zur Landkreiskarte       zur ausführl.Beschreibung     Kirchen i.d. Gem. Sulzemoos


Pfarrkirche St. Johannes der Täufer in SULZEMOOS

Luftbildzur Kirchentür

Adresse: 85254 Sulzemoos, Kirchstraße 7
Lage der Kirche auf der Landkarte ...


Kurzbeschreibung

Die dem hl. Johannes dem Täufer geweihte Pfarrkirche Sulzemoos wurde im 12. Jh. auf den Resten einer früheren Kirche erbaut, die bereits 844 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Das Mauerwerk des heutigen Langhauses oder Kirchenschiffs stammt noch aus dem 12.Jh und zählt so zu den ältesten noch vollständig erhaltenen Bauwerksteilen des Landkreises.

Nach der Konradinischen Matrikel aus dem Jahr 1315 hatte die Pfarrei Sulzemoos 3 Filialen: Odelzhausen, Oberumbach und Essenbach. Odelzhausen wurde 1923 selbstständige Pfarrei und nahm Essenbach und Miegersbach als Filialen mit. Oberumbach wurde 1906 nach Pfaffenhofen/Glonn umgepfarrt. Heute gehört nur Bogenried mit der Hofkapelle St.Michael zur Pfarrei Sulzemoos. Seit 1979 bildet Sulzemoos mit den Nachbar-pfarreien den Pfarrverband Odelzhausen.

Die Kirche wurde 1716 barocki-siert. Der achteckige Turmoberbau mit Zwiebel wurde 1712/1732 errichtet.

Das Gotteshaus besitzt romani-sche, gotische und barocke Bauteile. Teile des Kirchenschiffs sind romanischen Ursprungs; sie bestehen aus großen Nagelfluh-Quadern.
Der Altarraum und der untere Teil des Turmes sind spätgotisch.
Der Rest ist barock.


Anbetungsengel am Seitenaltar

In dem schlanken, 41,6 Meter hohen Zwiebelturm hängen vier Glocken.

Am Chorschluss ist eine ringförmige Sakristei mit Oratorien im Obergeschoss angebaut.

An der Langhausnordseite wurde schon im 18.Jh. eine Seitenkapelle, die Leonhardskapelle, errichtet.


Innenausstattung

Das Innere der Kirche besticht durch die reichen Stuckaturen von Benedikt Heiß (um 1715). Bunte Girlanden umrahmen kleine Bilder von Heiligen oder von Wappen. Sie sind untereinander durch Knabenfiguren verbunden. Die Farben sind in einer warmen Tönung gehaltenen; dazwischen weiße Akanthusmotive als Gegensatz und Auflockerung.

zur Beschreibung der Seitenaltärezur Beschreibung der Deckengemälde im Altarraumzur Beschreibung der Seitenaltärezur Beschreibung der Deckengemälde im Langhaus

Die mit Rocaille-Ornamenten versehenen Rokoko-Altäre stammen aus dem 18. Jh und wurden im 19.Jh mehrmals ergänzt. Sie haben keine Figuren, sondern Altarblätter (Ölgemälde), auf denen die Heiligen abgebildet sind, denen die Altäre geweiht sind: Am Choraltar der Kirchenpatron Johannes, an den Seitenaltären die Muttergottes und die Anbetung der Drei Weisen aus dem Morgenland. Patron des Altars in der Seitenkapelle ist der hl. Leonhard.

Mehrere Reliquienschreine mit sog. Klosterarbeiten verzieren die Altäre.

In der Leonhardskapelle erinnern frühbarocke Grabdenkmäler an die ehem. Hofmarksherren von Sulzemoos, die sicher einen großen Beitrag zur reichen Ausstattung der Kirche geleistet haben.

Gottesdienstzeiten erfahren Sie auf der Internetseite des Erzbistums München und Freising. Klicken Sie hier....


Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen


Geschichte: Erste Kirche Matrikel 1315 Matrikel 1524 Visitation 1560 Matrikel 1740
Bruderschaft 1796 Beschreibg 1817 Beschreibung 1820 Beschreibg 1874 Beschreibung 1895
        Hofmarksherren
Ausstattung: Altarraum Apostelleuchter Baubeschreibung Choraltar Deckenbilder-1
  Deckenbilder-2 Epitaphe Figuren Gemälde Gottesdienstzeiten
  Innenausstattung Kanzel Kirchenbänke Kirchenschiff Kommuniongitter
  Kreuzweg Krippe Kruzifix Leonhardskapelle Opferstock
  Orgel Pfarrhaus Portal Reliquiare Sakristei
  Seitenaltäre Tabernakel Taufstein Turm Zelebrationsaltar

Geschichte des Ortes

Die Ortschaft Sulzemoos wurde unter dem Namen Sulzamoos (Siedlung am sulzigen Moos) um 820 erstmals schriftlich erwähnt. Mit der Urkunde vom 2.Juni dieses Jahres hatte der Laie Cozpald seinen Einspruch gegen eine Schenkung seines Onkels Pisum an das Bistum zurückgenommen. Zum Dank erhielt er den Besitz als Lehen rückübertragen. Dr. Monika Ofer hat diese Urkunde übersetzt; wenn Sie sie lesen möchten, klicken Sie hier...
Um 840 spricht eine Urkunde des ostfränkischen Karolingers Ludwig des Deutschen davon, dass Sulzemoos "in pago Huosii", d.h. im Huosigau liege.

Im Jahr 1568 veröffentlichte der Kartograph Philipp Apian 24 Landtafeln, die zusammen eine Landkarte (im Maßstab 1:144.000) des noch mittelalterlichen Bayern bildeten. Die Genauigkeit der Landkarten wurde erst im 19. Jh übertroffen; noch Napoleon benutzte sie für den Einmarsch in Bayern.

In der Karte und in der begleitenden Landesbeschreibung sind die bedeutendsten Orte mit Gebäuden dargestellt. Es sind, wie Dr.Peter Dorner schreibt, authentische Ansichten der betreffenden Schlösser und Burgen. Zudem ist die Bedeutung berücksichtigt: je wichtiger das Schloss oder der Schlossherr, desto größer die Zeichnung. Die Burg Sulzemoos ist viel größer abgebildet, als es ihrer territorialen Bedeutung entsprach. Das lag an dem damaligen Besitzer Wigulaeus Hundt. Er war Professor, Kanzler, Geheimer Rat Hofratspräsident und einer der bekanntesten Historiker seiner Zeit. Von seinem Stammschloss in Lauterbach aus hatte er 1546 mit dem Heiratsgut seiner Frau Sulzemoos erworben, eine "Hofmark mit verfallenem Schloss" hieß es. Apian bezeichnete es 20 Jahre später als "elegantes, von Gräben umgebenes Schloss".
Wie auf der Zeichnung von Apian zu sehen ist, hat das Schloss die Jahrhunderte fast unverändert überstanden. Lediglich die 1568 noch vorhandenen Erkerchen fehlen heute. Sie sind den Zerstörungen im Spanischen Erbfolgekrieg (1704-1714) zum Opfer gefallen.



Auszug aus der Landkarte von Apian 1568


G
eschichte der Kirche

Die Sulzemooser Kirche (möglicherweise eine Schlosskapelle) ist in einer Tauschurkunde im Jahr 844 erstmals erwähnt. Dort heißt es, dass König Ludwig der Deutsche die "in pago Huosi" (im Gebiet des Stammes Huosi) gelegene Kirche von Sulzemoos nebst einigen Grundstücken vom Regensburger Bischof Bathurich erwarb. Nach Ludwigs Tod (876) fiel die Besitzung aber wieder an das Kloster St.Emmeram in Regensburg zurück. Wie lang es zum Kloster gehörte ist unbekannt. Im Jahr 1083 befand sich Sulzemoos aber schon im Besitz eines Edelgeschlechts, denn Bischof Norbert von Chur, ein Graf von Andechs und Hohenwart, kaufte die Sulzemooser Kirche und einige Grundstücke von einem "vir nobilis Amelbertus", also einem Adeligen, um sie dem von ihm gegründeten Collegiatsstift in Habach zu schenken. Noch 650 Jahr später, in der Schmidtschen Matrikel von 1738 wird von Zehentrechten dieses Collegiatsstifts berichtet.
Die heutige, dem hl. Johannes dem Täufer geweihte Pfarrkirche wurde wohl in der 1. Hälfte des 12. Jh. erbaut. Das schließen die Historiker aus dem Material für die Umfassungsmauern, nämlich großen Nagelflu-Quadern. Denn schon in der 2.Hälfte des 12.Jh wurde der Backstein das bevorzugte Baumaterial für Steinhäuser.

Konradinische Matrikel 1315 02)
Nach der
Konradinischen Matrikel hatte die Pfarrei Sulzemoos im Jahr 1315 zwei Filialen mit Friedhof, Odelzhausen und (Ober)umbach, eine Filiale ohne Friedhof, nämlich Essenbach ("Sultzenmos soluit VIII Pfund, habet II filias, Otolshausen et Umbach cum sepulturis. Ozzenbach sine sepultura et Capellam Oekershoven). In dieser Matrikel wird (wohl als spätere Anmerkung) auch das Ausenkoferische Beneficium in Odelzhausen genannt, das aus dem Jahr 1300 stammen sollte (tatsächlich wohl erst später lt. Urkunde vom 11.Nov.1363). Das Benefizium liege auf dem Lampertusaltar in Odelzhausen.
Interessant ist der Hinweis auf die Capellam Oekershoven, die Kapelle in Eckertshofen. Die schon 809 schriftlich als Ekkiperchteshova erwähnte Ortschaft
lag zwischen dem Schloss Odelzhausen und Taxa. Man geht davon aus, dass sie um 1350 in der Burgsiedlung Odelzhausen aufgegangen ist. 40)

Sunderndorfer'sche Matrikel 1524 02)
Nach der Sunderndorfer'schen Matrikel aus dem Jahr 1524 hatte die Pfarrei "Sultzmoss" drei Filialen "s.Udalrici in Oberumbach, B.Virginis (!) in Odeltzhausen cum sepulturis" (mit Friedhöfen) und s.Petri in Miecherspach sine sepultura" (ohne Friedhof). Der Pfarrhof scheint in keinem guten Zustand gewesen zu sein. Pfarrhaus und die dazugehörenden Wirtschaftsgebäude bedürfen der Renovierung, schreibt Schmidt. Die Pfarrei Sulzemoos war dem Pfarrherrn Eberhard von Hiernhaim übertragen, der auch Pfarrer von Aubing war. Solche Mehrfachbesetzungen, d.h. die Übertragung mehrerer Pfarreien an einen Pfarrherrn (Pfründehäufungen), waren die Regel. Die tatsächliche Seelsorge vor Ort in Sulzemoos versah aber Vikar Ulrich Herl, der hoffentlich eine angemessene Entlohnung erhielt. Diese Arbeitsteilung in Pfarr-Besitz und Pfarr-Arbeit war schon mehrere Jahrhunderte alt und hatte früher wegen allzu niedriger Bezahlung der Vikare zur bitteren Armut des einfachen Klerus geführt. Erst ein Beschluss der bayerischen Provinzialsynode von 1418, die Vikare müssten ein anständiges Einkommen erhalten, milderte die Ungleichheit im Einkommen etwas ab. Ein Vikar durfte aber seit 1418 nur noch eine einzige Pfarrei seelsorgerisch betreuen; bis dahin war die Versorgung mehrerer Pfarreien möglich und wegen des Hungerlohns der Vikare auch nötig. In der Pfarrei Sulzemoos gab es 1524 noch einen Kaplan mit Namen Christoph Scheirer, der ausschließlich für die Filiale Odelzhausen tätig war. Scheirer wurde aus dem o.a. Ausenkoferische Beneficium bezahlt, das 60 Gulden jährlich abwarf. Das Präsentationsrecht ( Vorschlagsrecht für die Besetzung einer Stelle ) für diesen Odelzhausener Kaplan bzw. Benefiziat besaß der Freiherr Auer ("Nobilis Awer").
Die beiden Priester betreuten 400 Communicantes, d.s. Gläubige nach der Erstkommunion. Damit gehörte Sulzemoos zu den größeren Pfarreien des Dachauer Landes.

Dreißigjähriger Krieg
Über Beschädigungen der Kirche im 30jährigen Krieg ist mir nichts bekannt. Nach Josef Scheidl ist die Zahl der Häuser von 37 im Jahr 1631 auf 30 (1649) zurückgegangen
07) . Übrigens der einzige Rückgang im Zeitraum von 1445 bis 1800.

Stärker war wohl die Beeinträchtigung im Spanischen Erbfolgekrieg von 1704 bis 1714. Der ehem. Kreisheimatpfleger Josef Scheidl (1875-1953) schrieb, das Dorf Sulzemoos sei "fast ganz zerstört" worden.
07)


1716
wurde die Kirche barockisiert. Vielleicht war die Kirche im Spanischen Erbfolgekrieg 1704-1714 beschädigt worden. Die Häuser der Ortschaft haben damals jedenfalls schwer gelitten; ein Großteil von ihnen brannte nieder. Das Dorf war fast ganz zerstört, schreibt Josef Scheidl. Da wird die Einrichtung der Kirche nicht verschont geblieben sein. Der Stukkateur war Benedikt Heiß, der hier in Sulzemoos, wie später in Maisach, alle Register seines Könnens zog und sein gesamtes Formenrepertoire einsetzte: flächenfüllender Akanthus mit Blüten, Putti als Träger von Rahmen und Blumenkörben, Blütenfestons, Muscheln, Greifen und Ähnliches.

Schmidt'sche Matrikel 1738 02)
In den Jahren 1738 bis 1740 besuchte der Kanonikus Schmidt aus Freising die Pfarreien der Diözese und erstellte die nach ihm benannte Schmidt'sche Matrikel. Über die Pfarrei "s.Joannis Bapt. in Sulzemos" berichtete er: Der aktuelle Pfarrer heiße seit 1735 Josef Gruber. Das Präsentationsrecht wechsle monatlich zwischen dem bayerischen Hof in München und dem Bistum in Freising. Die "dat pro primis fructibus", die Abgabe des Pfarrers an den neuen Bischof beim Bischofswechsel betrug 50 florenos (Goldmünze im Gewicht von 3,54 g). Diese nicht unerhebliche Abgabe für den neuen Bischof war auch ein Gradmesser für die wirtschaftliche Situation einer Pfarrei um 1740 (Durchschnitt 37 Florenos). Das Pfarrhaus und die dazugehörenden Wirtschaftsgebäude seien neu, schreibt Schmidt, und zeigten keine Schäden. Zum Pfarrhof gehörten noch sechs weitere "Widengüetl", kleine Bauernhöfe, in "Odelzhausen, Diettenhausen, Mieggerspach, Hadersriedt, Höffa und Oberumbach", deren Erträge den Lebensunterhalt des Pfarrers sicherten.

Kirche im Schaten des Schloss Sulzemoos
um 1700

Die Zahl der Gläubigen war in den vergangenen 200 Jahren von 400 auf 750 gestiegen; und das trotz der erheblichen menschlichen Verluste im Dreißigjährigen Krieg, in dem im Landgericht Dachau die Hälfte aller Menschen durch Kriegshandlungen und die Pest umgekommen sind. Die Zahl der Filialkirchen hatte sich um Essenbach und Machtenstein auf fünf erhöht; dazu kamen noch die Kapellen in Dietenhausen, Hadersried und im Schloss Odelzhausen.
Die Pfarrkirche rechnet Schmidt zu den schöneren unter den Kirchen auf dem Land. Sie habe drei Altäre. Der Hochaltar sei dem hl.Johannes d.Täufer, die Seitenaltäre den drei Weisen aus dem Morgenland und den 14 Nothelfern geweiht. Das Kirchweihfest falle auf den zweiten Sonntag nach Jakobi (25.Juli). Im Friedhof stand ein Beinhaus. Im Turm hingen zwei geweihte Glocken. Die Einnahmen verwalteten der Pfarrer und der Hofmarksherr von Sulzemoos (Baron von Gebekh). Der Bericht schließt mit dem Satz: "Das Vermögen dises Pfarr-Gottshauses hat letzthin auf die 4299 fl. (=Gulden), 57 kr.(=Kreuzer) und 5 hl.(=Heller) ausgemacht". Dies war im Verhältnis zu anderen Kirchen ein sehr hoher Betrag.

Bruderschaft 1796
1796 wurde vom damaligen Pfarrer Kammerloher eine Bruderschaft zu Ehren der allerheiligsten Dreifaltigkeit gegründet, die der Oberhirte am 13.Juni confirmierte (bestätigte). Ablässe: die einfachen von Pius VI. vom 16.Febr.1796. Hauptfeste: Dreifaltigkeitssonntag und Johannes d.Täufer (24.6.). 3 Conventtage. An den Festen Lobamt und Procession; tags darauf Requiem für die verstorbenen Mitglieder. Kein Vermögen; die Gottesdienste werden aus dem Opfer bestritten.


Beschreibung 1817 01) .
am 27.12.1817 verfaßte Pfarrer Johann Nepomuk Kammerloher aus Sulzemoos eine Beschreibung seiner Pfarrei.

Er beginnt mit dem Präsentationsrecht (=Vorschlagsrecht für Besetzung der Pfarrstelle), das damals der bayerische König besaß.
Vor der Säkularisation (1803) war Sulzemoos eine Wechselpfarrei, d.h. das Recht, einen neuen Pfarrherrn vorzuschlagen, wechselte zwischen dem Freisinger Ordinariat und dem bay.Herrscherhaus nach jedem Erledigungsfall. Das Konkordat von 1817 (Art. XI Abs. 2) sprach dem Landesherren das Präsentationsrecht zu, das vor der Säkularisation den geistlichen Korporationen (z.B. Klöstern) oder den Fürstbistümern gebührte.

Weiter heißt es in der Beschreibung von Kammerloher: "Neben der Pfarrkirche hatte Sulzemoos 1 Nebenkirche, 1 Filialkirche, 1 Expositurkirche, 3 Expositurnebenkirchen, eine Kapelle und drei Friedhöfe. Neben dem Pfarrer wirkten ein Kooperator und ein Beneficiat in der Seelsorge. Taufsteine und die notwendigen Öle befanden sich in Sulzemoos und Odelzhausen.
Geographisch ist die Pfarrei ist fast eben; der Westteil enthält einen Hügel, von Süden gegen Nord wird die Pfarrei von der Glonn durchschnitten, hindert aber niemals die Comunication der Filiale und den anderen Orten".
Die Einkünfte des Pfarrers beliefen sich auf rd. 730 fl. (=Gulden); sie setzen sich aus Einnahmen aus dem Bauernhof (513 fl), den Zechenden (166 fl), von Stiftungen (79 fl ), Stolgebühren (98 fl ) abzüglich der Lasten in Höhe von 728 fl zusammen. Der Kooperator kam jährlich auf ungefähr die Hälfte, nämlich 350 fl.
Über die Kirche schreibt Kammerloher, sie sei "nicht ganz groß, ohne Gewölbe, mit einem Rundell umgeben, und auch mit einem hohen Kirchturme versehen". Die 4 Altär seien dem "Johann Bapt., der Schmerzhaften Mutter, den Drei Königen und dem hl.Leonhard" geweiht. Das Kirchweihfest werde am Sonntag nach Michaeli (So nach 29.9.) gefeiert.
Interessant ist die Zahl der Seelen (Gläubigen) in den größeren Orten der Pfarrei, vor allem für den Vergleich mit der nachfolgenden Bistumsbeschreibung von 1874:

Ort
Einwohner
Häuser
Ort
Einwohner
Häuser
1818
1874
1818
1874
1818
1874
1818
1874
 Sulzemoos
284
298
48
56
 Machtenstein
58
56
12
12
 Odelzhausen
267
274
 
33
 Miegersbach
45
56
9
9
 Taxa
136
132
23
24
 Dietenhausen
17
55
10
10
 Oberumbach
62
84
12
12
 Essenbach
56
54
11
11
 Höfa
46
81
  
8
 Stocka
16
26
3
3
 Hadersried
64
65
11
11
         


Beschreibung 1820  38) , 39)
Der bischöfliche Registrator Martin von Deutinger erstellteim Jahr 1820 eine "Tabellarische Beschreibung des Bisthums Freysing nach Ordnung der Decanate". Sie enthält auch einen Kurzbeschreibung der einzelnen Pfarreien.
Grundlage dafür waren die 1817 von jedem Pfarrer nach einem vorgegebenen Muster eingereichten Pfarrbeschreibungen.
Die Tabellarische Beschreibung blieb bis zum Werk von Anton Mayer und Georg Westermayer 05 ) die ausführlichste Darstellung.
Sie wurde von der bischöflichen General-Vicariats-Kanzley ohne Namensnennung von Deutinger herausgegeben.

Die Pfarrei Sulzemoos wird darin wie folgt beschrieben:
 
"Sulzemoos, Säcul. (Monath-)Pf. mit 1 Benef. u. 1 Cooperator. Pfarrkirche Ptr. Joh.Bapt. Kw. (=Kirchweihfest) Sonnt. nach Mich. (2ten Sonnt. nach Jak.M.)
Machtenstein Ptr. Mariä Empfängnis; Kw (=Kirchweihfest) Sonntag vor Simon und Judas
Odelzhausen Gottsd durch den Coop. an allen Feyertagen; Patron hl.Benedikt, Kw: Sonntag vor Jak. In dieser Kirche befindet sich dermal auch das vom Kloster Taxa hieher versetzte Frauenbild Maria Stern. Der Edle Georg Ausenkofer zu Odelzhausen hat 1406 hieher ein Beneficium gestiftet, worauf ein jeweiliger Hofmarksherr präsentirt.
Frauencapelle im Schloß zu Odelzhausen; Kw Sonntag nach Barth.
Essenbach Patron hl.Joh.und Paul
Seelenzahl:
Pfarrei Sulzemoos:
1057 Gläubige in
186
 Häusern
Ort Sulzemoos:
284 Gläubige in
48
 Häusern
Einöde Foppach
  8 Gläubige in
 1
 Haus, Entfernung von der Pfarrkirche: 1/2 Std
Einöde Grubhof:
  10 Gläubige in
1
 Haus, Entfernung von der Pfarrkirche: 1/2 Std
Einöde Lederhof:
  8 Gläubige in
1
 Haus, Entfernung von der Pfarrkirche: 1/2 Std
Dorf Machtenstein
  52 Gläubige in
12
 Häusern, Entfernung von der Pfarrkirche: 3/4 Std
Einöde Rennhof:
  10 Gläubige in
1
 Haus, Entfernung von der Pfarrkirche: 1/2 Std
Weiler Ziegelstadel:
  19 Gläubige in
6
 Häusern, Entfernung von der Pfarrkirche: 1/4 Std
Hofmark Odelzhausen
  161 Gläubige in
30
 Häusern, Entfernung von der Pfarrkirche: 1 Std
Dorf Dietenhausen
  42 Gläubige in
10
 Häusern, Entfernung von der Pfarrkirche: 1 Std
Dorf Essenbach
  53 Gläubige in
11
 Häusern, Entfernung von der Pfarrkirche: 3/4 Std
Dorf Hadersried
  40 Gläubige in
11
 Häusern, Entfernung von der Pfarrkirche: 5/4 Std
Dorf Höfen
  47 Gläubige in
7
 Häusern, Entfernung von der Pfarrkirche: 5/4 Std
Weiler Langweil:
  16 Gläubige in
2
 Häusern, Entfernung von der Pfarrkirche: 5/4 Std
Dorf Miegersbach
  34 Gläubige in
9
 Häusern, Entfernung von der Pfarrkirche: 5/4 Std
Dorf Oberumbach
  74 Gläubige in
10
 Häusern, Entfernung von der Pfarrkirche: 7/4 Std
Weiler Stocka:
  16 Gläubige in
3
 Häusern, Entfernung von der Pfarrkirche: 2 Std
Dorf Taxa
  183 Gläubige in
23
 Häusern, Entfernung von der Pfarrkirche: 1 Std

 

Beschreibung 1874
Kirche und Pfarrei Sulzemoos sind auch in der "Statistischen Beschreibung des Erzbisthums München-Freising" aus der Zeit um 1874-84 enthalten, die zunächst der Benefiziat Anton Mayer und -nach dessen Tod 1877- Pfarrer Georg Westermayer als Buch veröffentlichten. Diese bisher umfangreichste Diözesanbeschreibung sollte in erster Linie den praktischen Bedürfnissen der Diözesan- und Staatsverwaltung dienen. Daneben hat das Werk in Form von "kleinen Notizen" die Ergebnisse der aufblühenden orts- und lokalgeschichtlichen Forschung sowie die gedruckten Quellen und die von Heckenstaller und Deutinger gesammelten Unterlagen im Archiv des Erzbistums verwertet. Erste Grundlage dieser "Mosaikarbeit" waren Mitteilungen der Pfarrämter.


Die Pfarrei Sittenbach als eine der größten Pfarreien des Dachauer Landes beschreibt er wie folgt:
Geographie: Die Pfarrei hat 1290 Seelen in 203 Häusern. Von Stocka gehört 1 Haus nach Pfaffenhofen. Ausdrücklich vermerkt ist, dass im Schlosse des Freiherrn von Schätzler bisweilen auch Protestanten beschäftigt sind. In Oberumbach lebt noch ein Nazarener als "letzter Ausläufer des ehmals in der Pfarrei Baindlkirchen verbreiteten Lindlianismus". Der Umfang der Pfarrei beträgt 6 (Geh)Stunden.
Pfarrei: Wechselpfarrei. Kirchenrechnung: 1628 Einnahmen, 350 Lasten, ergeben Reinertrag von 1278 Gulden. Langfristige Schulden: 9500 Gulden. Das Widum (Pfarrbauernhof) beistzt eine Grundfläche von 154 Tagwerk (=51ha) der Bonität 10. Das Pfarrhaus wurde schon im vorigen Jahrhundert erbaut (ca. 1730). Bauzustand gut. Ökonomiegebäude erbaut 1836. Hilfspriester: ein Expositus und ein Beneficiat in und für Odelzhausen.
Kirche
: Die Kirche liegt an der Distriktsstraße von Aichach nach Bruck und 1/4 Stunden von der Hauptstraße Mch-Augsburg entfernt. Ihr Erbauungsjahr ist unbekannt. Stillos. Ziemlich beschränkt im Raume. Schlanker Kuppel-Thurm mit 4 Glocken. Die größte von Nicolaus Regnault in München 1795, die mittlere von demselben 1798, die dritte von A.Ernst aus München 1760, das kleine Zügen- oder Sterbe-Glöckchen von 1626. Früher hatte die Pfarrkirche nur zwei Glocken. 4 Altäre, neue Orgel mit 5 Registern. Gottesdienste an allen Sonn- und Festtagen. Stiftungen: 28 Jahrtagsämter, 44 Jahrmessen. Bittgänge: Am Sonntag vor oder nach Maria Heimsuchung und an Mariä Geburt nach Odelzhausen; am Samstag in der Bittwoche nach Machtenstein. Meßner und Cantor ist der Lehrer, welcher sich bisher einen Gehilfen hielt. Kirchenvermögen rd.10.300 Gulden.

Beschreibung 1895
Die Sulzemooser Kirche ist auch im Verzeichnis der Kunstdenkmale des Königreiches Bayerns enthalten, die Gustav von Bezold und Dr.Berthold Riehl im Auftrage des kgl.Staatsministeriums des Innern, für Kirchen- und Schulangelegenheiten erstellt haben.
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Hofmarksherren
Mehrere Epitaphe in der Kirche weisen auf die enge Verbindung mit den Hofmarksherren von Sulzemoos hin. Nach Manfred Daurer hatte die Hofmark seit ihrer Gründung im Jahr 1440 bis zur Auflösung Anfang des 19.Jh folgende Besitzer:

1440 - 1487 die Sendlinger
1487 - 1500 Wolfgang Michelsbeck, Landrichter von Landsberg
1500 - 1519 Arsacius Armstorfer zu Asbach
1519 - 1546 Wolfgang Hinterskircher
1546 - 1643 Wiguläus von Hundt und Nachfolger (siehe Wappen in der Kirche)
1643 - 1811 Familie von Gepeckh (erster: Fürstbischof Veit Adam von Gepeckh aus Freising (1584-1651), der aus Arnbach gebürtig war und 1629 die Dachauer Jakobskirche geweiht hat)
1811 - 1822 Michael von Valta (nur noch Schlossherr)
ab 1822 Freiherrn von Schätzler und Nachfolger
  derzeitiger Schlossherr Dr.Michael von Zwehl.

Pfarrverband
Heute bildet die Pfarrei Sulzemoos mit den Pfarreien Egenburg, Einsbach, Ebertshausen, Odelzhausen, Pfaffenhofen und Sittenbach den großen Pfarrverband Odelzhausen.
Bis 1967 hatte die Pfarrei Sulzemoos einen eigenen Pfarrer. Die Namen der Seelsorger seit 1524 sind in einer Liste des Arbeitskreises Geschichte von Sulzemoos aufgeführt. Sehen Sie hier..

Renovierungen

—  1743-45  Reparatur am Pfarrhof, Rossstall und Pfarrnebengebäuden durch Maurermeister Conrad Mayr aus Lauterbach
                  und die Gesellen Georg Gläsl von Hartpennig und Josef Priller von Schliersee.
—  1752 ..... Überschlag für eine Pfarrhoferhöhung.
—  1756 ..... Reparatur der Gartenmauer und von Mauern des Pfarrhofs durch Conrad Mayr aus Lauterbach und Jakob Kiening
                  aus Sulzemoos, den Sohn von Andreas Kiening.
—  1964     
—  2013 ..... Innenrestauration.

 

Berichte aus der Pfarrei
Die Dachauer Zeitungen haben in den letzten 120 Jahren immer wieder aus dem Pfarrleben berichtet. Diese oftmals in blumiger Sprache verfassten Berichte beschäftigen sich nicht unmittelbar mit dem Kirchengebäude, vermitteln aber einen ergänzenden Eindruck aus der damaligen Zeit. Meist werden Primizen, Jubiläen oder Einweihungsfeiern beschrieben. Wenn Sie die Berichte über Sulzemoos lesen möchten, klicken Sie hier...


Wallfahrten

Über Wallfahrten der Sulzemooser Pfarrangehörigen ist mir nicht viel bekannt. Auf jeden Fall war eines der Ziele die Kirche St.Leonhard in Inchenhofen. Denn im dortigen Wallfahrtsmuseum von Inchenhofen ist noch eine Votivgabe aus Sulzemoos zu sehen, die im Jahr 1818 mitgebracht worden ist. Die Pflugschar besteht aus Holz und ist mit Eisen überzogen. Die Bemalung zeigt den hl.Leonhard als Abt, mit Ketten in den Händen. In einer von Akanthusranken umgebenen Kartusche steht der Text: Ver Lobt dem S.Leonardus. Von der Gemeinde Sulzemoos. Anno 1818". Da in dieser Zeit der Wallfahrtsbetrieb schon stark abgeflaut war, dürfen wir annehmen, dass die Sulzemooser auch schon vorher, zur Hoch-Zeit der Leonhardswallfahrt nach Inchenhofen gezogen sind.

bemalte Pflugschar
in Inchenhofen
  Hinweis: Die Wallfahrt zum hl. Leonhard in Inchenhofen gilt als älteste und wichtigste Leonhards-Wallfahrt in Deutschland. Der Aufschwung begann, als 1283 das Kloster Fürstenfeld die bis dahin noch unbedeutende Wallfahrt in der kleinen Kapelle übernahmen. Sie verhalfen ihr binnen weniger Jahrzehnte zur höchster Blüte. Die Wallfahrt selbst geht auf ein Wunder zurück: 1256 sollen Soldaten Votivgaben in der St.Leonhardskapelle gestohlen haben und daraufhin schwachsinnig geworden sein. St.Leonhard war bis dahin ein nur an wenigen Stellen verehrter französischer Heiliger, der als Patron der Gefangenen und der (damals ebenfalls angeketteten ) Geisteskranken um Hilfe angerufen wurde. Seine große Bedeutung als Bauernheiliger erhielt er erst im 16.Jh., als die Ketten, mit denen er abgebildet war, als Viehketten missdeutet/umgedeutet wurden. Diese Patronatserweiterung gab der Wallfahrt in Inchenhofen noch einen großen Schub.  Bis 1803 unternahmen 167 Pfarreien eine alljährliche Wallfahrt nach Inchenhofen. Heute kommen aus etwa 60 Orten die Wallfahrergruppen, meist zu Fuß, nach "Leachad" , wie Inchenhofen auch genannt wird. Dabei ist nach wie vor der größte Wallfahrtstag des ganzen Jahres der Pfingstmontag, an dem zugleich das Hauptfest der 1659 vom Papst Alexander VII. genehmigten Erzbruderschaft des hl. Leonhard gefeiert wird.



Baubeschreibung

Die am Rande der Ortschaft inmitten eines ummauerten Friedhofs stehende Kirche ist nicht eindeutig einer bestimmten Stilrichtung zuzuordnen. Sie besitzt romanische, gotische und barocke Bauteile. Es handelt sich um eine Saalkirche, deren Decke ohne tragende Zwischensäulen den gesamten Raum überwölbt.

Das vierachsige Kirchenschiff/Langhaus ist romanischen Ursprungs. Es besteht im Gegensatz zu den meisten anderen Kirchen im Landkreis nicht aus Backsteinen, sondern - wie im südlichen und östlichen Alpenvorland- aus großen Nagelfluh-Quadern
20) (= zu Stein verfestigter Schotter; Bezeichnung kommt von den nagelkopfartig aus der "Fluh", der Felswand, herausschauenden Geröllen). Dieses romanische Mauerwerk hat sich bis zum heutigen Tage erhalten. 20) Selbst im Dachraum sind noch Teile aus dem 12.Jh. zu finden. Im Buch " Kunstdenkmale des Königreichs Bayern" 04) wird dazu ausgeführt, dass "die sorgfältige Ausführung des Mauerwerkes und der Umstand, dass das Material aus beträchtlicher Entfernung, wohl aus der Gegend von Bruck herbeigeschafft wurde, darauf hinweist, dass der Bau mit mehr als gewöhnlichem Aufwande ausgeführt wurde. Da schon in der zweiten Hälfte des 12.Jh der Backstein in Freising und Moosburg das herrschende Baumaterial war und auch an allen übrigen romanischen Bauten der Gegend vorkommt, darf die Kirche von Sulzemoos noch der ersten Hälfte des 12.Jh zugeschrieben werden.
Romanisch sind auch noch geometrische Muster mit Farbresten auf der durch den Langhausgiebel verdeckten Ostseite des Chorbogens. 20)
Der wenig eingezogene, dreiseitiggeschlossene Chor (Apsis) und der quadratische untere Teil des Turmes sind spätgotisch. Die ursprünglich romanische, halbrunde Apsis wurde wohl um das Jahr 1576 abgebrochen und durch einen dreiseitig schließenden Chorraum mit Gewölberippen in zwei Achsen ersetzt.

Der achteckige Oberbau des 41,6 Meter hohen Kirchturms mit Zwiebel wurde 1712/1732 errichtet. Auf Bildern des Kupferstechers Michael Wening aus dem Jahr 1701 hat der Turm noch ein Satteldach. Der Oberbau ist durch Gesimse in fünf Stockwerke gegliedert. Senkrecht sind die Ecken durch Pilaster und Wandvorlagen verstärkt. Die sich dadurch ergebenden Felder enthalten die hochovalen Schallfenster und im Übrigen Ornamentzeichnungen.

Hinweis: Woher die so typisch bayerisch-barock anmutende Zwiebelform kommt, ist erstaunlicherweise nicht geklärt. Einige der Experten vermuten, dass sie eine Nachahmung und Weiterentwicklung der im 7.Jh errichteten Moschee auf dem Tempelberg in Jerusalem (Felsendom) und somit arabischen Ursprungs ist. Damals glaubten europäische Baumeister, die Kuppel stamme noch vom Tempel Salomons und verbanden mit ihr die Vision vom himmlischen Jerusalem. Andere Kunstexperten sehen in der Zwiebel eine Weiterentwicklung der byzantinischen Kuppel, die auch in Russland großen Anklang fand. Fest steht jedoch, dass die ältesten zwiebelförmigen Kuppeln im alten Baiern die der Münchner Frauentürme sind (1525). Weite Verbreitung fand die Zwiebel als Bauform aber erst im Italien der Renaissance und bei uns in der Barockzeit nach dem 30jährigen Krieg. Ihre Form -unten bauchig, oben spitz- passte wunderbar zur Kunstauffassung und zum Lebensstil des Barocks und galt "als Synthese aus der Bewegung ins Übersinnliche und dem Verharren in den Wölbungen des Sinnlichen".

Im Turm hängen 4 Glocken. Die beiden kleineren, die die Weltkriege unbeschadet überstanden haben, wurden 1636 von Bernhard Ernst aus München 67) und 1795/98 von Nikolaus Regnault (ebenfalls München) gegossen. Die kleinste Glocke, die Sterbeglocke, wird noch mit der Hand per Glockenseil geläutet. Eine Auflistung der ältesten Glocken im Landkreis finden sie hier....
Die Turmuhr mit den vergoldeten Zeigern stammt aus dem Jahr 1930. Ein Werk der Firma Hemberger aus Erling, Andechs.

An der Langhausnordseite wurde schon im 18.Jh. eine Leonhardskapelle errichtet.
Die große Verehrung des hl.Leonhard durch die Sulzemooser Gläubigen zeigte sich auch in einer jährlichen Wallfahrt nach Inchenhofen. Dabei stifteten die Wallfahrer als Votivgabe eine bemalte Pflugschar, um die Fürbitte des Heiligen für gutes Gedeihen der Feldfrüchte zu erlangen.


bemalte Pflugschar
in Inchenhofen

Im Wallfahrtsmuseum von Inchenhofen ist noch eine solche Votivgabe aus Sulzemoos zu sehen, die im Jahr 1818 mitgebracht worden war. Die Pflugschar besteht aus Holz und ist mit Eisen überzogen. Die Bemalung zeigt den hl.Leonhard als Abt, mit Ketten in den Händen. In einer von Akanthusranken umgebenen Kartusche steht der Text: Ver Lobt dem S.Leonardus. Von der Gemeinde Sulzemoos. Anno 1818"


Missionskreuz
An der Südseite der Kirche hängt an der Außenwand ein großes Missionskreuz, das an die Volksmission in den 1960er-Jahren erinnert. Über dem Kreuz ist eine geschwungene Kupferabdeckung zum Schutz gegen Witterungseinflüsse angebracht. Auch vom Jahr 1865 ist eine Volksmission bekannt.
Die Volksmission geht auf das Konzil von Trient (1545-1563) zurück und war Teil der kath. Gegenreformation. Sie wurde in regelmäßigem zeitlichen Abstand in allen Pfarreien abgehalten. Das kirchliche Gesetzbuch von 1917 schrieb z.B. vor, dass wenigstens alle zehn Jahre eine Volksmission durchgeführt werden solle. Heutzutage wird die Volksmission durch neuen Formen der Schulungs- und Missions- bzw. Evangelisationsarbeit ersetzt.
Im kleinen Vorhaus auf der Südseite ist das Kriegerdenkmal untergebracht.
In eine Steinplatte aus Rotmarmor sind die Namen der in den beiden Weltkriegen Gefallenen aus der Pfarrei Sulzemoos eingemeißelt.

Kriegerdenkmal

Sakristei

Am Chorschluss ist eine ringförmige, zweigeschossige Sakristei mit drei Räumen angebaut. Sie entstand um 1749/50. Im oberen Stockwerk sind die Oratorien untergebracht, von denen aus die Hofmarksherrschaften unbemerkt der hl.Messe beiwohnen konnten.
           Sakristei


Sakristeischrank

Im Inneren ist die Sakristei mit schönen Holzschränken möbliert.
An der Sakristeitüre zum Altarraum ist die neubarocke Chorglocke (Sakristeiglocke) befestigt, den Beginn des Gottesdienstes akustisch anzeigt. Die Chorglocke wird geläutet, wenn Priester und Ministranten die Sakristei verlassen und den Altarraum betreten.

   
Chorglocke

Eine Restaurierung fand 1964 statt.



Innenausstattung


A
ltarraum

An der Decke in Langhaus und Chor ist reicher Akanthusrankenstuck mit Putten und Blumenkränzen aus der Zeit der Barockisierung angebracht. Bunte Girlanden umrahmen kleine Bilder von Heiligen oder von Wappen. Sie sind untereinander durch Knabenfiguren verbunden. Die Farben sind in einer warmen Tönung gehaltenen; dazwischen die weißen Akanthusmotive als Gegensatz und Auflockerung. Der Stuck wurde wahrscheinlich 1715 von Benedikt Heiß (16??- 1726) gestaltet, der dem italienischem Stil folgte. Für seine Urheberschaft spricht der Stuck in der Kirche von Maisach, der in den Motiven große Ähnlichkeit mit dem in Sulzemoos aufweist. Stukkateuer Heiß zog hier in Sulzemoos, wie später in Maisach, alle Register seines Könnens und setzte sein gesamtes Formenrepertoire ein: flächenfüllender Akanthus mit Blüten, Putti als Träger von Rahmen und Blumenkörben, Blütenfestons, Muscheln, Greifen und Ähnliches. 41)

Der Altarraum ist mit einem Sterngewölbe und vielen Stichkappen überdeckt (siehe Bild unten).


Gemälde im Altarraum

Die Deckenbilder im Altarraum und im Kirchenschiff sind in ihrer heutigen Gestaltung wohl um 1890 entstanden und ersetzten eine frühere Ausmalung des 18.Jh. Als Künstler für die in Tempera (= mit Kasein- oder Ei-Emulsion) gemalten Bilder kommen evtl. die in der Dachauer Gegend häufiger beschäftigten Kaspar Lessig (1852-1916) und Anton Ranzinger (1850-1924) aus München in Frage. Diese Künstler, die die Anstalt für kirchliche Kunst gegründet hatten, waren auch in der Pfarrkirche von Petershausen tätig.

In die Mitte sind zwei größere Fresken mit den Themen Herz-Jesu-Fest und hl.Familie gemalt.
Das östlichere der beider Bilder (über dem Hochaltar) zeigt Jesus, der im 17.Jh der heiligen Klosterfrau Margareta Alacoque erscheint und ihr das Herz-Jesu-Fest empfiehlt (siehe unten Bild in der Mitte).
  Hinweis: Die Anfänge der Verehrung des Herzens Jesu finden sich im 13. und 14. Jahrhundert. 1672 erlaubte der Bischof von Rennes den Oratorianern, in seiner Gemeinschaft liturgisch ein Herz-Jesu-Fest zu feiern. Die im 16./17. Jahrhundert vor allem von den Jesuiten und Oratorianern geförderte Herz-Jesu-Verehrung nahm durch die Visionen der Margaretha Maria Alacoque (+1690) neuen Auftrieb: Ihr war Christus erschienen, auf sein Herz deutend, was als sein Verlangen nach der Einführung eines diesbezüglichen Festes verstanden wurde.

Das andere größere Gemälde stellt die Heilige Familie, Josef, Jesus und Maria in stark idealisierter Weise dar. Sie stehen vor dem Hintergrund einer Palmenlandschaft nebeneinander. Maria und Josef sind voll auf das selbst-bewusst auftretende Kind konzentriert.
Umgeben wird auch dieses Bild von Stuckrahmen und Stuckfiguren.


Heilige Familie

Deckengemälde Hl.FamilieHerz-Jesu-ErscheinungCäciliaSt.AntoniusFranziskusSt.ElisabethWappenBischöfliches WappenMaria Magdalena

Der bereits erwähnte reiche Stuck verbindet die größeren mit den kleineren Gemälden, in denen folgende Heilige dargestellt sind:
St. Aloisius mit Kruzifix;
St.Elisabeth mit Rosen und Krug,
St. Franziskus
mit geflügeltem Kruzifix,
St. Antonius mit dem Jesuskind
Maria Magdalena mit Kruzifix und Totenkopf und St.Cäcilia an der Orgel

Dazwischen sind zwei Wappen zu sehen, von denen eines das bischöfliche Wappen aus Freising ist.Es zeigt Bischofshut, Stab, Kreuz und Mitra, sowie den Freisinger Mohren.

Das andere Wappen mit dem doppelschwänzigen Löwen, der Blumen in den Pfoten hält, ist das der Freiherren von Schaetzler.


Bischöfl.Wappen



Schätzlerwappen

Hinweise zu den dargestellten Heiligen:

 
Aloisius , Erbprinz derer von Gonzaga, gelobte schon im Alter von zwölf Jahren ewige Keuschheit. Er trat 1585 gegen den Willen des Vaters in den Jesuitenorden ein. Dort widmete er sich theologischen Studien und der Krankenpflege. Luigi starb während einer Pestepidemie, nachdem er sich bei der Pflege von Kranken die tödliche Ansteckung holte. Die Volksfrömmigkeit verzeichnete das Bild dieses Heiligen zu einem keuschen Unschuldsengel, der sich nicht einmal getraut habe, seine Mutter anzuschauen und Frauen nur mit niedergeschlagenen Augen begegnet sei.

St.Aloisius
Die hl. Elisabeth von Thüringen (1207-1231) ist eine historische Person. Sie stammte aus Ungarn und war Ehefrau des Landgrafen Ludwig IV. von Thüringen. Im Hungerjahr 1226 speiste sie die Armen vor den Toren der Wartburg. Als Ludwig sie, von seiner Umgebung gegen Elisabeths angebliche Verschwendung aufgehetzt, zur Rede stellte, verwandelten sich die Brote in ihrer Schürze zu Rosen. Dass in der Schürze ausgerechnet Rosen lagen, geht darauf zurück, dass im Mittelalter -schon lange vor Elisabeth- die Armenspeisen Rosen genannt wurden.

St.Elisabeth
Der hl. Franziskus entsagte im 13.Jh allem Besitz und gründete den Orden der Minoriten, die sich besonderes der Armenpflege, Seelsorge widmeten. Er wählte für den Ordenshabit die braune Farbe. Diese Farbe steht in der Tradition für Demut und Bescheidenheit.Seine glühende Liebe zu Gott und zur Schöpfung faszinierte die Menschen und er hatte damals schon viele Bewunderer und Verehrer. Franziskus wird häufig auch mit einem Kruzifix abgebildet, weil er in einer Vision Christus von einem (geflügelten) Kruzifix zu ihm herabsprechen hörte und dabei seine Wundmale erhielt. Zudem war ihm die Verbreitung der Passionsfrömmigkeit ein Hauptanliegen.

St.Franziskus
Cäcilia soll eine hübsche adlige Römerin gewesen sein, die von Papst Urban I. (222–230) getauft wurde und viele Menschen ihrer Umgebung zum Christentum bekehrte. In der Zeit der Christenverfolgung wurde sie in kochendes Wasser gesetzt und schließlich mit dem Schwert schwer verwundet und starb kurze Zeit später. 1599 wurde ihr Leichnam unverwest gefunden. Bekannt ist Cäcilia als Nothelferin und als Patronin der Kirchenmusik. Dieses Patronat verdankt sie einem Übersetzungsfehler, nach dem sie auf ihrer Hochzeit selbst die Orgel gespielt haben soll. Tatsächlich wird nur von ihrem Gesang berichtet.

St.Cäcilia
Antonius lebte im 13.Jh und war ein begnadeter Redner, der sich gegen die damaligen Häretiker (Katharer, Albigenser und Waldenser) wandte. Seine Fastenpredigten in Padua 1231 hatten einen sensationellen Erfolg, denn die ganze Region schien danach wie umgewandelt: Schulden wurden erlassen, zerstrittene Familien versöhnten sich, Diebe gaben das gestohlene Gut zurück, unrechtmäßige und überhöhte Zinsen wurden den Schuldnern zurückerstattet. Bis heute gilt in Italien ein damals erlassenes Gesetz, dass niemand mit seinem Leben und seiner Freiheit für eine Schuld haften solle, sondern nur mit seinem Eigentum. Antonius wird als Hilfe zum Wiederauffinden verlorener Gegenstände angerufen und gilt deshalb als "Patron der Schlamperer". Dies geht auf zwei Legenden zurück: Als ihm ein Manuskript gestohlen worden war, betete er so lange, bis der Dieb damit zurückkehrte. Schöner ist die zweite Legende, nach der er einem Geizhals half sein Herz zu suchen und es in einer Geldtruhe fand. Die Darstellung mit dem Jesuskind auf seinem Arm ist bei uns erst seit dem 17.Jh verbreitet; sie verweist auf eine seiner Visionen, die er beim Bibellesen hatte.

St.Antonius
Maria Magdalena ist aus der Bibel bekannt. Sie wurde Jüngerin Jesu, nachdem der sie von Besessenheit befreit hatte (Luk. 8, 2). Magdalena sorgte für Jesu Lebensunterhalt (Luk.8,3). Sie war auch bei der Kreuzigung Jesu dabei; ihr erschien Jesus nach seiner Auferstehung (Joh 20,15-17). Ob es sich bei Magdalena auch um die namenlose Sünderin handelt, die Buße tat und Jesus die Füße salbte, ist geschichtlich ungewiss. In der Frühzeit des Christentums wurden unter den in der Bibel genannten Magdalenas verschiedene Frauen verstanden; Papst Gregor d. Große (um das Jahr 600) hat aber in seinen Auslegungen erklärt, es handle sich um eine Person. Seither wird dies allgemein anerkannt und in der Kunst durch die Attribute Kreuz und Totenschädel mit ihr verbunden. Der Totenschädel ist Zeichen der Sterblichkeit aller irdischen Dinge, Ermahnung zur Buße und Anruf der Ewigkeit.

M.Magdalena


H
ochaltar /Choraltar

Der 3,30 m breite um raumhohe Choraltar ist ein barockes Säulenretabel aus der Zeit um 1740/50; er wurde im 19.Jh mehrmals ergänzt. Die Stipes, der Altartisch, ist in Tumbaform mit rosa und hellgrau marmoriertem Holz verkleidet, besitzt an den Ecken Voluten

Die Säulen- und ein Pfeilerpaare (mit Fruchtgehängen dazwischen) stützen ein verkröpftes Gebälk mit aufgesetzten Vasen. Darauf der Altarauszug.
Im Altaraufsatz (Auszug) ein Bild der Hl.Dreifaltig-keit. Christus mit einem Kreuz und Gottvater mit einem Zepter in der Hand sitzen auf einer Wolke und reichen sich die Hand. Der Heilige Geist in Gestalt einer Taube schwebt über ihnen.

Hl.Dreifaltigkeit
Hinweise: Gottvater wurde in der christlichen Kunst wegen der Weisung im Alten Testament (Exodus 20, 3-4) kein Schnitzbild von Gott zu machen, viele Jahrhunderte nicht als Person dargestellt. Meist wurden Symbole wie der Lebensquell, die Hand Gottes oder das Auge Gottes im Dreieck verwendet.Personifiziert, als würdiger alter Mann mit
  langem Bart, wird Gottvater erst seit dem Barock (17.Jh). Diese Darstellung wird dem Gottesbild in unserer Zeit nicht mehr gerecht.
Die Gestalt der Taube für die künstlerische Darstellung des Heiligen Geistes gründet sich auf den Bericht der Taufe Jesu im Neuen Testament. Danach fuhr der heilige Geist in leiblicher Gestalt auf Jesus hernieder wie eine Taube (Lk, 3,22). Obwohl dies nur bedeutet, dass sich der Geist bewegte wie eine Taube, nicht aber aussah wie ein Vogel, hat man die Taube als Symbol für die sonst nur schwer greifbare dritte Person Gottes gewählt. Das Konzil von Nicäa im Jahr 325 hat dies sogar empfohlen. Papst Benedikt XIV verbot 1745 die Darstellung der dritten göttlichen Person in Menschengestalt, wie sie vereinzelt immer noch vorkam.
Altarblatt

Das große Altarbild im Nazarenerstil zeigt die Taufe Jesu durch den Patron der Kirche, Johannes den Täufer (Baptist). Das Ölbild (auf Leinwand) wurde -entspr. der Signatur unten rechts- vom Kunstmaler Sebastian Wirsching aus Dietfurt 1885 geschaffen.
Wirsching (*1864) hatte 1887 auch die Kirche in Großweingarten, 1890 die Kirche im Kloster Weltenburg, 1902 die Klosterkirche von Dietfurt und 1910 die Kirche wohl auch in Pipinsried ausgemalt. In den Kirchen Pfaffenhofen/Glonn und in Roßbach stammt je ein Ölgemälde von ihm.


Taufe Jesu
Vor dem Hintergrund einer bewaldeten Berglandschaft steht Jesus mit nacktem Oberkörper und überkreuzten Armen (=Gebetshaltung) im Jordan. Johannes hat mit einer Muschelschale Wasser aus dem Fluss geschöpft und gießt es über das Haupt Jesu. Johannes ist in ein raues Gewand gekleidet. Er hält in seiner linken Hand einen Kreuzstab, um den ein Schriftband mit dem Text "Ecce Agnus Dei" gewickelt ist. Hinter Jesus steht ein Engel mit einem
  Tuch bereit, Jesus abzutrocknen. Darüber schwebt eine Heilig-Geist-Taube und sendet Gnadenstrahlen herab.
Antependium
Im Antependium des Hochaltars zeigt im silbergrauen Relief Jesus und die Emmausjünger, eine der frühen Darstellungen, die an die Eucharistie erinnern. Jesus steht hinter dem Tisch und bricht das Brot.
Hinweis: Der Evangelist Lukas hat im 24.Kapitel ab Vers 13 beschrieben, wie einige Tage nach dem Tod Jesu zwei Jünger nach Emmaus wanderten. Unterwegs trafen sie Jesus, unterhielten sich mit ihm, erkannten ihn aber nicht. Sie kehrten in Emmaus ein, wo er beim Abendessen das Brot brach und es ihnen reichte. Da gingen ihnen die Augen auf.

Emmausjünger
Hinweis: Der Kreuzstab gilt, seit Kaiser Konstantin d. Gr. ihn als Feldzeichen führte, als Symbol der Macht.
Die Worte "Ecce Agnus Dei - übersetzt: Seht das Lamm Gottes, das die Schuld der ganzen Welt wegnimmt" sprach Johannes der Täufer, als er Jesus erstmals begegnete (Joh.1,29)

Tabernakel

Ins Auge fällt der große vergoldete Tabernakel. Links und rechts von ihm sowie auf der Innenseite der Türen sind Anbetungsengel aufgemalt.
Hierin gleichen sich die Tabernakel von Sulzemoos und Wiedenzhausen. Die Engelsfiguren, die zu beiden Seiten des Tabernakels angebracht sind, stellen nicht nur eine Verzierung dar. Sie sind auch auf die Gestaltung der Bundeslade der Israeliten in biblischer Zeit zurückzuführen, die als Vorgängerin des Tabernakels angesehen wird.
  
Tabernakel
Die Bundeslade war von zwei goldenen Engelsfiguren(Cherubim) eingerahmt (Ex,37,7-9).
Die Frontseite der Türen sind mit Reliefs verziert, die zwischen Akanthusrankenwerk die Buchstaben Alpha und Omega sowie Getreideähren und Weinreben zeigen.
 
Hinweise: Tabernakel ist das lateinische Wort für Zelt. Die Bezeichnung führt zurück zur Bundeslade der Israeliten zur Zeit Mose, die ebenfalls in einem Zelt untergebracht war. Der Tabernakel dient bereits seit frühchristlicher Zeit zur Aufbewahrung verwandelter Hostien für die Sterbenden. Im hohen Mittelalter wurde er auch Ort der Anbetung und Verehrung Christi in der Gestalt dieses eucharistischen Brotes. Der Ort und die Form der Aufbewahrung änderten sich im Laufe der Jahrhunderte häufig. Das Tridentinische Konzil (1545 - 63) ordnete die Aufstellung des Tabernakels auf dem Altar an. Doch diese Vorschrift wurde in Deutschland, wo man lange daran festhielt, die heiligen Hostien in Wandschränken und Sakramentshäuschen aufzubewahren, erst im 18. Jahrhundert umgesetzt. Das 2. Vatikanische Konzil (1962 - 65) lässt dies wieder zu. Deshalb werden in modernen oder modernisierten Kirchen Tabernakel häufig in die Wand eingelassen oder stehen frei auf einer Säule.
Die griechischen Buchstaben Alpha und Omega sind der erste und letzte Buchstabe des griechischen Alphabets. Sie beziehen sich auf Kap.1 Vers 8 der Offenbarung: "Gott der Herr sagt, ich bin das Alpha und das Omega, der ist und der war und der kommt, der Herr der ganzen Welt." Die frühchristliche Kunst hat die Alpha- und Omegazeichen im Besonderen auf Christus bezogen; zum einen, weil er nach Offb 22,13 als kommender Richter dasselbe aussagte und zum anderen, um die von den Arianern bestrittene Wesensgleichheit (Göttlichkeit) von Christus mit Gottvater zu betonen.
Die Getreideähren und die Weinreben verweisen als Grundstoffe für Brot und Wein auf die Eucharistie.

Aus dem Altarraum führen zwei alte, zweiflügelige Fichtenholztüren und zwei bleiverglaste Oratorienfenster aus dem 18.Jh zum Sakristeianbau und zum Turmuntergeschoss.


Zelebrationsaltar

Der Zelebrationsaltar ist in Form, Farbe und Verzierung der übrigen Inneneinrichtung angeglichen. Er wurde um 1970 aufgestellt, im Zuge der Liturgiereform durch die Beschlüsse des 2.Vatikanische Konzils, und bedeutet eine Rückkehr zu den Wurzeln der Eucharistiefeier.


Zelebrationsaltar

Hinweis: Der Altar war das Symbol des heidnischen Gottesdienstes. Das lateinische Wort adolere = verbrennen bezeichnet die ursprüngliche Bedeutung als Stätte zur Verbrennung der Opfer. Die ersten Christen hatten keinen Altar. Jesus versammelte die Seinen um den Tisch, und das hielten auch die Christen während der ersten Jahrhunderte so; zur Eucharistiefeier konnte jeder beliebige Tisch dienen.
  Im 4.Jh wurde das Opfer Jesu in das Tischgeschehen hineingenommen und der Altar eingeführt. Er war meist aus Stein, frei aufgestellt und von allen Seiten zugänglich. Ab dem 8. Jahrhundert weicht die Tischform immer mehr der Blockform. Dies kommt der Entwicklung entgegen, im Altar Reliquien von Märtyrern und Heiligen beizusetzen. Der zelebrierende Priester stand hinter dem Altar, sodass seine Handlungen während der Messfeier für die ganze Gemeinde sichtbar waren. Als der Altar dann im 11.Jh eine Rückwand mit hohen Altaraufbauten (Retabel) erhielt und weiter an die Ostwand rückte, wandte der Priester der Gemeinde den Rücken zu. Dies ist in der katholischen Kirche durch eine Liturgiereform erst vor 55 Jahren wieder rückgängig gemacht worden. Der Zelebrationsalter ersetzt nun liturgisch voll den Hochaltar. 36)



C
horbogen

Der auf der Innenseite mit Rokoko-Ornamenten verzierte Chorbogen trennt Altarraum und Kirchenschiff. Auf der dem Altarraum zugewandten Seite hat sich, allerdings verdeckt durch den angebauten Chor, der ursprüngliche romanische Putzaus der zweiten Hälfte des 12. Jh. erhalten. In den Chorbogen sind einfache Rundbogen und ein unregelmäßiges geometrisches Muster eingeritzt. Farbspuren deuten auf eine einstige Ausmalung der Fläche. Unter dem Chordach befinden sich am Ostgiebel des Langhauses in den Putz eingeritzte Zeichnungen. 20)


Kommuniongitter

Am Chorbogen, also am Übergang von Kirchenschiff zum Altarraum, hat sich noch das Kommuniongitter erhalten. Dort wurde jahrhundertelang die Kommunion gespendet.

Kommuniongitter
Das Komuniongitter oder Speisgitter ist ein Relikt des bis zu drei Metern hohen Lettners. Der hatte im Mittel-alter den Altarraum, der den Priestern vorbehalten war, und das Kirchenschiff für die Gläubigen vollständig getrennt.

 

Kirchenschiff / Langhaus

Die Bezeichnung des Langhauses als Kirchenschiff ist darauf zurückzuführen, dass die Kirchenväter die Gemeinschaft der Glaubenden als Schiff bezeichneten, das die Gläubigen aus dem Sturm der Zeit und den gefährlichen Wogen des Schicksals rettet.


Deckengemälde

Die Deckenbilder im fast quadratischenLanghaus sollen -wie die im Altarraum- aus dem 19.Jh stammen. Zentrales Bild ist die Verehrung des Heiligen Geistes. Eine große Schar von Englein schwebt auf dichtem Gewölk um ein von Stuck umgebenes kreisrundes Feld.

Deckengemälde
Einige Engel halten ein Notenblatt und singen, andere schwingen das Rauchfass und halten das Weihrauchschiffchen zum Nachlegen des Räucherwerks bereit. Die Darstellung des Hl.Geistes fehlt jedoch. Derzeit ist dort nur das Lüftungsgitter zu sehen.

Hinweis
: Das sog. Heilig-Geist-Loch oder Pfingstloch in der Decke diente wohl in erster Linie der Entlüftung der
  Kirche. An Pfingsten (und an Christi Himmelfahrt) wurde es früher aber auch für eine Art Schauspiel genutzt: Während des Gottesdienstes wurde von oben entweder eine lebende weiße Taube freigelassen oder  eine hölzerne Taube als Symbol für den Hl. Geist an einer Schnur hinuntergelassen. Auch brennende (Flachs-)Flocken ließ man vom Pfingstloch aus in das Kircheninnere fallen; sie sollten die Flammenzungen des Hl. Geistes symbolisieren. Der Brandgefahr wegen war dieser Brauch umstritten.
Das Pfingstloch spielt auch in vielen alten Anekdoten eine Rolle, so z.B: Statt der Taube kam die Stimme des Mesners aus dem Pfingstloch: "Herr Pfarrer, den Heiligen Geist hat Katz gfressn".



Wappen Geböckh
Südlich und nördlich sind zwei Allianzwappen im Stuckrahmen zu sehen. Im südlichen Bild ist das Wappen der Familie Geböckh (Gepeckh) zu sehen, mit den Zeichen für den Fluss (Glonn) und den Vogel. An der Nordseite ist das Wappen derer von Hundt zu sehen (weißer Hund). Die jeweils anderen Wappen gehören den Familien der Ehepartner.
Ein Allianzwappen ist ein Ehewappen oder Heiratswappen. Es enthält die Wappen der Ehepartner, wenn beide über ein Familienwappen verfügen.
Aus der Familie Geböckh, auch Gepeckh geschrieben, kam der bedeutende Freisinger Fürstbischof Veit Adam Gepeckh, der 1584 in Arnbach geboren worden war. Veit Adam Gepeckh weihte 1629 die Dachauer Jakobskirche.

Wappen v.Hundt

An den vier Enden der Decke sind in runden Stuckfeldern die Bilder der vier Evangelisten (jeweils mit Buch und Feder) platziert: Matthäus mit einem Menschen, der ihm das offene Evangelium mit dem Text "Liber generatio-nes" (Stammbaum Jesu) hält. Diese Menschengestalt mit Flügeln weist auf den Stammbaum Jesu und auf seine Geburt (mit deren Bericht das Matthäusevangelium beginnt) hin.

Evang.Matthäus

Markus mit einem Löwen und dem Text (Tertia die resurrexit- er ist nach 3 Tagen auferstanden) im offenen Evangelienbuch. Der Löwe bei Markus wird als Hinweis auf den Anfang des Markusevangeliums verstanden, das mit der Predigt des Johannes in der Wüste beginnt; sein Evangelium betont die Kraft der Auferstehung und Todesüberwindung.


Evang.Markus
Lukas mit dem Stier. Im Evangelienbuch der Text "Passus Crucifixum" (Leidensgeschichte).
Der (Opfer-)Stier des Lukas galt als Zeichen für den Beginn des Lukas-Evangeliums, das mit dem Opfer des Zacharias einsetzt und das am innigsten auf den Opfertod Christi hindeutet.

Evang.Lukas
Johannes mit einem Adler und dem Text "Et verbum caro" (Das Wort wurde Fleisch) im Evangelienbuch. Das Attribut des Johannes verstand man als Symbol für den spirituellen Höhenflug des Johannes-Evangeliums. Das Johannesevangelium beginnt mit der Aussage: "Am Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort".


Evang.Johannes

Die vier Evangelistensymbole Mensch, Löwe, Stier und Adler(alle mit Flügeln) haben ihren Ursprung in den Cherubim, den himmlischen Altar- und Thronwächtern. Sie werden in den Gottesvisionen Hesekiels (AT) und in der Offenbarung des Johannes (Kap.4 Vers 7) als die vier Lebewesen, die rings um Gottes Thron stehen, erwähnt. Zuerst wurden sie nur im Zusammenhang mit dem thronenden Christus abgebildet. Als Evangelistensymbole dienen sie erst seit dem frühen Mittelaltar.


Seitenaltäre

Die ebenfalls rot und grau marmorierten und mit vergoldeter Ornamentik verzierten Rokoko-Altäre sind 168 cm breit und fast raumhoch. Sie stammen aus der Zeit um 1750/60. Die Stipes, der Altartisch, ist mit Holz verkleidet. Zwei Pilaster tragen die nach vorne gedrehten Volutensprenggiebel mit dem Altaraufsatz.


Linker Seitenaltar

Der Aufsatz des linken Seitenaltars besteht aus einem großen Strahlenkranz mit einem flammenden Herz in der Mitte. Der Kranz von Rosen, der dieses Herz umgibt, macht es als das Herz Mariens kenntlich. Es ist Zeichen für die mütterliche Liebe Mariens

Das mit Ölfarbe auf Leinwand gemalte Altarblatt (120 x 82 cm) zeigt eine Madonna mit Kind im Stil der Nazarener-Malerei des ausgehenden 19.Jh. Dieser Malstil legt u.a. Wert auf schöne Gesichter. Maria im traditionellen rot-blauen Gewand sitzt auf Wolken und hält im linken Arm das bekleidete Jesuskind.


Madonna mit Kind
Auf dem Haupt trägt sie eine Krone, in der rechten Hand hält sie ein Zepter. Die dritte königliche Insignie, der Reichsapfel, liegt in der Hand des blondgelockten Jesuskindes. Der Apfel war schon im Altertum Sinnbild für den Kosmos, später auch für die Erde, nachdem man deren Kugelform erkannt und akzeptiert hatte. Der mit dem Kreuz versehene Reichsapfel in der Hand des Königs ist seit 1191 Teil der königlichen Insignien und
  symbolisiert den von Gott verliehenen Herrschaftsanspruch. Gleiches gilt auch für das Jesuskind. Hier kommt aber die weitere Bedeutung des Apfels als Paradiesapfel und Sinnbild für den Sündenfall hinzu: Jesus weist den Betrachter darauf hin, dass er durch seinen Tod die Erbsünde überwindet.
Auf dem Bild in Sulzemoos segnet das Kind den Betrachter mit der rechten Hand. Es verwendet dabei den lateinischen Segensgestus (die ersten drei Finger ausgestreckt, die beiden übrigen Finger zurückgebogen). Zu Füßen von Maria liegen Rosenblüten. Die Rose als Königin der Blumen ist Sinnbild für die Himmelskönigin Maria. Hinter den Wolken lugen Puttenköpfe hervor.

Das Altargemälde wird eingerahmt von großen Anbetungsengeln aus der Zeit um 1750 (siehe Bild ganz oben).

In der Predella des linken Seitenaltars steht in einem dreiteiligen, verglasten Kasten mit aufwändiger Rocaillierahmung die Kopie des Gnadenbildes der Muttergottes von Altötting. Der Kopf Mariens ist mit einer Krone in Form einer flachen Mütze bedeckt; die Zacken der Krone sind reliefartig aufgetragen. Maria trägt das bekleidete Jesuskind auf dem rechten Arm. In der Linken hat sie ein Zepter. Das Jesuskind hält in seiner Hand einen Apfel. Es sind die königlichen Insignien.

Muttergottes von Altötting
Hinweis: Der Apfel war schon im Altertum Sinnbild für den Kosmos, später auch für die Erde, nachdem man deren Kugelform erkannt und akzeptiert hatte. Der mit dem Kreuz versehene Reichsapfel in der Hand des Königs ist seit 1191 Teil der königlichen Insignien und symbolisiert den von Gott verliehenen Herrschaftsanspruch. Gleiches gilt auch für das Jesuskind. Hier kommt aber die weitere Bedeutung des Apfels als Paradiesapfel und Sinnbild für den Sündenfall hinzu: Jesus weist den Betrachter darauf hin, dass er durch seinen Tod die Erbsünde überwindet.
  Hinweis: Das aus Lindenholz geschnitzte Gnadenbild von Altötting ist wohl um 1330 am Oberrhein entstanden und kam um 1360 als Geschenk des Zisterzienserkloster Raitenhaslach nach Altötting. Die Figur war ursprünglich wohl rosa bemalt. Wahrscheinlich ist die schwarze Farbe im Laufe der Jahrhunderte durch Nachdunklung des Holzes und durch den Kerzenrauch in der engen Kapelle entstanden. Manche Historiker glauben auch, dass sie bewusst gefärbt wurde und verweisen auf das Hohe Lied des Salomons aus dem Alten Testament: "Schwarz bin ich, doch schön". Schwarze Madonnen galten im späten Mittelalter als besonders wundertätig. Dies mag seinen Grund auch darin haben, dass die schwarzen Madonnen besonders alt sind und ihnen deshalb eine größere Anzahl von Erhörungen zugeschrieben werden kann.
Tabernakel
Der Tabernakel wird eingerahmt durch zwei
32 x 41 cm große, eingebaute Reliquien-behältnisse mit großen Sichtfenstern. Hinter dem Glas sind Figuren (aus Wachs ?) zu sehen, die Reliquien der Heiligen Vincentia (links) und Festina (rechts) enthalten.

   
St.Vicentia und St. Festina

Bei diesen Heiligen dürfte es sich um Katakombenheilige handeln, deren Reliquien im 18.Jh über Zwischenhändler in Rom erworben werden konnten. Mehr über Katakombenheilige.....
Die Reliquien sind mit Goldlahn (= mit Goldfaden umwickelter Metalldraht) auf rotem Samt in Klosterarbeit gefasst (um 1890).


Rechter Seitenaltar

Altaraufsatz
Der Aufsatz des rechten Seitenaltars besteht aus einem großen Strahlenkranz in dessen Mitte sich ein flammendes Herz, umkränzt mit einer Dornenkrone, befindet.

Flammendes Herz Jesu
Das Herz Jesu ist Symbol für die Erlöserliebe Christi. Diese Darstellung verbreitete sich in unseren Kirchen insbesondere nach der Einführung des Herz-Jesu-Festes durch Papst Clemens XIII.(1758 - 1769) im Jahr 1765.

Mittelteil
Thema des Altarblatts am rechten Seitenaltar ist die Anbetung der Dreikönige (1720, Öl auf Leinwand, 122 x 86 cm). Vor dem Hintergrund einer Säulenarchi-tektur sitzt Maria im roten Kleid und weiten blauen Mantel und präsentiert den Besuchern aus dem Morgenland ihren Sohn.
 
Anbetung der 3 Weisen
Der erste der Weisen kniet vor Jesus und küsst ehrfürchtig dessen Hand. Sein Geschenk und seine Mütze hat er vor sich auf den Boden gelegt. Dahinter warten die beiden übrigen Weisen, von denen einer als Afrikaner dargestellt ist. Zwischen den Dreikönigen lugt eine jüngere, weiblich wirkende Person hervor. Auf der rechten Seite beobachtet Josef, auf einen Stock gestützt, die Szene.
  Hinweis: Die Bibel spricht nur von Magiern (Sterndeutern) aus dem Morgenland. Die Zahl wird darin nicht genannt. In frühen Schriften ist von bis zu 12 Magiern die Rede; durchgesetzt hat sich aber die Zahl drei, nach der Anzahl der Geschenke. Diese Geschenke versinnbildlichen die Würden Christi: Gold=König, Weihrauch=Gott, Myrrhe=Arzt, Tod, Erlösung. Ab dem 4.Jh, als das Weihnachtsfest eingeführt wurde, entstanden Legenden um die Herkunft der Magier. Zu Königen wurden sie erst um das Jahr 975, als ihnen die Künstler Kronen aufsetzten. Zur gleichen Zeit entstanden ihre Namen Kaspar, Melchior und Balthasar. Ab dem 12. Jh wurde einer schwarz dargestellt, weil sie die Bewohner der drei damals bekannten Erdteile und damit die ganze Welt symbolisieren sollten. Einige Apokryphen schildern den Besuch der Magier zwei Jahre nach Jesu Geburt; deshalb wird das Kind manchmal schon etwas größer dargestellt.


St.Jakobu d.Ältere
Assistenzfiguren am rechten Seitenaltar sind die Heiligen Jakobus der Ältere (mit Pilgerstab) und Joachim, der Großvater Jesu (mit Schäferschaufel). Die beiden Figuren wurden um 1750 geschnitzt.

Hinweis: Jakobus der Ältere war der Sohn des Fischers Zebedäus und der ältere Bruder des Jüngers Johannes. Er zählte neben seinem Bruder und Petrus zu den drei bevorzugten Jüngern, die bei der Verklärung Jesu und in seiner Todesangst im Garten Gethsemane zugegen waren. Der Überlieferung nach verkündete er nach Pfingsten in der Gegend um Samaria und Jerusalem das

St.Joachim

 

 

 

Evangelium, bis er durch König Herodes Agrippa I. von Judäa im Jahr 43 geköpft wurde; Jakobus war somit der erste Märtyrer unter der Aposteln (Ap 12, 1 - 2). Der Legende nach setzten Anhänger seine Leiche in ein Boot, das im Meer herumtrieb und in Galizien, im Nordwesten Spaniens, strandete. Dort wurde er begraben. 800 Jahre später, zur beginnenden Reconquista (Rückeroberung des maurischen Spaniens durch die Christen), entdeckte König Alonso II das Grab wieder und baute eine Kirche darüber. Bald begann die Wallfahrt und Santiago de Compostela wurde eines der größten Wallfahrtszentren des Abendlandes. Durch ganz Europa führten feste Wallfahrtswege dorthin; bis ins 15. Jh. zog der Ort mehr Pilger an als Rom oder Jerusalem. St.Jakob erhielt seine Attribute (Pilgerkleidung und Muschel) erst im 13.Jh. Zuvor war Jakobus meist mit einer Schriftrolle abgebildet.
Joachim wird in der Bibel nicht genannt. Er war nach apogryphen Schriften der Vater Marias. Im 5. und 6. Jh wurden sein Name und der seiner Frau Anna in Marienlegenden weiterverbreitet. Die Schäferschaufel Joachims führt zum apokryphen Jakobusevangelium. Dort wird erzählt, dass Joachim ein Engel erschien, während er auf dem Feld die Herden hütete.

Predella
Auf dem Tisch des rechten Seitenaltars steht in einem tabernakelähnlichen Aufsatz eine Figur des hl. Johan-nes Nepomuk im priesterlichen Gewand der Zeit um 1729, dem Jahr seiner Heiligsprechung. In der Hand hält er ein Kruzifix. Die Augen der um 1750/60 geschnitzten Figur sind aus Glas.

Johannes Nepomuk
Hinweis: Johannes aus Pomuk, "ne Pomuk", war Ende des 14.Jh Generalvikar des Erzbischofs in Prag und machte sich wegen seines energischen Auftretens für die Rechte der Kirche beim König Wenzel unbeliebt.Der ließ ihn am 20. März 1393 gefangen nehmen, foltern, brannte ihn selbst mit Pechfackeln, ließ ihn durch die Straßen schleifen und schließlich in der Moldau ertränken. Die Legende berichtet, der eigentliche Grund
  sei gewesen, dass Johannes, der Beichtvater der Königin war, dem König keine Auskunft über die Sünden seiner Frau gab. Das 1215 eingeführte Beichtgeheimnis hat in der kath.Kirche einen hohen Stellenwert. Der Fundort der Leiche wurde durch eine Erscheinung von 5 Sternen geoffenbart. Nepomuk der einzige Heilige, der mit Sternen geschmückt ist. Sein Denkmal auf der Prager Karlsbrücke, das 1693 errichtet wurde, machte ihn zu einem der wichtigsten Brückenheiligen. Joh. Nepomuk wurde 1729 von Papst Benedikt XIII. heilig gesprochen und war deshalb während der Barock- und Rokokozeit als damals moderner Heiliger häufig abgebildet worden.
Festtag: 16.Mai

Wangen der KirchenbänkeKommuniongitterKommuniongitterKreuzwegbilderKanzelKreuzwegbilderEvangelistenbilderEvangelistenbilderWangen der KirchenbänkeDeckengemälde im LanghausHerz-Jesu-StatueOpferstockOrgelTürbeschlag
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Gemälde im Altarraum

In der Nähe des nördlichen Seitenaltars (Marienaltars) hängt ein weiteres Marienbild aus der 1.Hälfte des 19.Jh.

Es zeigt die Nachbildung der sog. Herzog-spitalmutter, einer von Tobias Pader geschnitzte Figur, die im 18.Jh zum bedeutend-sten Gnadenbild Münchens geworden ist.
mehr zur Herzogspitalmutter...
Die in einen roten Mantel gekleidete Maria

Herzogspital-
mutter
hält in den über der Brust gekreuzten Händen
ein Tränentuch. In der Brust steckt ein langes Schwert (oder Degen).
 

Hinweis: Das Schwert in Marias Brust erinnert an das Simeonwort im Lukasevangelium (Kap 2,35) bei der Darstellung im Tempel: "Dir selbst wird ein Schwert durch die Seele dringen".  
Die zwölf Sterne gehen zurück auf die Apokalyptische Frau, die Johannes in der Geheimen Offenbarung beschrieben hat. Sie war in der Vision vom Strahlenkranz der Sonne umgeben, über ihrem Haupte standen zwölf Sterne als Symbol für die zwölf Stämme Israels. Die Apokalyptische Frau wurde in frühchristlicher Zeitals Symbol für die Kirche angesehen und erst später mit Maria identifiziert.


Kreuzweg-Stationsbilder

An den Wänden des Kirchenschiffs hängen im rückwärtigen Bereich die 14 Kreuzweg-Stationsbilder im vergoldeten Rokoko-Schnitzrahmen.

Signatur Niedermaier
Die Bilder wurden von Anton Niedermaier (1868-1932) aus München im Jahr 1911 mit Ölfarbe auf Leinwand gemalt. Die 12.Station signiert (siehe Bildauszug links).

Anton Niedermaier war ein deutscher Restaurator und Kirchenmaler, der überwiegend Deckengemälde und einige Ölgemälde mit christlichen Inhalten gestaltete. In vielen Kirchen, wie auch hier in Sulzemoos, hängen Kreuzwegbilder von ihm.
Er war Schüler von Franz von Defregger und Franz von Stuck und gehörte ab 1887 zur Akademie der Bildenden Künste in München.
...mehr zu Anton Niedermaier bei Wikipedia...


Als Kreuzweg werden die aufeinanderfolgenden bildlichen oder plastischen Darstellungen bezeichnet, die meist aus vierzehn Stationen der Leidensgeschichte Jesu, angefangen von der Verurteilung durch Pilatus bis hin zur Grablegung, bestehen. Seinen Ursprung hat der Kreuzweg im Brauch der Pilger, bei Wallfahrten nach Jerusalem den Leidensweg Jesu auf der "Via Dolorosa" nachzugehen.

Im späten Mittelalter wurde die Kreuzverehrung insbesondere durch den hl.Franziskus von Assisi gefördert, der durch die Stimme des Gekreuzigten vom Kreuz in St.Damiano zu einem christlichen Leben bekehrt wurde. Seit dieser Zeit wurden Kreuzwegandachten als Ersatz für die Pilgerfahrt ins Heilige Land abgehalten. Die Stationen bildeten dafür die Leidensstätten Jesu nach. Auf diese Weise konnte der letzte Weg Jesu vor Ort nachgegangen und sein Leiden anschaulicher betrachtet werden. Kreuzwegdarstellungen in Deutschland entstanden erstmals in und bei Klosterkirchen, auf Anhöhen und bei Wallfahrtsorten, insbesondere in der Nähe von Franziskanerklöstern. Mit der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert hielten sie als Kreuzwegbilder Einzug in die Innenräume der Pfarrkirchen und verbreiteten sich zunehmend. Papst Clemens XII. erkannte im Jahr 1731 mit seinem Breve Unterweisungen über die Art, wie man den Kreuzweg abhalten soll diese Form des Kreuzwegs als kanonisch an und bedachte ihn mit großzügigen Ablässen.

1. Station
Jesus wird von Pilatus
zum Tod verurteilt
2. Station
Jesus nimmt das Kreuz
auf seine Schultern
3. Station
Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuze
4. Station
Jesus begegnet
seiner Mutter Maria
5. Station
Simon v.Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen
6. Station
Veronika reicht Jesus
das Schweißtuch dar
7. Station
Jesus fällt zum zweiten
Mal unter dem Kreuze
             
8. Station
Jesus tröstet die
weinenden Frauen
9. Station
Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuze
10. Station
Jesus wird seiner
Kleider beraubt
11. Station
Jesus wird ans
Kreuz geschlagen
12. Station
Jesus stirbt am Kreuz
13. Station
Jesus wird vom Kreuz
abgenommen
14. Station
Jesus wird ins Grab gelegt

Wenn Sie sich eine Zusammenstellung von Kreuzwegbildern aus den Kirchen des Dachauer Landes ansehen und mehr über die Geschichte des Kreuzwegs erfahren möchten, klicken Sie hier..



A
postelleuchter

Zwischen den Kreuzwegbildern sind an der Nord- und Südwand die nicht sehr auffälligen Apostelleuchter angebracht.
  Hinweis: Sie erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlischen Jerusalems. .


K
anzel

Auch die Kanzel ist mit viel Ornamentik geschmückt.
Der Kanzelkorb ist vorgebaucht und in Felder gegliedert; er ruht auf einer trichterförmigen Konsole. An der Rück-seite, dem Dorsale, das "Auge Gottes". Der Schalldeckel ist in Form eines Baldachins gestaltet. An der Unterseite eine Heilig-Geist- Taube; auf dem Schalldeckel vergoldete Ziervasen und Rankenschmuck. Die Verkleidung der Kanzeltreppe ist kleeblattförmig gelocht

Kanzel
Hinweis: Die Predigt wurde in altchristlicher Zeit -ähnlich wie heute- von einem Ambo aus gehalten. Ab dem 13. Jh. hat man Kanzeln gebaut, die zumeist seitlich im Mittelschiff ihren Platz haben, dort, wo die Gemeinde versammelt ist. Von hier aus konnten die Prediger auch von oben herab sprechen, was ihren Worten größere Wirkung verleihen sollte. Spätestens seit dem 2.Vatikanischen Konzil 1962 werden sie nicht mehr benutzt.


F
iguren im Kirchenschiff

Im Kirchenschiff befinden sich an den Wänden noch vier Heiligenfiguren:

a) An der Nordseite, direkt gegenüber der Kanzel, steht eine Figur des Guten Hirten. Er hält eine Schäferschaufel im rechten
    Arm. Die Figur beschreibt wohl den Augenblick, in dem sich der Hirte ein (verletztes) Lamm um seine Schultern gelegt hat
    und im Begriff ist, aufzustehen.

Guter Hirte
Hinweis: Die Darstellungen des Guten Hirten mit einem Schaf auf seinen Schultern waren in der Frühzeit auf die Sündenvergebung bezogen (Mt.18,12-14). In der Barockzeit trat die von Jesus auf die Priester übertragene Hirtenfunktion in den Vordergrund und damit dessen Hauptaufgabe, die Verkündigung des Evangeliums. Deshalb wurde der Gute Hirte ein bevorzugtes Bildnis an den Kanzeln. In Sulzemoos nimmt das Bildnis des Guten Hirten die Stelle des sonst üblichen Kanzelkreuzes ein.

b) Ebenfalls auf der Nordseite steht eine einfache Herz-Jesu-Statue aus dem 20.Jh.

Herz-Jesu-Figur
Die Anfänge der Verehrung des Herzens Jesu finden sich schon im 13. und 14. Jh. Bei den Gläubigen wurde die Herz-Jesu-Verehrung aber erst durch die Visionen der Margaretha Maria Alacoque (+1690) populär: Ihr war Christus erschienen, auf sein Herz deutend, was als sein Verlangen nach der Einführung eines diesbezüglichen Festes verstanden wurde. Gefeiert wurde es am dritten Freitag nach Pfingsten. 1765 wurde es durch Papst Clemens XIII. anerkannt und 1856 unter Pius IX. für die Kirche vorgeschrieben. Heute stößt es auf nur noch geringe Akzeptanz. Dazu haben sicher die süßlichen Darstellungen Jesu wie auf dem Bild in Bergkirchen beigetragen.

c) Auf einem Postament steht die Statue des hl. Bischofs Nikolaus (um 1750) im vollen Ornat mit einem Buch in der Hand,
    auf dem drei Goldkugeln liegen.
  Hinweis: Nikolaus war um das Jahr 300 Metropolit von Myra. Während der bald darauf einsetzenden Christenverfolgung wurde er um 310 gefangen genommen und gefoltert. Er überlebte und nahm 325 am 1. Konzil von Nicäa teil. Eine weit verbreitete Legende erzählt, Nikolaus habe einer verarmten Familie durch Geldgeschenke (Goldkugeln), die er heimlich durchs Fenster und durch den Kamin in die darin aufgehängten Socken warf, geholfen, damit der Vater seine drei Töchter nicht zur Prostitution bewegen musste. Um ein in Seenot geratenes Schiff mit drei Pilgern zu retten, begab er sich an Bord, stillte den Sturm und brachte das Schiff sicher in den Hafen.

St.Nikolaus

d) Auf der gegenüber liegenden Seite steht die ebenfalls aus der Zeit um 1750 stammende Figur des hl.Sebastian, mit
römischen Soldatenstiefeln und einem Soldatenhelm mit Federbusch auf dem Kopf. In den Händen hält er ein Bündel Pfeile
und einen Märtyrerpalmzweig.
  Hinweis: Sebastian soll nach der Legende im 3.Jh.ein Offizier der kaiserlichen Garde gewesen sein. Auf Befehl des Kaisers Diokletian wurde er wegen seines Glaubens mit Pfeilen durchschossen. Er erholte sich aber durch die Pflege von St.Irene, der Witwe des Märtyrers Kastulus, bekannte sich erneut zu seinem Glauben und wurde daraufhin mit Keulen erschlagen. Auf seine Anrufung hin, soll eine Pestepidemie abgewendet worden sein. Der heilige Sebastian wird deshalb als Pestpatron und -der Pfeile wegen- als Patron der Schützenbruderschaften verehrt. Die Palme ist schon von alters her Zeichen der sieghaften Vollendung und des Triumphs. Dies hat man für die christlichen Märtyrer übernommen. Die immergrünen Palmzweige symbolisieren das ewige Leben und den Sieg des Glaubens über das Heidentum. Zudem berichtet Johannes in der Geheimen Offenbarung: "... sie standen in weißen Gewändern vor dem Thron und vor dem Lamm und trugen Palmzweige in den Händen" (Offb 7,9).

St.Sebastian



Kirchenbänke


Die Kirchenbänke im Altarraum und Kirchenschiff (links 14, rechts 13 Reihen) haben außergewöhnlich kunstvoll geschnitzte Wangen aus Weichholz (um 1730/40). Das Muster erinnert an das der Kirchenstühle von Schwabhausen.

Kirchenbank

Wenn Sie sich für die Wangenmuster in den übrigen Kirchen des Landkreises Dachau interessieren, klicken Sie hier...




O
pferstock

An einer der letzten Bänke ist der Opferstock befestigt. Eindeutig gehören der schön geschnitzte barocke Sockel mit Akanthusmotiven und der einfache eiserne Opferstock nicht zusammen.
In den Kirchen des Landkreises Dachau gibt es viele unterschiedliche, außerordentlich interessante Opferstöcke. Wenn Sie sich dafür interessieren, klicken Sie hier..


Empore und Orgel

Die stützenlose Empore besitzt an der Unterseite Stuckrahmenfelder. Die Brüstung ist nicht bemalt, sondern lediglich durch einfache, weiß gestrichene Felder strukturiert.

Die Orgel mit einem dreigliedrigen offenem Prospekt wurde 1870/71 von Joseph Philipp Frosch jun. aus München errichtet (damals 5 Register), 1901 von Willibald Siemann, Mch, ausgebaut (6 Register) und 1964 von Anton Staller aus Grafing zu seiner jetzigen Form mit 7 Registern umgestaltet.
Die Familie Frosch hat in drei Generationen von 1830-1890 viele Orgeln im Münchner Raum gebaut. Im Landkreis Dachau ist das Sulzemooser Instrument jedoch die einzige Frosch-Orgel.
  Allgemeines zur Orgel - Mit ihren vielen Pfeifen, die über ein Gebläse zum Klingen gebracht werden, steht die Orgel meist im rückwärtigen Bereich der Kirche auf der Empore. Sie hielt erst allmählich Einzug in die Kirchen, weil sie bis in das 11. Jahrhundert als profanes (weltliches) Instrument galt, das für das höfische Zeremoniell verwendet wurde. Erst ab dem 13. Jh wurde es zur Regel, in allen bedeutenden Kirchen Orgeln zu errichten. Heute gehört eine Orgel zur Ausstattung fast jeder Kirche. Mit ihrer Klangvielfalt und Klangfülle trägt sie zur Verschönerung des Gottesdienstes bei. Der Orgelprospekt, die Schauseite der Orgel, wurde früher meist durch Künstler gestaltet. Im Barock und im Klassizismus, deren Epochen unsere ältesten Orgeln im Landkreis Dachau angehören, wurde der Prospekt mit reicher Ornamentik verziert. Heute setzt sich immer mehr der "offene" Orgelprospekt durch, der allein durch die harmonische Anordnung der Pfeifen wirkt.


Portal
An der Kirchentüre sind noch alte Beschläge zu sehen.

Wenn sie sich für Türbeschläge an den Kirchentüren im Landkreis Dachau interessieren, klicken Sie hier...

 

Leonhardskapelle

In der Leonhardskapelle, deren Eingang vor dem linken Seitenaltar liegt, steht ein vierter Altar aus der 2. Hälfte des 18.Jh.
Die Rokokoretabel ist rot und grau marmoriert. Zwei Säulen stützen das geschwungene Gebälk; darauf ein geschwungener Giebel und zwei seitliche Blumenvasen.
Im Altaraufsatz ein Leinwandbild des hl.Georg (2.Hälfte des 18.Jh). Der Heilige sitzt in Ritterrüstung auf einem sich aufbäumenden Schimmel und schlägt mit seinem Schwert auf einen ziemlich spitzmäuligen Drachen ein.
Im Hintergrund die Gebäude der Stadt Silena; davor steht die Königstochter, zu deren Rettung Georg eingreift.

St.Georg
Hinweis: St.Georg war Soldat des römischen Heeres zur Zeit Kaiser Diokletians und wurde um ca. 304 in Nikodemien oder Lydda enthauptet. Bei uns wird der hl. Georg vor allem als Patron der Pferde verehrt (Georgiritt). Meist wird er als Ritter dargestellt, der einen Drachen tötet. Nach der Legende hauste in einem See vor der Stadt Silena in Lybia ein Drache,
  dem die Einwohner täglich Lämmer und später Kinder opfern mussten. Da erschien St.Georg, nachdem er alle Martern überstanden hatte, gevierteilt und vom Erzengel Michael wieder zum Leben erweckt worden war. Als der Drache auftauchte, schwang Georg mit dem Zeichen des Kreuzes die Lanze und durchbohrte das Untier, das zu Boden stürzte.

Das Altarblatt (Öl auf Leinwand) zeigt St.Leonhard in der Glorie (2.Hälfte des 18.Jh). Der Heilige kniet -in sein Ordensgewand gekleidet- auf Wolken und blickt hinauf in den Himmel. Dort erscheint zwischen den zurückwei-chenden Wolken das Sinnbild Gottes, ein Dreieck (Dreifaltigkeit) im Kreis (Unendlichkeit). Engel tragen die Attribute Leonhards, den Abtsstab und die Gefangenenketten.


St.Leonhard

 

Ein weiterer Engel hält in der Hand eine Lilie, das Sinnbild des Keuschheitsgelübdes, das der Ordensmann abgelegt hatte. Das Gemälde könnte dem künstlerischen Gesamteindruck nach von Anton Huber d. Älteren (1799 -1868) stammen, dessen Gemälde in vielen Kirchen des Landkreises Dachau zu sehen sind (z.B. Altarbilder in Kleininzemoos,Arzbach, Etzenhausen und Pellheim sowie viele Kreuzwege). Mehr über Anton Huber erfahren Sie, wenn Sie hier klicken...
  Hinweis: Leonhard (in Bayern einer der 14 Nothelfer) lebte um das Jahr 500 als Einsiedler und später als Abt in Frankreich. Regelmäßig besuchte er die Gefangenen und erreichte beim König Clodwig I., dass viele von ihnen freigelassen wurden. Deshalb galt er ursprünglich als Schutzpatron derer, "die in Ketten liegen", also der Gefangenen - und der Geisteskranken, die man bis ins 18. Jahrhundert ankettete. Als die Leonhardsverehrung nach Deutschland kam, hat man ihn wegen der Ketten, mit denen er in Frankreich abgebildet war, als Patron der Haustiere verehrt, weil man diese Ketten als Viehketten missdeutete. In Bayern erreichte die Leonhardsverehrung im 19.Jh ihren Höhepunkt. Man nannte ihn auch den "bayerischen Herrgott". Am Leonhardstag, dem 6. November werden Leonhardiritte abgehalten und Tiersegnungen vorgenommen.
Tabernakel
Bei dem reich verzierten marmorierten Holz-Tabernakel aus der Zeit um 1750 handelt es sich um einen Drehtabernakel mit geschwungenem Giebel und seitlichen Schnitzereien. In der im geschlossenen Zustand sichtbaren Nische steht eine Kreuzigungsgruppe mit Maria, Johannes und Maria Magdalena.

Tabernakel
  Hinweis: Tabernakel ist das lateinische Wort für Zelt. Die seit dem 12. Jh übliche Bezeichnung führt zurück zur Bundeslade der Israeliten zur Zeit Mose, die ebenfalls in einem Zelt untergebracht war. Der Tabernakel dient bereits seit frühchristlicher Zeit (unter anderem Namen) zur Aufbewahrung verwandelter Hostien für die Sterbenden. Im hohen Mittelalter wurde er auch Ort der Anbetung und Verehrung Christi in der Gestalt dieses eucharistischen Brotes. Der Ort und die Form der Aufbewahrung änderten sich im Laufe der Jahrhunderte häufig. Das Tridentinische Konzil (1545 - 63) ordnete die Aufstellung des Tabernakels auf dem Altar an. Doch diese Vorschrift wurde in Deutschland, wo man lange daran festhielt, die heiligen Hostien in Wandschränken und Sakramentshäuschen aufzubewahren, erst im 18. Jahrhundert umgesetzt. Das 2. Vatikanische Konzil (1962 - 65) lässt dies wieder zu. Deshalb werden in modernen oder modernisierten Kirchen Tabernakel häufig in die Wand eingelassen oder stehen frei auf einer Säule.

Reliquiare
Der Tabernakel wird eingerahmt durch zwei im barocken Stil verzierte Pyramiden-Reliquiare.. Hinter dem großen Sichtfenster sind lange Gebeine (wahrscheinl. Oberschenkelknochen) zu sehen. Nach der Beschriftung auf den Cedulae, den kleinen beschrifteten Pergamentstreifen, stammen sie von den Heiligen St. Clementis und St. Albanus.


Pyramieden-
reliquiar



Hinweise: Beide Heilige dürften sog. Katakombenheilige sein, deren Reliquien in der Barockzeit viel gehandelt wurden. Die in den Katakomben gefundenen Gebeine waren anonym und konnten keinem bekannten Heiligen zugeordnete werden. Deshalb wurden sie auf Phantasienamen "getauft". Bei den Reliquienbehältnissen handelt es sich um Klosterarbeiten, die meist von Klosterfrauen, zum Teil aber auch von begabten Handwerkerinnen erstellt wurden. Die Reliquien im Schrein von Sulzemoos lagern auf rotem Stoff. Sie sind umgeben von Flechtarbeiten aus vergoldeten und versilberten Drähten und Fäden.
In der Reliquie (lat. reliquiae = Überrest) verehrte man den Heiligen selbst. Durch die Reliquie war er dem Gläubigen unmittelbar gegenwärtig. Dabei war unwichtig, ob es sich um die echten Gebeine des Heiligen handelte oder ob die Reliquie nur mit den echten Gebeinen in Berührung gebracht worden war. Damit wurde in der christlichen Kirche ein Brauch fortgesetzt, der schon im Altertum weit verbreitet war. Bereits im Heroenkult antiker Zeit, in der Verehrung von besonders herausragenden und ausgezeichneten Menschen nach ihrem Tod, standen deren Grab und Gebeine im Mittelpunkt des Kultes. Von den Gräbern der Märtyrer, der Heroen des Christentums, hat der Heiligenkult seinen Ausgang genommen. Reliquien waren den Gläubigen Unterpfand für die überirdische Kraft des Heiligen, für seine besondere Stellung zu Gott, die er sich durch seinen Märtyrertod oder durch ein besonders frommes und gottgefälliges Leben erworben hatte.


Grabplatten (Epitaphe)

In die linke Seitenwand der Leonhardskapelle sind frühbarocke Grabdenkmäler der Hofmarksherren seit dem 17.Jh. eingelassen
so z.B ein großes Epitaph für Hanns Wilhelm G. von Lauterbach und Sulzemoos, das zum größten Teil mit heraldischen Reliefs verziert ist. Der Text im unteren Teil der Grabtafel beginnt mit: "hier ligt begraben der Edle und Gestreng Herr Hanns Wilhelm G. von Lauterbach und Sulzemoos...".

Neben dem Taufstein steht ein weiteres Epitaph aus Solnhofener Stein (64 x 42 cm) aus dem Jahr 1693 für Wilhelm Freiherrn von Geböckh und seine Frau Martha. Der Stein wird von einem Rahmen aus verschiedenen Wappen und Rankenverzierungen umgeben.
Der Text auf dem Grabstein lautet:


1693

"Anno 1693, den 18. Juny ist in Gott Seelig verschiden der Hoch und wollgeborne Herr Herr Willhelm Freyherr von Geböckh von Sulzemoos und Arnbach beeder Churfürstl. Durchl. zu Cölln und Bayrn Camerer Rath und Obrist Jegermaister zu Freyßing auch Pfleger und Chastner der Herrschafft Burkhrain seines alters in 75.Jar deme Gott genedig sein wolle.
Anno 1694 den 2.Aug. verschide in Gott ... die Hoch und wollgeborne Frau Martha Elisabetha Freyfrau von Geböckh von Sulzemoß und Arnbach geborne Freyin von und zu Rorbach wollgedachten von Geböckh sel. Ehegemahlin Ihres alters im 65.Jahr, deren gott ...."


Hinter dem linken Seitenaltar, am Eingang zur Leonhardskapelle, ist im Pfeiler eine 87 x 59 cm große Gedenkplatte aus Solnhofener Stein für Johann Theodor Geböckh (Geeböck) eingelassen. Im Oberteil der Platte ist die Prachtausgabe des Wappens der Geböckh zu sehen. Der Text darunter lautet:

1800
"Denkmaal des Hochwohlgebohrnen Herrn Herrn Johann Theodor Freyherrn von Geeböck auf Sulzemoos und Arnbach wirkl. Regierenden HofmarksHerrn. Sr.Churfl. Durchl. zu Pfalzbaiern, Kamerer und Hauptmann der Cavalerie & c. Gestorben den 23.Decemb. 1800 im 65.Jahr seines Alters. Gottes Friede über Ihm."

Weitere Epitaphe sind an der Außenseite der Kirche befestigt. Sie erinnern an frühere Pfarrer von Sulzemoos:


1861

für
Lorenz Alois
Peischer
1796-1861

Text: "Ruhestätte der irdischen Hülle des Hochwürdigen Herrn Lorenz Alois Peischer
geboren zu Aichach am 18.Jänner 1796, gest. zu Sulzemoos am 19.Juni 1861
nachdem er durch 13 Jahre der Pfarrey daselbst würdig,
deshalb auch geehrt und geliebt, vorgestanden hat."
(Sandstein, 90 x 56 cm).

1896

für
Johann Bapt.
Endl

1847-1896

Text: "Hier ruht in Gott der hochwürdige Herr Johann Bapt.Endl, seit 7 1/2 Jahren Pfarrer dahier, geboren am 6.August 1847 zu Ensdorf, zum Priester geweiht 1874, gestorben dahier am 16.Dez. 1896 nach öfteren Empfang der heiligen Sterbsakramtente. Geliebt von allen, die ihn kannten, schlief er in Gottes Frieden ein. Mag jenseits das Erwachen ein ewig freuden-reiches sein."
(Stein aus hellem Marmor, 91 x 70 cm).

1928

für
Dekan
Karl Kainz

Text: "Zur frommen Erinnerung an den hochwürdigen Herrn Karl Kainz, Dekan des Kapitels Egenhofen, nahezu ?30? Jahre Pfarrer in Sulzemoos, gest. 15.Febr.1928 im Alter von ?92? Jahren und 5 Monaten, vers.mit den Sterbesakramenten."
(Stein aus Muschelkalk, 128 x 55 cm).

1955

für
Johann Evang.
Sedlmeir

1887-1955

Text: "Hier erwartet die Auferstehung der Hochw.Herr Johann Ev.Sedlmeir
43 Jahre Priester, zul. Kommorant (= Pensionist) dahier
* 15.12.1887   + 18.4.1955"
(Stein aus Muschelkalk, 124 x 55 cm).

1991
für
Gerhard Kues
1927-1991
Text: "Missionar Pfarrer Gerhard Kues
* 3.2.1927 in Berlin
Priesterweihe 25.1.1967 in Rom - Primiz 2.7. 1967 in Sulzemoos
+ 7.10.1991 in Südafrika"
  Einige weitere Epitaphe sind schon so verwittert, dass die Inschriften nicht mehr zu entziffern sind.
  

Epitaph von 1677
für Pfarrer Heinrich ...?


Taufstein

Neben den Epitaphen steht in der Leonhardkapelle ein runder Taufstein aus Rotmarmor (1.Hälfte 18.Jh). Der Fuß des Taufsteins in Form eines Balusters dürfte erst später hinzugefügt worden sein; jedenfalls besteht er aus einem anderen Material. Der aus dem 20.Jh stammende Deckel mündet in eine vergoldete Krone mit aufgesetztem Kreuz. Der Taufstein selbst hat die Form einer Schüssel.

Taufstein
Hinweis: Die Taufe der frühen Christen fand ursprünglich im Freien statt, überall dort, wo fließendes oder stehendes Wasser vorhanden war. Mit der Verlegung der Taufe in den Kircheninnenraum schuf man dort eigene Taufbecken. Als sich im 11.Jh die Praxis der Kindertaufe weitgehend durchsetzte, begann man mit der Errichtung erhöhter Taufgefäße; die Bodenbecken erwiesen sich für die Kindertaufe als weniger geeignet. Das Taufbecken ist meist aus Stein.

Neben dem Taufstein ist in den Fußboden der Leonhardskapelle eine Sickergrube in den Boden eingelassen, die mit einem Deckel verschlossen ist. In dieser Grube wurden die Flüssigkeiten entsorgt, die beim Gottesdienst oder anderen zeremoniellen Verrichtungen verwendet wurden und übrig geblieben sind. Der Deckel hat schöne Beschläge.


Sickergrube für hl.Öle

Kruzifix



Kruzifix

An der Wand ist ein Kruzifix befestigt. Es könnte sich um ein früheres Vortragekreuz handeln. Der Corpus Jesu ist als Inkarnat (=fleischfarbig) gefasst. Die Adern schimmern blau unter der Haut hindurch. Er hat sein dornengekröntes Haupt im Tode nach rechts geneigt. Aus den Wunden der Hände, der Füße, der Knie, der Seite und an der Stirn unter der Dornenkrone tropft Blut. Das um die Hüften geschlungene und verknotete Lendentuch ist vergoldet. Die Füße Jesu sind, wie im Barock üblich, überkreuzt mit einem sehr großen Nagel an das Holz geheftet (sog. Dreinageltypus).
Hinweis: Vortragekreuze werden beim Kirchenein- und Auszug, Prozessionen, Wallfahrten sowie bei Beerdigungen vorangetragen. Dies geht zurück auf das Jesuswort "Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach". Bei Gebetsprozessionen (Bittgängen, Kreuzweg) wird der Corpus des Kreuzes zu den nachgehenden betenden Menschen gedreht, damit sie den Gekreuzigten vor Augen haben. Bei anderen Prozessionen, z.B. an Fronleichnam und beim Ein- und Auszug zeigt der Corpus in die Gehrichtung, d.h., er weist ihnen den Weg. Die ältesten Vortragekreuze stammen schon aus dem 6.Jh.



Krippe

Bisher in der Leonhardskapelle, künftig in einem eigenen Raum, in dem früher die Heizung untergebracht war, steht eine sog. Ganzjahreskrippe. Sie soll das ganze Jahr über verschiedene Szenen aus dem Evangelium figürlich darstellen. So z.B. die Verkündigung durch den Erzengel Gabriel (Lk 1, 26), die Geburt Christi im Stall, der Kindermord des Herodes (Mt 2, 16ff), der Besuch Jesu im Tempel (Lk 2, 46 ff), die Hochzeit von Kana (Jh 2,1-10).

Krippe
Die Krippe umfasst 180 Figuren aus dem 18.Jh. und ist eine der bedeutendsten Krippen der Diözese München und Freising. Die Figuren sind 20 bis 30 cm hoch und tragen teilweise noch die originalen Gewänder. Die Krippe könnten ein Geschenk des damaligen Schlossherrn sein.

Beschreibung der Krippenfiguren
Die Figuren der Ganzjahreskrippe bestehen zum überwiegenden Teil aus dem älteren Typ der "Mannequin-Puppe", d.h. sie sind keine vollfigurigen Schnitzplastiken. Sie gliedern sich vielmehr
a) in einen Rumpf, der aus einem Trägergerüst aus Draht besteht und mit Stroh gefüllt ist, und
b) in die angesetzten, geschnitzten Gliedmaße, die teilweise noch mit Gelenken versehen sind.
Die Extremitäten werden -wie der Kopf- auf kleinen Stäbchen in die Puppe gesteckt. Die aus Holz geschnitzten Köpfe bestehen zum größten Teil aus sehr realistisch durchgebildetem, farbigem Wachs, mit Glasaugen und Haaren (Echthaar und Textilfäden).
Einzelne Köpfe dürften spätere Ergänzungen sein.

Im Allgemeinen sind die Figuren qualitativ hochstehend. Und dies, obwohl ansonsten im Laufe des 18.Jh die Bedeutung der "Mannequin-Puppen" gegenüber den vollplastischen, geschnitzten Figuren zurückging. In vielen Fällen tragen die zwischen 18 und 27 cm messenden Kunstwerke noch die originale Bekleidung. Nicht mehr ursprünglich sind leider die Figuren von Josef und Maria; sie fallen in durch geringere Qualität ins Auge.

Zur Frage nach der Herkunft lässt sich nur vermuten, dass die Anschaffung einer so umfangreichen Krippe für eine kleine Landpfarrei wohl nur durch einen Beitrag der Schlossherrn möglich war. Auf alle Fälle stammt die Krippe -wie schon an vielen Bekleidungsteilen zu sehen ist- aus dem alpenländischen Raum. Obwohl es im 18.Jh auch im oberbayerischen Raum bedeutende Hersteller von Wachsköpfen gab (z.B. Johann Plöderl in Wasserburg oder die Cettos in Burghausen), könnte diese Krippe möglicherweise auch aus Tirol stammen (vgl. z.B. die Krippe der Ursulinerinnen in Innsbruck um 1710). Dies scheint auch die Tracht der ländlichen Figuren nahe zu legen. Entstanden sein dürfte die Krippe wohl relativ sicher im späten 18.Jahrhundert.


Karfreitagsratsche

Unter der Empore wartet noch eine Karfreitags-ratsche auf ihren zweitägigen Einsatz pro Jahr. Dieses Einrichtungsstück ist eine handwerkliche Arbeit neueren Datums und soll hier vor allem wegen des damit verbundenen Brauchtums erwähnt werden.

Karfreitagsratsche
Hinweis: Am Karfreitag und Karsamstag schweigen einem alten Brauch zufolge die Kirchenglocken. Ihre Funktion nehmen die Holzratschen ein, die an diesen Tagen von Ministranten durchs Dorf gezogen werden und mit lauten Klappergeräuschen auf die Gottesdienstzeiten aufmerksam machen.

 

Nicht mehr in der Kirche befindet sich eine sog. Johannesschüssel aus der Zeit um 1480. Sie besteht aus blau und weiß gefasstem Holz und hat einen Durchmesser von rd. 40 cm. In der Schüssel ist ein rd. 20 cm großer geschnitzter Kopf von Johannes d.Täufer mit vergoldeten Haaren befestigt. Diese Darstellung erinnert an den Bericht über den Tod des Johannes im Markusevangelium (Mk 6,14-29). Johannes der Täufer. Seinen Beinamen erhielt er, weil er Jesus am Jordan (Lk 3,24) taufte. Von König Herodes Antipas wurde Johannes gefangen genommen, weil der ihm die unrechtmäßige Verbindung mit seiner Schwägerin Herodias öffentlich vorgehalten hatte. Die hasserfüllte Herodias bewegte ihre Tochter Salome, als diese dem von ihrem Tanz entzückten Vater einen Wunsch äußern durfte, Johannes'Haupt zu fordern. Er wurde enthauptet, Salome brachte der Mutter das Haupt auf einer Schale (Mk 6, 14 - 29).

Monstranz
Nicht in der Kirche aufbewahrt wird die vergoldete Monstranz mit Wappen der Freiherrn Gepeckh. Sie ist eine Stiftung des 1747 gestorbenen Joseph Sigmund Maximilian. Die Monstranz ist in der Beschreibung der Kunstdenkmale wie folgt erwähnt: " Monstranz mit Rankenwerk verziert; am Fuss das Wappen der Gepöckh und die Buchstaben I.S.M.M.F.V.G.S.E.A.d.h. Joseph Sigm. Max Freih. von Gepöckh Sulzemoos et Arnbach; rückwärts war ein Schild: M. Tobias Heigl Camerarius et Par. in Sulzemoos 1713".



Pfarrhof

Neben der Kirche steht der alte Pfarrhof aus dem Ende des 18.Jh, der in den 1980er Jahren wieder schön renoviert worden ist. Er befindet sich in Privatbesitz. Die Dachgaube mit der Aufzugsluke zeigt seine frühere Funktion als Bauernhof an. Schließlich besaß auch die Pfarrei Felder.

ehem.Pfarrhaus
An der Südseite des Hauses sind noch eine Sonnenuhr aus der Erbauungszeit (1797) und eine sog. Dachauer Haustafel (siehe Bild rechts) aus dem 19.Jh. zu sehen.

Haustafel
Geschichte
- 1705/06 Aus den Jahren 1705/06 ist bekannt, dass Maurermeister Mathias Graf aus dem Raum Sulzemoos sowie die Kistler Stephan Aigemas aus Orthofen 12), Georg Miller aus Oberlappach 17) und Johann Loder aus Tödtenried 12) am Pfarrstadel gearbeitet haben (Neubau oder Reparatur). Der Zimmerer Thomas Rottenfueßer aus Wiedenzhausen renovierte Pfarrhof, Backhaus und Pfarrstadel. 17)
- 1743/45 führte der Zimmermeister Andreas Hürschauer aus Sulzemoos Reparaturen am Pfarrhof und der Pfarrökonomie durch; das weist auf einen größeren Umbau hin.17)
- 1752 erstellte der Zimmerer Andreas Kiening aus Sulzemoos einen Überschlag (= Kostenvoranschlag) für eine Pfarrhoferhöhung, eine Stadelreparatur und einen neuen Schweinestall 17)
- 1756 lieferte der Kistler Josef Paur aus Welshofen Fensterstöcke für das Pfarrhaus 12)

Wenn Sie auch andere Pfarrhöfe im Landkreis sehen möchten, klicken Sie hier....


Der leider früh verstorbene Manfred Daurer aus Sulzemoos hatte im Jahr 2002 eine kleine Chronik der Pfarrkirche mit einem professionell gestalteten und zum Lesen einladenden Layout geschrieben, die bei der Mesnerin, Frau Schmid, zu erhalten ist.

Gottesdienstzeiten erfahren Sie auf der Internetseite des Erzbistums München und Freising.
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Hans Schertl


Quellen:

01) Johann Nep. Kammerloher, Pfarrer in Sulzemoos, Beschreibung der Säkular-Pfarrei Sulzemoos, 1817
02) Dr. Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
03) Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874
04) Bezold/Riel, Kunstdenkmale des Königreichs Bayern, 1895
05) Theodor Bitterauf, Die Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (Nr.438, 1258)
06) Josef Scheidl, Die Bevölkerungsentwicklung des altbayerischen Landgerichts Dachau, in ZBLG 3 (1930), S.376
07) Josef Scheidl, Die Bevölkerungsentwicklg. des Landger. Dachau im Laufe früh.Jahrhunderte, 1925 (Sp.Erbfolgekrieg,1649)
08) Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern, Heft 11/12, 1958 (Gerichtstag 850)
09) Rümann-Drave: Schlüssel zur unbekannten Heimat, 1962
10) Max Gruber, Stuck im Dachauer Land, Amperland 1966/1
11) Dr.Peter Dorner, Renaissancebild einer Landschaft, Amperland 1968 (Apian 1568)
12) Max Gruber, Kistler, Schreiner u.Drechsler aus dem Amperland, Amperl 1975-S.91 (Paur, Aigemas,Loder)
13) Georg Brenninger, Orgeln und Orgelbauer im Landkreis Dachau, Amperland 1975/4
14) Georg Brenninger: Orgeln in Altbayern. Bruckmann, München 1982, ISBN 3-7654-1859-5.
15) Max Gruber, Für Dachau u. Hinterland bis 1800 tätige Architekten, Bau-u.Maurermeister, Amperl.1982 (Mayr,Gläsl,Priller)
16) Max Gruber, Im Amperland tätige Glockengießer, Amperland 1984/2 (Bernhard Ernst)
Der Glockengießer Bernhard Ernst lebte von ca.1597 bis nach 1681). Er stammte aus der Ortschaft Wart bei Dingolfing. 1625 heiratete er die Witwe des Glockengießers Dionysius Frey aus München und übernahm mit der Witwe auch den Betrieb. Denn wer eine Witwe heiratete, konnte das Bürgerrecht des verstorbenen Mannes unentgeltlich übernehmen. Das Bürgerrecht war notwendig um einen Glockengießerei führen zu können. Nach dem Tod der ersten Frau heiratete Bernhard Ernst 1633 Maria Derfl. Bernhard war einer der bedeutendsten Glockengießer seiner Zeit. Der Fürstbischof von Freising verlieh ihm das Privileg, Glocken für die Kirchen im Gebiet der Diözese München-Freising zu liefern. Im Jahr 1913, also vor dem ersten Einschmelzen von Glocken für Kriegszwecke, waren noch 213 Glocken von Bernhard Ernst im Bistumsgebiet nachweisbar.
Werke von ihm sind aus der Zeit von 1629 bis 1670 bekannt. Er hat auch für eine Reihe von Kirchen im Dachauer Land Glocken gegossen: Pellheim (1629), Sulzemoos (1636), Großberghofen (1640), Weyhern (1641), Straßbach (1643), Harreszell (1643, kam später nach Langenpettenbach), Großinzemoos (1650), Einsbach Hl.Blut (1650 zwei Glocken, auch Überschlag von 350 fl. in 1645), Einsbach Pfarrkirche (1652), Amperpettenbach (1654), Goppertshofen 1655), Weichs (1658), Welshofen (1662), Wiedenzhausen (1663), Prittlbach (1664), Ampermoching (1664, Glocke kam später nach Giebing), Kreuzholzhausen (1665 drei Glocken), Rumeltshausen (1665 zwei Glocken), Sittenbach (1667) und Puchschlagen (1670/71 zwei Glocken).
Wie alle Glockengießer seiner Zeit hat Bernhard Ernst auch Geschütze für die Armee gegossen. Die unselige Verbindung von Glocken und Kriegsgeräts aufgrund des gleichen Materials, ist schon hunderte von Jahren alt. In der Glockengießerei wurden aber auch nur einfach Gussarbeiten für andere Künstler durchgeführt. So z.B. die Heldenputti an der Mariensäule in München (wohl von Ferdinand Murmann entworfen), die Symbole des Bösen Hunger (Drache), Pest (Basilisk), Krieg (Löwe) und – aus katholischer Sicht – Ketzerei (Schlange) bekämpfen.
17) Max Gruber, Bis gegen 1800 im Amperland tätige Zimmermeister, Amperland 1986 (Hürschauer, Andreas Kiening,
       Jakob Kiening, Miller, Rottenfueßer
)
18)
Josef Bogner, Dorfkirchtürme im Amperkreis, Amperland 1989/1
19)
Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV: München und Oberbayern, 1990
20)
Gottfried Weber, Die Romanik in Oberbayern, 1990
21)
Liebhart/Pölsterl, Die Gemeinden des Landkreises Dachau, Bd 2der Kulturgeschichte des Dachauer Landes, 1991
22)
Dr.Stefan Nadler, Kunsttopographie des Erzbistums München und Freising, 1992
23)
Angelika Petitini, Leonhardsverehrung u. Wallfahrt in Inchenhofen, Augsburger Volkskundliche Nachrichten, 1995, Heft Nr.2
24)
Manfred Daurer, Chronik der Pfarrkirche St.Johannes Baptist Sulzemoos, 2002
25)
Dachauer Nachrichten vom 19.8.2005, 17.8.2006, 9.1.2008
26)
Karl Grüner, "Unten bauchig, oben spitz", Münchner Kirchenzeitung, v. 25.9.2005 und vom 2.10.2005
27) Internetseite der Verwaltungsgemeinschaft Odelzhausen
28)
Jens Ballach zur Fam. Frh.v.Schaetzler, 2006
29)
Dachauer SZ vom 6.9.2006, v. 19.3.2008
30)
Robert Böck, Studienfahrt nach Inchenhofen, 2006
31)
Sarah Khan, Diversa diversis: mittelalterliche Standespredigten und ihre Visualisierung, 2007
32)
Eckart Bieger, Das Bilderlexikon der christlichen Symbole, 2011 (Tabernakelengel, braun, Rosen)
33)
Hans-Michael Körner Walter de Gruyter, Große Bayerische Biographische Enzyklopädie, 2005 (Ranzinger)
34)
Wilhelm Liebhart, Huosigau, Landgericht und Landkreis Dachau Ein Gang durch die Geschichte des Dachauer Landes,2006
35)
Romanik, Realismus, ,Revolution, das 19.Jh, Tag des offenen Denkmals 2011 in Augsburg (Wirsching 1864)
36)
Dr Heisig, Kunstreferat des Ordinariats München und Freising, Kunstfahrt 2014 (Zelebr ersetz Hochaltar)
37)
Dr.Mich.Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte 1871-1990, www.verwaltungsgeschichte.de/, 2015 (Statistik 33,39)
38) Martin von Deutinger, Tabellarische Beschreibung des Bisthums Freysing nach Ordnung der Decanate, 1820
39) Peter Pfister, Von Arbeo zum Internet, Katalog zur Ausstellung "75 Jahre Diözesanarchiv Mch/Freising", 1999
40) Joseph Scheidl, Wüstungen im Gebiet des alten Landgerichts Dachau, Amperland 1965/1 (Eckertshofen)
41) Michael Andreas Schmid, M.A, Das Werk des Dachauer Stukkateurs Benedikt Heiß im Amperland, Amperland 2000

95 Bilder: Hans Schertl
Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

1.3.2017

Gustav von Bezold und Dr.Berthold Riehl
Die Kunstdenkmale des Königreiches Bayern

- vom elften bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts -
im Auftrage des kgl.Staatsministeriums des Innern, für Kirchen- und Schulangelegenheiten.
- Auszug -

Kirche Sulzemoos. Langhaus romanisch, Chor und Thurm gothisch, alles in der Frühzeit des 18.Jh (1716) umgestaltet. Einschiffig. Der wenig eingezogene Chor umfasst ein Langjoch. Schluss in fünf Achteckseiten. Um den Chorschluss ist außen die aus drei getrennten Räumen betehenden Sakristei herumgebaut. Über derselben Oratorien. An der Nordseite eine St.Leonhardskapelle. Thurm westlich. Langhaus flach gedeckt. Chor gewölbt, Tonne mit Stichkappen. Am Gewölbe die Wappen der Familien Hundt, Geeboeckh und Schäzler (letzteres neu).
Decke und Gewölbe haben eine reiche Stuckdekoration, gut gezeichnete Akanthusranken. Putten usw. - Sehr nahe verwandt und augenscheinlich von der gleichen Hand die Dekoration der Kirche zu Maisach, B.A. Bruck.
Der obere Theil des Thurmes, ein hohes Achteck vom Jahre 1732. Das Langhaus ist aus grossen, ziemlich gut bearbeiteten Nagelfluhe-Quadern erbaut. An seinem Ostgiebel ist der alte Verputz mit eingeritzten geometrischen Zeichnungen, theils ornamentalen Charakters, theils eine Mosaikverkleidung (Reticulat) imitierend und leicht gefärbt, erhalten. Jetzt unter dem Dache des Chores verborgen. Dieser Umstand sowie der, dass die gothischen Theile in anderem Material (Backstein) ausgeführt sind und mit den Mauern des Langhauses nicht in Verband stehen, erweisen das höhere Alter des letzteren. Backstein ist jedoch auch schon für die jüngeren romanischen Bauten der Gegend das ausschließliche Baumaterial. Der Bau gehört also zu den älteren romanischen, muss aber jünger sein als die Kirche auf dem Petersberge bei Eisenhofen, welche eine weniger entwickelte Technik zeigt. Zweite Hälfte des 12.Jh.

In der Leonhardskapelle das Begräbnis der Freiherrn von Gepöckh mit zahlreichen künstlerisch werthlosen Grabsteinen. Daselbst Grabsteine des
- Hanns Wilh. Hundt vonLauterbach zu Sulzemoos auf Adlshausen (Todesdatum nicht ausgefüllt) und seiner Frauen
   Charitas geb. v. Breitenbach 4.März 1602 und Margaretha Hündtin (!) geb. Leonrod (Todesdatum nicht ausgefüllt);
- des WilhelmFreih. v.Gepöckh von Sulzemoos und Arnbach, Pfleger und Kastner der Herrschaft Burgrain 18.Juni 1693 und
   seiner Frau Martha Elisabeth, geb. Freiin v.Rohrbach + 2.Aug.1694;
- des Johann Sigmund Maximilian Freih.v.Gepöckh zu Sulzemoos auf Arnbach +6.April 1747,
- des Johann Cajetan Cristoph Wilhelm Freih.v.Gepöckh + 1732,
- der Maria Eleonora franziska Walburga Freyin von Gepöckh +31.Juni 1711,
- der Maria Theresia Franziska Freiin von Gepöckh + 3.März 1719,
- des Jos.Karl Max Albert Anton Rasso Johann Nepomuk Frhr. von Gepöckh + 5.Juni 1758,
- der Maria Anna von Gepöckh + 1770,
- des Joh.Heinrich Wilh. Lampert Freih. von Gepöckh + 5.Mai 1783,
- der Maximiliana Freihfrau von Gepöckh geb.Gräfi von Taufkirchen +27.April 1767,
- der Maria Franziska von Gepöckh geb. Freiin von Gumppenberg zu Bayrbach + 5.Mai 1766,
- der Eva Sophia Freifrau von Gepöckh + 23.Aug.1706 etc.

In der Sakristei: Monstranz mit Rankenwerk verziert; am Fuss das Wappen der Gepöckh und die Buchstaben I.S.M.M.F.V.G.S.E.A.d.h. Joseph Sigm. Max Freih. von Gepöckh Sulzemoos et Arnbach; rückwärts war ein Schild: M. Tobias Heigl Camerarius et Par. in Sulzemoos 1713.

 

Erste schriftliche Nennung von Sulzemoos im Jahre 820
Wie der Laie Cozpold sein Lehen in Sulzemoos zurückgab und wieder bekam

Wir tun kund, dass es möglich war, dass gewisse hinterhältige Menschen durch eine geschickte Machenschaft Cozpald um sein Lehen betrügen und sogar dasgesamte kirchliche Regelwerk ausrotten hätte können. Aus diesem Grund wandten sie sich an Bischof Hitto und berichteten ihm, dass vorgenannter Cozpald sich bei häufigen Planungen mit seinen Brüdern darauf verständigt habe, mit aller Anstrengung, jenes Lehen dem Haus der Hl.Maria (=Freisinger Dom) oder auch dessen Leitern abzusprechen. Als der Bischof dies hörte, ließ er ihn zu sich kommen und fragte ihn nach dem Besitz, den sein Onkel Pisum der Hl.Maria (=Freisinger Dom) geschenkt hatte, und die vorgenannter Cozpald hierauf nicht weniger als zwei Mal als Lehen empfangen hatte. Jener aber sagte, dass er niemals etwas anderes angenommen oder gesagt habe, als dass das, was Pisum in Sulzemoos besessen habe, Eigentum der Hl.Maria (=Freisinger Dom) sei, und gab es sofort mit allen Zugehörigen in die Hände des Bischofs auf. Es handelt sich dabei um Gebäude mit Häusern, um Hofstätten und um Eigenleute mit folgenden Namen: Odalkis, Adalker, Somrat, Uuolfkis, Adalrih, Ratpot, Mahtuni, Popila, Uuerindrud, Alphilt, Alpsuuind, Ostila, Prunhilt, Kisalhilt, Ratpurc sowie um drei Ansiedlungen, obendrein noch um allen Hausrat. Dies geschah am 2.Juni 820, im 7.Regierungsjahr des erlauchten Kaisers Ludwig in der 13. Indiktion in Gegenwart folgender Zeugen: Keparoh. Freso. Alprih. Aram. Uualtrih. Liutprant. Sulman. Uualho. Reginhoh. Asolt. Tamuzan. Uuofuni. Emilo. Engilker. Putilo. Erchenolf. Spulit. Kiso. Engilhart und die Übrigen. Als das alles geschehen war, setzte der Bischof ihn wieder in sein Lehen ein, jedoch nur solange er gegenüber dem Haus St.Marien mit Dienst und Treue diente. Ich aber Pirhtilo unwürdiger Subdiakon habe dies auf Befehl des Hernn Hito geschrieben.

Übersetzung: Dr. Monika Ofer, Steinebach.

 

Herzogspitalmutter

Die originale Herzogspitalmutter ist eine von Tobias Pader 1651 geschaffene Holzstatue der Schmerzhaften Muttergottes, die am 21. 1. 1690 "höchstlebendig die Augen bewegt" haben soll. Das Wunder war von einem Kind beobachtet worden und erhielt umgehend die kirchliche Bestätigung des Bischofs von Freising Joseph Clemens von Bayern (1685–1694). Die Figur wurde zum Ziel der wichtigsten Marienwallfahrt in der Münchner Region. In nur fünf Jahren wurden in der Spitalkirche 56.000 Messen gelesen und nicht weniger als 400 Wundertaten gezählt. Kurfürst Maximilian III. Joseph ließ sich das Gnadenbild 1777 ans Sterbebett bringen. Die Holzfigur gehörte zu einer 1651 von dem Münchner Bildhauer Tobias Bader geschaffenen Kreuzigungsgruppe. Sie wird bis heute in der Kirche des Herzogspitalkirche in der gleichnamigen Straße in München verehrt.

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