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Pfarrkirche St. Georg in Großinzemoos

Kruzifix
85244 Röhrmoos, Sigmertshauser Straße 4
Lage der Kirche auf der Landkarte...


Kurzbeschreibung

Großinzemoos und seine Kirche werden erstmals im Jahre 779 schriftlich erwähnt Damals übergab "Der Edle Meginolt aus Inzemoos dem Bischof Aribo von Freising ein "Betkirchlein". In spätromanischer Zeit, um 1300, wurde eine neue Kirche errichtet, von der der Turm noch erhalten ist.
Im 30jährigen Krieg (1632) und im Spanischen Erbfolgekrieg (1704) wurde die Kirche eingeäschert und musste jeweils wieder aufgebaut werden.
1859 hat man das Kirchenschiff niedergelegt und völlig neu im damals üblichen neugotischen Stil gebaut. Davon zeugen außen die Friese unter dem Dach und auf der Westseite sowie die Maßwerkfenster (siehe Bild rechts).

neugotisches Fenstermaßwerk
oben Vierpassfenster

An der Südseite von Turm und Kirche sind verschiedene Grabsteine (Epitaphe) in die Mauer eingelassen. Sie sind meist für ehemalige Pfarrherrn von Großinzemoos angefertigt worden.Im Erdgeschoss des kräftigen Turms mit Satteldach ist der gewölbte Altarraum untergebracht (Chorturmkirche). Der Turm wurde 1949 um 3 Meter erhöht. In ihm hängen drei Glocken.

Innenausstattung

Beim Neubau des Kirchenschiffs im Jahr 1859 wurde auch das gesamte Kircheninnere neu ausgestattet. An die Stelle der barocken Altäre traten neugotische Altaraufbauten. Die meisten Figuren stammen aber noch aus der Barockzeit.

In der Mittelnische des dreiteiligen Hochaltars ist die Hl.Dreifaltig-keit zu sehen. In den Außennischen stehen Figuren des hl. Georg mit Spieß in der Hand und eines Bischofs, bei dem es sich um St.Wolfgang oder St.Benno handeln könnte.

Die Seitenaltäre sind der Muttergottes (Figur mit Jesuskind vor Strahlenkranz) und dem hl.Josef (mit Jesuskind und Lilie)geweiht.

Die Figurenausstattung entspricht dem bäuerlichen Umfeld:
- St. Florian,
- St. Leonhard (mit Viehketten)
- St.Petrus als Halbfigur am Altar (mit Himmelsschlüssel)
- St. Georg als Kind, bekämpft auf einem Pferd sitzend den Drachen
- St. Antonius (mit Jesuskind und Rosenkranz)
- Geißelheiland (an die Säule gefesselt)
- Maria Magdalena als Halbfigur am Altar (mit Salbbüchse).

KreuzwegbilderKirchenbank-WangenHolzdeckeMuttergottesder kleine St.GeorgTaufsteinfigurBenno oder WofgangHeilige DreifaltigkeitST.GeorgSt.JosefKreuzwegbilderMaria MadgalenaSt.PetrusKirchenbank-WangenAuferstandener
Vergrößerung von Details (Figuren, Decke, Taufstein)per Mouseklick

Der Taufstein aus Rotmarmor stammt aus dem 18.Jh. Auf dem Holzdeckel steht eine sehr gute Figur von Johannes dem Täufer mit Kreuzstab und Taufschale.

Das Erscheinungsbild der Kirche wird sehr stark von der Holzbalkendecke mit verzierten Holzplatten geprägt. Auch die Emporenbrüstung ist in ähnlicher Weise bemalt.

Die kleine Pfarrei Großinzemoos umfasst die Filialen Kleininzemoos und seit 1953 auch Sigmertshausen, das früher zu Röhrmoos gehörte. Die Pfarrei bildet mit Röhrmoos, Schönbrunn, Ampermoching und Hebertshausen einen Pfarrverband.
Gottesdienstzeiten erfahren Sie hier....


Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen


Geschichte:  Erste Kirche  Matrikel 1524  Visitation 1560  30jähriger Krieg  Matrikel 1738
 Neubau 1859  Beschreibung 1874      
Ausstattung:  Altarraum  Baubeschreibung  Choraltar  Empore   Epitaphe
   Figuren im Schiff  Heiliges Grab  Kanzelkreuz  Kirchenschiff  Kirchenbänke
   Kreuzweg  Leichenhaus  Orgel  Reliquien  Seitenaltäre
   Taufstein      Gottesdienstzeiten  

Der Name Großinzemoos, früher nur Inzemoos, soll sich vom "Moos des Ince", dem Namen des ersten Ansiedlers, ableiten.

Geschichte

Erste Kirche

Großinzemoos und seine Kirche werden schon sehr früh schriftlich erwähnt. In den Freisinger Traditionen, einer Urkundensammlung, befindet sich ein das Dokument Nr.97b, aus dem hervorgeht, dass der Edle Meginolt am 17.Juni 779 dem Bischof Aribo von Freising die Schenkung eines (sicherlich holzgezimmertes) Betkirchlein aus seinem freien Eigentum in Incinmos bestätigt hat.  Später hat ein Sohn des Meginolt, der Clericus (=Priester) Hahfrid diese Schenkung mit Urkunde vom 11.April 816, ausgestellt in Ampermoching, erneuert.   
mehr zu
frühmittelalterlichen Kirchen..

In romanischer Zeit wurde eine Kirche aus Stein errichtet. Man geht davon aus, dass jedenfalls der massige Turm aus der Zeit um 1300 stammt. Damals baute man bevorzugt Chorturmkirchen, d.h., der Altarraum ist im unteren Teil des Turmes untergebracht. In der Konradinischen Matrikel von 1315, der Auflistung aller Pfarreien im Bistum Freising, ist die Pfarrei Inzemoos, im Gegensatz zu Röhrmoos und Sigmertshausen aber nicht enthalten.


Sunderndorfer'sche Matrikel von 1524
Erst die Sunderndorfer'sche Matrikel von 1524 erwähnt die Pfarrei unter der Bezeichnung "Inntzenmoss". Patron war schon damals der hl.Georg. Pfarrer war Georgius Neidlinger, die Seelsorge leitete Vikar Joannes Fabri. Sie hatte nur eine Filialkirche, in "Klein-Intzemoss". Die Pfarrei war klein, sie hatte nur 53 Communicantes, d.h. Gläubige über 10 Jahren.


Visitationsbericht von 1560
Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation, eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet. Die Visitation wurde durch bischöfliche und durch herzogliche Bevollmächtigte durchgeführt. Grund war die durch die Reformation Luthers (1517) entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen des Bistums zur Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte. Durch die Visitation wollte der Bischof einen detaillierten Einblick in die religiöse Situation der Pfarreien gewinnen. Insbesondere sollte festgestellt werden, ob die Pfarrer und die Gläubigen noch die katholischen Lehre vertraten oder der neuen Lehre anhingen. Daneben interessierte die Prüfer die Lebensführung der Pfarrer sowie Umfang und Qualität ihrer religiösen Kenntnisse. Im Bericht über die Pfarrei Großinzemoos heißt es, die Pfarrei habe nur 80 Communicanten, alle gut katholisch. Das Volk besuche gerne den Gottesdienst und bleibe dort auch bis zum Ende. Lediglich das Einkassieren des Zehents von den Bauern sei mühsam. Die Kirche wird als baufällig beschrieben; für die Reparatur seien 30 Gulden notwendig ( "gotshauß ist paufellig, mecht mit 30 fl gebessert werden"). Auch der 70jährige Pfarrer verrichtete die Seelsorge nach katholischem Brauch. Wenn auch seine religiösen Kenntnisse nicht umfassend waren, so schien er doch ein milder Seelsorger gewesen zu sein. Er hatte eine Lebensgefährtin, aber keine Kinder. Dennoch wird er vom Pfarrvolk eines ehrbaren Lebenswandels gerühmt.
Wenn Sie den ganzen Bericht von 1560 (in heutigem Deutsch) lesen möchten, klicken Sie hier...


Dreißigjähriger Krieg
Im 30jährigen Krieg wurde Großinzemoos schon beim Einfall der Schweden im Jahr 1632 vollständig eingeäschert. Das Leibbuch, das Steuerregister für die Jahre 1640 bis 1644 verzeichnete nur den Eintrag "nichts, keiner mehr vorhanden", d.h., kein Bewohner war zur Steuerzahlung mehr fähig. Den Eintragungen im Taufbuch nach wohnten aber mindestens 40 Familien im Ort. Josef Scheidl schreibt, dass die Zahl der Höfe von 19 (1631) auf 8 (1649) gesunken sei. Die übriggebliebenen Bewohner konnten auch keinen Pfarrer mehr ernähren. Deshalb wurden die Pfarrei bis 1664, bis sich das Dorf wirtschaftlich erholt hatte von den Pfarrern aus Röhrmoos mitversorgt (Pfarrvikariat).
70 Jahre später, im Jahr 1704, wiederholte sich die Geschichte: Auch im Spanischen Erbfolgekrieg wurde Großinzemoos von den Österreichern eingeäschert. Als Vikare mussten dieses Mal die Patres aus dem Indersdorfer Kloster vier Jahre lang Großinzemoos seelsorgerisch mit versorgen.


A usschnitt aus einer
Karte von Finkh 1655
Der Münchner Kartograph Michael Wening behauptete in seinem um 1718 herausgegebenen Buch, "Historico-topographica descriptio Bavariae" sogar, die Kirche von Großinzemoos gehöre zu Unterweilbach. Die Beschreibung des Schlosses in Unterweilbach enthält die Sätze: "allwo ... in der Hofmarchs Kirch (von Unterweilbach) aber die Mutter Gottes Patronin ist. Hierzue gehört auch Groß Inzenmoß".


Schmidt'sche Matrikel von 1738/40
Die Schmidt'sche Matrikel von 1738-40 enthält eine kurze Beschreibung von Pfarrei und Kirche. Großinzemoos hatte auch damals nur eine Filiale, in Kleininzemoos. In den seit 1524 vergangenen 200 Jahren hatte sich die Zahl der Communicantes trotz der dazwischenliegenden Kriege von 53 auf 153 erhöht. Der Kirchenbau sei unter den Landkirchen einer der besseren, schrieb Schmidt. Allerdings war es mit dem Pfarrhof nicht weit her, denn er fährt fort: "Ein rechter Widumb-Pau oder anderes Widumb-Guettl (Widum=Pfarrgut) ist diser Zeit nit vorhanden, sondern nur ... ain Feld, zway Juchart (ca. 2 Tagwerk) Kürchen-Ackher und ain Juchart zur Pfarr gehörig. Item seynt zur Pfarr einige Wismather gehörig, dann ain Gartten beym Haus und ain Gärttl bey der Kirchen". In der Kirche gab es auch damals schon drei Altäre. Der Hochaltar war dem hl.Georg, die Seitenaltäre dem hl.Stephan und der hl.Anna geweiht. Messen wurden jeden Sonn- und Feiertag gelesen, außer an den Tagen, an denen eine Messe in Kleininzemoos stattfand. Im Friedhof stand ein Beinhaus. Im Turm hingen zwei Glocken. Verwalter waren die Grafen Spreti aus Unterweilbach. Die waren offenbar nicht sehr auskunftsfreudig. Denn der Bericht des Kanonikus Schmidt endet mit dem Satz: "Das Vermögen dises Pfarrgottshauses ist diser Zeit aus Abgang der Rechnungs-Extracten nit allerdings wüßlich."


Neubau 1859
Das Langhaus, das Kirchenschiff, wurde 1859 im neugotischen Stil der damaligen Zeit errichtet. Die Zimmererarbeiten erledigte der Meister Schmid aus Indersdorf. Ein Jahr später, 1860, wurde die Sakristei östlich an den Turm angebaut.


Beschreibung 1874

Um das Jahr 1870 hat der Dombenefiziat Anton Mayer eine Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising erstellt und 1874 als Buch veröffentlicht. Über die Pfarrei Inzemoos bemerkt er, sie habe 217 Seelen in 34 Häusern. Davon lebten 170 Gläubige (in 29 Häusern) in Großinzemoos, 47 (in 5 Häusern) in dem zur Gemeinde Röhrmoos gehörenden Kleininzemoos.
Sigmertshausen war damals noch Teil der Pfarrei Röhrmoos.
Weiter schreibt Mayer: "Die Pfarrei hat einen Umfang von ungefähr 1 Stunde. Pfarrsitz: Groß-Inzemoos, Dorf, ehmals zum gräflichen Törring-Seefeld'schen Patrimonial-Gerichte Odelzhausen gehörige Hofmark. Liegt an der Vicinalstraße von Indersdorf nach Haimhausen und Lohhof. Das Pfarrhaus befindet sich in der Mitte des Dorts, die Kirche aber beinahe am Ende desselben. Das Präsentationsrecht an der Pfarrei besitzt seine Majestät der (bayer.)König. Das Widdum (der Pfarr-Bauernhof) besteht aus: Aeker: 14 Tagwerk, Wiesen 6 Tagwerk, Bonität 10. Das Pfarrhaus ist ein altes, aber gutes Gebäude. Ökonomiegebäude: baufällig. Reparatur in nächster Aussicht. Kein Hilfspriester.
Pfarrkirche: Erbauungsjahr unbekannt. Stil ursprünglich gothisch. Schiff und Sakristei 1859 neugebaut. Geräumigkeit genügend. Baupflicht die Kirche, am Cemeterium (=Friedhof) die Gemeinde. Massiver Sattel-Thurm mit 2 Glocken. Nach dem Neubau benedicirt am 19.März 1860. 3 Altäre. Kleine Orgel. Gottesdienste: Alle in der Pfarrkirche an Sonn- und Festtagen, mit Ausnahme von nur 7 Tagen, welche nach Klein-Inzemoos treffen. Septennal-Ablaßtage sind Mariä Lichtmeß, Allerheiligen, unbefl.Empfängniß laut Breve v.16.Juli 1866. Aushilfsleistung (des Pfarrers): Am Michaelitage in Röhrmoosen, am Aschermittwoch, Rosenkranzfeste und Portiunkula auf Ansuchen in Indersdorf, aber ohne Celebration. Stiftungen: 21 Jahrtage, 1 Jahrmesse. Meßner: ein Gütler, Cantor: nur zeitwiese der Lehrer von Röhrmoosen. Derzeit versieht diesen Dienst ein quiesz. (=pensionierter) Lehrer aus Niederroth. Die Kirchenrechnung stellt 819 Gulden Einnahmen 23 Gulden Ausgaben gegenüber. Das Vermögen betrug 1870 rd. 12.100 Gulden (=hoher Betrag).

Nach dem Zweiten Weltkrieg, 1949, hat man den Turm von 18 Metern auf 21 Meter erhöht.


D
er Kirchenbau

Die Kirche liegt auf einem Hügel inmitten des langgezogenen Straßendorfs. Das Äußere der Kirche ist nüchtern und schlicht. Der Bau macht einen massiven, bodenständigen Eindruck.
Das Kirchenschiff besitzt vier Achsen. An der Südseite unter dem Dach ein durchgehendes Zahnfries, an der Westseite ein Staffelfries. Die einfache Fassade wird nur durch die hohen Fenster mit (neu-)gotischem
Maßwerk unterbrochen.

Der glatte, kräftige Turm mit Satteldach, in dessen Erdgeschoss der Altarraum untergebracht ist (Chorturm), stammt bis zu den Schallfenstern noch aus der Zeit der Spätromanik (13.Jh). Eine kurze Rundsäule mit ganz einfachem Kapitell trennt die beiden niederen, engen Schallöffnungen. Der obere Teil wurde erst 1949 aufgesetzt, als der Turm um 3 Meter (auf 21 Meter) erhöht wurde. Die beiden Turmuhren, von denen eine nach Osten, die andere nach Norden schaut, sind schon über 125 Jahre alt. sie wurden 1874 von der Fa. Pachmann aus Roggenburg geliefert. Mit der bei der Erhöhung des Turms gemalten Mahnschrift "Eine aus Diesen -Wird unsere Letzte sein" erinnert die Norduhr an die Vergänglichkeit des Seins.

Im Turm hängen drei Glocken. Sie stammen aus dem letzten Jahrhundert. Auf der größten Glocke, die 1948 von Josef und Theresia Christoph gestiftet wurde, ist zu lesen: "Mich goß Karl Czudnochowsky - Atme in mir du Hl.Geist, daß ich Heiliges denke - Alles in Christ-König erneuern."

Auf der mittleren Glocke weist eine Inschrift auf das Entstehungsdatum hin: "Gegossen von Josef Bachmair in Erding 1923" (oder 1928 ?). Sie ist dem hl. Georg geweiht und war besonders den 6 Gefallenen des 1. Weltkriegs aus Großinzemoos gewidmet, deren Namen auf der Glocke eingraviert sind.
Die kleinste Glocke (von Karl Czudnochowsky) ist das Totenglöcklein; sie wurde vom "Holzbauervater" Josef Christoph gestiftet und ist dem hl. Josef geweiht. Zwei Vorgängerglocken mussten im Zweiten Weltkrieg zum Einschmelzen für Kriegszwecke abgeliefert werden.

An der Südseite des Turmes ist außen ein schönes Kruzifix im Stil des Historismus (19.Jh) angebracht (Missionskreuz). Der Corpus ist gegossen und bronziert. Christus wird nicht als Leidender, sondern als lebender und über den Tod triumphierender, göttlicher Sieger mit geöffneten Augen und in aufrechter Haltung dargestellt. Diese Darstellung war bis zur Romanik allgemein üblich.
Die Westseite der Kirche ist in der Giebelzone mit einer Rosette und auf dem Dachfirst mit einem Kreuz geschmückt.

Die Sakristei ist an der Ostseite des Turmes angebaut. An der Außenwand ein Steinkreuz angebracht.


E
pitaphe

An der Südseite von Turm und Kirche sind verschiedene Grabsteine (Epitaphe) in die Mauer eingelassen. Sie sind meist für ehemalige Pfarrherrn von Großinzemoos angefertigt worden. Ein Kelch auf dem Epitaph ist Zeichen dafür, dass das Epitaph an einen Priester erinnert.
 
1739
1758
1812
1824
1854
1855
1869
für Pfarrer David Sedlmayr
Epitaph für Pfarrer Paurschmidt
Josef Zurrer, Zimmermann
(Vater von Pfarrer Zurrer ?)
für Pfarrer
Ulrich Heldmann
Kath..Reichart
mit 3 Kindern
für Pfarrer
Balthasar Gall
für Pfarrer
Lorenz Stoller
 
Hinweis: Epitaphe gibt es in unseren Kirchen erst seit dem 14. Jh. als Gedächtnismal für einen Verstorbenen in Form einer Steinplatte, die innen oder außen an der Kirchenwand senkrecht aufgestellt wird. Epitaphe (griech. Grabinschrift) wurden für diesen Zweck eigens angefertigt; sie sind keine früheren Grabplatten. Das Epitaph ist auch kein Grabmal, weil sich weder dahinter noch darunter ein Grab befindet.



I
nnenausstattung


A
ltarraum

Der schmale Altarraum/Chor ist im Erdgeschoss des Turms untergebracht (Chorturmkirche) und hat -dem Turm entsprechend - eine quadratischen Grundriss. Er besitzt ein hellblau bemaltes Kreuzgratgewölbe.
Die gesamte Inneneinrichtung stammt aus der Mitte des 19.Jh und ist durchgehend im neugotischen Stil gehalten, entsprechend dem architektonischen Modetrend der damaligen Zeit (siehe Günding, Stumpfenbach, Paulskirche in München).


C
horaltar / Hochaltar

Der dreiteilige Hochaltar, der die gesamte Chorrückwand einnimmt, stammt in seinem Aufbau dem Jahr 1859. Gekrönt wird er von einem Kreuz auf Maßwerkverzierungen. In den 1960er Jahren wurde er farbenfroh bemalt: vorwiegend blau, mit grünem Ton dazwischen, die Zierleisten golden mit roten Umrandungen. Nach oben schließt der Altaraufbau mit neugotischen Maßwerk-verzierungen.

Das frühere Ölgemälde in der Mittelnische ist aber durch Figuren der Heiligen Dreifaltigkeit (17.Jh) ersetzt worden, die in den 1940er Jahren aus der Filialkirche in Kleininzemoos geholt wurden.
Der bärtige Gottvater hält eine Weltkugel mit Kreuz in auf seinem Knie und wiest mit der rechten Hand auf Jesus, der mit nacktem Oberkörper, auf dem die blutende Seitenwunde und ein brennendes Herz zu sehen sind, zur Rechten von Gottvater sitzt. Darüber der Hl.Geist in Gestalt einer strahlenumkränzten Taube.

In den Seitennische stehen als Assistenzfiguren (um 1860) der hl. Georg, des Namenspatrons der Kirche, in Ritterrüstung mit einem Spieß in der Hand (rechts) und ein heiliger Bischof, bei dem umstritten ist, wen er darstellt. Genannt werden der hl. Benno und der hl. Wolfgang.

Hinweis: Georg war Soldat des römischen Heeres zur Zeit Kaiser Diokletians und wurde um ca. 304 in Nikodemien oder Lydda enthauptet. Bei uns wird der hl. Georg vor allem als Patron der Pferde

 

verehrt (Georgiritt). Meist wird er als Ritter dargestellt, der einen Drachen tötet. Nach der Legende hauste in einem See vor der Stadt Silena in Lybia ein Drache, dem die Einwohner täglich Lämmer und später Kinder opfern mussten.Da erschien St.Georg, nachdem er alle Martern überstanden hatte, gevierteilt und vom Erzengel Michael wieder zum Leben erweckt worden war. Als der Drache auftauchte, schwang Georg mit dem Zeichen des Kreuzes die Lanze und durchbohrte das Untier, das zu Boden stürzte. Der Drache ist ein Wesen, das viele Völker in ihren Mythen (Lindwurm) kennen. In China gilt er als glücksbringend, bei uns im Westen als Bedrohung. Sein Name kommt vom Griechischen drakon = "furchtbar Blickender". Im Alten Testament wird er als Verkörperungen des Bösen und als Teufel bezeichnet. In der Apokalypse bedroht er die Frau, die gerade ein Kind geboren hatte. In der religiösen Kunst wird er häufig zusammen mit dem hl.Michael, dem hl. Georg und der hl.Margarete abgebildet.


In der Predella des Hochaltars
steht ein neugotischer Drehtabernakel, der auch von der Altarrückseite aus zugänglich ist. Das barocke Tabernakelkreuz vor der Tabernakeltüre ist 50 Jahre älter. Auf dem Tabernakel sitzt die Figur eines Pelikans. Dieser Vogel ist Symbol der Selbsthingabe (man glaubte früher, der Pelikan würde seine Jungen in Notzeiten mit seinem eigenen Blut ernähren) und soll an die Heilstat Christi erinnern.
Links und rechts vom Tabernakel schöne Halbfiguren (Ende 18.Jh) der Maria Magdalena mit einer Salbbüchse und des hl. Petrus mit einem großem Himmelsschlüssel. Der Heilige ist -wie in den meisten Petrusabbildungen seit dem 4.Jahrhundert - mit rundem Kopf und grauem, krausen Haarkranz sowie Bart dargestellt. Der sog.Himmelsschlüssel, den der Künstler der Petrus-Darstellung in die Hand drückte, hat ihn im Brauchtum zum Himmelspförtner gemacht. In der christlichen Symbolik repräsentiert der Schlüssel aber die Vollmacht, zu lösen und zu binden. Nach Matthäus 16,19 sagte Jesus zu Petrus: "Dir will ich die Schlüssel des Himmelreiches geben. Was du binden wirst auf Erden, wird gebunden sein im Himmel, und was du lösen wirst auf Erden, wird gelöst sein im Himmel". Diese Vollmacht wurde in weiterer Folge auf den Kreis der Jünger und den Klerus übertragen.
Hinweis: Die Salbbüchse der Magdalena erinnert an die in der Bibel namenlose Sünderin, die Buße tat und Jesus die Füße salbte. Man geht davon aus, dass es sich dabei um Maria Magdalena gehandelt hat.


T
aufstein

Der 77,5 cm hohe Taufstein aus Rotmarmor unter dem Chorbogen stammt aus dem 18.Jh. Auf dem Holzdeckel steht eine sehr gute Figur von Johannes dem Täufer mit Kreuzstab und Taufschale in den Händen. Am Kreuzstab ist ein Schriftband mit dem Text "Ecce Agnus Dei" befestigt. Mit diesen Worten hatte Johannes den Messias angekündigt (Johannes 1,29). Ein Lamm als Sinnbild für Christus liegt dem Täufer zu Füßen.


Kirchenschiff / Langhaus

Das Kirchenschiff /Langhaus besitzt eine Flachdecke. Es handelt sich um eine wunderschöne alte Holzdecke mit gediegener Bemalung, die rd. 25 Jahre lang mit weißen Kunststoffplatten verkleidet war und erst 1990 frei gelegt wurde.
Das Schiff wird durch acht Fenster erhellt. Als Bodenbelag sind -wie in so vielen anderen Kirchen unserer Gegend- Solnhofer Platten verlegt.


S
eitenaltäre

Die neugotischen Seitenaltaraufbauten, die ebenfalls aus dem Jahr 1859 stammen, wurden 1990 restauriert.

Der linke Seitenaltar ist der Muttergottes geweiht. Mittelpunkt ist eine strahlenumkränzte Madonnenfigur, die um 1939 geschnitzt wurde. Es ist die freie Nachbildung einer der sog. Schönen Madonnen aus der Zeit der Gotik im 14.Jh. Sie tragen ihr Kind, das mit einen Apfel spielt, auf der linken, der Herzseite und halten es mit beiden Händen. Die Nachbildung in Großinzemoos zeigt das Kind aber auf der rechten Seite. Der Apfel ist Sinnbild des Paradiesapfels und damit des Sündenfalls. Maria ist die neue Eva, die zur Erlösung von der Erbsünde durch Jesus beiträgt.
Darunter steht eine kleine naive St.Georgsfigur. Der als Kind dargestellte Georg sitzt auf einem (etwas grau geratenem) Schimmel, der wiederum auf dem Kopf und dem Schwanz eines darunter liegenden Drachens steht. Mit einer Lanze sticht Georg dem geflügelten Drachen, dem Sinnbild für das Böse, in das Maul. Auf dem Sockel sind die Buchstaben "PI" eingraviert. Diese Figur war früher am Kanzelkorb angebracht.

Rechter Seitenaltar
Am rechten Altar steht vor einem goldfarbenen Strahlenkranz eine große Figur des hl.Josef mit dem Jesuskind auf dem linken Arm und einer Lilie in der rechten Hand. Diese Blume gilt seit dem Mittelalter als Symbol für Reinheit und Keuschheit. St.Mechthild von Magdeburg betete im 13.Jh: "empfange Herr, deine Bräute und begegne ihnen mit den Lilien der lauteren Keuschheit alle ihre Tage".
Der Heiligenschein (Nimbus), der Josefs Kopf umgibt, ist dreistrahlig. Dies ist nicht üblich. Normalerweise ist der dreistrahlige Nimbus der Darstellung einer göttlichen Person vorbehalten. Möglicherweise ist es ein Versehen des Künstlers, der die Figur im Jahr 1938 geschnitzt hat.
  
Neben den Seitenaltären sind an der Außenmauer Reliquienbehälter in einem marmorierten, verglasten Holzschrein aus klassizistischer Zeit zu sehen. Vor einem roten Verlourstoff sind ein Kreuz und daraus wachsende Blumenblüten aus Gold- und Silberfäden sowie aus Edelsteinen angebracht. Die kleinen Pergamentstreifen (Cedulae) enthalten die Namen von Heiligen, zu deren Ehre die Arbeiten hergestellt wurden oder von denen die Reliquien stammen (Ende 18.Jh). Mehr über Klosterarbeiten....




K
anzelkreuz
In der Mitte der Südwand hängt eine große Kreuzigungsgruppe , das sog. Kanzelkreuz aus barocker Zeit. Der tote Korpus Jesu hängt blutüberströmt am Kreuz; sein Haupt mit der Dornenkrone ist zu Seite geneigt. Der Begriff Kanzelkreuz weist darauf hin, dass in katholischen Kirchen in der Regel gegenüber der Kanzel ein Kreuz an der Wand angebracht ist. Die Kanzel in Großinzemoos wurde 1960 entfernt. Das Bild links zeigt die Kirche noch vor diesem Zeitpunkt.
  Hinweis: Ein Kruzifix (crux= Kreuz, fixum= angeheftet) ist die Darstellung des am Kreuz hängenden Christus. In den frühchristlichen Kirchen wurde das Kreuz ohne den Corpus (Körper) des Gekreuzigten angebracht, weil die Kreuzigung als eine schändliche und würdelose Art der Hinrichtung galt (wie vor kurzem bei uns der Galgen). Auch in der jüdischen Tradition war nach dem Alten Testament (Buch Dtn 21,22) jeder Gekreuzigte (ans Holz Gehängte) ein "von Gott Verfluchter". Ab dem 4.Jh wurde Christus am Kreuz als lebender und über den Tod triumphierender, göttlicher Sieger mit geöffneten Augen und in aufrechter Haltung dargestellt. Erst im hohen Mittelalter (etwa seit dem 12. Jh) setzte sich die Abbildung des leidenden oder toten Gekreuzigten, und damit die Betonung des Menschseins Jesu durch, wie wir es von unseren Kirchen kennen.

 

Neben dem Kreuz tragen Barock-Engel Leidenswerkzeuge: einer hält einen Hammer in der Hand, der andere die Lanze, mit der der Soldat Longinus in die Seite Jesu stach, um sicher zu gehen, dass er tot war.

Hinweis: Die Leidenswerkzeuge sollen die Gläubigen, ähnlich wie der Kreuzweg, zu längerem Betrachten des Leidens Jesu anregen. Die Anzahl der dargestellten Gegenstände ist verschieden. Man findet nicht nur den Hammer und die Lanze des Soldaten Longinus, wie in Großinzemoos, sondern auch die Nägel, die Geißelsäule, die Dornenkrone, die Inschrift, die Leiter, der Stecken mit dem Schwamm und die Würfel der Soldaten.
Unter dem Kruzifix steht die Muttergottes (Mater dolorosa). Die in ein rot-blau-goldenes Gewand gekleidete Muttergottes trägt eine versilberte Krone aus Treibarbeit auf dem Haupt. Sie hält ihre Arme zum Zeichen der Trauer über der Brust verschränkt. Das sonst übliche Schwert in der Brust fehlt; es ist aber auf alten Bildern noch nach dem 2.Weltkrieg zu sehen.
Hinweis: Nach der Bibel (Joh, 19,25) stand Maria mit ihrer Schwester Maria (der Frau des Klopas), mit Maria Magdalena und dem Apostel Johannes unter dem Kreuz.



F
iguren an den Wänden des Kirchenschiffs

Weiter an der Südseite eine Barockfigur des beliebten Bauernheiligen und Gefangenenpatrons St. Leonhard mit Ketten in den Händen.

Hinweis: Leonhard (in Bayern einer der 14 Nothelfer) lebte um das Jahr 500 als Einsiedler und später als Abt in Frankreich. Regelmäßig besuchte er die Gefangenen und erreichte für viele beim König Clodwig I. ihre Freilassung. Deshalb galt er ursprünglich als Schutzpatron derer, "die in Ketten liegen", also der Gefangenen - und der Geisteskranken, die man bis ins 18. Jahrhundert ankettete; nach der Reformation wurde er Schutzpatron der Haustiere, weil man die Ketten, mit denen er abgebildet wurde, als Viehketten deutete.

In einer Nische unter der Empore die Statue eines von vielen Wunden übersäten Geißelheilands (2.Hälfte 18.Jh). Jesus ist mit Armfesseln an eine Steinsäule gekettet.
  Hinweis: Die ersten Darstellungen von Jesus an der Geißelsäule entstanden zwar schon im Mittelalter. In den Landkreis Dachau gelangten vereinzelte Bilder jedoch erst im 17.Jh. Die große Verbreitung dieser Darstellungen setzte noch 100 Jahre später, nach dem Wunder in der Wies (1738) ein. Der Heiland auf dem Bild beim Wiesbauern bei Steingaden soll Tränen vergossen haben. Daraufhin setzte eine Wallfahrt ein und die berühmte Wieskirche wurde gebaut. Die meisten der rd. 15 Geißelheiland-Darstellungen im Landkreis Dachau wurden nach dem Vorbild des Wies-Heilands gestaltet; so auch in Großinzemoos.

An der Nordseite befinden sich die Barockfigur des "Auferstandenen" bzw. des Salvator Mundi aus dem 18.Jh. Christus steht, in rot-goldenes Gewand gehüllt, auf einer Wolke und hebt segnend die rechte Hand mit dem Wundmal. In der linken Hand hält er einen Kreuzstab. Auf beiden Seiten sind kleine Engel angebracht, die mit den Händen auf Christus weisen. Diese beiden Engel standen (wohl mit zwei weiteren Engeln) früher an den Seitenaltären neben den Figuren von Maria und Josef.

 

Hinweis: Der Figurentypus des Salvator Mundi/Auferstandenen entwickelte sich aus dem Erbärmde-Heiland. Dieser wiederum geht der Überlieferung zufolge zurück auf Papst Gregor den Großen, dem bei einer Messe über dem Altar die Leidenswerkzeuge Christi und der lebend aus der Grabkufe aufsteigende Schmerzensmann erschienen sein soll. Aus den Wundmalen habe sich das Blut in den auf dem Altar stehenden Kelch ergossen. Die Figur wird auch Erbärmdechristus oder lat.imago pietatis genannt. Der aufrecht stehende, mit einem Lendentuch bekleidete und oftmals die Dornenkrone tragende Christus zeigt seine Wunden. Aus dieser Darstellung des Erbärme-Heilands entwickelte sich der Salvator Mundi, der Welterlöser oder der Auferstandene mit der Siegesfahne in der Hand, dessen Gesichtszüge mehr die Glorie als die Schmerzen widerspiegeln.

Im rückwärtigen Teil der Nordwand steht auf einem neubarocken Sockel mit Engelskopf die barocke Figur des hl.Florian (18.Jh). Der in eine Rüstung gekleidete Heilige hält eine Kreuzfahne in der einen Hand. Mit der anderen Hand schüttet er Wasser aus einem Schaff auf Flammen, die zu seinen Füßen züngeln.
  Hinweis: St.Florian war um das Jahr 304 Offizier der zweiten italienischen Legion des römischen Heeres. Er war in St.Pölten in Oberösterreich stationiert. Nachdem der Christ geworden war, trat er aus der Armee aus. Wegen seines Glaubens wurde er verhaftet und nach vielen Martern mit einem Mühlstein um den Hals in die Enns geworfen. Florian ist der erste österreichische Märtyrer und Heilige. In seiner Jugend soll er ein brennendes Haus durch sein Gebet gerettet haben; aber erst im 15. Jh setzte sich diese Überlieferung durch, die heute seine Bedeutung als Schutzpatron vor Feuersgefahr begründet.

Die 1938 geschnitzte Statue des hl. Antonius in einer Nische auf der linken Seite gegenüber dem Eingang wurde von Pfarrer Huber (1938-1946) angeschafft. Antonius ist in das Gewand der Franziskanermönche gekleidet und hält einen großen Rosenkranz in der linken Hand. Auf seinem Arm trägt er das Jesuskind, das mit einem Reichsapfel spielt. Der Apfel war schon im Altertum Sinnbild für den Kosmos, später auch für die Erde, nachdem man deren Kugelform erkannt und akzeptiert hatte. Der mit dem Kreuz versehene Reichsapfel in der Hand des Königs ist seit 1191 Teil der königlichen Insignien und symbolisiert den von Gott verliehenen Herrschaftsanspruch. Gleiches gilt auch für das Jesuskind. Hier kommt aber die weitere Bedeutung des Apfels als Paradiesapfel und Sinnbild für den Sündenfall hinzu: Jesus weist den Betrachter darauf hin, dass er durch seinen Tod die Erbsünde überwindet.

 

Hinweis: Antonius lebte im 13.Jh und war ein begnadeter Redner, der sich gegen die damaligen Häretiker (Katharer, Albigenser und Waldenser) wandte. Seine Fastenpredigten in Padua 1231 hatten einen sensationellen Erfolg, denn die ganze Region schien danach wie umgewandelt: Schulden wurden erlassen, zerstrittene Familien versöhnten sich, Diebe gaben das gestohlene Gut zurück, unrechtmäßige und überhöhte Zinsen wurden den Schuldnern zurückerstattet. Bis heute gilt in Italien ein damals erlassenes Gesetz, dass niemand mit seinem Leben und seiner Freiheit für eine Schuld haften solle, sondern nur mit seinem Eigentum. Antonius wird als Hilfe zum Wiederauffinden verlorener Gegenstände angerufen und gilt deshalb als "Patron der Schlamperer". Dies geht auf zwei Legenden zurück: Als ihm ein Manuskript gestohlen worden war, betete er so lange, bis der Dieb damit zurückkehrte. Schöner ist die zweite Legende, nach der er einem Geizhals half sein Herz zu suchen und es in einer Geldtruhe fand. Die Darstellung mit dem Jesuskind auf seinem Arm ist bei uns erst seit dem 17.Jh verbreitet; sie verweist auf eine seiner Visionen, die er beim Bibellesen hatte.


Prozessionsfahnen

An den Kirchenbänken sind mehrere Prozessionsfahnen und Prozessionslaternen (19.Jh) befestigt. Auf einer Fahne ist auf rotem Grund der Patron der Kirche in einer Stickerei zu sehen. St.Georg sitzt auf einem Schimmel und bekämpft den Drachen unter ihm.

 


KreuzwegbildKreuzwegbildHolzdecke KreuzwegbildGeißelheilandSt.LeonhardProzessionsfahneOrgelVerspottung Jesu 8 Details (Figuren, Decke, Kreuzweg, Fahne, Orgel) per Mouseklick
Kreuzweg-Stationsbilder
Seit 1990 sind wieder die alten Kreuzwegbilder in der Kirche angebracht, nachdem sie rd. 25 Jahre lang auf dem Kirchenspeicher gelegen hatten. Sie wurden von Th.Driendl aus München Ende des 19.Jh in Öl auf Leinwandgrund gemalt. (Maße: 94 x 72 cm).
In der Zwischenzeit hatten moderne, als Relief geschnitzte Kreuzwegbilder aus Birnbaumholz (20.Jh) diesen Platz eingenommen. Die 42 x 30 cm großen Bilder waren nicht gefasst (= bemalt).

Kirchenbänke
Die Kirchenstühle (15 bzw.16 Reihen) wurden vor rd. 60 Jahren von einem hiesigen Schreiner angefertigt. Die älteren Wangen haben Rokoko-Muster, die denen der Kirchenbänke von Sulzemoos ähneln. Wenn Sie alte Barockmuster an den Wangen von Kirchenstühlen im Dachauer Land sehen möchten, klicken Sie hier...

  Hinweis: Schon vom Frühchristentum an bis in die neueste Zeit hinein knieten und saßen die Kirchenbesucher in den Kirchenbänken nach Geschlechtern getrennt. Damit sollte im Gotteshaus eine zu große "sündige" körperliche Nähe zwischen Männern und Frauen verhindert werden. Dies war in allen drei Hauptkonfessionen (Kath., Evang., Orthodox) so. In katholischen Kirchen sitzen gewöhnlich die Männer rechts und die Frauen links. Einen eindeutigen Grund für diese "Seitenwahl" gibt es nicht. Jedenfalls gilt im traditionellen Raumprogramm der Sakralarchitektur die Epistelseite als Männerseite und die Evangelienseite als Frauenseite. Seit dem letzten Konzil gibt es diese Trennung nicht mehr. Viele Pfarrer propagieren sogar das Gegenteil und bitten Familien, zusammenzubleiben. Dennoch sind auf der Frauenseite nur selten Männer zu finden. Weibliche Kirchenbesucher sind insoweit flexibler. Oft wurden auch die die Patrone der Seitenaltäre nach der Geschlechtszugehörigkeit ausgewählt: Seitenaltäre mit Christus oder einem männlichen Heiligen als Patron sind in der Regel rechts, Marienaltäre dagegen links zu finden. So auch in Großinzemoos (links St.Maria, rechts St.Josef).


Empore und Orgel

Die Empore ruht auf zwei Holzpfeilern. Die Brüstung ist in Felder eingeteilt und mit neugotischen Ornamenten verziert.
Seit 1874 ist die Kirche im Besitz einer Orgel; das erste Instrument, das Pfarrer Lorenz Stoller kaufte, stand vorher in der Pfarrkirche Egenburg. Die erste, sehr kleine Orgel wurde schon 6 Jahre später durch ein Werk von Franz Xaver Frosch aus München ersetzt. Diese Orgel wurde 1973 nach Riedenzhofen gebracht. An ihre Stelle trat die heutige Orgel mit10 Registern und offenem Prospekt, die 1955 erbaut worden war und bis 1973 in einer Münchner ev.-luth. Kirche stand.
  Hinweis: Mit ihren vielen Pfeifen, die über ein Gebläse zum Klingen gebracht werden, steht die Orgel meist im rückwärtigen Bereich der Kirche auf der Empore. Sie hielt erst allmählich Einzug in die Kirche, weil sie bis in das 11. Jahrhundert als profanes (weltliches) Instrument galt, das für das höfische Zeremoniell verwendet wurde. Erst ab dem 13. Jh wurde es zur Regel, in allen bedeutenden Kirchen Orgeln zu errichten. Heute gehört eine Orgel zur Ausstattung fast jeder Kirche. Mit ihrer Klangvielfalt und Klangfülle trägt sie zur Verschönerung des Gottesdienstes bei. Der Orgelprospekt, die Schauseite der Orgel, wurde früher meist durch Künstler gestaltet. Im Barock und im Klassizismus, deren Epochen unsere ältesten Orgeln im Landkreis Dachau angehören, wurde der Prospekt mit reicher Ornamentik verziert. Heute setzt sich immer mehr der "offene" Orgelprospekt durch, der allein durch die harmonische Anordnung der Pfeifen wirkt.

Unter der Empore steht rechts neben dem Eingang ein dreiteiliger Beichtstuhl aus der Zeit um 1940.

Unter der Emporentreppe hängt das Bild mit dem Thema der Verspottung Jesu. Jesus ist in einen langen roten Mantel gehüllt, das den Blick auf den nackten Oberkörper frei gibt. Auf dem Haupt trägt er die Dornenkrone; in den gebundenen Händen hält er das Schilfrohr, das ihm die Soldaten als Szepterersatz in die Hand gedrückt hatten, um ihn als König zu verspotten. Nach dem biblischen Bericht (z.B. Mtth 27, 28-30) wurde Jesus nach der Geißelung und der Dornenkrönung verspottet. Auf dem Bild sind aber keine Spuren der Martyriums zu erkennen. Auch das Gesicht Jesu ist nicht schmerzverzerrt. Wahrscheinlich dürfte das Bild aus der Nazarenermalschule stammen, die die heiligen Personen idealistisch verklärt abgebildete haben.


Fatschnkindl

Noch im Kirchenbesitz ist ein sog. Fatschenkindl, das in einem Glasschrein ausgestellt ist. Dabei handelt es sich um die Darstellung des kleinen Jesuskindes, das in breite Stoffbänder eingewickelt, also eingefatscht ist. Die Praxis, Babys zu fatschen (von lat.fascia=die Binde), damit sie keine "krummen Glieder" bekommen, war bis ins 19. Jh., in ländlichen Gebieten sogar noch in den ersten Jahrzehnten des 20. Jh. üblich.
Fatschnkindl waren -lange vor den Krippen- die ersten volkstümlichen Darstellungen des neugeborenen Jesuskindes; sie standen -wie später die Krippen- im Mittelpunkt von privaten und kirchlichen Weihnachtsfeiern. Das Fatschnkindl in Großinzemoos wurde in aufwändiger Klosterarbeit erstellt, mit Gold- und Silberdraht, Halbedelsteinen und Perlen. Das Kindl selbst besteht üblicherweise aus Wachs. Wenn Sie sich auch für Fatschnkindl in anderen Kirchen des Landkreises interessieren, klicken Sie hier..


R
eliquienmonstranz

Die Pfarrei besitzt eine reich verzierte Reliquienmonstranz aus der Zeit um 1760 (andere Quelle: 1700), die nur zu manchen Gottesdiensten in die Kirche gebracht wird. Sie ist aus Silber gemacht und teilvergoldet. Die Kreuzarme enden in dreipassförmigen Verdickungen, in die farbige Steine eingefügt sind. In der Mitte eine Kreuzreliquie, an den Schäften weitere Reliquien, u.a. vom hl. Christophorus, dem hl. Nonnosus und dem hl. Korbinian, dem Bistumspatron. Der Nodus hat eine birnenförmige Gestalt und ist mit Spiegelfeldern besetzt.
  Hinweise: Kreuzreliquien waren früher besonders wertvoll; schließlich galt das Kreuz Christi als kostbarste Reliquie der Christenheit. Die hl.Helena, Mutter von Kaiser Konstantin, soll im Jahr 320 nach der Legende das Kreuz Christi aufgefunden haben. Größere Kreuzpartikel kam ab 950 nach Deutschland. Sie wurden meist in Reliquienmonstranzen aufbewahrt (so wie hier in Dachau) und waren in der Regel Ziel kleinerer Wallfahrten.
Christophorus (früher einer der 14 Nothelfer) ist eine Legendengestalt, die im aktuellen Heiligenkalender nicht mehr enthalten ist. Er soll auf der Suche nach dem mächtigsten König der Welt ein Kind über einen Fluss getragen haben, das immer schwerer wurde, sodass er zu ertrinken drohte. Das Kind war Jesus, der ihn im Wasser taufte. Die Volksfrömmigkeit besagte, wer ein Bild oder eine Figur von St.Christophorus erblickt, wird an diesem Tag nicht von einem plötzlichen Tod überrascht.
Nonnosus (+570) war ein Mönch und später Prior des Klosters St. Silvester auf dem Berg Sorakte nördlich von Rom. Seine Reliquien wurden um das Jahr 1046 von Bischof Notker von Freising in die Freisinger Domkirche gebracht. Mit dieser Reliquie dürfte der Partikel in der Großinzemooser Reliquienmonstranz berührt worden sein.

Korbinian (um 670 in Frankreich geboren) war der erste Bischof von Freising. Als bei einer Romreise ein Bär seinen Esel tötete, band Korbinian die Traglast dem Bären um.



H
eiliges Grab

In den Kirchenspeichern sind noch die Aufbauten und Figuren für ein sog. Heiliges Grab aus dem 19.Jh gelagert. Heilige Gräber wurden und werden in Kirchen am Karfreitag bis Karsamstag aufgebaut. Die Gläubigen sind in dieser Zeit zu Anbetungsstunden oder zur Meditation eingeladen. Die Heiligen Gräber wurden nach dem 2.Weltkrieg in fast keiner Kirche mehr aufgestellt. In den letzten Jahren hat man sich aber in einigen Pfarreien wieder an diesen alten Brauch erinnert. Mehr dazu erfahren Sie hier..


L
eichenhaus
Hinter der Kirche steht das neue Leichenhaus. In einer Nische an der Vorderfront steht eine Holzstatue des hl. Josef. Am Giebel ist ein altes barockes Kruzifix aus Sandstein mit Akanthusschmuck am Fuß befestigt.


Nach einer Liste des Landesamt für Denkmalpflege gibt es am Kirchberg Reste eines unterirdischen Gangs, der in Zusammenhang mit sog. Schrazllöchern steht. Es sind die größten Schrazllöcher im Landkreis. Mehr über Schrazllöcher...

Hans Schertl

Quellen:
Michael Wening, "Historico-topographica descriptio Bavariae", Band 1, 1701
Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874
Theodor Bitterauf, Die Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (Nr.97, 441, 697a, 984)
Josef Scheidl, Die Bevölkerungsentwicklung des Landgerichts Dachau im Laufe früherer Jahrhunderte, 1925 (Zahl d.Höfe 1649)
Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
Großinzemoos, Zulassungsarbeit Helmuth Rumrich, Röhrmoos
Wilhelm Störmer, Adelige Eigenkirchen und Adelsgräber - Denkmalpflegerische Aufgaben,1975, ZBLG 38, S.1142-1158 (UrkNr)
Georg Brenninger, Orgeln und Orgelbauer im Landkreis Dachau, Amperland 1975/4
Helmut Rumrich/Franz Thaler, Die Gemeinde Röhrmoos, 1986
Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres 1560, 1986
Gottfried Weber, Die Romanik in Oberbayern, 1990
Röhrmoos Bürgerinformationen Gemeinde Röhrmoos, 1998
Unser Dachauer Land, Heimatbeilage der Dachauer Nachrichten vom 26/27.-6.1999
Hinweis zu den Kreuzwegbildern von Roman Reichlmeier, 2003
Thaler/Rumrich, Erinnerungen-Gemeinde Röhrmoos, 2004
Sabine Remiger,Münchner Kirchenzeitung v. 3.9.2006 (Petrus)
Josef Kiening, Überleben im Dreißigjährigen Krieg, www.genealogie-kiening.de
Eckard Bieger, Das Bilderlexikon der christlichen Symbole, 2011 (Osterfahne)
45 Bilder: Franz Thaler (2), Hans Schertl (43
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Kirchen und Kapellen im Landkreis Dachau - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

28.9.2011