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Filialkirche St. Lantpert (Lampert) in RIEDENZHOFEN


Adresse: 85244 Röhrmoos, Riedstraße 9
Lage der Kirche auf der Landkarte ...

KelchbecherTurm 32 m hochChor-spätgotisch

Kurzbeschreibung

Riedenzhofen, an der Straße zwischen Röhrmoos und Vierkirchen gelegen, wurde unter dem Namen Hruodineshofen 784 erstmals urkundlich erwähnt.

Die Filialkirche St. Lantpert (=Lampert ) in Riedenzhofen liegt am nordöstlichen Ortsrand. Sie wird schon in der Konradinischen Matrikel von 1315 als Rübentzhoven, in der Sunderndorferschen Matrikel von 1524 als "s.Lamperti in Riedenzhouen und 1560 als Rietzenhofen jeweils mit Friedhof genannt.

Riedenzhofen gehörte bis 1915 zur Pfarrei Vierkirchen, seither zur Pfarrei Röhrmoos.

Die heutige Kirche ist jünger als die im Jahr 1315 beschriebene. Ihre ältesten Bauteile sind der spätgotische Chor und die unteren Geschosse des Turms. Sie dürften aus der Zeit um 1500 stammen. Das barocke Langhaus wurde um das Jahr 1720 erbaut.

Der mit einer barocken Zwiebel geschmückte Turm ist in seinen unteren drei Stockwerken quadratisch, in den beiden oberen Stockwerken achteckig. In ihm hängen zwei Glocken.

 
Sakristeiglocke

Die letzte Renovierung fand im Jahr 2002 unter großer finanzieller und tatkräftiger Beteiligung der Ortsbewohner statt.

Inneneinrichtung

Der Kirchenraum ist mit einer Flachdecke über einer farblich herausgehobenen Hohlkehle überzogen.  

Die Altäre der Kirche stammen aus der Zeit von 1650 bis 1690. Es handelt sich um barocke Säulenaufbauten.

Eine Besonderheit ist der Hochaltar mit seinem dreistöckigen Aufbau. Im unteren Bereich, dem Hauptteil, sind  drei "Stabträger", drei Bischöfe dargestellt. In der Mitte der Patron der Kirche, der Freisinger Bischof Lantpert. Die beiden anderen Bischöfe sind unbekannt.
Die Seitenaltäre sind der Muttergottes und der hl.Ursula geweiht.
Die Figurenausstattung sowie die Darstellungen der Gemälde und der Fensterbilder entsprechen dem bäuerlichen Umfeld:
Der Pestheilige Sebastian, die Bauernheiligen Leonhard, Isidor und Notburga, die Nothelferin St.Katharina, der Männerheilige St.Josef, St.Antonius als Helfer verlorener Gegenstände sowie St.Theresia,eine häufige Namenspatronin von Frauen.

Apostelkreuz St.Josef Katharina Kreuzweg St.Lantpert St.Leonhard Linker Bischof Rechter Bischof Madonna Mater dolorosa Glasmalerei St.Sebastian St.Ursula Dreifaltigkeit Hochaltaraufsatz GlasmalereiFenstergemälde
 Vergrößerung von 16 Details (Figuren, Altäre, Fenster) per Mouseklick

Auffällig ist die große Mater-dolorosa-Figur, die früher in Röhrmoos stand.

Seit einigen Jahren wird am Karfreitag wieder ein Heiliges Grab in abgedunkelter Kirche aufgebaut.


Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen

Geschichte: Matrikel 1315 Neubau 1450 Matrikel 1524 Visitation 1560 Neubau 1720
    Matrikel 1738 Beschreibung 1874    
Ausstattung: Altarraum

Apostelleuchter

Choraltar Fenster Heiliges Grab
Kanzelkreuz Kirchenschiff Kreuzweg Lantpertbild Mater dolorosa

Sakristei Seitenaltäre Turm    

Riedenzhofen liegt an der Straße zwischen Röhrmoos und Vierkirchen. Die Ortschaft wurde unter dem Namen Hruodineshofen 784 erstmals urkundlich erwähnt. Da aber ca. 1 km nördlich des Ortes eine Römerstraße verlaufen ist, kann man annehmen, dass in dieser Gegend schon wesentlich früher Menschen siedelten. In einem nahen Wald befinden sich mehrere Hügelgräber aus der Bronzezeit (ca.1800 v.Chr).

Geschichte der Kirche

Konradinische Matrikel 1315
Eine Kirche in Riedenzhofen wird schon in der Konradinischen Matrikel von 1315 mit Friedhof genannt: "Viehchirchen...habet VIII filias: Chamerberch, Viehpach, Piperbach, Rudoltzhouen, Rübentzhouen cum sepulturis. Rotenbach, Uetenshouen, Alboltzhouen et Giebingen sine sepulturis". Riedenzhofen hatte schon damals einen Friedhof, was die Bedeutung der Ortschaft herausstellt. Es gehörte bis 1915 zur Pfarrei Vierkirchen, seither zur Pfarrei Röhrmoos, die inzwischen mit der Pfarrei Großinzemoos einen Pfarrverband bildet.

Neubau 1450
Die heutige Kirche ist jünger als die im Jahr 1315 beschriebene. Ihre ältesten Bauteile sind der spätgotische Chor und die unteren Geschosse des Turms. Aus der Lage des Turms an der Südseite des Altarraums kann geschlossen werden, dass die gotische Kirche erst nach 1450 errichtet wurde.

Sunderndorfer'sche Matrikel 1524
In der Sunderndorfer'sche Matrikel von 1524 wird Riedenzhofen als Filialkirche "s.Lamperti in Riedenzhouen cum sepulturis (=mit Friedhof) erwähnt.

Visitationsbericht von 1560
Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation, eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet.
Die Visitation wurde durch bischöfliche und durch herzogliche Bevollmächtigte durchgeführt. Grund war die durch die Reformation Luthers (1517) entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen des Bistums zur Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte. Durch die Visitation wollte der Bischof einen detaillierten Einblick in die religiöse Situation der Pfarreien gewinnen. Insbesondere sollte festgestellt werden, ob die Pfarrer und die Gläubigen noch die katholischen Lehre vertraten oder der neuen Lehre anhingen. Daneben interessierte die Prüfer die Lebensführung der Pfarrer sowie Umfang und Qualität ihrer religiösen Kenntnisse. Im Bericht über die Pfarrei Vierkirchen ist auch die Filialkirche "St.Lampertus in Rietzenhofen" erwähnt. Das eigene Einkommen der Kirche (neben dem der Pfarrei) betrug nur 1 1/2 Gulden und 1 Pfund Wachs. Es gab kein eigenes Mesnerhaus ("Hat kain mesenhauß").
Der Mesner war wohl einer der Bauern oder ein Gütler. Die Kirche wird mit aller Zier beschrieben ("hat sonst alle zier zimblich"). Lediglich Fahnen gingen ab. In der Kirche stand ein "wol beschlossenes" Sakramentshaus. Das Allerheiligste und die heiligen Öle wurden rein aufbewahrt. Auch Taufwasser war vorhanden. An Gerätschaften befanden sich in der Kirche: 1 Kelch mit Corporale, 2 Messbücher, ein Liturgiebuch, zwei Messgewänder. Der Bericht schließt mit den Worten "Sonst kain mangel".
Wenn Sie ganzen Bericht über die Pfarrei Vierkirchen -in heutigem Deutsch- lesen möchten, klicken Sie hier...

Neubau 1721
In barocker Zeit, im Jahr 1721, wurde das Langhaus, das Kirchenschiff, neu angebaut und dabei das Innere der Kirche barockisiert.
Wenn Kirchen nach dem 30jährigen Krieg errichtet oder repariert wurden, war es üblich, dass das Pflegamt Dachau zinslose Darlehen (Anlehen genannt) gab. Das Geld für diese Darlehen mussten die übrigen Pfarreien aufbringen. So erfahren wir manchmal aus Kirchenrechnungen anderer Pfarreien, wann in einer Kirche eine Baumaßnahme durchgeführt wurde.
In den Kirchenrechnungen von Biberbach sind Beitr
äge dieser Pfarreien zu den Baumaßnahmen am Gotteshaus in Riedenzhofen enthalten mit dem Wunsch nach Rückzahlung. Dort heißt es: "Item anno 1721 zu erpauung der Filial Khürchen Riedtenzhoven auf khofftige (erhoffte) widererstattung 50 fl."

Schmidt'sche Matrikel
In den Jahren 1738/40, hatte der Freisinger Kanonikus (Domherr) Schmidt alle Pfarreien der Diözese Freising besucht und in der nach ihm benannten Schmidt'schen Matrikel auch die Filialkirchen kurz beschrieben. Zur "Ecclesia filialis s.Lamtperti in Riedenzhofen" bemerkte er, die Kirche sei erst vor 18 Jahren aufgebaut und konsekriert worden. Sie habe drei Altäre. Der Hochaltar sei dem hl. Bischof Lantpert, die Seitenaltäre der Jungfrau Maria und der hl. Ursula geweiht. Kirchweih wurde am Sonntag vor Michaeli (29.Sept) gefeiert, Patrozinium am 19.September. Im Turm hingen zwei geweihte Glocken. Die Einnahmen und Ausgaben der Kirche verwalteten der Vikar der Pfarrkirche Vierkirchen und der Landpfleger aus Dachau. Der Bericht schließt mit dem einzigen Satz in deutscher Sprache: "Das völlige Vermögen dises Gottshauses wirdet diser Zeit kaum 200 fl.(=Gulden) erraichen". Das war auch für eine Kirche dieser Größe ein sehr geringer Betrag.

Beschreibung 1874
In der Statistischen Beschreibung des Erzbistums München und Freising vom Beneficiaten an der Domkirche Anton Mayer aus dem Jahr 1874 wird auch die Kirche von Riedenzhofen als Filiale von Vierkirchen erwähnt. Zu ihr gehörten 101 Dorfbewohner (Seelen), die in 18 Häusern wohnten.
Über das Kirchengebäude schreibt er: "An der Ingolstädter Bahn gelegen. Erbauungsjahr unbekannt. Stil des 17.Jahrh. Die Kirche liegt hoch. Geräumigkeit genügend. Kuppel-Thurm mit 2 Glocken. 3 Altäre, keine Orgel. Gottesdienste am Patrocinium-Sonntag nach Mariä Geburt (=8.9.) und fast allwöchentlich eine hl.Messe. 5 Mess-Stiftungen. Meßner ist ein Gütler. Kirchenvermögen 1870 rd. 2400 Gulden.

Die letzten Renovierungen fanden in den Jahren 1876, 1935, 1968 und 2002 unter großer finanzieller und tatkräftiger Beteiligung der Ortsbewohner statt.

Baubeschreibung

Die Filialkirche St. Lantpert (= Lampert) in Riedenzhofen wurde am nordöstlichen Ortsrand errichtet.
Das dreiachsige
Langhaus stammt aus barocker Zeit um 1720. Es ist außen durch gelb gestrichene Pilaster gegliedert, die die Achsenbegrenzungen abbilden. Achse oder Joch bedeuten Gewölbeabschnitt.

Vor der Südwand steht seit Anfang der 1990er Jahre ein Brunnen, der mit einer sog.Heiligensäule geschmückt ist. Die Säule hat ein Kapitell in dorischer Form. Auf ihr steht seit April 2008 eine Figur vom Guten Hirten mit einem Schaf zu seinen Füßen und einem Lamm in seinen Händen. Die Figur ist aus Granit gefertigt.

  Außen an der Südseite hängt ein großes Kruzifix, das mit einem geschwungenen Dach vor den Unbilden der Witterung geschützt wird.

Der mit einer barocken Zwiebel (mit Kupferbedachung) geschmückte Turm ist in seinen unteren drei Stockwerken quadratisch, in den beiden oberen Stockwerken achteckig. In der Glockenstube unter der Zwiebel hängen zwei Glocken, die bei Karl Czudnochowski in Erding im Jahr 1950 gegossen wurden. Acht rundbogige Schallfenster lassen den Glockenklang nach außen dringen. Die 1837 von M.Hubinger in München gegossene Glocke musst wohl im Zweiten Weltkrieg zum Einschmelzen abgeliefert werden.
Hinweis: Woher die so typisch bayerisch-barock anmutende Zwiebelform kommt, ist erstaunlicherweise nicht geklärt. Einige der Experten vermuten, dass sie eine Nachahmung und Weiterentwicklung der im 7.Jh errichteten Moschee auf dem Tempelberg in Jerusalem (Felsendom) und somit arabischen Ursprungs ist. Damals glaubten europäische Baumeister, die Kuppel stamme noch vom Tempel Salomons und verbanden mit ihr die Vision vom himmlischen Jerusalem. Andere Kunstexperten sehen in der Zwiebel eine Weiterentwicklung der byzantinischen Kuppel, die auch in Russland großen Anklang fand. Fest steht jedoch, dass die ältesten zwiebelförmigen Kuppeln in Bayern die der Münchner Frauentürme sind (1525). Weite Verbreitung fand die Zwiebel als Bauform aber erst im Italien der Renaissance und bei uns in der Barockzeit nach dem 30jährigen Krieg. Ihre Form -unten bauchig, oben spitz- passte wunderbar zur Kunstauffassung und zum Lebensstil des Barocks und galt "als Synthese aus der Bewegung ins Übersinnliche und dem Verharren in den Wölbungen des Sinnlichen".

Im Untergeschoss des Turms ist die Sakristei eingebaut. Sie wurde nach Osten hin im Jahr 1875 entsprechend einer Zeichnung des Biberbacher Zimmerermeisters Reichlmayr erweitert (mit einem an den Turm anliegendem Pultdach).

Der Eingang liegt an der Südwestseite und ist durch ein Vorhaus mit Satteldach geschützt. Die Eingangstüre stammt aus dem 19.Jh.

Inneneinrichtung

Altarraum

Der gegenüber dem Kirchenschiff um eine Stufe erhöhte Altarraum ist eingezogen, also schmäler als das Langhaus und schließt in drei Seiten eines Achtecks. Er ist mit einer Flachdecke über einer ockerfarbig hervorgehobenen Hohlkehle (= rinnenförmige Vertiefung) überzogen, die durch ein rundes Stuckbild und ein farbiges Gesims verziert ist. 


Hochaltar /Choraltar

Die Altäre der Kirche stammen aus der Zeit von 1650 bis 1690. Es handelt sich um barocke Säulenaufbauten, die mit verschiedenen Engelsfiguren auf den Gesimsen geschmückt sind. 
Das Retabel (Rückwand) des Hochaltars hat einen dreiteiligen Aufbau, also ein "Stockwerk" mehr als sonst die Altäre aufzuweisen haben. Die vier Säulen des Altars sind im oberen Bereich kanneliert (= mit Riefen versehen) und unten mit barocken Ornamenten verziert.
Im unteren Bereich, dem Hauptteil, sind  drei "Stabträger", drei Bischöfe dargestellt. In der Mitte die etwas größere Figur des Patrons der Kirche, des Freisinger Bischofs Lantpert, auch Lampert genannt, aus dem 19.Jh.
   
Wen die beiden kleineren Bischofsfiguren aus dem Anfang des 16.Jh. unter dem seitlichen Gebälk zwischen den Säulen darstellen, ist nicht sicher. Vermutet wird, dass einer davon St.Wolfgang sein könnte. 
  Hinweis: St. Lantpert (895-957) aus dem Geschlecht der Grafen von Ebersberg wurde 937 Bischof von Freising. Nach der Legende soll Lambert durch sein Gebet den Dom von Freising in Nebel gehüllt und so vor der Zerstörung durch die einfallenden Ungarn bewahrt haben. Lambert wird bis heute in Bayern verehrt, im Dom von Freising steht sein 1973 gestiftetes Reliquiar. Mehr über St.Lantpert und seine Zeit finden Sie hier...

Im Mittelteil des Altars steht in der Ädikula (Nische) zwischen vergoldeten Muschelornamenten eine Madonnenfigur in Art der Muttergottes von Altötting.

  Die Muttergottes ist mit einer Krone in Form einer flachen Mütze gekrönt; die Zacken der Krone sind reliefartig aufgetragen. Maria trägt das bekleidete Jesuskind auf dem rechten Arm. In der Linken hat sie ein Zepter. Das Jesuskind hält in seiner Hand einen Apfel, die Vorläuferform des Reichsapfels.
  Hinweis: Der Apfel war schon im Altertum Sinnbild für den Kosmos, später auch für die Erde, nachdem man deren Kugelform erkannt und akzeptiert hatte. Der mit dem Kreuz versehene Reichsapfel in der Hand des Königs ist seit 1191 Teil der königlichen Insignien und symbolisiert den von Gott verliehenen Herrschaftsanspruch. Gleiches gilt auch für das Jesuskind. Hier kommt aber die weitere Bedeutung des Apfels als Paradiesapfel und Sinnbild für den Sündenfall hinzu: Jesus weist den Betrachter darauf hin, dass er durch seinen Tod die Erbsünde überwindet.

Im Altarauszug ein Bild eines gekrönten Heiligen,  bei dem es sich um den hl.Rasso handeln könnte. Er ist in eine Rüstung gekleidet, trägt einen Fürstenhut auf dem Kopf und wird von sechs Soldaten begleitet.
  Hinweis: Rasso (900-954), nach der Überlieferung 2 1/2 Meter groß, war Ritter, berühmter
  Feldherr und unternahm einen erfolgreichen Feldzug gegen die Ungarn. Aus Dankbarkeit wallfahrtete er nach Rom und ins Heilige Land, brachte wertvolle Reliquien mit und ließ hierfür in Wörth (dem heutigen Grafrath) ein Benediktinerkloster bauen. Er trat - kinderlos geblieben - selbst als Laienbruder in dieses Kloster ein. Rasso wurde in der Klosterkirche bestattet, seine Gebeine werden heute im Glasschrein des Hochaltars aufbewahrt. Die von Rasso mitgebrachten Reliquien werden heute in der Burg Andechs am Ammersee gezeigt. Die Wallfahrt in den nach Rasso umbenannten Ort Grafrath - Graf von Rathenburg - hatte im Mittelalter großen Zulauf.

Gekrönt wird der Choraltar durch ein Auge Gottes im Strahlenkranz. Es ist aus Holz geschnitzt und versilbert bzw. vergoldet.
  Hinweis: Das Auge Gottes im Dreieck verdankt seine Existenz der Scheu früherer Jahrhunderte, Gottvater zu personifizieren. In der Frühzeit des Christentums trat der Lebensquell an die Stelle Gottes, später eine Wolke als Hand Gottes. Erst seit der Neuzeit ist das Auge Gottes im Dreieck gebräuchlich. Es symbolisiert gleichzeitig auch die Dreifaltigkeit und wird oft auch Dreifaltigkeitsauge genannt. Personifiziert, als würdiger alter Mann mit langem Bart, wird Gottvater erst seit dem Barock (17.Jh) dargestellt.

Auf der Rückseite des Hochaltars ist eine Inschrift angebracht, die auf die Renovierung 1876 hinweist. "Diese Kirche hat die Gemeinde Riedenzhofen auf ihre Kosten im Jahre 1876 durch Jos.Merz Maler u. Vergolder in München renoviren lassen."

 

Fenster und Glasgemälde

Die Chorfenster haben im Frühjahr 1935 vom Dachauer Glaskünstler Syrius Eberle farbige Mittelfenstereinsätzen mit Bildern von Heiligen erhalten; sie wurden von Pfarrer Niklas aus Röhrmoos kirchlich geweiht.
An der Nordseite Bruder Konrad von Parzham (gestiftet von Josef und Maria Winkelmaier). Kinder bringen St.Konrad Blumen. Der Heilige wirkte im 19.Jh im Kloster Altötting als Pförtner, wo er viele Wallfahrer und vor allem Kinder aus armen Altöttinger Familien mit Brot versorgte. An der Südseite St.Isidor (gestiftet von Leonhard und Maria Mair). St. Isidor betet vor einem Kruzifix, während im Hintergrund ein Engel pflügt. Isidor lebte im 12. Jh. als Knecht bei einem Baron. Seine Mitknechte verpetzten ihn, weil er ständig betete. Als sein Herr feststellen wollte, ob dies stimme, sah der einen Engel mit zwei weißen Stieren pflügen, während Isidor im Gebet daneben kniete.
Die hl. Theresia (gestiftet von Josef und Theresia Strixner). Die Heilige hält in der Hand ein Kruzifix. Engel streuen ihr Blumen auf den Weg. Theresia (1515-1582) war Klosterfrau bei den Karmelitinnen und erlebte eine Reihe von Visionen. Ihre Schriften bezeugen Teresa als Mystikerin von einer nie zuvor oder danach erreichten Tiefe des Erlebens. Die hl. Notburga (gestiftet von Josef und Theresia Strixner). In der Luft hängt eine Sichel. Die in Bayern ungemein beliebte Notburga war eine Bauernsmagd aus Tirol, die der Aufforderung des Bauern, auch nach dem Gebetläuten noch auf dem Feld zu arbeiten, nicht nachkam und die Sichel in die Luft hängte. Sie ist eine der wenigen Heiligen, die aus ganz einfachen Verhältnissen kam und kein geistliches Amt innehatte.

Die vorderen Fenster im Kirchenschiff enthalten ebenfalls Glasgemälde vom Dachauer Glasmaler Syrius Eberle aus dem Jahr 1935. Sie beschäftigen sich mit dem 1.Weltkrieg:
Auf der rechten Seite wird ein sterbender Soldat zum Andenken an den einen im Krieg gefallenen Soldaten aus Riedenzhofen dargestellt. Neben ihm liegt ein umgestürztes Geschütz, im Hintergrund explodiert eine Granate. Sein letzter Blick gilt Jesus, der mit Kelch und Hostie über ihm schwebt (Text: gef.Georg Zollbrecht Mesnersohn, 1916)
Das linke Fenster zeigt einen Kriegsheimkehrer, der an einem Feldkreuz für seine glückliche Heimkehr dankt. im Hintergrund die Kirche von Riedenzhofen; vor ihr wartet die Frau des andächtig vor dem Feldkreuz knienden Soldaten mit den Kindern.  


Sakristei

Sehenswert ist auch die alte Sakristeitür am Übergang vom Altarraum zur Sakristei. Sie stammt aus dem 18.Jh und besitzt noch die alten Beschläge. Die Chorglocke am Zugang zur Sakristei dürfte vom Ende des 19.Jh. stammen. Die Glocke gibt das akustische Zeichen für den Beginn des Gottesdienstes; sie wird geläutet, wenn Priester und Ministranten die Sakristei verlassen und den Altarraum betreten.

Die Innenseite des Chorbogens ist mit einem Kreuzmuster auf ockerfarbenem Hintergrund geschmückt.

 

Kirchenschiff/Langhaus

Auch das Kirchenschiff besitzt eine Flachdecke über einer ockerfarbig hervorgehobenen Hohlkehle. Es ist nur durch ein ockerfarbiges Rundfeld im Stuckrahmen geschmückt.


Seitenaltäre

Die Seitenaltäre aus der Zeit um 1690 haben zweisäulige Retabel. Wegen der Mittelnischen nennt man sie auch Ädikularetabel. Die Stipes (Altarunterbau, der die Altarplatte=Mensa trägt) sind gemauert. Die Antependien aus Holz mit marmoriertem Mittelfeld sind neueren Datums. Auf ihnen stehen noch die alten neubarocken Kanontafeln aus der Mitte des 19.Jh aus getriebenen und versilberten Messingblech mit einem Holzkern. Seit dem 16. Jh. bis zur Liturgie-Reform nach dem 2.Vatikanischen Konzil waren auf dem Altar drei solcher Kanontafeln mit den gleich bleibenden Messtexten zur Gedächtnisstütze für den Priester aufgestellt. Diese Kanontafeln finden heute manchmal wieder Verwendung, allerdings nicht aufgestellt, sondern auf dem Altar liegend.
Die vier Volutenengel auf den Volutengiebeln der Seitenaltäre sind im Übrigen völlig unterschiedlich gestaltet. 

Der linke Seitenaltar ist der Muttergottes geweiht.
Ihre Figur aus der Zeit um 1520, auf dem Haupt eine Krone in gotischer Form, mit einem Szepter in der rechten Hand und dem Kind auf dem linken Arm, steht -umgeben von einem Strahlenkranz - in der Mittelnische. Das Jesuskind hält in der Hand eine Weintraube, die an das Bibelwort "Ich bin der Wein, Ihr seid die Reben" erinnern soll.
Assistenzfiguren sind der hl.Sebastian (1520) mit einem Fürstenhut auf dem Haupt und einem Pfeil in der Hand (links) und der hl. Antonius (um 1700) mit dem Jesuskind auf dem Arm (rechts).
  Hinweise: Sebastian soll nach der Legende im 3.Jh.ein Offizier der kaiserlichen Garde gewesen sein. Auf Befehl des Kaisers Diokletian wurde er wegen seines Glaubens mit Pfeilen durchschossen. Er erholte sich aber durch die Pflege der Witwe des Märtyrers Kastulus, bekannte sich erneut zu seinem Glauben und wurde daraufhin mit Keulen erschlagen. Auf seine Anrufung hin, soll eine Pestepidemie abgewendet worden sein. Der heilige Sebastian wird deshalb als Pestpatron und -der Pfeile wegen- als Patron der Schützenbruderschaften verehrt.
St. Antonius war ein begnadeter Redner, der im Kampf gegen die Sekten der Katharer, Albigenser und Waldenser sowie später in Padua, wo er auf einem Nussbaum lebte, allein durch seine Predigten große Erfolge erzielte.
Im Altarauszug -umgeben von Volutenengeln- ein hochovales Gemälde des hl.Leonhard, im Mönchsgewand mit Abtsstab, einem Buch und seinen hauptsächlichen Attributen, den Gefangenenketten in der Hand (aus der Zeit um 1880).
Hinweis: Leonhard (in Bayern einer der 14 Nothelfer) lebte um das Jahr 500 als Einsiedler und später als Abt in Frankreich. Regelmäßig besuchte er die Gefangenen und erreichte für viele beim König Clodwig I. ihre Freilassung. Deshalb galt er ursprünglich als Schutzpatron derer, "die in Ketten liegen", also der Gefangenen - und der Geisteskranken, die man bis ins 18. Jahrhundert ankettete; nach der Reformation wurde er Schutzpatron der Haustiere, weil man die Ketten, mit denen er abgebildet wurde, als Viehketten deutete.
Gekrönt wird der Altar durch einen Strahlenaufsatz mit den vier verschiedenen Buchstaben des Namens Maria (M-A-R-I) ineinander geschrieben (Marienmonogramm).


Rechter Seitenaltar

Im Mittelteil des rechten Seitenaltars steht eine Figur der hl.Ursula (um 1690) mit schlanker Krone auf dem Haupt sowie einer Märtyrerpalme und einem Pfeil in den Händen.

  Hinweis: Ursula soll im Jahr 415 zusammen mit 11.000 Jungfrauen (u.a. auch Cäcilia,Odilia und Verena) nach der Rückkehr von einer Romreise in Köln von den Hunnen mit Pfeilen ermordet worden sein, nachdem sie sich geweigert hatte, die Geliebte des Hunnenkönigs zu werden. Einen Höhepunkt erlebte der Ursula-Kult im 15. Jahrhundert, gefördert besonders durch die Zisterzienser. Christopher Kolumbus hat 1493 bei der Entdeckung Amerika 11 Inseln in der Karibik in Anlehnung an die Ursula-Legende "Jungfraueninseln", benannt. Auf den meisten Darstellungen ist sie mit einem Pfeil zu sehen. Häufig ist im Hintergrund ein Schiff sowie die Silhouette der Stadt Köln dargestellt.
Assistenzfiguren (18.Jh) am rechten Seitenaltar sind der hl.Josef mit dem Jesuskind auf dem Arm (links) und  hl.Katharina (rechts) mit Krone auf dem Haupt (sie war Königstochter), aber sonst ohne weitere Attribute.
  Hinweise: Joseph war der Vater Jesu - oder Ziehvater Jesu, da nach altchristlicher Überzeugung Jesus der Sohn Gottes ist und durch den Heiligen Geist im Schoß der Jungfrau Maria gezeugt wurde. Joseph stammte aus dem Geschlecht des Königs Davids, aus dem nach dem Zeugnis des Alten Testaments der Messias hervorgehen werde. Er lebte als Zimmermann in Nazareth.
Katharina
, die Königstochter aus Zypern, ist eine legendäre Gestalt. Sie soll im Jahr 306 wegen ihres Glaubens und ihrer großen Überzeugungskraft ausgepeitscht und gerädert und -als das Rad zerbrach- enthauptet worden sein. Seit dem ausgehenden Mittelalter gehört sie zu den beliebtesten Heiligen und wurde deshalb im 15. Jh der Gruppe der 14 Nothelfer (Patronin der Theologen, Lehrer und Frisöre; Helferin bei Migräne) zugerechnet.
Im ovalen Bild des Altarauszugs (Ende 18.Jh) ist die Hl.Dreifaltigkeit dargestellt. Rechts sitzt Gottvater mit dem dreieckigen Heiligenschein, ihm gegenüber Christus im offenen roten Gewand, der seine Wundmale zeigt. Zwischen beiden eine große blaue Weltkugel. Darüber schwebt der Heilige Geist in Gestalt einer strahlenumkränzten Taube.
Gekrönt wird der Altar durch einen Sternaufsatz mit dem Christusmonogramm IHS.
  Hinweise: Die drei Buchstaben IHS können auf zwei Arten gedeutet werden: Es sind einerseits die Anfangsbuchstaben des in griechischen Großbuchstaben geschriebenen Namens Jesu (JHSOUS); andererseits werden diese Buchstaben auch als Anfangsbuchstaben von "Jesus, hominum salvator" das bedeutet: "Jesus, Erlöser der Menschen" verstanden.


Kreuzwegstationen und Apostelkreuze

Über die ganze Kirche verteilt sind Apostelkreuze auf die Wände aufgemalt. Apostelleuchter fehlen. Die (üblicherweise zwölf) Apostelkreuze erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlischen Jerusalems.

Kreuzweg Kreuzweg St.Josef Mater dolorosa EngelEngelApostelkreuz
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Die Bilder der Kreuzwegstationen (Öl auf Leinwand) im marmoriertem Holzrahmen wurden um 1840 gemalt. Sie sind zwar nicht signiert, werden aber aufgrund ihres Malstils dem Dachauer Maler Anton Huber zugeschrieben, der um diese Zeit in vielen Dachauer Kirchen gewirkt hatte. 
Der erste Kreuzweg wurde in Riedenzhofen übrigens durch Pfarrer Gröbmayr um 1760 eingeführt. Bis zu diesem Zeitpunkt waren Kreuzwegstationen nur außerhalb von Kirchenräumen üblich.
Ob die Kreuzwegbilder von Anton Huber für Riedenzhofen gemalt worden sind, scheint mir nicht sicher. Pfarrer Steinberger schreibt nämlich in seiner Chronik, dass 1879 ein Kreuzweg vom bischöflichen Hofmaler Johann Baptist Deyrer die Kirche in Riedenzhofen "zierte", der von Pfarrer Joh.Bapt. Graf Edling (1779-1791) für Vierkirchen angeschafft worden war. Vielleicht wurde der jetzige Kreuzweg erst später angeschafft.

 
Kanzelkreuz und Mater Dolorosa
An der linken (nördlichen) Seitenwand ein Kruzifix (18.Jh) mit einer darunter stehenden Mater dolorosa (19.Jh). Die mit einem Sternenmantel gekleidete und mit einer barocken Krone versehene Muttergottesfigur ist im Verhältnis zum Kreuz, aber auch im Verhältnis zu allen anderen Figuren in der Kirche außergewöhnlich groß. Sie hat früher in der Pfarrkirche von Röhrmoos gestanden, bis sie im Jahr 1928 gegen die dortige Mater dolorosa ausgetauscht wurde. 



Lantpertbild
An der rechten Seitenwand hängt ein großes Bild des Kirchenpatrons St. Lantpert. Der Heilige wird hier, wie auf vielen anderen Abbildungen, als betender Bischof dargestellt. Dies steht im Zusammenhang mit der Legende, der Heilige habe die Stadt Freising in den Ungarnkriegen durch sein Gebet gerettet. Da einige dieser Abbildungen aber älter sind als die erst im 15.Jh entstandene Legende, könnte der "betende Bischof" auch die Legende befördert haben.
Links hinter St.Lantpert steht der Freisinger Dom auf einer Anhöhe, von nur wenigen Häusern umgeben.

An den (relativ neuen) Kirchenbänken ist eine Kreuzstange (Vortragekreuz) aus dem Anfang des 20.Jh befestigt. Der Korpus auf dem Kreuz ist gegossen.

Die Kirche besitzt keine Kanzel und keine Orgel

Heiliges Grab

Seit einigen Jahren wird am Karfreitag wieder ein Heiliges Grab in abgedunkelter Kirche aufgebaut. Das nebenstehende Bild (Vergrößerung durch Klicken) stammt aus dem Jahr 2003.
Unter einer großen Leinwand mit dem leeren Kreuz und den Leidenswerkzeugen (arma Christi) befindet sich das hl.Grab mit der Aufschrift "Hinabgestiegen in das Reich des Todes".
Durch eine halbrunde Öffnung sieht man den Leichnam Christi. Davor die zu jedem Hl.Grab gehörenden farbigen Glaskugeln, die den Kirchenraum in ein mystisches Licht tauchen. Vor dem Grab sitzen bzw. liegen zwei römische Wachsoldaten. In der Mitte steht die Osterkerze als Symbol für den auferstandenen Christus.

Der Brauch des Hl.Grabes stammt aus der Barockzeit und diente der Veranschaulichung des Heilsgeschehens.
Die Glaskugeln waren früher mit farbigem Wasser gefüllt. Hinter ihnen wurden Öllampen angezündet. Dadurch entstand eine magische, theatralische Wirkung. Nach einer Aussage des früheren Dekans Langenberger aus Dachau haben die
Glaskugeln die gleiche Bedeutung wie die Ostereier: sie beziehen sich auf den Regenbogen, der ein Symbol für den Bund Gottes mit den Menschen ist (siehe Noah-Geschichte). Weil sie glänzen, reflektieren sie das Licht, das vom Heiland ausgeht und auf die Gläubigen fällt.  
Wenn Sie sich die übrigen "Heiligen Gräber" in den Kirchen des Landkreises anschauen wollen, klicken Sie hier....

Hans Schertl

Quellen:
Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874
Mathias Steinberger, Die Pfarrei Vierkirchen, 1879

Theodor Bitterauf, Die Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (Nr.768, 916, 1049)
Amperbote vom 30.4.1935 (Fenstergemälde)
Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres 1560, 1986
Josef Mass, Geschichte des Erzbistums München und Freising, 1986 (St.Lantpert)
Robert Böck, Kirchenrechnungen Landgericht Dachau, 1996 (Langhausanbau 1721)
Bürgerinformationen Gemeinde Röhrmoos,1997
Unser Dachauer Land, Heimatbeilage der Dachauer Nachrichten vom 26.27.6.99
Dachauer Nachrichten 13.9.2002

Pfarrer Reinhold Langenberger in Dachauer Nachrichten vom 17./18.4.2003
Karl Grüner, "Unten bauchig, oben spitz", Münchner Kirchenzeitung, v. 25.9.2005 und vom 2.10.2005
Röhrmooser Heimatblätter 2010 (Brunnenfigur)
32 Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Landkreis Dachau - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

29.11.2010