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Kirchen
i.d. Gem.Petershausen
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Filialkirche St. Ulrich in MÜHLDORF a.d.Glonn
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Die spätgotische Filialkirche St. Ulrich der Pfarrei Hohenkammer in Mühldorf wurde 1485 erbaut. Mit ihrem markanten Turm steht die Wallfahrtskirche weithin sichtbar am Rande der Glonnauen zwischen Petershausen und Hohenkammer. Über mehrere Jahrhunderte hat hier eine blühende Wallfahrt zum hl. Ulrich bestanden. Die Kirche ist ein einschiffiger gotischer Bau und besteht aus einem dreijochigen Langhaus mit eingezogenem Chor, der dreiseitig schließt. Der Bau wird durch Strebepfeiler, die zweifach abgesetzt sind, gestützt. Der mit einfachen gotischen Rötelornamenten
gezierte Turm, der im unteren Teil quadratisch ist, erhebt sich
über zwei Geschosse achteckig und mündet mit acht Giebeln in einem hohen,
schindelgedeckten Spitzdach.
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Visitationsbericht
von 1560
Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz
von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation,
eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet.
Die Visitation wurde durch bischöfliche und durch herzogliche Bevollmächtigte
durchgeführt. Grund war die durch die Reformation Luthers (1517)
entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen des Bistums zur
Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte. Durch die Visitation
wollte der Bischof einen detaillierten Einblick in die religiöse Situation
der Pfarreien gewinnen. Insbesondere sollte festgestellt werden, ob die Pfarrer
und die Gläubigen noch die katholischen Lehre vertraten oder der neuen
Lehre anhingen. Daneben interessierte die Prüfer die Lebensführung
der Pfarrer sowie Umfang und Qualität ihrer religiösen Kenntnisse.
Im
Bericht über die Pfarrei Hohenkammer ist auch die Filialkirche "St.Udalricus
in Mildorf" kurz erwähnt. Mit einem eigenem Einkommen (neben
dem der Pfarrei) von jährlich 24 Gulden, 16 Schäffel Getreide und
1 Pfund Wachs war St.Ulrich in Mühldorf besser gestellt als die Kirchen
in der Umgebung. Die Kirchenrechnung wurde vom Landgericht Kranzberg, dem Pfarrer
und dem örtlichen Kirchenkassier aufgestellt ["Rechnung nimbt auf
gericht Crantsperg sambt pfarrer und zechpröbst"]. Vom Einkommen ging
aber schon die Hälfte (12 Gulden) an das Gericht; der Pfarrer, die beiden
Zechpröbste und ein Amtmann erhielten jeweils 15 Kreuzer (= 1/4 Gulden).
Der Rest des Geldes wurde verliehen und verbaut ["Habens hingelihen und
verpaut"].
| Die Kirche wird als guter Bau beschrieben ["Das gotshauß ist bei guetem paw"]. Sie hatte zwar kein Sakramentshaus und auch keinen Taufstein, doch sei sie "sonst mit aller zier versehen". Das Allerheiligste und die heiligen Öle wurden liturgisch rein aufbewahrt. Auch ein Ewiges Licht war vorhanden. Das zeigte, dass die Kirche weiterhin katholisch war. Das Taufwasser befand sich in einer Flasche ["Baptismus ist in aim fleschel"]. Sogar ein Mesnerhaus gab es in Mühldorf; das ist für so eine kleine Kirche in einem Bauerndorf erstaunlich. Der Mesner wird als "vleissig" beschrieben. Von den Kirchengründen war nichts verkauft. Mit den Gottesdiensten waren die Mühldorfer nicht zufrieden, weil die vorgesehene Wochenmesse nicht gehalten wurde ["Soll wochenlich meß gelesen werden, geschicht nit"]. Doch die Kreuzgänge (=Bittgänge) wurden durchgeführt. An Gerätschaften waren vorhanden: 2 Kelche mit corporale, davon einer aus vergoldetem Silber ["hat ain silbrin vergulten khelch"), eine Monstranz aus Messing ["ain messinge monstrantz"], 1 Messbuch, ein Liturgiebuch, ein Psalmenbuch und zwei Messgewänder ["2 ornät"]. Der Bericht endet mit dem Satz: (Die Kirche) "hat nit vil gmäl (=Gemälde). Sonst kain mangel". |
Die Sakristei wurde 1735 im Chorscheitel angefügt (Maurermeister Paul Fuhrer aus Hohenkammer).
Bei der Renovierung 1860/1863 wollte man
den ursprünglich gotischen Bau nach Plänen des Architekten Josef Grisch aus
München wieder herstellen. Der Freisinger Professor und Kunsthistoriker Joachim
Sighart äußerte sich darüber in einem Brief vom 28. November 1862: "Der
Plan zur Herstellung der Kirche in Mühldorf
ist ganz gut, Fenster, Streben, Gewölberippen ganz zu approbiren. Aber eines
fehlt ! Die Zopfsakristei (=barocke Sakristei) hinter dem Chore ist unerträglich.
Es ist wie ein Auswuchs, wie eine Warze auf der Nase". Die Sakristei steht heute
noch.
Für eine neue Orgel (vom Dachauer Orgelbauer Quirin Weber) wurde 1732 eine zweite Empore eingezogen. Wegen des Einbaus eines größeren Werkes von Peter Moser musste die Empore 1838 wieder gesenkt werden. Schließlich wurde diese zweite Empore um 1975 entfernt. Die Orgel, die laufend reparaturbedürftig war, kam 1974 in die Filialkirche Schlipps und befindet sich heute in Oberbiberg. Sie ist als einziges original erhaltenes Werk von Peter Moser dort eine Attraktion für Orgelfreunde. In Mühldorf gibt es seitdem keine Orgel mehr.
Die Kirche in Mühldorf ist auch in der Statistischen Beschreibung des Erzbisthums München-Freising von Anton Mayer aus dem Jahr 1874 enthalten. Dort heißt es: "In Mühldorf leben 17 Gläubige der Pfarrei Hohenkammer in zwei Häusern, das 3.Haus gehört zur Pfarrei Kollbach und 1 Haus vom Riedhof nach Allershausen. Die frühere Wallfahrtskirche Mühldorf ist an der Straße von Hohenkammer nach Petershausen gelegen. Erbaut um 1480 im gothischen Stile. Geräumigkeit hinreichend. Baupflicht: die Kirchenstiftung. Spitz-Thurm mit 2 Glocken. Drei Altäre (1 fix. 2 portatile). Orgel mit 4 Registern. Gottesdienste: Nur am Patrocinium. Am Ostertage war nachmittags Predigt üblich, ist aber nicht gestiftet. Früher war hier jeden Freitag eine Wochenmesse, da aber die Dotation nicht zureicht, wird eben so oft als möglich, wöchentlich einmal die Messe nach beliebiger Intention daselbst celebrirt. Gestiftet: 4 Jahrtage. Meßner: der dortige Stockmairbauer. Cantor: der Lehrer. Kirchenvermögen 1870: rd 21.100 Gulden.
Die letzte gründliche Renovierung erfolgte 1980 und 1987-1991 unter Pfarrer Rupert Höckmayr (1968-1995 Pfarrer in Hohenkammer).
Innenausstattung
Im Inneren besticht der lichte, hohe Raum durch das gotische Netzgewölbe mit den farbig gefassten Schlusssteinen. Die Vielzahl der Rippenbögen im Netzgewölbe ist nicht - wie z.B. beim Kreuzrippengewölbe- allein durch die Statik bedingt, sondern dient auch der Zierde.
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Choraltar
Auf dem prächtigen Choraltar
von Constantin Pader aus Dachau
1656/58, stehen die Figur des Kirchenpatrons, des hl. Ulrich aus Augsburg
mit Mitra, Buch und Bischofsstab. Ein Engel hält ihm sein Attribut,
einen Fisch, entgegen. Über den beiden schwebt die Muttergottes, von Engeln
und Wolken umgeben. Sie erhebt sich über den Altarrahmen hinaus zur göttlichen
Dreifaltigkeit, die im Auszug zu sehen ist. Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist
erwarten die Muttergottes, um sie zu krönen.
Die überlebensgroßen Seitenfiguren unter Baldachinbögen stellen den heiligen
Bischof Erasmus (rechts) mit seinem Gedärm auf dem Buch und den
heiligen Apostel Andreas mit dem nach ihm benannten Schrägkreuz
(links) dar.
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Hinweise: St.Ulrich (890-973) war Bischof von Augsburg. Berühmt wurde er als Sieger über die räuberischen Ungarn auf dem Lechfeld bei Augsburg im Jahr 955. Zum Dank verlieh ihm Kaiser Otto I. das Münzrecht für Augsburg. Ulrich baute dann die von den Ungarn zerstörten Klöster und Dörfer seines Gebiet wieder auf. Er selbst lebte bescheiden. Als er starb, wurde er mit dem Teppich, auf dem er auf der Erde zu schlafen pflegte, begraben. Die Fischlegende berichtet: Als er an einem Donnerstagabend mit dem Bischof Konrad von Konstanz zu Tisch saß, vertieften sich beide die Nacht über ins Gespräch, bis am Morgen des Freitag ein Bote des Herzogs, dem Ulrich Unrecht vorgehalten hatte, einen Brief brachte. Ulrich reichte als Botenlohn den beim Nachtessen nicht verzehrten Rest des Bratens, ein Gänsebein. Der Bote brachte dies dem Herzog, um den Bischof nun seinerseits des Unrechts überführen zu können, dass er am Freitag Fleisch esse; als der Herzog das Gänsebein aus der Umhüllung nahm, hatte es sich in einen Fisch verwandelt. Gedenktag: 4.Juli Der Apostel Andreas war der Bruder des Simon Petrus, wie dieser von Beruf Fischer; er stammte aus Bethsaida (Johannesevangelium 1, 14) oder Kapernaom (Markusevangelium 1, 29), Er war der erste, den Jesus als seinen Jünger berief; zuvor war er Anhänger Johannes', des Täufers (Johannesevangelium 1, 35 - 40). Nach Jesu Himmelfahrt lehrte er in Griechenland und wirkte zahlreiche Wunder. Als er die Frau des röm.Statthalters Ägeas zum Christentum bekehrte und ihr eheliche Enthaltsamkeit anriet, ließ ihn Ägeas an ein X-förmiges Kreuz binden, an dem er nach zwei Tagen, an denen er weiter predigte, verstarb. Gedenktag: 30.November St.Erasmus war um 300 Bischof von Antiochia. 7 Jahre lang verbarg er sich im Libanongebirge, wo ein Rabe ihm Nahrung brachte. Dann stellte er sich mit einer Seilwinde habe man ihm die Gedärme herausgezogen - diese Winde hat ihn zum Patron der Schiffer bestimmt. Er überstand die Marter. Danach wurde er in einen Kessel mit siedendem Öl gesteckt, dem er unbeschadet entstieg. Danach lebte er noch 7 Jahre (ohne Gedärme ?) in Kampanien. Erasmus ist einer der 14 Nothelfer (Patron der Seefahrer und Seiler) und als solcher für Magenkrämpfe und Unterleibsbeschwerden zuständig. Gedenktag: 2.6. |
Seitenaltäre
Die neugotischen Seitenaltäre sind dem hl. Franziskus mit den Wundmalen (nördl.) und dem hl. Antonius mit dem Jesuskind auf dem Arm (südlich) geweiht. Beide sind in der braunen Kutte der Franziskaner dargestellt. Die Farbe Braun steht in der Tradition für Demut und Bescheidenheit.
| Hinweise:
Antonius
lebte im 13.Jh und war ein begnadeter Redner, der sich gegen die Sekten
der Katharer, Albigenser und Waldenser wandte. Seine Fastenpredigten in
Padua 1231 hatten einen sensationellen Erfolg, denn die ganze Region schien
danach wie umgewandelt: Schulden wurden erlassen, zerstrittene Familien
versöhnten sich, Diebe gaben das gestohlene Gut zurück, unrechtmäßige
und überhöhte Zinsen wurden den Schuldnern zurückerstattet.
Bis heute gilt in Italien ein damals erlassenes Gesetz, dass niemand mit
seinem Leben und seiner Freiheit für eine Schuld haften solle, sondern
nur mit seinem Eigentum. Antonius wird als Hilfe zum Wiederauffinden verlorener
Gegenstände angerufen und gilt deshalb als "Patron der Schlamperer".
Dies geht auf zwei Legenden zurück: Als ihm ein Manuskript gestohlen
worden war, betete er so lange, bis der Dieb damit zurückkehrte. Schöner
ist die zweite Legende, nach der er einem Geizhals half sein Herz zu suchen
und es in einer Geldtruhe fand.
Die Darstellung mit dem Jesuskind auf seinem Arm ist bei uns erst seit dem
17.Jh verbreitet; sie verweist auf eine seiner Visionen, die er beim Bibellesen
hatte. Der hl.Franziskus Der Heilige Franziskus entsagte im 13.Jh allem Besitz und gründete den Orden der Minoriten, die sich besonderes der Armenpflege, Seelsorge widmeten. Seine glühende Liebe zu Gott und zur Schöpfung faszinierte die Menschen und er hatte damals schon viele Bewunderer und Verehrer. Franziskus wird häufig auch mit einem Kruzifix abgebildet, weil er in einer Vision Christus von einem (geflügelten) Kruzifix zu ihm herabsprechen hörte und dabei seine Wundmale erhielt. Zudem war ihm die Verbreitung der Passionsfrömmigkeit ein Hauptanliegen. |
Die Kanzel an der Nordseite der Kirche
stammt aus der Zeit des Historismus und ist im neugotischen Stil gehalten.
Ihre Vorgängerin war im Jahr 1645 von Kistler Sebastian Geislinger aus
Kranzberg errichtet worden; der
Bildhauer Tobias Schmid schnitzte 1654 eine Kanzeltaube als Sinnbild für
den Heiligen Geist dazu.
| Hinweise:
Gemeinde versammelt ist. Von hier aus konnten
die Prediger auch von oben herab sprechen, was ihren Worten größere
Wirkung verleihen sollte. Spätestens seit dem 2.Vatikanischen Konzil
1962 werden sie nicht mehr benutzt. Die Gestalt der Taube für die künstlerische Darstellung des Heiligen Geistes gründet sich auf den Bericht der Taufe Jesu im Neuen Testament. Danach kam "der Heilige Geist sichtbar auf ihn herab, anzusehen wie eine Taube" (Lk, 3,22). Das Konzil von Nicäa im Jahr 325 hat diese Darstellung empfohlen. Papst Benedikt XIV verbot 1745 die Darstellung der dritten göttlichen Person in Menschengestalt, wie sie vereinzelt immer noch vorkam (so z.B. im Deckengemälde der Haimhauser Schlosskapelle). |
Die heutige Empore ruht auf zwei gedrehten Säulen. Auf ihre Brüstung ist ein rot-blaues Schablonenmuster mit Rankenwerk aus dem späten 16. Jahrhundert aufgemalt. Die originellen Kniebänke auf der Empore sind aus handgeschlagenen Holzstämmen hergestellt (ähnlich wie in Rudelzhofen u. Kollbach/Frauenkirche).
Die Kirchenstühle im Langhaus mit den einfachen geschwungenen Wangen dürften von der Renovierung von 1911 stammen; die Bänke im Chor wurden am Ende des 19. Jahrhunderts aufgestellt.
Früher gehörte zur Kirche auch eine weitere Figur des hl.Andreas, ein Werk des "Meisters der Blutenburg-Apostel" aus dem Ende des 15.Jh. Diese Figur kam aber schon im 17.Jh nach Hohenkammer, als die Kirche in Mühldorf barockisiert wurde.
Hans Schertl
Quellen:
Anton Mayer, Statistische
Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874
Max Gruber, Konstantin Pader als Bildhauer, Amperland 1965/1
Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau,
1971
Georg Brenninger, Orgeln und Orgelbauer im Landkreis Dachau, Amperland 1975/2
Georg Brenninger,
Orgeln in Altbayern, 1978
Schnell-Kunstführer, Kirchen der Pfarrei Hohenkammer, 1981
Max Gruber, Im Amperland
tätige Glockengießer, Amperland 1984/2
Anton
Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres
1560, 1986
Max
Gruber, Im Amperland tätige Kistler, Schreiner, Tischler und Schneidkistler,
Amperland 1986/3
Max Gruber, Im Amperland tätige Bildhauer,
Amperland 1987/1
Georg Brenninger, Kunsthandwerker
der Barockzeit in Kirchen des Gerichtes Kranzberg, Amperland 1987/2
Festschrift zur 1250-Jahrfeier der Diözese München und Freising, Das
Dekanat Weihenstephan, 1989
Rudolf Goerge, Zur Renovierung der Filialkirche Mühldorf an der Glonn,Amperland
1991
Rudolf Goerge, Kirchenführer Filial- und Wallfahrtskirche St.Ulrich Mühldorf,
Herausgb.Kath.Pfarramt Hohenkammer,1991
Robert Böck,Wallfahrt im Dachauer Land, Bd. 7 der Kulturgeschichte des
Dachauer Landes, 1991
Dr. Georg Brenninger in Chronik der Gemeinde Petershausen, Band 2, Geschichte
und Kultur, 2000
3 Bilder: Hans Schertl
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7.3.2009