zur Landkreiskarte             ausführliche Beschreibg.          Kirchen in der Gemeinde Pfaffenhofen


Filialkirche St. Ulrich in OBERUMBACH

Luftbild

Adresse : 85235 Pfaffenhofen a.d.Glonn, Kirchberg 2
Lage der Kirche auf der Landkarte ...


Kurzbeschreibung

Der Ort Oberumbach wurde 814 als Ominpach (Siedlung des Omo am Höfaer Bach) erstmals urkundlich erwähnt.

Von einer Kirche ist erstmals in der Konradinischen Matrikel von 1315 die Rede, unter der Bezeichnung "Umbach" als Filialkirche (mit Friedhof) von Sulzemoos.

Die heutige Kirche St.Ulrich wurde um 1480 errichtet (von diesem gotischen Bau ist heute noch der Altarraum erhalten).

Als nach dem 30jährigen Krieg der Barock bei uns Einzug hielt, wurde die Kirche umgebaut und neu ausgestattet. Insbesondere das Kirchenschiff wurde verlängert und verbreitert (1666).


1906 wechselte Ober-umbach die Pfarrei: von Sulzemoos zu Pfaffen-hofen/Glonn. Inzwischen sind beide wieder im Pfarrverband Odelz-hausen vereint.

Hochaltar: Fisch des hl.Ulrich

An der westlichen Giebelseite des Langhauses und am Turm Ecklisenen und Wandvorlagen sowie ein Zahnfries (Deutsches Band) unter dem Traufgesims.
Der spätgotische, eingezogene Chor aus dem Jahr 1480 wird außen durch dreifach abgetreppte Stützpfeiler gestützt.

An der Südwestseite der Kirche liegt - durch einen kleinen Vorbau vor der Witterung geschützt- der Eingang.
An der Südseite ist auch ein Missionskreuz angebracht.
Im Satteldachturm mit den 2 First- und 4 Seitenzinnen hängen zwei Glocken aus den Jahren 1853 und 1949.

Inneneinrichtung

Das Kirchenschiff ist ein flachgedeckter Saalbau mit einfachem Rahmenstuck. Aufwändiger ist das Gewölbe des Altarraums gestaltet: dort ist Modelstuck mit Rahmenfeldern und Blatt-, Perl- und Eierstableisten angebracht.

Die Altäre sind raumhohe Säulenkonstruktionen aus der Zeit um 1680/90.
Mittelpunkt des barocken Hochaltars ist eine große Figur des hl. Ulrich (Anfang 17.Jh). Im Auszug Gottvater und eine Hl-Geist-Taube im Strahlenkranz. Assistenzfiguren am Hochaltar sind St.Leonhard und ein unbekannter heiliger Bischof.

Am Chorbogen ist eine Marienfigur im Rosenkranz befestigt.

KirchenbankwangenRosenkranzmadonnaKruzifix, Mater dolorosa und KreuzwegbilderKirchenbankwangenschwarze MadonnaSt.WolfgangMarienaltarChoraltar
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Die Seitenaltäre sind der Muttergottes und dem hl. Wolfgang geweiht. Auf den Altarblättern sind die Patrone bildlich dargestellt (Maria als Passauer Mariahilfbild, Wolfgang im Bischofsornat mit Kirchenmodell).

Die Figuren- und Bilderausstattung:
Figuren: Jesus auf der Rast, St.Leonhard, St.Ulrich, schwarze Madonna, Mater dolorosa, Rosenkranzmadonna, Gottvater
Bilder: Hl.Dreifaltigkeit, St.Barbara, Muttergottes, St.Wolfgang, Geißelheiland.

Unter der Empore im Eingangsbereich steht einer der schönsten Opferstöcke (18.Jh) des Landkreises.

Eine besondere Rarität ist die aus einem Holz in Reliefform geschnitzte Darstellung der Beweinung Christi.

Die Kirche gehört (mit den übrigen Filialen Unterumbach und Wagenhofen) zur Pfarrei Pfaffenhofen an der Glonn. Seit 1979 ist sie Teil des großen Pfarrverbands Odelzhausen, zu dem auch die Pfarreien Egenburg, Einsbach, Ebertshausen, Odelzhausen, Sittenbach und Sulzemoos zählen.


Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen


Geschichte Matrikel 1575 Umbau 1666 Matrikel 1740 Beschreibung 1817
  Lindlianer um 1850 Matrikel 1874 Beschreibung 1895 Umpfarrung 1906
Ausstattung Altarraum Apostelleuchter Baubeschreibung Beweinung Christi
Bilder im Chor Choraltar Figuren im Chor Kirchenschiff
Kirchenbänke Krippe Kreuzweg Opferstock
Rosenkranzmadonna Seitenaltäre Turm Gottesdienstzeiten

Ort
Die erste schriftliche Erwähnung des Ortes Oberumbach (Siedlung des Omo am Höfaer Bach) und der Kirche könnte aus dem Jahr 814 stammen. Am 18.September 814 übereignete der Priester Freido seinen Besitz nebst Kirche zu Ominpach dem Freisinger Bischof. Dies ist in der Urkunde Nr. 324 der Sammlung Freisinger Traditionen belegt. 04 ) Ob es sich dabei aber um Unterumbach oder um Oberumbach handelte, ist ungewiss. Sollte damit Oberumbach gemeint sein, läge die erste Erwähnung einer Kirche in Oberumbach zwei Wochen vor der der Kirche in Odelzhausen (2.10.814). Dagegen spricht das Patrozinium des hl.Ulrich, der ja erst 100 Jahre später gelebt hat und im Jahre 997 heilig gesprochen wurde. Möglich wäre allenfalls ein späterer Patronatswechsel.
Dr.Walter Kick aus Dachau hat die Urkunde aus dem Lateinischen übersetzt; wenn Sie sie lesen möchten, klicken Sie hier...

Jedenfalls muss es in Oberumbach bald einen Adelssitz gegeben haben, die am Ende des Mittelalters den Eisenhofenern gehörten. Im 13.Jh. werden Edle aus Umpach genannt. 1438 wird Jörg II. von Eisenhofen in Oberumbach geboren. Von der noch im 16.Jh. erwähnten Burg in Oberumbach, sind keine Spuren mehr vorhanden.

Im 17. u. 18.Jh. hatte die Münchner Patrizierfamilie Liegsalz hier Besitzungen. 19)
Nach Wikipedia waren sie von 1606 bis 1742 Besitzer der Hofmark Oberumbach 20 ) .Die Liegsalz, die im Jahr 1583 in den Adelsstand erhoben wurden, hatten als Kaufleute, Silbermineninhaber und Bankiers viel Geld verdient 21 ), das sie in Grundstücken auf dem Land anlegten (im Dachauer Land in Oberndorf, Schönbrunn, Amperpettenbach und Pellheim). In Amperpettenbach stifteten sie das berühmte Glasfenster. In Pellheim heirateten sie in die Hofmarksfamilie von Millau ein.

Geschichte der Kirche

In jedem Fall handelt es sich bei der in der Konradinischen Matrikel von 1315 01) erwähnten Kirche um St. Ulrich in Oberumbach.
Sie wird als Filiale "Umbach" der Pfarrei Sulzemoos mit einem Friedhof erwähnt. Das Vorhandensein eines Friedhofs zeigt, dass Oberumbach auch vor 700 Jahren ein Ort mit Bedeutung war.

Der heutige Kirchenbau stammt zumindest im Chor- und Turmbereich aus der Spätgotik um 1480.

Die Sunderndorferischen Matrikel von 1524 01)schrieb bereits "St. Udalrici in Oberumbach"; es war die erste Nennung des Patrons St.Ulrich.

Apiankarte 1568 17)

Kartograph Philipp Apian hat in seiner Bayerischer Landtafel Nr. 13 auch den Ort und die Kirche von Oberumbach unter der Bezeichnung "Ob.Ompach" dargestellt (siehe Landkarte rechts). Damals hatte die Kirche noch einen Spitzturm, denn Apians Zeichnungen sind, wie Dr.Peter Dorner schreibt, authentische Ansichten der dargestellten Gebäude 05).

Philipp Apian war der bedeutendste bayerische Kartograph seiner Zeit. Er wurde 1531 in Ingolstadt als Sohn des aus Sachsen stammenden Mathematikprofessors Peter Bienewitz (latinisiert:Apian) geboren und trat die Nachfolge seines Vaters an der Universität Ingolstadt an. Sein Lebenswerk war die erste Landesaufnahme des Herzogtums Bayern. 1563 schon hatte er eine erste große Karte des Herzogtums im Maßstab von ca. 1:45.000 fertig gestellt. Eine Verkleinerung dieser sehr unhandlichen


Apian-Karte von 1568
Karte stellen die "24 Bairischen Landtaflen" (jeweils 40 mal 30 Zentimeter) im Maßstab von ca. 1:140.000 dar, die 1568 vom Züricher Formschneider Jost Amman in Holz geschnitten und vom Maler Bartel Refinger koloriert wurden. Die Genauigkeit der Landkarten wurde erst im 19. Jh übertroffen; noch Napoleon benutzte sie für den Einmarsch in Bayern. Apian musste noch im Jahr des Erscheinens seines Werkes (1568) nach Tübingen emigrieren, weil er "der Reformation zugetan" war. Er starb dort 1589.

 

Pfarrbeschreibung 1575 01)
Eine Matrikel aus dem Jahr 1571 beschreibt die im damaligen Landgericht Friedberg gelegenen Kirchen. Dazu gehörte von der Pfarrei Sulzemoos auch die Kirche in Oberumbach. Von dieser Filiale berichtet die Matrikel, sie habe ihr "eigenes Begräbnis". Der Pfarrer von Sulzemoos lese hier alle Jahr dreizehnmal eine Messe und halte in der Fastenzeit eine Besinnung ab (rechne manchmal aber auch die Besinnung auf die Zahl der Messen an). Den Zehent aus Oberumbach habe er für 80 Gulden an die Nachbarschaft verkauft. Das kleine Widum, der Pfarrbauernhof, sei für ein Schaff Roggen und ein Schaff Hafer jährlich verpachtet. Da der Pfarrer in Sulzemoos sehr weit entfernt wohne (über 10 km entfernt), würden die Oberumbacher für Beerdigungen und Kinds-taufen aber häufig die Nachbarpfarrer in Pfaffenhofen und Egenburg rufen. Für die Beerdigung nimmt der Pfarrer einen oder zwei Taler. Wenn Sie den Originaltext lesen möchten, klicken Sie hier...

Umbau 1666
Ein größerer Umbau - wahrscheinlich mit Verlängerung und Verbreiterung des Langhauses und Erhöhung des Turms - fand um 1666 statt. Vielleicht war die Kirche im 30jährigen Krieg, der in dieser Gegend besonders schlimm gewütet hatte, auch beschädigt worden.
Der Neubau wurde 80 cm höher angelegt. Bei der Renovierung des Gotteshauses 1985/87 hat man nämlich die gotischen Grundmauern und alten Bodenplatten aus hart gebranntem Ton der Vorgängerkirche gefunden, die 80 cm tiefer lagen als die heutige Kirche 18)
.

Schmidt'sche Matrikel von 1738/40 01)
In den Jahren 1738/40 hatte der Freisinger Kanonikus (Domherr) Schmidt alle Pfarreien der Diözese Freising besucht und in der nach ihm benannten Matrikel auch die Filialkirchen und Kapellen kurz beschrieben. Zur "Ecclesia filialis s.Udalrici in Oberumbach" bemerkt er, die Kirche sei von ansehnlicher Bauweise. Sie habe nur einen Altar, der dem Bischof Ulrich geweiht sei. Gottesdienste fänden hier an Weihnachten, am Stephanustag (26.12.) und am Blasiusfest (3.3.) statt. Ferner am Oster- u. Pfingstmontag, am Montag in der Bittwoche vor Christi Himmelfahrt, am Kirchweihfest (Sonntag vor dem Fest des hl.Gallus -16.Okt.) und am Patrozinium (4.Juli). In der Sakristei wurden ausreichende Messgewänder aufbewahrt. Am Friedhof stand ein Beinhaus. Im Turm hingen zwei geweihte Glocken. Die Einnahmen der Kirche verwalteten der Pfarrer von Sulzemoos und der Landpfleger von Friedberg. Der Bericht endet mit dem einzigen Satz in deutscher Sprache: "Das Vermögen dises Gottshauses solle sich diser Zeit geen 550 fl. (=Gulden) zeigen".

Beschreibung 1817 18)
Der Sulzemooser Pfarrer Johann Nepomuk Kammerloher zeichnete 1817 einige Daten aus seiner Pfarrei auf. Über Oberumbach erfahren wir, dass es dort 62 Gläubige gab, die in 12 Häusern wohnten. Aus dem Nachbarort Stockach besuchten 25 Gläubige die Gottesdienste in Oberumbach.


Lindlianer um 1850
07)
19)

Anfangs bis Mitte des 19.Jh. siedelten sich Mitglieder der Erweckungsbewegung der Lindlianer in Oberumbach an. Dabei handelte es sich um Anhänger des 1774 in Baindlkirchen geborenen und in Bayerzell aufgewachsenen kath.Pfarrers Ignaz Lindl von Baindlkirchen und (nach einer Strafversetzung) von Grundremmingen. Der charismatische Lindl betrieb mit unglaublicher Beredsamkeit die Wiederbelebung des religiösen Lebens. Allerdings entwickelte er in Anlehnung an die "Allgäuer Erweckungs-bewegung" seine eigene Theologie, die den Lehren des Protestantismus erheblich näher lag als denen der kath.Kirche.
Er erklärte, die Heilige Schrift sei alleinige Richtschnur des Glaubens und der Sitten; die Tradition der Kirche sei nicht zu berücksichtigen. Bei den Gottesdiensten legte er das Hauptgewicht auf die Predigt. Auch die Heiligenverehrung lehnte er ab und erklärte, nicht Maria, sondern allein Gott könne helfen. Zudem erwartete er das baldige Wiederkommen Christi auf Erden.

Das alles konnte die kath.Kirche nicht tolerieren und so wurden die Lindlianer 1853 exkommuniziert. Es hieß: "Bei einseitiger Herzensbildung, sentimentaler Gemüthsstimmung und religiös erhitzter Phantasie schwelgten die Lindlianer auf protestantisch-pietistische Weise in dem durch die sogenannte 'Erweckung« erlangten Fiducialglauben, durch welchen sie der erlangten Sündenvergebung und des 'süßen Einwohnens Christi in der Seele« schlechthin gewiß zu sein glaubten." Lindl musste 1822 nach Bessarabien (heute Moldawien) auswandern und gründete dort mit einigen seiner Anhänger den Ort Sarata. 70 Familien aus Bayern und Württemberg folgten ihm mit Planwagen auf dem strapaziösen Weg. Darunter war auch ein Mitglied der Huber-Familie in Oberumbach, der dort nach kurzer Zeit an Malaria starb. Auf Betreiben des österreichischen Kanzlers Metternich (!) musste Lindl 1825 nach Deutschland zurückkehren. Er starb 1845 als Prediger einer evangelischen Nazarener-Gemeinde bei Wuppertal.

In Oberumbach und den umliegenden Dörfern hatte Ignaz Lindl bereits früh Anhänger geworben, die treu zu ihm standen. Das beunruhigte die Kirchenoberen. Im Pfarrarchiv von Egenburg liegt ein Schreiben des Freisinger Ordinariats von 1821, in dem der katholische Pfarrer beauftragt wurde, "auf diskrete Weise alles zur Belehrung und Beruhigung " eines erkrankten Bauern in Bayerzell zu tun und die Krankenbesuche eines von Lindl beeinflussten "Mystikers" sofort zu melden.

Auch nach Lindls Tod blieben seine Anhänger in Oberumbach und Pfaffenhofen der neuen Lehre treu. Ortspfarrer Jakob Wimmer meldete dem Ordinariat im Jahr 1851 fünf Personen als "Anhänger der Lindl'schen Sekte". Zwei Jahre später schrieb Wimmer, diese Sekte grassiere bereits "seit 40 Jahren in der Umgebung". Jetzt gehörten der Asambauer und der Schambergersohn aus Oberumbach, die Peterbäuerin und Maria Merk aus Pfaffenhofen sowie die Witwe Winterholler aus Unterumbach dazu.
Vorsteher der Gruppe sei ein Simon Neumayer aus Eismannsberg (Lkr.Aichach). Sie hielten ihr Zusammenkünfte in Privathäusern ab, wo sie die Heilige Schrift willkürlich auslegten, das Abendmahl feierten und die Sitte des "Bruderkusses ohne Unterschied des Geschlechts" pflegten. Maria Merk werde als eine vom Heiligen Geist erwählte Prophetin betrachtet.

Das Ordinariat nahm die "Sekte" so ernst, dass im August 1853 der Erzbischof Karl August von Reisach anreiste und eine Visitation der Pfarrei Pfaffenhofen vornahm. Die "Irrgläubigen" wurden in den Pfarrhof vorgeladen und eindringlich auf die Folgen eines Abfalls vom Glauben hingewiesen. Als sie bis zum eingeräumten Termin 1.Okt.1853 nicht vom Lindlianismus abließen, wurde von der Kanzel der Pfarrkirche öffentlich die Exkommunikation verkündet. Das bedeutete in der Praxis, dass ein kirchliches Begräbnis verweigert wurde und nicht einmal ein Seelenamt abgehalten werden durfte.


Beschreibung 1874 03)
In der Statistischen Beschreibung des Erzbistums München und Freising vom Beneficiaten an der Domkirche Anton Mayer aus dem Jahr 1874 ist im Kapitel über die Pfarrei Sulzemoos auch die Kirche von Oberroth als Nebenkirche der Expositur Odelzhausen enthalten. Zu ihr gehörten 84 Dorfbewohner (Seelen), die in 12 Häusern wohnten. Über die Kirche schreibt er: "Erbauungsjahr unbekannt. Stillos. Baupflicht hat die Kirche, am Cemeterium (=Friedhof) die Gemeinde. Sattel-Thurm mit 2 Glocken. 3 Altäre. Gottesdienste: am Patrozinium, Stephanusfest (=26.12.), Oster-u.Pfingstmontag. Stiftungen: 12 Jahrtage. Kirchenvermögen: 1800 Gulden.

Altarweihe 1881
Aus dem Jahr 1881 ist eine Altarweihe belegt.
In einem Schriftstück bestätigt der Erzbischof von München und Freising Anton von Steichele die Weihe eines Altars in Oberumbach, bei der Reliquien der Heiligen Severus und Theophilus beigesetzt wurden. Um welchen Altar es sich handelt, ist nicht bekannt.

Beschreibung 1895  22)
Vier Holzfiguren in der Kirche von Oberumbach sind auch im Verzeichnis der Kunstdenkmale des Königreichs Bayern kurz erwähnt, dessen Friedberger Teil 1888 von Prof. Gustav von Bezold und Dr. Georg Hager bearbeitet und 1895 von Betzold und Dr. Riehl im Auftrag des Königl.Bayer. Innenministeriums herausgegeben wurde. Dort heißt es:
  " Kirche. Vier zierliche, bemalte Holzfiguren vom Anfang des 17. Jahrhunderts."


Umpfarrung 1906
Wegen der großen Entfernung zur Pfarrkirche in Sulzemoos (rd. 10 km) hat man schon in früheren Zeiten über eine Umpfarrung in die viel näher gelegene Pfarrei Pfaffenhofen nachgedacht. Ernsthaft wurde diese Möglichkeit in den Jahren 1862 bis 1863 diskutiert, als "verschiedene Stellen", wie es heißt, sich damit beschäftigten. 1890 stellten die Ortschaft Oberumbach und mehrere Bauern aus Stockach beim Kgl. Bezirksamt Friedberg den Antrag, die Oberumbacher aus dem Pfarrverbund Sulzemoos zu entlassen und dem Pfarrverbund Pfaffenhofen einzugliedern. Stockach sollte nach Egenburg eingepfarrt werden. Die Kinder gingen damals bereits zur Schule nach Pfaffenhofen.
Dieser Antrag führte zu keinem Erfolg. Deshalb wiederholte man die Bitte bei der nächsthöheren Behörde, der Kgl. Regierung von Oberbayern (Kammer des Innern). Nun wurde eine Versammlung einberufen, auf der sich die Filialisten, das waren die Oberumbacher Anweseninhaber, einstimmig für die Umpfarrung stimmten. Daraufhin genehmigte die Regierung von Oberbayern am 22.April 1906 die Umpfarrung mit Wirkung vom 1.Juli 1906.

1906 endete auch das Mesneramt durch die Familie Scheibenbogen, die es seit 1700 innehatten. Seither übt die Familie Heiß den Mesnerdienst aus (Stand 2014).



Baubeschreibung

Die Filialkirche St. Ulrich liegt -leicht erhöht - inmitten des Dorfes und ist vom ummauerten Friedhof umgeben (Fl.Nr.712).
Der spätgotische, eingezogene Chor mit Rundbogenfenstern wird durch dreifach abgetreppte Stützpfeiler gestützt.

Das Langhaus/Kirchenschiff besitzt nur zwei Achsen (Joche) mit barocken Rundbogenfenstern.
Es ist durch Ecklisenen und Wandvorlagen gegliedert.
Unter dem Traufgesims ist ein umlaufendes Zahnfries (Deutsches Band) zu sehen. Es entsteht durch quergestellte Ziegelsteine. Darüber ist das Jesus.... eingraviert. Es bedeutet: Jesus-Hominum -Salvator (Jesus, Retter der Menschen)

Deutsches Band mit IHS-Symbol
Bei der Renovierung 1985/87 (Pfarrer Karl Genau) hat man 80 cm unter dem heutigen Kirchenboden
Grundmauern und Bodenplatten aus gotischer Zeit entdeckt.
Auf der Südseite ist eine kleine Portalvorhalle mit quergestelltem Satteldach angebaut, die den
Eingang vor Witterungseinflüssen schützt. An den Seitenwänden diese Vorraumes erinnern Marmortafeln an die Gefallenen der beiden Weltkriege.

Turm

Der 20 Meter hohe viergeschossige Turm auf der Nordseite hat hellgrün abgesetzte Ecklisenen und profilierte Gesimse als Geschoßunterteilung. Im kreuzgratgewölbten Turmuntergeschoss liegt der Durchgang zur Sakristei. Der mächtige Turm wird bedeckt von einem längs gestellten Satteldach mit Treppengiebel und zwei First- und vier Seitenzinnen. Bei der großen Renovierung 1987 wurde der Turm bis zum ersten Geschoß abge-tragen und mit alten Ziegelsteinen (die vermutlich aus dem Langhaus stammten) wieder neu aufgebaut 18).
Unter der Traufe sind auf den drei Schauseiten (Osten, Süden, Norden) kreisrunde, eingesenkte Wandnischen zu sehen, die mit verschiedenen Symbolen und Zahlen versehen sind.
Im Süden ist ein Marienmonogramm zu sehen,
im Osten das Jesusmonogramm IHS mit Kreuz und drei Nägeln,
im Norden die Jahreszahl 1666 (großer Umbau) und die Buchstaben "HBC".

Wandnischen mit Monogrammen - 1666
An der Ostseite des Turms ist seit den Renovierungsarbeiten 1987 das große Ziffernblatt der Turmuhr angebracht. Beim Abtragen des Turmoberteils hatte man an dieser Stelle ein in den Putz geritztes Ziffernblatt mit römischen Ziffern gefunden. Man hat es erhalten und zum Schutz mit dem heutigen Ziffernblatt aus Metall überdeckt 18).

Im Turm hängen zwei Glocken. 11)
- Die Kleinere hat einen Durchmesser von 51 cm und Gewicht von 85 kg 18)
; sie wurde von Andreas Schmidt, Augsbg 1853
  gegossen.
- Die Größere mit einem Durchmesser von 66 cm und einem Gewicht von 124 kg (von der Gießerei Halm und Hahn, Landshut)
  stammt aus dem Jahr 1949. Sie hatte 1076 DM gekostet. Für den Glockenguss musste die Ortschaft Oberumbach noch zusätz-
  lich Materialien bereitstellen: Einen Ster Holz sowie je ein Kilogramm Talg, Wachs und Flachs.
Frühere Glocken
Glocken gibt es in Oberumbach schon seit Jahrhunderten; denn nach der Beschreibung der Kirche in der Schmidt'schen Matrikel von 1739 waren schon damals zwei Glocken vorhanden ("in turri sunt canpanae duae benedictae"). Eine von beiden wird wohl durch die Glocke von 1853 ersetzt worden sein. Die andere könnte bis 1917 oder 1942 im Turm geblieben sein; denn in beiden Weltkriegen musste jeweils eine Glocke zum Einschmelzen für Kriegszwecke abgeliefert werden.

Östlich an den Turm schließt sich ein eingeschossiger und pultdachgedeckter Sakristeianbau an, der eine leichte Krümmung nach Süden aufweist; die Wände sind neu in gebrochenem Weiß verputzt. Die Sakristei wurde 1955 errichtet. Der Bau kostete 2100 DM, dazu kamen 3 1/2 Pfund Butter und 83 Eier für den Planer).

An der Langhaus-Südseite hängt ein Missionskreuz aus der Zeit um 1880/1900 11). Die Kreuzbalken sind nicht gefasst; sie haben dreipassförmige Enden. Der senkrechte Balken ist außergewöhnlich lang. Der ca. 100 cm hohe Korpus besteht aus Gusseisen und ist farbig gefasst. Die Füße sind nebeneinander am Holz fixiert (Viernagel-kreuz). Mehr über die Volksmission finden Sie hier... 

Letzte Renovierungen:
1985-87 (Generalrestauration, Turm wurde bis zum 1.Geschoss abgetragen u. aus alten Ziegelsteinen wieder
             aufgebaut)
 2008     (Renovierung der Friedhofsmauer und Anschluss der Kirche an die Wasserversorgung)
 2009     Außenrenovierung. Renzo Guidi, Heinrich und Konrad Heiß, Ludwig Ableitner und Erwin Burgmair gaben
            unter fachkundiger Anleitung von Malermeister Hubert Breitsameter der Kirche einen neuen Anstrich.


Missionskreuz
1900


Innenausstattung

Altarraum

 

Der spätgotische, stark eingezogene Chor besitzt zwei Achsen (Joche), schließt mit fünf Seiten eines Achtecks und ist gegenüber dem Langhaus um eine Stufe erhöht.

Er wird von einem Tonnengewölbe mit Stichkappen über den Rundbogenfenstern überdeckt.
Am Gewölbe ist ein Modelstuck mit Rahmenfeldern und Blatt-, Perl- und Eierstableisten und Wandkonsolen aus dem letzten Drittel des 17. Jh angebracht (siehe Bild rechts).


Deckenstuck im Chorraum - 17.Jh

Im mittleren Rahmenfeld ist das Jesusmonogramm IHS zu sehen, dessen erste beiden Buchstaben auf den Kopf gestellt sind.
Die Zeichen IHS sind übrigens griechische Buchstaben (das H ist ein Eta) und bedeuten "JES"(us). Sie werden auch als Anfangsbuchstaben von "Jesus, hominum salvator" gedeutet, d.h. "Jesus, Erlöser der Menschen" oder volkstümlich auch als "Jesus, Heiland, Seligmacher".

Die beiden Seiten des Feldes sind mit Doppelvoluten und Eierstabschnüren geschmückt.


Choraltar / Hochaltar

Choraltar - 1740
Der nur 2,10 Meter breite, aber raumhohe barocke Säulen-Hochaltar ist grau und rot marmoriert und teilweise vergoldet. Er wurde 1740/50 unter Verwendung von Teilen eines früheren Altars errichtet 11).
Die Stipes, der Altarunterbau, besitzt eine marmorierte Holzverkleidung in Sarkophagform.

Zwei glatte Säulen mit korinthischen Kapitellen stützen das geschwungene Gebälk, das mit zwei Rocaillekartuschen und Cheruben, die noch aus früherer Zeit (um 1680/90) stammen 11), verziert ist.

Altaraufsatz /Altarauszug
Im Auszug zwischen zwei seitlichen Voluten und Volutengiebeln die Halbfigur von Gottvater und einer darüber schwebenden Hl.-Geist-Taube im Strahlen-kranz (1740/50).
Hinweis: Gottvater wurde in der christlichen Kunst wegen der Weisung im Alten Testament (Exodus 20, 3-4) kein Schnitzbild von Gott zu machen, viele Jahrhunderte nicht als Person dargestellt.

Gottvater - 1750
Meist wurden Symbole wie der Lebensquell, die Hand Gottes oder das Auge Gottes im Dreieck verwendet. Personifiziert, als würdiger alter Mann mit langem Bart, wird Gottvater erst seit dem Barock (17.Jh). Diese Darstellung wird dem Gottesbild in unserer Zeit nicht mehr gerecht.

Mittelteil
Der Altar wird beherrscht von einer 162 cm hohen Figur des sitzenden hl. Ulrich (mit Bischofsstab, Buch und Fisch) aus dem beginnenden 17.Jh. 11)

Ulrich, der von 890-973 lebte, war Bischof von Augsburg. Berühmt wurde er als Sieger über die räuberischen Ungarn auf dem Lechfeld bei Augsburg im Jahr 955.

St.Ulrich - 17.Jh
Hinweis: Die Fischlegende berichtet: Als er an einem Donnerstagabend mit dem Bischof Konrad von Konstanz zu Tisch saß, vertieften sich beide die Nacht über ins Gespräch, bis am Morgen des Freitag ein Bote des Herzogs, dem Ulrich früher Unrecht vorgehalten hatte, einen Brief brachte.Ulrich reichte als Botenlohn den beim Nachtessen nicht verzehrten Rest des Bratens, ein Gänsebein. Der Bote brachte dies dem Herzog, um zu demonstrieren, dass der Bischof am Freitag Fleisch esse. Als der Herzog das Gänsebein aus der Umhüllung nahm, hatte es sich in einen Fisch verwandelt.
Assistenzfiguren

St.Leonhard
Flankiert wird der Kirchenpatron Ulrich durch Heiligenfiguren im gotischen Stil. Rechts ein unbe-kannter, traurig blickender heiliger Bischof im vollen Ornat mit Bischofsstab und Mitra (Bischofs-mütze), Handschuhen und Handkreuz. Es könnte sich um viele Heilige handeln; in Oberumbach geht man davon aus, dass die Figur den hl.Bonifatius darstellt; er bringt das Kreuz = das Christentum 18).
Auf der anderen Seite die Figur von hl.Leonhard im Ordensgewand. Leonhard liest in der Bibel; in der linken Hand hält eine Viehkette. St.Leonhard gehört in Bayern zu den 14 Nothelfern. Er lebte um das Jahr 500 als Einsiedler und später als Abt in Frankreich. Regelmäßig besuchte er die Gefangenen und erreichte für viele beim König Clodwig I.ihre Freilassung. Deshalb galt er ursprünglich als Schutzpatron derer, "die in Ketten liegen", also der Gefangenen - und der Geisteskranken, die man bis ins 18. Jahrhundert ankettete; nach der Reformation wurde er Schutzpatron der Haustiere, weil man die Ketten, mit denen er abgebildet wurde, als Viehketten deutete.

heiliger Bischof

Der Tabernakel wurde um 1910/20 in neubarockem Stil aus marmoriertem Holz gebaut. Er besitzt einen breiten Aufbau mit seitlichen Voluten und Cheruben.

In der Pfarrei existiert noch ein Schriftstück, das von einer Altarweihe im Jahr 1881 berichtet, bestätigt durch den Erzbischof von München und Freising Anton von Steichele. Darin steht außerdem, dass bei dieser Weihe die Reliquien des hl.Severus und des hl.Theophilus hinterlegt (in den Altar eingemauert) wurden 18).

 

Ölgemälde im Altarraum

An der Wand des Altarraums hängt ein großes Ölgemälde, das den vielfach gefesselten Jesus an der Geißelsäule zeigt. Um seine Oberarme und seinen Hals sind Eisenketten gelegt und an der Wand befestigt. Seine Hände sind mit Seilen an die Geißelsäule gebunden.
Das 123 x 85 cm große Bild ist dem Gnadenbild aus der Wieskirche bei Freising nachempfunden und wurde mit Ölfarbe auf Holzuntergrund gemalt. Der Signatur links unten ist das Erstellungsjahr zu entnehmen: "1757, renov.1856)".

Hinweis: Die ersten Darstellungen von Jesus an der Geißelsäule entstanden zwar schon im Mittelalter.
In den Landkreis Dachau gelangten vereinzelte Bilder jedoch erst im 17.Jh. Die große Verbreitung dieser Darstel-lungen setzte noch 100 Jahre später, nach dem Wunder in der Wies (1738) ein. Der Heiland auf dem Bild beim Wiesbauern bei Steingaden soll Tränen vergossen haben. Daraufhin setzte eine Wallfahrt ein und die berühmte Wieskirche wurde gebaut. Die meisten der rd. 15 Geißelheiland-Darstellungen im Landkreis Dachau wurden nach dem Vorbild des Wies-Heilands gestaltet; so auch in Oberumbach.


Geißelheiland

1757
   

 

Chorbogen

Am Chorbogen ist eine Marienfigur im Rosenkranz aus der Zeit um 1690 befestigt.

Die Muttergottes im Strahlenkranz ist mit einem roten Kleid und einem goldenen Mantel mit blauer Innenseite bekleidet. Sie ist mit den Insignien einer Königin geschmückt: auf dem Haupt eine Krone, in der Hand ein Zepter. Der Fuß Mariens ruht auf einer Mondsichel, die an Maria als die Frau aus der Offenbarung des Johannes (Offb 12,1) erinnert. Sie wird dort als "von der Sonne umkleidet, den Mond zu ihren Füßen" beschrieben.



Maria im Rosenkranz

1690

Maria steht in einem ovalen Rosenkranz.
Die "Gegrüßet seist Du Maria" sind als kleine Rosen-blüten mit großen goldenen Staubgefäßen, roten Blütenblättern und grünen Blättern gestaltet, die "Vater unser" als größere Blüten mit weißen Blüten-blättern. Am untersten Punkt des Ovals ist eine Kartusche mit dem Text "Hl.Maria bitt für uns" befestigt. Die drei zusätzlichen Ave-Kugeln für die Bitten um Glaube, Hoffnung und Liebe sowie das sog. Kreuz am Anfang des Rosenkranzes fehlen. Nach der Farbensymbolik der Rosenkranzbruderschaften handelt es sich wegen der dominierenden goldgelben Farbe um die Darstellung des glorreichen Rosen-kranzes. 09)


Die Holzrosenkränze, die an beiden Händen hängen, dürften eine übereifrige Zugabe späterer Pfarrherren sein.
Interessant ist, dass der Rosenkranz nicht -wie üblich- aus 50 Ave Maria-Perlen besteht, sondern nur aus 49. Im Gesätz links oben sind es nur 9 Rosenblüten. Dass dies ein Versehen war, ist kaum anzunehmen, weil dadurch die Symmetrie der Vaterunser-Blüten verloren ging und der "Fehler" damit auf den ersten Blick zu erkennen ist.
Eine Zusammenstellung von Rosenkranzmadonnen-Darstellungen in den Landkreiskirchen und Hinweise zur Geschichte des Rosenkranzes finden Sie hier...


Wandkästchen
Im Turmuntergeschoss hängt ein schönes Wandkästchen in barocken Formen, in dem sich die Figuren-gruppe einer Madonna mit Kind befindet (aus dem 18.Jh.). Beide tragen Krönchen aus Klosterarbeit mit farbigen Steinen auf dem Haupt. Die Figuren sind Gliederpuppen mit echten Haaren; die Arme und Beine können einzeln bewegt werden. Die Kleidung der Marienfigur aus Seide mit Goldborten wurde mehrmals im Jahr entsprechend den liturgischen Farben gewechselt. Das Kästchen aus Holz ist rot und graugelb marmoriert. Früher hing es im Kirchenschiff.

Madonna im
Wandkästchen - 18.Jh


Kirchenschiff / Langhaus

Das Langhaus ist ein zweiachsiger, flachgedeckter Saalraum mit nördlich und südlich je zwei Rundbogenfenstern. An der Decke befindet sich ein sehr schlichter, barocker Rahmenstuck (siehe oben Bild des Innenraums).

 

Seitenaltäre

Die nur 1,80 Meter breiten aber Raum hohen barocken Säulen-Altäre (um 1680/90) 11) sind blau marmoriert. Das Schnitzdekor ist vergoldet. Die Altäre besitzen je zwei glatte Säulen mit aufgesetzten vergoldeten Blattranken an den Sockeln und mit korinthischen Kapitellen. Über der Mittelnische befindet sich jeweils eine Akanthus-Kartusche mit der Widmung für den Altarheiligen. In den sprenggiebelartigen Aufsätzen sitzen je zwei Engel (Holz, bunt gefasst, um 1680/90).
  Hinweis: Engel (von griechisch angelos=Bote) waren in der Kunst des Frühchristentums immer Männer ohne Flügel. Sie sollten sich von den antiken Göttern wie Nike oder Hermes unterscheiden, die Flügel trugen. Erst als das Christentum im 4.Jh Staatsreligion wurde, bekamen die Engel Flügel; dazu einen Heiligenschein und sogar Hoftracht. Bis zu den ersten weiblichen Engeln dauerte es aber noch 800 Jahre. Erst Giotto malte Engel mit weiblichen Zügen. Wahrscheinlich hat der damals beginnende Marienkult die Verweiblichung verstärkt. In der Renaissance und vor allem im Barock setzten sich die Putten (geflügelte Knaben, die auf heidnische Eroten = Liebesgötter zurückgehen) und die geflügelten Engelsköpfchen durch, die in kaum einer der Barockkirchen unseres Landkreises fehlen. Erst in der Romantik wurden die Engel wieder erwachsener. Die Malerschule der Nazarener prägte die Engel mit großen Flügeln, Anmut und Hoheit, die uns als Schutzengel von den Bildern im Schlafzimmer oder den Heiligenbildchen des 20.Jh bekannt sind.

 


Rechter Seitenaltar

Altaraufsatz /Altarauszug

Im Auszug ein ovales Bild mit einer Darstellung der Hl.Dreifaltigkeit aus der Zeit um 1700. Auf Gewölk sitzen Gottvater (mit Zepter) und Christus (mit Kreuz) und halten zusammen die Weltkugel in den Händen. Darüber schwebt die Heilig-Geist-Taube im Strahlenkranz.


Dreifaltigkeit
Hinweis: Die Gestalt der Taube für die künstlerische Darstellung des Heiligen Geistes gründet sich auf den Bericht der Taufe Jesu im Neuen Testament. Danach fuhr der heilige Geist in leiblicher Gestalt auf Jesus hernieder wie eine Taube (Lk, 3,22). Obwohl dies nur bedeutet, dass sich der Geist bewegte wie eine Taube, nicht aber aussahwie ein Vogel, hat man die
  Taube als Symbol für die sonst nur schwer greifbare dritte Person Gottes gewählt. Das Konzil von Nicäa im Jahr 325 hat dies sogar empfohlen. Papst Benedikt XIV verbot 1745 die Darstellung der dritten göttlichen Person in Menschengestalt, wie sie vereinzelt immer noch vorkam.
Mittelteil
Mittelpunkt des rechten Seitenaltars ist das Altar-blatt mit einer Muttergottesdarstellung (Öl auf Leinwand, 130 x 85 cm).
Es handelt sich dabei um eine Nachbildung des Passauer Marienbildes, das interessanterweise selbst eine Kopie ist.


Maria-Hilf-Bild
Das Original, das in Innsbruck hängt, malte um 1530 Lucas Cranach d.Ä. Die etwas verspielt-neckische Darstellung voll idyllischer Intimität kam der gefühls-betonten Frömmigkeit des späten Rokoko besonders entgegen, sodass allenthalben weitere neue Kopien ehrfürchtigen Zulauf fanden.
Mehr zum Gnadenbild aus Passau......

Das Marienbild ist von vielen Putti und einem Kranz aus dornenlosen Rosen- und Lilienblüten umgeben. Die Putti stehen stell-vertretend für die Gläubigen und bekunden deren Andacht und Verehrung. Die dornenlose Rosen und die Lilien sind typische Marienblumen. Die Rose ist ein Symbol für Maria als neue Eva. So wie die reizvolle und zarte Rose aus einem dornigen Strauch hervorsprießt, so konnte auch Maria aus dem Geschlecht der schuldigen Eva als die zweite Jungfrau ohne Sünde hervorgehen. 15) Die Lilie, vor allem die im Orient verbreitete weiße Madonnenlilie, ist Symbol der Reinheit.


Über dem Altarblatt ist eine Kartusche mit dem Marienmonogramm angebracht. Dieses Monogramm findet man auch auf den Herzen an den beiden Säulen neben dem Bild. Im Marienmonogramm sind die vier verschiedenen Buchstaben des Namens "Maria" ineinander geschrieben.


Linker Seitenaltar

Im Auszug wird in einem ovalen Gemälde (auf Leinwand) aus dem 20.Jh die hl.Barbara mit Märtyrerpalme, Kelch und Turm gezeigt.
Hinweis:Barbara ist eine legendäre Person. Das bildschöne Mädchen soll von ihrem heidnischen Vater, dem reichen Dioskuros von Nikomedia, während einer längeren Geschäftsreise in einen Turm geschlossen worden sein, um sie am Heiraten zu hindern.


St.Barbara mit Turm
20.Jh.

Barbara ließ im Turm ein Bad bauen, aber nicht wie vom Vater angeordnet mit zwei, sondern mit drei Fenstern, als Zeichen der Dreieinigkeit. Als der Vater zurückkam und merkte, dass sie Christin geworden war, ließ er sie geißeln, mit Keulen schlagen, die Brüste abschneiden und mit Fackeln brennen. Vor dem Tod bat Barbara Gott, dass alle, die der Passion Christi gedenken, vom Gericht Gottes verschont
  werden. Schließlich enthauptete der Vater die Tochter selbst, worauf er von Blitz getroffen wurde.Barbara gehört zu den 14 Nothelfern. Sie ist Patronin der Bergleute und -wegen des präzisen Blitzschlags- der Artil-leristen. Der Kelch in ihrer Hand versinnbildlicht die einem Sterbenden gereichte letzte Kommunion (Viatikum) und verweist auf ihre Funktion als Sterbepatronin.
Mittelteil
Der linke Seitenaltar ist dem hl.Wolfgang geweiht. Sein Bild ist auf dem 132 x 75 cm großen Altarblatt (um 1700) zu sehen. Der Heilige schwebt in Bischofsornat auf Wolken, unterstützt von zwei Putten, die auch sein Attribut, ein Kirchenmodell, halten. Das andere Attribut, eine Axt, ist im freien Fall auf den Platz der Kirche zu erkennen.

St.Wolfgang
um 1700
Hinweis: Wolfgang lebte im 10.Jh erst als Mönch in Einsiedeln, dann ab 972 als Bischof von Regensburg. Die Legende erzählt dass das Einsiedlerleben durch den Teufel gestört wurdet, der immer wieder versuchte, Wolfgang zu vernichten, so dass Wolfgang beschloss, sich an einem freundlicheren Ort eine Klause zu erbauen. Er warf seine Axt ins Tal hinab und gelobte, an dem Ort, an dem er sie wieder finden werde, eine Kirche zu erbauen. Deshalb wird Wolfgang auch häufig mit Axt oder (wie in Oberum-bach) mit einem Kirchenmodell abgebildet.
   

In der Predella des linken Seitenaltars steht die Figur von Jesus auf der Rast (Herrgottsruh), die 1731 von einem Künstler der Familie Öberl (Eberl) aus Friedberg geschnitzt worden sein soll. Sie stellt Jesus dar, der sich, sein Haupt mit der linken Hand stützend, vor der Kreuzigung ausruht.

Jesus auf der Rast
1731
Hinweis:Figuren von "Christus in der Rast" sind nicht selten in den Kirchen des Landkreises Dachau. Ähnliche Figuren stehen auch in Asbach, Bergkirchen, Biberbach, Kleininzemoos, Kollbach, Röhrmoos, Rumeltshausen und Westerholzhausen. Die Darstel-lung Christus auf der Rast geht zurück auf die heim-lichen Leiden Christi. Das sind Schilderungen und bildliche Darstellungen von Martern Christi vor seiner
  Kreuzigung, die nicht in den Evangelien erwähnt werden. Sie entsprangen der Passionsmystik des Mittelalters und wurden in der Barockzeit von den Jesuiten und Franziskanern für Zwecke der Gegenreformation wieder belebt. Zu diesen heimlichen Leiden gehören Darstellungen von Christus im Kerker, von Maria mit ihrem toten Sohn Jesus auf dem Schoß (Vesperbilder) und Christus auf der Rast. Letztere stellen Jesus dar, der nach dem Kreuzweg, kurz vor seiner Kreuzigung auf einem Stein oder dem Kreuz sitzt, seinen Ellbogen an den Schenkeln aufstützt und das Kinn bzw. eine Wange mit einer Hand hält. Eine uralte Geste der Klage. Diese Art der Gestaltung heißt im Volksmund manchmal auch "Zahnweh-Herrgott".

    
         

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Kanzelkreuz

An der linken Seitenwand zwischen den Kreuzwegbildern ein großes Kruzifix mit darunter stehender schmerzhafter Muttergottes (Mater dolorosa). Beide Figuren stammen aus der Zeit um 1880. Jesu Füße sind mit zwei Nägeln am Kreuzesstamm angenagelt.

Kanzelkreuz
Hinweis:In den frühchristlichen Kirchen
wurde das Kreuz ohne den Corpus des Gekreuzigten angebracht. Dann aber wurde Christus am Kreuz als lebender und über den Tod triumphierender, gött-licher Sieger mit geöffneten Augen und in aufrechter Haltung
Üblich ist die Fixierung der beiden übereinan-der liegenden Füße mit einem Nagel (sog.Dreinagel-kreuz)dargestellt. Erst im hohen Mittelalter (etwa seit dem 12. Jh) setzte sich die Abbildung des leidenden und toten Gekreuzigten, die Betonung des Mensch-seins Jesu durch, wie wir es von unseren Kirchen kennen


Schwarze Madonna

Gegenüber, an der rechten Außenwand steht zwischen Leuchterengeln die große Figur einer schwarzen Madonna mit Kind. Sie soll aus dem 18.Jh. stammen. Die Figur stellt eine Kopie des Gnadenbildes von Altötting dar und zeigt die stehende, mit einer Krone in Form einer flachen Haube gekrönte Muttergottes, die das Kind auf dem rechten Arm trägt. Das Zepter in der linken Hand fehlt; der Rosenkranz an dieser Stelle ist eine Verlegenheitslösung. Das Jesuskind hält in seiner Hand einen Apfel, die Vorläuferform des Reichsapfels. Der Apfel war schon im Altertum Sinnbild für den Kosmos, später auch für die Erde, nachdem man deren Kugelform erkannt und akzeptiert hatte.
Einen Vergleich von Nachbildungen der Altöttinger Madonna im Landkreis Dachau sehen sie hier...
Das Gnadenbild von Altötting ist heute mit einem Stoffmantel bekleidet, der die ursprüngliche Figur verdeckt.


Madonna aus
Altötting - 18.Jh

  Hinweis: Der mit dem Kreuz versehene Reichsapfel in der Hand des Königs ist seit 1191 Teil der königlichen Insignien und symbolisiert den von Gott verliehenen Herrschaftsanspruch. Gleiches gilt auch für das Jesuskind. Hier kommt aber die weitere Bedeutung des Apfels als Paradiesapfel und Sinnbild für den Sündenfall hinzu: Jesus weist den Betrachter darauf hin, dass er durch seinen Tod die Erbsünde überwindet.


  Kirchenbänke

Viele der Kirchenbänke (13 Doppelreihen) haben alte Eichenwangen mit geschnitztem Gitterwerk (wohl spätes 18. Jh) 11).
Man rechnet mit Platz für 65 Besucher 18)
.


Kirchenbänke - 18.Jh.
Wenn Sie sich auch die Stuhlwangen in anderen Kirchen des Landkreises ansehen möchten, klicken Sie hier...

Männerseite - Frauenseite
Schon vom Frühchristentum an bis in die neueste Zeit hinein knieten und saßen die Kirchenbesucher in den Kirchenbänken nach Geschlechtern getrennt. Damit sollte im Gotteshaus eine zu große "sündige" körperliche Nähe zwischen Männern und Frauen vermieden werden. Dies war in allen drei Hauptkonfessionen (Kath., Evang., Orthodox) so.
In katholischen Kirchen sitzen gewöhnlich die Männer rechts und die Frauen links. Einen eindeutigen Grund für diese "Seitenwahl" gibt es nicht. Jedenfalls gilt im traditionellen Raumprogramm der Sakralarchitektur die Epistelseite als Männerseite und die Evangelienseite als Frauenseite. Seit dem letzten Konzil gibt es diese Trennung nicht mehr. Viele Pfarrer propagieren sogar das Gegenteil und bitten Familien, zusammenzubleiben. Dennoch sind auf der Frauenseite nur selten Männer zu finden. Weibliche Kirchenbesucher sind insoweit flexibler. Oft wurden auch die die Patrone der Seitenaltäre nach der Geschlechtszugehörigkeit ausgewählt: Seitenaltäre mit Christus oder einem männlichen Heiligen als Patron sind in der Regel rechts, Marienaltäre dagegen links zu finden. Doch eine Regel ist das nicht.
Hier in Oberumbach ist die rechte Seite die Frauenseite. Die Männer sitzen und knien links. Der Grund für diese Umkehrung ist nicht bekannt. Man nimmt an, dass die Lage des Marienaltars auf der rechten Seite dafür ausschlaggebend war. In anderen Kirchen (z.B. im nahen Egenburg) hatte ein Marienaltar auf der rechten Seite aber keine solche Auswirkung. Vielleicht hat auch das Beispiel in Altomünster abgefärbt. Denn
auch dort ist die rechte Seite die Frauenseite. Grund dafür ist, dass im bis 1803 bestehenden Gemeinschaftskloster Altomünster die Frauen das Sagen hatten.
Seit dem letzten Konzil gibt es diese Trennung nicht mehr. Viele Pfarrer propagieren sogar das Gegenteil und bitten Familien, zusammenzubleiben. Dennoch sind auf der Frauenseite nur selten Männer zu finden. Weibliche Kirchenbesucher sind insoweit flexibler. Oft wurden auch die die Patrone der Seitenaltäre nach der Geschlechtszugehörigkeit ausgewählt: Seitenaltäre mit Christus oder einem männlichen Heiligen als Patron sind in der Regel rechts, Marienaltäre dagegen links zu finden.

 

 Kreuzwegbilder und Apostelleuchter   

Die 14 Kreuzwegbilder hängen vorwiegend im hinteren Bereich der Kirche. Es handelt sich um Öldrucke auf Leinwand, die um 1870/80 entstanden sind. Die Farben sind allerdings inzwischen stark ausgebleicht.

Als Kreuzweg werden die aufeinanderfolgenden bildlichen oder plastischen Darstellungen bezeichnet, die meist aus vierzehn Stationen der Leidensgeschichte Jesu, angefangen von der Verurteilung durch Pilatus bis hin zur Grablegung, bestehen.
Seinen Ursprung hat der Kreuzweg im Brauch der Pilger, bei Wallfahrten nach Jerusalem den Leidens-weg Jesu auf der "Via Dolorosa" nachzugehen.


Kreuzwegbilder - 1880
Im späten Mittelalter wurde die Kreuzverehrung insbesondere durch den hl.Franziskus von Assisi gefördert, der durch die Stimme des Gekreuzigten vom Kreuz in St.Damiano zu einem christlichen Leben bekehrt wurde. Seit dieser Zeit wurden Kreuzwegandachten als Ersatz für die Pilgerfahrt ins Heilige Land abgehalten. Die Stationen bildeten dafür die Leidensstätten Jesu nach. Auf diese Weise konnte der letzte Weg Jesu vor Ort nachgegangen und sein Leiden anschaulicher betrachtet werden.
Kreuzwegdarstellungen in Deutschland entstanden erstmals in und bei Klosterkirchen, auf Anhöhen und bei Wallfahrtsorten, insbesondere in der Nähe von Franziskanerklöstern. Mit der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert hielten sie als Kreuzwegbilder Einzug in die Innenräume der Pfarrkirchen und verbreiteten sich zunehmend. Papst Clemens XII. erkannte im Jahr 1731 mit seinem Breve Unterweisungen über die Art, wie man den Kreuzweg abhalten soll, diese Form des Kreuzwegs als kanonisch an und bedachte ihn mit großzügigen Ablässen.
1. Station
Jesus wird von Pilatus zum
Tode verurteilt
2. Station
Jesus nimmt
das Kreuz
auf seine Schultern
3. Station
Jesus fällt
zum ersten Mal
unter dem Kreuze
4. Station
Jesus begegnet
seiner
Mutter Maria
5. Station
Simon v.Cyrene
hilft Jesus
d. Kreuz tragen
6. Station
Veronika reicht
Jesus das
Schweißtuch dar
7. Station
Jesus fällt
zum zweiten Mal
unter dem Kreuze
8. Station
Jesus tröstet
die weinenden
Frauen
9. Station
Jesus fällt
zum dritten Mal
unter dem Kreuze
10. Station
Jesus wird seiner
Kleider beraubt
11. Station
Jesus wird ans
Kreuz geschlagen
12. Station
Jesus
stirbt am Kreuz
13. Station
Jesus wird
vom Kreuz
abgenommen
14. Station
Jesus wird
ins Grab gelegt

Wenn Sie sich eine Zusammenstellung von Kreuzwegbildern aus den Kirchen des Dachauer Landes ansehen und mehr über die Geschichte des Kreuzwegs erfahren möchten, klicken Sie hier...


Zwischen den Kreuzwegbildern sind die Apostelleuchter angebracht. Sie erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebe-ne himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlische Jerusalems. 

Opferstock

Der außergewöhnlich schöne Opferstock ist aus Eichenholz geschnitzt und mit schmiedeeisernen Beschlägen versehen. Er ist 94 cm hoch und stammt wohl aus der Mitte des 18. Jh. 11)
Bemerkenswert ist auch das passende dreieckige Vorhängeschloss.

Opferstock - 18.Jh.
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Orgel und Empore

Auf der hölzernen Empore ist Platz für rd. 30 Kirchenbesucher. Wegen der geringen Kopffreiheit ist sie für groß gewachsene Personen aber nur eingeschränkt benutzbar.
Die Kirche hat keine mechanische, sondern eine digitale Orgel, die am 1.Juli 2012 von Pfarrer Nowik feierlich eingeweiht wurde.


Beweinung Christi
Eine besondere Rarität, die aus einem Holz geschnitzte Darstellung der Bewei-nung Christi (Trauer nach der Kreuzab-nahme). Die Schnitzerei ziert die Predella des linken Seitenaltars. Jesus liegt auf einem Leichentuch, das von zwei Män-nern (wohl Nikodemus und Joseph von Arimathäa,) gehalten wird. Hinter dem Leichnam stehen drei Frauen und der Lieblingsjünger Johannes, der Jesu'Kopf hält.



Beweinung Christi

Bei den Frauen handelt es sich um Maria (mit dem Kopftuch), um die Frau von Kleophas und um Maria Magdalena mit dem Salbgefäß Das entspricht der Schilderung im Johannesevangelium (19,25): "Es standen aber bei dem Kreuze Jesu seine Mutter und die Schwester (wohl Schwägerin) seiner Mutter, Maria (die Frau) des Kleophas und Maria von Magdala. Nicht zu übersehen sind leider auch die Löcher des Holzwurms, der sich schon an der Figurengruppe zu schaf-fen gemacht hat.
  Hinweis: Die Beweinung Christi wird in der Bibel nicht erwähnt. In der bildenden Kunst finden sich die ersten Darstellungen erst rd. 1000 Jahre nach Christi Tod, nachdem Symeon Metaphrastes dieses Ereignis in seinem Buch beschrieben hat. Nördlich der Alpen kommt die Darstellung erst im 13. Jh auf.

 

                                Krippe

In der Weihnachtszeit steht auf dem linken Seitenaltar eine kleine Krippe mit Figuren aus dem Kunsthandel.

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Weihnachtskrippe


K
elch und Monstranz

Außerhalb der Kirche werden kostbare Geräte aufbewahrt:
- ein teilvergoldeter Silberkelch, eine Treibarbeit von Johannes Wehrmann aus dem Jahr 1759 (sign). Er ist mit reicher,
  durchbrochener Rocailleornamentik verziert
18).

- Gleiches gilt für eine Kreuzpartikelmonstranz aus der Zeit um 1740 mit stark gewölbtem 6-passförmigen Fuß und
Sie besteht aus Messing, ist vergoldet und versilbert. Die Verzierungen sind durch Treibarbeit (durch Hämmern von der
Rückseite her) gestaltet. Die Monstranz ist 34 cm hoch. Im kreuzförmig gerundeten Schaugefäß liegt ein Kreuzpartikel hinter
Bergkristall auf roter Seide. Er ist mit Goldlahn (= mit Goldfaden umwickelter Metalldraht) und Perlen gefasst.


Bergkristall in Kreuzform als Einfassung einer Kreuzpartikel ist seit Jahrhunderten verbreitet. Während der Edelstein in der Antike als wertvoller Heil- und Zauberstein galt, ist er i
m Christentum ein Zeichen für die Auferstehung Christi. So war auch für Rupert von Deutz († 1129) der Bergkristall das Sinnbild Christi, der die bewegliche, gebrechliche und sterbliche Natur des Menschen, die dem Wasser entspricht, durch seine Auferstehung überwand und in ewige Festigkeit verwandelte. Der Bergkristall wird auch als Sinnbild für das gläserne Meer um den göttlichen Thron verstanden, von dem in der Apokalypse (Apo 4,6) die Rede ist ("Und vor dem Stuhl war ein gläsernes Meer gleich dem Kristall..."). 16)

Gottesdienstzeiten erfahren Sie auf der Internetseite des Erzbistums München und Freising.
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Hans Schertl

Quellen :
01) Dr.Martin v. Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
02) H. Carl Roth, Örtlichkeiten des Bissthums Freising aus Kozrohs Handschrift in ganzen Sätzen ausgehoben, Mch 1856/57
03) Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874
04
) Theodor Bitterauf, Die Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (Nr.324)
05) Dr.Peter Dorner, Renaissancebild einer Landschaft, Amperland 1968 (Apian 1568)
06) Infomaterial von Herrn Metzger aus Egenburg (1975)
07) Florian Mayr, Heimatbuch Gundremmingen 1980, S. 127 - 146 (Lindlianer)
08) Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV: München und Oberbayern, 1990
09) Robert Böck, Rosenkranzandacht und Rosenkranzbruderschaften der Barockzeit im Dachauer Land, Amperland 1991/2
10) Robert Böck, Wallfahrt im Dachauer Land, Bd 7 der Kulturgeschichte des Dachauer Landes 1991
11) Dr.Stefan Nadler, Kunsttopographie des Erzbistums München und Freising, 1992
12) Franz Keiner, Dorf und Hofmark Odelzhausen 814-1914, 1992
13) Madonna, Das Bild der Muttergottes, Ausstellungskatalog Freising, 2003 (Seitenaltarblatt)
14) Dachauer Nachrichten vom 10.7.2009
15) Theodore A. Koehler, Die christliche Symbolik der Rose, 2010
16) Bruno Reudenbach,Gia Toussaint, Reliquiare im Mittelalter, 2011 (Bergkristall)
17) Dr.Thomas Horst, Gericht und Herrschaft in Bayern, aus dem Buch Fürstliche Koordinaten, 2014 (Apian)
18) Ortschronik 2014 (Glockengewicht, Wandnischen am Turm, Turmuhr, Beschreibg 1817, Bonifatius, 1881, Kelch,
         Bodenplatten, 65 Plätze)
19) Renate Zauscher, Das Dorf der Irrgläubigen, Dachauer SZ v. 2.9.2016 (Lindlianer)
20) https://de.wikipedia.org/wiki/Ligsalz_(Patrizierfamilie) Zugriff 9/2016
21) Li(e)gsalz - eine Familiengeschichte (http://www.ligsalz.de/)
22) Bezold/Riel, Kunstdenkmale des Königreichs Bayern, 1895


46 Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

21.2.2017

Pfarrbeschreibung 1575