zur Landkreiskarte       zur ausführl.Beschreibung     Kirchen i.d. Gem. Sulzemoos

Pfarrkirche St. Johannes der Täufer in SULZEMOOS

zur Kirchentür

Adresse: 85254 Sulzemoos, Kirchstraße 7
Lage der Kirche auf der Landkarte ...

Kurzbeschreibung

Die dem hl. Johannes dem Täufer geweihte Pfarrkirche Sulzemoos wurde im 12. Jh. auf den Resten einer früheren Kirche erbaut, die bereits 844 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Das Langhaus oder Kirchenschiff stammt noch aus dem 12.Jh und zählt so zu den ältesten noch vollständig erhaltenen Bauwerken des Landkreises.

Im Jahr 1315 hatte die Pfarrei Sulzemoos nach der Konradinischen Matrikel die Filialen Odelzhausen, Oberumbach und Essenbach. Heute bildet sie mit den Nachbarpfarreien den Pfarrverband Odelzhausen.

Die Kirche wurde 1716 barockisiert. Der achteckige Turmoberbau mit Zwiebel wurde 1712/1732 errichtet.

Das Gotteshaus besitzt romanische, gotische und barocke Bauteile. Teile des Kirchenschiffs sind romanischen Ursprungs; sie bestehen aus großen Nagelfluh-Quadern. Der Altarraum und der untere Teil des Turmes sind spätgotisch. Der Rest ist barock.

In dem schlanken, 41,6 Meter hohen Zwiebelturm hängen vier Glocken.
Am Chorschluss ist eine ringförmige Sakristei mit Oratorien angebaut.


Anbetungsengel am Seitenaltar

An der Langhausnordseite wurde schon im 18.Jh. eine Seitenkapelle, die Leonhardskapelle errichtet.

Innenausstattung

Das Innere der Kirche besticht durch die reichen Stuckaturen von Benedikt Heiß .Bunte Girlanden umrahmen kleine Bilder von Heiligen oder von Wappen. Sie sind untereinander durch Knabenfiguren verbunden. Die Farben sind in einer warmen Tönung gehaltenen; dazwischen die weißen Akanthusmotive als Gegensatz und Auflockerung.

Die mit Rocaille-Ornamenten versehenen Rokoko-Altäre stammen aus dem 18. Jh und wurden im 19.Jh mehrmals ergänzt. Sie haben keine Figuren,sondern Altarblätter (Ölgemälde), auf denen die Heiligen abgebildet sind, denen die Altäre geweiht sind: Am Choraltar der Kirchenpatron Johannes, an den Seitenaltären die Muttergottes und die Anbetung der Drei Weisen aus dem Morgenland. Patron des Altars in der Seitenkapelle ist der hl. Leonhard.

Mehrere Reliquienschreine mit sog. Klosterarbeiten
verzieren die Altäre.

Deckenbild: Franziskus Deckenbild: AntoniusKirchenbänkeWangen der KirchenbänkeWangen der KirchenbänkeKommuniongitterTabernakel am HochaltarDreifaltigkeit im AltaraufsatzTaufe JesuKommuniongitterKirchenbänkeDeckenbildDeckenbild: Maria MagdalenaMadonnenbildSt.NepomukReliquienschrein St. VincentiaAltaraufsatz : Herz-JesuJakobusAnbetung der DreikönigeChorglockeSt.JoachimZelebrationsaltarAltöttinger Madonna
Details (Chordecke, Altäre, Bänke, Figuren) per Mouseklick vergrößern

In der Leonhardskapelle erinnern frühbarocke
Grabdenkmäler
an die ehem. Hofmarksherren von Sulzemoos, die sicher einen großen Beitrag zur reichen Ausstattung der Kirche geleistet haben.

Seit dem Jahr 2007 wird die Kirche renoviert (Kostenschätzung: 800.000 Euro).
Sie ist zwar geöffnet, aber zum Teil eingerüstet.

Gottesdienstzeiten erfahren Sie auf der Internetseite des Erzbistums München und Freising. Klicken Sie hier....


Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen


Geschichte: Erste Kirche Matrikel 1315 Matrikel 1524 Visitation 1560 Matrikel 1740
Bruderschaft 1796 Beschreibg 1817 Beschreibg 1874 Beschreibung 1893 Hofmarksherren
Ausstattung: Altarraum Apostelleuchter Baubeschreibung Choraltar Deckenbilder-1
  Deckenbilder-2 Epitaphe Figuren Gemälde Gottesdienstzeiten
  Innenausstattung Kanzel Kirchenbänke Kirchenschiff Kommuniongitter
  Kreuzweg Krippe Kruzifix Leonhardskapelle Opferstock
  Orgel Pfarrhaus Portal Reliquiare Sakristei
  Seitenaltäre Tabernakel Taufstein Turm Zelebrationsaltar

Geschichte des Ortes

Die Ortschaft Sulzemoos wurde unter dem Namen Sulzamoos (Siedlung am sulzigen Moos) um 820 erstmals schriftlich erwähnt. Nach der Urkunde vom 2.Juni dieses Jahres hat der Laie Cozpald seinen Anspruch auf den Besitz, den sein Onkel Pisum dem Bistum geschenkt hatte, aufgegeben. Er erhielt den Besitz als Lehen übertragen. Dr. Monika Ofer hat diese Urkunde übersetzt; wenn Sie sie lesen möchten, klicken Sie hier...

Im Jahr 1568 veröffentlichte der Kartograph Philipp Apian 24 Landtafeln, die zusammen eine Landkarte (im Maßstab 1:144.000) des noch mittelalterlichen Bayern bildeten. Die Genauigkeit der Landkarten wurde erst im 19. Jh übertroffen; noch Napoleon benutzte sie für den Einmarsch in Bayern.

In der Karte und in der begleitenden Landesbeschreibung sind die bedeutendsten Orte mit Gebäuden dargestellt. Es sind, wie Dr.Peter Dorner schreibt, authentische Ansichten der betreffenden Schlösser und Burgen. Zudem ist die Bedeutung berücksichtigt: je wichtiger das Schloss oder der Schlossherr, desto größer die Zeichnung. Die Burg Sulzemoos ist viel größer abgebildet, als es ihrer territorialen Bedeutung entsprach. Das lag an dem damaligen Besitzer Wigulaeus Hundt. Er war Professor, Kanzler, Geheimer Rat Hofratspräsident und einer der bekanntesten Historiker seiner Zeit. Von seinem Stammschloss in Lauterbach aus hatte er 1546 mit dem Heiratsgut seiner Frau Sulzemoos erworben, eine "Hofmark mit verfallenem Schloss" hieß es. Apian bezeichnete es 20 Jahre später als "elegantes, von Gräben umgebenes Schloss".
Wie auf der Zeichnung von Apian zu sehen ist, hat das Schloss die Jahrhunderte fast unverändert überstanden. Lediglich die 1568 noch vorhandenen Erkerchen fehlen heute. Sie sind den Zerstörungen im Spanischen Erbfolgekrieg (1704-1714) zum Opfer gefallen.

Geschichte der Kirche

Die Sulzemooser Kirche (möglicherweise eine Schlosskapelle) ist in einer Tauschurkunde im Jahr 844 erstmals erwähnt. Dort heißt es, dass König Ludwig der Deutsche erwarb die "in pago Huosi" (im Gebiet des Stammes Huosi) gelegene Kirche von Sulzemoos nebst einigen Grundstücken vom Regensburger Bischof Bathurich. Nach Ludwigs Tod (876) fiel die Besitzung aber wieder an das Kloster St.Emmeram in Regensburg zurück. Wie lang es zum Kloster gehörte ist unbekannt. Im Jahr 1083 befand sich Sulzemoos aber schon im Besitz eines Edelgeschlechts, denn Bischof Norbert von Chur, ein Graf von Andechs und Hohenwart kaufte die Sulzemooser Kirche und einige Grundstücke von einem "vir nobilis Amelbertus", um sie dem von ihm gegründeten Collegiatsstift in Habach zu schenken. Noch 650 Jahr später, in der Schmidtschen Matrikel von 1738 wird von Zehentrechten des Collegiatsstifts berichtet.
Die heutige, dem hl. Johannes dem Täufer geweihte Pfarrkirche wurde wohl in der 1. Hälfte des 12. Jh. erbaut. Das schließen die Historiker aus dem Material für die Umfassungsmauern, nämlich großen Nagelflu-Quadern. Denn schon in der 2.Hälfte des 12.Jh wurde der Backstein das bevorzugte Baumaterial.

Konradinische Matrikel 1315
Nach der Konradinischen Matrikel hatte die Pfarrei Sulzemoos im Jahr 1315 zwei Filialen mit Friedhof, Odelzhausen und (Ober)umbach, eine Filiale ohne Friedhof, nämlich Essenbach ("Sultzenmos soluit VIII Pfund, habet II filias, Otolshausen et Umbach cum sepulturis. Ozzenbach sine sepultura et Capellam Oekershoven. In dieser Matrikel wird (wohl als spätere Anmerkung) auch das Ausenkoferische Beneficium in Odelzhausen genannt, das aus dem Jahr 1300 stammen sollte (tatsächlich wohl erst später lt. Urkunde vom 11.Nov.1363). Das Benefizium liege auf dem Lampertusaltar in Odelzhausen.

Sunderndorfer'sche Matrikel 1524

Nach der Sunderndorfer'schen Matrikel aus dem Jahr 1524 hatte die Pfarrei "Sultzmoss" drei Filialen "s.Udalrici in Oberumbach, B.Virginis (!) in Odeltzhausen cum sepulturis" (mit Friedhöfen) und s.Petri in Miecherspach sine sepultura" (ohne Friedhof). Der Pfarrhof scheint in keinem guten Zustand gewesen zu sein. Pfarrhaus und die dazugehörenden Wirtschaftsgebäude bedürfen der Renovierung, schreibt Schmidt. Die Pfarrei Sulzemoos war dem Pfarrherrn Eberhard von Hiernhaim übertragen, der auch Pfarrer von Aubing war. Die Seelsorge vor Ort versah aber Vikar Ulrich Herl, dem noch ein Kaplan in Odelzhausen, Christoph Scheirer, zur Seite stand. Der Kaplan wurde aus dem o.a. Benefizium bezahlt, das 60 Gulden jährlich abwarf. Das Präsentationsrecht ( Vorschlagsrecht für die Besetzung einer Stelle ) für diesen Kaplan besaß der Freiherr Auer ("Nobilis Awer"). Die beiden Priester betreuten 400 Communicantes, d.s. Gläubige nach der Erstkommunion. Damit gehörte Einsbach zu den größeren Pfarreien des Dachauer Landes.


Auszug aus der Landkarte von Apian 1568

Über Beschädigungen der Kirche im 30jährigen Krieg ist mir nichts bekannt. Nach Josef Scheidl ist die Zahl der Häuser von 37 im Jahr 1631 auf 30 (1649) zurückgegangen. Übrigens der einzige Rückgang im Zeitraum von 1445 bis 1800.

1716 wurde die Kirche barockisiert. Vielleicht war die Kirche im Spanischen Erbfolgekrieg 1704-1714 beschädigt worden. Die Häuser der Ortschaft haben damals jedenfalls schwer gelitten; ein Großteil von ihnen brannte nieder. Das Dorf war fast ganz zerstört, schreibt Josef Scheidl.

Schmidt'sche Matrikel 1738
In den Jahren 1738 bis 1740 besuchte der Kanonikus Schmidt aus Freising die Pfarreien der Diözese und erstellte die nach ihm benannte Schmidt'sche Matrikel. Über die Pfarrei "s.Joannis Bapt. in Sulzemos" berichtete er: Der aktuelle Pfarrer heiße seit 1735 Josef Gruber. Das Präsentationsrecht wechsle monatlich zwischen dem bayerischen Hof in München und dem Bistum in Freising. Die "dat pro primis fructibus", die Abgabe des Pfarrers an den neuen Bischof beim Bischofswechsel betrug 50 florenos (Goldmünze im Gewicht von 3,54 g). Diese nicht unerhebliche Abgabe für den neuen Bischof war auch ein Gradmesser für die wirtschaftliche Situation einer Pfarrei um 1740 (Durchschnitt 37 Florenos). Das Pfarrhaus und die dazugehörenden Wirtschafts-gebäude seien neu, schreibt Schmidt, und zeigten keine Schäden. Zum Pfarrhof gehörten noch sechs weitere "Widengüetl", kleine Bauernhöfe, in "Odelzhausen, Diettenhausen, Mieggerspach, Hadersriedt, Höffa und Oberumbach", deren Erträge den Lebensunterhalt des Pfarrers sicherten. Die Zahl der Gläubigen war in den vergangenen 200 Jahren von 400 auf 750 gestiegen; und das trotz der erheblichen menschlichen Verluste im Dreißigjährigen Krieg, in dem im Landgericht Dachau die Hälfte aller Menschen durch Kriegshandlungen und die Pest umgekommen sind. Die Zahl der Filialkirchen hatte sich um Essenbach und Machtenstein auf fünf erhöht; dazu kamen noch die Kapellen in Dietenhausen, Hadersried und im Schloss Odelzhausen.

Kirche u. Schloss Sulzemoos um 1700
Die Pfarrkirche rechnet Schmidt zu den schöneren unter den Kirchen auf dem Land. Sie habe drei Altäre. Der Hochaltar sei dem hl.Johannes d.Täufer, die Seitenaltäre den drei Weisen aus dem Morgenland und den 14 Nothelfern geweiht. Das Kirchweihfest falle auf den zweiten Sonntag nach Jakobi (25.Juli). Im Friedhof stand ein Beinhaus. Im Turm hingen zwei geweihte Glocken. Die Einnahmen verwalteten der Pfarrer und der Hofmarksherr von Sulzemoos (Baron von Gebekh). Der Bericht schließt mit dem Satz: "Das Vermögen dises Pfarr-Gottshauses hat letzthin auf die 4299 fl. (=Gulden), 57 kr.(=Kreuzer) und 5 hl.(=Heller) ausgemacht". Dies war im Verhältnis zu anderen Kirchen ein sehr hoher Betrag.

Bruderschaft 1796
1796 wurde vom damaligen Pfarrer Kammerloher eine Bruderschaft zu Ehren der allerheiligsten Dreifaltigkeit gegründet, die der Oberhirte am 13.Juni confirmierte (bestätigte). Ablässe: die einfachen von Pius VI. vom 16.Febr.1796. Hauptfeste: Dreifaltigkeitssonntag und Johannes d.Täufer (24.6.). 3 Conventtage. An den Festen Lobamt und Procession; tags darauf Requiem für die verstorbenen Mitglieder. Kein Vermögen; die Gottesdienste werden aus dem Opfer bestritten.

Beschreibung 1817
am 27.12.1817 verfaßte Pfarrer Johann Nepomuk Kammerloher aus Sulzemoos eine Beschreibung seiner Pfarrei.
Danach besaß das Präsentationsrecht (=Vorschlagsrecht für Besetzung der Pfarrstelle) zu dieser Zeit das bayer.König. Vor der Säkularisation und auch später wieder war sie aber eine Wechselpfarrei, d.h. das Recht, einen neuen Pfarrherrn vorzuschlagen, wechselte zwischen dem Freisinger Ordinariat und dem bay.Herrscherhaus nach jedem Erledigungsfall. Neben der Pfarrkirche hat sie 1 Nebenkirche, 1 Filialkirche, 1 Expositurkirche, 3 Expositur-nebenkirchen, eine Kapelle und drei Friedhöfe. Neben dem Pfarrer wirken ein Kooperator und ein Beneficiat in der Seelsorge. Taufsteine und die notwendigen Öle befinden sich in Sulzemoos und Odelzhausen.
Geographisch ist die Pfarrei ist fast eben; der Westteil enthält einen Hügel, von Süden gegen Nord wird die Pfarrei von der Glonn durchschnitten, hindert aber niemals die Comunication der Filiale und den anderen Orten.
Die Einkünfte des Pfarrers belaufen sich auf rd. 730 fl. (=Gulden); sie setzen sich aus Einnahmen aus dem Bauernhof (513 fl), den Zechenden (166 fl), von Stiftungen (79 fl ), Stolgebühren (98 fl ) abzüglich der Lasten in Höhe von 728 fl zusammen. Der Kooperator kommt jährlich auf ungefähr die Hälfte, nämlich 350 fl.
Über die Kirche schreibt Kammerloher, sie sei "nicht ganz groß, ohne Gewölbe, mit einem Rundell umgeben, und auch mit einem hohen Kirchturme versehen". Die 4 Altär sind dem "Johann Bapt., der Schmerzhaften Mutter, den Drei Königen und dem hl.Leonhard" geweiht. Das Kirchweihfest wird am Sonntag nach Michaeli (So nach 29.9.)
Interessant sind die Zahl der Seelen (Gläubigen) in den größeren Orten der Pfarrei, vor allem für den Vergleich mit der nachfolgenden Bistumsbeschreibung von 1874:

Ort
Einwohner
Häuser
Ort
Einwohner
Häuser
1818
1874
1818
1874
1818
1874
1818
1874
 Sulzemoos
248
298
48
56
 Machtenstein
58
56
12
12
 Odelzhausen
267
274
 
33
 Miegersbach
45
56
9
9
 Taxa
136
132
23
24
 Dietenhausen
17
55
10
10
 Oberumbach
62
84
12
12
 Essenbach
56
54
11
11
 Höfa
46
81
  
8
 Stocka
16
26
3
3
 Hadersried
64
65
11
11
         

Beschreibung 1874
Um das Jahr 1870 hat der Dombenefiziat Anton Mayer eine Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising erstellt und 1874 als Buch veröffentlicht. Darin ist die Pfarrei Sittenbach als eine der größten Pfarreien des Dachauer Landes enthalten. Mayer schreibt:
Geographie: Die Pfarrei hat 1290 Seelen in 203 Häusern. Von Stocka gehört 1 Haus nach Pfaffenhofen. Ausdrücklich vermerkt ist, dass im Schlosse des Freiherrn von Schätzler bisweilen auch Protestanten beschäftigt sind. In Oberumbach lebt noch ein Nazarener als "letzter Ausläufer des ehmals in der Pfarrei Baindlkirchen verbreiteten Lindlianismus". Der Umfang der Pfarrei beträgt 6 (Geh)Stunden.
Pfarrei: Wechselpfarrei. Kirchenrechnung: 1628 Einnahmen, 350 Lasten, ergeben Reinertrag von 1278 Gulden. Langfristige Schulden: 9500 Gulden. Das Widum (Pfarrbauernhof) beistzt eine Grundfläche von 154 Tagwerk (=51ha) der Bonität 10. Das Pfarrhaus wurde schon im vorigen Jahrhundert erbaut (ca. 1730). Bauzustand gut. Ökonomiegebäude erbaut 1836. Hilfspriester: ein Expositus und ein Beneficiat in und für Odelzhausen.
Kirche
: Die Kirche liegt an der Distriktsstraße von Aichach nach Bruck und 1/4 Stunden von der Hauptstraße Mch-Augsburg entfernt. Ihr Erbauungsjahr ist unbekannt. Stillos. Ziemlich beschränkt im Raume. Schlanker Kuppel-Thurm mit 4 Glocken. Die größte von N.Regnault in München 1795, die mittlere von demselben 1798, die dritte von A.Ernst aus München 1760, das kleine Zügen- oder Sterbe-Glöckchen von 1626. Früher hatte die Pfarrkirche nur zwei Glocken. 4 Altäre, neue Orgel mit 5 Registern. Gottesdienste an allen Sonn- und Festtagen. Stiftungen: 28 Jahrtagsämter, 44 Jahrmessen. Bittgänge: Am Sonntag vor oder nach Maria Heimsuchung und an Mariä Geburt nach Odelzhausen; am Samstag in der Bittwoche nach Machtenstein. Meßner und Cantor ist der Lehrer, welcher sich bisher einen Gehilfen hielt. Kirchenvermögen rd.10.300 Gulden.

Beschreibung 1893
Die Sulzemooser Kirche ist auch im Verzeichnis der Kunstdenkmale des Königreiches Bayerns enthalten, die Gustav von Bezold und Dr.Berthold Riehl im Auftrage des kgl.Staatsministeriums des Innern, für Kirchen- und Schulangelegenheiten erstellt haben.
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Hofmarksherren
Mehrere Epitaphe in der Kirche weisen auf die enge Verbindung mit den Hofmarksherren von Sulzemoos hin. Nach Manfred Daurer hatte die Hofmark seit ihrer Gründung im Jahr 1440 bis zur Auflösung Anfang des 19.Jh folgende Besitzer:

1440 - 1487 die Sendlinger
1487 - 1500 Wolfgang Michelsbeck, Landrichter von Landsberg
1500 - 1519 Arsacius Armstorfer zu Asbach
1519 - 1546 Wolfgang Hinterskircher
1546 - 1643 Wiguläus von Hundt und Nachfolger (siehe Wappen in der Kirche)
1643 - 1811 Familie von Gepeckh (erster: Fürstbischof Veit Adam von Gepeckh aus Freising (1584-1651), der aus Arnbach gebürtig war und 1629 die Dachauer Jakobskirche geweiht hat)
1811 - 1822 Michael von Valta (nur noch Schlossherr)
ab 1822 Freiherrn von Schätzler und Nachfolger
  derzeitiger Schlossherr Dr.Michael von Zwehl.

Pfarrverband
Heute bildet die Pfarrei Sulzemoos mit den Pfarreien Egenburg, Einsbach, Ebertshausen, Odelzhausen, Pfaffenhofen und Sittenbach den großen Pfarrverband Odelzhausen.
Bis 1967 hatte die Pfarrei Sulzemoos einen eigenen Pfarrer. Die Namen der Seelsorger seit 1524 sind in einer Liste des Arbeitskreises Geschichte von Sulzemoos aufgeführt. Sehen Sie hier..

Berichte aus der Pfarrei
Die Dachauer Zeitungen haben in den letzten 120 Jahren immer wieder aus dem Pfarrleben berichtet. Diese oftmals in blumiger Sprache verfassten Berichte beschäftigen sich nicht unmittelbar mit dem Kirchengebäude, vermitteln aber einen ergänzenden Eindruck aus der damaligen Zeit. Meist werden Primizen, Jubiläen oder Einweihungsfeiern beschrieben. Wenn Sie die Berichte über Sulzemoos lesen möchten, klicken Sie hier...

Baubeschreibung

Die am Rande der Ortschaft inmitten eines ummauerten Friedhofs stehende Kirche ist nicht eindeutig einer bestimmten Stilrichtung zuzuordnen. Sie besitzt romanische, gotische und barocke Bauteile. Es handelt sich um eine Saalkirche, deren Decke ohne tragende Zwischensäulen den gesamten Raum überwölbt.
Das vierachsige Kirchenschiff/Langhaus ist romanischen Ursprungs. Es besteht im Gegensatz zu den meisten anderen Kirchen im Landkreis nicht aus Backsteinen, sondern - wie im südlichen und östlichen Alpenvorland- aus großen Nagelfluh-Quadern (= zu Stein verfestigter Schotter; Bezeichnung kommt von den nagelkopfartig aus der "Fluh", der Felswand, herausschauenden Geröllen). Dieses romanische Mauerwerk hat sich bis zum heutigen Tage erhalten. Selbst im Dachraum sind noch Teile aus dem 12.Jh. zu finden. In Buch " Kunstdenkmale des Königreichs Bayern" wird dazu ausgeführt, dass "die sorgfältige Ausführung des Mauerwerkes und der Umstand, dass das Material aus beträchtlicher Entfernung, wohl aus der Gegend von Bruck herbeigeschafft wurde, darauf hinweist, dass der Bau mit mehr als gewöhnlichem Aufwande ausgeführt wurde. Da schon in der zweiten Hälfte des 12.Jh der Backstein in Freising und Moosburg das herrschende Baumaterial ist und auch an allen übrigen romanischen Bauten der Gegend vorkommt, darf die Kirche von Sulzemoos noch der ersten Hälfte des 12.Jh zugeschrieben werden.
Der wenigeingezogene, dreiseitiggeschlossene Chor (Apsis) und der quadratische untere Teil des Turmes sind spätgotisch. Die ursprünglich romanische, halbrunde Apsis wurde wohl um das Jahr 1576 abgebrochen und durch einen dreiseitig schließenden Chorraum mit Gewölberippen in zwei Achsen ersetzt.

Der achteckige Oberbau des 41,6 Meter hohen Kirchturms mit Zwiebel wurde 1712/1732 errichtet. Auf Bildern des Kupferstechers Michael Wening aus dem Jahr 1701 hat der Turm noch ein Satteldach. Der Oberbau ist durch Gesimse in fünf Stockwerke gegliedert. Senkrecht sind die Ecken durch Pilaster und Wandvorlagen verstärkt. Die sich dadurch ergebenden Felder enthalten die hochovalen Schallfenster und im übrigen Ornamentzeichnungen.

Hinweis: Woher die so typisch bayerisch-barock anmutende Zwiebelform kommt, ist erstaunlicherweise nicht geklärt. Einige der Experten vermuten, dass sie eine Nachahmung und Weiterentwicklung der im 7.Jh errichteten Moschee auf dem Tempelberg in Jerusalem (Felsendom) und somit arabischen Ursprungs ist. Damals glaubten europäische Baumeister, die Kuppel stamme noch vom Tempel Salomons und verbanden mit ihr die Vision vom himmlischen Jerusalem. Andere Kunstexperten sehen in der Zwiebel eine Weiterentwicklung der byzantinischen Kuppel, die auch in Russland großen Anklang fand. Fest steht jedoch, dass die ältesten zwiebelförmigen Kuppeln in Bayern die der Münchner Frauentürme sind (1525). Weite Verbreitung fand die Zwiebel als Bauform aber erst im Italien der Renaissance und bei uns in der Barockzeit nach dem 30jährigen Krieg. Ihre Form -unten bauchig, oben spitz- passte wunderbar zur Kunstauffassung und zum Lebensstil des Barocks und galt "als Synthese aus der Bewegung ins Übersinnliche und dem Verharren in den Wölbungen des Sinnlichen".

Im Turm hängen 4 Glocken. Die beiden kleineren, die die Weltkriege unbeschadet überstanden haben, wurden 1636von Bernhard Ernst aus München und 1795/98 von Nikolaus Regnault (ebenfalls München) gegossen. Die kleinste Glocke, die Sterbeglocke, wird noch mit der Hand per Glockenseil geläutet. Eine Auflistung der ältesten Glocken im Landkreis finden sie hier....
Die Turmuhr mit den vergoldeten Zeigern stammt aus dem Jahr 1930. Ein Werk der Firma Hemberger aus Erling, Andechs.

An der Langhausnordseite wurde schon im 18.Jh. eine Leonhardskapelle errichtet.
Die große Verehrung des hl.Leonhard durch die Sulzemooser Gläubigen zeigte sich auch in einer jährlichen Wallfahrt nach Inchenhofen. Dabei stifteten die Wallfahrer als Votivgabe eine bemalte Pflugschar, um die Fürbitte des Heiligen für gutes Gedeihen der Feldfrüchte zu erlangen. Im Wallfahrtsmuseum von Inchenhofen ist noch eine solche Votivgabe aus Sulzemoos zu sehen, die im Jahr 1818 mitgebracht worden war. Die Pflugschar ist aus Holz und mit Eisen überzogen. Die Bemalung zeigt den hl.Leonhard als Abt, mit Ketten in den Händen. In einer von Akanthusranken umgebenen Kartusche mit dem Text: Ver Lobt dem S.Leonardus. Von der Gemeinde Sulzemoos. Anno 1818"


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An der Südseite der Kirche hängt an der Außenwand ein großes Missionskreuz, das an die Volksmission in den 1960er-Jahren erinnert. Über dem Kreuz ist eine geschwungene Kupferabdeckung zum Schutz gegen Witterungseinflüsse angebracht. Auch vom Jahr 1865 ist eine Volksmission bekannt.
Die Volksmission geht auf das Konzil von Trient (1545-1563) zurück und war Teil der kath. Gegenreformation. Sie wurde in regelmäßigem zeitlichen Abstand in allen Pfarreien abgehalten. Das kirchliche Gesetzbuch von 1917 schrieb z.B. vor, dass wenigstens alle zehn Jahre eine Volksmission durchgeführt werden solle. Heutzutage wird die Volksmission durch neuen Formen der Schulungs- und Missions- bzw. Evangelisationsarbeit ersetzt.
Im kleinen Vorhaus auf der Südseite ist das Kriegerdenkmal untergebracht.
In eine Steinplatte aus Rotmarmor sind die Namen der in den beiden Weltkriegen Gefallenen aus der Pfarrei Sulzemoos eingemeißelt.
Am Chorschluss ist eine ringförmige, zweigeschossige Sakristei mit drei Räumen angebaut. Sie entstand um 1749/50. Im oberen Stockwerk sind die Oratorien untergebracht, von denen aus die Hofmarksherrschaften unbemerkt der hl.Messe beiwohnen konnten.

Im Inneren ist die Sakristei mit schönen Holzschränken möbliert.
An der Sakristeitüre zum Altarraum ist die neubarocke Chorglocke (Sakristeiglocke) befestigt, den Beginn des Gottesdienstes akustisch anzeigt. Die Chorglocke wird geläutet, wenn Priester und Ministranten die Sakristei verlassen und den Altarraum betreten.


Eine Restaurierung fand 1964 statt.



Innenausstattung


A
ltarraum

An der Decke in Langhaus und Chor reicher Akanthusrankenstuck mit Putten und Blumenkränzen aus der Zeit der Barockisierung. Bunte Girlanden umrahmen kleine Bilder von Heiligen oder von Wappen. Sie sind untereinander durch Knabenfiguren verbunden. Die Farben sind in einer warmen Tönung gehaltenen; dazwischen die weißen Akanthusmotive als Gegensatz und Auflockerung. Der Stuck wurde wahrscheinlich 1715 von Benedikt Heiß gestaltet, der dem italienischem Stil folgte. Für seine Urheberschaft spricht der Stuck in der Kirche von Maisach, der in den Motiven große Ähnlichkeit mit dem in Sulzemoos aufweist.

Der Altarraum ist mit einem Sterngewölbe und vielen Stichkappen überdeckt (siehe Bild unten)

Gemälde im Altarraum

Die Deckenbilder im Altarraum und im Kirchenschiff sind in ihrer heutigen Gestaltung wohl um 1890 entstanden und ersetzten eine frühere Ausmalung des 18.Jh. Als Künstler für die in Tempera gemalten Bilder kommen evtl. die in der Dachauer Gegend häufiger beschäftigten C.Lessing und A.Ranzinger aus München in Frage. Diese Künstler waren auch in der Pfarrkirche von Petershausen und möglichweise in Wollomoos tätig.

In die Mitte sind zwei größere Fresken mit den Themen Herz-Jesu-Fest und hl.Familie gemalt.
Das östlichere der beider Bilder (über dem Hochaltar) zeigt Jesus, der im 17.Jh der heiligen Klosterfrau Margareta Alacoque erscheint und ihr das Herz-Jesu-Fest empfiehlt (siehe unten Bild in der Mitte).
  Hinweis: Die Anfänge der Verehrung des Herzens Jesu finden sich im 13. und 14. Jahrhundert. 1672 erlaubte der Bischof von Rennes den Oratorianern, in seiner Gemeinschaft liturgisch ein Herz-Jesu-Fest zu feiern. Die im 16./17. Jahrhundert vor allem von den Jesuiten und Oratorianern geförderte Herz-Jesu-Verehrung nahm durch die Visionen der Margaretha Maria Alacoque (+1690) neuen Auftrieb: Ihr war Christus erschienen, auf sein Herz deutend, was als sein Verlangen nach der Einführung eines diesbezüglichen Festes verstanden wurde.

Das andere größere Gemälde stellt die Heilige Familie, Josef, Jesus und Maria in stark idealisierter Weise dar. Sie stehen vor dem Hintergrund einer Palmenlandschaft nebeneinander. Maria und Josef sind voll auf das selbstbewusst auftretende Kind konzentriert.
Umgeben wird auch dieses Bild von Stuckrahmen und Stuckfiguren.
Deckengemälde Hl.FamilieHerz-Jesu-ErscheinungCäciliaSt.AntoniusFranziskusSt.ElisabethWappenBischöfliches WappenMaria Magdalena

Der bereits erwähnte reiche Stuck verbindet die größeren mit den kleineren Gemälden, in denen Heilige
St. Aloisius mit Kruzifix;
St.Elisabeth mit Rosen und Krug,
St. Franziskus
mit geflügeltem Kruzifix,
St. Antonius mit dem Jesuskind
Maria Magdalena mit Kruzifix und Totenkopf und St.Cäcilia an der Orgel dargestellt sind.

Dazwischen sind zwei Wappen zu sehen, von denen eines das bischöfliche Wappen aus Freising ist.Es zeigt Bischofshut, Stab, Kreuz und Mitra, sowie den Freisinger Mohr.

Das andere Wappen mit dem doppelschwänzigen Löwen, der Blumen in den Pfoten hält, ist das der Freiherren von Schaetzler.




Hinweise zu den dargestellten Heiligen:

 
Aloisius, Erbprinz derer von Gonzaga, gelobte schon im Alter von zwölf Jahren ewige Keuschheit, trat 1585 gegen den Willen des Vaters in den Jesuitenorden ein. Dort widmete er sich theologischen Studien und der Krankenpflege. Luigi starb während einer Pestepidemie, nachdem er sich bei der Pflege von Kranken die tödliche Ansteckung holte. Die Volksfrömmigkeit verzeichnete das Bild dieses Heiligen zu einem keuschen Unschuldsengel, der sich nicht einmal getraut habe, seine Mutter anzuschauen und Frauen nur mit niedergeschlagenen Augen begegnet sei.
Die hl. Elisabeth von Thüringen (1207-1231) ist eine historische Person. Sie stammte aus Ungarn und war Ehefrau des Landgrafen Ludwig IV. von Thüringen. Im Hungerjahr 1226 speiste sie die Armen vor den Toren der Wartburg. Als Ludwig, von seiner Umgebung gegen Elisabeths angebliche Verschwendung aufgehetzt, sie zur Rede stellte, verwandelten sich die Brote in ihrer Schürze zu Rosen. Dass in der Schürze ausgerechnet Rosen lagen, geht darauf zurück, dass im Mittelalter -schon lange vor Elisabeth- die Armenspeisen Rosen genannt wurden.
Der hl. Franziskus entsagte im 13.Jh allem Besitz und gründete den Orden der Minoriten, die sich besonderes der Armenpflege, Seelsorge widmeten. Er wählte für den Ordenshabit die braune Farbe. Diese Farbe steht in der Tradition für Demut und Bescheidenheit.Seine glühende Liebe zu Gott und zur Schöpfung faszinierte die Menschen und er hatte damals schon viele Bewunderer und Verehrer. Franziskus wird häufig auch mit einem Kruzifix abgebildet, weil er in einer Vision Christus von einem (geflügelten) Kruzifix zu ihm herabsprechen hörte und dabei seine Wundmale erhielt. Zudem war ihm die Verbreitung der Passionsfrömmigkeit ein Hauptanliegen.
Cäcilia soll eine hübsche adlige Römerin gewesen sein, die von Papst Urban I. getauft wurde und viele Menschen ihrer Umgebung zum Christentum bekehrte. In der Zeit der Christenverfolgung wurde sie in kochendes Wasser gesetzt und schließlich mit dem Schwert schwer verwundet und starb kurze Zeit später. 1599 wurde ihr Leichnam unverwest gefunden. Bekannt ist Cäcilia als Nothelferin und als Patronin der Kirchenmusik. Dieses Patronat verdankt sie einem Übersetzungsfehler, nach dem sie auf ihrer Hochzeit selbst die Orgel gespielt haben soll. Tatsächlich wird nur von ihrem Gesang berichtet.
Antonius lebte im 13.Jh und war ein begnadeter Redner, der sich gegen die damaligen Häretiker (Katharer, Albigenser und Waldenser) wandte. Seine Fastenpredigten in Padua 1231 hatten einen sensationellen Erfolg, denn die ganze Region schien danach wie umgewandelt: Schulden wurden erlassen, zerstrittene Familien versöhnten sich, Diebe gaben das gestohlene Gut zurück, unrechtmäßige und überhöhte Zinsen wurden den Schuldnern zurückerstattet. Bis heute gilt in Italien ein damals erlassenes Gesetz, dass niemand mit seinem Leben und seiner Freiheit für eine Schuld haften solle, sondern nur mit seinem Eigentum. Antonius wird als Hilfe zum Wiederauffinden verlorener Gegenstände angerufen und gilt deshalb als "Patron der Schlamperer". Dies geht auf zwei Legenden zurück: Als ihm ein Manuskript gestohlen worden war, betete er so lange, bis der Dieb damit zurückkehrte. Schöner ist die zweite Legende, nach der er einem Geizhals half sein Herz zu suchen und es in einer Geldtruhe fand. Die Darstellung mit dem Jesuskind auf seinem Arm ist bei uns erst seit dem 17.Jh verbreitet; sie verweist auf eine seiner Visionen, die er beim Bibellesen hatte.
Maria Magdalena ist aus der Bibel bekannt. Sie wurde Jüngerin Jesu, nachdem der sie von Besessenheit befreit hatte (Luk. 8, 2). Magdalena sorgte für Jesu Lebensunterhalt (Luk.8,3). Sie war auch bei der Kreuzigung Jesu dabei; ihr erschien Jesus nach seiner Auferstehung (Joh 20,15-17). Ob es sich bei Magdalena auch um die namenlose Sünderin handelt, die Buße tat und Jesus die Füße salbte, ist geschichtlich ungewiss. In der Frühzeit des Christentums wurden unter den in der Bibel genannten Magdalenas verschiedene Frauen verstanden; Papst Gregor d. Große (um das Jahr 600) hat aber in seinen Auslegungen erklärt, es handle sich um eine Person. Seither wird dies allgemein anerkannt und in der Kunst durch die Attribute Kreuz und Totenschädel mit ihr verbunden.


H
ochaltar /Choraltar

Der 3,30 m breite um raumhohe Choraltar ist ein barockesSäulenretabel aus der Zeit um 1740/50; er wurde im 19.Jh mehrmals ergänzt. Die Stipes, der Altartisch ist in Tumbaform mit rosa und hellgrau marmoriertem Holz verkleidet, besitzt an den Ecken Voluten

Im Antependium des Hochaltars zeigt im silbergrauen Relief Jesus und die Emmausjünger, eine der frühen Darstellungen, die an die Eucharistie erinnern. Jesus steht hinter dem Tisch und bricht das Brot.
Hinweis: Der Evangelist Lukas hat im 24.Kapitel ab Vers 13 beschrieben, wie einige Tage nach dem Tod Jesu zwei Jünger nach Emmaus wanderten. Unterwegs trafen sie Jesus, unterhielten sich mit ihm, erkannten ihn aber nicht. Sie kehrten in Emmaus ein, wo er beim Abendessen das Brot brach und es ihnen reichte. Da gingen ihnen die Augen auf.

Die Säulen- und ein Pfeilerpaare (mit Fruchtgehängen dazwischen) stützen ein verkröpftes Gebälk mit aufgesetzten Vasen. Darauf der Altarauszug.

Das große Altarbild im Nazarenerstil zeigt die Taufe Jesu durch den Patron der Kirche, Johannes den Täufer (Baptist). Das Ölbild (auf Leinwand) wurde -entspr. der Signatur unten rechts- vom Maler Sebastian Wirsching 1885 geschaffen. Vor dem Hintergrund einer bewaldeten Berglandschaft steht Jesus mit nacktem Oberkörper und überkreuzten Armen (=Gebetshaltung) im Jordan. Johannes hat mit einer Muschelschale Wasser aus dem Fluss geschöpft und gießt es über das Haupt Jesu. Johannes ist in ein raues Gewand gekleidet. Er hält in seiner linken Hand einen Kreuzstab, um den ein Schriftband mit dem Text "Ecce Agnus Dei" gewickelt ist. Hinter Jesus steht ein Engel mit einem Tuch bereit, Jesus abzutrocknen. Darüber schwebt eine Heilig-Geist-Taube und sendet Gnadenstrahlen herab.
  Hinweis: Der Kreuzstab gilt, seit Kaiser Konstantin d. Gr. ihn als Feldzeichen führte, als Symbol der Macht.
Die Worte "Ecce Agnus Dei - übersetzt: Seht das Lamm Gottes, das die Schuld der ganzen Welt wegnimmt" sprach Johannes der Täufer, als er Jesus erstmals begegnete (Joh.1,29)

Im Altaraufsatz (Auszug) ein Bild der Hl.Dreifaltigkeit. Christus mit einem Kreuz und Gottvater mit einem Zepter in der Hand sitzen auf einer Wolke und reichen sich die Hand. Der Heilige Geist in Gestalt einer Taube schwebt über ihnen.
  Hinweise: Gottvater wurde in der christlichen Kunst wegen der Weisung im Alten Testament (Exodus 20, 3-4) kein Schnitzbild von Gott zu machen, viele Jahrhunderte nicht als Person dargestellt. Meist wurden Symbole wie der Lebensquell, die Hand Gottes oder das Auge Gottes im Dreieck verwendet. Personifiziert, als würdiger alter Mann mit langem Bart, wird Gottvater erst seit dem Barock (17.Jh). Diese Darstellung wird dem Gottesbild in unserer Zeit nicht mehr gerecht.
Die Gestalt der Taube für die künstlerische Darstellung des Heiligen Geistes gründet sich auf den Bericht der Taufe Jesu im Neuen Testament. Danach fuhr der heilige Geist in leiblicher Gestalt auf ihn hernieder wie eine Taube (Lk, 3,22). Obwohl dies nur bedeutet, dass sich der Geist bewegte sich wie eine Taube, nicht aber aussah wie ein Vogel, hat man die Taube als Symbol für die sonst nur schwer greifbare dritte Person Gottes gewählt. Das Konzil von Nicäa im Jahr 325 hat dies sogar empfohlen. Papst Benedikt XIV verbot 1745 die Darstellung der dritten göttlichen Person in Menschengestalt, wie sie vereinzelt immer noch vorkam.
Tabernakel
Ins Auge fällt der große vergoldete Tabernakel. Links und rechts von ihm sowie auf der Innenseite der Türen sind Anbetungsengel aufgemalt. Hierin gleichen sich die Tabernakel von Sulzemoos und Wiedenzhausen. Die Engelsfiguren, die zu beiden Seiten des Tabernakels angebracht sind, stellen nicht nur eine Verzierung dar.
  
Sie sind auch auf die Gestaltung der Bundeslade der Israeliten in biblischer Zeit zurückzuführen, die als Vorgängerin des Tabernakels angesehen wird. Die Bundeslade war von zwei goldenen Engelsfiguren (Cherubim) eingerahmt (Ex, 37,7-9).
Die Frontseite der Türen sind mit Reliefs verziert, die zwischen Akanthusrankenwerk die Buchstaben Alpha und Omega sowie Getreideähren und Weinreben zeigen.
  Hinweise: Tabernakel ist das lateinische Wort für Zelt. Die Bezeichnung führt zurück zur Bundeslade der Israeliten zur Zeit Mose, die ebenfalls in einem Zelt untergebracht war. Der Tabernakel dient bereits seit frühchristlicher Zeit zur Aufbewahrung verwandelter Hostien für die Sterbenden. Seit dem hohen Mittelalter wurde er auch Ort der Anbetung und Verehrung Christi in der Gestalt dieses eucharistischen Brotes. Der Ort und die Form der Aufbewahrung änderten sich im Laufe der Jahrhunderte häufig. Das Tridentinische Konzil (1545 - 63) ordnete die Aufstellung des Tabernakels auf dem Altar an. Doch diese Vorschrift wurde in Deutschland, wo man lange daran festhielt, die heiligen Hostien in Wandschränken und Sakramentshäuschen aufzubewahren, erst im 18. Jahrhundert umgesetzt. Das 2. Vatikanische Konzil (1962 - 65) lässt dies wieder zu. Deshalb werden in modernen oder modernisierten Kirchen Tabernakel häufig in die Wand eingelassen oder stehen frei auf einer Säule.
Die griechischen Buchstaben Alpha und Omega sind der erste und letzte Buchstabe des griechischen Alphabets. Sie beziehen sich auf Kap.1 Vers 8 der Offenbarung: "Gott der Herr sagt, ich bin das Alpha und das Omega, der ist und der war und der kommt, der Herr der ganzen Welt." Die frühchristliche Kunst hat die Alpha- und Omegazeichen im Besonderen auf Christus bezogen; zum einen, weil er nach Offb 22,13 als kommender Richter dasselbe aussagte und zum anderen, um die von den Arianern bestrittene Wesensgleichheit (Göttlichkeit) von Christus mit Gottvater zu betonen.
Die Getreideähren und die Weinreben verweisen als Grundstoffe für Brot und Wein auf die Eucharistie.

Aus dem Altarraum führen zwei alte, zweiflügelige Fichtenholztüren und zwei bleiverglaste Oratorienfenster aus dem 18.Jh zum Sakristeianbau und zum Turmuntergeschoss.


Zelebrationsaltar

Der Zelebrationsaltar ist in Form, Farbe und Verzierung der übrigen Inneneinrichtung angeglichen. Er wurde um 1970 aufgestellt, im Zuge der Liturgiereform durch die Beschlüsse des 2.Vatikanische Konzils, und bedeutet eine Rückkehr zu den Wurzeln der Eucharistiefeier.
  Hinweis: Der Altar war das Symbol des heidnischen Gottesdienstes. Das lateinische Wort adolere = verbrennen bezeichnet die ursprüngliche Bedeutung als Stätte zur Verbrennung der Opfer. Die ersten Christen hatten keinen Altar. Jesus versammelte die Seinen um den Tisch, und das hielten auch die Christen während der ersten Jahrhunderte so; zur
  Eucharistiefeier konnte jeder beliebige Tisch dienen. Im 4.Jh wurde das Opfer Jesu in das Tischgeschehen hineingenommen und der Altar eingeführt. Er war meist aus Stein, frei aufgestellt und von allen Seiten zugänglich. Ab dem 8. Jahrhundert weicht die Tischform immer mehr der Blockform. Dies kommt der Entwicklung entgegen, im Altar Reliquien von Märtyrern und Heiligen beizusetzen. Der zelebrierende Priester stand hinter dem Altar, sodass seine Handlungen während der Messfeier für die ganze Gemeinde sichtbar waren. Als der Altar dann im 11.Jh eine Rückwand mit hohen Altaraufbauten (Retabel) erhielt und weiter an die Ostwand rückte, wandte der Priester der Gemeinde den Rücken zu. Dies ist in der katholischen Kirche durch eine Liturgiereform erst vor 40 Jahren wieder rückgängig gemacht worden.


C
horbogen

Der auf der Innenseite mit Rokoko-Ornamenten verzierte Chorbogen trennt Altarraum und Kirchenschiff. Auf der dem Altarraum zugewandten Seite hat sich, allerdings verdeckt durch den angebauten Chor, der ursprüngliche romanische Putz erhalten aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts. In diesen sind einfache Rundbogen und ein unregelmäßiges geometrisches Muster eingeritzt. Farbspuren deuten auf eine einstige Ausmalung der Fläche. Unter dem Chordach befinden sich am Ostgiebel des Langhauses in den Putz eingeritzte Zeichnungen.


Kommuniongitter

Unter dem Chorbogen hat sich noch das Kommuniongitter erhalten. Dort wurde jahrhundertelang die Kommunion gespendet.
Das Speisgitter ist ein Relikt des bis zu drei Metern hohen Lettners, der im Mittelalter den Altarraum, der den Priestern vorbehalten war und das Kirchenschiff für die Gläubigen vollständig getrennt hatte.

 

Kirchenschiff /Langhaus

Die Bezeichnung des Langhauses als Kirchenschiff ist darauf zurückzuführen, dass die Kirchenväter die Gemeinschaft der Glaubenden als Schiff bezeichneten, das die Gläubigen aus dem Sturm der Zeit und den gefährlichen Wogen des Schicksals rettet.


D
eckengemälde

Die Deckenbilder im fast quadratischenLanghaus sollen wie die im Altarraum aus dem 19.Jh stammen. Zentrales Bild ist die Verehrung des Heiligen Geistes. Eine große Schar von Englein schwebt auf dichtem Gewölk um ein von Stuck umgebenes kreisrundes Feld mit dem Lüftungsgitter, in dem früher sicher der Hl.Geist abgebildet war.
Einige Engel halten ein Notenblatt und singen, andere schwingen das Rauchfass und halten das Weihrauchschiffchen zum Nachlegen des Räucherwerks bereit. Die Darstellung des Hl.Geistes fehlt jedoch. Derzeit ist dort nur das Lüftungsgitter zu sehen.
  Hinweis: Das sog. Heilig-Geist-Loch oder Pfingstloch in der Decke diente wohl in erster Linie der Entlüftung der Kirche. An Pfingsten (und an Christi Himmelfahrt) wurde es früher aber auch für eine Art Schauspiel genutzt: Während des Gottesdienstes wurde von oben entweder eine lebende weiße Taube freigelassen oder  eine hölzerne Taube als Symbol für den Hl. Geist an einer Schnur hinuntergelassen. Auch brennende (Flachs-)Flocken ließ man vom Pfingstloch aus in das Kircheninnere fallen; sie sollten die Flammenzungen des Hl. Geistes symbolisieren. Der Brandgefahr wegen war dieser Brauch umstritten.
Das Pfingstloch spielt auch in vielen alten Anekdoten eine Rolle, so z.B: Statt der Taube kam die Stimme des Mesners aus dem Pfingstloch: "Herr Pfarrer, den Heiligen Geist hat Katz gfressn".




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Südlich und nördlich sind zwei Allianzwappen im Stuckrahmen zu sehen. Im südlichen Bild ist das Wappen der Familie Geböckh (Gepeckh) zu sehen, mit den Zeichen für den Fluss (Glonn) und den Vogel. An der Nordseite ist das Wappen derer von Hundt zu erkennen (weißer Hund). Die jeweils anderen Wappen gehören den Familien der Ehepartner.
Ein Allianzwappen ist ein Ehewappen oder Heiratswappen. Es enthält die Wappen der Ehepartner, wenn beide über ein Familienwappen verfügen.

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Aus der Familie Geböckh, auch Gepeckh geschrieben, kam der bedeutende Freisinger Fürstbischof Veit Adam Gepeckh, der 1584 in Arnbach geboren worden war. Veit Adam Gepeckh weihte 1629 die Dachauer Jakobskirche.

An den vier Enden der Decke sind in runden Stuckfeldern die Bilder der vier Evangelisten (jeweils mit Buch und Feder) platziert: Matthäus mit einem Menschen, der ihm das offene Evangelium mit dem Text "Liber generationes" (Stammbaum Jesu) hält. Diese Menschengestalt mit Flügeln weist auf den Stammbaum Jesu und auf seine Geburt (mit deren Bericht das Matthäusevangelium beginnt) hin.

Markus mit einem Löwen und dem Text(Tertia die resurrexit- er ist nach 3 Tagen auferstanden) im offenen Evangelienbuch. Der Löwe bei Markus wird als Hinweis auf den Anfang des Markusevangeliums verstanden, das mit der Predigt des Johannes in der Wüste beginnt; sein Evangelium betont die Kraft der Auferstehung und Todesüberwindung.

Lukas mit dem Stier. Im Evangelienbuch der Text "Passus Crucifixum" (Leidensgeschichte).
Der (Opfer-)Stier des Lukas galt als Zeichen für den Beginn des Lukas-Evangeliums, das mit dem Opfer des Zacharias einsetzt und das am innigsten auf den Opfertod Christi hindeutet.
Johannes mit einem Adler und dem Text "Et verbum caro" (Das Wort wurde Fleisch) im Evangelienbuch. Das Attribut des Johannes verstand man als Symbol für den spirituellen Höhenflug des Johannes-Evangeliums. Das Johannesevangelium beginnt mit der Aussage: "Am Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort".

Die vier Evangelistensymbole Mensch, Löwe, Stier und Adler(alle mit Flügeln) haben ihren Ursprung in den Cherubim, den himmlischen Altar- und Thronwächtern. Sie werden in den Gottesvisionen Hesekiels (AT) und in der Offenbarung des Johannes (Kap.4 Vers 7) als die vier Lebewesen, die rings um Gottes Thron stehen, erwähnt. Zuerst wurden sie nur im Zusammenhang mit dem thronenden Christus abgebildet. Als Evangelistensymbole dienen sie erst seit dem frühen Mittelaltar.


Seitenaltäre

Die ebenfalls rot und grau marmorierten und mit vergoldeter Ornamentik verzierten Rokoko-Altäre sind 168 cm breit und fast raumhoch. Sie stammen aus der Zeit um 1750/60. Die Stipes, der Altartisch, ist mit Holz verkleidet. ZweiPilaster tragen die nach vorne gedrehten Volutensprenggiebel mit dem Altaraufsatz.

Linker Seitenaltar

Das mit Ölfarbe auf Leinwand gemalte Altarblatt (120 x 82 cm) zeigt eine Madonna mit Kind im Stil der Nazarener-Malerei des ausgehenden 19.Jh. Dieser Malstil legt u.a. Wert auf schöne Gesichter. Maria im traditionellen rot-blauen Gewand sitzt auf Wolken und hält im linken Arm das bekleidete Jesuskind. Auf dem Haupt trägt sie eine Krone, in der rechten Hand hält sie ein Zepter. Die dritte königliche Insignie, der Reichsapfel, liegt in der Hand des blondgelockten Jesuskindes. Der Apfel war schon im Altertum Sinnbild für den Kosmos, später auch für die Erde, nachdem man deren Kugelform erkannt und akzeptiert hatte. Der mit dem Kreuz versehene Reichsapfel in der Hand des Königs ist seit 1191 Teil der königlichen Insignien und symbolisiert den von Gott verliehenen Herrschaftsanspruch. Gleiches gilt auch für das Jesuskind. Hier kommt aber die weitere Bedeutung des Apfels als Paradiesapfel und Sinnbild für den Sündenfall hinzu: Jesus weist den Betrachter darauf hin, dass er durch seinen Tod die Erbsünde überwindet.
Auf dem Bild in Sulzemoos segnet das Kind den Betrachter mit der rechten Hand. Es verwendet dabei den lateinischen Segensgestus (die ersten drei Finger ausgestreckt, die beiden übrigen Finger zurückgebogen). Zu Füßen von Maria liegen Rosenblüten. Die Rose als Königin der Blumen ist Sinnbild für die Himmelskönigin Maria. Hinter den Wolken lugen Puttenköpfe hervor.


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Das Altargemälde wird eingerahmt von großen Anbetungsengeln aus der Zeit um 1750 (siehe Bild ganz oben).

Der Aufsatz des linken Seitenaltars besteht aus einem großen Strahlenkranz mit einem flammenden Herz in der Mitte. Der Kranz von Rosen, der dieses Herz umgibt, macht es als das Herz Mariens kenntlich. Es ist Zeichen für die mütterliche Liebe Mariens.

In der Predella des linken Seitenaltars steht in einem dreiteiligen, verglasten Kasten mit aufwändiger Rocaillierahmung die Kopie des Gnadenbildes der Muttergottes von Altötting. Der Kopf Mariens ist mit einer Krone in Form einer flachen Mütze bedeckt; die Zacken der Krone sind reliefartig aufgetragen. Maria trägt das bekleidete Jesuskind auf dem rechten Arm. In der Linken hat sie ein Zepter. Das Jesuskind hält in seiner Hand einen Apfel. Es sind die königlichen Insignien.
Hinweis: Der Apfel war schon im Altertum Sinnbild für den Kosmos, später auch für die Erde, nachdem man deren Kugelform erkannt und akzeptiert hatte. Der mit dem Kreuz versehene Reichsapfel in der Hand des Königs ist seit 1191 Teil der königlichen Insignien und symbolisiert den von Gott verliehenen Herrschaftsanspruch. Gleiches gilt auch für das Jesuskind. Hier kommt aber die weitere Bedeutung des Apfels als Paradiesapfel und Sinnbild für den Sündenfall hinzu: Jesus weist den Betrachter darauf hin, dass er durch seinen Tod die Erbsünde überwindet.
  Hinweis: Das aus Lindenholz geschnitze Gnadenbild von Altötting ist wohl um 1330 am Oberrhein entstanden und kam um 1360 als Geschenk des Zisterzienserkloster Raitenhaslach nach Altötting. Sie war wohl ursprünglich rosa bemalt. Wahrscheinlich ist die schwarze Farbe im Laufe der Jahrhunderte durch Nachdunklung des Holzes und durch den Kerzenrauch in der engen Kapelle entstanden. Manche Historiker glauben auch, dass sie bewußt gefärbt wurden und verweisen auf das Hohe Lied des Salomons aus dem Alten Testament: "Schwarz bin ich, doch schön". Schwarze Madonnen galten im späten Mittelalter als besonders wundertätig. Dies mag seinen Grund auch darin haben, dass die schwarzen Madonnen besonders alt sind und ihnen deshalb eine größere Anzahl von Erhörungen zugeschrieben werden kann.

Der Tabernakel wird eingerahmt durch zwei
32 x 41 cm große, eingebaute Reliquien-behältnisse mit großen Sichtfenstern. Hinter dem Glas sind Figuren (aus Wachs ?) zu sehen, die Reliquien der Heiligen Vincentia (links) und Festina (rechts) enthalten.
   

Bei diesen Heiligen dürfte es sich um Katakombenheilige handeln, deren Reliquien im 18.Jh über Zwischenhändler in Rom erworben werden konnten. Mehr über Katakombenheilige.....
Die Reliquien sind mit Goldlahn auf rotem Samt in Klosterarbeit gefasst (um 1890).


Rechter Seitenaltar

 
Thema des Altarblatts am rechten Seitenaltar ist die Anbetung der Dreikönige (1720, Öl auf Leinwand, 122 x 86 cm). Vor dem Hintergrund einer Säulenarchitektur sitzt Maria im roten Kleid und weiten blauen Mantel und präsentiert den Besuchern aus dem Morgenland ihren Sohn. Der erste der Weisen kniet vor Jesus und küsst ehrfürchtig dessen Hand. Sein Geschenk und seine Mütze hat er vor sich auf den Boden gelegt. Dahinter warten die beiden übrigen Weisen, von denen einer als Mohr dargestellt ist. Zwischen den Dreikönigen lugt eine jüngere, weiblich wirkende Person hervor. Auf der rechten Seite beobachtet Josef, auf einen Stock gestützt, die Szene.
  Hinweis: Die Bibel spricht nur von Magiern (Sterndeutern) aus dem Morgenland. Die Zahl wird darin nicht genannt. In frühen Schriften ist von bis zu 12 Magiern die Rede; durchgesetzt hat sich aber die Zahl drei, nach der Anzahl der Geschenke. Diese Geschenke versinnbildlichen die Würden Christi: Gold=König, Weihrauch=Gott, Myrrhe=Arzt, Tod, Erlösung. Ab dem 4.Jh, als das Weihnachtsfest eingeführt wurde, entstanden Legenden um die Herkunft der Magier. Zu Königen wurden sie erst um das Jahr 975, als ihnen die Künstler Kronen aufsetzten. Zur gleichen Zeit entstanden ihre Namen Kaspar, Melchior und Balthasar. Ab dem 12. Jh wurde einer schwarz dargestellt, weil sie die Bewohner der drei damals bekannten Erdteile und damit die ganze Welt symbolisieren sollten. Einige Apokryphen schildern den Besuch der Magier zwei Jahre nach Jesu Geburt; deshalb wird das Kind manchmal schon etwas größer dargestellt.

Assistenzfiguren am rechten Seitenaltar sind die Heiligen Jakobus der Ältere (mit Pilgerstab) und Joachim, der Großvater Jesu (mit Schäferschaufel). Die beiden Figuren wurden um 1750 geschnitzt.

 

Hinweis: Jakobus der Ältere war der Sohn des Fischers Zebedäus und der ältere Bruder des Jüngers Johannes. Er zählte neben seinem Bruder und Petrus zu den drei bevorzugten Jüngern, die bei der Verklärung Jesu und in seiner Todesangst im Garten Gethsemane zugegen waren. Der Überlieferung nach verkündete er nach Pfingsten in der Gegend um Samaria und Jerusalem das Evangelium, bis er durch König Herodes Agrippa I. von Judäa im Jahr 43 geköpft wurde; Jakobus war somit der erste Märtyrer unter der Aposteln (Ap 12, 1 - 2). Der Legende nach setzten Anhänger seine Leiche in ein Boot, das im Meer herumtrieb und in Galizien, im Nordwesten Spaniens strandete. Dort wurde er begraben. 800 Jahre später, zur beginnenden Reconquista (Rückeroberung des maurischen Spaniens durch die Christen) entdeckte König Alonso II das Grab wieder und baute eine Kirche darüber. Bald begann die Wallfahrt und Santiago de Compostela wurde eines der größten Wallfahrtszentren des Abendlandes. Durch ganz Europa führten feste Wallfahrtswege dorthin; bis ins 15. Jahrhundert zog der Ort mehr Pilger an als Rom oder Jerusalem. St.Jakob erhielt seine Attribute (Pilgerkleidung und Muschel) erst im 13.Jh. Zuvor war Jakobus meist mit einer Schriftrolle abgebildet.
Joachim wird in der Bibel nicht genannt. Joachim war nach apogryphen Schriften er der Vater Marias. Im 5. und 6. Jh wurden sein Name und der seiner Frau Anna in Marienlegenden weiterverbreitet. Die Schäferschaufel Joachims führt zum apokryphen Jakobusevangelium, nach dem ihm ein Engel erschien, während er auf dem Feld die Herden hütete.


Der Aufsatz des rechten Seitenaltars besteht aus einem großen Strahlenkranz in dessen Mitte sich ein flammendes Herz, umkränzt mit einer Dornenkrone, befindet. Das Herz Jesu ist Symbol für die Erlöserliebe Christi. Diese Darstellung verbreitete sich in unseren Kirchen insbesondere nach der Einführung des Herz-Jesu-Festes durch Papst Clemens XIII.(1758 - 1769) im Jahr 1765.


Auf dem Tisch des rechten Seitenaltars steht in einem tabernakelähnlichen Aufsatz eine Figur des hl. Johannes Nepomuk im priesterlichen Gewand der Zeit um 1729, dem Jahr seiner Heiligsprechung. In der Hand hält er ein Kruzifix. Die Augen der um 1750/60 geschnitzten Figur sind aus Glas.
  Hinweis: Johannes aus Pomuk, "ne Pomuk", war Ende des 14.Jh Generalvikar des Erzbischofs in Prag und machte sich wegen seines energischen Auftretens für die Rechte der Kirche beim König Wenzel unbeliebt. Der ließ ihn am 20. März 1393 gefangen nehmen, foltern, brannte ihn selbst mit Pechfackeln, ließ ihn durch die Straßen schleifen und schließlich in der Moldau ertränken. Die Legende berichtet, der eigentliche Grund sei gewesen, dass Johannes, der Beichtvater der Königin war, dem König keine Auskunft über die Sünden seiner Frau gab. Der Fundort der Leiche wurde durch eine Erscheinung von 5 Sternen geoffenbart. Sein Denkmal auf der Prager Karlsbrücke, das 1693 errichtet wurde, machte ihn zu einem der wichtigsten Brückenheiligen. Johannes wurde 1729 von Papst Benedikt XIII. heilig gesprochen und war deshalb während der Barock- und Rokokozeit als moderner Heiliger häufig abgebildet worden.

 

Wangen der KirchenbänkeKommuniongitterKommuniongitterKreuzwegbilderKanzelKreuzwegbilderEvangelistenbilderEvangelistenbilderWangen der KirchenbänkeDeckengemälde im LanghausHerz-Jesu-StatueOpferstockOrgelTürbeschlag
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Gemälde im Altarraum

In der Nähe des nördlichen Seitenaltars (Marienaltars) hängt ein weiteres Marienbild aus der 1.Hälfte des 19.Jh. Es zeigt

die Nachbildungder sog. Herzogspitalmutter, das ist die von Tobias Pader 1651 geschaffene Marienfigur in der Herzogspitalkirche München. Diese Figur wurde im 18.Jh zum bedeutendsten Gnadenbild Münchens. Die in einen roten Mantel
gekleidete Maria hält in den über der Brust gekreuzten Händen ein Tränentuch. In der Brust steckt ein langes Schwert (oder Degen).
 

Hinweis: Das Schwert in Marias Brust erinnert das Simeonwort im Lukasevangelium (Kap 2,35) bei der Darstellung im Tempel: "Dir selbst wird ein Schwert durch die Seele dringen".  
Die zwölf Sterne gehen zurück auf die Apokalyptische Frau, die Johannes in der Geheimen Offenbarung beschrieben hat. Sie war in der Vision vom Strahlenkranz der Sonne umgeben, über ihrem Haupte standen zwölf Sterne als Symbol für die zwölf Stämme Israels. Die Apokalyptische Frau wurde in frühchristlicher Zeitals Symbol für die Kirche angesehen und erst später mit Maria identifiziert.


K
reuzwegbilder
An den Wänden des Kirchenschiffs hängen im rückwärtigen Bereich die 14 Kreuzweg-Stationsbilder in vergoldeten Rokoko-Schnitzrahmen. Die Bilder wurden von Anton Niedermaier aus München im Jahr 1911 mit Ölfarbe (auf Leinwand) gemalt. Die 12.Station signiert.
 

Hinweis:In der Fastenzeit wird in sogenannten Kreuzwegandachten der Leidensweg Jesus anhand der Bilder in der Kirche betend und meditierend "nachgegangen". Im späten Mittelalter hielt man Kreuzwegandachten als Ersatz für die Pilgerfahrt ins Heilige Land, das durch die arabische Eroberung für Wallfahrer nicht mehr zugänglich war. Wenn Sie mehr über die Entstehung der Kreuzwegstationen und seiner Darstellungen in Kirchen des Landkreises erfahren wollen, klicken Sie hier...


A
postelleuchter

Zwischen den Kreuzwegbildern sind an der Nord- und Südwand die nicht sehr auffälligen Apostelleuchter angebracht.
  Hinweis: Sie erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlischen Jerusalems. .


K
anzel

Auch die Kanzel mit ihrem kleeblattförmig gelochten Aufgang ist mit viel Ornamentik geschmückt. Der Kanzelkorb ist vorgebaucht und in Felder gegliedert; er ruht auf einer trichterförmigen Konsole. An der Rückeite, dem Dorsale, das "Auge Gottes". Der Schalldeckel ist in Form eines Baldachins gestaltet. An der Unterseite eine Heilig-Geist- Taube; auf dem Schalldeckel vergoldete Ziervasen und Rankenschmuck.
 

Hinweis: Die Predigt wurde in altchristlicher Zeit -ähnlich wie heute- von einem Ambo aus gehalten. Ab dem 13. Jh. hat man Kanzeln gebaut, die zumeist seitlich im Mittelschiff ihren Platz haben, dort, wo die Gemeinde versammelt ist. Von hier aus konnten die Prediger auch von oben herab sprechen, was ihren Worten größere Wirkung verleihen sollte. Spätestens seit dem 2.Vatikanischen Konzil 1962 werden sie nicht mehr benutzt.


F
iguren im Kirchenschiff

Im Kirchenschiff befinden sich an den Wänden noch vier Heiligenfiguren:

a) An der Nordseite, direkt gegenüber der Kanzel, steht eine Figur des Guten Hirten. Er hält eine Schäferschaufel im rechten
    Arm. Die Figur beschreibt wohl den Augenblick, in dem sich der Hirte ein (verletztes) Lamm um seine Schultern gelegt hat
    und im Begriff ist, aufzustehen.
Hinweis: Die Darstellungen des Guten Hirten mit einem Schaf auf seinen Schultern waren in der Frühzeit auf die Sündenvergebung bezogen (Mt.18,12-14). In der Barockzeit trat die von Jesus auf die Priester übertragene Hirtenfunktion in den Vordergrund und damit dessen Hauptaufgabe, die Verkündigung des Evangeliums. Deshalb wurde der Gute Hirte ein bevorzugtes Bildnis an den Kanzeln. In Sulzemoos nimmt das Bildnis des Guten Hirten die Stelle des sonst üblichen Kanzelkreuzes ein.

b) Ebenfalls auf der Nordseite steht eine einfache Herz-Jesu-Statue aus dem 20.Jh.
Die Anfänge der Verehrung des Herzens Jesu finden sich schon im 13. und 14. Jh. Bei den Gläubigen wurde die Herz-Jesu-Verehrung aber erst durch die Visionen der Margaretha Maria Alacoque (+1690) populär: Ihr war Christus erschienen, auf sein Herz deutend, was als sein Verlangen nach der Einführung eines diesbezüglichen Festes verstanden wurde. Gefeiert wurde es am dritten Freitag nach Pfingsten. 1765 wurde es durch Papst Clemens XIII. anerkannt und 1856 unter Pius IX. für die Kirche vorgeschrieben. Heute stößt es auf nur noch geringe Akzeptanz. Dazu haben sicher die süßlichen Darstellungen Jesu wie auf dem Bild in Bergkirchen beigetragen.

c) Auf einem Postament steht die Statue des hl. Bischofs Nikolaus (um 1750) im vollen Ornat mit einem Buch in der Hand,
    auf dem drei Goldkugeln liegen.
  Hinweis: Nikolaus war um das Jahr 300 Metropolit von Myra. Während der bald darauf einsetzenden Christenverfolgung wurde er um 310 gefangen genommen und gefoltert. Er überlebte und nahm 325 am 1. Konzil von Nicäa teil. Eine weit verbreitete Legende erzählt, Nikolaus habe einer verarmten Familie durch Geldgeschenke (Goldkugeln), die er heimlich durchs Fenster und durch den Kamin in die darin aufgehängten Socken warf, geholfen, damit der Vater seine drei Töchter nicht zur Prostitution bewegen musste. Um ein in Seenot geratenes Schiff mit drei Pilgern zu retten, begab er sich an Bord, stillte den Sturm und brachte das Schiff sicher in den Hafen.

d) Auf der gegenüberliegenden Seite steht die ebenfalls aus der Zeit um 1750 stammende Figur des hl.Sebastian, mit römischen Soldatenstiefeln und einem Soldatenhelm mit Federbusch auf dem Kopf. In den Händen hält er ein Bündel Pfeile und einen Märtyrerpalmzweig.
  Hinweis: Sebastian soll nach der Legende im 3.Jh.ein Offizier der kaiserlichen Garde gewesen sein. Auf Befehl des Kaisers Diokletian wurde er wegen seines Glaubens mit Pfeilen durchschossen. Er erholte sich aber durch die Pflege von St.Irene, der Witwe des Märtyrers Kastulus, bekannte sich erneut zu seinem Glauben und wurde daraufhin mit Keulen erschlagen. Auf seine Anrufung hin, soll eine Pestepidemie abgewendet worden sein. Der heilige Sebastian wird deshalb als Pestpatron und -der Pfeile wegen- als Patron der Schützenbruderschaften verehrt. Die Palme ist schon von alters her Zeichen der sieghaften Vollendung und des Triumphs. Dies hat man für die christlichen Märtyrer übernommen. Die immergrünen Palmzweige symbolisieren das ewige Leben und den Sieg des Glaubens über das Heidentum. Zudem berichtet Johannes in der Geheimen Offenbarung: "... sie standen in weißen Gewändern vor dem Thron und vor dem Lamm und trugen Palmzweige in den Händen" (Offb 7,9).


Kirchenbänke
Die Kirchenbänke im Altarraum und Kirchenschiff (links 14, rechts 13 Reihen) haben außergewöhnlich kunstvoll geschnitzte Wangen aus Weichholz (um 1730/40). Das Muster erinnert an das der Kirchenstühle von Schwabhausen.

Wenn Sie sich für die Wangenmuster in den übrigen Kirchen des Landkreises Dachau interessieren, klicken Sie hier...



O
pferstock
An einer der letzten Bänke ist der Opferstock befestigt. Eindeutig gehören der schön geschnitzte barocke Sockel mit Akanthusmotiven und der einfache eiserne Opferstock nicht zusammen. In den Kirchen des Landkreises Dachau gibt es viele unterschiedliche, außerordentlich interessante Opferstöcke. Wenn Sie sich dafür interessieren, klicken Sie hier..

Empore und Orgel

Die stützenlose Empore besitzt an der Unterseite Stuckrahmenfelder. Die Brüstung ist nicht bemalt, sondern lediglich durch einfache, weiß gestrichene Felder strukturiert.

Die Orgel mit einem dreigliedrigen offenem Prospekt wurde 1870/71 von Joseph Philipp Frosch jun. aus München errichtet (damals 5 Register), 1901 von Willibald Siemann, Mch, ausgebaut (6 Register) und 1964 von Anton Staller aus Grafing zu seiner jetzigen Form mit 7 Registern umgestaltet.
Die Familie Frosch hat in drei Generationen von 1830-1890 viele Orgeln im Münchner Raum gebaut. Im Landkreis Dachau ist das Sulzemooser Instrument jedoch die einzige Frosch-Orgel.
  Allgemeines zur Orgel - Mit ihren vielen Pfeifen, die über ein Gebläse zum Klingen gebracht werden, steht die Orgel meist im rückwärtigen Bereich der Kirche auf der Empore. Sie hielt erst allmählich Einzug in die Kirche, weil sie bis in das 11. Jahrhundert als profanes (weltliches) Instrument galt, das für das höfische Zeremoniell verwendet wurde. Erst ab dem 13. Jh wurde es zur Regel, in allen bedeutenden Kirchen Orgeln zu errichten. Heute gehört eine Orgel zur Ausstattung fast jeder Kirche. Mit ihrer Klangvielfalt und Klangfülle trägt sie zur Verschönerung des Gottesdienstes bei. Der Orgelprospekt, die Schauseite der Orgel, wurde früher meist durch Künstler gestaltet. Im Barock und im Klassizismus, deren Epochen unsere ältesten Orgeln im Landkreis Dachau angehören, wurde der Prospekt mit reicher Ornamentik verziert. Heute setzt sich immer mehr der "offene" Orgelprospekt durch, der allein durch die harmonische Anordnung der Pfeifen wirkt.


Portal
An der Kirchentüre sind noch alte Beschläge zu sehen. Wenn sie sich für Türbeschläge an den Kirchentüren im Landkreis Dachau interessieren, klicken Sie hier...

 

Leonhardskapelle

In der Leonhardskapelle, deren Eingang vor dem linken Seitenaltar liegt, steht ein vierter Altar aus der 2. Hälfte des 18.Jh. Die Rokokoretabel ist rot und grau marmoriert. Zwei Säulen stützen das geschwungene Gebälk; darauf ein geschwungener Giebel und zwei seitliche Blumenvasen. Das Altarblatt (Öl auf Leinwand) zeigt St.Leonhard in der Glorie (2.Hälfte des 18.Jh). Der Heilige kniet -in sein Ordensgewand gekleidet- auf Wolken und blickt hinauf in den Himmel. Dort erscheint zwischen den zurückweichenden Wolken das Sinnbild Gottes, ein Dreieck (Dreifaltigkeit) im Kreis (Unendlichkeit). Engel tragen die Attribute Leonhards, den Abtsstab und die Gefangenenketten. Ein weiterer Engel hält in der Hand eine Lilie, das Sinnbild des Keuschheitsgelübdes, das der Ordensmann abgelegt hatte.

Das Gemälde könnte dem künstlerischen Gesamteindruck nach von Anton Huber d. Älteren (1799 -1868) stammen, dessen Gemälde in vielen Kirchen des Landkreises Dachau zu sehen sind (z.B. Altarbilder in Kleininzemoos,Arzbach, Etzenhausen und Pellheim sowie viele Kreuzwege). Mehr über Anton Huber erfahren Sie, wenn Sie hier klicken...
  Hinweis: St.Leonhard (in Bayern einer der 14 Nothelfer) lebte um das Jahr 500 als Einsiedler und später als Abt in Frankreich. Regelmäßig besuchte er die Gefangenen und erreichte für viele beim König Clodwig I. ihre Freilassung. Deshalb galt er ursprünglich als Schutzpatron derer, "die in Ketten liegen", also der Gefangenen - und der Geisteskranken, die man bis ins 18. Jahrhundert ankettete; nach der Reformation wurde er Schutzpatron der Haustiere, weil man die Ketten, mit denen er abgebildet wurde, als Viehketten deutete. In Bayern erreichte die Leonhardsverehrung im 19.Jh ihren Höhepunkt. Man nannte ihn auch den bayerischen Herrgott.Am Leonhardstag, dem 6.November werden Leonhardiritte wie in Pasenbach abgehalten und Tiersegnungen vorgenommen. In Bayern gehört Leonhard auch zu den 14 Nothelfern.


 

 

 

 

 

 

 

 

Im Altaraufsatz ein Leinwandbild des hl.Georg (2.Hälfte des 18.Jh). Der Heilige sitzt in Ritterrüstung auf einem sich aufbäumenden Schimmel und schlägt mit seinem Schwert auf einen ziemlich spitzmäuligen Drachen ein. Im Hintergrund die Gebäude der Stadt Silena; davor steht die Königstochter, zu deren Rettung Georg eingreift .
Hinweis:St.Georg war Soldat des römischen Heeres zur Zeit Kaiser Diokletians und wurde um ca. 304 in Nikodemien oder Lydda enthauptet. Bei uns wird der hl. Georg vor allem als Patron der Pferde verehrt (Georgiritt). Meist wird er als Ritter dargestellt, der einen Drachen tötet. Nach der Legende hauste in einem See vor der Stadt Silena in Lybia ein Drache, dem die Einwohner täglich Lämmer und später Kinder opfern mussten. Da erschien St.Georg, nachdem er alle Martern überstanden hatte, gevierteilt und vom Erzengel Michael wieder zum Leben erweckt worden war. Als der Drache auftauchte, schwang Georg mit dem Zeichen des Kreuzes die Lanze und durchbohrte das Untier, das zu Boden stürzte
Die Bedeutung des Pferdes in der Symbolik hängt wesentlich von seiner Farbe ab. Weiße Pferde waren schon im Altertum die Zugtiere der Wagen von Eos und Helios. Sie gelten deshalb als Lichtbringer. Die mit weißen Rossen in Verbindung gebrachten positiven Vorstellungen zeigen sich auch darin, dass der hl. Georg stets auf einem Schimmel dargestellt werden (in Ebersbach ist es allerdings ein braunes Pferd). Schwarze Pferde symbolisieren dagegen Tod und Verderben.Als Zugtiere für Leichenwagen dienten früher immer Rappen. Schimmel, als weißes Pferd, ist ein Symbol für das Gute.
Der Drache ist ein Wesen, das viele Völker in ihren Mythen (Lindwurm) kennen. In China gilt er als glücksbringend, bei uns im Westen als Bedrohung. Sein Name kommt vom Griechischen drakon = "furchtbar Blickender". Im Alten Testament wird er als Verkörperungen des Bösen und als Teufel bezeichnet. In der Apokalypse bedroht er die Frau, die gerade ein Kind geboren hatte. In der religiösen Kunst wird er häufig zusammen mit dem hl.Michael, dem hl. Georg und der hl.Margarete abgebildet. Bei frühen Darstellungen ist der Drache meist schlangenartig und oft mehrköpfig wiedergegeben, seit dem Spätmittelalter eher echsenförmig, oft mit Fledermausflügeln und feurigem Atem. Alte Drachen-Darstellungen sind Sauriern oft erstaunlich ähnlich, als ob es ein Urwissen von der Existenz dieser prähistorischen Tiere geben würde.

Bei dem reich verzierten marmorierten Holz-Tabernakel aus der Zeit um 1750 handelt es sich um einen Drehtabernakel mit geschwungenem Giebel und seitlichen Schnitzereien. In der im geschlossenen Zustand sichtbaren Nische steht eine Kreuzigungsgruppe mit Maria, Johannes und Maria Magdalena.
  Hinweis: Tabernakel ist das lateinische Wort für Zelt. Die seit dem 12. Jh übliche Bezeichnung führt zurück zur Bundeslade der Israeliten zur Zeit Mose, die ebenfalls in einem Zelt untergebracht war. Der Tabernakel dient bereits seit frühchristlicher Zeit (unter anderem Namen) zur Aufbewahrung verwandelter Hostien für die Sterbenden. Seit dem hohen Mittelalter wurde er auch Ort der Anbetung und Verehrung Christi in der Gestalt dieses eucharistischen Brotes. Der Ort und die Form der Aufbewahrung änderten sich im Laufe der Jahrhunderte häufig. Das Tridentinische Konzil (1545 - 63) ordnete die Aufstellung des Tabernakels auf dem Altar an. Doch diese Vorschrift wurde in Deutschland, wo man lange daran festhielt, die heiligen Hostien in Wandschränken und Sakramentshäuschen aufzubewahren, erst im 18. Jahrhundert umgesetzt. Das 2. Vatikanische Konzil (1962 - 65) lässt dies wieder zu. Deshalb werden in modernen oder modernisierten Kirchen Tabernakel häufig in die Wand eingelassen oder stehen frei auf einer Säule.

Reliquiare
Der Tabernakel wird eingerahmt durch zwei im barocken Stil verzierte Pyramiden-Reliquiare mit großen Sichtfenstern. Hinter dem Glas sind lange Gebeine (wahrscheinl. Oberschenkelknochen) zu sehen. Nach der Beschriftung auf den Cedulae, den kleinen beschrifteten Pergamentstreifen, stammen sie von den Heiligen St. Clementis und St. Albanus.



Hinweise: Beide Heilige dürften sog. Katakombenheilige sein, deren Reliquien in der Barockzeit viel gehandelt wurden. Die in den Katakomben gefundenen Gebeine waren anonym und konnten keinem bekannten Heiligen zugeordnete werden. Deshalb wurden sie auf Phantasienamen "getauft". Bei den Reliquienbehältnissen handelt es sich um Klosterarbeiten, die meist von Klosterfrauen, zum Teil aber auch von begabten Handwerkerinnen erstellt wurden. Die Reliquien im Schrein von Sulzemoos lagern auf rotem Stoff. Sie sind umgeben von Flechtarbeiten aus vergoldeten und versilberten Drähten und Fäden.
In der Reliquie (lat. reliquiae = Überrest) verehrte man den Heiligen selbst. Durch die Reliquie war er dem Gläubigen unmittelbar gegenwärtig. Dabei war unwichtig, ob es sich um die echten Gebeine des Heiligen handelte oder ob die Reliquie nur mit den echten Gebeinen in Berührung gebracht worden war. Damit wurde in der christlichen Kirche ein Brauch fortgesetzt, der schon im Altertum weit verbreitet war. Bereits im Heroenkult antiker Zeit, in der Verehrung von besonders herausragenden und ausgezeichneten Menschen nach ihrem Tod, standen deren Grab und Gebeine im Mittelpunkt des Kultes. Von den Gräbern der Märtyrer, der Heroen des Christentums, hat der Heiligenkult seinen Ausgang genommen. Reliquien waren den Gläubigen Unterpfand für die überirdische Kraft des Heiligen, für seine besondere Stellung zu Gott, die er sich durch seinen Märtyrertod oder durch ein besonders frommes und gottgefälliges Leben erworben hatte.


Grabplatten (Epitaphe)

In die linke Seitenwand der Leonhardskapelle sind frühbarocke Grabdenkmäler der Hofmarksherren seit dem 17.Jh. eingelassen
so z.B ein großes Epitaph für Hanns Wilhelm G. von Lauterbach und Sulzemoos, das zum größten Teil mit heraldischen Reliefs verziert ist. Der Text im unteren Teil der Grabtafel beginnt mit: "hier ligt begraben der Edle und Gestreng Herr Hanns Wilhelm G. von Lauterbach und Sulzemoos...".

Neben dem Taufstein steht ein weiteres Epitaph aus Solnhofener Stein (64 x 42 cm) aus dem Jahr 1693 für Wilhelm Freiherrn von Geböckh und seine Frau Martha. Der Stein wird von einem Rahmen aus verschiedenen Wappen und Rankenverzierungen umgeben.
Der Text auf dem Grabstein lautet:

"Anno 1693, den 18. Juny ist in Gott Seelig verschiden der Hoch und wollgeborne Herr Herr Willhelm Freyherr von Geböckh von Sulzemoos und Arnbach beeder Churfürstl. Durchl. zu Cölln und Bayrn Camerer Rath und Obrist Jegermaister zu Freyßing auch Pfleger und Chastner der Herrschafft Burkhrain seines alters in 75.Jar deme Gott genedig sein wolle.
Anno 1694 den 2.Aug. verschide in Gott ... die Hoch und wollgeborne Frau Martha Elisabetha Freyfrau von Geböckh von Sulzemoß und Arnbach geborne Freyin von und zu Rorbach wollgedachten von Geböckh sel. Ehegemahlin Ihres alters im 65.Jahr, deren gott ...."


Hinter dem linken Seitenaltar, am Eingang zur Leonhardskapelle, ist im Pfeiler eine 87 x 59 cm große Gedenkplatte aus Solnhofener Stein für Johann Theodor Geböckh (Geeböck) eingelassen. Im Oberteil der Platte ist die Prachtausgabe des Wappens der Geböckh zu sehen. Der Text darunter lautet:
"Denkmaal des Hochwohlgebohrnen Herrn Herrn Johann Theodor Freyherrn von Geeböck auf Sulzemoos und Arnbach wirkl. Regierenden HofmarksHerrn. Sr.Churfl. Durchl. zu Pfalzbaiern, Kamerer und Hauptmann der Cavalerie & c. Gestorben den 23.Decemb. 1800 im 65.Jahr seines Alters. Gottes Friede über Ihm."

Weitere Epitaphe sind an der Außenseite der Kirche befestigt. Sie erinnern an frühere Pfarrer von Sulzemoos:

   
   

für
Lorenz Alois
Peischer
1796-1861

Text: "Ruhestätte der irdischen Hülle des Hochwürdigen Herrn Lorenz Alois Peischer
geboren zu Aichach am 18.Jänner 1796, gest. zu Sulzemoos am 19.Juni 1861
nachdem er durch 13 Jahre der Pfarrey daselbst würdig,
deshalb auch geehrt und geliebt, vorgestanden hat."
(Sandstein, 90 x 56 cm).

für
Johann Bapt.
Endl

1847-1896

Text: "Hier ruht in Gott der hochwürdige Herr Johann Bapt.Endl, seit 7 1/2 Jahren Pfarrer dahier, geboren am 6.August 1847 zu Ensdorf, zum Priester geweiht 1874, gestorben dahier am 16.Dez. 1896 nach öfteren Empfang der heiligen Sterbsakramtente.
Geliebt von allen, die ihn kannten, schlief er in Gottes Frieden ein. Mag jenseits das Erwachen ein ewig freudenreiches sein."
(Stein aus hellem Marmor, 91 x 70 cm).

für
Dekan
Karl Kainz

Text: "Zur frommen Erinnerung an den hochwürdigen Herrn Karl Kainz, Dekan des Kapitels Egenhofen, nahezu ?30? Jahre Pfarrer in Sulzemoos, gest. 15.Febr.1928 im Alter von ?92? Jahren und 5 Monaten, vers.mit den Sterbesakramenten."
(Stein aus Muschelkalk, 128 x 55 cm).

für
Johann Evang.
Sedlmeir
1887-1955

Text: "Hier erwartet die Auferstehung der Hochw.Herr Johann Ev.Sedlmeir
43 Jahre Priester, zul. Kommorant (= Pensionist) dahier
* 15.12.1887   + 18.4.1955"
(Stein aus Muschelkalk, 124 x 55 cm).
für
Gerhard Kues
1927-1991
Text: "Missionar Pfarrer Gerhard Kues
* 3.2.1927 in Berlin
Priesterweihe 25.1.1967 in Rom - Primiz 2.7. 1967 in Sulzemoos
+ 7.10.1991 in Südafrika"
  Einige weitere Epitaphe sind schon so verwittert, dass die Inschriften nicht mehr zu entziffern sind.
  

Epitaph von 1677
für Pfarrer Heinrich ...?


Taufstein

Neben den Epitaphen steht in der Leonhardkapelle ein runder Taufstein aus Rotmarmor (1.Hälfte 18.Jh). Der Fuß des Taufsteins in Form eines Balusters dürfte erst später hinzugefügt worden sein; jedenfalls besteht er aus einem anderen Material. Der aus dem 20.Jh stammende Deckel mündet in eine vergoldete Krone mit aufgesetztem Kreuz. Der Taufstein selbst hat die Form einer Schüssel.
Hinweis: Die Taufe der frühen Christen fand ursprünglich im Freien statt, überall dort, wo fließendes oder stehendes Wasser vorhanden war. Mit der Verlegung der Taufe in den Kircheninnenraum schuf man dort eigene Taufbecken. Als sich im 11.Jh die Praxis der Kindertaufe weitgehend durchsetzte, begann man mit der Errichtung erhöhter Taufgefäße; die Bodenbecken erwiesen sich für die Kindertaufe als weniger geeignet. Das Taufbecken ist meist aus Stein.

Neben dem Taufstein ist in den Fußboden der Leonhardskapelle eine Sickergrube in den Boden eingelassen, die mit einem Deckel verschlossen ist. In dieser Grube wurden die Flüssigkeiten entsorgt, die beim Gottesdienst oder anderen zeremoniellen Verrichtungen verwendet wurden und übrig geblieben sind. Der Deckel hat schöne Beschläge.


Kruzifix
An der Wand ist ein Kruzifix befestigt. Es könnte sich um ein früheres Vortragekreuz. handeln.
Hinweis: Vortragekreuze werden beim Kirchenein- und Auszug, Prozessionen, Wallfahrten sowie bei Beerdigungen vorangetragen. Dies geht zurück auf das Jesuswort "Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach". Bei Gebetsprozessionen (Bittgängen, Kreuzweg) wird der Corpus des Kreuzes zu den nachgehenden betenden Menschen gedreht, damit sie den Gekreuzigten vor Augen haben. Bei anderen Prozessionen, z.B. an Fronleichnam und beim Ein- und Auszug zeigt der Corpus in die Gehrichtung, d.h., er weist ihnen den Weg. Die ältesten Vortragekreuze stammen schon aus dem 6.Jh.


Krippe

Bisher in der Leonhardskapelle, künftig in einem eigenen Raum, in dem früher die Heizung untergebracht war, steht eine sog. Ganzjahreskrippe. Sie soll das ganze Jahr über verschiedene Szenen aus dem Evangelium figürlich darstellen. So z.B. die Verkündigung durch den Erzengel Gabriel (Lk 1, 26), die Geburt Christi im Stall, der Kindermord des Herodes (Mt 2, 16ff), der Besuch Jesu im Tempel (Lk 2, 46 ff), die Hochzeit von Kana (Jh 2,1-10).
Die Krippe umfasst 180 Figuren aus dem 18.Jh. und ist eine der bedeutendsten Krippen der Diözese München und Freising. Die Figuren sind 20 bis 30 cm hoch und tragen teilweise noch die originalen Gewänder. Die Krippe könnten ein Geschenk des damaligen Schlossherrn sein.

Beschreibung der Krippenfiguren
Die Figuren der Ganzjahreskrippe bestehen zum überwiegenden Teil aus dem älteren Typ der "Mannequin-Puppe", d.h. sie sind keine vollfigurigen Schnitzplastiken. Sie gliedern sich vielmehr
a) in einen Rumpf, der aus einem Trägergerüst aus Draht besteht und mit Stroh gefüllt ist, und
b) in die angesetzten, geschnitzten Gliedmaße, die teilweise noch mit Gelenken versehen sind.
Die Extremitäten werden -wie der Kopf- auf kleinen Stäbchen in die Puppe gesteckt. Die aus Holz geschnitzten Köpfe bestehen zum größten Teil aus sehr realistisch durchgebildetem, farbigem Wachs, mit Glasaugen und Haaren (Echthaar und Textilfäden).
Einzelne Köpfe dürften spätere Ergänzungen sein. Im Allgemeinen sind die Figuren qualitativ hochstehend. Und dies, obwohl ansonsten im Laufe des 18.Jh die Bedeutung der "Mannequin-Puppen" gegenüber den vollplastischen, geschnitzten Figuren zurückging. In vielen Fällen tragen die zwischen 18 und 27 cm messenden Kunstwerke noch die originale Bekleidung. Nicht mehr ursprünglich sind leider die Figuren von Josef und Maria; sie fallen in durch geringere Qualität ins Auge.
Zur Frage nach der Herkunft lässt sich nur vermuten, dass die Anschaffung einer so umfangreichen Krippe für eine kleine Landpfarrei wohl nur durch einen Beitrag der Schlossherrn möglich war. Auf alle Fälle stammt die Krippe -wie schon an vielen Bekleidungsteilen zu sehen ist- aus dem alpenländischen Raum. Obwohl es im 18.Jh auch im oberbayerischen Raum bedeutende Hersteller von Wachsköpfen gab (z.B. Johann Plöderl in Wasserburg oder die Cettos in Burghausen), könnte diese Krippe möglicherweise auch aus Tirol stammen (vgl. z.B. die Krippe der Ursulinerinnen in Innsbruck um 1710). Dies scheint auch die Tracht der ländlichen Figuren nahe zu legen. Entstanden sein dürfte die Krippe wohl relativ sicher im späten 18.Jahrhundert.

Karfreitagsratsche

Unter der Empore wartet noch eine Karfreitags-ratsche auf ihren zweitägigen Einsatz pro Jahr. Dieses Einrichtungsstück ist eine handwerkliche Arbeit neueren Datums und soll hier vor allem wegen des damit verbundenen Brauchtums erwähnt werden.
Hinweis: Am Karfreitag und Karsamstag schweigen einem alten Brauch zufolge die Kirchenglocken. Ihre Funktion nehmen die Holzratschen ein, die an diesen Tagen von Ministranten durchs Dorf gezogen werden und mit lauten Klappergeräuschen auf die Gottesdienstzeiten aufmerksam machen.

 

Nicht mehr in der Kirche befindet sich eine sog. Johannesschüssel aus der Zeit um 1480. Sie besteht aus blau und weiß gefasstem Holz und hat einen Durchmesser von rd. 40 cm. In der Schüssel ist ein rd. 20 cm großer geschnitzter Kopf von Johannes d.Täufer mit vergoldeten Haaren befestigt. Diese Darstellung erinnert an den Bericht über den Tod des Johannes im Markusevangelium (Mk 6,14-29). Johannes der Täufer. Seinen Beinamen erhielt er, weil er Jesus am Jordan (Lk 3,24) taufte. Von König Herodes Antipas wurde Johannes gefangen genommen, weil der ihm die unrechtmäßige Verbindung mit seiner Schwägerin Herodias öffentlich vorgehalten hatte. Die hasserfüllte Herodias bewegte ihre Tochter Salome, als diese dem von ihrem Tanz entzückten Vater einen Wunsch äußern durfte, Johannes' Haupt zu fordern. Er wurde enthauptet, Salome brachte der Mutter das Haupt auf einer Schale (Mk 6, 14 - 29).

Monstranz
Nicht in der Kirche aufbewahrt wird die vergoldete Monstranz mit Wappen der Freiherrn Gepeckh. Sie ist eine Stiftung des 1747 gestorbenen Joseph Sigmund Maximilian. Die Monstranz ist in der Beschreibung der Kunstdenkmale wie folgt erwähnt: " Monstranz mit Rankenwerk verziert; am Fuss das Wappen der Gepöckh und die Buchstaben I.S.M.M.F.V.G.S.E.A.d.h. Joseph Sigm. Max Freih. von Gepöckh Sulzemoos et Arnbach; rückwärts war ein Schild: M. Tobias Heigl Camerarius et Par. in Sulzemoos 1713".


Pfarrhof
Neben der Kirche steht der alte Pfarrhof aus dem Ende des 18.Jh, der in den 1980er Jahren wieder schön renoviert worden ist. Er befindet sich in Privatbesitz. Die Dachgaube mit der Aufzugsluke zeigt seine frühere Funktion als Bauernhof an. Schließlich besaß auch die Pfarrei Felder. An der Südseite des Hauses sind noch eine Sonnenuhr aus der Erbauungszeit (1797) und eine sog. Dachauer Haustafel (siehe Bild rechts) aus dem 19.Jh. zu sehen.
Wenn Sie auch andere Pfarrhöfe im Landkreis sehen möchten, klicken Sie hier....

Herr Manfred Daurer aus Sulzemoos hat im Jahr 2002 eine kleine Chronik der Pfarrkirche mit einem professionell gestalteten und zum Lesen einladenden Layout geschrieben, die bei der Mesnerin, Frau Schmid, zu erhalten ist.

Gottesdienstzeiten erfahren Sie auf der Internetseite des Erzbistums München und Freising.
Klicken Sie hier....

Hans Schertl


Quellen:

Johann Nep. Kammerloher, Pfarrer in Sulzemoos, Beschreibung der Säkular-Pfarrei Sulzemoos, 1817
Dr. Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874
Bezold/Riel, Kunstdenkmale des Königreichs Bayern, 1893
Theodor Bitterauf, Die Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (Nr.438, 1258)
Josef Scheidl, Die Bevölkerungsentwicklung des Landgerichts Dachau im Laufe früherer Jahrhunderte, 1925 (Span.Erbfolgekrieg, 1649)

Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 11/12, 1958 (Gerichtstag 850)
Rümann-Drave: Schlüssel zur unbekannten Heimat, 1962
Kirschbaum, Lexikon der Christlichen Ikonographie, 1968
Dr.Peter Dorner, Renaissancebild einer Landschaft, Amperland 1968 (Apian 1568)
Das große Kunstlexikon von P.W. Hartmann
Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
Georg Brenninger, Orgeln und Orgelbauer im Landkreis Dachau, Amperland 1975/4
Georg Brenninger, Orgeln in Altbayern, 1978
Max Gruber, Im Amperland tätige Glockengießer, Amperland 1984/2
Josef Bogner, Dorfkirchtürme im Amperkreis, Amperland 1989/1
Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV: München und Oberbayern, 1990
Gottfried Weber, Die Romanik in Oberbayern, 1990
Liebhart/Pölsterl, Die Gemeinden des Landkreises Dachau, Bd 2der Kulturgeschichte des Dachauer Landes, 1991
Dr.Stefan Nadler, Kunsttopographie des Erzbistums München und Freising, 1992
Manfred Daurer, Chronik der Pfarrkirche St.Johannes Baptist Sulzemoos, 2002
Dachauer Nachrichten vom 19.8.2005, 17.8.2006, 9.1.2008
Karl Grüner, "Unten bauchig, oben spitz", Münchner Kirchenzeitung, v. 25.9.2005 und vom 2.10.2005
Internetseite der Verwaltungsgemeinschaft Odelzhausen
Jens Ballach zur Fam. Frh.v.Schaetzler, 2006
Dachauer SZ vom 6.9.2006, v. 19.3.2008
Robert Böck, Studienfahrt nach Inchenhofen, 2006
Eckart Bieger, Das Bilderlexikon der christlichen Symbole, 2011
(Tabernakelengel, braun, Rosen)
80 Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Landkreis Dachau - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

20. 6. 2010

Gustav von Bezold und Dr.Berthold Riehl
Die Kunstdenkmale des Königreiches Bayern

- vom elften bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts -
im Auftrage des kgl.Staatsministeriums des Innern, für Kirchen- und Schulangelegenheiten.
- Auszug -

Kirche Sulzemoos. Langhaus romanisch, Chor und Thurm gothisch, alles in der Frühzeit des 18.Jh (1716) umgestaltet. Einschiffig. Der wenig eingezogene Chor umfasst ein Langjoch. Schluss in fünf Achteckseiten. Um den Chorschluss ist aussen die aus drei getrennten Räumen betehenden Sakristei herumgebaut. Über derselben Oratorien. An der Nordseite eine St.Leonhardskapelle. Thurm westlich. Langhaus flach gedeckt. Chor gewölbt, Tonne mit Stichkappen. Am Gewölbe die Wappen der Familien Hundt, Geeboeckh und Schäzler (letzteres neu).
Decke und Gewölbe haben eine reiche Stuckdekoration, gut gezeichnete Akanthusranken. Putten usw. - Sehr nahe verwandt und augenscheinlich von der gleichen Hand die Dekoration der Kirche zu Maisach, B.A. Bruck.
Der obere Theil des Thurmes, ein hohes Achteck vom Jahre 1732. Das Langhaus ist aus grossen, ziemlich gut bearbeiteten Nagelfluhe-Quadern erbaut. An seinem Ostgiebel ist der alte Verputz mit eingeritzten geometrischen Zeichnungen, theils ornamentalen Charakters, theils eine Mosaikverkleidung (Reticulat) imitierend und leicht gefärbt, erhalten. Jetzt unter dem Dache des Chores verborgen. Dieser Umstand sowie der, dass die gothischen Theile in anderem Material (Backstein) ausgeführt sind und mit den Mauern des Langhauses nicht in Verband stehen, erweisen das höhere Alter des letzteren. Backstein ist jedoch auch schon für die jüngeren romanischen Bauten der Gegend das ausschließliche Baumaterial. Der Bau gehört also zu den älteren romanischen, muss aber jünger sein als die Kirche auf dem Petersberge bei Eisenhofen, welche eine weniger entwickelte Technik zeigt. Zweite Hälfte des 12.Jh.

In der Leonhardskapelle das Begräbnis der Freiherrn von Gepöckh mit zahlreichen künstlerisch werthlosen Grabsteinen. Daselbst Grabsteine des
- Hanns Wilh. Hundt vonLauterbach zu Sulzemoos auf Adlshausen (Todesdatum nicht ausgefüllt) und seiner Frauen
   Charitas geb. v. Breitenbach 4.März 1602 und Margaretha Hündtin (!) geb. Leonrod (Todesdatum nicht ausgefüllt);
- des WilhelmFreih. v.Gepöckh von Sulzemoos und Arnbach, Pfleger und Kastner der Herrschaft Burgrain 18.Juni 1693 und
   seiner Frau Martha Elisabeth, geb. Freiin v.Rohrbach + 2.Aug.1694;
- des Johann Sigmund Maximilian Freih.v.Gepöckh zu Sulzemoos auf Arnbach +6.April 1747,
- des Johann Cajetan Cristoph Wilhelm Freih.v.Gepöckh + 1732,
- der Maria Eleonora franziska Walburga Freyin von Gepöckh +31.Juni 1711,
- der Maria Theresia Franziska Freiin von Gepöckh + 3.März 1719,
- des Jos.Karl Max Albert Anton Rasso Johann Nepomuk Frhr. von Gepöckh + 5.Juni 1758,
- der Maria Anna von Gepöckh + 1770,
- des Joh.Heinrich Wilh. Lampert Freih. von Gepöckh + 5.Mai 1783,
- der Maximiliana Freihfrau von Gepöckh geb.Gräfi von Taufkirchen +27.April 1767,
- der Maria Franziska von Gepöckh geb. Freiin von Gumppenberg zu Bayrbach + 5.Mai 1766,
- der Eva Sophia Freifrau von Gepöckh + 23.Aug.1706 etc.

In der Sakristei: Monstranz mit Rankenwerk verziert; am Fuss das Wappen der Gepöckh und die Buchstaben I.S.M.M.F.V.G.S.E.A.d.h. Joseph Sigm. Max Freih. von Gepöckh Sulzemoos et Arnbach; rückwärts war ein Schild: M. Tobias Heigl Camerarius et Par. in Sulzemoos 1713.

 

Erste schriftliche Nennung von Sulzemoos im Jahre 820
Wie der Laie Cozpold sein Lehen in Sulzemoos zurückgab und wieder bekam

Wir tun kund, dass es möglich war, dass gewisse hinterhältige Menschen durch eine geschickte Machenschaft Cozpald um sein Lehen betrügen und sogar dasgesamte kirchliche Regelwerk ausrotten hätte können. Aus diesem Grund wandten sie sich an Bischof Hitto und berichteten ihm, dass vorgenannter Cozpald sich bei häufigen Planungen mit seinen Brüdern darauf verständigt habe, mit aller Anstrengung, jenes Lehen dem Haus der Hl.Maria (=Freisinger Dom) oder auch dessen Leitern abzusprechen. Als der Bischof dies hörte, ließ er ihn zu sich kommen und fragte ihn nach dem Besitz, den sein Onkel Pisum der Hl.Maria (=Freisinger Dom) geschenkt hatte, und die vorgenannter Cozpald hierauf nicht weniger als zwei Mal als Lehen empfangen hatte. Jener aber sagte, dass er niemals etwas anderes angenommen oder gesagt habe, als dass das, was Pisum in Sulzemoos besessen habe, Eigentum der Hl.Maria (=Freisinger Dom) sei, und gab es sofort mit allen Zugehörigen in die Hände des Bischofs auf. Es handelt sich dabei um Gebäude mit Häusern , um Hofstätten und um Eigenleute mit folgenden Namen: Odalkis, Adalker, Somrat, Uuolfkis, Adalrih, Ratpot, Mahtuni, Popila, Uuerindrud, Alphilt, Alpsuuind, Ostila, Prunhilt, Kisalhilt, Ratpurc sowie um drei Ansiedlungen, obendrein noch um allen Hausrat. Dies geschah am 2.Juni 820, im 7.Regierungsjahr des erlauchten Kaisers Ludwig in der 13. Indiktion in Gegenwart folgender Zeugen: Keparoh. Freso. Alprih. Aram. Uualtrih. Liutprant. Sulman. Uualho. Reginhoh. Asolt. Tamuzan. Uuofuni. Emilo. Engilker. Putilo. Erchenolf. Spulit. Kiso. Engilhart und die Übrigen. Als das alles geschehen war, setzte der Bischof ihn wieder in sein Lehen ein, jedoch nur solange er gegenüber dem Haus St.Marien mit Dienst und Treue diente. Ich aber Pirhtilo unwürdiger Subdiakon habe dies auf Befehl des Hernn Hito geschrieben.

Übersetzung: Dr. Monika Ofer, Steinebach.

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