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Bericht über die Visitation im Jahr 1560
- in heutigem Deutsch -
[in eckigen Klammern Originaltext-Auszüge]

Im Bericht über die Visitation der "Pfarr St.Jakobus in Dachau" heißt es:

Pfarrer
: Daselbst ist Erasmus Ziernhöld Pfarrer. Er wurde in Dachau geboren und vor 5 Jahren zu Freising ordiniert. Seine Primiz hat er in seiner Heimatstadt gefeiert. Seelsorgerlich ist er seit 1 Jahr
in Dachau tätig; davor war er in Nassenhausen Kaplan.

Ziernhöld predigt an allen Sonn- und Feiertagen und entnimmt seine Predigtvorlagen Büchern mit katholischer Erlaubnis ("predigt all son und feirtag aus catholischen puechern"). Er hält sich an alle Vorschriften der katholischen Kirche. Bei der Befragung durch die Visitatoren über die Messe, den Glauben, die guten Werke und die Sakramentenlehre zeigte er sich gelehrig und katholisch. Er glaubt auch selbst an die 7 Sakramente (das war ein Indikator für die katholische Auffassung, weil Luther nur 2 Sakramente anerkannte). In den Zeremonien hat er überhaupt nichts verändert. Vor 10 Jahren ist in dieser Pfarrei letztmals gefirmt worden. Der Pfarrer hört in der Kirche die Beichte. Er absolviert nur in einer persönlichen Beichte, d.h. keine Absolution in Bußandachten ("Absolviert niemandt ausserhalb underschidlicher peicht"). Die Casus reservatos, die Sünden, die nur der Bischof vergeben kann, kennt er nicht alle. Er selbst beichtet monatlich. Auch vom Kirchenpfleger wird dem Pfarrer ein ehrbarer Lebenswandel becheinigt ("ist aines erbern wandels") und in seiner Seelsorge gelobt ("ist in der ler nit verdechtlich").

Cooperator
: Im Pfarrhaus wird auch der 26 jährige Cooperator Christofferus Schäbl mitversorgt ("hat ain cooperatorem, dem gibt er den tisch"). Daneben erhält er rd. 30 Gulden. Auch er ist -wie der Pfarrer- aus Dachau gebürtig und erhielt vor 2 Jahren in Freising seine Ordination. Er konnte dem Visitator seine Formata, seine Weiheurkunde, vorweisen. Er schläft noch daheim bei seinen Eltern ("hat sein ligerstatt bei seim vatter zu Dachaw"). Wie der Pfarrer predigt er an allen Sonntagen aus katholischen puechern und hält sich an alle katholischen Bestimmungen. Er betreut 50 Gläubige seelsorgerisch ("hat in seinem thail der pfarr 50 communicanten").

Frühmesser
: Der Frühmesser,der wie der Name schon sagt, die Frühmesse aufgrund einer Stiftung zu halten hatte, war der 63 Jahre alte Christofferus Herenpuecher aus Khirchaslach. Er wurde vor 32 Jahren in Augsburg ordiniert und ist seit 14 Jahren in Dachau tätig. Auch er glaubt an die 7 Sakramente und konnte auf Fragen hierzu gute Antworten geben ("hat von denselben geburlich geantwurt"). Taufen spendet er nicht. Er selbst beichtet einmal im Monat ("peicht selbs im monat ain mal ungeverlich"). Herenpuecher verrichtet täglich seine Stundengebete. Obwohl die Frühmesse nicht in einem unbedeutenden Gotteshaus ("in kain sonderbare kirchen") sondern auf dem Frauenaltar in der Pfarrkirche stattfindet, kommen nicht viele Pfarrkinder in seine Frühmessen. Sein Einkommen beläuft sich auf 70 Gulden, von der Frühmesse 30 fl und von den Jahrtagen 40 fl. Dazu kommen noch 2 Schäffel Korn und 2 Schäffel Hafer von einem Bauern. Außerdem gehören ihm 4 Joch Ackerland. Er hat das Grundstück gegen ein Drittel des Ertrags verpachtet ("Paut ims ainer umb den drittail"). Der Frühmesser wohnt in einem schönen Haus ("hat der fruemesser ain schen hauß und garten"). Früher hatte er eine Köchin, die als Ledige zu ihm gekommen ist (hat ain köchin gehabt, so lediger weiß zu im kommen"). Mit ihr hatte er fünf Kinder. Inzwischen ist sie aber verstorben.

Pfarrei
: Das Präsentationsrecht für die Pfarrei haben in monatlichem Wechsel der Landesfürst und der Bischof (=Monatspfarrei; dabei konnte der Bischof einen neuen Pfarrer bestellen, wenn der Vorgänger in den sog.päpstlichen Monaten=ungeraden Monaten wechselte oder verstarb, andernfalls der Herzog). In der Pfarrei leben rd. 900 Gläubige im Alter von mehr als 10 Jahren (Communicantes). Sie alle sind gut katholisch geblieben ("all catholisch und frembder religion unverdacht"). Das Einkommen aus der Pfarrei wird auf auf 150 Gulden geschätzt. Die Pfarr-Kirchenrechnung erstellen der Pfarrer und die Bürgerschaft. Ausgaben an fremde Personen fallen kaum an; lediglich die Vogtei erhält 4 Schäffl Getreide. Der Pfarrer beschwere bei Beerdigungen niemand mit dem Selgeraidt, fordere also keine besonderen Zahlungen. Der Pfarrer wohnt in einem gut gebauten Pfarrhof ("Pfarrer ist wol behaust"). Ein eigenes Mesnerhaus ist nicht vorhanden, denn der Mesner ist ein Bürger mit eigenem Haus ("jetziger meßner ist ain burger; gehert im die behausung zue"). In der Pfarrei wurden viele Jahrtage gestiftet ("bei diser pfarr hat es vil jartäg"). Die Priester erhalten -wie erwähnt-dafür eigene Stolgebühren ("davon wirt dem pfarrer, geselbriester und fruemesser sonderbar gelont"). Wenn aber die Jahrtage nicht gehalten werden, erhält diese Gebühren die Kirche. Vorbildlich waren die Almosen an die Armen der Pfarrei geregelt: Jeden Sonntag wurde von zwei zu "Almosenbrüdern" bestimmten Personen für die Armen gesammelt ("all sontag samblet man hauarmen leuthen. Seind zwen almusen prueder dartzu verordnet"). Davon erhielten die Armen alle Vierteljahre 60 Pfennig. An allen Festen erhielten "acht haußarme personen" je 2 Pfund Fleisch ("flaisch") und um 4 Kreuzer Brot ("umb 4 kr prott").

Kirche
: Der Bauzustand aller Kirchengebäude wird gelobt ("bei der kirch, pfarrhof und priesterheuser ist gar kain mangel"). Die
Pfarrkirche St. Jacobus hat eigene Einkünfte (neben denen der Pfarrei) in Höhe von 58 Pfund Silberpfennig; dazu kommen Wachsgeld, Getreidegeld, Zunftgeld, Stiftsgeld und Stuhlgeld in einer Gesamthöhe von 59 Pfund Silberpfennig. Ein Vermögen ist nicht mehr vorhanden, weil erst vor kurzem der Kirchturm und anderes gebaut worden ist. Die Kirchenrechnung erstellt die Marktverwaltung im Beisein des Pfarrers und der Kirchenverwalter. Dabei erhalten die Beteiligten eine Verpflegung (ist dabei zerung aufgangen") im Wert von 5 Pfund 5 Schilling 22 Pfennig. Den Kirchenverwalter, von dem die Angaben stammen, passt dieses Verhältnis nicht. "Wirt je weniger je mer" meint er, d.h. je weniger Einnahmen, desto mehr wird gegessen. Der Pfarrer erhält 15 Kreuzer, die Kirchenverwalter, der Marktschreiber und der Ratsknecht 30 Kreuzer.
Der Zustand des Kircheninneren im Allgemeinen und der der vier Altäre im Besonderen werden gelobt. Sie sind "mit aller zir wol versehen und sauber gehalten", heißt es. Es gibt noch ein Sakramentshaus, das "mit zwaien ampeln ordenlich beleucht" wird. Das Allerheiligste und die Heiligen Öle werden liturgisch rein behandelt. Auch ein Taufstein ist vorhanden, "gar rein und sauber". An liturgischen Gerätschaften in der Kirche gibt es keinen Mangel. Vorhanden sind 4 Kelche, eine Monstranz, ein silbernes Kreuz ("silbrin creutz"), 4 guete Messbücher, ein Liturgiebuch, ein Kantorenbuch und ein "guets" Psalmenbuch sowie 20 Messgewänder aus Samt und Seide ("ungeverlich bis in die 20 samatin und seidin ornät") davon (wie die Inaugenscheinnahme ergab) 6 guete und 6 schlechte.

Schule: In der Pfarrei gibt es auch eine Schule mit einem Schulmeister, der in Ingolstadt studiert hatte und vorher in Rain am Lech tätig war ("haben ain catholischen schuelmaister, so zu Ingelstatt studiert und vor zu Rain gewesen"). Er wurde vor kurzem durch doctor Hundt nach Dachau vermittelt. Er lehrt die Kinder lateinisch und deutsch ("lernt die kinder lateinisch und teutsch"). Seine Besoldung erhält er von der Kirche und dem Markt gemeinsam. Die Schule wird alle 14 Tage von den Ratsherren überprüft. Früher sei die Schule durch den Frühmesser versehen worden, doch nun habe der Priester anderes zu tun ("anders zethun"), heißt es.

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