zur Landkreiskarte          ausführliche Beschreibg          Kirchen i.d. Gem.Weichs

Filialkirche St. Stephan in AUFHAUSEN

 
Adresse: 85258 Weichs, Hauptstraße 18
Lage der Kirche auf der Landkarte ...

 
K
urzbeschreibung

Der Ort Aufhausen wurde erstmals im Jahr 917 als Uüfusa (Häuser auf der Höhe),
die Kirche erst im Jahr 1524 (als Weichser Filialkirche S.Stephani in Auffhausen) urkundlich erwähnt.
Der heutige Kirchenbau entstand in den Jahren 1713-1719 nach Plänen von Hans Maurer aus Hirtlbach. Dabei wurden von der spätgotischen Vorgängerkirche Teile des Altarraums sowie die Sakristei an der Süd-seite übernommen.
Der Altarraum schließt mit drei Seiten. Die Fenster sind in barocker Ovalform gehalten. Der Turm auf der Westseite besitzt einen quadratischen Sockel und einen acht-eckigen Aufbau mit Zwiebel.


Die beiden Glocken sind schon sehr alt: Die größere wurde 1620, die kleinere, die zu den ältesten Glocken im Landkreis zählt, im Jahr 1423 gegossen.

Die Kirche wurde 1869-72 und zuletzt im Jahr 1966 renoviert.

Inneneinrichtung

Die Flachdecke im Kirchenschiff ist mit dem Gemälde Bekehrung des hl.Paulus (1944) geschmückt.

Der barocke Hochaltar aus dem Jahr 1715 besitzt einen prächtigen Säulen-Aufbau. Mittelpunkt ist ein Ölgemälde aus der 2. Hälfte des 19.Jh, auf dem die Steinigung des hl. Stephanus dargestellt ist.
Im Auszug des Hochaltars ist auf einem ovalen Bild die hl. Klara als Klosterfrau zu sehen.
Als Assistenzfiguren stehen der hl. Laurentius (mit Feuerrost) und der hl. Sebastian (mit Pfeil) aus der 2.Hälfte des 15.Jh auf Postamenten neben dem Altarblatt.

Auf der Nordseite des Chores ist die Besonderheit der Kirche zu sehen: zwei ehemalige Altarflügel aus der Zeit um 1520/30 mit Darstellungen der Kreuzabnahme, der Beweinung Christ und der Verkündigung. Sie könnten aus dem Umkreis des Landshuter Hofmalers Hans Wertinger stammen. Es sind die einzigen Altarflügel aus gotischer Zeit im Dachauer Land.

zur Beschreibung des linken Seitenaltarszur Beschreibung des rechten Seitenaltarszur Beschreibung des Choraltarszur Beschreibung der Anna  selbtrittzur Beschreibung des Deckengemäldeszur Beschreibung der Kirchenbankwangenzur Beschreibung der Kirchenbankwangenzur Beschreibung der gotischen Altarblättterzur Beschreibung des Wandgemäldeszur Beschreibung des Vortragekreuzeszur Beschreibung  der Kreuzigungsgruppe

Der barocken Seitenaltäre sind der hl.Maria (Immaculatagemälde-1870) und dem hl.Markus (Bild des Heiligen mit Löwen-1720) geweiht.
In den Aufsatzgemälden werden St.Josef (mit Jesus-kind) und St.Leonhard (mit Viehketten) dargestellt.

Weitere Figuren und Bilder in der Kirche:
- Anna-selbdritt-Figur aus gotischer Zeit
- St.Stephanus als Figur mit  Märtyrerpalme, Buch
   und Steinen (1556)
- St.Stephanus im ovalen Wallfahrtsbild (um 1800)
- Marienbild, Kopie nach der Herzogspitalmutter in
   München (18.Jh).

Interessant ist die Brüstung der Empore. Sie ist aus alten Holztafelbildern aus dem 17.Jh zusammengesetzt, die die zwölf Apostel, Paulus, Christus und Maria darstellen.

An der letzten Bank steht ein schöner Opferstock  mit zwei Schließgurten (17.Jh).

Aufhausen liegt am sog. Dachauer Jakobsweg, den Dachau-Agil mit dem europäischen Jakobswegzeichen ausgeschildert hat. Die Karte mit dem Verlauf des Weges finden Sie hier...

Die Wege der Jakobspilger sind ein System von ausgeschilderten und in Führern beschriebenen Pilgerwegen, die von vielen Ausgangspunkten kommend, quer durch Europa bis nach Pamplona und von dort in einer Route nach Santiago de Compostela führen. Sie orientieren sich in der Regel an den historisch nachweisbaren Routen mittelalterlicher Jakobspilger.

 


Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen


Geschichte: Matrikel 1315 Matrikel 1524 Visitation 1560 Kirchenneubau 1713 Matrikel 1738
Beschreibung 1855 Beschreibung 1884    
Ausstattung: Altarraum Altöttinger Madonna Anna selbtritt Baubeschreibung Choraltar
Chorglocke Deckenfresken Empore Gotischer Flügelaltar
Kapelle im Turm Kirchenschiff Kirchenbänke Kreuzigungsgruppe Kreuzweg
Opferstock Seitenaltäre Votivbilder Vortragekreuze weitere Bilder

Die Ortschaft Aufhausen wurde Ende des 10.Jh als Uüfusa (Häuser auf der Höhe) erstmals urkundlich erwähnt. Der Edle Perahtold tauschte einen Teil seiner Güter (1 Hofstätte, 1 Hube, 28 Juchert=10 ha Ackerland und 8 Juchert=2,88 ha Wiesen) in Pfaffenhofen gegen einen gleichwertigen Besitz (des Bischofs Abraham von Freising (957-994) in Aufhausen. Diese Urkunde, die sich in der Sammlung "Freisinger Traditionen" über die Jahrhunderte erhalten hat, wurde von 20 anwesenden und in der Urkunde namentlich erwähnten Zeugen bestätigt. Die Zeugen waren nach einem typisch baierischen Brauch an den Ohrläppchen gezogen worden (testes per aures tracti), damit sie sich später besser an den Tausch erinnern konnten.

Im späteren Mittelalter und der frühen Neuzeit gehörte fast der ganze Ort den beiden Weichser Herren; nur ein Halbhof von insgesamt 20-24 Höfen war dem Kloster Indersdorf zinspflichtig.


Geschichte der Kirche


Matrikel von 1315
In der Konradinischen Matrikel von 1315 ist die Kirche in Aufhausen nicht namentlich genannt, weil die Buchstelle mit der Aufzählung der damals zwei Filialkirchen von Weichs nicht mehr leserlich ist. Allerdings ist auch nicht sicher, ob Aufhausen zu den Filialen von Weichs zählte.


Matrikel von 1524
Eine Kirche in Aufhausen wird namentlich erstmals in der Sunderndorfer'schen Matrikel von 1524 als Filialkirche von Weichs genannt ("Weichs habet quinque ecclesias filiales: videlicet s.Stephani in Auffhausen. .").


Visitationsbericht von 1560
Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation, eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet. Die Visitation wurde durch bischöfliche und durch herzogliche Bevollmächtigte durchgeführt. Grund war die durch die Reformation Luthers (1517) entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen des Bistums zur Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte. Durch die Visitation wollte der Bischof einen detaillierten Einblick in die religiöse Situation der Pfarreien gewinnen. Insbesondere sollte festgestellt werden, ob die Pfarrer und die Gläubigen noch die katholischen Lehre vertraten oder der neuen Lehre anhingen. Daneben interessierte die Prüfer die Lebensführung der Pfarrer sowie Umfang und Qualität ihrer religiösen Kenntnisse.

Im Bericht über die Pfarrei Weichs ist auch Aufhausen kurz erwähnt: Die Filialkirche St.Steffanus hatte ein eigenes kleines Einkommen (neben dem der Pfarrei) in Höhe von 2 Gulden und 4 Schilling sowie 3 Pfund Wachs. Dem standen keine Ausgaben gegenüber ("hat kain Ausgab"). Die Kirchenrechnung erstellten die Hofmarksherrn aus Weichs im Beisein des Pfarrers und des Kirchenverwalters. Das in den Jahren angesam-melte Kapital in Höhe von 20 Gulden hatte man ausgeliehen. Aufhausen besaß ein Mesnerhaus. Der Mesners verrichtete seine Arbeit gut, denn im Bericht heißt es: "die kirchen wirt sauber gehalten". Gottesdienste fanden jeden zweiten Sonntag statt. Mess-Stiftungen oder Jahrtage gab es nicht. Auch eine Bruderschaft war nicht vorhanden. Das Altarsakrament wurde liturgisch rein gehalten. Die heiligen Öle und das Taufwasser waren im Pfarrhaus in Weichs aufbewahrt. An Gerätschaften standen zur Verfügung: "Ein Kelch mit Corporale, zwei Messbücher und zwei Messgewänder. Der Bericht endet mit dem beruhigenden Satz: "Die kirch ist zimblich paut und stet in andern dingen nit ubl".


Auszug aus einer
Landkarte vom Jahr 1663
Wenn Sie den ganzen Bericht von 1560 über die Visitation in der Pfarrei Weichs (in heutigem Deutsch) lesen
möchten, klicken Sie hier...


Kirchenneubau 1713
Die heutige Filialkirche St. Stephanus in Aufhausen wurde in den Jahren 1713-1719 nach Plänen von Hans Maurer aus Hirtlbach erbaut und am 15.10.1719 (andere Quelle: 1721) von Bischof feierlich eingeweiht. Von der spätgotischen Vorgängerkirche wurden nur Teile des Altarraums und die Sakristei übernommen. Die Kosten beliefen sich auf 796 Gulden.
Die Weihe nahm der 56. Freisinger Bischof, Johann Franz Eckher von Kapfing und Liechteneck (Fürstbischof von 1695–1727), vor. Dieser kunstsinnige Bischof regierte sein Bistum von der Reisekutsche aus; er unternahm viele Pastoralreisen selbst in kleinste Dörfer seines Bistums. In seiner Regierungszeit von 1695 bis 1727 hat er 174 Kirchen (darunter auch Jarzt, Pellheim, Palsweis, Ebertshausen, Hirtlbach, Straßbach, Lauterbach, Westerholzhausen und Kollbach) und ca. 1.100 Altäre und 734 Priester (23 pro Jahr) geweiht. Dies hatte seinen Grund auch darin, dass mit Franz nach 40 Jahren wieder ein echter Bischof auf dem Freisinger Thron saß. Seine Vorgänger waren zwei nachgeborene Wittelsbacher Prinzen (Albrecht Sigismund von Bayern und Joseph Clemens von Bayern). Sie konnten das geistliche Amt des Bischofs nicht ausüben und Albrecht Sigismund besaß nicht einmal die Priesterweihe.


Matrikel 1738/40

Die Schmidt'sche Matrikel von 1738/40 beschreibt deshalb die Kirche als neuen Bau mit drei Altären, die schon damals dem St.Stephanus, der Jungfrau Maria und dem Evangelisten Markus geweiht waren. Die Sonntagsgottesdienste wurden abwechselnd mit Eglersried gefeiert. Um die Kirche war ein Friedhof mit Beinhaus angelegt. Im Turm hingen zwei Glocken.

Zur Größe der Ortschaft Aufhausen im 19.Jh. sind im Topo-geographisch-statistischen Lexicon vom Königreiche Bayern 1831 folgende Eintragungen zu finden: "Aufhausen, Kirchdorf und Filial der Pfr. Weichs, im Landgericht Dachau, 2 1/4 Stunden von Schwabhausen und Unterbruck. Es enthält 25 Häuser mit 138 Einwohnern".


Beschreibung 1895 03)
Auch im Verzeichnis der Kunstdenkmale Bayern, das 1895 Prof. von Betzold und Dr. Riehl im Auftrag des Königl.Bayer. Innenministeriums erstellten, finden sich einige Bemerkungen über die Asbacher Kirche. Dort ist zu lesen:
 

Aufhausen - Kirche.
An der Südwand des Schiffs hängen zwei Tafelbilder, die Flügel eines gothischen Altars. Die Aussenseiten, die sehr gelitten haben, zeigen die Verkündigung. Auf der Innenseite ist auf dem rechten Flügel Christus am Kreuz, auf dem linken die Kreuzabnahme dargestellt. Mittelmässige Arbeiten aus der Zeit um 1520 — 1530. H. mit Rahmen 155, Br. mit Rahmen 57,5 cm.


Beschreibung 1880

In der Statistischen Beschreibung des Erzbistums München und Freising von Anton Mayer und Georg Westermayer aus den Jahren 1870 bis 1884 ist im Kapitel über die Pfarrei Weichs auch die Filialkirche St.Stephanus in Aufhausen enthalten. Im Dorf selbst wohnten 140 Seelen (in 25 Häusern). Die Wege zur 2 km entfernten Pfarrkirche seien großenteils beschwerlich, besonders bei nasser Witterung, erwähnt Westermayer. Und über die Kirche schreibt er: "Nördlich vom Pfarrsitze gelegen. Erbauungjahr unbekannt. Restaurirt 1869-1872. Baustyl ursprünglich gothisch, nun Renaissance. Geräumigkeit zureichend. Baupflicht liegt bei der Kirche. Kuppelthurm mit 2 Glocken. Darauf folgende Inschriften: a) auf der größeren Glocke: 'Maria bin ich Xaveri bayer purger zu München goss mich. MDCXX (=1620)'b) auf der kleineren: "heinrich zingieser anno Domini MillCCCCXXIII (=1423)'. 3 Altäre. Cemeterium (=Friedhof) ohne Capelle. Gottesdienst im Wechsel mit Egelsried, wenn die Cooperatur besetzt ist (=wenn in Weichs ein Kaplan tätig ist). Stiftungen: 5 Jahrmessen. Meßner und Cantor ein Gütler des Ortes. Kirchenvermögen: 7.500 Mark".

Die Kirche wurde 1869-72 und zuletzt im Jahr 1966 renoviert.


Baubeschreibung

Der heutige Bau stammt im Wesentlichen aus der Zeit um 1713/19, als die baufällige Kirche abgetragen und in sechsjähriger Bauzeit neu errichtet wurde.
Der Altarraum schließt mit drei Seiten. Die Fenster im Chor und Langhaus haben die typisch barocke Form eines Ovals.
Außen an der Südwand des Kirchenschiffs, zwischen den ovalen, typisch barocken Fenstern, hängt ein großes Holzkreuz ohne Corpus.
Über dem Eingang ist eine Sonnenuhr an die Wand gemalt. Wenn Sie auch die anderen Sonnenuhren an den Kirchen im Landkreis Dachau in einer Zusammenschau sehen möchten, klicken Sie hier. .

Sonnenuhr
Turm und Glocken
Der Turm auf der Westseite mit der kleine Zwiebelkuppel ist halb eingebaut. Im unteren Teil ist er quadratisch, darüber ein achteckiger Aufbau mit der Zwiebel. In der engen Turmstube hängen nebeneinander zwei Glocken.


bitte klicken

Die beiden Glocken sind schon sehr alt: Die größere (Durchmesser 66 cm) wurde 1620 von Xaver Beyer aus München gegossen. Sie enthält folgenden Text: "Maria bin ich Xaveri beyer purger (Bürger) zu München goss mich. MDCXX".
Die kleinere Glocke (Durchm. 48 cm) gehört zu den ältesten Glocken im Landkreis. Sie wurden im Jahr 1423 von Heinrich Zinngießer aus Mch. gegossen. Der Text auf ihr lautet: "heinrich zingieser anno Domini MillCCCCXXIII."

Aufschrift auf der alten Glocke
Eine Zusammenstellung der ältesten Glocken im Landkreis Dachau erhalten Sie, wenn Sie hier klicken. .
V
orhaus

Der Eingang ist auf der Südseite unter einem Vorhaus mit stämmigen Pfeilern. Im Inneren dieses Vorhauses sind in einer Nische hinter Gittern einige Totenschädel und weitere Menschenknochen aufbewahrt, die aus den Gräbern des Friedhofs exhumiert worden waren, um wieder Platz für später Verstorbene zu machen. Möglicherweise stand an dieser Stelle bis vor ca. 150 Jahren das 1738/40 beschriebene Beinhaus.

Karner-Gedenkstätte


Inneneinrichtung


Altarraum


Der eingezogene Chor schließt in drei Seiten eines Achtecks und ist mit einem Tonnengewölbe mit Stichkappen überdeckt. Die Stichkappen sind rosa eingefärbt. Das kleine Deckengemälde aus dem Jahr 1944 stellt einen Pelikan dar, der seine Jungen mit seinem Blut ernährt.
Was hat der Pelikan mit dem Geschehen auf dem Altar zu tun? Im Mittelalter war das Aussehen des exotischen Vogels in unseren Breiten nicht bekannt. In alten Büchern (Bestiarium, Physiologus) wird berich-tet, dass der Pelikan seine Brust aufreiße, um mit dem eigenen Blut die Jungen zu ernähren; er galt deshalb als Sinnbild für Aufopferung und als Symbol für Christi Todesopfer. Die ersten künstlerischen Darstellungen des Pelikan wurden schon im 3.Jh. nachgewiesen.

Pelikan

Ein Fronleichnamsgebet von Thomas v.Aquin (1225-1275) lautet: Laß Jesu Herr und Heiland, teurer Pelikan, von deinem Blut mich Sünder Reinigung empfahn". Biologisch ist dieser Bericht vom Pelikan heute überholt. Die Fabel entstand durch die Art und Weise, wie der Pelikan seine Jungen aus dem dehnbaren Kehlsack heraus füttert. Er stemmt den Schnabel auf die Brust, um die Fische einfacher auswürgen zu können. Weil sich dabei seine weißen Federn mit dem Fischblut rötet, wurde der Vorgang falsch gedeutet.

In St.Jakobus/Vierkirchen wird der Entwurf für das Deckenbild in Aufhausen als Aquarell in einer Größe von 66 x 50 cm aufbewahrt. Es ist signiert mit "Richard Holzner, München". Der Künstler Richard Holzner (1883-1958) hat in den Jahren vor dem 2.Weltkrieg viele Fresken und Altarbilder in Kirchen gemalt (St. Korbinian in München-Sendling (das größte Deckengemälde Münchens), Maria Rosenkranzkönigin in Pasing, St. Anna in Blieskastel, österr.Wallfahrtskirche Kleinholz, St.Christophorus Wolfsburg, St.Vitus Schnaittenbach, St.Johann in Emmering, Bartholomäus in Hörlkofen, St.Konrad Altötting und in Deckengemälde in Bergkirchen)



Hochaltar

Der barocke Hochaltar besitzt einen prächtigen Aufbau. Vier rot marmorierte Wendelsäulen mit vergoldeten korinthischen Kapitellen stützen ein verkröpftes Gebälk mit seitlichen Sprenggiebeln. Darauf ein vergoldetes Blumendekor, das das Aufsatzgemälde umgibt. Die Säulen enthalten ein vergoldetes Mittelstück.

Hochaltar
Der Altar dürfte aus der Zeit des Kirchenbaus (ca. 1715) stammen. Säulen in der Kirche haben nicht nur statische Aufgaben. Sie sind auch Symbol für den Zusammenhang von Oben und Unten, sie verbinden Himmel und Erde. Deshalb ist die Säule vor allem an Altären eine beliebte Bauform.

Hochaltaraufsatz
Im Auszug/Aufsatz des Hochaltars ist auf einem ovalen Bild aus der Zeit um 1715 die hl. Klara dargestellt. Auf dem Bild kniet die Heilige im Ordenshabit vor einer Monstranz mit Hostie, dem Leib des Herrn. Klara lebte im 13. Jh und gründete zusammen mit Franz von Assisi die Schwesterngemeinschaft der Klarissinnen, den späteren "Zweiten Orden" der Franziskaner. 

St.Klara
Der Legende nach hat St.Klara kurz vor ihrem Tod mit der Monstranz in der Hand eindringende Sarazenen in die Flucht geschlagen. Im Hintergrund des Bildes ist ein Wirtschaftsgebäude des Klosters zu sehen, vor dem zwei Nonnen Wasser schöpfen und einen Stall ausmisten.

Altarblatt
Mittelpunkt des Altars ist ein Ölgemälde aus der 2. Hälfte des 19.Jh, auf dem die Steinigung des hl. Stephanus, des Patrons der Kirche, dargestellt ist. Der Heilige kniet mit erhobenen Händen auf der Erde.

Steinigung des
Stephanus
Hinter ihm hat ein Mann einen großen Stein erhoben, um ihn auf Stephanus zu schleudern. Im Himmel hält ein Putto hinter Wolken schon den Märtyrerkranz bereit.
  Hinweis: Stephanus war einer der Diakone der urchristlichen Gemeinde in Jerusalem, die neben der Glaubensverkündigung auch für die sozialen Belange der Gemeinde zuständig waren. Sie hatten den Rang von Gemeindeleitern, die in ihrer Bedeutung nahe an die Apostel heranreichten. Durch eine seiner Predigten geriet Stephanus mit den Juden in Konflikt. Sie brachten ihn vor den Hohen Rat. Die in Apostelgeschichte 7, 2 - 53 wiedergegebene, eindrucksvolle Rede belegt, dass Stephanus noch vor Paulus den universellen Anspruch des Christentums verkündete. Stephanus wurde als Lästerer verurteilt und von der aufgebrachten Menge gesteinigt. Stephanus sah den Himmel offen, kniete, seinen Widersachern vergebend, im Gebet nieder und starb. Stephanus'Steinigung war der Auftakt zu einer großen Christenverfolgung in Jerusalem.
Assistenzfiguren

St.Laurentius
Als Assistenzfiguren stehen der hl. Laurentius (mit Feuerrost) und der hl. Sebastian (mit Pfeil) aus der 2.Hälfte des 15.Jh auf Postamenten.
Hinweis: Laurentius war um das Jahr 250 einer der sieben Diakone in der Stadt Rom. Er sollte im Auftrag des Papstes den Kirchenschatz unter den Leidenden und Armen austeilen. Kaiser Valerian erhob Anspruch auf diese Schätze; als Laurentius sie nicht an ihn herausgab, ließ er ihn mit Bleiklötzen schlagen, zwischen glühende Platten legen und befahl schließlich, den Unerschütterlichen über stetig unterhaltenem Feuer auf einem Rost langsam zu Tode zu martern.

St.Sebastian
Hinweis: Sebastian war der Legende nach im 3.Jh.ein Offizier der kaiserlichen Garde, der auf Befehl
des Kaisers Diokletian mit Pfeilen durchschossen wurde. Er erholte sich aber durch die Pflege der Witwe des Märtyrers Kastulus, bekannte sich erneut zu seinem Glauben und wurde daraufhin mit Keulen erschlagen. Auf seine Anrufung hin, soll eine Pestepidemie abgewendet worden sein.  Der heilige Sebastian wird deshalb  als Pestpatron und -der Pfeile wegen- als Patron der Schützenbruderschaften verehrt.

Auf dem Altar steht kein Tabernakel mehr. Das Gehäuse für die Aufbewahrung der geweihten Hostien ist reparaturbedürftig und befindet sich derzeit hinter dem Altar.



V
otivbilder

An der Chorsüdwand hängen drei Votivbilder, obwohl von Aufhausen keine Wallfahrt bekannt ist. Es mögen vielleicht Zeichen des Dankes für gewährte Hilfe oder der Bitte für Verstorbene von Ortsangehörigen sein.
Ein Bild von 1802 zeigt den Sturz in einen Brunnen, der durch die Bitte Mariens glimpflich ausging. Vor dem Hintergrund eines Hauses steht ein Mann in bayerischer Tracht an der Brunnenwinde, während eine Frau kopfüber in den Brunnenschacht stürzt. Darüber steht auf Gewölk die Muttergottes mit dem Jesuskind auf dem Arm (ähnlich dem Altöttinger Gnadenbild).

Votivbilder
 
Ein zweites Votivbild zeigt die Errettung der armen Seelen im Fegefeuer durch den verklärten Christus; darüber Maria auf Erden mit dem toten Leib ihres Sohn Jesus auf ihrem Schoß. Die Bezeichnung "Fegefeuer" geht auf das mittelhochdeutsche Wort fegen für reinigen zurück (mittellateinisch purgatorium). Nach Papst Gregor I. (540-604) ist es der Ort, an dem die  Seelen Verstorbener durch zeitlich begrenztes Feuer, Eis oder Wasser von ihren lässlichen Sünden gereinigt werden. Nach katholischem Glauben können Menschen durch Gebete und die Feier von Seelenmessen die Aufenthaltsdauer einer Seele im Fegefeuer verkürzen. Die protestantischen Kirchen lehnen die Lehre vom Fegefeuer ab.
Das dritte Bild zeigt eine Bauernmalerei des hl.Stephanus.


Gotischer Flügelaltar

Auf der Nordseite des Chores ist die Besonderheit der Kirche zu sehen: zwei ehemalige Altarflügel aus der Zeit um 1520/30 mit geschwungener Rahmenbekrönung und gedrehter, Astholz-artiger Angelleiste. Sie enthalten Darstellungen der Kreuzabnahme und der Beweinung Christi sowie -auf den Außenseiten- die Verkündigung der göttlichen Botschaft durch den Erzengels Gabriel an Maria. Der Altar wird zu einer Art Monstranz, der dem Bedürfnis des spätmittelalterlichen Menschen nach Schauen des Heiligen entgegenkommt. Solche Altarflügel aus der spätgotischen Zeit sind im Landkreis Dachau einmalig.

Leider fehlt der Mittelteil, der bei geöffneten Flügeln das zentrale Bild dargestellt hat. Ob der Altar für die frühere Kirche in Aufhausen bestimmt war, ist nicht sicher. Er könnte in gotischer Zeit auch in einer anderen Kirche (z.B. in Weichs) gestanden haben, bis er im Rahmen der Barockisierung entfernt wurde und hier in Aufhausen seinen Platz gefunden hat. Die Kunsthistorikerin Elisabeth Hinterstocker, die im Jahr 2007 die Altarflügel wissenschaftlich untersucht und analysiert hat, ist zur Auffassung gekommen, dass das Gemälde aus der Umgebung des Landshuter Hofmalers Hans Wertinger (ca. 1465–1533) stammt. Darauf lasse der Stil der Gemälde schließen, der mehr der Landshuter als der Münchner Malschule gleiche. Ein weiteres Indiz ist der künstlerische Vergleich der Gesichter der auf den Altarflügeln abgebildeten Personen mit entsprechenden Abbildungen auf zurechenbaren Gemälden von Hans Wertinger.
19) Außerdem gehörte die Hofmark Weichs um 1520 zum Landgericht Kranzberg. In der Zeit der bayerischen Teilung (offiziell bis 1505, tatsächlich bis 1545) lag dies in Niederbayern mit der Hauptstadt Landshut. Die fast 300 Jahre lange administrative Zugehörigkeit hat sicher auch dauerhafte kulturelle Bindungen geschaffen.

Offener Altar- linker Flügel
geschlossener Altar (Rückseiten)
Offener Altar- rechter Flügel
Kreuzigung Christi
Verkündigung
Kreuzabnahme

In gotischer Zeit waren die Flügel der Altar an normalen Tagen geschlossen und zeigten so die Verkündigungsszene mit der Botschaft an den Betrachter: Herabsteigen des Gottessohnes in die menschliche Gestalt und in die Gestalt des Brotes.
Geöffnet wurden die Altarflügel nur an Sonn- und Feiertagen; dann zeigten sie die Festtagsseiten, die Kreuzabnahme und die Beweinung Christi und dazwischen den (derzeit fehlenden) Mittelteil. Dieser Mittelteil hatte -so Kunsthistorikerin Hinterstocker- eine ähnliche Form wie die geschlossenen Flügel mit der Verkündigungsszene. In ihm könnte eine Figur, wie z.B. die spätgotische Figur der Anna selbdritt gestanden haben, begleitet von zwei Heiligenfiguren. In dieser Art sind jedenfalls andere gotische Flügelaltäre aus der gleichen Zeitspanne gestaltet.
19)
Maße je Flügel: Höhen 153,5 / 132 cm, Breiten: innen 41,5 / außen: 54,5 cm.

Hier können Sie sich einzelne Details aus den Bilder in Vergrößerung betrachten. Klicken Sie auf die folgenden Icons.

Details aus "Kreuzigung Christi"  
Details aus "Kreuzabnahme
 
         
Die Altarflügel mit den Kreuzigungsszenen wurden Ende des 19.Jh jeweils im oberen Teil übermalt. Die Übermalung von leider sehr minderer Qualität umfasst die Gestalt Christi am Kreuz und den Hintergrund aus Himmel, Sonne und Bergen.


Gabriel
Zum den mittleren Tafeln (Verkündigung):
Der Engel Gabriel (hebräisch=Stärke Gottes) im roten Gewand überbringt Maria die Botschaft Gottes. Maria blickt überrascht von einem Buch auf, das sie soeben noch gelesen hatte (üblicherweise ist es die Seite der Bibel, auf der geschrieben steht: "siehe eine Jungfrau wird empfangen"(Jesaja 7:14).
Maria ist vom Sessel hinter ihr aufgestanden; um 1500 bestand die Auffassung, Maria habe den Gruß des Engels stehend erwidert. Mit ihren gefalteten Händen wirkt sie, als sei sie ganz erfüllt von der Botschaft des Engels. Sie erscheint im Gegensatz zum viel größeren Gabriel zart und mädchenhaft. Dazu trägt auch ihr offenes Haar bei, das sie als unverheiratete Frau ausweist. Über dem Haupt Marias schwebt der Heilige Geist in Gestalt einer (etwas pummeligen) Taube auf sie nieder.

Jungfrau Maria

mehr über den Maler Hans Wertinger...


Altöttinger Muttergottes


An der Seitenwand steht noch eine Nachbildung der Muttergottesfigur aus Altötting.  Die Muttergottes ist mit einer Herzogskrone in Form einer flachen Mütze gekrönt; die Zacken der Krone sind Relief-artig aufgetragen. Maria trägt das bekleidete Jesuskind auf dem rechten Arm. In der Linken hat sie ein Zepter. Das Jesuskind hält in seiner Hand einen Apfel, die Vorläuferform des Reichsapfels.
Hinweise: Der Apfel ist Sinnbild des Paradiesapfels und damit des Sündenfalls. Jesus nimmt den Apfel entgegen und überwindet durch seinen Tod die Erbsünde. Der meist vom Kreuz bekrönte Reichsapfel ist Teil der Insignien christlicher Herrscher. Er versinnbildlicht den Erdball. Die ersten Darstellungen stammen aus dem Konstantinopel des 4./5. Jh. In Deutschland findet der Reichsapfel erst 1191 bei der Kaiserkrönung Heinrichs VI. (1165-1197) Erwähnung.

Muttergottes aus Altötting
  Hinweis: Das aus Lindenholz geschnitzte Gnadenbild von Altötting ist wohl um 1330 am Oberrhein entstanden und kam um 1360 als Geschenk des Zisterzienserkloster Raitenhaslach nach Altötting. Die Figur war ursprünglich wohl rosa bemalt. Wahrscheinlich ist die schwarze Farbe im Laufe der Jahrhunderte durch Nachdunklung des Holzes und durch den Kerzenrauch in der engen Kapelle entstanden. Manche Historiker glauben auch, dass sie bewusst gefärbt wurde und verweisen auf das Hohe Lied des Salomons aus dem Alten Testament: "Schwarz bin ich, doch schön". Schwarze Madonnen galten im späten Mittelalter als besonders wundertätig. Dies mag seinen Grund auch darin haben, dass die schwarzen Madonnen besonders alt sind und ihnen deshalb eine größere Anzahl von Erhörungen zugeschrieben werden kann.



Chorglocke


Chorglocke
Am Zugang zur Sakristei hängt die Chorglocke, die das akustische Zeichen für den Beginn des Gottesdienstes anzeigen. Es handelt sich um eine kleine Glocke, die mit einem reich bestickten Zugband zum Klingen gebracht wird. Darüber ein Metallkreuz mit drei Querbalken. Die Chorglocken werden geläutet, wenn Priester und Ministranten die Sakristei verlassen und den Chor betreten.

 

Kirchenschiff / Langhaus


Deckengemälde


Das Kirchenschiff ist ein heller Saalbau mit flacher Decke, auf die eine einfache Felderteilung (Quadrate und Kreise) stuckiert wurde. Wahrscheinlich wurde der Stuck 1714 vom Baumeister Hans Maurer (1654-ca. 1729) angebracht, denn für so einfache Stuckarbeiten holte man keinen Spezialisten.

Bekehrung v.Paulus
In einen der Stuckrahmen ist ein großes Deckenfresko mit dem Titel "Bekehrung des hl. Paulus" gemalt. Im unteren Teil des Bildes fällt Saulus, von einem Lichtstrahl aus dem Himmel getroffen, vom Pferd.
Im oberen Teil des Bildes thront Christus -von Engeln umgeben - auf den Wolken.
Das Bild wurde 1944 gemalt. Der Maler ist nicht bekannt. Aber es könnte Richard Holzner (1883-1958) gewesen sein, der sicher den Entwurf für das Deckengemälde im Altarraum erstellt und das Fresko wohl auch gemalt hat.



Seitenaltäre

Die raumhohen, etwa 1,80m breiten Seitenaltäre mit Portal-artigem Aufbau wurden wohl im 18.Jh erstellt. Sie sind stilistisch und farblich dem Choraltar angepasst. Links und rechts steht je eine Säule mit Kompositkapitell. Auf dem verkröpften Gebälk sind zwei akanthusbekrönte Vasen aufgesetzt. Der Auszug ist mit einem Herzen im geflammten Strahlenkranz bekrönt.


Linker Seitenaltar


Hochaltaraufsatz

Im Auszug ein Bild des hl. Josef mit dem Jesuskind auf dem Arm. In der Hand hält er die Lilie der Keuschheit. Auch dieses Bild stammt aus der Zeit um 1870.


St.Josef
Hinweis: Josef war der Vater Jesu - oder Ziehvater Jesu, da nach altchristlicher Überzeugung Jesus der Sohn Gottes ist und durch den Heiligen Geist im Schoß der Jungfrau Maria gezeugt wurde. Joseph stammte aus dem Geschlecht des Königs Davids, aus dem nach dem Zeugnis des Alten Testaments der Messias hervorgehen werde. Er lebte als Zimmermann in Nazareth.
Altarblatt
Der linke Altar ist Maria geweiht, die als Immaculata in den Händen eine Lilie (seit dem Mittelalter Symbol für Reinheit und Keuschheit) hält und mit den Füßen den Kopf der Schlange zertritt. Das Haupt Mariens ist von einem Sternenkranz umgeben. Zwei Engel halten im unteren Teil ein brennendes Herz und einen Blumenkranz. Das Bild wurde um 1870 im sog. Nazarenerstil gemalt.

Maria Immaculata
Hinweis: Die Darstellung der Immaculata zeigt Maria als neue Eva, die, wie in der Bibel angekündigt (Gen 3,15), der Schlange den Kopf zertritt. Die Schlange symbolisiert die Erbsünde und in weiterer Folge das Böse allgemein. Dieses Bildmotiv mit der Schlange ist erst seit dem 17. Jh. nachweisbar. Als nach der Reformation auf protestantischer Seite Christus mit dem Fuß auf dem Kopf der Schlange dargestellt wurde, hat Papst Pius V. (1566-1572) im Zuge

 

 

 

der Gegenreformation das Thema dogmatisch auf Maria fixiert ("Maria zertritt mit Hilfe von Christus die Schlange") und diese Darstellung in den katholischen Kirchen bildlich durchgesetzt. Die Sterne erinnern an die Apokalyptische Frau, die Johannes in der Geheimen Offenbarung beschrieben hat. Sie war in der Vision vom Strahlenkranz der Sonne umgeben, über ihrem Haupte standen zwölf Sterne als Symbol für die zwölf Stämme Israels. Die Apokalyptische Frau wurde in frühchristlicher Zeit als Symbol für die Kirche angesehen und erst später mit Maria identifiziert.



Rechter Seitenaltar

Altaraufsatz

Im Altarauszug/Altaraufsatz der hl. Leonhardmit Abtsstab, der Bibel und den obligatorischen Ketten (1720).


St.Leonhard
Hinweis:   Leonhard (einer der 14 Nothelfer) lebte um das Jahr 500 als Einsiedler und später als Abt in Frankreich. Regelmäßig besuchte er die Gefangenen und erreichte beim König Clodwig I., dass viele von ihnen freigelassen wurden. Deshalb galt er ursprünglich als Schutzpatron derer, "die in Ketten liegen", also der Gefangenen - und der Geisteskranken, die man bis ins
  18.Jh. ankettete. Als die Leonhardsverehrung nach Deutschland kam, hat man ihn wegen der Ketten, mit denen er in Frankreich abgebildet war, als Patron der Haustiere verehrt, weil man diese Ketten als Viehketten missdeutete. In Bayern erreichte die Leonhardsverehrung im 19.Jh ihren Höhepunkt.
Altarblatt
Mittelpunkt des rechten Seitenaltars ist das Altarblatt, das den Evangelisten Markus mit einem Löwen zu seinen Füßen zeigt (Öl auf Leinwand). Der Löwe ist Sinnbild für Markus, weil das Markusevangeliums mit der Predigt des Johannes in der Wüste, dem Lebensraum des Löwen, beginnt.

Evang.Markus

In einigen Beschreibungen wird Hieronymus als möglicher Patron des Altars in Aufhausen genannt, weil auch dieser Heilige als Attribut den Löwen hat. Doch die Schmidt'sche Matrikel von 1738/40 beschreibt den Altar als Markusaltar. Es gibt keinen Grund, warum sich das Patronat geändert haben sollte. Das Altarblatt dürfte um das Jahr 1720 gemalt worden sein.


Darauf deutet das Stifterwappen rechts unten hin. Es ist das Ehewappen des damaligen Hofmarksherrn von Jetzendorf Johann Anton v.Stromer (linkes Wappen) und seiner aus Weichs stammenden Ehefrau Maria Anna Josepha Freiin von Tannberg (rechtes Wappen). Nach Auffassung des früheren Kreisheimatpflegers Angerpointner könnte es sich bei dem Gemälde um ein Hochzeitsgeschenk für die Eheleute gehandelt haben, die 1721 heirateten. Als diese keine Verwendung für das große Gemälde fanden, hätten sie es der Kirche in Aufhausen weitergeschenkt.

Stifterwappen



Anna selbdritt

Neben dem rechten Seitenaltar ist eine schöne figürliche Darstellung der  Anna selbdritt angebracht. Die spätgotische Figur wurde um 1480 geschnitzt. Auf dem linken Knie der Mutter Anna sitzt ihre Tochter Maria, auf ihrem rechten Knie den Enkelsohn Jesus. Maria und Jesus halten sich an den  Händen. 

Hinweis: Anna war nach apokryphen Evangelien des 2. bis 6. Jahrhunderts die Mutter von Maria und somit die Großmutter von Jesus. Ähnlich wie Hanna  (1. Samuel 1-2) soll sie erst nach zwanzigjähriger kinderloser Ehes ihr Kind Maria geboren haben.


Anna selbdritt 1480
Deshalb wird sie in der Kunst als ältere, verheiratete Frau mit Kopftuch dargestellt. Dass mit der Figurengruppe
besonders Anna herausgestellt werden soll, ist auch daran zu erkennen, dass sie als einzigen einen Heiligenschein (Nimbus) trägt.
Das Motiv der Anna selbdritt kam erst im 15. Jh. nach Bayern, kurz bevor Papst Sixtus IV. 1481 den Festtag der Anna in den römischen Kalender aufnahm. Die Verehrung Annas als Mutter der Jungfrau Maria erreichte damals ihren Höhepunkt. Die Bezeichnung Anna selbdritt gibt an, dass Anna selbst wiedergegeben ist und dass sie zu dritt sind. Anna, die Mutter Marias, wird meistens als reife Frau dargestellt; häufig mit grün-roter Kleidung, um den Kopf ein Tuch als Zeichen der verheirateten Frau. Meist hat Anna das Jesuskind und Maria auf dem Arm, so wie hier in Aufhausen; manchmal steht Maria zu ihren Füßen. Fast immer wird Maria als Kind oder als junges Mädchen dargestellt. Das Motiv der Anna selbdritt ist ein Sinnbild für die Entwicklung, Kontinuität und Weitergabe des Lebens, für den ewigen Kreislauf der Natur. Die drei Personen Anna, Maria und das Kind umfassen den gesamten Lebenszyklus von Jugend über Reife bis hin zum Alter. Sie beinhalten das Gewesene, das Jetzige und das noch Kommende. In ihnen sind Wandel und Erneuerung angelegt.

zur Beschreibung der Sthulwangenzur Beschreibung der EmporenbilderJakobus d.ÄltereMatthiasThomasSimon der ZelotPetrusChristusPaulusPhilippusBartholomäusThaddäusAndreas zur Beschreibung der Deckengemälde zur Beschreibung der Sthulwangen zur Beschreibung der VortragekreuzeMariazur Beschreibung der EmporenbilderMatthäuszur Beschreibung der Kreuzwegbilderzur Beschreibung des Muttergottesbildeszur Beschreibung der Marienkapellezur Beschreibung des HarmoniumsSt.Johann Baptistzur Beschreibung des Opferstocks
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Kreuzigungsgruppe

An der Südwand hängt ein großes Kruzifix aus barocker Zeit mit darunter stehender spätgotischer Madonnenfigur aus der Zeit um 1480.
Der tote Christus am Kreuz blutet noch aus der Seitenwunde. Sein Gesicht hat aber keinen schmerzverzerrten Ausdruck, sondern scheint zu lächeln. Der flatternde Lendenschurz weist das Kreuz als barockes Kunstwerk aus.

Kanzelkreuz
Die Madonna ist keine typische Darstellung der mater dolorosa, auch wenn ein Schwert ihre Brust (ihre Seele) durchbohrt. Der Gesichtsausdruck und die Haltung der Hände deuten darauf hin, dass es hier eine andere typologische Figur dargestellt werden sollte.

Mater dolorosa
Die Haltung der Hände verweisen auf eine
Muttergottes mit Kind. Aber auch eine andere Heilige wäre denkbar. Das Schwert wurde erst nachträglich angebracht. 

Gegenüber der Kreuzigungsgruppe war früher die Kanzel angebracht. Sie wurde 1944 bei der Kirchenrenovierung entfernt.


W
eitere Skulpturen und Bilder

Der Patron der Kirche, der hl. Stefan ist noch in zwei weiteren Darstellungen zu sehen: 


St.Stephanus
An der Nordseite des Langhauses, anstelle der alten Kanzel, steht auf einem Podest eine Schnitzfigur des hl. Stephanus aus dem Jahr 1556 mit der Märtyrerpalme in der linken Hand und einem Buch mit darauf liegenden Steinen in der Rechten.
Die gleichen Attribute hat der Heilige auch auf einem ovalen Bild in den Händen, das in der Nähe der Figur hängt. Dieses um 1800 gemalte Bild soll früher -ungerahmt- bei Wallfahrten mitgetragen worden sein. Erst seit 1944 hängt es eingerahmt an der Kirchenwand.

St.Stephanus

An der Südwand hängt ein Bild der Schmerzensmutter Maria in schildförmigem Rahmen. Vor mehreren Putten im Hintergrund steht Maria im weiten, roten Mantel auf Gewölk. In ihrer Brust steckt ein Schwert; in der Hand hält sie ein großes Tränentuch. Das Bild ist eine abgewandelte Kopie nach der Herzogspitalmutter in München. Es dürfte in der 2.Hälfte des 18.Jh gemalt worden sein.
Hinweis: Die originale Herzogspitalmutter ist
eine von Tobias Pader 1651 geschaffene Holzstatue der Schmerz-haften Muttergottes, die am 21. 1. 1690 "höchstlebendig die Augen bewegt" haben soll. Das Wunder war von einem Kind beobachtet worden und erhielt umgehend die kirchliche Bestätigung des Bischofs von Freising Joseph Clemens von Bayern (1685–1694). Die Figur wurde zum Ziel der wichtigsten Marienwallfahrt in der Münchner Region. In nur fünf Jahren wurden in der Spitalkirche 56.000 Messen gelesen und nicht weniger als 400 Wundertaten gezählt. Kurfürst Maximilian III. Joseph ließ sich das Gnadenbild 1777 ans Sterbebett bringen. Die


Herzogspitalmutter
Holzfigur gehörte zu einer 1651 von dem Münchner Bildhauer Tobias Bader geschaffenen Kreuzigungsgruppe. Sie wird bis heute in der Kirche des Herzogspitalkirche in der gleichnamigen Straße in München verehrt. sich das Gnadenbild 1777 ans Sterbebett bringen. Die Holzfigur gehörte zu einer 1651 von dem Münchner Bildhauer Tobias Bader geschaffenen Kreuzigungsgruppe. Sie wird bis heute in der Kirche des Herzogspitalkirche in der gleichnamigen Straße in München verehrt.


Kirchenbänke

Die Kirchenbänke (2 mal 8 Reihen) haben barocke Wangen. Das Muster der kunstvoll geschnitzten Kirchenstuhlwangen 
entspricht dem vieler Kirchenstühle im Dachauer Land.

Kirchenbänke
Es trat erstmals 1695 in Glonn auf und wurde ab 1717 auch in Ainhofen, Albersbach, Arnbach, Arnzell, Aufhausen, Hilgertshausen, Markt Indersdorf, Ottmarshart, Pasenbach, Pipinsried, Sigmertshausen, Walkertshofen, Weichs, Westerholzhausen und in Westerndorf verwendet. Wenn Sie die Muster vergleichen wollen, klicken Sie hier. ..
 
Hinweis: Schon vom Frühchristentum an bis in die neueste Zeit hinein knieten und saßen die Kirchenbesucher in den Kirchenbänken nach Geschlechtern getrennt. Damit sollte im Gotteshaus eine zu große "sündige" körperliche Nähe zwischen Männern und Frauen verhindert werden. Dies war in allen drei Hauptkonfessionen (Kath., Evang., Orthodox) so. In katholischen Kirchen sitzen gewöhnlich die Männer rechts und die Frauen links. Einen eindeutigen Grund für diese "Seitenwahl" gibt es nicht. Jedenfalls gilt im traditionellen Raumprogramm der Sakralarchitektur die Epistelseite als Männerseite und die Evangelienseite als Frauenseite. Seit dem letzten Konzil gibt es diese Trennung nicht mehr. Viele Pfarrer propagieren sogar das Gegenteil und bitten Familien, zusammenzubleiben. Dennoch sind auf der Frauenseite nur selten Männer zu finden. Weibliche Kirchenbesucher sind insoweit flexibler. Oft wurden auch die die Patrone der Seitenaltäre nach der Geschlechtszugehörigkeit ausgewählt: Seitenaltäre mit Christus oder einem männlichen Heiligen als Patron sind in der Regel rechts, Marienaltäre dagegen links zu finden. So auch hier in Aufhausen.


V
ortragekreuz

An den Bänken ist ein schön gestaltetes Vortragekreuz angebracht. 
Hinweis: Vortragekreuze werden beim Kirchenein- und Auszug, Prozessionen, Wallfahrten sowie bei Beerdigungen vorangetragen. Dies geht zurück auf das Jesuswort "Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach". Bei Gebetsprozessionen (Bittgängen, Kreuzweg) wird der Corpus des Kreuzes zu den nachgehenden betenden Menschen gedreht, damit sie den Gekreuzigten vor Augen haben. Bei anderen Prozessionen, z.B. an Fronleichnam und beim Ein- und Auszug zeigt der Corpus in die Gehrichtung, d.h., er weist ihnen den Weg. Die ältesten Vortragekreuze stammen schon aus dem 6.Jh.

Vortragekreuz


Kreuzwegbilder

An den Wänden im rückwärtigen Bereich der Kirche hängen die vierzehn Kreuzwegbilder. Es sind Ölbilder auf Leinwand und dürften in der Zeit um 1890 gemalt worden sein.

Jedenfalls gehören die Aufhausener Kreuzwegbilder zu den Bildern, für die der bekannte Nazarener-Maler Joseph von Führich aus Wien (1800-1876) die Vorlage geschaffen hat.


Kreuzwegbilder
Joseph von Führich (auch "Theologe mit dem Stifte" genannt) war durch seine Kreuzwegbilder (1844/46) international bekannt geworden. Als Kupferstiche verbreiteten sie sich über ganz Europa und unzählige Maler (darunter auch Anton Huber und Anton Rick) benutzten sie als Vorlage für ihre Kreuz-wegtafeln.
Aus diesem Grund gleichen sich die Kreuzwegbilder in mind. 23 Kirchen des Dachauer Landes in hohem Maße. Unterschiedlich sind lediglich zum Teil der Hintergrund, die Farben der Gewänder der abgebil-deten Personen und die Bilderrahmen.

Hinweis: Seinen Ursprung hat der Kreuzweg übrigens im Brauch der Pilger, bei Wallfahrten nach Jerusalem den Leidensweg Jesu nachzugehen. Wenn Sie mehr über die Entstehung der Kreuzwegstationen und seiner Darstellungen in Kirchen des Landkreises erfahren wollen, klicken Sie hier. .

1. Station
Jesus wird von
Pilatus zum
Tode verurteilt
2. Station
Jesus nimmt
das Kreuz
auf seine Schultern
3. Station
Jesus fällt
zum ersten Mal
unter dem Kreuze
4. Station
Jesus begegnet
seiner
Mutter Maria
5. Station
Simon v.Cyrene
hilft Jesus
das Kreuz tragen
6. Station
Veronika reicht
Jesus das
Schweißtuch dar
7. Station
Jesus fällt
zum zweiten Mal
unter dem Kreuze
8. Station
Jesus tröstet
die weinenden
Frauen
9. Station
Jesus fällt
zum dritten Mal
unter dem Kreuze
10. Station
Jesus wird
seiner Kleider
beraubt
11. Station
Jesus wird
ans Kreuz
geschlagen
12. Station
Jesus
stirbt
am Kreuz
13. Station
Jesus wird
vom Kreuz
abgenommen
14. Station
Jesus wird
ins Grab gelegt

Wenn Sie sich eine Zusammenstellung von Kreuzwegbildern aus den Kirchen des Dachauer Landes ansehen und mehr über die Geschichte des Kreuzwegs erfahren möchten, klicken Sie hier...



Opferstock


Opferstock
An der letzten Bank steht ein gut gesicherter Opferstock mit zwei Schließgurten. Der Holzsockel ist kunstfertig behauen. Er dürfte aus dem 17.Jh stammen.
In den Kirchen des Landkreises Dachau gibt es viele unterschiedliche, außerordentlich interessante Opferstöcke. Wenn Sie sich dafür interessieren, klicken Sie hier.


Emporenbrüstung


Ein prächtiges Bild bietet die Emporenbrüstung, die mit einem Ölbilderzyklus aus der Zeit um 1650 verziert ist. Dargestellt werden die Apostel, Christus und Maria. An der Emporenbrüstung sind zehn ursprüngliche Apostel (ohne Judas), der Judasersatz Matthias und der Ehrenapostel Paulus zusammen mit Christus zu sehen. Der letzte Apostel versteckt sich unter den drei gleichartigem Gemälden an der Westwand der Empore. Dort hängen Bilder von Maria (Mitte), dem hl. Johannes dem Täufer und des Apostels Johannes. Wann und für welche Kirche diese Tafeln gemalt wurden, ist nicht bekannt. Für die Emporenbrüstung waren sie sicher
nicht bestimmt. Nach Ansicht von Experten ist die Malerei "etwas derb, aber durchaus qualitätsvoll".  

Die Evangelien (z.B. Matt.10,2) nennen die Namen der Zwölf Apostel zu Lebzeiten Jesu: Petrus, Andreas, Jakobus d.Ä, Johannes, Jakobus d.J, Philippus, Bartholomäus, Matthäus, Thomas, Thaddäus, Simon und Judas Ischarioth. Matthias kam nach dem Tod von Judas hinzu; Paulus erhielt die Apostelwürde im Jahr 258 zuerkannt. Das sind zusammen 13 Apostel, die in Aufhausen (anders als in den meisten Kirchen) auch alle dargestellt sind.
Maria
Johannes Baptist
Matthäus
Andreas
Thaddäus
Barholom.
Philippus
Paulus
Christus
Petrus
Simon Z
Thomas
Matthias
Jakob d.Ä
Jakobus J


Die Kirche hat keine Orgel. Auf der Empore steht ein Harmonium, mit dem der Gesang der Gemeinde begleitet wird. 

Harmonium
 



Kapelle im Turm

Fatimakapelle
Im Erdgeschoss des Turms, in dem früher die Glockenseile hingen, ist jetzt eine kleine Fatimakapelle eingerichtet. Die Muttergottesfigur brachten Pilger aus der Pfarrei Weichs von einer Wallfahrt nach Fatima in Portugal mit.

Hans Schertl


Quellen
01) Eisenmann-Hohn, Topo-geographisch-statistischen Lexicon vom Königreiche Bayern 1831
02) Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
03) Bezold/Berthol/Riel, Kunstdenkmale des Königreichs Bayern vom 11.bis zum Ende des 18.Jh., 1895 ISBN 3-486- 50421-5
04) Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1880
05) Theodor Bitterauf, Die Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (Nr.1205)
06) Ferdinand von Werden,Tagebücher zur Restaurierung des Domes zu Eichstätt 1938-1945, Uni Eichstätt, Bd 2 (Holzner)
07) Dachauer Nachrichten vom 3./4.9.1966
08) Max Gruber, Zwei Dorf-Genies aus dem Dachauer Land: Ulrich Gailler und Hans Maurer, 1968/4 (796 Gulden)
09) Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
10) Alois Angerpointner, Expertise zum Wappen auf einem Altarblatt, 1983
11) Max Gruber, Im Amperland tätige Glockengießer, Amperland 1984/2
12) Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres 1560, 1986
13) Gemeinde Weichs, So wars bei uns, 1989 (Halbhof Indersdf. u. 1719)
14) Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV, 1990
15) Liebhart/Pölsterl, Die Gemeinden des Landkreises Dachau, Bd 2 der Kulturgeschichte des Dachauer Landes, 1991
16) Frau Ambros, Mesnerin, 2002
17) Heinrich Fitger, Weichs, 2005
18) Matthias Ligsalz, 2006
19) Elisabeth Hinterstocker, Vortrag "Geheimnis der Aufhausener Altartafeln", 2007
20) Heinrich und Margarethe Schmidt, die vergessene Bildersprache christlicher Kunst, 2007 (Pelikan)
21) Rosi Bauer, Elisabeth Hinterstocker wird neue Chefin im Stadtmuseum; Tölzer Kurier vom 16.8.2012
22) Wikipedia, Wege_der_Jakobspilger, 2014

62 Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

18.12.2016

 

Hans Wertinger, Maler (ca. 1465 – 1533)

Hans Wertinger (Monogramm "HW"), der mögliche Schöpfer der Altartafeln von Aufhausen, wurde von den Menschen seiner Zeit auch "Schwabmaler" genannt. Da der Name "Wertinger" ebenso wie der Name "Schwab" ein Herkunftsname ist, liegt es nahe, dass die Familie des Malers ursprünglich aus Wertingen bei Augsburg stammte. Hans Wertinger selbst erblickte wahrscheinlich in schon Landshut das Licht der Welt, wo er zeitlebens geblieben ist. Er gilt als der letzte große Vertreter der Altlandshuter Malschule.
Wertinger erhielt seine Ausbildung wohl bei dem Landshuter Maler Sigmund Gleismüller. Hans Mair von Freising beeinflusste ihn in seinem Frühwerk. Durch die Heirat mit Elisabeth, der Tochter des Seidenstickers Michel Bamberger, erwarb Wertinger 1491 das Landshuter
Bürgerrecht. Hans Wertinger war in erster Linie für Fürstbischof Philipp von Freising und für den in Landshut residierenden (Mit-)Herzog Ludwig X. von Bayern tätig, als dessen Hofmaler er 1518 genannt wird.

Sein frühestes erhaltenes Werk ist die Sigismund-Tafel aus dem Jahr 1498 im Freisinger Dom. Sein 1517 entstandenes Gemälde "Alexander der Große und sein Arzt" gilt als das erste erhaltene deutsche Tafelbild, das ein Thema der antiken Geschichte darstellt. Von seinen zahlreichen Glasgemälden bildet das Verkündigungsfenster im Ingolstädter Liebfrauenmünster das Hauptwerk. Zunächst noch der spätgotischen Tradition verpflichtet, wandte sich Hans Wertinger um 1515 endgültig der Renaissance zu. Seine repräsentativen, sorgsam ausgestatteten Porträts wirken in ihrer Komposition schematisch und sind ohne psychologische Durchdringung der in Dreiviertelansicht wiedergegebenen Dargestellten.
Seine Werke sind in München (AltePinakothek), in Madrid (Prado u. Museum Thyssen-Bornemisza), Nürnberg (Germanisches Nationalmuseum), Prag (Narodní Galerie), Freising (Dom), Ingolstadt (Liebfrauenmünster), Landshut und möglicherweise in Aufhausen zu sehen.


Elisabeth Hinterstocker
Kunsthistorikerin

Elisabeth Hinterstocker untersuchte 2007 die beiden ehemalige Altarflügel in Aufhausen aus der Zeit um 1520/30.
Die aus Valley/Landkreis Miesbach stammende Wissenschaftlerin hat Kunstgeschichte, Geschichte und politische Wissenschaften studiert, außerdem Kirchengeschichte und Diplomtheologie. Nebenher machte sie eine Ausbildung als Kirchenmalerin. Danach arbeitete sie freiberuflich als Restauratorin, erstellte Gutachten und hat in Museen Ausstellungen vorbereitet und begleitet.
Seit November 2012 ist sie Leiterin des Stadtmuseums in Bad Tölz.