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Rosenkranz-Kapelle in der Klosterkirche von INDERSDORF

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Der Altar in der Rosenkranzkapelle


Kurzbeschreibung

Die Kapelle ist ein Anbau an das südliche Seitenschiff der Klosterkirche
Sie besitzt ein Tonnengewölbe mit Stichkappen.
"Die Lage dieser Marienkapelle südlich am Westende der Kirche ist abnorm; gewöhnlich stösst die Marienkapelle an den Kapitelsaal, der am Ostflügel des Kreuzganges liegt",
schreiben Bezold /Riel 1895.
(Lageplan siehe unten...)

Sie wurde schon in spätgotischer Zeit als Marienkapelle angebaut.
Aus dieser Zeit ist noch der Stipes, der Altarblock, erhalten, der auf seiner Vorderseite mit einem wertvollen mittelalterlichen Fresko geschmückt ist. Es zeigt den Tod Mariens im Kreise der Apostel und die Aufnahme ihrer Seele in den Himmel.

Nach Gründung der Rosenkranz-Bruderschaft von Indersdorf im Jahr 1630 hat man die Kapelle unter Probst Wolfgang Carl (1618-1631) dem Rosenkranzgeheimnis geweiht und thematisch entsprechend neu ausgestattet.

Zu sehen ist dies vor allem im
- Altarblatt
des Altars. Auch das
- Deckengemälde (Rosenkranzspende   an St.Dominikus) und das
- Wandfresko
mit dem Thema:   Vorbereitung auf den seligen Tod
  eines Mitglieds der Rosenkranz-
  bruderschaft. Auch die
- vergoldete Reliefs rund um den
   Altar befassen sich mit dem
   Rosenkranz.

Zum 100.Jubiläum der Rosenkranzbruderschaft, im Jahr 1730, wurde die Kapelle, ebenso wie die Klosterkirche, im Stil des Rokoko vollständig umgestaltet 05) und von Künstlern der Wessobrunner Schule dekoriert.

Auch der damals schon 100jährige Altar wurde 1729 neu erstellt oder grundlegend umgestaltet. Er sei "mit Gold und Farben verziert" worden, heißt es.
Zahlreiche Putten, alle in blassen Farben gehalten, beleben das Gesims.

Der Altar soll von Johann Georg Feldner aus Friedberg stammen, so schreibt jedenfalls der Chronist Penzl 1745. Tatsächlich dürfte er aber von Josephus Carolus Öberl /Eberl, Bildhauer aus Friedberg geschaffen worden sein, denn dessen Signatur ist auf der Sockelzone zu lesen (ICÖ - MDCCXXVIIII). Öberl hat übrigens auch den Choraltar in der Marktkirche Indersdorf erstellt


Ansicht aus 18.Jh

1741 wurde der Altar mit einem Reliquienschrein ausgestattet, in dem zwei Häupter von K..heiligen und weitere 91 Reliquien aufbewahrt sind.
In der Kapelle stehen noch mehrere Figuren, von denen die Muttergottesfigur " Domina fundatrix " den größten Bekanntheitsgrad besitzt.
Und an Karfreitag wird hier ein besonders prächtiges Heiliges Grab aufgestellt.


Ausführliche Beschreibung der Ausstattung

Altaraufsatz

Im Altaraufsatz/Altarauszug ist die Heilig Geist-Taube auf blauem Untergrund vor einem Strahlenkranz und Gewölk figürlich dargestellt.

     schmerzensreicher Rosenkranz
Um den Auszug herum sind Engel gruppiert, die in ihren Händen vergoldete Schilde halten, auf denen symbolartig die 15 Rosenkranzgeheimnisse zu sehen sind.
Links ist auf dem vergoldeten Schild das erst Geheimnis aus dem schmerzensreichen Rosenkranz dargestellt: "Jesus, der für uns Blut geschwitzt hat".
Rechts: das dritte Geheimnis des glorreichen Rosenkranzes: "Jesus, der uns den Heiligen Geist gesandt hat".

glorreicher Rosenkranz     

Textkartusche

Am obersten Punkt des Altars, noch über dem Altaraufsatz, ist eine reich verzierte Rocaillekartusche mit folgendem Text angebracht: "Altare Privilegiatum". Diese Bezeichnung weist darauf hin, dass der Altar mit einem sog. Ablassprivileg ausgestat-tet wurde. Die Verstorbenen, für die eine hl. Messe an diesem Altar gelesen wurde, erhielten einen vollkommener Ablass ihrer zeitlichen Sündenstrafen. 109) Diese Ablassprivilegien an Altären wurden in der katholischen Kirche erst im 16.Jahrhundert eingeführt. Das erste Privileg erließ 1551 Papst Julius III (1487-1555). Danach fanden die Privilegierungen eine große Verbreitung, weil die Päpste die für die beginnende Neuzeit höchst notwendigen Bruderschaften (wie die Rosenkranzbruderschaft in Indersdorf) für ihr wohltätiges Streben belohnen wollten.

Das Privileg wurde hochgeschätzt, weil damit "der so regen Liebe gegen die Verstobenen ein gar mächtiges und wirksames Mittel in die Hand gegeben wurde". 110)
Zudem war das Privileg nicht so leicht zu er-halten.
Denn von Anfang an galt die Bestim-mung, dass nur in den Kirchen Altäre privi-legiert werden dürfen, in denen täglich eine bestimmte Anzahl von Messen gelesen werden.


Schriftkartusche

Wenn die Privilegierung nicht nur an einzelnen Wochentagen gelten sollte, sondern unbe-schränkt ausgesprochen wurde, wie hier in der Rosenkranzkapelle, mussten in der Kirche täglich vierzig hl.Messen zelebriert werden. 110) Dieses Privileg wurde vom Heiligen Stuhl oder einer anderen zuständigen Autorität (Bischof, Abt, Prälat nullius, Ordensoberer usw.) verliehen 109) .
Das war nur in Wallfahrtskirchen oder Klosterkirchen wie Indersdorf zu erreichen.

 

Altarblatt (Madonnenbild)

Optischer Mittelpunkt des prächtigen Altars mit seinen gewendelten und glatten Säulen ist das von einem Stuckvorhang umgebenen Madonnenbild.
Maria sitzt unter einem von Engeln gehaltenen Baldachin und hält das Kind auf dem Schoß. Ihr Haupt ist von 12 Sternen umgeben. Die Engel halten Lilien, die Attribute für die Jungfräulichkeit, in ihren Händen. Zu ihren Füßen knien die Heiligen Dominikus und Katharina von Siena. Dominikus erhält von Maria einen Rosenkranz, Katharina vom Jesuskind einen Apfel. Der Orden der Dominikaner setzte sich stark für die Verbreitung des Rosenkranzes ein.
Das Bild kam erst 1730 in den neu geschaffenen Altar. Gemalt hatte es schon ein Jahrhundert vorher (1631) der Maler Wilhelm Schöpfer aus München. 40)
  Wilhelm Schöpfer war der Sohn des Malers Hans Schöpfer des Jüngeren, der 1610 gestorben ist. Das Geburtsdatum ist nicht bekannt. Er wird wohl bei seinem Vater in die Lehre gegangen sein. Jedenfalls wurde er 1608 zum Meister und 1627 sogar zum Hofmaler in München ernannt. Sein Spezialgebiet war die Heraldik. Aber er malte auch religiöse Inhalte wie z.B. ein Altarbilder für die Münchner Frauenkirche, für das Kloster Volders in Tirol, ein Bild in Hohenkammer und hier in Indersdorf. Auch die Tafeln für das Refektorium im Kloster Indersdorf stammen von ihm. Schöpfer starb 1634.



A
ntependien

Künstlerischer Mittelpunkt der Kapelle ist aber sind die beiden übereinandergelegten Antependien des Altars.   

Für den Besucher sichtbar ist das mit Gold und Silber überzogene barocke Antependium. Es zeigt in einem Relief die Geburt Christi. Links oben die Stadt Jerusalem, darunter Hirten mit ihren Herden. Rechts die Häuser der Stadt Bethlehem. In der Mitte der Stall mit Maria, Josef und dem neugeborenen Jesuskind. Davor anbetende Hirten.

Dieses barocke Antependium ist auf einem Klapprahmen befestigt.

Wird dieser Rahmen heruntergeklappt, kommt das ursprüngliche Antependium aus der Zeit vor 1729 zum Vorschein: eine gotische Malerei auf Kalkbewurf der Mensa, eingefasst von schlichten (gemalten) geometrischen Ornamenten.

Das 85 cm hohe und 102 cm breite Gemälde wurde in der Zeit von 1442 bis 1450 geschaffen und stellt den Tod Mariens dar, ein Thema, das in der Kunst der Gotik häufig abgehandelt wurde (siehe auch Fresken in der Kirche von Glonnbercha), aber am Altar sehr selten zu sehen ist.
Maria liegt - mit dem Angesicht nach rechts gewandt- auf dem Sterbebett. Ihr Sohn Jesus und die 12 Apostel stehen, sitzen oder knien um das Bett herum. Zwei Engel halten im Vordergrund brennende Kerzen in ihren Händen. Während die meisten Apostel aus der Bibel lesen, besprengt Petrus (obere Reihe, dritter von links) die Sterbende mit Weihwasser. Ein Apostel trägt ein Weihrauchfass. In Vordergrund steht Apostel Johannes, erkennbar am fehlenden Bart, und hält die Hände von Maria.
Oben links, nahe dem Kopf von Maria, ist Christus zu sehen. Mit der rechten Hand segnet er seine Mutter.


Antependium seit 1729

Antependium seit 1442                  
Seele Mariens    


Auf seinem linken Arm sitzt die Seele Mariens in Gestalt eines gekrönten Kindes. Die Seele besitzt keine Flügel; sie wird von Christus in den Himmel getragen (Bild links).
Die Darstellung der Seele in Form eines nackten, kleinen, nicht nach dem Geschlecht unterschiedenen Menschen war schon in vorchristlicher Zeit (Etrusker, Römer) verbreitet.
Die christliche Kunst hat diese Darstellung übernommen.
Nördlich der Alpen wurde die Seele bis zum 16.Jh ohne Flügel abgebildet und jeweils von Engeln oder von Christus (hinauf)getragen. Auf späteren Bildern fliegt die Seele auch selbst zum Himmel empor.

Die Malerei stammt wohl von einem Münchner Meister. Der Kopftypus der Maria auf dem Bild begegnet uns mehrmals an Gemälden im bayerischen Nationalmuseum (Bezold/Riel, Kunstdenkmale des Königreichs Bayern, 1895).

Der Kunsthistoriker und Theologe Dr.Joachim Sighart (1824-1867) schrieb 1864 in seinem Buch "Geschichte der bildenenden Künste im Königreich Bayern von den Anfängen bis zur Gegenwart":
  "Von den Wandgemälden hebe ich nach der Entstehungszeit folgende hervor. das älteste (von ca. 1410) ist wohl das Gemälde des todes Mariä, als Antependium eines Altars in Indersdorft benützt. Es hat kurze, einfache Figuren der Apostel von gutem, mildem Ausdruck. Sie stehen um das Bett Mariä, die ein graues Kleid und ein Kreuz auf der Brust trägt. Jesus steht ihr zu Seite und empfängt ihre weissgekleidete Seele in seine Hände. Daran schliessen sich die beiden Bilder der Heimsuchung (beide Gestalten zeigen das Kind im m Schoosse (sic) und des todes Mariä in der Kirche zu Feldmoching (verstellt)." 72)

Das gotische Gemälde an der Mensa ist auch im Verzeichnis der Kunstdenkmale des Königreichs Bayern erwähnt, dessen Dachauer Teil 1888 von Prof. Gustav von Bezold und Dr. Georg Hager bearbeitet und 1895 von Betzold und Dr. Riehl im Auftrag des Königl.Bayer. Innenministeriums herausgegeben wurde. Wenn Sie den Text lesen möchten, klicken Sie hier...



Reliquien am Altar

In der Predella des Altars ist ein großer Reliquienschrein aus dem Jahr 1741 zu sehen. Er erstand für eine 1730 erworbene wertvolle Kreuzreliquie (mittlerer Teil) sowie für 93 weitere Reliquien, die in den großen verglasten Außenteilen des Schreins aufbewahrt werden. Die Namen der Heiligen, von denen die übrigen 91 Gebeine stammen, sind auf blauen Zettelchen (Cedulae) geschrieben.

Die größten Reliquien sind die reich geschmückten Häupter der Heiligen Faustus und Fortunatus. Sie wurden 1741 in den Altar eingefügt. Es handelt sich dabei um sog. Katakomben-Heilige, deren Gebeine 1736 in Rom erworben und vom Reliquienhändler Adam Schönmayr, einem früheren Bäckermeister aus Erding, nach Indersdorf transportiert wurden.


Reliquienschrein

Der Indersdorfer Chorherr Georgius Penzl (1697-1748) beschreibt in seiner Chronik des Klosters Indersdorf, wie die Häupter der beiden Heiligen und die Reliquien des in der Klosterkirche liegenden Heiligen Felix nach Indersdorf kamen. Schönmayr hatte seinen Bäckerberuf aufgegeben und sich dem Reliquienhandel zugewandt. Für seine Bemühungen erhielt er rund 160 fl. , den Wert eines Bauernhofs. Davon wird der größte Teil des Geldes in Rom geblieben sein; auch wenn damals (u.a. von Penzl) argumentiert wurde, es handle sich nicht um einen Kaufpreis, sondern lediglich um die Erstattung von Auslagen.
Die Reliquien mussten erst in Freising vom Ordinariat bestätigt werden. Dann wurden sie am 14.Dezember 1736 mit Fuhrwerken über Straßbach nach Indersdorf gebracht.


verziertes Haupt von St.Faustus

Penzl schreibt in der Chronik (Nr. 1169):
"um 1/2 8 Uhr bot sich den Augen ein wunderschöner Regenbogen als Schauspiel dar, der bei den Siechenhäusern in gewohntem Kreisbogen anstieg und beim Öz, dem ersten Haus in Indersdorf wiederum abzusteigen schien. Ich will nicht behaupten, dieses Leuchten sei an sich wunderbar gewesen, weil ich schon erwähnt habe, dass es ein Regentag war. Darüber hinaus füge ich bei, dass die aufgehende Sonne von Ost nach West ihre Strahlen sandte, wie eben von Natur aus ein Regenbogen entstehen muss oder kann. Jedenfalls war der Anblick großartig, weil das Kloster ganz nahe schien und die vorher an diesem Ort und so von den Unseren beobachtet worden ist.

..... Danach wurden die Reliquien mit aller Ehrerbietung unter dem Böllern der Mörser und dem Geläut der Glocken von Glonn, Indersdorf und unserer Kirche eingeholt. Die Reliquien mussten danach gefasst werden. Dies wurde in München Thalkirchen gemacht.

Der Heimtransport 1741 war wiederum eine Festlichkeit besonderen Ausmaßes. Bei Straßbach wurde ein kleines Haus mit Tragaltar gebaut, in dem die Gebeine in der Nacht vor der Translation, der feierlichen Überführung, aufgebahrt wurden. Nachtwachen waren eingerichtet. In Indersdorf war alles geschmückt und mit gemalten Pyramiden, Schilden, Inschriften, Statuen der Heiligen Julius und Innocenz insgesamt ein wie Penzl schreibt, "heiliges Theater" aufgeführt."
Soweit der Domherr Penzl um 1745.

Kommunionbank

Vor dem Altar ist noch das Speisgitter, die Kommunionbank zu sehen. Die Docken sind in Form von Putten gehalten.

  Hinweis: Die Kommunionbänke entwickelten sich aus den Cancelli (lat.Gitter), den Altarschranken altchristlicher Kirchen, die den Gemeinderaum, d. h. das Kirchenschiff, vom Altarraum trennten. An diese Kommunionbank knieten sich früher die Gläubigen, die kommunizieren wollten. Der Priester reichte von der dem Altarraum zugewandten Seite der Kommunionbank die Hostie aus dem Kelch. Ein Ministrant hielt unter das Kinn des Gläubigen die Patene, um ein Herunterfallen der Hostie zu vermeiden. Im Rahmen der Liturgiereform um 1970 wurde die Kommunionbank in den meisten Kirchen abgebaut, um so eine Einheit zwischen dem Priester und der Gemeinde zu schaffen. Zudem ist nach herrschender Auffassung der Altar auch Tisch des österlichen Mahles; von ihm empfangen die Gläubigen die Kommunion.

 

Figuren neben dem Altar


St.Sebastian

Neben dem Altar sind in Höhe des Altarblatts Wandnischen mit muschelbesetzten Kalotten eingerichtet Dort stehen zwei Figuren der Heiligen Sebastian am Marterbaum von Pfeilen durchbohrt und von Johannes Nepomuk mit einem Kruzifix und dem Märtyrerpalmzweig in den Händen.
Hinweise: Sebastian war im 3.Jh.ein Offizier der kaiserlichen Garde, der auf Befehl des Kaisers Diokletian mit Pfeilen durchschossen wurde. Er erholte sich aber durch die Pflege der Witwe des


Joh.Nepomuk
  Märtyrers Kastulus, bekannte sich erneut zu seinem Glauben und wurde daraufhin mit Keulen erschlagen. Auf seine Anrufung hin, soll eine Pestepidemie abgewendet worden sein. Der heilige Sebastian wird deshalb als Pestpatron und -der Pfeile wegen- als Patron der Schützenbruderschaften verehrt. Festtag: 20. Januar.
Johannes aus Pomuk, "ne Pomuk", war Ende des 14.Jh Generalvikar des Erzbischofs in Prag und machte sich beim König Wenzel wegen seines energischen Auftretens für die Rechte der Kirche unbeliebt. Der ließ ihn am 20. März 1393 gefangen nehmen, foltern, brannte ihn selbst mit Pechfackeln, ließ ihn durch die Straßen schleifen und schließlich in der Moldau ertränken. Die Legende berichtet, der eigentliche Grund sei gewesen, dass Johannes, der auch Beichtvater der Königin war, dem König keine Auskunft über die Sünden seiner Frau gegeben habe. Das 1215 eingeführte Beichtgeheimnis hat in der kath.Kirche einen hohen Stellenwert. Der Fundort der Leiche in der Moldau wurde durch eine Erscheinung von fünf Sternen geoffenbart. Nepomuk ist neben Maria der einzige Heilige, der mit Sternen geschmückt ist. Die Verehrung von Nepomuk ist zwar schon seit 1400 nachweisbar; sie war aber nicht sehr umfangreich und zudem auf Prag beschränkt. Sein Denkmal auf der Prager Karlsbrücke, das 1693 errichtet wurde, machte ihn zum Brückenheiligen. Erst als man über 300 Jahre nach seinem Tod, im Jahre 1719, bei der Öffnung des Grabes in der Prager Veitskirche die Zunge des Heiligen unverwest vorfand, hat die Verehrung an Dynamik gewonnen. Im Jahre 1721 wurde der Kult von Rom anerkannt, am 19.3.1729 folgte die Heiligsprechung durch Papst Benedikt XIII. Noch im gleichen Jahr wurde Nepomuk von Kurfürst Karl Albrecht zum Landespatron von Bayern (18.8.1729) erklärt. Die Jesuiten förderten die Verehrung kräftig und nach kurzer Zeit stand die Nepomukfigur auf vielen Brücken und in vielen Kirchen. Nepomuk war der Modeheilige der Rokokozeit. Festtag: 16.Mai
Der Palmzweig stellt den Sieg des Märtyrers über Welt und Fleisch dar. Er nimmt Bezug auf die Offenbarung des Johannes (Apo. 7,9), in der es heißt: "Danach sah ich eine große Schar aus allen Nationen ... Sie standen in weißen Gewändern vor dem Thron und vor dem Lamm und trugen Palmzweige in den Händen". Festtag: 20.März

Figur und Gemälde an der Südwand

An der Südwand steht hoch oben in einer Nische eine überlebensgroße spätgotische Madonna mit Kind. Es ist eine schwäbische Arbeit aus der Zeit um 1490/1500. Sie wird seit langer Zeit als Domina fundatrix, als "Frau Gründerin", bezeichnet und stand früher wohl als Mittelfigur des ehemaligen gotischen Hochaltars (Flügelaltar) in der Klosterkirche. 1656 könnte sie schon in der Rosenkranzkapelle gestanden sein, denn aus der Kirchen-Rechnungslegung ist bekannt, dass der Maler Johann Hartwig für die Fassung einer Madonnenfigur in der Rosenkranzkapelle einen Betrag von 20 Gulden erhielt 23).

Die Madonna steht, in ein faltenreiches rot-blaues Gewand gehüllt, auf einer silbernen Mondsichel. Das Jesuskind liegt quer über die rechte Seite von Maria, als solle es dem Betrachter präsentiert werden.
Hinweis: Die Mondsichel erinnert an Maria als der Frau aus der Offenbarung des Johannes (Offb.12,1) "von der Sonne umkleidet, den Mond zu ihren Füßen. Die Madonna wurde 1704 restauriert und im 20.Jh modern überarbeitet. Früher stand die Figur am Hochaltar.

 
Frau 
Gründerin 

Die Figur ist auch im Verzeichnis der Kunstdenkmale des Königreichs Bayern aus dem Jahr 1895 erwähnt. Bezold/Riel schreiben dazu:
  "Oben in einer Nische der Südwand der Rosenkranzkapelle überlebensgrosse (neu gefasste) Holzfigur der hl. Maria, auf der Mondsichel stehend, mit der Rechten das Kind vor der Brust haltend. Ende des 15. Jahrhunderts, später überarbeitet, ziemlich manierirt. Nach der Klostertradition soll die Figur noch aus der Zeit der Gründung des Stifts herrühren und ein Geschenk des Gründers Otto von Wittelsbach sein; sie hatte den Namen: Domina fundatrix und stand bis gegen Ende des 17. Jahrhunderts auf oder hinter dem Hochaltar; als das Hochaltarblatt von Jonas Wolf aufgestellt wurde, ward sie zunächst in das Hospital verbracht; Propst Georg II. (1704-1721) ließ sie renoviren und dann in der Rosenkranzkapelle aufstellen. (Kurze historische Nachricht etc. S. 14. In der citirten handschr. Chronik heisst es: Sacellum B. V. constnuit novum. Die Lage dieser Marienkapelle südlich am Westende der Kirche ist abnorm; gewöhnlich stösst die Marienkapelle an den Kapitelsaal (am Ostflügel des Kreuzganges) "
,
Rosenkranzstangen

Rosenkranz-Stange
In der Kapelle (derzeit auf der Galerie) befinden sich noch drei schöne Darstellungen der Muttergottes im Rosenkranz auf Stangen, die bei den Prozessionen der Rosenkranzbruderschaft mitgetragen wurden. Die Perlen des Rosenkranzes sind als Rosen gestaltet. Die Farben der Rosen orientieren sich an den Symbolfarben des Rosenkranzes (weiß für den freudenreichen, rot für den schmerzhaften und gelb/gold für den glorreichen Rosenkranz).
Wenn Sie noch andere Rosenkranzmadonnen in den Kirchen des Landkreises sehen möchten, klicken Sie hier....
 

Leinwandbilder


Magdalenenbild

Zu beiden Seiten der gotischen Madonna hängen Leinwandbilder von Petrus und von Maria Magdalena innerhalb eines Stuckrahmens. Sie stammen nach ihrem Malstil wahrscheinlich aus der 2.Hälfte des 19.Jh.
Maria Magdalena -in wallendem Gewand- sitzt vor einem Felsen, auf dem ein Totenschädel liegt. Neben dem Felsen erhebt sich ein leeres Kreuz. Magdalena legt ihre linke Hand auf den Totenschädel und blickt in den Himmel, wo zwei Englein schweben und die Szene betrachten. Der Totenkopf ist Symbol für die Vergänglichkeit des Irdischen, dem sich der Büßende abgewandt hat.

 


Deckengemälde

An der Wand und an der Decke sind Gemälde von Matthäus Günther (bei seinem zweiten Engagement 1758) zu sehen, die die Rosenkranzspende an St.Dominikus (Decke) und die Vorbereitung auf einen seligen Tod darstellen:


Deckengemälde: Rosenkranzspende an St.Dominikus

Auf dem Deckengemälde (Bild unten) thront Maria mit dem Jesuskind, das auf der Weltkugel steht. Sie reicht dem hl. Dominikus und der hl. Katharina von Siena Rosenkränze. Nach der Legende empfahl Maria dem hl. Dominikus den Rosenkranz als Waffe gegen die Irrlehre der Albigenser und gegen die ungläubigen Türken.
Mehr über die Geschichte des Rosenkranzes finden Sie hier...

Im Hintergrund ist die Seeschlacht von Lepanto (1571) angedeutet, bei der die Christen gegen die Türken einen (der wenigen) glänzenden Siege errungen haben. Entscheidend dafür soll das Rosenkranzgebet von nl Papst Pius V. gewesen sein, das er während der Zeit der Schlacht verrichtet hat.
(...mehr über Pius V. ..).

 

Rechts neben der Muttergottes sitzen auf Wolken zwei große Engel im Ordenshabit. Es handelt sich um die Dominikanerheiligen Vinzenz Ferrer (mit Posaune und Hostienschale) und Thomas von Aquin (mit Kelch und einer Sonnenscheibe als Brustkette).
Im 18.Jh. hat man die beiden Heiligen des Öfteren als Engel dargestellt.

Auf der linken Seite des Gemäldes stehen auf einer Plattform Standesvertreter der Rosenkranzbruderschaft, die sich um einen Altar versammelt haben. Sie halten Tragestäbe mit Marienmonogramm in der Hand. Die im Vordergrund stehende, mit weißem Chorhemd bekleidete Person dürfte der Indersdorfer Propst Gelasius Morhart sein.

Zu Füßen des Altars kniet ein einfacher Mann mit dem abgenommenen Hut in der Rechten und einem Pilgerstab in der linken Hand. Er schaut hinauf zur Muttergottes. Es handelt sich um ein Selbstbildnis des Malers Matthäus Günther. Auf den Hemdkragen hat er die Signatur "M.G.1758" gesetzt.


Selbstbildnis Matthäus Günther

Auf der rechten Seite ist das Fegefeuer zu sehen. Die Errettung der Armen Seelen aus dem Fegefeuer war eines der besonderen Anliegen der Rosenkranzbruderschaften und späteren Stundenbruderschaften. Aus einem Kelch fließt das Blut Christi in das Fegefeuer; ein Engel schüttet den Armen Seelen aus einem Füllhorn weiße, rote und goldfarbene Rosenkränze hinab, als Zeichen des freudenreichen, des schmerzhaften und des glorreichen Rosenkranzgebets, die das Bruderschaftsmitglied einmal in der Woche beten musste.
  Hinweis: Der Name Fegefeuer geht auf das mittelhochdeutsche Wort fegen für reinigen zurück (mittellateinisch purgatorium). Nach Papst  Gregor d. Großen (540-604) ist es der Ort, an dem die  Seelen Verstorbener durch zeitlich begrenztes Feuer, Eis oder Wasser von ihren lässlichen Sünden gereinigt werden. Nach katholischen Glauben können Menschen durch Gebete und die Feier von Seelenmessen die Aufenthaltsdauer einer Seele  im Fegefeuer verkürzen. Die protestantischen Kirchen lehnen die Lehre vom Fegefeuer ab.

 

Wandgemälde


Das Wandgemälde (Bild rechts) mit dem Thema Vorbereitung auf einen seligen Tod zeigt einen Sterbenden, ein Mitglied der Indersdorfer Rosenkranzbruderschaft 06), auf seinem Lager, mit einer brennenden Sterbekerze in der Hand.

Hinter ihm steht der Tod als Gerippe, der einen Pfeil zückt und eine große Uhr hochhält. Am Fußende ist der geflügelte Teufel zu erkennen, der sich vergeblich müht, noch Zutritt zur Szene zu bekommen. Er ist von Schlangen umwunden, die sich gegen ihn und gegen sich selbst wenden; eine Darstellung der Gewissensbisse.

Neben dem Bett stehen der Schutzengel (der mit dem Finger nach oben deutet) und ein Priester, der dem Sterbenden die Absolution erteilt. Auf anderen Bettseite kniet ein Chorherr und liest Sterbegebete.

Im Hintergrund betet ein Bruderschaftsmitglied am Altar den Rosenkranz für den Sterbenden.

Über allem thront auf einem von Engeln umschwebten Gewölk die gekrönte Gottesmutter. Sie hat das Jesuskind auf dem Schoß, das einen Rosenkranz in den Händen hält.

Die beiden Fresken in der Rosenkranzkapelle thematisieren das Gebetsanliegen der Rosenkranzbruderschaft, von Maria Hilfe zu erlangen in den Nöten des Krieges, im Todeskampf und für die armen Seelen im Fegefeuer.


Tod Mariens     


Kreuzpartikel

Die Rosenkranzbruderschaft besaß auch ein besonders wertvolles Kruzifix mit einer Kreuzpartikel, das in der Rosenkranzkapelle aufbewahrt war. Der Indersdorfer Chorherr Georgius Penzl (1697-1748) schildert in seiner Chronik des Klosters Indersdorf, wie diese echte Kreuzpartikel im Jahr 1730 von Italien nach Indersdorf kam. Sie sei von Papst Urban VII, über die Kardinäle Franciscus Barberini und Alderano Cybo, Pater Thomas von Spoleto und vielen weiteren Stationen 1729 zu Augustin Michel aus Arnbach gelangt, der sie der Rosenkranzkapelle vermachte. Sie wurde am 6.September 1730 von Freising anerkannt. Die Zahl und die Stellung der früheren Besitzer sollte den Wert und die Bedeutung der Reliquie steigern.
Die Partikel wurde in ein silbernes Kreuz eingefügt, das von der Münchner Reliquienfasserin Maria Josepha Antonia Kroninger (die auch die Reliquien in St.Jakob, Dachau verziert hat) mit Kleinodien und Edelsteinen, teils echten, teils Imitaten geschmückt wurde. Penzl beschreibt in seiner Chronik das Kreuz sehr eingehend:
  Die Mitte nimmt die Kreuzpartikel selbst ein, oben am Kreuz ein echter Dorn von der Krone Christi.
Darunter Reliquien der Heiligen Joh.Baptist, Augustinus, Martin, Emmeram, Ulrich, Petrus, Markus, Thomas und Laurentius.
Ob sich dieses Kreuz noch im Besitz des Klosters oder der Pfarrei befindet, konnte ich nicht ermitteln.


Heiliges Grab

Von Karfreitag Nachmittag bis Karsamstag Mittag ist am Altar in der Rosenkranzkapelle hinter der den Altar umgebenden Balustrade ein eindrucksvolles Heiliges Grab aufgebaut.

In Indersdorf stand wohl auch schon seit dem 17.Jh. ein Heiliges Grab. Schriftlich wird es in eine Handwerkerrechnung von 1760 erwähnt: Der Zimmermann Märtl erhielt -wohl für die Aufstellung- 1 Gulden und 24 Kreuzer. 23)


Heiliges Grab
Hinweis: Die ersten Heiligen Gräber entstanden durch Wallfahrer, die aus dem Heiligen Land zurückkehrten und Nachbildungen des historischen Grabes errichteten. Eine Hochblüte erlebte der Brauch in der durch das Konzil von Trient (1545-63) eingeleiteten Gegenreformation. Die Jesuiten sahen im Heiligen Grab ein "spectaculum sacrum", ein heiliges Schauspiel, das für die Gläubigen das Heilsgeschehen eindrucksvoll veranschaulichte.
Spectacula sacra waren in der ganzen Barockzeit ein beliebtes Mittel der Glaubensverkündigung. Die Kulissen der Heiligen Gräber wurden im Laufe der Zeit immer größer. Es entstanden fantastische Scheinarchitekturen mit biblischen Landschaften, mit Engeln und Wachsoldaten; im Zentrum Felsengrotten, in die man eine Figur von Christi Leichnam legte. In manchen Pfarreien standen fromme Bürger, als römische Soldaten oder als Engel verkleidet, am Grab.

In der Zeit der Aufklärung und der Säkularisation (ca. 1780-1820) wurde das spectaculum sacrum verboten. Doch staatliche Verbote haben in Glaubenssachen meist keine große Wirkung. Ab der Mitte des 19.Jh. lebte der Brauch wieder auf und führte zu einem neuen Höhepunkt; die Pfarreien wetteiferten miteinander in der prunkvollen Ausgestaltung.

Erst nach dem 2.Vatikanischen Konzil (1962-65) kam der Brauch zum Erliegen, weil er nicht mehr zur neuen Liturgie der Kartage passte. Leider wurden damals viele der Kulissen verbrannt oder entsorgt. Denn in den letzten Jahren werden in den vielen Kirchen wieder Heilige Gräber aufgestellt. Wenn auch die kunsthistorischen Gründe für die Renaissance des Brauchs überwiegen, so kommen doch am Karfreitag Abend und Karsamstag Vormittag viele Gläubige in die Kirche, um sich in dieser, alle Sinne berührenden Umgebung, in das Leiden und Sterben Christi zu vertiefen.

Inzwischen gibt es im Landkreis Dachau wieder mehrere Kirchen, in denen ein Hl.Grab errichtet wird. Im Jahr 2007 waren dies Hirtlbach, Altomünster, Dachau-Mariä-Himmelfahrt, Dachau-Heilig-Kreuz, Dachau-St.Jakob, Ebertshausen, Kloster Indersdorf, Langenpettenbach, Weichs und Riedenzhofen. Wenn Sie interessiert sind, klicken Sie hier...


Lage der Rosenkranzkapelle

Der nebenstehende Plan zeigt den westlichen Teil der Klosteranlage.

Die auf dieser Internetseite beschriebenen Rosenkranzkapelle ist unten mit roter Farbe und dem Buchstaben C gekennzeichnet.


Gelb sind übrigens die Kirche (A),
       die Annakapelle (B)
       und die Sakristei (D)
blau die Nikolauskapelle (E) und
grün die Schwesternkapelle eingezeichnet.

Hans Schertl

Quellen:
siehe Hauptseite
18 Bilder: Heimatmuseum Indersdorf (1), Hans Schertl (17)

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

12.3.2018


Pius V.

Pius V (1504-1572) arbeitete Zeit seines Lebens für die Inquisition und war schließlich Großinquisitor. 1566 wurde er zum Papst gewählt. Pius war ein frommer Asket und ein Reformer von Verwaltung, Katechismus, Brevier und Messbuch,  bekämpfte leidenschaftlich die Simonie (Erblichkeit der geistlichen Ämter) und verfocht den Zölibat (Ehelosigkeit der Priester) . Er trat hervor durch repressive Maßnahmen gegen Andersdenkende, unterstützte die französischen Katholiken in ihrer Verfolgung der Hugenotten, vertrieb zahlreiche Juden aus dem Kirchenstaat, strafte schonungslos jeden Ketzer und zerstörte den Protestantismus in Italien. Seinen Gebetsbemühungen wird der wunderbare Seesieg über die Türken bei Lepanto am 7. Oktober 1571 zugeschrieben. Insgesamt wohl kein Vorbild für die heutige Zeit.