zur Landkreiskarte       ausführliche Beschreibg.   Kirchen i.d. Gem.Schwabhausen

Filialkirche St. Kastulus in PUCHSCHLAGEN


85247 Schwabhausen, St.-Kastulus-Straße 1
Lage der Kirche auf der Landkarte ...


K
urzbeschreibung

Die Filialkirche St. Kastulus in Puchschlagen gehört seit 1977 zur Pfarrei Schwabhausen (vorher Kreuzholzhausen)

Eine Kirche in Puchschlagen wurde urkundlich erstmals schon im Jahr 814 erwähnt. Damals schenkte der Edle Sigipald sein privates Bethaus dem Bistum Freising.

Die heutige Kirche stammt aus spätgotischer Zeit. Sie wurde im Jahr 1663 nach der Verwüstung im Dreißigjährigen Krieg unter Belassung des Chores und des Turmunterbaues barockisiert und 1729 sowie 1740 weiter umgebaut und im Barockstil ausgestattet.

Im nördlichen Chorwinkel steht der 42 m hohe, weithin sichtbare Turm. Er ist einer der elegantesten Barocktürme im weiten Umkreis.
Im unteren Teil noch aus gotischer Zeit ist er rechteckig. Der achteckige Aufbau ist reich gegliedert und mit einer gestreckten Zwiebelhaube versehen. Der Turmoberbau hat eine große Ähnlichkeit mit Wiedenzhausen. Möglicherweise wurden beide vom selben Baumeister errichtet.


Altaraufsatz - Gottvater

Die Kirche ist dem hl. Kastulus geweiht, einem Heiligen aus der Ära der Christenverfolgung in Rom (3.Jh). Seine Reliquien kamen erst in nach Moosburg und 1604 nach Landshut. Im heutigen Landkreis Dachau sind zwei Kirchen St. Kastulus geweiht, in Prittlbach und in Puchschlagen. Die Bitt- und Kreuzgänge zu St. Kastulus in Puchschlagen galten vor allem der Verhütung des "Wildfeuers" (= Blitzschlags) und von Feuersbrünsten.

Innenausstattung

Die Deckengemälde im Chor und Langhaus sowie die Gemälde an der Emporenbrüstung stellen u. a. viele Szenen aus dem Leben des Patrons der Kirche, des hl. Kastulus (römischer Märtyrer, 286) dar. Als weiteres Thema findet man in den Gemälden die Muttergottes. Sie wurden vom Brucker Maler Joseph Krenauer im Jahr 1729 geschaffen.

Die Inneneinrichtung stammt aus der Barockzeit, als der Kirchenbau um 1729 und 1740 nach mehreren Umbauten seine heutige Gestalt erhielt.

Der Hochaltar wurde im Jahr 1690 für die Pfarrkirche in Kreuzholzhausen geschnitzt und kam erst 1740 nach Puchschlagen. Auf ihm steht in einer Nische eine Schnitzfigur des hl. Kastulus im Plattenharnisch mit einer Fahne in der Hand.

Die dekorativen Seitenaltäre wurden 1729 aufgestellt. Der linke Altar ist der Muttergottes geweiht, der rechte Seitenaltar dem hl.Josef. Die entsprechenden Figuren zwischen den Säulen wurden aber erst im 19.Jh. geschnitzt.

NamensschilderChorbogenbild: Glaubezur vergrößerten Ansicht des Hochaltars bitte klickenzur vergrößerten Ansicht des Seitenaltars bitte klickenBüste des hl. GregorBüste des Papstes SylvesterHauptgemälde im Chor: Glorie des hl.KastulusTranslation der Gebeine des KastulusGrabwunder des hl.KastulusHelfer in FeuersnötenMarienfigur im linken SeitenaltarKönigin der ProphetenNamensschilderJesus mit KreuzGottvater
12 Details (Figuren, Deckengemälde) per Mouseklick vergrößern

Die übrige Figurenausstattung in der Kirche entspricht dem ländlichen Umfeld (Leonhard, Egidius, Blasius, Gregor, Silvester) der Kirche. Nach Einbrüchen in die Kirche in den Jahren 1973 und 1978 wurden die wertvollen Figuren in das Diözesanmuseum Freising gebracht.
In den Kirchenbänken sind noch (wieder) die Blech-Namensschilder aus dem 19.Jh angebracht, die früher den Familien einen festen Platz in der Kirche sicherten.

Kirchenführungen:
Falls Sie eine Kirchenführung wünschen, wenden Sie sich bitte an Frau Lisa Böswirth



Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen

 Geschichte:  Erste Erwähnung  Gründungslegende  Matrikel 1315/1524  Umbau 1663
 Altarweihe 1709  Umbau 1729  Matrikel 1740   Beschreibung 1874 
 Renovierungen  Bittgänge     
 Ausstattung:  Altarraum  Apostelleuchter  Baubeschreibung  Beichtstuhl
 Choraltar  Deckenfresken-1  Deckenfresken-2  Empore
 Ewig-Licht-Ampel  Figuren im Schiff  Geschichte  Kanzel
 Kanzelkreuz  Kirchenschiff  Kirchenbänke  Kreuzweg
 Orgel  Portal  Sakristei  Seitenaltäre

Geschichte der Kirche

Der Ort Puchschlagen und die Kirche wurden erstmals urkundlich am 7.Oktober 814 als Pohsolaga (Sumpflache bei den Buchen) genannt, als Sigipald das dortige Bethaus der Freisinger Kirche überließ (Urk.Nr. 328 der Freisinger Traditionen). Der Überlieferung nach soll Bischof Hitto von Freising, von einem Versammlungstag in Bergkirchen kommend, die Kirche geweiht haben.

Gründungslegende
Die weithin sichtbare Filial- und Wallfahrtskirche St. Kastulus der Pfarrei Schwabhausen mit ihrem reich gegliederten Zwiebelturm sowie der sie umgebende Friedhof liegen erstaunlich weit außerhalb der Ortschaft. Der Grund für die Abgelegenheit ist nicht bekannt. Vier Theorien werden aufgestellt:
1. Nach dem früheren Pfarrer Modlmair könnte neben der Kirche ein Kloster gestanden haben. Dagegen spricht, dass Reste von Klostermauern nicht zu finden sind.
2. Früher könnte das Dorf bei der Kirche gestanden haben. Wegen der besseren Böden um die heutige Ortschaft herum wurden Neubauten dort errichtet. So habe sich das Dorf von der Kirche entfernt.
3. Eine Sage erzählt, die Kirche sollte ursprünglich im Dorf errichtet werden. Da aber das bereit gestellte Baumaterial mehrmals über Nacht auf unerklärliche Weise an die gleiche Stelle außerhalb des Ortes gekommen war, glaubte man an einen Fingerzeig Gottes und baute das Gotteshaus an diesen Platz.
4. An der Kirche, die auf einer kleinen Anhöhe gebaut ist, könnte sich der Sitz der Ministerialen befunden haben. Sie haben die Kirche oder die Hofkapelle nahe ihrer Wohnstätte gebaut. Die Höfe waren etwas entfernt, bei der heutigen Ortschaft Puchschlagen errichtet worden. Auch dafür fehlen archäologische Spuren.
In Richtung Theorie vier geht die Erklärung des Heimatforschers Gerald Neuber aus Ingolstadt:
Die älteste Urkunde aus dem Jahr 814 enthält den Satz: "Const[r]uxit praedictus Sigibaldus oratorium in curte sua" (der vorgenannte Sigibald errichtete das Bethaus in seinem Herrschaftshof). Dieser Hof hatte, wie aus alten Katasterplänen hervorgeht, eine erhebliche Grundfläche, die alle Felder nordwestlich des heutigen Dorfes einnahm. Noch um das Jahr 1800 lag dieser Hof mit der Hausnummer 1 außerhalb des Ortes, etwa auf halben Weg zur Kirche. Die Besitzungen der anderen Puchschlagener Anwesen sind in einem Bogen südwestlich, südlich und westlich (nur z. T. auch nördlich) des Besitzkomplexes HausNr.1 angelegt. Daraus folgt:
- Entweder es existierten zum Zeitpunkt des Kirchenbaus eine Art Ober- und Unter-Puchschlagen parallel nebeneinander; erst später, als sich der Herrschaftshof in hoch- oder spätmittelalterlicher Zeit zu einem Bauernhof umgewandelt hatte, verschoben sich die Hofgebäude mit jedem Neubau langsam näher an das Dorf heran oder
- HausNr.1 war zum Zeitpunkt des Kirchenbaus das einzige Anwesen. Der Ort Puchschlagen wurde durch Rodungen und Anlage weiterer kleinerer Anwesen außerhalb der zum Hof Nr.1 gehörenden Felder angelegt.
Diese Auslegung wird durch die Tatsache bestärkt, dass die erste Kirche eine Privatkapelle war, die im Jahr 814 dem Freisinger Bistum geschenkt wurde.

Freisinger Matrikel 1315 und 1524
Die Kirche ist in der Konradinischen Matrikel von 1315 unter der Bezeichnung "Puschslag" als Filialkirche von Kreuzholzhausen erwähnt. In derSunderndorfer'schen Matrikel von 1524 wird auch das Patrozinium St.Kastulus genannt.
St. Kastulus ist ein relativ seltener Heiliger. Die Hauptkirche steht in Moosburg; im Landkreis Dachau ist ihm noch die Kirche in Prittlbach geweiht. Man geht davon aus, dass Kastulusreliquien (Rippe von Kastulus), die der Pfarrer der für Puchschlagen zuständigen Pfarrkirche Kreuzholzhausen von Pilgern erhalten hatte, das Patronat begründet haben. Kreuzholzhausen war eine von Jakobspilgern gern besuchte Stationskirche, wegen der Kreuzreliquien aber auch ein selbstständiges Wallfahrtsziel. Die Kastulusreliquie von Puchschlagen ist nicht mehr vorhanden.

Umbau 1663
Der heutige Kirchenbau wurde - wie so viele Kirchen im Dachauer Land - in spätgotischer Zeit errichtet und später -unter Belassung des Chores und des Turmunterbaues- barockisiert.Dieser Umbau fand in Puchschlagen schon 1663, kurz nach dem 30jährigen Krieg statt, in dem die Schweden die Kirche als Pferdestall benutzt und sie dabei schwer beschädigten hatten. Schon mitten im Krieg hatte man in der Kirchenrechnung die Bauschäden zusammengefasst, die als nächste behoben werden sollten, aber wegen der fortdauernden Kämpfe wohl nicht zur Ausführung kamen: "Weil ain nothdurfft erfordern würdt, ehistens ainen ganz zerschlagnen seiten Altar Zemachen, alß hat den Khirchenbröbsten (=Kirchenpfleger) khein außleichung (= Ausleihen) aufgetragen werden khinden", heißt es in der Kirchenrechnung 1640.
30 Jahre nach dem Umbau, 1695, wurde der Turm so schön gestaltet.

Altarweihe 1709
Am 23. Mai 1709 kam der Fürstbischof Johann Franz von Eckher nach Puchschlagen und weihte die drei Altäre in der Kirche. Am selben Tag hat er auch noch den Altar in Sickertshofen benediziert. Das Weihedatum bedeutet aber nicht zwingend, dass der Altar erst kurz vorher neu beschafft oder renoviert worden wären. Es könnte auch sein, dass die Altäre beim Umbau 1663 neu errichtet oder renoviert worden sind. Eine Altarweihe war in jedem Fall notwendig, weil die Schweden die Altäre im 30jährigen Krieg entweiht hatten. Doch diese Weihe war 1663 nicht möglich. Denn schon ab 1652 saßen zwei nachgeborene Wittelsbacher Prinzen (Albrecht Sigismund von Bayern und Joseph Clemens von Bayern) auf dem Freisinger Bischofsthron, die mangels Bischofsweihe das geistliche Amt des Bischofs nicht ausüben konnten; Albrecht Sigismund besaß nicht einmal die Priesterweihe. Nach 40 Jahren kam 1695 mit Franz Eckher wieder ein echter Bischof an die Regierung, für den nach so langer Zeit ohne Kirchen- und Altarweihen und ohne Firmungen viel zu tun war. Dieser kunstsinnige Bischof regierte sein Bistum von der Reisekutsche aus; er unternahm viele Pastoralreisen selbst in kleinste Dörfer seines Bistums. Die Kirchen unserer Gegend besuchte er meist "im Urlaub", wenn er sich auf seinem Sommersitz im Schloss Hof bei Hirtlbach befand.

Umbau 1729
Im Jahr 1729 (als mehr Geld vorhanden war als unmittelbar nach dem 30jährigen Krieg) wurde die Kirche wiederum umgebaut und erhielt im Wesentlichen ihre heutige Gestalt. Das Kirchenschiff wurde verlängert, erhielt ein Blechdach und wurde dabei neu eingewölbt. Auch der Kirchturm wurde mit "weissen plech" von Münchner Spenglern für 86 Gulden neu eingedeckt.
Das Chorgewölbe stürzte 1740 ein und musste erneut errichtet werden.

Schmidt'sch Matrikel 1740
Kurz nach der Renovierung 1740 hat der Canonikus Schmidt in der nach ihm benannten Schmidt'schen Matrikel aus Freising die Kirche besucht und folgendes aufgezeichnet:
"Ecclesia fillialis s.Castuli martyris in Puechschlagen ista nunc renovata et valde decora" (ist nun renoviert mit großer Zierde gestaltet). Die Kirche hatte auch damals schon drei Altäre. Der Hochaltar war wie heute dem hl.Kastulus geweiht, dessen Reliquien damals noch im Altar aufbewahrt wurden. Die Seitenaltäre hatten die Jungfrau Maria und den hl.Blasius zum Patron. Im Friedhof stand ein Beinhaus. Im Turm hingen die beiden heutigen Glocken, die damals 70 Jahre alt waren. Die Beschreibung schließt mit dem einzigen Satz in deutscher Sprache: "Das völlige Vermögen dises Gottshauses mechte diser Zeit gegen 800 fl (Gulden) betragen".

Beschreibung 1874
In der Statistischen Beschreibung des Erzbistums München und Freising vom Beneficiaten an der Domkirche Anton Mayer aus dem Jahr 1874 ist auch die Kirche von Puchschlagen (Buchschlagen) als Filialkirche von Kreuzholzhausen erwähnt. Damals wohnten in Puchschlagen 160 Gläubige in 28 Häusern. Über die Kirche schreibt Mayer: "Erbauungs-Jahr unbekannt. Ursprünglich gothisch, dann verzopft (=barock). In den Jahren 1870-71 schön renovirt. Baupflicht: die Kirche, am Cemeterium (=Friedhof) die Gemeinde. Hübscher 8eckiger Kuppel-Thurm mit 2 Glocken. 3 Altäre. Kleine Orgel. Gottesdienste an jedem 3.Sonntage abwechselnd mit der Pfarrkirche, dann am Ostermontage, Weihnachtsfest-das 3.Hochamt- u. Stephanstag (26.12.). Stiftungen: 6 Requiem und 9 Messen. Der Felderumgang nach der Fronleichnams-Oktave wird hier mit Absingen der 4 Evangelien gehalten. Meßner ein Gütler, Cantor der Lehrer. Kirchenvermögen: 18.800 Gulden (=hohe Summe).

Die letzte Renovierungen fanden in den Jahren 1870, 1930 (Fassade), 1951, 1960, sowie 1983-88 statt.
Aus dem Jahr 1930 ist noch eine Zeitungsnotiz über die Renovierung erhalten. Wenn Sie interessiert sind, klicken Sie hier...

Bittgänge
Die Puchschlagener wallfahrteten alljährlich u.a. auch nach Forstenried (Kreuzwallfahrt) und nach München zum hl.Benno, der in dere Frauenkirche verehrt wurde. Das wissen wir, weil den Fahnenträgern und Sängern eine "Zöhrung Zalt" (=Brotzeit gezahlt) worden ist und die Ausgaben in der Kirchenrechnung verbucht wurden. Die Verehrung des hl.Benno in Bayern entstand erst im 16.Jh im Zusammenhang mit der Reformation. St.Benno, der von 1066 bis 1106 in Meißen als Bischof gewirkt hatte, wurde am 16.Juni 1524 zur Ehre der Altäre gehoben. Luther verurteilte diese Heiligsprechung in seiner Schrift "Wider den neuen Abgott und alten Teufel, der zu Meißen soll erhoben werden" aufs Schäfste. Als Sachsen 1539 protestantisch wurde, hat man das Grabmal Bennos geöffnet und seine angeblichen Gebeine in die Elbe geworfen. Allerdings behauptete der letzte Bischof von Meißen, der später übrigens selbst die evangelischen Konfession annahm, schon vorher die Gebeine aus dem Sarg entfernt und die Sekundärreliquien, das Messgewand, Mitra und Bischofsstab in Sicherheit gebracht. Sie wurden 1576 (wohl gegen einen ansehnlichen Betrag) zusammen mit einem Wunder-Verzeichnis dem bayerischen Herzog Albrecht V. überlassen. 1580 hat man die Gebeine in der Münchner Liebfrauenkirche beigesetzt, wo sie nun das Ziel vieler Wallfahrer aus dem bayerischen Land waren. Maßgeblich dafür waren sicher seine Patronate für München und Altbaiern sowie seine Funktion als Wetterheiliger.

Baubeschreibung

Die heutige Kirche ist ein spätgotischer Bau, der durch den schönen Turm sein Gepräge erhält.
Der Chor istzweiachsig und schließt in drei Seiten eines Achtecks. An der Ostseite sind eine Türe und spitzbogiges Oberlichtfenster eingelassen.
Das 12,5 x 8,5 Meter große Langhaus, das Kirchenschiff, erstreckt sich über vier Achsen. Die Fenster wurden in der Barockzeit oben und unten gerundet. An der Westseite ein Rundfenster in Emporenhöhe.
An der Außenwand des Langhauses ist ein großes Kruzifix mit einem Guss-Korpus unter einer gebogenen Blechüberdachung befestigt. Die Vorderseite des Bleches ist gezackt. Dies hat eine über die reine Verzierung hinausgehende Bedeutung: Die Zacken beschreiben den täglichen Lauf der Sonne vom Aufgang im Osten bis zum Niedergang im Westen. So wie die Sonne wieder aufgeht, so ist auch Christus auferstanden und so wird auch der Mensch vom Grabe auferstehen.
  Hinweis: Bei diesem Kruzifix handelt es sich um einen sog.Viernageltypus. Die Beine liegen nebeneinander am Kreuzstamm auf, jeder Fuß ist von einem Nagel durchbohrt, zusammen mit den Nägeln der Arme also vier, daher die Bezeichnung "Viernageltypus".
  Diese Darstellung war in den ersten 1200 Jahren des Christentums üblich. Seit der Gotik werden die Beine des Gekreuzigten auf Darstellungen im Allgemeinen nicht mehr nebeneinander, sondern übereinandergeschlagen wiedergegeben. Die Füße sind nur mit einem Nagel am Kreuz befestigt, daher heißt die Gestaltungsweise "Dreinageltypus". Das Kruzifix in Puchschlagen erinnert als neuromanisches Kunstwerk wieder an die früheren Darstellungen. Das Kreuz heißt Kanzelkreuz, weil es in der Regel der Kanzel gegenüber an der Wand angebracht ist. Es erinnert den Prediger an den 1.Korintherbrief (1,3), in dem der hl.Paulus schreibt: "Wir predigen Christus als den Gekreuzigten". Die Ansprache soll nicht weltliche Dinge, sondern den Tod und die Auferstehung Christi zum Inhalt haben.

 

 

 

 

In die Kirchenmauer ist eine mit Gitterstäben verschlossene Nische eingearbeitet. Sie ist derzeit leer. Früher waren hier nach Auflösung des großen Beinhauses gleichsam als "Beinhaus-Gedenkstätte" einige Totenschädel aufbewahrt.
Hinweis: Das Beinhaus oder Karner (lat.carnarium=Fleischkammer) war vom Mittelalter bis zum 19.Jh. ein meist an die Kirche in der Nähe des Eingangs angebaute, zweigeschossige Friedhofskapelle, in deren Untergeschoss die Gebeine der schon lange Verstorbenen aufbewahrt wurden, um Neuzugängen Platz zu machen. In früheren Jahrhunderten war die Lebenserwartung nicht so hoch; so sind in Relation zur Bevölkerungszahl mehr Menschen gestorben. Friedhöfe waren damals immer um die Kirche herum angelegt und kaum erweiterungsfähig. Im Jahr 1058 beschränkte man die Grenzlinien der Friedhöfe auf 60 Schritte im Umkreis des Altars für Hauptkirchen und 30 Schritte für Kapellen. Weiter entfernt konnte man sich des Segens der im Altar ruhenden Reliquien und der Fürbitte des Heiligen nicht sicher sein. So war es üblich, die Gräber schon nach 5 bis 10 Jahren wieder zu verwenden. Zudem gab es keine Familiengräber; der nächste Tote erhielt das frei werdende Grab. Manche Totenschädel in den Beinhäusern wurden auch bemalt oder mit Inschriften versehen, um sie der Anonymität zu entreißen. Karner waren besonders in Bayern, Österreich und Ungarn verbreitet; sie standen an katholischen und protestantischen Gotteshäusern. In den letzten hundert Jahren wurden die Karner abgerissen bzw. in Lourdeskapelle, Abstellräume oder Vorhäuser umgewandelt. In manchen Kirchen wie hier in Puchschlagen erinnert aber noch eine Nische mit einigen Totenköpfen an die frühere Trauerkultur. Die aufgestapelten Gebeine sollen die Kirchenbesucher an die Vergänglichkeit des Menschen ermahnen.

Im nördlichen Chorwinkel steht der hoch aufragende (42 Meter) Turm. Er ist einer der elegantesten Barocktürme im weiten Umkreis. Im unteren Teil ist er rechteckig mit vertieften Mauerblenden. Im Erdgeschoss ist die mit einem spätgotischen Netzgewölbe überzogene Sakristei untergebracht. Dieser Teil des Turmes stammt noch aus dem Bau vor 1695 (Grundrissmaße: 480 x 377 cm).
Der prächtige, achteckige obere Teil des Turmes ist reich gegliedert und mit einer gestreckten Zwiebelhaube (aus Kupferblech) versehen.An jeder der acht Seiten ein schmales hohes Schallfenster. Der Abstand derTurmgesimse ist unterschiedlich. Der 1695 errichtete Turmoberbau hat eine große Ähnlichkeit mit dem Turm von Wiedenzhausen. Man geht davon aus, dass beide Türme vom gleichen Baumeister errichtet worden sind. Der Bergkirchner Architekt und Historiker Max Gruber schreibt beide Türme dem Klosterbaumeister von Dießen Michael Natter (1649-1719) zu.
1753 wurde vermutlich das Kuppeldach erneuert; die Jahreszahl mit den Handwerkerzeichen steht östlich am Turm.
Im Turm hängen zwei alte Glocken, die von Bernhard Miller (1670) und von Bernhard Ernst, München (1671) gegossen wurden. Eine Übersicht über die ältesten Glocken im Landkreis Dachau finden Sie hier...

  Hinweis: Woher die so typisch bayerisch-barock anmutende Zwiebelform kommt, ist erstaunlicherweise nicht geklärt. Einige der Experten vermuten, dass sie eine Nachahmung und Weiterentwicklung der im 7.Jh errichteten Moschee auf dem Tempelberg in Jerusalem (Felsendom) und somit arabischen Ursprungs ist.
Damals glaubten europäische Baumeister, die Kuppel stamme noch vom Tempel Salomons und verbanden mit ihr die Vision vom himmlischen Jerusalem. Andere Kunstexperten sehen in der Zwiebel eine Weiterentwicklung der byzantinischen Kuppel, die auch in Russland großen Anklang fand. Fest steht jedoch, dass die ältesten zwiebelförmigen Kuppeln in Bayern die der Münchner Frauentürme sind (1525). Weite Verbreitung fand die Zwiebel als Bauform aber erst im Italien der Renaissance und bei uns in der Barockzeit nach dem 30jährigen Krieg. Ihre Form -unten bauchig, oben spitz- passte wunderbar zur Kunstauffassung und zum Lebensstil des Barocks und galt "als Synthese aus der Bewegung ins Übersinnliche und dem Verharren in den Wölbungen des Sinnlichen".



I
nneneinrichtung

Altarraum

Der über 7 Meter hohe Altarraum ist eingezogen und mit zwei Jochen sehr tief. Er schließt außen in drei Seiten eines Achtecks; innen ist er abgerundet. Die Chordecke besteht aus einem Tonnengewölbe mit Stichkappen über den Fenstern.

Hochaltar / Choraltar

Der Hochaltar aus der Zeit um 1690 ist ein barockes Ädikularetabel (Altaraufbau mit Nische). Er wurde ursprünglich für die Pfarrkirche aufgrund einer Stiftung des kurfürstlichen Hofbeamten Ambrosius Wagner in Kreuzholzhausen errichtet. Nachdem Kreuzholzhausen um 1720/30 neu ausgestattet worden war, hatte man keine Verwendung mehr. Da fügte es sich, dass 1740 das Chorgewölbe in Puchschlagen einstürzte und dabei den damaligen Hochaltar beschädigte. So wurde der Altar nach einer Restaurierung durch Bartholomäus Schuhpaur als Ersatz nach Puchschlagen gegeben. Vier Wendelsäulen tragen ein verkröpftes Gebälk mit Aufsatz. Die Stipes, der Altarblock, ist gemauert und verputzt. Das rot und blau marmorierte (= mit Marmormuster bemalte) Holzantependium und das Postament dazu lieferte Nikolaus Prugger (mehr zu Nikolaus Prugger...

In der Mittelnische des Hochaltars steht eine Schnitzfigur des hl. Kastulus im Plattenharnisch mit Mantel und Fürstenhut. Die Skulptur stammt aus dem Jahr 1470, wurde aber 1740, bei der Aufstellung des Altars durch Bartholomäus Schupaurs, erneuert (Arme und Hände) bzw. um den Chorhut ergänzt.
Ihre heutige Fassung erhielt die Figur vom Maler Franz Mayr, der auch das Altargemälde und den Kreuzweg in Kreuzholzhausen geschaffen hatte (mehr zu Franz Mayr..

Der 90 x 78 cm große Tabernakel ist wesentlich jünger. Er wurde um 1900 im Stil der Neurenaissance erstellt. Zwei weinlaubumrankte Säulchen mit ionischen Kapitellen tragen ein verkröpftes
Gesims.
In der Predella, zu beiden Seiten des Tabernakels, stehen Halbfiguren zweier Päpste (18.Jh). Links Papst Gregor I., der Große, der im Jahr 590 zum Papst geweiht wurde. Er lenkte 14 Jahre lang kraftvoll und zielbewusst die Kirche, leitete die Christianisierung Englands in die Wege, baute die kirchliche Armenpflege auf, erneuerte die Liturgie und bemühte sich um die römische Sängerschule (Gregorianische Gesänge). Durch seine zahlreichen Schriften beeinflusste er die Theologie bis in die Aufklärungszeit. Unter Papst Silvester I., wurde im Jahr 313 das Christentum Staatsreligion. Dieses Ereignis begründet zwar Silvesters Bedeutsamkeit; sein eigenes Wirken hat dazu aber wenig beigetragen.

Der Altaraufsatz besteht aus einem ovalen Auszugsbild, gerahmt von vier kleinen Wendelsäulchen und überdeckt mit einem Segmentgiebel. Im Bild wird Gottvater mit der vergoldeten Weltkugel in der Hand als Halbskulptur auf versilberten Gewölk dargestellt. Zwei Anbetungsengel seitlich und ein Puttenkopf darüber sowie ein IHS-Strahlenkranzaufsatz vervollständigen das Ensemble.
Hinweis: Gottvater wurde in der christlichen Kunst wegen der Weisung im Alten Testament (Exodus 20, 3-4) kein Schnitzbild von Gott zu machen, viele Jahrhunderte nicht als Person dargestellt. Meist wurden Symbole wie der Lebensquell, die Hand Gottes oder das Auge Gottes im Dreieck verwendet. Personifiziert, als würdiger alter Mann mit langem Bart, wird Gottvater erst seit dem Barock (17.Jh). Diese Darstellung wird dem Gottesbild in unserer Zeit nicht mehr gerecht.


Kruzifix im Altarraum

Im Altarraum hängt ein großes Kruzifix im barocken Stil. Jesus wird als Toter dargestellt, mit geschlossenen Augen, gesenktem Haupt und blutender Seitenwunde. Das Lendentuch ist nicht vergoldet, sondern weiß.

Hinweis: Ob Jesus bei der Kreuzigung überhaupt ein Lendentuch getragen hat, ist ungewiss. Nach römischem Recht waren alle Gekreuzigten nackt. Die Blöße und die Tatsache, dass sie nicht beerdigt sondern in der Regel von den Tieren gefressen wurden, waren Teil der Strafe und sollten bewusst erniedrigen. Ob wegen des jüdischen
  Empfindens Ausnahmen vom Gebot der Nacktheit galten, ist nicht bekannt, sodass wohl auch Jesus nackt gekreuzigt worden ist. Früher gab es auch Darstellungen mit dem nackten Jesus. Der Legende nach soll Maria mit ihrem Schleier die Blöße Jesu bedeckt haben. Das Lendentuch, das dem Gekreuzigten heute von den Künstlern als Blickschutz für die Blöße beigegeben wird, soll der Würde Jesu Rechnung tragen. Es ist Bestandteil der künstlerischen Darstellung geworden, flatternd im Wind, nur von einer Kordel gehalten.


Sakristei

Nicht nur der Zugang zur Sakristei ist mit seinem Spitzbogen noch ganz in gotischem Stil gehalten, sondern auch die Sakristeidecke.
Die dreiteilige Schrankanlage stammt aus der 1.Hälfte des 19.Jh. Zwei weitere Schränkchen aus dem 18. Jh. haben noch die originalen Beschläge.
   
Außergewöhnlich ist auch die wie eine grobe Intarsienarbeit wirkende Sakristeitüre aus Eichenholz (18.Jh).    

An der Sakristeitüre ist die Chorglocke mit barocken Verzierungen angebracht. Sie gibt das akustische Zeichen für den Beginn des Gottesdienstes. Es handelt sich um eine kleine Glocke die mit einem Zugband zum Klingen gebracht wird. Die Chorglocken wird geläutet, wenn Priester und Ministranten die Sakristei verlassen und den Chor betreten.


Ewig-Licht-Ampel

Die Ewiglichtampel am Chorbogen dürfte um 1900 erstellt worden sein. Sie besteht aus Messingblech.


Hinweis: Das rote Öllämpchen, das stets im Altarraum brennt, gilt oft als Erkennungsmerkmal eines katholischen Gotteshauses. Früher gab es solche Lichter nur an den Märtyrergräbern. Mit der wachsenden Verehrung der aufbewahrten Eucharistie hat sich etwa seit dem 13. Jh der Brauch des "Ewigen Lichtes" vor dem Tabernakel, wo das Allerheiligste aufgewahrt wird, herausgebildet, nachdem der Johanniter-Ritterorden das Ewige Licht von den Kreuzzügen aus dem Heiligen Land mitgebracht hatten. Durch sein dauerndes Brennen weist es darauf hin, dass in der Kirche geweihte Hostien aufbewahrt werden. Meist sind die von der Decke herabhängenden Ampeln aus Silber oder versilberten Material gebaut, in eleganten Formen und mit vielen grazilen Verziehrungen versehen.



Deckenfresken im Altarraum

Die Decke im Altarraum ist vollständig mit barocker Malerei überzogen. Umgeben von Dekorationsornamentik, Blattwerk und Früchten sowie Brokatmustern sind ein großes (2,60 x 1,70 m) Gemälde und 6 kleinere ovale Bilder zu sehen. Sie stammen vom Brucker Maler Joseph Krenauer (einem Künstler aus dem Umkreis/der Werkstatt des Johann Anton Gumpp) und wurden 1729 bei großen barocken Umbau geschaffen (Signatur am Westrand: "MSP aC / 1729").
Das Hauptbild stellt den hl. Kastulus in der Glorie dar. Der mit Rüstung und kurzem Soldatenmantel gekleidete Heilige thront auf Wolken. Er hält in seiner Hand eine Fahne mit Kreuz.
Mit der Rechten deutet er auf seinen Schild, der von einem Putto gehalten wird. Auf dem Schild ist das Wappen von Moosburg (Rosen) zu sehen, wo 800 Jahre lang die Gebeine von Kastulus in der Kirche aufbewahrt worden waren.
Weitere den Heiligen umschwebenden Engel tragen seinen Helm, Märtyrerkranz und -palme sowie die Embleme der Tugenden, die dem hl. Kastulus zugeschrieben werden:
- ein Stabbündel für die Eintracht (Kastulus setzte sich für den Zusammenhalt der Kirchengemeinden von Rom ein)
- ein Szepter mit dem Auge Gottes als Sinnbild für die von Gott verliehene Weisheit
- ein Säulenstumpf für die Standhaftigkeit beim Martyrium
- ein Krüglein und ein Trinkgefäß für die Mäßigung
- ein Spiegel mit Schlangengift für die Klugheit des Heiligen als früherer Berater des Kaisers Diokletian.
- was das Dreieck, der Zirkel, die Kugel und das Fernrohr bedeuten, ist nicht überliefert.
  Hinweis: Der Kranz war das Ehrenzeichen des siegreichen Athleten, z.B. bei den Olympischen Spielen der Antike in Form eines Gewindes aus Laub, Blumen u.ä. Das Christusmonogramm war in der frühen Kirche öfters von einem Kranz umgeben und bezeichnete so Christus als den Sieger über den Tod (daher häufig auf Sarkophagen) oder - da die siegreichen römischen Kaiser den Lorbeerkranz trugen - als Kyrios, den Herrn der Welt. Als Siegeszeichen gebührte der Kranz auch den Märtyrern wie St.Kastulus.
     

In den beiden Medaillons links und rechts vom Hauptgemälde werden das Martyrium und der Tod von Kastulus dargestellt. Martyrium (links): Kastulus hängt in einem Holzrahmen und wird von Henkersknechten mit Bleikolben und Ruten geschlagen. Im Vordergrund kniet ein Knabe am Boden mit den Kleidern des Heiligen. Rechts auf dem Sockel eine Jupiterstatue, der Kastulus hätte opfern sollen.Text:O, Gott dieß ist der herrlich Tag / Den ich allzeit begehr
Tod von Kastulus
(rechts): Vor einem Palast mit Zuschauern stoßen die Henkersknechte den Heiligen mit Lanzen und Stangen in die Grube, in der er lebendig begraben wurde. Text: "Ich sag dir dank o Herr Jesu Christ - daß du mich würdig gemacht."


Hinter dem Hochaltar
ist in Medaillons dargestellt:
- Translation des Kastulus.
  Papst Eugen sitzt unter einem Baldachin und übergibt zwei Männern, Albinus
  und  Reinpertus die Gebeine von Kastulus zum Transport nach Bayern. Den
  Bestimmungsort Moosburg soll dann ein Esel   gefunden haben, den man mit   den Gebeinen freien Lauf ließ.
 
- Grabwunder
  Das andere Bild zeigt den Sarkophag unter einem Baldachin und Bittflehende,
  die ein Wunder erhoffen. Am Sarkophag befindet sich das Moosburger   Rosenwappen. Text unter dem Bild:"Nach dem Tod bei dem Grab S.Castl.   Gott vielen die Gesundheit gab"
In vier weiteren Medaillons mit Schriftkartuschen wird Kastulus als Wundertäter dargestellt.
Über dem Hochaltar links: Kastulus als Helfer in Feuersnöten. Ein Bauernpaar steht vor einem brennenden Haus und blickt flehend zum Himmel. Der Legende nach half Kastulus vielen Menschen in Feuersnöten, die seine Hilfe erflehten.
Text: Das Feuer Text: "Das Feür nit mehr weitter brint - wo S.Castl.fürbitt findt"
rechts: Kastulus hilft Seefahrern im Sturm. Ein Schiff mit der Wittelsbacher Rautenfahne schwimmt im aufgewühlten Meer. Zwei Männer an Deck flehen in großer Not zum Himmel. Der Legende nach soll der bayerische Herzog in Seenot geraten sein. Einer seiner Diener, der aus Schrobenhausen stammte, gab ihm den Ratschlag, sich an Kastulus zu wenden. Text unter dem Bild: "Im Meer und grosser - Wassergfahr- Hilft Castl. auch für war".
am Chorbogen links: Kastulus als Erretter von der Pest. Vor einem Haus steht eine Frau. Sie erhebt ihre Hände flehend zum Himmel. Hinter dem Haus liegen Leichen. Hintergrund ist eine schreckliche Pestilenz, die im Jahr 1403 in Schwaben gewütet hat. In ihrer Angst wandte sich Barbara Kolerin aus Entrang bei Kaufbeuren an St.Kastulus und wurde von der Krankheit verschont.
Text:Dem bößen Lufft / vnd Pestilentz / wehret Castl den Sententz
rechts: das Brotwunder des Kastulus. Auf der linken Seite des Bildes rasten zwei Pilger unter einem Baum vor einem Dorf. Von rechts kommt ein Mädchen mit Broten herzu. Sie beißt in eines der Brote. Nach der Legende rasteten die Heiligen Albinus und Reinpertus bei der Überführung der Gebeine des Kastulus von Rom nach Bayern im Dorf Schiltern bei Haag. Eine Müllerin ließ ihnen durch ihre Tochter ein Brot bringen. Als das Mädchen versuchte, von einem der Brote zu essen, verwandelte es sich in einen Stein.
Text: "Die Erdt das Brodt gibt allgemin - durch Castl.wird es zu Stein"


Kirchenschiff / Langhaus

Das Langhaus wird von einem Tonnengewölbe mit Stichkappen überdeckt.
An der Südseite des Kirchenschiffs wurden 1930 spätgotische Malereien freigelegt, die aber damals wieder übertüncht wurden.


Deckenfresken im Langhaus

Auch im Gewölbe des Kirchenschiffes sind alle Flächen, Stichkappen und Gewölbezwickel bemalt. Insgesamt 14 Gemälde sind zu sehen, die ebenfalls von Joseph Krenauer aus dem Jahr 1729 stammen.
Das nebenstehende Bild zeigt den Blick vom Kirchenschiff zum Chorbogen, um den sich eine Girlande aus Blattwerk rankt. In der Mitte das Heilig-Geist-Loch mit blauem Hintergrund, von Gewölk umgeben. Auf der Innenseite des Chorbogens (im Bild rechts unten) sind inmitten von Ornamenten mit Akanthusmotiven in drei runden Bildfeldern die göttlichen Tugenden Glaube, Liebe und Hoffnung dargestellt. Die drei Tugenden erhalten das Attribut "göttlich", weil die christliche Lehre davon ausgeht, dass sie nicht von Menschen erbracht, sondern durch den Geist Gottes geschenkt werden.
An der dem Kirchenschiff zugewandten Seite des Chorbogens (im Bild rechts unterhalb des Heilig-Geist-Lochs) ist das Bild eines Priesters zu sehen, der ein Kruzifix in seinen Händen anbetend betrachtet. Es könnte sich um den hl.Nepomuk handeln, der im Jahr der Ausmalung heilig gesprochen wurde. Um das Haupt des Nepomuk reihen sich fünf Sterne. Sie erinnern an die
Erscheinung von fünf Sternen, durch die der Fundort der Leiche des in der Moldau ertränkten Heiligen offenbart worden war.

HoffnungLiebeGlaubeMaria, die Königin der Prophethen
Blick vom Kirchenschiff zum Chorbogen

 

Auf dem unteren Bild rechts ist das Deckengemälde im Kirchenschiff in der Übersicht zu sehen.
In der Mitte das Hauptbild mit der Darstellung der Krönung Mariens im Himmel und von Maria als Fürbitterin für das Dorf Puchschlagen.
In den
Gewölbezwickeln und in den Stichkappen befinden sich 12 Medaillons, die sich auf die Anrufungen Mariens in der Lauretanischen Litanei beziehen. Die Anrufungstexte sind über den Bildern, weitere Texte zu den Bildern unterhalb angebracht. Am oberen Rand eines jeden Bildes die Königskrone Mariens vor dem Hintergrund des blauen Himmels. Nachstehend sind viele dieser Medaillonbilder beschrieben. Wenn Sie auf die kleinen Bilder klicken, vergrößert sich das Bild so weit, dass Sie Einzelheiten erkennen können. Das gilt für alle Bilder auf der Seite.

Maria, Königin der ApostelMaria, Königin der MärtyrerMaria, du goldenes HausBild Maria HimmelfahrtBild über der EmporeOrgel
Deckengemälde im Kirchenschiff
Bilder auf den Gewölbezwickeln:
vorne links: Regina Patriarcharum (Königin der Patriarchen). Unter einem Regenbogen sind Abraham, Jakob und Noah dargestellt.
Text: "Und am siebenten Tag kam die Taube / APO. C11.V 9".
vorne rechts: Regina Prophetarum. König David mit Harfe vor der Bundeslade auf dem Wagen. Rechts Moses mit Hörnern und Gesetzestafeln. Rechts die Köpfe der Propheten Jesaias, Jeremias, Daniel und Ezechiel.
Text: "sie priesen Gott durch ihre Stimme /APO. C IV. V2"
Mitte links: Regina Apostolorum. Oben sind um eine Kugel die Attribute der vier Evangelisten zu sehen (Löwe/Markus , Adler/Johannes, Engel/Matthäus und Stier/Lukas). Darunter die Apostel, die an ihren Attributen zu erkennen sind: Simon mit Säge, Philippus mit Kreuzstab, Johannes mit Buch, davor kniend Jakobus der Ältere in Pilgertracht, Jakobus der Jüngere mit Walkerstange, Petrus in der Mitte mit Schlüsseln, Andreas mit Balkenkreuz, Bartholomäus mit Messer, Matthias mit Hellebarde und Thomas mit Lanze.
Text: "Ihr Schall ist aufgangen in alle Land / APO. C 17-V 6".
Mitte rechts: Regina Martyrum. Über einem hohen Berg erscheint eine weiß gekleidete Gestalt. Um den Berg herum eine große Schar von Märtyrern. Kastulus ist an der Ritterrüstung mit Fahne zu erkennen. Vor ihm liegen Spaten und Hacke. Weiter zu erkennen sind Florian mit Wasserschaff, Sebastian mit Pfeilen, Achatius mit Dornengesträuch, Laurentius mit Rost und Georg mit dem Spieß.
Text: "Unter ihnen ward geben ein weiß Ehrenkleid APO. c. 5V3".
Hinten links: Regina Confessorum: Am Himmel erscheint Maria als das apokalyptische Weib über einer großen Schar von Bekennern vor zwei Kirchen. Die Bekenner sind als Bischöfe, Mönche, Nonnen, Weltpriester dargestellt. Maria Magdalena ist an ihren Attributen Totenkopf und Kreuz zu erkenne.
Text: Es erschien ein groß Zeichen im Himmel / APO. C 12. V. 1."

Hinten rechts: Regina Virginum. Über einem steilen Hügel erscheint das apokalyptische Lamm vor einer großen Anzahl von heiligen Jungfrauen.
Text: "Den sie sein Jungfrauen und folgen / APOCK V 3".
Die sechs Bilder in den Stichkappen
zeigen Putten auf Wolken, die Symbole für Anrufen in der Lauretanischen Litanei halten.
vorne links: Morgenstern, vorne rechts: Spiegel der Gerechtigkeit, Mitte links: Goldenes Haus , Mitte rechts: geheimnisvolle Rose, hinten links: Geistliches Gefäß, hinten rechts: Gefäß der Andacht
      
Das große Mittelbild (4,55 x 2,60m) zeigt die "Krönung Mariens" und Maria als Fürbitterin für das Dorf. Das langgestreckte Gemälde stellt in der oberen Aus-buchtung die Heilig-Geist-Taube im Strahlenkranz dar.
Darunter halten Christus mit dem Kreuz im Arm und Gottvater mit dem dreieckigen Heiligenschein gemeinsam eine Krone über das Haupt von Maria, die auf Wolken von Engeln empor getragen wird.
Das Fresko über der Orgel
zeigt die hl. Maria und den hl. Kastulus als die Patrone von Puchschlagen. Auf Wolken sitzt Christus und ist im Begriff ein Blitzbündel mit Pestpfeilen auf das am unteren Bildrand abgebildete Puchschlagen zu schleudern. Maria steht hinter Jesus und bittet um Verschonung. Rechts kniet Kastulus in Ritterkleidung mit Fahne in den Händen und hält seinen Schild abwehrend gegen die Blitze. Das Vertrauen der Menschen der damaligen Zeit in das göttliche Erbarmen war nicht so ausgeprägt, wie das Vertrauen auf den Einfluss des Heiligen.
Über dem Bild der Text: "Auxilium Christianorum".

Daneben ist ein Wappen mit einem Mohren und der Aufschrift "17 M.S.P. ae C. 29" (Matthäus Schwarz Parochiae Creutzholzhausen 1729) gemalt. Das Wappen ist das des Auftraggebers der Gemälde, Pfarrer Schwarz (Mohr = Schwarz). Der Mohr ist Symbol für den Namen des Pfarrers Schwarz. Es handelt sich um einen nackten Buben mit weißem Lendenschurz und Kopfschmuck; in der rechten Hand einen Pfeil oder Spieß haltend, die Linke in die Hüfte gestemmt.

Seitenaltäre

Die Seitenaltäre sind Rokoko- Retabel aus der Zeit um 1730. Zwei Säulen tragen ein vorgezogenes Gebälk und einen geschweiften Auszug. Das Antependium besteht aus Holz und ist rot marmoriert.

Linker Seitenaltar
  
Im Mittelpunkt des linken Seitenaltars eine Muttergottesstatue aus dem 19.Jh.
Assistenzfigur ist der hl.Egidius mit Hund.
  
Im Altaraufsatz wird in einem Bild Gottvater dargestellt. Sein Haupt wird von einem dreieckigen Heiligenschein umrahmt.
Hinweis: Der Nimbus oder Heiligenschein ist eine kreisförmige Fläche um das Haupt göttlicher oder heiliger Personen und bezeichnet deren Heiligkeit. Er war schon bei der Darstellung der Götter im Altertum üblich. Der Nimbus kann verschiedene Formen haben; der dreieckige Heiligenschein ist aber Gottvater vorbehalten.

Rechter Seitenaltar
Im rechten Seitenaltar ist St.Josef mit dem Jesuskind (19.Jh) dargestellt. Flankiert wird er durch eine Statue des hl. Blasius.
Früher war der rechte Seitenaltar ein Blasiusaltar.
Im Aufsatz Christus auf Wolken, in einen roten Mantel gehüllt und mit dem Kreuz im Arm.

 

Beichtstuhl

In eine Nische beim nördlichen Seitenaltar ist ein zweiteiliger Beichtstuhl ohne Türe eingebaut. Er wurde im 19.Jh. erstellt.
  Hinweis: Über Jahrhunderte hinweg wurde das Bekenntnis der Sünden offen im Kirchenraum beim Sitz (Kathedra) des Bischofs, später bei dem des Priesters im Altarraum abgelegt. Dieser besonders hervorgehobene Sitz des Beichtvaters war die Ausgangsform des Beichtstuhls.
  Durch die irisch-schottischen Mönchen wurde die Beichte im 10.Jh privatisiert, d.h., nicht mehr öffentlich abgelegt. Dazu bedurfte es nicht nur einer größeren Zahl von Priestern, sondern auch neuer Einrichtungsgegenstände. Der heutige Beichtstuhl entwickelte sich allerdings erst ab dem 16.Jh. zu einem feststehenden, meist dreiteiligen, mehr oder weniger geschlossenen Beichtgehäuse mit dem Mittelteil für den Priester (in dem der Priester sitzt - deshalb Beichtstuhl) und mit der Trennung von Priester und Beichtenden durch eine Zwischenwand mit Sprechgitter. Die Beichtenden knien abwechselnd in den Seitenteilen. Damit wurden bessere Bedingungen für einen anonymen Vollzug der Beichte geschaffen. In neuerer Zeit bieten sogenannte Beichtzimmer mit ihrer persönlichen Atmosphäre eine räumliche Alternative für Beicht- und Glaubensgespräche. Die Beichte geht auf das Bibelwort "Er hauchte sie an und sprach zu ihnen: Wem Ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem Ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert" (Joh 20,22) zurück.


St. Kastulus als Zuflucht der KrankenKastulus als Retter aus den Fängen des TeufelsDeckengemälde Mariens KrönungKanzelApostelleuchterRegina ApostolorumFresko über der EmporeStichkappenbild: Maria, du goldenes HausRegina ViiginumNamensschilder in den BänkenNamensschilder in den BänkenKreuzwegbilderOrgelSt. LeonhardKreuzwegbilderKreuzwegbilderProzessionslaterneSt.Leonhard
Vergrößerung von 11 Details (Figuren, Kanzel,Kreuzweg, Bänke,Orgel, Empore, Deckengemälde per Mouseklick

Kanzelkreuz

An der südlichen Seitenwand hängt ein großes Kruzifix (sog. Kanzelkreuz). Jesus ist hier mit der Dornenkrone dargestellt, die sich tief in die Stirn eindrückt (18.Jh).

  Hinweise: Die Dornenkrönung im Rahmen der Verspottung Jesu ist in den Evangelien genannt (z.B. Mtth 27, 28-30). Ob Jesus auch am Kreuz die Dornenkrone getragen hat, ist der Bibel nicht zu entnehmen. Dies wird aber in den Apokryphen erwähnt. Die hl.Birgitta, die Patronin von Altomünster, beschreibt in einer ihrer Offenbarungen, Christus sei nach der Anheftung an das Kreuz die Dornenkrone aufgesetzt worden.
Das Kreuz heißt Kanzelkreuz, weil es in der Regel der Kanzel gegenüber an der Wand angebracht ist. Es erinnert den Prediger an den 1.Korintherbrief (1,3), in dem der hl.Paulus schreibt: "Wir predigen Christus als den Gekreuzigten". Die Ansprache soll nicht weltliche Dinge, sondern den Tod und die Auferstehung Christi zum Inhalt haben.
Unter dem Kruzifix steht eine etwas süßliche Muttergottesfigur aus dem 20.Jh. Die ursprüngliche Mater dolorosa aus der Barockzeit war 1950 gestohlen worden.
Kreuzweg-Stationsbilder
An den Seitenwänden und an der Rückwand hängen die Bilder der 14 Kreuzwegstationen. Die 63 x 47 cm großen Gemälde wurden in der 2.Hälfte des 19.Jh mit Ölfarbe auf Leinwanduntergrund gemalt. Die Rahmen sind braun lackiert.
Hinweis: Seinen Ursprung hat der Kreuzweg übrigens im
Brauch der Pilger, bei Wallfahrten nach Jerusalem den Leidensweg
Jesu nachzugehen. Wenn Sie mehr über die Geschichte des Kreuzwegs und seine Darstellungen in Kirchen des Landkreises erfahren wollen, klicken Sie hier...

Apostelleuchter
Unter den Kreuzwegbildern sind die 12 Apostelleuchter (wohl aus dem 19.Jh) an den stuckierten Apostelkreuzen angebracht. Sie bestehen aus Eisenblech und sind polychrom (mehrfarbig) lackiert. Die Apostelleuchter erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlische Jerusalems.

Kirchenbänken
Die Kirchenbänke mit acht bzw. elf Reihen haben klassizistische Wangenmuster. Sie wurden um 1830 erstellt. In den Bänken sind noch (wieder) die Blech-Namensschilder aus dem 19.Jh angebracht, die früher den Bauern (gegen eine angemessene Spende) einen festen Platz in der Kirche sicherten. Solche Namensschilder sind auch noch in den Kirchen von Ainhofen, Odelzhausen, Altomünster, Dachau, Eglersried, Ebertshausen, Einsbach-Hl.Blut, Langenpettenbach und Asbach erhalten
An den vordersten Bänken sind Prozessionslaternen befestigt.
Dort ist auch eine Kreuzstange angebracht. Sie stammt aus dem 19.Jh und ist mit einem Totenkopf versehen. Diese Kreuzstange wird wohl bei Beerdigungen vorangetragen. Diese Kreuz ist "das Zeichen unserer Hoffnung, das Kreuz unseres Herrn Jesus Christus, das über deinem Grab aufgerichtet sei" betet der Pfarrer bei der kath. Beerdigung.


Kanzel

Die prächtige Rokokokanzel aus der Zeit um 1750 ist mit Rocailleornamenten geschmückt. Das Bild am fünfseitigen, geschweiften Kanzelkorb zeigt Jesus als den Guten Hirten mit einem Schaf um die Schulter (Ölgemälde auf Holzuntergrund). Unter dem reich verzierten Schalldeckel ist eine vergoldete Heilig-Geist-Taube auf blauem Grund als Relief angebracht.
An der Spitze sitzt eine Jesusfigur, die ein Kreuz in ihren Händen hält. Die Kanzel ist von der Sakristei aus begehbar.


Hinweise: Die Predigt wurde in altchristlicher Zeit -ähnlich wie heute- von einem Ambo aus gehalten. Ab dem 13. Jh. hat man Kanzeln gebaut, die zumeist seitlich im Mittelschiff ihren Platz haben, dort, wo die Gemeinde versammelt ist. Von hier aus konnten die Prediger auch von oben herab sprechen, was ihren Worten größere Wirkung verleihen sollte. Spätestens seit dem 2.Vatikanischen Konzil 1962 werden sie nicht mehr benutzt. Die Darstellungen des Guten Hirten mit einem Schaf auf seinen Schultern waren in der Frühzeit auf die Sündenvergebung bezogen (Mt.18,12-14). In der Barockzeit trat die von Jesus auf die Priester übertragene Hirtenfunktion in den Vordergrund und damit dessen Hauptaufgabe, die Verkündigung des Evangeliums. Deshalb wurde der Gute Hirte ein bevorzugtes Bildnis an den Kanzeln.
Der Hl.Geist wird seit dem Konzil von Nicäa (325) als Taube gezeigt. Papst Benedikt XIV verbot 1745 die Darstellung der dritten göttlichen Person in Menschengestalt, wie sie zu dieser Zeit immer noch gelegentlich vorkamen (z.B. im Deckengemälde der Haimhauser und der Unterweilbacher Schlosskapelle).

 

Heiligendarstellungen im Kirchenschiff

Nach Einbrüchen in die Kirche in den Jahren 1973 und 1978 wurden die wertvollen Figuren in das Diözesanmuseum Freising gebracht. Einen Zeitungsbericht über den Einbruch am 17.09.1973 finden sie hier....
In der Nähe der Empore steht eine fast lebensgroße Holzfigur des hl. Leonhard (um 1800) im Ordensgewand mit dem Abtsstab in der linken und Ketten in der rechten Hand.
  Hinweis: Leonhard (in Bayern einer der 14 Nothelfer) lebte um das Jahr 500 als Einsiedler und später als Abt in Frankreich. Regelmäßig besuchte er die Gefangenen und erreichte für viele beim König Clodwig I. ihre Freilassung. Deshalb galt er ursprünglich als Schutzpatron derer, "die in Ketten liegen", also der Gefangenen - und der Geisteskranken, die man bis ins 18. Jahrhundert ankettete; nach der Reformation wurde er Schutzpatron der Haustiere, weil man die Ketten, mit denen er abgebildet wurde, als Viehketten deutete.  Am Leonhardstag, dem 6.November werden Leonhardiritte abgehalten und Tiersegnungen vorgenommen.

An der Nordwand ist ein Bild von Bruder Konrad (sign.) n. Bernarda aus dem 20.Jh angebracht. Es ist ein 54 x 45 cm großes Ölbild auf Leinwanduntergrund. Der Heilige betrachtet in innigem Gebet ein Kruzifix. Hinweis: Konrad von Parzham (1818-1894) wirkte 41 Jahre lang im Kloster Altötting als Pförtner, wo er mit Tausenden von Wallfahrern zu tun hatte, die mit vielerlei Anliegen und Bitten zu ihm kamen. Aber auch Kinder aus vielen armen

Altöttinger Familien kamen bettelnd an die Pforte, keines von ihnen ging leer aus. 1934 wurde Konrad von Papst Pius XI. heilig gesprochen. Damals wurden in unseren Kirche viele Figuren dieses Volksheiligen aufgestellt.


Orgel
Die Orgel auf der Brüstung des oberen Teils der Doppelempore mit einem Manual und 6 Registern und mechanischer Schleiflade stammt aus dem Jahr 1885 (andere Quelle: 1881). Errichtet wurde die Orgel von Christian und Jakob Müller aus Rosenheim/Tuntenhausen. Die Orgel besitzt einen dreiteiligen, rundbogigen Prospekt in neuromanischem Gehäuse mit überhöhten Mittelteilen.
Die jetzige Orgel ersetzte 1885 eine von Peter Moser im Jahr 1843 installierte Orgel mit einem Manual und fünf Registern. Mehr über den Orgelbauer Moser...
  Disposition der-Orgel von 1885 (nach Brenninger -Stand 1975-):
Manual (C-f''', 54): Gedeckt 8', Gamba 8', Principal 4', Flöte 4', Mixtur 3fach2'
Pedal (C-f, 18):     Subbaß 16' angehängt
Wenn Sie sich für Orgelgehäuse interessieren und vergleichen möchten, sollten Sie hier klicken...
  Hinweis: Die Orgel mit ihren vielen Pfeifen aus Holz oder Metall, die über ein Gebläse zum Klingen gebracht werden, steht meist im rückwärtigen Bereich der Kirche auf der Empore. Sie hielt erst allmählich Einzug in die Kirche, weil sie bis in das 11. Jahrhundert als profanes Instrument galt, das für das höfische Zeremoniell verwendet wurde. Erst ab dem 13. Jh wurde es zur Regel, in allen bedeutenden Kirchen Orgeln zu errichten. Heute gehört eine Orgel zur Ausstattung jeder Kirche.Mit ihrer Klangvielfalt und Klangfülle trägt die Orgel zur Verherrlichung Gottes bei. Die Pfeifen sind verschieden groß. Die kleinsten Metallpfeifen sind rd. sechs Zentimeter lang, während manche Holzpfeifen mehrere Meter hoch sein können. Die verschiedenen Register fassen bestimmte Pfeifen zusammen und erzeugen verschiedene Klangfarben (z.B. Flöten, Hörner). Der Orgelprospekt, die Schauseite der Orgel, wurde meist durch Künstler gestaltet. Im Barock, dem unsere ältesten Orgeln angehören, wurde der Prospekt mit reicher Ornamentik verziert. Heute setzt sich immer mehr der "offene" Orgelprospekt durch, der allein durch die harmonische Anordnung der Pfeifen wirkt.


Bilder an der Emporenbrüstung

Die obere Emporenbrüstung ist mit Blumen und Architekturmalerei verziert.

An die untere Emporenbrüstung sind zwei Darstellungen zur Kastuluslegende gemalt:

südl.Bild: Kastulus als Retter von Verurteilten aus den Fängen des Teufels. Kastulus steht mit gezogenem Schwert und seinen Schild mit dem Moosburger Rosenwappen in der Nähe eines Brunnens. Vor ihm knien zwei Männer mit Ketten um den Hals. Einer wird vom Teufel an einer Kette weggezogen. Er hält ein Schriftband mit dem Text "Ich wil sein mit leib und Seel O.Z". Beide Gefangenen richten ihren Blick zum Himmel, wo die Muttergottes erscheint. Eine Besonderheit ist die entblößte Brust von Maria.

Sie spendet mit einem kräftigen Strahl den Gefangenen Muttermilch als Zeichen ihres Beistandes. Diese Darstellung ist in Kirchen sehr selten, weil die Darstellung einer unbedeckten Brust lange Zeit als unschicklich galt.
Bei dem linken Gefangenen handelt es sich um den Zöllner von Geisenhausen, der in seinem Leben vielen Lastern frönte, sich in lichten Momenten aber immer dem Schutz des hl.Kastulus empfahl. In seiner Todesstunde wartete eine größere Anzahl von Teufeln auf ihn, doch St.Kastulus in Gestalt eines Ritters verjagte sie.


nördl. Bild: Maria und St.Kastulus als Zuflucht der Kranken. In einem Spital sind Kranke versammelt: ein altes Paar und eine Mutter mit Baby erhalten von Maria (links oben auf Wolken) Medizin. Rechts steht St.Kastulus mit einem Salbgefäß in der linken Hand und hält den Arm eines Kranken, der vor ihm liegt.


Portal

An der Eingangstür aus Eichenholz ist noch ein altes Türschloss zu sehen, das aber wegen des Einbaus der Alarmanlage einen Teil seiner ursprünglichen Funktion verloren hat. An der Türe sind auch noch die alten Beschläge und der Türklopfer erhalten.

Hans Schertl

Quellen:
Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874
Theodor Bitterauf, Die Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (Nr. 328, 647, 771, 1070)
Amperbote vom 1.9.1930 (Renovierung)
Josef Burkhart, Chronik von Bergkirchen, 1948
Jakob Mois,Geschichtliche Notizen über Kirchen im Landkreis Dachau, ca. 1950, unveröffentlicht (Turm)
Kirschbaum, Lexikon der Christlichen Ikonographie, 1968
Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
Georg Brenninger, Orgeln und Orgelbauer im Landkreis Dachau, Amperland 1975/3
Wilhelm Störmer, Adelige Eigenkirchen und Adelsgräber - Denkmalpflegerische Aufgaben,1975, ZBLG 38, S.1142-1158 (UrkNr)
Georg Brenninger, Orgeln in Altbayern, 1978
Jakob Mois,Konsekrationsbuch des Fürstbischofs Eckher, 1982 (Altarweihe 1709)
Max Gruber, Im Amperland tätige Architekten, Bau und Maurermeister, Amperland 1987/2
Putz/Niederle, Kirchen und Kapellen im Gemeindebereich Schwabhausen, 1988
Josef Bogner, Dorfkirchtürme im Amperkreis, Amperland 1989/1
Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV: München und Oberbayern 1990 Robert Böck, Wallfahrt im Dachauer Land, Bd 7 der Kulturgeschichte des Dachauer Landes, 1991
Bauer/Rupprecht, Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, 1996
Robert Böck, Kirchenrechnungen Landgericht Dachau, 1996 (Bittgang, Turm 1729)
Niedermeyer, Kirchenbeschreibung St.Kastulus Puchschlagen Karl Grüner, "Unten bauchig, oben spitz", Münchner Kirchenzeitung, v. 25.9.2005 und vom 2.10.2005
Münchner Kirchenzeitung v. 30.10.2005
Manfred Bergmeister, Grabkreuzausstellung Hebertshausen, 2007 (Missionskreuz-Überdachung)
Gerald Neuber, Ingolstadt, 2011 (Gründungsgeschichte)
64 Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Landkreis Dachau - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

27.5.2010

Kirchenrenovierung in Puchschlagen
Amperbote vom 1.9.1930

Der Kirchturm des schön gelegenen Ortes ist zurzeit vollständig eingerüstet. Tüchtige Handwerker sind daran, dem alten Turm ein neues Gewand zu geben. Außer einem neuen Anstrich wurde er durch den bekannten Dachauer Spenglermeister, Herrn Max Blümmel, neu eingedeckt. Es macht in Puchschlagenern alle Ehre, dass sie in heutiger schwerer Zeit noch opferwillig genug sind, ihr Gotteshaus in schönem Zustand zu erhalten. Auch der kleine Friedhof ist in einem tadellosen Zustand und verrät eine gute Pflege. Um eine Gemeinde, ihre Toten auf diese Weise ehrt, kann es nicht schlecht stehen.

Recherchiert von Hubert Eberl, Bergkirchen

 

Kunstschätze im Wert von 35000 DM in Puchschlagen entwendet
Drei Heiligen-Figuren aus Kirche gestohlen
Dachauer Nachrichten vom 17.09.1973

Puchschlagen- Diesmal blieb es nicht beim versuchten Einbruch. Seit 1967 hatten sich bisher unbekannte Diebe in fünf Fällen "erfolglos" an der Puchschlagener St.-Kastulus-Kirche zu schaffen gemacht. Nach "professioneller" Vor- und Ausführung machten sie nun bei ihrem letzten Coup reiche Beute. In der Nacht vom Freitag auf Samstag demolierten sie die Haupteingangstür und entwendeten drei Heiligenfiguren sowie zwei Bilder im Gesamtwert von 35 000 DM. Die Ganoven zeigten "Kennerblick": Weniger kostbare Gegenstände ließen sie einfach liegen. Die kostbaren Barockfiguren, Darstellungen der Heiligen Augustinus und Umbertus, sowie der Madonna unterm Kreuz, waren in den Seitenschiffen an den Altären aufgestellt. Die Bilder hingen neben dem Hochaltar. Im Inneren der Kirchen hatten die Figuren-Räuber leichtes Spiel. Sie brauchten nur noch "auswählen". Überhaupt schienen sie ihr kriminelles Vorhaben gründlichst vorbereitet zu haben. Nach den bisherigen Ermittlungen der Polizei muss es sich bei dem Madonnenraub in Puchschlagen um "Profis" gehandelt haben. Zu nächtlicher Stunde fuhren sie hinter ein Maisfeld nahe der St.-Kastulus-Kirche. Dort stellten sie ihr Auto ab und gingen zu Fuss über ein Feld zur Kirche. Am Nebeneingang kamen sie nicht hinein. Die schwere Eisentür hielt den Steinschlägen stand. Ungehindert konnten die Täter Lärm machen. Die Kirche liegt abseits des Ortes, die Bewohner schliefen, eine Sicherheitsanlage gab es nicht, niemand störte sie. Nun wandten sich die Täter der Holztür am Haupteingang zu. Ihr Hauptaugenmerk lag auf den wertvollen Lindenholz-Figuren, die zu Beginn des 18. Jahrhunderts geschnitzt worden waren. Mitgehen ließen sie ferner ein Madonnen- und ein Votivbild, das eine Brandkatastrophe darstellt.
Der Diebstahl ist ein schwerer Schlag für die Pfarrkirchenverwaltung Kreuzholzhausen. Pfarrer Modelmair hielt noch am Freitagmorgen die Frühmesse. Die wertvollen Kunstschätze standen noch an ihren Plätzen. Erst am Samstag gegen 14 Uhr bemerkte eine Fotografengruppe aus Regensburg, dass "etwas faul ist" und meldete dem Mesner "eure Kirche ist aufgebrochen".

Von unserem Redaktionsmitglied Siegfried Butty

Recherchiert von Hubert Eberl, Bergkirchen