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Barbara-Altar in der Klosterkirche von INDERSDORF

Martyrium der hl.Barbarazum Foreriusbild


B
eschreibung

Der Altar wurde 1710 aufgestellt und -anders als die vier vorderen Seitenaltäre- bei der Rokokoausstattung 1755 nur geringfügig verändert.
Lediglich der Altarauszug und das Antependium wurde neu angebracht. Die sechs Säulen blieben erhalten.

In dem 1730 entstandenen Altarauszug ist Maria Magdalena dargestellt. Sie wurde Jüngerin Jesu, nachdem der sie von Besessenheit befreit hatte (Luk. 8, 2). Magdalena sorgte für Jesu Lebensunterhalt (Luk.8,3). Sie war auch bei der Kreuzigung Jesu dabei; ihr erschien Jesus nach seiner Auferstehung (Joh 20,15-17).

Das große Altarblatt des Barbara-Altares ist künstlerisch besonders wertvoll; es stammt von Hofmaler Andreas Wolff (1715, sign.), der auch die Hochaltarblätter geschaffen hat.

Auf dem Bild erwartet die vom himmlischen Gnadenstrahl erfasste Heilige den Schwertstreich, zu dem ihr grimmig dreinschauender Vater ausholt. Im Himmel halten Putten den Kelch, den Märtyrerpalmzweig und einen Blumenkranz bereit.

Im Hintergrund der Barbaraturm mit den drei Fenstern.

Die immergrünen Blätter des Palmzweigs symbolisieren das ewige Leben und den Sieg des Glaubens über das Heidentum. Die über 20 m hohe Palme mit dem elastischen, allen Stürmen standhaltenden Stamm galt seit alters her als Sinnbild für Sieg und Standhaftigkeit.

Hinweis: Barbara ist eine legendäre Person. Das bildschöne Mädchen soll von ihrem heidnischen Vater, dem reichen Dioskuros von Nikomedia, während einer längeren Geschäftsreise in einen Turm geschlossen worden sein, um sie am Heiraten zu hindern. Barbara ließ im Turm ein Bad bauen, aber nicht wie vom Vater angeordnet mit zwei, sondern mit drei Fenstern, als Zeichen der Dreieinigkeit.

Als der Vater zurückkam und merkte, dass sie Christin geworden war, ließ er sie geißeln, mit Keulen schlagen, die Brüste abschneiden und mit Fackeln brennen. Schließlich enthauptete der Vater die Tochter selbst, worauf er von Blitz getroffen wurde. Wegen dieses präzisen Blitzschlags wurde sie Patronin der Artilleristen.
Barbara gehört zu den 14 Nothelfern. Sie ist auch Patronin der Bergleute, denn der Legende nach wurde sie auf der Flucht von einem Felsen geschützt, der sich öffnete und sie verbarg.

Der Kelch mit der Hostie versinnbildlicht die einem Sterbenden gereichte letzte Kommunion (Viatikum) und verweist auf die Funktion als Sterbepatronin.Vor dem Tod hatte Barbara Gott öffentlich gebeten, dass alle, die der Passion Christi gedenken, vom Gericht Gottes verschont werden mögen.

Zahlreiche Volksbräuche zeigen ihre Verehrung: Zweige werden an ihrem Gedenktag als "Barbarazweige" von Apfel- oder Kirschbäumen abgeschnitten und ins Wasser gestellt, blühen meist am Weihnachtsfest. Dieses Brauchtum soll auf Barbaras Gefangenschaft zurückgehen: sie habe einen verdorrten Kirschbaumzweig mit Tropfen aus ihrem Trinknapf benetzt; in den letzten Tagen ihres Lebens, schon im im Bewusstsein ihres Todesurteils, fand sie Trost darin, dass der Zweig in ihrer Zelle blühte. Die Barbarzweige sind übrigens die Rosen im Lied "Es ist ein Ros entsprungen..", die auf den Erlöser hinweisen.

Bild an der Predella

Den Altartisch schmückt ein 1730 entstandenes Bild des Augustinerchorherrn St.Petrus Forerius/Fourier (1565-1640) auf dem Totenbett im prächtigen Rokokorahmen.

Der Sterbende hält ein brennendes Herz in der Hand, das gleiche Attribut wie auf Darstellungen des hl.Augustins, des Ordensgründers. Die Indersdorfer Chorherren wollen damit deutlich zeigen, dass der neue Selige aus dem Augustinerorden kommt, also einer der ihren ist.
Das Bild entspricht in Form und Größe dem Bild von Johannes Nepomuk auf dem Ursulaaltar auf der gegenüberliegenden Seite. Petrus Forerius war 1730 gerade selig gesprochen worden.
Auf dem Bilderrahmen befindet sich eine kleine Reliquienkapsel mit Teilen des Rochetts, des Schulterumhangs, vielleicht auch mit Gebeinen dieses damals Seligen (Bild rechts). Text: "Rochetö B.Petri For" und "Tumba B.Petri".
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  Hinweis: Petrus Forerius, auch Pierre Fourier genannt (1565- 1640) war ein französischer Priester und Augustiner-Chorherr im Stift Chaumousey in Burgund. Als Zwanzigjähriger trat er in das Augustiner-Chorherren-ein. Auf seine Priesterweihe 1589 in Trier folgten weitere Jahre der theologischen und juristischen Studien. Konflikte mit Mitbrüdern bewogen ihn, 1597 die Stelle eines Pfarrers in Mattaincourt anzunehmen, wo er 40 Jahre lang blieb. Neben seinem priesterlichen Wirken waren hier vor allem seine karitativen und sozialen Maßnahmen bemerkenswert, durch die er die verwahrloste Pfarrei völlig umformte. Fourier richtete eine Volksküche ein und übernahm die Funktion einer Ortspolizei und eines Schiedsmannes. Zur Lebenssicherung der Menschen gründete er eine Darlehenskasse. Gemeinsam mit der seligen Alix Le Clerc gründete er 1597 die Kongregation der Chorfrauen Unserer Lieben Frau, die für die weibliche Jugend Freischulen einrichtete. Auch die Gerhardinger-Schulschwestern (Schulen am Anger in München) leben nach diesen Regeln. Der Leitspruch von Forerius lautete: Omnibus prodesse, obesse nemini (Allen nützen, niemanden schaden). Forerius wurde 1897 heilig gesprochen. Sein Sterbetag, der 9. Dezember, ist sein Gedenktag. 60)

 


Quellen:
siehe Hauptseite

3 Bilder: Hans Schertl

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14.3.2015