zur
Landkreiskarte ausführliche
Beschreibg. Kirchen
in der Gem.Vierkirchen
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Filialkirche St.Nikolaus in Rettenbach
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Kurzbeschreibung Die Filialkirche St.Nikolaus
der Pfarrei Vierkirchen in Rettenbach wurde in der Konradinischen
Matrikel von 1315 unter dem Namen "Rotenbach" erstmals
erwähnt.
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Die Kirche in Rettenbach ist eine
der wenigen Kirchen im Landkreis, die in ihrem Äußeren den romanischen
Charakter bewahrt haben. An den Außenwänden ziert die Kirche ein Rundbogenfries
mit 14 Bogen ebenso am Turm mit 7 Bogen
| Innenausstattung
Die Kirche in Rettenbach ist eine Chorturmkirche,
d.h., der Altarraum liegt im Erdgeschoss des gedrungenen Sattelturmes.
An Stelle von Seitenaltären ist die Kirche mit zwei großen Kreuzen ausgestattet. Zusammen mit der Pietà auf dem Hochaltar bilden sie eine Trilogie der Kartage: Rechts Karfreitag, Mitte Karsamstag, links Ostertag. |
![]() 6 Details (Altar, Kruzifixe, Decke) per Mouseklick |
An der Emporenbrüstung stehen Figuren
- des hl. Florian in römischer Soldatenrüstung
mit Wasserschaff in den Hand (1680)
- St.Petrus, mit Kreuzstab und Papstkrone (18.Jh)
- St.Martin im Bischofsornat und einer Gans neben seinen Füßen (18.Jh).
Das barockisierte Kirchenschiff hat eine Flachdecke. In einem runden Deckenbild ist der hl. Nikolaus mit Äpfeln statt Goldkugeln dargestellt.
Ausführliche
Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen
Hinweisen
Rettenbach liegt an der Straße
zwischen Giebing und Vierkirchen. Die Ortschaft wurde als Rotinpah (Rodung am
Bach) erstmals am 22.August 852 in einer Urkunde genannt. Der 7. Freisinger
Bischof Erchanbert (855-875) tauschte mit dem Edlen Hitto Land. Er erhielt 126
Morgen Grund zu Assenhausen bei Pellheim und gab dafür ihm gehörenden
Grundbesitz in Rettenbach in gleicher Größe an Hitto ab. Die
Urkunde wurde am 22.August 852 in Helidkereshuson = Hilgertshausen (bei einem
Gerichtstag ?) ausgefertigt.
Im Mittelalter war Rettenbach geteilt. Drei Höfe, die im Obereigentum des
Klosters Weihenstephan standen, gehörten zum Landgericht Kranzberg, während
der Rest der Höfe dem Landgericht Dachau unterstanden. In der Zeit der
bayerischen Landesteilung (1255-1505) gehörte das Landgericht Dachau zu
Oberbayern und das Landgericht Kranzberg zum oftmals verfeindeten Teil Niederbayern.
Das führte zu Loyalitätsproblemen im Ort.
Geschichte
der Kirche
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1315
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Konradinische Matrikel
1315 Die Filialkirche St. Nikolaus der Pfarrei Vierkirchen wurde erst 450 Jahre später, in der Konradinischen Matrikel von 1315, unter dem Namen "filiam in Rotenbach" erwähnt. |
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15.Jh
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Im 15.Jh wurde die
Kirche im zeitgenössischen gotischen Stil überarbeitet. |
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1524
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Sunderndorfer'sche
Matrikel 1524 |
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Visitationsbericht von 1560 |
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1632/48
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1673
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Beschreibung
Aus dem Jahr 1673 stammt eine Beschreibung Rettenbach, die im Bayerischen Staatsarchiv liegt. Darin wird zur Kirche ausgeführt: "In Rettenbach befindet sich auch ein Kirchlein mit einem massiven Sattelthurm mit zwei Glöcklein, eingeweiht zu Ehren des hl.Bischofs Nicolaus. Wann dasselbe erbaut wurde, kann nicht angegeben werden, jedoch dürfte das Erbauungsjahr vor dem 15.Jh zu suchen sein. Es ist bei demselben keine Begräbnißstätte angebracht und findet in ihr nur zweimal des Jahres, nämlich am Patrociniumsfeste und in der Bittwoche, Gottesdienst statt." |
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Kirchenumbau |
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1699/1700
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wurde die Kirchenhauptmauer
gegen Osten und Norden ausgewechselt und der Mittelgang durch Maurermeister
Georg Wolfgang Weigl gelegt. Das Kirchenschiff erhielt um diese Zeit eine
Flachdecke. |
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1710
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war der Maurer
Hans Huber noch immer für Ausbesserungsarbeiten an der Kirche beschäftigt.
In der Kirchenrechnung ist auch die Weihe eines Altars durch Fürstbischof Johann Franz Eckher von Kapfing und Liechteneck (1695-1727) erwähnt. Dieser kunstsinnige Bischof regierte sein Bistum von der Reisekutsche aus; er unternahm viele Pastoralreisen selbst in kleinste Dörfer seines Bistums. In seiner Regierungszeit von 1695 bis 1727 hat er 174 Kirchen (darunter Jarzt, Pellheim, Palsweis, Ebertshausen, Hirtlbach, Straßbach, Lauterbach, Westerholzhausen und Kollbach) und ca. 1.100 Altäre und 734 Priester (23 pro Jahr) geweiht. Dies hatte seinen Grund auch darin, dass mit Franz nach 40 Jahren wieder ein echter Bischof auf dem Freisinger Thron saß. Seine Vorgänger waren zwei nachgeborene Wittelsbacher Prinzen (Albrecht Sigismund von Bayern und Joseph Clemens von Bayern). Sie konnten das geistliche Amt des Bischofs nicht ausüben und Albrecht Sigismund besaß nicht einmal die Priesterweihe. So war für den Bischof nach 40 Jahren ohne Kirchenweihen und ohne Firmung viel zu tun. |
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1738
/40
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Schmidt'sche
Matrikel 1738/40 1738/40 hatte der Freisinger Kanonikus Schmidt alle Pfarreien der Diözese Freising besucht und in der nach ihm benannten Schmidt'schen Matrikel auch die Filialkirchen kurz beschrieben. Zur "Ecclesia filialis s.Nicolai et Magdalenae in Rettenbach" bemerkte er, sie sei ein bescheidener Bau von hohem Alter. Die Kirche besitze einen Altar, der den Patronen Nikolaus und Magdalena geweiht sei. Aber es seien auch noch zwei Altäre aus Ziegelsteinen vorhanden, die aber nicht geweiht und zudem auch für eine Zelebration nicht geeignet seien. Gottesdienste werden am Kirchweihfest (am Fest der hl.Magdalena - 22.Juli), am Nikolaustag gefeiert; ferner am Mittwoch der Rogationes, der drei Tage vor Christi Himmelfahrt, an dem einem Bittgang zur Kirche stattfand. In der Sakristei waren zwar nur wenige, aber doch die notwendigen Messgewänder vorhanden. Im Turm hingen zwei geweihte Glocken. Die Einkünfte der Kirche verwalteten der Pfarrvikar von Vierkirchen und der Landpfleger von Dachau. Der Bericht schließt mit dem einzigen Satz in deutscher Sprache: Das Vermögen dises Gottshauses solle diser Zeit gegen 1000 fl. (=Gulden) betreffen". Das war für eine so kleine Kirche ein hoher Betrag". |
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1740
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fertigte der Murnauer Bildhauer
Adam Mayr ein Kruzifix, drei Tafeln und zwei Rosenstöckl für
die Kirche |
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1804
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1. Abrissplan Im Zuge der Säkularisation war die Kirche für den Abriss vorgesehen. Der Vierkirchener Pfarrer Prof.Markus Wankerl (1804-1829) beantragte am 19.9.1804 den Abbruch, um kostenloses Baumaterial für eine neue Schule in Vierkirchen zu gewinnen. Er hielt die Kirchen in Rettenbach (und Jedenhofen) "wegen der nahen Lage an der Mutterkirche ganz entbehrlich". Diese Vorhaben wurde aber wegen des Einspruchs der Ortsbewohner nicht ausgeführt. |
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1811
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2. Abrissplan 1811 drohte der Kirche, die als baufällig galt, wiederum abgerissen zu werden, um damit Baumaterial für den Bau der Schule (damals ein beliebter Verwendungszweck für die abzureißenden Kirchenmauern) zu gewinnen. Es kam jedoch auch dieses Mal nicht dazu. |
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1874
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Beschreibung von A.Mayer Um das Jahr 1870 hat der Dombenefiziat Anton Mayer eine Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising erstellt und 1874 als Buch veröffentlicht. Über Rettenbach ist zu lesen, dass dort 102 Gläubige (in 20 Häusern) lebten. St.Nikolaus in Rettenbach war eine Nebenkirche der Pfarrkirche St.Jakob in Vierkirchen. Mayer schreibt über das Gotteshaus: "Erbauungsjahr unbekannt. Sehr alt, jetzt stillos. Klein, doch genügend. Baupflicht hat die Kirche. Sattel-Thurm mit 2 Glöckchen. Consecrirt 28.6.1779. Patrone Hl.Nikolaus und Magdalena. 1 Altar; hatte drei Altäre, wovon aber 2 weder consecrirt noch je gebraucht waren. Gottedienst nur am Patrocinium (6.12.). Am Dienstag in der Bittwoche geht man (von Vierkirchen aus) hierher. Meßner ist der Hirte. Kirchenvermögen: rd. 1600 Gulden. |
Renovierungen:
1951 und 1993-97 (Trockenlegung, Dachstuhl, Bemalung des Innenraums)
Baubeschreibung
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Die Kirche gilt damit auch als charakteristisches Beispiel dafür, wie lange auf dem flachen Lande am traditionellen Formengut, in diesem Fall am romanischen Stil, festgehalten wurde. An den Außenwänden ziert die Kirche ein Rundbogenfries mit 14 Bogen ebenso am Turm mit 7 Bogen. |
| Im Turm hängen zwei Glocken,
die inzwischen über Fernbedienung elektrisch geläutet werden können.
Die Läutanlage hat übrigens der frühere Mesner Georg Michl
mit einem Techniker selbst erstellt und dabei das Rad eines Mähdreschers
mit dem Motor einer Waschmaschine kombiniert. Die mit einem Durchmesser von 58 cm etwas größere Glocke wurde 1952 neu beschafft als Ersatz für die Glocke, die im Zweiten Weltkrieg zum Einschmelzen abgeliefert werden musste. Auf ihr steht "Mich goss Karl Czudnochowsky & Bachmair Nachfolg. zu Erding Obb. 1952". Die kleinere Glocke (Durchmesser: 57 cm) ist schon fast 400 Jahre alt. Sie wurde im Jahr 1611 von Sixtus Steger aus München für Rettenbach gegossen. Der Text an der Glocke über dem Kranz aus gotischen Verzierungen lautet: "HOC OPUS AD FINEM PRODUXIT SIXT STEGER ANNO MDCXI". |
Innenausstattung
Altarraum
Der eingezogene, gerade schließende Altarraum liegt im Erdgeschoss des gedrungenen Sattelturmes (Chorturmkirche). Er ist mit einem Sterngewölbe überdeckt, dessen Schlusssteine mit dem IHS-Zeichen verziert ist. Dieses Zeichen ist das Namenssymbol Jesu. Es kann auf zwei Arten gedeutet werden: Es sind einerseits die Anfangsbuchstaben des in griechischen Großbuchstaben geschriebenen Namens Jesu (JHSOUS); andererseits werden diese Buchstaben auch als Anfangsbuchstaben von "Jesus, hominum salvator" das bedeutet: "Jesus, Erlöser der Menschen" verstanden.
| Hinweis: Die Schlusssteine der Gewölberippen sind im Scheitelpunkt eine Bogens oder im Knotenpunkt von Rippen eingefügt. Sie verkeilen das gebogene Mauerwerk und geben dem statischen Gefüge den entscheidenden Halt. Neben seiner bautechnischen Aufgaben hat der Schlussstein auch eine religiöse Bedeutung. Denn Paulus schreibt im Epheserbrief: "Ihr seid das Fundament der Apostel und Propheten gebaut. Der Schlussstein ist Jesus Christus selbst. Durch ihn wird der ganze Bau zusammengehalten und wächst zu einem heiligen Tempel im Herrn (Eph 2,20-22). |
Die Felder zwischen den Gewölberippen sind mit blauer Farbe ausgemalt.
| In den vier Gewölbezwickeln sind Bilder der Kreuzigungswerkzeuge (Arma Christi) jeweils zusammen mit einem Kreuz und schmückenden Blumen zu sehen. Die Leidenswerkzeuge sollen die Gläubigen, ähnlich wie der Kreuzweg, zu längerem Betrachten des Leidens Jesu anregen. |
| Hinweis zu den 3 Nägeln:
Zum Kreuzestod Verurteilte wurden entweder mit Stricken oder Nägeln am Kreuz befestigt, so wie es die Bibel für Jesus beschreibt. Nägel verstärken , aber verkürzen auch das Leiden. Bei Ausgrabungen wurden Gebeine von Gekreuzigten gefunden, bei denen 2 Nägel vor den Handwurzeln und ein 17 cm langer Nagel durch die übereinandergelegten Fersen getrieben worden waren. Nach der Legende fand die Hl.Helena bei der Kreuzauffindung auch 3 Nägel, von denen noch einer in der Kirche S.Croce in Rom vorhanden ist. Er hatte eine Länge von 14 cm und besitzt einen mehreckigen breiten Kopf. |
| Hinweis: Der 60 cm hohe Ysop ist ein aromatisch duftender Halbstrauch mit meist blauen Blütengehört und gehört zu den Mysterien-pflanzen des Altertums und wird im Mittelmeerraum seit etwa 2000 Jahren als Heilpflanze verwendet. Personen und Dinge, die mit einem Leichnam in Berührung gekommen waren, wurden mit dem Ysopbüschel besprengt. "Reinige mich mit Ysop und ich werde frei von Schuld sein" steht in der Bibel (Psalm 51,7). In der frühen christlichen Tradition war Ysop Symbol für die Taufe. Der essiggetränkte Schwamm, mit dem Jesus am Kreuz gelabt wurde, war auch auf einen Ysopstengel gesteckt. Ysop findet an vielen Stellen der Bibel Erwähnung. Bis heute weiß man aber nicht, ob es sich dabei um das selbe Kraut handelt, das wir zur Zeit unter diesem Namen kennen. Dass dem sterbenden Jesus am Kreuz Wasser mit Essig vermischt gereicht wurde, ist für diese Zeit üblich. Leicht gesäuertes Wasser wurde viel getrunken. So erhielten z.B. die Soldaten auf ihren Fußmärschen größere Mengen verdünnten Weines oder Weinessigs. In der Passionsgeschichte ist deshalb davon auszugehen, dass die Soldaten Jesus das Getränk reichten, das sie gerade zur Verfügung hatten. |
Altar
Der 160 cm breite und raumhohe neugotische Altar mit Kreuzblumen und Fialen stammt aus dem Jahr 1886. Er ist aus Eichenholz geschnitzt und mit ornamentaler Malerei (Schablonenmalerei) verziert. Viele Jahre lagerte der Altar im Hühnerstall eines Bauernhofs bei Waging, der dem Kloster Schönbrunn gehörte. Der Rettenbacher Mesner Georg Michl entdeckte ihn dort und konnte ihn für seine Kirche retten.| In der großen Mittelnische des neugotischen Altars thront seit einigen Jahren eine Pietà (Vesperbild) aus der Zeit um 1700/30. Maria trauert um den auf ihrem Schoß liegenden Sohn. Sie ist in das traditionelle rote Kleid und den blau-goldenen Mantel gekleidet, einem urtümlichen weißen Gimpf um den Hals, trägt auf ihrem Haupt eine prächtige Krone. Diese Krone besteht aus versilbertem Messing mit farbigen Steinen; die Verzierungen sind getrieben (durch Hämmern von der Rückseite). |
| Nikolaus,
der Patron der Kirche, war um das Jahr 300 Metropolit von Myra geweiht.
Während der bald darauf einsetzenden Christenverfolgung wurde er um 310
gefangen genommen und gefoltert. Er überlebte und nahm 325 am 1. Konzil
von Nicäa teil.
Verbreitete Legenden über Nikolaus erzählen: In einer verarmten Familie
konnte er durch gezielte Geldgeschenke (Goldkugeln), die er heimlich durchs
Fenster und durch den Kamin in die darin aufgehängten Socken warf, verhindern,
dass der Vater seine drei Töchter zur Prostitution bewegen musste. (Frau Barbara Deger aus Vierkirchen hat einen Vergleich zwischen den Nikolausfiguren in Jedenhofen und Rettenbach gezogen ...bei Interesse hier klicken...) |
| Maria Magdalena ist aus der Bibel bekannt. Sie wurde Jüngerin Jesu, nachdem der sie von Besessenheit befreit hatte (Luk. 8, 2). Magdalena sorgte für Jesu Lebensunterhalt (Luk.8,3). Sie war auch bei der Kreuzigung Jesu dabei; ihr erschien Jesus nach seiner Auferstehung (Joh 20,15-17). Ob es sich bei Magdalena auch um die namenlose Sünderin handelt, die Buße tat und Jesus die Füße salbte, ist geschichtlich ungewiss. Der Künstler von Rettenbach ging jedenfalls davon aus, weil er ihr ein Salbgefäß in die Hand drückte. In der Frühzeit des Christentums wurden unter den in der Bibel genannten Magdalenas verschiedene Frauen verstanden; Papst Gregor d. Große (um das Jahr 600) hat aber in seinen Auslegungen erklärt, es handle sich um eine Person. |
An der Südwand des Altarraums ist eine kleine
Chorglocke (Sakristeiglocke) im
schmiedeeisernen Gestänge angebracht, die bei Beginn des Gottesdienstes geläutet
wird.
Fenster
| Die Fenster im Altarraum sind mit Glasgemälden im Jugendstil verziert. Die Ornamentik ist in beiden Fenstern sehr ähnlich. Im Mittelpunkt des linken Fensters steht das Herz Jesu, im rechten Fenster das Herz Mariens. Die Glasgemälde wurden von J.Bockhorni, München, im Jahr 1892 geschaffen (sign.). | Das Herz Jesu gilt als Symbol für die Erlöserliebe Christi. Diese Darstellung verbreitete sich in unseren Kirchen insbesondere nach der Einführung des Herz-Jesu-Festes durch Papst Clemens XIII.(1758 - 1769) im Jahr 1765. Das Herz Mariens ist Zeichen für die mütterliche Liebe. |
| Der Chorbogen im gotischen Stil ist an der Innenseite ebenso mit ornamentalen Verzierungen bemalt, wie die Chorwände und die Fensterlaibungen. | |
Kirchenschiff / Langhaus
| Das im 17.Jh verlängerte Langhaus hat eine Flachdecke. Sie ist in hellbraune Felder mit weißen Rahmen eingeteilt. In der Mitte ist Platz für ein Rundbild (Tondo) des hl. Nikolaus (mit Ölfarbe auf Blechuntergrund, 2.Hälfte des 19.Jh). Der Heilige ist als Halbfigur zu sehen, mit dem Bischofsornat gekleidet und 4 Äpfeln in der Hand. Was die Äpfel zu bedeuten haben, weiß niemand. Vielleicht hat der Maler die Legende von den Goldkugeln, die Nikolaus durch das Fenster in das Haus einer armen Familie geworfen haben soll, missverstanden. "Die vier Äpfel hätten die Probleme der Familie sicher nicht gelöst", meint Mesner Michl. |
Zwei barocke Rundbogenfenster mit farbigen Glaseinsätzen und bemalten Laibungen erhellen das Kirchenschiff.
Kruzifixe
am Chorbogen
An Stelle von Seitenaltären ist die Kirche mit zwei großen Kreuzen ausgestattet, die dort vor dem Hintergrund eines gemalten Wandbehangs angebracht sind.
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Das rechte Kreuz ist ein Kruzifix mit darunter stehender Mater dolorosa, das um 1740 der aus Murnau stammende Adam Mayr lieferte. Maria, im roten Kleid mit weißem Goller um dem Hals und einer Krone über dem Kopftuch auf dem Haupt, hat ihre Arme über der von einem Schwert durchbohrten Brust gekreuzt (ein altes Motiv der Trauer). Das Schwert in Marias Brust erinnert das Simeonwort im Lukasevangelium (Kap 2,35) bei der Darstellung im Tempel: "Dir selbst wird ein Schwert durch die Seele dringen". |
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Auf der linken Seite steht ein leeres Kreuz, um das das Leichentuch gewickelt ist. Unter dem Kreuz steht eine Christusfigur, der Auferstandene, die rechte Hand segnend erhoben (1900). Der Figurentypus des Auferstandenen entwickelte sich aus dem Erbärmde-Heiland. Dieser wiederum geht der Überlieferung zufolge zurück auf Papst Gregor den Großen, dem bei einer Messe über dem Altar die Leidenswerkzeuge Christi und der lebend aus der Grabkufe aufsteigende Schmerzensmann erschienen sein soll. Aus dieser Darstellung des Erbärme-Heilands entwickelte sich der Salvator Mundi, der Welterlöser oder der Auferstandene mit der Siegesfahne in der Hand, dessen Gesichtszüge mehr die Glorie als die Schmerzen widerspiegeln. |
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![]() Vergrößerung vonDetails (Figuren,Kreuzweg, Kruzifix) per Mouseklick |
Kreuzwegbilder Über dem
Chorbogen und an den Seitenwänden hängen die Kreuzwegbilder,
im vergoldeten Rahmen. Sie sind mit Ölfarbe auf Blechuntergrund gemalt
(71 x 55 cm). Es könnten noch die Bilder sein, die im
Jahr 1787 vom damaligen Pfarrer Johann Baptist Graf von Edling angeschafft
wurden; das wären dann die ersten Kreuzwegbilder der Kirche. Bis
Mitte des 18.Jh waren Kreuzwegstationen nur im Freien üblich.
Kruzifix Unter der Empore ist an der letzten Bank ein großes Kruzifix aus dem 17.Jh angebracht, das früher auf dem Altar gestanden hat. |
Kirchenbänke
Die sechs durchgehenden Kirchenbänke haben eine unterschiedliche Breite. Sie sind mit etwas Schablonenmalerei verziert und stammen aus der 1.Hälfte des 19.Jh.
Empore
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Die
Brüstung der stützenlosen Empore ist in fünf Felder eingeteilt.
Die Felderumrahmungen sind mit Schnitzwerk und Schablonenmalerei aus
der 1.Hälfte des 19.Jh versehen. Auf der Rückseite ist mehrfach
die Jahreszahl 1845 eingeschnitzt. |
| Auf der Südseite steht die Figur des hl. Florian in römischer Soldatenrüstung mit Wasserschaff in den Hand (1680). Der Heilige war um das Jahr 304 Offizier der zweiten italienischen Legion des römischen Heeres. Wegen seines Glaubens wurde er verhaftet und nach vielen Martern mit einem Mühlstein um den Hals in die Enns geworfen.In seiner Jugend soll er ein brennendes Haus durch sein Gebet gerettet haben. |
| In der Mitte sitzt der hl. Martin, im Bischofsornat, eine Gans neben seinen Füßen (17.Jh andere Quelle: 18.Jh). St.Martin wurde gegen seinen Willen 371 auf Drängen des Volkes Bischof von Tours. Die Legende berichtet, er habe sich in einem Stall versteckt, um der Wahl zu entgehen, doch hätten ihn die Gänse durch ihr Schnattern verraten. |
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Auf der Nordseite St.Petrus,
mit Kreuzstab und Papstkrone (Tiara). Die
Figur stammt aus dem Ende des 17.Jh. Der
Heilige ist -wie in den meisten Petrusabbildungen seit dem 4.Jahrhundert
- mit rundem Kopf, grauem, krausen Haarkranz um den Haarbüschel auf
der Stirn und mit Bart dargestellt. Hinweis: Der Fischer Simon wurde gemeinsam mit seinem Bruder Andreas von Jesus in seine Jüngergruppe berufen. Er wird in den Evangelien häufig genannt. Nach der Himmelfahrt Jesu hatte Petrus zusammen mit Jakobus die Führung der Gemeinden in Jerusalem inne und wird in allen neutestamentlichen Apostelkatalogen an erster Stelle genannt. Nach katholischer Lehre reiste Petrus später nach Rom, wirkte dort als Leiter der Gemeinde und starb dann unter Nero den Märtyrertod indem er auf eigenen Wunsch im Zirkus des Nero umgekehrt ans Kreuz geschlagen wurde. Die Petrusbriefe im Neuen Testament dürften nicht von Petrus stammen. Seine Bedeutung erhielt Petrus durch die Lehre von der apostolischen Nachfolge, der zufolge alle Bischöfe von Rom direkte Nachfolger des Petrus sind (deshalb die Papstkrone). Die Ostkirchen bestritten seit je her die Oberhoheit des römischen Bischofs. Auch die protestantische Reformation lehnte es ab, das Papsttum auf Petrus zurückzuführen. Der Kreuzstab in der Hand der Petrusfigur gilt, seit Kaiser Konstantin d. Gr. ihn als Feldzeichen führte, als Symbol der Macht. Die Tiara, die dreifache Krone, entstand aus der phrygischen Zipfelmütze des iranischen Hofzeremoniells des 5.Jh.v.Chr. In den ersten Jh. des Christentums waren Papst und Klerus barhäuptig. Die Tiara wurde erstmals im 8.Jh erwähnt. Ihre heutige Form stammt aus dem 14.Jh. Es gibt mehrere Deutungen für die dreifache Krone: Die eine besagt, sie sei das Gegenstück zu den weltlichen drei Kronen des Kaisers (Königskrone von Aachen, Krone der Langobarden und die Kaiserkrone von Rom). Eine andere Deutung weist auf das dreifache päpstliche Amt hin: lehren, lenken und heiligen. Wieder eine andere bezieht die Tiara auf die drei Reiche der Kirche: Die streitende Kirche auf Erden, die leidende Kirche im Fegefeuer, die triumphierende Kirche im Himmel. Schließlich werden die drei Kronen auch als Symbol der Dreieinigkeit Gottes gesehen. Früher wurde dem neugewählten Papst die Tiara mit den Worten überreicht: "Empfange die dreifach gekrönte Tiara und wisse, dass Du der Vater der Fürsten und Könige, der Lenker des Erdkreises und der Vikar Jesu Christi, unseres Erlösers, auf Erden bist“. Seit 1964 trägt der Papst keine Tiara mehr. Paul VI. schenkte seine Krone den amerikanischen Katholiken als Dank für die großherzigen Spenden zugunsten der Armen in der Welt. |
Nicht mehr feststellbar sind eine Urständ Christi (Auferstehungsdarstellung), die 1710 von einem Dachauer Bildhauer geliefert wurde und drei Antependia, die 1740 von Kaspar Leithner gestaltet wurden.
Hans Schertl
Quellen:
Dr. Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln
des Bistums Freysing, 1849/50
Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising,
1874
Mathias Steinberger, Die Pfarrei Vierkirchen, 1879
Theodor Bitterauf, Die Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (Nr.1133, 1147,
1149)
Kirschbaum, Lexikon der Christlichen Ikonographie, 1968
Das große Kunstlexikon von P.W. Hartmann
Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
Dr. Gerhard Hanke, Festschrift 1200 Jahre Vierkirchen, 1979
Andreas Berthold, Die Orte der früheren Gemeinde Vierkirchen, 1979
Wolfgang Lanzinger, Aus der Chronik der Pfarrei Vierkirchzen über das letzte
Jahrhundert, Amperland 1979
Max Gruber, Im Dachauer Land wirkende Bildhauer, Amperland 1982/1
Max Gruber, Im Amperland tätige Glockengießer, Amperland 1984/2
Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres
1560, 1986
Gottfried Weber, Die Romanik in Oberbayern, 1990
Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV: München
und Oberbayern, 1990
Kreisbote Dachau vom 6.9.2001
Dr.Stefan Nadler, Kunsttopographie des Erzbistums München und Freising,
1992
Dr.G.Brenninger, Kirchenabbrüche im Gebiet des Amperlandes als Folgen der
Säkularisation v.1803, Amperland 1992/1
Robert
Böck, Kirchenrechnungen Landgericht Dachau, 1996 (Bittgang, Altarweihe
1710, Turm 1729)
Georg Michl, Kirchenpfleger, 2004
Sabine Remiger,Münchner Kirchenzeitung v. 3.9.2006 (Petrus)
Eduard Kopp in Chrismon 06.2007 (Essigwasser)
Dachauer Nacharichten vom 27.8.2009 (Glocken, Altar)
27 Bilder: Hans Schertl (1999, 2004)
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7.2.2010