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Filialkirche Heilig Kreuzauffindung und St.Helena in ORTHOFEN


Für Navi-Nutzer: 85254 Sulzemoos, Ringstraße 22 (= Nähe Kirche)
Lage der Kirche auf der Landkarte ...


Kurzbeschreibung

Die Ortschaft Orthofen wurde im Jahr 1150 als "Nordhofen" urkundlich erwähnt.

Die zur Pfarrei Sittenbach gehörenden Filialkirche Hl. Kreuzauffindung und St. Helena Orthofen wurde erstmals in der Sunderndorfer'schen Matrikel von 1524 mit dem Heiligkreuz-Patrozinium beschrieben. Eine Kirche dürfte aber schon 1315 vorhanden gewesen sein.

Die im Kern noch spätgotische Kirche (evtl. 15.Jh) wurde im 17.Jh oder 18.Jh umgebaut und gegen Ende des 19.Jh um ein Joch nach Westen verlängert.

Der Altarraum und der untere Teil des Zwiebelturms an der Nordseite stammen noch aus der gotischen Zeit. Darauf weisen die Kreuzbogenfriese hin.
In der Glockenstube hängen zwei Glocken aus den Jahren 1738 und 1950.

Die Innenausstattung ist mit Ausnahme der Deckenfresken neugotisch, d.h., sie stammt aus dem Ende des 19.Jh.

 
Gewölberippenkonsole im Chor

Innenausstattung

Bekannt ist die Kirche in Orthofen insbesondere wegen ihrer Deckenfresken, die vom Dachauer Maler Franz Mayr (1707-1752) im Jahr 1747 geschaffen wurden (Sign. F.M.).
Auf dem großen Fresko im Langhaus sind die Auffindung des Heiligen Kreuzes durch St. Helena im Jahre 320 im Vordergrund sowie eine weitere Kreuzlegende aus dem Jahr 627 (im Hintergrund) dargestellt. Auf vier Rundmedaillons um das große Mittelbild werden weitere Kreuzwunder mit den Heiligen Ulrich, Korbinian, Valentin und Ivo gezeigt.

Thema des Altarblatts am neugotischen Choraltar ist wiederum die Kreuzauffindung durch die hl.Helena. Assistenzfiguren sind die Heiligen Petrus (mit Himmelsschlüsseln) und Paulus (mit Schwert).

Der Tisch des Zelebrationsaltars stammt vom Petersberg; er wurde aus den Teilen der alten neugotischen Kommunionbank gefertigt.

Die Seitenaltäre haben die Kreuzigung Christi zum künstlerischen Thema. Mittelpunkt des linken Altars ist eine Kreuzigungsgruppe; am rechten Seitenaltar sitzt eine Pietá, eine Muttergottesfigur mit dem toten Sohn Jesus auf dem Schoß, in der Mittelnische.


ApostelleuchterApostelleuchterSeitenaltar linker SeitenaltarHochaltarZelebrationsaltrGeißelheilandAuffindung des Kreuzes durch St.HelenaSt. UlrichSt. Korbinian Vergrößerung von 7Details (4 Altäre u.a.) per Mouseklick

Auf den Altären stehen Figuren des hl. Bartholomäus mit dem Messer in der Hand
und eine Figur des hl.Philippus sowie figürliche Allegorien von Glaube, Hoffnung und Liebe (drei göttliche Tugenden).

Die Kreuzweg-Stationsbilder sind Ölbilder auf Blechuntergrund (1840/50).


Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen


Geschichte: Ältere Matrikel Gotische Kirche 15.Jh Matrikel 1738 Verlängerung 19.Jh Beschreibg 1884
Ausstattung: Altarraum Apostelleuchter Baubeschreibung Beichtstuhl Bilder im Schiff
Choraltar Deckengemälde Empore Figurenausstattung Kreuzweg
Kreuzpartikel Ölbild Opferstock Seitenaltäre Turm
Zelebrationsaltar


Die Ortschaft Orthofen wurde im Jahr 1150 als Nordhofen urkundlich erwähnt. Die Leute sagen heute noch "an Nordhof geah".
In einer Beschreibung der Dachauer Bauernschaft aus dem 19.Jh. heißt es: "Orthofen ist wohlbemittelt, weil die Bauern zu keiner Grafschaft gehören, sondern königl. Untertanen sind, also zum Renamt grund- und steuerbar sind".

Geschichte der Kirche

Ältere Matrikel
Wann die erste Kirche in Orthofen errichtet wurde, ist nicht zweifelsfrei zu bestimmen. In der Konradinischen Matrikel von 1315 ist eine Kirche in Orthofen zwar nicht namentlich enthalten. Doch die Pfarrei Sittenbach wird mit vier nicht näher bezeichneten Filialkirchen ("habet IIII filias") erwähnt.Wenn man berücksichtigt, dass auch die Sunderndorfer'sche Matrikel von 1524 von "quatour filiales" spricht und als eine der vier Filialen " s.Crucis in Orthofen " nennt, ist es nicht unwahrscheinlich, dass auch schon 1315 in Roßbach eine Kirche gestanden hat.

Das Patronat der Kirche, 1524 und 1738 nur allgemein als "s.Crucis" (= Heiliges Kreuz) genannt, wurde noch vor 1880 zu "Kreuzauffindung und St.Helena" erweitert. So hieß übrigens 1738 das Patronat für den Hochaltar.

Gotische Kirche 15.Jh
Die heutige, zur Pfarrei Sittenbach gehörende Filialkirche mit dem Patronat Hl. Kreuzauffindung und St. Helena ist im Kern noch spätgotisch (evtl. aus dem 15.Jh). Sie wurde im 18.Jh (jedenfalls vor 1740) umgebaut und barockisiert.



Auszug aus einer
Landkarte vom Jahr 1663

Schmidt'schen Matrikel von 1738-40
In der Schmidt'schen Matrikel , die der Freisinger Kanonikus Schmidt in den Jahren 1738-40 erstellt hat, ist auch eine kurze Beschreibung der Kirche in Orthofen enthalten. Dort heißt es, die Kirche habe eine ausreichende Größe und sei frisch repariert. Im Inneren stünden drei Altäre. Der Hochaltar zu Ehren der Kreuzauffindung und St.Helena enthalte auch eine Kreuzreliquie. Auch einer der Seitenaltäre habe ein Kreuzpatrozinium. Der andere sei der schmerzhaften Mutter Maria, der Mater dolorosa, gewidmet. Am Fest Kreuzauffindung (3.Mai) würden Prozessionen zur Kirche abgehalten. Das Kirchweihfest werde am Sonntag nach dem Fest des hl.Bartholomäus (24.8.) gefeiert. Messgewänder seien in ausreichendem Umfang vorhanden. Um die Kirche sei ein Friedhof mit Beinhaus angelegt. Im Turm hingen zwei geweihte Glocken. Die Einnahmen verwalteten der Pfarrer von Sittenbach und der Landrichter in Dachau. Der Bericht endet mit dem einzigen Satz in deutscher Sprache: "Das Vermögen dises Gottshauses mecht diser Zeit gegen 1600 fl. (=Gulden) ausmachen".

1837 ließ Kooperator Zauner 3 neue Altarblätter malen und ein neues Altargestühl beschaffen. Das entnehmen wir einem Brief des Kooperators vom 18.12.1843.


Verlängerung 19.Jh
Gegen Ende des 19.Jh wurde die Kirche um ein Joch nach Westen verlängert, um der Zunahme der Bevölkerung Rechnung zu tragen. Dies scheint vor 1884 erfolgt zu sein, weil in der Statistischen Beschreibung des Erzbistums München-Freising von Anton Mayer u. Georg Westermayer aus dem Jahr 1884 die Bemerkung enthalten ist: "Geräumigkeit genügend".

Beschreibung 1884
In der Statistischen Beschreibung des Erzbistums München und Freising von Anton Mayer und Georg Westermayer aus dem Jahr 1884 ist im Kapitel über die Pfarrei Sittenbach auch die Kirche Heilig Kreuz in Orthofen enthalten. Im Dorf selbst wohnten 129 Seelen (in 25 Häusern). Über die Kirche schreibt er: "Liegt in einem Thale, 1 km abseits der Straße von Dachau nach Friedberg. Erbauungsjahr unbekannt. Restaurirt. Baustyl: Presbyterium gothisch, Schiff mit Flachdecke. Kuppelthurm mit 2 Glocken: a) 'Fusa ab A.B.Ernst Monachy 1738. J.N.R.J. b) 'Hubinger Monachii 1852' - Titulus: Exaltio sanctae Crucis (=Kreuzauffindung). 3 Altäre, davon 2 portatile (=ohne Altarstein). Orgel mit 4 Reg(istern). Gottesdienst (durch den Cooperator) je am 3.Sonntag; am Weihnachtsfeste Frühmesse; am Patrocinium Predigt und Amt, am Feste Peter und Paul dazu Procession. Stiftungen: 2 Jahrtage, 2 Jahrmessen. Meßner und Cantor für gewöhnlich ein Ortsangehöriger, bei Leichengottesdiensten der Lehrer von Sittenbach. Kirchenvermögen: 15.700 Mark"

Die Ausstattung ist mit Ausnahme der Deckenfresken neugotisch, d.h., sie stammt aus dem Ende des 19.Jh. und wurde möglicherweise im Zusammenhang mit der Verlängerung des Kirchenschiffs beschafft.

Bittgänge
Die Orthofener wallfahrteten alljährlich u.a. auch nach Inchenhofen zum hl.Leonhard. Das wissen wir, weil den Fahnenträgern und Sängern ein Zehrgeld in Höhe von 30 Kreuzern gegeben und die Ausgaben in der Kirchenrechnung verbucht wurden.

Baubeschreibung

Die Kirche liegt etwas erhöht im Dorf; sie ist von einem ummauerten Friedhof umgeben.
Der nur sehr wenig eingezogene gotische Chor schließt mit 3 Seiten und wird außen durch zweifach abgetreppte Strebepfeiler gestützt.
Das barocke Langhaus/Kirchenschiff besitzt zwei Achsen/Joche. An seiner Südseite ist ein halbkreisförmig überdachtes Kruzifix mit einem farbig bemalten Corpus aus Gusseisen in neugotischem Stil (1880/90) angebracht. Darunter steht eine Mater dolorosa (Maria als Schmerzensmutter). Gesäumt wird die Figurengruppe von zwei Gedenktafeln für die Gefallenen und Vermissten der beiden Weltkriege. Diese Gedenktafeln wurden 2005 renoviert.
An der Südseite ist eine doppelstöckige Sakristei mit Krüppelwalmdach angebaut.
Der kupfergedeckte Zwiebelturm an der Nordseite stammt im unteren Teil noch aus der gotischen Zeit. Dort sind auch die schönen Kreuzbogenfriese Kreuzgratgewölbe Auffällig ist seine Gliederung durch farblich abgesetzte Lisenen und Wandvorlagen sowie durch die rundbogigen Schalllöcher mit darüber liegenden Ochsenaugen. In der Glockenstube hängen zwei Glocken, von denen die kleinere (80 cm Durchmesser) 1738 in München (mit der Inschrift 'Fusa ab A.B.Ernst Monachy 1738. J.N.R.J."), die größere (90 cm Durchmesser) 1950 von der Gießerei Hamm in Regensburg gegossen worden ist.
Hinweis: Woher die so typisch bayerisch-barock anmutende Zwiebelform kommt, ist erstaunlicherweise nicht geklärt. Einige der Experten vermuten, dass sie eine Nachahmung und Weiterentwicklung der im 7.Jh errichteten Moschee auf dem Tempelberg in Jerusalem (Felsendom) und somit arabischen Ursprungs ist. Damals glaubten europäische Baumeister, die Kuppel stamme noch vom Tempel Salomons und verbanden mit ihr die Vision vom himmlischen Jerusalem.
Andere Kunstexperten sehen in der Zwiebel eine Weiterentwicklung der byzantinischen Kuppel, die auch in Russland großen Anklang fand. Fest steht jedoch, dass die ältesten zwiebelförmigen Kuppeln in Bayern die der Münchner Frauentürme sind (1525). Weite Verbreitung fand die Zwiebel als Bauform aber erst im Italien der Renaissance und bei uns in der Barockzeit nach dem 30jährigen Krieg. Ihre Form -unten bauchig, oben spitz- passte wunderbar zur Kunstauffassung und zum Lebensstil des Barocks und galt "als Synthese aus der Bewegung ins Übersinnliche und dem Verharren in den Wölbungen des Sinnlichen".

Innenausstattung

Altarraum

Der zweiachsige Altarraum ist eingezogen und schließt in drei Seiten eines Achtecks. Er ist mit einem Tonnengewölbe (Parabeltonne) mit Stichkappen überwölbt, die auf Konsolen endet.

 

Choraltar/Hochaltar

Der 3,20 Meter breite und raumhohe Choraltars ist, wie der größte Teil der Ausstattung, im neugotischen Stil gearbeitet und stammt aus der Zeit um 1880/90. Sein Holz ist rot, hellgrau und blau gefasst (=bemalt) und teilweise vergoldet.
Die Stipes, der Altarunterbau, ist mit Holz verkleidet; im Antependium ein vergoldetes Kreuz in der Mitte.
Die Retabel, der Altaraufbau, besitzt Maßwerkfelder
, Stabwerk, Fialen mit Krabben, Kreuzblumen und bekrönende Baldachine.
Das Altarblatt in der großen Mittelnische des Hochaltars zeigt die Nebenpatronin der Kirche, die hl. Helena, bei der Kreuzauffindung. Das 130 x 80 cm große Ölgemälde (auf Leinwand) ist ebenso alt wie der Altar.
Die beiden Assistenzfiguren stellen die Heiligen Petrus und Paulus dar. Der langbärtige Paulus stützt sich auf sein Schwert. Der Legende nach ist er in Rom enthauptet worden, weil er als römischer Bürger nicht den schmählichen Tod der Kreuzigung erleiden musste.
St.Petrus hält zwei Schlüssel in der Hand (einen versilberten und einen vergoldeten). Diese sog.Himmelsschlüssel haben den Heiligen im Brauchtum zum Himmelspförtner gemacht. In der christlichen Symbolik repräsentiert der Schlüssel aber die Vollmacht, zu lösen und zu binden. Deshalb die beiden Schlüssel. Nach Matthäus 16,19 sagte Jesus zu Petrus: "Dir will ich die Schlüssel des Himmelreiches geben. Was du binden wirst auf Erden, wird gebunden sein im Himmel, und was du lösen wirst auf Erden, wird gelöst sein im Himmel". Diese Vollmacht wurde in weiterer Folge auf den Kreis der Jünger und den Klerus übertragen.
In der Mitte des Altars steht der Drehtabernakel mit vorspringendem Gehäuse


Ölbild
An der Wand des Altarraums hängt ein 147 x 87 cm großes Ölbild (auf Leinwand), das die hl. Familie sowie darstellt.
Es wurde vom Maler Korbmoser jun. aus München im Jahr 1837 geschaffen (sign) und war früher ein Altarblatt.

Chorgestühl

An der südlichen Chorwand steht eine schlichte Bank mit kassettierten Füllungen und geschwungenen Wangen. Sie soll um 1730 für die Petersbergbasilika erstellt worden und erst später nach Orthofen gekommen sein.


Beichtstuhl

Hinter dem Hochaltar befindet sich der weiße neugotische Beichtstuhl aus der Zeit um 1880/90. Er ist dreiteilig, mit offenen Seitenteilen gestaltet. In der Mitte ist eine niedrige Türe mit Fischblasenornament zu sehen, darüber Maßwerk mit Kielbogen.  

 

Hinweis: Über Jahrhunderte hinweg wurde das Bekenntnis der Sünden offen im Kirchenraum beim Sitz (Kathedra) des Bischofs, später bei dem des Priesters im Altarraum abgelegt. Dieser besonders hervorgehobene Sitz des Beichtvaters war die Ausgangsform des Beichtstuhls. Durch die irisch-schottischen Mönchen wurde die Beichte im 10.Jh privatisiert, d.h., nicht mehr öffentlich abgelegt. Dazu bedurfte es nicht nur einer größeren Zahl von Priestern, sondern auch neuer Einrichtungsgegenstände. Der heutige Beichtstuhl entwickelte sich allerdings erst ab dem 16.Jh. zu einem feststehenden, meist dreiteiligen, mehr oder weniger geschlossenen Beichtgehäuse mit dem Mittelteil für den Priester (in dem der Priester sitzt - deshalb Beichtstuhl) und mit der Trennung von Priester und Beichtenden durch eine Zwischenwand mit Sprechgitter. Die Beichtenden knien abwechselnd in den Seitenteilen. Damit wurden bessere Bedingungen für einen anonymen Vollzug der Beichte geschaffen. In neuerer Zeit bieten sogenannte Beichtzimmer mit ihrer persönlichen Atmosphäre eine räumliche Alternative für Beicht- und Glaubensgespräche. Die Beichte geht auf das Bibelwort "Er hauchte sie an und sprach zu ihnen: Wem Ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem Ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert" (Joh 20,22) zurück.

 

Zelebrationsaltar

Der Tisch des Zelebrationsaltars stammt vom Petersberg. Er wurde aus den Teilen der alten neugotischen Kommunionbank gefertigt, die bei der Renovierung der Basilika im Jahr 1908 entfernt worden war. Auf vier Maßwerkfeldern sind Weintrauben und Ähren dargestellt. Der Altar wurde um 1970 aufgestellt, im Zuge der Liturgiereform durch die Beschlüsse des 2.Vatikanische Konzils, und bedeutet eine Rückkehr zu den Wurzeln der Eucharistiefeier.
  Hinweis: Der Altar war das Symbol des heidnischen Gottesdienstes. Das lateinische Wort adolere = verbrennen bezeichnet die ursprüngliche Bedeutung als Stätte zur Verbrennung der Opfer. Die ersten Christen hatten keinen Altar. Jesus versammelte die Seinen um den Tisch, und das hielten auch die Christen während der ersten Jahrhunderte so; zur Eucharistiefeier konnte jeder beliebige Tisch dienen. Im 4.Jh wurde das Opfer Jesu in das Tischgeschehen hineingenommen und der Altar eingeführt. Er war meist aus Stein, frei aufgestellt und von allen Seiten zugänglich. Ab dem 8. Jahrhundert weicht die Tischform immer mehr der Blockform. Dies kommt der Entwicklung entgegen, im Altar Reliquien von Märtyrern und Heiligen beizusetzen. Der zelebrierende Priester stand hinter dem Altar, sodass seine Handlungen während der Messfeier für die ganze Gemeinde sichtbar waren. Als der Altar dann im 11.Jh eine Rückwand mit hohen Altaraufbauten ( Retabel) erhielt und weiter an die Ostwand rückte, wandte der Priester der Gemeinde den Rücken zu. Dies ist in der katholischen Kirche durch eine Liturgiereform erst vor 40 Jahren wieder rückgängig gemacht worden.

 

Kirchenschiff / Langhaus

Seitenaltäre

Auch die 2,20 Meter breiten Seitenaltäre sind in neugotischem Stil gebaut und wie der Choraltar gefasst und vergoldet.

Linker Seitenaltar

Mittelpunkt des linken Seitenaltars ist eine Kreuzigungsgruppe mit Maria und Johannes. Daneben und darüber sind Allegorien von Glaube (sitzend, oben), Hoffnung (rechts) und Liebe (links) figürlich dargestellt. Die drei Tugenden erhalten das Attribut göttlich, weil die christliche Lehre davon ausgeht, dass sie nicht von Menschen erbracht, sondern durch den Geist Gottes geschenkt werden. Dem Glauben wird die Farbe Blau, der Hoffnung die Farbe Grün und der Liebe die Farbe Rot zugeordnet.

Vor dem Altar steht die Figur eines Geißelheilands.

  Hinweis: Die ersten Darstellungen von Jesus an der Geißelsäule entstanden zwar schon im Mittelalter. In den Landkreis Dachau gelangten vereinzelte Bilder jedoch erst im 17.Jh. Die große Verbreitung dieser Darstellungen setzte noch 100 Jahre später, nach dem Wunder in der Wies (1738) ein. Der Heiland auf dem Bild beim Wiesbauern bei Steingaden soll Tränen vergossen haben. Daraufhin setzte eine Wallfahrt ein und die berühmte Wieskirche wurde gebaut. Die meisten der rd. 15 Geißelheiland-Darstellungen im Landkreis Dachau wurden nach dem Vorbild des Wies-Heilands gestaltet; so auch in Orthofen.


Rechter Seitenaltar
In der Mittelnische des rechten Seitenaltars wird eine Pietà dargestellt. ...mehr zu Pietà -Darstellungen im Landkreis...
Links steht eine Figur des hl. Bartholomäus mit dem Messer in der Hand, rechts eine Figur des hl.Philippus.
Im Auszug ist der Evangelist Johannes sitzend dargestellt.
Alle Figuren an den Seitenaltären stammen -wie die Altäre selbst- aus der Zeit um 1880/90.
 

 

Deckenfresken

Bekannt ist die Kirche in Orthofen insbesondere wegen ihrer Deckenfresken, die vom Dachauer Maler Franz Mayr (1707-1752) im Jahr 1747 geschaffen wurden (sign. "F.M."). Franz Mayr hat auch die Fresken in Odelzhausen und in Rumeltshausen geschaffen. Das unmittelbare Vorbild für das Deckenbild ist das Hochaltarblatt in Kreuzholzhausen, das er im Jahr 1740 gemalt hatte. Mehr über Franz Mayr ....

Auf dem 1986 restaurierten großen Fresko im Kirchenschiff ist die Auffindung des Heiligen Kreuzes durch St. Helena im Jahre 320 dargestellt. Die Ausgräber hatten damals drei Kreuze gefunden. Das Kreuz Christi wurde dadurch identifiziert, dass ein Toter, den man nacheinander auf alle drei Kreuze gelegt hatte, wieder zum Leben erweckt wurde. Das Bild im Vordergrund zeigt diese Szene.
Der Tote richtet sich auf, gestützt von einem jungen Mann. Kaiserin Helena und Bischof Makarios betrachten ehrfurchtsvoll auf das Wunder. Im Hintergrund des Bildes wird eine zweite Kreuzlegende dargestellt. Kaiser Heraklius trägt das vom Perserkönig Chosroas entführte Kreuz im Jahr 627 im Triumph zurück nach Jerusalem. Als sich das Tor nicht öffnet, erklärt der hl.Modestus (rechts neben dem Kreuz zu erkennen), Heraklius solle das Kreuz im Büßerhemd tragen.

Auf vier Rundmedaillons um das große Mittelbild werden weitere Heil- und Segenswirkungen des Kreuzes vor Augen geführt:

- St. Ulrich erweckt mit seiner Hilfe einen Toten (vorne links).
Text: "Gantz wunderbarlich erwöcket der H:Udalricus mit den Hl: Creutz einen Toden zum leben".
Die dargestellte Legende stammt vom Augsburger Meistersinger Jörg Breyning (ca.1500). Ein Graf hatte seine Frau schuldlos der Untreue verdächtigt, den Liebhaber geköpft und seiner Frau den Kopf an den Hals gehängt. Auf Ulrichs Beten hin begann das Haupt des Toten zu sprechen und bestätigte die Unschuld der Frau. Der kopflose Leichnam wurde ausgegraben, mit dem Kopf vereinigt und durch das Kreuzeszeichen zum Leben erweckt.
- St. Korbinian holt einen, der drei Tage lang am Galgen hing, ins Leben zurück (vorne rechts)
Text: "DerH:Corbinian erhalt einen Trey tag gehangenen mit dem H:Creutz das leben".
Unter dem Galgen kniet ein Mann. Vor ihm steht St.Korbinian und hält ihm das Kreuz vor. Der Gehängte war wegen wiederholten Raubmords zum Tode verurteilt worden. Korbinian, der zufällig des Weges kam, versuchte vergeblich, die Vollstreckung zu verhindern. Er nahm dem reuigen Verbrecher die Beichte ab und segnete ihn mit dem Kreuz. Als Korbinian drei Tage später auf dem Rückweg an die Stelle kam, lebte der Gehenkte noch immer. Der Heilige durfte ihn vom Galgen nehmen und ihm das Leben schenken.
- St. Ivo löscht mit dem Kreuzeszeichen einen Brand (hinten links).
Text: "Ein Feurs Prunst löscht der H: Ivo Pfarrer mit dem H:Creutz."
Der hl. Ivo (Yves), in die Tracht der Weltpriester gekleidet, kniet auf einer Wiese vor einem in Flammen stehenden Anwesen und hält das Kreuz hoch.
-St. Valentin verschafft einem blinden Mädchen wieder sein Augenlicht (hinten rechts)
Text: Der H:Valentinus macht mit den H:Creutz ein Blintes mäglein sehent"
Der hl. Valentin steht, mit Chorhemd und Stola bekleidet, im Haus des römischen Patriziers Asterius und hält ein Kreuz hoch. Ihm gegenüber stehen der mit einem Turban gekleidete Hausherr. Vor ihm seine Tochter, die mit geschlossenen Augen vor ihm kniet und mit der Hand auf ihre Augen weist.


Vergrößerung von 9 Details (4 Altäre, Gemälde, Kreuzweg, Opferstock)
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OpferstockKreuzwegbilderZelebrationsaltarApostelleuchterAuffindung des Kreuzes durch St.HelenaSt.Ulrich erweckt mit seiner St. IvoSt. Valentinrechter Seitenaltar: MarienaltarLinker Seitenaltar - Kreuzaltar

Kreuzweg-Stationsbilder

An den Außenwänden hängen die großen Kreuzweg-Stationsbilder (Ölbilder auf Blechuntergrund) mit den Ausmaßen 97 x 60 cm (1840/50). Die mit Maßwerk verzierten Rahmen sind aus Eichenholz geschnitzt und sind 50 Jahre jünger als die Bilder.
Hinweis: Im späten Mittelalter hielt man Kreuzwegandachten als Ersatz für die Pilgerfahrt ins Heilige Land. Wenn Sie mehr über die Entstehung der Kreuzwegstationen und seiner Darstellungen in Kirchen des Landkreises erfahren wollen, klicken Sie hier...

Apostelleuchter

Unter den Rundbogenfenstern sind die Apostelleuchter angebracht. Sie erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlische Jerusalems. 

Bilder und Figuren an den Wänden des Kirchenschiffs

An der Nordwand steht eine Madonnenfigur aus der Zeit um 1910/1920.   Die Pietà ist auf einem Gemälde in formschönem neutgotischen Rahmen mit seitlichen Säulchen und Zinnen zu sehen.
Das 70 x 55 cm große Bild (Ölfarbe auf Leiwanduntergrund) stammt aus der Zeit um 1800, der Rahmen von 1880/90.


Empore und Opferstock

Die Empore mit ihrer verputzten Brüstung wird durch einen Holzpfeiler gestützt, der auf dem Opferstock gründet. Dieser Opferstock ist mit Eisenbeschlägen versehen und dürfte zu den ältesten Einrichtungsgegenständen der Kirche gehören.
Hinweis: In den Kirchen des Landkreises Dachau gibt es viele unterschiedliche, außerordentlich interessante Opferstöcke. Wenn Sie sich dafür interessieren, klicken Sie hier..


Kreuzpartikel

Die Kirche in Orthofen besaß früher nicht nur die Kreuzpartikel in der Mensa (Tischplatte) des Choraltars, sondern auch eine weitere Partikel in einer formschönen Monstranz. Die neugotische Monstranz aus der Zeit um 1880 hatte einen retabelartigen Aufsatz mit Maßwerk in dem die Muttergottes mit dem Jesuskind und zwei Anbetungsengel dargestellt wurden. Die Kreuzpartikel war in der schreinartigen Mittelnische, umgeben von einem Strahlenkranz, zu sehen. Ob die Monstranz noch vorhanden ist, ist mir leider nicht bekannt. Jedenfalls ist sie außerhalb der Kirche aufbewahrt.
  Hinweis: Kreuzreliquien waren früher besonders wertvoll; schließlich galt das Kreuz Christi als kostbarste Reliquie der Christenheit. Größere Kreuzpartikel kamen ab 950 nach Deutschland. Sie wurden meist in Reliquienmonstranzen aufbewahrt und waren in der Regel Ziel kleinerer Wallfahrten.

Harmonium

Die Kirche hat keine Orgel mehr. Den musikalischen Dienst versieht ein Harmonium.
Die frühere Schleifladen-Orgel stammte wohl aus dem frühen 19.Jh. Sie wurde 1867 von Peter Moser repariert und wird um 1880 als Orgel mit vier Registern beschrieben. Von ihr ist nur mehr die Sitzbank des Organisten erhalten.

In der Nähe der Kirche steht neben der Bushaltestelle ein hölzernes Wegkreuz. An Ostern werden das Kreuz und der es umgebende Zaun mit Bändern aus Girlanden und bunten Ostereiern geschmückt (zur Vergrößerung mit der Mouse aufs Bild klicken).

Hans Schertl

Quellen:
Dr.Martin v. Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Anton Mayer /Georg Westermayer : Statistische Beschreibung des Erzbistums München-Freising. München 1874-1884
Jakob Mois,Geschichtliche Notizen über einige Kirchen im Landkreis Dachau S.107, ca.1950, unveröffentlicht (wohlbemittelt,1840)
Georg Brenninger, Orgeln und Orgelbauer im Landkreis Dachau, Amperland 1975/4
Robert Böck, Wallfahrt im Dachauer Land, Bd 7 der Kulturgeschichte des Dachauer Landes, 1991
Dr.Stefan Nadler, Kunsttopographie des Erzbistums München und Freising, 1992
Bauer/Rupprecht, Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, 1996
Robert Böck, Kirchenrechnungen Landgericht Dachau, 1996 (Bittgang)
Karl Grüner, "Unten bauchig, oben spitz", Münchner Kirchenzeitung, v. 25.9.2005 und vom 2.10.2005
Dachauer Nachrichten vom 13.10.2005
26 Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Landkreis Dachau - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

20.1.2011