zur Landkreiskarte        Pfarreien im Dachauer Land

Die Bildhauerfamilie Luidl

Verwandtschaft
Brüder        
Adam Luidl, Mering
(um 1656- 6.8.1681)
Lorenz Luidl aus Landsberg
(1645 bis 1719)
Söhne des Adam
Söhne des Lorenz
Zacharias   Joh.Georg
Johann Luidl aus Landsberg
(1686-1765)
Stephan Luidl
(1684-1736)

Die Luidl-Werkstatt in Landsberg gehörte zu den produktivsten Bildhauerwerkstätten im ausgehenden 17. und beginnenden 18. Jh. in Bayern. Die Luidls statteten vor allem in Oberbayern und Mittelschwaben Kirchen und Klöster aus. Zu den charakteristischen Merkmalen der Luidl-Plastiken gehören die bewegte Gesamthaltung der Figuren und der manieristische Faltenwurf der Gewänder.

 


Lorenz Luidl (* um 1645 in Mering; 14. Januar 1719 in Landsberg am Lech)
Vater von Johann Luidl
und Stephan Luidl

Lorenz Luidl wurde um 1645 in Mering als Sohn des Bildhauers Michael Luidl und dessen Ehefrau Christina geboren. Er war das bedeutendste Mitglied einer weitverzweigten Bildhauerfamilie im westlichen Oberbayern. Er ging von 1662 bis 1667 erst bei seinem Vater Michael ( 1683) in Mering, dann bei David Degler in Weilheim in die Lehre und erlernte dort das Schnitz- und Kunstschreiner-handwerk. 1668 wurde er Bürger der Stadt Landsberg. Im selben Jahr heiratete er Maria Miller ( 1678). Nach dem Tod seiner ersten Ehefrau ehelichte er 1678 die Bäckerstochter Ursula Ludwig.
1699 wurde Luidl in den äußeren Rat der Stadt berufen. Zwei Jahre vor seinem Tod, 1717, übergab er seine Werkstatt und des Gesamtvermögen an den Sohn Johann Luidl (* 1686 in Landsberg, 1765 in Landsberg).
Sein überaus reiches Lebenswerk umfasst an die 600 Einzelfiguren (Putten und Engel nicht eingerechnet). Schwerpunkte finden sich neben Landsberg (Stadtpfarrkirche) in Schwaben in der Gegend Ziemetshausen-Balshausen, Schwabmünchen, Mickhausen, Bobingen und ostwärts Kaufbeuren, Bergkirchen im Landkreis Dachau sowie in Oberalting im Landkreis Starnberg.

Werke in:
Bergkirchen - Tabernakel mit Putten, neben dem Reliquienschreine eingearbeitet sind.
um 1700
Türkheim- Loreto-Kapelle und Kapuzinerkloster: Kruzifix über dem Hochaltar
1700
Hörbach/Althegnenberg - Pfarrkirche: Figuren des Hochaltars, der Seitenaltäre,
     Kruzifix
1690
 
Kaufering-Pfarrkirche St. Johannes: Figuren von Maria und Johannes, hl.Agatha u.
     eine Pieta
Landsberg- Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt: Figuren von Lorenz Luidl und
     Sohn Johann.
Wallfahrtskirche Maria Birnbaum: die 12 fast lebensgroßen Figuren im Apostelturm
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Beuerbach- Pfarrkirche St. Benedikt: Kanzel
1700
Weil - Wolfgangskapelle: Kreuzwegstationen
1698
Ursberg : Figurengruppe der "Heiligen Anna Selbdritt"
 
Untermühlhausen: Figuren für Seitenaltäre, Kanzel, hl.Rochus und hl.Sebastian  
Pfarrkirche Endlhausen: Muttergottes im nördlichen Seitenaltar
1680/90
 


Adam Luidl, Mering (um 1656, bis 1700)
ging ab 18.Okt.1668 für vier Jahre bei seinem Bruder Lorenz in die Lehre. Er erhielt 1677 in Dachau das Bürgerrecht
. Er heiratete in Dachau seine Frau Christina, kaufte das Haus in der Wieningerstraße 15 (früher Nr. 66). Am 2.11.1680 wurden seine Zwillinge Werke in:

Feldgeding:
Auf dem linken Seitenaltar steht die Schnitzfigur des hl.Franziskus, die nach der Signatur auf der Rückseite ("LA") von Adam Luidl stammt.
1673
Dachau-St.Jakob:
Noch aus der Vorgängerkirche übernommen wurde der spätgotische Rotmarmortaufstein des 15. Jh. mit barockem Deckel um 1700. Eine Skulpturengruppe von Adam Luidl, Mering 1675 stellt die Taufe Jesu am Jordan dar.
1675

Prittlbach
:
Die seitlichen Engel beiderseits der Altaraufsätze (Dachungsengel) an den Seitenaltären stammen vom Bildhauer Adam Luidl aus Mering (ebenfalls 1673).
1673

Johann Luidl aus Landsberg (1686-1765)
Sohn des Lorenz Luidl

Johann Luidl wurde als Sohn des bekannten Bildhauers Lorenz Luidl in Landsberg geboren. Nach dem Tod seines Vaters übernahm er die Bildhauerwerkstatt in Landsberg und konzentrierte sich dort auf das Schnitzen von Figuren. Luidl beschränkte seinen Tätigkeitskreis nicht auf Landsberg, sondern nahm auch Aufträge aus dem Umland, zu dem auch das Dachauer Land gehörte, an und erlangte dort einen hohen Bekanntheitsgrad. Er starb 1765 in seinem Geburtsort Landsberg am Lech.

Werke in:
Sittenbach:
prachtvoller Hochaltar (um 1755/56) mit den Schnitzfiguren des hl. Laurentius (Kirchenpatron) und des hl. Michael im Altaraufsatz. Laurentius in das kurzärmelige Gewand des Diakons gekleidet, mit Buch und Rost in den Händen. St. Michael schwingt das Flammenschwert.

1755/56

Egenburg: Schnitzfigur des hl. Stephanus am Hochaltar. Der Kirchenpatron sitzt in der Nische unter einem Rokokobaldachin mit hängenden Quasten und hält in der linken Hand einen Stein als Hinweis auf das Martyrium (Steinigung).Auf dem nördlichen Seitenaltar eine Figur der hl. Ottilie mit den Attributen Buch und Augen am südlichen (rechten) Seitenaltar eine Muttergottesfigur.
1730
Lauterbach: zwei Heiligenfiguren, St.Josef und Franziskusvon Assisi (mit einem Kruzifix im Arm. Der Korpus ist quer zum Kreuz befestigt). Josef hält das Jesuskind auf dem Arm und der Lilie der Keuschheit iKreuzwegbildern der Hand.
2.Hälfte 18. Jh
         
Landsberg Lech- Stadtpfarrkirche - Christkindlmarkt      
Untermühlhausen - Figurengruppe im Auszug des Hochaltars. Ende des 17. Jhs    
Türkenfeld - Pfarrkirche - Innenausstattung mit anderen Künstlern 1754      
Unterliezheim - Pfarr- und Wallfahrtskirche - Hochaltar        
         


Stephan Luidl (1684-1736)
Bildhauersohn aus Landsberg am Lech

1716 kam Stephan Luidl nach Dillingen, heiratete in die Familie des einige Jahre zuvor verstorbenen Bildhauers Johann Baptist Libigo ein und übernahm dessen Werkstatt. Gleiches geschah dreißig Jahre später wieder. Als Stephan 1736 starb leitete seine Witwe 9 Jahre lang die verwaiste Luidl-Werkstatt. Dann heiratete erneut ein Geselle mit dem Namen Johann Michael Fischer (1717-1801) ein, der damit die Werkstatt übernahm und sie in der Folgezeit erfolgreich ausbaute. Fischer ist nicht verwandt mit dem großen Baumeister gleichen Namens (1692-1766) , der die Kirchen in Altomünster, Bergkirchen und Sigmertshausen errichtet hat.
In den Kirchen des Landkreises Dachau war Stephan Luidl meines Wissens nach nicht tätig.


Gabriel Luidl (* 1688, 1748 in München)
Münchener Hofbildhauer, Vetter von Lorenz und Adam

Mir ist nur bekannt, dass der Bildhauer Johann Baptist Straub (1704-1784) um 1722 bei Gabriel Luidl die Bildhauerei erlernte. Er dürfte somit Ende des 17.Jh geboren sein. Ob und ggf. welche verwandtschaftlichen Beziehungen zu den Luidls aus Landsberg bestanden, ist mir nicht bekannt. Johann Baptist Straub wiederum hat an den Kirchen in Altomünster und Bergkirchen gearbeitet.

Auch die Figuren von Papst Silvester I. und von Pius V. auf dem Hochaltar der Kirche in Rudelzhofen (1740) werden der Werkstatt der Ludlfamilie zugeordnet.

Hans Schertl


Quellen:
Max Gruber, Die Bildhauerfamilie Luidl in Dachau, Landsberg und Mering, Amperland 1968
Landsberger Geschichtsblätter

de.wikipedia.org/wiki/Lorenz_Luidl, Zugriff 2015
http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Luidl, 2015
Ein "Lüsterweibchen" von Lorenz Luidl, Internetseite www.landsberg.de
Herbert Nagel, Lorenz Luidl, ein schwäbisch-bayrischer Bildhauer des 17. Jh, 1954