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Pfarrkirche St. Valentin in HIRTLBACH

Adresse: 85229 Markt Indersdorf, St.-Valentin-Straße 4
Lage der Kirche auf der Landkarte ...

Kurzbeschreibung

Die Ortschaft Hirtlbach wurde urkundlich erstmals im Jahre 1150 als Hurtlebach (Bach mit Flechtwerk aus Weiden) erwähnt. Die Gegend war aber schon lange Zeit vor Christi Geburt besiedelt

Die Konradinischen Matrikel von 1315 bezeichnet die Pfarrei als "Hürtelbach", das eine Filialkirche hatte und zum Dekanat Altomünster gehörte.

Das Gotteshaus steht -weithin sichtbar- auf einem Bergrücken am Rande des Glonntales.
Die heutige Pfarrkirche St.Valentin in Hirtlbach ist weitgehend ein Neubau aus dem Jahr 1715 nach den Plänen des Freisinger Hofmaurermeisters Dominikus Glasl. Von der spätgotischen Vorgängerkirche wurden nur kleine Mauerteile im Chor und im Turm übernommen.

Die Kirche ist ein vierachsiger Saalbau mit eingezogenem, dreiseitig geschlossenen Chor.
Der 27 bis 28 Meter hohe Sattelturm steht an der Chorsüdseite. Er hatte bereits im Jahr 1560 eine Turmuhr.

Hirtlbach ist die einzige Valentinskirche im Landkreis Dachau. Der hl.Valentin von Rätien (Gedenktag 7.Januar) war im 5.Jh Bischof von Passau. Deshalb wird er in den Bildern und Plastiken in Hirtlbach immer als Bischof dargestellt.Valentin von Rätien ist nicht mit dem hl.Valentin identisch, dessen Fest am 14.Februar mit Blumengeschenken gefeiert wird.


Kanzelverzierung

In den Jahren 1976-84 wurde die Kirche innen und zu Beginn unseres Jahrhunderts auch außen renoviert.

Innenausstattung

Das Innere der über 10 Meter hohen Kirche wird von einem reich stuckierten Tonnengewölbe mit großem
Gesimsüberdeckt.
An der Decke sechs Gemälde, die zumeinst erst zu Beginn des 20.Jh. entstanden sind.

Der Choraltar wurde 1946 von M.Rummer (Schnitzer) und A.Reindl aus Hirtlbach (Schreinerarbeiten) erstellt. Die über 350 Jahre alten Assistenzfiguren stellen die hl.Barbara (mit Kelch und Palmzweig) und Katharina (mit Schwert und gebrochenem Rad) dar. Im Altarauszug eine Halbfigur von Gottvater mit Weltkugel.

Die schräg gestellten Seitenaltäre sind dem hl. Jakobus (Altarblatt: Aufnahme in den Kreis der Jünger) und der Mutter Anna (Altarblatt: Anna lehrt ihre Tochter Maria das Lesen) geweiht. Diese Heiligen sind auf den großen Altargemälden zu sehen. In die Predella Klosterarbeiten mit Reliquien.

Figuren oder als Gemälde in der Kirche erinnern noch an folgende, in Bayern häufig verehrte Heilige:
St.Josef (Patron der Handwerker) , St.Ottilia (gegen Augenleiden), St.Leonhard (gegen Viehkrankheiten), St.Korbinian (der Bistumspatron), St.Apollonia (gegen Zahnweh), St.Margarete (bei Problemen um die Geburt), Johannes d.Täufer (gegen Kinderkrankheiten), Franz von Assisi (Patron der Armen), St.Joachim (Patron der Eheleute), Konrad v.Parzham (Patron der katholischen Burschenvereine), St.Petrus (Patron der Fischer) und Maria Magdalena (Patronin der Büßer).

Außerdem sind an den Wänden des Chores und am Chorbogen Epitaphe (Grabplatten) für frühere Pfarrer angebracht.

Altarbild: St.ValentinBarbaraChorsüdseiteMarienbildGemälde Mariä VerkündigungAltaraufsatz GottvaterfigurSt. Joachim oder JosefJohannes der TäuferSt.KatharinaLeuchterengel auf ProzessionsstangenMuttergottesstatueLinker SeitenaltarRechter SeitenaltarTaufseinfigurZelebrationsaltarMesner Albert ReindlDeckengemälde Gaben des Hl.Geistes
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Kirchenführung:
Falls Sie eine Kirchenführung wünschen, wenden Sie sich bitte an Frau Brigitte Reindl


Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen

Geschichte: Beschreibung 1315 Gotische Kirche 1450 Beschreibung 1524 Beschreibung 1560
Beschreibung 1584 Altarweihe 1707 Neubau 1715 Beschreibung 1740
Bruderschaft 1727 Beschreibung 1874
Ausstattung: Altarraum Apostelleuchter Baubeschreibung Choraltar
Deckengemälde-1 Deckengemälde-2 Empore Epitaphe
Figuren/Bilder im Chor Figuren/Bilder im Schiff Geißelheiland Heiliges Grab
Kanzel Kanzelkreuz Kirchenbänke Kreuzweg
Krippe Orgel Opferstock Patronat
Reliquiare Restaurierungen Seitenaltäre Taufstein
Orgel Opferstock Seitenaltäre Taufstein
Tabernakel Turm Vortragekreuz Zelebrationsaltar

Die Ortschaft Hirtlbach wurde urkundlich erstmals im Jahre 1150 als Hurtlebach (Bach mit Flechtwerk aus Weiden) erwähnt. Die Gegend war zwar schon lange Zeit vor Christi Geburt besiedelt, wie Hügelgräber nahelegen. Der heutige Ort mit der Endung -bach dürfte aber der Zeit zwischen 700 und 800 angelegt worden sein.


G
eschichte der Pfarrei und der Kirche

Von einer Kirche ist erstmals in der Konradinischen Matrikel von 1315 die Rede. Sie bezeichnet die Pfarrei als "Hürtelbach", das schon damals eine Filialkirche hatte und zum Dekanat Altomünster gehörte. Die Pfarrer lassen sich seit 1383 fast lückenlos verfolgen. Der bekannteste war der Domherr Veit Adam Freiherr von Gebeckh (1609-1615), der später Bischof in Freising geworden war. Aber Gebeckh war nur der Pfarrherr, die Seelsorge vor Ort versah ein von ihm bezahlter Pfarrvikar.


Gotische Kirche
1450
In der Zeit nach 1450 ist eine gotische Kirche errichtet worden. Von dieser Kirche sind noch Mauerteile im Chor und im Turm vorhanden.

Sunderndorfer'sche Matrikel >
Die Sunderndorfer'sche Matrikel berichtet, dass im Jahr 1524 Joannes Hunger die Pfarrei in Hirtlbach innehatte, die Seelsorge aber von Vikar Leonhard Früauff wahrgenommen wurde. Eine spätere handschriftliche Anmerkung in der Sunderndorferschen Matrikel besagt, dass im Jahr 1538 Papst Clemens VII. das Patronatsrecht dem bayerischen Kanzler und Hofmarksherren von Eisenhofen Leonhardus von Eck verliehen hat. Die Pfarrei hatte 150 Communicantes (Gläubige ohne Kinder); das war die Durchschnittsgröße einer kleineren Pfarrei. Das Pfarrhaus und die Wirtschaftsgebäude waren in gutem Zustand.

Pfarrvisitation 1560

Nur 35 Jahre später fand eine Pfarrvisitation des Bistums statt, über die ein Bericht erhalten ist. Damals war Eustachius Basler Pfarrer und Dekan. In dieser kurzen Zwischenzeit hatte sich die Zahl der Kommunikanten von 150 auf 200 erhöht. Alle waren gut katholisch und des lutherischen Glaubens unverdächtig, aber nicht sehr spendabel. Zweimal im Jahr wurde gebeichtet und kommuniziert. Kreuzgänge (Bittgänge) waren beliebt. Am Kirchturm war bereits eine Uhr eingebaut. "Die kirch und pfarrhof seind nit paufellig", schreibt der Visitator.

Pfarrvisitation 1584
Erstaunlich ist, dass Im Bericht über eine Pfarrvisitation aus dem Jahr 1584 die Zahl der Communicantes mit 700 angegeben wird. Dass die Pfarrei innerhalb von 60 Jahren so stark angewachsen ist, erscheint fast unglaublich. Damit wäre die Pfarrei Hirtlbach größer gewesen als Weichs (450) oder Dachau St.Jakob (450). Entweder handelt es sich um einen Schreibfehler oder eine andere Personengruppe ist mit eingerechnet worden. Wenn Sie an dem Bericht über die Pfarrvisitation interessiert sind, klicken Sie hier...

Altarweihe 1707
Am 16. Oktober 1707 weihte Fürstbischof Johann Franz von Eckher drei Altäre in der Kirche und spendete 35 Kindern die Firmung. Das Weihedatum bedeutet aber nicht zwingend, dass der Altar erst kurz vorher neu beschafft oder renoviert worden wären. Es könnte auch sein, dass 60 Jahre vorher - im 30jährigen Krieg - die Altäre von Soldaten entweiht und in den Jahren danach von den Hirtlbachern wieder hergestellt worden sind. Eine Altarweihe war damals nicht möglich. Denn ab 1652 saßen nacheinander zwei Wittelsbacher Prinzen (Albrecht Sigismund von Bayern und Joseph Clemens von Bayern) auf dem Freisinger Bischofsthron, die mangels Bischofsweihe das geistliche Amt des Bischofs nicht ausüben konnten; Albrecht Sigismund besaß nicht einmal die Priesterweihe. Nach 40 Jahren kam 1695 mit Franz Eckher wieder ein echter Bischof an die Regierung, für den nach so langer Zeit ohne Kirchen- und Altarweihen und ohne Firmungen viel zu tun war. Dieser kunstsinnige Bischof hatte seinen Sommersitz auf Schloss Hof und weihte von hier aus in seinem Urlaub viele Altäre und Kirchen unserer Region. Wahrscheinlich hat man diese Altäre auch in die wenige Jahre später neu gebaute Kirche übernommen.

Neubau 1715/16
Die heutige Pfarrkirche St.Valentin in Hirtlbach ist weitgehend ein Neubau aus dem Jahr 1715/16 nach den Plänen des Freisinger Hofmaurermeisters Dominikus Glasl/Gläsl. Die Bauarbeiten leitete der geniale Maurermeister Hans Maurer aus Hirtlbach, der auch Unterweikertshofen errichtet hat; nach dessen Tod sein Schwiegersohn Johann Derffler. Am 20.11.1715 schrieb der 57. Freisinger Fürstbischof Johann Franz Eckher, der auch der Hofmarksherr von Eisenhofen und damit von Hirtlbach war, an den Pfarrer von Hirtlbach: "Wir seint gnädigst entschlossen, das würdige St.Valentini Pfarrgottshaus zu Hirtlbach nach denen uns vorgelegten Visir und Überschrägen neu erbauen und hiermit nechst kommenden Frieling unfehlbar den Anfang machen zu lassen". Der Neubau wurde schon ein Jahr später, am 18.10.1716 durch den Fürstbischof eingeweiht. Der Fürstbischof zahlte; deshalb ist die Kirche auch so prächtig geraten.
Dieser kunstsinnige Bischof regierte sein Bistum von der Reisekutsche aus; er unternahm viele Pastoralreisen selbst in kleinste Dörfer seines Bistums. In seiner Regierungszeit von 1695 bis 1727 hat er 174 Kirchen (darunter Jarzt, Pellheim, Ebertshausen,Straßbach, Lauterbach, Westerholzhausen und Kollbach) und ca. 1.100 Altäre und 734 Priester (23 pro Jahr) geweiht.

Bruderschaft 1727
Am 18.August 1727 wurde eine Bruderschaft der hl.Mutter Anna errichtet. Hauptfest war das Annafest (26.7.), am Dienstag darauf Seelenamt für die verstorbenen Mitglieder. 3 Conventtage mit Amt und Predigt.

Schmidt'sche Matrikel 1738/40
150 Jahre später, 1738/40, hat der Kanonikus Schmidt aus Freising die Pfarreien der Diözese besucht und seine Erkenntnisse in der nach ihm benannten Matrikelniedergelegt. Das Präsentationsrecht hatte 1538 der Hofmarksherr von Eisenhofen, der bayerische Kanzler Leonhard Eck, übertragen bekommen. Ab 1622 ging es auf die Freisinger Bischöfe über. Um das Jahr 1850 berichtet Deutinger, es liege nun wieder beim Landesherrn (vielleicht seit 1803); der Bischof könne nur "drey Bewerber in Vorschlag bringen".
Nach den Vorstößen der deutschen Bischöfe im Oktober 1848 in Würzburg gegen staatliche Einmischung in kirchliche Angelegenheiten und einer Denkschrift der bayerischen Bischöfe vom Oktober 1850 hatte die bayerische Regierung zugestanden, dass vor jeglicher Präsentation ein bischöfliches Gutachten über den zu präsentierenden Kandidaten für das Kirchenamt einzuholen sei.
Schmidt nennt auch den Namen des Pfarrers und Dekans des Jahres 1738, Caspar Messerer, der seit 1719 installiert war. Er war in Hirtlbach für 370 Gläubige zuständig. Zu dieser Pfarrei gehörten die Filialkirche "s.Albani in Grossen-Eisenhoffen" und eine Kapelle im Schloss Eisenhofen. Das Pfarrhaus und die dazugehörenden Wirtschaftsgebäude, schreibt Schmidt, zeigten wie schon 1524 keinerlei Schäden.
Die 25 Jahre vorher errichtete Pfarrkirche bezeichnet Schmidt als eleganten Bau mit drei Altären: Der Hochaltar zu Ehren des Bischofs Valentin, in dem auch Reliquien der Heiligen Valentin, Emmeram, Marian und Anian sowie eine Kreuzreliquie aufbewahrt wurden. Ein Seitenaltar war der hl.Anna geweiht (mit Reliquien von St.Anna und St.Joachim); er war auch der Altar einer Anna-Bruderschaft. Der andere Seitenaltar hatte die Patrone Katharina, Ottilia und Elisabeth. Die Kirche war mit Taufstein, Heiligen Ölen und schönen Messgewändern gut ausgestattet. Im Friedhof stand ein Beinhaus. Im Turm hingen zwei geweihte Glocken. Die Einnahmen der Kirche verwalteten der Pfarrer und der Hofmarksherr von Eisenhofen.

Beschreibung 1880
In der Zeit von 1870 bis 1880 hat der Dombenefiziat Anton Mayer eine Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising erstellt und 1880 als Buch veröffentlicht. Darin ist unter dem Dekanat Sittenbach auch die Pfarrei Hirtlbach als eine Pfarrei mitttlerer Größe enthalten. Mayer schreibt:
Geographie: Hirtelbach liegt auf einer Anhöhe an der Glonn. Die Pfarrei hat 500 Seelen in 106 Häusern. Davon wohnen aber nur 220 Gläubige (in 34 Häusern) in Hirtlbach selbst, die Übrigen in
Hörgenbach 30 (4), Riedhof 14 (2), Eisenhofen 150 (48) und Hof 86 (18). Der Umfang der Pfarrei beträgt 7-8 km. Die Wege sind schlecht und beschwerlich.
Pfarrei:Präsentationrecht de libera collatione (d.h., der Bischof hat freie Auswahl der Pfarrherren). Pfarrei-Rechnung: 3283 Einnahmen, 247 Lasten, ergeben einen Reinertrag von 3026 Mark jährlich. Schuldenstand: 1159 Mark. Das Widum, der Pfarrbauernhof hat Grundstücke von 107 Tagwerk (=36 ha) der Bonität 10. Das Pfarrhaus ist geräumig und passend, zu ebener Erde sehr feucht; Erbauungszeit unbekannt. Ökonomiegebäude in gutem Zustande. Ein Hilfspriester ist nicht da. Die Matrikelbücher beginnen 1640."
Kirche: "Erbaut durch den Fürstbischof Joh.Franz Ecker von Freising um das Jahr 1715. In einem Fenster des Presbyteriums befand sich früher das Wappen dieses Bischofs nebst St.Johannes und St.Franziskus ins Glas gemalt mit der Inschrift: "Cels. ac Seren.Dom.Dom. Johann.Franciscus Epsicopus Frisingens. Sacr. Rom.Imper.Princeps 1716. Kirche restauriert 1864. Renaissancestyl. Geräumigkeit zureichend. Baupflicht die Kirche. Sattelthurm mit 3 Glocken, gegossen 1858 von Franz Pascolini in Ingolstadt. Consecrationsdatum 18.Oct.1716. Patrocinium am Feste des hl.Valentin (7.Jan). 3 Altäre, Orgel mit 8 Registern. Gottesdienste an Sonntagen im Wechsel mit der Filiale Eisenhofen. Ewige Anbetung 9.Jan. Privilegium: Kraft Breve von Papst Pius VI. vom 16.März 1799, publicirt in Freising am 15.1.1800, für ewige Zeiten ein vollkommener Ablass am Tage der Apostel Matthias Matthäus, Philippus, Jakobus. Bittgang der Pfarrgemeinde am 1.Mai nach Eisenhofen. Stiftungen: 34 Jahrtage u. 51 Jahrmessen. Meßner ist ein Gütler des Ortes, Cantor der Lehrer von Hof. Eigenes Meßnerhaus besteht nicht. Vermögen 1880 rd. 40.000 Mark.

Hinzuweisen ist auch auf den aus Röhrmoos stammenden Pfarrer Josef Lamprecht, der sich in seiner Kaplanszeit öffentlich gegen die Nazis stellte. Er wurde nach mehreren Verwarnungen 1940 zum Militär eingezogen und am 20.4.1945 wegen Wehrkraftzersetzung zum Tode verurteilt. Wegen des schnellen Kriegsendes konnte das Urteil Gott sei Dank nicht mehr vollstreckt werden.

Patronat
Hirtlbach ist die einzige Valentinskirche im Landkreis Dachau. Der hl.Valentin von Rätien (Gedenktag 7.Januar) war im 5.Jh Bischof von Passau. Deshalb wird er in den Bildern und Plastiken in Hirtlbach immer als Bischof dargestellt. Valentin kam um 435 in die Dreiflüssestadt, die damals noch unter römischer Herrschaft war. Als Bischof wurde er jedoch von den Bewohnern immer wieder vertrieben. Er wirkte dann in Rätien und Südtirol als Wanderbischof und starb um 475 in Mais, dem heutigen Meran, wo er auch bestattet wurde. Seine Gebeine kamen 739 nach Trient und wurden 761 vom bayerischen Herzog Tassilo III. nach Passau übertragen. Valentin von Rätien ist nicht mit dem hl.Valentin identisch, dessen Fest am 14.Februar mit Blumengeschenken gefeiert wird.
Auf einer Schrifttafel in der Sakristei ist die Lebensgeschichte in etwas altertümlicher Sprache ebenfalls beschrieben. Wenn Sie den alten Text lesen möchten, klicken Sie hier...

Restaurierungen
Das Kirchendach musste im 19.Jh mehrfach repariert werden. Das erste Mal 1812 (um 230 Gulden), dann wiederum 1847 (um 421 Gulden) und das dritte Mal um 1890 (um 200 Goldmark).
Im Jahr 1865 wurde die Kirche restauriert; dabei erhielt sie neue Deckenbilder von Nepomuk Müller im Nazarenerstil und einige neugotische Ausstattungsgegenstände. Zuletzt wurde sie in den Jahren 1936 sowie 1976-84 innen und um die Jahrtausendwende auch außen renoviert.

Berichte aus dem Pfarrleben
Die Dachauer Zeitungen haben in den letzten 120 Jahren immer wieder aus dem Pfarrleben berichtet. Diese Berichte befassen sich nicht unmittelbar mit den Kirchengebäuden, vermitteln aber einen ergänzenden Eindruck aus der damaligen Zeit. Aus Hirtlbach ist ein Bericht über die Primiz von Joh.Ev.Huber (1885) und von Joh.Doll (1898) erhalten. Wenn Sie daran interessiert sind, klicken Sie hier...


Baubeschreibung

Die Kirche steht -weithin sichtbar- auf einem Bergrücken am Rande des Glonntales inmitten eines ummauerten Friedhofs.
Das Gotteshaus ist ein vierachsiger Saalbau mit eingezogenem, dreiseitig geschlossenen Chor. Die Jochgliederung ist durch Gurtbögen und gelb gestrichene Lisenen gut erkennbar. An der Ostseite, über dem Chorscheitel führt eine Speichertüre nach außen.
10 Fenster, teilweise mit Stuckrahmung, erhellen den hohen Kirchenraum.

Der 28,5 Meter hohe Sattelturm steht an der Chorsüdseite. Er ist durch gelbe Gesimse und Ecklisenen in vier Geschosse gegliedert. Das untere Geschoss, das bis zur Dachtraufe reicht, besitzt im Inneren ein Kreuzgratgewölbe. Es handelt sich um einen Durchgangsraum: nach Norden der Zugang zum Altarraum, nach Westen zur Sakristei, nach Osten zu einem kleinen Anbau und nach Süden durch ein Fenster die Verbindung nach außen. Im zweiten Stockwerk ist ein spitzbogiges Fenster eingebaut. Der dritte Stock besitzt eine Luke und oben im vierten Stockwerk befinden sich die sechs Schallfenster, die sich -jeweils zu zweit- nach Süden, Norden und Osten öffnen.
In der Glockenstube hängen drei Glocken. Zwei wurden nach Auskunft von Herrn Reindl (Mesner) vor dem ersten Weltkrieg, die dritte 1953
angeschafft. Nach einer Beschreibung aus dem Jahr 1838 hingen damals im Turm zwei alte Glocken: "die größere Glocke hier ist ein schönes Alterthum, sie wurd gegoßen 1482, auf der kleinen Glocke steht MDCCLXXVI" (1776). Im Jahr 1858 wurden diese beiden alten Glocken bei der Gießerei Jos.Ferd. Pascolini in Ingolstadt umgegossen und eine neue Glocke beschafft. 25 Jahre später (1883) hat man, diesmal bei Friedrich Hamm in Augsburg, zwei der drei Glocken wiederum umgießen lassen. Im Ersten Weltkrieg musste man die größte und die kleinste der drei Glocken zum Einschmelzen abliefern. 1923 hat man zwei neue Gussstahlglocken in Bochum für 1,3 Milliarden Reichsmark (entsprach 2100 Goldmark) gekauft. 1942 wurde die letzte verbliebene Bronzeglocke aus dem Jahr 1883, eine Marienglocke mit 433 kg (Ton as), abgeliefert. "Die Leute waren über die Abnahme und Ablieferung der Glocke sehr aufgebracht", heißt es in einer Schilderung der damaligen Ereignisse. Als Ersatz konnte im Jahr 1953 eine durch eine Sonderumlage finanzierte Gussstahlglocke mit 111 cm Durchmesser (Ton as) erworben werden.
  
Hirtlbach hatte bereits im Jahr 1560 eine Turmuhr.
Im ersten Stock des Turms, der durch einen engen Treppenaufgang zu erreichen ist, steht noch das alte Uhr- und Läutwerk, das von 1905 bis zur Umstellung auf eine elektrische Uhr sehr zuverlässig seinen Dienst geleistet hatte ("Joh.Mannhardtsche Königl.Bayer.Hof.Thurmuhren-Fabrik"). Das Uhrwerk musste vom Mesner jeden Tag aufgezogen werden. Die Ziffernblätter befinden sich auf der West-, Ost- und Nordseite. Seit 1976 besitzt Hirtlbach eine vollelektrische Turmuhrenanlage.

Die Sakristei mit heruntergezogenem Pultdach ist in die Ecke Südseite/Kirche und Westseite/Turm hineingebaut. Der Zugang zum Altarraum führt durch eine schöne alte Bohlentüre mit barocken Spiralbeschlägen und einem Dreipass-Schloss.
Das Portal liegt an der Nordwestseite. Im Vorhaus ist das Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten und Zweiten Weltkrieges untergebracht.


Innenausstattung

Altarraum

Das Innere der über 10 Meter hohen Kirche wird von einem Tonnengewölbe mit Stichkappen über den Rundbogenfenstern überdeckt. Die Wandgliederung besteht aus kannelierten Pilastern mit Kompositkapitellen und Gesimsstücken. Die Decke ist mit reichem Stuck in Form von Weinlaub, Rosetten, Palmwedeln und Akanthusranken geziert. Im Chorschluss befindet sich eine große Stuckmuschel. Dieser Stuck stammt aus der Erbauungszeit um 1715 und dürfte Nikolaus Liechtensteiner aus Freising zuzuschreiben sein.

Deckengemälde im Altarraum

Dazwischen sechs Gemälde (zwei im Chor, vier im Kirchenschiff). Nur das Bild über dem Eingang stammt noch aus der Erbauungszeit und wird dem Freisinger Hofmaler Johann Georg Lederer (1676-1733) zugeordnet. Die übrigen fünf dürften bei der großen Restaurierung 1865 von Johann Nepomuk Müller geschaffen worden sein. Nach einer anderen Quelle sollen die Gemälde erst zu Beginn des 20.Jh. entstanden sein.

Im zweijochigen Altarraum befinden sich an der Decke zwei Gemälde: Über dem Altar die "Krönung Mariens" und weiter zum Kirchenschiff hin "St. Benno".
Maria kniet demütig auf Wolken. Links sitzt der gekrönte Jesus mit dem Kreuz im linken Arm. Mit der rechten Hand setzt er Maria die Krone aufs Haupt. Rechts sitzt Gottvater mit den königlichen Insignie Krone, Szepter und Weltkugel. Darüber schwebt der Heilige Geist in Gestalt einer Taube.
   
Im anderen Bild kniet der hl. Benno, einer der Landespatrone, im Bischofsornat auf einer Wolke. Engel halten ein Buch, einen Schlüssel und ein Spruchband ("S.Benno ora pro nobis"). Im unteren Teil des Bildes ist die Ortschaft Hirtlbach abgebildet.


Hochaltar
/ Choraltar


Der Choraltar wurde 1946 von M.Rummer (Schnitzer) und A.Reindl aus Hirtlbach (Schreinerarbeiten) erstellt, wie aus einer Signatur auf dem südlichen Sockel hervorgeht: "Mein Altarbild hat gemalt R.Holzner, München. Mich hat geschnitzt u.gebaut M.Rummer und Sohn, Gröbenzell, m.X.Reindl v.hier. Gefaßt u. vergoldet hat mich Chr.Seibold, Freising, A.D.1946"
Der Altar ist rot marmoriert und vergoldet. Der Altartisch ist an drei Seiten mit marmoriertem Holz verkleidet. Die Vorderseite, das Antependium zeigt drei Felder.
Früher stand hier noch der alte gotische Hochaltar, der im Jahr 1804 durch einen barocken Altar aus der Rothschwaiger Kirche ersetzt und später (1865 ?) wieder eingebaut worden war.
Mittelpunkt des Hochaltars ist aber eindeutig das große Altarblatt aus dem Jahr 1946, das den Patron der Kirche, den hl. Valentin als Krankenheiler bei einem "Fallsüchtigen" zeigt. Der Künstler R. Holzner hat es 1946 in neubarockem Stil gemalt. Begleitet wird das Altarblatt von zwei Engeln am oberen Abschluss des Altars.

Assistiert wird das Bild durch zwei ausdrucksstarke Figuren der Heiligen Barbara (mit Kelch und Palmzweig) und Katharina (mit Schwert und Palmzweig, zu ihren Füßen ein gebrochenes Rad), die früher den Hochaltar in der Kirche St.Jakob in Dachau schmückten. 1702 war dieser Choraltar in die Jocherkapelle, einer Seitenkapelle von St.Jakob verlegt worden, wo er weiterhin als Kreuzaltar diente. Die Figuren waren um 1625 von dem am kurfürstlichen Hof in München beschäftigten Christof Angermair (aus Weilheim stammend) geschnitzt worden. Sie kamen aber erst 1932 nach Hirtlbach, als in Dachau die Jocherkapelle zur Priestersakristei umgebaut wurde. Nach Auffassung von Dr.Altmann lehnen sich die Figuren der beiden Märtyrerinnen an die Bildwerke Hubert Gerhards an. Der innere Ausdruck der jungfräulich-edlen Assistenzfiguren erinnert an die Patrona Bavariae auf der Münchner Mariensäule. Man vergleiche Hand- und Armbewegungen, Gesichtsschnitt und Profil.
Barbara ist eine legendäre Person. Das bildschöne Mädchen soll von ihrem heidnischen Vater, dem reichen Dioskuros von Nikomedia, während einer längeren Geschäftsreise in einen Turm geschlossen worden sein, um sie am Heiraten zu hindern. Als der Vater zurückkam und merkte, dass sie Christin geworden war, ließ er sie martern und enthauptete die Tochter selbst. Vor dem Tod hatte Barbara Gott öffentlich gebeten, dass alle, die der Passion Christi gedenken, vom Gericht Gottes verschont werden mögen. Der Kelch mit Hostie in ihrer Hand versinnbildlicht die einem >Sterbenden gereichte letzte Kommunion (Viatikum) und verweist auf ihre Funktion als Sterbepatronin. Die Abbildung der hl.Barbara nur mit Kelch ist bei uns erst seit dem 15.Jh. üblich (vorher immer mit Turm).

Katharina, die Königstochter aus Zypern, ist eine legendäre Gestalt. Sie soll im Jahr 306 wegen ihres Glaubens und ihrer großen Überzeugungskraft ausgepeitscht, gerädert und -als das Rad zerbrach- enthauptet worden sein. Seit dem ausgehenden Mittelalter gehört sie zu den beliebtesten Heiligen und wurde deshalb im 15. Jh der Gruppe der 14 Nothelfer (Patronin der Theologen, Lehrer und Frisöre; Helferin bei Migräne) zugerechnet
Die immergrünen Blätter des Palmzweigs symbolisieren das ewige Leben und den Sieg des Glaubens über das Heidentum. Die über 20 m hohe Palme mit dem elastischen, allen Stürmen standhaltenden Stamm galt seit alters her als Sinnbild für Sieg und Standhaftigkeit und als
Zeichen der sieghaften Vollendung und des Triumphs. Dies hat man für die christlichen Märtyrer übernommen. Zudem berichtet Johannes in der Geheimen Offenbarung: "... sie standen in weißen Gewändern vor dem Thron und vor dem Lamm und trugen Palmzweige in den Händen" (Offb 7,9).

Im Altarauszug eine Halbfigur von Gottvater, umkränzt von einem Heiligenschein (Nimbus) in Form eines Dreiecks und einer Weltkugel in der Hand. Hinter ihm ein Strahlenkranz, daneben zwei Putten, die den angedeuteten Vorhang hochheben.
  Gottvater wurde in der christlichen Kunst wegen der Weisung im Alten Testament (Exodus 20, 3-4) kein Schnitzbild von Gott zu machen, viele Jahrhunderte nicht als Person dargestellt. Meist wurden Symbole wie der Lebensquell, die Hand Gottes oder das Auge Gottes im Dreieck verwendet. Personifiziert, als würdiger alter Mann mit langem Bart, wird Gottvater erst seit dem Barock (17.Jh). Diese Darstellung wird dem Gottesbild in unserer Zeit nicht mehr gerecht. >

Der marmorierte Tabernakel aus Holz ist mit silbergetriebenen Reliefs verziert. Silbergetrieben bedeutet, dass das Kunstwerk durch Hämmern von der Rückseite her über einer nachgiebigen Unterlage erstellt wurde.
Der Tabernakel besitzt einen konvexen Sockel und zwei Türen mit vergoldetem Neurokoko-Relief. Darüber in einer Nische das Altarkreuz und ein versilbertes Rebenrelief an der Rückwand. An den Seitenteilen Ährenreliefs und Voluten mit anbetenden Englein. Auf dem Tabernakel ruht ein weißes Lamm als Sinnbild für das "Opferlamm Jesus".

  Hinweis: Tabernakel ist das lateinische Wort für Zelt. Die seit dem 12. Jh übliche Bezeichnung führt zurück zur Bundeslade der Israeliten zur Zeit Mose, die ebenfalls in einem Zelt untergebracht war. Der Tabernakel dient bereits seit frühchristlicher Zeit (unter anderem Namen) zur Aufbewahrung verwandelter Hostien für die Sterbenden. Seit dem hohen Mittelalter wurde er auch Ort der Anbetung und Verehrung Christi in der Gestalt dieses eucharistischen Brotes. Der Ort und die Form der Aufbewahrung änderten sich im Laufe der Jahrhunderte häufig. Das Tridentinische Konzil (1545 - 63) ordnete die Aufstellung des Tabernakels auf dem Altar an. Doch diese Vorschrift wurde in Deutschland, wo man lange daran festhielt, die heiligen Hostien in Wandschränken und Sakramentshäuschen aufzubewahren, erst im 18. Jahrhundert umgesetzt. Das 2. Vatikanische Konzil (1962 - 65) lässt dies wieder zu. Deshalb werden in modernen oder modernisierten Kirchen Tabernakel häufig in die Wand eingelassen oder stehen frei auf einer Säule.

Taufstein

Auf der linken Chorseite steht auf einem vierseitigen Sockel ein schlanker, aus Rotmarmor gefertigter Taufstein (1946).
Der marmorierte Holzdeckel ist mit neu gefasster (=bemalter) Taufsteinfigur des hl. Johannes Baptist geschmückt. Die Holzfigur dürfte schon 1715 geschnitzt worden sein. Der Täufer hält einen Kreuzstab mit einem Schriftband (Ecce agnus Dei) in der Hand.
 


Prozessionsstangen
Zu beiden Seiten des Altars sind Prozessionsstangen mit Leuchter tragenden Engeln befestigt. Die Engelsfiguren auf den gedrehten Stangen dürften aus der 2.Hälfte des 17.Jh stammen, wurden aber neu gefasst (Lüsterfassung).
Prozessionsstangen werden bei Bittgängen und Umgängen, insbesondere bei der Fronleichnamsprozession mitgetragen.
       


Zelebrationsaltar

Der Zelebrationsaltar ist dem Barockstil der Kirche angepasst.Er wurde von Mesner und Schreiner Albert Reindl nach eigenen Entwürfen angefertigt und 1991 aufgestellt.

Hinweis: Der Altar war das Symbol des heidnischen Gottesdienstes. Das lateinische Wort adolere = verbrennen bezeichnet die ursprüngliche Bedeutung als Stätte zur Verbrennung der Opfer. Die ersten Christen hatten keinen Altar. Jesus versammelte die Seinen um den Tisch, und das hielten auch die Christen während der ersten Jahrhunderte so; zur Eucharistiefeier konnte jeder beliebige Tisch dienen.
  Im 4.Jh wurde das Opfer Jesu in das Tischgeschehen hineingenommen und der Altar eingeführt. Er war meist aus Stein, frei aufgestellt und von allen Seiten zugänglich. Ab dem 8. Jahrhundert weicht die Tischform immer mehr der Blockform. Dies kommt der Entwicklung entgegen, im Altar Reliquien von Märtyrern und Heiligen beizusetzen. Der zelebrierende Priester stand hinter dem Altar, sodass seine Handlungen während der Messfeier für die ganze Gemeinde sichtbar waren. Als der Altar dann im 11.Jh eine Rückwand mit hohen Altaraufbauten (Retabel) erhielt und weiter an die Ostwand rückte, wandte der Priester der Gemeinde den Rücken zu. Dies ist in der katholischen Kirche durch eine Liturgiereform erst vor 40 Jahren wieder rückgängig gemacht worden.


Figuren und Ölgemälde an den Wänden des Altarraums

- ein Marienbild (Öl auf Leinwand) aus dem Jahr 1730. Kopie des Mariahilfbildes aus Passau (Vergleich mit anderen Mariahilfbildern im Landkreis finden Sie hier..)

- ein Bild der Geißelung Christi. aus der 2.Hälfte
des 17.Jh
(Öl auf Leinwand)
- Der hl. Leonhard im Abtsgewand mit einer Viehkette in der Hand. Leonhard ist Patron der Gefangenen und der Haustiere. Holzfigur aus dem frühen 18.Jh.
- über dem originalen Chorgestühl von 1715 ein Bild des hl. Josef mit dem schon relativ großen Jesuskind auf dem rechten Arm und einer langstieligen Lilie als Zeichen der Keuschheit in der linken Hand (1730).
- die hl. Ottilia mit Buch, auf dem ein Augenpaar liegt (Ottilia wurde blind geboren und wurde bei der Taufe sehend). Holzfigur, ebenfalls aus dem frühen 18.Jh.


Türe zur Sakristei

Die Türe zwischen dem Altarraum und der Sakristei ist mit schönen Beschlägen ausgestattet. Die Türfüllung ist mit Ornamentmalerei und Monogrammen geschmückt. Auf der Chorseite ist ein Kreuz mit Herz und drei Nägeln zu sehen, auf der Sakristeiseite die Buchstaben IHS und MRAI .
IHS ist das Namenssymbol Jesu. Es sind die Anfangsbuchstaben des in griechischen Großbuchstaben geschriebenen Namens Jesu (JHSOUS).
Die Buchstaben M, R, I und A sind ineinander geschrieben. Sie sind die Buchstaben des Namens "Maria".



Epitaphe

Außerdem sind an den Wänden des Chores und am Chorbogen Epitaphe (Grabplatten) für frühere Pfarrer angebracht.
  Hinweis: Epitaphe gibt es in unseren Kirchen erst seit dem 14. Jh. als Gedächtnismal für einen Verstorbenen in Form einer Steinplatte, die innen oder außen an der Kirchenwand senkrecht aufgestellt wird. Epitaphe (griech. Grabinschrift) wurden für diesen Zweck eigens angefertigt; sie sind keine früheren Grabplatten. Das Epitaph ist auch kein Grabmal, weil sich weder dahinter noch darunter ein Grab befindet.
 
Eines davon wurde vom Pfarrer Lechner im 17.Jh. schon zu seinen Lebzeiten angefertigt. Für das Sterbedatum ließ er einen Platz frei. Nach seinem Tod dachte aber niemand mehr daran, das Datum einmeißeln zu lassen. So fehlt der Sterbetag (in den ersten beiden Zeilen) bis heute. Auf dem rotmarmornen Grabstein (116 x 49 cm) -sind unten ein Wappen (Wellen und gekrönter Löwe) sowie ein Priester mit dem Kelch abgebildet (siehe Bild links). Darüber steht der Text:
"Ao 16__ den __ __ starb der Ehrwürdig geistlich und gelehrte Herr Michael Lechner seines Alters um __ und ist allhier die __ Jahr lang Pfarrer gwest. Hat ihm und den Seinigen zum ewigen Gedächtnis diesen Choraltar machen lassen....
Michael Lechner war von 1637 bis 1667 Pfarrer in Hirtlbach. Er starb zwei Jahre nach seiner Pensionierung am 31.1.1669.

Ein Grabstein aus Kalkstein
(64 x 41 cm) wurde für den Pfarrer
Anton Braun
im Jahr 1797 aufgestellt.
Unter einem Rahmen, in dem Priester-Insignien (Kelch, Hostie, Stola, Gebetbuch, Rauchfass) kreisförmig angeordnet sind, steht folgendes Gedicht des Pfarrers an seine Gemeinde:
" Hirtelbacher Pfarrgemeinde
Unter diesem Leichensteine
Ruht der dich als guter Hirte
Dreyßig Jahre eifrig führte

Deine Armen speiste/ tränkte
Deine Kirche reich beschenkte
Noch weinst / trauerst Du um ihn
Traure nimmer denn Gewinn
Ward für ihn sein ruhig Scheiden
Lebt er ia in ewgen Freuden.
Er war der Hochw.Hochedelg. u. Hochgelehrte
Hr. Anton Braun
Jubilierter Priester vorerst zu Asbach
dann zu
Hirtlbach Pfarrer u. Dechand
starb den 2.ten Weinmonats 1797 im 75.sten J.
Gottes Friede über Jhm

Epitaph für Pfarrer Caspar Mösserer von 1741 (Kalksteinraute mit Kelchrelief, 42 x 42 cm)
Im unteren Bereich ein Kelch mit Hostie.
Text: "Anno 1741 die 24.9bris (=November) obyit Adm. Revdissimus Nobilis ac Doctissimus Dominus Caspar Mösserer Parochus et Decanus in Hirtlpach. Aetatis suae LXXX annorum bis Neomylia (?) ter Parochus Requiescat in pace Amen".
Epitaph für Pfarrer Leonhard Reichart von 1751 (Kalksteinraute mit Kelchrelief, 43 x 44 cm)
Text: "Piae Memoriae Pfr. Rev. ac doctissimi Domini Leonardi Reichhart.Per X annos Parochi hic ... obiit 6.Novembr. 1751. R.in P.
Epitaph für Pfarrer Johann Josef Menzinger von 1821.
Text: "Dem Andenken des Hochwürdiguen Herrn Joh. Joseph Menzinger. Kapitl. Kammerer und 19 Jahre eifrigsten Pfarrer dahier. Starb den 14.Februar 1821 im 59ten Lebens Jahre.
Gottes Friede über ihn".

Weitere Epitaphe erinnern an:

- Jakob Fischer
(Pfarrer, gest. 1948, Text: "Kirchen und Altäre zeugen von seinem Eifer für die Wohnung des Herrn". Rotmarmorplatte mit Kelchrelief; sign. mit H.Kugler, 70x 48 cm) und

- Pfarrer Hermann Bauer (Kammerer, gest. 1912, Schwarze Steinplatte in heller Marmorrahmung, oben Kelchaufsatz (120 x 74 cm).


Langhaus /Kirchenschiff

Die Bezeichnung des Langhauses als Kirchenschiff ist darauf zurückzuführen, dass die Kirchenväter die Gemeinschaft der Glaubenden als Schiff bezeichneten, das die Gläubigen aus dem Sturm der Zeit und den gefährlichen Wogen des Schicksals rettet.

Deckengemälde

Das Kirchenschiff ist durch dreifach gestufte, kannelierte, weiße Pilaster mit Kompositkapitellen gegliedert. Die Gurtbögen sind mit Ranken, Reben und Rosetten geschmückt. Die Stichkappen unter dem stuckverzierten Tonnengewölbe werden von Blatt- und Blütenstäben gerahmt und sind mit gelb/weißen Ranken und Muscheln verziert. An den nicht bemalten Seitenfeldern sehen wir weiße Ranken vor rosa Hintergrund mit Muscheln, Palmwedeln, violetten Kartuschen und Engeln.


An der Langhausdecke sind- umrahmt von vier runde und ovale Deckengemälde zu sehen:

1. In der Nähe des Chorbogens das Bild Mariä Verkündigung in Dreipass-Form. Maria kniet rechts im Bild demütig vor dem Erzengel Gabriel (hebräisch=Stärke Gottes), der ihr die Empfängnis Jesu angekündigt. Zwischen den Figuren eine Vase mit einer Lilie, die seit dem Mittelalter als Blume der Reinheit und Jungfräulichkeit gilt. St.Mechthild von Magdeburg betete im 13.Jh: "empfange Herr, deine Bräute und begegne ihnen mit den Lilien der lauteren Keuschheit alle ihre Tage". Über Maria und Gabriel der Heilige Geist in Gestalt einer Taube im Strahlenkranz. Vom ihm führt ein breiter werdender Strahl zu Maria.
2. Im Zentrum des Langhauses, ein rundes Gemälde, in dem die Sieben Gaben des Heiligen Geistes dargestellt werden. Um das mit einer Taube bemalte Heilig-Geist-Loch halten Engel Spruchbänder, auf die die einzelnen Gaben geschrieben sind:
Gottesfurcht - Weisheit - Frömmigkeit - Stärke - Guter Rat - Wissenschaft - Verstand.
Bis 1990 wurde am Pfingstsonntag bei der nachmittäglichen Andacht der Deckel geöffnet und an einem Seil eine weiße Taube mit 7 brennenden Kerzen und Pfingstrosenblüten herabgelassen. An Christi Himmelfahrt, 10 Tage vor Pfingsten, hat man hier die Figur des Auferstandenen in gleicher Weise hinaufgezogen, um die Himmelfahrt Christi anschaulich zu machen.
3. Näher zur Empore hin zeigt ein Gemälde den hl. Korbinian. Er sitzt in ein blaues Bischofsgewand gekleidet - auf einem Thron, einem Löwenstuhl und hält ein Bild von Freising, seinem Bischofssitz in der Hand. Zwei Engel halten den Bischofsstab und einen Wanderstab. Rechts unten ist ein Bär mit einer verschnürten Last zu sehen, der an die Legende von der Romreise erinnert. Als ein Bär auf der Reise das Pferd von Korbinian riss, verurteilte ihn der Heilige dazu, anstelle des Pferdes die Last nach Freising zu tragen. Das Bild wurde vom Maler signiert (J.Nep.Müller 1865).

4. Über der Orgel sind in einem ovalem Gemälde der hl. Johannes der Täufer und der hl. Franziskus dargestellt. Dieses Gemälde ist das einzige, das noch aus den Zeiten des Kirchenbaues 1715/16 stammt. Die beiden Heiligen waren die Namenspatrone des damaligen Hofmarksherrn und Finanziers der Kirche, Fürstbischof Johann Franz Eckher von Kapfing. Das Fresko war lange Zeit übermalt und wurde erst bei der letzten Renovierung um 1984 wieder freigelegt. Als Maler wird der Freisinger Hofmaler Lederer genannt.

 

Seitenaltäre

Die schräg gestellten Seitenaltäre (Neurokoko-Retabel aus dem Jahr 1941 von M.Rummer) sind grau und rot marmoriert und dem hl. Jakobus und der Mutter Anna geweiht. Die Altargemälde sind im Nazarenerstil der 2.Hälfte des 19.Jh gehalten, wurden aber erst 1941 von R.Holzner aus München gemalt (sign). Von 1653 bis 1865 standen hier die von Konstantin Pader erstellten Seitenaltäre, von 1865 bis 1941 neugotische Altäre.

Linker Seitenaltar
Zentrum des linken Seitenaltars ist ein Gemälde, das die Aufnahme des hl.Jakobus als Jünger Christi zeigt (Mt.20,21). Jakobus der Ältere war der Sohn des Fischers Zebedäus und der ältere Bruder des Jüngers Johannes. Er zählte neben seinem Bruder und dem Petrus zu den drei bevorzugten Jüngern, die bei der Verklärung Jesu und in seiner Todesangst im Garten Gethsemane zugegen waren. Im Bild vorne die Mutter, die sich bei Jesus für ihre beiden Söhne Jakobus und seinen (bartlosen) Bruder Johannes einsetzt. Aus dem Boot beobachtet Zebedäus die Szene.
Nach anderer Quelle zeigt das Bild die Aufnahme von Petrus und Andreas in den Kreis der Apostel.
Assistenzfiguren sind die
hl. Apollonia
(mit Zange und Zahn) und der gekrönten hl. Margareta, die an einer Leine einen Drachen (Lindwurm) führt.
Beide Holzfiguren könnten von den früheren Altären von 1865 stammen.
   

Apollonia hält neben dem Palmzweig der Märtyrerin eine Zange mit Zahn in der Hand. Sie wurde mit Zangen zu Tode gequält und ist Patronin gegen Zahnschmerzen.
Margareta wurde vor ihrem Martyrium von einem Drachen heimgesucht. Als sie ein Kreuzzeichen über ihm machte, wurde er getötet.

  Hinweis: Der Drache ist ein Wesen, das viele Völker in ihren Mythen (Lindwurm) kennen. In China gilt er als glücksbringend, bei uns im Westen als Bedrohung. Sein Name kommt vom Griechischen drakon = "furchtbar Blickender". Im Alten Testament wird er als Verkörperungen des Bösen und als Teufel bezeichnet. In der Apokalypse bedroht er die Frau, die gerade ein Kind geboren hatte. In der religiösen Kunst wird er häufig zusammen mit dem hl.Michael, dem hl. Georg und der hl.Margarete abgebildet. Bei frühen Darstellungen ist der Drache meist schlangenartig und oft mehrköpfig wiedergegeben, seit dem Spätmittelalter eher echsenförmig, oft mit Fledermausflügeln und feurigem Atem. Alte Drachen-Darstellungen sind Sauriern oft erstaunlich ähnlich, als ob es ein Urwissen von der Existenz dieser prähistorischen Tiere geben würde.
Der Tabernakel besitzt auf seiner Türe ein IHS-Relief.
  Hinweis: IHS das ist das Namenssymbol Jesu. Es kann auf zwei Arten gedeutet werden: Es sind einerseits die Anfangsbuchstaben des in griechischen Großbuchstaben geschriebenen Namens Jesu (JHSOUS); andererseits werden diese Buchstaben auch als Anfangsbuchstaben von "Jesus, hominum salvator" das bedeutet: "Jesus, Erlöser der Menschen" verstanden.

Auf dem Altartisch des linken Seitenaltars steht eine künstlerisch nicht sehr anspruchsvolle Muttergottesfigur.


Rechter Seitenaltar
Das große Altarbild des rechten Seitenaltar zeigt die hl. Mutter Anna, wie sie ihre Tochter Maria das Lesen lehrt. Das Thema der Unterweisung Mariens geht auf das 14.Jh zurück und war besonders in der Barockzeit beliebt. Es geht zurück auf das Bibelwort aus dem Buch der Sprichwörter (1,8) "Höre mein Sohn, auf die Mahnung des Vaters und die Lehre deiner Mutter verwirf nicht" und wendet das Wort auf Maria an. Die Kunst des Lesens beherrschten in früheren Zeiten nur wenige, meist vornehme Menschen. Dazu sollten auch Anna und Maria gerechnet werden.  
Assistenzfiguren sind der hl.Joachim mit der Schäferschaufel und 2 Täubchen in der Hand (andere Quelle: St.Josef) sowie der hl. Johannes der Täufer, in der Hand den Kreuzstab mit einem Spruchband, zu seinen Füßen ein Lamm. Beide Figuren stammen wohl aus dem Ende des 19.Jh.
St.Joachim, war der Vater von Maria und somit der Großvater Jesu.Die Opfertauben im Körbchen erinnern an folgende Legende: Joachim und Anna hatten lange keine Kinder. Dies galt im alten Israel als Makel und als Strafe Gottes. Deshalb wurde Joachim, als er im Tempel von Jerusalem das übliche Opfer, 2 Täubchen darbringen wollte, vom Priester zurückgewiesen. Die Schäferschaufel in seiner Hand führt zum apokryphen Jakobusevangelium, nach dem ihm ein Engel erschien, während er auf dem Feld die Herden hütete.
Johannes (der Cousin Jesu) war Bußprediger am Jordan und taufte dort auch Jesus. Später wurde er auf Wunsch der Herodias, der Geliebten von Herodes und ihrer Tochter Salome enthauptet. Mit den Worten "Dieser ist das Lamm Gottes, das die Schuld der ganzen Welt wegnimmt" hatte Johannes den Messias angekündigt (Johannes 1,29). Deshalb wird er in der Kunst häufig mit einem Lamm und mit dem Spruchband "Ecce agnus Dei" am Kreuzstab abgebildet.

In die Predella stehen zwei Reliquiare, dreieckige Glasvitrinen aus dem Ende des 18.Jh., die noch aus dem Schloss Hof bei Eisenhofen stammen könnten. Sie sind von einem vergoldeten Rokokorahmen umgeben. Unter dem Glas sind auf einer Stoffrückwand mit Goldfäden Reliquien angebracht die mit Edelsteinen geschmückt sind (sog. Klosterarbeiten). Diese Klosterarbeiten wurden aber erst im 20.Jh gefasst. Auf den relativ großen Cedulae, den Pergamentzettelchen stehen die Namen der Heiligen, deren Reliquien enthalten sind:
S.FORTUNAT M. - ALEXANDER M. - IUSTUS M. -VICTORIA M.
CHARUS M. - SILVANUS M. - AMANTIUS M. -CLEMENS M. -

Auf dem Altartisch steht eine Figur der Muttergottes im Stile der Patrona Bavaria, mit den königlichen Insignien Krone, Zepter und Reichsapfel (in der Hand des Kindes). Man nimmt an, dass es sich bei dieser Figur um das "Marienbild" auf Schloss Hof bei Eisenhofen handelt, das bei der Säkularisation im Jahr 1803 versteigert wurde. Es stammt aus der Mitte des 17.Jh und wurde neu gefasst (bemalt). Die Helmkrone wurde erst 130 Jahre später aufgesetzt; sie ist aus vergoldetem Messing, mit bunten Steinen verziert und oben mit einem Kreuz versehen. Die Figur ist ausgehöhlt. Bis 1941 stand die Figur in der Gibelnische des Pfanzelterhofes und wurde dann der Kirche geschenkt.
Auf dem rechten Seitenaltar war am 14.Sept.1727 die St.Anna-Bruderschaft gegründet worden. Der Stiftungsbrief mit Satzung, Gebet und Ablassregelung ist noch erhalten.

KreuzwegbilderKirchenbank-WangenApostelleuchterÖlgemäldeBild über der EmporeKorbiniangemäldeBilder auf der EmporeGemälde Gaben des Hl.GeistesKanzelKanzelkreuzKirchenbank-WangenKonrad von ParzhamKreuzwegbilderMater dolorosaOrgelSt.Valentin-FigurGeißelheiland
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Kanzel
Die mit dem Kirchenneubau 1715 entstandene Kanzel ist -dies ist sehr selten- mit Stuck verziert. Am geschweiften Kanzelkorb sind die vier Evangelisten mit ihren Attributen dargestellt. Dazwischen Fruchtgehänge und Engelsfiguren; unten Laubwerkrelief.Die zweiflügelige Kanzeltür, die in den Sakristeispeicher führt, zeigt in römischen Ziffern die Symbole für die Zehn Gebote. Sie ist umgeben von einem Stuckvorhang mit Kordeln.


Der Schalldeckel ist sehr wuchtig. An seiner Unterseite sehen wir, umgeben von Putten, die Heilig-Geist-Taube. Von ihr aus führen Strahlen nach außen, auf denen die 7 Gaben des hl.Geistes aufgeführt sind. Es sind dies

- die Gabe der Weisheit (Sapientia)
- die Gabe des Verstandes und der Einsicht (Intellectus)
- die Gabe des Rates, (Consilium)
- die Gabe der Stärke (Fortitudo)
- die Gabe der Erkenntnis, der Wissenschaft (Scientia)
- die Gabe der Frömmigkeit (Pietàs)
- die Gabe der Furcht des Herrn(Timor Dom.)
Auf dem Schalldeckel steht eine Stuckvase mit rotweißem Rosenstrauß (Bild siehe ganz oben).
Man nimmt an, dass die Kanzel ebenfalls von den Künstlern Nikolaus Liechtenfurtner und Franz Joseph Lederer aus Freising geschaffen wurde.

Die Predigt wurde in altchristlicher Zeit -ähnlich wie heute- von einem Ambo aus gehalten. Ab dem 13. Jh. hat man Kanzeln gebaut, die zumeist seitlich im Mittelschiff ihren Platz haben, dort, wo die Gemeinde versammelt ist. Von hier aus konnten die Prediger auch von oben herab sprechen, was ihren Worten größere Wirkung verleihen sollte. Spätestens seit dem 2.Vatikanischen Konzil 1962 werden sie nicht mehr benutzt.



Kanzelkreuz

Gegenüber der Kanzel -an der Nordwand- ist ein großes Kruzifix (sog.Kanzelkreuz) mit darunter stehender schmerzhafter Muttergottes (Mater dolorosa), eine Kopie der Herzogspitalmutter, angebracht. Das Kruzifix und die Muttergottes stammen aus dem 18.Jh. Sie wurden aber wohl von verschiedenen Künstlern geschnitzt.
Das Haupt Mariens ist umgeben von 12 Sternen. Sie erinnern an die Apokalyptische Frau, die Johannes in der Geheimen Offenbarung beschrieben hat. Diese Frau war in der Vision vom Strahlenkranz der Sonne umgeben, über ihrem Haupte standen zwölf Sterne als Symbol für die zwölf Stämme Israels.Die Apokalyptische Frau wurde in frühchristlicher Zeitals Symbol für die Kirche angesehen und erst später mit Maria identifiziert.
  Hinweis: Das Kreuz heißt Kanzelkreuz, weil es in der Regel der Kanzel gegenüber an der Wand angebracht ist. Es erinnert den Prediger an den 1.Korintherbrief (1,3), in dem der hl.Paulus schreibt: "Wir predigen Christus als den Gekreuzigten". Die Ansprache soll nicht weltliche Dinge, sondern den Tod und die Auferstehung Christi zum Inhalt haben. In den frühchristlichen Kirchen wurde das Kreuz ohne den Corpus des Gekreuzigten angebracht. Dann aber wurde Christus am Kreuz als lebender und über den Tod triumphierender, göttlicher Sieger mit geöffneten Augen und in aufrechter Haltung dargestellt. Erst im hohen Mittelalter (etwa seit dem 12. Jh) setzte sich die Abbildung des leidenden und toten Gekreuzigten, die Betonung des Menschseins Jesu durch, wie wir es von unseren Kirchen kennen.


Kirchenbänke und Opferstock


Die Kirchenbänke (10 + 13 Reihen) aus der Erbauungszeit von 1715 haben kunstvoll geschnitzte Wangen mit Akanthusblatt-Motiven. Die Wangen wurden 1984 restauriert. (mehr über die Muster an den Wangen alter Kirchenbänke im Landkreis Dachau finden sie hier..).
 
Der kleine, sehenswerte Opferstock in der Nähe des Eingangs besitzt ein Gehäuse aus Schmiedeeisen.
In den Kirchen des Landkreises Dachau gibt es viele unterschiedliche, außerordentlich interessante Opferstöcke. Wenn Sie sich dafür interessieren, klicken Sie hier...

Apostelleuchter
   
K
reuzwegbilder
Zwischen den Kreuzwegbildern befinden sich die Apostelleuchter aus vergoldetem Schmiedeeisen vor Stuckkreuzen mit Blattkränzen. Sie erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem erinnern , dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlische Jerusalem.
 
An den Wänden des Kirchenschiffs sind die vierzehn Kreuzwegbilder aus der ZeiKreuzwegbildert um 1865 angebracht (Öl auf Leinwand). Kreuzwegbilder in unseren Kirchen sind übrigens erst seit 1700 üblich. Wenn Sie mehr über den Kreuzweg und seine Darstellungen in Kirchen des Landkreises erfahren wollen, klicken Sie hier..

Vortragekreuz

An den Kirchenbänken ist ein schönes, barockes Vortragekreuz in Inkarnatsfassung befestigt.
Vortragekreuze werden beim Kirchenein- und Auszug, Prozessionen, Wallfahrten sowie bei Beerdigungen vorangetragen. Dies geht zurück auf das Jesuswort "Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach". Bei Gebetsprozessionen (Bittgängen, Kreuzweg) wird der Corpus des Kreuzes zu den nachgehenden betenden Menschen gedreht, damit sie den Gekreuzigten vor Augen haben. Bei anderen Prozessionen, z.B. an Fronleichnam und beim Ein- und Auszug zeigt der Corpus in die Gehrichtung, d.h., er weist ihnen den Weg.


Bilder und Figuren beim Eingang

Unter der auf 4 Säulen gestützten Doppelempore sind auf einem großen Ölgemälde noch drei weibliche Heilige zu sehen:
Ganz links St.Katharina mit dem Radl, rechts die hl. Apollonia mit der Zange. Das sind die beiden Heiligen, deren Figuren auf den Altären in Hirtlbach stehen. Die Heilige in der Mitte, mit Krug und Brot in den Händen, könnte die hl. Elisabeth sein, die an der Wartburg Arme verköstigte.

Neben dem Gemälde steht die Figur eines Geißelheilands aus dem Ende des 18.Jh. der an eine Säule gekettet ist. Sein Gewand entblößt die linke Schulter, auf der eine Wunde zu sehen ist.
  Hinweis: Die Bibel sagt nichts über eine "Schulterwunde" aus. Diese geht zurück auf eine Vision des hl.Bernhard von Clairvaux. Als er dabei Christus fragte, welche seiner Wunden ihm die größten Schmerzen bereitet habe, antwortete der: "Die Wunde, auf welcher ich das Kreuz getragen habe."
Unter der Treppe zur Empore steht eine große Figur des Kirchenpatrons, St. Valentin, die von 1865 bis 1946 die Hauptfigur auf dem Hochaltar war. Der Heilige ist im Bischofsornat dargestellt, der die rechte Hand segnend erhoben hat.
Neben dem Eingang eine Statue des hl. Konrad von Parzham aus dem 20.Jh. Sie kam bei der Renovierung imJahr 1936 in die Kirche.
Hinweis: Der Heilige (1818-1894) wirkte 41 Jahre lang im Kloster Altötting als Pförtner, wo er mit Tausenden von Wallfahrern zu tun hatte, die mit vielerlei Anliegen und Bitten zu ihm kamen. 1934 von Papst Pius XI. heilig gesprochen. Damals wurden in unseren Kirche viele Figuren dieses Volksheiligen aufgestellt.
Die älteste Valentin-Figur von Hirtlbach ist nicht mehr in der Kirche untergebracht.
Die wohl noch spätromanische Sitzfigur besitzt keine Arme mehr, die Fassung ist teilweise abgeplatzt, das Gesicht übermalt. Die Figur bedarf einer Restaurierung.
Auf der ersten Empore hängen an der Rückwand zwei Ölbilder aus dem 18.Jh, die den hl.Petrus in der Höhle (zu erkennen am Himmelsschlüssel), und die hl. Maria Magdalena mit den Attributen Kreuz und Totenschädel zeigen. Beide Bilder kann man unter der Überschrift "Reuige Sünder" zusammenfassen.

Emporen

Die Kirche besitzt zwei Emporen, die sich auf dünne Holzsäulchen stützen. Die Emporenbrüstungen mit sieben Rechteckfeldern, Glöckchengehänge und Laubwerk sind ebenfalls stuckiert. Die obere Brüstung ist etwas zurückgesetzt und tritt in der Mitte hervor. Das einfache Emporengestühl könnte noch aus der Barockzeit stammen. Auf den massiven Brüstungsbalken sind noch Namensschildchen erhalten.

Orgel
Die Orgel auf der zweiten Empore besitzt ein dreiteiliges Gehäuse im klassizistischen Stil. Sie wurde 1895 von Franz Borgias Maerz als einmanualiges Werk mit 8 (oder 9) Registern aufgestellt. 39 originale Orgelpfeifen mussten im Herbst 1917 zum Einschmelzen abgeliefert werden; sie wurden 10 Jahre später, 1927 durch Julius Zwirner aus München ersetzt.
 

Disposition der Orgel von 1895 (nach Brenninger -Stand 1975-):
Manual (C-f'''): Gamba 8', Principal 8', Salicional 8', Gemshorn 8', Octav 4', Trompete 4', Mixtur 2 2/3'
Pedal: (C-d'):   Subbass 16'
Koppeln:
         I-P

Die Vorgängerorgel stammte aus der Zeit um 1750/60, besaß 8 Register und wurde 1814, 1839 und wohl 1884 repariert. Pfarrer Menzinger (1801-1821) äußerte sich über die damalige Orgel mit den Worten "Mag 100 oder 150 Gulden werth seyn und ein Alter von 60 Jahren haben. Der Meister ist unbekannt, glaublich von Landsberger in Dachau oder Baier in Mch". Sie hatte die Disposition Principal 4', Octav 2', Quinte 3', Mixtur 2fach 1', Gamba 4', Flöten 4', Subbass 16'.
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K
rippe


In der Weihnachtszeit wird im der Kirche eine Krippe aufgebaut.
Die Krippenlandschaft und der orientalische Stall wurden ca. 1950 vom Bildhauer Michael Rumer aus Gröbenzell gebaut. Die Krippenfiguren stammen aus Südtirol; sie wurden im Jahr 2004 anlässlich des runden Geburtstags von Cilli und Adolf Pachinger gestiftet.

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Vorhaus

In dem auf der Westseite angebauten Vorhaus ist das Kriegerdenkmal untergebracht. Zwei in die Wand eingelassene Steintafeln erinnern an die Gefallenen im Ersten und Zweiten Weltkrieg.

Interessant ist auch die zweiflügelige Eingangstüre vom Vorhaus in die Kirche, mit reichen Schnitzereien und alten Spiralbeschlägen und einem aus dem 19.Jh stammenden Schloss.



Nach der Schmidt'schen Matrikel von 1739/40 besaß die Kirche in Hirtlbach auch eine Kreuzpartikel. Ob dies noch der Fall ist, ist mir leider nicht bekannt.
  Hinweis: Kreuzreliquien waren früher besonders wertvoll; schließlich galt das Kreuz Christi als kostbarste Reliquie der Christenheit. Die hl.Helena, Mutter von Kaiser Konstantin, soll im Jahr 320 nach der Legende das Kreuz Christi aufgefunden haben. Größere Kreuzpartikel kam ab 950 nach Deutschland. Sie wurden meist in Reliquienmonstranzen aufbewahrt und waren in der Regel Ziel kleinerer Wallfahrten.


Heiliges Grab

Alljährlich am Karfreitag schon ist in Hirtlbach ein sog.Heiliges Grab aufgebaut. Es besteht aus einer sechs Meter hohen Holzkonstruktion, die 1946 von Xaver Reindl gezimmert worden war. Die Schnitzereien stammen von Michael Rummer. Die Scheinarchitektur füllt den gesamten Chorraum der Kirche aus. Mittelpunkt der Szenerie ist die Figur des aufgebahrten Christus. Sie wird von zwei betenden Engeln bewacht. Darüber thront eine Monstranz, umgeben von sieben Putten und bunten Lichtern. Mehrere mit gefärbtem Wasser gefüllte Glaskugeln, die von hinten beleuchtet werden, tauchen den durch violette Vorhänge abgedunkelten Kirchenraum in ein mystisches Licht.
  Hinweis: Nach einer Aussage von Pfarrer Langenberger aus Dachau stammt der Brauch des Hl.Grabes aus der Barockzeit. Die Glaskugeln haben die gleiche Bedeutung wie die Ostereier: sie beziehen sich auf den Regenbogen, der ein Symbol für den Bund Gottes mit den Menschen ist (siehe Noah-Geschichte). Weil sie glänzen, reflektieren sie das Licht, das vom Heiland ausgeht und auf die Gläubigen fällt.  
Das Heilige Grab in Hirtlbach hat eine lange Tradition. Die erste Erwähnung datiert aus dem Jahr 1752, als Pfarrer Anton Perghamer das Hl.Grab testamentarisch stiftete. Pfarrer Philipp Eyerschmalz ließ 1843 vom Maler Anton Huber aus Dachau für 194 Gulden ein neues Hl.Grab erstellen. Es war 17 Schuh hoch und über 14 Schuh breit. Der erste Bogen aus Leinwand, der Rest aus Holz, alles schön bemalt.
Seit 1946 wird das Heilige Grab immer wieder aufgebaut. Auch als nach dem Konzil in den 1960er Jahren dieser Osterbrauch offiziell abgeschafft wurde, hielt man in Hirtlbach an der Tradition fest. Wenn Sie es besuchen möchten, müssen Sie aber schon am Karfreitag-Vormittag zu den Anbetungsstunden in die Kirche kommen.
Inzwischen gibt es im Landkreis Dachau wieder mehrere Kirchen, in denen ein Hl.Grab er richtet wird. Im Jahr 2004 waren dies Altomünster, Dachau-Mariä-Himmelfahrt, Dachau-Heilig-Kreuz, Dachau-St.Jakob, Ebertshausen, Kloster Indersdorf, Weichs und Riedenzhofen. Wenn Sie interessiert sind, klicken Sie hier...


Einen Bezug zur Karwoche hat auch die Karfreitagsratsche, die in Hirtlbach noch in Gebrauch ist. Am Karfreitag und Karsamstag schweigen einem alten Brauch zufolge die Kirchenglocken. Ihre Funktion nehmen die Holzratschen ein, die an diesem Feiertag von Ministranten durchs Dorf gezogen werden und mit lauten Klappergeräuschen auf die Gottesdienstzeiten aufmerksam machen.



Reliquiare

CHARUS M. - Silvanus M.
Amantius M. -Clemens M. -
S.Fortunat M.-Alexander M.
Iustus M. -Victoria M.
SS.Celestinus, Mauritius
Maximilian, Aurelius
Vincent, Maximilian
Alexandri, Urbanus
Märtyrer Alexander,
Severint(?), Corbinian
Märtyrer Justinus,
Aubelius, Lantberti

Die Kirche in Hirtlbach war reich mit Reliquiaren ausgestattet. Einige wenige zieren noch den rechten Seitenaltar (siehe oben...). Die übrigen wurden aus der Kirche entfernt, weil Reliquien den hohen Stellenwert, den sie in den letzten Jahrhunderten hatten, verloren haben. Dies gilt vor allem für die in den Reliquiaren aufbewahrten Knochensplitter von sog. Katakombenheiligen. Dabei handelt es sich um menschliche Gebeine aus den im Jahr 1573 entdeckten Katakomben in Rom, die pauschal zu Überresten von Märtyrern erklärt und auf Phantasienamen nachgetauft wurden. In der Reliquie (lat. reliquiae = Überrest) verehrte man den Heiligen selbst. Über viele Jahrhunderte waren Reliquien für die Gläubigen Unterpfand für die überirdische Kraft des Heiligen, für seine besondere Stellung zu Gott, die er sich durch seinen Märtyrertod oder durch ein gottgefälliges Leben erworben hatte. Reliquien waren wegen ihrer vermuteten Wunderkraft außergewöhnlich wertvoll. Deshalb hat man sie in kostbaren Gefäßen verwahrt, verziert mit Goldlahn, farbigen Steinen und Wachsmedaillons, gebettet auf damals wervollen Stoffen.
Bei den Reliquiaren oben rechts handelt es sich um Stücke aus dem 19./20.Jh, mit Partikeln von Freisinger Heiligen.

Eine besondere Form der Reliquiare sind die Tafelreliquiare in Gemäldeform. Sie werde von einem reich verzierten, verglasten Holzrahmen mit Rocailleaufsatz eingefasst. Auf dem Hintergrund rankenförmiger Blüten aus Silberlahn sehen wir im Zentrum Aquarell-Darstellungen von Aposteln (siehe Bild links und als Ausschnittvergrößerung rechts). Die Apostel sind vor dem Hintergrund römischer Heiligtümer mit ihren Attributen abgebildet. Dazu jeweils drei Katakomben-Reliquien.

St.Matthäus
St.Paulus
St.Thomas
St.Philippus
St.Simon


K
reuzreliquien-Monstranzen

Hirtlbach besitzt mehrere Kreuzreliquienmonstranzen aus der Barock- und Rokokozeit. Sie bestehen aus Messing/Kupfer und sind mit Silber bzw. Gold überzogen. Um das Sichtfenster mit den Kreuzpartikeln ranken sich Rocaillerahmen, Schmuckelemente aus floralen Motiven und Edelsteinen. Die Kreuzreliquienmonstranzen werden nur noch selten benutzt; sie sind deshalb außerhalb der Kirche untergebracht.
Die links dargestellte Reliquienmonstranz stammt aus dem 19.Jh. Sie ist aus Messing, getrieben und vergoldet.Sie besitzt einen rautenförmigen Strahlenkranz. Dazwischen Rosetten mit Steinen. Die Kreuzpartikel selbst ist als kleiner schwarzer Strich innerhalb eines umgebenden Schmuckkreuzeszu aus versiberten Ranken zu sehen. Zudem sind versilberte Reliefs angebracht, z. B. eine Pietá.
Allerdings ist das Kreuz im Sichtfenster verkehrt herum eingebaut. Ich habe sie im 2.Bild links in die richtige Lage gedreht. Die Cedulae, die kleinen Zettelchen aus Pergament enthalten die Namen der Reliquien: "S.Crucis J.N.Jesu" und "S.Matthiae und S.Theresiae V.

Die rechte Reliquienmonstranz stammt aus dem 3.Viertel des 18.J. Sie ist als Strahlenmonstranz gestaltet, besteht aus Kupfer ist punziert (=mit Prägung versehen) und vergoldet. Um das Schaugefäß herum ist ein Rocaillegitter aus Blüten, Reben, Ähren, Cherubim und angelegt. Im ovalen Schaugefäß ein größeres Kreuz aus Bernstein, das die kleine, kaum sichtbare, feine Kreuzreliquie enthält.

  Hinweis: Kreuzreliquien waren früher besonders wertvoll; schließlich galt das Kreuz Christi als kostbarste Reliquie der Christenheit. Die hl.Helena, Mutter von Kaiser Konstantin, soll im Jahr 320 nach der Legende das Kreuz Christi aufgefunden haben. Größere Kreuzpartikel kamen ab 950 nach Deutschland; die meisten wurden aber im 17. und 18.Jh erworben. Sie wurden meist in Reliquienmonstranzen aufbewahrt.

Hans Schertl

weiter...

Quellen:
Dr. Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874
Kirschbaum, Lexikon der Christlichen Ikonographie, 1968
Das große Kunstlexikon von P.W. Hartmann
Georg Brenninger, Orgeln und Orgelbauer im Landkreis Dachau, Amperland 1975/3
Jakob Mois,Konsekrationsbuch des Fürstbischofs Eckher, 1982 (Altarweihe 1707)
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Dachauer SZ vom 24.4.2003
Dachauer Nachrichten vom 4.8.2006
Madonna-das Bild der Muttergottes, Dombergmuseum Freising, 2003
Krippenausstellung Erdweg, Dezember 2009
78 Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Landkreis Dachau - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

17.11.2011


Bericht über die Pfarrvisitation in Hirtlbach im Jahr 1584/85
durch einen Beamten des herzoglichen Rentmeisters

Dekan Sebastian Reinhard, Pfarrer in Hirtlbach, Bistum Freising, 17 Jahre Pfarrer, Anno 1550 zum Priester geweiht, von Freising ordiniert.
(Die Pfarrei hat ) bei 700 Kommunikanten. Kein Benefizium (Einkommen aus verpachteten Grundstücken) bessert die Pfarr. Er versieht auch die Filiale Eisenhofen.

Auf der Pfarrkirche ist kein eigens gestifteter Gottesdienst. Der Pfarrer hält abwechselnd jede Woche zu Hirtlbach bzw. Eisenhofen Messe; dabei kann er keinerlei Mängel feststellen. Er predigt an allen Sonn- und Feiertagen. Furtenpach (der Hofmarksherr) kommt fleißig in die Predigt. Ob und wo Furtenbach kommuniziert, weiß der Dekan nicht.
Die Pfarrei hat keinen pfingsttäglichen Umgang mit dem hochheiligen Sakrament. Ein gehorsames Pfarrvolk, keine Häretiker. Es gibt in der Pfarrei keine Spieler oder Weinsäufer. Der Pfarrhof ist wohl erbaut. Das gemeine Pfarrvolk besucht gar fleißig die Kirche. Es verbleibt bei allen Gottesdiensten. In seiner Pfarrei ist in der Religion niemand ungehorsam.

Die Priester des Dekanats halten in Brüderlichkeit ein Generalkapitel. Der Dekan straft die Laster der Priesterschaft, soweit es ihm gebührt. Aufgrund bischöflicher Mandate hat er, der Dekan, den Priestern auferlegt, sich der Wirtshäuser zu enthalten. Darüber bekam er Feindschaft. (Im Visitationsbericht von Weichs steht über den Dekan Reinhard:) Er lebt beispielhaft. Im Generalkapitel kommen alle Brüder zusammen. Der Dekan straft sie ihrer Laster wegen mit Worten. Er schickt auch wohl einen dem Ordinariat zu. Auf die Frage, ob er einen kenne, der an diese Stelle geschickt wurde, antwortet der Pfarrer, er wisse es nicht.

Der Pfarrer gebietet die Fasten, hält sie auch selbst, soweit es seiner Leibsgebrechlichkeit halber sein kann. Seine Konkubine ist vor 20 Jahren verstorben. Nun hat er eine Dienerin. Sie ist 56 Jahre alt und wassersüchtig.
  Hinweis: Berichte über das mangelnde Einhalten des Zölibats in früheren Jahrhunderten werden heute teils schockiert, teils belustigt zur Kenntnis genommen. Doch man sollte für die damalige Zeit nicht die heutigen Maßstäbe anlegen. Zwar wurde das Zölibat 1139 für die gesamte kath.Kirche erlassen, doch bis zum 30jährigen Krieg war es jedenfalls bei uns üblich, dass die Pfarrer mit einer Frau zusammenlebten und Kinder hatten. Dies wurde vom Volk anerkannt und vom Bischof (der selbst Konkubinen hatte) toleriert. Erst durch die Reformation, die den evang.Priestern das Heiraten erlaubte, änderte sich die Einstellung. Aber nicht die Bischöfe, sondern die bayerischen Herzöge setzten sich für die Einhaltung des Zölibats ein und sorgten sich um die Erhaltung des rechten Glaubens. Nach dem 1583 vom Papst erlassenen Mandat "Contra Clericos Concubinarios", waren die Landesherren befugt, nach den "Beischläferinnen" der Pfarrer zu fahnden und sie aus den Pfarrhäusern zu vertreiben. Die Visitation 1584 war u.a. eine solche Fahndung. Oftmals zogen die Frauen mit den Kindern für die Zeit der Visitation zu Verwandten.

Quelle:
Josef Brückl, Zur Durchführung des Zölibats, Amperland 1975/2