zur Landkreiskarte             ausführl.Beschreibung          Kirchen i.d.Marktgem. Altomünster

Filialkirche St. Laurentius in PFAFFENHOFEN b.Altomünster

Adresse: 85250 Altomünster, Laurentiusstraße 9
Lage der Kirche auf der Landkarte ...

Kurzbeschreibung

Der Ort Pfaffenhofen bei Altomünster wurde erstmals um das Jahr 1280 erwähnt. Der Ortsname bedeutet "Hof eines Pfarrers". 

Die Kirche St.Laurentius steht auf einem kleinen Hügel inmitten des Dorfes. In der Konradinischen Matrikel von 1315 ist sie indirekt erwähnt. Pfarrsitz war bis 1866 Sielenbach, seitdem gehört das Dorf zur Pfarrei Wollomoos. Die Kirche besaß immer einen eigenen Friedhof. 

Der heutige Kirchenbau stammt zu einem kleinen Teil noch aus dem 13. Jh, also noch aus romanischer Zeit.

Der untere Mauerbereich (bis zur Höhe von drei Metern) ist doppelt so dick, wie das darüber liegende Mauerwerk.

Ein größerer Umbau fand in 1650/70, also kurz nach dem 30-jährigen Krieg statt.
Dabei wurde die Kirche auch barockisiert.


musizierender Dachungsengel
Der Chor ist stark eingezogen und schließt viereckig.
Der Kirchturm ist an der Südostecke des Schiffs angebaut.

Innenausstattung

Die drei Altäre stammen aus der Barockzeit (um 1670). Sie wurden aber im 19. Jh. nochmals verändert.
Der Choraltar ist dem Kirchenpatron, dem hl. Laurentius geweiht, dessen Figur (mit Märtyrerpalmzweig und Feuerrost) zwischen blauverzierten Wendelsäulen in der Mittelnische steht. Assistenzfiguren sind der hl. Johannes der Täufer (mit Kreuzstab und Lamm) sowie eine
Anna selbdritt (Anna, mit Jesus auf dem Arm, belehrt ihre Tochter Maria).
An den Seitenaltären eine Figurengruppe "Krönung Mariens durch die Dreifaltigkeit" (links) und ein Gemälde mit St.Leonhard und Isidor (rechts).

Eine Besonderheit ist der sog.Römerstein, das herausragendste Zeugnis der Römerzeit im gesamten Landkreis Dachau. Es handelt sich um ein Würfelkapitell, das ein römisches Grabdenkmal des
3. oder 4. Jahrhunderts bekrönte.

Beeindruckend ist die Figurenausstattung der Kirche:

Der RömersteinSt.Laurentius auf dem RömersteinAnna selbdrittJohannes der TäuferSt. Laurentius am HochaltarFigurengruppe Mariä Krönung St.UrsulaSt.Leonhard-AltarSt.Josef im Altaraufsatz
7 Details ( 2 Altäre, Figuren, Römerstein) per Mouseklick

- eine spätgotische Skulptur des hl. Laurentius (in rotem Gewand mit Buch und Feuerrost (1450),
- eine romanische Pietá von beeindruckender Schlichtheit (möglicherweise eine Nachbildung aus jüngerer Zeit),
- ein naiver Laurentius (mit Rost), ebenfalls aus der romanischen Stilepoche (?),
- Maria Magdalena mit Salbungsgefäß in der Hand (1670/80),
- die spätgotische Figur des hl. Vitus im Kessel über dem Feuer.

Die Empore ist an der Brüstung und der Unterseite bemalt. Die zum Teil beschnittenen Holzbilder kamen aus einer größeren Kirche hierher und wurden eingepasst. Dargestellt sind Szenen aus dem Leben von Christus und dem hl. Petrus. Deshalb wird vermutet, dass die Brüstungsbilder aus einer Petruskirche gekommen sind.


Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen Hinweisen


Geschichte: Freisinger Matrikel Visitation 1560 Umbau 1650 Matrikel 1740
Beschreibg 1874  
Ausstattung: Altarraum Baubeschreibung Choraltar Empore
  Ewig-Licht-Ampel Figuren im Schiff Kirchenschiff Kreuzweg
  Opferstock Reliquiar Römerstein Seitenaltäre

Pfaffenhofen bei Altomünster gehörte früher zu den Welfen (Lechraingrafen)und kam über die Staufer 1264 zu den Wittelbachern. Der Ort wurde erstmals um das Jahr 1280 erwähnt. Der Ortsname bedeutet "Hof oder Höfe eines Pfarrers".  Pfarrsitz war von mind. 1524 bis 1866 Sielenbach; seitdem gehört die Kirche St.Laurentius zur Pfarrei Wollomoos. Im Schematismus von 1867 steht dazu: "Nachdem dieser Filialbezirk der Pfarrei Sielenbach schon längere Zeit durch den Pfarrer von Wollmossen charitativ war versehen worden, fand am 15.December 1866 durch Ministerialentschließung im Einvernehmen mit dem hochw. erzb. Ordinariate die Umpfarrung desselben in die Pfarrei Wollmoosen statt .
Die Kirche besaß immer einen eigenen Friedhof. 

Geschichte der Kirche

Frühe Freisinger Matrikel
Eine Kirche stand in Pfaffenhofen wohl schon um 1300. Dafür spricht, dass kleine Teile des heutigen Kirchenbaus noch aus romanischer Zeit stammen.
In der Konradinischen Matrike l von 1315 ist Pfaffenhofen nicht ausdrücklich erwähnt. Doch bei der Pfarrei Sielenbach heißt es, sie habe eine Filiale ("Sielenpach... habet I filiam"). Da auch zweihundert Jahre später, in der Sunderndorfer'schen Matrikel von 1524, die Pfaffenhofener Kirche als einzige Filiale von Sielenbach bezeichnet wird, dürfte sie es 1315 ebenfalls gewesen sein. In dieser Matrikel von 1524 ist übrigens auch die erste Erwähnung des Kirchenpatrons St.Laurentius zu finden ("Silapach habet unam filiam ecclesiam s.Laurentii in Pfaffenhouen").

Umbau 1650
Ein größerer Umbau fand um 1650/70, kurz nach dem 30-jährigen Krieg statt. Vielleicht hatten Kriegsschäden dazu gezwungen, denn die Gegend wurde damals schwer von Krieg und Pest heimgesucht.
Bei diesem Umbau wurde die Kirche auch in barockem Stil ausgestattet.

Schmidt'sche Matrikel
In den Jahren 1738/40 hatte der Freisinger Kanonikus Schmidt alle Pfarreien des Bistums Freising besucht und in der nach ihm benannten Schmidt'schen Matrikelauch die Filialkirchen kurz beschrieben. Zur "Ecclesia filialis s.Laurentii in Pfaffenhofen" bemerkt er, die Kirche sei ein ruinöser Bau (Ecclesia haec ruinosae structurae). Damals hatte sie nur einen Altar (habet aram unam), der natürlich dem Kirchepatron Laurentius geweiht war. Gottesdienste fanden am laurentiusfest statt, an dem Patrozinium und Kirchweih gefeiert wurde, sowie am frühen Morgen des Weihnachtsfestes. Am Friedhof stand ein Beinhaus. Eine Sakristei war nicht vorhanden. Im Turm hingen zwei geweihte Glocken. Die Einnahmen verwalteten der Pfarrer von Sielenbach und der Landpfleger von Aichach.

In den folgenden Jahrzehnten und Jahrhunderten wird die Kirche wohl des Öfteren renoviert worden sein. Jedenfalls sind die beiden Seitenaltäre erst nach 1740 errichtet worden.

Beschreibung 1884
In der Statistischen Beschreibung des Erzbistums München und Freising von Anton Mayer und Georg Westermayer aus den Jahren 1870 bis 1884 ist im Kapitel über die Pfarrei Wollomoos als Filialkirche auch St.Laurentius in Pfaffenhofen enthalten. Pfaffenhofen gehörte bis 1866 zur Pfarrei Sielenbach. Im Dorf selbst wohnten 81 Seelen (in 13 Häusern). Die Wege zur 2 1/2 km entfernten Pfarrkirche seien gut, schreibt Westermayer. Und weiter über die Kirche: "Liegt an der Straße von Aichach nach München hochgelegen. Erbauungjahr unbekannt. Ohne ausgeprägten Styl. Baupflicht hat die Dorfgemeinde. Thurm: Dachreiter mit 2 Glocken; die größere gegossen 1789 von Vincenz Lißbach in Augsburg; die kleinere ohne Jahreszahl trägt die gothische Inschrift: "Markus, Mattheus, Joannes, Joseph". 3 Altäre (ohne Altarsteine). Orgel mit 4 Registern. Stiftungen: 2 Seelenämter für Kirchweihdienstag u. 3.11; 4 Jahrmessen. Den Meßnerdienst versieht ein Gütler, den Cantordienst der Lehrer in Wollmoosen. Kirchenvermögen: 5.400 Mark".

Die letzte grundlegende Restaurierung fand 1972/1973 statt, dabei wurde der Sakristeianbau abgebrochen. Die Neuweihe vollzog am 10. März 1973 Weihbischof Graf Heinrich von Soden-Fraunhofen. 


Baubeschreibung

Der heutige Kirchenbau stammt zu einem kleinen Teil noch aus dem 13. Jh, also noch aus romanischer Zeit. Der untere Mauer-bereich (bis zur Höhe von 3 Metern) ist doppelt so dick, wie das darüber liegende Mauerwerk.

Die Kirche St. Laurentius steht am westlichen Ortsrand auf einer kleinen Anhöhe, die den Eindruck eines Burghügels macht. Sie ist von einem ummauerten Friedhof umgeben.
Der einachsige Chor ist stark
eingezogen und schließt gerade.
Das zwei Stufen tiefer liegende Langhaus, das Kirchenschiff besitzt zwei Achsen. Der untere Mauerbereich (bis zur Höhe von 3 Metern), der noch aus der Zeit der Romanik stammt, ist doppelt so dick, wie das darüber liegende Mauerwerk.
Das Portal mit einflügeliger Türe liegt auf der Südseite.
Die Kirche wird durch sechs barocke Rundbogenfenster erhellt.
Der Kirchturm ist an der Südostecke des Schiffes angebaut. Er hat einen quadratischen Grundriss. Seine Wände sind nicht gegliedert. Unter dem flachen Pyramidendach auf jeder Seite ein großes Schallloch. Über die Glocken ist mir nichts bekannt.

Die letzte grundlegende Restaurierung fand 1972/1973 statt, dabei wurde der Sakristeianbau abgebrochen. Die Neuweihe vollzog am 10. März 1973 Weihbischof Graf Heinrich von Soden-Fraunhofen. 

 

Innenausstattung

Altarraum
Der schmale Altarraum ist flach gedeckt. Die Decke ist nicht bemalt.
Als einziger Wandschmuck sind im Chor zwei gemalten Apostelleuchter links und rechts des Altars angebracht.

Choraltar / Hochaltar

Der 180 cm breite und raumhohe Choraltar wurde um 1670 erstellt, aber im 19.Jh nochmals verändert. Er besitzt ein barockes Retabel, dessen Holz braun und blau gefasst (= bemalt) ist. Zwei gedrehte, mit Weinlaub und Weintrauben umrankte Säulen haben korinthische Kapitelle. Sie tragen ein verkröpftes Gebälk, auf dem zwischen Sprenggiebeln der Altarauszug sitzt. Die Stipes, der Altarblock, ist mit einer sarkophagähnlichen Holzverkleidung umgeben.

In der Mittelnische steht zwischen den blauverzierten Wendelsäulen eine große Figur des Kirchenpatrons, des hl. Laurentius aus dem 17.Jh. Der Heilige hält in den Händen einen Märtyrerpalmzweig; vor seine Füße hat er den Rost hingestellt, der auf die Art seines Martyriums hinweist. Neben dem Rost knien zwei Leuchterengel.
Hinweis: Laurentius war um das Jahr 250 einer der sieben Diakone in der Stadt Rom. Er sollte im Auftrag des Papstes den Kirchenschatz unter den Armen austeilen. Kaiser Valerian erhob Anspruch auf diese Schätze; als Laurentius sie nicht herausgab, ließ der Kaiser den Heiligen auf einem Rost zu Tode zu martern. Deshalb wird Laurentius mit dem Rost abgebildet. 
Mittelpunkt des Altaraufsatzes ist eine achteckige Kartusche mit der Anrufung des hl. Laurentius (Sankt Laurentius ora pro nobis") auf blauem Grund, flankiert von zwei musizierenden Engelsfiguren an den Sprenggiebeln. Der gesamte Aufsatz wirkt wie eine barocke Krone.

An den Außenseiten des Altars stehen auf Postamenten zwei Assistenzfiguren:
Links der hl. Johannes der Täufer mit dem Täuferkreuz, um das ein Spruchband mit dem Text "Ecce agnus Dei" geschlungen ist. In der Hand hält er ein Buch mit den 7 Siegeln, auf dem das Lamm Gottes liegt.
Rechts die Figurengruppe Anna selbdritt; die hl. Anna mit dem segnenden Jesuskind auf dem linken Arm, liest ihrer Tochter Maria, die zu ihren Füßen steht, aus einem Buch vor. Um zu demonstrieren, dass bei dieser Darstellung die hl.Anna im Vordergrund steht, hat der Künstler nur die Anna mit einem Heiligenschein (Nimbus) in Form eines Strahlenkranzes ausgestattet.

 

Hinweis: Johannes (ein Verwandter Jesu) war Bußprediger am Jordan und taufte dort auch Jesus. Später wurde er auf Wunsch der Herodias, der Geliebten von Herodes und ihrer Tochter Salome enthauptet. Mit den Worten "Dieser ist das Lamm Gottes, das die Schuld der ganzen Welt wegnimmt" hatte Johannes den Messias angekündigt (Johannes 1,29). Deshalb wird er in der Kunst häufig mit einem Lamm und mit dem Spruchband "Ecce agnus dei" am Kreuzstab abgebildet.
Die Darstellung des Buchs mit den 7 Siegeln greift ein Thema aus den Geheimen Offenbarungen (Apokalypse, 5,1 ff) der Bibel auf. Darin beschreibt Johannes eine Vision, in der Gott eine Buchrolle mit sieben Siegeln in der Hand hält, die niemand öffnen konnte. Allein der "Löwe aus Judas Stamm und Nachkomme Davids" sei dazu berechtigt. Da kam ein Lamm, das aussah, als ob es geschlachtet worden war und öffnete die Siegel. Die Buchrolle ist das Buch des Lebens, in dem die Namen der Gerechten und der Sünder eingetragen sind und das die Ereignisse enthält, die am Weltende geschehen werden. Das Lamm stellt Christus dar, der auch der Löwe von Juda und Lamm Gottes genannt wird.
Anna hat nach den Apokryphen erst nach zwanzigjähriger kinderloser Ehe ihre Tochter Maria geboren. Deshalb wird sie in der Kunst immer als ältere, verheiratete Frau mit Kopftuch abgebildet. Das Buch in ihren Händen geht auf Legenden und Darstellungen zurück, in denen sie ihre Tochter Maria das Lesen lehrt. Das Thema der Unterweisung Mariens ist in der Kunst seit dem 14.Jh bekannt und war besonders in der Barockzeit beliebt. Es geht zurück auf die Bibelstelle aus dem Buch der Sprichwörter (1,8) "Höre mein Sohn, auf die Mahnung des Vaters und die Lehre deiner Mutter verwirf nicht" und wendet das Wort auf Maria an.  Die Kunst des Lesens beherrschten in früheren Zeiten nur wenige, meist vornehme Menschen. Dazu sollten auch Anna und Maria gerechnet werden.   Das Motiv der Anna selbdritt kam erst im 15. Jh. nach Bayern, kurz bevor Papst Sixtus IV. 1481 den Festtag der Anna in den römischen Kalender aufnahm. Die Verehrung Annas als Mutter der Jungfrau Maria erreichte damals ihren Höhepunkt. Die Bezeichnung Anna selbdritt gibt an, dass Anna selbst wiedergegeben ist und dass sie zu dritt sind. Anna, die Mutter Marias, wird meistens als reife Frau dargestellt; häufig mit grün-roter Kleidung, um den Kopf ein Tuch als Zeichen der verheirateten Frau und um den Hals den Goller, den breiten weißen Frauenkragen. Meist hat Anna das Jesuskind und Maria auf dem Arm; manchmal steht Maria zu ihren Füßen. Fast immer wird Maria als Kind oder als junges Mädchen dargestellt. Diese Komposition gehört zu den anachronistischen Bildern, weil bewusst zeitliche Abfolgen außer Betracht gelassen werden. Das Motiv der Anna selbdritt ist ein Sinnbild für die Entwicklung, Kontinuität und Weitergabe des Lebens, für den ewigen Kreislauf der Natur. Die drei Personen Anna, Maria und das Kind umfassen den gesamten Lebenszyklus von Jugend über Reife bis hin zum Alter. Sie beinhalten das Gewesene, das Jetzige und das noch Kommende. In ihnen sind Wandel und Erneuerung angelegt.

Der Tabernakel aus vergoldetem Holz wurde in der Rokokozeit, um 1740/50 erstellt. Er ist mit seitlichen Volutenbändern und Rocaillebesatz verziert. Die vergoldete Türe besteht aus Schmiedeeisen. Maße: 71 x 66 x 26 cm
Die Figuren der Leuchterengel, die zu beiden Seiten des Tabernakels angebracht sind, stellen nicht nur eine Verzierung dar. Sie sind auch auf die Gestaltung der Bundeslade der Israeliten in biblischer Zeit zurückzuführen, die als Vorgängerin des Tabernakels angesehen wird. Die Bundeslade war von zwei goldenen Engelsfiguren (Cherubim) eingerahmt (Ex, 37,7-9).


Römerstein

In Kirche befindet sich das nach Prof. Liebharts Aussage herausragendste Zeugnis der Römerzeit im gesamten Landkreis Dachau, der sogenannte "Römerstein". Es handelt sich um ein 54 cm hohes korinthisches Würfelkapitell aus Jura-Kalkstein, das ein römisches Grabdenkmal des 3. oder 4. Jahrhunderts bekrönte. Es soll 1905 in der Kirche von Wollomoos entdeckt und dann nach Pfaffenhofen gebracht worden sein. Unweit von Pfaffenhofen verlief ein römischer Straßenzug aus Richtung Petersberg kommend über Langengern, Übelmanna und Kiemertshofen weiter nach Heretshausen in Richtung Augsburg. Das Denkmal dürfte an dieser Straße gestanden sein.
Auf den Römerstein hat man eine spätgotische Skulptur des hl. Laurentius gestellt, gekleidet in ein rotes Gewand mit einem Buch in der Rechten. Er stützt sich lässig auf den Rost unter dem linken Arm. Die Figur wurde um 1450 geschnitzt.

Langhaus / Kirchenschiff

Das Langhaus besitzt eine Flachdecke über umlaufendem Gesims Einziger Schmuck sind ier Tondi (Stuckrahmenkreise), in denen sich früher vielleicht Gemälde befanden. Heute ist alles übertüncht.


Seitenaltäre

Auch die beiden Seitenaltäre sind wie der Hochaltar barocke Säulenretabel. Sie sollen aus der Zeit um 1670 stammen; doch die Schmidt'sche Matrikel von 1739 schreibt nur von einem einzigen Altar in der Kirche. Dies spricht für einen späteren Einbau.
Die Säulen und die Stipesverkleidungen sind braun und blau marmoriert und mit Schnitzdekor vergoldet. Die hohen, sehr schön geschwungenen Altaraufsätze bestehen aus dreipassförmigen Gemälden, die von Engelsfiguren umgeben sind. An der Spitze Textkartuschen und bekrönende Kreuze.

Linker Seitenaltar

Der linke Seitenaltar ist der Muttergottes geweiht. Mittelpunkt ist eine schöne Figurengruppe "Krönung Mariens" in der Nische. Christus und Gott Vater (mit der Weltkugel) halten die Himmelskrone über das Haupt von Maria. Darüber schwebt der Heilige Geist in Form einer Taube.

Das Haupt Christi ist von einem dreistrahligen, das Haupt von Gottvater von einem dreieckigen Heiligenschein umgeben.
Die Gruppe dürfte um 1550 geschnitzt worden sein.
Unter dem Kreuz, das den Altar bekrönt, eine Kartusche mit dem Text: "Maria Königin".

Im Altaraufsatz wird die hl. Ursula mit Pfeil und Märtyrerpalme darstellt. Das Ölbild (auf Leinwand) dürfte um 1880 gemalt worden sein.
Hinweis: Ursula soll im Jahr 415 zusammen mit 11.000 Jungfrauen (u.a. auch Cäcilia,Odilia und Verena) nach der Rückkehr von einer Romreise in Köln von den Hunnen mit Pfeilen ermordet worden sein, nachdem sie sich geweigert hatte, die Geliebte des Hunnenkönigs zu werden.


Rechter Seitenaltar
Der rechte Seitenaltar ist dem Viehpatron St. Leonhard gewidmet. Auf dem rundbogigen Altarblatt sind der Heilige im Mönchstracht sowie der hl. Isidor dargestellt. Beide schauen auf zu Maria und dem Jesuskind, die auf Wolken am Himmel erscheinen. Das Kind sitzt lachend auf Mariens Schoß und hält dem Betrachter einen Gürtel entgegen. Zu Füßen der beiden Bauernheiligen grasen Pferde und Rinder. Das 96 x 61 cm große Gemälde wurde Ende des 18.Jh mit Ölfarbe auf Leinwanduntergrund gemalt. Über dem Aufsatz eine Kartusche mit dem Text: "St.Leonhard".
Der Altaraufsatz enthält ein Bild des hl. Josef mit dem Jesuskind auf dem rechten Arm und der Lilie der Keuschheit in der linken Hand (Öl auf Leinwand, um 1880). Seit dem Mittelalter gelten weiße Lilien als Symbol für Reinheit und Keuschheit. In der Hand Josefs soll diese Blume letztendlich besagen, dass Josef eine nach ihm benannte "Josefsehe" führte und er deshalb nicht der natürliche Vater Jesu gewesen sein kann.


Kreuzweg-Stationsbilder

An den Seitenwänden hängen oberhalb und unterhalb der Brüstung schöne Kreuzwegbilder.
Es sind 94 x 53 cm große Ölbilder auf Leinwanduntergrund, die in der 1.Hälfte des 20.Jh gemalt wurden.
Hinweis: Kreuzwegbilder in unseren Kirchen sind erst seit 1700 üblich. Wenn Sie mehr über den Kreuzweg und seine Darstellungen in Kirchen des Landkreises erfahren wollen, klicken Sie hier...


Ewig-Licht-Ampel

An der linken Seitenwand hängt die kleine Ewig-Licht-Ampel aus der Zeit um 1900. Sie besteht aus versilbertem Messing. Die Ornamente darauf sind durch Treibarbeit (Klopfen auf der Rückseite) entstanden.



Hinweis: Das rote Öllämpchen, das stets im Altarraum brennt, gilt oft als Erkennungsmerkmal eines katholischen Gotteshauses. Früher gab es solche Lichter nur an den Märtyrergräbern. Mit der wachsenden Verehrung der aufbewahrten Eucharistie hat sich etwa seit dem 13. Jh der Brauch des "Ewigen Lichtes" vor dem Tabernakel, wo das Allerheiligste aufgewahrt wird, herausgebildet, nachdem der Johanniter-Ritterorden das Ewige Licht von den Kreuzzügen aus dem Heiligen Land mitgebracht hatten. Durch sein dauerndes Brennen weist es darauf hin, dass in der Kirche geweihte Hostien aufbewahrt werden.



Kreuzigungsgruppe


An der Südwand hängt ein großes Kruzifix aus der Zeit um 1670/80.
Es gehört stilistisch dem sog.Viernageltypus an. Die Beine liegen nebeneinander am Kreuzstamm auf, jeder Fuß ist von einem Nagel durchbohrt, zusammen mit den Nägeln der Arme also vier, daher die Bezeichnung "Viernageltypus".

Darunter steht nicht, wie sonst üblich, eine Figur der schmerzhaften Mutter, sondern die von Maria Magdalena mit dem Salbungsgefäß in der Hand (1670/80).

 


PietaOpferstockKreuzwegbilderEmporenbilderLaurentius an der EmporensäuleSt. Vitus im KesselHerr Steiner, Mesner
     6 Details ( 3 Figuren, Kreuzweg, Emporenbilder, Opferstock) per Mouseklick

Weitere Figurenausstattung

Im hinteren Teil des Kirchenschiffs befinden sich noch zwei romanische Plastiken:
- auf der Nordseite , eine Pietá von beeindruckender Schlichtheit (möglicherweise eine Nachbildung aus jüngerer Zeit). Maria betrauert ihren toten Sohn Jesus, den sie auf dem Schoß hält. Die Jesusfigur ist unverhält-nismäßig klein.
mehr über die Pietàfiguren in den Kirchen des

Landkreises finden Sie hier...

- an der Emporensäule ein naiver Laurentius, die dritte Laurentiusfigur in der Kirche. Der Heilige mit roten Bäckchen ist in das typische Gewand der Diakone mit Schlitz im Saum gekleidet.

An der Eingangstüre ist die spätgotische Figur des hl. Vitus im Kessel angebracht. Die Figur wurde um 1480 geschnitzt.

Hinweis: Vitus wurde schon als Kind von seinem heidnischen Vater wegen seines christlichen Glaubens vor Gericht gestellt. Den Folterknechten verdorrten die Arme, aber Vitus heilte sie. Der Vater schloss ihn mit musizierenden und tanzenden Mädchen ein, die ihn verführen sollten. Als er ihn dabei durchs Schlüsselloch beobachtete wurde er blind. Kaiser Diokletian wollte ihn mit schweren Eisenplatten erdrücken, in einem heißen Ölkessel sieden oder ihn den Löwen vorwerfen. Nichts gelang. Dann wurde er mit Haken zerfleischt. Vitus ist einer der 14 Nothelfer.

  Er ist Patron für 30 Krankheiten. Bekannt ist der Veitstanz, Chorea, eine Nervenkrankheit mit ungewollten, spastischen Bewegungen des gesamten Körpers, die sich willentlich nicht unterdrücken lassen und durch eine organische Schädigung im Zentralnervensystem bedingt sind. Er ist auch Schutzpatron gegen das Bettnässen, weil man in früheren Jahrhunderten den Ölkessel als großen Nachttopf deutete. 


Opferstock

An der Emporensäule ist ein Opferstock aus der Zeit um 1730 befestigt. Er ist mit Eisenbändern und einem massiven Vorhängeschloss gesichert. Der Opferstock dient der Aufnahme von Geldspenden. Seinen Namen verdankt er der Tatsache, dass er aus einem großen ausgehöhlten Holzstock besteht.
In den Kirchen des Landkreises Dachau gibt es viele unterschiedliche, außerordentlich interessante Opferstöcke. Wenn Sie sich dafür interessieren, klicken Sie hier..


Empore

Die Empore wird durch einen hölzernen Mittelpfeiler mit abgefasten (abgeschrägten) Kanten gestützt. Sie ist über einen Treppenaufgang mit gedrechseltem Geländer (um 1600) zu begehen. An der hölzernen Emporenbrüstung und an der Emporenunterseite wurden Malereien freigelegt. Die zum Teil beschnittenen Holzbilder kamen aus einer größeren Kirche hierher und wurden eingepasst. Dargestellt sind Szenen aus dem Leben von Christus, großenteils im Zusammenhang mit dem hl. Petrus. Deshalb wird vermutet, dass die Brüstungsbilder aus einer Petruskirche gekommen sind. Erster Anwärter dafür ist die Pfarrkirche in Sielenbach, die diesem Heiligen geweiht ist und 1732/33 umgestaltet wurde.
Die Bilder zeigen, soweit der Inhalt noch zu erkennen ist:
an der Brüstung (von Süden nach Norden): - Christus,
- den reichen Fischzug (Lukas 5, 1–11),
- den Sturm auf dem Meer (Markus 4, 35-41),  
- den zwölfjährigen Jesus im Tempel bei den Schriftgelehrten (Lukas 2, 41–46),
- die Heilung der Schwiegermutter von Petrus (Matthäus 8,14),
auf der Unterseite:
- die Tempelreinigung (?) (Markus 11, 15–19),
- die Anbetung der Weisen aus dem Morgenland (Matthäus 2, 1 - 12).

Jesus lehrt im Tempel


Kreuzpartikel-Reliquiar

Die Kirche besitzt noch ein Reliquiar aus der Zeit um 1830 mit einer Kreuzreliquie. Es besteht aus versilbertem und vergoldetem Messing. Die Verzierung ist eine Treibarbeit. Das kreuzförmige Reliquiar besitzt einen querovalen Fuß mit Blattwerkleiste; am Schaft ist ein klassizistischer Vasennodus angebracht. An den vier Kreuzenden sind Rosetten und Blattornamente mit farbigen Steinen angebracht. Das ovale Kristall-Schaugefäß mit der winzigen Reliquie ist von einem Strahlenkranz umgeben.

Pietà von 1370

Wahrscheinlich stand in den Jahrzehnten vor 1950 in Pfaffenhofen die schöne Figur einer Pietà, einer Muttergottes, die ihren vom Kreuz abgenommenen Sohn betrauert und den Leichnam auf ihrem Knien hält. Die Skulptur aus Lindenholz ist seit 2011 im Museum Altomünster zu sehen.
Sie soll in der Zeit um 1370 von einem unbekannten Künstler geschaffen worden sein und gehört so zu den ältesten im Landkreis.
Die von Gram gebeugte Muttergottes zeigt dem Betrachter die linke Handwunde Jesu. Die Christusfigur wurde erst später hinzugefügt; nur der linke Arm und die von Maria präsentierte linke Hand sind noch original erhalten.

Die letzten 60 der insgesamt 640 Jahre ihres Bestehens verliefen sehr turbulent: Bis 1950 stand sie wohl in der Kirche von Pfaffenhofen bei Altomünster. Denn der aus Wollomoos stammende Priester Mathäus Gschoßmann konnte sich noch erinnern, dass Pfarrer Neureuther die Figur "hinter dem Sakristeischrank in Pfaffenhofen hervorgeholt" und nach Wollomoos verbracht hat. Dort hat man sie in der Kriegergedächtniskapelle aufgestellt. Als 1965 diese Kapelle renoviert wurde, hat man die Pietà in den unbewohnten Pfarrhof ausgelagert, wo sie gestohlen wurde. Nach dem Diebstahl ließen die Wollomooser eine Kopie nach einem Foto anfertigen, die sich noch immer im Leichenhaus befindet. Die Originalfigur blieb 45 Jahre lang verschollen. Erst im Jahr 2010 lag sie, in einem Karton verpackt, vor der Tür des Altomünsterer Museums. Sie befand sich in einem "erbarmungswürdigen Zustand", war von einer dicken Kreideschicht überzogen und hatte im unteren Teil einen tiefen Riss. In einem Begleitschreiben mit der Überschrift "Wo komme ich her, wo soll ich hin ?" bat der unbekannte Überbringer, die Figur renovieren zu lassen und anschließend im Museum auszustellen. Weiter heißt es in dem Brief, die Pietà sei bis 1900 in mehreren Pfarrhäusern des Aichacher Kreises gestanden. Vor rd. 50 Jahren sei sie (vom Dieb ?) in eine Schnitzerwerkstatt zur Holzwurmtötung gebracht worden. Dort habe man sie vergessen, weil der "Besitzer" gestorben sei und kein Geld für die Restaurierung hinterlassen habe. Der Restaurator oder seine Nachkommen haben die Skulptur zu einem Vergolder (!?) gebracht, der jedoch empfahl, die Pietà einem Museum zu schenken. Und nach Altomünster kam sie, weil die Figur "schon einmal in einer Kirche in der Nähe von Altomünster stand", wie es im Brief hieß.
Der Museumsverein in Altomünster ließ die Pietà mit finanzieller Unterstützung der Volksbank restaurieren. Der Restaurator Arno Müller legte die alte rot-blaue Fassung frei und renovierte sie nach Vorbildern aus der selben Epoche (Ende 14.Jh).

Hans Schertl

Quellen:
Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874
Schematismus 1867, S. 267
Fritz Mayer, Rudolf Wagner: Der Altlandkreis Aichach, 1979
Dr.Stefan Nadler, Kunsttopographie des Erzbistums München und Freising, 1992
Wilhelm Liebhart, ALTOMÜNSTER KLOSTER, MARKT UND GEMEINDE, 1999
Fam.Steiner, Pfaffenhofen, 2002
Wilhelm Liebhart, Markt Altomünster, 2002
Prof.Dr.Wilhelm Liebhart, Geschichte der Altomünsterer Pietà, Beilage der Dachauer Nachrichten vom Jan.2011
Dachauer Nachrichten vom 27.Januar 2011 (Pietà)
Eckart Bieger, Das Bilderlexikon der christlichen Symbole, 2011 (Tabernakelengel)
23 Bilder: Hans Schertl

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29.9.2011