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Pfarrkirche St. Bartholomäus in WOLLOMOOS

Adresse: 85250 Altomünster, Raiffeisenstraße 1
Lage der Kirche auf der Landkarte ...


Kurzbeschreibung

Die Ortschaft Wollomoos wurde urkundlich erstmals um das Jahr 1030, die Pfarrei 1315 in der Konradinischen Matrikel als "Wellenmos" erwähnt. Archäologische Funde belegen eine Besiedelung aber schon für die vor- und frühgeschichtliche Zeit. So wurde hier der "Römerstein", das herausragendste Zeugnis der Römerzeit im gesamten Landkreis Dachau gefunden.
Im 15.Jh wurde eine neue Kirche im gotischen Stil gebaut, die 1632, im 30jährigen Krieg schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde. 1694 erneuerte man die Kirche von Grund auf, verlängerte sie um über 2 Meter und errichtete die barocken Giebelmauern.
1720-1730 wurde der Innenraum barockisiert.
Das Aussehen der heutigen Kirche ist sehr stark durch die Umbauten im Jahr 1895 geprägt. Weil das Langhaus nicht weiter verlängert werden konnte, brach man den spätgotischen Chor ab und baute einen neuen, sehr tiefen Altarraum. Schon 100 Jahre vorher war der Kirchturm erbaut worden.


Emporenbild

Patronatsherr der Kirche in Wollomoos war über viele Jahrhunderte das nahe Benediktinerinnen-Kloster Kühbach. Es bestellte den Pfarrer, sorgte für dessen Unterhalt und trug die Kosten für die Kirche. Dafür bezog es einen Teil der Abgaben für die Fluren; den anderen Teil erhielt der jeweilige Pfarrer. Seit 1956 wird Wollomoos von Sielenbach aus vikariert (seelsorgerisch betreut).

Innenausstattung

Fast die gesamte Inneneinrichtung wurde 1895 von Thomas Buscher im Geschmack des Neubarock erneuert.
Die Deckengemälde aus dieser Zeit zeigen im Altarraum den Besuch Jesu bei den Schwestern Maria und Martha, im Kirchenschiff das Martyrium des hl.Bartholomäus. Dazu in Rundbildern die vier Evangelisten.

Der Choraltar mit dem großen Tabernakel ist dem Kirchenpatron St.Bartholomäus geweiht. Seine Figur (mit Messer in der Hand) ist im Aufsatz zu sehen. Assistenzfiguren sind St.Florian mit Wasserschaff und Fahne sowie St.Leonhard mit Abtsstab.

Die Seitenaltäre (ebenfalls von Thomas Buscher) sind der Muttergottes (mit Jesuskind) und dem hl.Josef (mit großem Beil) gewidmet. Dort stehen auch Figuren der Heiligen Elisabeth (mit Rosen im Schurz), Notburga (mit Sichel in der Hand), Sebastian (am Marterbaum) und Franz Xaver (mit Lilie).


St.BartholomäusSt.LeonhardSt. FlorianDeckengemälde im ChorSt. SebastianSt.JosefMuttergottesST. ElisabethSt. NotburgaSt. WolfgangSt.Pantaleonschön geschnitzte Stuhlwangen
13 Details (Figuren an den Altären und Wänden, Deckengemälde, Stühle) per Mouseklick

Weitere Heiligenfiguren schmücken die Wände
des Kirchenschiffs und des Altarraums:
- St.Wolfgang im Bischofsornat mit einem Kirchenmodell (16.Jh)
- St.Pantaleon mit auf den Kopf genagelten Händen (16.Jh)
- Bartholomäus, mit einem langen Messer in der Hand (um 1730/40)
- die Figur eines knienden Heiligen im Priestergewand
- darüber ein Christkind aus der Zeit um 1750
- vier kleine Heiligenfiguren (Bischöfe, Mönch und Priester) aus der Zeit um 1900, die auf einer gemeinsamen Konsole stehen
- die Figur der hl.Barbara mit Kelch und Schwert aus der Zeit um 1680.

Die kleine Orgel mit dem ungewöhnlichen Prospekt stammt aus dem Jahr 1919 (Erbauer Siemann).



Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen


Geschichte: Erste Kirche Matrikel 1315 Matrikel 1524 Visitation 1560 30jähriger Krieg
Umbau 1694 Krieg 1701-14 Umbau 1720 Matrikel 1738 Turmbau 1792
  Beschreibung 1884 Verlängerung 1895      
Ausstattung: Altarraum Baubeschreibung Choraltar Deckengemälde Empore
  Epitaphe Ewig-Licht-Ampel Figuren im Chor Figuren im Schiff Gedenktafel
  Kanzelkreuz Kirchenschiff Kirchenbänke Kreuzweg Mater dolorosa
  Orgel Prozessionsstangen Reliquien Seitenaltäre Taufstein
  Tabernakel Turm      

Die Ortschaft Wollomoos wurde urkundlich erstmals um das Jahr 1020 als "Wollenmos" erwähnt, als die Kühbacher Gräfin Hiltegart Güter und Leibeigene in Wollomoos an ihren Schwiegersohn Udalschalk von Elsendorf übergab, mit dem Auftrag, den Besitz an das neu gegründete Kloster St.Magnus in Kühbach weiterzureichen. Archäologische Funde belegen eine Besiedelung aber schon für die vor- und frühgeschichtliche Zeit. So wurde in der Pfarrkirche St. Bartholomäus 1905 der "Römerstein" gefunden. Er war Teil eines spätrömischen Grabmals. Der Römerstein befindet sich heute in der Filialkirche Pfaffenhofen.  Wollomoos war im Laufe der Jahrhunderte sehr stark von der geistlichen Grundherrnschaft geprägt. Drei Viertel aller Anwesen im Ort gehörten früher den Klöstern Kühbach, Altomünster und Indersdorf.

Geschichte der Pfarrei Kirche

Wann die erste Kirche in Wollomoos erbaut wurde, ist nicht bekannt. Die noch vorhandenen romanischen Teile in der heutigen Kirche belegen jedenfalls, dass im 13. oder 14.Jh. eine neue Kirche aus Stein errichtet wurde. Doch diese romanische Kirche dürfte damals sehr klein gewesen sein; man schätzt sie auf 55 Quadratmeter.

Matrikel von 1315
Die Pfarrei Wollomoos wurde erstmals in der Konradinischen Matrikel (Matrikel=Verzeichnis) von 1315 als "Wellenmos" im Dekanat "Altenmünster" erwähnt. Sie gehörte schon damals zum Bistum Freising. Die Pfarrer sind seit 1461, als ein "her hans Dechant zu Wollenmöß" als Zeuge in Indersdorf auftritt, namentlich belegt.

Eine neue Kirche wurde in gotischer Zeit, Mitte des 15. Jh gebaut. Damals erhielt sie einen neuen Altarraum und einen Turm mit Satteldach auf der Südostseite. Das alte Kirchenschiff wurde übernommen, aber um mehr als drei Meter nach Westen verlängert. Aus dieser Zeit sind noch Fragmente spätgotischer Malerei auf dem Orgelchor (sowie Spuren einer Renaissance-Bemalung im Bereich der Apostelleuchter) erhalten.


Matrikel von 1524

In der Sunderndorfer'schen Matrikel von 1524 wird die Pfarrei unter dem Namen "Wolmosen" im Dekanat Ilmmünster aufgeführt. Darin wird auch erstmals das Patronat des hl.Bartholomäus genannt. Das Präsentationsrecht (Vorschlagsrecht für die Besetzung einer Pfarrerstelle) lag beim Kloster in Kühbach. Pfarrer war Anton Hornl, der in einem schönen Pfarrhof wohnte; das Haus zeige keinerlei Schäden, heißt es. Der Pfarrer hatte 1524 nur rd. 50 Communicantes, d.s. erwachsene Gläubige, seelsorgerisch zu betreuen, d.h., Wollomoos war auch für damalige Verhältnisse eine sehr kleine Pfarrei.


Visitationsbericht 1560
35 Jahre später, im Jahr 1560, wurde in Wollomoos eine Visitation durchgeführt. Nach dem Bericht war Magnus Schmuel Pfarrer in dieser Pfarrei. Er hatte Theologie in Ingolstadt studiert und seine Primiz in Kühbach gefeiert. Dort war er auch Beichtvater der Benediktinerinnen. Diese verliehen ihm die Pfarrei Wollomoos. Das theologische Wissen des Pfarrers war nicht groß: Er kannte nicht den Katechismus, der gerade überall eingeführt wurde. Auf gezielte Fragen zeigte er auch Unkenntnis beim Firmsakrament, bei der Eucharistie und beim Bußsakrament. Die Zahl der Communicantes, der Gläubigen, war auf 110 angewachsen. Das wäre eine Verdoppelung der Gläubigenzahl innerhalb von 35 Jahren. Dies erscheint auch unter dem Hinweis auf besonders starkes Bevölkerungswachstum im 16.Jh. kaum glaublich. Vielleicht umfasst der Begriff Communicantes beim Visitator einen anderen Personenkreis. Die finanzielle Lage der Pfarrei war nicht gut. Sie hatte im Jahr nur zwei Gulden und einen Schilling Einkünfte, sodass etwa bei der Beleuchtung mit Kerzen gespart werden musste. Das Pfarrhaus wurde als baufällig bezeichnet. Der dazugehörende landwirtschaftliche Betrieb war nur 6 Hektar groß.

Ein pfarramtlicher Bericht "Verzaichnus des Pfärrleins Wolmosenaus" dem Jahr 1619 besagt, dass das Kloster Kühbach das alleinige Patronats- und Präsentationsrecht über die Pfarrei hat:
  "Das lechen (=Lehen) und auch das Jus nominandi et präsentandi (=Ernennungsrecht)" gehört ohne allen Stritt und abwechslung der Erwürdigen in Gott Frauen Äbtissin und dero Ehrw. Convent S.Magni Confessoris in Chiebach... Seind auch weder Saalbiecher noch andere briefliche Urkhundten vorhanden, darauß leichtlich zu schließen, weil nit allein das khirchen lehen sondern auch das gantze pfärrlein dem würdigen Gottshaus Chiebach mit gilten und anderen jurisdictionibus zugehörtt, alles daselbsten zu finden sein wirdt".

Die sog. "Kanzley-Manual-Matrikel des Bisthums Freysing aus dem XVII.Jahrhunderte" enthält die gleiche Aussage: "Wolmosen est de praesentatione Abbatissae in Khiebach. Ejusdem patronus s.Bartholomaeus. Solvit in absenti 70 fl." d.h. das Absenzgeld, das der offizielle Pfarrherr dem die Seelsorge wahrnehmenden Pfarrvikar zahlen musste, betrug 70 Gulden. Das war ein hoher Betrag.


Dreißigjähriger Krieg
Die Lage an der wichtigen Straße zwischen Dachau und Aichach hat Wollomoos wirtschaftliche Vorteile, aber auch große Nachteile gebracht. Es musste viele Truppendurchzüge, Einquartierungen von Soldaten, Nahrungsmittellieferungen an die Heere, Plünderungen und Brandschatzungen ertragen. So hat Wollomoos auch im 30-jährigen Krieg schwer gelitten. Schon beim ersten Schwedeneinfall im Jahr 1632 brannten viele Anwesen ab. Es wurden so viele Bewohner umgebracht, dass der Grundherr, das Kloster Kühbach, neue Bauern aus dem Chiemgau anwerben musste. Neben den Gräueln der Soldateska war auch die eingeschleppte Pest für den Tod vieler Menschen verantwortlich. Kurz bevor die Schweden 1632 nach Altomünster weiterzogen, wurde die Kirche total geplündert und teilweise zerstört.

Umbau 1694
Nach dem Krieg und einer 45jährigen wirtschaftlichen Erholungsphase wurde die Kirche unter dem Pfarrer Georg Penzl (1670-1703) im Jahr 1694 renoviert und um weitere 2,2 Meter verlängert. Dabei wurde auch die barocke Giebelmauer im Eingangsbereich (siehe Bild oben) aufgemauert. Eine Gedenktafel in der Kirche weist auf diesen Bau und den Bauherrn hin.
Schon seit 1685 gab es übrigens eine Schule. Lehrer waren der Hilfspriester und der Mesner. Allerdings scheint die Schule im Pfarrhaus eingerichtet gewesen zu sein. Denn Mayer/Westermayer berichten, noch 1817 habe "der Pfarrer die Schule in seinem Wohnhause versehen".



Auszug aus einer
Landkarte von 1655

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Spanischen Erbfolgekrieg 1701-1714

Auch im Spanischen Erbfolgekrieg (1701-1714) litten Ort, Kirche und Bevölkerung schwer. Einen indirekten Hinweis gibt ein Eintrag im Taufbuch, nach dem die Mutter eines unehelichen Kindes nicht nur einen, sondern gleich mehrere unbekannte Soldaten als möglichen Vater angab.


Umbau 1720
Der Innenraum der Kirche wurde eine Generation später, 1720 bis 1730, unter Pfarrer Johann Bapt.Trämer nach barockem Geschmack umgestaltet. Der Friedberger Johann Caspar Eberle lieferte neue Altäre, die 170 Jahre später, bei der Renovierung 1895 verbrannt worden sind. Auch das Pfarrhaus und die Ökonomie wurden 1730 neu gebaut. Und das trotz der Armut in Wollomoos. In seiner Pfarrbeschreibung von 1721 berichtet Johann Tramer, dass Dr.Reuschle bei einer Visitation erklärt habe, dieses Gotteshaus sei die ärmste Pfarrkirche der ganzen Diözese ("auß allen Pfarrkirchen des gantzen Freysingischen Bistumbs das allerärmiste"). Viele für die Gottesdienste notwendige Sachen gingen ab, so z.B. eine Monstranz, ein Ziborium (=Gefäß für die Aufbewahrung der Hostien), das Ewige Licht. Andere Gegenstände, wie der Kelch, ein Ciborium aus Zinn, ein Messbuch und alte Messgewänder seien nach dem Krieg erbettelt und dem geplünderten Gotteshaus geschenkt worden ("zu dem spolierten gottshaus erbettlet und geschenkht worden").

Matrikel von 1738/40
Der Freisinger Kanonikus Schmidt hat in den Jahren 1738-40 eine nach ihm benannte Matrikel (= Verzeichnis) erstellt. Darin ist auch eine kurze Beschreibung der Pfarrei "s.Bartholomaei in Wollenmos" enthalten. Das Präsentationsrecht lag noch immer beim Benediktinerinnenkloster in Kühbach (dies blieb so bis zur Säkularisation 1803). Weder 1315 noch 1524 oder 1740 hatte die Pfarrkirche eine Filiale; St.Laurentius in Pfaffenhofen kam erst 1866 dazu. Der Pfarrer sei seit 30 Jahren, also seit 1708, der geistliche Herr Johannes Trämer; er wohne in einem ansehnlichen Pfarrhof (den er kurz vorher neu gebaut hatte). Die Zahl der Gläubigen war auf 145 Communicantes angewachsen. Das war im Hinblick auf die hohen menschlichen Verluste durch Kriegshandlungen und Pest ein hoher Zuwachs innerhalb der letzten 200 Jahre. Zur Pfarrkirche bemerkte Schmidt, sie sei ein durchschnittlicher Bau. Ihre drei Altäre seien dem hl.Bartholomäus, der Muttergottes sowie dem hl. Antonius von Padua geweiht. Das Kirchweihfest falle auf den Sonntag nach dem Fest des hl. Gallus (16.Okt). In der Sakristei würden schöne Messgewänder aufbewahrt. Im Turm hingen zwei geweihte Glocken. Im Friedhof stehe ein Beinhaus. Die Einnahmen der Kirche verwalteten der Pfarrer und der Landpfleger von Aichach.


Turmbau 1792
Der Turm schien in der zweiten Hälfte des 18.Jh. ziemlich baufällig geworden zu sein. Jedenfall ist dies einer Eingabe des Pfarrers Andre ab Egg vom Jahre 1758 zu entnehmen. Darin ist "von dem schlechten ruinosen Gebau(de) besonders des gloggen thurns" die Rede. Im Jahr 1792 legte man (unter Pfarrer Andreas Mörtl 1783-1799) endlich den alten Kirchturm im Süden des Chores nieder und errichtete einen neuen Turm im Nordosten.
1831 hat man eine neue Glocke in Auftrag gegeben und 1871/72 eine Turmuhr angeschafft.


1810
wurde die Filialkirche Pfaffenhofen von der Pfarrei Sielenbach getrennt und der Pfarrei Wollomoos zugeteilt. Doch nach 150 Jahren kam Pfaffenhofen mit Wollomoos zumindest seelsorgerisch wieder nach Sielenbach zurück.
1956, nach dem Tod des letzten Wollomooser Pfarrers Joseph Neureuther (1917-1956), der sich große Verdienste um die Heimatforschung erwarb, wird die Pfarrei von Sielenbach aus seelsorgerisch betreut. .


Beschreibung 1884

Kirche und Pfarrei Wollomoos sind auch in der "Statistischen Beschreibung des Erzbisthums München-Freising" aus der Zeit um 1884 unter der Bezeichnung "Wollmoosen" enthalten, die Anton Mayer u.Georg Westermayer als Buch veröffentlicht haben:
Geographie: " Pfarrsitz an der Straße von Aichach nach Dachau, am Ursprunge des Flüßchens Weilach, einsam und tiefgelegen. Die Pfarrei hat 299 Seelen in 51 Häusern. Davon wohnen nur 154 Gläubige (in 30 Häusern) in der Ortschaft Wollomoos selbst, die Übrigen in Pfaffenhofen 81 (13) -das erst 1866 von der Pfarrei Sielenbach nach Wollomoos kam- sowie in Rudersberg 45 (5) und Xyger 11 (2). Der Umfang der Pfarrei beträgt 8 km. Die Wege sind gut." Wollomoos gehört noch immer zu den kleinsten Pfarreien im Dachauer Land. In dem 1876 erbauten Schulhaus unterrichtete 1 Lehrer 40 Werktags- und 19 Feiertagsschüler.
Pfarrei
:
"Das Präsentationsrecht für neue Pfarrer in Wollomoos liegt bei Seiner Majestät dem König. Die Kirchenrechnung weist bei 1589 Mark Einnahmen und 86 Mark Lasten einen jährlichen Reinertrag von 1502 Mark aus. Das Widum (=der Pfarrbauernhof) umfasst Grundstücke von 48 Tagwerk (= 16 ha) Fläche der Bonität 8. Das Pfarrhaus, um 1715 vom Pfarrer Johannes Tramer erbaut, ist etwas beschränkt, minder passend und unten feucht. Dagegen sind die zu Ende des vorigen Jahrhunderts (=ca. 1790) errichtete Ökonomiegebäude geräumig und passend. Die Matrikelbücher beginnen 1661".
Pfarrkirche: "Erbauungsjahr unbekannt; restaurirt 1880. Ohne ausgeprägten Styl. Die Geräumigkeit ist zureichend. Baupflicht hat die Kirchenstiftung. Kuppelthurm, 1792 erbaut, mit 2 Glocken, gegossen 1830 und 1832 in Augsburg. 3 Altäre. Orgel mit 6 Registern. Cemeterium (=Friedhof) bei der Pfarrkirche ohne Kapelle. Bittgänge am Pfingstdienstag nach Inchenhofen, am 2.Juli nach Maria Birnbaum. Stiftungen: 6 Jahrtage, 30 Jahrmessen und 52 Quatembermessen (Quatembertage sind Mi, Frei, Sa nach: 1.Fastensonntag, Pfingsten, 3.Septembersonntag und 3.Adventssonntag). Meßner und Cantor ist der Lehrer. Kirchenvermögen: 29.100 Mark".


Verlängerung der Kirche 1895
Im Jahr 1895 musste die Kirche (unter Pfarrer Otto Bader) vergrößert werden, um der gestiegenen Zahl der Gläubigen Rechnung zu tragen. Weil man das Kirchenschiff wegen der vorbeiführenden Straße nicht weiter verlängern konnte, brach man den spätgotischen Chor ab und baute einen neuen, tieferen Altarraum. Dabei wurden auch viele Einrichtungsgegenstände im neugotischen Stil angeschafft.

Renovierungen fanden Ende des 19.Jh, 1938 und 1977/78 statt.


B
eschreibung des Kirchenbaus

Die Kirche liegt im Dorf inmitten eines ummauerten Friedhofs. Es handelt sich um eine Saalkirche, deren Decke ohne tragende Zwischensäulen den gesamten Raum überwölbt. Die dem hl Apostel Bartholomäus (Festtag 24. August) geweihte Pfarrkirche besitzt noch romanische Mauerreste in den Langhausseiten.
Das Aussehen der heutigen Kirche ist sehr stark durch die Umbauten im Jahr 1895 geprägt, als man einen neuen, tiefen Altarraum errichtete. Dieser Chor besitzt nun eine Länge von 10,50 Metern bei einer Breite von 4,75 Metern. Er ist stark eingezogen und schließt halbrund.
Das Langhaus, das Kirchenschiff, besitzt drei Achsen. Es enthält noch romanische Mauerreste. Auf dem mit Biber gedecktem Dach sind -ungewöhnlich für Kirchen- zwei Dachgauben angebracht.

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Beeindruckend sind die barocken Giebel, die schon 1694 dem Kirchenschiff und dem Vorhaus auf der Westseite vorgesetzt worden waren. An der Giebelmauer steht in einer Nische die Muschelkalkfigur des hl.Bartholomäus mit seinen Attributen, dem Messer (=Todesart) und einer Bibel in der Hand (=Verkünder des Evangeliums).
Auf der Südseite hängt ein großes Kruzifix. Der Corpus Christi ist ganz vergoldet.

Auch das Vorhaus über dem Portal an der Westseite erhielt 1694 einen barocken Giebel. Im abgerundeten Giebelaufsatz befindet sich die Steinfigur eines Engels mit Spruchband. Darauf der Text " Soli Deo Gloria" (Allein Gott sei Ehre).
Das darunter liegende Rundbogenfenster ist mit einem Glasgemälde aus der Zeit um 1880/90 verziert. Es zeigt Menschen als Armen Seelen im Fegefeuer. Sie schauen flehentlich auf den Kelch im Strahlenkranz (als Zeichen für Christus), der auf Wolken am Himmel erscheint und Gnadenstrahlen auf die Leidenden herabsendet.
Kirchturm
Der Kirchturm steht erst seit 1792 an der Nordostecke der Kirche. Sein Vorgänger war südlich angebaut.
Der Turm hat einen quadratischen Grundriss. Er ist durch Ecklisenen und durch Gesimse gegliedert und von einer Zwiebelhaube aus Kupfer überdeckt. Hinter den Schallfenstern hängen fünf Glocken. Seit 1871/72 gibt es eine Turmuhr.
Die doppelstöckige Sakristei mit Pultdach ist an die Südseite des Chores angebaut.
Epitaphe
In die Wände des Vorhauses und des Kirchenschiffs sind Epitaphe (Grabdenkmäler) eingelassen, die an frühere Pfarrer erinnern:
- für Pfarrer Johann Krämer, gest. an seinem Namenstag, dem 24.Juni 1742 (Langhaus, Solnhofener Stein, Größe: 60 x 62 cm)
- für Pfarrer Andreas Abeggs, gest. 13.März 1783 (Langhaus, Solnhofener Stein, Größe: 56 x 31 cm)
- für Pfarrer Anton Fendt, geb. am 2.Dezember 1757, gest. 20.Juli 1829 (Langhaus, Solnhofener Stein, Größe: 65 x 25 cm)
- für Pfarrer Joseph Mayr, geb. am 6.März 1833, gest. am 26.April 1881 (Vorhaus, weißer Marmor, Größe: 53 x 56 cm)


Innenausstattung

Bis auf die altbarocken Kirchenstühle wurde 1895 die gesamte Inneneinrichtung im Geschmack des Neubarock erneuert und die Kirche neu ausgemalt. Professor Thomas Buscher (1860-1937) schuf die figürliche Ausstattung. Der Künstler war ein bedeutender Bildhauer und Holzschnitzer des Historismus (mehr über Thomas Buscher...).



A
ltarraum

Der um eine Stufe gegenüber dem Kirchenschiff erhöhte Altarraum ist über 10 Meter lang. Er ist stark eingezogen und schließt halbrund. Überdeckt wird er von einem niedrigem Tonnengewölbe mit Stichkappen und kannelierten Pilaster als Wandgliederung. Der Stuck bildet Fruchtgehänge, Stoffdraperien, Cheruben und Blatt-Stableisten mit Akanthusmotiven; stilistisch entspricht er der Zeit um 1670/80, kann aber frühestens beim Neubau des Chores um 1895 entstanden sein.
Das Deckengemälde im Altarraum stellt die biblische Szene vom Besuch Jesu bei den Schwestern Maria und Martha dar (Lk 10, 38-42). Martha kümmert sich um das Wohlergehen von Jesus, Maria hört ihm zu. Jesus schätzt das Zuhören von Maria höher ein, als die Fürsorge von Martha.
Als Maler könnten die Münchner Maler C.Lessing und Anton Ranzinger in Frage kommen. Diese Künstler waren auch in den Pfarrkirchen von Petershausen und Sulzemoos tätig.


C
horaltar / Hochaltar

Der Choraltar besitzt ein 2,75 Meter breites und raumhohes Retabel im Stil der Neurenaissance (um 1895). Das Holz ist braun gefasst und mit Schnitzdekor vergoldet. Die Stipes besteht aus Porphyr (vulkanisches Gestein) und hellem und rotem Marmor, der von freigestellten Ecksäulen aus Rotmarmor umgeben ist. Vier kannelierte Säulen tragen einen Sprenggiebel mit ausladenden Aufbauten.
Mittelpunkt des Altars ist der Tabernakel (1895). Er ist mit sechs Säulchen und aufwändiger Architektur gestaltet. Die Türen und Nischen sind vergoldet. Auf dem Tabernakel liegt das Buch mit den sieben Siegeln. Darauf ruht ein Lamm. Diese Darstellung greift ein Thema aus den Geheimen Offenbarungen (Apokalypse, 5,1 ff) der Bibel auf. Darin beschreibt Johannes eine Vision, in der Gott eine Buchrolle mit sieben Siegeln in der Hand hält, die niemand öffnen konnte.
Allein der "Löwe aus Judas Stamm und Nachkomme Davids" sei dazu berechtigt. Da kam ein Lamm, das aussah, als ob es geschlachtet worden war und öffnete die Siegel. Die Buchrolle ist das Buch des Lebens, in dem die Namen der Gerechten und der Sünder eingetragen sind und das die Ereignisse enthält, die am Weltende geschehen werden. Das Lamm stellt Jesus dar, der auch der Löwe von Juda und Lamm Gottes genannt wird.


Der hohe Altaraufsatz wird umgeben von vier kannelierten Säulchen, die einen Sprenggiebel tragen. Im der großen Nische steht eine gotische Figur des Kirchenpatrons St. Bartholomäus mit Messer und Bibel in der Hand (Anfang 16.Jh.)
Hinweis: Bartholomäus war ein Apostel und zog nach dem Tod Jesu als Missionar durch Armenien, Indien und Mesopotamien. Er wirkte zahlreiche Wunder und heilte Kranke. Unter ihnen war auch die Tochter des armenischen Königs, wodurch dieser und seine Familie für das Christentum gewonnen werden konnten. Der Bruder des Königs jedoch hetzte die Priester des alten Glaubens gegen Bartholomäus auf, ließ ihn gefangen nehmen und foltern und schließlich zu einer besonders grausamen Todesart verurteilen: zuerst wurde ihm die Haut abgezogen, danach wurde er gekreuzigt. Deshalb wird er oft mit einem Messer dargestellt, daneben auch noch mit einem Buch (Bibel = Verkünder des Evangeliums). 
Umgeben ist St.Bartholomäus von fünf Engeln, die Passionssymbole (Kreuz, Kelch, Schweißtuch, Geißelsäule, Dornenkrone) in Händen halten.

Assistenzfiguren am Hochaltar sind der hl.Leonhard und der hl. Florian. Sie wurden um 1729 (andere Quelle: um 1740) geschnitzt und stehen unter Muschelkalotten.
Leonhard ist im Mönchsornat mit Abtsstab abgebildet. Die sonst üblichen Attribute, die Viehketten, fehlen hier.
Hinweis: Leonhard (in Bayern einer der 14 Nothelfer) lebte um das Jahr 500 als Einsiedler und später als Abt in Frankreich. Regelmäßig besuchte er die Gefangenen und erreichte für viele beim König Clodwig I. ihre Freilassung. Deshalb galt er ursprünglich als Schutzpatron derer, "die in Ketten liegen", also der Gefangenen - und der Geisteskranken, die man bis ins 18. Jahrhundert ankettete; nach der Reformation wurde er Schutzpatron der Haustiere, weil man die Ketten, mit denen er abgebildet wurde, als Viehketten deutete. In Bayern erreichte die Leonhardsverehrung im 19.Jh ihren Höhepunkt.
St.Florian ist in römische Soldatenrüstung gekleidet. Er hält in der linken Hand eine Fahne; mit der Rechten schüttet er Wasser aus einem Holzschaff auf ein Haus, das zu seinen Füßen steht.
Hinweis: St.Florian war um das Jahr 304 Offizier der zweiten italienischen Legion des römischen Heeres. Er war in St.Pölten in Oberösterreich stationiert. Nachdem der Christ geworden war, trat er aus der Armee aus. Wegen seines Glaubens wurde er verhaftet und nach vielen Martern mit einem Mühlstein um den Hals in die Enns geworfen. Florian ist der erste österreichische Märtyrer und Heilige. In seiner Jugend soll er ein brennendes Haus durch sein Gebet gerettet haben; aber erst im 15. Jh setzte sich diese Überlieferung durch, die heute seine Bedeutung als Schutzpatron vor Feuersgefahr begründet.



F
iguren an den Seitenwänden des Altarraums

An den Chorseitenwänden stehen zwei polychrom (mehrfarbig) gefasst Heiligenfiguren aus der 2.Hälfte des 16.Jh.

Links die Figur des hl. Wolfgang im Bischofsornat, in der Hand ein Kirchenmodell.
Hinweis: Wolfgang lebte im 10.Jh erst Mönch in Einsiedeln, dann ab 972 Bischof von Regensburg. die Legende erzählt von zeitweiligem Einsiedlerleben am nach ihm benannten Wolfgangsee. Das Einsiedlerleben wurde durch den Teufel gestört, der immer wieder versuchte, Wolfgang zu vernichten, so dass Wolfgang beschloss, sich an einem freundlicheren Ort eine Klause zu erbauen. Er warf seine Axt ins Tal hinab und gelobte, an dem Ort, an dem er sie wieder finden werde, eine Kirche zu erbauen. Wolfgang lebte sieben Jahre in der Einöde, danach kehrte er nach Regensburg zurück. Die vielseitige und umsichtige Tätigkeit als Bischof begründete Wolfgangs Beliebtheit und seine Verehrung schon zu Lebzeiten. Er versuchte besonders, die Bildung und das geistliche Lebens des Klerus und der Orden zu fördern.

Rechts die Figur des hl. Pantaleon mit eng geschnalltem Gürtel um die Taille. Seine Hände sind auf den Kopf genagelt.
Hinweis: Pantaleon (*305) war Leibarzt des römischen Kaisers. Wegen seines Glaubens wurde er gegeißelt, gebrannt und dem Hungertod preisgegeben und schließlich -an einen Ölbaum gebunden und die Hände auf den Kopf genagelt- mit einem Schwertschlag in zwei Hälften geteilt. Seit dem Mittelalter ist er einer der 14 Nothelfer und als solcher Patron der Ärzte und Helfer gegen Kopfweh.


E
wig-Licht-Ampel

Vom Chorbogen hängt die Ewig-Licht-Ampel aus der Zeit um 1900. Die 54 cm hohe Ampel besteht aus getriebenem und gegossenem Messing und ist versilbert. Besonders kunstvoll sind die Kettenbefestigungen; der übrige Schmuck ist spärlich.



Hinweis: Das rote Öllämpchen, das stets im Altarraum brennt, gilt oft als Erkennungsmerkmal eines katholischen Gotteshauses. Früher gab es solche Lichter nur an den Märtyrergräbern. Mit der wachsenden Verehrung der aufbewahrten Eucharistie hat sich etwa seit dem 13. Jh der Brauch des "Ewigen Lichtes" vor dem Tabernakel, wo das Allerheiligste aufgewahrt wird, herausgebildet, nachdem der Johanniter-Ritterorden das Ewige Licht von den Kreuzzügen aus dem Heiligen Land mitgebracht hatten. Durch sein dauerndes Brennen weist es darauf hin, dass in der Kirche geweihte Hostien aufbewahrt werden.


T
aufstein
Am Chorbogen steht der elegante Taufstein aus Rotmarmor auf hohem Fuß.
Das runde Taufbecken ist mit muschelförmigen Verzierungen versehen und mit einem neuen Kupferdeckel bedeckt.


Langhaus / Kirchenschiff

Das Kirchenschiff ist mit einer Flachdecke über umlaufendem Gesims überzogen.


D
eckengemälde

Die Langhausdecke ist mit einem großen Gemälde und 4 kleineren runden Gemälden in Stuckrahmen verziert.
Das Hauptgemälde zeigt das Martyrium des hl. Bartholomäus. Der Heilige wird von Knechten auf den Richtblock gezerrt, während sich der Henker nach dem Messer bückt, mit dem er Bartholomäus erstechen wird. Im Hintergrund sind Gebäude des alten Roms zu sehen. (Maler C. Lessing /Ranzinger ?).

Die vier kleineren Rundgemälde sind jünger als das Hauptgemälde und dürften erst in der 2.Hälfte des 20.Jh entstanden sein. Sie zeigen die vier Evangelisten (Matthäus mit einem geflügelten Menschen, Markus mit dem geflügelten Löwen, Lukas mit dem geflügelten Stier und Johannes mit dem Adler) zu sehen.

  Hinweis: Die vier Evangelisten-Symbole geflügelter Mensch, geflügelter Löwe, geflügelter Stier und Adler reichen zurück bis in den babylonischen Mythos. Dort stellten sie die vier Astralgötter Nergal (Flügellöwe), Marduk (Flügelstier), Nabu (Mensch) und Mimurta (Adler) dar, die vor den Heiligtümern Wache hielten. Im Alten Testament werden sie in den Gottesvisionen Ezechiels (Ez 1,1-14), im Neuen Testament in der Offenbarung des Johannes (Kap.4 Vers 7) als die vier Lebewesen, die rings um Gottes Thron stehen, erwähnt. Zuerst hat man sie nur im Zusammenhang mit dem thronenden Christus abgebildet. Als Evangelistensymbole dienen sie erst seit dem frühen Mittelalter (durch die Kirchenväter Irenäus und Hippolyt um das Jahr 200).
Seit Hieronymus (347-420) werden sie wie folgt gedeutet: 
- Der geflügelte Mensch (nicht Engel !) bei Matthäus weist auf den Stammbaum Jesu und auf dessen Geburt (mit deren Bericht das Matthäusevangelium beginnt) hin. 
- Der geflügelte Löwe ist Sinnbild für Markus, weil das Markusevangeliums mit der Predigt des Johannes in der Wüste, dem Lebensraum des Löwen, beginnt und weil sein Evangelium die Kraft der Auferstehung und Todesüberwindung betont.
- Der geflügelte Stier (als Opfertier) des Lukas galt als Zeichen für den Beginn des Lukas-Evangeliums, das mit dem Opfer des Zacharias einsetzt und das am innigsten auf den Opfertod Christi hindeutet.
- Den Adler des Johannes versteht man als Symbol für den spirituellen Höhenflug des Johannes-Evangeliums, das mit den Worten beginnt "Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort".


S
eitenaltäre

Auch die 180 cm breiten und 370 cm hohen Seitenaltäre stammen wie der Hochaltar aus der Zeit um 1895. Sie sind braun gefasst und mit vergoldetem Schnitzdekor verziert. Der Aufbau besteht aus zwei kannelierten Säulen mit Kompositkapitellen . Seitlich sind Figurenpostamente angebaut. Auf dem verkröpften Gebälk sitzt ein Auszug mit Dreiecksgiebel. Auch die Figuren an den Seitenaltären dürften 1895-1900 in der Werkstatt des Künstlers Thomas Buscher entstanden sein.

Der linke Seitenaltar ist ein Muttergottesaltar. Mittelpunkt ist eine Marienfigur mit dem Jesuskind aus der Zeit um 1880/90. Das Kind steht auf dem Schoß der Mutter und erhebt seine rechte Hand segnend.
Die Muttergottes ist als relativ alte Frau dargestellt. Daneben stehen die Figuren der hl. Notburga mit der Sichel in der Hand und einer Getreidegarbe im Arm sowie der hl. Elisabeth mit Rosen im Schurz.
  Hinweis: Die in Bayern ungemein beliebte Notburga war eine Bauernsmagd aus Tirol, die der Aufforderung des Bauern, auch nach dem Gebetläuten noch auf dem Feld zu arbeiten, nicht nachkam und die Sichel in die Luft hängte. Sie ist eine der wenigen Heiligen, die aus ganz einfachen Verhältnissen kam und kein geistliches Amt innehatte. Die hl. Elisabeth von Thüringen speiste gegen den Willen ihres Mannes die Armen vor den Toren der Wartburg. Als er sie zur Rede stellte, verwandelten sich die Brote in ihrer Schürze zu Rosen. Dass in der Schürze ausgerechnet Rosen lagen, geht darauf zurück, dass im Mittelalter -schon lange vor Elisabeth- die Armenspeisen Rosen genannt wurden.


Der rechte Seitenaltar ist dem hl. Josef geweiht. Seine Figur steht in der Mittelnische; in den gefalteten Händen hält er ein großes Zimmermannsbeil. Am Holzblock, in dem das Beil steckt, ist die Signatur des Künstlers "TB 1900" aufgebracht.
    
Links von Josef ist der hl. Sebastian (am Marterpfahl, von Pfeilen durchbohrt), rechts ein junger St.Franz Xaver (?) mit Kreuz und Lilie zu sehen. Alle Figuren stammen wie der Altar aus der Zeit um 1895/1900.
  Hinweis: Sebastian soll nach der Legende im 3.Jh.ein Offizier der kaiserlichen Garde gewesen sein. Auf Befehl des Kaisers Diokletian wurde er wegen seines Glaubens mit Pfeilen durchschossen. Er erholte sich aber durch die Pflege der Witwe des Märtyrers Kastulus, bekannte sich erneut zu seinem Glauben und wurde daraufhin mit Keulen erschlagen. Auf seine Anrufung hin, soll eine Pestepidemie abgewendet worden sein. Der heilige Sebastian wird deshalb  als Pestpatron und -der Pfeile wegen- als Patron der Schützenbruderschaften verehrt.



K
irchenbänke

Die Kirchenbänke (13 Reihen nördlich und 15 Reihen südlich) aus neuerer Zeit haben schöne Stuhlwangen, die noch aus der Zeit von 1700 stammen. Sie wurden aus Eichenholz geschnitzt und sind mit einem Akanthusmuster versehen. Das Muster dieser Wangen entspricht dem vieler Kirchenstühle im Dachauer Land. Es trat erstmals 1695 in Glonn auf und wurde ab 1717 auch in Ainhofen, Albersbach, Arnbach, Arnzell, Aufhausen, Bergkirchen, Hilgertshausen, Markt Indersdorf (Marktkirche), Ottmarshart, Pasenbach, Pipinsried, Walkertshofen, Weichs, Westerholzhausen, Westerndorf und hier in Wollomoos verwendet. 
  Hinweis: Schon vom Frühchristentum an bis in die neueste Zeit hinein knieten und saßen die Kirchenbesucher in den Kirchenbänken nach Geschlechtern getrennt. Damit sollte im Gotteshaus eine zu große "sündige" körperliche Nähe zwischen Männern und Frauen verhindert werden. Dies war in allen drei Hauptkonfessionen (Kath., Evang., Orthodox) so. In katholischen Kirchen sitzen gewöhnlich die Männer rechts und die Frauen links. Einen eindeutigen Grund für diese "Seitenwahl" gibt es nicht. Jedenfalls gilt im traditionellen Raumprogramm der Sakralarchitektur die Epistelseite als Männerseite und die Evangelienseite als Frauenseite. Seit dem letzten Konzil gibt es diese Trennung nicht mehr. Viele Pfarrer propagieren sogar das Gegenteil und bitten Familien, zusammenzubleiben. Dennoch sind auf der Frauenseite nur selten Männer zu finden. Weibliche Kirchenbesucher sind insoweit flexibler. Oft wurden auch die die Patrone der Seitenaltäre nach der Geschlechtszugehörigkeit ausgewählt: Seitenaltäre mit Christus oder einem männlichen Heiligen als Patron sind in der Regel rechts, Marienaltäre dagegen links zu finden. So auch hier in Wollomoos (Maria und Josef).
Wenn Sie noch weitere historische Wangenmuster an den Bänken in Kirchen des Dachauer Landes betrachten möchten, klicken sie hier...


P
rozessions-Stangen

Auf einer reich geschmückten Prozessions-Stange an der ersten Bank rechts ist eine wunderbare Rosenkranzmadonna gesetzt (Figur von 1920). Von der Madonna mit dem Kind gehen Strahlen zum Rosenkranz, dessen Vaterunserperlen als goldene Scheiben mit rotem Kreuz und die Aveperlen als Silberkugeln dargestellt sind. Der Rosenkranz enthält aber statt der üblichen 5 Gesätze (zu je 10+1 Kugeln) sechs Gesätze. Ob dies eine besondere Bedeutung hat oder vom Künstler nur aus Gründen der symmetrischen Darstellung gewählt wurde, ist mir nicht bekannt. Die 3 zusätzlichen Ave-Kugeln für die Bitten um Glaube, Hoffnung und
Liebe sowie das Kreuz am Anfang des Rosenkranzes fehlen. Eine Zusammenstellung von Rosenkranzmadonnen-Darstellungen in den Landkreiskirchen finden Sie hier...

Auf einer weiteren Stange steht wohl eine Christusfigur aus der Zeit um 1720. Er ist in ein grün-rot-goldenes Gewand gekleidet; auf der offenen Hand präsentiert er das Evangelienbuch, das Neue Testament.
  Hinweis: Prozessionsstangen wurden, wie der Name schon andeutet, vor allem bei Prozessionen mitgeführt. Auf einer rd. zwei Meter langen Holzstange ist die Figur eines Heiligen befestigt (sog. "Stangelsitzerheiliger"). Der Brauch kommt aus dem Mittelalter. Damals trug ein Mitglied jeder Gilde, Bruderschaft oder Zunft eine besondere Prozessionsstange (Zunftstange); auf ihr war der Patron die der jeweiligen Vereinigung zu sehen.

 

EmporenblderRosenkranzmadonnaDeckengemäldeEmporenblderEmporenblderTaufbeckenOrgelProzessionsstange mit ChristusfigurEwig-Licht-AmpelVier HeiligeKreuzwegbilder
10 Details (Deckengemälde, Emporenbilder,Kirchenbänke, Prozessionsstangen, Figuren
Orgel, Kreuzwegbilder, Taufstein) per Mouseklick

Kreuzigungsgruppe
Kanzelkreuz und Mater Dolorosa

An der Südwand hängt ein barockes Kruzifix. Es stammt noch aus dem Jahr 1729. Der Corpus ist als Inkarnat (=fleisch-farbig) gefasst. Das dornen-gekrönte Haupt ist von einem nur den göttlichen Personen vorbehaltenen dreistrahligen
Heiligenschein umgeben. Das faltenreiche Lendentuch hat eine Gold- und Silberfassung.

Unter dem Kreuz steht Maria als Mater dolorosa mit einer barocken Krone auf dem Haupt und einem großen Schwert in der Brust (Figur aus 1680). Das Schwert in Marias Brust erinnert das Simeonwort im Lukasevangelium (Kap 2,35) bei
der Darstellung im Tempel: " Dir selbst wird ein Schwert durch die Seele dringen".

Heiligenfiguren im Kirchenschiff


An der Nordwand mehrere Heiligenfiguren angebracht, darunter

- eine weitere Darstellung des Kirchenpatrons Bartholomäus, mit einem langen Messer in der Hand.
  Die Skulptur wurde um 1730/40 geschnitzt.

- Nikodemus (mit Pharisäermütze)
Hinweis: Nikodemus war ein führender Vertreter des Judentums, der mit Jesus heimlich Gespräche führte (Joh 3,1-12) und trat nach der Darstellung des Evangelisten gegenüber den Hohepriestern und Pharisäern für Jesus ein. Nach dem Tode Jesu stiftete Nikodemus eine übergroße Menge (»etwa hundert Pfund«, nach heutigem Gewicht fast 33 kg) Myrrhe und Aloe (Joh 19,39).Das Nikodemus-Gedächtnis wird am 3.8 bzw. 27.3. (Serviten und Passionisten) gefeiert. Nikodemus wird als Patron der Schmiede verehrt.

- Maria Magdalena

- die Figur eines knienden Heiligen im Priestergewand. Wer hier dargestellt werden soll, ist mir nicht bekannt

- darüber ein Christkind aus der Zeit um 1750

- vier kleine Heiligenfiguren aus der Zeit um 1900, die auf einer gemeinsamen Konsole stehen.
   Welche Heiligen die beiden Bischöfe, der Mönch und der Priester darstellen, ist mir nicht bekannt.

- die Figur der hl.Barbara mit Kelch und Schwert stammt aus der Zeit um 1680.

Kreuzwegbilder

Im hinteren Teil sind die Kreuzwegbilder angebracht. Es sind colorierte Kupferstiche im vergoldeten Profilrahmen. Die 33 x 22 cm großen Bilder wurden vom Kupferstecher Klauber aus Augsburg um 1800 hergestellt. Von Klauber stammen übrigens auch die mit der selben Platte hergestellten, aber nicht colorierten Kreuzwegbilder in Sulzrain. Der Text unter den Bildern ist in lateinischer und in deutscher Sprache verfasst.
Kreuzwegbilder in unseren Kirchen sind erst seit 1700 üblich. Wenn Sie mehr über den Kreuzweg und seine Darstellungen in Kirchen des Landkreises erfahren wollen, klicken Sie hier...

 

Gedenktafel

An der Westwand hängt eine Gedenktafel für Pfarrer Johann Georg Penzl aus dem Jahr 1694 unter dem die Kirche neu gestaltet wurde. Die 60 x 45 cm große Tafel besteht aus Eisenblech; sie ist mit einem Wappen und folgender Inschrift bemalt:
"Der WolEhrwürdige Geistliche und Wolgelehrte Herr Johann Georg Penzl, Pfarer Alhier und guettätter, Hat dißes Gottshaus Renovirn und gleichsam von Neyen auf sein aigne Spese Rebariern laßen. Zur Ehrn Gottes und seines Heilig gethreuen dieners St.Bartholomei, dan Zu seinen we... Zeitgedenck und gedechtnus. So geschech Anno 1694"

Empore

Die auf zwei gusseisernen Säulen ruhende Empore besitzt eine verputzte Brüstung. Auf sie sind Allegorienbilder, eine Papstdarstellung (Gregor der Große vor einem Notenblatt - Gregorianischer Choral) ein Harfenspieler (König David) und eine Orgelspielerin (St.Cäcilia) gemalt.
Dazwischen Musikinstrumente, die in einer Art Trophäenbündel dargestellt sind.

 

Orgel

Die Orgel wurde im Jahr 1919 von Willibald Siemann aus München als zweimanualiges Werk mit 11 Registern eingebaut. Die Orgel ist in einem nach Osten geschlossenen und dunkelbraun gefassten Holzkasten mit vergoldeten Rahmenleisten und einem "IHS"-Zeichen eingebaut.
Nach Georg Brenninger hat sie folgende Disposition (Stand 1975):

I. Manual (C-f'''):   Principal 8', Violine 8', Flauto amabile 8', Octav 4', Mixtur 2 2/3',
II. Manual: (C-f'''): Salicional 8', Vox Coelestis 8', LG 8', Trompete 4'
Pedal: (C-f'):        Subbaß 16',Kontrabaß 16', Echobaß 16', Cello 8', Flötbaß 8', Posaune 16'
Koppeln:
             II-I, Ok II-I, Uk II-I, I-P, II-P, POk II

Die Vorgängerorgel war 1878 aufgestellt worden.
 

Allgemeines zur Orgel - Die Orgel mit ihren vielen Pfeifen, die über ein Gebläse zum Klingen gebracht werden, steht meist im rückwärtigen Bereich der Kirche auf der Empore. Sie hielt erst allmählich Einzug in die Kirche, weil sie bis in das 11. Jahrhundert als profanes Instrument galt, das für das höfische Zeremoniell verwendet wurde. Erst ab dem 13. Jh wurde es zur Regel, in allen bedeutenden Kirchen Orgeln zu errichten. Heute gehört eine Orgel zur Ausstattung jeder Kirche. Mit ihrer Klangvielfalt und Klangfülle trägt die Orgel zur Verherrlichung Gottes bei. Der Orgelprospekt, die Schauseite der Orgel, wurde meist durch Künstler gestaltet. Im Barock, dem unsere ältesten Orgeln angehören, wurde der Prospekt mit reicher Ornamentik verziert. Heute setzt sich immer mehr der "offene" Orgelprospekt durch, der allein durch die harmonische Anordnung der Pfeifen wirkt. 

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K
reuzpartikel-Reliquiar

Die Pfarrei besitzt noch ein barockes Reliquiar aus vergoldetem Messing mit einer Kreuzreliquie. Es hat die Form einer Monstranz, ist 40 cm groß und wurde um 1740 von (unbekannten) Goldschmieden erstellt. Das Reliquiar besitzt einen geschwungenen Fuß mit Rosetten; am Schaft ist ein Nodus mit eingraviertem Blattwerk angebracht. Das ovale Schaugefäß mit der winzigen Reliquie ist umgeben von einem geflammten Strahlenkranz und einem Blütenrahmen.

Pietà von 1370

Von 1950 bis 1965 stand in Wollomoos die schöne Figur einer Pietà, einer Muttergottes, die ihren vom Kreuz abgenommenen Sohn betrauert und den Leichnam auf ihrem Knien hält. Die Skulptur aus Lindenholz ist seit 2011 im Museum Altomünster zu sehen.
Sie soll in der Zeit um 1370 von einem unbekannten Künstler geschaffen worden sein und gehört so zu den ältesten im Landkreis.
Die von Gram gebeugte Muttergottes zeigt dem Betrachter die linke Handwunde Jesu. Die Christusfigur wurde erst später hinzugefügt; nur der linke Arm und die von Maria präsentierte linke Hand sind noch original erhalten.

Die letzten 60 der insgesamt 640 Jahre ihres Bestehens verliefen sehr turbulent: Bis 1950 stand sie wohl in der Kirche von Pfaffenhofen bei Altomünster. Denn der aus Wollomoos stammende Priester Mathäus Gschoßmann konnte sich noch erinnern, dass Pfarrer Neureuther die Figur "hinter dem Sakristeischrank in Pfaffenhofen hervorgeholt" und nach Wollomoos verbracht hat. Dort hat man sie in der Kriegergedächtniskapelle aufgestellt. Als 1965 diese Kapelle renoviert wurde, hat man die Pietà in den unbewohnten Pfarrhof ausgelagert, wo sie gestohlen wurde. Nach dem Diebstahl ließen die Wollomooser eine Kopie nach einem Foto anfertigen, die sich noch immer im Leichenhaus befindet. Die Originalfigur blieb 45 Jahre lang verschollen. Erst im Jahr 2010 lag sie, in einem Karton verpackt, vor der Tür des Altomünsterer Museums. Sie befand sich in einem "erbarmungswürdigen Zustand", war von einer dicken Kreideschicht überzogen und hatte im unteren Teil einen tiefen Riss. In einem Begleitschreiben mit der Überschrift "Wo komme ich her, wo soll ich hin ?" bat der unbekannte Überbringer, die Figur renovieren zu lassen und anschließend im Museum auszustellen. Weiter heißt es in dem Brief, die Pietà sei bis 1900 in mehreren Pfarrhäusern des Aichacher Kreises gestanden. Vor rd. 50 Jahren sei sie (vom Dieb ?) in eine Schnitzerwerkstatt zur Holzwurmtötung gebracht worden. Dort habe man sie vergessen, weil der "Besitzer" gestorben sei und kein Geld für die Restaurierung hinterlassen habe. Der Restaurator oder seine Nachkommen haben die Skulptur zu einem Vergolder (!?) gebracht, der jedoch empfahl, die Pietà einem Museum zu schenken. Und nach Altomünster kam sie, weil die Figur "schon einmal in einer Kirche in der Nähe von Altomünster stand", wie es im Brief hieß.
Der Museumsverein in Altomünster ließ die Pietà mit finanzieller Unterstützung der Volksbank restaurieren. Der Restaurator Arno Müller legte die alte rot-blaue Fassung frei und renovierte sie nach Vorbildern aus der selben Epoche (Ende 14.Jh).

Hans Schertl

Quellen:
Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Anton Mayer /Georg Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbistums München-Freising. München 1874-1880
Kirschbaum, Lexikon der Christlichen Ikonographie, 1968
Georg Brenninger, Orgeln und Orgelbauer im Landkreis Dachau, Amperland 1976/1
Georg Brenninger, Orgeln in Altbayern, 1978
Fritz Mayer, Rudolf Wagner: Der Altlandkreis Aichach, 1979
Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres 1560, 1986

Wilhelm Liebhart, ALTOMÜNSTER KLOSTER, MARKT UND GEMEINDE, 1999
Fr.Böck, Wollomoos, 2002
Wilhelm Liebhart, Markt Altomünster, 2002
Josef Kiening, Überleben im Dreißigjährigen Krieg, http://www.genealogie-kiening.de/berleben.htm
Prof.Dr.Wilhelm Liebhart, Geschichte der Altomünsterer Pietà, Beilage der Dachauer Nachrichten vom Jan.2011
Dachauer Nachrichten vom 27.Januar 2011 (Pietà)
Eckart Bieger, Das Bilderlexikon der christlichen Symbole, 2011 (Rosen)
38 Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Landkreis Dachau - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

23.1.2011