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Annakapelle in der Klosterkirche von INDERSDORF

Beschreibung

Die Anna-Kapelle wurde als Ersatz für die im Münchner Haus des Klosters Indersdorf verloren gegangene Annakapelle in Form einer Seitenkapelle der Klosterkirche errichtet. Das Münchner Haus musste an die Kurfürstin verkauft werden, die dort eine Niederlassung für den Orden der Salesianerinnen gründete.

Die Kapelle ist von einem Kreuzgewölbe überdeckt, das mit einem Taufbild bemalt ist (die Annakapelle war die Taufkapelle).
Reich gestaltet ist der auf gewundenen Säulen gestützte Altar der Annakapelle am nördl. Seitenschiff. Er wurde zwischen 1721 und 1728 aufgestellt und (so Chronist Penzl) im Jahr 1734 "golden und farbig gefasst". Dieser Altar hat sich als einziger Seitenaltar unverändert erhalten.

Das Altarbild von Hofmaler Andreas Wolff (um 1691 gemalt) zeigt die hl.Mutter Anna und die kleine Maria beim Lesen des Bibeltextes vom Propheten Isaias: "Siehe, die Jungfrau wird empfangen". In dem kleinen Kind, das zwischen zwei Strahlen, die vom Hl. Geist ausgehen, auf Maria herabschwebt, ist die unbefleckte Empfängnis versinnbildlicht. Gottvater hält eine Weltkugel in der Hand, auf der der Sündenfall Adams und Evas zu sehen ist. Der Künstler verbindet so den Sündenfall im Paradies mit der Sündenlosigkeit von Maria und Jesus.

Im Auszug beschützt der hl. Florian das Kloster vor Feuersgefahr. Er ist in eine römisches Soldatengewand gekleidet. In der rechten Hand gießt der Wasser aus einem Schaff. Im Hintergrund ist eine Kirche mit zwei Türmen zu sehen. Dieses Bild wurde (nach Chronist Penzl) vom kurf. Hofmaler Franz Joseph Winder (Winter) gemalt.

  Florian war um das Jahr 304 Offizier der zweiten italienischen Legion des römischen Heeres. Er war in St.Pölten in Oberösterreich stationiert. Nachdem der Christ geworden war, trat er aus der Armee aus. Wegen seines Glaubens wurde er verhaftet und nach vielen Martern mit einem Mühlstein um den Hals in die Enns geworfen. Florian ist der erste österreichische Märtyrer und Heilige. In seiner Jugend soll er ein brennendes Haus durch sein Gebet gerettet haben; aber erst im 15. Jh setzte sich diese Überlieferung durch, die heute seine Bedeutung als Schutzpatron vor Feuersgefahr begründet .

Auch am Tabernakel stehen viele gewundene Säulchen. Sie verbinden ihn mit Reliquienbehältern zu beiden Seiten. In ihnen befinden sich neben den Reliquien auch vier sog. "Agnus Dei", Medaillons aus Wachs. Der Tabernakel ist von einer Nische überragt, in der eine Muttergottesfigur steht. Überdeckt ist er von einer baldachinförmigen Kuppel.
Die großen Engelsfiguren, die zu beiden Seiten des Tabernakels angebracht sind, stellen nicht nur eine Verzierung dar. Sie sind auch auf die Gestaltung der Bundeslade der Israeliten in biblischer Zeit zurückzuführen, die als Vorgängerin des Tabernakels angesehen wird. Die Bundeslade war von zwei Engeln (Cherubim) eingerahmt; sie mussten aus Gold bestehen (Ex, 37,7-9).


In der Annakapelle steht der spätgotische Taufstein mit den Figuren des hl. Johannes und Jesus.  

  Hinweis: Die Taufe der frühen Christen fand ursprünglich im Freien statt, überall dort, wo fließendes oder stehendes Wasser vorhanden war. Mit der Verlegung der Taufe in den Kircheninnenraum schuf man dort eigene Taufbecken. Als sich im 11.Jh die Praxisder Kindertaufe weitgehend durchsetzte, begann man mit der Errichtung erhöhter Taufgefäße; die Bodenbecken erwiesen sich für die Kindertaufe als weniger geeignet.Das Taufbecken ist meist aus Stein. Es hat in der Regel eine achteckige Form, weil die Zahl acht und das Achteck als Symbol für Erneuerung, Wiedergeburt und Herrschaft angesehen werden. Taufbecken und Deckel sind meist mit ornamentalem oder architektonischem Zierrat geschmückt. In der Barockzeit wurde auf dem Deckel häufig die Taufe Jesu figürlich dargestellt. Sie ist Vorbild für das Taufsakrament und geht auf Empfehlungen des Konzils von Trient (1545 bis 1563) zurück.
Außerhalb der Osterzeit hat in der Annakapelle auch die Figur des Auferstandenen ihren Platz. Jesus ist mit einem weiten, faltenreichen Purpurgewand bekleidet, das den Blick auf die Seitenwunde ermöglicht. In seiner Linken hält er die Siegesfahne; seine Rechte ist segnend erhoben. Die Fahne gilt seit dem 10./11. Jh. als Zeichen des Sieges über den Tod. In der Barockkunst erfreute sie sich als Attribut großer Beliebtheit. Insbesondere in der Kunst des süddeutschen Raums gehört die dreispitzig endende Fahne (ähnlich dem karolingischen Königsbanner) zur Ostersymbolik.

Hinweis: Der Figurentypus des Auferstandenen entwickelte sich aus dem Erbärmde-Heiland. Dieser wiederum geht der Überlieferung zufolge zurück auf Papst Gregor den Großen, dem bei einer Messe über dem Altar die Leidenswerkzeuge Christi und der lebend aus der Grabkufe aufsteigende Schmerzensmann erschienen sein soll. Aus den Wundmalen habe sich das Blut in den auf dem Altar stehenden Kelch ergossen. Die Figur wird auch Erbärmdechristus oder lat.imago pietatis genannt. Der aufrecht stehende, mit einem Lendentuch bekleidete und oftmals die Dornenkrone tragende Christus zeigt seine Wunden. Aus dieser Darstellung des Erbärme-Heilands entwickelte sich der Salvator Mundi, der Welterlöser oder der Auferstandene mit der Siegesfahne in der Hand, dessen Gesichtszüge mehr die Glorie als die Schmerzen widerspiegeln.

Krippe

In der Weihnachtszeit ist in der Annakapelle eine Krippe mit über 60 cm hohen Figuren aufgestellt. Die Figuren werden regelmäßig verändert und zeigen insgesamt sieben Einzelereignisse aus dem Leben Jesu, darunter Maria Verkündigung, der Besuch Mariens bei ihrer Base Elisabeth, die Herbergsuche, Geburt Christi, die Hl.Dreikönige, Flucht nach Ägypten. Um die Krippe kümmert sich seit 20 Jahren Hans Hillreiner, unterstützt von Georg Ostermeier und Georg Harrer. Die Mauern, der Stall und die Mooshütte wurden in vielen Arbeitsstunden selbst gebaut. Allein das Aufstellen der Figuren dauert jeweils 3 Stunden.
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Hans Schertl

Quellen:
siehe Hauptseite
4 Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Landkreis Dachau - virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

21.4.2008