zur Landkreiskarte        Pfarreien im Dachauer Land

  Pieta -Darstellungen (Vesperbilder)
-  in den Kirchen des Landkreises Dachau- 


in Gundackersdorf

Auch wenn sich die berühmteste Pieta , die von Michelangelo, im Vatikan befindet: die Vesperbilder stammen aus Deutschland
Die ersten Darstellungen wurden im 13.Jh und von mitteldeutschen Klosterfrauen in Auftrag gegeben, die das Leiden Jesu in ihrer Andacht nachvollziehen wollten.

Bei uns waren diese Bilder früher eine der häufigsten und beliebtesten Passionsdarstellungen. Sie zeigen Maria, die um ihren toten Sohn auf ihrem Schoß trauert. Den mütterlichen Schmerz über den toten Sohn (Mutterliebe und Mutterleid) konnten die Gläubigen in Zeiten hoher Kindersterblichkeit häufig aus eigenem Erleben gut nachfühlen.

Die Darstellung entspricht keinem Bibelbericht. Nach dem Johannesevangelium stand Maria zwar unter dem Kreuz; ihre Anwesenheit bei der Kreuzabnahme ist aber nicht belegt. Deshalb standen die Pietas in Italien lange unter dem Verdacht der Ketzerei und wurden auch von den Reformatoren in Deutschland abgelehnt.

Den Namen Vesperbild erhielten sie, weil die Zeit, die im Stundengebet der Mönche und Nonnen der Trauer um den Tod Jesu gewidmet wird, der Sonnenuntergang ist, die Zeit der Vesper.

er Begriff "Pieta" (ital. Mitleid) weist nach Robert Böck auf die kindliche Liebe und das innige Mitgefühl hin, das die Gläubigen dieser Darstellung entgegenbrachten.


in Schwabhausen

in Machtenstein

 
Rumeltshausen  

.
Biberbach
 


in Pfaffenhofen bei Altom


in Sigmertshausen
Um 1900 wurde die Darstellung der Pieta von vielen Künstlern z.B.
van Gogh oder Käthe Kollwitz aufgegriffen und zu einem allgemeingültigen Klagebild auch im profanen Bereich (z.B. Kriegerdenkmale) geformt.

in Sittenbach


in Kreuzholzhausen

in Orthofen

in Eisenhofen


in Weißling

 


Auch die Dichtung wurde von den Pietadarstellungen beeinflusst:

in Inhausen

Im Büchlein von der ewigen Weisheit von Heinrich Suso aus dem Jahr 1334 heißt es:

Ich nam min zartes kint
uf min schoze
und sah in an -
do waz er tot;
ich lugt in aber und aber an.

Die von der Minnedichtung beeinflusste Marienklage um 1300:

Sie nam sin Hande in ir Hant,
die waren ir vil wol erkant,
si leit si an ir Wangen,
ir Herze ward bevangen
mit Jammer unt mit Biterkeit.


     in Lauterbach (1449)

Rainer Maria Rilke dichtete 1912 in seinem "Marienleben":

Pieta
Jetzt wird mein Elend voll und namenlos erfüllt es mich. Ich starre wie des Steins Inneres starrt. Hart wie ich bin, weiß ich nur eins: Du wurdest groß um als zu großer Schmerz ganz über meines Herzens Fassung hinaus-zustehn.
Jetzt liegst du quer durch meinen Schoß, jetzt kann ich dich nicht mehr gebären.

Hans Schertl


Quelle:
Madonna-das Bild der Muttergottes, Dombergmuseum Freising, 2003

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

8.9.2003