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Filialkirche St. Ulrich in MÜHLDORF a.d.Glonn


Navi-Adresse: 85238 Petershausen, Mühldorf
Lage der Kirche auf der Landkarte ...

Beschreibung

Die spätgotische Filialkirche St. Ulrich der Pfarrei Hohenkammer in Mühldorf wurde 1485 erbaut. Mit ihrem markanten Turm steht die Wallfahrtskirche weithin sichtbar am Rande der Glonnauen zwischen Petershausen und Hohenkammer. Über mehrere Jahrhunderte hat hier eine blühende Wallfahrt zum hl. Ulrich bestanden.

Die Kirche ist ein einschiffiger gotischer Bau und besteht aus einem dreijochigen Langhaus mit eingezogenem Chor, der dreiseitig schließt. Der Bau wird durch Strebepfeiler, die zweifach abgesetzt sind, gestützt.

Der mit einfachen gotischen Rötelornamenten gezierte Turm, der im unteren Teil quadratisch ist, erhebt sich über zwei Geschosse achteckig und mündet mit acht Giebeln in einem hohen, schindelgedeckten Spitzdach.

In dem 1881 erneuerte Turm hängen zwei Glocken, die Ulrich von Rosen 1486 in München gegossen hat (eine Auflistung der ältesten Glocken im Landkreis finden sie hier....).

gotischen Rötelornamente am Turm

Visitationsbericht von 1560
Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation, eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet.
Die Visitation wurde durch bischöfliche und durch herzogliche Bevollmächtigte durchgeführt. Grund war die durch die Reformation Luthers (1517) entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen des Bistums zur Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte. Durch die Visitation wollte der Bischof einen detaillierten Einblick in die religiöse Situation der Pfarreien gewinnen. Insbesondere sollte festgestellt werden, ob die Pfarrer und die Gläubigen noch die katholischen Lehre vertraten oder der neuen Lehre anhingen. Daneben interessierte die Prüfer die Lebensführung der Pfarrer sowie Umfang und Qualität ihrer religiösen Kenntnisse.
Im Bericht über die Pfarrei Hohenkammer ist auch die Filialkirche "St.Udalricus in Mildorf" kurz erwähnt. Mit einem eigenem Einkommen (neben dem der Pfarrei) von jährlich 24 Gulden, 16 Schäffel Getreide und 1 Pfund Wachs war St.Ulrich in Mühldorf besser gestellt als die Kirchen in der Umgebung. Die Kirchenrechnung wurde vom Landgericht Kranzberg, dem Pfarrer und dem örtlichen Kirchenkassier aufgestellt ["Rechnung nimbt auf gericht Crantsperg sambt pfarrer und zechpröbst"]. Vom Einkommen ging aber schon die Hälfte (12 Gulden) an das Gericht; der Pfarrer, die beiden Zechpröbste und ein Amtmann erhielten jeweils 15 Kreuzer (= 1/4 Gulden). Der Rest des Geldes wurde verliehen und verbaut ["Habens hingelihen und verpaut"].
Die Kirche wird als guter Bau beschrieben ["Das gotshauß ist bei guetem paw"]. Sie hatte zwar kein Sakramentshaus und auch keinen Taufstein, doch sei sie "sonst mit aller zier versehen". Das Allerheiligste und die heiligen Öle wurden liturgisch rein aufbewahrt. Auch ein Ewiges Licht war vorhanden. Das zeigte, dass die Kirche weiterhin katholisch war. Das Taufwasser befand sich in einer Flasche ["Baptismus ist in aim fleschel"]. Sogar ein Mesnerhaus gab es in Mühldorf; das ist für so eine kleine Kirche in einem Bauerndorf erstaunlich. Der Mesner wird als "vleissig" beschrieben. Von den Kirchengründen war nichts verkauft. Mit den Gottesdiensten waren die Mühldorfer nicht zufrieden, weil die vorgesehene Wochenmesse nicht gehalten wurde ["Soll wochenlich meß gelesen werden, geschicht nit"]. Doch die Kreuzgänge (=Bittgänge) wurden durchgeführt. An Gerätschaften waren vorhanden: 2 Kelche mit corporale, davon einer aus vergoldetem Silber ["hat ain silbrin vergulten khelch"), eine Monstranz aus Messing ["ain messinge monstrantz"], 1 Messbuch, ein Liturgiebuch, ein Psalmenbuch und zwei Messgewänder ["2 ornät"]. Der Bericht endet mit dem Satz: (Die Kirche) "hat nit vil gmäl (=Gemälde). Sonst kain mangel".

Auszug aus einer Karte
von Philipp Finkh -1655
Mühldorf=Mildorf

Die Sakristei wurde 1735 im Chorscheitel angefügt (Maurermeister Paul Fuhrer aus Hohenkammer).

Bei der Renovierung 1860/1863 wollte man den ursprünglich gotischen Bau nach Plänen des Architekten Josef Grisch aus München wieder herstellen. Der Freisinger Professor und Kunsthistoriker Joachim Sighart äußerte sich darüber in einem Brief vom 28. November 1862: "Der Plan zur Herstellung der Kirche in Mühldorf ist ganz gut, Fenster, Streben, Gewölberippen ganz zu approbiren. Aber eines fehlt ! Die Zopfsakristei (=barocke Sakristei) hinter dem Chore ist unerträglich. Es ist wie ein Auswuchs, wie eine Warze auf der Nase". Die Sakristei steht heute noch.

Für eine neue Orgel (vom Dachauer Orgelbauer Quirin Weber) wurde 1732 eine zweite Empore eingezogen. Wegen des Einbaus eines größeren Werkes von Peter Moser musste die Empore 1838 wieder gesenkt werden. Schließlich wurde diese zweite Empore um 1975 entfernt. Die Orgel, die laufend reparaturbedürftig war, kam 1974 in die Filialkirche Schlipps und befindet sich heute in Oberbiberg. Sie ist als einziges original erhaltenes Werk von Peter Moser dort eine Attraktion für Orgelfreunde. In Mühldorf gibt es seitdem keine Orgel mehr.

Die Kirche in Mühldorf ist auch in der Statistischen Beschreibung des Erzbisthums München-Freising von Anton Mayer aus dem Jahr 1874 enthalten. Dort heißt es: "In Mühldorf leben 17 Gläubige der Pfarrei Hohenkammer in zwei Häusern, das 3.Haus gehört zur Pfarrei Kollbach und 1 Haus vom Riedhof nach Allershausen. Die frühere Wallfahrtskirche Mühldorf ist an der Straße von Hohenkammer nach Petershausen gelegen. Erbaut um 1480 im gothischen Stile. Geräumigkeit hinreichend. Baupflicht: die Kirchenstiftung. Spitz-Thurm mit 2 Glocken. Drei Altäre (1 fix. 2 portatile). Orgel mit 4 Registern. Gottesdienste: Nur am Patrocinium. Am Ostertage war nachmittags Predigt üblich, ist aber nicht gestiftet. Früher war hier jeden Freitag eine Wochenmesse, da aber die Dotation nicht zureicht, wird eben so oft als möglich, wöchentlich einmal die Messe nach beliebiger Intention daselbst celebrirt. Gestiftet: 4 Jahrtage. Meßner: der dortige Stockmairbauer. Cantor: der Lehrer. Kirchenvermögen 1870: rd 21.100 Gulden.

Die letzte gründliche Renovierung erfolgte 1980 und 1987-1991 unter Pfarrer Rupert Höckmayr (1968-1995 Pfarrer in Hohenkammer).

Innenausstattung

Im Inneren besticht der lichte, hohe Raum durch das gotische Netzgewölbe mit den farbig gefassten Schlusssteinen. Die Vielzahl der Rippenbögen im Netzgewölbe ist nicht - wie z.B. beim Kreuzrippengewölbe- allein durch die Statik bedingt, sondern dient auch der Zierde.

Choraltar

Auf dem prächtigen Choraltar von Constantin Pader aus Dachau 1656/58, stehen die Figur des Kirchenpatrons, des hl. Ulrich aus Augsburg mit Mitra, Buch und Bischofsstab. Ein Engel hält ihm sein Attribut, einen Fisch, entgegen. Über den beiden schwebt die Muttergottes, von Engeln und Wolken umgeben. Sie erhebt sich über den Altarrahmen hinaus zur göttlichen Dreifaltigkeit, die im Auszug zu sehen ist. Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist erwarten die Muttergottes, um sie zu krönen.
Die überlebensgroßen Seitenfiguren unter Baldachinbögen stellen den heiligen Bischof Erasmus (rechts) mit seinem Gedärm auf dem Buch und den heiligen Apostel Andreas mit dem nach ihm benannten Schrägkreuz (links) dar.

 

Hinweise: St.Ulrich (890-973) war Bischof von Augsburg. Berühmt wurde er als Sieger über die räuberischen Ungarn auf dem Lechfeld bei Augsburg im Jahr 955. Zum Dank verlieh ihm Kaiser Otto I. das Münzrecht für Augsburg. Ulrich baute dann die von den Ungarn zerstörten Klöster und Dörfer seines Gebiet wieder auf. Er selbst lebte bescheiden. Als er starb, wurde er mit dem Teppich, auf dem er auf der Erde zu schlafen pflegte, begraben. Die Fischlegende berichtet: Als er an einem Donnerstagabend mit dem Bischof Konrad von Konstanz zu Tisch saß, vertieften sich beide die Nacht über ins Gespräch, bis am Morgen des Freitag ein Bote des Herzogs, dem Ulrich Unrecht vorgehalten hatte, einen Brief brachte. Ulrich reichte als Botenlohn den beim Nachtessen nicht verzehrten Rest des Bratens, ein Gänsebein. Der Bote brachte dies dem Herzog, um den Bischof nun seinerseits des Unrechts überführen zu können, dass er am Freitag Fleisch esse; als der Herzog das Gänsebein aus der Umhüllung nahm, hatte es sich in einen Fisch verwandelt. Gedenktag: 4.Juli

Der Apostel Andreas war der Bruder des Simon Petrus, wie dieser von Beruf Fischer; er stammte aus Bethsaida (Johannesevangelium 1, 14) oder Kapernaom (Markusevangelium 1, 29), Er war der erste, den Jesus als seinen Jünger berief; zuvor war er Anhänger Johannes', des Täufers (Johannesevangelium 1, 35 - 40). Nach Jesu Himmelfahrt lehrte er in Griechenland und wirkte zahlreiche Wunder. Als er die Frau des röm.Statthalters Ägeas zum Christentum bekehrte und ihr eheliche Enthaltsamkeit anriet, ließ ihn Ägeas an ein X-förmiges Kreuz binden, an dem er nach zwei Tagen, an denen er weiter predigte, verstarb. Gedenktag: 30.November

St.Erasmus war um 300 Bischof von Antiochia. 7 Jahre lang verbarg er sich im Libanongebirge, wo ein Rabe ihm Nahrung brachte. Dann stellte er sich mit einer Seilwinde habe man ihm die Gedärme herausgezogen - diese Winde hat ihn zum Patron der Schiffer bestimmt. Er überstand die Marter. Danach wurde er in einen Kessel mit siedendem Öl gesteckt, dem er unbeschadet entstieg. Danach lebte er noch 7 Jahre (ohne Gedärme ?) in Kampanien. Erasmus ist einer der 14 Nothelfer (Patron der Seefahrer und Seiler) und als solcher für Magenkrämpfe und Unterleibsbeschwerden zuständig. Gedenktag: 2.6.

Seitenaltäre

Die neugotischen Seitenaltäre sind dem hl. Franziskus mit den Wundmalen (nördl.) und dem hl. Antonius mit dem Jesuskind auf dem Arm (südlich) geweiht. Beide sind in der braunen Kutte der Franziskaner dargestellt. Die Farbe Braun steht in der Tradition für Demut und Bescheidenheit.
  Hinweise: Antonius lebte im 13.Jh und war ein begnadeter Redner, der sich gegen die Sekten der Katharer, Albigenser und Waldenser wandte. Seine Fastenpredigten in Padua 1231 hatten einen sensationellen Erfolg, denn die ganze Region schien danach wie umgewandelt: Schulden wurden erlassen, zerstrittene Familien versöhnten sich, Diebe gaben das gestohlene Gut zurück, unrechtmäßige und überhöhte Zinsen wurden den Schuldnern zurückerstattet. Bis heute gilt in Italien ein damals erlassenes Gesetz, dass niemand mit seinem Leben und seiner Freiheit für eine Schuld haften solle, sondern nur mit seinem Eigentum. Antonius wird als Hilfe zum Wiederauffinden verlorener Gegenstände angerufen und gilt deshalb als "Patron der Schlamperer". Dies geht auf zwei Legenden zurück: Als ihm ein Manuskript gestohlen worden war, betete er so lange, bis der Dieb damit zurückkehrte. Schöner ist die zweite Legende, nach der er einem Geizhals half sein Herz zu suchen und es in einer Geldtruhe fand. Die Darstellung mit dem Jesuskind auf seinem Arm ist bei uns erst seit dem 17.Jh verbreitet; sie verweist auf eine seiner Visionen, die er beim Bibellesen hatte.
Der hl.Franziskus Der Heilige Franziskus entsagte im 13.Jh allem Besitz und gründete den Orden der Minoriten, die sich besonderes der Armenpflege, Seelsorge widmeten. Seine glühende Liebe zu Gott und zur Schöpfung faszinierte die Menschen und er hatte damals schon viele Bewunderer und Verehrer. Franziskus wird häufig auch mit einem Kruzifix abgebildet, weil er in einer Vision Christus von einem (geflügelten) Kruzifix zu ihm herabsprechen hörte und dabei seine Wundmale erhielt. Zudem war ihm die Verbreitung der Passionsfrömmigkeit ein Hauptanliegen.

Die Kanzel an der Nordseite der Kirche stammt aus der Zeit des Historismus und ist im neugotischen Stil gehalten.
Ihre Vorgängerin war im Jahr 1645 von Kistler Sebastian Geislinger aus Kranzberg errichtet worden; der Bildhauer Tobias Schmid schnitzte 1654 eine Kanzeltaube als Sinnbild für den Heiligen Geist dazu.
  Hinweise: Gemeinde versammelt ist. Von hier aus konnten die Prediger auch von oben herab sprechen, was ihren Worten größere Wirkung verleihen sollte. Spätestens seit dem 2.Vatikanischen Konzil 1962 werden sie nicht mehr benutzt.
Die Gestalt der Taube für die künstlerische Darstellung des Heiligen Geistes gründet sich auf den Bericht der Taufe Jesu im Neuen Testament. Danach kam "der Heilige Geist sichtbar auf ihn herab, anzusehen wie eine Taube" (Lk, 3,22). Das Konzil von Nicäa im Jahr 325 hat diese Darstellung empfohlen. Papst Benedikt XIV verbot 1745 die Darstellung der dritten göttlichen Person in Menschengestalt, wie sie vereinzelt immer noch vorkam (so z.B. im Deckengemälde der Haimhauser Schlosskapelle).

Die heutige Empore ruht auf zwei gedrehten Säulen. Auf ihre Brüstung ist ein rot-blaues Schablonenmuster mit Rankenwerk aus dem späten 16. Jahrhundert aufgemalt. Die originellen Kniebänke auf der Empore sind aus handgeschlagenen Holzstämmen hergestellt (ähnlich wie in Rudelzhofen u. Kollbach/Frauenkirche).

Die Kirchenstühle im Langhaus mit den einfachen geschwungenen Wangen dürften von der Renovierung von 1911 stammen; die Bänke im Chor wurden am Ende des 19. Jahrhunderts aufgestellt.

Früher gehörte zur Kirche auch eine weitere Figur des hl.Andreas, ein Werk des "Meisters der Blutenburg-Apostel" aus dem Ende des 15.Jh. Diese Figur kam aber schon im 17.Jh nach Hohenkammer, als die Kirche in Mühldorf barockisiert wurde.

Hans Schertl


Quellen:
Anton Mayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874
Max Gruber, Konstantin Pader als Bildhauer, Amperland 1965/1
Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
Georg Brenninger, Orgeln und Orgelbauer im Landkreis Dachau, Amperland 1975/2
Georg Brenninger, Orgeln in Altbayern, 1978
Schnell-Kunstführer, Kirchen der Pfarrei Hohenkammer, 1981
Max Gruber, Im Amperland tätige Glockengießer, Amperland 1984/2
Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres 1560, 1986
Max Gruber, Im Amperland tätige Kistler, Schreiner, Tischler und Schneidkistler, Amperland 1986/3
Max Gruber, Im Amperland tätige Bildhauer, Amperland 1987/1
Georg Brenninger, Kunsthandwerker der Barockzeit in Kirchen des Gerichtes Kranzberg, Amperland 1987/2
Festschrift zur 1250-Jahrfeier der Diözese München und Freising, Das Dekanat Weihenstephan, 1989
Rudolf Goerge, Zur Renovierung der Filialkirche Mühldorf an der Glonn,Amperland 1991
Rudolf Goerge, Kirchenführer Filial- und Wallfahrtskirche St.Ulrich Mühldorf, Herausgb.Kath.Pfarramt Hohenkammer,1991
Robert Böck,Wallfahrt im Dachauer Land, Bd. 7 der Kulturgeschichte des Dachauer Landes, 1991
Dr. Georg Brenninger in Chronik der Gemeinde Petershausen, Band 2, Geschichte und Kultur, 2000
3 Bilder: Hans Schertl

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7.3.2009