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Johann Andreas Wolff (1652-1716)

Andreas Wolff (auch Wolf) wurde am am 11. Dezember 1652 als einziger Sohn des Malers Jonas Wolff und seiner Frau Helena in München geboren. Der Vater war Mitglied der Malerzunft und erhielt Aufträge vom kurfürstlichen Hof. Andreas ging erst bei seinem Vater, dann für kurze Zeit beim kurfürstlichen Hofmaler und Bildhauer Balthasar Ableitner in die Lehre.

In den Jahren 1673 bis 1680 ist die Familie oft umgezogen. Dadurch konnte Andreas viele neue Kontakte knüpfen, die ihm bei seiner späteren künstlerischen Tätigkeit zugutekamen. Für die Anerkennung als Meister musste ein Künstler damals Wanderjahre vorweisen. Die sind bei Andreas Wolff nicht belegt. Auch eine abgeschlossene Ausbildung ist nicht nachweisbar, ebenso wenig wie ein Meisterstück. Dass Wolff aber dennoch eigenständige Arbeiten fertigen und verkaufen konnte, liegt nach Ansicht des Kunstexperten Kuno Schlichtenmaier daran, dass er wohl Schüler von Hofmaler Balthasar Prugger war. "Nikolaus Prugger hatte das kaiserliche Privileg erworben und durch Kurfürst Ferdinand Maria am 14. Januar 1658 bestätigt bekommen, daß seine Schüler von jeglichen Handwerksgewohn-heiten und Zunfteinschränkungen, wie etwa Meisterstücken, befreit waren und dieses Recht auch an eigene Schüler weitergeben konnten." Es wäre also tatsächlich möglich, dass Wolff durch Bekanntschaft und Ausbildung von Prugger unter dem Schutz des kurfürstlichen Hofes stand.
Nach dem Tod des Vaters 1680 führte die Mutter den elterlichen Betrieb weiter.
1688, im Alter von 36 Jahren, heiratete Andreas die Tochter des Bildhauers Neu aus Landshut. Zwei Söhne starben früh, zwei Töchter blieben am Leben. Drei Jahre später starb die Mutter von Andreas Wolff. Er übernahm ihre Handwerksgerechtigkeit (= Konzession).

Im Jahr 1693, mit 41 Jahren, erlitt Johann Andreas Wolff einen Schlaganfall, von dem er aber wieder genas. Der Künstler erhielt über mehrere Jahre zahlreiche Aufträge vom Freisinger Fürstbischof Johann Eckher von Karpfing und Liechteneck. So war er nicht nur Hofmaler des bayerischen Kurfürsten Max Emanuel, sondern auch "Hochfürstlicher Hofmaler und Kammerdiener" des Freisinger Fürstbischofs.
1701 errichtete Wolff mit bischöflicher Genehmigung eine Hauskapelle. Grund war wohl eine schwere Krankheit der Frau, die aber noch bis 1710 lebte.
Wolff heiratete danach nicht mehr.

Der Künstler zeichnete sich durch seine Altarbilder aus. In fortgeschrittenem Lebensalter verfasste er neben der Malerei auch Gutachten oder lieferte Entwürfe für Bauvorhaben: Nach seinen Plänen und seiner Leitung wurde die Prämonstratenser-Abtei zu Schäftlarn an der Isar erbaut.

Wolff war in zahlreichen Orten Bayerns, Schwabens und Österreichs künstlerisch tätig. Seine Werke sind/waren in folgenden Orten zu finden:
  München, Augsburg, Dießen, Altomünster, Indersdorf, Albersbach, Passau, Haimhausen (Schlosstreppe), Freising, Fürstenfeld, Erding, Andechs, Vilsbiburg, Regensburg, Benediktbeuern, Straubing, Landshut, Berg am Laim, Waldsassen, Kempten, Buxheim, Salzburg, St. Florian, Kremsmünster, Göttweih, Innsbruck, Linz.
Zu seinen Schülern gehörten Johann Degler, der die Vorlage für die Ausmalung des Kirchenschiffs in Straßbach lieferte und in der Klosterkirche Indersdorf tätig war, sowie Johann Georg Bergmüller, der das Deckengemälde in der Haimhausener Schlosskapelle schuf.

Wolff wird als ruhiger, freundlicher Zeitgenosse beschrieben, der nur viel sprach, wenn von der Kunst die Rede war. Beim Malen war er sehr sorgfältig; er zeichnete ein Bild meist zwei bis dreimal bevor er es malte.

Seine Altarbilder "lassen überall eine schwere, dramatische Komposition voll Wucht und Gedrängtheit erkennen. Eine begeisterte religiöse Inbrunst spricht aus ihnen, verhalten glühen warme Farben aus dunklem Grund. Das Martyrium wird zwar in all seiner Grausamkeit gezeigt, aber es leuchtet die Erscheinung himmlischen Trostes hinein", schreibt Spindler im Handbuch der Bayerischen Geschichte über Wolffs Werke zu lesen.

Auf seinen Altarbildern ist im Vordergrund fast immer ein großer Engel zu sehen. Typisch für Wolf ist auch die gerade Form der Nasen der gemalten Personen. "Wolff verwendet eine breit gefächerte Farbigkeit von bunten, intensiven bis zurückhaltenden, von dunklen bis hellen und von warmen bis kühlen Farben", schreibt Sabine Jasek (siehe Quellen).

Typisch für Wolff ist der Faltenwurf bei den Gewändern der von ihm dargestellten Personen.
"Es sind feine Geschlinge von schmalen Falten, deren Grate mittels eines zusätzlichen, teilweise sogar andersfarbigen, festen Pinselstrichs nochmals betont werden. Im Indersdorfer Altarbild kann dieser Faltenwurf bei den großen Engeln erkannt werden. Der rechte Trageengel trägt ein Tuch um seine Schultern, dessen Knoten am linken Oberarm im Licht erscheint. Der violette Stoff der Falten hat weiße Betonungen. Weiters trägt die Engelsfigur hinter Jesus ein weißbläuliches Gewand mit orangegelblichen Falten.


in Albersbach


Indersdorf - Altarblatt


Indersdorf-Barbaraaltar

Indersdorf-Annaaltar
Andreas Wolff starb am 9. April 1716 in München; sein Grabstein erhielt die Aufschrift:
    "In diesen dreien Begräbnissen ruhen in Gott Herr
     Jonas Wolf, Bürger und Hofmaler allhier, ist im
     Herrn entschlafen den 28. August 1680; dessen
     Hausfrau Maria Helena, geborne Schönin, ist
     verschieden den 15. October 1691. Dann auch
     Johann Andre Wolf, in Baiern und Freising
     Hofmaler etc., dessen Seel Gott befohlen, den
     9. April 1716; wie auch dessen liebste Hausfrau
     Maria Eva Katharina. Requiescant in pace".
Der Grabstein ist allerdings verloren gegangen.

"Wolff hinterließ seinen beiden Töchtern keine große Barschaft, aber einen großen Vorrat an Hand-zeichnungen und unvollendeten Gemälden" schrieb Schlichtenmaier.

Die Büste von Andreas Wolf steht in der Münchner Ruhmeshalle hinter der Bavariafigur.


Quellen:
Sabine Jasek, Diplomarbeit Die Hochaltarbilder von Johann Andreas Wolff, Uni Wien, 2013 (Hauptquelle)
http://personen.digitale-sammlungen.de/pnd/bsb00000274_00436-01.html
http://www.zikg.eu/projekte/projekte-zi/johann-andreas-wolff
de.wikipedia.org/wiki/Johann_Andreas_Wolf
Spindler, Handbuch der Bayerischen Geschichte Teil 1

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

15.2.2015