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Alte Zeitungsberichte aus dem Pfarrleben von Vierkirchen
Recherchiert von Hubert
Eberl, Bergkirchen
http://home.arcor.de/hubert1112.eberl/zeitung/index.htm
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Jahr
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Ereignis |
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Bericht
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1879
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1100-Jahr-Feier -Amperbote vom 12.7., 16.7., 19.7 und 23.7.1879 |
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1928
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Fahnenweihe in Vierkirchen - Amperbote vom 9.9.1928 |
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1929
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Primiz von Josef Hillrainer - Amperbote vom 18.07.1929 |
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1930
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Abschiedsfeier für Kooperator Götz - Amperbote vom 28.03.1930 |
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1932
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Resignation von Pfarrer Spötzl - Amperbote vom 20.2.1932 |
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| Einzug des neuen Pfarrerherrn Andreas Bräd - Amperbote vom 4.5.1932 |
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1950
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Primiznachfeier für Neupriester Johann Hillreiner - Dachauer Nachrichten v. 20.7.1950 |
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1951
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Neue Glocken für Vierkirchen - Dachauer Nachrichten vom 27.10.1951 |
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1963
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G. Huber, Mesner von Pasenbach, 80 Jahre - Dachauer Nachrichten vom 28.01.1963 |
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| Vierkirchens Pfarrkirche 200 Jahre - Dachauer Nachrichten vom 17.04.1963 |
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1964
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HH. Jakob Schmitter gestorben - Dachauer Nachrichten vom 02.04.1964 |
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| Pfarrer Wolfgang Lanzinger 25 Jahre Priester - Dachauer Nachrichten vom 26.06.1964 |
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1968
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Primiz von Bernhard Bossert - Dachauer Nachrichten vom 22.04.1968 und vom 03.05.1968 |
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Jubelfeier in Vierkirchen
Amperbote vom 12.7.1879
Die pfarramtliche Registratur in Vierkirchen birgt außer anderen Schätzen eine Urkunde vom fürstbischöflichen Ordinariat Freising vom 17.6.1797; wonach Fürstbischof Ludwig Josef aus Anlass des tausendjährigen Bestehens der Pfarrei am 27. Juni nachmittags in Vierkirchen eintreffen, um 4:00 Uhr das heilige Sakrament der Firmung zu erteilen den Anfang machen, den 28. die Filiale Kirche Rudelzhofen, am neunundzwanzigsten aber am Fest der heiligen Apostel Peter und Paul die Pfarrkirche einweihen werde; - und überdies Ausschreibungen des damaligen Pfarrherrn Johann Gröbmair, aus denen hervorgeht, dass diese Tage äußerst festlich und unter großem Jubel des Klerus und Volkes begangen wurden. Dies vorangeschickt, kann jeder, auch der Befangendste, sich die heurige Feier in Vierkirchen, als die des 1100 jährigen Bestandes der Pfarrei leicht erklären! Alles war aber auch bestrebt, dieser Forderung nachzukommen!
Frühzeitig schon begannen die Vorbereitungen
zu dem Fest. Zuerst erschien die Festschrift: "Die Pfarrei Vierkirchen in der
Erzdiözese München und Freising, herausgegeben von Matthias Steinberger, Pfarrer
daselbst!" Sie wurde aufgelegt in der Lentner`ischen Buchhandlung in München
und fand allerorts die günstigste Aufnahme. Beigegeben sind diese Beschreibung
die Pfarrkirche - ein äußerst gelungener Steindruck von Böheim in München, und
die Wappen sämtlicher Adeliger, die einst in der Pfarrei Vierkirchen hausten.
Besonders beachtenswert dürfte die des Freiherrn Richard von Vequel Westernach
auf Kammerberg sein, als die des einzigen im ursprünglichen Pfarrbezirk Vierkirchen
noch begüterten und sesshaften Edelherren, und die von Biberbach, welche von
Pfarrer Steinberger neu aufgefundenen, vom Maurermeister Reichlmair druckreif
gezeichnet wurde.
Um den Pfarrkindern Gelegenheit zu verschaffen, aus der kommenden Jubelfeier
auch geistlichen Nutzen zu ziehen, wurden bei Zeiten mit dem hochwürdigen Provinzial
der Kapuziner Verhandlungen angeknüpft, die ihren Abschluss am 16. März des
Jahres durch die Mitteilung desselben erreichten, dass Pater Korbinian Steinberger,
Quardian von Burghausen, Pater Emmeran Götz, Guardian von Laufen, Pater Sylvester
Wenig aus München, Pater Englberg Maria Walter aus Altötting während der Festzeit
täglich drei religiöse Vorträge halten und den Beichtstuhl übernehmen werden;
und um den Gläubigen die Möglichkeit der Gewinnung eines vollen Ablasses zu
bieten, reichte der Pfarrvorstand durch das erzbischöfliche Ordinariat an den
apostolischen Stuhl in Rom ein diesbezügliches Gesuch ein, dem am 18. März dahin
entsprochen wurde, dass "alle Christgläubigen, welche während der Jubelzeit
die Pfarrkirche in Vierkirchen besuchen, unter den bekannten Bedingungen einen
vollkommenen Ablass gewinnen können."
Aufgrund des am Eingang genannten Schreibens vom Jahr 1797 bat das Pfarramt
im Namen der Gemeinde auch seine Exzellenz, den hochwürdigen Herren Erzbischof
Antonius um die hohe Gnade, den Kindern der Pfarrei das heilige Sakrament der
Firmung gnädigst erteilen zu wollen, welche Bitte zu erfüllen Hochderselbe in
einem privaten Brief an den Pfarrerherrn allerhuldvollst zusagte. Damit eine
dem Festgefühl entsprechende Musik durch die geräumigen Hallen der schönen Kirche
ertöne, bestellte Herr Lehrer Rauschmair mehrere seiner Herren Kollegen aus
der Umgebung zur Mitwirkung und ersuchte den rühmlichst bekannten Kompositeur
Hochwürden Herrn Kooperator Bauer von Dachau um Übernahme der Chordirektion
- wie glücklich diese Wahl war, werden wir im weiteren des Berichtes erfahren.
Amperbote vom 16.7.1879
Endlich
war er angerückt, der längst und heiß ersehnte Tag - der 28. Juni, so recht
eigentlich der Tag des Vorspieles zum Jubelfest! Das Pfarrdorf Vierkirchen hatte
schon zur Mittagsstunde in den schönsten Schmuck sich gekleidet. Mächtige Fahnen
in den bayerischen und deutschen Farben wehten von der Zinne des Turmes herab.
15 prächtige Triumphbögen mit den sinnigsten geistvollsten Inschriften (jede
ein Chronogramm) und den Wappen der früheren Adelsgeschlechter der Pfarrei waren
geeignet aufgestellt. Daß die Pfarrkirche, als die eigentliche Jubelbraut
mit edelstem Schmuck ausgestattet war, ist selbstverständlich. Sinnig waren
am herrlichen Triumphbogen in ihr die Namen der sechs Freisinger Bischöfe angebracht,
welche Vierkirchen seinerzeit persönlich besucht haben.
Nachmittags mit dem Postzug, der gegen 2:00 Uhr auf der Station Röhrmoos anhält,
waren die hochwürdigen Kapuziner-Patres angekommen. Feierlichen Empfang wünschten
sie keinen; ohne allen Pomp wurden sie daher in geschmückten Chaisen zum Pfarrhof
geführt und dort selbst von der Geistlichkeit gebührend empfangen.
Abends um 5:00 Uhr hatte sich die Pfarrgemeinde in ihrer Mutterkirche zur religiösen
Eröffnungsfeier eingefunden. Gegen alle Erwartung zahlreich war sie erschienen.
Nach abgehaltener feierlicher Vesper hielt der Ortspfarrer eine Ansprache vom
Altar aus, indem er seine Freude ausdrückte über die nun glücklich zu Ende geführte
Restaurierung der Kirche und die nun heranschreitende Jubelzeit, sodann aufforderte
zum innigen Dank gegen Gott und zur eifrigen Benützung dieser Gnadentage durch
fleißigen Besuch der kirchlichen Andachten und Ablegung aufrichtiger Beichten.
Schließlich legte er alle seine seelsorgerischen Vollmachten für die Dauer der
Jubelzeit in die Hände der hochwürdigen Patres.
Hierauf bestieg Herr Superior Pater Korbinian Steinberger die Kanzel. Mit inniger
Begeisterung und glühenden Farben schilderte er die Wohltaten, so der christliche
Glaube der Welt im allgemeinen und speziell der Pfarrgemeinde Vierkirchen gebracht
hat. Die ungeteilte Aufmerksamkeit, die vielen Tränen, die seinen Vortrag begleiteten,
gaben der Vermutung Raum, dass seine Rede jetzt schon in den Herzen der Zuhörer
ein Feuer eigener Art, das Feuer der Begeisterung entzündet hatte, - und fürwahr!
Als am Abend vom Turm her die Glocke ihr "Ave Maria!" hintönte über Dorf und
Fluren, so still und feierlich wie sonst nie, konnte man aus der Physiogomie
der Landschaft entnehmen, dass dieses Feuer der Begeisterung ohne Zweifel schon
bis morgen auch hinausgegangen sein wird in die weite Welt und auch der Gäste
aus der Ferne viele herbei eilen werden - und Gott sei es gedankt! - es war
diese Annahme keine Täuschung! Am 29. Juni - und so alle Tage der Festzeit -
war vormittags um 7:00 Uhr die erste, mittags um 1:00 Uhr die zweite, nachmittags
um 5:00 Uhr die dritte Predigt.
"Wir haben Gelegenheit gehabt", schreibt der bayerische Kurier *) in einem Bericht
über ein ähnliches Fest und wir stimmen mit seinen Äußerungen vollkommen überein:
"wir haben Gelegenheit gehabt, fast sämtliche Vorträge zu hören; unser Urteil
geht dahin: solche Predigten sollte das christliche Volk überall hören! Frei
von allen schönen Phrasen und doch gewählt in der Form waren alle Predigten
anregend für den Verstand und von zündender Wirkung auf das Herz, und, was wir
für einen Hauptvorzug halten, mit musterhafter Deutlichkeit vorgetragen." Es
ist daher leicht begreiflich, dass immer zahlreiche Zuhörer sich einfanden.
Wir übertreiben nicht, wenn wir die Zahl derer, die im Lauf der Festwoche sich
eingefunden hatten, auf 7000 bis 8000 schätzen. Dritthalbtausend Personen gingen
in diesen Tagen zum Tisch des Herrn. Aus nah und fern strömten die Leute herbei.
Wir haben uns hieh und da nach der Heimat der Fremden erkundigt und nicht selten
gehört, dass selbst die Gegenden von Sittenbach, Hilgertshausen, Ilmmünster,
Dachau, Pfaffenhofen und so weiter zahlreich vertreten waren.
Viele Fremde verweilten mehrere Tage und alle hatten nur Ausdrücke der Bewunderung
und des Lobes über die großartige Beteiligung und über die herrlichen Predigten.
Ja! Das Andenken der Predigt wird gesegnet sein in und außer der Pfarrei Vierkirchen;
Jubelzeit bleibt eine heilige Erinnerung in allen Herzen und ohne Zweifel wird
der ausgestreute Samen reiche Früchte bringen. Vielleicht ist es schon jetzt
in mancher Familie Ruhe und Frieden eingekehrt; vielleicht so manche Lebenskrise
eingedämmt; vielleicht sind Erfolge erzielt worden angesichts der schönen Worte.
Es braucht wohl kaum erwähnt zu werden, dass die benachbarten Pfarreien zahlreiche
Andächtige zur Jubelkirche sandten; nur eines, das uns besonders erfreut und
erbaut hat, wollen wir anführen: Der innige Anteil, den der benachbarte Klerus
an den Fest nahm, war beim gläubigen Volk alsbald bemerkt und begeisterte dasselbe.
Es sind mehr denn 40 Priester in Vierkirchen gewesen - die zum Teil aus weiter
Ferne (z.B. aus Isen, München, Freising, Landshut, Egenhofen, Schliersee, Ilmmünster,
Schwabhausen) sich in diesem Festzeit in Verkirchen einfanden und viele hochwürdige
Pfarrerherren wie die von Asbach, Röhrmoos, Giebing, Haimhausen kamen mit ihrer
Gemeinde in Kreuzzügen und erhöhten so das Fest in schönster Weise.
Wir könnten rühmen die Details erzählen, wie die Leute um 12:00 Uhr, 1:00 Uhr
und noch später zum Tisch des Herrn gingen und dergleichen - allein der engen
Rahmen eines Berichtes gestattet dies bei der Fülle des Stoffes nicht! Um 4:00
Uhr morgens schon begannen die heiligen Messen und um 8:00 Uhr wurde das Hauptamt
zelebriert und zwar am 29. Juni vom Ortspfarrer Herrn Matthias Steinberger,
am 30. Juni vom Herrn Domkapitular und geistlichen Rat Josef Kronast, am 1.
Juli vom Herrn Domkapitular und geistlichen Rat Heinrich Gotthardt, am 2. Juli
vom Herrn Pfarrer J. Samuel Spanaus von Röhrmoos, und täglich abends war eine
gesungene Litanei.
Amperbote vom 19.7.1879
Wie
schon eingangs erwähnt, war für verbesserte Chormusik zu den heiligen Ämtern
frühzeitig gesorgt. Mehrere Herren Lehrer wirkten zu diesem Zweck harmonisch
zusammen und - ein altes Wort! - vereinte Kräfte schaffen Gutes. Eine Freude
war es, in den geräumigen Hallen der Jubelkirche streng kirchliche Musikstücke
aufgeführt zu hören. Es wurden an diesem Tag aufgeführt: Introitus & Communio
choraliter aus dem Enchiridion chorale von Mettenleitner, Missa in D von Fr.
Schöpf, Graduale & Offertorium von Josef Bauern. Ein Hochgenuss war es, sagten
Männer der Kenntnis der Musik, selbe so exakt durchgeführt zu hören. Ja, fürwahr!
Hätte nur der geringste Misston in des Festes Jubel sich geschlichen gehabt
- diese hehren Töne hätten ihn entfernen müssen! Wem gebührt nun hierfür der
Lorbeer? Ohne Zweifel allen mitwirkenden Kräften! Sie alle aufzuzählen, erscheint
indes überflüssig.
Ein Name aber darf und kann nicht übergangen werden, zudem ein Name, der nicht
bloß im Bezirk und in der Diözese sondern über unser liebes Vaterland hinaus
einen trefflichen Klang hat, der Name dessen, der die Mühe der Leitung, der
die Last der Chordirektion übernommen hatte, der Name des Hochwürden Herrn Kooperators
Josef Bauer von Dachau. Er hat viel geleistet, und was er vollführt, nicht für
schnöden Mammon und gegen Bezahlung, sondern unentgeltlich und aus Liebe zur
heiligen Sache getan. Darum sei ihm von Klerus und Volk der Pfarrgemeinde Vierkirchen
hiermit öffentlich der herzlichste Dank ausgesprochen und die Versicherung gegeben:
"Das Vergissmeinnicht, dass er in den Tagen der Jubelfeier in Vierkirchen sich
gepflanzt hat, wird lange blühen!"
Desgleichen wärmsten Dank Herrn Lehrer Hollrieder von Unterweikertshofen und
Herrn Lehrer Reiter von Petershausen, die gleichfalls dem Fest ihre Kräfte unentgeltlich
geliehen hatten! Die Sakristei- und Mesnerdienste besorgten in diesen Tagen
Herr Domkustos Müller aus München und Herr Martin Sondermayer aus Vierkirchen
mit einer Promptheit, die ihnen alle Ehre machte. Und so flossen denn die Tage
des Jubelfest ist dahin in Stunden und Minuten, meist von gutem Wetter begünstigt.
Nur am St. Peter- und Paulstag hatten die Luftgeister einen furchtbaren Kampf
eröffnet, in dessen Folge ein schreckliches Gewitter allenthalben große Verheerungen
anrichtete, im Jubeldorf aber unzählige Inschriften, Wappen, Schilder und dergleichen
zerfetzte.
| Das
war ein Geflüster im düsteren Park, wie Geisterstimmen der Nacht. Die Bäume ruhten im Schlummer längst, als ein grausiger Sturm erwacht. Und über der Eiche gewaltiger Kron, als ob zerbersten sie wollt, Erschütternd den tausendstämmigen Wald, das tobende Wetter rollt. Wie ein riesiges Kornfeld in schwarzer Nacht, so wogt es schwarz hin und her, Und es rauscht in Zweigen und Blättern und Kron, wie tief aufatmendes Meer. Ich blickte zum Himmel empor Da trat, wie versöhnend, ein goldener Stern Aus zerrissenen Wolken hervor! |
Und
dieser Stern- er wurde in Vierkirchen allen sichtbar am 2. Juli nachmittags
um 5:00 Uhr! Um diese Zeit traf nämlich in der Richtung von Pasenbach seine
Exzellenz, der hochwürdigste Herr Erzbischof Antonius in Vierkirchen ein, und
wiewohl der Regen an diesem Tag einen feierlichen Empfang noch desselben unmöglich
machte, ließ die vorhandene Menge von Gläubigen, wohl an die 3000 bis 4000 Köpfe,
sich doch nicht nehmen, ihren erhabenen Oberhirten im Hof des Pfarrhofes, wo
derselbe sein Absteigequartier nahm, in der freudigsten Stimmung zu begrüßen.
In der Mitte eines von den Feuerwehrmännern von Vierkirchen, Biberbach und Kammerberg
gebildeten Quadrats, umstanden von weiß gekleideten Mädchen, bewillkommte Herr
Bürgermeister Ettl Seine Excellenz mit den Worten: Hochwürdigster Herr Erzbischof!
Groß ist die Freude, die heute in Vierkirchen herrscht! Jung und alt, reich
und arm - alles freut sich, weil Eure Excellenz unsere Gemeinde mit Ihrem hohen
Besuch beehren! Ich bin freilich bei meinen schwachen Kräften nicht im Stande,
diese große Freude meiner Mitbürger auch zu beschreiben. Ich halte übrigens
das auch gar nicht für notwendig. Die große Menschenmenge, die Euer Excellenz
umgibt, liefert wohl die beste Begrüßung. Darum erlaube ich mir im Namen der
Gemeinde Ihnen den Dank auszusprechen, den innigsten und herzlichsten Dank,
für ihren gütigen Besuch - und Sie willkommen heißen auf dem Boden unserer Heimat.
Gebe Gott, dass Land und Leute hier, auf Sie, Herr Erzbischof, einen guten Eindruck
machen. Gebe Gott, dass der heutige Tag und mit ihm die hiesige Gemeinde bei
Eurer Excellenz in gutem Andenken bleibe. Uns und unseren Kindern ist der heutige
Tag unvergesslich, ja, unsere Kindeskinder werden ohne Zweifel noch mit Jubel
sich erzählen vom 2. Juli 1879, an dem ihre Ahnen das hohe Glück hatten, ihren
vielgeliebten Oberhirten zu empfangen, und aus tausend Kehlen ihm ausbrachten
ein donnernd: "Hoch!" Ettl sprach frisch und laut - begeistert fielen alle Anwesenden
in sein Hoch ein.
Erzbischof Antonius dankte in kurzen und herzlichen Worten für diesen unerwarteten
Empfang. In der Wohnung angelangt nahm Hochderselbe das "Willkommen" des Pfarrklerus,
das, wie vom Anfang beabsichtigt, im Freien nicht vorgetragen werden konnte,
mit Goldbuchstaben und reichlichen Verzierungen geschrieben in rotem Einband
huldvollst der anwesenden Priester und Bürgermeister, woran sich ein bescheidenes
Soupe reihte, währendem die Musik von Hohenkammer höchst befriedigend spielte.
Ein brillantes Feuerwerk, von der kunstvollen Hand des Freiherrn Richard Vequel-Westernach
auf Kammerberg veranstaltet und geleitet, schloss den Abend.
Amperbote vom 23.7.1879
Am
folgenden Tag, - Donnerstag den 3. Juli - der vom schönsten Wetter begünstigt
war, hörte seine Exzellenz vom Fenster aus die um 8:00 Uhr früh im Freien abgehaltene
Predigt an, worauf Hochderselbe von der Schuljugend und Geistlichkeit, unter
Spalierbildung der öfter ruhmenswert erwähnten Feuerwehren und den Geläute sämtlicher
Glocken, aus dem Pfarrhaus zur Kirche geleitet wurde, wo ihn das rauschende
Sacerdos von Rampis, von kräftigen Stimmen ausgeführt, in Empfang nahm, und
wo der verehrliche Oberhirte dann ein Pontifikalamt abhielt, wohl zur großen
Überraschung aller Anwesenden, die in einem Dorf und in so unmittelbarer Nähe
solch eine heilige Handlung wohl noch nie geschaut hatten. Während des Pontifikalamtes
tönte vom Chor Introitus & Communis aus dem offiziellen Graduale, Missa zu Ehren
des heiligen Antonius von Padua von Zangl, Graduale & Offertorium von J. Bauer,
Veni creator apirias von Fr. Witt in Ohr und Herz entzückender Weise.
An die Ansprache, die der hochwürdigste Herr an Volk und Firmlinge hielt, wobei
sich seiner eine tiefe Ergriffenheit bemächtigte und eine Rührung, die bei den
Worten: "betet auch für mich, euren Oberhirten" in Tränen ausbrach, reihte sich
der Gnadenakt einer außerordentlichen Spendung des heiligen Sakramentes der
Firmung an die Jugend des Pfarrersprengels Vierkirchen und Giebing und an circa
34 Kinder aus der Anstalt vom Kloster Indersdorf.
Als um 11:00 Uhr der heilige Akt geendet, kehrten Exzellenz wieder, in der bereits
angegebenen Begleitung, und jetzt von Tausenden, die auf den Knien lagen, um
den erzbischöflichen Segen gleichsam bestürmt, zum Pfarrgebäude zurück. Auch
der Klerus - 28 Priester an der Zahl - hatte sich in den Pfarrhof zurückgezogen
und wurde dort von einem kleinen Diner überrascht, an dem außer dem Hochwürden
Herrn Erzbischof Freiherr Gottfried von Vequel-Westernach auf Hohenkammer, dessen
Bruder Richard auf Kammerberg und Dr. Wild aus München teilnahmen. Dabei hielt
Pfarrer Steinberger in seinem und seiner Pfarrgemeinde Namen eine Ansprache
an den hochwürdigen Erzbischof, auf welche derselbe sichtlich ergriffen, ungefähr
erwiderte: "wie die Versammlung an ihm keinen mächtigen Fürsten des Heiligen
römischen Reiches mehr vor sich habe; sondern nur einen einfachen Nachfolger
der Apostel; wie er aber in den gegenwärtigen traurigen Zeiten, auch so sich
gekräftigt und gehoben fühle, wenn Klerus und Volk ihm mit dieser Liebe, mit
dieser Treue und Anhänglichkeit entgegenkommen, mit der ihm hier in Vierkirchen
vom Klerus und Volk begegnet werde; er dankte darum von ganzem Herzen." Wie
am Vorabend, so spielte auch während der Tafel die Musik von Hohenkammer vor
dem dem Pfarrhaus, wo auch die Herren Lehrer zur größten Freude des Herrn Erzbischofs
einige Lieder vortrugen.
Der
vom hochwürdigen Pater Korbinian um 2 Uhr nachmittags an den Stufen des Pfarrhofes
abgehaltenen Schlusspredigt hörte seine Excellenz wieder von dem Fenster ihrer
Wohnung zu und begab sich nach derselben zur Kirche, um von dort aus die Schlussprozession
durch die Straßen des Pfarrerdorfes persönlich abzuhalten. Das Kreuz voran ging
die Schuljugend, der sämtliche Firmlinge eingereiht waren, worauf weißgekleidete
Jungfrauen mit Fahne, dann die Allerseelen-Bruderschaft und der Veteranenverein
mit ihren Fahnen folgten. Hinter diesen schritten die anwesenden Geistlichen
in Chorröcken, mehrere mit Pluvialen und Dalmatiken (aus der Domsakristei von
München) bekleidet, einher, hierauf Erzbischof Antonius mit dem Allerheiligsten,
gefolgt von dem bereits erwähnten freiherrlichen Brüderpaar: der von Hohenkammer
in der malerischen Tracht des Kommandeurs des Ordens vom Heiligen Grabe zu Jerusalem,
der von Kammerberg in seiner Eigenschaft als königlicher bayrischer Kammerherr;
an die sich anschlossen der Freund und Studiengenosse des Ortspfarrers, Herr
Dr. Wild aus München, die Herren Bürgermeister und Ausschussmitglieder und eine
nicht enden wollende Menge von Gläubigen aus verschiedenen Orten und Ständen.
Alles verlief in schönster Ordnung - und kehrte die Prozession nach einer Dreiviertelstunde
wieder in die Jubelkirche zurück. Ein feierliches Te deum von Pfarrer Bachmaier
in Schnaitsee und hierauf der Segen mit dem Allerheiligsten, gespendet von seiner
erzbischöflichen Exzellenz schloss um 4:00 Uhr die nach allen Seiten hin gelungene
und darum unvergessliche Jubelfeier über den 1100-jährigen Bestand der Pfarrei
Vierkirchen. Es bedarf wohl nicht der Versicherung, dass der Jubel der Bevölkerung
über die Gegenwart ihres Oberhirten, der so voll dem Beispiel seines edlen Vorgängers
Ludwig Josef auf dem Stuhl des heiligen Korbinian im Jahr 1779 gefolgt ist,
ein allgemeiner und nicht geheuchelter war. Sollte hierüber indes in irgend
eines Menschen Brust auch nur der geringste Zweifel je bestanden haben, so müsste
er geschwunden sein, wenn man schließlich noch sah, wie bei der um dreiviertel
7:00 Uhr abends erfolgten Abfahrt seiner Exzellenz nochmals Tausende von Menschen
im Dorf sich sammelten und die auserlesene Reiterschar, die den hohen Herren
tags zuvor empfangen, schließlich demselben wieder das Geleit gab bis zur Station
Röhrmoos und in dem Augenblick, als er den Waggon bestieg, noch ein dreimaliges
"Hoch" ertönen ließ.
Und bei alledem nahm sich die Pfarrgemeinde vom Anfang an vor, nach dem Fest dem hochwürdigen Herrn Erzbischof noch eigens den gebührenden Dank auszusprechen, was unterm 12. Juli 1879 auch in einem Schreiben an Hochdemselben in folgender Weise geschah. Als Eingang wurde die von Bürgermeister Ettl gehaltene Rede *) genommen und daran die Worte gereiht: "Das sind, wie Eurer erzbischöflichen Exzellenz bekannt, die Worte, mit denen der Bürgermeister unserer Pfarrdorfgemeinde eure erzbischöfliche Exzellenz bei ihrer Ankunft in Vierkirchen empfangen hat. Das sind die Worte, die er dem Herzen seiner Mitbürger entnommen, am 2. Juli in das liebevolle Herz eurer Exzellenz legte; - Worte, die nicht kalte Berechnung noch schmähliche Heuchelei - Worte, welche die Liebe erfunden, welche Liebe gesprochen hat! Ja, fürwahr! Die Flaggen, die in unserem Dorf aufgehisst waren - sie sind gesenkt; die Masten, auf denen sie über dasselbe hinweg wehten, sie sind gefallen; die unzähligen Triumphbögen und Inschriften sind entfernt; die schönen Lieder der Lehrerschaft sind verklungen; die Töne der Musik verrauscht; das herrliche Feuerwerk des edlen Richard von Kammerberg ist erloschen; die Jubelgäste der Ferne sind in ihre traute Heimat gezogen - alles, alles ist dahin! Eines nur ist geblieben: Das Andenken an eure erzbischöflichen Exzellenz, die Liebe zu Ihnen, hochwürdigster Herr Erzbischof! Jene Liebe - sie erwachte, als uns die Kunde ward, dass unser gütiger Landesvater, König Ludwig II eure erzbischöflichen Exzellenz für den Stuhl des heiligen Korbinian auserwählte - die sich mehrte und steigerte, als der gute Vater der Christenheit, Papst Leo XIII., sie, hochwürdigster Herr Erzbischof unter die hehren Apostel Bayerns einreihte, die durch den 2. und 3.7.1879 eine Höhe, eine Stärke erreichte, dass nichts in der Welt dieselbe je zu löschen im Stande sein wird! Diese Liebe nun ist es auch, die uns antreibt, hiermit eurer erzbischöflichen Exzellenz nochmals den innigsten Dank auszusprechen für Ihren gütigen Besuch unserer Gemeinde, für die gnädige Spendung des heiligen Sakramentes der Firmung an unseren Kindern……. In tiefer Ehrfurcht Eurer erzbischöflichen Exzellenz treugehorsamste Pfarrgemeinde! (Es folgen die Unterschriften)
Schließlich
sei noch bemerkt, dass einige noch übrige Exemplare der Beschreibung der Pfarrei
Vierkirchen, die seine Exzellenz, der hochwürdigste Herr Erzbischof als "sehr
gut", der historische Verein von Oberbayern am 11. Juli als "sehr wertvoll"
bezeichnete und über welche das Ordinariat München am 11. Juli seine Anerkennung
aussprach, beim hochwürdigen Herrn Verfasser oder durch Buchbinder Trinkgeld
in Dachau bezogen werden können; sodann den herzlichsten Dank - der aus Übersehen
im Bericht an der gehörigen Stelle unausgesprochen blieb - denen, die, um Freiherrn
von Zedlitz*) nachzusprechen, unter der Devise: "wir singen für Gold nicht,
noch für Ehre, und nicht für irdische Luft, wir singen für alles, was heilig,
singen für Gott in der Brust!" - so eifrig an der Kirchenmusik sich beteiligten,
besonders den Herren Gerstmair, Hamp, Schwaiger und Sölch aus Indersdorf, Herren
Lehrer Rauschmair, dessen Fräulein Tochter und deren beiden Schwägerinnen, sowie
Herrn Lehrer Hindinger aus Vierkirchen und Herrn Lehrer Maminger von Kammerberg.
Und nun zuallerletzt auch jenen noch ein Wort, so die schöne Zeit des Jubiläums
mitgemacht, aber dabei kalt, eisig kalt in ihrem Herzen blieben: "Möchte doch
auch dich das Christentum, dem du nie dich kannst entlügen, mit der Liebe Kraft
besiegeln: Deine Taufe gilt vor Gott! Treib nicht mit dem Höchsten Spott! Er
ist der allmächtige Seher, dem die Nacht das Licht nie raubt, und oft steht
die Strafe näher, als der blinde Menschen des glaubt!
*) Zeblitz, Gedichte, Stuttgart 1859 **) v. Aussenberg. 7. Band
"der Schwur des Richters." Herausgegeben in Siegen 1846
Fahnenweihe
in Vierkirchen
Amperbote vom 9.9.1928
Ein herrlich schöner Nachsommer-Sonntag war dem katholischen Gesellenverein Vierkirchen bei der gestern stattgefundenen Feier der Fahnenweihe beschieden. Das war auch schließlich mit ein Umstand, dass das Fest in der vorgesehenen Weise so schön verlief. Das darf nämlich gleich im Voraus gesagt werden: Vierkirchen hat - trotzdem es der kleinste Ort in ganz Bayern ist, in dem ein Gesellenverein besteht - mit seinem Fest keinen Teilnehmer enttäuscht.
Der
Weckruf am Sonntagmorgen schon kündigte an, dass dem stillen Dorf heute etwas
Bsonderes bevorstehen soll. Alsdann kommen sie her die Kolpingsscharen aus allen
Richtungen und mit den verschiedensten Verkehrsmitteln. Die Einwohner trafen
die letzten Dekorations- und Festvorbereitungen. Der um 10:04 Uhr ankommende
Münchner Zug brachte die letzten Vereine, worauf sich der Zug zur Kirche in
Bewegung setzte.
In dem überfüllten
Gotteshaus hielt alsdann unser Dachauer Landsmann, Landespräses Monsignore Dr.
Shiela eine Ansprache an die Gesellen, in welcher er über die religiöse Verpflichtung
sprach, welche die kirchlich geweihte Fahne den Vereinsmitgliedern auferlege
und über die unverbrüchliche Treue zu derselben.
Es folgte nun die Weihe der schönen Fahne, die von den Festjungfrauen zur Kirche
gebracht wurde und dann unter sinnigem Prolog dem Fahnenjunker übergeben wurde.
Bei dem Heiligen Amt assistierten Hochwürden Herr Kooperator Götz und Hochwürden
Alumne P. Wennig, Dachau. Der Kirchenchor unter Leitung von Herrn Lehrer Vielmeier
verschönte die kirchliche Feier. Nach dieser ging's zum Kriegerdenkmal;
am Dorfplatz so schön gelegen. Hier legte der Präses, Hochwürden Herr Kooperator
Götz, unter ehrendem Nachruf der Gefallenen der Gemeinde im Namen des Vereins
einen großen Kranz nieder. Mit dem Gebetsgedenken schloss die vormittägige Feier.
Nach
dem Mittagessen rief eine kurze Andacht die Teilnehmer zur Kirche. Dann aber
setzte sich der Festzug in Bewegung durch die Straßen des Ortes. Es nahmen hier
über 40 Vereine mit Fahnen oder Standarten teil, darunter auch verschiedene
Burschenvereine der näheren und weiteren Umgebung. Der gewaltige Zug endete
am Festplatz vor der Mayerschen Gastwirtschaft. Als erster Redner sprach wieder
Landespräses Dr. Shiela, der den Verein zu seinen gewaltigen öffentlichen Auftreten
und zu seiner neu geschaffenen schönen Fahne beglückwünschte. Er feierte das
große Werk Kolpings, vor allem in der Wanderfürsorge, ausgehend von dem Bild
auf der neuen Fahne: Kolping und der Wandergeselle. Schließlich fand er noch
anerkennende Worte über das gute Verhältnis zwischen Gesellen- und Burschenverein
und forderte zu weiterem Zusammenhalt und tatkräftiger Vereinsarbeit auf.
Im Namen des Bezirksverbandes München sprach noch ein Geselle; die Glückwünsche
des Patenvereins Dachau überbrachte Vorstand E. Geisberger unter Überreichung
eines Paten-Fahnenbandes. Der Präses des Festvereins dankte allen, die am Gelingen
des Festes mitgeholfen haben. Er versicherte, dass der Vierkirchner Verein,
der heute bereits 40 aktive Mitglieder zählt, auch weiterhin fleißig arbeiten
wolle im Interesse der Jugend und rühmte ebenfalls das gute Verhältnis zwischen
bäuerlicher und Handwerksjugend in seinen Verein. Es sprach sich auch der Bezirks-Präses
der Burschenvereine, Hochwürden Herr Pfarrer Holzer, Westerholzhausen, freudig
darüber aus, wie auch über die Gesellenvereinsgründung in Vierkirchen.
Nun überreichte die Fahnemutter (Frau Maria Mayr) der neugeweihten Fahne ein
schönes Erinnerungsband mit den besten Wünschen. Die Festjungfrauen trugen sinnige
Prologe vor und hefteten ebenfalls ein Erinnerungsband an die Gesellenvereinsfahne.
Auch die übrigen anwesenden Fahnen wurden mit Erinnerungsbändern bedacht. Damit
hatte die Feier offiziell ihr Ende erreicht; sonst aber erreichte sie erst mit
Abgang der Abendzüge ihren Abschluss.
Primiz
in Vierkirchen
Amperbote vom 18.07.1929
Endlich
war der Tag herangekommen, an dem ein Sohn unserer Gemeinde, der hochwürdige
neugeweihte Priester, Herr Josef Hillrainer von Esterhofen, inmitten der Pfarrangehörigen
sein erstes heiliges Messopfer feiern sollte. Mannigfache Vorbereitungen, diesen
Tag würdig feiern zu können, waren getroffen worden, uns nur eine Sorge lag
auf allen Gemütern: Wird das Wetter nicht einen Strich durch die Rechnung machen?
Und als am Samstagabend, begleitet von einem heftigen Gewitter, der Regen zur
Erde niederrauschte, da hatte man die Hoffnung aufgegeben. Doch siegreich drang
am Sonntagmorgen die Sonne durch und leuchtete über dem Festesschmuck daliegenden
Ort. Zahlreiche Triumphbögen waren errichtet waren errichtet, die Häuser mit
Fahnen, Kränzen und Girlanden aufs schönste geschmückt worden.
Bald sah man aus allen Richtungen schon in Scharen Besucher zu Fuß, per Rad
und Wagen dem Bahnhofgebäude zustreben. Auch der auf unsere Anregung hin bis
Petershausen durchgeführte Vorortszug brachte eine beträchtliche Zahl Gäste.
Der Ingolstädter Zug brachte die Verwandtschaft des Herrn Primizianten und den
Gesangverein von Reichertshausen.
Begleitet
von den Leviten, Herrn Neupriester Max Hiedl und Herrn Diakon Josef Braun, trag
HH. Primiziant aus dem Haus, wo der von HH. Kammerer Spötzl und zahlreichen
geistlichen Herren empfangen wurde. Fräulein Wally Hauber aus Pasenbach und
Fräulein Anna Treiner aus Reichertshausen begrüßten ihn in schönen Versen. Dann
gings in stattlichem Zug, an dem sich die Kriegervereine Vierkirchen, Pasenbach,
Biberbach, Reichertshausen und Inzemoos, der Kath. Gesellenverein Vierkirchen,
der Kath. Burschenverein Pasenbach und der Gesangverein Reichertshausen beteiligten,
unter Musikklängen nach Vierkirchen zum Garten des Herrn Brauereibesitzers Maier
von Vierkirchen. Eifrige Hände hatten dort einen prächtigen Altar nebst Kanzel
errichtet.
Als Primizprediger bestieg der HH. Benefiziat Strasser von Maria Dorfen die
Kanzel, der in seiner Festpredigt über den Priesterstand begeisterte Worte fand,
die alle Zuhörer zutiefst erfassten; kam darin doch eine hohe ideale Auffassung
von der Bedeutung des so oft geschmähten Priesterstandes zum Ausdruck. Der Priester
ist nicht bloß der Stellvertreter Gottes, sondern er ist der Mittler zwischen
Gott und den Menschen, ein Gesandter Christi, der mit dem einen Arm hinaufreicht
in den Himmel und mit dem anderen Gnade und Segen herabspendet zur Erde. Die
Predigt klang aus in der erhebenden Mahnung an den Primizianten, mit heiligem
Eifer und glühender Liebe zum Altar zu treten nicht bloß heute, sondern alle
Tage seines Priesterlebens. "Gnadenvoll wie das erste hl. Messopfer möge auch
das letzte sein!"
Dann trat der HH. Primiziant zum Altar, um seine erste hl. Messe dem Herrn aufzuopfern.
Während des hl. Messopfers brachte der Chor der Alumnen von Freising, die es
sich nicht hatten nehmen lassen, an dem Ehrentag ihres Freundes teilzunehmen,
die Messe für vierstimmigen Männerchor von Dietrich zur Aufführung. Mit dem
feierlichen Te deum war die hl. Handlung zu Ende.
Zum Andenken an den Tag der Primiz weihte der HH. Primiziant die Fahnenbänder
für die teilnehmenden Vereine, die er an die einzelnen Fahnen knüpfte. In feierlichem
Zug gings zur Pfarrkirche, wo der HH. Primizinat vor dem Altar seine Dankgebete
verrichtete. Von der Kirche gings zum Pfarrhof.
Das
Primizmahl wurde im neurenovierten schönen Saal des Herrn Großmann von Esterhofen
eingenommen. In vortrefflicher Weise war für Speise und Trank gesorgt und es
kann ruhig gesagt werden, dass sich Herr und Frau Großmann selbst übertroffen
haben. HH. Benefiziat Strasser hielt während des Mahles eine Ansprache, die
besonders den Eltern und dem Großvater des Primizianten galt. Nach dem gut gelungenen
Vortrag von zwei Gedichten übergab der Schüler Lorenz Hörl dem HH. Primizianten
verschiedene Geschenke. Anna Gruber aus Pasenbach und Fräulein Langenecker wurden
für ihre schön vorgetragenen Verse von HH. Hillrainer beschenkt. Auch der Chor
der Alumnen trug ein gut Teil zum würdigen Verlauf der weltlichen Feier durch
seine schönen Lieder bei.
Am Nachmittag war in der Pfarrkirche zu Vierkirchen eine Andacht, während welcher
von den Alumnen ein inniges Herz-Jesu-Lied gesungen wurde. Bevor die Stunde
des Scheidens schlug, brachte der HH. Primiziant in herzlichen Worten seinen
Dank an alle, die zum schönen Verlauf seines Ehrentages beigetragen hatten,
zum Ausdruck. Sein besonderer Dank galt seinen Eltern und Geschwistern, sowie
der Pfarrgeistlichkeit. So ging auch der Tag der hl. Primiz in Vierkirchen-Esterhofen
zu Ende und jeder Teilnehmer wird von derselben einen tiefen Eindruck mit nach
Hause genommen haben. Möge nun der junge Priester wirken und arbeiten im Weinberg
des Herrn zum Heil der ihm anvertrauten Seelen.
Amperbote vom 19.07.1929
Im
Nachgang zum erschöpfenden Bericht über den herrlichen Verlauf der Primizfeier
in Vierkirchen-Esterhofen dürfte eine Mitteilung interessieren, welche Mengen
von Speisen und Getränken aufgebracht werden mussten, um die Tausende von Gästen
und Festbesuchern nur einigermaßen zu befrieden.
So wurden in der Meier`schen Brauerei zu Vierkirchen für diesen Tag geschlachtet:
1 Kuh mit 14 Ztr., 1 Stier mit 9 Ztr., 5 Schweine, davon 2 mit über 3 Ztr.,
5 Kälber. Von all diesen Vorräten war schon in den Nachmittagsstunden der letzte
Rest, das letzte Würstlein aufgezehrt. 14 Rollen Milzwurst wurden innerhalb
einer halben Stunde portionsweise ausgegeben. Dazu verzapfte die Brauerei Meier
45 Hektoliter Bier. Ein ähnliches Quantum dürfte bei den beiden anderen Gaststätten
bereitgestellt und abgegeben worden sein. Im ganzen flossen 120 Hektoliter Bier
durch die durstigen Kehlen der Festteilnehmer. Der schöne, warme Sommertag hat
hierzu seinen Teil beigetragen und die festliche Stimmung animierte nicht bloß
zum geistigen sondern auch zum leiblichen Genuß.
Abschiedsfeier
für Kooperator Götz
Amperbote vom 28.03.1930
Eine
Feier von seltener Harmonie bereitete der kath. Gesellenverein Vierkirchen mit
den Mitgliedern der Gemeinde seinem scheidenden Präses, HH. Kooperator Karl
Götz. Am Samstag, den 22. März versammelte sich in der Brauerei Mayr eine zahlreiche
Anhängeschaft, die in begeisterten Worten des Wirkens und der Taten des HH.
Kooperators gedachte. Der kath. Gesellenverein, als dessen Gründer und Präses
der Scheidende es verstand, in kurzer Zeit diesem Verein zur Blüte zu bringen,
ließ durch seinen Vorstand, Herrn Ferdinand Gattinger, unter warmen Dankesworten
ein Ehrensalut überreichen. Der Chorverein, dessen Wirken ebenfalls auf die
Initiative des HH. Kooperators zurückzuführen ist, ehrte ihn ebenfalls mit einer
Gabe und auch die Gemeinde Vierkirchen, vertreten durch Herrn Bürgermeister
Müller, gedachte in ehrenden und anerkennenden Worten der Tätigkeit des Scheidenden.
Insbesondere hob H. Bürgermeister hervor, dass er in schwerer Zeit sich der
Gemeindeschreiberei annahm und diese in mustergültiger Weise führte. Er dankte
ihm in bewegten Worten auch für seine Seelsorgtätigkeit und unterstrich verschiedentlich
seine Arbeit. HH. Pfarrvorstand, Kammerer Spötzl, gedachte anerkennend seines
Mitarbeiters im Weinberg des Herrn und betonte, dass der Abschied zwischen ihm
und seinem Kooperator eine Sache sei, die die Öffentlichkeit nicht berühre.
Aber ihm obliege heute die Pflicht, seines Mitarbeiters insoweit zu gedenken,
als er es verstand, dem Chorverein wieder neue Kräfte zu verleihen und dadurch
den Gottesdienst in die Form zu bringen, die alle Pfarrmitglieder erwünschten
und sich erwarten. Er dankte ihm ganz besonders auch für seine Tätigkeit und
die Gründung des kath. Gesellenvereins und die dadurch bedingte Stärkung der
christlichen Arbeiter. Sichtlich gerührt dankte HH. Kooperator Götz für die
Ausführungen seiner Vorredner. Er betonte, dass lediglich Gesundheitsrücksichten
ihn veranlassten, aus dem ihm liebgewonnenen Vierkirchen zu scheiden und dass
es ihn freue, dass seine nicht geringen Bemühungen sowohl um den katholischen
Gesellenverein wie um den Chorverein sichtbare Früchte getragen haben. Für die
ihm zuteil gewordenen Ehrungen sprach er seinen tiefgefühlten Dank aus und wünschte
allen von ihm geförderten Vereinigungen eine gesunde und kräftige Weiterentwicklung.
Besonders dankte er auch dem neuen Herrn Lehrer Hans Gritscher, der sich in
den wenigen Wochen seines Hierseins in so eifriger Weise der Sänger angenommen
hat und für seine Vorbereitung und Mitwirkung bei den musikalischen Darbietungen
dieses Abends. Zum Schluss ergriff noch ein Gemeindemitglied, Herr Martin Reichlmaier,
das Wort, um als Kriegskamerad des scheidenden HH. Kooperators denselben zu
ehren.
Zwischendurch erfreute die Kapelle Wagner (Streichmusik) die Anwesenden; der Chorverein gab stimmungsvolle Lieder zum besten und ein Solo-Quartett trug zur Hebung der Stimmung ganz wesentlich bei. Ein gelungener Abend, wie man ihn selten findet; eine Verbindung zwischen Gemeinde und Geistlichkeit, die selten anzutreffen ist! HH. Kooperator Götz kann mit der Überzeugung von Vierkirchen scheiden, dass sein Wirken in jeder Hinsicht ihm nur Freunde geworben hat und sich so in der Gemeinde ein Gedenken gesichert hat.
Resignation
von Pfarrer Spötzl
Amperbote vom 20.2.1932
Wie wir zu unserem größten Bedauern vernehmen, wird unsere große, weit über 1200 Seelen zählende Pfarrei, die im Hochwürden Herrn Kammerer und Pfarrer Spötzl einen eifrigen Seelsorger gehabt hat, bald verwaist werden. Unsere arbeitsfreudiger Seelenhirte hat wegen zunehmenden Alters und Kränklichkeit, die es ihm nicht mehr ermöglichen, die Seelsorgestelle zu versehen, resigniert und wird sich in den wohlverdienten Ruhestand zurückziehen. Er wird schon bald uns verlassen und seinen Ruheposten in der Mühldorfer Gegend antreten. Der scheidende Seelsorger hat seit Ende Januar 1914, also mehr als 17 Jahre, in der Pfarrei Vierkirchen gewirkt, er war ein Freund der Armen, Kranken und Kinder, hat für jeden, der an seiner Türe klopfte, ein gutes freundliches Wort gehabt, dann wird sein Wegzug tief bedauert und so manches von den Pfarrangehörigen wird ihn sehr vermissen. Durch das Scheiden des Vierkirchner Pfarrerherrn hat aber auch das Dekanat Dachau seinen zweiten Kapitelvorsitzenden, seinen Kammerer verloren. Mir ging es den verdienten Priester vergönnt sein, noch viele Jahre an seinem schönen Ruheplätzchen leben zu können!
Amperbote vom 24.3.1932
Große
Trauer verursacht den Pfarrkindern von Vierkirchen das Scheiden des viel geliebten
Pfarrerherrn und Kammerers Johann Spötzl. Am 21.1.1914 hatte er auf die genannte
Pfarrei investiert und war seit dieser Zeit, also über 17 Jahre, den ihm Anvertrauten
ein Pfarrherr voll Milde und Güte. Gerne wollte ihm die Pfarrgemeinde eine Abschiedsfeier
im größeren Rahmen veranstalten, aber der bescheidene Priester lehnte alles
ab. Dagegen ließen die Schulkinder es sich nicht nehmen, ihrem geliebten Katecheten
zum Abschied noch eine kleine Huldigung darzubringen.
Die kindliche Abschiedsfeier begann am letzten Dienstag mit einem auf die Feier
hinweisenden Lied. Da der Gefeierte in diesem Jahr noch das vierzigjährige Priesterjubiläum
begehen kann, trugen drei Mädchen zusammen ein Gedicht vor, welches auf dieses
hohe Ereignis hinwies. Dabei überreichten sie dem Herrn Jubilar einen Blumenkorb.
Darauf folgte ein Gedicht und weiter eine humorvolle Erzählung, vorgetragen
von Hans Gruber. Die Schülerin Resi Reisenegger sang mit ihrer glockenhellen
Sopranstimme das Lied: "Am Glanda an der Bruck`n". Das Abschiedsgedicht mit
rührendem Inhalt sprach der Schüler Treffler von Rettenbach. Alsdann wurde auch
das Abschiedsgeschenk der Schuljugend entrollt: Ein schöner, großer Teppich.
Hochwürden
Herr Kammerer war von dieser Aufmerksamkeit und den Beweisen kindlicher Liebe
tief gerührt. Er sprach herzliche Worte des Dankes. Nach einer Pause begann
die Goethe- und Schulschlussfeier. Dieselbe wurde eingeleitet mit dem Lied:
"Wem Gott will rechte Gunst erweisen …". Dann folgte eine kleine dramatische
Szene. Die Kinder nannten es "Goethe-Theater". In das Spiel waren bekannte schöne
Goethelieder eingefügt. Der Schüler Karl Förster, vom Herrn Lehrer Grietscher
unterrichtet, brachte verschiedene schöne Vorträge auf dem Harmonium. Das Gedicht
"Abschiedsgruss" galt den austretenden Schülern und Schülerinnen und wurde schön
und mit guter Betonung von Anna Gruber gesprochen. Rabl Johann von Ramelsbach
erinnerte uns mit seinem Vortrag an den Frühling. Weitere schöne Darbietungen
waren: "Das Lügenmärchen", "Die sieben Schwaben", "Im schönsten Wiesengrund",
"Gretel und Pastetl", "Die Hasenjagd".
Auf Verlangen musste Resi Reisenegger noch einmal singen und Hans Gruber seine
drollige Erzählung vortragen. Großen Eindruck machte die Schülerin Barbara Groß
mit ihrem Hinweis auf die Dorfheimat: "Habt eure Dorfheimat lieb". Den Schluss
der Feier bildete das Deutschlandlied. Die Anwesenden waren von den Gebotenen
hocherfreut. Besondere Anerkennung verdient die Schulleiterin, Fräulein Helene
Einhorn, welche das Ganze arrangiert und die besonderes Leben in den Verein
bringt.
Einzug
des neuen Pfarrerherrn Andreas Bräd
Amperbote vom 4.5.1932
Der vergangene Samstag brachte den neuen Pfarrerherrn von Vierkirchen, hochwürdigen Herrn Andreas Brädl, bisherigen Kuratbenefiziaten von Gelting bei Markt Schwaben. Hochwürden Herr Pfarrer Dr. Bärlehner in Pasenbach, Hochwürden Herr Kooperator und Pfarrvikar Schefbeck, Herr Bürgermeister Huber von Biberbach und der Kernkläger begrüßten den neuen Pfarrerherrn, welcher sichtlich gerührt dankte. Sämtliche Herren bestiegen das reich gezierte Auto des Herrn Kürzinger von Röhrmoos und fuhren nach Vierkirchen. Dort warteten bereits weiß gekleidete Mädchen, die sämtlichen Gemeinderäte von Vierkirchen, Pasenbach und Biberbach, ebenso die Kirchenverwaltung, außerdem Lehrerschaft, dann sämtliche Vereine der ausgedehnten Pfarrei, der katholische Burschenverein und der katholische Gesellenverein Vierkirchen, die Krieger- und Veteranenvereine von Vierkirchen, Pasenbach und Biberbach, und die Freiwilligen Feuerwehren dieser Orte. Von allen Seiten kamen die Pfarrangehörigen herbei geströmt, um ihren neuen Seelenhirten zu begrüßen. Fräulein Einhorn, Schulleiterin von Vierkirchen, überbrachte in schönen Worten Herrn Pfarrer den Gruß und Glückwunsch im Namen der Lehrerschaft und der Schuljugend. Dann trat aus der Reihe der weiß gekleideten Mädchen die Schülerin Anna Bestle vor und begrüßte Herrn Pfarrer mit einem sinnigen Gedicht. Herr Pfarrer sprach darauf wohlwollende Worte. Die Schülerin Theres Wimmer überreichte ihm einen Frühlingsblumenstrauß. Herr Bürgermeister Müller von Vierkirchen überbrachte dem neuen Pfarrer den Willkommensgruss der Gemeinde. Freude bewege das Herz aller, weil sie wissen, dass sie wieder einen Pfarrerherrn haben, dem der Ruf eines seeleneifrigen, frommen und menschenfreundlichen Priesters vorausgegangen sei. Im Namen aller versicherte Herr Bürgermeister Herrn Pfarrer, dass alle ihm als gottgesandten Seelenhirten Liebe und volles Vertrauen entgegenbringen wollen. Vor allem wünschte er auch ein einmütiges Zusammenwirken von Pfarramt und den Gemeindeverwaltungen. Der Herr Pfarrer war sichtlich gerührt und reichte unter vielen Dank Herrn Bürgermeister die Hand zur weiteren friedlichen Zusammenarbeit. Als Vertreter der Kirchengemeinde überbrachte Herr Kirchenpfleger Berthold dem neuen Herrn Pfarrer die besten Grüße und entbot ihm die besten Wünsche. Im gleichen Sinn sprach auch Herr Reichelmeier als Vertreter sämtlicher Vereine. Sodann ordnete sich der Zug und setzte sich unter den Klängen der Musik in Bewegung. Beim Einzug in die Kirche erscholl machtvoller Orgelklang; der neue Herr Pfarrer begab sich zum Hochaltar und Herr Kooperator und Pfarrvikar wandte sich an den neuen Herrn Pfarrer und betonte, dass der überaus zahlreiche Besuch des Gotteshauses der Beweis dafür sei, dass die Pfarrgemeinde im neuen Pfarrerherrn größtes Vertrauen entgegenbringe und entbot in diesem Sinn einen herzlichen Willkommensgruss. Herr Pfarrer antwortete, er sei als Friedensbote gekommen. Er betrachte es als seine große Aufgabe, den Frieden zu bringen in die ganze Pfarrei und diesen Frieden immerzu erhalten. Seine Sorge und sein Bemühen gelte den Kindern der Jugend, welche heute in so großer Gefahr schwebt, den Hausvätern und Hausmüttern, vor allem auch den Kranken oder sonst wie Bedrängten, ganz besonders den Sterbenden. Zum Schluss dankte er nochmals allen, welche sich um seinen feierlichen Empfang bemühten. Sodann öffnete er den Tabernakel, betete die Laurentanische Litanei und erteilte den heiligen Segen. Während das Volk laut und feierlich "Großer Gott, wir loben dich" sang, wurde der neue Herr Pfarrer seinem neuen Heim, dem Pfarrhof Vierkirchen, zugeführt.
Primiznachfeier
für Neupriester Johann Hillreiner
Dachauer Nachrichten vom 20.07.1950
Eine Primiznachfeier hielt der Neupriester Johann Hillreiner in der Pfarrkirche St. Jakob in Vierkirchen. Viele Besucher aus den Filialdörfern füllten die Kirche, um dem heiligen Messopfer des jungen Priesters beizuwohnen, der 22 Jahre in Vierkirchen lebte, 1946 zogen seine Eltern weg. In seiner Predigt gab der Primiziant seiner Freude Ausdruck, dass es ihm doch noch möglich war, sein Ziel zu erreichen, obwohl er vier lange Jahre in der Wehrmacht dienen musste und anschließend auch in Gefangenschaft kam. Leider konnte die Mutter die Primiz ihres zweiten Sohnes nicht .mehr miterleben. Der erste Sohn, Joseph Hillreiner, konnte bereits 1929 in Vierkirchen seine Primiz feiern und wirkt seit vielen Jahren am Dom in München, wo auch der Neupriester seinen Ehrentag beging.
Neue
Glocken für Vierkirchen
Dachauer Nachrichten vom 27.10.1951
Im Gasthaus Grieser fand eine Gemeindeversammlung statt, die sehr gut besucht war und von Bürgermeister Eichinger eröffnet wurde. Nach Verlesung der wichtigsten Punkte ging Eichinger auf den Ankauf von neuen Kirchenglocken ein, nachdem der Krieg auch von der hiesigen Pfarrkirche sein Opfer gefordert hatte. Vikar Schmid erinnerte daran, dass die Anschaffung der Glocken der sehnlichste Wunsch des verstorbenen Kammerers Brädl gewesen war. Hierauf einigte man sich, die Glocken anzuschaffen. Den notwendigen Betrag will man durch eine Sonderumlage in Höhe von 50 Prozent der Grundsteuer aufbringen, wozu sich sämtliche Anwesenden verpflichteten.
Bereits fünf Pfarrer
überlebt
Der Mesner von Pasenbach, Georg Huber, wird heute 80 Jahre
alt
Dachauer Nachrichten vom 28.01.1963
Dachau
- Heute, Montag, 28. Januar, feiert Georg Huber aus Pasenbach seinen 80. Geburtstag.
Der Jubilar ist erstaunlich rüstig. Wenn Georg Huber von seiner Jugendzeit erzählt,
dann werden viele Erinnerungen in ihm wach. Er kann sich sehr gut an seine Kinderjahre
und seine Schulzeit erinnern.
Huber ist ein gebürtiger Pasenbacher. Der Vater hatte einen Hof. Von den 16
Geschwistern starben alle bis auf drei. Georg Huber übernahm das elterliche
Anwesen in Pasenbach und baute schließlich noch eine Schreinerei dazu. Schon
Großvater und Vater waren Mesner im Dorf. So war es denn kein Wunder, dass auch
Georg Huber sich als Kirchendiener zur Verfügung stellte.
Nun sind es bereits 55 Jahre, dass er dieses Ehrenamt im Ort bekleidet. Er ist
immer zur Stelle, wenn der Pfarrer ihn braucht. Trotz seiner achtzig Jahre ist
er heute noch tätig, obwohl dieses Amt, besonders in der kalten Zeit, viele
Opfer verlangt. ,,I ko halt den Pfarrer net allein lassen", meint Huber. Das
ist auch recht gut zu verstehen, wenn man weiß, dass der Pfarrer bereits 87
Jahre alt ist und immer noch bei den Pasenbachern die Messe liest.
Fünf Priester hat Huber während seiner Mesnerzeit überlebt. Von jedem Geistlichen
weiß er noch kleine, nette Begebenheiten und Eigenarten zu erzählen. Aber es
gab auch schwere Schicksalsschläge in seinem Leben, die ihn und seine Gattin
Magdalena jahrelang bewegten. Der Verlust seiner beiden Söhne war besonders
schmerzlich.
Heute hat sich Huber zur verdienten Ruhe gesetzt. Sein Schwiegersohn Speer hat
die Schreinerei übernommen. Nun freut sich Georg Huber ganz besonders auf das
Frühjahr. Wenn es wieder warm wird, ,,kann i wieder leichter in d`Kirch gehn",
sagt er. Zu seinem 80. Geburtstag wünschen ihm die Dachauer Nachrichten weiterhin
Gesundheit!
Vierkirchens
Pfarrkirche 200 Jahre
Unter Pfarrer J. Gröbmaier erbaut - Kosten 8158 Gulden und 13 Kreuzer
Dachauer Nachrichten vom 17.04.1963
Vierkirchen - Das Wahrzeichen von Vierkirchen, die spätbarocke Pfarrkirche mit ihrem für Altbayern typischen Zwiebelturm, kann in diesen Tagen den 200. Geburtstag feiern. Das alte Gotteshaus, das wohl schon zur Gründung der Pfarrei Vierkirchen (nach Deutingers Matr. 220 früher "Feochtkyricha" ist gleich Kirche bei der Fichte) errichtet und zu Ehren des hl. Jakobus des Älteren eingeweiht worden sein mag, hatte beinahe ein ganzes Jahrtausend, seit 779, seinem wohllöblichen Zweck gedient. Es musste 1759 wegen Unzulänglichkeit und Beschränktheit des Raumes, wie auch wegen großer Baufälligkeit und daher Einsturzgefahr niedergelegt werden. An seiner Stelle erstand bis zum Jahre 1763 der jetzige große Hallenbau mit Turm, Sakristei und Gottesackermauer. Die neue Jakobskirche hatte folgende Ausmaße: 105 Fuß lang (ungefähr 37 m), 44 Fuß breit und 43 Fuß hoch. Der unermüdliche und verdienstvolle Bauherr war der damalige Pfarrer Johann Georg Gröbmaier. Der ganze Kostenaufwand für die neue Kirche betrug 8158 Gulden 15 Kreuzer, ein für die damalige Zeit stattlicher Betrag (nach der Schrift für die Elfhundertjahrfeier der Pfarrei von M. Steinberger). Gröbmaier war es auch, der einen neuen Hochaltar, die Seitenaltäre und die Kanzel neu erstehen ließ. Hundert Jahre später musste allerdings eine völlige Erneuerung der Kirche unter Pfarrer Steinberger vorgenommen werden. Trotzdem ist und bleibt Johann Gröbmaier der kühne und unentwegte Erbauer der heutigen Jakobskirche, der Mann, der "in Herz und Mund der Vierkirchner fortlebt", wie es in der Jubiläumsschrift von 1879 heißt.
Am
Grab des ältesten Priesters
Weihbischof Dr. Neuhäusler gibt Jakob Schmitter die letzte
Ehre
Dachauer Nachrichten vom 02.04.1964
Vierkirchen (bo) - Unter großer Beteiligung des Klerus und der Bevölkerung wurde Kommorant Jakob Schmitter, ehemaliger Pfarrer von Taufkirchon bei Laufering, in Pasenbach zur letzten Ruhe gebettet. Weihbischof Dr. Johannes Neuhäusler nahm ebenfalls an den Begräbnisfeierlichkeiten teil. Der Seelsorger der Filialpfarrei Pasenbach, der mit seinen 88 Jahren der älteste Priester des Dekanats Dachau war, war in Schongau als Lehrersohn geboren und stand im 64. Jahr seines Priestertums. Nachdem er neun Jahre in Schwindkirchen (Landkreis Mühldorf) als Kooperator fungierte, übernahm er die Pfarrei Taufkirchen. 1941 zog er sich nach Pasenbach, einer Filiale Vierkirchens zurück, wo er sich bis vor kurzem trotz vorgerückten Alters voll und ganz dem Seelsorgedienst für die Filialgemeinde widmete. Die Beliebtheit des Pfarrers von Pasenbach zeigte sich in der sehr großen Trauergemeinde und im Fahnenwald der vielen Vereine aus Pasenbach und Umgebung. Von seiner früheren Pfarrei Taufkirchen war eine stattliche Abordnung zur Beerdigung gekommen. Ein langer Trauerzug bewegte sich durch die Ortschaft, in der Jakob Schmitter fast ein Vierteljahrhundert bis zum letzten Atemzug gewirkt hatte. Die Aussegnung nahm Dekan Johann Jäger vor, der herzliche Worte des Trostes und der Erbauung am offenen Grabe fand. Die feierlichen Grabgesänge wurden dem verstorbenen Mitbruder vom anwesenden Klerus gesungen. Die Kränze und Blumengebinde der Kirchenverwaltungen und der Gemeinden Pasenbach und Taufkirchen stellten nur einen Teil der vielen letzten Grüße dar, die dem toten Seelsorger an das Grab gelegt wurden. Zum Schluss der Trauerfeier würdigten noch die Pfarrherrn von Vierkirchen und Taufkirchen den bescheidenen, frommen Priester Jakob Schmitter.
Pfarrer
Wolfgang Lanzinger 25 Jahre Priester
Dachauer Nachrichten vom 26.06.1964
Vierkirchen - Am nächsten Sonntag kann Pfarrer Wolfgang Lanzinger von Vierkirchen sein 25jahriges Priesterjubiläum begehen. Am Vorabend werden die katholischen Burschen- und Mädchengruppen der Pfarrei einen Lampionzug zum Pfarrhof veranstalten, um ihrem Seelsorger und Präses ihre Gluckwünsche zu entbieten. Am Sonntag wird der Jubilar um 8.45 Uhr im festlichen Kirchenzug, an dem sich sämtliche Vereine der Pfarr- und Filialgemeinden und die Schuljugend beteiligen, zur Pfarrkirche geleitet. Um 9 Uhr beginnt der Festgottesdienst. Die Festpredigt hält Dekan Jäger von Dachau. Die feierliche Dankandacht findet um 19 Uhr statt, woran sich eine gesellige Pfarrfamilienfeier im Saale des Bräuhauses anschließt.
Der
Priesterberuf ein Wagnis
Dachauer Nachrichten vom 22.04.1968
Vierkirchen
- In freudiger Erwartung sieht die Gemeinde Vierkirchen einem besonderen Fest
entgegen. Bernhard Bossert aus Rettenbach, Pfarrei Vierkirchen, wird
am Sonntag, 28. April, um 9 Uhr in der Klosterkirche der Redemptoristen in Gars
am Inn zum Priester geweiht. Erzbischof Julius Kardinal Döpfner wird ihm zusammen
mit vier anderen Diakonen die Weihe erteilen. Bereits drei Tage später, am 1.
Mai, feiert der Primiziant mit seiner Heimatgemeinde sein erstes hl. Meßopfer.
Bernhard Bossert wurde 1942 in Schönbrunn, Kreis Wasserburg, geboren. Sein Entschluss,
später einmal ins Kloster einzutreten, war in seiner Kindheit und in den Jahren
seines Studiums am Gymnasium noch nicht endgültig fest. "Eigentlich wollte ich
nach meines Vaters Vorbild ein Lehrer werden, weil mir da die Kinder folgen
müssen. So schrieb ich es wenigstens als Drittklässler nach langem Hin- und
Herüberlegen damals in mein Heft, erzählt er. Doch es kam ganz anders. Als ihm
ein Redemptoristenpater das Kloster und Seminar in Gars zeigte, entschloss er
sich, dort die ersten drei Klassen des staatlich anerkannten Gymnasiums zu besuchen.
Die restlichen Jahre bis zum Abitur studierte er in dem oberfränkischen Städtchen
Forchheim.
Nach dem Abitur im Jahre 1961 trat er in das Redemptoristenkloster in Gars ein.
Die Redemptoristen sind ein Seelsorgsorden, der sich mit Problemen und Aufgaben
befasst, die über die Pfarrseelsorge hinausgehen. Ordensziel ist die Sorge um
die Ärmsten und Verlassensten. Diese Aufgabe, die in unserer Zeit immer mehr
an Bedeutung gewinnt und ganz im Dienst an den Menschen steht, zog ihn an. "Allerdings
war es ein Wagnis für mich", erzählt er, "gerade den Ordens- und Priesterberuf
zu ergreifen, der doch wie kein anderer Beruf in erster Linie von unserem Glauben
her zu verstehen ist." Zunächst machte er ein Jahr lang Noviziat und begann
dann mit dem philosophischen und theologischen Studium an der Ordenshochschule
der Redemptoristen in Gars. Ein Jahr lang studierte er in Italien und war dann
nach seiner Rückkehr in der Gastarbeiterseelsorge tätig. Da sich im Kloster
bald seine Liebe zur Musik zeigte, wurde er Organist und Dirigent des Studentenchors
und der Blaskapelle. Nachdem er die ewigen Gelübde abgelegt und die niederen
Weihen empfangen hatte, wurde er im Juli vergangenen Jahres zum Diakon geweiht.
Praktische Erfahrungen für seine künftige seelsorgliche Tätigkeit sammelte er
im Sommer bei seinem Diakonatseinsatz in Traunreut, wo er predigte, Katechetikstunden
hielt und in der Pfarrseelsorge tätig war. Seine Eltern übersiedelten im Jahre
1962 von Wang, Kreis Wasserburg, das lange sein zweiter Wohnsitz war, nach,
Rettenbach. Obwohl er in diesen Jahren nur selten und meistens nur kurz nach
Hause kam, hat ihn die Gemeinde als einen der Ihrigen aufgenommen und trifft
bereits voll Freude die Vorbereitungen für die Primiz. Einen Tag nach der Priesterweihe,
am Montag, 29. April, um 19 Uhr, ist der festliche Empfang des Primizianten
in seiner Heimatgemeinde. Am Mittwoch, 1. Mai, um 9 Uhr beginnt der Primizzug.
Der Primiziant wird vom Elternhaus abgeholt und zieht mit den Gläubigen zum
Primizplatz. Dort feiert er dann das erste hl. Meßopfer.
Nach
neun Jahren wieder Primiz - Tausende kommen nach Vierkirchen
Erstes hl. Meßopfer von Bernhard Bossert - Blumen und Fahnen
Dachauer Nachrichten vom 03.05.1968
Vierkirchen - Vor neun Jahren wurde in der Gemeinde Vierkirchen zum letztenmal eine Primiz gefeiert. Der Primiziant von damals, Pfarrer Georg Langenegger, kam eigens aus seiner jetzigen Pfarrei Erlach in Niederösterreich in seine Heimat, um dabei zu sein, als am 1. Mai 1968 wieder ein Sohn der Gemeinde Vierkirchen sein erstes heiliges Messopfer zelebrierte: Bernhard Bossert.
4000
bis 5000 Gläubige aus dem Landkreis Dachau und den umliegenden Kreisen waren
nach dem festlich geschmückten Ort geströmt. An der Spitze der geistlichen Ehrengäste
standen Dekan Jäger aus Dachau und Dekan Beyer aus Indersdorf, gefolgt von Pfarrer
Lanzinger (Vierkirchen), Pfarrer Moser (Giebing), Pfarrer Gumbertsberger (Einsbach),
Pfarrer Kuhnigk (Weichs), Pfarrer Schmalz (Großinzemoos), Kaplan Vital (Schönbrunn),
Komorant Eisenschmied (Schönbrunn) und schließlich Bruder Dominikus aus St.
Ottilien. Die Liste der weltlichen Ehrengäste führten Dachaus Landrat Dr. Pestenhofer,
Bürgermeister Josef Bestle (Vierkirchen), Bürgermeister Zeiner (Pasenbach),
Bürgermeister Reichelmayer (Biberbach) an, sowie die Bürgermeister Martin Haller
(Röhrmoos), Peter Ertl (Pipinsried), Franz Vollenhals (Schönbrunn) und Anton
Riedl (Weichs), gefolgt von zahlreichen Gemeinde- und Kreisräten und Oberschulrat
Greska.
Der Zug der
Ehrengäste holte den Primizianten vom Haus seiner Eltern ab geleitete ihn zum
Schulhof, wo der Altar aufgebaut war. Der Frauenbund Vierkirchen hatte ihn festlich
geschmückt. Vor dem Altar nahmen die Fahnenabordnungen der Freiwilligen Feuerwehren
Vierkirchen, Pasenbach und Biberbach, der Jungmädchen, der Landjugend und der
Burschen, der Kriegergemeinschaften, der Schützenvereine, des Sportvereins Vierkirchen
und der Südostdeutschen Landsmannschaft Aufstellung. Der Kirchenchor von Vierkirchen
und der Bläserchor der Kapelle Gottfried Bauer aus Petershausen umrahmten die
Feier. Fritz Sper dirigierte Chor und Kapelle.
Die Predigt
bei der Primizfeier hielt Pater Hans Maler aus dem Kloster Gars am Inn, wo Bernhard
Bossert am vergangenen Sonntag zum Priester geweiht wurde. Es freue ihn, sagte
der Pater, dass so viele Menschen gekommen seien, um dabei zu sein, wenn ein
junger Mann zum erstenmal das tue, was Christus beim Abendmahl getan habe. Jesus
wurde jedoch von seiner Heimatgemeinde abgelehnt, weil sie zuerst Wunder erwartete.
Wie der hl. Josef, so habe auch der Primiziant bei der Priesterweihe ein bedingungsloses
"Ja" zu Gott gesagt. Es tue gut, wenn in unserer Zeit ein Mensch noch gerne
sein Leben lang in den Dienst Gottes trete, in einer Welt, die nach Frieden
und Einheit schreie. Jeder Mensch könne seine Pflicht nur aus einem grundsätzlichen
"Ja" zu Gott erfüllen. "Glauben" heiße, das Leben mit seinen Erfolgen und Schicksalsschlägen
annehmen. Zwischen Priestern und Gläubigen bestehe kein Unterschied, da in allen
Christus weiterlebe. Der Priester habe lediglich die Aufgabe, dafür zu sorgen,
dass die Botschaft Gottes nicht in Vergessenheit gerate. "Der Priester ist unser
aller Diener im Glauben. Er ist Architekt und Handlanger zugleich an dem Haus
unseres Glaubens, das Christus würdig sein soll."
Nach der Predigt begann die eigentliche Primiz. Bernhard Bossert zelebrierte
seine erste heilige Messe. Zwei Studienkollegen, die mit ihm Priesterweihe hatten,
nämlich Hermann Zeller und Günter Kupka, dienten ihm am Altar. Der Leib Christi
in Gestalt von Brot und Wein wurde an drei verschiedenen Stellen ausgeteilt,
doch war es in dem entstehenden Gedränge nicht möglich, dass alle Gläubigen
zur Kommunion gehen konnten.
Nach dem Gottesdienst wurden an die Fahnenabordnungen der Vereine die Fahnenbänder
verteilt. In feierlichem Zug wurde Bernhard Bossert dann zur Kirche geleitet,
wo sich der Festzug auflöste. Der neugeweihte Priester zeigte sich von der großen
Anteilnahme der Bevölkerung sehr gerührt. Den ganzen Tag lang musste er Hände
drücken und Glückwünsche entgegennehmen. Im Saal der Brauerei Hilg fand im Anschluss
an die Primiz das Mahl für die geladenen Gäste statt. Zur Unterhaltung spielte
die Blaskapelle Bauer. Der Kirchenchor von Vierkirchen sang zu Ehren des Primizianten
und die Schulkinder sagten Gedichte auf. Landrat Dr. Pestenhofer und Dekan Jäger
hielten kurze Ansprachen. Zum Schluss bedankte sich der Primiziant für die ihm
zuteil gewordene Ehre. Eine gemeinsame Maiandacht in der Kirche beendete die
Primizfeier.