zur Landkreiskarte         ausführliche Beschreibg.    Kirchen in der Gem.Vierkirchen

Pfarrkirche St. Jakobus in VIERKIRCHEN


Navi-Adresse : 85256 Vierkirchen, Gröbmaierstraße 4
Lage der Kirche auf der Landkarte ...


Kurzbeschreibung

Vierkirchen wird als Frohtkircha (Fichtkirchen) erstmals im Jahr 1119 bereits mit Kirche genannt.

Die Pfarrkirche St.Jakob der Pfarrei Vierkirchen ist im Wesentlichen ein Bau der Jahre 1763/65, nachdem die alte gotische Kirche 1759 wegen Baufälligkeit  eingestürzt war. Nur wenige Mauerreste des Turms konnten übernommen werden.
Der geräumige fünfachsige Saalbau von Anton Glonner wird von einem Tonnengewölbe überdeckt. Der Chor schließt halbrund.

Der im Grundriss quadratische Turm mit achtseitigem Aufbau auf der Südseite hat eine Zwiebel mit Laterne und Pyramidenspitze

Eine Besonderheit sind die Dreipassöffnungen über den vielen Rundbogenfenstern, die der Kirche viel Helligkeit geben. In der christlichen Kunst versinnbildlicht der Dreipass die Dreifaltigkeit.  

Die Dreipassöffnung

An der Außenseite  ein Kreuzigungsrelief mit Maria und Johanne sowie 2 weiteren Heiligen (um 1700 ) sowie viele Grabplatten aus der Zeit zwischen 1588 und 1779. 

Die Kirche gehört zu den größten Hallenkirchen im Landkreis Dachau. Im Inneren ist sie 12,5 Meter hoch.

Innenausstattung

Auch die Innenausstattung ist überwiegend barock.

Auf dem prächtigen Hochaltar ist der Patron der Kirche, der hl. Jakobus dargestellt. Die Seitenaltäre sind der Muttergottes und dem hl.Sebastian geweiht.

Hauptkunstwerke der Kirche sind aber die Deckengemälde von J.Georg Dieffenbrunner und die Kreuzigungsgruppe von Ignaz Günther.

Die Deckengemälde zeigen in vier Bildern (1 Bild im Chor, 3 Bilder im Langhaus) Szenen aus dem Leben des hl.Jakobus. In den Gewölbezwickeln im Chor und Langhaus sind die zwölf Apostel, Jesus, Maria und Paulus dargestellt.   

Die Kreuzigungsgruppe (Kruzifix und Mater dolorosa) stammt von dem bekannten Künstler Ignaz Günther. Insbesondere die lebensgroße Muttergottes, die unter dem Kreuz steht, wird als ein herausragendes Kunstwerk beschrieben. Die Figuren dürften für die Münchner Frauenkirche geschnitzt worden sein; nach Vierkirchen kamen sie erst 1874.

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KristallleuchterKristallleuchterSt.Jakob im AltarauszugDeckengemäldeKreuzwegbilderPetrusPaulusSt.JakobSebastianSt.FlorianSt.VitusChorgestühl und KommunionbankMariä HeimsuchungSt.JoachimSt.AnnaKristallleuchterOratoriumDeckengemäldeSt.Konrad

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Altäre, Decke, Kanzel, Oratorium )
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Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen


Geschichte Mittelalter Matrikel 1315 Matrikel 1524 Matrikel 1560 Gotischer Bau
Matrikel 1738 Neubau 1763 Beschreibg 1792 Umbau 1872 Beschreibg 1874
  Kriegsende 1945 Bruderschaft Pfarrerliste    
Ausstattung Altarraum Apostelleuchter Baubeschreibung Beichtstuhl Choraltar
Chorbogen Chorgestühl Deckenfresken-1 Deckenfresken-2 Empore
Epitaphe innen Kanzel Kirchenschiff Kirchenbänke Kreuzweg
Kreuzigungsgruppe Oratorium Orgel Pfarrhaus Sakristei
Seitenaltäre Taufstein Vortragekreuz Zelebrationsaltar  

Die Ortschaft Vierkirchen wurde schon im 8.Jh urkundlich erwähnt. Nach der Pfarreibeschreibung von Mathias Steinberger aus dem Jahr 1879 soll der Gaugraf Luitpold von Scheyern in der Zeit zwischen 788 und 837 hier einen Gerichtstag ("publica placita") abgehalten haben.
Auch Urkunden vom 15.April 820, die in Vierkirchen ausgestellt worden sind (actum est in villa qui dicitur Feohtkirha) weisen auf die Bedeutung Vierkirchens hin.


Geschichte der Kirche

Eine Kirche wird schriftlich erstmals im Jahr 828 in einer Urkunde (Nr. 574a der Freisinger Traditionen) genannt. Danach übergab der Priester Ekkihart Besitz zu Reod (Ried) der Kirche von Feohtkyricha (Vierkirchen). Die Kirche war St.Salvator,dem hl. Erlöser, geweiht. Die Urkunde wurde am 14.Dezember 828 ausgestellt; 43 namentlich erwähnte (37 mehr als nach dem Lex Baiuvariorum nötig) haben dieser Urkundenausstellung beigewohnt. Die Zeugen waren nach einem typisch baierischen Brauch an den Ohrläppchen gezogen worden (testes per aures tracti), damit sie sich später besser an das Rechtsgeschäft erinnern konnten. Meist glich ein kleines Geschenk die Unannehmlichkeit mit den roten Ohren aus.

Aber ein Gotteshaus wird wohl schon vorher bestanden haben. Schließlich besuchte Bischof Hitto von Freising den Ort am 15.April 820 und am 10.Dezember 829. Dass die Pfarrei Vierkirchen um 779 unter Bischof Aribo (764-784) errichtet worden ist (das Datum war Grundlage für die 1000-Jahr-Feier 1779 und die 1100-Jahr-Feier 1879), dürfte zwar unwahrscheinlich sein. Der ehem.Kreisheimatpfleger Angerpointner vertrat die Meinung, die alte, dem Freisinger Bischof zugehörige Erlöserkirche in Vierkirchen sei schon im 9.Jh. Pfarrsitz geworden. Für das hohe Alter der Pfarrei spreche auch der außerordentlich große Bereich des früheren Pfarrsprengels: 10 Kirchen, davon 6 mit Friedhöfen.

Auch im Jahr 1119 wurde die Kirche von Vierkirchen unter der Bezeichnung Frohtkircha (Fichtkirchen) urkundlich erwähnt.

Vierkirchen kann die Namen seiner Pfarrherren bis zum Jahr 1279 lückenlos zurückverfolgen. Wenn Sie sich dafür interessieren, klicken Sie hier..


Konradinische Matrikel 1315

In der Konradinischen Matrikel von 1315 wird die Pfarrei Vierkirchen (damals Viechchirchen) mit den Filialkirchen "Chamerberch, Viehpach, Piperbach, Rudoltzhouen, Rübentzhouen (=Riedenzhofen) cum sepulturis (=mit Friedhof) sowie
Rotenbach (=Rettenbach), Uetenshouen (=Jedenhofen), Albotzhouen (=Albertshof) et Giebingen sine sepulturis (=ohne Friedhof) beschrieben.

Sunderndorfer'sche Matrikel 1524

Auschnitt aus der Karte von Apian 1568
Nach der Sunderndorfer'schen Matrikel von 1524 war Vierkirchen die größte Pfarrei im Gebiet des jetzigen Landkreises Dachau mit 800 Communicantes; mehr als Indersdorf mit Kloster (700), mehr als Einsbach (600), Altomünster (500), Dachau (450) oder Weichs (450). Die Pfarrei war dem Domkapitel von Freising einverleibt. Das Domkapitel, der engste Mitarbeiterstab des Bischofs, war eine eigenständige juristische Person, die unabhängig vom Bischof selbst kirchlichen Besitz und Rechte haben konnte. Es gab in Vierkirchen also keinen offiziellen Pfarrherrn, wie in anderen Pfarreien, sondern Vikare, die stellvertretend für das Domkapitel die Seelsorge verrichteten und dafür einen Lohn erhielten. Neben dem Vikar Sigmund Wairmair waren 1524 wegen der Pfarreigröße noch zwei Kapläne tätig, denen freies Wohnen und Essen sowie 5 Pfund Silberpfennig pro Jahr zustanden. Die Kirche hatte damals fünf Filialkirchen mit Friedhöfen ["s.Joannis Baptistae in Camerberg, s.Laurentii in Viechpach, s.Martini in Biberpach, ss.Petri et Pauli in Ruedeltzhouen, s.Lamperti in Riedenzhouen cum sepulturis) und fünf Kapellen ohne Friedhof ["s.Leonardi in Basenbach, s.Nicolai in Jetenhouen, s.Nicolai in Rötenpach, B.Virginis in Giebing et s.Georgii in arce (im Schloss) Camerberg"]. Das Pfarrhaus und die Wirtschaftsgebäude zeigten keine baulichen Mängel. Für den Kaplan in Giebing gab es ein eigenes Haus.

Visitationsbericht von 1560

Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation, eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet. Die Visitation wurde durch bischöfliche und durch herzogliche Bevollmächtigte durchgeführt. Grund war die durch die Reformation Luthers (1517) entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen des Bistums zur Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte. Durch die Visitation wollte der Bischof einen detaillierten Einblick in die religiöse Situation der Pfarreien gewinnen. Insbesondere sollte festgestellt werden, ob die Pfarrer und die Gläubigen noch die katholischen Lehre vertraten oder der neuen Lehre anhingen. Daneben interessierte die Prüfer die Lebensführung der Pfarrer sowie Umfang und Qualität ihrer religiösen Kenntnisse Im Bericht über die "Pfarr St.Jakobus in Viehkirchen" heißt es, Pfarrer sei im 7.Jahr Vitus Paungartner. Er wurde in München geboren, hat in Erfurt studiert und wurde 1552 in Freising zum Priester geweiht. Er war, wie der Visitator feststellte, in Lehre und Praxis katholisch geblieben und schätzte weiterhin die alten Kirchenbräuche. Negativ wurde aber vermerkt, dass er sein Pfarrvolk nicht zu mehrmaligem Beichten im Jahr anhalten könne. Über seine privaten Verhältnisse notierte der Visitator nur: "Hat ain alte Köchin, unverheurat". Kaplan war Andreas Arnolt aus Indersdorf, der auf dem Getreidekasten im Pfarrhof die Beichte hörte und nur selten ins Wirtshaus ging. Der dritte Geistliche in der großen Pfarrei war Georg Scheirer, der die Seelsorge in Giebing wahrnahm und dort wohnte. Er hatte auch eine Köchin und 4 Kinder. Die Pfarrei war wie schon 1524 dem Domkapitel von Freising einverleibt. In ihr lebten damals 700 Communikanten (=erwachsene Gläubige), die alle katholisch geblieben waren; niemand machte sich einer fremden Religion verdächtig. Die Zahl der Gläubigen war also in den letzten 40 Jahren um 100 zurückgegangen. Die Einnahmen des Pfarrers betrugen 250 Gulden, davon erhielten das Domstift Freising 77 und der Kaplan 40 Gulden. Die Kirche war in gutem baulichen Zustand ["Das gotshauß ist bei guetem paw"]. Der Pfarrer hielt fleißig alle Jahrtage und feiert jeden Sonntag eine Messe.
Wenn Sie den ganzen Text des Visitationsberichts lesen möchten, klicken sie hier...


Gotischer Kirchenbau
Ein oder zwei Neubauten in Holz oder auch schon in Stein sind in den nächsten Jahrhunderten sicher gefolgt, bis zu dem gotischen Kirchenbau, dessen letzte Bausubstanz der Baumeister der heutigen, barocken Kirche, Anton Glonner, in den Jahren um 1753/54 beschrieben hat. 1630 war die Sakristei durch den Wessobrunner Melchior Winckhler abgebrochen und -zunächst als vorübergehend gedacht- im Turm untergebracht worden. Die neue Sakristei errichtete man aber erst nach dem 30jährigen Krieg, im Jahr 1689. Im Dreißigjährigen Krieg hat wohl auch Vierkirchen gelitten. Jedenfalls ist bekannt, dass die große Glocke 1646 "von Soldaten verderbt" worden sei.

Im Jahr 1700 hatte man für 128 Gulden noch ein größere Reparatur durchgeführt: Der Kirchturm wurde "herabgepuzt" und neu eingedeckt und die Friedhofsmauer ausgebessert; zudem hat man eine neue Sonnenuhr in "Gelb unnd plauer Farb" anbringen lassen.


Ausschnitt aus der Karte von
Georg Philipp Finckh von 1655

Altarweihe 1710
In der Kirchenrechnung von 1710 ist auch die Weihe von drei Altären mit Marmortischen durch Fürstbischof Johann Franz Eckher von Kapfing und Liechteneck
(1695-1727) erwähnt. Die Kosten für diese Altarweihen beliefen sich auf über 22 Gulden, ein sehr hoher Betrag. Er setzte sich aus dem gebräuchlichen Honorar ("gebreichige honoraria") von 7 Gulden je Altar sowie aus den Kosten für das Essen zusammen. Dazu kamen noch die "Marmalstainenen Altar Stain" und die Kosten für das Einmauern der Altarsteine, die die Reliquien enthalten. Der kunstsinnige Bischof Eckher regierte sein Bistum von der Reisekutsche aus; er unternahm viele Pastoralreisen selbst in kleinste Dörfer seines Bistums. In seiner Regierungszeit von 1695 bis 1727 hat er 174 Kirchen (darunter Jarzt, Pellheim, Palsweis, Ebertshausen, Hirtlbach, Straßbach, Lauterbach, Westerholzhausen und Kollbach) und ca. 1.100 Altäre und 734 Priester (23 pro Jahr) geweiht. Dies hatte seinen Grund auch darin, dass mit Franz nach 40 Jahren wieder ein echter Bischof auf dem Freisinger Thron saß. Seine Vorgänger waren zwei nachgeborene Wittelsbacher Prinzen (Albrecht Sigismund von Bayern und Joseph Clemens von Bayern). Sie konnten das geistliche Amt des Bischofs nicht ausüben und Albrecht Sigismund besaß nicht einmal die Priesterweihe. So war für den Bischof nach 40 Jahren ohne Kirchenweihen und ohne Firmung viel zu tun.
Die Altarweihen 1710 sind also kein stichhaltiger Hinweis darauf, dass unmittelbar vorher die Altäre eingebaut worden wären. Sie könnten auch unmittelbar nach dem 30jährigen Krieg beschafft worden sein oder auch noch aus der Zeit vor dem 30jährigen Krieg stammen. Altäre, die von der Soldateska entweiht worden sind, hat man später wieder geweiht.


Die alte Kirche im Jahr 1721
Die Außenmaße des gotischen Gotteshauses, wie es Anton Glonner in den Jahren um 1753/54 beschrieben hat, betrugen 1753: 82 zu 33 Schuh ( = rund 26,30 zu 9,60 m), der Chor war gewölbt, schloss mit 5 Seiten eines Achtecks, die außen mit Strebepfeilern verstärkt waren. Der Turm trug ein Satteldach.

Allerdings haben sich damals drei der fünf Seiten bereits "auseinand geben, so auch auf beiden Seiten gegen die Tür". Die Kirchenmauer war hohl und mit Bauschutt angefüllt; bis zur Höhe der Fenster war alles verfault und grün. Anton Glonner lieferte zusammen mit Gutachten auch einen Plan für einen Neubau. 1759 stürzte die gotische Kirche dann tatsächlich ein.


Schmidt'sche Matrikel
1738
In der Zeit von 1738/1740 besuchte der Kanonikus Schmidt aus Freising die Pfarreien der Diözese und erstellte die nach ihm benannte Schmidt'schen Matrikel. Über die Pfarrei "s.Jacobi Apostoli in Vierkirchen" berichtete er: Die Pfarrei sei aufgrund eines Erlasses von Papst Pius II. im Jahr 1454 in die Freisinger Domkirche inkorporiert, von der deshalb auch der Vikar für Vierkirchen bestimmt werde. Der aktuelle Vikar im Jahr 1738 heiße Wolfgang Rohrbach und sei seit 1719 installiert. (Da dieser Priester 1739 starb, muss Schmidt kurz vorher in Vierkirchen gewesen sein). Das Pfarrhaus und die Wirtschaftsgebäude waren in gutem baulichen Zustand. Die Zahl der Gläubigen hatte sich trotz der Gräuel des Dreißigjährigen Krieges mit 1360 Communicantes fast verdoppelt. Vierkirchen war noch immer die größte Pfarrei im Gebiet des jetzigen Landkreises Dachau (vor Indersdorf und Dachau). Das lag aber auch an der Zahl der Filialen, die damals neun betrug ["Jedenhoffen, Rettenbach, Giebing, Cammerberg, Pasenbach, Viehbach, Riedenzhofen, Ruedelzhoffen, Biberbach"]. Dazu kamen noch die beiden Schlosskapellen in Pasenbach und Cammerberg. In der Kirche standen -wie heute- drei Altäre. Der Hochaltar war dem Kirchenpatron St.Jakobus, die Seitenaltäre der Muttergottes und dem hl.Sebastian geweiht. Gottesdienste fanden an allen Sonn- und Festtagen, außer an den Kirchweihfesten von Pasenbach, Jedenhofen und Rettenbach und am Nikolaustag statt. Das Kirchweihfest fällt auf den Sonntag nach dem Bartholomäustag (24.Aug). Im Friedhof stand ein Beinhaus. Im Turm hingen zwei Glocken. Die Einnahmen wurden vom Vikar und vom Dachauer Landpfleger verwaltet. Der Bericht schließt mit dem Satz: "Das völlige Vermögen dises Pfarr-Gottshauses wirdet diser Zeit gegen 1500 fl.(=Gulden) betragen".


Kirchenneubau im Jahr 1763

Der Neubau der Kirche erfolgte entsprechend der Inschrift an der Oratorienbrüstung in den Jahren 1763-1789 unter Pfarrer Gröbmayr, wobei als eigentliche Bauvollendung das Jahr 1767 anzunehmen ist (Datierung des Deckenfreskos) und bis 1789 dann lediglich die Verschönerung und Vervollständigung der Ausstattung erfolgt sein wird.

so sah der Plan...
Glonners Grundriss (siehe Bild links) wurde ziemlich beibehalten. Der Aufriss wurde aber schlanker als auf dem Plan gestaltet und über den Kirchenfenstern wurden noch Dreipassöffnungen angeordnet (siehe Bild rechts). Die auf Glonners Plan sichtbare Turmzwiebel wurde verwirklicht und erst gut 100 Jahre später, bei der Kirchenerneuerung 1876 durch die heutige Pyramidenspitze ersetzt. Ob die Planverbesserung durch Glonner selbst vorgenommen wurde, ließ sich bisher nicht feststellen. Jedenfalls erhielt Glonner 1775 und 1777 noch insgesamt rd. 360 Gulden, nachdem in den vorhergegangenen Jahren das Kirchendach durch Sturm beschädigt worden war. Die Gesamtkosten für den Kirchenneubau beliefen sich auf über 8.158 Gulden.

... so die Ausführung aus
Am 29.Juni 1779 weihte der Fürstbischof von Freising Ludwig Joseph die Kirche feierlich ein. Einen Tag vorher hatte er die umgestaltete und neu ausgestattete Filialkirche in Rudelzhofen "consecrirt".

Während des Baues diente eine um 1700 erbaute Feldkapelle als Notkirche für die damals 267 Seelen; die Kapelle lag rund 200 Schritte von der Kirche entfernt in Richtung Pasenbach, negst dem Weg, alwo vor alters drey Creuz gewesen". Dazu war sie auf ein Fassungsvermögen von fast 100 Personen erweitert und mit einem Altar anstelle des lebensgroßen Vesperbildes (Maria mit Jesu Leichnam auf dem Schoß - Pietà ), ausgestattet worden. Diese Notkirche wurde 1784 mit ziemlichen Kosten restauriert, bevor man sie im 19. Jh abgebrochen hat.

Bruderschaft
1747 führte Pfarrer Gröbmaier die "Bruderschaft zu Trost und Hilfe der Armen Seelen im Fegefeuer" in Vierkirchen ein. Für diese Bruderschaft las er monatlich kostenlos ein heiliges Requiem und zwei Beimessen. Die Bruderschaft wurde auf Kosten der Pfarrei mit einem Acker im Wert von 160 Gulden ausgestattet. Der bisherige Eigentümer des Ackers, der Hartlgütler Michael Häring aus Ebersbach durfte den Acker gegen eine Pacht von 6 Gulden weiter bewirtschaften. Das Vermögen der Bruderschaft wuchs auch durch Schenkungen von Gläubigen: Maria Wallner, Wirtswitwe von Vierkirchen stiftete 200 Gulden, Georg Diebold, Gütler aus Pasenbach 15 Gulden, Rosina Golgenhofer, Gütlerin aus Esterhofen 5 Gulden. Mit diesem Geld wurde das sog. Badergütl erworben, das zur Unterbringung eines Schul-Maisters gedacht war. Damit waren die wirtschaftlichen Grundlagen für die Armenseelen-Bruderschaft geschaffen, die am 2.Juli 1753 feierlich errichtet wurde.
Die Zeit von 1741 bis 1780 scheint für die Bevölkerung der Pfarrei nicht gut gewesen zu sein. Josef Scheidl schreibt, dass es in diesen 54 Jahren "mehr Särge als Wiegen gegeben" habe: 195 Sterbefälle mehr als Geburten. Dabei stieg in den meisten anderen Pfarreien die Bevölkerung im gleichen Zeitraum an.


Beschreibung 1792
Kurz vor 1792 besuchte der Schriftsteller und Historiker Lorenz Westenrieder auf seinen Reisen durch das Landgericht Dachau auch den Ort Vierkirchen und war von der Schönheit der neuen Kirche begeistert. In seinem 1792 erschienen Buch über den Landgerichtsbezirk schreibt er:

  "hier habe ich mehr gefunden, als ich erwartet hatte, eine eben so ungewöhnlich, als zugleich einfach verschönerte ziemlich große Kirche, welche überaus schön gehalten wird. Christian Wink zierte sie mit seinem Pinsel; von ihm sind das Chorblatt, der heil.Jakob, und die vier Kirchenlehrer in Lebensgröße. Die Seitenblätter hat Deyrer der ältere, Mahler von Freising, verfertigt; die obere Decke des Kirchenschiffes ist vom Georg Dieffenbrunner. Noch ist ein Kreutzweg von Mathias Schwarz, Mahler von Pfaffenhofen vorhanden. Diese Gemählde, aus welchen die Kirchenzierden bestehen, sind schön, einige vortrefflich; und sie selbst sowohl, als der schickliche Ort, an dem m sie angebracht sind, thun eine unvergleichliche Wirkung. Der ganze Anblick erfreut und erhebet das Herz. Eine lateinische Aufschrift an der Seite des Chores nennt Ihnen die Männer, welche sich das Verdienst der neuen Erhebung und glücklichen Verzierung dieses Gotteshauses erworben haben. Es war die vorige Kirche, bereits tausend Jahre alt, hinfällig geworden, als Doktor Johann Georg Gröbmair bischöflich Freisingisch geistlicher Rath und Pfarrer des Ortes mit großen Kosten dieselbe vom Grunde neu erbaute, im Jahr 1763. Sein Nachfolger in der Pfarre Johann Baptist Graf von Edling ließ die Altäre, Gemählde, Vergoldung und die übrige Verzierung herstellen und dem Ganzen die gegenwärtige Verschönerung geben im Jahre 1789".

Napoleonische Kriege um 1800
In den napoleonischen Kriegen hat auch die Pfarrei Vierkirchen gelitten. 1798 pressten österreichische Grenzhusaren die Bevölkerung durch harte Quartierbelastung. 1802 vernichtete ein Brand 17 Häuser in Vierkirchen. Pfarrer Weilhammer musste die große silberne Monstranz im Wert von 3.000 Gulden zum Einschmelzen abgeliefern. Doch sie konnte später gegen Ableistung von Hand- und Spanndiensten der Vierkirchner Bauern wieder zurückgeholt werden. Die Bauern hatten beim Abbruch der drei Flügel des Dachauer Schlosses mitgeholfen und 60.000 Ziegelsteine transportiert. Diese große Monstranz wurde im Jahr 1834 beim Pfarrhofbrand entwendet und ist leider nicht mehr aufgetaucht.

Im Zuge der Säkularisation 1803 hat man die 1736 erbaute Kapelle zur Schmerzhaften Muttergottes westlich von Vierkirchen, die viel besucht worden war, abgebrochen. Das Gnadenbild der Kapelle ist heute in der Kapelle von Bachenhausen untergebracht.


Teilung der Pfarrei 1804
Am 5.Dezember 1804 wurde die Pfarrei Giebing mit den Filialkirchen Kammerberg und Viehbach selbstständig. Zur neuen Pfarrei gehörten damals auch die Orte ohne Kirche "Lauterbach, Gramling, Pachenhausen und Milbertshofen".
Die verbleibende Pfarrei Vierkirchen erstreckte sich (nach einem Anhang zur Schmidt'schen Matrikel) auf die Ortschaften "Ebersbach (nur südlich der Kirche wohnende Gläubige), Engelbrechtsmühl, Zielhofen, Albertshofen, Jedenhofen, Pasenbach, Esterhofen, Breitenwies, Daxberg, Rettenbach, Ober-Wiedenhof, Ramersbach, Unterwiedenhof, Mitterwiedenhof, Biberbach, Hoergerbach, Rudelzhofen und Riedenzhofen".

Im Jahre 1864 führten Redemptoristenpatres eine Volksmission in Vierkirchen durch.


Umbau 1872-1875
1872 bis 1875 wurde die Kirche restauriert und teilweise umgestaltet. Der Bau war schon 1866, als Pfarrer Steinberger die Pfarrei übernahm, fast einsturzgefährdet. In den vergangenen 100 Jahren seit dem Neubau scheinen nicht viele Erhaltungsmaßnahmen durchgeführt worden zu sein. Jedenfalls hat Steinberger den vorgefundenen Zustand in seiner Chronik drastisch geschildert. Wenn Sie den Bericht lesen möchten, klicken Sie hier...
Zunächst musst das Mauerwerk und das Gewölbe durch Metallstreben vor dem Einsturz bewahrt und durch eine neue Bedachung vor eindringendem Wasser geschützt werden. Dann wurden im Kircheninneren die Wände getüncht. "Maler Wolfgang Thaler von Geisenhausen verwischte vorerst die vom Maler Georg Tiefenbrunner aus Augsburg im blühendsten Zopfstyle angebrachten Schnörkel und gab der ganzen Kirche einen grauen Steinton mit entsprechend einfachen Verzierungen" schreibt Steinberger. Die großen Fresken blieben aber erhalten. Außerdem stattete die Pfarrei die Kirche mit neuen Ölgemälden aus der Hand des Kunstmalers Julius Frank in München, mit acht neuen Figuren vom Bildhauer Johann Vordermaier /Mch und einem neuen Kreuzweg aus. Der Turm erhielt eine neue Kuppel vom Zimmermeister Anton Mayer aus Dachau. Sie war "10 Schuh"
(3,20 m) höher als die alte. Das Turmkreuz vergoldete der Maler Anton Huber aus Dachau. "Die Renovierung von 1872-75 kostete mehr als der Neubau vom Jahr 1763" schreibt Steinberger.


Beschreibung 1874/80

Kirche und Pfarrei Vierkirchen sind auch in der "Statistischen Beschreibung des Erzbisthums München-Freising" aus der Zeit um 1874-80 enthalten.
Geographie: Die Pfarrei hatte damals 1107 Seelen in 209 Häusern. Davon wohnten im Ort Vierkirchen: 181 Seelen (in 48 Häusern), Widenhof 30 (3), Daxberg 10(1), Engelbrechtsmühle 13 (1), Esterhofen (32 (5), Jedenhofen 65 (10), Ramelsbach 17 (3), Rettenbach 102 (20), Biberbach 189 (33), Hörgenbach 23 (2), Rudelzhofen 47 (5), Pasenbach 211 (43), Riedenzhofen 110 (20) und Ebersbach 70 (12) = halbe Ortschaft. Besonders erwähnt wird, dass in der Pfarrei auch ein Protestant wohnte, es war der Bahnwärter. In Vierkirchen gab es 1874 eine Schule mit einem Lehrer und 118 Werktags- und 46 Feiertagsschülern. Die Pfarrei hatte eine Länge von 2 1/4 Gehstunden und eine Breite von 1 1/2 Gehstunden.
Pfarrei: Am Freitag nach Fronleichnam wallfahrtete die Pfarrgemeinde unter Begleitung des Cooperators nach Ainhofen und bat um Abwendung von Hagelschlag. Die Kirchenrechnung wies bei Einnahmen von 2458 Gulden und Ausgaben von 553 Gulden einen Reinertrag von 1904 Gulden aus. Der Schuldenstand betrug 6.400 Gulden.
1874 existierte auch noch die "Bruderschaft und Seelenbund zu Hilf und Trost der armen Seelen unter dem Schutze der hl.Mutter Gottes Maria", die oberhirtlich am 14.Mai 1753 bestätigt worden war. Allerdings sei die Bruderschaft "stark heruntergekommen und die Zahl der Mitglieder auf eine ganz unbedeutende zusammengeschmolzen". Titularfest wurde am alten Kirchweihtag, am Sonntag nach Peter und Paul, gefeiert.
Das Widum (der Bauernhof des Pfarrers) hatte eine Größe von 136 Tagwerk (=45 ha). Das 1836 nach einem Brand neu erbaute Pfarrhaus wird als "schön und geräumig" beschrieben. Darin wohnte neben dem Pfarrer auch der Cooperator für die Kirchen in Biberbach und Rudelzhofen. Der Benefiziat in Pasenbach hatte ein eigenes Haus. Er wurde aus dem von Bernhard und Balthasar von Barth zu Harmating und Pasenbach am 1.Juli 1624 gestifteten Benefizium bezahlt.
Die Pfarrkirche wird als geräumig und hell beschrieben. Sie sei zwar im Zopfstil erbaut, aber dennoch gefällig. Im Turm hingen 1874 drei Glocken. Stiftungen: 21 Jahrtage, 41 Jahrmessen.

Zweiter Weltkrieg 1945
Das Ende des Zweiten Weltkriegs und die Ereignisse bei der Ankunft der amerikanischen Soldaten werden in dem Bericht von Wolfgang Lanzinger über die Pfarrei Vierkirchen im letzten Jahrhundert beschrieben.
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Bittgänge
Aus den Kirchenrechnungen ist bekannt, dass die Vierkirchener alljährlich Kreuzgänge zum Kloster Taxa unternommen haben. Die Fahnenträger und Sänger ("Fahnentrager unnd Vorsinger ins Täxa") erhielten ein kleines Zehrgeld, das in der Kirchenrechnung von Vierkirchen verbucht wurde.

Berichte aus der Pfarrei
Die Dachauer Zeitungen haben in den letzten 120 Jahren immer wieder aus dem Pfarrleben berichtet. Diese oftmals in blumiger Sprache verfassten Berichte beschäftigen sich nicht unmittelbar mit dem Kirchengebäude, vermitteln aber einen ergänzenden Eindruck aus der damaligen Zeit. Meist werden Primizen, Jubiläen oder Abschiedsfeiern von Pfarrern oder Fahnenweihen beschrieben; hier in Vierkirchen kommen noch die Artikel über die Feierlichkeiten zur 1100 Jahr-Feier 1879 hinzu. Wenn Sie die Berichte lesen möchten, klicken Sie hier...



B
eschreibung der Kirche

Die Kirche St.Jakobus in Vierkirchen hat wie die meisten Kirchen in unserer Gegend einen rechteckigen Grundriss. Sie gehört architektonisch zu den Nachfahren der römischen Basilika, eines säkularen Gebäudes, in dem ein hoher Amtsträger Petitionen entgegennahm, Erlaubnisse erteilte oder zu Gericht saß. Die frühen Christen mussten sich nach ihrer Legalisierung im 4.Jh entscheiden, welche Form ihre Gotteshäuser haben sollten; der römische Tempel war für den christlichen Liturgie ungeeignet. Während die Christen im Osten die Rundgebäude bevorzugten, wählten sie in Rom und Italien das vorhandene und gewohnte Versammlungsgebäude, die rechteckige Basilika mit einer überwölbten Ausbuchtung ganz vorne, unter der der Versammlungsleiter saß. Architektur und Ritus beeinflussen sich gegenseitig. Die römische Messliturgie ist -so Jesuitenpater Eckhart Bieger- wohl auch unter dem Einfluss der Architektur eine Prozessionsliturgie geworden. Einzug, Evangelienprozession, Vorbringen der Gaben, Kommunionempfang und Auszug sind noch heute erhalten. Vor 1564 gab es zusätzlich Reliquienprozessionen zu den Seitenaltären. Alle diese Prozessionen heben die wichtigen Teile des Gottesdienstes heraus. Für eine solche Prozessionsliturgie ist nach Bieger das langgestreckte Rechteck mit seinen langen Wegen besser geeignet als eine runde kompakte Kirche mit einem Altar in der Mitte.

Der geräumige fünfachsige Saalbau hat einen wenig eingezogenen, halbrund geschlossenen Chor. Die Gliederung innen und außen erfolgt durch flache Pilaster. Den Deckenabschluss bildet ein durchgehendes Tonnengewölbe mit Stichkappen. Auf der Nord- und der Südseite des Langhauses befinden sich jeweils abwechselnd ein Fenster und eine Wandnische.

Der im Grundriss quadratische Turm auf der Südseite (36 m) wurde auf den Grundmauern des alten Turmes errichtet. Er hat einen hohen Vierecksockel und -etwas zurückgesetzt- einen achtseitigen Aufbau mit schwach vorgelegten Pilastern an abgeschrägten Ecken. Die auf Glonners Plan sichtbare Turmzwiebel wurde bei der Kirchenerneuerung 1876 durch eine breitere mit Pyramidenspitze ersetzt. Die neue Kuppel vom Zimmermeister Anton Mayer aus Dachau war "10 Schuh" (3,20 m) höher als die alte. Das Turmkreuz vergoldete der Maler Anton Huber aus Dachau.
Unter der Uhr ein barockes Schallfenster. Auf dem Kirchturm nisten Turmfalken.
Hinweis: Woher die so typisch bayerisch-barock anmutende Zwiebelform kommt, ist erstaunlicherweise nicht geklärt. Einige der Experten vermuten, dass sie eine Nachahmung und Weiterentwicklung der im 7.Jh errichteten Moschee auf dem Tempelberg in Jerusalem (Felsendom) und somit arabischen Ursprungs ist. Damals glaubten europäische Baumeister, die Kuppel stamme noch vom Tempel Salomons und verbanden mit ihr die Vision vom himmlischen Jerusalem. Andere Kunstexperten sehen in der Zwiebel eine Weiterentwicklung der byzantinischen Kuppel, die auch in Russland großen Anklang fand. Fest steht jedoch, dass die ältesten zwiebelförmigen Kuppeln in Bayern die der Münchner Frauentürme sind (1525). Weite Verbreitung fand die Zwiebel als Bauform aber erst im Italien der Renaissance und bei uns in der Barockzeit nach dem 30jährigen Krieg. Ihre Form -unten bauchig, oben spitz- passte wunderbar zur Kunstauffassung und zum Lebensstil des Barocks und galt "als Synthese aus der Bewegung ins Übersinnliche und dem Verharren in den Wölbungen des Sinnlichen".

In der Glockenstube hängen vier Glocken; die beiden ältesten wurden 1554 und 1731 gegossen. Die übrigen Glocken stammen aus dem Jahr 1952. Sie wurden von der Gemeinde Vierkirchen finanziert - durch eine Sonderumlage in Höhe von 50 Prozent der Grundsteuer.
Die Glocken von Vierkirchen hat Frau Barbara Deger ausführlich beschrieben. Interesse ?....

Auf der Ostseite des Kirchendachs sitzt ein roter Hahn aus Ton.
  Hinweise: Die Geschichte des roten Hahns reicht bis ins Mittelalter zurück: In jener Zeit, als es in den Häusern offene Feuerstellen, teilweise ohne Rauchabzug, gab, installierten die Bewohner auf das Dach die Tonfigur eines roten Hahn und erhofften sich davon Schutz vor Blitzeinschlägen. Der Wetterhahn auf den Kirchtürmen hatte ursprünglich wohl dieselbe Bedeutung. Es wird aber auch die Auffassung vertreten, der Turmhahn stelle den Mahner und Rufer dar, der vor Anbruch des Tages die säumigen Christen rechtzeitig zum Gebet ruft.

An der Außenwand der Kirche ist ein 70x90 cm großes Kreuzigungsrelief aus gotischer Zeit angebracht, das 1700 der Freisinger Joseph Seehauser renovierte. Es zeigt Maria, Johannes, Joseph von Arimathäa sowie um eine weitere Person, bei der es sich um Maria Magdalena (so Anton Mayer 1874) oder um den römischen Soldaten Longinus, der Jesus die Seite durchbohrt hat handeln könnte. Das Relief besteht aus Stein und ist übermalt.

Innenausstattung

In der Pfarrkirche St. Jakob des Älteren treffen sich -so heißt es- Weltkunst und heimische Kunst, vertreten einerseits durch Ignaz Günther (1725-1775), den weltberühmten Bildhauer mit seiner Mater dolorosa, und durch den Augsburger Johann Georg Dieffenbrunner ( 1718-1786) den seinerzeit meistbeschäftigten Freskenmaler im Dachauer Land (siehe auch Kirchen in Eisenhofen, Kleinberghofen, Inhausen, Westerholzhausen, Sittenbach) andererseits durch den Dachauer Schlossmaurermeister Anton Glonner (1723 bis ca. 1796/98), dessen Taufpate der Hofbaumeister Joseph Effner (1687-1745) war.

Altarraum

Der um drei Stufen erhöhte Altarraum wird von zwei Fenstern erhellt. Er ist 12 Meter hoch, und besitzt zwei Joche.


Choraltar / Hochaltar

Der vier Meter breite und fast raumhohe Hochaltar stammt nach Auffassung von Kunstkennern-wie auch die Seitenaltäre- aus der Vorgängerkirche. Er wurde im Jahr 1710 geweiht und 1740 renoviert. Bei dieser Renovierung bemalte der Dachauer Künstler Franz Mayr den Altar mit Blumen. Pfarrer Steinberger schreibt jedoch in seiner Chronik, im Jahr 1767 habe Pfarrer Gröbmayr , der Erbauer der neuen Kirche, einen Hochaltar, zwei Seitenaltäre und eine neue Kanzel machen lassen, die dann erst 20 Jahre später, unter seinem Nachfolger Pfarrer von Edling auf dessen Kosten gefasst, d.h. bemalt wurden.
Das Retabel, der Altaraufbau besteht aus zwei glatten Säulen mit Konpositkapitellen, die ein verkröpftes Gebälk mit Sprenggiebeln und zwei darauf sitzenden Engeln tragen.


Mittelpunkt des Altars, der im 19.Jh und im 20.Jh noch einmal verändert wurde, ist die 1,20 m hohe filigrane Statue des Kirchenpatrons. Sie steht, umrahmt von einem Strahlenkranz, unübersehbar in einer eigenen Nische. Der Baldachin darüber wurde von Bildhauer Christian Silvester 1750 geschaffen.
Ein Baldachin symbolisiert schon seit dem Altertum Würde und Heiligkeit der darunter stehenden Gestalt. Die Statue stammt aus dem Beginn des 16.Jh. und wurde im 19.Jh überarbeitet. St.Jakob wird als bärtiger Pilger und Wanderer dargestellt. In der rechten Hand der Wanderstab, in der linken Hand die Muschel. Über Nische eine Inschriftenkartusche mit den Worten: Hl.Jakobus bitte für uns.
Er trägt einen Umhang mit Schulter-Pailletten aus Jakobsmuscheln. Die Kapuze des Umhangs ist über den Kopf gezogen.
Hinweise: Jakobus der Ältere war der Sohn des Fischers Zebedäus und der ältere Bruder des Jüngers Johannes. Er zählte neben seinem Bruder und Petrus zu den drei bevorzugten Jüngern, die bei der Verklärung Jesu und in seiner Todesangst im Garten Gethsemane zugegen waren. Der Überlieferung nach verkündete er nach Pfingsten in der Gegend um Samaria und Jerusalem das Evangelium, bis er durch König Herodes Agrippa I. von Judäa zu Ostern des Jahres 43 geköpft wurde; Jakobus war somit der erste Märtyrer unter der Aposteln (Ap 12, 1 - 2). Der Legende nach setzten Anhänger seine Leiche in ein Boot, das im Meer herumtrieb und in Galizien, im NordwestenSpaniens strandete.Dort wurde er begraben. 800 Jahre später, zur beginnenden Reconquista (Rückeroberung des maurischen Spaniens durch die Christen) entdeckte König Alonso II das Grab wieder und baute eine Kirche darüber. Bald begann die Wallfahrt und Santiago de Compostela wurde eines der größten Wallfahrtszentren des Abendlandes. Durch ganz Europa führten feste Wallfahrtswege dorthin; bis ins 15. Jahrhundert zog der Ort mehr Pilger an als Rom oder Jerusalem. St.Jakob erhielt seine Attribute (Pilgerkleidung und Muschel) erst im 13.Jh. Die Pilger erhielten am Ziel damals einen Hut, der mit einer Muschel geziert war. Zuvor war Jakobus meist mit einer Schriftrolle abgebildet.

Assistenzfiguren sind die mit einem Heiligenschein (Nimbus) in Form eines Strahlenkranzes umgebenen Statuen der Heiligen Petrus (mit Buch und Schlüssel) und Paulus (mit Buch und Schwert).
Die lebensgroßen Figuren wurden 1964 vom Bildhauer Georg Sellmeier (1922-2000) aus Zolling nach barocken Vorbildern geschnitzt. Der Bildhauer hatte übrigens an diesen Figuren so großen Gefallen gefunden, dass er sie in sein ständiges Programm aufgenommen und als kleine Kopien in größerer Anzahl verkauft hat.
  Hinweise: Die Bücher bezeichnen die dargestellten Heiligen als Verkünder des Evangeliums. Der sog.Himmelsschlüssel, den der Künstler der Petrus-Darstellung in die Hand drückte, hat den Heiligen im Brauchtum zum Himmelspförtner gemacht. In der christlichen Symbolik repräsentieren die Schlüssel aber die Vollmacht auf Erden und im Himmel zu lösen und zu binden. Nach Matthäus 16,19 sagte Jesus zu Petrus: "Dir will ich die Schlüssel des Himmelreiches geben. Was du binden wirst auf Erden, wird gebunden sein im Himmel, und was du lösen wirst auf Erden, wird gelöst sein im Himmel". Diese Vollmacht wurde in weiterer Folge auf den Kreis der Jünger und den Klerus übertragen. Das Schwert in der Hand von St.Paulus weist auf eine Legende, nach der dieser Heilige enthauptet worden sein soll. Dies ist nach neueren theolog. Forschungen aber eher unwahrscheinlich.

Der Tabernakel ist aus Holz in marmorierter Fassung erstellt. Er stammt -wie die Assistenzfiguren- erst aus der 2.Hälfte des 20.Jh. Mit zwei seitliche Säulchen, einen Segmentbogengiebel und Akanthusdekoration und Anbetungsengeln ist er im barocken Stil gearbeitet.

In der Predella, zu beiden Seiten des Tabernakels sind Reliquienkästen eingesetzt. Sie enthalten Knochenreliquien, die in Klosterarbeit mit Goldlahn gefasst sind. Die Cedulae, die Pergamentstreifen, auf denen die Namen der Heiligen verzeichnet sind, enthalten folgende Inschrift: S.Fortunatae M., S.Benigni M., S.Aureli M., S.Constantin M.). Das "M." bedeutet Martyrer. Bei den Reliquien handelt es sich um Knochenfunde aus den Katakomben, die von nicht idendifizierten Christen stammten und die auf die neuen Namen getauft wurden. Mehr über Katakombenheilige erfahren Sie hier.....

Im Altaraufsatz steht zwischen Engeln und Flammenvasen in einer Nische die Figur des hl.Nepomuk im Strahlenkranz aus der Zeit um 1770. Er ist mit Birett, Mozetta und Rochett bekleidet. Die Mozetta, das mit einer Knopfreihe vorn geschlossene Schultertuch ist dem höheren Klerus vorbehalten. Das Wort kommt vom italienischen "abgeschnitten". Rochett (it.Rock) bezeichnet ein mit Stickereien verziertes weißes Hemd, das über dem schwarzen Talar getragen wird. Das Haupt des Heiligen ist von einem Ring mit 5 Sternen umgeben. In der Hand hält er ein Kruzifix.
  Hinweis: Johannes aus Pomuk, "ne Pomuk", war Ende des 14.Jh Generalvikar des Erzbischofs in Prag und machte sich wegen seines energischen Auftretens für die Rechte der Kirche beim König Wenzel unbeliebt. Der ließ ihn am 20. März 1393 gefangen nehmen, foltern, brannte ihn selbst mit Pechfackeln, ließ ihn durch die Straßen schleifen und schließlich in der Moldau ertränken. Die Legende berichtet, der eigentliche Grund sei gewesen, dass Johannes,der Beichtvater der Königin
  war, dem König keine Auskunft über die Sünden seiner Frau gab. Der Fundort der Leiche wurde durch eine Erscheinung von 5 Sternen geoffenbart. Sein Denkmal auf der Prager Karlsbrücke, das 1693 errichtet wurde, machte ihn zu einem der wichtigsten Brückenheiligen. Johannes wurde 1729 von Papst Benedikt XIII. heilig gesprochen und war deshalb während der Barock- und Rokokozeit als damals moderner Heiliger häufig abgebildet worden.

Die zwei Engel am Auszugsbild stammen aus der Entstehungszeit des Altares. Die beiden Leuchterengel entstanden dagegen erst 60 Jahre später, um 1770.  


Oratorium

An der Chorwand ist ein Oratorium angebracht. Das Oratoriengitter entstand um 1789. Die Inschrift an der Wand unter dem Fenster würdigt die Leistung von Pfarrer Gröbmaier im Zusammenhang mit der Vollendung des Kirchenbaus in diesem Jahr.

Doch der Auftraggeber der Inschrift und Nachfolger von Gröbmaier im Amt des Vierkirchner Pfarrers, Graf Edling von Görtz, ließ darin auch seine Verdienste um die Ausschmückung der Kirche herausstellen.
Dieser adeliger Pfarrer war eine interessante Person. Die Vierkirchner Heimatforscher haben 2010 den Lebenslauf von Graf Edling erkundet und dabei vor allem für die Zeit nach seiner Tätigkeit in Vierkirchen Überraschendes festgestellt. Mehr dazu hier....

Der Text lautet:
Vetustissimam hancce S. IAKOBI Apost. paroch. Eccles. in Vierkirchen a decem retro saeculis extructam vestustate penitus collabentem Plur. Rev. ac Doct. D. IOAN. GEO. GRÖBMAIER Consil. eccl. Frising. ac Parochus dignissimus hujatis Ecclesiae impenso largo aere, a fundamentis excitavit ao Dni 1763; ejusdem autem in Parochia Successor ILLmus et Revmus D.D.IOAN.BAPT. è S.R.I. Comitibus et Dominis ab Edling, Goritiensis ex Foro Julio Austriaco insig. Cathedr. Eccles. Lubecensis Canonicus REVmi ac CELLmi S.R.I. Principis et Episcopi Frising. Et Ratisb. Consil. eccles. act. Altaria picturis, auro Variisque ornamentis, perfici totamque Ecclesiam elegantiorem hancce in formam redigi curavit ANNO DOMINI MDCCLXXXIX.
Übersetzung (nach Dr.Kick):
Diese uralte Pfarrkirche St. Jakob in Vierkirchen war vor 10 Jahrhunderten aufgerichtet und beim hohen Alter durch und durch am Einstürzen. Der am meisten ehrwürdige und gelehrte Herr Johann Georg Gröbmaier, Berater der Kirche in Freising und würdigster Pfarrer dieser Kirche (hier), hat mit großem Aufwand an Geld die Kirche von den Fundamenten an errichtet im Jahr des Herrn 1763 und auch sein Nachfolger in der Pfarrei, der erlauchteste und verehrungswürdigste Herr, Herr Johann Baptist, aus des Heiligen Römischen Reichs Grafen und Herren [-geschlechte] von Edling aus Görtz, durch das Julisch-Österreichische (Gerichts-)Forum berufen als Kanoniker der Domkirche in Lübeck. Er war Berater des ehrwürdigsten und geehrtesten, des Heiligen Römischen Reichs Fürsten und Bischofs von Freising und Regensburg. Er kümmerte sich darum, dass die Altäre mit Gemälden, Gold und verschiedenem Zierrat versehen und die ganze Kirche noch geschmackvoller zu ihrem [jetzigen] Aussehen vollendet wurde anno 1789.

Chorbogen
Im Chorbogen sind an der Innenseite zwei Nischen eingelassen, in denen die heiligen Öle gelagert sind/wurden. Sie sind durch schön bemalte Türen verschlossen, die jeweils den Zweck des dahinter aufbewahrten Öles aufzeigen. Rechts das Öl für das Sakrament der "Krankensalbung", links das Chrisam für die Taufe. Die Bilder (Öl auf Holz) wurden wohl kurz nach dem Kirchenbau, Ende des 18.Jh gemalt.


Chorgestühl

Im Altarraum sind auch noch Teile des alten Chorgestühls mit Schnitzereien an den Eichenwangen und an der Frontseite zu sehen. Die Sitze sind aus Weichholz mit teilweise aufgesetzter Rokoko-Ornamentik. Sie Sitze könnten noch älter sein als die Wangen.
Davor ist noch das alte hölzerne Kommuniongitter (Speisgitter) mit den profilierten und in der Mitte stark geschwellten Balustern (kleine Säulchen) angebracht (20.Jh.)



V
ortragekreuz
In der Nähe des Chorbogens ist auch das schön restaurierte Vortragekreuz aus dem 18.Jh. auf einer metallverkleideten Stange angebracht. Es besteht aus Messing, ist aber vergoldet und versilbert. Der Corpus ist gegossen.
  Hinweis: Vortragekreuze werden beim Kirchenein- und Auszug, Prozessionen, Wallfahrten sowie bei Beerdigungen vorangetragen. Dies geht zurück auf das Jesuswort "Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach". Bei Gebetsprozessionen (Bittgängen, Kreuzweg) wird der Corpus des Kreuzes zu den nachgehenden betenden Menschen gedreht, damit sie den Gekreuzigten vor Augen haben. Bei anderen Prozessionen, z.B. an Fronleichnam und beim Ein- und Auszug zeigt der Corpus in die Gehrichtung, d.h., er weist ihnen den Weg.

 



Deckengemälde im Altarraum

Die von Johann Georg Dieffenbrunner in den Jahren 1764/65 geschaffenen Deckengemälde (7,70 m x 6,20 m) zeigen in vier Bildern Szenen aus dem Leben des Kirchenpatrons, St. Jakob d.Älteren. Im Chor ist die Berufung des hl. Jakobus "Komm und folge mir nach" (Mt.4,18-22) dargestellt.

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Christus und die Apostel stehen am Ufer des Sees Genezareth, umgeben von panoramaartig hochgezogenen Felsen mit Bäumen.Links stehen Christus und hinter ihm die Apostel Petrus und Andreas. Vor Christus kniet Jakobus mit ausgebreiteten Armen. Rechts sieht man Fischer ein Schiff an Land ziehen. Einer der Fischer ist der Bruder des Jakobus, Johannes, am Mast steht der Vater des Jakobus, Zebedäus.
An den Gewölbezwickeln des Altarraums und des Langhauses befinden sich gemalte Rocaillekartuschen, in denen Christus, Maria, Paulus und elf weitere Apostel dargestellt sind (es fehlt Matthias). Im Altarraum sind die Bilder von Andreas mit dem Andreaskreuz, Petrus mit den Himmelsschlüsseln, Jesus mit dem Kreuz, Maria, Paulus mit Schwert und Jakobus des Älteren, des Kirchenpatrons, mit dem Pilgerstab zu sehen (von links nach rechts). Die Bilder waren von 1872 bis 1903 übertüncht.


Zelebrationsaltar

Der Zelebrationsaltar aus der Zeit um 1970 ist farblich den übrigen Altären angepasst. An seiner Frontseite, dem Antependium, ist zwischen rotmarmorierten Lisenen eine Felderung mit Kreuz und Strahlenkranz angebracht.

Der Altar wurde aufgestellt im Zuge der Liturgiereform durch die Beschlüsse des 2.Vatikanische Konzils und bedeutet eine Rückkehr zu den Wurzeln der Eucharistiefeier.

 

Hinweis: Der Altar war das Symbol des heidnischen Gottesdienstes. Das lateinische Wort adolere = verbrennen bezeichnet die ursprüngliche Bedeutung als Stätte zur Verbrennung der Opfer. Die ersten Christen hatten keinen Altar. Jesus versammelte die Seinen um den Tisch, und das hielten auch die Christen während der ersten Jahrhunderte so.
  zur Eucharistiefeier konnte jeder beliebige Tisch dienen.Im 4.Jh wurde das Opfer Jesu in das Tischgeschehen hineingenommen und der Altar eingeführt. Er war meist aus Stein, frei aufgestellt und von allen Seiten zugänglich. Ab dem 8. Jh. weicht die Tischform immer mehr der Blockform. Dies kommt der Entwicklung entgegen, im Altar Reliquien von Märtyrern und Heiligen beizusetzen. Der zelebrierende Priester stand hinter dem Altar, sodass seine Handlungen während der Messfeier für die ganze Gemeinde sichtbar waren. Als der Altar dann im 11.Jh eine Rückwand mit hohen Altaraufbauten (Retabel) erhielt und weiter an die Ostwand rückte, wandte der Priester der Gemeinde den Rücken zu. Dies ist in der katholischen Kirche durch eine Liturgiereform erst vor 40 Jahren wieder rückgängig gemacht worden.

 

Langhaus /Kirchenschiff

Die Bezeichnung des Langhauses als Kirchenschiff ist darauf zurückzuführen, dass die Kirchenväter die Gemeinschaft der Glaubenden als Schiff bezeichneten, das die Gläubigen aus dem Sturm der Zeit und den gefährlichen Wogen des Schicksals rettet.
Das 12,50 m hohe Langhaus ist ein Saal zu fünf Achsen (Joche) mit Pilastergliederung und kräftig ausgebildetem Gebälk.



Deckengemälde im Kirchenschiff

Auch die Deckengemälde im Kirchenschiff stammen von Johann Georg Dieffenbrunner. Sie wurden 1764/65 geschaffen. Jedenfalls bestätigt der Künstler in einer eigenhändig geschriebenen Empfangsbescheinigung vom 21.2.1765, dass er "wegen in Fresco aus Mahlung dess pfarr Gotts Hauss S. Jacobi zu Vürkürchen nebst Kost, Trunckh und Quatier auch 550 Gulden bares Geld" erhalten hat.
Die drei Deckengemälde im Kirchenschiff zeigen -wie das Gemälde im Chor- Szenen aus dem Leben des Kirchenpatrons. Sie sind von gemalten Rahmen und einer reichen Gewölbedekoration mit ornamentalen Malerei umgeben, die bei der ersten Restaurierung 1872 übertüncht, später wieder freigelegt und erst 1960 restauriert wurde. An den Gewölbezwickeln befinden sich gemalte Rocaillekartuschen, in denen acht der zwölf Apostel dargestellt sind. Linke Seite von hinten: Thomas mit Winkelmaß, Matthäus mit einer Hellebarde, Bartholomäus mit Messer, Johannes mit Kelch.
Rechts von hinten: Simon mit Säge, Judas Thaddäus mit Keule, Jakobus der Jüngere mit Walkerstange und Buch, Philippus mit dem Kreuz

1. Gemälde

Im Anschluss an den Chorbogen wird die Verklärung Jesu auf dem Berg Tabor mit Jakobus, Petrus und Johannes (Mk. 9, 2-8) in einem 2,90 x 5,60 m großen Bild dargestellt. Links ist Jakobus in Rückenansicht unter einer Palme, in der Mitte Petrus kniend mit weit ausgespannten Armen zu sehen. Johannes auf der rechten Seite hat sich wie geblendet abgewandt. Im hellen Hintergrund erscheint Christus am Himmel, begleitet von
Moses und Elias. Dieses Bild soll -nach Aussage von Pfarrer Reichl- für den Betrachter den schon vorweggenommenen Himmel - die Auferstehung darstellen. "Das bedeutet für den Kirchenbesucher, der sein Leben in der Nachfolge Jesu geht, dass er immer sein Ziel "Ostern" vor Augen hat".

 

2. Gemälde
Das große Deckengemälde (10,2 x 8,30 m) in der Mitte des Kirchenschiffs zeigt das Martyrium des Heiligen Jakobus. Der Kirchenpatron erlitt im Jahr 43 n.Chr. als erster der Apostel den Märtyrertod (Apg.12,1-5).
Auf einer Wiese vor den Toren einer Stadt kniet Jakobus mit gefalteten Händen, den Blick zum Himmel gerichtet. Die Schultern sind entblößt. An ihn ist Josias gekettet, den Jakobus kurz vor seiner Hinrichtung bekehrt hatte und mit ihm gefangen wurde. Hinter Jakobus steht der Henker und zieht sein Schwert aus der Scheide. Viele Zuschauer umgeben die Hauptpersonen. Trauernde Frauen, Krieger und Götzenpriester sind auf der Wiese und auf Stufen im Vordergrund des Bildes versammelt. Über der Martyriumsszene öffnet sich er Wolkenhimmel kreisrund und gibt den Blick auf Engel und Putten frei, die einen Lorbeerkranz und zwei Palmzweige für Jakobus bereit halten.
  Hinweis: Der Kranz war das Ehrenzeichen des siegreichen Athleten, z.B. bei den Olympischen Spielen der Antike in Form eines Gewindes aus Laub, Blumen u.ä. Das Christusmonogramm war in der frühen Kirche öfters von einem Kranz umgeben und bezeichnete so Christus als den Sieger über den Tod (daher häufig auf Sarkophagen) oder - da die siegreichen römischen Kaiser den Lorbeerkranz trugen - als Kyrios, den Herrn der Welt. Als Siegeszeichen gebührte der Kranz auch den Märtyrern.

3. Gemälde

Das dritte Deckengemälde im Langhaus Salome vor Christus oberhalb der zweiten Empore wird größtenteils durch die Orgel verdeckt. Über dem linken Orgelprospekt ist der Kopf von Salome, der Mutter der Apostel Jakobus und Johannes zu sehen. Sie kniet vor Jesus und bittet ihn, er möge ihren beiden Söhnen Jakobus und
Johannes in seinem künftigen Reich die Ehrenplätze zu seiner Rechten und seiner Linken geben (Mt.20,20-23). Hinter Salome die Söhne Jakobus und Johannes; hinter Jesus eine Schar Jünger, in der der Apostel Petrus (ganz vorne) zu erkennen ist. Jesus weist zum Himmel um seiner Antwort Nachdruck zu verleihen: Nicht er, sondern sein Vater im Himmel vergebe die Plätze.

 

Seitenaltäre

Die etwa 1,90 Meter breiten und 4 Meter hohen Seitenaltäre wurden -wie der Hochaltar- wurden um 1710 erstellt; sie stammen somit noch von der 1759 eingefallenen Vorgängerkirche. Da sie im 19. und 20. Jh verändert wurden, entsprechen sie nicht mehr dem Originalzustand. Beide haben an der Predella geschwungene Akanthusranken. Oben sind sie von geflammten Strahlenkränzen geschmückt: Die von Johann Baptist Deyrer 1787 (nach anderer Quelle von Dieffenbrunner) gemalten Seitenaltarbilder waren eine Zeit lang (ab 1890) in der Kirche von Rudelzhofen ausgelagert. Die früheren, nicht mehr erhaltenen Altargemälde stammten von Christian Wink.

Linker Seitenaltar
Den linken Seitenaltar schmückt ein Ölgemälde von 1787 mit der Darstellung der Begegnung von Maria und ihrer schwangeren Base Elisabeth (Mariä Heimsuchung). Die beiden Frauen begrüßen sich im Vordergrund. Maria mit offenem Haar in das traditionelle rot-blaue Gewand gekleidet, an dem ein Pilgerhut hängt. Elisabeth mit dem Kopftuch, das sie als verheiratete Frau ausweist. Im Hintergrund stehen Josef, der Begleiter Mariens und Zarachias, der Mann von Elisabeth und Vater von Johannes dem Täufer.
Im Flammenkranz über dem Altarbild ist das Marienmonogramm enthalten.
  Hinweis: Maria hatte bei der Verkündigung durch den Erzengel Gabriel erfahren, dass auch ihre betagte Kusine Elisabeth guter Hoffnung war. Sie machte sich daraufhin auf den Weg, um Elisabeth zu besuchen (Lied: Als Maria übers Gebirge ging). Bei der Begrüßung durch ihre Kusine wurde Elisabeth offenbar, dass sie der Mutter des Gottessohnes begegnete, denn es heißt in der Bibel bei Lukas: Als Elisabeth den Gruß Marias hörte, da hüpfte das Kind in ihrem Leib und Elisabeth wurde erfüllt vom Heiligen Geist. Sie erhob laut ihre Stimme und rief: "Gebenedeit bist du unter den Frauen und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes!" Maria antwortete darauf mit dem Magnifikat, das mit den Worten beginnt: Magnificat anima mea Dominum (= Hoch preiset meine Seele den Herrn ..)


Assistenzfiguren
am Altar sind die Großeltern Jesu, die Heiligen Joachim (mit Schäferschaufel und zwei Opfertauben im Körbchen) und Anna (mit Buch und Kopftuch), beide mit einem Heiligenschein (Nimbus) in Form eines Strahlenkranzes um das Haupt. Die Figuren wurden in der Zeit um 1874 vom Bildhauer Johann Vordermaier aus München (andere Quelle: 1900/10) geschnitzt.


Die Schäferschaufel Joachims führt zum apokryphen Jakobusevangelium, nach dem ihm ein Engel erschien, während er auf dem Feld die Herden hütete. Die Opfertäubchen im Körbchen erinnern an folgende Legende: Joachim und Anna hatten lange keine Kinder. Dies galt im alten Israel als Makel und als Strafe Gottes. Deshalb wurde Joachim, als er im Tempel von Jerusalem das übliche Opfer, 2 Täubchen darbringen wollte, vom Priester zurückgewiesen.

Anna
hat nach den Apokryphen erst nach zwanzigjähriger kinderloser Ehe ihre Tochter Maria geboren. Deshalb wird sie in der Kunst immer als ältere, verheiratete Frau mit Kopftuch abgebildet. Das Buch in ihren Händen geht auf Legenden und Darstellungen zurück, in denen sie ihre Tochter Maria das Lesen lehrt. Das Thema der Unterweisung Mariens ist in der Kunst seit dem 14.Jh bekannt und war besonders in der Barockzeit beliebt. Es geht zurück auf die Bibelstelle aus dem Buch der Sprichwörter (1,8) "Höre mein Sohn, auf die Mahnung des Vaters und die Lehre deiner Mutter verwirf nicht" und wendet das Wort auf Maria an.  

In der Predella ein kleines etwas süßliches Gemälde des hl.Konrad von Parzham mit Kreuz und Klosterschlüsseln. Das Ölbild wurde um 1950 gemalt. Konrad von Parzham (1818-1894) wirkte 41 Jahre lang im Kloster Altötting als Pförtner, wo er mit Tausenden von Wallfahrern zu tun hatte, die mit vielerlei Anliegen und Bitten zu ihm kamen. Aber auch Kinder aus vielen armen Altöttinger Familien kamen bettelnd an die Pforte, keines von ihnen ging leer aus. 1934 von Papst Pius XI. heilig gesprochen. Damals wurden in unseren Kirche viele Figuren dieses Volksheiligen aufgestellt.

Der Flammenkranz im Aufsatz des Seitenaltars umgibt eine Kartusche, in der auf rotem Untergrund die Buchstaben des Namens der Gottesmutter Maria stehen.
Die Buchstaben M, R, I und A sind ineinander geschrieben.


In der Weihnachtszeit steht seit einigen Jahren vor dem Altar eine Krippe mit dem Kind. Links und rechts kniende Engelsfiguren, die früher den Hochaltar geziert haben.
Wenn Sie sich Krippen in den Kirchen des Landkreises anschauen möchten, klicken Sie hier....


Rechter Seitenaltar

Mittelpunkt des rechten Seitenaltars ist ein rundbogiges Ölbild (auf Leinwanduntergrund) das das Martyrium des hl. Sebastian zeigt. Es ist vom Maler Johann Baptist Deyrer signiert (ID 1787). Sebastian hängt -von Pfeilen durchbohrt, aber noch lebend, am Marterbaum.
   
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Um ihn herum drei Frauen. Eine löst die Pfeile aus dem Körper, die andere entsorgt sie und die dritte versorgt seine Wunden. Unter diesen Frauen ist auch die hl.Irene, die Witwe des Märtyrers Kastulus, die ihn der Legende nach später gesund pflegte. Über Sebastian schwebt ein Engel auf Gewölk mit den Märtyrer-Attributen Lorbeerkranz und Palmzweig in der Hand. Sebastian scheint ihm mit der Handbewegung bedeuten zu wollen, dass es für diese Auszeichnung noch zu früh ist.

Das Altarbild wird umrahmt von den Figuren des hl.Florian (rechts)
in römischer Soldatenkleidung mit Speer, Wasserschaff und brennendem Haus
sowie
des heiligen Vitus (links) in römischer Zivil-Kleidung mit Toga und Tunika, a
ber ohne sein sonst übliches Attribut, den Ölkessel.

Die Figuren wurden in der Zeit um 1874 vom Bildhauer Johann Vordermaier aus
München geschnitzt.


Hinweise: Sebastian soll nach der Legende im 3.Jh.ein Offizier der kaiserlichen Garde gewesen sein. Auf Befehl des Kaisers Diokletian wurde er wegen seines Glaubens mit Pfeilen durchschossen. Er erholte sich aber durch die Pflege von St.Irene, der Witwe des Märtyrers Kastulus, bekannte sich erneut zu seinem Glauben und wurde daraufhin mit Keulen erschlagen. Auf seine Anrufung hin, soll eine Pestepidemie abgewendet worden sein. Der heilige Sebastian wird deshalb als Pestpatron und -der Pfeile wegen- als Patron der Schützenbruderschaften verehrt.
Vitus,einer der 14 Nothelfer, wurde schon als Kind von seinem heidnischen Vater wegen seines christlichen Glaubens vor Gericht gestellt und in vielfältiger Weise gefoltert. Unter anderem wurde er in einen Kessel siedendes Öls getaucht.
Florian
war um das Jahr 304 Offizier der zweiten italienischen Legion des römischen Heeres. Wegen seines Glaubens wurde er verhaftet und nach vielen Martern mit einem Mühlstein um den Hals in die Enns geworfen. In seiner Jugend soll er ein brennendes Haus durch sein Gebet gerettet haben. Die Florianfigur in Vierkirchen hat sehr weiche Gesichtszüge.
Der Flammenkranz über dem Altarbild umgibt eine von Gewölk umrandete Kartusche, in der auf rotem Untergrund Symbolen für Pfeil, Krone und Palmzweig zu sehen sind. Die Attribute beziehen sich auf das Martyrium des Altarpatrons St. Sebastian.
Der Tabernakel aus marmoriertem Holz, mit einem Segmentbogengiebel, ist um 1900/10 entstanden.



Kreuzigungsgruppe

Das Hauptkunstwerk der Kirche ist die Kreuzigungsgruppe an der Südseite der Kirche mit einem Kruzifix und der darunter stehenden Schmerzensmutter Maria, die um 1874 nach Vierkirchen kamen. Beide Skulpturen dürften von dem bekannten Künstler Ignaz Günther (1725-1775) stammen. Sie wurden aber unabhängig von einander zu verschiedenen Zeiten geschnitzt und waren - diese zeigt der unterschiedliche Stil - nicht für eine gemeinsame Kreuzigungsgruppe konzipiert. Über die Figuren und den Weg, den diese bis Vierkirchen genommen haben, hat Elke Lamprecht in einem Artikel der Heimatzeitschrift von Vierkirchen, "Haus, Hof und Heimat 2007" ausführlich berichtet. Wenn Sie den Artikel lesen möchten, klicken Sie hier...

Der Corpus des Kruzifixes ähnelt einem Gekreuzigten, den Ignaz Günther für seine Heimatpfarrei Altmannstein geschnitzt hat, erreicht aber nicht ganz die Qualität des Altmannsteiner Kruzifixes. Man geht davon aus, dass es nicht von Ignaz Günther selbst, sondern aus seiner Werkstatt stammt. Wahrscheinlich war es für den Münchner Liebfrauendom bestimmt. Auf einer historischen Fotografie aus dem Jahr 1858 hängt über dem Altar im Dom ein Kreuz, das dem in Vierkirchen sehr ähnlich ist. Bei der Regotisierung der Liebfrauenkirche um 1860 hat man es entfernt.


Die blaue Madonna, die Mater Dolorosa wurde von Ignaz Günther um das Jahr 1765 geschaffen und 1874 von der Pfarrei Vierkirchen aus Spendenmitteln angekauft. An ihrem derzeitigen Platz in der Kirche steht sie aber erst (wieder) seit 1903, nachdem die Figur einige Zeit auf dem Dachboden des Tonibauern in Esterhofen gelagert hatte. Die Figur war im Laufe der Jahre mehrfach übermalt worden. Im Inkarnat hatte man bei der jüngsten Renovierung vier Fassungen festgestellt.

Blickfang der lebensgroßen Plastik sind das schmerzvolle Gesicht und die feingliedrigen, verkrampfende Hände der Madonna. Die Figur strahl, so Günther Pölsterl in seinem Buch "Die Gemeinden des Landkreises Dachau" (siehe Quellen) - "neben jugendlicher Anmut, Schönheit und Eleganz doch gleichzeitig einen tiefen, stillen Schmerz aus. Tief liegende, halb geöffnete Augen, ein ebenfalls leicht geöffneter, sanft gezeichneter Mund und das etwas zur Seite abgewandte Antlitz lassen auf Anhieb die tief sitzende Trauer erahnen. Umhang und Kopfbedeckung verstärken den Eindruck einer trauernden jungen Frau.
Das in das Herz der Madonna gestoßene goldene Schwert hinterlässt auf der Kleidung keine Blutspuren und deutet auf keinerlei körperliche Verletzung hin. Es ist nicht das Schwert, das den Eindruck vermittelt, Verursacher des Schmerzes zu sein, es ist jener innere, unergründbare Schmerz einer einzelnen jungen Frau, der in den Gesichtszügen der Madonna und der eindrucksvollen Gestaltung ihrer gefalteten Hände noch am ehesten physische Gestalt annimmt."


Madonna unter dem Kreuz von Ignaz Günther

Im o.a. Artikel von Elke Lamprecht ist auch die Renovierung der Figuren gut beschrieben.
Wenn Sie daran interessiert sind, klicken Sie hier..



Kanzel

Die Barockkanzel entstand um das Jahr 1710 und wurde im 19. und 20Jh. ergänzt und verändert. Sie ist rot und grau marmoriert und mit vergoldetem Schnitzdekor verziert. Der schöne Schalldeckel wird von einer Darstellung der Mosestafeln mit den 10 Geboten gekrönt; auf seiner Unterseite ist eine Heilig-Geist-Taube im Strahlenkranz angebracht. Zwischen Deckel und Kanzelkorb ist die bloße Wand zu sehen; eine Rückwand fehlt. Der Kanzelkorb gründet auf einer trichterförmigen Konsole. Zwischen Eckpilastern stehen in kleinen Nischen Figuren der vier Evangelisten Matthäus (mit Engel), Markus (mit Löwe), Lukas (mit Stier) und Johannes unter Muschelbekrönungen; sie kamen 1750 dazu.

 

 

 

Hinweise: Die Predigt wurde in altchristlicher Zeit -ähnlich wie heute- von einem Ambo aus gehalten. Ab dem 13. Jh. hat man Kanzeln gebaut, die zumeist seitlich im Mittelschiff ihren Platz haben, dort, wo die Gemeinde versammelt ist. Von hier aus konnten die Prediger auch von oben herab sprechen, was ihren Worten größere Wirkung verleihen sollte. Spätestens seit dem 2.Vatikanischen Konzil 1962 werden sie nicht mehr benutzt.
Die Gestalt der Taube für die künstlerische Darstellung des Heiligen Geistes gründet sich auf den Bericht der Taufe Jesu im Neuen Testament. Danach fuhr der heilige Geist in leiblicher Gestalt auf ihn hernieder wie eine Taube (Lk, 3,22). Obwohl dies nur bedeutet, dass sich der Geist bewegte sich wie eine Taube, nicht aber aussah wie ein Vogel, hat man die Taube als Symbol für die sonst nur schwer greifbare dritte Person Gottes gewählt. Das Konzil von Nicäa im Jahr 325 hat dies sogar empfohlen. Papst Benedikt XIV verbot 1745 die Darstellung der dritten göttlichen Person in Menschengestalt, wie sie vereinzelt immer noch vorkam.

Die vier Evangelisten-Symbole geflügelter Mensch, geflügelter Löwe, geflügelter Stier und Adler reichen zurück bis in den babylonischen Mythos. Dort stellten sie die vier Astralgötter Nergal (Flügellöwe), Marduk (Flügelstier), Nabu (Mensch) und Mimurta (Adler) dar, die vor den Heiligtümern Wache hielten. Im Alten Testament werden sie
in den Gottesvisionen Ezechiels (Ez 1,1-14), im Neuen Testament in der Offenbarung des Johannes (Kap.4 Vers 7) als die vier Lebewesen, die rings um Gottes Thron stehen, erwähnt. Zuerst hat man sie nur im Zusammenhang mit dem thronenden Christus abgebildet. Als Evangelistensymbole dienen sie erst seit dem frühen Mittelalter (durch die Kirchenväter Irenäus und Hippolyt um das Jahr 200).
Seit Hieronymus (347-420) werden sie wie folgt gedeutet: 
- Der geflügelte Mensch (nicht Engel !) bei Matthäus weist auf den Stammbaum Jesu und auf dessen Geburt (mit deren Bericht das Matthäusevangelium beginnt) hin. 
- Der geflügelte Löwe ist Sinnbild für Markus, weil das Markusevangeliums mit der Predigt des Johannes in der Wüste, dem Lebensraum des Löwen, beginnt und weil sein Evangelium die Kraft der Auferstehung und Todesüberwindung betont.
- Der geflügelte Stier (als Opfertier) des Lukas galt als Zeichen für den Beginn des Lukas-Evangeliums, das mit dem Opfer des Zacharias einsetzt und das am innigsten auf den Opfertod Christi hindeutet.
- Den Adler des Johannes versteht man als Symbol für den spirituellen Höhenflug des Johannes-Evangeliums, das mit den Worten beginnt "Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort".


Beichtstühle

In die Außenwände integriert sind die beiden gegenüber stehenden barocken Beichtstühle, die - wie die Altäre- um 1710/1715 (andere Quelle: 1750/60) entstanden sind. Das Holz ist rot und grau marmoriert und mit vergoldetem Schnitzdekor und Ziervasen geschmückt. Durch die Erhöhung des Mittelteils, in dem der Beichtvater seinen Platz hat, erhält der obere Abschluss die Form eines Dreiecks. Über dem Mittelteil sind Halbfiguren der Heiligen Petrus und Magdalena (mit bekümmerter Miene und einem Totenkopf in der Hand) angebracht. Ihre Namen sind in Schriftkartuschen zu lesen.
Ein dritter Beichtstuhl steht -braun überstrichen- hinter dem Hochaltar. Auf ihm die Halbfigur einer weiblichen Heiligen (Maria Ägyptiaca).
     
  Hinweis: Über Jahrhunderte hinweg wurde das Bekenntnis der Sünden offen im Kirchenraum beim Sitz (Kathedra) des Bischofs, später bei dem des Priesters im Altarraum abgelegt. Dieser besonders hervorgehobene Sitz des Beichtvaters war die Ausgangsform des Beichtstuhls. Durch die irisch-schottischen Mönchen wurde die Beichte im 10.Jh privatisiert, d.h., nicht mehr öffentlich abgelegt. Dazu bedurfte es nicht nur einer größeren Zahl von Priestern, sondern auch neuer Einrichtungsgegenstände. Der heutige Beichtstuhl entwickelte sich allerdings erst ab dem 16.Jh. zu einem feststehenden, meist dreiteiligen, mehr oder weniger geschlossenen Beichtgehäuse mit dem Mittelteil für den Priester (in dem der Priester sitzt - deshalb Beichtstuhl) und mit der Trennung von Priester und Beichtenden durch eine Zwischenwand mit Sprechgitter. Die Beichtenden knien abwechselnd in den Seitenteilen. Damit wurden bessere Bedingungen für einen anonymen Vollzug der Beichte geschaffen. In neuerer Zeit bieten sogenannte Beichtzimmer mit ihrer persönlichen Atmosphäre eine räumliche Alternative für Beicht- und Glaubensgespräche. Die Beichte geht auf das Bibelwort "Er hauchte sie an und sprach zu ihnen: Wem Ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem Ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert" (Joh 20,22) zurück.
Maria Magdalena ist aus der Bibel bekannt. Magdalena sorgte für Jesu Lebensunterhalt (Luk.8,3). Sie war auch bei der Kreuzigung Jesu dabei; ihr erschien Jesus nach seiner Auferstehung (Joh 20,15-17). Ob es sich bei Magdalena auch um die namenlose Sünderin handelt, die Jesus die Füße salbte (Luk 7, 37 - 38), wie die Legenden behaupten, ist ungewiss;  ihre Darstellung auf dem Beichtstuhl in Vierkirchen geht aber auf diese Episode zurück.

BeichtstuhlKristallleuchterKreuzwegbilderApostelleuchterDeckengemälde: Martyrium des hl.JakobusApostelleuchterDie GesetzestafelnKanzelKirchenbank-WangenKreuzwegbilderKristallleuchterOrgelAlter SpieltischBeichtstuhlDeckengemälde über der OrgelBienenkorbGetreidegarbeEpitaphTaube mit Ölzweig
Vergrößerung von 14 Details (Decke, Kanzel, Stühle, Orgel,
Kreuzwegbilder, Beichtstühle, Epitaph, Leuchter,
Bilder an unterer Emporenbrüstung)   per Mouseklick

Taufstein
Der etwa 1 Meter hohe Taufstein aus Untersberger Rotmarmor steht an der Nordwand in einer muschelförmigen Nische. Er wurde 1689 von Pfarrer Sartor aufgestellt. Das teilt uns die Inschrift auf dem Rand mit: "A:R:D:M: Daniel Sartor Parochus Vierkirchensis erexit Ao 1689". Der kupferne Deckel aus dem 19.Jh. ist in der Form einer Muschel gehalten.


Kreuzwegbilder

Die dekorativen Kreuzwegbilder (Öl auf Leinwand) wurden 1943 vom Kirchenmaler Christian Seibold überarbeitet. Sie werden derzeit einzeln restauriert.
Der erste Kreuzweg wurde in Vierkirchen übrigens durch Pfarrer Gröbmayr um 1760 eingeführt. Bis zu diesem Zeitpunkt waren Kreuzwegstationen nur außerhalb von Kirchenräumen üblich. 100 Jahre später, 1874, hing ein neuer Kreuzweg des Kunstmalers M.Berz aus München in der Kirche.

 

Wenn Sie mehr über die Entstehung der Kreuzwegstationen und seiner Darstellungen in Kirchen des Landkreises erfahren wollen, klicken Sie hier...
Kirchenbänke

Die durch die frühere Verwendung der Wachsstöcke von vielen kleinen "Brandwunden" gezeichneten Kirchenstühle (19 Reihen) wurden um 1760 eingebaut und ersetzten die von Kistler Paul Westermair im Jahr 1674 gefertigten Stühle. Sie haben geschnitzte Eichenwangen mit Rocaillemotiven. Die vierte Wange von Osten (von vorne) ist von deutlich besserer Qualität und könnte möglicherweise ein Musterstück eines Meisters für einen weniger guten Mitarbeiter sein.

Wenn Sie auch schön geschnitzte Stuhlwangen anderer Kirchen im Landkreis sehen möchten, klicken Sie hier...
  Hinweis: Kirchenstühle gab es nicht von Anfang an in den Kirchen. Die ersten 1500 Jahre standen die Gläubigen oder bewegten sich langsam im Raum. Lediglich für Alte und Schwache gab es einige Stühle an den seitlichen Wänden. Ohne Kirchenstühle fasst die Kirche viel mehr Menschen; bei dichtem Gedränge während des Gottesdienstes schien der Raum voller Bewegung zu sein. Das feste Gestühl wurde zum Spiegel einer disziplinierten Gemeinschaft, in der jeder seinen festgefügten Platz hatte. Im 16.Jh. sind zuerst die evangelischen Kirchen mit Bänken ausgestattet worden, weil dort die Predigt als Medium der Heilsvermittlung einen größeren Raum einnimmt. Die katholischen Kirchen zogen erst später nach. Die Bestuhlung war einer der Gründe, dass die Kirchen zu Beginn der Barockzeit vergrößert werden mussten.


Apostelleuchter und -kreuze
Unter den Kreuzwegbildern sind die von Georg Spitzer aus Dachau im Jahr 1700 geschmiedeten und von Joseph Seehauser aus Freising vergoldeten Apostelleuchter mit gemalten Apostelkreuzen als Hintergrund angebracht. Hierzu vermerkt die Kirchenrechnung von 1700: "Georg Spizer Burger unnd Schlosser in Dachau hat 12 neue Appostlleichter sambt dennen darzue gehörigen pugglen Gemacht unnd das Eisn selbst hergegeben. Joseph Seehauser Mahler in Freising hat solche Leichter metallisirt mit Golt Fürniß yberfahren".
Die Apostelkreuze sind von alters her von einem Kreis umgeben (Nimbuskreuz). In der Barockzeit hat man diesen Kreis -wie hier in Jedenhofen- als Lorbeerkranz mit Schleifchen gestaltet. Im Inneren des Kreises befindet sich ein gleichschenkliges oranges Kreuz (ähnlich Templerkreuz) auf weißem Grund. Die Kreuzbalkenenden sind als stilisierte Lilienblüten gestaltet. Lilien und Kreuz sollen Schöpfung und Erlösung symbolisieren.
  Hinweis: Die Apostelleuchter erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlischen Jerusalems.
Die Apostelkreuze in Vierkirchen sind ähnlich gestaltet wie die Kreuze in Mittermarbach, Indersdorf, Webling, Petershausen und Jedenhofen. Wenn Sie die Apostelleuchter und Apostelkreuze in den Kirchen unseres Landkreises vergleichen möchten, klicken Sie hier....

Der Kirchenraum wird von prächtigen Kristallleuchtern erhellt.



Epitaphe

Epitaphe gibt es in unseren Kirchen erst seit dem 14. Jh. als Gedächtnismal für einen Verstorbenen in Form einer Steinplatte, die innen oder außen an der Kirchenwand senkrecht aufgestellt wird. Epitaphe (griech. Grabinschrift) wurden für diesen Zweck eigens angefertigt; sie sind keine früheren Grabplatten. Das Epitaph ist auch kein Grabmal, weil sich weder dahinter noch darunter ein Grab befindet.
Auch in Vierkirchen gibt es mehrere Epitaphe im Langhaus und an der Südseite des Kirchturmes. Sie stammen aus der Zeit zwischen 1588 und 1779.
Das prächtigste Epitaph ist das des Johannes Gregorius Gröbmayr. Es wird von einem Totenschädel und zwei Putten gekrönt. Als Vanitasmotive sind rechts oben die Sense, links oben eine abgebrochene Kerze zu sehen. Der rechte Putto hält den Bauplan der Kirche in den Händen. Gröbmayr war von 1739-1779 Pfarrer von Vierkirchen. In dieser Zeit wurde die Kirche erbaut.

Der Text lautet:

Hoc
Monumentum Sibi et Matri suae MARIAE p.m. (=piae memoriae) Anno 1746 aetatis suae 80 annorum defunctae et sub atrio sepultae in perennem pietatis observantiam posuit IOANNES GEORGIUS GRÖBMAYR Rector et Erector huius Ecclesiae caepit erigere Anno 1763. Rexit per 40 Annos 10.Oct.(obris) obiit Anno 1779 aetatis suae 76
+ + +
Parce nobis summe Deus.
Pie Jesu Domine inter oves locum praesta.
Ab haedis nos sequestra statuens in parte dextra. Dona nobis requiem


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Übersetzung (von Dr.Kick):
Dieses Denkmal hat sich und seiner Mutter MARIA frommen Angedenkens, die 1746 im 80. Lebensjahr verstorben und im Kirchenschiff begraben wurde zur fortwährenden treuen Ehrerbietung gesetzt IOANNES GEORGIUS GRÖBMAYR Planer und Errichter dieser Kirche. Er begann mit dem Bau im Jahre 1763. Er war Vorsteher durch 40 Jahre, er starb am 10. Oktober 1779 im 76. Lebensjahr.
+ + +
Schone uns, höchster Gott.
Oh frommer Herr Jesus, weise uns den Platz bei den Schafen, scheide uns von den Böcken, indem du uns auf die rechte Seite stellst.
Schenke uns die (ewige) Ruhe. Amen.

 
Epitaph für Pfarrer
Daniel Sartorius
gestorben 6.Juli 1713
Grauer Marmor
Maße: 119 x 71 cm

Epitaph für Franziskus Sartorius
gestorben 5.April 1693
aus Rotmarmor

Maße: 90 x 53 cm.
Sein Bruder Daniel Sartorius hatte 1695 für ihn, "den gewesten churfürstlichen Hattschier sel." einen "ewigen Jahrtag gestüfftet".

Epitaph für Pfarrer Johannes Mentzinger gestorben 4. Januar 1605.
aus Rotmarmor


E
ingangsbereich

In der Nähe des auf der Südseite gelegenen Eingangs (mit einem kupfernen Weihwasserkessel und Türen mit prächtigen alten Türschlössern) ist an einer der Emporensäulen ein schöner alter Opferstock -mit Eisen und Ziernägeln beschlagen-angebracht. Auch er stammt wohl noch aus der Erbauungszeit der Kirche in der Mitte des 18.Jh.
In den Kirchen des Landkreises Dachau gibt es viele unterschiedliche, außerordentlich interessante Opferstöcke. Wenn Sie sich dafür interessieren, klicken Sie hier..
 

Orgel


Klick
Die um 1740 von dem Dachauer Orgelbauer Quirin Weber geschaffene Orgel im fünfteiligen Prospekt dürfte erst nach 1767 in die Kirche gekommen sein. Sie wurde 20 Jahre später, 1787, vom Freisinger Künstler Johann Deyrer gefasst. 1874 hatte sie 8 Register. Im Jahr 1959 wurde sie von der Fa. Carl Schuster & Sohn, Mch um eine elektropneumatische Orgel (Steiner) erweitert, die von einem neuen quergestellten Spieltisch auf der Südseite gespielt wird. Die neue Orgel hat zwei Manuale und 17 Register.
Auch die alte Orgel (hier ein Bild des Spieltisches) mit der Schleifladentechnik (mechanische Registerführung) wurde 1991 für 130.000 DM wieder restauriert und ist spielbereit (z.B. Konzert v.Peter Kofler am 19.10.2003). Vergleichbare Orgeln soll es in Bayern nur noch acht geben.


  Disposition der originalen Weber-Orgel von 1740 (nach Brenninger):
Manual (C-c''', 45): Gedeckt 8', Salicional 8', Gamba 8', Principal 4', Flöte 4', Octav 2', Quint 2 2/3', Octav 2', Mixtur 1' + 2/3' + 1/2'.
Pedal   (C-a, 18): Subbaß 16', Octavbaß 8'.
Im Ersten Weltkrieg waren generell auch die Orgelpfeifen zur Ablieferung bestimmt worden. Die Vierkirchner Orgel wurde aber davon ausgenommen, weil sie aus der Zeit vor 1830 stammte.
  Hinweise:Die Orgel mit ihren vielen Pfeifen, die über ein Gebläse zum Klingen gebracht werden, steht meist im rückwärtigen Bereich der Kirche auf der Empore. Sie hielt erst allmählich Einzug in die Kirche, weil sie bis in das 11. Jahrhundert als profanes Instrument galt, das für das höfische Zeremoniell verwendet wurde. Erst ab dem 13. Jh wurde es zur Regel, in allen bedeutenden Kirchen Orgeln zu errichten. Heute gehört eine Orgel zur Ausstattung jeder Kirche. Mit ihrer Klangvielfalt und Klangfülle trägt die Orgel zur Verherrlichung Gottes bei. Der Orgelprospekt, die Schauseite der Orgel, wurde meist durch Künstler gestaltet. Im Barock, dem unsere ältesten Orgeln angehören, wurde der Prospekt mit reicher Ornamentik verziert. Heute setzt sich immer mehr der "offene" Orgelprospekt durch, der allein durch die harmonische Anordnung der Pfeifen wirkt. 
Eine Zusammenstellung der schönsten Orgelgehäuse in den Kirchen des Landreises können Sie sich hier... anschauen.


Emporenbrüstung

Die auf sechs kannelierten Säulen ruhende Doppelempore birgt noch originales, einfaches Gestühl aus der Erhauungszeit (18.Jh). Die Brüstung ist mit freskierten, blauen Emblemen geschmückt. An ihnen hat nach Ansicht der Verfasser des Buches Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland -siehe Quellen- auch Pfarrer Gröbmayr, der Erbauer der Kirche, in der Auswahl der Themen mitgewirkt. Die Bilder sind jeweils mit einem Text versehen, dessen Aussage und Bedeutung sich oft nur unter Berücksichtigung des Lebens und Wirkens von Pfarrer Gröbmayr erschließen:
Obere Empore:
Phönix
(Wenn er verbrannt wird, wird er erneuert - Sinnbild für eifrige und verschwiegene Seelenführung),
Pelikan (Aus Liebe gibt er sein Blut - Sinnbild für den Einsatz für Untergebene und Schwächere)

Hirsch (Solange er führt, bewahrt er die Seinen - Sinnbild für den Pfarrer, der seine Schäfchen vor der Hölle bewahrt),
Apfelbaum (Er bringt viele gute Früchte hervor - Bemühungen des Pfarrers um das Heil der Pfarrkinder führen zum Erfolg),
Leuchtturm
(Schau, der Leuchtturm, durch den Rettung kommt - Sinnbild für das Leiten der Pfarrei durch den Pfarrer),

untere Empore:


Den Honig versteckt sie, wenn sie sammelt.
(das Wirken und die Vorzüge eines Landpfarrers bleiben der Welt verborgen)

Friede durch diesen lebendigen Ölzweig
(wie dieser Vogel bringt der Pfarrer nicht Nahrung sondern Seelenfrieden)

Er ängstigt sich nicht, er grüßt die Sonne
(der Adler ist Sinnbild für die Hingabe an Gott
und somit auch Symbo für den Pfarrer )

Blume der Liebe, Edelstein unter den Blumen
-Sonnenblume = Sinnbild für die Liebe zu Gott

Wenn die Hoffnung nicht eitel ist, blüht das Korn
das Bild der Getreidegarbe soll auf den Erfolg der geleisteten Seelsorge hinweisen


Sakristei

Bemerkenswert sind auch die alten barocken Sakristeischränke aus der Zeit um 1689, die sich mehr durch Zufall noch erhalten haben. Sie sind mit aufgesetzter Schnitzornamentik (Fruchtgehänge) und kassetierten Füllungen verziert. Ein früherer Pfarrer wollte die Schränke entfernen, doch fehlte wohl das Geld für eine neue Einrichtung.
In der oberen Sakristei (hinter dem Oratorium) stehen weitere barocke Sakristeischränke. An der wohl noch gotischen Tür über der Treppe mit Kleeblattbogen ist ein barockes Kastenschloss zu bewundern.
In der Sakristei hängt auch noch ein kleines Portrait von Pfarrer Dr.Josef Zailer, der die Pfarrei in der zeit von 1856 bis 1866 geleitet hat. Seine Tätigkeit in Vierkirchen - so sein Nachfolger Steinberger- war vor allem eine beherrschend ökonomische. Er rundete den Kirchenbesitz ab und vermehrte die Pfarrgründe. 1866 wurde er, 47jährig, als Commorantpriester (Pensionist) nach Freising beordert, wo er "erst 53 Jahre alt, nach siebenjähriger, literarischer Thätigkeit, gläubig, mit Gott und den Menschen versöhnt, voll der seligsten Zuversicht auf das Jenseits am 19.April 1872 starb.


Im Leichenhaus steht ein Geißelheiland aus dem 18. Jahrhundert, dessen Platz früher in der Kirche war.
  Hinweis: Die ersten Darstellungen von Jesus an der Geißelsäule entstanden zwar schon im Mittelalter. In den Landkreis Dachau gelangten vereinzelte Bilder jedoch erst im 17.Jh. Die große Verbreitung dieser Darstellungen setzte noch 100 Jahre später, nach dem Wunder in der Wies (1738) ein. Der Heiland auf dem Bild beim Wiesbauern bei Steingaden soll Tränen vergossen haben. Daraufhin setzte eine Wallfahrt ein und die berühmte Wieskirche wurde gebaut. Die meisten der rd. 15 Geißelheiland-Darstellungen im Landkreis Dachau wurden nach dem Vorbild des Wies-Heilands gestaltet; so auch in Vierkirchen.


Pfarrhof

In der Nähe der Kirche steht der stattliche, erst vor kurzem renovierte Pfarrhof. Er wurde vor 170 Jahren neu errichtet, nachdem der Vorgängerbau aus dem Jahr 1691 am 18.10.1834 mit den Ökonomiegebäuden völlig abgebrannt war. "Pfarrer Lohberger rettete nichts daraus als sein Leben" schrieb Pfarrer Steinberger in seiner Chronik von 1879.
Die ersten Nachrichten über den Vierkirchener Pfarrhof erhalten wir aus der Zeit kurz nach dem 30jährigen Krieg. Pfarrer Sartor (1683-1713) ließ die hölzernen Pfarrhofgebäude abreißen und in den Jahren 1686-1688 neu aufbauen, die 1811 nach einem fürchterlichen Hagelschlag als ruiniert bezeichnet und unter großem finanziellen Aufwand wieder hergestellt werden mussten.
23 Jahre später, im Jahr 1834, vernichtete das Feuer alle Gebäudlichkeiten. Drei Jahre dauerte der Wiederaufbau unter Pfarrer Lohberger.
Die Kosten des Neuaufbaus trug zu 2/3 die Brandversicherung. Ob der Aufbau des neuen Pfarrhofs wieder nach den Plänen des Freisinger Hofbaumeisters Martin Hupfauer von 1686 erfolgte, ist eher unwahrscheinlich.

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In der Chronik heißt es: Pfarrhaus und Ökonomie-gebäude, Stall und Stadel erhielten gegen früher eine andere Lage als auch eine größere Ausdehnung, da sie statt in der Richtung von Nord nach Süd nun von Westen nach Osten ausgeführt wurden.
1848 beschädigte ein schlimmer Hagelschlag die fast noch neuen Gebäude, die die nächsten 50 Jahre Heim und Nebenerwerbsstätte des Pfarrers waren. Pfarrer Dr.Zailer arrondierte um 1860 durch Zukauf den Grundbesitz, der dann insgesamt 181 Tagwerk (=ca 61 ha) Grund umfasste. Aber noch einmal brannten die Gebäude: Am 22.10.1861 der Stall und im Frühjahr 1862 der Pfarrstadel.
"Wegen der schlimmen Erfahrungen mit dem Baumeister (= Großknecht) und allen anderen Dienstboten, wegen ihrer Heimtücke und Unredlichkeit" sah sich Pfarrer Kannreuther genötigt, den Eigenbetrieb der 135 Tagwerk umfassenden Pfarrökonomie aufzugeben und ihn zu verpachten. Er versteigerte das gesamte lebende und tote Inventar und erlöste dafür 12.500 Mark. Die Feldfrüchte wurden am Halm verkauft. So heißt es in der Chronik. Die bewegliche Habe des Pfarrhofs einschließlich des Viehs gehörten zum persönlichen Gut des Pfarrers und wurden i.d.R. vom neuen Pfarrer mit Geldzahlungen abgelöst.
Doch das Plakat mit der Versteigerungsbekanntmachung, von dem noch ein Bild existiert, legt nahe, dass das lebende und tote Inventar schon im Jahr 1891, gleich nach dem Tode von Pfarrer Michael Breitenauer und noch vor Antritt des neuen Pfarrers Kannreuther versteigert wurde. Testamentsvollstrecker war der Pfarrer Neumair aus Petershausen. Das Plakat enthält neben Bildern von Haustieren und Gerätschaften folgenden Text:

 

"Am Mittwoch den 1. und Donnerstag den 2.April wird im Pfarrhof zu Vierkirchen (Station Esterhofen) sämmtlicher Rücklaß des verlebten hochw. Herrn Pfarrers Michael Breitenauer daselbst gegen sofortige Baarzahlung versteigert und zwar am Mittwoch Vormittag halb 9 Uhr Oekonomiegeräten und Wagen anfangend, ... kommen sodann die Pferde, Hornvieh, Heu und Grummet, sowie das Getreide zum Auswurf. Donnerstag Vormittag halb 9 Uhr anfangend kommen die im Wohngebäude befindlichen Möbel, Haus- und Küchengeräthe, als:
5 vollständige Betten mit Bettläden, 9 Dienstbotenbetten, 2 Kleiderkästen, 4 Komodkästen davon 2 mit Aufsatz,
2 Nachtkästchen, 2 Sopha, 15 Sessel, 2 Lehnsessel, 1 Schreibtisch, 1 Auszugstisch, 1 runder Tisch, 1 Waschtisch, 1 großer Milchkasten,Spiegel, Bilder, Hänguhren, Tischbestecke, feines Glas und Porzellan, Haus- und Küchengeräte, 8 große Oleanderstöcke mit Kübeln, 6 Pferde, darunter 1 mit Fohlen, 1 zweijähriger Hengst, 1 Jährling, 14 Kühe, alle großträchtig,
3 trächtige Kalbinnen, 7 Stallkälber, 2 Stiere und 1 junger Stier, 2 Ochsen, ,3 Mutterschweine, 45 Hennen, 1 Hahn, 200 Ztr. Heu, 200 Ztr. Grummet, 500 Ztr. Stroh, 120 Ztr. Waizen, 150 Ztr. Korn, 60 Ztr. Haber, 20 Ztr. Gerste, 1 Dresch- und 1 Gsottmaschine, 1 englischer Heurechen, 6 Fuhrwägen, 1 Einspänner-Chaischen, 1 Bendlschlitten, 3 Pflüge, 4 Eggen,
1 Putzmühle, mehrere Pferdegeschirre und sonstige Stall- und Oekonomiegeräthe zum Auswurf.
Steigerungsinhaber ladet freundlichst ein Testamentsexekutor Neumair, Pfarrer in Petershausen.
Sedlmayr, Auktionator".
Die Ökonomiegebäude wurden übrigens 1953 abgebrochen; die Steine verschenkte man an fünf Flüchtlingsfamilien, die sich daraus ein neues Wohnhaus errichteten.
Einen interessanten Einblick in den Alltag auf dem Pfarrhof erlauben Aufzeichnungen von Pfarrer Breitenauer aus dem Jahr 1880. So lautete der wöchentliche Speisezettel wie folgt:
Früh:     täglich Brotsuppe mit Kartoffeln.
Mittag:  täglich -außer Freitag-Fleischknödel; am Freitag Rohr- oder Dampfnudeln.
Abends: Sonntag: Brotsuppe mit Kartoffeln, Montag: Dampfnudeln, Dienstag: Schmarrn, Mittwoch: Topfennudeln oder             Schucksen, Donnerstag: Dampfnudeln, Freitag: Knödel oder Zwudlsuppe. Samstag: Schmalznudeln.
Außerdem gab es an jedem Vormittag und Nachmittag als Brotzeit Scheps, Kartoffeln und Brot.
Einen Eindruck von der Wertigkeit der verschiedenen Tätigkeiten vermitteln die Jahreslöhne:
Tätigkeit:
Baumeister
1.Knecht
Mitterknecht
Drittler
Bub

1.Dirn

2.Dirn
Küchenmagd
Haushälterin
Jahreslohn i.Mark:
260
230
150
130
90
180
140
120
120

Der Vierkirchener Heimatforscher Helmut Größ hat im November 2011 einen ausführlichen Aufsatz über
die Geschichte des Pfarrhof
Vierkirchen in der Zeitschrift Haus, Hof u. Heimat geschrieben.
Wenn Sie daran interessiert sind, klicken Sie hier...

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Jakobsweg

Seit 2007 liegt Vierkirchen auch an einem Jakobsweg. Zwischen dem Regensburger und dem Münchner Jakobsweg wurde eine Verbindung eingerichtet, die von Neustadt a.d.Donau über Pfaffenhofen/Ilm und Vierkirchen nach Dachau führt. Dort mündet er in den Jakobsweg, der die Amper aufwärts bis zum Ammersee führt.
Jakobswege (span. Camino de Santiago) werden alle Pilgerrouten genannt, die von allen Gegenden Europas in Pamplona/Spanien zusammenlaufen . Von dort führt ein einheitlicher Pilgerweg ins 800 km entfernte Santiago de Compostela zum Grab des Apostels Jakobus d.Älteren. Der Jakobsweg hatte im Mittelalter nach der Eroberung Jerusalems durch die Araber im 12.Jh großen Aufschwung erfahren. Mehrere Jahrhunderte lang gehörte Santiago zu den bedeutendste Wallfahrerzielen der Christenheit. Nachdem der Weg in neuerer Zeit fast in Vergessenheit geraten war, erfreut er sich seit 30 Jahren wieder steigender Beliebtheit.

Hans Schertl


Lieber Besucher, Sie können sich Bilder aus der Pfarrkirche St.Jakob in Vierkirchen auch
als Diavortrag anschauen (nur bei eingeschalteter Script-Funktion). Klicken Sie hier....

Quellen:
Lorenz v.Westenrieder, Statistische Beschreibung des churfürstl. Landgerichts Dachau,1792
Joseph von Obernberg, Reisen durch das Königreich Baiern, 1816
Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874
Mathias Steinberger, Die Pfarrei Vierkirchen, 1879
Theodor Bitterauf, Die Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (Nr.435, 484, 574, 811, 862, 1105, 1110, 1146,
         Nrn: 1147, 1226-Ramelsbach)
Josef Scheidl, Die Bevölkerungsentwicklung des Landgerichts Dachau im Laufe früherer Jahrhunderte, 1925 (1741-80)
Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 11/12, 1958 (Gerichtstag 850)
Kirschbaum, Lexikon der Christlichen Ikonographie, 1968
Das große Kunstlexikon von P.W. Hartmann
Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
Wilhelm Störmer, Adelige Eigenkirchen und Adelsgräber - Denkmalpflegerische Aufgaben,1975, ZBLG 38, S.1142-1158 (UrkNr)
Georg Brenninger, Orgeln in Altbayern, 1978
Max Gruber, Die Pfarrkirche Vierkirchen und ihre Filialkirchen sowie die Pfarrkirche Giebing, 1979
Alois Angerpointner, Die Geschichte der Pfarrei Vierkirchen bis 1880, Amperland 1979
Pfarrer Wolfgang Lanzinger, Aus der Chronik der Pfarrei Vierkirchen über das letzte Jahrhundert, Amperland 1979
Max Gruber, Im Dachauer Land wirkende Bildhauer, Amperland 1982/1
Max Gruber, Für Dachau tätige Architekten und Maurermeister, Amperland 1982/3
Max Gruber, Im Amperland tätige Schlosser und Spengler, Amperland 1985/2
Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres 1560, 1986
Max Gruber, Im Amperland tätige Kistler, Schreiner, Tischler und Schneidkistler, Amperland 1986/3
Max Gruber, Im Amperland tätige Zimmermeister, Amperland 1986/4
Josef Bogner, Dorfkirchtürme im Amperkreis, Amperland 1989/1
Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV: München und Oberbayern, 1990
Dr.Stefan Nadler, Kunsttopographie des Erzbistums München und Freising, 1990
Fritz Demmel, Die Burghauser Stadtmaurermeister Franz Anton und Joseph Glonner, 1990
Liebhart/Pölsterl, Die Gemeinden des Landkreises Dachau, Bd 2 der Kulturgeschichte des Dachauer Landes, 1991
Bauer/Rupprecht, Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, 1996
Robert Böck, Kirchenrechnungen Landgericht Dachau, 1996 (Sonnenuhr 1700)
Barbara Deger, St.Jakobus, Patron der Pfarrkirche Vierkirchen, 2001
Dachauer Nachrichten vom 27.10.1951 (Glocken), 3.7.2001, 30.1.2002, 16.10.2003, 28./29.7.2007 (Camino)
Dachauer SZ vom 16.10.2003 u. v. 31.7.2007
Madonna-das Bild der Muttergottes, Dombergmuseum Freising, 2003
Karl Grüner, "Unten bauchig, oben spitz", Münchner Kirchenzeitung, v. 25.9.2005 und vom 2.10.2005
Helmut Größ, Eine Tragödie im Pfarrhof, "Haus, Hof und Heimat" Nr. 3 /2006 (Pfr. Zwieselberger)
Zeitschrift "Haus, Hof und Heimat", Vierkirchen 2007 (Pfarrherrenliste)
Dr. Walter Kick, Ein Epitaphium wird entschlüsselt- Ein i-Tüpferl zu viel! - Zeitschrift "Haus, Hof und Heimat", 2008
Helmut Größ, Empfangsbestätigung des Malers Dieffenbrunner vom 21.2.1765
Dr.Franz X.Glasschröder, Streit um die Pfarrei Vierkirchen vor dem Baseler Konzil, Zeitschrift "Haus, Hof u.Heimat", 2011
Martin Sellmeier, Obersüßbach, 2011 (Georg Sellmeier)
Dr.Eckard Bieger, Das Bilderlexikon der christlichen Symbole, 2011 (Bauform)

71 Bilder: Helmut Größ (5), Hubert Eberl (1), Hans Schertl (65)

Kirchen und Kapellen im Landkreis Dachau - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür




 


Pfarrer Graf Edling von Görtz

Graf Edling war von 1780-1791 Pfarrer in Vierkirchen. Einer seiner Nachfolger, Pfarrer Steinberger, schrieb in der Chronik der Pfarrei (1879), Edling sei eines Tages von Vierkirchen weggefahren und niemand wisse, wo er geblieben sei.
Die Vierkichner Heimatforscher konnten nachweisen, dass Edling Ende 1791 nach Wien gefahren ist, weil dort sein Bruder erkrankt war (Johann Nepomuk von Edling +1793). Als Edling zwei Jahre später immer noch nicht in seine Pfarrei Vierkirchen zurückgekehrt war, wurde er vom Fürstbischof entlassen. Edling blieb vermutlich in Wien und reiste später über Prag (1798) und Hamburg (1799) nach Lübeck, wo er 1800 seine Domherrenstelle antrat. Edling war nämlich gleichzeitig Pfarrer in Vierkirchen, Domherr in Lübeck (ab 1779) und in Breslau (kein Nachweis) sowie geistl. Rat in Freising. Er starb verarmt 1830 in Lübeck. In Vierkirchen hinterließ er über 2000 Gulden Schulden und ein Ölgemälde, das ihn als Chorherrn zeigt. Graf Edling ließ in Vierkirchen die Innenausstattung der Kirche farbig fassen und das Fresko am Oratoriengitter anbringen, das ihn groß herausstellt. Zudem sorgte er für die Reparatur und die Bemalung der Emporen.
Ein ausführlicher Bericht über sein Leben ist in der Heimatzeitschrift "Haus, Hof und Heimat", Heft 10 im Dez. 2010 erschienen.

30.11.2011


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Liste der Pfarrherren Visitationsbericht 1560 Die Kirche im Jahr 1866
Bericht über Glocken Berichte über das Kriegende 1945 Der Pfarrhof in Vierkirchen
  Zeitungsberichte aus dem Pfarrleben Franz Anton Glonner