zur Landkreiskarte      ausführl.Beschreibung     Kirchen in der Gem.Haimhausen

Filialkirche St.Martin in AMPERPETTENBACH

KelchbecherTurm 32 m hochChor-spätgotischzur Kirchentür

85778 Haimhausen, Kirchberg
Lage der Kirche auf der Landkarte ...


K
urzbeschreibung

Die Filialkirche St. Martin ist architektonisch die interessanteste Kirche in der Pfarrei Haimhausen Sie stellt einen der seltenen Fälle eines wenig veränderten mittelalterlichen Kirchenbaus dar.

Das Langhaus ist noch romanisch (13.Jh); an der Südmauer befindet sich ein Rundbogenfries.

Urkundlich erwähnt wurde die Kirche 1315 in der Konradinischen Matrikel als Petenbach und später im Appendix zur Sunderndorfer'schen Matrikel von 1524 als Bettnpach.

Die Filiale Amperpettenbach kam erst 1818 zur Pfarrei Haimhausen. Vorher gehörte sie zur Pfarrei Kollbach,  2 1/2 Gehstunden (!) entfernt.

Die Kirche hat eine Länge von 12 Metern und eine Breite von nur 4,65 Metern.


Auszug aus dem berühmten Glasfenster der Ligsalz 1516.

Der Turm (1677) besitzt einen reizvollen, achteckige Aufbau, dessen Fassade durch Lisenen in ovale Felder gegliedert ist. Bedeckt ist er mit einer Zwiebelkuppel. An der Spitze ein Scheyerner Kreuz.

Inneneinrichtung

Der Chor ist spätgotisch (Ende 15.Jh). Die Decken sind mit einem phantasievollen Netzgewölbe überzogen. Die gelb hervorgehobenen Rippen enden an zehn Kragsteinen, die mit originellen und nur noch selten zu findenden bunten Halbfiguren geschmückt sind. Auch die vier Schlusssteine der Gewölberippen, die das Mauerwerk verkeilen und dem statischen Gefüge den entscheidenden Halt geben, sind recht gut erhalten. Die Vielzahl der Rippen im Netzgewölbe ist nicht - wie z.B. beim Kreuzrippengewölbe- allein durch die Statik bedingt, sondern dient auch der Zierde.

Rechts im Chor ein besonders wertvolles Buntglasfenster im Renaissancestil aus dem Jahr 1516, gestiftet von der Münchner Patrizierfamilie Ligsalz.

Die Inneneinrichtung ist im Barockstil gefertigt. Auf dem Hochaltar (1677) ist über dem Leonhardsbild das prächtige Stifterwappen zu sehen. Als Assistenzfiguren stehen lebensgroße Staturen der Heiligen Cosmas und Damian (im Gewand der Hochschullehrer und mit Salbbüchse der Apotheker).

zur Vergrößerung  des Altarbildes bitte klickenzur Vergrößerung  des Altarbildes bitte klickenzur Vergrößerung  des Altars bitte klickenHl. KosmasHl. DamianFiguren der Heiligen Petrus und  eines weiteren Heiligen  Altaraufsatzbild St.Martin mit GansGewölberippenEpitaph von 1677KonsolenfigurKonsolenfigur musizierender EngelWappenLigsalz-Fenster von 1516St.MadgalenaKreuzfresko über dem linken SeitenaltarSt.PetrusSalvator MundiTabernakelFrau Heigl
Vergrößerung von Einzelheiten(Altäre, Figuren, Schlusssteine, Epitaph,
Fenster, Chorgewölbe,) per Mouseklick

Die Seitenaltäre stehen aus Platzgründen an den Chor-Seitenwänden.
Am linken Altar sind die hl. Ursula (Altarblatt mit Martyrium) und die Heiligen Margareta (mit Drachen) und Barbara (mit Turm) Assistenzfiguren dargestellt. Am rechten Altar ein Gemälde der Heiligen Diakone Stephanus und Laurentius.

weitere Figurenausstattung:

- Muttergottesfigur mit Jesuskind auf dem Arm (und Königsinsignien)
- St. Antonius von Padua in der Franziskanerkutte mit dem Jesuskind auf dem Arm
-
Salvator Mundi mit Siegesfahne in der Hand-
- Kreuzigungsgruppe mit Maria und Johannes. Unter dem Kreuz der Totenschädel Adams
- segnendes Jesuskind aus Gips mit Kreuzstab
- St. Petrus mit den Himmelsschlüsseln und einem Hahn zu seinen Füßen
- Maria Magdalena mit Kreuz und Totenschädel.

Lieber Besucher, Sie können sich Bilder aus der Kirche St.Martin in Amperpettenbach auch
als Diavortrag anschauen (nur bei eingeschalteter Script-Funktion). Klicken Sie hier....

Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen


Geschichte Matrikel 1315 Matrikel 1524 Gotischer Umbau 1500 Visitation 1560 Barockisierung 1677
Matrikel 1738 Umpfarrung 1818 Beschreibung 1874 Beschreibung 1893 Beschreibung 1900
    Pferderennen    
Ausstattung: Altarraum Baubeschreibung Choraltar Chorgestühl Empore
  Epitaphe Fenster v.1516 Figuren im Chor Figuren im Schiff Gewölbe
  Kirchenschiff Kirchenbänke Orgel Opferstock
  Portal Seitenaltäre Vortragekreuze Turm

Der Name Amperpettenbach ist von dem Vornamen Peto abgeleitet und wird urkundlich im Jahr 772 erstmals als Petinpah erwähnt. Im 9. Jahrhundert nennt man den Ort Pettinpach. Der dreiteilige Ortsname kam erst im 18. Jahrhundert auf, zur Unterscheidung des anderen Pettenbach bei Indersdorf, aus dem Langenpettenbach wurde.

Geschichte der Kirche


Konradinische Matrikel 1315

Die erste urkundliche Erwähnung der Kirche finden wir in der Konradinischen Matrikel von 1315 bei der Pfarrei in Kollbach. ("Ecclesia Cholbach .. habet in villa II sepulturas et filialem Petenbach"). Amperpettenbach gehörte bis zum Jahr 1818 zur Pfarrei Kollbach, 2 ½ Gehstunden entfernt. Seither ist sie Filiale der Pfarrei Haimhausen.

Gotischer Umbau 1500
Das Innere der Kirche wurde gegen 1500 entscheidend verändert. An das ursprünglich sicher flach gedeckte Kirchenschiff hat man gegen Osten hin ohne optische Trennung einen neuen Altarraum mit 3/8-Schluss angebaut und den ganzen Raum mit einem phantasievollen Netzgewölbe mit Schlusssteinen und Konsolenfiguren überzogen.
Zu dieser Zeit standen in Amperpettenbach 11 Anwesen, von denen fünf den Klöstern Indersdorf, Scheyern und Weihenstephan und eines der Münchner Familie Ligsalz gehörte. Die Ligsalz gehörten zu den Münchner Patriziern und reichen Kaufleuten (Salz, Roheisen und Tuche), die sich schon ab dem 14.Jh. im Umland Besitzungen kauften, zum einen wohl als krisensichere Geldanlage, zum anderen auch aus Verbundenheit mit dem Bauernstande, dem sie letztlich entstammten. Karl Ligsalz, der Stadtkämmerer von München hatte den Hof in Amperpettenbach erworben; sein Enkel Hans hat 1516 das wertvolle Glasfenster hinter dem Altar gestiftet.


Sunderndorfer'sche Matrikel von 1524
In der Sunderndorfer'schen Matrikel von 1524 wird erstmals der Patron der Kirche, der hl. Martin genannt. Dort heißt es "Kolwach... habet unam filialem ecclesiam, videlicet s.Martini in Bettnpach". Das bedeutete, dass die Pfarrkirche und eine Filialkirche den selben Patron, nämlich St.Martin, hatten. Das war und ist nicht üblich.

Der Haimhausener Pfarrer Knilling mutmaßte bei der Umpfarrung Amperpettenbachs im Jahr 1818 (von Kollbach nach Haimhausen), die Tatsache des gleichen Patronats "gebe einer alten Sage Wahrscheinlichkeit, in der es heiße, Amperpettenbach sei ursprünglich nicht mit Kollbach sondern mit einer anderen benachbarten Pfarrei vereinigt gewesen und erst im 15.oder 16.Jh dazugekommen. Sonst würde die Fililalkirche nicht den gleichen patronus ecclesiae, den die Pfarrkirche hat, bekommen haben, damit nicht altare contra altare gestanden wäre!" Doch Knilling scheint die Matrikel von 1315 und 1524 nicht gekannt zu haben.


Visitationsbericht von 1560
Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation, eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet.
Die Visitation wurde durch bischöfliche und durch herzogliche Bevollmächtigte durchgeführt. Grund war die durch die Reformation Luthers (1517) entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen des Bistums zur Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte. Im Bericht über die Pfarrei Kollbach ist auch Amperpettenbach unter der Ortsbezeichnung "Ambper Pettenbach" kurz erwähnt. Die Filialkirche St.Martinus habe ein jährliches Einkommen von 2 Gulden 1 ß und 21 d, Getreide von Ulrich Schmid in Höhe von einem halben Schäffel, ein Jahr Hafer, das andere Jahr Korn. Die "khirchenrechnung gehert gen Dachaw", die Einnahmen werden also vom Dachauer Gericht überprüft. Die Gottesdienste werden vom Kollbacher Pfarrer versehen. In der Kirche stand ein Sakramentshaus mit nächtlicher Beleuchtung. Der Pfarrer erhält außer dem Zehent und den Abgaben nach Kirchenrecht keine weiteren Zahlungen. Das Mesnerhaus gehört dem Schmid, der Grund aber der Kirche. Die Amperpettenbacher müssen ihre Kinder in Haimhausen taufen lassen (=wegen der großen Entfernung zur Pfarrkirche). Sorge um den rechten Glauben musste sich der Bischof nicht machen. Der Pfarrer "hellt alle ding catholisch", heißt es. Die Amperpettenbach hielten auch die Kreuzgänge und alle anderen Kirchenbräuche ("khirchenpreuch").In der Kirche befänden sich 2 leider gar "unsaubere" Kelche mit Corporale, "ainer ist guet, der ander kupferin" (=aus Kupfer), sowie 2 Messbücher, ein Gesangbuch und ein Liturgiebuch. Vorhanden waren außerdem vier gar alte Messgewänder. Das Sakramentshäuschen ist nicht gut verschlossen, wird aber beleuchtet. Das Taufwasser wird in einer Flasche aufbewahrt ("Baptismus ist in aim fleschel"). An Palmsonntag und am Ostermontag werde den Gläubigen vom Kollbacher Pfarrer die Kommunion in einer Gestalt (=Hostie ohne Kelch) gereicht. Der Bericht endet mit den Worten: "An altarthuechern ist mangel. Sonst kain defect verhanden".
Wenn Sie ganzen Bericht über die Visitation der Pfarrei Haimhausen -in heutigem Deutsch- lesen möchten, klicken Sie hier...


Weihnachts-Pferderennen
Die noch erhaltenen Kirchenrechnungen aus der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg enthalten Posten, die auf "Renneth am Hl.Kindltag" hinweisen. Es geht hier um ein Pferderennen, das jeweils am Tag der unschuldigen Kinder (28.Dezember) abgehalten wurde. Diese Rennen werden wohl keine originär kirchliche Veranstaltungen gewesen, sondern nur anlässlich des früher groß gefeierten Tags der Unschuldigen Kinder veranstaltet worden sein. Aber die Tatsache, dass die Einnahmen und Ausgaben in den Kirchenrechnungen auftauchen, legt doch eine enge Verbindung mit dem kirchlichen Bereich nahe. Die Reiter hatten als eine Art Teilnahmegebühr Getreide zu spenden, das sie vor den Altar schütteten; dafür wurden Ross und Reiter gesegnet. Das Getreide verkaufte die Kirche und nahm dadurch Geld ein. Der Sieger des Rennens erhielt ein großes rotes Tuch (s.o. 1654: "rott Tuech") als Siegerpreis, das damals neben dem ideellen auch einen hohen wirtschaftlichen Wert hatte; der rote Farbstoff war teuer. Die Nächstplatzieren dürften Schweine als weitere Preise erhalten haben (sog.Rennsäue).
Wenn Sie mehr über die Pferderennen in Amperpettenbach erfahren möchten, klicken Sie hier....


Barockisierung 1677 /1689

Leider wurde auch diese Kirche Ende des 17.Jh ohne Rücksicht auf den gotischen Bau mit einer barocken Inneneinrichtung versehen. Doch in dieser Zeit war Altes nicht wertvoll. Dies zeigt schon der Begriff "Gotik", der erst im Zeitalter der Renaissance (vom italienischen Kunsttheoretiker Giorgio Vasari) geprägt wurde. Gotico bedeutet fremdartig, barbarisch, geschmacklos; damit wollte Vasari seine Geringschätzung der mittelalterlichen Kunst zum Ausdruck bringen. Kein Wunder, dass man in dieser Zeit die gotische Ausstattung der Amperpettenbacher Kirche unbedingt loswerden wollte.
Nachweislich wurden damals der Hochaltar und die Kanzel neu eingebaut und die Fenster vergrößert.


Auszug aus einer Karte
von Philipp Finkh -1655

Amperpettenbach = Petnpach
Wann die Barockisierung vorgenommen worden ist, kann ich nicht eindeutig sagen. In fast allen Beschreibungen wird das Jahr 1677 genannt. Eine Quelle, die Kirchenrechnung von Bergkirchen, spricht von den Jahren 1689 und 1691. Wenn Kirchen nach dem 30jährigen Krieg neu gebaut oder aufwändig renoviert worden sind, war es üblich, dass das Pflegamt Dachau zinslose Darlehen vermittelte. Diese Darlehen mussten die übrigen Pfarreien aufbringen. So erfahren wir manchmal aus Kirchenrechnungen anderer Pfarreien, wann in einer Kirche eine Baumaßnahme durchgeführt wurde. In der Kirchenrechnung von Bergkirchen ist ein Betrag der Pfarrei zu den Baumaßnahmen am "Kirchenbau in Amperpettenbach" in den Jahren 1689 und 1691 enthalten. Dort sind auch die Gesamtkosten in Höhe von 200 Gulden genannt.


Schmidt'sche Matrikel 1738/40

In den Jahren 1738 bis 1740 hat der Kanonikus Schmidt aus Freising alle Pfarreien des Bistums besucht und in der nach ihm benannten Schmidt'schen Matrikel auch die Filialkirchen kurz beschrieben. Danach war die Kirche Ecclesia filialis s.Martini in Amperpettenbach von großer Zierde. Sie habe zwei Altäre, heit es: der Hochaltar, auf dem auch der Tabernakel stehe, sei dem hl.Martin, der Seitenaltar den beiden Märtyrerinnen Ursula und Margarete geweiht.
Messfeiern würden an Kirchweih, dem Sonntag nach dem Fest des hl.Bartholomäus (= nach 24.8.) und am Patrozinium, dem Martinitag (11.11.) gefeiert. Außerdem fänden 19 Gottesdienste an Wochentagen statt, die auf eine Stiftung vom 16.Dez.1599 zurückgingen. Im Friedhof stehe ein Beinhaus. Im Turm hingen zwei geweihte Glocken. Die Einkünfte würden vom Kollbacher Pfarrer und vom kurfürstl. Präfekten in Dachau verwaltet. Die Beschreibung endet mit dem einzigen Satz in deutscher Sprache: "Das völlige Vermögen dises Gottshauses würdet sich dieser Zeit gegen 400 fl. (=Gulden) erstrecken".

Umpfarrung 1818

Amperpettenbach gehörte -wie schon erwähnt- seit der Zeit der ersten Überlieferungen bis 1818 zur mehrere Gehstunden entfernten Pfarrei Kollbach. Wegen der großen Entfernung hatte der Pfarrer hier in Amperpettenbach einen Zehentstadel errichten lassen, in dem die Abgaben zwischengelagert wurde. Der Stadel brannte im II. Weltkrieg ab.
Als 1818 in Bayern die Gemeinden ihre Selbstverwaltung erhielten, war wohl der Zeitpunkt gekommen, die seelsorgerische ohnehin schon teilweise vorweggenommene Zuordnung zur Pfarrei Haimhausen auch offiziell vorzunehmen.
Mit Ordinariatsdekret vom 7.Dez. 1818 ordnete Kapitelvikar Dr.Deutinger die Umpfarrung der Filialkirche Amperpettenbach von der Pfarrei Kollbach zur Pfarrei Haimhausen an. Pfarrer Knilling aus Haimhausen hatte diese Veränderung schon länger betrieben, denn schon vorher war Amperpettenbach großenteils von Haimhausen aus seelsorgerisch mitversorgt worden. Unter Pfarrer Knilling scheinen die Amperpettenbacher mit ihrer Einpfarrung zufrieden gewesen zu sein, als aber Knilllings Nachfolger, Merkl F.X., die vielen Gottesdienste in Amp. nicht mehr hielt, gingen fortwährend Klagen der Gläubigen. beim Ordinariat ein.

1848 wurde die Sakristei an die Ostseite des Turmes vom Dachauer Maurermeister Hergl angefügt.


Beschreibung 1874

Die Kirche in Amperpettenbach ist auch in der Statistischen Beschreibung des Erzbisthums München-Freising von Anton Mayer aus dem Jahr 1874 enthalten. Dort heißt es:
"Amperpetten, nahe der Amper gelegen, früher Filiale von Kollbach. Erbauungsjahr unbekannt. Ursprüngl. gothisch, dann verzopft (=barock). Baupflicht: An der Kirche die Kirche, am Cm. (=Friedhof) die Gemeinde. Geräumigkeit unzureichend. Kuppel-Thurm mit 2 Glocken. Cons.dub. Patron Hl.Martin. 3 alt. p. Ss. Cm. ohne Cap. Gottesdienste: Am Patrocinium und wöchentl. 1 hl.Messe. Meßnerdienste versieht der Schmied. Kirchen-Vermögen: Rent. 1659 fl. (=Gulden)- Nicht rent. 1197 fl. ".
Amperpettenbach hatte 1874 genau 112 Seelen, die in 12 Häusern wohnten.


Beschreibung 1893
Mit der Amperpettenbacher Kirche befasste sich auch das Verzeichnis der Kunstdenkmale des Königreiches Bayerns, das Gustav von Bezold und Dr.Berthold Riehl im Auftrage des kgl.Staatsministeriums des Innern, für Kirchen- und Schulangelegenheiten erstellt haben. Schon damals sah die Kirche so aus, wie heute. Wenn Sie den gesamten Text lesen möchten, klicken Sie hier....


Beschreibung 1900 In den Jahren 1900 und 1901 hat der Haimhausener Kaplan Hugo Straßer unter dem Titel "Nova et vetera de parochia Haimbhusiaria" (=Neues und Altes aus der Pfarrei Haimhausen) eine umfangreiche Pfarrbeschreibung verfasst. Im Abschnitt Filialkirchen ist auch Amperpettenbach aufgeführt. Wenn Sie am Text interessiert sind, klicken Sie hier...

Restaurationen wurden in den Jahren
1699 (Reparatur der Kirchenmauern um 59 fl),
1851 (Hochaltar- und Chorrenov.durch Maler Eller, Freising),
1878 und 1938 (durch den Freisinger Maler Seibold - Rücknahme der Veränderungen von 1851) durchgeführt.
1980 renovierte man den Turm, das Kirchendach und den Verputz am Langhaus. Außerdem erhielt sie einen neuen Bodenbelag.

 

Baubeschreibung

Die Martinskirche steht auf einer kleinen Anhöhe am nördlichen Dorfrand von Amperpettenbach inmitten eines ummauerten Friedhofs. Sie ist ein nur wenig veränderter mittelalterlicher Kirchenbau. Solche findet man im südlichen Bayern nur noch selten.
Das Kirchenschiff ist noch romanisch, der Chor schon gotisch. Der Turm stammt aus der Zeit des Barock. Der Chor wird außen durch Strebepfeiler gestützt. Das Langhaus stammt aus der Frühzeit des 13. Jh; darauf weist der romanischen Bogenfriesblende an der Außenwand hin, bei dem die Bögen bereits auf Konsolen sitzen. Darüber ein Zahnfries (Deutsches Band).
Die Kirche ist 14,5 Meter lang und 4,60 Meter breit. Das Ziegelmauerwerk des Langhauses besitzt eine Stärke von ca. 85 Zentimeter und ist ohne Sockel aufgeführt. West- und Nordfassade sind, wie in der Romanik häufig, glatt und schmucklos (siehe Bild links). Fenster sind -entsprechend der romanischen Bauweise nördlich der Alpen- nur auf der Südseite zu finden. Dies hat zwei Gründe: einen praktischen und einen symbolischen.Der praktische Grund: Die Fenster waren wegen des Lichteinfalls zwar notwendig, konnten damals aber nicht gut verschlossen werden. Auf der Südseite kommt mehr Licht und Wärme herein. Die Symbolik hat noch anderen Grund gefunden: Vom Norden kommt die Finsternis und mit ihr der Böse. Sie sollen nicht in die Kirche dringen.
Alle Fenster wurden 1677 bei der barocken Umgestaltung dem neuen Bedürfnis nach mehr Licht entsprechend vergrößert. Die kleine Vorhalle an der Südseite vor dem Eingang ist dagegen jüngeren Datums (wahrscheinl. 1953). Dort befindet sich das Denkmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten. Der gesamte Raum hat eine Länge von 12 Metern und eine Breite von nur 4,65 Metern und strahlt viel Intimität aus. Er ist in drei Joche
unterschiedlicher Breite gegliedert, nach Westen zu mit größerer Spannweite.

Nord- und Westseite

Der Zwiebelturm (1677) mit reizvollem, achteckigem, sich nach oben verjüngendem Aufbau ist südlich am Chor angebaut. Gurtgesimse und vertiefte Ovale, schönes Kranzgesims. Allseitig schmale Schallöffnungen. Unter der mit dem Scheyerner Kreuz gekrönten Zwiebelkuppel kreuzförmige, kleine Öffnungen.

Hinweis: Woher die so typisch bayerisch-barock anmutende Zwiebelform kommt, ist erstaunlicherweise nicht geklärt. Einige der Experten vermuten, dass sie eine Nachahmung und Weiterentwicklung der im 7.Jh errichteten Moschee auf dem Tempelberg in Jerusalem (Felsendom) und somit arabischen Ursprungs ist. Damals glaubten europäische Baumeister, die Kuppel stamme noch vom Tempel Salomons und verbanden mit ihr die Vision vom himmlischen Jerusalem. Andere Kunstexperten sehen in der Zwiebel eine Weiterentwicklung der byzantinischen Kuppel, die auch in Russland großen Anklang fand. Fest steht jedoch, dass die ältesten zwiebelförmigen Kuppeln in Bayern die der Münchner Frauentürme sind (1525). Weite Verbreitung fand die Zwiebel als Bauform aber erst im Italien der Renaissance und bei uns in der Barockzeit nach dem 30jährigen Krieg. Ihre Form -unten bauchig, oben spitz- passte wunderbar zur Kunstauffassung und zum Lebensstil des Barocks und galt "als Synthese aus der Bewegung ins Übersinnliche und dem Verharren in den Wölbungen des Sinnlichen".

Im Turm hängen zwei Glocken, die 1903 von Ulrich Kortler in München und 1954 von Karl Czudnochowsky in Erding gegossen wurden. Die große Dreifaltigkeitsglocke besitzt ein Gewicht von 257 kg und einen Durchmesser von 80 cm. Auf der Glocke sind ein Bild der Dreifaltigkeit und die Texte: "gegossen von Ulrich Kortler-München 1903" und "Misericordias Domini in aeternum cantabo Ps.88" (Die Barmherzigkeit des Herrn werde ich in Ewigkeit besingen). Die kleinere Marienglocke (Ton c') enthält die Aufschriften: "Marianisches Jahr 1954 - gegossen von V.K.Czudnochows zu Erding".

Noch um 1900 hingen zwei wesentlich ältere Glocken in der Glockenstube. Kaplan Straßer berichtet: Die größere ist bezeichnet: Bernhard Ernst in München Goss mich 1654, Bild: Muttergottes mit Kind und Kreuz und Buchstabe G". Die kleinere trägt als Inschrift: "Wofgangus Steger me fecit MDCVII Monachii (1557) A malo libera nos. Zeichen: WH und Wappen"
Möglicherweise waren diese Glocken bald nach 1900 schadhaft, denn sie wurden am 25. Mai 1903 durch zwei neue (mit 257 kg, und 120 kg, Töne C und E) ersetzt. Nur die größere hat die Weltkriege überstanden. Die kleinere dürfte mit großer Wahrscheinlichkeit in einem der beiden Weltkriege zum Einschmelzen eingezogen worden sein.

 

Innenausstattung

Altarraum

Der nicht eingezogene, spätgotische Chor stammt aus dem Ende des 15. Jahrhunderts. Er war von Anfang an gewölbt und hat deshalb außen Strebepfeiler, im Innern Wandpfeiler als Träger des Gewölbes. Die Ecken dieser Pfeiler sind abgekantet; durch spitze Schildbögen sind sie miteinander verbunden. Die Pfeiler ruhen auf Konsolen in Polygonform (vieleckig), die mit kleinen Halbfiguren verziert sind.

Gewölbe

Keine andere Kirche im Landkreis Dachau hat eine derart große Zahl von Konsolenfiguren. Einige der Figuren stellen musizierende Engel dar; die übrigen Figuren (Männer, Frauen und sogar ein Ritter) sind nicht zuzuordnen. Oftmals haben sich auch die Baumeister in solchen Figuren ein Denkmal gesetzt.

Engel
Engel
Ritter
Frau
Frau
Muttergottes
St.Leonhard
St.Martin

Die Gewölberippen bilden ein Netz. Im Knotenpunkt der Rippen sitzen runde Schlusssteine; im Chor einer mit dem Bild des Kirchenpatrons St.Martin, im Kirchenschiff zwei Schlusssteine mit den Reliefs von Maria und St.Leonhard. Sie verkeilen das gebogene Mauerwerk und geben dem statischen Gefüge den entscheidenden Halt. Geschlossen wird der Chor durch drei Seiten eines Achtecks.

In der späteren Barockzeit war man mit der Innenausstattung, die in etwa der heutigen entspricht, zufrieden; denn 1739 wurde sie in der Diözesanbeschreibung als ganz besonders schmuckvoll bezeichnet.
Die Restauration, die 1851 der Maler Eller von Freising vorgenommen hatte, hatte den gotischen Charakter der Kirche aber falsch verstanden. Er strich -ganz im Sinne des neugotischen Stils - die Rippen weiß und den Untergrund des Gewölbes blau, mit Sternen besetzt. Das wurde inzwischen wieder rückgängig gemacht: die Rippen des Netzgewölbes sind wieder freigelegt und farblich hervorgehoben.

Hinweis: Die Erfindung des Rippengewölbes, das zum Kennzeichen des gotischen Kirchbaus wird, macht es möglich, die statischen Lasten zu reduzieren und so auch über verhältnismäßig dünne Wände mit größeren Fenstern in Verbindung mit entsprechenden Strebewerken in die Fundamente abzuleiten. Symbolisch kann das Gewölbe mit seinem Netzwerk auch die Strukturen des gewölbten Himmels abbilden. Die Schlusssteine der Gewölberippen sind im Scheitelpunkt eine Bogens oder im Knotenpunkt von Rippen eingefügt. Sie verkeilen das gebogene Mauerwerk und geben dem statischen Gefüge den entscheidenden Halt. Neben seiner bautechnischen Aufgaben hat der Schlussstein auch eine religiöse Bedeutung. Denn Paulus schreibt im Epheserbrief: "Ihr seid das Fundament der Apostel und Propheten gebaut. der Schlussstein ist Jesus Christus selbst. Durch ihn wird der ganze Bau zusammengehalten und wächst zu einem heiligen Tempel im Herrn (Eph 2,20-22).


Fenster

Auf der rechten Chorseite befindet sich ein besonders wertvolles Buntglasfenster, aus dem Jahre 1516, gestiftet von der Münchner Patrizierfamilie Ligsalz, die in Amperpettenbach einen Bauernhof besaß. Es zeigt vor einem Renaissance-Hintergrund die Stifterfamilie, die den Segen des auferstandenen Christus empfängt. Das Fenster ist 68 x 63 cm groß.


Vor dem Auferstandenen (im weitwallenden Purpumantel mit Kreuzstab) kniet der Ratsherr Hans Ligsalz, in einen Pelzrock gehüllt und mit einer dunkelroten Haube bedeckt). Neben ihm seine drei Söhne, von denen der mit dem Buch zu seinen Füßen als Geistlicher (Kanoniker im Liebfrauendom) zu erkennen ist. Zur Linken kniet die stattliche Hausfrau des Stifters mit hohem Kopfputz. An ihrer Seite sieht man die vier Töchter, darunter eine Nonne in Klarissinentracht. Es ist Regina, die spätere Äbtissin des Angerklosters in München.
(Äbtissin von 1530-36;gest. 1540). Eingerahmt werden die Knieden von den Wappenschilden der Familien Ligsalz und Knöll.

Interessant sind auch die Rosenkränze, die die beiden Hauptpersonen um die Hände tragen. Während bei Kath. Knöllin (ganz rechts) ein langer Rosenkranz mit 40 Aveperlen und 4 Paternosterperlen zu sehen ist, hält Hanns Ligsalz (ganz links) einen nur halb so langen Rosenkranz mit 20+4 Perlen in den Händen. Die heute üblichen drei zusätzlichen Aveperlen und das sog. Credokreuz am Anfang des Rosenkranzes fehlen. Dafür ist der Beginn des Rosenkranzes mit wertvollen Medaillen geschmückt.


Im Spruchband steht: "Hanns Ligsalz + Katharina Knöllin von Salzburg, seine Hausfrau anno 1516".
Die Glasmalereien wurden noch in der musivischen Technik erstellt. Das Glas wird nicht -wie später üblich- mit Farbe bemalt; die Fenster sind aus in der Masse durchgefärbten Gläsern in der Art eines Mosaiks zusammengesetzt. Die Hauptkonturen der Darstellung werden durch die Bleiruten vorgegeben, die die einzelnen Gläser verbinden.

Das Glasgemälde dürfte von Jakob Kistenfiger aus München geschaffen worden sein, dem auch die Fenster in Gauting, in Holzkirchen und auch z.T. in der Münchner Frauenkirche zugeschrieben werden. Kistenfiger war zwischen 1496 und 1524 künstlerisch tätig. Das Fenster wurde im Jahr 1877 zum ersten Mal durch R.Jos.Bockhorn aus München renoviert. Darauf weist die Scheibe eines Glasfenstes unterhalb des Gemäldes hin. Die Renovierung finanzierten Johann und Theresia Eberl.

Figuren im Altarraum

An der südlichen Chorwand stehen Figuren der Heiligen Petrus (18.Jh) mit den einem versilberten und einem vergoldeten Himmelsschlüssel und einem Hahn zu seinen Füßen und Maria Magdalena mit den Attributen Kreuz und Totenschädel. St.Petrus hat -wie in den meisten Darstellungen dieses Heiligen seit dem 4.Jahrhundert - einen runden Kopf, einen grauen, krausen Haarkranz und einen Bart.

 


  
Petrus: Der Fischer Simon wurde gemeinsam mit seinem Bruder Andreas von Jesus in seine Jüngergruppe berufen. Er wird in den Evangelien häufig genannt. Die sog.Himmelsschlüssel, die der Künstler der Petrus-Darstellung in die Hand drückte, haben den Heiligen im Brauchtum zum Himmelspförtner gemacht. In der christlichen Symbolik repräsentieren die Schlüssel aber die Vollmacht auf Erden und im Himmel zu lösen und zu binden. Deshalb die beiden Schlüssel. Nach Matthäus 16,19 sagte Jesus zu Petrus: "Dir will ich die Schlüssel des Himmelreiches geben. Was du binden wirst auf Erden, wird gebunden sein im Himmel, und was du lösen wirst auf Erden, wird gelöst sein im Himmel". Diese Vollmacht wurde in weiterer Folge auf den Kreis der Jünger und den Klerus übertragen.
Der Hahn erinnert an die dreimalige Verleugnung Christi durch Petrus am Abend vor dem Kreuzestod. Nachdem Petrus abgestritten hatte, dass er Jesus kennt, krähte -wie von Jesus vorhergesagt- ein Hahn.
Maria Magdalena ist aus der Bibel bekannt. Sie wurde Jüngerin Jesu, nachdem der sie von Besessenheit befreit hatte (Luk. 8, 2). Magdalena sorgte für Jesu Lebensunterhalt (Luk.8,3). Sie war auch bei der Kreuzigung Jesu dabei (deshalb das Kreuz in der Hand); ihr erschien Jesus nach seiner Auferstehung (Joh 20,15-17). Ob es sich bei Magdalena auch um die namenlose Sünderin handelt, die Jesus die Füße salbte (Luk 7, 37 - 38), wie die Legenden behaupten, ist ungewiss. In der Frühzeit des Christentums wurden unter den in der Bibel genannten Magdalenas verschiedene Frauen verstanden; Papst Gregor d. Große (um das Jahr 600) hat aber in seinen Auslegungen erklärt, es handle sich um eine Person. Seither wird dies allgemein anerkannt und in der Kunst durch die Attribute Kreuz und Totenschädel als Zeichen für die Buße und die Umkehr mit ihr verbunden.


Choraltar / Hochaltar

Der Hochaltar ist barock. Er wurde 1677 von dem Pfarrer Wolfgang Welsch von Efertin an der Donau gestiftet. Die Weihe dürfte erst 1710 durch den Fürstbischof Johann Franz Eckher von Kapfing und Liechteneck (1695-1727) erfolgt sein. Jedenfalls ist dies so der Kirchenrechnung zu entnehmen ("Neuweihe von zwei Altären durch den Bischof von Freising 14 fl). Zum Zeitpunkt der Stiftung war eine solche Weihe nicht möglich, weil der damalige Fürstbischof Joseph Clemens von Bayern weder die Priester- noch die Bischofsweihe empfangen hatte.

Über dem Altarbild ist sein prächtiges Wappen angebracht (siehe Bild rechts). Zwischen der vergoldeten Verzierung mit Akanthusranken und dem eigentlichen Wappen liegt ein Spruchband: "Wolfgangus Italus, Theologiae Doctor Linz, AD 1681". Der aus dem Schmiedbauernhof in Amperpettenbach stammende Pfarrer übersetzte seinen deutschen Namen Welsch, der auf eine romanische Abkunft hindeutet, in Latein mit Italus.
Interessant ist ein Jahrtagsbrief aus dem Kloster Indersdorf (vom 10.11.1692), in dem von einer Stiftung in Höhe von 100 Gulden berichtet wird, die Wolfgang Welsch eingerichtet hatte. Aus ihren Erlösen sollte allen, die die Jahrtagsmesse für seine Verwandten in der Amperpettenbacher Kirche besuchten, eine Mittagssuppe gereicht werden. In der Kirchenrechnung von 1700 schlug sich dies in folgender Bemerkung nieder:
  "Absonderlich denen Welschischen befreunden, ds sie dem
  Gottsdienst beygewohnt, und der abgestorbenen Seell mit
  ihrem Gebett ingedenckh Gewesen, zu ainer Mittag Suppen
  obiger fundation Gemesß: 5 Gulden"
.

1938 hat Oberstabsarzt Dr. Hans Welsch aus Dachau, ein Nachfahre des Stifters, den Altar zum letzten Mal neu fassen lassen
Hochaltarbild: Glorie des hl.Leonhard
Das Hochaltarbild (1680) stellt die Glorie des hl. Leonhard dar. Der Heilige kniet im Ordenshabit auf einer Wolke. Er hält in seiner rechten Hand die Gefangenenketten. Ein Engel, der ihn zum Himmel emporführt, trägt seinen Abtsstab und ein Schriftband mit dem Text: "Per te rogo, o virgo afflictis et captivis" (durch dich bitte ich, o Jungfrau, für die Bedrängten und Gefangenen). Über der Szene thront die angesprochene Maria zwischen vielen Putten auf Wolken und hält dem Ankommenden das Jesuskind entgegen. Auf der Erde stehen dankbare Menschen, denen Leonhard geholfen hat. Links Bauern mit Pferden, rechts Gefangene.
  Hinweis: Leonhard (in Bayern einer der 14 Nothelfer) lebte um das Jahr 500 als Einsiedler und später als Abt in Frankreich. Regelmäßig besuchte er die Gefangenen und erreichte für viele beim König Clodwig I. ihre Freilassung. Deshalb galt er ursprünglich als Schutzpatron derer, "die in Ketten liegen", also der Gefangenen - und der Geisteskranken, die man bis ins 18. Jahrhundert ankettete; nach der Reformation wurde er Schutzpatron der Haustiere, weil man die Ketten, mit denen er abgebildet wurde, als Viehketten deutete. In Bayern erreichte die Leonhardsverehrung im 19.Jh ihren Höhepunkt. Man nannte ihn auch den bayerischen Herrgott. Am Leonhardstag, dem 6.November werden Leonhardiritte abgehalten und Tiersegnungen vorgenommen.


Assistenzfiguren

Rechts und links stehen die Figuren der beiden Ärztepatrone Cosmas und Damian. Sie sind als Universitätsprofessoren gekleidet; der hl. Cosmas scheint gerade seinen Schülern eine Vorlesung zu halten.
Cosmas   Damian

Der hl. Damian ist schon etwas traditioneller mit Apothekertiegel zu sehen. Die Figuren kommen uns wegen ihrer langen Kleidung als zu groß vor, haben aber die normale Körperlänge. Interessant ist der (wohl damals übliche) Professorentalar mit den vielen Knöpfen und Schließen.

In das Buch, das Cosmas in der Hand hält, hat ein Restaurator die Mitteilung geschrieben, dass die Figuren 1681 neu gemacht und im Jahr 1712 renoviert wurden.
  Hinweis: Die beiden Märtyrer Cosmas und Damian haben als Ärzte und Apotheker in Kilikien, dem heutigen Syrien gearbeitet und für ihre Dienste aus christlicher Überzeugung kein Geld genommen. Heilung sei gottgewollt, sagten sie. Deshalb haben sie den Beinamen "Anagyroi" (die umsonst arbeiten) bekommen. In der Christenverfolgung des Kaisers Diokletian im 4.Jh. wurden sie enthauptet. Ihre Häupter befinden sich übrigens in einem Reliquienschrein in der Münchner Michaelskirche.

Das Bild im Auszug des Hochaltars zeigt den hl. Martin, den Patron der Kirche, im Bischofsornat mit einer Gans im Arm. Erstaunlicherweise hat ihm der Künstler Stigmata (Wundmale) verliehen. Dass Martin stigmatisiert war, ist aus keiner der vielen Legenden bekannt. Flankiert wird das Bild von zwei Engeln im Stil des 17.Jh., die auf den Voluten sitzen.
St.Martin mit Gans
Hinweis: Martin ist eine historische Person. Er wurde gegen seinen Willen 371 auf Drängen des Volkes Bischof von Tours. Die Legende berichtet, er habe sich in einem Stall versteckt, um der Wahl zu entgehen, doch hätten ihn die Gänse durch ihr Schnattern verraten.
Auf dem marmorierten barocken Tabernakel (18.Jh) mit seinen vier gewendelten Säulchen und drei vergoldeten Muschelkalotten steht eine Figur des hl. Martin.
Damian
Sie zeigt den Kirchenpatron bei der Mantelteilung, der bekanntesten Legende des Heiligen. Martin sitzt zu Pferd und zerschneidet mit dem Schwert seinen Mantel in zwei Teile. Zu seinen Füßen kniet der Bettler, der die andere Mantelhälfte erhalten soll. Nach der Legende erschien dem Martin in der folgenden Nacht Christus mit dem verschenkten Mantelstück bekleidet: er war es, der Martin als Bettler prüfte.
Damian

 

Epitaphe

In der Chornordwand ist in Höhe des Hochaltars eine 101 x 64 cm große Steinplatte eingelassen, die an die Stiftung des Hochaltars durch Pfarrer Wolfgang Welsch erinnert:
 
"1677 - Hat der Wollehrwirdig, Edl und Hochgelehrte Herr Wolfgang Welsch der Heill. Schrifft Doctor unnd Pfarrer Zu Efferting disen Hoch-Althar Machen Lassen
1692 -Einen ewigen Jahrtag mit einem Gesungenem Requiem und Zwey Heillmessen Für sein Gesambte Freindtschafft, am Montag nach der Kürchl-weich alhie, darzu gestüfftet".
Im unteren Teil
der Tafel ist das Wappen des
Stifters
eingemeißelt.

Die Tafel wurde im Jahr 1981 restauriert.

Zwischen der Eingangstüre und der steilen Emporentreppe ist ein Epitaph (Grabplatte) aus Kalksandstein für Georg Neumair in
  

die Wand eingelassen (58 x 47 cm). Der Text auf der Steinplatte lautet:

"Anno 1661 starb der erbare Georg Neumair Alhieseliger welcher 1659 zu Trost seiner sellen und seiner gesambten Neumairischen Freindschafft sellige Alhie zu Betenbach ainen ebigen Jartag gestifft denen Gott gnedig und barmherzig sein wolle. Amen"

In unserer heutigen Sprache bedeutet dies:
"Im Jahr 1661 starb der ehrbare Georg Neumair selig, der 1659 zum Trost seiner Seele und aller Verstorbenen der Neumair-Verwandtschaft in Amperpettenbach eine Jahrtagsmesse gestiftet hat. Gott wolle all diesen gnädig und barmherzig sein. Amen."

Chorstuhl

Eine Kanzel war für die kleine Kirche zwar aus akustischen Gründen nicht notwendig; doch sie wurde um 1677 dennoch eingebaut, weil man sich damals eine Kirche nicht ohne Kanzel vorstellen konnte. Sie war an der Stelle des heutigen rechten Seitenaltars an der Wand angebracht und vom Turm aus begehbar. 40 Jahre später hat man bemerkt, dass die Kanzel das Raumbild und den Blick auf den Choraltar stört und entfernte sie wieder. Der Kanzelkorb wurde zu einem Chorstuhl umgewandelt. Ein 47 x 27 cm großes Ölbild des begeisterten Predigers Paulus mit Schwert erinnert noch an die ursprüngliche Bestimmung des Stuhles.
Hinweis: Ab dem 13. Jh. hat man Kanzeln gebaut, die zumeist seitlich im Mittelschiff ihren Platz haben, dort, wo die Gemeinde versammelt ist. Von hier aus konnten die Prediger auch von oben herab sprechen, was ihren Worten größere Wirkung verleihen sollte.

Die Kirche besitzt keinen Zelebrationsaltar.


Kirchenschiff / Langhaus

Das Netzgewölbe mit seinen schönen Rippen erstreckt sich auch auf das Langhaus. Deshalb sind hier weitere Gewölbeschlusssteine und Konsolenfiguren zu sehen. Die rundbogigen Fenster wurden in der Barockzeit zu ihrer jetzigen Größe ausgebrochen.


Seitenaltäre

Linker Seitenaltar
Die Kirche hatte früher nur einen Seitenaltar, der auf der Nordseite (links) stand. Aus den Kirchenrechnungen ist zu ersehen, dass im Jahr 1700 zwei Altäre durch den Bischof von Freising Johann Franz Eckher von Kapfing und Liechteneck (1694/1695-1727) geweiht wurden. Da der zweite Seitenaltar erst 1717 gestiftet worden ist, dürfte es sich um den Choraltar und den linken Seitenaltar gehandelt haben. Die Ausgaben für die Weihe und -wie es hieß- "weitere damit zusammenhängende Ausgaben" betrug erhebliche 14 Gulden; das war mehr als der Wert von 10 Kälbern.
Das 143 x 107 cm große Altarbild (Öl auf Leinwand) zeigt die hl. Ursula aus Köln (18.Jh). Die Heilige steht im Vordergrund. Ein Pfeil steckt ihn ihrem Hals. In der Hand hält sie die blutrote Kreuzfahne der Märtyrer. Freundinnen stützen die Todgeweihte. Eine der Gefährtinnen liegt von einem Pfeil niedergestreckt zu ihren Füßen. Engel halten den Lorbeerkranz und die Märtyrerpalme über sie. Im geöffneten Himmel schwebt die Heilig-Geist-Taube. Im Hintergrund der Szene sind der Rhein und die Stadt Köln zu sehen. Der Kölner Dom fehlt; er wurde ja erst 100 Jahre später fertig.
Ursulaaltar auf der linken Seite
  Hinweis: Ursula soll im Jahr 415 zusammen mit 11.000 Jungfrauen (u.a. auch Cäcilia,Odilia und Verena) nach der Rückkehr von einer Romreise in Köln von den Hunnen mit Pfeilen ermordet worden sein, nachdem sie sich geweigert hatte, die Geliebte des Hunnenkönigs zu werden.
Der Kranz war das Ehrenzeichen des siegreichen Athleten, z.B. bei den Olympischen Spielen der Antike in Form eines Gewindes aus Laub, Blumen u.ä. Das Christusmonogramm war in der frühen Kirche öfters von einem Kranz umgeben und bezeichnete so Christus als den Sieger über den Tod (daher häufig auf Sarkophagen) oder - da die siegreichen römischen Kaiser den Lorbeerkranz trugen - als Kyrios, den Herrn der Welt. Als Siegeszeichen gebührte der Kranz auch den Märtyrern.

Daneben spätgotische Figuren (mit barocken Königskronen) der Heiligen Margarete (mit einem Drachen=Lindwurm=Teufel zu ihren Füßen, den sie an einer Kette hält) und Barbara (mit einem Turm mit drei Fenstern) aus dem Ende des 15.Jh.

Ursulaaltar auf der linken Seite

 


Ursulaaltar auf der linken Seite

Hinweis: Margareta (+305) aus Antiochien ist eine legendäre Märtyrerin. Häufig wird sie mit einem Drachen abgebildet, weil ihr nach der Überlieferung der Teufel als ein riesiger Drache erschienen sein soll, um sie zu verschlingen. Aber Satan wurde zerbrochen durch das das Kreuzzeichen, das Margareta über ihn machte. Der Drache ist ein Wesen, das viele Völker in ihren Mythen (Lindwurm) kennen. In China gilt er als glücksbringend, bei uns im Westen als Bedrohung. Sein Name kommt vom Griechischen drakon = "furchtbar Blickender". Im Alten Testament wird er als Verkörperungen des Bösen bezeichnet. In der Apokalypse bedroht er die Frau, die gerade ein Kind geboren hatte. In der religiösen Kunst wird er häufig zusammen mit dem hl.Michael, dem hl. Georg und der hl.Margarete abgebildet. Bei frühen Darstellungen ist der Drache meist schlangenartig und oft mehrköpfig wiedergegeben, seit dem Spätmittelalter eher echsenförmig, oft mit Fledermausflügeln und feurigem Atem. Alte Drachen-Darstellungen sind Sauriern oft erstaunlich ähnlich, als ob es ein Urwissen von der Existenz dieser prähistorischen Tiere geben würde.
Barbara
ist eine legendäre Person. Das bildschöne Mädchen soll von ihrem heidnischen Vater, dem reichen Dioskuros von Nikomedia, während einer längeren Geschäftsreise in einen Turm geschlossen worden sein, um sie am Heiraten zu hindern. Barbara ließ im Turm ein Bad bauen, aber nicht wie vom Vater angeordnet mit zwei, sondern mit drei Fenstern, als Zeichen der Verehrung der Dreieinigkeit. Als der Vater zurückkam und merkte, dass sie Christin geworden war, ließ er sie geißeln, mit Keulen schlagen, die Brüste abschneiden und mit Fackeln brennen. Schließlich enthauptete der Vater die Tochter selbst, worauf er von Blitz getroffen wurde. Barbara gehört zu den 14 Nothelfern. Sie ist Patronin der Bergleute und -wegen des präzisen Blitzschlags- der Artilleristen.
Über dem linken Seitenaltar wurde in einer Nische mit gotischem Spitzbogen ein Kreuzigungsfresko -wohl aus dem 16.Jh.- entdeckt und im oberen Teil freigelegt. Es ist nun anstelle eines Altaraufsatzes über dem Altarbild zu sehen.

Rechter Seitenaltar Den rechten Seitenaltar stiftete 1717 der kaiserliche Rechnungsoffizier Franz Welsch (ein Verwandter des Stifters des Choraltars ?). Eine Steintafel berichtet: "1717 hat der edle Herr Franz Italus kaiserlicher Kriegsbuchhalteryi Rechnungsoffizier zu Wien dießen Seitenaltar mache lassen und einen eigenen Jahrtag gestifftet, deme Gott und allen christgläubigen Seelen gnädig sein wolle"; darunter das Ritterwappen der Welsch (Italus).
An dieser Südseite war früher die Kanzel angebracht. Deshalb sieht man über dem Gesims des Altares noch ein Stück der Kanzeltüre, die durch den Namenszug Mariens verdeckt ist. Hier auf diesem Altar stand noch im Jahr 1900 die Muttergottesstatue aus dem Jahr 1516, die heute im Kirchenschiff zu sehen ist.
Das jetzige Altarbild (Öl auf Leinwand, 158 x 90 cm) zeigt die beiden hl. Diakone Stephanus und Laurentius. Vor einem Säulenhintergrund sind sie in die kurzärmeligen und seitlich geschlitzten Gewänder der Diakone gekleidet. Laurentius (links) stützt sich auf einen Rost, Stephanus hält einen Stein in der Hand. Im oberen Bildteil ist die Hl.Dreifaltigkeit auf einem dunklen Wolkenband zu sehen. Jesus mit dem Kreuz, Gottvater mit der Weltkugel und darüber -in Gestalt einer Taube- der hl.Geist.
Altarbild rechter Seitenaltar - Laurentius und Stephanus
  Hinweise: Die Gestalt der Taube für die künstlerische Darstellung des Heiligen Geistes gründet sich auf den Bericht der Taufe Jesu im Neuen Testament. Danach fuhr der heilige Geist in leiblicher Gestalt auf ihn hernieder wie eine Taube (Lk, 3,22). Obwohl dies nur bedeutet, dass sich der Geist bewegte sich wie eine Taube, nicht aber aussah wie ein Vogel, hat man die Taube als Symbol für die sonst nur schwer greifbare dritte Person Gottes gewählt. Das Konzil von Nicäa im Jahr 325 hat dies sogar empfohlen. Papst Benedikt XIV verbot 1745 die Darstellung der dritten göttlichen Person in Menschengestalt, wie sie vereinzelt immer noch vorkam.
Stephanus
war einer der Diakone der urchristlichen Gemeinde in Jerusalem, die neben der Glaubensverkündigung auch für die sozialen Belange der Gemeinde zuständig waren. Sie hatten den Rang von Gemeindeleitern, die in ihrer Bedeutung nahe an die Apostel heranreichten. Durch eine seiner Predigten geriet Stephanus mit den Juden in Konflikt. Sie brachten ihn vor den Hohen Rat. Die in Apostelgeschichte 7, 2 - 53 wiedergegebene, eindrucksvolle Rede belegt, dass Stephanus noch vor Paulus den universellen Anspruch des Christentums verkündete. Stephanus wurde als Lästerer verurteilt und von der aufgebrachten Menge gesteinigt.
Laurentius war um das Jahr 250 einer der sieben Diakone in der Stadt Rom. Er sollte im Auftrag des Papstes den Kirchenschatz unter den Leidenden und Armen austeilen. Kaiser Valerian erhob Anspruch auf diese Schätze;als Laurentius sie nicht an ihn herausgab, ließ er ihn mit Bleiklötzen schlagen, zwischen glühende Platten legen und befahl schließlich, den Unerschütterlichen über stetig unterhaltenem Feuer auf einem Rost langsam zu Tode zu martern. Deshalb wird Laurentius mit dem Rost abgebildet. 
Im Aufsatz des rechten Seitenaltars ist in einem Bild die Muttergottes nach dem Bildtypus der sog. Passauer Madonna zu sehen. Dieses Bildnis ist in vielen Kirchen des Landkreises Dachau zu finden. Wenn Sie Interesse an der Geschichte dieses Madonnenbildnisses haben, das erstmals von Lukas Cranach gemalt wurde, klicken Sie hier...

Auf dem Altar steht die spätgotische Figur des hl. Sebastian am Marterbaum, von Pfeilen durchbohrt; sie wurde um 1520 geschnitzt. Nach Auffassung des Historikers Dr.Hartig sind Haltung und Haarform noch gotisch; im Übrigen sei bereits der Renaissancestil zu spüren. Denn, so Hartig, "der menschliche Körper ist geschickt anatomisch richtig behandelt und um diesen Körper war es dem Künstler in erster Linie zu tun".
  Hinweis: Sebastian soll nach der Legende im 3.Jh.ein Offizier der kaiserlichen Garde gewesen sein. Auf Befehl des Kaisers Diokletian wurde er wegen seines Glaubens mit Pfeilen durchschossen. Er erholte sich aber durch die Pflege von St.Irene, der Witwe des Märtyrers Kastulus, bekannte sich erneut zu seinem Glauben und wurde daraufhin mit Keulen erschlagen. Auf seine Anrufung hin, soll eine Pestepidemie abgewendet worden sein. Der heilige Sebastian wird deshalb als Pestpatron und -der Pfeile wegen- als Patron der Schützenbruderschaften verehrt.
St.Sebastian

Der Altartisch ist an manchen Festtagen mit einer Nachbildung des Gnadenbildes von Altötting (Ende 18.Jh) geschmückt. Maria trägt das bekleidete Jesuskind auf dem rechten Arm. In der Linken hat sie ein Zepter. Gekrönt ist die Muttergottes mit einer Krone in Form einer flachen Mütze. Das Jesuskind hält in seiner Hand einen Apfel, die Vorläuferform des Reichsapfels. Auf der Rückseite der Figur ein zerbrochenes Siegel mit "IHS".
Nachbildung des Gnadenbildes von Altötting
Der Apfel ist Sinnbild des Paradiesapfels und damit des Sündenfalls. Jesus nimmt den Apfel entgegen und überwindet durch seinen Tod die Erbsünde.
  Hinweis: Das aus Lindenholz geschnitze Gnadenbild von Altötting ist wohl um 1330 am Oberrhein entstanden und kam um 1360 als Geschenk des Zisterzienserkloster Raitenhaslach nach Altötting. Sie war wohl ursprünglich rosa bemalt. Wahrscheinlich ist die schwarze Farbe im Laufe der Jahrhunderte durch Nachdunklung des Holzes und durch den Kerzenrauch in der engen Kapelle entstanden. Manche Historiker glauben auch, dass sie bewußt gefärbt wurden und verweisen auf das Hohe Lied des Salomons aus dem Alten Testament: "Schwarz bin ich, doch schön". Schwarze Madonnen galten im späten Mittelalter als besonders wundertätig. Dies mag seinen Grund auch darin haben, dass die schwarzen Madonnen besonders alt sind und ihnen deshalb eine größere Anzahl von Erhörungen zugeschrieben werden kann.


Details per MouseklickEpitaph von 1661EmporengestühlKirchentüreKonsolenfiguren-FrauenKonsolenfiguren-MännerOpferstockGewölbeschlusssteinGewölbeschlussstein Vortragekreuz

Vortragekreuze

An den relativ neuen Kirchenbänken sind zwei Vortragekreuze, ein größeres mit barocken Kreuzformen und vergoldetem Korpus sowie ein Metallkreuz, bei dem sich an den Balkenenden des Kreuzes Bilder der vier Evangelisten befinden.

Opferstock

An den hintersten Bänken ist ein schöner Opferstock befestigt. Der obere Teil ist mit festen Eisenbändern umgeben und durch Schließen gesichert.
Opferstock
Ein aufgesetzter Bogen verhindert das "Fischen" nach Geldstücken oder Geldscheinen durch eine Einwurfschlitz. Der Opferstock ist mit "IS/1692" signiert und somit über 300 Jahre alt.
In den Kirchen des Landkreises Dachau gibt es viele unterschiedliche, außerordentlich interessante Opferstöcke. Wenn Sie sich dafür interessieren, klicken Sie hier....

Kirchenstühle

Die Kirchenbänke sechs bzw. vier Reihen beidseits des Mittelganges, stammen wohl aus dem 19. Jh. Sie sind braun lackiert.

  Hinweis: Schon vom Frühchristentum an bis in die neueste Zeit hinein knieten und saßen die Kirchenbesucher in den Kirchenbänken nach Geschlechtern getrennt. Damit sollte im Gotteshaus eine zu große "sündige" körperliche Nähe zwischen Männern und Frauen verhindert werden. Dies war in allen drei Hauptkonfessionen (Kath., Evang., Orthodox) so. In katholischen Kirchen sitzen gewöhnlich die Männer rechts und die Frauen links. Einen eindeutigen Grund für diese "Seitenwahl" gibt es nicht. Jedenfalls gilt im traditionellen Raumprogramm der Sakralarchitektur die Epistelseite als Männerseite und die Evangelienseite als Frauenseite. Seit dem letzten Konzil gibt es diese Trennung nicht mehr. Viele Pfarrer propagieren sogar das Gegenteil und bitten Familien, zusammenzubleiben. Dennoch sind auf der Frauenseite nur selten Männer zu finden. Weibliche Kirchenbesucher sind insoweit flexibler. Oft wurden auch die die Patrone der Seitenaltäre nach der Geschlechtszugehörigkeit ausgewählt: Seitenaltäre mit Christus oder einem männlichen Heiligen als Patron sind in der Regel rechts, Marienaltäre dagegen links zu finden. So auch in Amperpettenbach (links St.Margareta, rechts SS.Stefanus u.Laurentius).

 

Figuren im Kirchenschiff

 
An der Nordostwand ist -gut gesichert- eine spätgotische Marienfigur aus der Zeit um 1490 angebracht. Die Madonna dürfte ursprünglich in der Mitte eines gotischen Altarschreines gestanden haben. In barocker Zeit hatte man sie mit einer üppigen barocken Krone ausgestattet und wegen der besseren Passform dabei den oberen Teil des Kopfes abgeschnitten. Zudem wurde ihr ein Zepter in die Hand gegeben. In der Zeit um 1960/70 hat man diese barocke Krone durch die jetzige gotische Krone ersetzt. Dabei hat man auch das Zepter wieder entfernt. Das Jesuskind wurde im 18. Jahrhundert ganz neu geschnitzt. Die jetzige Fassung (Bemalung) hat wohl der Münchner Maler Eduard Simon angebracht.
Maria trägt unter ihrer Krone offenes Haar und ist in ein rotes Kleid und einen blau-goldenen Mantel gekleidet. Mit der rechten Hand rafft sie ihren Mantel. Das Jesuskind auf ihrem linken Arm (Herzseite) hält in seiner rechten Hand einen Reichsapfel.
  Hinweis: Der Apfel war schon im Altertum Sinnbild für den Kosmos, später auch für die Erde, nachdem man deren Kugelform erkannt und akzeptiert hatte. Der mit dem Kreuz versehene Reichsapfel in der Hand des Königs ist seit 1191 Teil der königlichen Insignien und symbolisiert den von Gott verliehenen Herrschaftsanspruch. Gleiches gilt auch für das Jesuskind. Hier kommt aber die weitere Bedeutung des Apfels als Paradiesapfel und Sinnbild für den Sündenfall hinzu: Jesus weist den Betrachter darauf hin, dass er durch seinen Tod die Erbsünde überwindet.

An der südlichen Seitenwand eine Figur des hl. Antonius von Padua in der Franziskanerkutte mit dem Jesuskind auf dem Arm.
  Hinweis: Der Heilige lebte im 13.Jh und war ein begnadeter Redner, der sich gegen die Sekten der Katharer, Albigenser und Waldenser wandte. Seine Fastenpredigten in Padua 1231 hatten einen sensationellen Erfolg: Die ganze Region schien wie umgewandelt: Schulden wurden erlassen, zerstrittene Familien versöhnten sich, Diebe gaben das gestohlene Gut zurück, unrechtmäßige und überhöhte Zinsen wurden den Schuldnern zurückerstattet. Bis heute gilt in Italien ein damals erlassenes Gesetz, dass niemand mit seinem Leben und seiner Freiheit für eine Schuld haften solle, sondern nur mit seinem Eigentum. Das Jesuskind auf seinem Arm ist Hinweis auf eine seiner Visionen. Antonius wird als Hilfe zum Wiederauffinden verlorener Gegenstände angerufen und gilt deshalb als "Patron der Schlamperer". Wahrscheinlich geht das zurück auf die Legende, nach der er einem Geizhals half, dessen Herz zu suchen und es in der Geldtruhe fand.

St.Antonius

 

Die Figur des Auferstandenen (Urständ Christi) an der Nordostwand, die nach dem Wappen im Sockel von Hans Ligsalz gleichzeitig mit dem Glasgemälde im Jahr 1516 gestiftet worden ist, ist sehr ausdrucksstark. Er hält die Siegesfahne in der linken Hand; seine Rechte hat er zum Segensgruß erhoben. Die Figur wurde 1654 (um 2fl 16 kr) erneuert und im Jahr 1938 neu gefasst (=bemalt). Im Wappen ist der Stulphut als Hinweis auf die Ligsalz'schen zu sehen.
Die Fahne gilt seit dem 10./11. Jh. als Zeichen des Sieges über den Tod. In der Barockkunst erfreute sie sich als Attribut großer Beliebtheit. Insbesondere in der Kunst des süddeutschen Raums gehört die dreispitzig endende Fahne (ähnlich dem karolingischen Königsbanner) zur Ostersymbolik.
Auferstandener
  Hinweis: Der Figurentypus des Auferstandenen entwickelte sich aus dem Erbärmde-Heiland. Dieser wiederum geht der Überlieferung zufolge zurück auf Papst Gregor den Großen, dem bei einer Messe über dem Altar die Leidenswerkzeuge Christi und der lebend aus der Grabkufe aufsteigende Schmerzensmann erschienen sein soll. Aus den Wundmalen habe sich das Blut in den auf dem Altar stehenden Kelch ergossen. Die Figur wird auch Erbärmdechristus oder lat.imago pietatis genannt. Der aufrecht stehende, mit einem Lendentuch bekleidete und oftmals die Dornenkrone tragende Christus zeigt seine Wunden. Aus dieser Darstellung des Erbärme-Heilands entwickelte sich der Salvator Mundi, der Welterlöser oder der Auferstandene mit der Siegesfahne in der Hand, dessen Gesichtszüge mehr die Glorie als die Schmerzen widerspiegeln.
Eine Kreuzigungsgruppe mit Jesus am Kreuz, Maria und Johannes darunter stehend. Das Kreuz steht auf einem Felsen, aus dem ein Totenschädel herausschaut. Der Schädel stellt die Gebeine von Adam, dem ersten Menschen dar.
  Hinweis: Laut apokryphen Schriften sollen durch das Erdbeben, das beim Tode Christi einsetzte, die Gebeine des "alten Adam" am Fuße des Kreuzes Christi zutage getreten sein. Der Schädel Adams findet sich deshalb in der christlichen Kunst häufig am Fuße von Kruzifixen. Die Apokryphen berichten weiter, dass Noah durch seinen Sohn Sem und seinen Enkel Melchisedek die Gebeine Adams aus der Bestattungshöhle hatte holen und zum Mittelpunkt der Welt, nach Golgatha, bringen lassen, um sie dort erneut zu begraben. Dabei soll sich die Erde von selbst in Form eines Kreuzes geöffnet haben. Nach der Typologie, der Lehre der Gegenüberstellung des NT (Antitypus) und des AT (Typus), bedeutet diese Darstellung der Gebeine Adams unterhalb des Kreuzes auch die Überwindung des Alten Bundes durch den Neuen Bund.
Eine Gipsfigur eines Jesuskindes aus dem beginnenden 20.Jh. Das Kind trägt ein graues Kleid mit den Initialen IHS. In der linken Hand hält es einen Kreuzstab, die rechte Hand hebt es segnend mit dem westlichen Segensgestus.
Hinweis: IHS das ist das Namenssymbol Jesu. Es kann auf zwei Arten gedeutet werden: Es sind einerseits die Anfangsbuchstaben des in griechischen Großbuchstaben geschriebenen Namens Jesu (JHSOUS); andererseits werden diese Buchstaben auch als Anfangsbuchstaben von "Jesus, hominum salvator" das bedeutet: "Jesus, Erlöser der Menschen" verstanden.
Der Kreuzstab gilt, seit Kaiser Konstantin d. Gr. ihn als Feldzeichen führte, als Symbol der Macht.
Der westliche Segensgestus besteht aus den gestreckten drei ersten Fingern und den zurück gebogenen restlchen beiden Fingern. Die drei gestreckten Finger weisen auf die Dreifaltigkeit, die beiden zurückgebogenen Finger auf die beiden Naturen Christi (göttlich und menschlich) hin.



Empore und Orgel

Die Kirche besitzt eine tiefe, manche meinen, eine für den kleinen Kirchenraum zu mächtige Empore. Die hohe Emporenbrüstung ist nicht bemalt; doch scheint nach dem Fleck in der Mitte früher eine Figur oder ein Bild dort angebracht gewesen sein.

Eine Orgel oder ein Harmonium sind nicht vorhanden.

Das Gestühl auf der Empore gehört noch zu der rustikalen Art, die früher in allen Landkirchen üblich war (Holzschragen) und dürfte aus dem 18.Jh stammen.


Nach einem Zeitungsbericht aus dem Jahr 1980 hingen in der Kirche auch Kreuzwegbilder, die im Jahre 1886 gemalt worden sein sollen.

Portal

   
Ein Schmuckstück ist auch die oben abgerundete Kirchentür aus Eichenholz mit ihren alten schmiedeeisernen Beschlägen und Türschlössern aus der Zeit um 1700.
Aus Sicherheitsgründen wurde außen noch eine Metalltüre mit modernen Sicherheitsschlössern davor gesetzt.
   


Die Kirche wurde 1938 und 1981/82 wieder restauriert. Restaurator und Kirchenmaler war Günter Stachl.
Damals wurden aus Sicherheitsgründen einige wertvolle Figuren aus der Kirche genommen. Unter anderem ist die wunderschöne Monstranz seitdem auswärts untergebracht.
Auch der 360 Jahre alte Kelch mit sechsblättrigem Fuss und sechskantigem Nodus ist nicht mehr in der Kirche. Am Fuss des Kelches sind die Worte: HANS ENDER 1642 und ein Münchener Goldschmiedezeichen "WR" eingraviert. WR verweist auf den Goldschmied Wolf Rieder von Esslingen, der in München 1639 als Mitglied der Goldschmiedezunft aufgeführt wird und 1690 gestorben ist. Hans Ender dürfte der Stifter gewesen sein.

Die Martinskirche in Amperpettenbach gehört seit 1984 zu den schutzwürdigen Kulturgütern im Sinne der Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten.

Hans Schertl


Lieber Besucher, Sie können sich Bilder aus der Kirche St.Martin in Amperpettenbach auch
als Diavortrag anschauen (nur bei eingeschalteter Script-Funktion). Klicken Sie hier....

Quellen:
Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50 (§ 411)
Anton Mayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874
Bezold/Riel, Kunstdenkmale des Königreichs Bayern, 1893

Hugo Straßer, "Nova et vetera de parochia Haimbhusiaria", 1901 (Umpfarrung, Glocken)
Theodor Bitterauf, Die Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (Nr.821, 1016)
Dr. M. Hartig, Die Kirchen des Dekanats Dachau, 1938
Kirschbaum, Lexikon der Christlichen Ikonographie, 1968
Das große Kunstlexikon von P.W. Hartmann
Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
Rudolf Goerge, Pferderennen im Amperland, Amperland 1972
Bauer/Rupprecht, Kunstwanderungen in Bayern südlich der Donau, 1973 (S.223)
Markus Bogner, Die Geschichte der Ortsteile von Haimhausen, Amperland 1974
Dachauer Nachrichten vom 23.5.1980 (Renovierung 80)
Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres 1560, 1986
Josef Bogner, Dorfkirchtürme im Amperkreis, Amperland 1989/1
Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV, 1990
Gottfried Weber, Die Romanik in Oberbayern, 1990 S.323
Susanne Fischer, Glasgemälde des späten Mittelalters, Amperland 1991/1
Markus Bogner, Chronik von Haimhausen, 1991 (Welsch)
Robert Böck,Wallfahrt im Dachauer Land, Bd 7 der Kulturgeschichte des Dachauer Landes, 1991 (MariaHilf)
Robert Böck, Kirchenrechnungen Landgericht Dachau, 1996 (Altarweihen 1710, Baumaßnahme 1689)
Hans Schnell und Karl Wilhelm, Die Glocken der Pfarrei Haimhausen, 2002
SZ vom 29.1.2003
Hans Schnell, Haimhausen, 2004
Karl Grüner, "Unten bauchig, oben spitz", Münchner Kirchenzeitung, v. 25.9.2005 und vom 2.10.2005
Sabine Remiger, Münchner Kirchenzeitung v. 3.9.2006 (Petrus)
Bayer.Hauptstaatsarchiv, Kloster Indersdorf, Lit.Nr. 221 (Jahrtagsbrief)
Bernhard Hülsebusch, Tagung zu Schwarzen Madonnen in Oropa/It, MKKZ v. 8.8.2010
Helmut Größ/Robert Böck, Pferderennenn in Pasenbach an St.Leonhard, HausHofHeimat-Vierkirchen, 10/2010
Eckart Bieger, Das Bilderlexikon der christlichen Symbole, 2011 (Osterfahne,Netzgewölbe)
57 Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Landkreis Dachau - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

28.2.2011

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Pferderennen
in Amperpettenbach
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Verzeichnis der
Kunstdenkmale
Bayerns 1893
Beschreibung 1901
von Kaplan Hugo Straßer