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Antonius-Altar in der Klosterkirche von INDERSDORF


Am Mittelpunkt des Antonius-Altars ist seit der Restaurierung von 1907/1908 ein ikonographisch interessantes Wandbild des Stammbaums Jesu mit dem Gekreuzigten und seiner Mutter Maria (um 1450). Es stammt aus der Blütezeit des Stifts unter den Pröpsten Erhard Prunner (1412-1442) und Johann Rothuet (1442-1470).

Maria sitzt vor dem Kreuz, aus ihrem Herzen wächst der Baum des Lebens (arbor vitae) empor, der an dieser Stelle das Kreuz bildet. Unten ihre Eltern Anna und Joachim.

Zwei Engel öffnen einen Vorhang um den Blick auf das Altarblatt freizugeben.

Seit alters her wird das Kreuz Jeus mit dem Lebensbaum verglichen. In der Kunst wird das häufig so wie in Indersdorf durch das Knospen des Kreuzesstamms zum Ausdruck gebracht.

Auf dem Altar ist ein Schrein mit den Gebeinen des Martyrers Luzius angebracht. Unter dem Reliquien soll sich auch ein Zahn des hl. Antonius von Padua befinden.

Das frühere Altarblatt mit dem Bild des hl. Antonius und einem runden Reliquiar im oberen Teil hängt nun an der Wand des südlichen Seitenschiffs. Es ist von einem prächtigen Rokokorahmen umgeben.

Abgebildet ist der hl. Antonius im braunen Franziskanergewand. Die Farbe Braun steht in der Tradition für Demut und Bescheidenheit. Auf seinem Arm sitzt das Jesuskind das sich zärtlich an ihn schmiegt. In der rechten Hand hält Antonius eine Lilie.
Weiße Lilien gelten seit dem Mittelalter als Symbol für Reinheit und Keuschheit. St.Mechthild von Magdeburg betete im 13.Jh: "empfange Herr, deine Bräute und begegne ihnen mit den Lilien der lauteren Keuschheit alle ihre Tage"

  Hinweis: Antonius lebte im 13.Jh zur gleichen Zeit wie Franziskus und trat in dessen Orden ein. Er war ein begnadeter Redner, der sich gegen die damaligen Häretiker (Katharer, Albigenser und Waldenser) wandte. Seine Fastenpredigten in Padua 1231 hatten einen sensationellen Erfolg, denn die ganze Region schien danach wie umgewandelt: Schulden wurden erlassen, zerstrittene Familien versöhnten sich, Diebe gaben das gestohlene Gut zurück, unrechtmäßige und überhöhte Zinsen wurden den Schuldnern zurückerstattet. Bis heute gilt in Italien ein damals erlassenes Gesetz, dass niemand mit seinem Leben und seiner Freiheit für eine Schuld haften solle, sondern nur mit seinem Eigentum. Antonius wird als Hilfe zum Wiederauffinden verlorener Gegenstände angerufen und gilt deshalb als "Patron der Schlamperer". Dies geht auf zwei Legenden zurück: Als ihm ein Manuskript gestohlen worden war, betete er so lange, bis der Dieb damit zurückkehrte. Schöner ist die zweite Legende, nach der er einem Geizhals half sein Herz zu suchen und es in einer Geldtruhe fand. Die Darstellung mit dem Jesuskind auf seinem Arm ist bei uns erst seit dem 17.Jh verbreitet; sie verweist auf eine seiner Visionen, die er beim Bibellesen hatte. Dabei war ihm das Jesuskind erschienen.

Hans Schertl


Quellen:
siehe Hauptseite
3 Bilder: Hans Schertl

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11.1.2012