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Pfarrkirche St. Bartholomäus in WOLLOMOOS

Adresse: 85250 Altomünster, Raiffeisenstraße 1
Lage der Kirche auf der Landkarte ...


Kurzbeschreibung

Wollomoos wurde urkundlich erstmals
- als Ortschaft um das Jahr 1030,
- als Pfarrei 1315 in der Konradinischen Matrikel als "Wellenmos" erwähnt.
Archäologische Funde belegen eine Besiedelung aber schon für die vor- und frühgeschichtliche Zeit. So wurde hier der "Römerstein", das herausragendste Zeugnis der Römerzeit im gesamten Landkreis Dachau gefunden.
Im 15.Jh wurde eine neue Kirche im gotischen Stil gebaut, die 1632, im 30jährigen Krieg schwer in Mit-leidenschaft gezogen wurde. 1694 erneuerte man die Kirche von Grund auf, verlängerte sie um über 2 Meter und errichtete die barocken Giebelmauern.

1720-1730 wurde der Innenraum barockisiert.
Das Aussehen der heutigen Kirche ist vor allem in Inneren stark durch die Umbauten im Jahr 1895 geprägt. Weil das Langhaus nicht weiter verlängert werden konnte, brach man den spätgotischen Chor ab und baute einen neuen, sehr tiefen Altarraum. Schon 100 Jahre vorher war der Kirchturm erbaut worden.
Patronatsherr der Kirche in Wollomoos war über viele Jahrhunderte das nahe Benediktinerinnen-Kloster Kühbach. Es bestellte den Pfarrer, sorgte für dessen Unterhalt und trug die Kosten für die Kirche. Dafür bezog es einen Teil der Abgaben für die Fluren; den anderen Teil erhielt der jeweilige Pfarrer. 


Emporenbild

Die Pfarrei Wollomoos besteht seit mind. 1315. Lediglich von 1648 bis 1661 gehörte Wollomoos zur Pfarrei Sielenbach. Seither ist es wieder eine selbstständige Pfarrei. 1866 kam die Filiale Pfaffenhofen dazu. Seit 1956 hat Wollomoos keinen eigenen Pfarrer mehr; es wurde von Sielenbach aus vikariert (seelsorgerisch betreut). Seit 2008 gehört es (mit Sielenbach) zur Pfarreiengemeinschaft Altomünster.

Innenausstattung

Fast die gesamte Inneneinrichtung wurde 1895 von Thomas Buscher (1860-1937)
im Geschmack des Neubarock erneuert.
Die Deckengemälde aus dieser Zeit zeigen im Altarraum den Besuch Jesu bei den Schwestern Maria und Martha, im Kirchenschiff das Martyrium des hl.Bartholomäus. Dazu in Rundbildern die vier Evangelisten.

Der Choraltar mit dem großen Tabernakel ist dem Kirchenpatron St.Bartholomäus geweiht. Seine Figur (mit Messer in der Hand) ist im Aufsatz zu sehen. Assistenzfiguren sind St.Florian mit Wasserschaff und Fahne sowie St.Leonhard mit Abtsstab.

Die Seitenaltäre (ebenfalls von Thomas Buscher) sind der Muttergottes (mit Jesuskind) und dem hl.Josef (mit großem Beil) gewidmet. Dort stehen auch Figuren der Heiligen Elisabeth (mit Rosen im Schurz), Notburga (mit Sichel in der Hand), Sebastian (am Marterbaum) und Franz Xaver (mit Lilie).

St.BartholomäusDeckengemälde im ChorSt. SebastianSt.JosefMuttergottesST. ElisabethSt. NotburgaSt.Pantaleonschön geschnitzte StuhlwangenZelebrationsaltar
per Mouseklick zu den jeweilgen Beschreibungen

Weitere Heiligenfiguren schmücken die Wände
des Kirchenschiffs und des Altarraums:
- St.Wolfgang im Bischofsornat mit einem Kirchenmodell (16.Jh)
- St.Pantaleon mit auf den Kopf genagelten Händen (16.Jh)
- Bartholomäus, mit einem langen Messer in der Hand (um 1730/40)
- die Figur eines knienden Heiligen im Priestergewand
- darüber ein Christkind aus der Zeit um 1750
- vier kleine Heiligenfiguren (Bischöfe, Mönch und Priester) aus der Zeit um 1900, die auf einer gemeinsamen Konsole stehen
- die Figur der hl.Barbara mit Kelch und Schwert aus der Zeit um 1680.

Die kleine Orgel mit dem ungewöhnlichen Prospekt stammt aus dem Jahr 1919 (Erbauer Siemann).



Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen


Geschichte: Erste Kirche Matrikel 1315 Matrikel 1524 Visitation 1560 30jähriger Krieg
Umbau 1694 Krieg 1701-14 Umbau 1720 Matrikel 1738 Turmbau 1792
  Beschreibung 1884 Verlängerung 1895 Beschreibung 1895 Pfarrerliste
Ausstattung: Altarraum Baubeschreibung Choraltar Deckengemälde Empore
  Epitaphe Ewig-Licht-Ampel Figuren im Chor Figuren im Schiff Gedenktafel
  Kanzelkreuz Kirchenschiff Kirchenbänke Kreuzweg Mater dolorosa
  Orgel Pieta von 1370 Prozessionsstangen Reliquien Seitenaltäre
  Taufstein Tabernakel Türschloss Turm

Die Gegend um Wollomoos ist schon seit mehreren tausend Jahren besiedelt. Bei archäologischen Grabungen wurden Pfeilspitzen, Sichelklingen und Bohrer aus der Mittelsteinzeit (8000-5500 v.Chr.) und der Jungsteinzeit (5500-2300 v.Chr.) gefunden. Auch die Römer waren hier. Davon zeugen ein bronzener Krug und der sog. Römerstein, der in der Kirche von Wollomoos entdeckt wurde. Dieser Römerstein ist das herausragendste Zeugnis der Römerzeit im gesamten Landkreis Dachau; er befindet sich derzeit in der Filialkirche Pfaffenhofen.

Die Ortschaft Wollomoos wurde urkundlich erstmals um das Jahr 1024 als "Wollenmos" (Moos des Siedlers Wollo) erwähnt, als die Kühbacher Gräfin Hiltegart Güter und Leibeigene in Wollomoos an ihren Schwiegersohn Udalschalk von Elsendorf übergab, mit dem Auftrag, den Besitz an das neu gegründete Kloster St.Magnus in Kühbach weiterzureichen. Wollomoos war im Laufe der Jahrhunderte sehr stark von der geistlichen Grundherrnschaft geprägt. Drei Viertel aller Anwesen im Ort gehörten früher den Klöstern Kühbach, Altomünster und Indersdorf als Obereigentum.
Die erste kurze Beschreibung des Orts stammt vom berühmten Kartographen Philipp Apian, der in lateinischer Sprache schrieb: "Wollomoos, das Dörflein und Gotteshaus: da nimmt die Weilach ihren Ursprung und schwillt rasch zum Flüsschen an" (um 1560).

Wollomoos war bis 1.5.1978 eine selbstständige Gemeinde mit den Ortsteilen Halmsried, Pfaffenhofen, Rudersberg und Xyger.10)

Geschichte der Pfarrei und der Kirche

Wann die erste Kirche in Wollomoos erbaut wurde, ist nicht bekannt. Die noch vorhandenen romanischen Teile in der heutigen Kirche belegen jedenfalls, dass im 13. oder 14.Jh. eine neue Kirche aus Stein errichtet wurde. Doch diese romanische Kirche dürfte damals sehr klein gewesen sein; man schätzt sie auf 55 Quadratmeter.
Wahrscheinlich war schon damals das Kloster Kühbach nicht nur Patronatsherr, der den Pfarrherrn aussuchen durfte und für den Bauunterhalt der Kirche einen finanziellen Beitrag leisten musste. Dem Kloster waren auch die Rechte und Pflichten eines Pfarrherrn übertragen. Die Rechte bestanden aus dem kirchlichen Groß-und Kleinzehent, den Pflichten aus der Seelsorge, die es durch einen bezahlten Vikar ausüben ließ. Der erste Pfarrer wurde 1461 genannt, als ein "her hans  Dechant zu Wollenmöß" als Zeuge in Indersdorf auftrat.
Mehr über die Pfarrer von Wollomoos erfahren Sie hier...

Die Pfarrei Wollomoos war (anders als Kühbach) seit jeher Teil des Bistums Freising. Von 1648-1661 gehörte Wollomoos (wohl wegen der Auswirkungen des 30jährigen Kriegs) zur Pfarrei Sielenbach 10). Danach wurde es wieder eine selbstständige Pfarrei. 1866 kam die Filiale Pfaffenhofen dazu. Seit 1956 hat Wollomoos keinen eigenen Pfarrer mehr; es wurde von Sielenbach aus vikariert (seelsorgerisch betreut).
Seit 2008 bildet es mit Altomünster eine Pfarreiengemeinschaft.

Matrikel von 1315 01)
Die Pfarrei Wollomoos wurde erstmals in der Konradinischen Matrikel (Matrikel=Verzeichnis) von 1315 als "Wellenmos" im Dekanat "Altenmünster" erwähnt.

Eine neue Kirche wurde in gotischer Zeit, Mitte des 15. Jh gebaut. Damals erhielt sie einen neuen Altarraum und einen Turm mit Satteldach auf der Südostseite. Das alte Kirchenschiff wurde übernommen, aber um mehr als drei Meter nach Westen verlängert. Aus dieser Zeit sind noch Fragmente spätgotischer Malerei auf dem Orgelchor (sowie Spuren einer Renaissance-Bemalung im Bereich der Apostelleuchter) erhalten.


Matrikel von 1524
01)
In der Sunderndorfer'schen Matrikel von 1524 wird die Pfarrei unter dem Namen "Wolmosen" im Dekanat Ilmmünster aufgeführt. Darin wird auch erstmals das Patronat des hl.Bartholomäus genannt. Das Präsentationsrecht (Vorschlagsrecht für die Besetzung einer Pfarrerstelle) lag beim Kloster in Kühbach. Pfarrer war Anton Hornl, der in einem schönen Pfarrhof wohnte; das Haus zeige keinerlei Schäden, heißt es. Der Pfarrer hatte 1524 nur rd. 50 Communicantes, d.s. erwachsene Gläubige 24)
, seelsorgerisch zu betreuen, d.h., Wollomoos war auch für damalige Verhältnisse eine sehr kleine Pfarrei.


Visitationsbericht 1560
35 Jahre später, im Jahr 1560, wurde in Wollomoos eine Visitation durchgeführt. Nach dem Bericht war Magnus Schmuel Pfarrer in dieser Pfarrei. Er hatte Theologie in Ingolstadt studiert und seine Primiz in Kühbach gefeiert. Dort war er auch Beichtvater der Benediktinerinnen. Diese verliehen ihm die Pfarrei Wollomoos. Das theologische Wissen des Pfarrers war nicht groß: Er kannte den Katechismus nicht, der gerade überall eingeführt wurde. Auf gezielte Fragen zeigte er auch Unkenntnis beim Firmsakrament, bei der Eucharistie und beim Bußsakrament. Zudem besaß er eine Konkubine und Kinder.
Die Zahl der Communicantes, der erwachsenen Gläubigen, war auf 110 angewachsen. Das wäre eine Verdoppelung der Gläubigenzahl innerhalb von 35 Jahren. Dies erscheint auch unter dem Hinweis auf besonders starkes Bevölkerungswachstum im 16.Jh. kaum glaublich. Vielleicht umfasst der Begriff Communicantes beim Visitator einen anderen Personenkreis.
Die finanzielle Lage der Pfarrei war nicht gut. Sie hatte im Jahr nur zwei Gulden und einen Schilling Einkünfte, sodass etwa bei der Beleuchtung mit Kerzen gespart werden musste ["Die kirchen hat ain kleins einkommen, das man die nit beleuchten und mit anderer notturfft versehen"]. Das Pfarrhaus wurde als "paufellig" bezeichnet; dieser Begriff wurde verwendet, wenn ein Bau repartaurbedürftig war. Der dazugehörende landwirtschaftliche Betrieb war nur 6 Hektar groß. Eine Schule war nicht vorhanden ["Kain schuel verhanden"].
Die Inaugenscheinnahme der Kirche ergab, dass folgendes Inventar vorhanden war: ein Kelch, ein Corporale, ein Missale (Messbuch), ein Obsequiale (Buch für Beerdigungen), Cantionale (für Gesänge), vier Ornate (Messgewänder) und eine Monstranz aus Messing. Auch ein Sakramentshaus zur Aufbewahrung der geweihten Hostien gab es. Dazu kamen die notwendigen Altartücher ["an altärn und altarthuechern ist kain mangel"]. Lediglich mit den Fahnen und den Kirchenstühlen waren die Visitatoren nicht zufrieden ["die kirch ist mit fanen und stuehlen ubel versehen"]. Kirchenstühle waren damals in katholischen Kirchen neu; in Landkirchen wird man mit ihrem Einbau wohl etwas länger gewartet haben, da sie den für die Gläubigen verfügbaren Kirchenraum verringerten.

 

Apiankarte 1568

Kartograph Philipp Apian hat in seiner Bayerischer Landtafel Nr. 13 auch den Ort und die Kirche von Wollomoos unter der Bezeichnung "Wollemos" dargestellt (siehe Landkarte rechts). Damals hatte die Kirche noch einen Spitzturm, denn Apians Zeichnungen sind, wie Dr.Peter Dorner schreibt, authentische Ansichten der dargestellten Gebäude.

Philipp Apian war der bedeutendste bayerische Kartograph seiner Zeit. Er wurde 1531 in Ingolstadt als Sohn des aus Sachsen stammenden Mathematikprofessors Peter Bienewitz (latinisiert:Apian) geboren und trat die Nachfolge seines Vaters an der Universität Ingolstadt an. Sein Lebenswerk war die erste Landesaufnahme des Herzogtums Bayern. 1563 schon hatte er eine erste große Karte des Herzogtums im Maßstab von ca. 1:45.000 fertig gestellt. Eine Verkleinerung dieser sehr unhandlichen Karte stellen die "24 Bairischen


Apian-Karte von 1568
Landtaflen" (jeweils 40 mal 30 Zentimeter) im Maßstab von ca. 1:140.000 dar, die 1568 vom
Züricher Formschneider Jost Amman in Holz geschnitten und vom Maler Bartel Refinger koloriert wurden. Die Genauigkeit der Landkarten wurde erst im 19. Jh übertroffen; noch Napoleon benutzte sie für den Einmarsch in Bayern. Apian musste noch im Jahr des Erscheinens seines Werkes (1568) nach Tübingen emigrieren, weil er "der Reformation zugetan" war. Er starb dort 1589.


Ein pfarramtlicher Bericht "Verzaichnus des Pfärrleins Wolmosenaus" dem Jahr 1619 besagt, dass das Kloster Kühbach das alleinige Patronats- und Präsentationsrecht über die Pfarrei hat:
  "Das lechen (=Lehen) und auch das Jus nominandi et präsentandi (=Ernennungsrecht)" gehört ohne allen Stritt und abwechslung der Erwürdigen in Gott Frauen Äbtissin und dero Ehrw. Convent S.Magni Confessoris in Chiebach... Seind auch weder Saalbiecher noch andere briefliche Urkhundten vorhanden, darauß leichtlich zu schließen, weil nit allein das khirchen lehen sondern auch das gantze pfärrlein dem würdigen Gottshaus Chiebach mit gilten und anderen jurisdictionibus zugehörtt, alles daselbsten zu finden sein wirdt".

Die sog. "Kanzley-Manual-Matrikel des Bisthums Freysing aus dem XVII.Jahrhunderte" enthält die gleiche Aussage: "Wolmosen est de praesentatione Abbatissae in Khiebach. Ejusdem patronus s.Bartholomaeus. Solvit in absenti 70 fl. " d.h. das Absenzgeld, das der offizielle Pfarrherr dem die Seelsorge wahrnehmenden Pfarrvikar zahlen musste, betrug 70 Gulden. Das war ein hoher Betrag.



Auszug aus einer
Landkarte von 1655

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Dreißigjähriger Krieg
Die Lage an der wichtigen Straße zwischen Dachau und Aichach hat Wollomoos wirtschaftliche Vorteile, aber auch große Nachteile gebracht. Es musste viele Truppendurchzüge, Einquartierungen von Soldaten, Nahrungsmittellieferungen an die Heere, Plünderungen und Brandschatzungen ertragen. So hat Wollomoos auch im 30-jährigen Krieg schwer gelitten. Schon beim ersten Schwedeneinfall im Jahr 1632 brannten viele Anwesen ab. Es wurden so viele Bewohner umgebracht, dass der Grundherr, das Kloster Kühbach, neue Bauern aus dem Chiemgau anwerben musste. Neben den Gräueln der Soldateska war auch die eingeschleppte Pest für den Tod vieler Menschen verantwortlich. Kurz bevor die Schweden 1632 nach Altomünster weiterzogen, wurde die Kirche total geplündert und teilweise zerstört.


Umbau 1694

Nach dem Krieg und einer 45jährigen wirtschaftlichen Erholungsphase wurde die Kirche unter dem Pfarrer Georg Penzl (1670-1703) im Jahr 1694 renoviert und um weitere 2,2 Meter verlängert. Dabei wurde auch die barocke Giebelmauer im Eingangsbereich (siehe Bild oben) aufgemauert. Eine Gedenktafel in der Kirche weist auf diesen Bau und den Bauherrn hin.
Schon seit 1685 gab es übrigens eine Schule. Lehrer waren der Hilfspriester und der Mesner. Allerdings scheint die Schule im Pfarrhaus eingerichtet gewesen zu sein. Denn Mayer/Westermayer berichten, noch 1817 habe "der Pfarrer die Schule in seinem Wohnhause versehen".


Spanischen Erbfolgekrieg 1701-1714

Auch im Spanischen Erbfolgekrieg (1701-1714) litten Ort, Kirche und Bevölkerung schwer. Einen indirekten Hinweis gibt ein Eintrag im Taufbuch, nach dem die Mutter eines unehelichen Kindes nicht nur einen, sondern gleich mehrere unbekannte Soldaten als möglichen Vater angab.


Umbau 1720
Der Innenraum der Kirche wurde eine Generation später, 1720 bis 1730, unter Pfarrer Johann Bapt.Trämer nach barockem Geschmack umgestaltet. Der Friedberger Johann Caspar Eberle (Oeberle) lieferte neue Altäre, die 170 Jahre später, bei der Renovierung 1895 verbrannt worden sind. Auch das Pfarrhaus und die Ökonomie wurden 1730 neu gebaut. Und das trotz der Armut in Wollomoos. In seiner Pfarrbeschreibung von 1721 berichtet Johann Tramer, dass Dr.Reuschle bei einer Visitation erklärt habe, dieses Gotteshaus sei die ärmste Pfarrkirche der ganzen Diözese ("auß allen Pfarrkirchen des gantzen Freysingischen Bistumbs das allerärmiste"). Viele für die Gottesdienste notwendige Sachen gingen ab, so z.B. eine Monstranz, ein Ziborium (=Gefäß für die Aufbewahrung der Hostien), das Ewige Licht. Andere Gegenstände, wie der Kelch, ein Ciborium aus Zinn, ein Messbuch und alte Messgewänder seien nach dem Krieg erbettelt und dem geplünderten Gotteshaus geschenkt worden ("zu dem spolierten gottshaus erbettlet und geschenkht worden").


Blick vom neuen Friedhof aus

Matrikel von 1738/40 01)
Der Freisinger Kanonikus Schmidt hat in den Jahren 1738-40 eine nach ihm benannte Matrikel (= Verzeichnis) erstellt. Darin ist auch eine kurze Beschreibung der Pfarrei "s.Bartholomaei in Wollenmos" enthalten. Das Präsentationsrecht lag noch immer beim Benediktinerinnenkloster in Kühbach (dies blieb so bis zur Säkularisation 1803). Weder 1315 noch 1524 oder 1740 hatte die Pfarrkirche eine Filiale; St.Laurentius in Pfaffenhofen kam erst 1866 dazu. Der Pfarrer sei seit 30 Jahren, also seit 1708/10, der geistliche Herr Johannes Trämer; er wohne in einem ansehnlichen Pfarrhof (den er kurz vorher neu gebaut hatte). Die Zahl der Gläubigen war auf 145 Communicantes angewachsen. Das war im Hinblick auf die hohen menschlichen Verluste durch Kriegshandlungen und Pest ein hoher Zuwachs innerhalb der letzten 200 Jahre. Zur Pfarrkirche bemerkte Schmidt, sie sei ein durchschnittlicher Bau. Ihre drei Altäre seien dem hl.Bartholomäus, der Muttergottes sowie dem hl. Antonius von Padua geweiht. Das Kirchweihfest falle auf den Sonntag nach dem Fest des hl. Gallus (16.Okt). In der Sakristei würden schöne Messgewänder aufbewahrt. Im Turm hingen zwei geweihte Glocken. Im Friedhof stehe ein Beinhaus. Die Einnahmen der Kirche verwalteten der Pfarrer und der Landpfleger von Aichach.


Turmbau 1792
Der Turm schien in der zweiten Hälfte des 18.Jh. ziemlich baufällig geworden zu sein. Jedenfall ist dies einer Eingabe des Pfarrers Andre ab Egg vom Jahre 1758 zu entnehmen. Darin ist "von dem schlechten ruinosen Gebau(de) besonders des gloggen thurns" die Rede. Im Jahr 1792 legte man (unter Pfarrer Andreas Mörtl 1783-1799) endlich den alten Kirchturm im Süden des Chores nieder und errichtete einen neuen Turm im Nordosten.
1831 gab man eine neue Glocke in Auftrag und schaffte 1871/72 eine Turmuhr an.


Pfarreizugehörigkeit
1866 wurde die Filialkirche Pfaffenhofen von der Pfarrei Sielenbach getrennt und der Pfarrei Wollomoos zugeteilt. Doch nach 100 Jahren kam Pfaffenhofen mit Wollomoos zumindest seelsorgerisch wieder nach Sielenbach zurück als der letzte Wollomooser Pfarrer Joseph Neureuther (1917-1956) 1956 starb. Seit damals wurde nämlich die Pfarrei Wollomoos von Sielenbach aus seelsorgerisch betreut. Seit 2008 gehört es mit Sielenbach zum Pfarrverband Altomünster.


Statistik
In den alten Matrikeln, Beschreibungen und Zeitungsberichten werden immer wieder Zahlen genannt, die sich auf die Bevölkerung, die Seelen (Pfarreiangehörige), Häuser, Anwesen, Gebäude oder Familien beziehen. Leider ist die Bezugsgröße dieser Zahlen sehr unterschiedlich; sie sind deshalb nicht immer vergleichbar. So beziehen sich die Werte teils auf die Ortschaft oder die Gemeinde, teils auf die Pfarrei.

Pfarrei
1524: Pfarrei mit 50 erwachsenen Gläubigen (Communicantes 24))
1560: Pfarrei mit 110 erwachsenen Gläubigen (Communicantes 24))
1738
: Pfarrei mit 145 erwachsenen Gläubigen (Communicantes 24))

1884: Pfarrei mit
299 Gläubigen in 51 Häusern.
2008: Pfarrei mit 586 Katholiken

Ortschaft Wollomoos
1685: Dorf mit 25 Anwesen
1876: Dorf mit 166 Einw., 88 Gebäuden, 42 Pferden, 251 Rind. 04)
2008: Ortschaft Wollomoos mit 624 Einwohnern,

Gemeinde Wollomoos
1840: Gemeinde mit 308 Einwohnern
1852
: Gemeinde "Wollenmoos mit 50 Familien und 293 Seelen"           (andere Quelle: 304 Einwohner)
1876:
Gemeinde mit 330 Einw., 179 Gebäuden, davon 63          Wohngeb, 109 Pferden, 574 Rind., 247 Schweinen 04)
1900
: Gemeinde mit 361 Einwohnern
1925: Gemeinde mit 400 Einwohnern
1933: Gemeinde mit 403 Einwohnern
1939: Gemeinde mit 388 Einwohnern
1950: Gemeinde Wollomoos mit 585 Einwohnern


Zum Widum, dem Pfarrbauernhof, der zu den Einkünften des Pfarrers (neben dem Zehent und den Stolgebühren) beitrug, gehörte Ackerland von 6 Hektar im Jahr 1560, 15 Juchart Äcker in 1577, 46 Tagwerk (15 ha) im 19.Jh.


Beschreibung 1880  
03)

Kirche und Pfarrei Wollomoos sind auch in der "Statistischen Beschreibung des Erzbisthums München-Freising" aus der Zeit um 1874-84 enthalten, die zunächst der Benefiziat Anton Mayer und -nach dessen Tod 1877- Pfarrer Georg Westermayer als Buch veröffentlichten.
Diese bisher umfangreichste Diözesanbeschreibung sollte in erster Linie den praktischen Bedürfnissen der Diözesan- und Staatsverwaltung dienen. Daneben hat das Werk in Form von "kleinen Notizen" die Ergebnisse der aufblühenden orts- und lokalgeschichtlichen Forschung sowie die gedruckten Quellen und die von Heckenstaller und Deutinger gesammelten Unterlagen im Archiv des Erzbistums verwertet. Erste Grundlage dieser "Mosaikarbeit" waren Mitteilungen der Pfarrämter.
  Geographie: "Pfarrsitz an der Straße von Aichach nach Dachau, am Ursprunge des Flüßchens Weilach, einsam und tiefgelegen.
Die Pfarrei hat 299 Seelen in 51 Häusern. Davon wohnen nur 154 Gläubige (in 30 Häusern) in der Ortschaft Wollomoos selbst, die Übrigen in Pfaffenhofen 81 (13) -das erst 1866 von der Pfarrei Sielenbach nach Wollomoos kam- sowie in Rudersberg 45 (5) und Xyger 11 (2). Der Umfang der Pfarrei beträgt 8 km. Die Wege sind gut." Wollomoos gehört noch immer zu den kleinsten Pfarreien im Dachauer Land. In dem 1876 erbauten Schulhaus unterrichtete 1 Lehrer 40 Werktags- und 19 Feiertagsschüler.
Pfarrei
: "Das Präsentationsrecht für neue Pfarrer in Wollomoos liegt bei Seiner Majestät dem König. Die Kirchenrechnung weist bei 1589 Mark Einnahmen und 86 Mark Lasten einen jährlichen Reinertrag von 1502 Mark aus. Das Widum (=der Pfarrbauernhof) umfasst Grundstücke von 48 Tagwerk (= 16 ha) Fläche der Bonität 8. Das Pfarrhaus, um 1715 vom Pfarrer Johannes Tramer erbaut, ist etwas beschränkt, minder passend und unten feucht. Dagegen sind die zu Ende des vorigen Jahrhunderts (=ca. 1790) errichtete Ökonomiegebäude geräumig und passend. Die Matrikelbücher beginnen 1661".
Pfarrkirche: "Erbauungsjahr unbekannt; restaurirt 1880. Ohne ausgeprägten Styl. Die Geräumigkeit ist zureichend. Baupflicht hat die Kirchenstiftung. Kuppelthurm, 1792 erbaut, mit 2 Glocken, gegossen 1830 und 1832 in Augsburg. 3 Altäre. Orgel mit 6 Registern. Cemeterium (=Friedhof) bei der Pfarrkirche ohne Kapelle. Bittgänge am Pfingstdienstag nach Inchenhofen, am 2.Juli nach Maria Birnbaum. Stiftungen: 6 Jahrtage, 30 Jahrmessen und 52 Quatembermessen (Quatembertage sind Mi, Frei, Sa nach: 1.Fastensonntag, Pfingsten, 3.Septembersonntag und 3.Adventssonntag). Meßner und Cantor ist der Lehrer. Kirchenvermögen: 29.100 Mark".


Verlängerung der Kirche 1895
Im Jahr 1895 musste die Kirche (unter Pfarrer Otto Bader) vergrößert werden, um der gestiegenen Zahl der Gläubigen Rechnung zu tragen. Weil man das Kirchenschiff wegen der vorbeiführenden Straße nicht weiter verlängern konnte, brach man den spätgotischen Chor ab und baute einen neuen, tieferen Altarraum (siehe Bild rechts). Darin fanden der Hochaltar sowie zwei Beichtstühle und die Kinderbänke Platz. Damals wurden auch viele Einrichtungsgegenstände im neugotischen Stil angeschafft. Prof.Thomas Buscher schuf die Figuren.
Aus der alten spätgotischen Einrichtung wurden die Figuren von St.Wolfgang, St.Bartholomäus und St.Pantaleon übernommen.
Der letzte Wollomooser Pfarrer Neureuther hielt 50 Jahre später diesen Baumaßnahme für verunglückt und erklärte, der Chor habe das Aussehen eines "unschönen Darms".

neuer Chor 1895


Beschreibung 1895  22)
Drei Holzfiguren in der Kirche von Wollomoos sind auch im Verzeichnis der Kunstdenkmale des Königreichs Bayern kurz erwähnt, dessen Friedberger Teil 1888 von Prof. Gustav von Bezold und Dr. Georg Hager bearbeitet und 1895 von Betzold und Dr. Riehl im Auftrag des Königl.Bayer. Innenministeriums herausgegeben wurde. Dort heißt es:
-
Pfarrkirche.
-
Drei bemalte Holzfiguren vom Schluss des 16. Jh.
-
1. Auf dem rechten Seitenaltar S. Wolfgang, in der Linken die Kirche, in der Rechten den Bischofsstab. Der rechte
    Mantelzipfel hängt über dem 1. Arm. Höhe: 88 cm.
-
2. An der Nordwand der Kirche: S. Bartholomäus, auf der Linken das Buch, in der Rechten das Messer. H. 87 cm.
-
3. An der rechten Seite des rechten Seitenaltars S.Pantaleon, dem beide Hände auf den Kopf genagelt sind.
    H. 81 cm.

Renovierungen fanden Ende des 19.Jh, 1938 und 1977/78 statt.



B
eschreibung des Kirchenbaus

Die Kirche liegt im Dorf inmitten eines ummauerten Friedhofs. Der Friedhof wurde 1978 erweitert; dafür musste das Grieseranwesen (Beiamo) abgesiedelt werden.
Das Gotteshaus ist eine Saalkirche, deren Decke ohne tragende Zwischensäulen den gesamten Raum überwölbt. Die dem hl Apostel Bartholomäus (Festtag 24. August) geweihte Pfarrkirche besitzt noch romanische Mauerreste in den Langhausseiten.
Das Aussehen der heutigen Kirche ist sehr stark durch die Umbauten im Jahr 1895 geprägt, als Pfarrer Otto Bader einen neuen, tiefen Altarraum errichtete. Dieser Chor besitzt nun eine Länge von 10,50 Metern bei einer Breite von 4,75 Metern. Er ist stark eingezogen und schließt halbrund.
Das Langhaus, das Kirchenschiff, besitzt drei Achsen. Es enthält noch romanische Mauerreste. Auf dem mit Biber gedecktem Dach sind -ungewöhnlich für Kirchen- zwei Dachgauben angebracht.

barocker Giebel

Beeindruckend sind die barocken Giebel, die schon 1694 dem Kirchenschiff und dem Vorhaus auf der Westseite vorgesetzt worden waren. Sie geben der Kirche ihr Gepräge.


St.Bartolomäus
An der Giebelmauer steht in einer Nische die Muschelkalkfigur des hl.Bartholomäus mit seinen Attributen, dem Messer (=Todesart) und einer Bibel (Verkünder des Evangeliums) in der Hand.

Kruzifx
Außenwand
Auf der Südseite hängt ein großes Kruzifix. Der Corpus Christi ist ganz vergoldet.

Auch das Vorhaus über dem Portal an der Westseite erhielt 1694 einen barocken Giebel. Im abgerundeten Giebelaufsatz befindet sich die Steinfigur eines Engels mit Spruchband. Darauf der Text " Soli Deo Gloria" (Allein Gott sei Ehre).

Arme-Seelen-Bild
Das darunter liegende Rundbogenfenster ist mit einem Glasgemälde aus der Zeit um 1880/90 verziert. Es zeigt Menschen als Armen Seelen im Fegefeuer. Sie schauen flehentlich auf den Kelch im Strahlenkranz (als Zeichen für Christus), der auf Wolken am Himmel erscheint und Gnadenstrahlen auf die Leidenden herabsendet.

Kriegerdenkmal
Zwei Steinplatten sind dem Gedenken an die gefallenen Soldaten gewidmet.

Die rechteckige Kalkplatte erinnert "an drei in Rußland gefallenen Söhne der Gemeinde Wollomoos, die zusammen mit Napoleon nach Moskau ziehen mussten. Sie starben 1807 bis 1813.
Ein weiteres Todesopfer hatte die Gemeinde im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 zu beklagen.
Die Platte aus rotem Sandstein erinnert an die 15 Gefallenen des Ersten Weltkriegs 1914/18.

  
Kriegerdenkmale

Kirchturm
Der Kirchturm steht erst seit 1792 an der Nordostecke der Kirche. Sein Vorgänger war südlich angebaut.
Der Turm hat einen quadratischen Grundriss, ist durch Ecklisenen und durch Gesimse gegliedert und von einer Zwiebelhaube aus Kupfer überdeckt.
Hinter den Schallfenstern hängen drei Glocken. Beim Neubau 1792 waren zunächst zwei Glocken erworben worden. 1925 hat man drei Glocken gekauft. Dies bedeutet, dass die beiden alten Glocken wohl im Ersten Weltkrieg zum Einschmelzen abgeliefert werden mussten.
Seit 1871/72 gibt es eine Turmuhr.

Die doppelstöckige Sakristei mit Pultdach ist an die Südseite des Chores angebaut.

Epitaphe
In die Wände des Vorhauses und des Kirchenschiffs sind Epitaphe (Grabdenkmäler) eingelassen, die an frühere Pfarrer erinnern:
- für Pfarrer Johann Krämer, gest. an seinem Namenstag, dem 24.Juni 1742 (Langhaus, Solnhofener Stein,
  Größe: 60 x 62 cm)
- für Pfarrer Andreas Abeggs, gest. 13.März 1783 (Langhaus, Solnhofener Stein, Größe: 56 x 31 cm)

- für Pfarrer Anton Fendt, geb. am 2.Dezember 1757, gest. 20.Juli 1829 (Langhaus,
  Solnhofener Stein, Größe: 65 x 25 cm)
- für Pfarrer Joseph Mayr, geb. am 6.März 1833, gest. am 26.April 1881 (Vorhaus,
  weißer Marmor, Größe: 53 x 56 cm). Text auf dem Stein: "Zum frommen Andenken im
  Gebete an Hochwürdigen Herrn Joseph Mayr, seit 4 Jahren Pfarrer i.Wollomoos, geb. zu
  Mittermarbach 6.März 1833, zum Priester geweiht am 29.Juni 1859, gest. in
  Wollomoos am 26.April 1821. R.I.P"
  Das Grab des Pfarrers ist in Mittermarbach. Text auf dem Grabstein...

Epitaph


Innenausstattung

Bis auf die altbarocken Kirchenstühle wurde 1895 die gesamte Inneneinrichtung im Geschmack des Neubarock erneuert und die Kirche neu ausgemalt. Professor Thomas Buscher (1860-1937) schuf die figürliche Ausstattung. Der Künstler war ein bedeutender Bildhauer und Holzschnitzer des Historismus (mehr über Thomas Buscher...).



A
ltarraum

Der um eine Stufe gegenüber dem Kirchenschiff erhöhte Altarraum ist über 10 Meter lang. Er ist stark eingezogen und schließt halbrund. Überdeckt wird er von einem niedrigem Tonnengewölbe mit Stichkappen und kannelierten Pilaster als Wandgliederung.
Der Stuck bildet Fruchtgehänge, Stoffdraperien, Cheruben und Blatt-Stableisten mit Akanthusmotiven; stilistisch entspricht er der Zeit um 1670/80, kann aber frühestens beim Neubau des Chores um 1895 entstanden sein.
Das Deckengemälde im Altarraum stellt die biblische Szene vom Besuch Jesu bei den Schwestern Maria und Martha dar (Lk.10, 38-42). Martha kümmert sich um das Wohlergehen von Jesus, Maria hört ihm zu.

Jesus bei Martha u.Maria
Jesus schätzt das Zuhören von Maria höher ein, als die Fürsorge von Martha.
Als Maler könnten die Münchner Maler Kaspar Lessig (1852-1916) und Anton Ranzinger. (1850-1924) in Frage kommen. Diese Künstler, die die Anstalt für kirchliche Kunst gegründet hatten, waren auch in den Pfarrkirchen von Petershausen und Sulzemoos tätig.


C
horaltar / Hochaltar

Der Choraltar besitzt ein 2,75 Meter breites und raumhohes Retabel im Stil der Neurenaissance (um 1895). Das Holz ist braun gefasst und mit Schnitzdekor vergoldet. Die Stipes besteht aus Porphyr (vulkanisches Gestein) und hellem und rotem Marmor, der von freigestellten Ecksäulen aus Rotmarmor umgeben ist. Vier kannelierte Säulen tragen einen Sprenggiebel mit ausladenden Aufbauten.
Mittelpunkt des Altars ist der Tabernakel (1895). Er ist mit sechs Säulchen und aufwändiger Architektur gestaltet. Die Türen und Nischen sind vergoldet. Auf dem Tabernakel liegt das Buch mit den sieben Siegeln. Darauf ruht ein Lamm. Diese Darstellung greift ein Thema aus den Geheimen Offenbarungen (Apokalypse, 5,1 ff) der Bibel auf. Darin beschreibt Johannes eine Vision, in der Gott eine Buchrolle mit sieben Siegeln in der Hand hält, die niemand öffnen konnte.


Choraltar
Allein der "Löwe aus Judas Stamm und Nachkomme Davids" sei dazu berechtigt. Da kam ein Lamm, das aussah, als ob es geschlachtet worden war und öffnete die Siegel.
Die Buchrolle ist das Buch des Lebens, in dem die Namen der Gerechten und der Sünder eingetragen sind und das die Ereignisse enthält, die am Weltende geschehen werden. Das Lamm stellt Jesus dar, der auch der Löwe von Juda und Lamm Gottes genannt wird.


Der hohe Altaraufsatz wird umgeben von vier kannelierten Säulchen, die einen Sprenggiebel tragen. Im der großen Nische steht eine gotische Figur des Kirchenpatrons St. Bartholomäus mit Messer und Bibel in der Hand (Anfang 16.Jh.). Umgeben ist St.Bartholomäus von fünf Engeln, die Passionssymbole (Kreuz, Kelch, Schweißtuch, Geißelsäule, Dornenkrone) in Händen halten.

St.Bartholomäus
Hinweis: Bartholomäus war einer der 12 Apostel und zog nach dem Tod Jesu als Missionar durch Armenien, Indien und Mesopotamien. Er wirkte zahlreiche Wunder und heilte Kranke. Unter den Geheilten war auch die Tochter des armenischen Königs. So konnte die könig-liche Familie für das Christentum gewonnen werden. Der Bruder des Königs jedoch hetzte die Priester des alten Glaubens gegen Bartholomäus auf, ließ ihn gefangen nehmen und foltern und schließlich zu einem besonders grausamen Tod verurteilen: bevor er gekreuzigt wurde,
hat man ihm mit einem Messer die Haut abgezogen. Deshalb wird er oft mit einem Messer dargestellt. Das Häuten bei lebendigem Leib war damals im Persischen Reich eine der üblichen Todesstrafen. Die Bibel auf dem Arm weist Bartholomäus als Verkünder des Evangeliums aus.
Assistenzfiguren

St.Leonhard
Assistenzfiguren am Hochaltar sind der hl.Leonhard und der hl. Florian. Sie wurden um 1729 (andere Quelle: um 1740) geschnitzt und stehen unter Muschelkalotten.
Leonhard ist im Mönchsornat mit Abtsstab abgebildet. Die sonst üblichen Attribute, die Viehketten, fehlen hier.
St.Florian ist in römische Soldatenrüstung gekleidet. Er hält in der linken Hand eine Fahne; mit der Rechten schüttet er Wasser aus einem Holzschaff auf ein Haus, das zu seinen Füßen steht.

St.Florian

Hinweise: Leonhard (in Bayern einer der 14 Nothelfer) lebte um das Jahr 500 als Einsiedler und
später als Abt in Frankreich. Regelmäßig besuchte er die Gefangenen und erreichte beim König Clodwig I., dass viele von ihnen freigelassen wurden. Deshalb galt er ursprünglich als Schutzpatron derer, "die in Ketten liegen", also der Gefangenen - und der Geisteskranken, die man bis ins 18. Jahrhundert ankettete. Als die Leonhardsverehrung nach Deutschland kam, hat man ihn wegen der Ketten, mit denen er in Frankreich abgebildet war, als Patron der Haustiere verehrt, weil man diese Ketten als Viehketten missdeutete. In Bayern erreichte die Leonhardsverehrung im 19.Jh ihren Höhepunkt. Man nannte ihn auch den "bayerischen Herrgott". Am Leonhardstag, dem 6. November werden Leonhardiritte abgehalten und Tiersegnungen vorgenommen.

St.Florian war um das Jahr 304 Offizier der zweiten italienischen Legion des römischen Heeres. Er war in St.Pölten in Oberösterreich stationiert. Nachdem der Christ geworden war, trat er aus der Armee aus. Wegen seines Glaubens wurde er verhaftet und nach vielen Martern mit einem Mühlstein um den Hals in die Enns geworfen. Florian ist der erste österreichische Märtyrer und Heilige. In seiner Jugend soll er ein brennendes Haus durch sein Gebet gerettet haben; aber erst im 15. Jh setzte sich diese Überlieferung durch, die heute seine Bedeutung als Schutzpatron vor Feuersgefahr begründet. Festtag: 4.Mai



F
iguren an den Seitenwänden des Altarraums


St.Wolfgang
An den Chorseitenwänden stehen zwei polychrom (mehrfarbig) gefasst Heiligenfiguren aus der 2.Hälfte des 16.Jh.
Links die Figur des hl. Wolfgang im Bischofsornat, in der Hand ein Kirchenmodell.
Rechts die Figur des hl.Pantaleon mit eng geschnalltem Gürtel um die Taille. Seine Hände sind auf den Kopf genagelt.
Die beiden Figuren waren auch im Verzeichnis der Kunstdenkmale des Königreichs Bayern von 1895 aufgeführt  22).

St.Pantaleon

Hinweis: Wolfgang lebte im 10.Jh erst Mönch in Einsiedeln, dann ab 972 Bischof von Regensburg. die Legende erzählt von zeitweiligem Einsiedlerleben am nach ihm benannten Wolfgangsee. Das Einsiedlerleben wurde durch den Teufel gestört, der immer wieder versuchte, Wolfgang zu vernichten, so dass Wolfgang beschloss, sich an einem freundlicheren Ort eine Klause zu erbauen. Er warf seine Axt ins Tal hinab und gelobte, an dem Ort, an dem er sie wieder finden werde, eine Kirche zu erbauen. Wolfgang lebte sieben Jahre in der Einöde, danach kehrte er nach Regensburg zurück. Die vielseitige und umsichtige Tätigkeit als Bischof begründete Wolfgangs Beliebtheit und seine Verehrung schon zu Lebzeiten. Er versuchte insbesondere, die Bildung und das geistliche Lebens des Klerus und der Orden zu fördern. Gedenktag: 31.Oktober

Hinweis: Pantaleon (*305) war Leibarzt des römischen Kaisers. Wegen seines Glaubens wurde er gegeißelt, gebrannt und dem Hungertod preisgegeben und schließlich -an einen Ölbaum gebunden und die Hände auf den Kopf genagelt- mit einem Schwertschlag in zwei Hälften geteilt. Seit dem Mittelalter ist er einer der 14 Nothelfer und als solcher Patron der Ärzte und Helfer gegen Kopfweh. Gedenktag: 27.Juli


E
wig-Licht-Ampel

Vom Chorbogen hängt die Ewig-Licht-Ampel aus der Zeit um 1900. Die 54 cm hohe Ampel besteht aus getriebenem und gegossenem Messing und ist versilbert. Besonders kunstvoll sind die Ketten-befestigungen; der übrige Schmuck ist spärlich.

Ewig-Licht-Ampel
Hinweis: Das rote Öllämpchen, das stets im Altarraum brennt, gilt oft als Erkennungsmerkmal eines katholischen Gotteshauses. Früher gab es solche Lichter nur an den Märtyrergräbern. Mit der wachsen-den Verehrung der aufbewahrten Eucharistie hat sich etwa seit dem 13. Jh der Brauch des "Ewigen Lichtes" vor dem Tabernakel, wo das Allerheiligste aufbewahrt



wird, herausgebildet, nachdem der Johanniter-Ritterorden das Ewige Licht von den Kreuzzügen aus dem Heiligen Land mitgebracht hatten. Durch sein dauerndes Brennen weist es darauf hin, dass in der Kirche geweihte Hostien aufbewahrt werden.



T
aufstein
Am Chorbogen steht der elegante Taufstein aus Rotmarmor auf hohem Fuß.
Das runde Taufbecken ist mit muschelförmigen Verzierungen versehen und mit einem neuen Kupferdeckel bedeckt.

Taufstein

Zelebrationsaltar

Unter dem Chorbogen steht der Zelebrationsaltar (Volksaltar). Er besteht aus Holz und ist nach Art des Choraltars in den Stilformen des Historismus gestaltet. Augenfälliger Schmuck ist ein vergoldetes Gitter.
Der Altar wurde um 1970 aufgestellt, im Zuge der Liturgiereform durch die Beschlüsse des 2.Vatikanische Konzils, und bedeutet eine Rückkehr zu den Wurzeln der Eucharistiefeier.
Hinweis: Der Altar war das Symbol des heidnischen Gottesdienstes. Das lateinische Wort adolere = verbrennen bezeichnet die ursprüngliche Bedeutung als Stätte zur Verbrennung der Opfer. Die ersten Christen hatten keinen Altar. Jesus versammelte die Seinen um den Tisch, und das hielten auch die Christen während der ersten Jahrhunderte so; zur Eucharistiefeier konnte jeder beliebige Tisch dienen.
  Im 4.Jh wurde das Opfer Jesu in das Tischgeschehen hineingenommen und der Altar eingeführt. Er war meist aus Stein, frei aufgestellt und von allen Seiten zugänglich. Ab dem 8. Jahrhundert weicht die Tischform immer mehr der Blockform. Dies kam der Entwicklung entgegen, im Altar Reliquien von Märtyrern und Heiligen beizusetzen. Der zelebrierende Priester stand hinter dem Altar, sodass seine Handlungen während der Messfeier für die ganze Gemeinde sichtbar waren. Als der Altar dann im 11.Jh eine Rückwand mit hohen Altaraufbauten (Retabeln) erhielt und weiter an die Ostwand rückte, wandte der Priester der Gemeinde den Rücken zu. Dies ist in der katholischen Kirche durch eine Liturgiereform erst vor 55 Jahren wieder rückgängig gemacht worden. Der Zelebrationsalter ersetzt nun liturgisch voll den Hochaltar. 21)

 


Kirchenschiff / Langhaus

Das Kirchenschiff ist mit einer Flachdecke über umlaufendem Gesims überzogen.
Bei der Kirchenrenovierung 1938 hat man an den Langhausseiten romanische Mauerreste, auf der Empore Fragmente gotischer Malerei und bei den Apostelleuchtern Spuren einer Renaissancebemalung entdeckt.


D
eckengemälde

Die Langhausdecke ist mit einem großen Gemälde und 4 kleineren Rundbildern in Stuckrahmen verziert. Die Gemälde dürften wohl bei der großen Erweiterung von 1895 anstelle der früher vorhandenen Ausmalung geschaffen worden sein.
Das Hauptgemälde zeigt das Martyrium des hl. Bartholomäus. Der Heilige wird von Knechten auf den Richtblock gezerrt, während sich der Henker nach dem Messer bückt, mit dem er Bartholomäus erstechen wird. Im Hintergrund sind Gebäude des alten Roms zu sehen. (Maler Caspar Lessing /Anton Ranzinger ?).

Martyrium von
St.Bartholomäus

Die vier kleineren Rundgemälde sind jünger als das Hauptgemälde und dürften erst in der 2.Hälfte des 20.Jh entstanden sein. Sie zeigen die vier Evangelisten (Matthäus mit einem geflügelten Menschen, Markus mit dem geflügelten Löwen, Lukas mit dem geflügelten Stier und Johannes mit dem Adler) zu sehen.

  Hinweis: Die vier Evangelisten-Symbole geflügelter Mensch, geflügelter Löwe, geflügelter Stier und Adler reichen zurück bis in den babylonischen Mythos. Dort stellten sie die vier Astralgötter Nergal (Flügellöwe), Marduk (Flügelstier), Nabu (Mensch) und Mimurta (Adler) dar, die vor den Heiligtümern Wache hielten. Im Alten Testament werden sie in den Gottesvisionen Ezechiels (Ez 1,1-14), im Neuen Testament in der Offenbarung des Johannes (Kap.4 Vers 7) als die vier Lebewesen, die rings um Gottes Thron stehen, erwähnt. Zuerst hat man sie nur im Zusammenhang mit dem thronenden Christus abgebildet. Als Evangelistensymbole dienen sie erst seit dem frühen Mittelalter (durch die Kirchenväter Irenäus und Hippolyt um das Jahr 200).
Seit Hieronymus (347-420) werden sie wie folgt gedeutet: 
- Der geflügelte Mensch (nicht Engel !) bei Matthäus weist auf den Stammbaum Jesu und auf dessen Geburt
  (mit deren Bericht das Matthäusevangelium beginnt) hin. 
- Der geflügelte Löwe ist Sinnbild für Markus, weil das Markusevangeliums mit der Predigt des Johannes in der
  Wüste, dem Lebensraum des Löwen, beginnt und weil sein Evangelium die Kraft der Auferstehung und
  Todesüberwindung betont.
- Der geflügelte Stier (als Opfertier) des Lukas galt als Zeichen für den Beginn des Lukas-Evangeliums, das
  mit dem Opfer des Zacharias einsetzt und das am innigsten auf den Opfertod Christi hindeutet.
- Den Adler des Johannes versteht man als Symbol für den spirituellen Höhenflug des Johannes-Evangeliums,
  das mit den Worten beginnt "Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort".


S
eitenaltäre

Linker Seitenaltar

Auch die 180 cm breiten und 370 cm hohen Seitenaltäre stammen wie der Hochaltar aus der Zeit um 1895. Sie sind braun gefasst und mit vergoldetem Schnitzdekor verziert. Der Aufbau besteht aus zwei kannelierten Säulen mit Kompositkapitellen.

Seitlich sind Figurenpostamente angebaut. Auf dem verkröpften Gebälk sitzt ein Auszug mit Dreiecksgiebel. Auch die Figuren an den Seitenaltären dürften 1895-1900 in der Werkstatt des Künstlers Thomas Buscher entstanden sein.


Rechter Seitenaltar

Früher waren die Seitenaltäre der Jungfrau Maria und dem hl.Antonius von Padua geweiht. Die Aufbauten wurden 1895 verbrannt. Die Figuren von Johann Kaspar Eberle (Öberle) aus Friedberg (1700-1767) sind -jedenfalls noch teilweise- erhalten und an anderer Stelle in der Kirche aufgestellt.


Linker Seitenaltar

Der linke Seitenaltar ist ein Muttergottes-altar. Mittelpunkt ist eine Marienfigur mit dem Jesuskind aus der Zeit um 1880/90. Das Kind steht auf dem Schoß der Mutter und erhebt seine rechte Hand segnend.
         
St.Elisabeth  -  Muttergottes  -  St.Notburga
Die Muttergottes ist als relativ alte Frau dargestellt. Daneben stehen die Figuren der hl. Notburga mit der Sichel in der Hand und einer Getreidegarbe im Arm sowie der
hl. Elisabeth
mit Rosen im Schurz.
  Hinweis: Die in Bayern ungemein beliebte Notburga war eine Bauernsmagd aus Tirol, die der Aufforderung des Bauern, auch nach dem Gebetläuten noch auf dem Feld zu arbeiten, nicht nachkam und die Sichel in die Luft hängte. Sie ist eine der wenigen Heiligen, die aus ganz einfachen Verhältnissen kam und kein geistliches Amt innehatte.
Die hl. Elisabeth von Thüringen speiste gegen den Willen ihres Mannes die Armen vor den Toren der Wartburg. Als er sie zur Rede stellte, verwandelten sich die Brote in ihrer Schürze zu Rosen. Dass in der Schürze ausgerechnet Rosen lagen, geht darauf zurück, dass im Mittelalter -schon lange vor Elisabeth- die Armenspeisen Rosen genannt wurden.


Rechter Seitenaltar

Der rechte Seitenaltar ist dem hl. Josef geweiht. Seine Figur steht in der Mittelnische; in den gefalteten Händen hält er ein großes Zimmermannsbeil. Am Holzblock, in dem das Beil steckt, ist die Signatur des Künstlers "TB 1900" (Thomas Buscher) aufgebracht.
        
St.Sebastian  -  St.Josef  -  St.Franz Xaver
Links von Josef ist der hl. Sebastian (am Marterpfahl, von Pfeilen durchbohrt), rechts ein junger St.Franz Xaver (?) mit Kreuz und Lilie zu sehen. Alle Figuren stammen wie der Altar aus der Zeit um 1895/1900.
  Hinweis: Sebastian soll nach der Legende im 3.Jh.ein Offizier der kaiserlichen Garde gewesen sein. Auf Befehl des Kaisers Diokletian wurde er wegen seines Glaubens mit Pfeilen durchschossen. Er erholte sich aber durch die Pflege der Witwe des Märtyrers Kastulus, bekannte sich erneut zu seinem Glauben und wurde daraufhin mit Keulen erschlagen. Auf seine Anrufung hin, soll eine Pestepidemie abgewendet worden sein. Der heilige Sebastian wird deshalb  als Pestpatron und -der Pfeile wegen- als Patron der Schützenbruderschaften verehrt.



K
irchenbänke

Die Kirchenbänke (13 Reihen nördlich und 15 Reihen südlich) aus neuerer Zeit haben schöne Stuhlwangen, die noch aus der Zeit von 1700 stammen. Sie wurden aus Eichenholz geschnitzt und sind mit einem Akanthusmuster versehen.
Das Muster dieser Wangen entspricht dem vieler Kirchenstühle im Dachauer Land. Es trat erstmals 1695 in Glonn auf und wurde ab 1717 auch in Ainhofen, Albersbach, Arnbach, Arnzell, Aufhausen, Bergkirchen, Hilgertshausen, Markt Indersdorf (Marktkirche), Ottmarshart, Pasenbach, Pipinsried, Walkertshofen, Weichs, Westerholzhausen, Westerndorf und hier in Wollomoos verwendet. 
  Hinweis: Schon vom Frühchristentum an bis in die neueste Zeit hinein knieten und saßen die Kirchenbesucher in den Kirchenbänken nach Geschlechtern getrennt. Damit sollte im Gotteshaus eine zu große "sündige" körperliche Nähe zwischen Männern und Frauen verhindert werden. Dies war in allen drei Hauptkonfessionen (Kath., Evang., Orthodox) so. In katholischen Kirchen sitzen gewöhnlich die Männer rechts und die Frauen links. Einen eindeutigen Grund für diese "Seitenwahl" gibt es nicht. Jedenfalls gilt im traditionellen Raumprogramm der Sakralarchitektur die Epistelseite als Männerseite und die Evangelienseite als Frauenseite. Seit dem letzten Konzil gibt es diese Trennung nicht mehr. Viele Pfarrer propagieren sogar das Gegenteil und bitten Familien, zusammenzubleiben. Dennoch sind auf der Frauenseite nur selten Männer zu finden. Weibliche Kirchenbesucher sind insoweit flexibler. Oft wurden auch die die Patrone der Seitenaltäre nach der Geschlechtszugehörigkeit ausgewählt: Seitenaltäre mit Christus oder einem männlichen Heiligen als Patron sind in 2/3 aller Kirchen rechts, Marienaltäre dagegen links zu finden. So auch hier in Wollomoos (Maria und Josef).
Eine Ausnahme ist im Landkreis Dachau die Kirche in Altomünster; dort ist die rechte Seite die Frauenseite. Grund dafür ist, dass im bis 1803 bestehenden Gemeinschaftskloster Altomünster die Frauen das Sagen hatten.
Wenn Sie noch weitere historische Wangenmuster an den Bänken in Kirchen des Dachauer Landes betrachten möchten, klicken sie hier...


P
rozessions-Stangen


Rosenkranz-
madonna
Auf einer reich geschmückten Prozessions-Stange an der ersten Bank rechts ist eine wunderbare Rosenkranzmadonna gesetzt (Figur von 1920). Von der Madonna mit dem Kind gehen Strahlen zum Rosenkranz, dessen Vaterunser-Perlen als goldene Scheiben mit rotem Kreuz und die Ave-Perlen als Silberkugeln dargestellt sind. Der Rosenkranz enthält aber statt der üblichen 5 Gesätze (zu je 10+1 Kugeln) sechs Gesätze. Ob dies eine besondere Bedeutung hat oder vom Künstler nur aus Gründen der symmetrischen Darstellung gewählt wurde, ist mir nicht bekannt. Die 3 zusätzlichen Ave-Kugeln für die Bitten um Glaube, Hoffnung und Liebe sowie das Kreuz am Anfang des Rosenkranzes fehlen. Eine Zusammenstellung von Rosenkranzmadonnen-Darstellungen in den Landkreiskirchen finden Sie hier...

Christusfigur

Auf einer weiteren Stange steht wohl eine Christusfigur aus der Zeit um 1720. Er ist in ein grün-rot-goldenes Gewand gekleidet; auf der offenen Hand präsentiert er das Evangelienbuch, das Neue Testament.
  Hinweis: Prozessionsstangen wurden, wie der Name schon andeutet, vor allem bei Prozessionen mitgeführt. Auf einer rd. zwei Meter langen Holzstange ist die Figur eines Heiligen befestigt (sog. "Stangelsitzerheiliger"). Der Brauch kommt aus dem Mittelalter. Damals trug ein Mitglied jeder Gilde, Bruderschaft oder Zunft eine besondere Prozessionsstange (Zunftstange); auf ihr war der Patron die der jeweiligen Vereinigung zu sehen.

EmporenblderRosenkranzmadonnaDeckengemäldeEmporenblderEmporenblderTaufbeckenOrgelProzessionsstange mit ChristusfigurEwig-Licht-AmpelVier HeiligeKreuzwegbilderBartholomäus
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Kreuzigungsgruppe
Kanzelkreuz und Mater Dolorosa

An der Südwand hängt ein barockes Kruzifix. Es stammt noch aus dem Jahr 1729. Der Corpus ist als Inkarnat (=fleisch-farbig) gefasst. Das dornen-gekrönte Haupt ist von einem nur den göttlichen Personen vorbehaltenen dreistrahligen

Kanzelkreuz
Heiligenschein umgeben. Das faltenreiche Lendentuch hat eine Gold- und Silberfassung.

Unter dem Kreuz steht Maria als Mater dolorosa mit einer barocken Krone auf dem Haupt und einem großen Schwert in der Brust (Figur aus 1680). Das Schwert in Marias Brust erinnert an das Simeonwort im Lukasevangelium (Kap 2,35) bei der Darstellung im Tempel: " Dir selbst wird ein Schwert durch die Seele dringen".

Mater
dolorosa


Heiligenfiguren im Kirchenschiff


An der Nordwand mehrere Heiligenfiguren angebracht, darunter

- eine weitere Darstellung des Kirchenpatrons Bartholomäus, mit einem langen Messer in der Hand.
  Die Skulptur wurde um 1730/40 geschnitzt.


St.Bartholomäus
- die Figur der hl.Barbara mit Kelch und Schwert stammt aus der Zeit um 1680. Das bekannteste Attribut der
  Heiligen, der Turm, ist nicht vorhanden.

St.Barbara

Hinweis: Die Heilige ist eine legendenhafte Person. Das bildschöne Mädchen soll von ihrem heidnischen Vater, dem reichen Dioskuros von Nikomedia, während einer längeren Geschäftsreise in einen Turm geschlossen worden sein, um sie am Heiraten zu hindern. Als der Vater zurückkam und merkte, dass sie Christin geworden war, ließ er sie martern und enthauptete die Tochter selbst. Vor dem Tod hatte Barbara Gott öffentlich gebeten, dass alle, die beim Sterben der Passion Christi gedenken, vom Gericht Gottes verschont werden mögen. Der Kelch mit Hostie in ihrer Hand versinnbildlicht die einem Sterbenden gereichte letzte Kommunion (Viatikum = Wegzehrung) und verweist auf ihre Funktion als Sterbepatronin. Die Abbildung der hl.Barbara nur mit Kelch ist bei uns "erst" seit dem 15.Jh. üblich (vorher immer mit Turm).


- Maria Magdalena

- die Figur eines knienden Heiligen im Priestergewand. Wer hier dargestellt werden soll, ist mir nicht bekannt

- darüber ein Christkind aus der Zeit um 1750.

- vier kleine Heiligenfiguren aus der Zeit um 1900, die auf einer gemeinsamen Konsole stehen.
   Welche Heiligen die beiden Bischöfe, der Mönch und der Priester darstellen, ist mir nicht bekannt.

- Nikodemus
(mit Pharisäermütze)
Hinweis: Nikodemus war ein führender Vertreter des Judentums, der mit Jesus heimlich Gespräche führte (Joh.3,1-12); er trat nach der Darstellung des Evangelisten gegenüber den Hohepriestern und Pharisäern für Jesus ein. Nach dem Tode Jesu stiftete Nikodemus eine übergroße Menge ('etwa hundert Pfund', nach heutigem Gewicht fast 33 kg) Myrrhe und Aloe (Joh.19,39). Nikodemus wird als Patron der Schmiede verehrt. Festtag: 31.August

St.Nikodemus


Kreuzwegbilder

Im hinteren Teil sind die Kreuzwegbilder angebracht. Es sind colorierte Kupferstiche im vergoldeten Profilrahmen. Die 33 x 22 cm großen Bilder wurden vom Kupferstecher Klauber aus Augsburg um 1800 hergestellt. Von Klauber stammen übrigens auch die mit der selben Platte hergestellten Kreuzwegbilder in Taxa und in Sulzrain (nicht coloriert).
Der Text unter den Bildern ist in lateinischer und in deutscher Sprache verfasst.
Kreuzwegbilder in unseren Kirchen sind erst seit 1700 üblich. Wenn Sie mehr über den Kreuzweg und seine Darstellungen in Kirchen des Landkreises erfahren wollen, klicken Sie hier...

 

Gedenktafel

An der Westwand hängt eine Gedenktafel für Pfarrer Johann Georg Penzl aus dem Jahr 1694, unter dem die Kirche neu gestaltet wurde. Die 60 x 45 cm große Tafel besteht aus Eisenblech; sie ist mit einem Wappen und folgender Inschrift bemalt:

Epitaph
"Der WolEhrwürdige Geistliche und Wolgelehrte Herr Johann Georg Penzl, Pfarer Alhier und guettätter, Hat dißes Gottshaus Renovirn und gleichsam von Neyen auf sein aigne Spese Rebariern laßen. Zur Ehrn Gottes und seines Heilig gethreuen dieners St.Bartholomei, dan Zu seinen we... Zeitgedenck und gedechtnus. So geschech Anno 1694"

Empore

Die auf zwei gusseisernen Säulen ruhende Empore besitzt eine verputzte Brüstung. Auf sie sind Allegorienbilder, eine Papstdarstellung (Gregor der Große vor einem Notenblatt - Gregorianischer Choral) ein Harfenspieler (König David) und eine Orgelspielerin (St.Cäcilia) gemalt.

Emporenbilder
Dazwischen Musikinstrumente, die in einer Art Trophäenbündel dargestellt sind.

 

Orgel

Die Orgel wurde im Jahr 1919 von Willibald Siemann aus München als zweimanualiges Werk mit 11 Registern errichtet.
Sie ist in einem nach Osten geschlossenen und dunkelbraun gefassten Holzkasten mit vergoldeten Rahmenleisten und einem "IHS"-Zeichen eingebaut.

Nach Georg Brenninger hat sie folgende Disposition (Stand 1975):

I. Manual (C-f'''):   Principal 8', Violine 8', Flauto amabile 8', Octav 4', Mixtur 2 2/3',
II. Manual: (C-f'''): Salicional 8', Vox Coelestis 8', LG 8', Trompete 4'
Pedal: (C-f'):        Subbaß 16',Kontrabaß 16', Echobaß 16', Cello 8', Flötbaß 8', Posaune 16'
Koppeln:
             II-I, Ok II-I, Uk II-I, I-P, II-P, POk II

Die Vorgängerorgel war 1878 aufgestellt worden.
 

Allgemeines zur Orgel - Die Orgel mit ihren vielen Pfeifen, die über ein Gebläse zum Klingen gebracht werden, steht meist im rückwärtigen Bereich der Kirche auf der Empore. Sie hielt erst allmählich Einzug in die Kirchen, weil sie bis in das 11. Jahrhundert als profanes Instrument galt, das für das höfische Zeremoniell verwendet wurde. Erst ab dem 13. Jh wurde es zur Regel, in allen bedeutenden Kirchen Orgeln zu errichten. Heute gehört eine Orgel zur Ausstattung jeder Kirche. Mit ihrer Klangvielfalt und Klangfülle trägt die Orgel zur Verherrlichung Gottes bei. Der Orgelprospekt, die Schauseite der Orgel, wurde meist durch Künstler gestaltet. Im Barock, dem unsere ältesten Orgeln angehören, wurde der Prospekt mit reicher Ornamentik verziert. Heute setzt sich immer mehr der "offene" Orgelprospekt durch, der allein durch die harmonische Anordnung der Pfeifen wirkt. 

Wenn Sie sich für Orgelgehäuse interessieren und vergleichen möchten, sollten Sie hier klicken...

Türschloss

In das Eingangsportal ist noch ein wunderschönes Türschloss eingebaut.
In seiner Funktion ist es zwar durch ein zusätzliches modernes Schloss ersetzt; doch es zeigt deutlich, mit welch großer Ästhetik die Handwerker früherer Zeit gearbeitet haben.


K
reuzpartikel-Reliquiar

Die Pfarrei besitzt noch ein barockes Reliquiar aus vergoldetem Messing mit einer Kreuzreliquie. Es hat die Form einer Monstranz, ist 40 cm groß und wurde um 1740 von (unbekannten) Goldschmieden erstellt. Das Reliquiar besitzt einen geschwungenen Fuß mit Rosetten; am Schaft ist ein Nodus mit eingraviertem Blattwerk angebracht. Das ovale Schaugefäß mit der winzigen Reliquie ist umgeben von einem geflammten Strahlenkranz und einem Blütenrahmen.



Pieta von 1370



Pieta v. 1370
Von 1950 bis 1965 stand in Wollomoos die schöne Figur einer Pieta, einer Muttergottes, die ihren vom Kreuz abgenommenen Sohn betrauert und den Leichnam auf ihrem Knien hält. Die Skulptur aus Lindenholz ist seit 2011 im Museum Altomünster zu sehen.
Sie soll in der Zeit um 1370 von einem unbekannten Künstler geschaffen worden sein und gehört so zu den ältesten im Landkreis.
Die von Gram gebeugte Muttergottes zeigt dem Betrachter die linke Handwunde Jesu. Die Christusfigur wurde erst später hinzugefügt; nur der linke Arm und die von Maria präsentierte linke Hand sind noch original erhalten. Die letzten 60 der insgesamt 640 Jahre ihres Bestehens verliefen sehr turbulent: Bis 1950 stand sie wohl in der Kirche von Pfaffenhofen bei Altomünster. Denn der aus Wollomoos stammende Priester Matthäus Gschoßmann konnte sich noch erinnern, dass Pfarrer Neureuther die Figur "hinter dem Sakristeischrank in Pfaffenhofen hervorgeholt" und nach Wollomoos verbracht hat.

Dort hat man sie in der Kriegergedächtniskapelle aufgestellt. Als 1965 diese Kapelle renoviert wurde, hat man die Pieta in den unbewohnten Pfarrhof ausgelagert, wo sie gestohlen wurde. Nach dem Diebstahl ließen die Wollomooser eine Kopie nach einem Foto anfertigen, die sich noch immer im Leichenhaus befindet. Die Originalfigur blieb 45 Jahre lang verschollen. Erst im Jahr 2010 lag sie, in einem Karton verpackt, vor der Tür des Altomünsterer Museums. Sie befand sich in einem "erbarmungswürdigen Zustand", war von einer dicken Kreideschicht überzogen und hatte im unteren Teil einen tiefen Riss. In einem Begleitschreiben mit der Überschrift "Wo komme ich her, wo soll ich hin ?" bat der unbekannte Überbringer, die Figur renovieren zu lassen und anschließend im Museum auszustellen. Weiter heißt es in dem Brief, die Pieta sei bis 1900 in mehreren Pfarrhäusern des Aichacher Kreises gestanden. Vor rd. 50 Jahren sei sie (vom Dieb ?) in eine Schnitzerwerkstatt zur Holzwurmtötung gebracht worden. Dort habe man sie vergessen, weil der "Besitzer" gestorben sei und kein Geld für die Restaurierung hinterlassen habe. Der Restaurator oder seine Nachkommen haben die Skulptur zu einem Vergolder (!?) gebracht, der jedoch empfahl, die Pieta einem Museum zu schenken. Und nach Altomünster kam sie, weil die Figur "schon einmal in einer Kirche in der Nähe von Altomünster stand", wie es im Brief hieß.
Der Museumsverein in Altomünster ließ die Pieta mit finanzieller Unterstützung der Volksbank restaurieren. Der Restaurator Arno Müller legte die alte rot-blaue Fassung frei und renovierte sie nach Vorbildern aus der selben Epoche (Ende 14.Jh).

Hans Schertl

Quellen:
01) Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
02) Pleickhard/Stumpf, Bayern ein geographisch-statistisch-historisches Handbuch des Königreiches 1852 (Statistik)

03) Anton Mayer /Georg Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbistums München-Freising. München 1874-1884
04) Vollständiges Ortschaften-Verzeichnis des Köngreichs Bayern-1876 (Statistik)
05) Georg Brenninger, Orgeln und Orgelbauer im Landkreis Dachau, Amperland 1976/1
06) Georg Brenninger: Orgeln in Altbayern. Bruckmann, München 1982, ISBN 3-7654-1859-5.
07) Fritz Mayer, Rudolf Wagner: Der Altlandkreis Aichach, 1979
08) Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres 1560, 1986
09) Wilhelm Liebhart, ALTOMÜNSTER KLOSTER, MARKT UND GEMEINDE, 1999
10) http://wiki-de.genealogy.net/Altomünster#Katholische_Kirchen, Zugriff 2016
11) Wilhelm Liebhart, Markt Altomünster, 2002
12) Josef Kiening, Überleben im Dreißigjährigen Krieg, http://www.genealogie-kiening.de/berleben.htm
13) Hans-Michael Körner Walter de Gruyter, Große Bayerische Biographische Enzyklopädie, 2005 (Ranzinger)
14) Prof.Dr.Wilhelm Liebhart, Geschichte der Altomünsterer Pieta, Beilage der Dachauer Nachrichten vom Jan.2011
15) Dachauer Nachrichten vom 27.Januar 2011 (Pieta)
16) Eckart Bieger, Das Bilderlexikon der christlichen Symbole, 2011 (Rosen)
17) Liebhart/Steinhardt, Häuserchronik der Pfarrei Wollomoos, 2011 (Römerstein, 1024, Statistik, Pfarrer,Pfarrhof, 1895)
18) Wollomoos-Häuserchronik, 2013, S.13 (Friedhoferweiterung)
19) Ralf Müller, Oberhaching, 2014 (Glocken)
20) Dr.Thomas Horst, Gericht und Herrschaft in Bayern, aus dem Buch Fürstliche Koordinaten, 2014 (Apian)
21) Dr Heisig, Kunstreferat des Ordinariats München und Freising, Kunstfahrt 2014 (Zelebr ersetz Hochaltar)
22) Bezold/Riel, Kunstdenkmale des Königreichs Bayern, 1895

23) Dr.Mich.Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte 1871-1990, www.verwaltungsgeschichte.de/, 2015 (Stat.33,39)

24) Dr.Peter Pfister, Ausstellungskatalog Oberammergauer Passionsspiele 1999, S.27
  'Communicantes' waren Gläubige, die die Erstkommunion gefeiert hatten und zur Kommunion gehen durften. Wenn wir daraus die tatsächliche Zahl der Gläubigen herleiten wollen, müssen wir -so Peter Pfister- "noch etwa 15 bis 20 % für Kinder und Unzurechnungsfähige hinzuzählen".



53 Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

9.3.2018

 

Pfarrer von Wollomoos

Name des Pfarrers
Pfarrer
von - bis
Bemerkungen
Hans
um 1461
als Zeuge bei einem Vertrag genannt, war auch Dekan
Magnus Schmuel
1540-1579
aus Pöttmes gebürtig, mehr darüber im Visitationsbericht...
Georg Penzl
1669-1704
renovierte u. verlängerte die Kirche nach dem 30jährigen Krieg
Johannes Trämer
1708-1742
barockisierte die Kirche
Karl Andreas von Eggs
1774
 
Andreas Mörtl
1783-1799
von ihm ist viel aus Gerichtsakten bekannt, denn er führte mehrere Prozesse gegen Mesner und Pfarrangehörige. Nach den Akten bezeichnete er seine Wollomooser Schäfchen als "gewiß verschmizte Köpf", als "schlaue Grobiane", "ausgestochene Spottvögel oder als "Pfingstlümmel".
Die Pfarruntertanen beklagten sich schon ein Jahr nach der Pfarreiübernahme beim kurfürstlichen Pfleger in Aichach, weil Pfr. Mörtl ein "Modernisierer" war, der die barocke Vollksfrömmigkeit nicht schätzte. Als die Wollomooser damit nicht durchdrangen, verweigerten sie ihrem Pfarrer das Rechtholz.
Anton Fendt
1800-1829
Johann Gg. Schraid
1830-1836
Johann Emmelauer
1836-1850
Josef Berglmayr
1850-1851
Bernhardin Sellis
1851-1856
Balthasar Mayer
1857-1865
Josef Freidlsperger
1865-1876
Wendelin Nußbaumer
1876-1877
Josef Mayr
1877-1881
 
Epitaph
für
Josef Mayr
Sein Epitaph ist an der Außenwand der Kirche angebracht. Text auf dem Stein:
"Zum frommen Andenken im Gebete an Hochwürdigen Herrn Joseph Mayr, seit 4 Jahren Pfarrer i.Wollomoos, geb. zu Mittermarnbach 6.März 1833, zum Priester geweiht am 29.Juni 1859, gest. in Wollomoos am 26.April 1821. R.I.P"

Mayr ist in seinem Geburtsort Mittermarbach begraben.
Den Grabstein können Sie hier sehen...


Grabstein
für
Josef Mayr

Josef Rathgeber
1881-1890
Anton Daxenberger
1890-1894
Otto Bader
1895-1901
Hugo Koller
1907-1908
Josef Zaunhuber
1908-1917
 
Erhard Nirschl
1917
Joseph Neureuther
1917-1955
wurde 1878 in Beyharting bei Bad Aibling geboren, 1902 zum Priester geweiht und nach Kooperator-Tätigkeiten in Ruhpolding, Siegsdorf, München-Maria Himmelfahrt und St.Peter im Jahr 1917 zum Pfarrer von Wollomoos berufen.
Er war in der Region auch als Heimatforscher bekannt.

 

Quelle: Liebhart/Steinhardt, Häuserchronik der Pfarrei Wollomoos, 2011

 

Thomas Buscher
Bildhauer und Holzschnitzer (1860-1937)

Thomas Buscher wurde am 7. März 1860 in Gamburg an der Tauber als sechstes Kind des Steinmetzmeisters Friedrich Buscher und seiner Frau Dorothea, geb. Häfner, geboren. Nach einer ersten Tätigkeit im elterlichen Betrieb, den nach dem frühen Tod des Vaters 1866 sein älterer Bruder Karl übernommen hatte, begann er im Alter von 17 Jahren eine Bildhauerlehre in der Anstalt für Kirchliche Kunst des Münchner Architekten Joseph Elsner. Am 29. Oktober 1880 schrieb er sich für die Bildhauerschule Knabl an der Königlichen Kunstakademie ein.
Nach Abschluss des Studiums begab er sich 1884 nach Amerika und arbeitete in Chicago als Ornamentschnitzer in der Werkstatt seines älteren Bruders Sebastian Buscher. 1886 kehrte Thomas Buscher nach München zurück und führte zunächst Auftragsarbeiten für seinen früheren Lehrmeister Joseph Elsner aus. 1888 machte er sich als "Fertiger für Holzschnitzarbeiten aller Art" selbständig und betrieb ab 1891 zeitweise gemeinsam mit dem Bildhauser Balthasar Schmitt ein Atelier in der Münchner Karlstraße, später in der Nymphenburger Straße. Seit 1890 war Thomas Buscher mit der Münchner Holzhändlertochter Creszentia Maria Mamhofer verheiratet. Der Ehe entstammten die Töchter Cäcilie (* 1892), Elisabeth (* 1894), Theodora (* 1897) und Gertrude (* 1900).
Am 13. Juni 1907 erhielt er die bayerische Staatsbürgerschaft. 1913 wurde er ohne Lehrverpflichtung zum königlich-bayerischen Professor für Bildhauerei an der Kunstakademie ernannt. Er war Gründungsmitglied und Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Christliche Kunst.
Thomas Buscher spezialisierte sich vor allem auf Schnitz- und Bildhauerwerke für Kirchen. Seine Werke schuf er -der Zeit entsprechend- in den Stilformen des Historismus, wobei er sich zunächst überwiegend der Neugotik, später auch dem Neubarock zuwandte.
Sein Können verschaffte ihm Aufträge nicht nur im Badischen, im Fränkischen, in Oberbayern (Altenerding), Niederbayern, Schwaben und der Oberpfalz, sondern auch in Oberschlesien, in Nordmähren, Berlin, England, Stockholm, New York und eben in Wollomoos.


Quellen:
Wikipedia 2015: (http://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Buscher)
Adelheid Waschka - Thomas Buscher, Bildhauer & Münchner Akademieprofessor (www.thomas-buscher.de)