zur Landkreiskarte           ausführl.Beschreibung           Kirchen in der Gemeinde Hebertshausen


Filialkirche St.Kastulus und Allerseelen in PRITTLBACH
 
Adresse: 85241 Hebertshausen, Kirchstraße 8
Lage der Kirche auf der Landkarte ...


Kurzbeschreibung

Der Ort Prittlbach wurde im 9.Jh. erstmals urkundlich erwähnt. Er könnte ein wichtiger Gerichtsort gewesen sein, weil hier in dieser Zeit -im Beisein von Personen höheren Standes- mehrere Urkunden ausgestellt worden sind.

Von einer Kirche ist erst in der Konradinischen Matrikel von 1315 die Rede, als Filialkirche "Pritelbach" der Pfarrei Dachau, zu der sie immer noch gehört. 

Das heutige Kirchengebäude wurde in gotischer Zeit (vor 1524) gebaut und im Jahr 1775 unter Belassung des gotischen Chors und des Turms barock umgestaltet. 1890 schließlich wurde das Langhaus um einige Meter verlängert. Die Verlängerung ist um 42 cm breiter als das bisherige Kirchenschiff.

Der 30 Meter hohe Turm auf der Chornordseite hatte schon 1695 seine Spitze erhalten. Er schließt nach oben in acht Giebeln und ist mit Schindeln gedeckt. An der Spitze sitzt ein goldener Knauf mit Wetterfahne. Im Turm hängen vier Glocken; eine wurde 1664 von Bernhard Ernst, München gegossen.


Der einachsige Chor schließt in drei Achteckseiten. Er wird außen durch Pfeiler gestützt.

An die Außenwand des Kirchenschiffs ist eine schöne Sonnenuhr aufgemalt.

Die letzten Renovierungen fanden in den 80er Jahren des 20.Jh statt.


Engel auf dem Gebälk des Hochaltars

Inneneinrichtung


Der gotische Altarraum ist mit einem Kreuzrippengewölbe überdeckt. Die Rippen laufen in zwei Schlusssteinen zusammen.

Der prächtige Choraltar im barocken Stil wurde Ende des 17.Jh erstellt. In der prächtig umrahmten Mittelnische mit Akanthus-schnitzereien sitzt eine schöne Madonna (16.Jh) vor einem Strahlenkranz.

Assistenzfiguren (um 1700) auf dem Hochaltar sind
- die Heiligen Sebastian (von Pfeilen durch-
   bohrt, am Marterbaum) und
- Stephanus (im kurzärmeligen Gewand des
   Diakons mit Buch und drei darauf liegenden
   Steinen).

Die hochbarocken Seitenaltäre mit ihren blau-weiß marmorierten Säulen wurden 1673 vom Dachauer Kistler Franz Prugger gefertigt. Sie sind
- der Muttergottes (Gemälde Aufnahme in den
  Himmel, vom Maler Anton Huber, 1848) und
- St.Magdalena (mit Kruzifix und Totenschädel)
  geweiht.


Die bemalten Kirchenfenster im barocken Rundbogenstil stammen von J. P. Bockhorni 1892.

Kastulus zur Beschreibung des  Netzgewölbeszur Beschreibung des linken Seitenaltars (Magdalenenaltar)zur Beschreibung des Choraltarszur Beschreibung des rechten Seitenaltars (Mariä  Himmelfahrt)zur Beschreibung des Zelebrationsaltars
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Figurenausstattung:
- St. Josef als junger Mann mit dem Jesuskind auf dem Arm - 20.Jh -
- St. Konrad im Franziskanerkutte, in der Hand ein Kruzifix, zu dem er betet. Schnitzer Fr. Weiser, München 1937
- St. Wilhelm im mittelalterlichen Mönchsgewand mit der Bibel in der Hand -17. Jh.-
- St. Kastulus in Ritterrüstung mit Märtyrerpalmzweig -17. Jh.-

An der Emporenbrüstung sind in Holzbildern die zwölf Apostel mit Jesus in der Mitte dargestellt.

Die heute noch erhaltene Orgel im neuromanischen Stil wurde 1892 von Franz Borgias März in die Kirche eingebaut.

Pfarrei
Prittlbach ist seit jeher eine Filialkirche der Pfarrei Dachau/St.Jakob.
Seit einigen Jahren gehört es mit dieser Pfarrei zum Pfarrverband Dachau.
Gottesdienstzeiten
erfahren Sie hier...



Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen

Geschichte:  Matrikel 1315  Matrikel 1524  Visitation 1560  30jähriger Krieg  Matrikel 1738
 Neubau 1775  Beschreibg 1874  Verlängerung 1890  Beschreibung 1895
Ausstattung:  Altarraum  Baubeschreibung  Beichtstuhl  Choraltar  Empore
   Evangelistenbilder  Fenster  Figuren im Chor  Figuren im Schiff  Kanzelkreuz
   Kirchenschiff  Kreuzweg  Orgel  Sonnenuhr  Seitenaltäre
   Tabernakel  Turm  Zelebrationsaltar    Gottesdienstzeiten

Der Ort Prittlbach wurde um 804-807 erstmals urkundlich erwähnt.
Nach der Urkunde Nr. 209 in der Sammlung Freisinger Traditionen schenkte der Kleriker Peradeo de Pritilinpah (Prittlbach) seinen Besitz in Pritilinpach dem Bistum in Freising. Die Urkunde ist nicht datiert. Bitterauf/Wallner grenzen sie auf die Zeit von 804-807 ein, Westermayer auf das Jahr 818. Die Berufsbezeichnung des Schenkers "Kleriker von Prittlbach" könnte indirekt auf das Vorhandensein einer Kirche hinweisen. Jedenfalls war Prittlbach in dieser Zeit ein wichtiger Ort (Gerichtsort ?), weil hier zehn Schenkungsurkunden ausgestellt worden sind. So wurde z.B. die Urkunde Nr. 390 aus der Sammlung Freisinger Traditionen vom 15.Januar 818 mit den Worten unterzeichnet: "Actum est hoc in loco nominato ad Pritilinpach... ego Pirhtilo scripsi" (ausgefertigt hier im Ort mit dem Namen Pritilinpach... ich Pirhtilo habe es geschrieben). Mit dieser Urkunde hat ein Lehensherr des Bistums, Coteperht, sein Lehen in Otmareswanc (Ottmarshart) an den Bischof zurückgegeben.

Auch in einer Urkunde aus der Zeit von 876/83 ist Prittlbach erwähnt. Dort wird von einem Tausch zwischen Bischof Arnold (875-883) und dem Edlen Hantuni berichtet. Der Bischof erhielt 12 1/2 Morgen Land in Aruzapah (Arzbach) und Prittlbach und gab 5 1/2 Morgen anderes Land in Pritilinpah (Prittlbach).
Prittlbach war wohl für die Freisinger Bischöfe ein wichtiger Ort. Neun Schenkungs-und Tauschurkunden vor der Jahrtausendwende befassen sich mit Gütern in Prittlbach.



Geschichte der Kirche


Konradinische Matrikel 1315
02)
Eine Kirche könnte, wie erwähnt, schon in der ersten Urkunde aus dem Beginn des 9.Jh. indirekt genannt sein. Darin wird von einem "Kleriker aus Prittlbach" berichtet. Ausdrücklich genannt ist eine Kirche in Prittlbach aber erst in der Konradinischen Matrikel von 1315. Dort wird sie als Filialkirche "Pritelbach" der Pfarrei Dachau bezeichnet. Zu dieser Pfarrei gehört sie immer noch.


Sunderndorfer'sche Matrikel 1524
02)
In der Sunderndorfer'sche Matrikel von 1524 ist das Kastuluspatronat unter der Bezeichnung "s.Castuli in Brucklpach" erstmals schriftlich erwähnt.
Die heutige Kirche wurde in gotischer Zeit (vor 1524) gebaut. Der mit Schindeln gedeckte, 30 Meter hohe Turm auf der Chornordseite erhielt seine Spitze 1695 (Benedikt Göttschl
aus Dachau und Zimmerer Kaspar Stadlberger 16) ).


Visitationsbericht von 1560

Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation, eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet.
Die Visitation wurde durch bischöfliche und durch herzogliche Bevollmächtigte durch-geführt. Grund war die durch die Reformation Luthers (1517) entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen des Bistums zur Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte. Durch die Visitation wollte der Bischof einen detaillierten Einblick in die religiöse Situation der Pfarreien gewinnen. Insbesondere sollte festgestellt werden, ob die Pfarrer und die Gläubigen noch die katholischen Lehre vertraten oder der neuen Lehre anhingen. Daneben interessierte die Prüfer die Lebensführung der Pfarrer sowie Umfang und Qualität ihrer religiösen Kenntnisse.


Auszug aus einer Karte
von Philipp Finkh -1655
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Im Bericht über die Pfarrei Dachau ist auch die Filialkirche "s.Castalus in Prüttlbach" erwähnt. Das jährliche Einkommen der Kirche (neben dem der Pfarrei) betrug 25 Gulden, von denen die Ausgaben für Kerzen (8 fl.) und drei Jahrtagsmessen [12 Schilling] bestritten wurden. Die Kirchenrechnung erstellte das Gericht zu Dachau. In Prittlbach stand kein Mesnerhaus "hat kain Mesenhauß"]; Mesner wird wohl einer der Bauern oder Gütler gewesen sein. Der wird mit den Worten "Meßner halt sich wol" gelobt. In der Kirche standen auch damals schon drei Altäre ["hat 3 altär, sein zierlich versehen"]. Daneben befand sich ein -allerdings nicht gut verschlossenes- Sakramentshaus mit einem Ewigen Licht davor. Das war ein Zeichen dafür, dass die Gemeinde katholisch geblieben war. Die Kinder wurden in der Pfarrkirche getauft ["die tauf ist bei der pfarr"]. Taufwasser wurde aber doch auch in Prittlbach aufbewahrt ["Baptismus ist in aim krueg" ]. Gottesdienste wurden an allen Feiertagen durch den Kaplan auf alte katholi-sche Weise gehalten ["dis gotshaus wirt alle feiertag durch den geselbriester von Dachaw mit singen und lesen dem allten kirchen-gebrauch nach versehen"]. Das Sonderopfer bei der Beerdigung richtete sich nach dem Vermögen des Verstorbenen["Pfarrer nimbt selgerait pro qualitate personarum"]. An liturgischen Geräten waren vorhanden: 3 silberne Kelche mit Corporale, eine Monstranz aus Messing ["ain messinge monstrantz"], 2 Messbücher, ein Liturgiebuch, ein Psalmenbuchund und sechs Messgewänder ["6 ornät"]. Der Visitator stellte nach Besichtigung der Kirche fest, sie müsse dringend renoviert werden ["Die kirch und kirchmaur dorfften pessern"]. Dennoch beendete er seinen Bericht mit den Worten "Sonst kain mangel".

1630, zwei Jahre vor dem Einmarsch der schwedischen Armee, hat man in der Kirchenrechnung eine Turmreparatur durch den einheimischen Zimmerer Jakob Strohmayr vermerkt.


Dreißigjähriger Krieg

Im 30jährigen Krieg litt auch Prittlbach schwer. Die ersten Kriegsjahre hatte die Kirche noch gut überstanden, wie wir aus dem Bericht des Dachauer Pfarrers vom 12.4.1641 an den Bischof in Freising wissen. Die Kirche sei an Gebäuden, Dachung und Altären wohl versehen heißt es. Sogar die Einnahmen waren noch vorhanden, weil die Höfe der Zehentpflichtigen entweder der Brandschatzung entkommen bzw. schon wieder aufgebaut waren ("dero Hindtersäss theils unabgebrennt verbliben, die ybrigen biß auf ainen wider aufgebauth").

1640:
Auch ohne Soldaten erlitt die Kirche während des Kriegs Schäden. Ein Sturm hatte das Dach teilweise abgedeckt und man hat lt. Kirchenrechnung "500 grosse prennte und Grien glassierte platten erkhaufft" (= 500 gebrannte und grün glasierte Dachplatten) um die Schäden zu beseitigen. Der Dachauer Maurer und Kaminkehrer Balthasar Raab 28)
hat das Kirchendach ausgebessert und mit den 500 gekauften grün glasierten Ziegeln gedeckt
1646:
Der Glasermeister Ludwig Huber aus Dachau war mit Arbeiten an den Kirchenfenstern beschäftigt 09)
. Der Lohn von 3 Gulden lässt auf kleinere Schäden schließen.
1648:
gegen Ende des Krieges wurde die Ortschaft doch noch geplündert. Zwei Drittel aller Anwesen (14 von 21) lagen am Ende des Krieges 1649 in Schutt und Asche. Auch die Kirche war in Mitleidenschaft gezogen worden. In der Kirchenrechnung von 1650 hat man die nötigsten Reparaturen aufgezählt: "Weillen die Khürchen durch die Kriegs Völkher ganz ausgebrochen worden, Also ist selbige in Altär, Stiel, Canzl, Tachung und anderm zupauen und zu reparieren vonnethen".



Renovierungen Ende 17.Jh.
1685 erstellte der Dachauer Maurermeister Benedikt Göttschl (+1713) einen Überschlag (=Kostenvoranschlag) zur Erneuerung der Mauerbank und für Decke und Stuck der Kirche. Im gleichen Jahr erstellte Zimmerer Georg Rottiel aus Prittlbach einen Überschlag (=Kostenvoranschlag) für einen neuen Kirchendachstuhl; er belief sich auf 62 Gulden.

Das Kirchendach scheint ein problematischer Teil der Kirche gewesen zu sein.
Aus dem Jahr 1695 ist eine weitere Dachreparatur mit völliger Neueindeckung überliefert.
Im gleichen Jahr sollen nach -Max Gruber- der Maurermeister Göttschl und der Zimmerer Kaspar Stadlberger aus Lampertshausen am Bau der Kirchturmspitze gearbeitet haben.
16)
14 Jahre später ist schon wieder ein Überschlag für die Turmreparatur überliefert, den der Zimmermeister Josef Falter aus Thankirchen, der 1708 in eine Zimmerei in Dachau eingeheiratet hatte, erstellt hat.


Schmidt'sche Matrikel 1738 02)

In den Jahren 1738 bis 1740 hat der Freisinger Kanonikus Schmidt alle Pfarreien der Diözese Freising besucht und in der nach ihm benannten Schmidt'schen Matrikel beschrieben. Bei der Pfarrei St.Jakob in Dachau wird auch die Filialkirche "s.Castuli martyris in Prittelbach" erwähnt. Schmidt bewertet den Kirchenbau als unter den Landkirchen üblich; d.h., die Kirche hatte weder eine besonders schöne, noch hässliche Form. Im Inneren waren drei Altäre vorhanden: Der Hochaltar war dem Patron St.Kastulus geweiht; auf ihm wurden das Allerheiligste (im Tabernakel) und die Heiligen Öle aufbewahrt. Die Seitenaltäre waren der Himmelfahrt Mariens und St.Magdalena gewidmet. Gottesdienste wurden an einzelnen Sonn- und Festtagen durch den Dachauer Cooperator (=Kaplan) gefeiert. Das Kirchweihfest fiel auf den Sonntag vor dem Fest Johannes d.Täufers (24.Juni). Im Friedhof stand ein Beinhaus. In der Sakristei wurden Messgewänder in ausreichendem Umfang aufbewahrt. Im Turm hingen zwei geweihte Glocken.


Neubau 1775
Im Jahr 1775 wurde die Kirche unter Belassung des gotischen Chors und des Turms barock umgestaltet (Einzug einer Flachdecke).
 


Beschreibung 1874 03)
Um das Jahr 1870 erstellte der Dombenefiziat Anton Mayer eine Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising und veröffentlichte sie 1874 als Buch. Über Prittlbach ist zu lesen, dass die Kirche 1775 erbaut worden sei. Sie habe keinen besonderen Baustil. Die Geräumigkeit sei nicht hinreichend für eine Hauptfiliale des Cooperators. Im Spitzturm hingen 3 Glocken, die anscheinend aus dem 15.Jh stammten, "weil sie offenbar sehr oft schon umgehängt worden. Jahrzahl und Inschrift fehlten". Im Inneren seien drei Altäre zu finden. Eine Orgel fehle. Gottesdienste fänden alle Sonn- und Feiertage durch den Cooperator statt. Stiftungen: 8 Jahrämter und 4 Jahrmessen. Bittgänge: am Mittwoch vor Christi Himmelfahrt nach Sigmertshausen, auf Ansuchen in Begleitung eines Priesters. Der Mesner sei ein Gütler. Das Vermögen betrug im Jahr 1870 rd. 4850 Gulden.



Verlängerung 1890

Im Jahr 1890 wurden die Sakristei erbaut und das schon 15 Jahre vorher als in der Geräumigkeit unzureichend bezeichnete Kirchenschiff verlängert. Der Eingang wurde in den neu angebauten Teil verlegt.



Beschreibung 1895
Die Prittlbacher Kirche ist auch im Verzeichnis der Kunstdenkmale des Königreiches Bayerns enthalten, die Gustav von Bezold und Dr.Berthold Riehl im Auftrage des kgl.Staatsministeriums des Innern, für Kirchen- und Schulangelegenheiten erstellt haben. Die damalige Beschreibung trifft auch heute noch zu. Im Bericht heißt es:
  Architektur: "Gothische Anlage aus dem 16.Jh. 1775 umgestaltet. Einschiffig, mit eingezogenem Chor. Letzterer umfasst ein Langjoch und Schluss in fünf Seiten eines Achtecks. Thurm an der Nordseite des Chores, in seinem Untergeschoss die Sakristei. Langhaus flachgedeckt. Der Chor hat ein sehr schlecht gebildetes sternförmiges Netzgewölbe mit äusserlich angehefteten Rippen. Die Vielzahl der Rippenbögen im Netzgewölbe ist nicht - wie z.B. beim Kreuzrippengewölbe- allein durch die Statik bedingt, sondern dient auch der Zierde.
Ausstattung: Das Innere sehr gering. Hübscher Thurm. Zwei Geschosse von quadratischem Grundriss, darüber zwei achteckige Achtspitzgiebel und Spitzdach. Am Chor dreieckige Stützpfeiler. Ausstattung aus dem Ende des 17.Jh."

Die letzte Renovierung wurde in der Zeit von 1976 bis 1979 durchgeführt.


Statistik

In den alten Matrikeln, Beschreibungen und Zeitungsberichten werden immer wieder Zahlen genannt, die sich auf die Bevölkerung, die Seelen (Pfarreiangehörige), Häuser, Anwesen, Gebäude oder Familien beziehen. Leider ist die Bezugsgröße dieser Zahlen sehr unterschiedlich; sie sind deshalb nicht immer vergleichbar. So beziehen sich die Werte teils auf die Ortschaft oder die Gemeinde, teils auf die Pfarrei bzw. den Filialkirchenbezirk.
1852:  Gemeinde mit 48 Familien und 229 Einwohnern

1867:  Gemeinde mit 262 Einwohnern, 67 Gebäuden
          Ortschaft mit 203 Einwohnern in 41 Geb. (dazu Goppertshofen 59/17, Walpertshofen 15/5, Würmmühle 15/4)
1874:  Filialkirche mit 173 Gläubigen
1939:  Gemeinde mit  248 Einwohnern .

 

Bittgänge
Die Prittlbacher wallfahrteten in der Zeit nach dem 30jährigen Krieg alljährlich u.a. auch nach Neufahrn und nach München zum hl.Benno, der in der Frauenkirche verehrt wurde. Das wissen wir, weil den Fahnenträgern und Sängern ein Zehrgeld in Höhe von 12 bis 30 Kreuzern gegeben und die Ausgaben in der Kirchenrechnung verbucht wurden.
  Hinweis: Die Verehrung des hl.Benno in Bayern entstand erst im 16.Jh im Zusammenhang mit der Reformation. St.Benno, der von 1066 bis 1106 in Meißen als Bischof gewirkt hatte, wurde am 16.Juni 1524 zur Ehre der Altäre gehoben. Luther verurteilte diese Heiligsprechung in seiner Schrift "Wider den neuen Abgott und alten Teufel, der zu Meißen soll erhoben werden" aufs Schärfste. Als Sachsen 1539 protestantisch wurde, hat man das Grabmal Bennos geöffnet und seine Gebeine in die Elbe geworfen. Allerdings behauptete der letzte Bischof von Meißen, der später übrigens selbst die evangelischen Konfession annahm, schon vorher die Gebeine aus dem Sarg entfernt und die Sekundärreliquien, das Messgewand, Mitra und Bischofsstab in Sicherheit gebracht zu haben. Sie wurden 1576 (wohl gegen einen ansehnlichen Betrag) zusammen mit einem Wunder-Verzeichnis dem bayerischen Herzog Albrecht V. überlassen. 1580 hat man die Gebeine in der Münchner Liebfrauenkirche beigesetzt, wo sie nun das Ziel vieler Wallfahrer aus dem bayerischen Land waren. Maßgeblich dafür waren sicher die Patronate St.Bennos für München und Altbaiern sowie seine Funktion als Wetterheiliger.



Baubeschreibung

Die Kirche liegt südwestlich des Dorfes an einem Hang. Sie wird von einem Friedhof umgeben. Es handelt sich um eine Saalkirche, deren Decke ohne tragende Zwischensäulen den gesamten Raum überwölbt.
Der einachsige Chor schließt in drei Achteckseiten. Er wird außen durch Pfeiler gestützt.
Das Kirchenschiff erstreckt sich über vier Achsen. Das Mauerwerk ist mit Entlüftungsschächten durchsetzt. 1890 wurde das Langhaus um einige Meter verlängert. Die Verlängerung ist um 42 cm auf jeder Seite breiter als der bisherige Teil.

An die Außenwand des Kirchenschiffs ist eine schöne Sonnenuhr aufgemalt.
Wenn Sie mehr über Sonnenuhren an den Kirchen im Landkreis erfahren wollen, klicken Sie hier....

Daneben hängt ein Missionskreuz aus dem 19.Jh. Der Corpus ist aus Holz geschnitzt.

Sonnenuhr
Die doppelgeschossige Sakristei ist an der Südseite angebaut. Sie wurde 1890 nach dem Entwurf des Dachauer
Maurermeisters Josef Reischl errichtet.

Turm 30 m

Der Turm besitzt in seinem unteren Teil einen quadratischen Grundriss; im oberen Teil ist er achteckig. Er schließt nach oben in acht Giebeln und in einem Spitzhelm aus Schindeln. Auf der Spitze sitzt ein goldener Knauf mit einer Wetterfahne. Der Turm ähnelt in seiner Form den Kirchtürmen in Mühldorf bei Petershausen und in Inhausen. Der Prittlbacher Turm hat -wohl schon seit Jahrhunderten- einen geringfügigen Schiefstand.

Hinter den Schallfenstern hängen vier Glocken. Die älteste wurde 1664 von Bernhard Ernst , München für Ampermoching gegossen; sie kam erst später nach Prittlbach. Der Glockenhals enthält die Umschrift "A Turca et tempestate libera nos Domine Jesu Christe MDCLXIV" (von den türkischen Feinden und von Stürmen erlöse uns Herr Jesus Christ). Damals war ganz Europa von einer Welle der Angst vor den seit 1660 wieder angreifenden Türken ergriffen.
Die jüngeren Glocken sollen im 1.Weltkrieg gerettet worden sein (in den Protokollen zur Ablieferung der Glocken ist darauf hingewiesen, dass Prittlbach seine "Glocken widerrechtlich zurückbehalten" habe).
Dennoch erzählt ein Zeitungsbericht vom 23.3.1922, dass "am vergangenen Samstag die Filialkirche Prittlbach ihre zwei neuen von der Firma Bachmeier Erding gegossene Glocken" heimgeholt habe. Jedenfalls hatte Prittlbach wohl für längere Zeit kein Geläute. Denn 1922 begrüßten die Prittlbacher die Glocken mit den Worten: "Seid herzlich willkommen, die lange fern ihr weiltet, ihr teuren Heimatglocken. Wir grüßen euch nach langem Tren-nungsschmerz mit seligem Frohlocken". Die neuen Glocken (für 50.000 Mark) waren 8 und 12 Zentner schwer und komplettierten das Geläute zum Gesamtklang mit den Tönen f, as und b. Letztendlich haben die beiden Glocken von 1922 den 2.Weltkrieg nicht überstanden. So wurden 1951 drei neue, bei Karl Czudnochowsky in Erding gegossene Glocken geweiht.

Eine Auflistung der ältesten Glocken im Landkreis finden sie hier....

1965 hat man der Eingang auf die Westseite verlegt und ein Vorhaus angebaut.

Restaurierungen
:
1685 erstellte Georg Rottiel aus Prittlbach einen Überschlag für einen neuen Kirchendachstuhl.
Die letzten Renovierungen fanden in den 80er Jahren des 20.Jh statt.

Inneneinrichtung


A
ltarraum

Der eingezogene gotische Altarraum liegt eine Stufe höher als das Kirchenschiff. Er schließt mit drei Achteckseiten und ist mit einem Kreuzrippenge-wölbe überdeckt. Die - äußerlich angehefteten- Rippen laufen in zwei Schlusssteinen zusammen.

Kreuzrippengewölbe
Die Erfindung des Kreuzrippengewölbes, das zum Kennzeichen des gotischen Kirchbaus wird, macht es möglich, die statischen Lasten zu reduzieren und so auch über verhältnismäßig dünne Wände mit größe-ren Fenstern in Verbindung mit entsprechenden Strebewerken in die Fundamente abzuleiten. Symbolisch kann das Gewölbe mit seinem Netzwerk auch die Strukturen des gewölbten Himmels abbilden.
Hinweis: Die Schlusssteine der Gewölberippen sind im Scheitelpunkt eines Bogens oder im Knotenpunkt von Rippen eingefügt. Sie verkeilen das gebogene Mauerwerk und geben dem statischen Gefüge den entscheidenden Halt. Neben seiner bautechnischen Aufgabe hat der Schlussstein auch eine religiöse Bedeutung. Denn Paulus schreibt im Epheserbrief (Eph 2,19-22) : "Ihr seid das Fundament der Apostel und Propheten. Der Schlussstein ist Jesus Christus selbst. Durch ihn wird der ganze Bau zusammengehalten und wächst zu einem heiligen Tempel im Herrn (Eph 2,20-22).



C
horaltar / Hochaltar

Der prächtige Choraltar im barocken Stil wurde Ende des 17.Jh erstellt. Zwei Wendelsäulen tragen ein verkröpftes Gesims, auf dem ein Altaraufsatz mit Volutengiebeln sitzt. Der Altar besteht aus Holz und ist braun-gold gefasst (= bemalt).


Choraltar

Die Stipes, der Altartisch, ist gemauert und ummörtelt.

Das Antependium ist mit Holz verkleidet; die Ornamente darauf sind vergoldet.

Altaraufsatz
Im Altaraufsatz ist ein Bild des Kreuz tragenden Jesus zu sehen. Es wurde um 1700 gemalt
.
Altaraufsatz-Kreuzweg
Eingerahmt wird das Bild von Volutensprenggiebeln, auf denen zwei Anbetungsengel im Stil des 17.Jh sitzen.
Mittelteil des Altars
In der prächtig umrahmten Mittelnische mit Akanthusschnitzereien sitzt eine schöne Madonna (16.Jh).
Maria ist in ein rot-blau-goldenes Gewand gekleidet, mit einem breiten Gürtel um die schmale Taille.
Auf ihrem Haupt trägt sie eine barocke Krone aus Silberblech mit farbigen Steinen, die ihr aber erst Ende des 18.Jh aufgesetzt worden ist.

Muttergottes

In der rechten Hand hält sie ein Zepter.
Das unbekleidete Jesuskind sitzt auf ihrem Schoß und hält den Reichsapfel in der Hand.
Die Figuren sind von einem Strahlenkranz umgeben. Zwei Engel schweben links und rechts.

In der Zeit seiner Entstehung war der Choraltar mit einer Abbildung des Kirchenpatrons St.Kastulus geschmückt.

Assistenzfiguren

St.Sebastian
Assistenzfiguren auf dem Hochaltar sind die Heiligen Sebastian (von Pfeilen durchbohrt, am Marterbaum) und Stephanus (im kurzärmeligen Gewand des Diakons mit Buch und drei daraufliegenden Steinen). Beide Heiligenfiguren aus der Zeit um 1700 stehen auf Konsolen unter baldachinartigen Anschwüngen und halten große versilberte Märtyrerpalmzweige in der Hand.
Der Palmzweig stellt den Sieg des Märtyrer über Welt und Fleisch dar. Er nimmt Bezug auf die Offenbarung des Johannes (Apo 7,9), in der es heißt: "Danach sah ich eine große Schar aus allen Nationen ... Sie standen in weißen Gewändern vor dem Thron und vor dem Lamm und trugen Palmzweige in den Händen".

St.Stephanus

 

 

 

Hinweis: Sebastian soll nach der Legende im 3.Jh. ein Offizier der kaiserlichen Garde gewesen sein.
Auf Befehl des Kaisers Diokletian wurde er wegen seines Glaubens mit Pfeilen durchschossen. Er erholte sich aber durch die Pflege von St.Irene, der Witwe des Märtyrers Kastulus, bekannte sich erneut zu seinem Glauben und wurde daraufhin mit Keulen erschlagen. Auf seine Anrufung hin, soll eine Pestepidemie abgewendet worden sein. Der hl.Sebastian wird deshalb  als Pestpatron und -der Pfeile wegen- als Patron der Schützenbruderschaften verehrt. Festtag: 20.Januar
St.Stephanus, Diakon und begnadeter Redner (Apo 7,2-53), war der erste Märtyrer; er wurde wegen seines Glaubens vor den Toren Jerusalems gesteinigt. Festtag: 26.Dez.
Tabernakel
Auf dem Altartisch steht der von vier kleinen Wendelsäulen gestützte Tabernakel.
Der 87 x 80 cm große Holzschrein stammt aus der 1.Hälfte des 18.Jh.

Tabernakeltüre
Die Tabernakeltüre aus Eisen ist mit Kelch und Hostie sowie drei Putten bemalt und von einem vergoldeten Rahmen mit Rosenmuster umgeben.
 
Hinweis: Tabernakel ist das lateinische Wort für Zelt. Die seit dem 12. Jh übliche Bezeichnung führt zurück zur Bundeslade der Israeliten zur Zeit Mose, die ebenfalls in einem Zelt untergebracht war. Der Tabernakel dient bereits seit frühchristlicher Zeit (unter anderem Namen) zur Aufbewahrung verwandelter Hostien für die Sterbenden. Im hohen Mittelalter wurde er auch Ort der Anbetung und Verehrung Christi in der Gestalt dieses eucharistischen Brotes. Der Ort und die Form der Aufbewahrung änderten sich im Laufe der Jahrhunderte häufig. Das Tridentinische Konzil (1545 - 63) ordnete die Aufstellung des Tabernakels auf dem Altar an. Doch diese Vorschrift wurde in Deutschland, wo man lange daran festhielt, die heiligen Hostien in Wandschränken und Sakramentshäuschen aufzubewahren, erst im 18. Jahrhundert umgesetzt. Das 2. Vatikanische Konzil (1962 - 65) lässt dies wieder zu. Deshalb werden in modernen oder modernisierten Kirchen Tabernakel häufig in die Wand eingelassen oder stehen frei auf einer Säule.



Evangelistenbilder

    
Evangelistenbilder im Altarraum
An der linken Chorwand hängen Bilder der vier Evangelisten mit ihren Attributen:
— Matthäus
mit einem Menschen oder Engel,
— Markus
mit dem Löwen,
Lukas mit dem Stier und
Johannes
mit dem Adler.
Die Bilder sind 31 x 27 cm groß und wurden um 1778 mit Ölfarbe auf Leinwanduntergrund gemalt. Sie könnten von der ehemaligen Kanzel stammen.
  Hinweis: Die vier Symbole geflügelter Mensch, geflügelter Löwe, geflügelter Stier und Adler reichen zurück bis in den babylonischen Mythos. Dort stellten sie die vier Astralgötter Nergal (Flügellöwe), Marduk (Flügelstier), Nabu (Mensch) und Mimurta (Adler) dar, die vor den Heiligtümern Wache hielten. Im Alten Testament werden sie in den Gottesvisionen Ezechiels (Ez 1,1-14), im Neuen Testament in der Offenbarung des Johannes (Kap.4 Vers 7) als die vier Lebewesen, die rings um Gottes Thron stehen, erwähnt. Zuerst hat man sie nur im Zusammenhang mit dem thronenden Christus abgebildet. Als Evangelistensymbole dienen sie erst seit dem frühen Mittelalter (durch die Kirchenväter Irenäus und Hippolyt um das Jahr 200).
Seit Hieronymus (347-420) werden sie wie folgt gedeutet: 
Der geflügelte Mensch (nicht Engel !) bei Matthäus weist auf den Stammbaum Jesu und auf dessen Geburt
   (mit deren Bericht das Matthäusevangelium beginnt) hin. 
Der geflügelte Löwe ist Sinnbild für Markus, weil das Markusevangeliums mit der Predigt des Johannes in
   Wüste, dem Lebensraum des Löwen, beginnt und weil sein Evangelium die Kraft der Auferstehung und
   der Todesüberwindung betont.
Der geflügelte Stier (als Opfertier) des Lukas galt als Zeichen für den Beginn des Lukas-Evangeliums, das
   mit dem Opfer des Zacharias einsetzt und das am innigsten auf den Opfertod Christi hindeutet.
Den Adler des Johannes versteht man als Symbol für den spirituellen Höhenflug des Johannes-Evangeliums,
   das mit den Worten beginnt "Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort".


Noch aus der gotischen Zeit ist auch das spitzbogige Portal für die Türe zum Turm. Die Türe stammt mitsamt Beschlägen und Schloss noch aus dem 18.Jh.


Ewig-Licht-Ampel

Die Ewig-Licht-Ampel im neuromanischen Stil hängt an der Südseite des Altarraums. Sie besteht aus Messing und ist versilbert. Die Ampel wurde in der 2.Hälfte des 19.Jh erstellt.
Auf den Corpus sind Silberapplikationen mit Engelsköpfchen aufgebracht. Die Kettenhalterungen sind besonders aufwändig mit Akanthusmotiven gestaltet.


Ewig-Licht-Ampel




F
iguren am
Chorbogen

An der Chorbogenlaibung sind Skulpturen aus dem 17. Jh. (andere Quelle: 18.Jh) angebracht:
Links der selige Wilhelm (1030-1091) im mittelalterlichen Mönchsgewand mit der Bibel in der Hand und
rechts der Patron der Kirche, St. Kastulus, in Ritterrüstung mit Märtyrerpalmzweig.
   
St.Wilhelm   und   St.Kastulus

Max Gruber meint, die Figur könnte von Adam Luidl ( um 1656 bis 1700 ) ausgebessert worden sein.
Beide Figuren waren bei der Renovierung 1976/79 gestohlen worden, "sind aber nach ein paar Tagen durch glückliche Fügung wieder zurückgekehrt", wie Weihbischof Haßlberger, der damals Kaplan in der Pfarrei war, erklärte.

 


Hinweise: Wilhelm wurde um 1030 in Regensburg geboren. Schon als Kind kam er als "puer oblatus" in das Benediktiner-Kloster St.Emeram. 1069 wurde er Abt im Kloster Hirsau und leitete dort die große (Hirsauer) Klosterreform ein: Disziplin und Gehorsam, harte Strafen bei Übertretungen der Vorschriften und dauernde Kontrolle der Mönche. Neben seinem Amt als Abt verfasste er gelehrte Schriften über Musik und Astronomie. Er gilt als mittelalterliches Universalgenie. Wilhelm wird als "Seliger" bezeichnet. Eine Seligsprechung ist nicht datierbar. Den Überlieferungen zufolge soll er ein heiligmäßiges Leben geführt und auch Wunder gewirkt haben.
Wilhelm starb am 5.Juli 1091; deshalb ist sein Festtag der 5.Juli.
Der hl. Kastulus versteckte während der römischen Christenverfolgung im 3.Jh Glaubensgenossen. Dafür wurde er kopfunter an einen Galgen gehängt, mit Ruten geschlagen und schließlich lebend in einer Grube begraben. Seine Witwe rettete übrigens dem hl.Sebastian vorrübergehend das Leben, als sie den nach den Pfeilschüssen schwer verwundeten Heiligen gesund pflegt. Festtag: 26. März

 

Zelebrationsaltar

Unter dem Chorbogen steht der Zelebrationsaltar. (auch als Volksaltar bezeichnet). Er wurde im Zuge der Liturgiereform des 2.Vatikanische Konzils zunächst als einfacher, dunkler Holztisch mit zwei geschlossenen Seitenwänden aufgestellt. Diese Form ermöglichte den Durchblick auf das Antependium des alten Choraltars.

alter Volksaltar
Am Kirchweihsonntag des Jahres 2014 wurde von Weihbischof Dr.Haßlberger ein neuer Volksaltar aus hellem Untersberger Kalkstein eingeweiht. Er wurde vom Steinmetz Claus Rehm aus München geschaffen.
Am Altar wurden im Verlauf der Weihezeremonie Reliquien des hl.Otto v.Freising und des sel. Kaspar Stangassinger beigesetzt.
Der Altar kostete 46.000 Euro; 12.000 Euro davon haben die Prittlbacher Gläubigen gespendet.
  Neu beschafft wurden auch der Ambo, der Leuchter für die Osterkerze (Kunstschmied Josef Scheidhammer) und die Sitze für Priester und Ministranten, die der Einrichtung im Altarraum ein harmonisches künstlerisches Gesicht geben sollen. Die Gesamtgestaltung des neuen Altarraums oblag Architekt Franz Steinberger.
Mehr über die Altarweihe 2014 in Prittlbach erfahren Sie hier...

Hinweis: Der Altar war das Symbol des heidnischen Gottesdienstes. Das lateinische Wort adolere = verbrennen bezeichnet die ursprüngliche Bedeutung als Stätte zur Verbrennung der Opfer. Die ersten Christen hatten keinen Altar. Jesus versammelte die Seinen um den Tisch, und das hielten auch die Christen während der ersten Jahr-hunderte so; zur Eucharistiefeier konnte jeder beliebige Tisch dienen. Im 4.Jh wurde das Opfer Jesu in das Tischgeschehen hineingenommen und der Altar eingeführt. Er war meist aus Stein, frei aufgestellt und von allen Seiten zugänglich.Ab dem 8. Jahrhundert weicht die Tischform immer mehr der Blockform. Dies kommt der Entwicklung entgegen, im Altar Reliquien von Märtyrern und Heiligen beizusetzen. Der zelebrierende Priester stand hinter dem Altar, sodass seine Handlungen während der Messfeier für die ganze Gemeinde sichtbar waren. Als der Altar dann im 11.Jh eine Rückwand mit hohen Altaraufbauten (Retabel) erhielt und weiter an die Ostwand rückte, wandte der Priester der Gemeinde den Rücken zu. Dies ist inder katholischen Kirche durch eine Liturgiereform erst vor 55 Jahren wieder rückgängig gemacht worden. In der Konstitution des II.Vaticanischen Konzils "Sacrosanctum concilium" (SC 124) heißt es: "Die Eucharistie kann gemäß einem Desiderat der Liturgischen Bewegung wiederum versus populum gefeiert werden. Dafür ist ein freistehender, umschreitbarer Altar notwendig". Der Zelebrationsalter ersetzt nun liturgisch voll den Hochaltar. 30)



Langhaus / Kirchenschiff


Das Langhaus besitzt eine Flachdecke mit umlaufenden Gesims über einer Hohlkehle. Sie ist nicht bemalt.
Gut zu sehen ist der um 1870 verlängerte Teil des Langhauses, denn die Verlängerung ist um 42 cm auf jeder Seite breiter als der bisherige Teil.


S
eitenaltäre


Magdalenenaltar

Die hochbarocken Seitenaltäre mit ihren blau-weiß marmorierten, glatten Säulen wurden 1673 vom Dachauer Kistler Franz
Prugger (1638-1736), einem Onkel von Nikolaus Prugger, gefertigt und vom Kunstschreiner (und Maler) Johann Hörmann (1651-1699) gefasst.

Die seitlichen Engel beiderseits der Altaraufsätze (Dachungsengel) stammen vom Bildhauer Adam
Luidl (1656-ca. 1700) aus Mering (ebenfalls 1673). Figuren der Schnitzerfamilie Luidl aus Landsberg u. Mering stehen auch in den Kirchen von Dachau/St.Jakob, Sittenbach, Egenburg, Feldgeding, Bergkirchen, Lauterbach und Sittenbach. Sie zeigen noch ihre ursprünglichen Patrone.


Altar Maria Himmelfahrt
Hinweis: Engel (von griechisch angelos=Bote) waren in der Kunst des Frühchristentums immer Männer ohne Flügel. Sie sollten sich von den antiken Göttern wie Nike oder Hermes unterscheiden, die Flügel trugen.

Dachungsengel
Erst als das Christentum im 4.Jh Staatsreligion wurde, bekamen die Engel Flügel; dazu einen Heiligenschein und sogar Hoftracht. Bis zu den ersten weiblichen Engeln dauerte es aber noch 800 Jahre. Erst Giotto malte Engel mit weiblichen Zügen. Wahrscheinlich hat der damals beginnende Marienkult die Verweiblichung verstärkt. In der Renaissance und vor allem im Barock
setzten sich die Putten (geflügelte Knaben, die auf heidnische Eroten = Liebesgötter zurückgehen) und die geflügelten Engels-köpfchen durch, die in kaum einer der Barockkirchen unseres Landkreises fehlen. Erst in der Romantik wurden die Engel wieder erwachsener. Die Malerschule der Nazarener prägte die Engel mit großen Flügeln, Anmut und Hoheit, die uns als Schutzengel von den Bildern im Schlafzimmer oder den Heiligenbildchen des 20.Jh bekannt sind.


Linker Seitenaltar

Altaraufsatz
Im Altarauszug des linken Seitenaltars ist ein ovales Gemälde der hl.Barbara mit Schwert, Märtyrer-palme, Hostie und Turm zu sehen.
Dieses Bild soll schon 1672 von Adam Bendl aus Mering gemalt worden sein.


St.Barbara

Hinweis: Barbara ist eine legendäre Person. Das bildschöne Mädchen soll von ihrem heidnischen Vater, dem reichen Dioskuros von Nikomedia, währen d einer längeren Geschäftsreise in einen Turm geschlossen worden sein, um sie am Heiraten zu hindern. Barbara ließ im Turm ein Bad bauen, aber nicht wie vom Vater angeordnet mit zwei, sondern mit drei Fenstern, als Zeichen der Verehrung der Dreieinigkeit. Als der Vater zurückkam und merkte,
  dass sie Christin geworden war, ließ er sie geißeln, mit Keulen schlagen, die Brüste abschneiden und mit Fackeln brennen. Schließlich enthauptete der Vater die Tochter selbst, worauf er von Blitz getroffen wurde. Die Hostie in ihrer Hand versinnbildlicht die einem Sterbenden gereichte letzte Kommunion (Viatikum) und verweist auf ihre Funktion als Sterbepatronin. Vor dem Tod hatte Barbara nämlich Gott öffentlich gebeten, dass alle, die der Passion Christi gedenken, vom Gericht Gottes verschont werden mögen. Barbara gehört zu den 14 Nothelfern. Sie ist Patronin der Bergleute und -wegen des präzisen Blitzschlags- der Artilleristen.
Altarblatt
Im leider sehr nachgedunkelten Altarblatt des linken Seitenaltars (Ölgemälde auf Leinwanduntergrund) ist die hl. Magdalena dargestellt. 
Sie sitzt auf einer steinernen Bank, hat ein Buch, die Bibel, aufgeschlagen und betrachtet zärtlich ein Kruzifix, das sie in der Hand hält.

Maria Magdalena
Zu ihren Füßen ist ein Totenschädel zu sehen. Er erinnert an die Buße, die die reuige Sünderin Maria Magdalena nach dem Lukasevangelium (Luk 7, 37 - 38) tat.

Das Bild wurde um 1800 gemalt.
 
Hinweis: Maria Magdalena ist aus der Bibel als Maria aus dem Ort Magdala am See Genezareth bekannt. Sie wurde Jüngerin Jesu, nachdem der sie von Besessenheit befreit hatte (Luk. 8, 2). Magdalena sorgte für Jesu Lebensunterhalt (Luk.8,3). Sie war auch bei der Kreuzigung Jesu dabei; ihr erschien Jesus nach seiner Auferstehung (Joh 20,15-17). Ob es sich bei Magdalena auch um die namenlose Sünderin handelt, die Buße tat und Jesus die Füße salbte, ist geschichtlich ungewiss. In der Frühzeit des Christentums wurden unter den in der Bibel genannten Magdalenas verschiedene Frauen verstanden; Papst Gregor d. Große (um das Jahr 600) hat aber in seinen Auslegungen erklärt, es handle sich um eine Person. Seither wird dies allgemein anerkannt und in der Kunst durch die Attribute Kreuz und Totenschädel, den typischen Zeichen für Buße und Reue, mit ihr verbunden.


Rechter Seitenaltar

Altaraufsatz

Im Aufsatz des rechten Seitenaltars ist St.Leonhard als Mönch mit dem Abtsstab und Ketten in den Händen dargestellt.

Hinweis: Leonhard (in Bayern einer der 14 Nothelfer) lebte um das Jahr 500 als Einsiedler und später als Abt in Frankreich.

St.Leonhard
Regelmäßig besuchte er die Gefangenen und erreichte beim König Clodwig I., dass viele von ihnen freigelassen wurden. Deshalb galt er ursprünglich als Schutzpatron derer, "die in Ketten liegen", also der Gefangenen. Als die Leonhardsverehrung nach Deutschland kam, hat man ihn wegen der Ketten, mit denen er in Frankreich abgebildet war, als Patron der Haustiere verehrt, weil man diese Ketten als Viehketten missdeutete.

Altarblatt
Der rechte Seitenaltar enthält ein Altarblatt (Öl auf Leinwand) mit der Darstellung der Aufnahme Mariens in den Himmel, gemalt von Anton Huber, Dachau (16. Juli 1848).
Arbeiten von Anton Huber  sind in vielen Kirchen des Landkreises zu finden. Auf dem Bild stehen die zwölf Apostel vor dem Hintergrund einer bergigen Landschaft ratlos, ungläubig und überrascht um den geöffneten Steinsarkophag Mariens. Aus ihm hängt das geöffnete Leichentuch.


Aufnahme Mariens
in den Himmel

Die Apostel sind nicht im Einzelnen zu unterschei-den; lediglich Johannes, der Lieblingsjünger Jesu, der mit Maria unter dem Kreuz stand, wird -wie immer in der christlichen Kunst- ohne Bart dargestellt. Maria wird im oberen Bildteil über den Wolken von Engeln in den Himmel getragen. Ein Engel hält den Sieges-kranz bereit, der Maria im Himmel als Zeichen des Sieges über die Sünde aufgesetzt werden wird. Rechts streut ein kleiner Engel Rosenblüten auf die Erde. Die Rose, als Königin der Blumen, ist Sinnbild für die Himmelskönigin Maria.


K
irchenfenster

Die bemalten Kirchenfenster im barocken Rundbogenstil stammen von Joseph Peter Bockhorni, München 1892. Die gestifteten Glasfenster stellen folgende Heilige dar:


St.Ulrich

St.Aloisius

- St.Ulrich    als Bischof mit Buch und Fisch (gestiftet von Anna Wittmann),
- St.Aloisius
mit Kruzifix (gestiftet von den Cooperatoren J.G.Winhart,  P.Grassl u.
                   M.Fürstberger),
- St.Elisabeth von Thüringen mit Rosen in ihrer Schürze (gestiftet von Benno Westermeier)
                   und
- St.Theresia
von Avila mit Buch und Feder (gest. v. Theresia Westermeier).

Joseph Peter Bockhorni (1832-1905), Sohn eines Münchner Glasermeisters, hatte 1864 die "Münchner Kunstanstalt Josef Bockhorni" gegründet. Er war Mitglied des Vereins für christliche Kunst in München. Bockhorni arbeitete oft mit dem bekannten Münchner Architekten Johann Marggraff (1830-1917) zusammen. Zahlreiche Aufträge erhielt er auch aus Frankreich, Rumänien, Österreich und dem Elsass. Im Dachauer Land hat er auch die Fenster der Kirche in Rettenbach, Viehbach und Kammerberg gestaltet.

'
St.Elisabeth

St.Theresia
 

Hinweise: Ulrich (890-973) war Bischof von Augsburg. Berühmt wurde er als Sieger über die räuberischen Ungarn auf dem Lechfeld bei Augsburg im Jahr 955. Die Fischlegende berichtet: Als er an einem Donnerstagabend mit dem Bischof Konrad von Konstanz zu Tisch saß, vertieften sich beide die Nacht über ins Gespräch, bis am Morgen des Freitag ein Bote des Herzogs, dem Ulrich Unrecht vorgehalten hatte, einen Brief brachte. Ulrich reichte als Botenlohn den beim Nachtessen nicht verzehrten Rest des Bratens, ein Gänsebein. Der Bote brachte dies dem Herzog, um den Bischof nun seinerseits des Unrechts überführen zu können, dass er am Freitag Fleisch esse; als der Herzog das Gänsebein aus der Umhüllung nahm, hatte es sich in einen Fisch verwandelt. Festtag: 4.Juli
Aloisius, Erbprinz derer von Gonzaga, gelobte schon im Alter von zwölf Jahren ewige Keuschheit, trat 1585 gegen den Willen des Vaters in den Jesuitenorden ein. Dort widmete er sich theologischen Studien und der Krankenpflege. In zahlreichen Briefen betrieb er auch Seelsorge an Jugendlichen. Luigi starb während einer Pestepidemie, nachdem er sich bei der Pflege von Kranken die tödliche Ansteckung holte. Die Volksfrömmigkeit verzeichnete das Bild dieses Heiligen zu einem keuschen Unschuldsengel, der sich nicht einmal getraut habe, seine Mutter anzuschauen und Frauen nur mit niedergeschlagenen Augen begegnet sei. Festtag: 21.Juni
Die hl. Elisabeth (1207-1231) ist eine historische Person. Sie stammte aus Ungarn und war Ehefrau des Landgrafen Ludwig IV. von Thüringen. Im Hungerjahr 1226 speiste sie die Armen vor den Toren der Wartburg. Als Ludwig, von seiner Umgebung gegen Elisabeths angebliche Verschwendung aufgehetzt, sie zur Rede stellte, verwandelten sich die Brote in ihrer Schürze zu Rosen. Dass in der Schürze ausgerechnet Rosen lagen, geht darauf zurück, dass im Mittelalter -schon lange vor Elisabeth- die Armenspeisen Rosen genannt wurden.
Festtag: 17.November
Theresia (1515-1582) war Klosterfrau bei den Karmelitinnen und erlebte eine Reihe von Visionen. Sie setzte als Äbtissin gegen viele Anfeindungen eine Reformation des Ordens durch und gründete die "unbeschuhten Karmelitinnen" mit strenger Klosterzucht. Ihre Schriften bezeugen Teresa als Mystikerin von einer nie zuvor oder danach erreichten Tiefe des Erlebens. "Das große Buch von der Erbarmungen Gottes", "Der Weg zur Vollkommenheit", "Die Seelenburg", ihre Autobiografie und mehr als 400 erhaltene Briefe begründen das ihr zugemessene Prädikat der Kirchenlehrerin. Festtag: 15.Oktober


KreuzwegKreuzweg Orgel von 1891
per Mouseklick zu den Beschreibungen

Kanzelkreuz

An der Südwand ein Kruzifix mit einem ausgemergelten Korpus, bei dem sich die Rippen abzeichnen. Das Haupt Jesu ist von einem dreistrahligen Heiligenschein umgeben.

Unter dem Kreuz steht die Figur einer Mater dolorosa mit einer barocken Krone auf dem Haupt.
Das Schwert in Marias Brust erinnert an das Simeonwort im Lukasevangelium (Kap 2,Vers 35) bei der Darstellung im Tempel: " Dir selbst wird ein Schwert durch die Seele dringen".
Beide Figuren stammen aus der Zeit um 1700.


Kanzelkreuz



Mater dolorosa

 


Die Kirchenstühle (11 Reihen beiderseits ) stammen aus dem Jahr 1965. Älter sind die Bänke auf der Empore; sie wurden um 1891 erstellt.
  Hinweis: Schon vom Frühchristentum an bis in die neueste Zeit hinein knieten und saßen die Kirchenbesucher in den Kirchenbänken nach Geschlechtern getrennt. Damit sollte im Gotteshaus eine zu große "sündige" körperliche Nähe zwischen Männern und Frauen verhindert werden. Dies war in allen drei Hauptkonfessionen (Kath., Evang., Orthodox) so. In katholischen Kirchen sitzen gewöhnlich die Männer rechts und die Frauen links. Einen eindeutigen Grund für diese "Seitenwahl" gibt es nicht. Jedenfalls gilt im traditionellen Raumprogramm der Sakralarchitektur die Epistelseite als Männerseite und die Evangelienseite als Frauenseite. Seit dem letzten Konzil gibt es diese Trennung nicht mehr. Viele Pfarrer propagieren sogar das Gegenteil und bitten Familien, zusammenzubleiben. Dennoch sind auf der Frauenseite nur selten Männer zu finden. Weibliche Kirchenbesucher sind insoweit flexibler.

 

Kreuzwegbilder

Die Kreuzwegbilder stammen aus dem 19.Jh. und sind im damals beliebten Nazarenerstil gemalt. Sie sind 66 x 46 cm groß und sind mit Ölfarbe auf Leinwand-untergrund gemalt.

Die Prittlbacher Kreuzwegbilder gehören zu den Bildern, für die der bekannte Nazarener-Maler Joseph von Führich aus Wien (1800-1876) die Vorlage geschaffen hat.

Joseph von Führich (auch "Theologe mit dem Stifte" genannt) war durch seine Kreuzwegbilder (1844/46) international bekannt geworden. Als Kupferstiche verbreiteten sie sich über ganz Europa und unzählige Maler (darunter auch Anton Huber für Petershausen, Franz Mayr für Kreuzholzhausen und Anton Rick für Röhrmoos) benutzten sie als Vorlage für ihre Kreuzwegtafeln. Aus diesem Grund gleichen sich die Kreuzwegbilder in mind. 22 Kirchen des Dachauer Landes in hohem Maße.

Als Kreuzweg werden die aufeinanderfolgenden bildlichen oder plastischen Darstellungen bezeichnet, die meist aus vierzehn Stationen der Leidensgeschichte Jesu, angefangen von der Verurteilung durch Pilatus bis hin zur Grablegung, bestehen. Seinen Ursprung hat der Kreuzweg im Brauch der Pilger, bei Wallfahrten nach Jerusalem den Leidensweg Jesu auf der "Via Dolorosa" nachzugehen. Im späten Mittelalter wurde die Kreuzverehrung insbesondere durch den hl.Franziskus von Assisi gefördert, der durch die Stimme des Gekreuzigten vom Kreuz in St.Damiano zu einem christlichen Leben bekehrt wurde. Seit dieser Zeit wurden Kreuzwegandachten als Ersatz für die Pilgerfahrt ins Heilige Land abgehalten. Die Stationen bildeten dafür die Leidensstätten Jesu nach. Auf diese Weise konnte der letzte Weg Jesu vor Ort nachgegangen und sein Leiden anschaulicher betrachtet werden. Kreuzwegdarstellungen in Deutschland entstanden erstmals in und bei Klosterkirchen, auf Anhöhen und bei Wallfahrtsorten, insbesondere in der Nähe von Franziskanerklöstern. Mit der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert hielten sie als Kreuzwegbilder Einzug in die Innenräume der Pfarrkirchen und verbreiteten sich zunehmend. Papst Clemens XII. erkannte im Jahr 1731 mit seinem Breve Unterweisungen über die Art, wie man den Kreuzweg abhalten soll diese Form des Kreuzwegs als kanonisch an und bedachte ihn mit großzügigen Ablässen.

1. Station
Jesus wird von Pilatus zum
Tode verurteilt
2. Station
Jesus nimmt
das Kreuz
auf seine Schultern
3. Station
Jesus fällt
zum ersten Mal
unter dem Kreuze
4. Station
Jesus begegnet
seiner
Mutter Maria
5. Station
Simon v.Cyrene
hilft Jesus
d. Kreuz tragen
6. Station
Veronika reicht
Jesus das
Schweißtuch dar
7. Station
Jesus fällt
zum zweiten Mal
unter dem Kreuze
8. Station
Jesus tröstet
die weinenden
Frauen
9. Station
Jesus fällt
zum dritten Mal
unter dem Kreuze
10. Station
Jesus wird seiner
Kleider beraubt
11. Station
Jesus wird ans
Kreuz geschlagen
12. Station
Jesus
stirbt am Kreuz
13. Station
Jesus wird
vom Kreuz
abgenommen
14. Station
Jesus wird
ins Grab gelegt

Wenn Sie sich eine Zusammenstellung von Kreuzwegbildern aus den Kirchen des Dachauer Landes ansehen und mehr über die Geschichte des Kreuzwegs erfahren möchten, klicken Sie hier...



Figuren im Kirchenschiff


Hl.Konrad
In seitlichen Nischen stehen Figuren des
— hl. Josef
mit dem Jesuskind auf dem Arm (das in der Hand die dem hl.Josef zuzuordnende Lilie
   der Keuschheit hält) und des
hl. Konrad
im Franziskanerkutte, in der Hand ein Kruzifix, zu dem er betet. Die Figur wurde
   von Fr. Weiser, München 1937 geschnitzt.  St.Josef wird nicht, wie früher üblich, als Greis,
   sondern als junger Mann dargestellt.

 
St.Josef

  Hinweis: Konrad von Parzham (1818-1894) wirkte 41 Jahre lang im Kloster Altötting als Pförtner, wo er mit Tausenden von Wallfahrern zu tun hatte, die mit vielerlei Anliegen und Bitten zu ihm kamen. Aber auch Kinder aus vielen armen Altöttinger Familien kamen bettelnd an die Pforte; keines von ihnen ging leer aus. 1934 wurde Konrad von Papst Pius XI. heiliggesprochen. Damals wurden in unseren Kirchen viele Figuren dieses Volksheiligen aufgestellt. Festtag: 21.April



E
mpore

An der Emporenbrüstung sind in Bildern (Öl auf Holz) die zwölf Apostel mit Jesus in der Mitte dargestellt (19.Jh.; andere Quelle: um 1778)


Jakobus d.J.

Matthias

Barholomäus.

Andreas

Jakobus d.Ä

Johannes

Christus

Petrus

Philippus

Simon

Matthäus

Thaddäus

Paulus
  Hinweis: Die Evangelien (z.B. Matt.10,2) nennen die Namen der Zwölf Apostel zu Lebzeiten Jesu: Petrus, Andreas, Jakobus d.Ä, Johannes, Jakobus d.J, Philippus, Bartholomäus, Matthäus, Thomas, Thaddäus, Simon und Judas Ischarioth. Matthias wurde nach dem Tod von Judas ausgelost (Ap1,15). Dem Paulus wurde durch die Urkirche im Jahr 258 die Apostelwürde verliehen.



Orgel
Die heute noch erhaltene Orgel im neuromanischen Stil wurde 1892/93 von Franz Borgias März in die Kirche eingebaut. Entstanden ist sie jedoch viel früher, denn bei der letzten Renovierung 2006 hat man einen Reparaturvermerk von 1864 gefunden. 22) Vermutlich war das Werk als Brüstungspositiv für eine andere Kirche gebaut und von Maerz nach Prittlbach versetzt worden.
mehr über den Orgelbauer Franz Borgias Maerz...



Die jüngste Restauration des Instruments wurde von der Fa. Linder aus Nussdorf im Jahr 2006 durchgeführt. Dabei wurden die 1917 eingesetzten Prospektpfeifen aus Zink durch hochwertige Zinnpfeifen in ursprünglicher Bauweise ersetzt.
Die Orgel besitzt jetzt 7 Register mit einem Manual sowie mechanische Kegelladen.
Die Segnung der renovierten Orgel fand im Nov.2006 statt. Orgelsachverständiger war DDr.Michael Hartmann.  29)

 

Disposition der Orgel vor der Renovierung von 2006 (nach Brenninger - Stand 1975-):
Manual (C-f''''): Gamba 8', Dolce 8', Gedeckt 8', Principal 4', Flöte 4', Octav 2'
Pedal: (C-f):    Subbaß 16'


In der Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising von Anton Mayer ist ein Hinweis auf ein Ziborium enthalten, das der Mitstifter des Metzger'schen Benefiziums, der Dr. Ferdinand Zeller, wirklicher geistlicher Rath und Dekan des Collegiatsstifts von St.Andrä in Freising, der Kirche zu Prittlbach gestiftet hat. Auf dem Kelch ist die Inschrift "Ferdinand Zeller, ex plebe hujus loci 1696" (aus dem einfachen Volk dieses Dorfes stammend) eingraviert.


Beichtstuhl

Hinter dem Choraltar ist ein Beichtstuhl aufgestellt. Er dürfte dem Augenschein entsprechend aus dem Ende des 19.Jh. (um 1900) stammen. Es handelt sich um einen zweiteiligen Beichtstuhl, d.h. neben dem Priester hat nur ein Beichender Platz. Möglicherweise war der Beichtstuhl früher dreiteilig, weil das zweite, inzwischen verschlossene Sprechgitter noch zu erkennen ist.
Derzeit wird der Beichtstuhl wohl nicht mehr benutzt.

 

Hinweis: Über Jahrhunderte hinweg wurde das Bekenntnis der Sünden offen im Kirchenraum beim Sitz (Kathedra) des Bischofs, später bei dem des Priesters im Altarraum abgelegt. Dieser besonders hervorgehobene Sitz des Beichtvaters war die Ausgangsform des Beichtstuhls. Durch die irisch-schottischen Mönche wurde die Beichte im 10.Jh individualisiert, d.h., nicht mehr öffentlich abgelegt. Dazu bedurfte es nicht nur einer größeren Zahl von Priestern, sondern auch neuer Einrichtungsgegen-stände.

Der heutige Beichtstuhl entwickelte sich allerdings erst ab dem 16.Jh. zu einem feststehenden, meist dreiteiligen, mehr oder weniger geschlossenen Beichtgehäuse mit dem Mittelteil für den Priester (in dem der Priester sitzt - deshalb Beichtstuhl) und mit der Trennung von Priester und Beichtenden durch eine Zwischenwand mit Sprechgitter.Die Beichtenden knien abwechselnd in den Seitenteilen. Damit wurden bessere Bedingungen für einen anonymen Vollzug der Beichte geschaffen. In neuerer Zeit bieten sogenannte Beichtzimmer mit ihrer persönlichen Atmosphäre eine räumliche Alternative für Beicht- und Glaubensgespräche. Die Beichte geht auf das Bibelwort "Er hauchte sie an und sprach zu ihnen: Wem Ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem Ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert" (Joh 20,22) zurück.


Die Kirche ist im Sommer jeden Samstag zwischen 14.00 und 15.00 Uhr geöffnet.
Gottesdienstzeiten erfahren Sie hier...

Hans Schertl

Quellen :
01)
Bericht des Pfarrers von Dachau über Kriegsschäden an den Gotteshäusern vom 12.4. 1641
02) Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
03)
Stumpf,Pleikard, Geographisch-statistisch-historisches Handbuch des Königreiches Bayern, 1852
04) 
Arthur v.Ramberg,Joseph Heyberger, Topograph.-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern, Band 5, 1867 (Statistik)
05) Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874
06) Bezold/Riel, Kunstdenkmale des Königreichs Bayern, 1895
07) Theodor Bitterauf, Die Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (Nr. Nr. 209, 390, 650, 710, 849, 1019, 1067, 1069,
               und Nrn. 1074, 1120, 1164)
08) Amperbote vom 23.3.1922, 01.09.1931
09) Max Gruber, Im Amperland tätige Glaser, Amperland 1984 (Huber)
       Der Glasermeister Ludwig Huber aus Dachau war Abkömmling der Glaserdynastie Huber in Dachau. Begründer
war
    
   Großvater Georg Huber, der vor 1626 Bürgeraufnahme in Dachau fand und in der Wieningerstrße 3 seine Werkstatt und
    
  Wohnung hatte. Er starb 1637. Ihm folgte sein Sohn Hans, dem das daneben liegende Haus Wieningerstr.1 (mit einem
    
   "vom Markt verlassenen Turm") gehörte. 1636 erbte es dessen Sohn Ludwig (1615-1692), der hier in Prittlbach 1646
    
   Arbeiten durchführte. Ludwig hatte 1635 das Dachauer Bürgerrecht erworben. Er erbte die beiden Häuser Wieningerstr.1
    
   (vom Vater) und Nr. 3 (vom Großvater). Ludwig war in erster Ehe mit einer Anna, in zweiter Ehe mit Catharina Huber
    
   (seit 21.10.1680) verheiratet. Er war nicht nur in Prittlbach (1646), sondern auch in Etzenhausen (1646), Straßbach (1653),
       Rothschwaige (1653), Indersdorf (1655) und Dachau/St.Jakob (1658-1690) tätig. Ludwig
starb am 6.6.1692.
       
Übrigens: auch sein Sohn Johann (1640-1692) aus erster Ehe wurde in vierter Generation wieder ein Glasermeister.
10) "Kleine Kunstführer" durch Kirchen, Schlösser und Sammlungen im mitteleuropäischen Kulturraum:
11) Die Geschichte der Kirche von Prittlbach -St. Kastulus
12) Georg Brenninger, Orgeln und Orgelbauer im Landkreis Dachau, Amperland 1975/3
13) Max Gruber, Für Dachau tätige Architekten und Maurermeister, Amperland 1982/3 (Göttschl,Raab)
14) Max Gruber, Baugeschichte der Kirchen im Bereich der Gemeinde Hebertshausen, Amperland 1985
15) Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres 1560, 1986
16) Max Gruber, Im Amperland bis 1800 tätige Zimmermeister, Amperland 1986/4 (Falter, Rottiel, Stadlberger, Strohmayr )
       Der Zimmerer Kaspar Stadlberger, Sohn des Zimmermeisters Georg Stadlberger in Lampertshausen, stammte aus der
       Ortschaft Holz bei Schliersee. Er erwarb 1676 als Zimmerknecht das Bürgerrecht in Dachau. Am 9.11.1676 heiratete er
       in erster Ehe die Dachauer Nachtwächterstochter Catharina Winklmayr, am 4.10.1692 in zweiter Ehe Maria Holzbankl aus
       Günzelhofen. Ab 1683 wurde er als Zimmermeister erwähnt. 1689 stand er im kurfürstlichen Dienst. Schon 1680 hatte er
       ein Haus gekauft, eine Brandstatt (abgebranntes Gebäude) in der Wieningerstraße 16. Nach dem Wiederaufbau verkaufte
       
er das Gebäude aber und erwarb dafür das Nachbarhaus Wieningerstr. 18 von Kunstschreiner Franz Prugger (1638-1736).
       Stadlberger starb am 20.3.1704.
17)  Dr.Peter Dorner, Der Abtransport der Dachauer Glocken 1917, Amperland 1994/2
18)  Robert Böck, Kirchenrechnungen Landgericht Dachau, 1996 (Sturmschaden)
19)  Unser Dachauer Land, Heimatbeilage der Dachauer Nachrichten vom 27.2.1999
20)  Georg Brenninger, Die Glocken der Kirchen im Dekanat Dachau, Amperland 2005/1
21)  Siedlungsgeschichte der Gemeindeteile von Hebertshausen, Internetseite der Gemeinde Hebertshausen 2005
22)  Thomas Peter, Organist, 2006
23)  Eckart Bieger, Das Bilderlexikon der christlichen Symbole, 2011 (Rosen/Armenspeisg)
24)  Waltraud Behner-Freisinger, 2014 (Schiefstand des Turmes)
25)  Klaus Rabl, St.Kastulus hat einen neuen Altar, Dachauer Nachrichten v. 24.10.2014 (neuer Volksaltar)
26)  Monika Gasteiger, Altarweihe in Prittlbach, Pfarrbrief Weihnachten 2014
27)  Dr.Mich.Rademacher,Deutsche Verwaltungsgeschichte 1871-1990, www.verwaltungsgeschichte.de/,2015(Statistik 33,39)
28)  Der Zimmerer Raab hatte sich 1633 "mit neun anderen Dachauern als Bote gegen den Feind ausgezeichnet" .
29) Erzbischöfliches Ordinariat, Neue und restaurierte Orgeln in der Erzdiözese von 2004 - 2006
30)
Dr Heisig, Kunstreferat des Ordinariats München und Freising, Kunstfahrt 2014 (Zelebr ersetz Hochaltar)

65 Bilder: Hans Schertl (64), Thomas Peter (1)

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür


7.7.2016

Der hl. Kastulus

Im heutigen Landkreis Dachau sind zwei Kirchen St. Kastulus geweiht: die Filialkirche Prittlbach sowie die Filial- und Wallfahrtskirche Puchschlagen (Pfarrei Schwabhausen).

Der hl, Kastulus, dessen Festtag am 26. März begangen wird, zählt zu den Märtyrern der römischen Christenverfolgung. Er war Speisemeister am Hof des Kaisers Diokletian.  In seiner Wohnung neben dem Palast bot er verfolgten Glaubensgenossen ein sicheres Versteck und war eifrig für den Glauben tätig. Er wurde angezeigt und der Präfekt ließ ihn martern. Er wurde kopfunter an einen Galgen gehängt und mit Ruten geschlagen. Als er dennoch standhaft blieb, warf man ihn um das Jahr 286 lebend in eine Grube und schüttete sie mit Sand zu (deshalb auch Attribut Spaten). 

Schon im 7. Jahrhundert wurde an der Stätte seines Martyriums eine Castulus-Kirche errichtet; Reliquien kamen nach Moosburg in Oberbayern und wurden 1604 nach Landshut übertragen.

St. Kastulus wird in den verschiedensten Nöten angerufen. Häufig erscheint er als Krankenheiler: Blinde erhalten nach seiner Anrufung ihr Augenlicht, ein Unsinniger, der St. Kastels Grab berührt, findet seinen Verstand wieder.

 

 

 

 

Priesterabschied – Priesterehrung - Pfr. Eicher
Amperbote vom 01.09.1931

Trüb und traurig wie über die heurige schlechte Erntewitterung ist die hiesige Filialkirchengemeinde auch über den Abschied ihres beliebten Geistlichen, HH. Pfarrer Eicher, gestimmt. Am gestrigen Sonntagnachmittag nun fand sich alt und jung im schöngeschmückten Saal des Wallner`schen Gasthauses noch einmal mit dem Scheidenden zusammen, um ihm durch eine wahrlich herzlich gehaltene Abschiedsfeier Dank zu sagen für all das, was der Hochwürdige Herr in den langen Jahren seiner Wirksamkeit in und für unseren Ort geleistet hat.
Die Abschiedsfeier war sehr gut besucht und bot ein einmütig klares Bild dankbarer Liebe und Priesterehrung. Für das treffend zusammengestellte und schneidig abgewickelte Programm verdient der Leiter des Ganzen, Herr Oberlehrer Ludwig Döbl, besonders herzlichen Dank. Auch die Bemühungen der Familie Westermayr aus Walpertshofen verdienen, besonders hervorgehoben zu werden, die sich in der reizenden Saaldekoration absolut nicht erschöpften.
Umrahmt hat die ganze Feier die Burschenkapelle Prittlbach, die unter ihrem Dirigenten, Herrn Artmeier, Dachau, Vorzügliches leistete. Mit besonderer Freude wurden natürlich die von Herrn Oberlehrer eingeübten Gedichte und Gesangsvorträge der Kinder wiederum aufgenommen, die durchwegs erstaunliche Leistungen darstellten. Im Mittelpunkt der Feier stand die großangelegte feine Abschiedsansprache von Herrn Oberlehrer Döbl, der sich zum Sprecher der ganzen Filialgemeinde machte, die Verdienste des Scheidenden ins rechte Licht zu rücken wusste und dem unermüdlichen Seelenhirten für all das für die Gemeinde Geleistete herzlich dankte.
Mit sichtbarem Schmerz verlieren die Prittlbacher HH. Pfarrer Eicher als den Ihrigen und die allerbesten Wünsche vom Ort seiner bisherigen Wirksamkeit begleiten ihn auf seinen weiteren Wegen. Die treffenden Ausführungen des Herrn Festredners gaben der Feier die gehobene Grundstimmung. Für die Kirchenverwaltung sprach der Kirchenpfleger, Herr Michael Wallner, ebenfalls noch Worte des Dankes. Für die Jungfrauen übermittelte Frl. Sabine Kiening und für den Burschenverein dessen Vorstand Hillreiner herzliche Abschiedsworte und Dankesworte. Nicht vergessen sei auch die Prologsprecherin Elise Wallner, sowie der kleine S. Göttler, wie auch Herr Josef Wallner, der für den Burschenverein einen schönen Prolog vortrug.
Es folgte nun der humoristisch-gemütliche Teil. Und hierin hat natürlich der Herr Pfarrmesner Grahamer, Dachau, wieder Köstliches zu bieten gewusst, der einige heitere Erlebnisse des Scheidenden zum besten gab usw. Stürmische Lacherfolge bedankten den Vortragenden für diese "Indiskretion". Der Geehrte ergriff nun das Wort zur Dankeserstattung an alle, die mitgeholfen haben an der heutigen Feier; besonders aber auch denen, die ihn in seiner bisherigen Wirksamkeit so treu unterstützten. So ist die Feier ausgeklungen zur Ehre für Priester und Gemeinde; als besonders erfreuliches Zeichen echt christlichen Gemeinschaftsgeistes.

Abschiedsfeier für Hochwürden Herrn Pfarrer Eicher - Teil II
Amperbote vom 5.9.1931

Nachdem sich am letzten Sonntag die Angehörigen der Pfarrfiliale Prittlbach in einer schlichten Feier von ihrem Seelsorger, Herrn Kooperator Eicher, den jetzigen Pfarrer von Mitterndorf, verabschiedeten, bereitete am gestrigen Donnerstag die Pfarrgemeinde, die ja das Hauptarbeitsfeld des scheidenden Priesters bildete, einen sehr würdigen schon Abschiedsabend im großen Saal des katholischen Gesellschaftshauses.
Kaum konnte dieser alle die Pfarrangehörigen fassen, die zu der vom Kartell der katholischen Vereine Dachaus und dem katholischen Pfarramt durchgeführten Veranstaltung kamen. Wir haben in Dachau in den letzten Jahren schon wiederholt feierlich Abschied von Priestern genommen; immer wieder zeigt die ungewöhnlich starke Anteilnahme der Bevölkerung an diesen Ehrenveranstaltungen und ihr Verlauf, dass das katholische Volk auch in den harten Tagen der Gegenwart zu seinen geistigen Führern hält und das die Notzeit das Vertrauen zum Priester nicht zu erschüttern vermag. Auch die gestrige Feier war wiederum ein beredtes Zeugnis für die Wertschätzung und Verehrung, deren sich der scheidende Herr Kooperator Eicher in allen Bevölkerungskreisen Dachaus erfreut. Man kann die Veranstalter zum Gelingen des Abends nur beglückwünschen.

In ungezwungener Folge wickelte sich ein sehr reiches Programm ab, das alle Besucher aufs Beste befriedigte. Einen Hauptteil der Darbietungen bestritt die unermüdliche Orchestervereinigung Dachau, die in starker Besetzung unter Leitung des Herrn Lehrers A. Weinberger neuerdings Beweise ihres Könnens erbrachte. Die gediegenen musikalischen Vorträge der OVD sollten gleichsam Dank und Anerkennung für den scheidenden Herr Pfarrer Eicher sein, der ja Mitbegründer der Orchestervereinigung und eines ihrer eifrigsten und tüchtigsten Mitglieder ist.
Nach einleitenden Musikstücken eröffnete Hochwürden Herr Pfarrer Pfanzelt die Reihe der Reden mit einer Ansprache, in der er der großen Verdienste des Herrn Pfarrer Eicher gedachte und in anerkennenden Worten das vielseitige segensreiche Wirken seines verehrten Mitarbeiters würdigte. In bemerkenswerten Ausführungen wies der Pfarrherr auf die mannigfachen Aufgaben des Priesters in der Gegenwart hin und deutete die großen Schwierigkeiten an, die heute allenthalben dem Diener der Kirche begegnen. Es genüge nicht mehr, wie vor 40 Jahren, von der stillen Beschaulichkeit Pfarrhauses und des Schulzimmers aus die Seelsorge zu führen: Der Priester der Gegenwart sei mitten hineingestellt in das Volk und in das öffentliche Leben, mitten hineingeworfen in den Kampf der Geister. Herr Pfarrer Eicher habe in den elf Jahren seines priesterlichen Wirkens in Dachau keine Mühe gescheut, um den Grundsätzen der Kirche und unserer heiligen Religion Geltung zu verschaffen. Das Vertrauen und die Anerkennung der kirchlichen Behörde äußere sich darin, dass Hochwürden Herr Pfarrer Eicher als Zweiter seines Weihekurses eine Pfarrei übertragen erhalte. Hochwürden Pfarrer Pfanzelt verband mit seinen herzlichen Dankesworten für die treue, opferbereite und harmonische Zusammenarbeit den Wunsch, dass der scheidende Pfarrer auch in seinem neuen Wirkungskreis Gottessegen bei seiner Arbeit erfahren das Verhältnis der beiden Nachbarpfarreien allzeit ein gutes bleiben möge.
Nach der mit großem Beifall aufgenommenen Ansprache des Dachau Pfarrherrn trat, lebhaft begrüßt, der Kirchenchor Prittlbach auf die Bühne, um seinem Gründer und unermüdlichen Dirigenten, Herrn Pfarrer Eicher zwei erhebende Lieder "Festgesang" und "Nachtlied" von Schubert zu widmen. Die ausgezeichneten Chöre standen durchaus auf der Höhe der bekannten Leistungen des gut geschulten Prittlbacher Chors; die Einstudierung und Leitung hatte freundlicherweise Herr Lehrer Kiermeier übernommen. – Aber noch mit einer weiteren Darbietung überraschte der Prittlbacher Kirchenchor. In seinem Namen trug Fräulein Berta Flaucher sehr wirkungsvoll ein wohlgelungenes Abschiedsgedicht vor, das köstliche Anekdoten aus der Dirigentenzeit des verdienten Herren Pfarrer Eicher enthielt und in ausführlicher Weise die Entwicklung des Kirchenchores und die großen Verdienste seines Leiters gebührend hervorhob. Die Vortragende überreichte unter großem Beifall am Schluss einen mächtigen Blumenstrauß mit der Versicherung, "auch weiter zu singen für Gottes Ehr!"
Im Auftrag des Kartells der katholischen Vereine Dachaus berichtete Herr 2. Vorsitzender Ernst Hecht aufrichtige Dankesworte an den scheidenden Herren Pfarrer, der im Laufe seiner langen Tätigkeit in Dachau unermüdlich für die katholischen Vereine gearbeitet hat. Der Redner übergab einen großen Blumenkorb, welcher als "köstliche Blüte" einen Geldbrief mit ansehnlichem Inhalt als Geschenk der katholischen Vereine enthielt.
Für den Jugendverein hielt sein Vorstand Hans Marcher eine schneidige, kernige Gedanken enthaltende Abschiedsrede. Der junge Redner betonte des Herrn Pfarrers Eicher Liebe und Fürsorge für die Jugend, der er viele kostbare Stunden seines priesterlichen Wirkens in Dachau widmete. Der Junge Daten für die Mitglieder des katholischen Jugendvereins das Gelöbnis, dass sie, die Grenadiere der katholischen Bewegung, später in die katholische Stammvereine übertreten und die große katholische Idee verfechten werden. –
In seiner fließend gesprochenen Rede verabschiedete sich namens des katholischen Hausangestelltenvereines Dachau Fräulein Therese Schäffler von dem scheidenden Präses. Dieser habe sich trotz Arbeitsüberhäufung auch um den Dienstmädchenstand gerne angenommen und den Mitgliedern neben belehrenden Abenden viele Stunden der Freude und Erheiterung bereitet. Die Dienstmädchen wüssten die edle Gesinnung ihres Präses und seine Verdienste wohl zu schätzen.
Nach einer kleinen Pause ergriff Herr Kooperator Schuster, zur Zeit der jüngste aber dienstälteste Kaplan in Dachauer Pfarrhof, das Wort zu einer schon im äußeren Aufbau originellen humorgewürzten Rede, die in ihrer Frische und Köstlichkeit wirklich einen Höhepunkt des Abends darstellte und stürmische Heiterkeit auslöste. In dieser Abschiedsrede (zum Teil ein Replik auf frühere Ansprachen dieser Art eines Vertreters des "niederen Klerus"!) unter Zuhilfenahme ließ Hochwürden Herrn Kooperator Schuster "gelahrter (?) Dispositionen" und einwandfreier historischer Quellen ein treffliches Bild von Charaktereigenschaften des scheidenden Kollegen entstehen, belegte seine Darlegungen mit schlagenden Beweisen aus Vergangenheit und Gegenwart des Gefeierten, zitiert mit zahlreichen Anspielungen auf einzelne Erlebnisse des Hochwürden Kooperator Eicher einen prophetischen Blick in die Zukunft! Diese launige, begeistert aufgenommene Rede klang in herzlichen Wünschen für den neuen Pfarrherrn von Mitterndorf aus.
Die Jugendabteilung des katholischen Frauenbundes bereicherte das Programm mit der Aufführung eines Singspieles "Die Künstlerpuppe" (Fräulein Guggenbichler, Hillreiner, Ida und Resi Huber); die netten Gesänge und Tänze wurden von Fräulein Emma Platzer einstudiert. Von der Orchestervereinigung Dachau beauftragt, brachte Herr Hans Kalteis in poetischer Form per Kooperator Eicher die Glückwünsche zu seiner Beförderung und den Dank für die treue Mitarbeit zum Ausdruck. Aus den lustigen Versen war zu entnehmen, dass Herr Pfarrer Eicher an der Gründung der OVD wesentlich Anteil hat und als tüchtiger Cellist und eifriger Schriftführer jederzeit seine Kraft in den Dienst der Orchestervereinigung stellte.
Eine angenehme Abwechslung boten die Darstellungen von interessanten Sportmomenten, die von der DJK Dachau zu Ehren ihres unermüdlichen Förderers in sehr gut vorgeführten lebenden Bildern gebracht wurden.
Am Schluss des Abends nahm der gefeierte selbst das Wort, um allen Dank zu sagen, die ihm in seiner elfjährigen Tätigkeit in Dachau Hilfe und Unterstützung angedeihen ließen und ihm Vertrauen entgegengebrachten. Er scheide mit einem nassen und einem trockenen Auge von Dachau. Mit einem nassen, weil er sehr gerne in Dachau gewirkt habe und sich mit der Bevölkerung aufs engste verbunden fühlte, weil er viel Erfreuliches in der Pfarrgemeinde Dachau und in der Filialgemeinde erleben durfte und in den rührigen katholischen Vereinen manchen Erfolg erzielen konnte. Ergreifend war die feine Art, in der der scheidende Priester des Wohlwollens und der väterlichen Gesinnung des verstorbenen Herrn Geistlichen Rates Taubenberger gedachte, mit dem er ein volles Jahrzehnt in der hiesigen Pfarrei zusammengearbeitet habe. Diesem Gedenken schloss Hochwürden Herr Eicher herzliche Dankesworte an den jetzigen Pfarrervorstand von Dachau, Hochwürden Herrn Pfarrer Pfanzelt, an, welcher ebenfalls stets ein gütiger Chef gewesen sei. Der Scheidende zollte auch anerkennende Worte nimmermüden Martaseelen im Pfarrhof, vor allem der Schwester des Verstorbenen Hochwürden Geistlichen Rates, Fräulein Babette Taubenberger, und den jetzigen sorgenden Kräften in der Küche des Pfarrhofes. – Zu gerne eher in Dachau gewesen sei, bemerkte Herr Pfarrer Eicher, so sehr freue ihn als "alten Kooperator" die Ernennung zum Pfarrer und die Übertragung eines selbstständigen Wirkungskreises. Er werde die Dachauer Pfarrangehörigen, die zu betreuen ihm stets Ehre und Freude gewesen sei, nie vergessen. Seine warmherzigen Worte schloss er mit innigen Wünschen für die ganze Pfarrgemeinde. – Der starke Besuch der Abschiedsfeier und der herzliche Ton, der aus allen Reden klang, möge Herrn Pfarrer Eicher ein Beweis dafür sein, dass ihm in Dachau auch fernerhin dankbare Herzen entgegenschlagen.

(Recherchiert von Hubert Eberl, Bergkirchen)

 

Altarweihe in Prittlbach
Monika Gasteiger im Pfarrbrief Weihnachten 2014

Nach langer Vorbereitungszeit und Aufregung war es am Kirchweihsonntag endlich so weit. An einem wunderschönen Herbsttag wurde durch Weihbischof Dr. Bernhard Haßlberger die Weihe des neuen Volksaltares und die Segnung des neuen Ambos vorgenommen. Während des Gottesdienstes wurden in dem neuen Altar Reliquien des Hl.Otto von Freising und des sel. Kaspar Stangassinger beigesetzt.
Die Prittlbacher können auf eine bewegende und beeindruckende Weihefeier zurückblicken, die musikalisch vom Kirchenchor St.Jakob gestaltet wurde. Mit dem großen Aufgebot an Ministranten, den Prittlbachern und den vielen Gästen, war die Kirche St.Kastulus bis auf den letzten Platz gefüllt. Und so wird es für viele ein unvergessliches Fest bleiben.

Auch nach dem Gottesdienst war es mit Feiern nicht vorbei, so hat man bei einem gemütlichen Mittagessen, bei Kaffee und Kuchen den Tag noch fröhlich ausklingen lassen. Auch die Bläsergruppe der Prittlbacher Ministranten hat es sich nicht nehmen lassen, bei dem Fest aufzuspielen.

Schon vor einem Jahr hatte Architekt Franz Steinberger den Prittlbachern sein Modell vom neu gestalteten Altarraum der Kirche vorgestellt. Der Stein für den Altar, ein Untersberger Kalkstein, wurde vom Steinmetz Klaus Rehm gestaltet und nach Prittlbach gebracht. Der Ambo, der Priesterstuhl und der neue Leuchter für die Osterkerze, gefertigt vom Kunstschmied Josef Scheidhammer, schließen diese Neugestaltung harmonisch ab.
Erwähnenswert sind hier die vielen, großzügigen Spenden von 12.000 Euro, die innerhalb eines Jahres in Prittlbach gesammelt wurden. Allen Spendern nochmals ein herzliches Vergelt's Gott !

Monika Gasteiger