. das Schutzengelfest für die ganze Kirche vorgeschrieben und auf den 2. Oktober festgelegt. Der Glaube an die Schutzengel stützt sich vor allem auf Mt 18, 10. Dort ist zu lesen: Hütet Euch davor, einen dieser Kleinen zu verachten. Denn ich sage Euch Ihre Engel im Himmel sehen stets das Angesicht meines himmlischen Vaters.


Christus auf der Rast.
Die Figur aus dem 18.Jh stellt den gequälten Jesus kurz vor seiner Kreuzigung dar. Der geschundene Jesus sitzt auf einem Stein, stützt sein Haupt auf dem rechten Arm ab und hält in der Linken das Binsenrohr, mit dem man ihn verspottet hatte.

 

 

Hinweis: Figuren von "Christus in der Rast" sind nicht selten in den Kirchen des Landkreises Dachau. Ähnliche Figuren stehen auch in Asbach, Bergkirchen, Biberbach, Haimhausen, Kleininzemoos, Kollbach, Rumeltshausen und Westerholzhausen. Die Darstellung Christus auf der Rast geht zurück auf die heimlichen Leiden Christi. Das sind Schilderungen und bildliche Darstellungen von Martern Christi vor seiner Kreuzigung, die nicht in den Evangelien erwähnt werden. Sie entsprangen der Passionsmystik des Mittelalters und wurden in der Barockzeit von den Jesuiten und Franziskanern für Zwecke der Gegenreformation wieder belebt. Zu diesen heimlichen Leiden gehören Darstellungen von Christus im Kerker, von Maria mit ihrem toten Sohn Jesus auf dem Schoß (Vesperbilder) und Christus auf der Rast. Letzteres stellt Jesus dar, der nach dem Kreuzweg, kurz vor seiner Kreuzigung auf einem Stein oder dem Kreuz sitzt, seinen Ellbogen an den Schenkeln aufstützt und das Kinn bzw. eine Wange mit einer Hand hält. Eine uralte Geste der Klage. Diese Art der Gestaltung heißt im Volksmund manchmal auch "Zahnweh-Herrgott".

Im Jahr 2006 renoviert wurden die Figuren des hl. Georg, der auf einem Schimmel reitend, den Drachen als Sinnbild für das Böse bekämpft und des hl.Martin, der seinen Mantel mit einem Bettler teilt. Die auf einem in den Raum hineinragenden Sockel stehenden Figuren stammen (?von Hans Schnitzer?)aus der Zeit um 1600.
  Hinweise:
Georg
war Soldat des römischen Heeres zur Zeit Kaiser Diokletians und wurde um ca. 304 in Nikodemien oder Lydda enthauptet. Bei uns wird der hl. Georg vor allem als Patron der Pferde verehrt (Georgiritt). Meist wird er als Ritter dargestellt, der einen Drachen tötet. Nach der Legende hauste in einem See vor der Stadt Silena in Lybia einDrache, dem die Einwohner täglich Lämmer und später Kinder opfern mussten. Da erschienSt.Georg, nachdem er alle Martern

 

überstanden hatte, gevierteilt und vom Erzengel Michael wieder zum Leben erweckt worden war. Als der Drache auftauchte, schwang Georg mit dem Zeichen des Kreuzes die Lanze und durchbohrte das Untier, das zu Boden stürzte.
St. Martin begegnete als Soldat hoch zu Ross am Stadttor von Amiens einem frierenden Bettler. Ihm schenkte er die mit dem Schwert geteilte Hälfte seines Mantels; in der folgenden Nacht erschien ihm dann Christus mit dem Mantelstück bekleidet: er war es, der Martin als Bettler prüfte. St.Martin wurde gegen seinen Willen 371 auf Drängen des Volkes Bischof von Tours. Die Legende berichtet, er habe sich in einem Stall versteckt, um der Wahl zu entgehen, doch hätten ihn die Gänse durch ihr Schnattern verraten.


Empore und Orgel

Auf der von vier Stuckmarmorsäulen (mit Betonsockel) getragenen, im Jahr 1920 verlängerten Empore ist eine Orgel aufgestellt. Sie wurde um 1950 von Julius Zwirner aus München gefertigt. Die Orgel besitzt einen Freipfeifenprospekt und 12 Register bei zwei Manualen. Sie wurde 2006 renoviert.
Im Jahr 1891 hatte Franz Borgias Maerz, Mch, eine kleine, einmanualige Orgel mit sieben Registern eingebaut. Pfarrer Schanderl beschrieb den Kauf und die Aufstellung der Orgel in seinem Tagebuch:
  "Die alte Orgel, ein vierfüßiges Werk, war einer Pfarrkirche und eines Pfarrgottesdienstes nicht mehr würdig. Doch man sah keine Möglichkeit, eine neue zu erwerben, da die Renten der Pfarrkirche nicht einmal zu der Bestreitung der laufenden Bedürfnisse reichten. Da bot sich eine günstige Gelegenheit, eine Orgel zu erwerben. Die Anstaltskirche hatte eine neue,aber ganz fehlerhaft in ihrem mechanischen Teile ausgeführte und disponierte Orgel und sollte unter Darangabe der bisherigen vom Herrn Orgelbau Merz in München eine neue erhalten, was auch wirklich erfolgte. Da wandte sich Pfarrer Schanderl an Herrn Merz mit dem Antrage, die ganz umgeänderte bisherige Anstaltsorgel der Pfarrkirche Röhrmoosen zu überlassen, und erhielt nun diesselbe, die fast neu gewordene Orgel um 1200 Mark. Mit Ausnahme von 4 bis 5 Registern, die stehen blieben, und des Orgelkastens ist, wie bemerkt, die Orgel namentlich bezüglich des mechanischen Teiles neu. Neu der Spieltisch, der nunmehr von der Orgel separat und selbständig zu stehen kam mit sämtlichen Zügen und Abstrakturen. Neu die Pfeifenstöcke, neu die Mechanik. Das Prinzipal wurde 8-füßig. Die Kosten derselben wurden in folgender Weise bestritten: 100 Mark für die alte Orgel, 366 Mark aus dem Intercalare, 200 Mark gab der Jakerbauer von Schillhofen, 100 Mark der Reindlbauer, 80 Mark die Altmannseheleute, 50 Mark der Sedlbauer, 10 Mark der Bäcker Hörmann, 10 Mark die Katzel'schen, 3 Mark der Schellbauer, 3 Mark der Wirt von Sigmertshausen und noch weitere Gaben. Den Rest bestritt der Pfarrrer, der von Oberwarngau noch ca.90 Mark für eine Orgel zu Händen hatte. Die alte Orgel wurde um 100 Mark in die Filialkirche Klein-Inzemoos verkauft. Käufer: die beiden dortigen Bauern".

Die Brüstung der Empore zieren Ölgemälde auf Holzuntergrund von Christus und den zwölf Aposteln. Sie stammen aus der 1.Hälfte des 19. Jh.
Hinweis: Die Evangelien (z.B. Matt.10,2) nennen die Namen der Zwölf Apostel zu Lebzeiten Jesu: Petrus, Andreas, Jakobus d.Ä, Johannes, Jakobus d.J, Philippus, Bartholomäus, Matthäus, Thomas, Thaddäus, Simon und Judas Ischarioth. Matthias wurde nach dem Tod von Judas ausgelost (Ap1,15). Dem Paulus wurde durch die Urkirche im Jahr 258 die Apostelwürde verliehen.
In Röhrmoos ersetzt Paulus den Jakobus den Jüngeren.  Alle Apostel sind hier mit Bart dargestellt, bis auf Johannes, der seiner Jugend wegen bartlos ist. Der Bart war früher Symbol für Alter, Weisheit und Würde sowie für Männlichkeit und Stärke. Erfolgreiche Männer wurden früher immer mit starkem Bartwuchs dargestellt, auch wenn dies in Wirklichkeit nicht zutraf.

Bartholomäus
Matthäus
Philippus
Thomas
Petrus
Jakobus
Paulus
Johannes
Andreas
Thaddäus
Mathias
Simon

Bartholomäus (mit Messer) wurde zu einem besonders grausamen Tod verurteilt: zuerst wurde ihm die Haut abgezogen, danach wurde er gekreuzigt. Deshalb wird er meist mit einem Messer dargestellt.
Matthäus (mit Buch und Schreibfeder) hieß früher Levi und war Zöllner in Kapernaum.Den Namen Matthäus erhielt er von Jesus. Matthäus soll bis zum Jahr 42 das erste Evangelium geschrieben haben und später in Parthien mit einer Hellebarde erstochen worden sein. Die Redensart "es ist Matthäi am letzten" ist seit dem 16. Jahrhundert verbreitet und meint, der Betreffende habe bald kein Geld mehr - das bezieht sich auf Matthäus' Beruf als Steuereintreiber.
Philippus (mit einem Kreuzstab). Philippus wurde, ebenso wie das Brüderpaar Andreas und Petrus, von Jesus in Bethsaida zum Jünger berufen. Er wird mehrmals in der Bibel erwähnt (bei Brotvermehrung-Joh 6, 5-7 und Abendmahl-Joh 14, 8-9).Nach der Legende predigte Philippus 20 Jahre lang in Skythien. Dort wirkte er Wunder, vertrieb einen Drachen, erweckte Tote und heilte Kranke. Philippus soll am Kreuz gestorben sein. Deshalb wird er mit einem Kreuzstab dargestellt.
Thomas (mit Spieß). Thomas, der der Legende nach Zwillingsbruder Jesu sein soll, wurde berühmt durch seine Zweifel an der Auferstehung Jesus und sein Verlangen, handgreiflich die Auferstehung zu überprüfen: erst nachdem Jesus ihn aufforderte, seine Wundmale zu berühren, glaubte er das Unfassbare und bekannte: "Mein Herr und mein Gott!". Später hat er in Indien missioniert. In Madras wurde er von feindlich Gesinnten mit einer Lanze ermordet. Die Thomas-Christen in Indien sehen ihn als Gründer ihres Bekenntnisses an.
Petrus (mit zwei Himmelsschlüsseln). Der Heilige ist -wie in den meisten Petrusabbildungen seit dem 4.Jahrhundert - mit rundem Kopf, grauem, krausen Haarkranz um den Haarbüschel auf der Stirn und mit Bart dargestellt. Die sog.Himmelsschlüssel haben den Heiligen im Brauchtum zum Himmelspförtner gemacht. In der christlichen Symbolik repräsentiert der Schlüssel aber die Vollmacht, zu lösen und zu binden. Deshalb die beiden Schlüssel. Nach Matthäus 16,19 sagte Jesus zu Petrus: "Dir will ich die Schlüssel des Himmelreiches geben. Was du binden wirst auf Erden, wird gebunden sein im Himmel, und was du lösen wirst auf Erden, wird gelöst sein im Himmel". Diese Vollmacht wurde in weiterer Folge auf den Kreis der Jünger und den Klerus übertragen.
Jakobus d.Ältere (mit Pilgerstab u.Pilgerhut am Rücken). Jakobus war der erste Märtyrer unter der Aposteln (Ap 12, 1-2). Der Legende nach setzten Anhänger seine Leiche in ein Boot, das im Meer herumtrieb und in Galizien, im Nordwesten Spaniens strandete. Dort wurde er begraben. Die Wallfahrt zum Apostelgrab in Santiago de Compostela wurde eine der größten des Abendlandes. Die Pilger erhielten am Ziel damals einen Hut, der mit einer Muschel geziert war.
Christus als Herz-Jesu-Darstellung
Paulus (mit Schwert) verfolgte zunächst mit großem Eifer die junge Kirche und war bei der Steinigung des Stephanus dabei. Vor Damaskus wurde er durch eine  Erscheinung Christi bekehrt und war danach einer der eifrigsten Missionare. Der Schwerpunkt der Glaubensverkündigung des Paulus ist die Gnade Gottes, die er den Menschen erweist. Nach eher unwahrscheinlichen Legenden starb Paulus im Jahr 67 als Märtyrer unter Kaiser Nero durch das Schwert. Ihm wurde durch die Urkirche im Jahr 258 die Apostelwürde verliehen.
Johannes (mit einem Kelch). Der Kelch erinnert an einen Giftanschlag auf Johannes. Dabei sei das Gift in Form einer Schlange aus dem Kelch gekrochen, sodass Johannes überlebte. Allerdings wird diese Legende dem Evangelisten Johannes zugeordnet. Früher wurden der Apostel und der Evangelist Johannes als eine Person angesehen.
Andreas (mit Andreaskreuz) war der Bruder des Petrus, wie dieser von Beruf Fischer (Joh 1, 14) . Er wurde vom röm.Statthalter Ägeas an ein X-förmiges Kreuz gebunden, an dem er nach zwei Tagen, an denen er weiter predigte, verstarb.
Judas Thaddäus (mit einem Winkel) ist nicht zu verwechseln mit Judas, genannt Ischariot, der Jesus verraten hat. Judas Thaddäus wird im Neuen Testament nur einmal erwähnt (Joh 14, 22) mit der Frage, warum Jesus seine Abschiedsrede exklusiv den Jüngern und nicht der ganzen Welt offenbare. Später wirkte Judas in Babylon. Dort forderte er mit Wundertaten die örtlichen Zauberer heraus, die Judas mit einer Keule erschlagen ließen.
Matthias (mit Beil) kam als Nachrücker für Judas Ischariot ins Apostelkollegium (Apo 1, 28). Das Beil deutet auf seinen Tod durch Enthaupten (um das Jahr 63) hin.
Simon (mit einer Säge). Simon trägt den Beiname "Zelotes", deutsch "der Eiferer" - weil er der politisch radikalen Bewegung der Zeloten angehörte, die gewaltsam die römischen Fremdherrscher aus Israel vertreiben wollte. Das Neue Testament nennt ihn in Aufzählungen der 12 Jünger (Mk 3, 18); besondere Erwähnung findet er hier sonst nicht.  Nach der Legenda Aurea wirkte Simon in Syrien und Persien und erlitt dort durch Zersägen seines Körpers den Martertod.

Weihwasserbecken
Am Eingang ist ein altes fünfseitiges Weihwasserbecken aus Kalkstein in die Wand eingelassen. Nach der Inschrift hat es ein Hanns Altmann im Jahr 1622 gestiftet.
Weihwasserbecken gibt es in den Kirchen des Dachauer Landes in vielen verschiedenen Formen und aus vielen Materialien. Wenn Sie eine Zusammenfassung der schönsten Weihbrunnen sehen möchten, klicken Sie hier...

    
K
rippe

Unter der Empore ist in einem weißen Holzkasten hinter Glas eine Krippe aufgebaut.
Im vergrößerten Bild (Mouseklick auf das Icon) sehen Sie die Anbetung der Heiligen Dreikönige. Diese Krippe steht seit 1998 in der Kirche. Sie hat der Rentner Rudolf Hagn originalgetreu nach dem alten, 1799 erbauten und noch immer bewohnten Schulhaus gefertigt. Ludwig Thomas Weihnacht hatte Hagn dazu animiert, die Herbergssuche vor dem alten Schulhaus und dem Schulstadel nachzustellen. Beide Gebäude bildeten früher den Ortsrand in Richtung Schönbrunn.

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S
akristei

In der Sakristei befindet sich eine frühbarocke, mit Silber überzogene Kreuzigungsgruppe. Sie wird bei der Palmprozession am Palmsonntag mitgeführt.

Außerdem hängt dort ein Vortragekreuz, das sog. Jakobuskreuz. Seinen Namen dürfte das Kruzifix von Muscheln an den Kreuzbalken-Enden haben. Es stammt aus der Zeit um 1900.
Hinweis: Vortragekreuze werden beim Kirchenein- und Auszug, Prozessionen, Wallfahrten sowie bei Beerdigungen vorangetragen. Dies geht zurück auf das Jesuswort "Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach". Bei Gebetsprozessionen (Bittgängen, Kreuzweg) wird der Corpus des Kreuzes zu den nachgehenden betenden Menschen gedreht, damit sie den Gekreuzigten vor Augen haben. Bei anderen Prozessionen, z.B. an Fronleichnam und beim Ein- und Auszug zeigt der Corpus in die Gehrichtung, d.h., er weist ihnen den Weg. Die ältesten Vortragekreuze stammen schon aus dem 6.Jh.


Reliquiare

Die Pfarrei Röhrmoos besitzt mehrere reich verzierte Reliquienmonstranzen, die außerhalb der Kirche aufbewahrt werden.

Die Reliquien sind hinter den Schaugläsern in der Mitte der Monstranz sichtbar. Ein kleines Zettelchen aus Pergament, Cedula genannt, gibt Auskunft, um welche Reliquie es sich handelt. Meist sind es Reliquien aus Märtyrergräbern in den Katakomben von Rom. Der Name der Märtyrer war nicht bekannt; deshalb wurden die Gebeine auf einen gewählten Namen nachgetauft.
In der linken Monstranz weist der Text auf dem Cedula auf einen Heiligen "D.Velo(?)" hin.
In der Mitte die Kreuzreliquien-monstranz. Sie wurde schon in der Schmidt'schen Matrikel von 1739/40 erwähnt. 
In der rechten Monstranz sind Reliquien eines St.Franceso ausgestellt.
  Kreuzreliquien waren früher besonders wertvoll; schließlich galt das Kreuz Christi als kostbarste Reliquie der Christenheit. Die hl.Helena, Mutter von Kaiser Konstantin, soll im Jahr 320 nach der Legende das Kreuz Christi aufgefunden haben.
Größere Kreuzpartikel kamen ab 950 nach Deutschland.
Meist ist die Partikel (hier im Bild links) im Zentrum mehrerer ineinanderverschachtelter Kreuze aufgewahrt. In der Röhrmooser Reliquienmonstranz sind es vier Kreuze.
 
 
Außerhalb der Kirche wird auch der älteste Kelch der Pfarrei aufbewahrt. Er stammt aus der Zeit um 1690 und dürfte von dem Augsburger Meister Christian Lütkens (Initialen CL) geschaffen worden sein. Er besteht aus vergoldetem Silber (Feuervergoldung) und ist mit Bandelwerk-Ornamentik und Silbertreibarbeit ( z. B. einem Messkelch auf Ciborium oder Leidenswerkzeuge Christi) verziert. der Nodus ist birnenförmig gestaltet. Sein Fuß hat sechs Ausbuchtungen (= sechspassförmig). Dort sind auch die Punzen (=getriebene Stempel) der Augsburger Meister angebracht (Bilder rechts).
 
Punzen der Goldschmiede auf dem Kelch v.1690
Kirchenpfleger Schmidbaur vermutet, dass der Kelch vom Schönbrunner Hofmarksherrn Unertl gestiftet worden sein könnte, der wegen seiner hohen Stellung am kurfürstlichen Hof in München gute Beziehungen zu großen Künstlern hatte.
  Hinweis: Nodus ist die Verdickung am Schaft des Kelches; sie stammt aus vorchristlicher Zeit und hatte ursprünglich eine Unheil abwendende (apotropäische) Bedeutung.


P
farrhof

Zwischen der Kirche und dem neu gebauten Pfarrheim liegt der Pfarrhof.
Einen Pfarrhof wird es wohl schon so lange wie die Pfarrei geben. Schließlich brauchte der Pfarrer ja eine Wohnung. Die erste Erwähnung des Pfarrhofs ist in der Sunderndorferschen Matrikel von 1524 zu finden. Dort steht, dass das Pfarrhaus und die dazugehörenden landwirtschaftlichen Gebäude von hinreichender Bausubstanz seien. Auch 1560 wird von einem "wolerpauten" Pfarrhof berichtet. Ein Neubau soll nach dem 30jährigen Krieg in den Jahren 1653/55 für 764 Gulden errichtet worden sein. Mauerermeister war Bernhard Schmidt aus Eisenhofen, Zimmerer Paul Maister von Pasenbach, Schlosser Georg Otter aus Dachau. Der nächste Bau/Umbau

stammt aus dem Jahr 1718. Aus alten Kirchenrechnungengeht hervor, dass Balthasar Glonner als Maurermeister, Georg Spitzer als Schlosser, Simon Prugger aus Dachau als Kistler, Hans Merthen aus Dachau als Glaser und Johann Kainz aus Riedenzhofen als Zimmermann beim Pfarrhofumbau mitwirkten. Damals wurden auch die Wirtschaftsgebäude neu errichtet. Allerdings beschreibt Kanonikus Schmidt in seiner Matrikel von 1738/40 das Pfarrhaus als renovierungsbedürftigen Holzbau. Lediglich die Wirtschaftsgebäude seien neu. Das jetzige Haus hat in den Jahren 1833/34 Baumeister Herget gebaut. Im Pfarramt liegt noch die Stellungnahme von Josef Daniel Ohlmüller von der Königlich Bayerischen Kunstkommission, der 1833 den Plan von Herget begutachtet hatte. Am 2.Juli 1871 verwüstete ein heftiger Sturm mit Hagelschlag die Ernte des Jahres und einen Teil der Wälder. Auch Pfarrgründe waren davon betroffen; allein die Einbuße an Pachtzins betrug über 700 Mark.


Vor dem Pfarrhof, auf dem Röhrmooser Kirchplatz, steht seit einigen Jahren der Johannesbrunnen mit einer Steinfigur des Papstes Johannes XXIII. Der Papst, so der damalige Röhrmooser Pfarrer Allram, sei ein Papst zum Anfassen gewesen, wie es ihn in der Geschichte der Kirche vorher nie gegeben habe. "Öffnet die Fenster und lasst frischen Wind herein", soll er als neugewählter Papst geäußert haben. Dies sei auch das Motto für seine Amtszeit gewesen. Bei der Einweihung des Brunnens im Jahr 2002 feierte der beliebte Pfarrer Sebastian Allram zugleich sein 25jähriges Priesterjubiläum. Schöpfer der Brunnenfigur ist der Bildhauer Karl Huber, der auch bei der Ausstattung der Klosterkirche St.Josef in Schönbrunn maßgeblich mitgewirkt hat.
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Hans Schertl

Quellen:
Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874
Mathias Steinberger, Die Pfarrei Vierkirchen, 1879
Pfarrer Johann v. G.Gierl, Schönbrunn- Schloß,Dorf, Associationsanstalt, 1882
Bezold/Riel, Kunstdenkmale des Königreichs Bayern, 1893
Theodor Bitterauf, Die Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (Nrn. 65, 214)
StAM, Pfleggericht Dachau A 201:
Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
Max Gruber, Aus der 1200jährigen Geschichte der Kirche in Röhrmoos, Amperland 1974/4
Dr.Gottfried Mayr, 1200 Jahre Röhrmoos, Glonn und Allach, Amperland 1974/4
Wilhelm Störmer, Adelige Eigenkirchen und Adelsgräber - Denkmalpflegerische Aufgaben,1975, ZBLG 38, S.1142-1158 (1.Kirche)
Georg Brenninger, Orgeln in Altbayern, 1978
Markus Katzer/Helmut Rumrich, Kirchenführer für die Pfarkkirche St.Johannes
Max Gruber, Im Amperland tätige Schlosser und Spengler, Amperland 1985/2
Helmut Rumrich/Franz Thaler, Die Gemeinde Röhrmoos, 1986
Max Gruber, Im Amperland tätige Zimmermeister, Amperland 1986/4
Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres 1560, 1986
Josef Mass, "Das Bistum Freising im Mittelalter" aus dem Buch "Geschichte des Erzbistums Mch+Freising", 1988 (Eigenkirchen)
Josef Bogner, Dorfkirchtürme im Amperkreis, Amperland 1989/1
Robert Böck, Wallfahrt im Dachauer Land, Bd 7 der Kulturgeschichte des Dachauer Landes 1991
Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV: München und Oberbayern, 1990
Robert Böck, Kirchenrechnungen Landgericht Dachau, 1996 (Sakristeibau, Bittgänge)
Dachauer SZ vom 5.6.Mai 2001
Dachauer Nachrichten v. 21.5.1999, 8.8.2002, 3.7.2003, 24.12.2008 (Krippe), 16.1.2010 (Volksaltar)
Gerhard Schmidbauer, Bürgerforum Röhrmoos, Dachauer Nachrichten, Beilage 15.12.2003
Gerhard Schmidbauer, Renovierung der Pfarrkirche St.Johannes, 2003
Sabine Remiger,Münchner Kirchenzeitung v. 3.9.2006 (Petrus)
Josef Ostermair, Dorfbrunnen vor 16 Jahren eingeweiht, Röhrmooser Heimatblätter 2006
Zwei Pangener Heilige im Exil, Wasener Heimatheft, 2007
Bernhard Stürber, Diakon am Erzbischöflichen Priesterseminar München, 2010 (Altarweihe)
Eckart Bieger, Das Bilderlexikon der christlichen Symbole, 2011
(Tabernakelengel, Bauform)

93 Bilder: Hans Schertl (90), Erzbischöfliches Priesterseminar München (2), Franz Thaler (1)

Kirchen und Kapellen im Landkreis Dachau - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

25.12.2011


Pfarrerliste

Zeit
  Name des Pfarrers
Zeit
  Name des Pfarrers
  804-  809
Heripert
1786-1793
Joh.Nepomukenus Praun
1424-1436
Urban Salzmann
1793-1812
Simon Mayr
1436-1472
Johann Ruhrsamer
1812-1819
Albertus Speth (Späth)
1472-1483
Josef Christoph Schlittauer(u.Johann Esswurm?)
1819-1834
Martinus Gruber
1483-1518
Johann Esswurm ( und Johannes Fabri ?)
1834-1837
Josefus Deubelly
1518-1524
Balthasar Lemb u. Michael Schuhel
1837-1842
Vitus Brumer
1524-1566
Petrus Haffner
1843-1866
Clemens Augustus Roeckl
1566-1584
Leonhard Schmid
1866-1873
Mathias Reithmayr
1584-1601
Abraham Plank
1873-1889
Joh.Samuel Spanaus
1601-1607
Kaspar Mayr
1890-1905
Adolph Schanderl
1607-1627
Casparus Zollner
1905-1933
Erhard Lex
1627-1633
Wolfgang Stroeber
1933-1939
Josef Niklas
1633-1636
Johann Zimmermann
1940-1953
Ludwig Endres
1636-1642
Abraham Widmann
1953-1970
Franz Xaver Gauler
1642-1656
Georgius Seitz
1970-1979
Georg Schmalz
1656-1662
Johann Westermayr  
1979-1983
Dr.Dr.Roman Ecker
1662-1671
Leonhardus Haffner  
1983-1985
Pfarrvikar Clem.Gumpendobler
1671-1713
Kasparus Aufkirchner  
1985-      
Sebastian Allram
1713-1735
Vitus Kreitmayr  
       -2007
Pf.Maric
1735-1771
Haverius Franziskus Ponschab  
seit 2007
Michael Bartmann
1771-1786
Franziskus Antonius Lachermayr      

Vierzigjähriges Priesterjubiläum von Dekan Lex in Röhrmoos
Amperbote vom 3.7.1929

Ein seltenes Freudenfest konnte am Peter- und Paulstag die Pfarrei in Röhrmoos begehen; ist doch der Tag der Priesterweihe unseres Hochwürden Herrn Dekans zum 40. Mal wiedergekehrt. Schon am Vorabend des Festes wurde die Pfarrkirche in künstlerischer Weise ausgeschmückt. Am den bei den Portalen, am Eingang des Pfarrerhofes und an der Dorfkirche waren Triumphbögen mit sinnvollen Inschriften aufgestellt.
Bei Einbruch der Dunkelheit setzte sich ein imposanter Fackelzug aus Schönbrunn in Bewegung. Voran schritt die neu geschaffene Musikkapelle, die unter ihrem schneidigen Dirigenten die Feier verschönern half. Dann folgte eine mit Fackeln versehene Turnerabteilung, die dem Jubilar durch Reigentänze ihre Huldigung zum Ausdruck brachte. Inzwischen wurde ein von der Gemeindeverwaltung erstelltes Feuerwerk zu Ehren des Jubilars abgebrannt. Ein Turner brachte in einem Prolog die Gratulation zum Ausdruck. In zu Herzen gehenden Worten dankte der Hochwürden Herr Jubilar für die Beweise der Treue und Liebe. Mit dem niederländischen Dankgebetes endete die abendliche Vorfeier.

Am anderen Morgen sammelte sich schon in aller Frühe eine große Anzahl Pfarrkinder am Portal des Pfarrerhofes. Der Kirchenrat, Herr Westermaier, dankte Hochwürden Herrn Dekan Lex im herzlichen Worten für sein langjähriges, segensreiches Wirken. Namens der Pfarrgemeinde Röhrmoos überbrachte Herr Bürgermeister Sigl dem Jubilar als Ausdruck der Dankbarkeit einen prächtigen goldenen Kelch. Herrn Hauptlehrer Großmann schilderte in einer kurzen Ansprache das gedeihliche Zusammenarbeiten von Kirche und Schule. Einige Schulkinder brachten ihre Huldigung durch einen sinnigen Prolog zum Ausdruck. Dann setzte sich der Festzug in Bewegung. Voran schritt Schuljugend unter Führung der Lehrerschaft, dann folgte die Musik, der sich der katholische Burschenverein Röhrmoos-Schönbrunn und die beiden Veteranenvereine Röhrmoos und Sigmertshausen anschlossen. Nach der hochwürdigen Geistlichkeit schützt das Gemeindekollegium, während eine große Schar Pfarrangehöriger den Schluss bildeten. Im festlich geschmückten Gotteshaus angelangt, bestieg Hochwürden Herr Pfarrer und Kammerer Spötzl von Verkirchen die Kanzel, um in einer durchdachten Festpredigt den Lebenslauf des hochwürdigen Herren Jubilars zu schildern und seine im Weinberg des Herrn geleistete Arbeit zu würdigen. Im Namen der ganzen Pfarrgemeinde sowie des Dekanats Dachau brachte er den Dank zum Ausdruck für das aufopfernde Wirken. Der Festpredigt, die einen mächtigen Widerhall in den Herzen der Zuhörer gefunden hatte, folgte der Festgottesdienst, währenddessen der Kirchenchor unter der trefflichen Stabführung des Herrn Platzer, auf der Orgel von Herrn Hauptlehrer Grassmann wirkungsvoll begleitet, die St.. Casiansmesse in D von Zangl zur Aufführung brachte. Ein feierliches Te Deum bildete den Abschluss der kirchlichen Feier.

In festlichem Zug wurde der Jubilar wieder zum Pfarrhof zurückgeleitet, wo er für die ihm zuteil gewordene Ehrung dankte. Die weltliche Feier im Theatersaal in Schönbrunn gestaltete sich durch die Aufführung des Theaterstückes "Der Goldfriedel" zu einer mehrstündigen Unterhaltung, während welcher die Orchesterabteilung unter dem rührigen Dirigenten Herrn Dr. Steinebacher in unermüdlicher Weise Musik- und Gesangsstücke zur Aufführung brachte. Verschiedene hochwertige Herrn Geistliche aus dem Dekanat Dachau überbrachten bei dieser Feier ihre Glückwünsche dem Jubilar persönlich und so gestaltete sich auch die weltliche Feier dank der großen Schar Teilnehmer zu einer würdigen Ehrung des verdienten Jubilars, die den Pfarrangehörigen noch lange Jahre in bester Erinnerung bleiben wird.