zur
Landkreiskarte
Ausführl.Beschreibg Kirchen
i.d. Gem.Sulzemoos Pfarrei
Sittenbach
Filialkirche Heilig Kreuzauffindung und St.Helena in ORTHOFEN
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Die Ortschaft Orthofen wurde im Jahr 1150 als "Nordhofen" urkundlich erwähnt. Die zur Pfarrei Sittenbach gehörenden Filialkirche Hl. Kreuzauffindung und St. Helena Orthofen wurde erstmals in der Sunderndorfer'schen Matrikel von 1524 mit dem Heiligkreuz-Patrozinium beschrieben. Eine Kirche dürfte aber schon 1315 vorhanden gewesen sein. Die im Kern noch spätgotische Kirche
(evtl. 15.Jh) wurde im 17.Jh oder 18.Jh umgebaut und gegen Ende des 19.Jh
um ein Joch nach Westen verlängert.
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Innenausstattung
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Bekannt ist
die Kirche in Orthofen insbesondere wegen ihrer Deckenfresken,
die vom Dachauer Maler Franz Mayr (1707-1752) im Jahr 1747 geschaffen
wurden (Sign. F.M.). Die Seitenaltäre haben die Kreuzigung Christi zum künstlerischen Thema. Mittelpunkt des linken Altars ist eine Kreuzigungsgruppe; am rechten Seitenaltar sitzt eine Pietá, eine Muttergottesfigur mit dem toten Sohn Jesus auf dem Schoß, in der Mittelnische. |
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Die Kreuzweg-Stationsbilder sind Ölbilder auf Blechuntergrund (1840/50).
Ausführliche
Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen
Hinweisen
Ältere
Matrikel
Wann die erste Kirche in
Orthofen errichtet wurde, ist nicht zweifelsfrei zu bestimmen. In der Konradinischen
Matrikel von 1315 ist eine Kirche in Orthofen zwar nicht namentlich
enthalten. Doch die Pfarrei Sittenbach wird mit vier nicht näher bezeichneten
Filialkirchen ("habet IIII filias") erwähnt.Wenn man berücksichtigt,
dass auch die Sunderndorfer'sche
Matrikel von
1524 von "quatour filiales" spricht und als eine der vier Filialen
" s.Crucis in Orthofen " nennt, ist es nicht unwahrscheinlich, dass
auch schon 1315 in Roßbach eine Kirche gestanden hat.
Schmidt'schen
Matrikel von 1738-40
In der Schmidt'schen
Matrikel , die der Freisinger
Kanonikus Schmidt in den Jahren 1738-40 erstellt hat, ist auch eine kurze Beschreibung
der Kirche in Orthofen enthalten. Dort heißt es, die Kirche habe eine
ausreichende Größe und sei frisch repariert. Im Inneren stünden
drei Altäre. Der Hochaltar zu Ehren der Kreuzauffindung und St.Helena enthalte
auch eine Kreuzreliquie. Auch einer der Seitenaltäre habe ein Kreuzpatrozinium.
Der andere sei der schmerzhaften Mutter Maria, der Mater dolorosa, gewidmet.
Am Fest Kreuzauffindung (3.Mai) würden Prozessionen zur Kirche abgehalten.
Das Kirchweihfest werde am Sonntag nach dem Fest des hl.Bartholomäus (24.8.)
gefeiert. Messgewänder seien in ausreichendem Umfang vorhanden. Um die
Kirche sei ein Friedhof mit Beinhaus angelegt. Im Turm hingen zwei geweihte
Glocken. Die Einnahmen verwalteten der Pfarrer von Sittenbach und der Landrichter
in Dachau. Der Bericht endet mit dem einzigen Satz in deutscher Sprache: "Das
Vermögen dises Gottshauses mecht diser Zeit gegen 1600 fl. (=Gulden)
ausmachen".
1837 ließ Kooperator Zauner 3 neue Altarblätter malen und ein neues Altargestühl beschaffen. Das entnehmen wir einem Brief des Kooperators vom 18.12.1843.
Verlängerung 19.Jh
Gegen Ende des 19.Jh wurde die Kirche um ein Joch
nach Westen verlängert, um der Zunahme der Bevölkerung Rechnung zu tragen.
Dies scheint vor 1884 erfolgt zu sein, weil in der Statistischen Beschreibung
des Erzbistums München-Freising von Anton Mayer u. Georg Westermayer aus dem
Jahr 1884 die Bemerkung enthalten ist: "Geräumigkeit genügend".
Beschreibung 1884
In der Statistischen Beschreibung des Erzbistums München und Freising von
Anton Mayer und Georg Westermayer aus dem Jahr 1884 ist im Kapitel über
die Pfarrei Sittenbach auch die Kirche Heilig Kreuz in Orthofen enthalten. Im
Dorf selbst wohnten 129 Seelen (in 25 Häusern). Über die Kirche schreibt
er: "Liegt in einem Thale, 1 km abseits
der Straße von Dachau nach Friedberg. Erbauungsjahr unbekannt. Restaurirt.
Baustyl: Presbyterium gothisch, Schiff mit Flachdecke. Kuppelthurm mit 2 Glocken:
a) 'Fusa ab A.B.Ernst Monachy 1738. J.N.R.J. b) 'Hubinger Monachii 1852' - Titulus:
Exaltio sanctae Crucis (=Kreuzauffindung). 3 Altäre, davon 2 portatile
(=ohne Altarstein). Orgel mit 4 Reg(istern). Gottesdienst (durch den
Cooperator) je am 3.Sonntag; am Weihnachtsfeste Frühmesse; am Patrocinium
Predigt und Amt, am Feste Peter und Paul dazu Procession. Stiftungen: 2 Jahrtage,
2 Jahrmessen. Meßner und Cantor für gewöhnlich ein Ortsangehöriger,
bei Leichengottesdiensten der Lehrer von Sittenbach.
Kirchenvermögen: 15.700 Mark"
Die Ausstattung ist mit Ausnahme der Deckenfresken neugotisch, d.h., sie stammt aus dem Ende des 19.Jh. und wurde möglicherweise im Zusammenhang mit der Verlängerung des Kirchenschiffs beschafft.
Bittgänge
Die Orthofener wallfahrteten alljährlich u.a. auch nach Inchenhofen zum
hl.Leonhard. Das wissen wir, weil den Fahnenträgern und Sängern ein
Zehrgeld in Höhe von 30 Kreuzern gegeben und die Ausgaben in der Kirchenrechnung
verbucht wurden.
Die Kirche liegt etwas erhöht im Dorf; sie
ist von einem ummauerten Friedhof umgeben.
Der nur sehr wenig eingezogene
gotische Chor schließt
mit 3 Seiten und wird außen durch zweifach abgetreppte Strebepfeiler
gestützt.
| Das barocke Langhaus/Kirchenschiff
besitzt zwei Achsen/Joche.
An seiner Südseite ist ein halbkreisförmig überdachtes Kruzifix
mit einem farbig bemalten Corpus aus Gusseisen in neugotischem Stil (1880/90)
angebracht. Darunter steht eine Mater dolorosa (Maria als Schmerzensmutter).
Gesäumt wird die Figurengruppe von zwei Gedenktafeln für die Gefallenen
und Vermissten der beiden Weltkriege. Diese Gedenktafeln wurden 2005 renoviert. An der Südseite ist eine doppelstöckige Sakristei mit Krüppelwalmdach angebaut. |
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Der kupfergedeckte Zwiebelturm an der Nordseite stammt im unteren Teil noch aus der gotischen Zeit. Dort sind auch die schönen Kreuzbogenfriese Kreuzgratgewölbe Auffällig ist seine Gliederung durch farblich abgesetzte Lisenen und Wandvorlagen sowie durch die rundbogigen Schalllöcher mit darüber liegenden Ochsenaugen. In der Glockenstube hängen zwei Glocken, von denen die kleinere (80 cm Durchmesser) 1738 in München (mit der Inschrift 'Fusa ab A.B.Ernst Monachy 1738. J.N.R.J."), die größere (90 cm Durchmesser) 1950 von der Gießerei Hamm in Regensburg gegossen worden ist. |
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Hinweis: Woher die so typisch
bayerisch-barock anmutende Zwiebelform kommt, ist erstaunlicherweise
nicht geklärt. Einige der Experten vermuten, dass sie eine Nachahmung
und Weiterentwicklung der im 7.Jh errichteten Moschee auf dem Tempelberg
in Jerusalem (Felsendom) und somit arabischen Ursprungs ist. Damals glaubten
europäische Baumeister, die Kuppel stamme noch vom Tempel Salomons
und verbanden mit ihr die Vision vom himmlischen Jerusalem.
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Andere Kunstexperten sehen in der Zwiebel eine Weiterentwicklung der byzantinischen Kuppel, die auch in Russland großen Anklang fand. Fest steht jedoch, dass die ältesten zwiebelförmigen Kuppeln in Bayern die der Münchner Frauentürme sind (1525). Weite Verbreitung fand die Zwiebel als Bauform aber erst im Italien der Renaissance und bei uns in der Barockzeit nach dem 30jährigen Krieg. Ihre Form -unten bauchig, oben spitz- passte wunderbar zur Kunstauffassung und zum Lebensstil des Barocks und galt "als Synthese aus der Bewegung ins Übersinnliche und dem Verharren in den Wölbungen des Sinnlichen". |
Innenausstattung
Der zweiachsige Altarraum ist eingezogen und schließt in drei Seiten eines Achtecks. Er ist mit einem Tonnengewölbe (Parabeltonne) mit Stichkappen überwölbt, die auf Konsolen endet.
| Der 3,20 Meter breite und raumhohe Choraltars ist, wie der größte Teil der Ausstattung, im neugotischen Stil gearbeitet und stammt aus der Zeit um 1880/90. Sein Holz ist rot, hellgrau und blau gefasst (=bemalt) und teilweise vergoldet. | Die Stipes, der Altarunterbau,
ist mit Holz verkleidet; im Antependium
ein vergoldetes Kreuz in der Mitte. Die Retabel, der Altaraufbau, besitzt Maßwerkfelder, Stabwerk, Fialen mit Krabben, Kreuzblumen und bekrönende Baldachine. |
| An der Wand des Altarraums hängt
ein 147 x 87 cm großes Ölbild (auf Leinwand), das die hl.
Familie sowie darstellt. Es wurde vom Maler Korbmoser jun. aus München im Jahr 1837 geschaffen (sign) und war früher ein Altarblatt. |
Chorgestühl
An der südlichen Chorwand steht eine schlichte Bank mit kassettierten Füllungen und geschwungenen Wangen. Sie soll um 1730 für die Petersbergbasilika erstellt worden und erst später nach Orthofen gekommen sein.
Hinter dem Hochaltar befindet sich der weiße neugotische Beichtstuhl aus der Zeit um 1880/90. Er ist dreiteilig, mit offenen Seitenteilen gestaltet. In der Mitte ist eine niedrige Türe mit Fischblasenornament zu sehen, darüber Maßwerk mit Kielbogen.
| Hinweis: Über Jahrhunderte hinweg wurde das Bekenntnis der Sünden offen im Kirchenraum beim Sitz (Kathedra) des Bischofs, später bei dem des Priesters im Altarraum abgelegt. Dieser besonders hervorgehobene Sitz des Beichtvaters war die Ausgangsform des Beichtstuhls. Durch die irisch-schottischen Mönchen wurde die Beichte im 10.Jh privatisiert, d.h., nicht mehr öffentlich abgelegt. Dazu bedurfte es nicht nur einer größeren Zahl von Priestern, sondern auch neuer Einrichtungsgegenstände. Der heutige Beichtstuhl entwickelte sich allerdings erst ab dem 16.Jh. zu einem feststehenden, meist dreiteiligen, mehr oder weniger geschlossenen Beichtgehäuse mit dem Mittelteil für den Priester (in dem der Priester sitzt - deshalb Beichtstuhl) und mit der Trennung von Priester und Beichtenden durch eine Zwischenwand mit Sprechgitter. Die Beichtenden knien abwechselnd in den Seitenteilen. Damit wurden bessere Bedingungen für einen anonymen Vollzug der Beichte geschaffen. In neuerer Zeit bieten sogenannte Beichtzimmer mit ihrer persönlichen Atmosphäre eine räumliche Alternative für Beicht- und Glaubensgespräche. Die Beichte geht auf das Bibelwort "Er hauchte sie an und sprach zu ihnen: Wem Ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem Ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert" (Joh 20,22) zurück. |
| Der Tisch des Zelebrationsaltars stammt vom Petersberg. Er wurde aus den Teilen der alten neugotischen Kommunionbank gefertigt, die bei der Renovierung der Basilika im Jahr 1908 entfernt worden war. Auf vier Maßwerkfeldern sind Weintrauben und Ähren dargestellt. Der Altar wurde um 1970 aufgestellt, im Zuge der Liturgiereform durch die Beschlüsse des 2.Vatikanische Konzils, und bedeutet eine Rückkehr zu den Wurzeln der Eucharistiefeier. |
| Hinweis: Der Altar war das Symbol des heidnischen Gottesdienstes. Das lateinische Wort adolere = verbrennen bezeichnet die ursprüngliche Bedeutung als Stätte zur Verbrennung der Opfer. Die ersten Christen hatten keinen Altar. Jesus versammelte die Seinen um den Tisch, und das hielten auch die Christen während der ersten Jahrhunderte so; zur Eucharistiefeier konnte jeder beliebige Tisch dienen. Im 4.Jh wurde das Opfer Jesu in das Tischgeschehen hineingenommen und der Altar eingeführt. Er war meist aus Stein, frei aufgestellt und von allen Seiten zugänglich. Ab dem 8. Jahrhundert weicht die Tischform immer mehr der Blockform. Dies kommt der Entwicklung entgegen, im Altar Reliquien von Märtyrern und Heiligen beizusetzen. Der zelebrierende Priester stand hinter dem Altar, sodass seine Handlungen während der Messfeier für die ganze Gemeinde sichtbar waren. Als der Altar dann im 11.Jh eine Rückwand mit hohen Altaraufbauten ( Retabel) erhielt und weiter an die Ostwand rückte, wandte der Priester der Gemeinde den Rücken zu. Dies ist in der katholischen Kirche durch eine Liturgiereform erst vor 40 Jahren wieder rückgängig gemacht worden. |
Auch die 2,20 Meter breiten Seitenaltäre sind in neugotischem Stil gebaut und wie der Choraltar gefasst und vergoldet.
Linker Seitenaltar
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Mittelpunkt des linken Seitenaltars ist eine Kreuzigungsgruppe mit Maria und Johannes. Daneben und darüber sind Allegorien von Glaube (sitzend, oben), Hoffnung (rechts) und Liebe (links) figürlich dargestellt. Die drei Tugenden erhalten das Attribut göttlich, weil die christliche Lehre davon ausgeht, dass sie nicht von Menschen erbracht, sondern durch den Geist Gottes geschenkt werden. Dem Glauben wird die Farbe Blau, der Hoffnung die Farbe Grün und der Liebe die Farbe Rot zugeordnet. Vor dem Altar steht die Figur eines Geißelheilands. |
| Hinweis: Die ersten Darstellungen von Jesus an der Geißelsäule entstanden zwar schon im Mittelalter. In den Landkreis Dachau gelangten vereinzelte Bilder jedoch erst im 17.Jh. Die große Verbreitung dieser Darstellungen setzte noch 100 Jahre später, nach dem Wunder in der Wies (1738) ein. Der Heiland auf dem Bild beim Wiesbauern bei Steingaden soll Tränen vergossen haben. Daraufhin setzte eine Wallfahrt ein und die berühmte Wieskirche wurde gebaut. Die meisten der rd. 15 Geißelheiland-Darstellungen im Landkreis Dachau wurden nach dem Vorbild des Wies-Heilands gestaltet; so auch in Orthofen. |
| In der Mittelnische des rechten
Seitenaltars wird eine Pietà dargestellt. ...mehr zu Pietà -Darstellungen
im Landkreis... Links steht eine Figur des hl. Bartholomäus mit dem Messer in der Hand, rechts eine Figur des hl.Philippus. Im Auszug ist der Evangelist Johannes sitzend dargestellt. Alle Figuren an den Seitenaltären stammen -wie die Altäre selbst- aus der Zeit um 1880/90. |
Bekannt ist die Kirche in Orthofen insbesondere
wegen ihrer Deckenfresken, die vom Dachauer Maler Franz Mayr (1707-1752) im
Jahr 1747 geschaffen wurden (sign. "F.M."). Franz Mayr hat auch die
Fresken in Odelzhausen und in Rumeltshausen geschaffen. Das unmittelbare Vorbild
für das Deckenbild ist das Hochaltarblatt in Kreuzholzhausen, das er im Jahr
1740 gemalt hatte. Mehr über Franz Mayr ....
| Auf dem 1986 restaurierten großen Fresko im Kirchenschiff ist die Auffindung des Heiligen Kreuzes durch St. Helena im Jahre 320 dargestellt. Die Ausgräber hatten damals drei Kreuze gefunden. Das Kreuz Christi wurde dadurch identifiziert, dass ein Toter, den man nacheinander auf alle drei Kreuze gelegt hatte, wieder zum Leben erweckt wurde. Das Bild im Vordergrund zeigt diese Szene. | Der Tote richtet sich auf, gestützt von einem jungen Mann. Kaiserin Helena und Bischof Makarios betrachten ehrfurchtsvoll auf das Wunder. Im Hintergrund des Bildes wird eine zweite Kreuzlegende dargestellt. Kaiser Heraklius trägt das vom Perserkönig Chosroas entführte Kreuz im Jahr 627 im Triumph zurück nach Jerusalem. Als sich das Tor nicht öffnet, erklärt der hl.Modestus (rechts neben dem Kreuz zu erkennen), Heraklius solle das Kreuz im Büßerhemd tragen. |
Auf vier Rundmedaillons um das große Mittelbild werden weitere Heil- und Segenswirkungen des Kreuzes vor Augen geführt:
| - St.
Ulrich erweckt mit seiner Hilfe einen Toten (vorne links).
Text: "Gantz wunderbarlich erwöcket der H:Udalricus mit den Hl: Creutz einen Toden zum leben". Die dargestellte Legende stammt vom Augsburger Meistersinger Jörg Breyning (ca.1500). Ein Graf hatte seine Frau schuldlos der Untreue verdächtigt, den Liebhaber geköpft und seiner Frau den Kopf an den Hals gehängt. Auf Ulrichs Beten hin begann das Haupt des Toten zu sprechen und bestätigte die Unschuld der Frau. Der kopflose Leichnam wurde ausgegraben, mit dem Kopf vereinigt und durch das Kreuzeszeichen zum Leben erweckt. |
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| - St.
Korbinian holt einen, der drei Tage lang am Galgen hing, ins
Leben zurück (vorne rechts) Text: "DerH:Corbinian erhalt einen Trey tag gehangenen mit dem H:Creutz das leben". Unter dem Galgen kniet ein Mann. Vor ihm steht St.Korbinian und hält ihm das Kreuz vor. Der Gehängte war wegen wiederholten Raubmords zum Tode verurteilt worden. Korbinian, der zufällig des Weges kam, versuchte vergeblich, die Vollstreckung zu verhindern. Er nahm dem reuigen Verbrecher die Beichte ab und segnete ihn mit dem Kreuz. Als Korbinian drei Tage später auf dem Rückweg an die Stelle kam, lebte der Gehenkte noch immer. Der Heilige durfte ihn vom Galgen nehmen und ihm das Leben schenken. |
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| - St.
Ivo löscht mit dem Kreuzeszeichen einen Brand (hinten links).
Text: "Ein Feurs Prunst löscht der H: Ivo Pfarrer mit dem H:Creutz." Der hl. Ivo (Yves), in die Tracht der Weltpriester gekleidet, kniet auf einer Wiese vor einem in Flammen stehenden Anwesen und hält das Kreuz hoch. |
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| -St.
Valentin verschafft einem blinden Mädchen wieder sein Augenlicht
(hinten rechts) Text: Der H:Valentinus macht mit den H:Creutz ein Blintes mäglein sehent" Der hl. Valentin steht, mit Chorhemd und Stola bekleidet, im Haus des römischen Patriziers Asterius und hält ein Kreuz hoch. Ihm gegenüber stehen der mit einem Turban gekleidete Hausherr. Vor ihm seine Tochter, die mit geschlossenen Augen vor ihm kniet und mit der Hand auf ihre Augen weist. |
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Bilder und Figuren an den Wänden des Kirchenschiffs
| An der Nordwand steht eine Madonnenfigur aus der Zeit um 1910/1920. | Die
Pietà ist auf einem Gemälde
in formschönem neutgotischen Rahmen mit seitlichen Säulchen und Zinnen zu
sehen. Das 70 x 55 cm große Bild (Ölfarbe auf Leiwanduntergrund) stammt aus der Zeit um 1800, der Rahmen von 1880/90. |
| Die Empore mit ihrer verputzten
Brüstung wird durch einen Holzpfeiler gestützt, der auf dem Opferstock
gründet. Dieser Opferstock ist mit Eisenbeschlägen versehen und dürfte zu
den ältesten Einrichtungsgegenständen der Kirche gehören. Hinweis: In den Kirchen des Landkreises Dachau gibt es viele unterschiedliche, außerordentlich interessante Opferstöcke. Wenn Sie sich dafür interessieren, klicken Sie hier.. |
Die Kirche in Orthofen besaß früher nicht nur die Kreuzpartikel in der Mensa (Tischplatte) des Choraltars, sondern auch eine weitere Partikel in einer formschönen Monstranz. Die neugotische Monstranz aus der Zeit um 1880 hatte einen retabelartigen Aufsatz mit Maßwerk in dem die Muttergottes mit dem Jesuskind und zwei Anbetungsengel dargestellt wurden. Die Kreuzpartikel war in der schreinartigen Mittelnische, umgeben von einem Strahlenkranz, zu sehen. Ob die Monstranz noch vorhanden ist, ist mir leider nicht bekannt. Jedenfalls ist sie außerhalb der Kirche aufbewahrt.
| Hinweis: Kreuzreliquien waren früher besonders wertvoll; schließlich galt das Kreuz Christi als kostbarste Reliquie der Christenheit. Größere Kreuzpartikel kamen ab 950 nach Deutschland. Sie wurden meist in Reliquienmonstranzen aufbewahrt und waren in der Regel Ziel kleinerer Wallfahrten. |
Harmonium
Die Kirche hat keine Orgel mehr. Den musikalischen
Dienst versieht ein Harmonium.
Die frühere Schleifladen-Orgel stammte wohl aus dem frühen 19.Jh. Sie wurde
1867 von Peter Moser repariert und wird um 1880 als Orgel mit vier Registern
beschrieben. Von ihr ist nur mehr die Sitzbank des Organisten erhalten.
| In der Nähe der Kirche steht neben der Bushaltestelle ein hölzernes Wegkreuz. An Ostern werden das Kreuz und der es umgebende Zaun mit Bändern aus Girlanden und bunten Ostereiern geschmückt (zur Vergrößerung mit der Mouse aufs Bild klicken). |
Hans Schertl
Quellen:
Dr.Martin v. Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Anton Mayer /Georg Westermayer : Statistische Beschreibung des Erzbistums München-Freising.
München 1874-1884
Jakob Mois,Geschichtliche Notizen über einige Kirchen im Landkreis Dachau
S.107, ca.1950, unveröffentlicht (wohlbemittelt,1840)
Georg Brenninger, Orgeln und Orgelbauer im Landkreis Dachau, Amperland 1975/4
Robert Böck, Wallfahrt im Dachauer Land, Bd 7 der Kulturgeschichte des
Dachauer Landes, 1991
Dr.Stefan Nadler, Kunsttopographie des Erzbistums München und Freising,
1992
Bauer/Rupprecht, Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, 1996
Robert Böck, Kirchenrechnungen Landgericht Dachau, 1996 (Bittgang)
Karl Grüner, "Unten bauchig, oben spitz", Münchner Kirchenzeitung,
v. 25.9.2005 und vom 2.10.2005
Dachauer Nachrichten vom 13.10.2005
26 Bilder: Hans Schertl
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20.1.2011