zur Landkreiskarte            ausführl.Beschreibung          Kirchen in der Gem.Röhrmoos


Filialkirche St. Lantpert (Lampert) in RIEDENZHOFEN


Adresse: 85244 Röhrmoos, Riedstraße 9
Lage der Kirche auf der Landkarte ...

KelchbecherTurm 32 m hochChor-spätgotisch

Kurzbeschreibung

Die Ortschaft Riedenzhofen (rd. 400 Einwohner), an der Straße zwischen Röhrmoos und Vierkirchen gelegen, wurde unter dem Namen Hruodineshofen im Jahr 856 erstmals urkundlich erwähnt. Die Urkunde finden Sie am Ende dieser Seite.

Die am nordöstlichen Ortsrand gelegene Filialkirche St. Lantpert (=Lampert ) wird erst 459 Jahre später schriftlich erwähnt und zwar In der Konradinischen Matrikel von 1315.
Dort wird sie "Filia Rübentzhoven", in der Sunderndorferschen Matrikel von 1524 " s.Lamperti in Riedenzhouen" und 1560 "Rietzenhofen" jeweils mit Friedhof genannt.

Riedenzhofen gehörte bis 1915 zur Pfarrei Vierkirchen; dann wurde es in die Pfarrei Röhrmoos umgepfarrt. Seit 2012 ist die Filialkirche zusammen mit der Pfarrei Teil des Pfarrverbands Hebertshausen-Röhrmoos.

Die heutige Kirche ist jünger als die im Jahr 1315 beschriebene. Ihre ältesten Bauteile sind der spätgotische Chor und die unteren Geschosse des Turms. Sie dürften aus der Zeit um 1500 stammen. Das barocke Langhaus wurde um das Jahr 1720 neu erbaut.

Der mit einer barocken Zwiebel geschmückte stämmige Turm ist in seinen unteren drei Stockwerken quadratisch, in den beiden oberen Stockwerken achteckig. In ihm hängen zwei Glocken.

 
Sakristeiglocke

Die letzte Renovierung fand im Jahr 2002 unter großer finanzieller und tatkräftiger Beteiligung der Ortsbewohner statt.

Inneneinrichtung

Der Kirchenraum ist mit einer Flachdecke über einer farblich herausgehobenen Hohlkehle überzogen.  

Die Altäre der Kirche stammen aus der Zeit von 1650 bis 1690. Es handelt sich um barocke Säulenaufbauten. Sie sind älter als der heutige Kirchenbau.

Eine Besonderheit ist der Hochaltar mit seinem dreistöckigen Aufbau. Im unteren Bereich, dem Hauptteil, sind  drei "Stabträger", drei Bischöfe dargestellt.
In der Mitte der Patron der Kirche, der Freisinger Bischof Lantpert, rechts der Regensburger Bischof St.Wolfgang. Wen die Figur auf der linken Seite darstellt, ist nicht bekannt.


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Die Seitenaltäre sind der Muttergottes und der hl.Ursula geweiht.

Die Figurenausstattung sowie die Darstellungen der Gemälde und der Fensterbilder in der Kirche entsprechen dem bäuerlichen Umfeld. Sie stellen dar:
— Der Pestheilige Sebastian,
— die Bauernheiligen Leonhard, Isidor und Notburga,
— die Nothelferin St.Katharina,
— der Männerheilige St.Josef,
— St.Antonius als Helfer verlorener Gegenstände sowie
— St.Theresia,eine häufige Namenspatronin von Frauen
Auffällig ist die große Mater-dolorosa-Figur, die früher in Röhrmoos stand.

Seit einigen Jahren wird am Karfreitag wieder ein Heiliges Grab in abgedunkelter Kirche aufgebaut.

 

In den ersten Januartagen 2018 hat sich ein Stück der Decke gelöst und ist heruntergefallen.
Die Kirche ist derzeit aus Sicherheitsgründen gesperrt.

 

 


Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen

Geschichte:  Matrikel 1315  Neubau 1450  Matrikel 1524  Visitation 1560  30jähriger Krieg
   Neubau 1720  Matrikel 1738  Beschreibung 1874  Beschreibung 1895  
           
Ausstattung:  Altarraum

 Apostelkreuze

 Choraltar  Fenster  Heiliges Grab
   Kanzelkreuz  Kirchenschiff  Kreuzweg  Lantpertbild  Mater dolorosa

 Sakristei  Seitenaltäre  Turm    

Ortschaft
Das rd. 400 Einwohner zählende Dorf Riedenzhofen liegt an der Straße zwischen Röhrmoos und Vierkirchen in unmittelbarer Nähe des S-Bahnhofs Röhrmoos. Die Frage nach dem Alter der Ortschaft wird im Schrifttum unterschiedlich beantwortet:
Während sich einige Publikationen 22), 03) auf den Historiker Meichelbeck (1669-1734) 15) berufen, der im Jahr 1724 das Jahr 784 (ohne weiteren mir bekannten Nachweis) genannt hat, geben moderne Historiker, wie z.B. Günther Pölsterl 21), das Jahr 856 an, das urkundlich gesichert ist. Die Nennung von Riedenzhofen unter der Bezeichnung
Hruodineshofen im Jahr 856 ist einem Eintrag in den berühmten Traditionsbüchern des Hochstifts Freising zu entnehmen; das sind Abschriften von Schenkungs- und Tauschurkunden (Kopialbücher) aus dem 8.bis 13.Jh., die auch unter dem Namen "Freisinger Traditionen" bekannt sind. Die Urkunde von 856 beschreibt ein Tauschgeschäft zwischen dem Freisinger Bischof Anno und dem Edlen Cotafrid. Der Bischof gab von seinem Besitz in Glonn 7 Morgen Land ab und erhielt in Riedenzhofen die gleiche Fläche. Den Originaltext dieser Urkunde von 856 können Sie hier lesen...
Weiterere Tauschhandlungen sind aus späterer Zeit beurkundet. Um 875/876 tauschte der Freisinger Bischof Arnold mit dem Edlen Amalrih Güter in Riedenzhofen gegen solche in Langenpettenbach. 50 Jahre später tauschte Bischof Wolfram eine Magd gegen einen Knecht des Edlen Arnolt aus Riedenzhofen. 05)

In der Gegend dürften aber noch wesentlich früher Menschen gesiedelt haben. Schließlich führte die um das Jahr 130 unter Kaiser Antoninus Pius (86-161) erbaute Römerstraße von Passau nach Augsburg nur in einer Entfernung von 1 km am Ort vorbei. Zudem wurden in einem nahen Wald mehrere Hügelgräber aus der Bronzezeit (ca.1800 v.Chr) entdeckt. 12)

Geschichte der Kirche

Konradinische Matrikel 1315
In Riedenzhofen wird es wohl schon im Jahr 784 oder 856 eine Kirche oder Kapelle gegeben haben. Um diese Zeit war die Christianisierung unseres Gebiets im Wesentlichen abgeschlossen. Und die Bewohner wollten Gebetsstätten in ihrer Nähe haben. Meist waren das Kirchen aus Holz, ohne Bestuhlung, die groß genug waren, um alle Einwohner aufzunehmen. Die Bestuhlung von Kirchen setzte sich erst 700 Jahre später durch. Bis dahin standen die Besucher oder bewegten sich langsam im Raum.
Schriftlich wird eine Kirche in Riedenzhofen erst ein halbes Jahrtausend nach dem Ort erwähnt.

Originaltext der Matrikel v. 1315
Den ersten Hinweis enthält die Diözesanbeschreibung des Bischofs Konrad III. von 1315 (Konradinische Matrikel) unter dem Eintrag für die Pfarrei Vierkirchen. Riedenzhofen gehörte von alters her bis 1915 zu Vierkirchen. Der Text auf der Pergament-Urkunde von 1315 lautet: "Viehchirchen...habet VIII filias: Chamerberch, Viehpach, Piperbach, Rudoltzhouen, Rübentzhouen cum sepulturis (= mit Begräbinsrecht). Rotenbach, Uetenshouen, Alboltzhouen et Giebingen sine sepulturis" (= ohne Begräbinsrecht).
Riedenzhofen hatte also - im Gegensatz etwa zu Giebing, Jedenhofen und Rettenbach- schon damals einen Friedhof. Das weist auf eine gewisse Bedeutung hin, denn die Nähe der Gräber waren für die Menschen dieser Zeit sehr wichtig. Zum einen wurden (und werden) die Verstorbenen auch nach dem Tod als Teil der Kirche Jesu Christi angesehen. Zum anderen war damals der Ahnenkult noch stärker ausgeprägt. Und schließlich gab es wegen der geringen Lebenserwartung und der hohen Kindersterblichkeit mehr als doppelt so viele Beerdigungen im Verhältnis zur Einwohnerzahl als heute. In der Zeit von 1315 bis 1322 waren es noch viel mehr, denn damals herrschte wegen einer plötzlich einsetzenden Klimaverschlechterung eine Hungersnot apokalyptischen Ausmaßes. Ein Drittel der Menschen in ganz Europa starb.


Neubau nach 1450
Die heutige Kirche ist jünger als die im Jahr 1315 beschriebene. Ihre ältesten Bauteile sind der spätgotische Chor und die unteren Geschosse des Turms. Aus der Lage des Turms an der Südseite des Altarraums kann geschlossen werden, dass die gotische Kirche erst nach 1450 errichtet wurde. Von der Vorgängerkirche finden sich keine Reste.


Sunderndorfer'sche Matrikel 1524
In der Sunderndorfer'sche Matrikel von 1524 wird Riedenzhofen als Filialkirche " s.Lamperti in Riedenzhouen cum sepulturis erwähnt. In dieser Matrikel wird erstmals das Patronat des hl.Lantpert genannt. Riedenzhofen ist die einzige Lantpertkirche im Landkreis Dachau. St. Lantpert oder Lambert war der 13. Bischof nach dem Diözesangründer Korbinian. Er stammte aus dem Geschlecht der Grafen von Ebersberg, die damals auch Besitz in unserer Gegend hatten. Er lebte von 895 bis 957. Im Jahr 937, also im Alter von 42 Jahren, wurde er Bischof von Freising. Das Amt übte er 20 Jahre aus. Seine Zeit war erfüllt vom Kampf gegen die Ungarn, die regelmäßig eingefielen und das Land plünderten. Nach der Legende soll Lambert durch sein Gebet den Dom von Freising in Nebel gehüllt und so vor der Zerstörung durch die einfallenden Ungarn bewahrt haben. Immerhin hat Lambert 955, nach der Schlacht am Lechfeld, noch die Befreiung von dieser dauernden Bedrohung erlebt. Schon 100 Jahre nach seinem Tod setzte die Verehrung ein, die sich im 15. Jahrhundert auf die ganze Diözese ausweitete. Riedenzhofen ist somit eine frühe Lantpert-Kirche.



Visitationsbericht von 1560 05)
Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation, eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet.
Die Visitation wurde durch bischöfliche und durch herzogliche Bevollmächtigte durchgeführt. Grund war die durch die Reformation Luthers (1517) entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen des Bistums zur Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte. Durch die Visitation wollte der Bischof einen detaillierten Einblick in die religiöse Situation der Pfarreien gewinnen. Insbesondere sollte festgestellt werden, ob die Pfarrer und die Gläubigen noch die katholischen Lehre vertraten oder der neuen Lehre anhingen. Daneben interessierte die Prüfer die Lebensführung der Pfarrer sowie Umfang und Qualität ihrer religiösen Kenntnisse.

Visitationsbericht 1560

Im Bericht über die Pfarrei Vierkirchen ist auch die Filialkirche "St.Lampertus in Rietzenhofen" erwähnt. Das eigene Einkommen der Kirche (neben dem der Pfarrei) betrug nur 1 1/2 Gulden und 1 Pfund Wachs. Es gab kein eigenes Mesnerhaus ("Hat kain mesen-hauß"). Der Mesner war wohl einer der Bauern oder ein Gütler. Die Kirche wird "mit aller Zier" beschrieben ("hat sonst alle zier zimblich"). Lediglich Fahnen gingen ab. In der Kirche stand ein "wol beschlossenes" Sakramentshaus. Das Allerheiligste und die heiligen Öle wurden rein aufbewahrt. Auch Taufwasser war vorhanden (das war in Filialkirchen nicht üblich und ist nur mit der großen Entfernung von der Pfarrkirche erklärbar). An Gerätschaften befanden sich in der Kirche: 1 Kelch mit Corporale, 2 Messbücher, ein Liturgiebuch und zwei Messgewänder. Der Bericht schließt mit den Worten "Sonst kain mangel".
Wenn Sie ganzen Bericht über die Pfarrei Vierkirchen -in heutigem Deutsch- lesen möchten, klicken Sie hier...




Dreißigjähriger Krieg

Über Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg gibt es keine konkreten Berichte. Aber die Kirchenrechnung von 1650
11) spricht von Ausgaben für Mauer/Zaun des "vom Feind zerrissenen Friedhofs". Der Orginaltext lautet: "
   " Umb 60 Standtner (= Pfosten), 58 Prötter (= Bretter), 700 Nögl (= Nägel) und Taglohn Zu einmachung des von Feindt
     Zerrisßnen Freithofs, ordenliche Zusamen Rechnung nach, aufs genauist antragen: 21Gulden 4 Kreuzer".
Wahrscheinlich wurden die Zaunbretter von den Soldaten als Brennholz zweckentfremdet.

Neue Altäre
Möglicherweise waren die Schäden im 30jährigen Krieg doch größer als angenommen. In der 2.Hälfte des 17.Jh. dürften jedenfalls die heutigen Altäre in die Kirche gekommen sein. Nach Auffassung von Kunstexperten sind sie im frühbarocken Stil gearbeitet und wohl zwischen 1650 und 1690, also kurz nach dem Krieg, entstanden.



Neubau 1721
In barocker Zeit, im Jahr 1721, änderte sich das Erscheinungsbild der Kirche entscheidend. Das alte Langhaus, das Kirchenschiff, wurde abgetragen und neu errichtet. Dabei hat man das Innere der Kirche barockisiert. Bei späteren Renovierungsarbeiten fand man an den Reliquienbehältern in den Seitenaltären die Jahreszahl MDCCXXI (1721).
Wenn Kirchen nach dem 30jährigen Krieg errichtet oder repariert wurden, war es üblich, dass das Pflegamt Dachau zinslose Darlehen (Anlehen genannt) gab. Das Geld für diese Darlehen mussten die übrigen Pfarreien aufbringen. So erfahren wir manchmal aus Kirchenrechnungen anderer Pfarreien, wann in einer Kirche eine Baumaßnahme durchgeführt wurde.
In den Kirchenrechnungen von Biberbach sind Beiträge dieser Kirchenstiftung zu den Baumaßnahmen am Gotteshaus in Riedenzhofen enthalten, mit dem Wunsch nach Rückzahlung. Dort heißt es: "Item anno 1721 zu erpauung der Filial Khürchen Riedtenzhoven auf khofftige (erhoffte) widererstattung 50 fl.". Umgekehrt hatte die Kirchenstiftung von Riedenzhofen schon im Jahr 1700 fünf Gulden für Baumaßnahmen im Kloster Taxa ausgeliehen. [Originaltext: "zu auferpau unnd erweitherung des würdtigen UnnserLieben Frauen Gottshaus unnd Closster in Taxa"].
11)

Das Jahrhundert von 1680-1780 war eine baufreudige Zeit. Viele Kirchen der Umgebung wurden erneuert. Meist blieb der Altarraum, der Chor, erhalten; nur die Kirchenschiffe/Langhäuser wurden neu gebaut, etwas breiter als ihre gotischen Vorgänger (nicht so in Riedenzhofen), mit modernen Flachdecken und einer Ausstattung im damals modernen Stil des Barock und Rokoko: Pasenbach um 1678, Kleininzemoos 1680; Röhrmoos 1689; Jarzt 1700, Aufhausen 1719, Weichs 1720, Schönbrunn 1724; Giebing 1726; Westerndorf 1729, Biberbach 1.Hälfte 18.Jh.; Ampermoching 1739, Rudelzhofen 1735/50; Sigmertshausen 1755, Indersdorf 1755, Vierkirchen 1763.


Schmidt'sche Matrikel

In den Jahren 1738/40, hatte der Freisinger Kanonikus (Domherr) Schmidt alle Pfarreien der Diözese Freising besucht und in der nach ihm benannten Schmidt'schen Matrikel auch die Filialkirchen kurz beschrieben. Zur "Ecclesia filialis s.Lamtperti in Riedenzhofen" bemerkte er, die Kirche sei erst vor 18 Jahren aufgebaut und konsekriert worden. Sie habe drei Altäre. Der Hochaltar sei dem hl. Bischof Lantpert, die Seitenaltäre der Jungfrau Maria und der hl. Ursula geweiht (wie heute). Kirchweih werde am Sonntag vor Michaeli (29.Sept) gefeiert, Patrozinium am 19.September. Im Turm hingen zwei geweihte Glocken. Die Einnahmen und Ausgaben der Kirche verwalteten der Vikar der Pfarrkirche Vierkirchen und der Landpfleger aus Dachau. Der Bericht schließt mit dem einzigen Satz in deutscher Sprache: "Das völlige Vermögen dises Gottshauses wirdet diser Zeit kaum 200 fl.(=Gulden) erraichen". Das war auch für eine Kirche dieser Größe ein sehr geringer Betrag.

Dachreparatur 1740
Aus dem Jahr 1740 ist auch bekannt, dass der Hirtlbacher Maurermeister Dörfler eine Kirchendachausbesserung leitete. Da Schmidt in seiner Matrikel keine Mängel am Dach erwähnte, dürfte die Ausbesserung entweder vor dessen Besuch in Riedenzhofen vorgenommen worden sein oder es handelte sich um Reparaturen aufgrund eines Unwetters. Dörfler/Derffler war für kirchliche Bauten nicht nur in Riedenzhofen, sondern auch in Niederroth (1732), Rumeltshausen (1733), Schwabhausen (1733), Ebertshausen (1718,), Vierkirchen (1742-44) und Hirtlbach (1743) tätig.


Beschreibung 1874

In der Statistischen Beschreibung des Erzbistums München und Freising vom Beneficiaten an der Domkirche Anton Mayer aus dem Jahr 1874 wird auch die Kirche von Riedenzhofen als Filiale von Vierkirchen erwähnt. Zu ihr gehörten 101 Dorfbewohner (Seelen), die in 18 Häusern wohnten. Über das Kirchengebäude schreibt er: "An der Ingolstädter Bahn gelegen. Erbauungsjahr unbekannt. Stil des 17.Jahrh. Die Kirche liegt hoch. Geräumigkeit genügend. Kuppel-Thurm mit 2 Glocken. 3 Altäre, keine Orgel. Gottesdienste am Patrocinium-Sonntag nach Mariä Geburt (=8.Sept.) und fast allwöchentlich eine hl.Messe. 5 Mess-Stiftungen. Meßner ist ein Gütler. Kirchenvermögen 1870 rd. 2400 Gulden".



Beschreibung 1879
03)
Im Juni 1879 feierte die Pfarrei Vierkirchen ihr 1100-jähriges Bestehen. Dazu schrieb der Vierkirchner Pfarrer Mathias Steinberger eine Chronik, die im Verlag der J.J. Lentner'schen Buchhandlung München erschien. In dieser Chronik werden kurz auch die neun Filialen der Pfarrei kurz beschrieben. Wenn Sie den Text über Riedenzhofen lesen möchten, klicken Sie hier...



Beschreibung 1895
04)

Riedenzhofen ist auch im Verzeichnis der Kunstdenkmale des Königreichs Bayern erwähnt, dessen Dachauer Teil 1888 von Prof. Gustav von Bezold und Dr. Georg Hager bearbeitet und 1895 von Betzold und Dr. Riehl im Auftrag des Königl.Bayer. Innenministeriums herausgegeben wurde. Dort heißt es auf Seite 317:
"Kirche.
Auf dem Choraltar zwei (neu) bemalte Holzfiguren: S. Sebastian, ganz bekleidet, mit der Fürstenhut ähnlichen Mütze, in der R. einen Pfeil, mit der L. den aufgerafften Mantel haltend. H. 90 cm
Ein hl. Bischof, ein aufgeschlagenes Buch in der R. H. ca. 100 cm. Beides gute Arbeiten um 1510.
Auf dem südlichen Seitenaltar zwei bemalte Holzfiguren: Maria, auf dem l. Arm das Kind, das mit beiden Händen eine Traube hält, in der R. das Scepter. H. 77 cm.
S. Wolfgang, in der R. den Bischofsstab, in der L. ein aufgeschlagenes Buch, worauf ein Kirchenmodell. H. 82 cm.
Beide gute Arbeiten vom Beginn des 16. Jahrhunderts."



1915 - Umpfarrung von Vierkirchen nach Röhrmoos
Am 10. Februar 1915 wurde die Ortschaft Riedenzhofen von der Pfarrei Vierkirchen (zu der sie wohl seit dem Bau der ersten Kirche gehörte) in die Pfarrei Röhrmoos umgepfarrt.
Das oberhirtliche Schreiben (Gen.Vik. Nr. 817) lautet:
  " Durch höchste Entschließung des K. Staatsministeriums des Innern für Kirchen und Schulangelegen-heiten, Nr. 1239 dd. 22. Januar c. ist im Einvernehmen mit der oberhirtlichen Stelle genehmigt worden, daß die Ortschaft Riedenzhofen, Gemeinde Röhrmoos, aus der kath. Pfarrei Vierkirchen in die kath. Pfarrei Röhrmoos umgepfarrt werde. Es wird nunmehr die Ortschaft Riedenzhofen von ihrem bisherigen kirchlichen Verbande mit der Pfarrei Vierkirchen vom 10. Februar 1915 an oberhirtlich gelöst und der pfarrlichen Jurisdiktion der Pfarrei Röhrmoos untergeben, wonach das weiter Erforderliche zu geschehen hat. München, den 5. Februar 1915 J. Neudecker"


1949 Mesner-Entlohnung
Interessant ist ein Eintrag in der Pfarrchronik vom 2.März 1949:
"In Riedenzhofen übernahm heute Herr Peter Wimmer, Gütler zum Sedlbauern, den Mesnerdienst an der dortigen Filialkirche. Als Entlohnung geben die Riedenzhofener ihrem neuen Mesner vom Tagwerk je 2 Pfund gutes Getreide. So wurde auf der heutigen Ortsversammlung in Riedenzhofen, bei der auch der Pfarrer anwesend war, einstimmig beschlossen". 07)


Renovierungen

1650 Friedhofsmauer
1721 Neubau des Kirchenschiffs und Barockisierung
1740 Dachreparatur
1875 Erweiterung der Sakristei durch den Biberbacher Zimmermeisters Reichlmayr 08)
1876 u.a. Ausmalung der Kirche in dunkler, schwerer Barockmalerei.  Restaurationskosten: 2500 Mark, die fast ausschließlich durch die Opferwilligkeit der Dorfbewohner aufgebracht wurden. 03)
Aufschrift auf der Rückseite des Choraltars: "Diese Kirche hat die Gemeinde Riedenzhofen auf ihre Kosten im Jahre 1876 durch Josef Merz, Maler u. Vergolder in München renoviren lassen."
1934/35

hat man mit tätiger Mithilfe der Bevölkerung die Stühle und Fenster erneuert und die Kirche getrocknet. Darüber ist ein Bericht in der Pfarrchronik erhalten. Wenn Sie daran interessiert sind, klicken Sie hier...

1946/47 Bei den Renovierungsarbeiten vom Okt.46 bis Juni 1947 kamen im Unterbau der Seitenaltäre zwei verlötete Reliquien-behälter zum Vorschein, auf denen die Buchstaben F. F. F. S. R. I. und die Jahreszahl MDCCXXI (1721) eingraviert waren. Auch über diese Renovierungsarbeiten, die den Altären, Figuren und Bildern galten und die Gesamtkosten von 8500 RM verursachten, können Sie einen Bericht (Auszug aus der Pfarrchronik) lesen: klicken Sie hier...
1949 Neueindeckung des Kirchendachs und Erneuerung der Friedhofsmauer
1950 Außenwände und Turmhaube gestrichen.
1968 Solnhofer Platten als Bodenbelag verlegt; Antritt zum Chor aus Rotmarmor
2002 Renovierung von Türen und Geländer, Fassadenkreuz, Turmkreuz, Mauerwerk; neuer Glockenstuhl: Kosten 11.000 Euro + 200 Stunden Eigenleistung von J.Wimmer, F.Winklmair, S.Orthofer, J.Niedermeier, F.Lamprecht.


Seit 2012 ist die Riedenzhofen Teil des Pfarrverbands Hebertshausen-Röhrmoos, der aus den Pfarreien Hebertshausen, Ampermoching, Röhrmoos und Großinzemoos besteht.

 

Beschreibung des Kirchenbaus

Die von einem ummauerten Friedhof (mit 28 Grabstellen) umgebene Filialkirche St. Lantpert (= Lampert) in Riedenzhofen steht auf einer kleinen Anhöhe am nordöstlichen Ortsrand. Sie ist ein kompakter, gut proportionierter Bau mit einem stämmigen Zwiebelturm an der Südseite, das Musterbeispiel einer bayerischen Dorfkirche. Die Außenwände von Kirche und Turm sind durch gelb gestrichene Lisenen gegliedert, die dem Bau sein Gepräge geben und die Achseneinteilung (=Gewölbeabschnitte) im Inneren auch außen sichtbar werden lassen. Das nach Westen abgewalmte Dach der Kirche ist mit Biberplatten gedeckt.
Der Chor, der vordere Teil der Kirche, stammt noch aus der spätgotischen Zeit um 1500. Er besitzt eine Achse (= Gewölbeabschnitt) und schließt -wie die meisten Kirchen dieser Epoche- in drei Seiten eines Achtecks.
Das dreiachsige Langhaus, das Kirchenschiff, ist jünger. Es wurde in barocker Zeit um 1720 errichtet 08)
und dabei in seiner Breite und Höhe dem vorhandenen Chor angepasst. Außen am Dach ist der Übergang von Chor zu Langhaus nicht zu erkennen. Die Westseite ist schmucklos. Sechs Fenster, zwei im Chor und vier im Langhaus, lassen genügend Licht in den Innenraum. Die Kirche hat bis zu 80 Sitzplätze und 100 Stehplätze.

Guter Hirte

  Außen an der Südseite hängt neben dem Brunnen ein großes Kruzifix, das mit einem geschwungenen Dach vor den Unbilden der Witterung geschützt wird (siehe Bild rechts).

Vor der Südwand befindet sich seit Anfang der 1990er Jahre ein Brunnen, der mit einer sog.Heiligensäule geschmückt ist. Die Säule hat ein Kapitell in dorischer Form. Auf ihr steht seit April 2008 eine Figur des Guten Hirten mit einem Schaf zu seinen Füßen und einem Lamm in seinen Händen. Die Figur wurde von einem Steinmetzbetrieb in der Nähe von Schaftlach für 1.500 Euro aus Granit gefertigt.


Wandkreuz

Turm und Glocken

Der mit einer barocken Zwiebel (mit Kupferbedachung) geschmückte Turm ist in seinen unteren drei Stockwerken quadratisch, in den beiden oberen Stockwerken achteckig. Blickfang ist auch bei ihm die Felderung, die durch die gelben Lisenen hervorgerufen wird.

Heutige Glocken

In der Glockenstube hängen hinter den acht rundbogigen Schallfenstern zwei Glocken. Der Glockenstuhl aus Eichenholz wurde erst 2002 neu eingebaut.
 

 

 

Die kleine Glocke wurde 1925 von der Fa. Bachmair in Erding gegossen. Sie hat den 2.Weltkrieg überlebt und ist noch vorhanden. Die Glocke ist der Muttergottes geweiht, besteht aus Bronze, erklingt im Ton d.
Die eingeprägte Inschrift lautet: "GEGOSSEN VON A J BACHMAIR in ERDING 1926".
Die größere Glocke aus dem Jahr 1950 stammt aus der Glockengießerei Karl Czudnochowsky in Erding.
Sie erklingt im Ton h´, wiegt 247 kg und kostete 1400 DM. Die Glocke besteht aus Euphon, d.h. aus zinnfreier Bronze (damals gab es in Deutschland nur wenig Zinn). Euphon-Glocken sollen schöner, klangvoller und lauter ertönen als Glocken aus Bronze. Auch sollen Euphon-Glocken unzerbrechlich und nicht für Kriegszwecke verwendbar sein. Über die Beschaffung und Weihe der Glocke im
Jahr 1950 gibt es Berichte in der Pfarrchronik. Die Einträge vom 24. und 25. Juni 1950 lauten:
24.6.: "Gestern wurden die 5 neuen Glocken von der Glockengießerei Czudnochowsky in Erding durch den Bauer Michael Reischl von Schillhofen auf dem Lastwagen abgeholt und in der Anstalt Schönbrunn hinterstellt. Heute nachmittags, 2 Uhr, wurden dann die neuen Glocken von Schönbrunn her feierlich in die Pfarrei eingeholt. Der Festzug reichte in seiner Länge von Schönbrunn bis Röhrmoos. Es nahmen am Festzug teil die Schulen von Röhrmoos und Sigmertshausen, die Kirchen- und Gemeindeverwaltungen und viele Gläubige. Den 3 vierspännigen Glockenwagen gingen 42 Reiter und ein Musikwagen voraus. Im ganzen waren 58 schön geschmückte Pferde vertreten. Bevor der Zug sich in Bewegung setzte, wurde im Ökonomiehof der Anstalt Schönbrunn noch eine kleine Feier gehalten, bei der der Pfarrer eine Ansprache hielt und Kinder Gedichte und Lieder zum Vortrag brachten, während die Blaskapelle zwischenhinein Musikstücke spielte".

Glocke 1950
25.6.: "Heute wurde in der herrlich geschmückten Pfarrkirche das Patrozinium mit einem levitierten Festgottesdienst gefeiert. Anschließend fand dann im Hofe des Zinsmeisteranwesens die feierliche Weihe der Glocken von Röhrmoos und Riedenzhofen durch H.H. Prälat Friedrich Pfanzelt statt.
Wenn Sie die Zusammenfassung dieser Berichte lesen möchten, klicken Sie hier...

Frühere Glocken:
Eine 1837 von M. Hubinger in München gegossene Glocke musste wohl schon im Ersten Weltkrieg zum Einschmelzen
   abgeliefert werden.
Denn 25 Jahre später, am 19.2.1942, wurde eine im Jahr 1907 bei Anton Bachmair in Erding gegossene Glocke vom Turm
   abgenommen. Sie hatte ein Gewicht von 400 kg; der untere Durchmesser betrug 82 cm, die Höhe mit Krone 86 cm, die Höhe
   der Krone selbst 13 cm. Am oberen Kranz der Glocke befand sich die Beschriftung "Sub tuum praesidium confugimus Sancta
   Dei genitrix; Gegossen von Ant.Jos.Bachmayer Erding 1907" (= wir stellen uns unter deinen Schutz, Heilige Gottesgebärerin).
   Kurz bevor die große Glocke abgeliefert werden musste (am 19.2.1942), wurden die Glocken zusammen geläutet als
   Abschiedsgruß der scheidenden Glocken von der Ortschft Riedenzhofen, schreibt Pfarrer Endres.
Hinweis: Woher die so typisch bayerisch-barock anmutende Zwiebelform kommt, ist erstaunlicherweise nicht geklärt. Einige der Experten vermuten, dass sie eine Nachahmung und Weiterentwicklung der im 7.Jh errichteten Moschee auf dem Tempelberg in Jerusalem (Felsendom) und somit arabischen Ursprungs ist. Damals glaubten europäische Baumeister, die Kuppel stamme noch vom Tempel Salomons und verbanden mit ihr die Vision vom himmlischen Jerusalem. Andere Kunstexperten sehen in der Zwiebel eine Weiterentwicklung der byzantinischen Kuppel, die auch in Russland großen Anklang fand. Fest steht jedoch, dass die ältesten zwiebelförmigen Kuppeln im alten Baiern die der Münchner Frauentürme sind (1525). Weite Verbreitung fand die Zwiebel als Bauform aber erst im Italien der Renaissance und bei uns in der Barockzeit nach dem 30jährigen Krieg. Ihre Form -unten bauchig, oben spitz- passte wunderbar zur Kunstauffassung und zum Lebensstil des Barocks und galt "als Synthese aus der Bewegung ins Übersinnliche und dem Verharren in den Wölbungen des Sinnlichen". 16)

Im Untergeschoss des Turms ist die Sakristei eingerichtet. Sie wurde nach Osten hin im Jahr 1875 entsprechend einer Zeichnung des Biberbacher Zimmermeisters Reichlmayr 08)  erweitert (mit einem am Turm anliegenden Pultdach).

Der Eingang liegt an der Südwestseite und ist durch ein Vorhaus mit Satteldach vor Witterungseinflüssen geschützt.
Die Eingangstüre stammt aus dem 19.Jh.
08).

Innenausstattung

  Innenmaße des Kirchenbaus:
—  Länge des Kirche 14,00 m (davon Kirchensschiff: 9,20 m; Altarraum: 4,10 m; Chorbogen 0,70 m)
—  Breite der Kirche: Kirchenschiff: 6,60 m; Altarraum: 6,60 m; Chorbogen: 4,30 m
—  Höhe: Kirchenschiff: 6,40 m; Altarraum: 6,30 m (+ 1 Altarraumstufe); Chorbogen: 6 m, Empore 3,40 m

Die Kirche ist hell und freundlich gestaltet. Dies ist wohl ein Ergebnis der letzten Renovierungen, insbesondere der von 1946/47. Denn noch 1945 hat Pfarrer Endres über die neuromanischen Formen und Farben geklagt:
  "Die Restauration im Jahr 1876 hat die 1720 barock erbaute Kirche genau so behandelt wie eine romanische Kirche. Schwere Barockmalerei umsäumt den Plafond des Schiffes, ziert den Triumphbogen, die Hohlkehle des Chores und die Fensterleibungen. Mit etwas zu dunkler Farbe ist der Raum getüncht. Der barocke Charakter des Raumes ist völlig zerschlagen. Aber man muß noch zufrieden sein, daß die Erneuerung wenigsten die ursprünglichen Altäre belassen hat."

Der Bodenbelag besteht aus quadratischen Solnhofener Kalkplatten, die diagonal ausgelegt sind.

Altarraum / Chorraum

Der Altarraum ist gegenüber dem Kirchenschiff um eine Stufe (aus Rotmarmor 08) ) erhöht. Bei gleicher Deckenhöhe ist er um diese Stufe niedriger als das Langhaus. Der Altarraum schließt in drei Seiten eines Achtecks.
Der Chorraum besitzt eine Flachdecke über einer ockerfarbig hervorgehobenen Hohlkehle (= rinnenförmige Vertiefung), die durch ein rundes Stuckbild und ein farbiges Gesims verziert ist. Das Deckengemälde zeigt das Jesusmonogramm IHS. Die Gemälde stammen wohl von der Innenrestaurierung von 1947 08).

Deckengemälde im Altarraum
Hinweise: IHS ist das Namenssymbol Jesu. Es kann auf zwei Arten gedeutet werden: Es sind einerseits die Anfangsbuchstaben des in griechischen Großbuchstaben geschriebenen
Namens Jesus (JHSOUS);andererseits werden diese Buchstaben auch als Anfangsbuchstaben von "Jesus, hominum salvator" verstanden; das bedeutet: "Jesus, Erlöser der Menschen".



Hochaltar /Choraltar


Choraltar

Der Choraltar stammt - wie die Seitenaltäre- aus der Zeit kurz nach dem 30jährigen Krieg. Kunstexperten schätzen, dass sie in der Zeit von 1650 bis 1690 entstanden sind. Möglicherweise waren die Vorgängeraltäre von den Soldaten beschädigt worden. Bei den drei Altären handelt es sich um frühbarocke Säulenaufbauten, die mit verschiedenen Engelsfiguren auf den Gesimsen geschmückt sind. 

Das Retabel des Hoch/Choraltars hat einen dreiteiligen Aufbau, also ein "Stockwerk" mehr als sonst Altäre aufzuweisen haben. Die vier Säulen des Altars sind im oberen Bereich kanneliert (= mit Riefen versehen) und unten mit barocken Ornamenten verziert. Das Antependium des Choraltars besteht aus marmoriertem Holz und stammt wohl aus dem 19. Jh.
08).

Gekrönt wird der Choraltar von einem Strahlenkranz mit dem Auge Gottes im Dreieck. Er ist aus Holz geschnitzt und versilbert bzw. vergoldet. Das Auge im Dreieck ist sowohl ein Symbol für Gottvater als auch für die Hl.Dreifaltigkeit.
Hinweis: Das Auge Gottes verdankt seine Existenz der Scheu früherer Jahrhunderte, Gottvater zu personifizieren. In der Frühzeit des Christentums trat der Lebensquell an die Stelle Gottes, später eine Wolke als Hand Gottes. Erst seit der Neuzeit ist das Auge Gottes im Dreieck gebräuchlich. Es symbolisiert gleichzeitig auch die Dreifaltigkeit und wird oft auch Dreifaltigkeitsauge genannt. Personifiziert, als würdiger alter Mann mit langem Bart, wird Gottvater erst seit dem Barock (17.Jh) dargestellt.

Auge Gottes
im Dreieck
Altaraufsatz

Der von zwei eingelassenen Pilastern mit Schuppenmuster und einem geschwungenen Gebälk umrahmte Altaraufsatz enthält ein ovales Bild im Rokokorahmen. Es zeigt im helleren Vordergrund einen Heiligen in Rüstung mit Fürstenhut auf dem Kopf und einem Schwert am Gürtel. Begleitet wird er von einer großen Schar von Rittern, die im dunkleren Hintergrund zu sehen sind. Sie halten Dornenzweige in den Händen.


Choraltar-Aufsatz

Eine Inschrift über der Personengruppe klärt auf, um welche Heilige es sich handelt.
"St.Achatii Gesellschaft".
Diese Achatii Gesellschaft geht auf Legenden 23) zurück. Im Mittelpunkt steht der hl.Achatius, einer der 14 Nothelfer, zuständig für die Hilfe bei Krankheiten.
Achatius gilt als Anführer der Zehntausend Märtyrer (Archatii et sociorum), die im 2.Jh. (andere Quellen: 4.Jh.) am Berg Ararat mit Dornenästen geschlagen wurden.

  Die im 12. Jh. entstandene Legende erzählt, das 9000 Mann starke römische Heer unter Leitung von Achatius sei in Bedrängnis geraten. Das erschien ihnen ein Engel und versprach den Sieg, wenn sie sich zum Christentum bekehrten. Das geschah so. Doch der Kaiser befahl seinen Legionen, die Neu-Christen mit Dornenästen zu schlagen und anschließend zu kreuzigen. Eintausend der Henker ließen sich ebenfalls taufen und erlitten dasselbe Martyrium. So stieg die Zahl der Märtyrer auf 10.000. Im Schrifttum der früheren Zeit wurde diese Gruppe (Achatius und die 10.000) unter der Bezeichnung " St.Achatii Gesellschaft" erwähnt. Die Gebeine von drei der 10.000 Begleiter befinden sich übrigens in der Klosterkirche von Andechs 24). Dort gehören sie zu den sog. Heilthümern, die Ziel vieler Wallfahrten auch aus Pfarreien in unserem Gebiet waren.
Bei der Kalenderreform 1969 wurde Achatius aus dem Martyrologium Romanum gestrichen, weil es sich beim ihm um eine legendäre Person handelt, von der keine historischen Zeugnisse existieren 25).


St.Achatius

Mittelteil

Der Mittelteil des Altars besteht aus drei durch dunkle Pilaster getrennten Feldern. In den beiden äußeren Feldern sind jeweils ein vergoldetes Muschelornament mit Blütengehängen auf marmoriertem Hintergrund zu sehen.


Muttergottes v.Altötting
Das mittlere Feld ist als Ädikula (Nische) gestaltet. Darin steht vor einem blauen, mit Blüten verzierten Hintergrund eine Madonnenfigur in der Art der Muttergottes von Altötting auf einem Sockel.

Maria ist mit einer Krone in Form einer flachen Mütze gekrönt; die Zacken der Krone sind relief-artig aufgetragen. Maria trägt das bekleidete Jesuskind auf dem rechten Arm. In der Linken hat
  sie ein Zepter. Das Jesuskind hält in seiner Hand einen Apfel, die Vorläuferform des Reichsapfels.
Hinweis: Der Apfel war schon im Altertum Sinnbild für den Kosmos, später auch für die Erde, nachdem man deren Kugelform erkannt und akzeptiert hatte. Der mit dem Kreuz versehene Reichsapfel in der Hand des Königs ist seit 1191 Teil der königlichen Insignien in Deutschland u. symbolisiert den von Gott verliehenen Herrschaftsanspruch. Gleiches gilt auch für das Jesuskind. Hier kommt aber die weitere Bedeutung des Apfels als Paradiesapfel und Sinnbild für den Sündenfall hinzu: Jesus weist den Betrachter darauf hin, dass er durch seinen Tod die Erbsünde überwunden hat.
Unterer Teil

Im unteren Bereich, dem Hauptteil, stehen die Figuren von drei "Stabträgern", drei Bischöfen. Sie sind von unterschiedlicher Höhe.

In der Mitte die größte Figur, die den Patron der Kirche, den früheren Freisinger Bischof Lantpert, auch Lampert genannt, darstellt. Sie ist die jüngste der drei und stammt aus dem 19.Jh.

 

   
3 heilige Bischöfe
Mitte: St.Lantpert - Rechts: St.Wolfgang

Wen die kleinere Bischofsfigur auf der linken (nördlichen) Seite darstellt, ist leider nicht bekannt. Es fehlt ein aussagekräftiges Attribut, das dem Betrachter Hilfestellung gibt. Die Figur wurde in der Zeit um 1510 geschnitzt.

Die (kleinste) Skulptur des Bischofs auf der rechten (südlichen) Seite ist erheblich älter. Sie soll aus dem Beginn des 16.Jh. stammen und den heiligen Wolfgang, den Bischof von Regensburg, darstellen. Früher stand diese Figur auf dem rechten Seitenaltar.

 

Dies entnehmen wir dem Verzeichnis der Kunstdenkmale des Königreichs Bayern aus dem Jahr 1895. Dort ist zu lesen: "Auf dem südlichen Seitenaltar... S. Wolfgang, in der Rechten den Bischofsstab, in der Linken ein aufgeschlagenes Buch, worauf ein Kirchenmodell. H. 82 cm."
1895 war die Figur also aufgrund ihres Attributs, dem Kirchenmodell, zu identifizieren. Um 1895 stand auf dem Choraltar statt der Figur von St.Wolfgang die des hl. Sebastian, die sich heute auf dem rechten Seitenaltar befindet. Bei einer der Renovierungen des 20. Jh. hat man diese beiden Figuren ausgetauscht.

Hinweis: St. Lantpert (895-957) war die letzten 20 Jahre seines Lebens Bischof von Freising. Tatsächlich war er in den Wirren jener Zeit wohl ein eindrucksvoller betender, nicht kämpfender Bischof. Erhaltung und Erneuerung seiner Ortskirchen waren ihm wichtig. Lambert wurde im Dom von Freising bestattet. Er wird -auch ohne offizielle Heiligsprechung- seit dem 11.Jh. in Bayern verehrt, im Dom von Freising steht seit 1973 ein kostbares Reliquiar mit seinen Gebeinen.
Offensichtlich hatte die Verehrung von Lambert schon viel früher und ganz ohne (überlieferte) Mirakelberichte begonnen. Einen Anhaltspunkt liefert eine Urkunde aus der Regierungszeit des Bischofs Meginwards (1078-1098). Damals legten Stifter Urkunden auf dem Grabaltar von St.Lantpert nieder, durch die sie ihre Güter dem Heiligen vermachten. Der Ertrag sollte den Armen zugute kommen, die "vor der Tür stehen". Möglicherweise war Lantpert ein um die Armen besonders besorgter Bischof.
Lantpert von Freising ist nicht zu verwechseln mit Lambert von Maastricht, der vor allem im Münsterland stark verehrt wird. Mehr über St.Lantpert und seine Zeit finden Sie hier...

Das 54 cm hohe Altarkreuz auf der Mensa des Altars wurde im 19. Jh., geschaffen. Es besteht aus einem Holzkern, der von getriebenen und versilberten Messingblech umgeben ist. Der Korpus ist gegossen 08).

Auf der Rückseite des Choraltars ist eine Inschrift angebracht, die auf die Renovierung 1876 hinweist: "Diese Kirche hat die Gemeinde Riedenzhofen auf ihre Kosten im Jahre 1876 durch Jos.Merz Maler u. Vergolder in München renoviren lassen."

 

Fenster und Glasgemälde

Die rundbogigen Chorfenster stammen aus dem Jahr 1935 und wurden im Zuge der großen Renovierung 1934/35 eingebaut.
Neben neuen Scheiben hat der Dachauer Glaskünstler Syrius Eberle "Glasmedaillons" d.s. farbige Mittelfenstereinsätze mit Bildern von Heiligen gefertigt; sie wurden von Pfarrer Niklas (1933-1939) aus Röhrmoos kirchlich geweiht.



Bruder Konrad
An der Nordseite Bruder Konrad von Parzham (gestiftet von Josef und Maria Winkelmaier). Kinder bringen St.Konrad Blumen.
Der Heilige (1818-1894) wirkte im Kloster Altötting als Pförtner, wo er viele Wallfahrer und vor allem Kinder aus armen Altöttinger Familien mit Brot versorgte. Konrad wurde am 20. Mai 1934 von Pius XI. heiliggesprochen.
Festtag:21.April
  An der Südseite St.Isidor (gestiftet von Leonhard und Maria Mair). Der Heilige betete vor einem Kruzifix, während im Hintergrund ein Engel pflügt.
St. Isidor lebte im 11./12.Jh. als Knecht bei einem Baron in Spanien. Der Legende nach verpetzten ihn seine Mitknechte, weil er mehr betete als arbeitete. Als sein Herr feststellen wollte, ob dies stimme, sah er einen Engel mit zwei weißen Stieren pflügen, während Isidor im Gebet daneben kniete. Festtag: 15.Mai

St.Isidor
       

St.Theresia
Die hl. Theresia (gestiftet von den "Bründls" Josef und Theresia Strixner). Die Heilige hält in der Hand ein Kruzifix. Engel streuen ihr Blumen auf den Weg.
Bei uns werden zwei Heilige namens Theresia verehrt. Theresia von Avila (die Große) und Theresia Lisieux (Kleine Theresia). Im Bild wird die Kleine Theresia dargestellt, die von von 1873-1897 in in Frankreich lebte. Als Nonne verfolgte sie nach Eingebungen und Visionen dem - wie sie sagte - "kleinen Weg" einer innigen und zugleich kindlichen Hingabe an Gott. In der Kunst wird sie vorwiegend mit Rosen dargestellt. Papst Pius X. bezeichnete sie als die größte Heilige der Neuzeit.
Festttag: 1.Oktober
  Die hl. Notburga (ebenfalls gestiftet von Josef und Theresia Strixner). In der Luft hängt eine Sichel.
Die in Bayern ungemein beliebte Notburga (1265-1313) war eine Bauernsmagd aus Tirol, die der Aufforderung des Bauern, auch nach dem Gebetläuten noch auf dem Feld zu arbeiten, nicht nachkam und die Sichel in die Luft hängte. Sie ist eine der wenigen Heiligen, die aus ganz einfachen Verhältnissen kam und kein geistliches Amt innehatte. Notburga wurde nie formell heiliggesprochen, doch hat Papst Pius IX. 1862 ihre Verehrung erlaubt. Festtag:14.Sept.

hl.Notburga

Die vorderen Fenster im Kirchenschiff enthalten ebenfalls Glasgemälde des Dachauer Glasmalers Syrius Eberle aus dem Jahr 1935. Sie beschäftigen sich thematisch mit dem 1.Weltkrieg:

Sterbender
Soldat

Das Bild im linken Fenster zeigt einen Kriegsheimkehrer, der an einem Feldkreuz für seine glückliche Heimkehr dankt. im Hintergrund sieht man die Kirche von Riedenzhofen. Vor dem Gotteshaus wartet die Frau des Soldaten mit den Kindern. Das Bild wurde von Jakob Burgmair (Angermairbauer) aus Dankbarkeit gestiftet. Er war 1914 in den Krieg gezogen, geriet Ende des Krieges in französische Gefangenschaft und sah die Heimat erst 1920 wieder.

Im Fenster auf der rechten Seite wird ein sterbender Soldat zum Andenken an den in den Karpaten gefallenen Sohn des Mesners Georg Zollbrecht (3.bay.Jäger Regiment 3.Komp) aus Riedenzhofen dargestellt. Neben ihm liegt ein umgestürztes Geschütz, im Hintergrund explodiert eine Granate. Der letzte Blick des Soldaten gilt Jesus, der mit Kelch und Hostie über ihm schwebt (Text: "gef.Georg Zollbrecht Mesnersohn, 1916 - Für's Vaterland gefallen Georg Zollbrecht Gütlers-u. Mesnersohn von Riedenzhofen Jäg.b.3.JägReg. 1.Bat., 3.Komp. 14-16")


Heimkehrerbild



Sakristei

  
Sakristeitür

Sehenswert ist auch die alte Sakristeitür am Übergang vom Altarraum zur Sakristei. Sie stammt aus dem 18.Jh und besitzt noch die alten Beschläge.  08)

Blickpunkt in der kleinen Sakristei ist die in die Seiten eingepasste Schrankanlage aus der Zeit um 1880. 
08) mit der dazwischen 'schwebenden' Arbeitsplatte. In den Schränken werden die Paramente, die Messgewänder, aufbewahrt.


Sakristei
Die kleine Chorglocke am Zugang zur Sakristei dürfte vom Ende des 19.Jh. stammen. Sie hat einen Durchmesser von 7,7 cm.   08)
Am Ende der Zugstange befindet sich ein gedrechselter Griff.
Die Glocke gibt das akustische Zeichen für den Beginn des Gottesdienstes; sie wird geläutet, wenn Priester und Ministranten die Sakristei verlassen und den Altarraum betreten.
  
Chorglocke
Übrigens...
Der Mesner bezog für seine Dienste in der Kirche früher die sogenannte "Meßnertracht" in Form von 6 Ztr. Korn.
Seit 1949 erhält der Mesner vom Tagwerk je 2 Pfund gutes Korn.  
08)


C
horbogen
Die Innenseite des korbbogigen Chorbogens ist mit einem Kreuzmuster auf ockerfarbenem Hintergrund geschmückt. Die Bemalung stammt wohl von der Innenrestaurierung von 1947  08).



Zelebrationsaltar

Der Zelebrationsaltar (auch Volksaltar genannt) wurde aus Holz gefertigt. Seine Seiten sind durch Felder gegliedert, die entprechend dem Stil der übrigen Altäre marmoriert, d.h. mit Marmormuster bemalt sind.
Der Zelebrationsaltar wurde im Zuge der Liturgiereform aufgrund der Beschlüsse des 2.Vatikanischen Konzils aufgestellt. Er bedeutet eine Rückkehr zu den Wurzeln der Eucharistiefeier in der Frühzeit des Christentums.


Zelebrationsaltar
Hinweis: Der Altar war das Symbol des heidnischen Gottesdienstes. Das lateinische Wort adolere = verbrennen bezeichnet die ursprüngliche Bedeutung als Stätte zur Verbrennung der Opfer. Die ersten Christen hatten keinen Altar. Jesus versammelte die Seinen um den Tisch, und das hielten auch die Christen während der ersten Jahrhunderte so; zur Eucharistiefeier konnte jeder beliebige Tisch dienen. Im 4.Jh wurde das Opfer Jesu in das Tischgeschehen hineingenommen und der Altar eingeführt.
  meist aus Stein, frei aufgestellt und von allen Seiten zugänglich. Als der Altar dann im 11.Jh eine Rückwand mit hohen Altaraufbauten (Retabel) erhielt und weiter an die Ostwand rückte, wandte der Priester der Gemeinde den Rücken zu. Dies ist in der katholischen Kirche durch eine Liturgiereform erst vor 55 Jahren wieder rückgängig gemacht worden. Der neue Altar (sog.Volksaltar oder Zelebrationsaltar) soll seitdem freistehend und umschreitbar sein sowie -wann immer möglich- feststehend (LL 5.2). Der Zelebrationsalter ersetzt nun liturgisch voll den Hochaltar. 26)



Kirchenschiff / Langhaus

Auch das Kirchenschiff besitzt eine Flachdecke über einer breiten, ockerfarbig hervorgehobenen Hohlkehle. Die Decke ist nur durch ein ockerfarbiges Rundfeld im Stuckrahmen verziert.


Seitenaltäre

Die Seitenaltäre aus der Zeit um 1690 haben zweisäulige Retabel. Wegen der Mittelnischen nennt man sie auch Ädikularetabel.
Die Stipes (Altarunterbau, der die Altar-platte=Mensa trägt) sind gemauert.
Die Antependien aus Holz mit marmoriertem Mittelfeld wurden erst in neuerer Zeit hinzugefügt.

      
Mutergottes (linker Altar) - St.Ursula (rechter Altar)
Die vier Volutenengel auf den Volutengiebeln der Seitenaltäre im Stile des ausgehenden 17.Jahrhunders sind im Übrigen völlig unterschiedlich gestaltet. 
Engel auf dem
Altargesims
Bei der Renovierung 1946/47
wurden in die beiden Seitenaltäre, deren Mensen vollkommen neu aufgemauert werden mussten, altaria portatilia eingelassen. Dabei handelt es sich um die Altarreliquien.
 

Die Portatilien tragen auf einem angeklebten Zettel den Vermerk:
"Anno Domini MCMXLVI die 16. mens. Octobri (= 1946 Tag 16 Monat Oktober). Ego Antonius Scharnagl Episcopus Zenopolitanus et Auxiliar Monacens et Frisingens. consecravi altare hoc portatile. Reliquias Ss. Martyrum S. Martialis et S. Liberatae in eo inclusi. Bei den Heiligen Martialis und Liberata handelt es sich um Katakombenheilige.


Linker Seitenaltar

Altaraufsatz
Im Altaraufsatz -umgeben von Volutenengeln- befindet sich ein hochovales Gemälde, das den hl.Leonhard zeigt. Der Heilige ist im Mönchsgewand mit Abtsstab, einem Buch und seinen hauptsäch-lichen Attributen, den Gefangenenketten in der Hand abgebildet. Das Gemälde stammt aus der Zeit um 1880.
Gekrönt wird der Altar durch einen Strahlenaufsatz, der auf dem Volutengiebel thront. Er enthält das Marienmonogramm; das sind die vier verschiedenen Buchstaben des Namens Maria (M-A-R-I) ineinander geschrieben.

St.Leonhard

Hinweis: Leonhard (in Bayern einer der 14 Nothel-fer) lebte um das Jahr 500 als Einsiedler und später als Abt in Frankreich. Regelmäßig besuchte er die Gefangenen und erreichte beim König Clodwig I., dass viele von ihnen freigelassen wurden. Deshalb galt er ursprünglich als Schutzpatron derer, "die in Ketten liegen", also der Gefangenen - und der Geisteskranken, die man bis ins 18. J. ankettete.
Als die Leonhardsverehrung nach Deutschland kam, hat man ihn wegen der Ketten, mit denen er in Frankreich abgebildet war, als Patron der Haustiere verehrt, weil man diese Ketten als Viehketten

  missdeutete. In Bayern erreichte die Leonhards-verehrung im 19.Jh ihren Höhepunkt. Man nannte den Heiligen auch den "bayerischen Herrgott". Am Leon-hardstag, dem 6. November, werden Leonhardiritte abgehalten und Tiersegnungen vorgenommen.
Mittelteil
Der linke Seitenaltar ist der Muttergottes geweiht.
Ihre Figur stammt aus der Zeit um 1500. 08)  Sie trägt auf dem Haupt eine Krone in gotischer Form, in der rechten Hand ein Zepter und auf dem linken Arm das Jesuskind. Die Figur steht -umgeben von einem Strahlenkranz - in der Mittelnische. Das Jesuskind hält eine Weintraube in der Hand, die an das Bibelwort "Ich bin der Wein, Ihr seid die Reben" erinnern soll.
Auf der von einem barocken Rahmen umgebenen Inschriftenkartusche steht der Text: ora pro nobis - bitte für uns.

Muttergottes
Pfarrer Endres (1940-1953) schilderte die Figur wie folgt:
"Die Gewandung der Madonnenfigur ist etwas schematisch, das Jesuskind ist ungewöhnlich bewegt; es hält in der Hand eine Traube, welche die Erlösungs-aufgabe symbolisieren soll. Die in der Figur zum Ausdruck gebrachte Bewegung soll die Freude über die Erlösungs-aufgabe andeuten. Die Madonna blickt sehr ernst zum Himmel empor".

St.Sebastian

Die Assistenzfiguren stehen auf seitlichen Konsolen. Darauf sind die Namen "St. Christina und St.Antonius verzeichnet.
Die linke Figur ist aber eindeutig nicht St.Christina sondern der hl.Sebastian; er trägt einen Fürstenhut auf dem Haupt und hält einen Pfeil in der rechten Hand. Geschnitzt wurde die Figur in gotischer Zeit um 1520  08).
Meist wird Sebastian halbnackt am Marterbaum abgebildet. Doch vor 1700 war auch die Abbildung des Heiligen, voll bekleidet, mit dem Pfeil in der Hand, gebräuchlich (siehe auch Figuren in Aufhausen, Deutenhausen, Palsweis und Weyhern).

Rechts steht auf der Konsole der hl.Antonius (um 1700). Ähnlich wie die Josefsfigur auf der anderen Seite des Chorbogens (am rechten Seitenaltar), hält er ein relativ großes Jesuskind auf dem Arm, das spielerisch nach dem Ohr des Heiligen greift. Dieses Jesuskind erinnert an eine Legende, nach der dem St.Antonius beim Lesen der Bibel das Kind erschienen sein soll.


St.Antonius
  Hinweise: Sebastian soll nach der Legende im 3.Jh.ein Offizier der kaiserlichen Garde gewesen sein. Auf Befehl des Kaisers Diokletian wurde er wegen seines Glaubens mit Pfeilen durchschossen. Er erholte sich aber durch die Pflege der Witwe des Märtyrers Kastulus, bekannte sich erneut zu seinem Glauben und wurde daraufhin mit Keulen erschlagen. Auf seine Anrufung hin, soll eine Pestepidemie abgewendet worden sein.Der hl.Sebastian wird deshalb als Pestpatron und -der Pfeile wegen- als Patron der Schützenbruderschaften verehrt. Festtag:20.1.
St. Antonius (1195-1231) wurde in Lissabon geboren. Er trat in den neu gegründeten Orden der Franziskaner ein und wirkte später in Padua als begnadeter Redner im Kampf gegen die Sekten der Katharer, Albigenser und Waldenser Zum Schluss lebte er auf einem Nussbaum und bewirkte mit seinen Predigten eine eine starke Verbesserung des Zusam-menlebens und Sozialverhaltens bei den Bürgern. Festtag: 13.Juni

Das 60 cm hohe Altarkreuz auf dem linken Seitenaltar stammt aus der Zeit des Klassizismus vor 1800. Es besteht aus einem Holzkern mit getriebenem und versilbertem Messingblech, Korpus gegossen, mit vier roten Steinen besetzt.


Rechter Seitenaltar

Im ovalen Bild des Altarauszugs (gemalt am Ende 18.Jh.)   08) ist die Hl.Dreifaltigkeit dargestellt. 
Rechts sitzt Gottvater mit dem dreieckigen Heiligen-schein, ihm gegenüber Christus im offenen roten Ge-wand, der seine Wundmale zeigt.
Zwischen beiden liegt eine große blaue Weltkugel,
die Gottvater als Schöpfergott ausweist. Darüber schwebt der Heilige Geist in Gestalt einer strahlen-umkränzten Taube, die Gnadenstrahlen aussendet.

Hl.Dreifaltigkeit
Gekrönt wird der rechte Seitenaltar durch einen Sternaufsatz mit dem Christusmonogramm IHS. Hinweise: Die drei Buchstaben IHS können auf zwei Arten gedeutet werden:
- als die Anfangsbuchstaben des in griechischen
   Großbuchstaben geschriebenen Namens Jesu    (JHSOUS);
- als die Anfangsbuchstaben von "Jesus, hominum
   salvator" mit der Bedeutung: "Jesus, Erlöser der
   Menschen"

Mittelteil

Im Mittelteil des rechten Seitenaltars steht eine Figur der hl.Ursula (um 1690   08)) mit schlanker Krone auf dem Haupt sowie einer Märtyrerpalme und einem langen Pfeil in den Händen.
In der Inschriftenkartusche unter der Nische wird die Heilige angefleht: intercede pro nobis - sei unsere Fürsprecherin.


St.Ursula
Hinweis: Ursula soll im Jahr 415 zusammen mit 11.000 Jungfrauen (u.a. auch Cäcilia,Odilia und Verena) nach der Rückkehr von einer Romreise in Köln von den Hunnen mit Pfeilen ermordet worden sein, nachdem sie sich geweigert hatte, die Geliebte des Hunnenkönigs zu werden. Einen Höhepunkt erlebte der Ursula-Kult im 15. Jahrhundert, gefördert besonders durch die Zisterzienser. Christopher Kolumbus hat 1493 bei der Entdeckung Amerika 11 Inseln in der Karibik in Anlehnung an die Ursula-Legende "Jungfraueninseln",
 

benannt. Auf den meisten Darstellungen ist sie mit einem Pfeil zu sehen. Häufig ist im Hintergrund ein Schiff sowie die Silhouette der Stadt Köln dargestellt. Festtag: 21.Okt.

Assistenzfiguren

St.Josef
Die aus dem 18.Jh. stammenden Assistenzfiguren am rechten Seitenaltar stellen
- den hl.Josef mit dem Jesuskind auf dem Arm (links) und 
- die hl.Katharina (rechts) mit Krone auf dem Haupt (sie war Königstochter) und dem zerbrochenen Marterrad zu ihren Füßen dar Die Sstammen aus dem 18.Jh.
08)
Hinweise: Joseph war der Vater Jesu - oder Ziehvater Jesu, da nach altchristlicher Überzeugung Jesus der Sohn Gottes ist und durch den Heiligen Geist im Schoß der Jungfrau Maria gezeugt wur-de. Joseph stammte aus dem Geschlecht des Königs Davids, aus dem nach dem Zeugnis des Alten Testaments der Messias hervorgehen werde. Er lebte als Zimmermann in Nazareth. Festtag: 19.3.

St.Katharina
  Katharina, die Königstochter aus Zypern, ist eine legendäre Gestalt. Sie soll im Jahr 306 wegen ihres
Glaubens und ihrer großen Überzeugungskraft ausgepeitscht und gerädert und -als das Rad zerbrach- enthauptet worden sein. Seit dem ausgehenden Mittelalter gehört sie zu den beliebtesten Heiligen und wurde deshalb im 15. Jh der Gruppe der 14 Nothelfer (Patronin der Theologen, Lehrer und Frisöre; Helferin bei Migräne) zugerechnet.
Festtag: 25.November


Kanontafeln

Auf dem Choraltar und den Seiten-altären stehen noch die alten neubarocken Kanontafeln. Sie dienten früher als Hilfe und Gedächtnisstütze für die zelebrierenden Priester. Die Tafeln enthalten die vom Zelebranten zu sprechenden gleichbleibenden (lateinischen) Texte der Messe im alten Tridentinischen Ritus. Während der Messe waren sie an die Leuchter bzw. an den Tabernakel gelehnt, damit der Priester die Texte gut ablesen konnte.

     Die Tafeln in Riedenzhofen besitzen kunstvolle Rahmen aus getriebenem und versilbertem Messingblech, die Mitte 19. Jh. angefertigt wurden. Die Rahmen umgeben einen Holzkern, auf den ein kolorierter Druck (37 x 36 bzw. 24 x 25 cm) geklebt ist. Die Drucke stammen der Signatur nach aus Augsburg (Josef Simon Huep ?) und aus München (Heinrich Theodor Sumpt, 1736).


Die beiden äußeren der drei Kanontafeln sind mit Hochformat, die mittlere, vor dem Tabernakel stehende, im Querformat gestaltet. In den Text der mittleren Tafel sind Kupferstiche eingearbeitet, die die Fußwaschung (linker Altar) und das Abendmahl (rechts) zum Inhalt haben.
Die Gebete sind nach dem jeweiligen Standort des Priesters bei der hl.Messe auf die Tafeln verteilt:
— Auf der Epistelseite (rechte Altarseite) steht die "Lavabotafel". Sie enthält die Texte die
    während der Handwaschung (=Lavabo) und
    während der Vermischung von Wein und Wasser im Kelch gebetet werden.
— Auf der großen Tafel in der Mitte stehen die Texte von Gloria und Credo, die Opferungs- und Kommuniongebete sowie die
    Wandlungsworte (Hochgebet).
— Die Tafel auf der Evangeliumsseite (links) enthält den Beginn des Johannesevangeliums (in principio erat verbum - im Anfang
    war das Wort), das -in Latein- stets nach dem Segen auf der linken Altarseite als Schlussevangelium verlesen wurde.

Die Kanontafeln gehörten bis zur Liturgiereform durch das 2.Vaticanische Konzil um 1965 zur Grundausstattung eines jeden Altars. Sie sind schon aus dem 13.Jh. bekannt; vorgeschrieben wurden sie im 16.Jh.


zur Beschreibung der Apostelkreuzezur Beschreibung der Apostelkreuzezur Beschreibung der Kreuzwegbilder zur Beschreibung der Kreuzwegbilder zur Beschreibung der Kreuzwegbilder Zelebrationsaltarzur Beschreibung der Apostelkreuzezur Beschreibung des Lantpertbildes



Apostelkreuze

Über die ganze Kirche verteilt sind Apostelkreuze auf die Wände aufgemalt. Apostelleuchter fehlen. Die Kreuze waren über eine längere Zeit überweißelt und wurden erst 1946 bei Renovierungsarbeiten unter der Tünche entdeckt. Im Inneren des Kreises befindet sich ein gleichschenkliges gelbes Kreuz (ähnlich Templerkreuz); aus den Zwickeln der Kreuzesbalken enfalten sich rote Lilienblüten. Lilien und Kreuz sind ein beliebtes Ziermotiv bei Apostelkreuzen. Sie symbolisieren Schöpfung und Erlösung. 19)
Die (üblicherweise zwölf) Apostelkreuze erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlischen Jerusalems.

Apostelkreuz

 

Kreuzwegbilder

Die Bilder der Kreuzwegstationen (Ölfarbe auf Leinwand, Größe 78 x 62 cm) im marmoriertem Holzrahmen wurden um 1840 gemalt. Sie sind zwar nicht signiert, werden aber aufgrund ihres Malstils dem Dachauer Maler Anton Huber zugeschrieben, der um diese Zeit in vielen Dachauer Kirchen gewirkt hatte. 
Ob dies tatsächlich so ist, scheint mir nicht sicher.
Pfarrer Steinberger schreibt nämlich in seiner Chronik, dass 1879 ein Kreuzweg vom bischöflichen Hofmaler Johann Baptist Deyrer (1738-1789) die Kirche in Riedenzhofen "zierte".

Dieser Kreuzweg von 1879 war 100 Jahre vorher von Pfarrer Joh.Bapt. Graf Edling (1779-1791) für Vierkirchen angeschafft worden. Vielleicht wurde der jetzige Kreuzweg erst später erworben. Dafür spricht auch eine Bemerkung im Inventarverzeichnis von 1871, in dem die Kreuzwegbilder als "sehr schlecht" eingestuft werden. Diese negative Bewertung kann sich nicht auf die vorhandenen Bilder beziehen.

Der erste Kreuzweg wurde in Riedenzhofen übrigens durch Pfarrer Gröbmayr um 1760 eingeführt. Bis zu diesem Zeitpunkt waren Kreuzwegstationen nur außerhalb von Kirchenräumen üblich.

Als Kreuzweg werden die aufeinanderfolgenden bildlichen oder plastischen Darstellungen bezeichnet, die meist aus vierzehn Stationen der Leidensgeschichte Jesu, angefangen von der Verurteilung durch Pilatus bis hin zur Grablegung, bestehen. Seinen Ursprung hat der Kreuzweg im Brauch der Pilger, bei Wallfahrten nach Jerusalem den Leidensweg Jesu auf der "Via Dolorosa" nachzugehen. Im späten Mittelalter wurde die Kreuzverehrung insbesondere durch den hl.Franziskus von Assisi gefördert, der durch die Stimme des Gekreuzigten vom Kreuz in St.Damiano zu einem christlichen Leben bekehrt wurde. Seit dieser Zeit wurden Kreuzwegandachten als Ersatz für die Pilgerfahrt ins Heilige Land abgehalten. Die Stationen bildeten dafür die Leidensstätten Jesu nach. Auf diese Weise konnte der letzte Weg Jesu vor Ort nachgegangen und sein Leiden anschaulicher betrachtet werden. Kreuzwegdarstellungen in Deutschland entstanden erstmals in und bei Klosterkirchen, auf Anhöhen und bei Wallfahrtsorten, insbesondere in der Nähe von Franziskanerklöstern. Mit der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert hielten sie als Kreuzwegbilder Einzug in die Innenräume der Pfarrkirchen und verbreiteten sich zunehmend. Papst Clemens XII. erkannte im Jahr 1731 mit seinem Breve Unterweisungen über die Art, wie man den Kreuzweg abhalten soll diese Form des Kreuzwegs als kanonisch an und bedachte ihn mit großzügigen Ablässen.

1. Station
Jesus wird von Pilatus zum
Tode verurteilt
2. Station
Jesus nimmt
das Kreuz
auf seine Schultern
3. Station
Jesus fällt
zum ersten Mal
unter dem Kreuze
4. Station
Jesus begegnet
seiner
Mutter Maria
5. Station
Simon v.Cyrene
hilft Jesus
d. Kreuz tragen
6. Station
Veronika reicht
Jesus das
Schweißtuch dar
7. Station
Jesus fällt
zum zweiten Mal
unter dem Kreuze
8. Station
Jesus tröstet
die weinenden
Frauen
9. Station
Jesus fällt
zum dritten Mal
unter dem Kreuze
10. Station
Jesus wird seiner
Kleider beraubt
11. Station
Jesus wird ans
Kreuz geschlagen
12. Station
Jesus
stirbt am Kreuz
13. Station
Jesus wird
vom Kreuz
abgenommen
14. Station
Jesus wird
ins Grab gelegt

Wenn Sie sich eine Zusammenstellung von Kreuzwegbildern aus den Kirchen des Dachauer Landes ansehen und mehr über die Geschichte des Kreuzwegs erfahren möchten, klicken Sie hier...


 
Kreuzigungsgruppe

An der linken (nördlichen) Seitenwand hängt eine barocke Kreuzigungsgruppe, bestehend aus einem Kruzifix (18.Jh) und einer darunter stehenden Mater dolorosa (19.Jh). 08)
Die Proportionen zwischen beiden Elemente sind nicht stimmig. Die Gruppe wurde auch erst später zusammengestellt. Die 1,80 hohe Muttergottesfigur stand früher in der Pfarrkirche in Röhrmoos. Weil sie dort als zu groß empfunden wurde, hat man sie im Jahr 1928 mit der damaligen Mater dolorosa von Riedenzhofen getauscht. Die .... in der Filiale Riedenzhofen war offensichtlich zweitrangig. Heute steht die Muttergottesfigur aus Riedenzhofen nicht mehr unter dem Kanzelkreuz von Röhrmoos, sondern ist als Einzelfigur an der Seitenwand des dortigen Kirchenschiffs angebracht. Dies ließe an einen Rücktausch denken.

Kruzifix: Der Corpus Jesu ist mit vier Nägeln ans Kreuz geheftet. Es wird deshalb auch Viernagelkreuz genannt. Meist sind bei barocken Kruzifixen die Füße -übereinander gelegt- mit nur einem Nagel befestigt. Diese Kreuze werden auch als Dreinagelkreuze bezeichnet. Jesus ist bereits tot, wie an der Seitenwunde zu erkennen ist; sie wurde ihm von den Soldaten zugefügt, um den Tod zu bestätigen. Jesus trägt eine Dornenkrone; das Haupt ist von einem dreistrahligen Heiligenschein umgeben. Das (vergoldete) Lendentuch ist zu einem großen Knoten auf der rechten Seite gebunden. Der Leib besitzt eine Inkarnatfassung, die Wunden sind zurückhaltend aufgemalt.


Kanzelkreuz-Gruppe

Mater dolorosa
: Die Muttergottesfigur ist jünger als das Kruzifix: sie stammt aus dem 19.Jh. Darauf weist schon ihr prächtiger Sternenmantel hin. Auf dem Haupt trägt sie eine barocke Krone. Zudem ist es mit einem ausschweifenden Heiligenschein umgeben. Ihre Hände sind in Trauerhaltung verschränkt; dies unterstützt den leidenden Gesichtsausdruck. Das üblicherweise angebrachte Schwert der Schmerzen fehlt. Auf dem Sockel, auf dem die Marienfigur steht, sind die Buchstaben IHS gemalt, das Zeichen für Jesus, den Erlöser.

 

Kirchenbänke

Die Kirchenbänke (links 7, rechts 4 Reihen) stammen aus dem Jahr 1935. Sie wurden von Schreinermeister Johann Pletzer aus dem Ortsteil "Station Röhrmoos" gefertigt.

Vortragekreuz

An den Kirchenbänken ist manchmal eine Kreuzstange (Vortragekreuz) aus dem Anfang des 20.Jh befestigt. Die Kreuzbalken enden dreipassförmig. Der Korpus auf dem Kreuz ist gegossen. 08) Er ist von einem großen Strahlenkranz umgeben.



Lantpertbild

An der rechten Seitenwand hängt ein großes Bild des Kirchenpatrons St. Lantpert. Der Heilige wird hier, wie auf vielen anderen Abbildungen, als betender Bischof dargestellt. Dies steht im Zusammenhang mit der (erst im 15.Jh. entstandenen) Legende, der Heilige habe bei einem Einfall der räuberischen Ungarn zu Gott gebetet, er möge den Freisinger Dom in Nebel zu hüllen, damit die Feinde ihn übersehen. Als dies geschah, war Freising gerettet.

Auf dem Gemälde steht links hinter St.Lantpert der Freisinger Dom auf einer Anhöhe, von einem Nebelkranz umgeben. Das Bild ist eine detailgetreue Kopie eines Lantpertgemäldes im Freisinger Fürstengang. Das wiederum lehnt sich an eine Miniatur im Reliquiar des Heiligen im Freisinger Dom an, die von Schwester Katharina Kreitmayr um 1700 gemalt wurde.


St.Lantpert


W
eihwasserbecken

Das fünfeckige Weihwasserbecken stammt wohl 19. Jh. Es besteht aus heller Marmor (Durchm. 17,7 cm).



E
mpore und Orgel
Auf der Empore steht eine elektronische Orgel der Marke Farfisa (eine sog. Spinett-Orgel). Solche Orgeln wurden früher auch in der Popmusik verwendet (Pink Floyd). Das Instrument in Riedenzhofen besitzt zwei Manuale mit je vier Oktaven; die Manuale sind um eine Oktave versetzt. Zusätzlich verfügt sie über ein Stummelpedal. Die Tonerzeugung ist noch analog. Sie dürfte aus den 1980er Jahren stammen.



Heiliges Grab

Seit 1990 wird am Karfreitag ein Heiliges Grab in der abgedunkelten Kirche aufgebaut. Das Bild unten (Vergrößerung durch Klicken) stammt aus dem Jahr 2017.
In Riedenzhofen besteht keine nachweisbare Tradition des Heiligen Grabes. Ein solches "Spectaculum sacrum" war früher in der Pfarrkirche Röhrmoos aufgerichtet. Pfarrer Allram hat bei der Wiedereinführung des Brauches die Kirche von Riedenzhofen gewählt, weil dort keine Kar- und Osterliturgie gefeiert wird und deshalb mehr Zeit für den Auf- und Abbau zur Verfügung steht.

Heiliges Grab 2017
Am oberen Rand der von Blumen umgebenen Kulissen ist die Aufschrift "Hinabgestiegen in das Reich des Todes" zu lesen. Darunter sieht man durch eine halbrunde Öffnung den Leichnam Jesu im Grabe liegen. Davor sind auf einer Mauer die zu jedem Heiligen Grab gehörenden farbigen Glas-kugeln angebracht; sie tauchen den Kirchenraum in ein mystisches Licht. Vor dem Grab sitzen bzw. liegen als Gemälde auf den seitlichen Kulissenteilen zwei römische Wachsoldaten.

Hinweis: Die ersten Heiligen Gräber entstanden durch Wallfahrer, die aus dem Heiligen Land zurückkehrten und daheim Nachbil-dungen des historischen Grabes errichteten. Eine Hochblüte erlebte der Brauch in der durch das Konzil von Trient (1545-63) eingeleiteten Gegenreformation. Die Jesuiten sahen im Heiligen Grab ein "spectaculum sacrum", ein heiliges Schauspiel, das für die Gläubigen das Heilsgeschehen eindrucksvoll veranschaulichte. Spectacula sacra waren in der ganzen Barockzeit ein beliebtes Mittel der Glaubensverkündigung.
Die Kulissen heiligen Gräber wurden im Laufe der Zeit immer größer. Es entstanden fantastische Scheinarchitekturen mit biblischen Landschaften, mit Engeln und Wachsoldaten; im Zentrum Felsengrotten, in die man eine Figur von Christi Leichnam legte. In manchen Pfarreien standen fromme Bürger, als römische Soldaten oder als Engel verkleidet, am Grab.

In der Zeit der Aufklärung und der Säkularisation (ca. 1780-1820) wurde das spectaculum sacrum verboten. Doch staatliche Verbote haben in Glaubenssachen meist keine große Wirkung. Ab der Mitte des 19.Jh. lebte der Brauch wieder auf und führte zu einem neuen Höhepunkt; die Pfarreien wetteiferten miteinander in der prunkvollen Ausgestaltung. Bis nach dem 2.Weltkrieg gab es auch in der Pfarrkirche Röhrmoos ein Heiliges Grab. In der Pfarrchronik ist zu lesen, dass "im Jahre 1952 in Röhrmoos ein neues Hl. Grab aufgestellt wurde. Das bisher benützte Hl. Grab in Röhrmoos ist schon so alt und abgenützt, daß es keine Zierde mehr ist und zudem in den letzten Jahren stets in Gefahr war, einzustürzen". Erst nach dem 2.Vatikanischen Konzil (1962-65) kam der Brauch zum Erliegen, weil er nicht mehr zur neuen Liturgie der Kartage passte. Leider wurden damals viele der Kulissen verbrannt oder entsorgt. Denn in den letzten Jahren werden in den vielen Kirchen wieder Heilige Gräber aufgestellt. Wenn auch die kunsthistorischen Gründe für die Renaissance des Brauchs überwiegen, so kommen doch am Karfreitagabend und Karsamstag Vormittag viele Gläubige in die Kirche, um sich in dieser, alle Sinne berührenden Umgebung, in das Leiden und Sterben Christi zu vertiefen.

In den ersten Jahren war hinter dem hl.Grab als Ersatz für die fehlenden Hintergrundkulissen eine große Leinwand mit aufgemaltem leeren Kreuz und den Leidenswerkzeugen (Arma Christi) angebracht. Sie erzählen gegenständlich die Passionsgeschichte nach. Zu sehen sind

— ein Beutel mit Silberlingen des Judas (Matth. 26,14-16)
— das Schwert des Malchus bei der Gefangennahme Jesu auf dem Ölberg (Matth. 26,51)
— Hahn, der im Hof des Hohepriesters bei der Verleugnung des Petrus dreimal krähte (Matth. 26,74)
— Geißelsäule und Geißel (Matth. 27,26)
— Spottmantel (Matth. 27,28)
— Dornenkrone, als Spottversion der Königskrone (Matth. 27,29)
— Rohrkolben als Spottversion des Zepters (Matth. 27,29)
— um Nägel, Hammer, Beißzange und Leiter als Werkzeuge für die Kreuzigung
— das ohne Naht gewebte Untergewand Jesu (Joh.19,23)
— Würfel der Soldaten, die auf Golgatha um den Rock würfelten (Joh.19,23)
— das Täfelchen, auf dem die Schuld geschrieben war (INRI-Jesus v.Nazareth Rex Judaeorum)
— Krug mit Essig -mich dürstet- (Joh.19,29)
— Ysopstange, die in das Essigwasser getaucht und zu Jesus hinaufgereicht wurde (Joh.19,29)
— das Symbol der Sonne, die sich nach dem Tod verdunkelte. (Mk, 15,33)
— Lanze des Soldaten Longinus, mit der die Seite des toten Jesu geöffnet wurde (Joh.19,34)


Heiliges Grab 2003

Vor das Heilige Grab stand damals auch eine Osterkerze als Symbol für den weiteren Weg Christi, die Auferstehung am Ostersonntag.

Wenn Sie sich die übrigen noch bestehenden "Heiligen Gräber" in den Kirchen des Landkreises anschauen wollen, klicken Sie hier....


Reliquienmonstranz 08)

Die Kirche St. Lambert in Riedenzhofen besitzt ein Reliquiar in Form einer Kreuzmonstranz. In der Mitte, am Schnittpunkt der Kreuzbalken ist ein Schaugefäß eingefügt, in dem Reliquien des Heiligen "S. Andreae Cors" ausgestellt sind. Das in der 2.Hälfte des 19.Jh. entstandene Reliquiar ist mit vielen neugotischen Schmuckelementen, wie dreipaßförmigen Kreuzbalkenenden oder Blattornamente, gestaltet. Der Fuß ist rund, der Nodus blütenförmig. Das 37 cm hohe Reliquiar wird nicht mehr in der Kirche aufbewahrt.
Der heilige Andreas Corsinus, von dem die Reliquie stammen soll, war Mitte des 14.Jh. Bischof von Florenz. Er gehörte zu einer der führenden Familien der Stadt, die zahlreiche Richter, Politiker, Diplomaten, Prälaten und führende Persönlichkeiten des Geistesleben stellte. In der ersten Lebenshälfte war er Mönch und Provinzial des Karmeliterordens in der Toskana. 1349, im schlimmen Pestjahr, wurde er zum Bischof geweiht. Er kümmerte sich ausgiebig um die Kranken. 1373 starb er im Ruf der Heiligkeit. Sein in der Karmeliterkirche von Florenz begrabener Leib soll bis heute nicht verwest sein. 1440 wurde er selig- und 1629 heiliggesprochen. Sein Festtag ist der 6.Januar.
Eine ausführlichere Beschreibung des hl.Corsinus finden Sie im im aktuellen "Ökumenischen Heiligenlexikon" oder im "Ausführlichen Heiligenlexicon" von 1719 (!), das auch auf Legenden Wert legt
20) .

Hans Schertl

Quellen:
01) Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
02) Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874
03) Mathias Steinberger, Die Pfarrei Vierkirchen, 1879 S. 36
04) Bezold/Riel, Kunstdenkmale des Königreichs Bayern, 1895
05) Theodor Bitterauf, Die Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (Nr.768, 916, 1049)
06) Amperbote vom 30.4.1935 (Fenstergemälde)
07) Niklas/Endres, Pfarrchronik Röhrmoos 1933-1953
08) Kunsttopographie des Erzbistums München und Freising, um 1982
09) Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres 1560, 1986
10) Josef Mass, Geschichte des Erzbistums München und Freising, 1986 (St.Lantpert)
11) Robert Böck, Kirchenrechnungen Landgericht Dachau, 1996 (Langhausanbau 1721, 30jähr)
12) Bürgerinformationen Gemeinde Röhrmoos,1997
13) Unser Dachauer Land, Heimatbeilage der Dachauer Nachrichten vom 26.27.6.99
14) Dachauer Nachrichten 13.9.2002
15)  Karl Meichelbeck, Historiae Frisingensis, Teil 1, Anno Domini 724-1224, Seite 138, herausgegeben Augsburg 1724
16) Karl Grüner, "Unten bauchig, oben spitz", Münchner Kirchenzeitung, v. 25.9.2005 und vom 2.10.2005
17) Röhrmooser Heimatblätter 2010 (Brunnenfigur)
18) Münchner Kirchenzeitung vom 25.3.2015 (Historik Hl.Grab)
19) Pfr. Josef Mayer, KLB-Gottesdienst in Jedenhofen, am 30.12.2011 (Lilien u.Kreuz)
20) Heiligenlexicon von 1719. Vollständiger Titel: "Heiligenlexicon darinn das gottseelige Leben und der Tugend-Wandel,
das standhaffte Leyden und Sternben, und die grossen Wunderwercke aller Heiligen Gottes, so von der H.Kirche verehret werden, und in den vollständigsten Collectionibus von Actis Sanctorum enthalten sind, am Heyl, Trost, Exempel und Lehre aller frommen Christen, die um ihrer Seelen Nutzen bekümmert sind, in Alphabetischer Ordnung beschrieben werden, nebst beygefügtem Heiligenkalender zu täglicher Andacht und Betrachtung des Lebens der Heiligen nützlich eingerichtet"
Cölln und Franckfurt, 1719
21) Liebhart/Pölsterl, Die Gemeinden des Landkreises Dachau, Bd 2der Kulturgeschichte des Dachauer Landes, 1991
22) Internetseite Gemeinde Röhrmoos
23) Dr.theol. Caspar Erhard, Grosse Hauß-Legend der Heiligen Historische, klare und ausführliche Beschreibung von Thaten
         und Leben der lieben Heiligen, Augspurg 1755 S.707
24) Die Geschichte des heiligen Berges Andex und des hochw.Schatzes, welcher dort aufbehalten wird, 1800, S. 71
25) Ökumenisches Heiligenlexikon, St.Achatius, Zugriff 2017
26) Dr Heisig, Kunstreferat des Ordinariats München und Freising, Kunstfahrt 2014 (Zelebr ersetz Hochaltar)


67 Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

27.11.2017

Pfarrer Mathias Steinberger
Die Pfarrei Vierkirchen 1879
Auszug aus der Pfarrchronik: Abschnitt: 12. Riedenzhofen

Wer von Vierkirchen aus durch die südwestlich gelegene Waldung geht, kommt nach ungefähr 3/4 Stunden zum Dorfe Riedenzhofen. Dasselbe ist uralt. Bei Meichelbeck kommt es unter dem Namen "Hruodineshofen" schon zwischen 784 und 810 unter Bischof Atto vor. In den Indersdorfer Urkunden ist auf einem der Kaufbriefe vom 10. November 1486 unter Anderen auch ein Hs.Oettl v. Rüdentzhofen als Zeuge aufgeführt.
In Riedenzhofen befand sich auch seit uralten Zeiten ein dem hl.Lampert, Bischof von Freising, geweihtes Kirchlein. Dasselbe dürfte wohl durch das jetzige, im Stile des 17. Jahrhunderts erbaute und vor drei Jahren restaurirte Kirchlein ersetzt worden sein.
Die Restaurationskosten dafür beliefen sich auf ungefähr 2500 Mark und wurden fast ausschließlich durch die Opferwilligkeit der Dorfbewohner aufgebracht.
In dessen Kuppelthurme befinden sich zwei Glöcklein, von denen eines die Zahl 1837 und die Worte: "M.Hubinger in München goß mich" als Umschrift trägt. Um die Kirche herum ist auch ein für die dortige Bewohnerschaft berechneter Friedhof angelegt und ist deßhalb der jeweilige Pfarrer gehalten, allwöchentlich an einem beliebigen Tage eine hl.Messe zu halten.
Sonntagsgottesdienst ist daselbst nur einmal im Jahre und zwar am Sonntage nach St.Lampert, an welchem das Patrociniumsfest gefeiert wird.
Das Dorf, welches in 14 Häusern ungefähr 90 Bewohner zählt, gehört zur politishen Gemeinde Röhrmoosen undsind dorthin auch die Kinder eingeschult.


Primizfeier von HH. Lamprecht aus Riedenzhofen


1. Bericht von Pfarrer Josef Niklas in der Pfarrchronik

In diesem Jahr hatte die Pfarrei das Glück einer Primiz. Der "Bauernschmid"-Sohn Josef Lamprecht von Riedenzhofen empfing am 5.5.1935 im Dom zu Freising vom H.H. Kardinal Erzbischof Dr. Michael von Faulhaber die Hl. Priesterweihe.
Am Montag, den 6.5.1935 bereitete ihm sein Heimatdorf Riedenzhofen einen festlichen Empfang an dem sich die ganze Pfarrgemeinde beteiligte. Reiter, Chaisen, Vereine holten den Neugeweihten am Bahnhof Röhrmoos ab. Am 19.5.1935 geleiteten ihn die Pfarrangehörigen vom Elternhaus herüber nach Röhrmoos, wo im schönen Reindlhof der Primizaltar vom Gärtenispektor Furtner der Anstalt Schönbrunn künstlerisch aufgebaut war.
Die Anstalt Schönbrunn stellte die Paramente, die Blumen und nicht zuletzt den von H. Dr. Josef Steinbacher, praktischer Arzt, geleiteten Chor der Sänger und Instrumentalisten. Primizprediger war der Bruder des Reindlbauern, H.H. Prälat Dr. Joh. B. Westermayr, Regens des Klerikalseminars in Freising. Als Thema behandelte er das hl. Meßopfer.
Folgende Geistl. Herren waren anwesend: Geistl.. Rat. Erhard Lex, Dekan Franz v. Paul Ebert, Pfarrer in Giebing; Kämmerer Dr. Franz Zauner, Pfarrer in Petershausen; g. R. Direktor Jos. Steininger von Schönbrunn; Johannes Angermair, Pfr. von Großinzemoos; Andreas Brädl, Pfr. von Vierkirchen; Adolf Eckel, Pfr. von Indersdorf; Ludwig Moll, Pfr. von Arnbach; Weissinger, Pfr. von Walkertshofen; Aretner, Pfr. v. Kollbach; Fr. Dobler, Pfr. v. Ampermoching; Kaplan Hillr..... (aus Esterhofen daheim,) in München, Hl. Kreuz Giesing; Benefiziant Alois Hecker von Unterweilbach; Albert Kr.....mayr, Pfr. v. Pellheim.

Die Primiz nahm einen sehr schönen Verlauf. Leider war das Wetter sehr kalt und stürmisch. Die ganze Woche vorher war die denkbar schlechteste Witterung. Seine erste Anstellung erhielt unser Primiziant in Aufkirchen a.d. Maisach. Noch vor Weihnachten war er nach Allershausen, Bez. Amt Freising, versetzt. Der Herr Primiziant Lamprecht stiftete für die Pfarrkirche, für die Filialkirchen Riedenzhofen und Sigmertshausen je ein Missale. Für Riedenzhofen schenkte er ein Kästchen mit Reliquien des Kirchenpatrons des Hl. Lampert, Bischofs von Freising, und ein Bild eben dieses Heiligen für den Hochaltar.

2. Feierlicher Empfang des Hochwürden Herrn Primizianten in Röhrmoos
Amperbote vom 10.5.1935

Einen überaus herzlichen Empfang bereitete die Ortschaft Riedenzhofen gemeinsam mit der Pfarrgemeinde Röhrmoos ihrem Hochwürden Herrn Primizianten Josef Lamprecht am Montagnachmittag. Es wird dieser feierlicher Empfang, den Kirchenpfleger Xaver Hintermeier unermüdlicher Arbeit vorbereitet hat, für immer in der Geschichte Riedenzhofen, dessen letzte Primizfeier ca. 100 Jahre zurückliegt, ein Ruhmesblatt bleiben.
Während noch am Sonntag selbst von allen, die nicht nach Freising zur Priesterweihe gefahren waren, die letzten Vorbereitungen getroffen wurden, ruhte am Montag alle Arbeit, alles war in freudiger Erwartung. Schon in den Mittagsstunden des prächtigen Maitages, der so recht zu der festlichen Stimmung passte, trafen die Bauernsöhne auf ihren schön geschmückten Pferden an der Station ein, wo die Arbeiter von Georg Bücherl, meistens Schulkameraden des Primizianten, einen prächtigen Triumphbogen errichtet hatten. Der Bahnvorstand Daser hatte mit dem Bahnpersonal dem Bahnhof ein seltenes Bild gegeben. Immer mehr Menschen versammelten sich am Bahnhof. Nicht nur von der Pfarrei Röhrmoos, sondern auch aus den umliegenden Pfarreien Vierkirchen, Großinzemoos, Weichs und Niederroth waren Teilnehmer gekommen und Kirchenpfleger Hintermeier hatte alle Hände voll zu tun, alles so zu ordnen, dass der Empfang zu einer würdigen Feier gestaltet wurde.

Als der Zug endlich einlief, wurde der aussteigende Primiziant von Hochwürden Herrn Pfarrer Niklas, Bürgermeister Sigl und Bahnvorstand Daser gleich empfangen und begrüßt. Am Bahnhof selbst wurde der Primiziant vom Ortsvertreter Heinzinger begrüßt. Geleitet vom Pfarrherrn, den Gemeindevertretern, den Eltern und Geschwistern, trat der neue Priester aus dem Bahnhof, um den für ihn überraschend kommenden Anblick der gewaltigen Kundgebung zu erleben. Die weihevolle Stimmung, die über der ganzen Veranstaltung lagerte, ergriff ihn wie auch alle Teilnehmer sichtlich. Der nachbarliche Freund des Neupriesters, Leonard Mair aus Riedenzhofen, hatte es sich nicht nehmen lassen, den Primizianten selbst in seiner Chaise in die Heimat zu bringen.
Unter Leitung von Kirchenpfleger Hintermeier setzte sich dann der imposante Zug in Bewegung, eröffnet von Jakob Zollbrecht auf seinem Schimmel. Ihm folgten die Reiter auf geschmückten Pferden, die Chaisen in langer Reihe, hierauf die Vereine mit ihren Fahnen. So ging es um die Station Röhrmoos herum und dann zur Heimat des jungen Priesters nach Riedenzhofen, von dessen Kirchturm herab die Glocken ihm entgegengrüßten.
Am Kirchlein angekommen grüßten die beiden weiß gekleideten Töchter des Gendarm-Kommissärs Thumann den Primizianten mit einem sinnigen Gedicht. Hochwürden Herr Fahrer Niklas hielt dann eine tief zu Herzen gehende Ansprache, in der er schilderte, wie ein junges Büblein aus dem Elternhaus Abschied nahm, um zu studieren, weil er den Beruf in sich fühlte, Diener im Weinberg des Herrn zu werden. In fleißigem Studium hat er dieses Ziel erreicht und hat am Sonntag durch des Bischofs Hand die Priesterweihe erhalten. Er betonte die Freude der Heimat darüber, dass einer ihrer Söhne Gesalbter des Herrn ist und bat den Primizianten um den Erstlingssegen.
Nachdem der Neupriester den Primizsegen erteilt hatte, ergriff er das Wort, aus übervollem Herzen seiner Heimat Dank zu sagen für das überwältigende Ereignis des festlichen Empfangs, mit welchem alle seine Erwartungen weit übertroffen wurden. Zu tiefst ergriffen klang seine kurze Ansprache in herzlichsten Dank für dieses Ereignis aus. Eine vom Primizianten an dem vor der Kirche errichteten Altar gehaltene Segensandacht schloss die herrliche Feier, die für Röhrmoos und Riedenzhofen etwas Einmaliges bedeutet. Im Gasthof Winklmair nahm der Primiziant inmitten seiner Angehörigen eine kleine Erfrischung zu sich, um dann in sein Elternhaus zurückzukehren. Freudig die stimmt über das Erlebte aber kehrten die Teilnehmer am festlichen Primiziantenempfang wieder heim.

3. Bericht von der Primizfeier
Amperbote vom 21.05.1935

Mit bangen Zweifeln hinsichtlich des Wetters erlebte die ganze Pfarrgemeinde Röhrmoos die vergangene Woche. Wird es möglich sein die Primizfeier im Freien zu halten oder sind alle Vorbereitungen dazu vergebens? Das war die allgemeine Frage. Und der Optimismus, mit dem die letzte Vorbereitung getroffen wurde, fand seine Belohnung. Wenn es auch kein strahlend schöner Tag wurde, so war man doch voll zufrieden, dass der nasse Segen von oben ausblieb.

Ein Triumphbogen grüßte schon am Ortseingang von Riedenzhofen, der Heimat des Primizianten, die vielen Gäste, die am Sonntag dem Ort zustrebten. Jedes Haus hatte zu diesem Tag Festschmuck angelegt. Vor dem Elternhaus des Primizianten hatten mit Hunderten von Gästen die weißgekleideten Mädchen, die Schulkinder, die Freiwillige Feuerwehr, die Burschenvereine von Röhrmoos und Sigmertshausen, sowie der Veteranen- und Kriegerverein Röhrmoos Aufstellung genommen, um den Primizianten mit dem Klerus über die schönen Fluren zum Pfarrdorf Röhrmoos zu geleiten. Das Primiziantenbräutchen, die kleine Reischl, zum Bründler, mit der Myrthtenkrone auf einem Kissen, widmete dem Primizianten beim Austritt aus dem Elternhaus einen frohen Gruß aus Kindermund.
Unter dem Schall der Glocken vom Heimatkirchlein gings nach Röhrmoos, wo im schönen Reindlbauernhof der Altar, die Kanzel und das Podium für das Orchester und den Kirchenchor errichtet waren. Bauer Westermayer hatte seinerseits das Menschenmögliche getan, um mit Gartenbauinspektor Fottner von der Anstalt Schönbrunn und den Angehörigen der Pfarrei der Primizfeier einen hochfestlichen Rahmen zu geben. Unter Böllersalut erfolgte der Einzug in den großen Hofraum, wo der frühere Pfarrherr von Röhrmoos, HH. Geistlicher Rat Lex, ferner HH. Dekan Ebert, HH. Kammerer Dr. Zauner und verschiedene hochwürdige Herren den Neupriester empfingen, der begleitet war von Hochwürden Herrn Pfarrer Niklas, der sich um die schöne Durchführung der Feier verdient gemacht hat, sowie von HH. Subregens Seminardirektor Dr. Westermayr, ein Sohn des Dachauer Landes, und vom Diakon HH. Primizianten Wilhelm Bayerl und Subdiakon Huber aus Strassbach.

Für die Festpredigt nahm der Festprediger HH. Direktor Dr. Westermayr das hl. Messopfer zum Inhalt. Er erinnerte an den blutigen Opfertod Jesu, der seine Erneuerung findet im hl. Messopfer. Der Prediger betonte, dass die Besucher der Messe diese nicht mitlesen, sondern mehr mitbeten sollten, um so teilzuhaben an dem Opfer des Priesters. Er ermahnte die Gläubigen, auch an den Werktagen an der hl. Messe teilzunehmen. Nach der Predigt erteilte der Primiziant den Primizsegen, um dann zum Altar zu treten und sein erstes Messopfer zu feiern. Während der Neupriester so zum ersten mal in seiner Heimatpfarrei die hl. Messe hielt, führte der Chor und das Orchester von Schönbrunn die wundervolle Nicolaimesse auf, die unter Dr. Steinbachers meisterhafter Stabführung sich für Röhrmoos zu einem Erlebnis gestaltete. Schon beim Einzug war der Primiziant vom Chor mit einem weihevollen Gesang empfangen worden. Das feierliche Tedeum, von allen mitgesungen, und die nochmalige Erteilung des Primizsegens durch die beiden Primizianten beendete den Festgottesdienst.

Im fast überfüllten Büchersaal, dessen Pächter Osterauer zu aller Zufriedenheit seine zahlreichen Gäste bediente, fand das Mittagsmahl statt, während welchem HH. Subregens Dr. Westermayr an seinen lieben Schüler, den Primizianten Lamprecht recht herzliche Worte richtete und ihm die besten Segenswünsche mit auf den Weg gab. Später sprach dann auch der frühere Pfarrherr HH. Geistlicher Rat Lex zu seinem einstigen Schüler und Pfarrkind in warmen Worten.
Die Feier wurde noch verschönt durch Darbietungen von Kindermund. Niedermeier und Reischl von Riedenzhofen sprachen einige Verse, ebenso ein kleiner Neffe des Primizianten aus Allach. Der kleine Bub vom Schreiner Mair von hier überreichte mit sinnigen Worten aus einem Gabenkorb Geschenke und zuletzt behandelte die Hilde Eggl mit klarer fester Stimme in einem Gedicht die Würde des Priestertums. Der Primiziant brachte tiefgerührt seinen Dank an alle zum Ausdruck, die dazu beigetragen hatten, seine Primizfeier so schön zu gestalten, besonders aber HH. Pfarrer Niklas. Eine vom Primizianten vor ausgesetztem Allerheiligsten gehaltene Maiandacht beendete die schöne Primizfeier in Röhrmoos.

(Recherchiert von Hubert Eberl, Bergkirchen)

 

Renovierung der Pfarrkirche 1934
- Auszug aus der Pfarrchronik -

1934 klagte Pfarrer Niklas: "Das Innere der Riedenzhofener Filialkirche ist arg heruntergekommen. Ist sehr schade. Die Stühle und die Stuhlböden sind durchgefault, die Mauern total verfeuchtet. Die Ortskirchengemeinde ging auf den Vorschlag des Pfarrers ein, die Wände abzuschlagen, die Stühle zu beseitigen und das Gotteshaus das Jahr über austrocknen und auslüften zu lassen. Als weitere notwendige Arbeit wurde die Erneuerung der alten schadhaften und jeglicher Lüftungsanlage entbehrender Fenster ins Auge gefaßt, ferner die Anschaffung von Kirchenstühlen und das Tünchen des Innenraumes. Zur Finanzierung dieser Arbeiten erklärte sich die Ortsgemeinde bereit, fortan in den sog. "guten" Monaten, welche die Haupteinnahmen bringen, bei jedem Grundbesitzer 0,05 RM pro Tagwerk zu leisten".

1935 konnte Pfarrer Niklas verkünden: Die Kirche bekam neue Fenster, ausgeführt und eingebaut von Syrius Eberle Dachau. Er fertigte auch 6 Glasmedaillons. Die Kirche erhielt außerdem noch neue Stühle, welche Schreinermeister Johann Pletzer, Station Röhrmoos, zur vollsten Zufriedenheit gefertigt hat. Für den Fenstereinbau erhielten wir einen Preiszuschuß von RM 210".

Renovierung der Pfarrkirche 1946
- Auszug aus der Pfarrchronik - Eintrag vom 2. Dezember 1946 -

Planung
Im Juni 1946 besprachen sich Pfarrer und Gemeindemitglieder der Filiale Riedenzhofen zum ersten Mal über die Renovierung der Riedenzhofener Filialkirche. Herr Otto Wimmer, Faßmaler und Vergoldermeister in München, wurde ersucht, einen Kostenvoranschlag zu machen. Am 28. August 1946 erfolgte der Beschluß der Kirchenverwaltung Riedenzhofen, die Kirchenrenovierung nach dem Kostenvoranschlag von Herrn Wimmer in Angriff zu nehmen.
Bei einer Besprechung in der Wirtschaft Riedenzhofen am 7.10.1946, zu der alle Bewohner von Riedenzhofen geladen waren, zeigte sich eine große Bereitwilligkeit der Einwohnerschaft zur Mithilfe bei den Renovierungsarbeiten. Besonders eifrig setzte sich Herr Winklmair, Wirt in Riedenzhofen, für die Kirchenrenovierung ein, der auch in der Folgezeit viel Zeit und Arbeit für die Renovierung opferte. Der Kostenvoranschlag von Herrn Wimmer sieht 6442,90 RM Unkosten vor.
Große Schwierigkeit machte die Beschaffung von Kalk und Gold, sowie auch die Unterbringung und Verpflegung der Arbeiter (die Gastwirtschaft Riedenzhofen ist ja auch mit Flüchtlingen überbelegt). Die Bewohner von Riedenzhofen taten aber ihr Möglichstes und zwar ohne Murren. Eine Flüchtlingsfrau (Frau Knopp) schenkte zur Kirchenrenovierung ein ungarisches Goldstück, Herr Kooperator Lamprecht Josef (von Riedenzhofen gebürtig) schenkte ein deutsches 10.- Mark Goldstück, sodaß das zum Fassen der Figuren notwendige Gold nun vorhanden ist.

Renovierungsarbeiten
Am 15. Oktober 1946 wurde die Kirche unter Leitung von Herrn Georg Schmid, Riedenzhofen, eingerüstet; am 23. November 1946 war die Kirche, nachdem die Austünchung des Innenraumes vollendet war, wieder vom Gerüst frei. Nun kann es an die Renovierung der Altäre, Figuren und Bilder gehen. Beim Abtragen der Altaraufbauten stellte es sich heraus, daß die Seitenaltäre unter der Feuchtigkeit sehr stark gelitten hatten. Vor allem beim Seitenaltar auf der Epistelseite waren einzelne Holzteile so morsch, daß sie beim Anfassen in Staub zerfielen. Der aus Ziegelsteinen bestehende Unterbau der beiden Seitenaltäre war vollständig durchfeuchtet; er musste daher abgetragen und mit neuen Steinen aufgebaut werden.
Beim Abtragen des Unterbaues kamen in beiden Seitenaltären die Reliquienbehälter zum Vorschein, auf denen die Buchstaben F.F.F.S.R.I. und die Jahreszahl MDCCXXI eingraviert waren. Bisher hatte man vom Erbauungsjahr der Kirche und von der Konsekrierung der Altäre keine Kenntnis. Die Reliqueinbehälter wurden dem Erzb. Ordinariat übergeben. Beim Abkratzen der Wände kamen auch die Apostelkreuze wieder zum Vorschein.

Abschlussbericht
vom 30. Juni 1947
Seit einigen Wochen ist nun die Renovierung der Filialkirche Riedenzhofen vollendet. Das Werk ist gut gelungen. Die Renovierung wurde unter Aufsicht von Herrn Prof. Voraus (Landesamt für Denkmalpflege) vom Faßmaler und Vergoldermeister Otto Wimmer in München ausgeführt. Daß die Renovierung innerhalb einiger Wochen erfolgen konnte, ist der tatkräftigen Mitarbeit der Riedenzhofener Einwohner zu danken, die (obwohl schon mit Flüchtlingen arg belastet) den Arbeitern Verpflegung und Unterkunft gaben und auch selbst bereitwilligst Hand anlegten. Besonders eifrig zeigte sich der neue Kirchenpfleger, Herr Georg Reischl, der weder Zeit noch Mühe scheute, um die Renovierungsarbeiten vorwärtszutreiben. Dem vorbildlichen Zusammenwirken der Riedenzhofener Gemeinde muß das höchste Lob ausgesprochen werden.
Die Gesamtkosten der Renovierung betrugen 8535,27 RM. Davon erhielt Vergoldermeister Otto Wimmer 8151,32 RM, der Rest von 383,95 RM wurde für Material und Hilfsarbeiter ausgegeben. Zur Deckung der Unkosten gab das Erzb. Ordinariat (Diözesan-Steuerausschuß) 2042,77 RM, durch den Pfarrer in Röhrmoos erfolgte eine Zuwendung von 3000 RM. Der Rest der Unkosten in Höhe von 3492,50 RM wurde durch vorhandene Barmittel in der Kirchenkasse, durch freiwillige Gaben der Gläubigen und durch Einzehrung des Stiftungskapitals (2690.- RM) gedeckt.

Eine katholische Spielgruppe (Romanoff-Ensemble) führte am 7. November in der Anstaltskirche Schönbrunn Calderons Mysterienspiel "Die heilige Messe" auf. Die Darstellung war künstlerisch gut, würdig und sehr lehrreich. Der Besuch war sehr gut; für die Schuljugend wurde eine eigene Aufführung veranstaltet.


Erste urkundliche Erwähnung von Riedenzhofen um 856/60

Bischof Anno tauscht von dem Edlen Cotafrid
7 Morgen Land in Riedenzhofen gegen die gleiche Fläche in Glonn

Originaltext auf Pergament Transscripiton
 
In dei nomine. Placuit atque convenit inter venerabilem
  Annonem Frigisigensis ecclesie episcopum necnon et quendam
  nobilem virum nomine Cotafridum quandam communicationem
  facere sicut et fecerunt. Dedit itaque predictus laudabilis
  episcopus eidem nobili viro in loco qui dicitur Glana iugera VII
  cum consensu et coniventia canonicorum seu aliorom fidelium
  suorum etiam et per licentiam domni Hludouuici regis. Et
  econtra in reconpensatione horum iugerorum dedit isdem
  prefatus nobilis vir eidem prenominato venerabili episcopo
  proprietatis sue in loco qui dicitur ad Hruodineshouun equali
  equali nomero iugera VII. Unde duas..........
 
  .............................................ab altero accepit teneat atque pos
  sideat aevis feliciter temporibus.