zur Landkreiskarte        ausführliche Beschreibg     Kirchen i.d. Gem. Schwabhausen

Pfarrkirche St.Peter und Paul in OBERROTH

Jakobsäule

Adresse: 85247 Schwabhausen, Pfarrer-Schroll-Straße 7
Lage der Kirche auf der Landkarte ...

Kurzb
eschreibung

Der Ort wurde 1190 erstmals als "ad hrotam" (an der Roth) mit einer Kirche erwähnt. Von dieser Kirche ist noch der halbrunde, doppelgeschossige Altarraum mit seinen beiden Fensterchen erhalten und bildet den architektonisch wertvollsten Teil des Gotteshauses.

Der heutige Kirche St.Peter und Paul stammt im Wesentlichen aus dem Jahr 1686, als sie -unter Belassung des gotisch-romanischen Chores und des Turmzwischengeschosses- barockisiert und teilweise neu erbaut wurde. 
13 Jahre später fügte man die dem hl. Ignatius geweihte Seitenkapelle hinzu. Baumeister war Hans Maurer aus Hirtlbach

Der 29 m hohe Turm über dem romanischen Chor mit seiner neuen Zwiebel überragt das 22 m lange und 10,60 m breite Kirchenschiff.

Ein großes Problem der Kirche ist ihre Reparaturanfälligkeit. Starke Wasseradern unter dem Fundament beeinträchtigen ihre Standfestigkeit. Deshalb war der Bau in den letzten 50 Jahren dreimal eingerüstet.Die letzte Renovierung fand in den Jahren 1999 bis 2003 statt. Während dieser Zeit wurden die Gottesdienste in einer Notkirche, einem umgebauten ehemaligen Kuhstall, abgehalten.

   Reliquiar am Altartisch


Innenausstattung

In der Innenausstattung der Kirche überwiegt die zeitgenössische Kunst. Ein Großteil der Einrichtung stammt von heute noch lebenden Künstlern. Lediglich die neuromanische Kanzel, die neugotischen Kreuzwegbilder an der Emporenbrüstung sowie einige Figuren (z.B. Muttergottes-17.Jh; Stephanus, Laurentius, Geißelheiland -18.Jh) sind erheblich älter als 100 Jahre.

Der Altarbereich wird geprägt durch ein auf den Chorbogen gemaltes Pantokratorfresko von Georg Eibl sowie durch ein großes Kruzifix von Max Faller. Das Kruzifix hängt am Chorbogen über dem Altartisch. Vom Künstler Max Faller aus Augsburg stammen auch der Tabernakel, das Ambo, ein Bronzerelief an der Kirchentür und die Jakobussäule am Eingang. In 2004 kam eine als Schriftrolle gestaltete Säule mit den Werken der Barmherzigkeit von Josef Michael Neustifter dazu. Der Dachauer Künstler Georg Mayerhanser gestaltete eine Bodenplatte mit Paulusworten für den Taufstein aus einer Messing-Legierung und schuf einen goldglänzenden Fisch für den Grablegungschristus.Der Bildhauer Herbert Sepp aus Ludenhausen schnitzte um 1990 mehrere Heiligenfiguren für die Kirche.

Kirchenbank-WangenKirchenbank-WangenAltarkreuzPanthokratorfreskoGeißelheilandKanzelKanzelkreuzSchmerzhafte MuttergottesMuttergottesfigurReliquienbehälterTabernakelAmboVortragekreuzTabernakel
11 Details (Reliquienschrein, Kanzel, Kreuz, AmboFiguren und Bänke)
per Mouseklick vergrößern

Die Seitenkapelle wurde mit lebensgroßen Figuren der Heiligen Franz vonAssisi und Elisabeth von Thüringen ausgestattet, die von Florian Stückl, aus Oberammergau 2003 und 2004 geschnitzt wurden.

An der Frontseite des Altars ist ein mit Edelsteinen verzierter Reliquienbehälter angebracht, in dem neben den Gebeinen der Heiligen Ulrich, Konrad, Rupert Mayer und Kaspar Stangassinger auch Steine aus dem Hl.Grab in Jerusalem enthalten sind. Die Steine stammen aus einem Bohrkern, der bei Sicherungsarbeiten für die Grabeskirche zu Beginn des 20.Jh entstand.

Öffnungszeiten
Außer zu den Gottesdienstzeiten (ganzjährig Sonntag 9°° und Mittwoch 19°°) ist die Pfarrkirche Oberroth in der Sommerzeit von Ostern bis Advent auch am Sonntag Nachmittag von 14°° bis 15°° für interessierte Besucher geöffnet; auf Wunsch auch mit Kirchenführung.


Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen kunsthistorischen Hinweisen


Geschichte:  Erste Kirche  Matrikel 1315  Matrikel 1524  Matrikel 1560
   Gotische Kirche  30jähriger Krieg  Matrikel 1740  Beschreibung 1817
   Beschreibung 1880  Beschreibung 1893  Renovierungen  Weihe des Altars
       Bittgänge  Armetshofen
Ausstattung:  Altarraum  Ambo  Bronzesäule  Baubeschreibung
   Beichtstuhl  Choraltar  Eingangsbereich  Figurenausstattung
   Glockenweihe  Grablegungschristus  Jakobussäule  Kanzel
   Kanzelkreuz  Kapelle  Kirchenbänke  Kirchenschiff
   Mater dolorosa  Orgel  Pfarrhof  Reliquien
   Taufstein  Tabernakel  Turm  Vortragekreuze
   Öffnungszeiten  

Der Ort Oberroth wurde erstmals um 883 als "ad hrotam" (an dem sumpfigen Bach) in einer Tauschurkunde des Freisinger Bischofs Waldo (883-906) erwähnt. Der Bischof tauscht mit dem Edlen Adalperht Hof, Ackerland und Obstgarten zu Hrota. Ob damit das heutige Oberroth oder um Niederroth gemeint war, ist nicht geklärt.


Geschichte der Kirche

Erste Kirche
Von einer Kirche ist erstmals 1190 die Rede. Am 17.August dieses Jahres schenkte Bischof Otto II. die Kirche in "Rote" mit allen Rechten der Seelsorge sowie des Zehents dem Dekan und dem Capitel des Collegiatstiftes zu St.Andreas in Freising gegen einen Jahrtag für den Stifter. Ob es sich schon um den Kirchenbau gehandelt hat, von dem bis heute noch Mauerreste vorhanden sind, kann nicht sicher gesagt werden. 

Bischof Ellenhard mit Modell
der Andreaskirche 1475
Das Kollegiatstift St.Andreas in Freising, zu dem die Pfarrei Oberroth mindestens 600 Jahre lang bis zur Säkularisation gehörte, war im Jahr 1062 auf dem Freisinger Domberg westlich der Bischofsresidenz errichtet worden. Dort hatte sich schon im 8.Jh ein Kloster, das Hugibertsmünster befunden, von dem nur die kleine Andreaskirche die Hunneneinfälle überstand. An dieses Gotteshaus knüpfte Bischof Ellenhard bei der Namensgebung des Stiftes an. Das Stift besaß neben der Pfarrei Oberroth viele Güter im deutschen und südosteuropäischen Raum, aus denen die 21 Kanonikern versorgt wurden. Ihre Hauptaufgabe war die Übernahme zahlreicher Dienste in der Domkirche, insbesondere die liturgische Assistenz der vom Bischof gehaltenen Festmessen. Der weiter unten erwähnte Kanonikus Schmidt, der die nach ihm benannte Schmidtsche Matrikel von 1738 verfasst hat, war einer der Kanoniker des Kollegiatstifts St.Andreas. Die Kirche St.Andreas wurde im Zuge der Säkularisation abgebrochen.

Matrikel von 1315

In der Konradinischen Matrikel von 1315 ist die Kirche in "Rot" mit Friedhof erwähnt. Im Jahr 1463 erscheint in Indersdorfer Urkunden ein Pfarrer. Die Pfarrei gehörte Jahrhunderte lang zum Dekanat Egenhofen. 1871 wurde sie mit den im Landkreis Dachau liegenden Pfarreien Arnbach, Schwabhausen, Walkertshofen und Welshofen dem Dekanat Sittenbach zugeteilt. Ab 1924 hieß dieses Dekanat Altomünster (wegen "der vormals angesehenen Abtei und der vom hl.Bonifatius geweihten Kirche") und seit 1973 Indersdorf.

Sunderndorfer'sche Matrikel von 1524
Die Sunderndorfer'sche Matrikel von 1524, die sich hauptsächlich mit den Kirchenabgaben befasst, nennt erstmals auch die Kirchenpatrone in der Diözese Freising. Die Pfarrkirche in Oberroth war damals allein dem hl.Petrus ("ecclesia s.Petri in Oberrott") geweiht; der hl.Paulus kam offensichtlich erst später dazu. Die Pfarrei war damals dem Pfarrei Leonhard Engelhartzouer übertragen. Die Seelsorge vor Ort versah der Vikar Sigismund Herl. Das Präsentationsrecht besaß das Kollegiatskapitel der Kirche St.Andreas in Freising. Eine Filialkirche wird nicht genannt, sondern nur eine Gabinus-Kapelle in "Ärmertzhouen", die aber nicht konsekriert war. Die Pfarrei hatte damals rd. 100 Com-municantes, d.h. Gläubige, die schon die Kommunion empfangen durften. Oberroth war damit zwar eine kleine Pfarrei, doch größer als die Nachbarpfarreien Schwabhausen (70) und Rumeltshausen (45). Die Einwohner in Oberroth lebten in 6 Ganzhöfen, 3 Huben/Halbhöfen, 2 Lehen/Viertelhöfen und 14 Sölden/Achtelhöfen. Das Pfarrhaus und die dazugehörenden Wirtschaftsgebäude werden als renovierungsbedürftig bezeichnet, vor allem im Dachbereich ("..egent in tectis restauratione").

Auszug aus der Karte von Apian 1568
Oberroth = Ob.Rot
Vergrößerung per Mouseklick


Visitationsbericht von 1560
Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation, eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet. Die Visitation wurde durch bischöfliche und durch herzogliche Bevollmächtigte durchgeführt. Grund war die durch die Reformation Luthers (1517) entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen des Bistums zur Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte. Durch die Visitation wollte der Bischof einen detaillierten Einblick in die religiöse Situation der Pfarreien gewinnen. Insbesondere sollte festgestellt werden, ob die Pfarrer und die Gläubigen noch die katholischen Lehre vertraten oder der neuen Lehre anhingen. Daneben interessierte die Prüfer die Lebensführung der Pfarrer sowie Umfang und Qualität ihrer religiösen Kenntnisse Im Bericht über die "Pfarr St.Petrus in Oberroth" heißt es, Pfarrer sei seit 7 Jahren Melchior Hirschpeckh. Er wurde um 1500 in Wollomoos geboren, hat in Ingolstadt studiert und wurde 1524 in Augsburg zum Priester geweiht. Er kannte sich, wie der Visitator feststellte, in der katholischen Lehrer gut aus und vertrat in der Verkündung und bei den Ceremonien die katholische Richtung des Glaubens. Über seine privaten Verhältnisse notierte der Visitator, dass eines der Kinder von Hirschpeckh selbst wieder Pfarrer geworden und seit 7 Jahren in Jarzt als Vertreter seines Vater tätig war. Der Oberrother Pfarrer war nämlich schon seit 11 Jahren der offizielle Pfarrer von Jarzt und übte in Oberroth die Seelsorge nur als Vertreter (Vicar) des Kapitels von St.Andreas in Freising aus, dem die Pfarrei Oberroth offiziell übertragen war. Hirschpeckh wird wohl früher Pfarrer in Jarzt gewesen sein, denn sein Sohn hatte 1553 in dieser Pfarrei seine Primiz gefeiert. Die Pfarrei Oberroth hatte 140 Communicantes d.h. erwachsene Gläubige, alle katholisch und fromm. Die Zahl der Pfarrkinder hatte somit in den letzten 35 Jahren um 40 (= 40 %) zugenommen. Dies zeigt, dass es den Leuten in Oberroth Mitte des 16.Jh wirtschaftlich relativ gut ging. Der Pfarrhof war in gutem baulichen Zustand ("hat ain wolerpauten pfarrhof"). In der Kirche standen schon drei Altäre ("hat 3 altär, wol getziert"). Doch der bauliche Zustand der Kirche war auch damals schon unbefriedigend: Mit dem Satz "Khirch, gestuel und kirchmaur seind paufellig. Sonst kain mangl" endet der Bericht.
Wenn Sie den ganzen Text des Visitationsberichts lesen möchten, klicken sie hier...


Auszug aus einer
Landkarte vom Jahr 1655

Gotische Kirche um 1620

Bereits 1560 wurde die Kirche als baufällig bezeichnet; 1617 heißt es, die Kirche sei "nit ziert", entspreche also nicht dem Zeitgeschmack der Spätgotik. Kurz danach dürfte die die heutige Kirche St.Peter und Paul unter Belassung des Chores umgebaut worden sein, weil ein Visitationsbericht von 1621 die Kirche als "fein geziret" beschreibt. Nur an der Einrichtung mangle es noch. Allerdings musste 10 Jahre später 1631, schon wieder der Dachstuhl erneuert werden. 


Dreißigjähriger Krieg
Der 30jährige Krieg hat auch in Oberroth stark gewütet. Dies lassen Eintragungen im Steuerbuch 1671 erkennen, nach denen Neusiedler aus Samerberg bei Rosenheim verschiedene Brandstätten (abgebrannte Bauernhöfe) übernommen hatten. Bauernhöfe waren damals ausschließlich aus Holz gebaut. Die Kirche als Steinbau wird die Zerstörungswut der Soldaten wohl überstanden haben. Für Sprengungen von Kirchengebäuden war das Schießpulver zu kostbar. Doch die Tatsache, dass die Matrikelbücher erst wieder seit 1675 geführt wurden, lässt an Plünderung und Brandschatzung denken.


Barockisierung 1686

In der Zeit von 1684 bis 1687 wurde die Kirche unter Belassung des gotisch-romanischen Chores und des Turmzwischengeschosses - barockisiert und teilweise neu erbaut. Sie erhielt ein neues Gewölbe und vier neue Altäre. Auch der Turmaufbau mit der Zwiebel als Abschluss ist eine barocke Zutat. Zu den Kosten dieser Baumaßnahme trugen auch die übrigen Pfarreien durch Kredite bei. So ist z.B. in der Bergkirchener Kirchenrechnung eine Zahlung von 17 Gulden zur Reparatur der baufälligen Kirche in Oberroth in den Jahren 1684, 1686 und 1687 enthalten.
1699 erfolgte ein Anbau der Sakristei, eines Totenkerkers und der Bau der dem hl. Ignatius geweihten Seitenkapelle an der Nordseite der Kirche. Baumeister war Hans Maurer aus Hirtlbach, der auch an der Kirche in Kleinberghofen (Chorwölbung), in Unterweikertshofen (Umbau zum Zentralgebäude) und in Aufhausen (Kirchenneubau) mitwirkte. Bei diesen Baumaßnahmen in Oberroth kam es zu großen Kostenüberschreitungen, die mit dem Auffinden einer Quelle unter der Ignatiuskapelle zu tun hatte. Wegen der Wirren im Spanischen Erbfolgekrieg (1704-1714) konnte die Kapelle erst 1707 konsekriert werden. Mehr zur Ignatiuskapelle....

Im Jahr 1702 berichtete Pfarrvicar Martin Walther (1694-1734) in einer Beschreibung des Pfarrwidums, dass das Mesnerhaus eine leere Sölden (=Sechzehntel-Hof) sei, die der Pfarrei gehöre. Daraus erhalte der Pfarrer jährlich 2 Pfund Wachs. Das Haus stehe neben einem kleinen Obstgarten mit unterschiedlichen Obstbäumen; von deren Ertrag gehe die Hälfte der "Pirn und öpfl" (=Birnen und Äpfel) an den Pfarrer. Der habe dafür die 2 Pfund Wachs an die Kirche abzugeben.

Altarweihen 1707
Der 23. Juli 1707 war ein großer Feiertag für die Pfarrei Oberroth. An diesem Tag war der Fürstbischof Johann Franz von Eckher zu Gast. Er weihte die vier in den Jahren 1684 bis 1687 errichten Altäre in der Kirche und in der Ignatiuskapelle und spendete 93 Kindern das Sakrament der Firmung. Dieser kunstsinnige Bischof regierte sein Bistum von der Reisekutsche aus; er unternahm viele Pastoralreisen selbst in kleinste Dörfer seines Bistums.
Die Weihe der Altäre am 23.7. in Oberroth war Teil einer intensiven Weihewoche, die den Bischof innerhalb der 7 Tage vom 19.bis 25.7. in die Kirchen von Altomünster, Oberzeitlbach, Kleinberghofen, Westerholzhausen, Niederroth, Weyhern, Oberroth, Armetshofen, Schwabhausen Edenholzhausen und Welshofen führte. Dabei weihte er die Kirche in Westerholzhausen sowie in den anderen Kirchen 24 Altäre und spendete fünfmal die Firmung (an 416 Firmlinge). Am Abend des 23.7., nach der Altarweihe und der Firmung in Oberroth, weihte Bischof Eckher noch einen Altar in Armetshofen.


Schmidt'sche Matrikel 1738

In den Jahren 1738 bis 1740 besuchte der Kanonikus Schmidt aus Freising die Pfarreien der Diözese und erstellte die nach ihm benannte Schmidt'sche Matrikel. Über die "Parochia ss. Petri et Pauli in Oberroth" berichtete er, diese Pfarrei sei im Jahre 1190 vom Freisinger Bischof Otto II. dem Kapitel von St.Andreas in Freising geschenkt worden. Oberroth hatte deshalb keinen eigenen Pfarrer, sondern einen Vikar, der von Freising geschickt worden ist. Im Jahr 1738 hieß der Vikar Johann Adam Daller; er war seit 1734 im Amt. Das Pfarrhaus und die dazugehörenden Wirtschaftsgebäude zeigten keine deutlichen Schäden, schreibt Schmidt. Und er merkt an, dass durch ein neues Dekret vom 31.Okt. 1736 ein dem früheren Vikar Martin Walther privat gehörendes "entlegenes Güetl" zum Pfarrwidum (Pfarr-Bauernhof) zugeschlagen wurde. Dafür mussten die künftigen Vikare aber die von Walter "gestüftete Wochenmeß lesen" und die üblichen Abgaben für das Gütl zahlen. Die Zahl der Gläubigen hatte sich seit der letzten Zählung im Jahr 1560 von 140 auf 175 erhöht, und das trotz der schrecklichen Verluste im 30jährigen Krieg, der die Gegend um Oberroth großenteils entvölkerte. Damals mussten neue Siedler aus dem Oberland (Samerberg) gewonnen werden (s.a.Genealogie-Kiening). Die Pfarrkirche in Oberroth wird als besserer Bau unter den ländlichen Kirchen bezeichnet. Sie hatte vier Altäre. Der Hochaltar war den Aposteln Petrus und Paulus geweiht. Die Seitenaltäre hatten den hl.Georg und den hl.Bernhard von Siena als Patrone, der Altar in der Ignatiuskapelle den hl.Ignatius von Loyola. Gottesdienste wurden an allen Sonn- und Feiertagen, an Kirchweih (=Sonntag vor Jakobi -25.Juli) und am Patrozinium (29.Jun) gehalten. Außerdem die schon erwähnte Wochenmesse aus der Stiftung von Martin Walther aus dem Jahr 1734. Schmidt erwähnt noch, dass in der Kirche ein Taufstein und die Heiligen Öle vorhanden seien. Im Friedhof stehe ein Beinhaus, im Turm hingen zwei geweihte Glocken. Die Einnahmen und Ausgaben verwalteten der Pfarrer und der Landpfleger von Dachau gemeinsam. Der Bericht schließt mit dem Satz: "Das Vermögen dises Pfarr-Gottshauses hat in letzter Rechnung1270 fl. (=Gulden), 13 kr.(=Kreuzer) und 1 hl.(=Heller) ausgemacht".

Französischen Revolutionskriege um 1800
Unter dem Pfarrer Lorenz Hilger (1788-1806) wurde Oberroth schwer von den damaligen Kriegsereignissen betroffen. Davon gab ein noch 1880 vorhandenes Epitaph Zeugnis. Die Inschrift lautete: "Dem Andenken des pflichttreuen, biederen, edlen überall werthen Mannes, durch 18 Jahre Seelsorgers von Oberroth Lorenz Hilger, königlich bayerischer Schulinspectors, der, nachdem er die Schrecknisse zweyer Kriege (durchwandelte, dem 3ten schauervollen, wüthenden, im 55.Lebensjahre unterlag; reif war er für einen ewigen Frieden. Er starb den 29. März 1806".

Nachdem es 1806 in der Kirche gebrannt hattt, musste Choraltar, Tabernakel, die Kanzel und das Gewölbe der Kirche restauriert werden. Dies geschah im Jahr 1809 durch den Maler Josef Mangold aus Ichenhausen/Günzburg, der auch neue Kreuzwegstationen lieferte. Mangold hatte 1802 auch die Deckengemälde und die Kreuzwegstationen für die Kirche in Walkertshofen geschaffen. Die Renovierung der Kirche in Oberroth wurde vom Tafernwirt Joh.Nep.Widmann bezahlt.

Pfarrbeschreibungen im 19.Jh
1817:
In den Pfarrakten ist eine kurze Pfarrbeschreibung aus dem Jahr 1817 erhalten. Dort heißt es: "Die Pfarrkirche Oberroth ist mittelmäßig groß und groß genug für Leute von 37 Häusern. Gut gebaut, ausgemalen und mit allen nötigen schönen Paramenten (=Messgewändern) versehen; nur schade, daß sie derb (=feucht) ist. Hochaltar Sct.Peter und Paul, in der Mitte aber ein schön geschnitztes und gut gefaßtes Marienbild. 1. Seitenaltar sct. Bernardin. 2.sct Georg. Die Bilder sind Gemälde. 3ter in einer angebauten Kapelle, ein geschnittener Christus an der Geislungssäule. (Hinweis von Jakob Mois: Damals war also das Ignatius-Patrozinium schon verdrängt durch einen "Wies-Heiland; ein Zeichen für die große Verbreitung der Wieskultur). Kirchweihfest am Sonntag vor Jakobi (26.7.).
1844:
"Das immer hertere Aussehen ladet zur Andacht und bewirkt bey den Gläubigen eine religiös-sittliche Gemütlichkeit. Als Baujahr der Kirche sei an der Front des Chors 1686 vermerkt; 1809 sei sie renoviert worden, was ebenfalls an der Vordermauer der Kirche geschrieben steht. An der linken Seite der Kirche ist eine Kapelle angebaut, welche die St.Leonhards-Kapelle genannt wird, auf deren Altar eine vergoldete Figur, den hl.Leonhard vorrstellend, angebracht ist.


Beschreibung 1880

Kirche und Pfarrei Oberroth sind auch in der "Statistischen Beschreibung des Erzbisthums München-Freising" aus der Zeit um 1874-80 enthalten, die zunächst der Benefiziat Anton Mayer und später Pf. Georg Westermayer als Buch veröffentlicht haben:
Geographie: "Die Pfarrei hat 204 Seelen in 36 Häusern. Davon wohnen 193 Gläubige (in 34 Häusern) in der Ortschaft Oberroth selbst, die Übrigen in Armetshofen 11 (2). Der Umfang der Pfarrei beträgt 2 km. Die Wege sind gut."
Pfarrei: "Präsentationsrecht liegt beim bayr.König. Die Kirchenrechnung weist bei 2773 Mark Einnahmen und 190 Mark Lasten einen jährlichen Reinertrag von 2582 Mark aus. Pfarreischulden: 1371 Mark. Das Widum (=der Pfarrbauernhof) umfasst Grundstücke von 103 Tagwerk Fläche der Bonität 10. Das Pfarrhaus, erbaut 1785, ist geräumig, nicht sehr passend und feucht. Ökonomiegebäude, erbaut 1708, im Ganzen gut, Kuh- und Pferdestallung könnten passender sein.
Beginn der Matrikelbücher 1675.
Kirche: "Theilweise neu erbaut 1686. Renaissancestyl. Hinreichend geräumig. Baupflicht liegt bei der Kirche. Kuppelthurm mit drei Glocken, gegossen von Kortler in München. 4 Altäre; Orgel mit 6 Registern. Außer einem unlesbaren alten Grabstein mit Relief befinden sich hier die Epitaphien der Pfarrer Sigmund Hepfengraber (+1749) und Lorenz Hilger (+1806). Cemeterium (=Friedhof) bei der Kirche mit Ossuar (=Beinhaus). Stiftungen: 33 Jahrtage und 21 Jahrmessen. Meßner- und Cantor ist ein Gütler in Oberroth. Vermögen der Kirche: 12.500 Mark".


Beschreibung 1893
Die Oberrother Kirche ist auch im Verzeichnis der Kunstdenkmale des Königreiches Bayerns enthalten, die Gustav von Bezold und Dr.Berthold Riehl im Auftrage des kgl.Staatsministeriums des Innern, für Kirchen- und Schulangelegenheiten erstellt haben. Im Bericht heißt es:
  Architektur: "Grundlage romanisch, 1686 umgebaut. An das einschiffige Langhaus schließt sich eine Apsis an, darüber der Thurm. Das ursprüngliche flachgedeckte Langhaus wurde 1686 gewölbt, zwei Joche, Kreuzgewölbe. An der Nordseite eine Kapelle S.Leonhard (!) quadratisch mit abgeschrägten Ecken. Unbedeutend.
Ausstattung: Choraltar von 1686.

Renovierungen
Obwohl 1738 die Pfarrkirche in Oberroth noch als besserer Bau eingestuft worden war, wurden schon 1751 größere Reparaturen vor allem in Dachbereich notwendig. Ihnen folgten vermutlich größere Arbeiten, da 1758 die Kirche neu geweiht wurde. 1775 mussten Sturmschäden beseitigt werden; 1806 brannte es in der Kirche, die Renovierung erfolgte 1809, bezahlt vom Wirt Widmann. 1819 beschädigte ein Blitzschlag Turm und Kirche schwer. In der weiteren Zeit wurden im Abstand von nur 10 bis 20 Jahren erneute Reparaturen notwendig.  
1885 wurde die Kirche teilweise in neuromanischem Stil ausgestattet. Der Kostenvoranschlag des Künstlers J.Elsner betrug für den neuen Choraltar und den Tabernakel: 2140 Mark, für die (heute noch bestehende) Kanzel: 1370 Mark.
1952 wurde die Kirche um eine Achse verlängert; dabei wurden der Eingang verlegt und die Empore eingebaut.

Auch 1964 und 1980 fanden Renovierungen der schon seit jeher reparaturanfälligen Kirche statt. Das Ergebnis war -wie schon in den Jahrhunderten vorher- mäßig. Denn nicht einmal 20 Jahre später war die Kirche schon wieder eingerüstet.
In den Jahren 1999 bis 2003 musste sie von Grund auf (Kirchenmauern, Turm und Dach) renoviert werden. Während dieser Zeit wurden die Gottesdienste in einer Notkirche, einem umgebauten ehemaligen Kuhstall auf dem Hof der Fam.Burgmair abgehalten.
Über die Probleme der damaligen Restaurierungsarbeiten können Sie eine Zusammenfassung mehrerer Zeitungsartikel lesen - klicken Sie hier...

Bittgänge
Die Oberrother wallfahrteten alljährlich u.a. auch nach München zum hl.Benno, der in der Frauenkirche verehrt wurde. Das wissen wir, weil den Fahnenträgern und Sängern ein Zehrgeld (in Höhe von 30 Kreuzern bis 2 Gulden) gegeben und die Ausgaben in der Kirchenrechnung verbucht wurden. Die Verehrung des hl.Benno in Bayern entstand erst im 16.Jh im Zusammenhang mit der Reformation. St.Benno, der von 1066 bis 1106 in Meißen als Bischof gewirkt hatte, wurde am 16.Juni 1524 zur Ehre der Altäre gehoben. Luther verurteilte diese Heiligsprechung in seiner Schrift "Wider den neuen Abgott und alten Teufel, der zu Meißen soll erhoben werden" aufs Schäfste. Als Sachsen 1539 protestantisch wurde, hat man das Grabmal Bennos geöffnet und seine angeblichen Gebeine in die Elbe geworfen. Allerdings behauptete der letzte Bischof von Meißen, der später übrigens selbst die evangelischen Konfession annahm, schon vorher die Gebeine aus dem Sarg entfernt und die Sekundärreliquien, das Messgewand, Mitra und Bischofsstab in Sicherheit gebracht. Sie wurden 1576 (wohl gegen einen ansehnlichen Betrag) zusammen mit einem Wunder-Verzeichnis dem bayerischen Herzog Albrecht V. überlassen. 1580 hat man die Gebeine in der Münchner Liebfrauenkirche beigesetzt, wo sie nun das Ziel vieler Wallfahrer aus dem bayerischen Land waren. Maßgeblich dafür waren sicher seine Patronate für München und Altbaiern sowie seine Funktion als Wetterheiliger.


Ehemalige Filialkirche in Armetshofen
Die Pfarrei Oberroth hatte 1738 noch eine Filialkirche in Armetshofen ("habet unam filialem ecclesiam in Armetshoffen"). Diese heute nicht mehr bestehende Kirche (keine Hofkapelle) war schon um das Jahr 770 erstmals genannt worden, als "ecclesia quae dicitur Irminharti villa". Zum Patronhatte sie den hl.Gabinus und zuletzt (noch) den hl.Sebastian. Im Visitationsbericht von 1560 ist zu lesen, dass in Armetshofen eine noch nicht geweihte Kapelle stehe ("Zu Emertzhofen ist ain capellen, so noch nit geweicht"). Sie war wohl kurz vorher erhaut worden. Die Kirche war wohl sehr klein, hatte weder Friedhof noch Sakristei und besaß auch keine Messgewänder. Gottesdienste wurden nur an Kirchweih (Sonntag nach Jakobi - 25.Juli) und am Fest des hl.Sebastian (20.Jan) gefeiert.Auch die Kirchenrechnungen dieser Filialkirche führten der Pfarrer und der Landpfleger von Dachau. Das Vermögen im Jahr 1738 war außerordentlich gering: es betrug nur 1 fl. (=Gulden), 21 kr.(=Kreuzer) und 1 hl.(=Heller). Das niedrigste Vermögen aller Kirchen im Gebiet des heutigen Landkreises Dachau.
"In den Stürmen der Säcularisation (1803) trafes das Schicksal der Zerstörung"schrieben Mayer/Westermayer im Jahr 1880.

Mehr über die ehemalige Filialkirche erfahren Sie hier...

Berichte aus dem Pfarrleben
Die Dachauer Zeitungen haben in den letzten 120 Jahren immer wieder aus dem Pfarrleben berichtet. Diese Berichte befassen sich nicht unmittelbar mit den Kirchengebäuden, vermitteln aber einen ergänzenden Eindruck aus der damaligen Zeit. Aus Oberroth ist ein Bericht über einen sehr gefährlichen Kirchgang aus dem Jahr 1891 erhalten. Wenn Sie daran interessiert sind, klicken Sie hier...


B
aubeschreibung der Kirche

Die Kirche steht auf einer Anhöhe am Nordrand des Dorfes inmitten eines ummauerten Friedhofs.

Es handelt sich um eine Chorturmkirche, d.h., der Altarraum ist im Untergeschoss des Turmes untergebracht. Allerdings ist Oberroth nicht eine typische Chorturmkirche: der Turm ist auf dem viel älteren Chorraum errichtet; der Chor ist doppelgeschossig und schließt zudem noch halbrund. Dieser Raum ist der älteste und architektonisch wertvollste Teil der Kirche. Im Obergeschoss besitzt sie zwei winzige Rundbogenfensterchen aus der Erbauungszeit vor 900 Jahren. Solche Anlagen sind selten.
Der ursprüngliche Zweck des halbkreisförmigen Bauwerks ist ungeklärt. Möglicherweise handelte es sich um den Teil einer älteren Wehranlage oder um die Apsis einer flachgedeckten, sehr hohen Kirche. Im oberen Teil sind innen außerdem sechs kleine vermauerte Fenster erkennbar. Auch dies könnte für eine Wehranlage sprechen. 

Das dreiachsige Kirchenschiff ist 22 m lang und 10,60 m breit. Es besitzt an der Nord- und der Südseite zwei Eingänge. An der Außenseite der Kirchentüre ist ein Bronzerelief von Max Faller angebracht. Es stellt das himmlische Jerusalem (Hagia Zion) dar, das auf dem 7-armigen Leuchter gründet und von einer Weizenähre, einer Weinranke sowie einem Ölzweig umrahmt wird.
Die Sakristei ist an die Nordseite des Altarraums angebaut.
Der 29 m hohe Kirchturm besitzt im unteren Teil einen quadratischen Aufbau (mit Turmuhren), der sich über dem Traufgesims zum Achteck verjüngt. Gekrönt wird er mit einer schindelgedeckten Zwiebelhaube mit Knauf und Kreuz.
Hinter den schmalen hohen Schallöffnungen hängen vier Glocken, die 2001 geweiht wurden. Bericht über die Glockenweihe....
Sie ersetzten die 1922/24 bei der Fa. Ulrich in Apolda gegossenen Stahlgussglocken, die rostig geworden waren.
In der Sakristei hängen noch die Seile für die vier Glocken im Turm. Sie sind nicht nur eine Dekoration. Trotz des elektrischen Läutwerks, das das regelmäßige Läuten übernimmt, kann die kleinste Glocke auch noch mit dem Seil geläutet werden.
Hinweis: Woher die so typisch bayerisch-barock anmutende Zwiebelform kommt, ist erstaunlicherweise nicht geklärt. Einige der Experten vermuten, dass sie eine Nachahmung und Weiterentwicklung der im 7.Jh errichteten Moschee auf dem Tempelberg in Jerusalem (Felsendom) und somit arabischen Ursprungs ist. Damals glaubten europäische Baumeister, die Kuppel stamme noch vom Tempel Salomons und verbanden mit ihr die Vision vom himmlischen Jerusalem. Andere Kunstexperten sehen in der Zwiebel eine Weiterentwicklung der byzantinischen Kuppel, die auch in Russland großen Anklang fand. Fest steht jedoch, dass die ältesten zwiebelförmigen Kuppeln in Bayern die der Münchner Frauentürme sind (1525). Weite Verbreitung fand die Zwiebel als Bauform aber erst im Italien der Renaissance und bei uns in der Barockzeit nach dem 30jährigen Krieg. Ihre Form -unten bauchig, oben spitz- passte wunderbar zur Kunstauffassung und zum Lebensstil des Barocks und galt "als Synthese aus der Bewegung ins Übersinnliche und dem Verharren in den Wölbungen des Sinnlichen".

An der Kirchentreppe an der Südseite steht seit 1999 die Jakobussäule , die an den Kirchweihtag der ursprünglichen Kirche, den Jakobustag eines unbekannten Jahres vor rd. 1000 Jahren erinnert. Die von Max Faller gestaltete Säule ist einem römischen Meilenstein nachempfunden. Auf dem Bronzerelief sind Pilgerszenen dargestellt. Das Kreuz auf der Säule wurde von Mitgliedern des "Lebendigen Rosenkranzes" gestiftet.
Faller hat die Jakobussäule der Wallfahrt und dem Pilgerdasein der Menschen auf Erden zudacht. Der Jakobusweg nach Santiago de Compostela, der sich bei Pilgern aus aller Welt wieder großen Zuspruchs erfreut, habe Faller zusätzlich inspiriert, teilte Pfarrer Kellermann mit. ...mehr über Max Faller..
  Hinweis: Jakobus der Ältere war der Sohn des Fischers Zebedäus und der ältere Bruder des Jüngers Johannes. Er zählte neben seinem Bruder und Petrus zu den drei bevorzugten Jüngern, die bei der Verklärung Jesu und in seiner Todesangst im Garten Gethsemane zugegen waren. Der Überlieferung nach verkündete er nach Pfingsten in der Gegend um Samaria und Jerusalem das Evangelium, bis er durch König Herodes Agrippa I. von Judäa im Jahr 43 geköpft wurde; Jakobus war somit der erste Märtyrer unter der Aposteln (Ap 12, 1 - 2). Der Legende nach setzten Anhänger seine Leiche in ein Boot, das im Meer herumtrieb und in Galizien, im Nordwesten Spaniens strandete. Dort wurde er begraben. 800 Jahre später, zur beginnenden Reconquista (Rückeroberung des maurischen Spaniens durch die Christen) entdeckte König Alonso II das Grab wieder und baute eine Kirche darüber. Bald begann die Wallfahrt undSantiago de Compostela wurde eines der größtenWallfahrtszentren des Abendlandes. Durch ganz Europa führten feste Wallfahrtswege dorthin; bis ins 15. Jahrhundert zog der Ort mehr Pilger an als Rom oder Jerusalem. St.Jakob erhielt seine Attribute (Pilgerkleidung und Muschel) erst im 13.Jh. Die Pilger erhielten am Ziel damals einen Hut, der mit einer Muschel geziert war. Zuvor war Jakobus meist mit einer Schriftrolle abgebildet.


B
ronzesäule
In der Nähe des sehr modern gestalteten Nordeingangs der Kirche steht seit 2004 eine wunderschöne Säule mit der Darstellung der Sieben Werke der Barmherzigkeit auf einem Granitsockel. Es ist eine Schriftrolle aus Bronze, auf der in Szenen aus dem Leben Jesu, aber angereichert mit Bezügen auf unsere Zeit, die einzelnen Werke der Barmherzigkeit als Reliefs und als Textergänzungen dargestellt sind. Das zwei Meter hohe Kunstwerk wurde von Neustifter aus Eggenfelden geschaffen und am 6.Juni 2004 feierlich eingeweiht. ...mehr über Joseph Michael Neustifter...
Die Schriftrolle ist als Wegweiser zur Kirche und ihren Glaubensinhalten konzipiert.

Nordeingang
Vom 12. Jh. bis zum Barock wurden die so genannten leiblichen Werke der Barmherzigkeit in der Bildenden Kunst häufig als Zyklus dargestellt. Sie zählen zu den guten Taten, die nach alter katholischen Lehre bei einem Toten die während des Lebens begangenen Sünden überwiegen müssen, damit seine Aufnahme in das Paradies erfolgen kann (Mtt, 25, 35-46).
Zu den sieben leiblichen Werken der Barmherzigkeit zählen:
1. Hungrige speisen,
2. Dürstende laben,
3. Nackte bekleiden,
4. Obdachlose beherbergen,
5. Kranke pflegen     
6. Gefangene besuchen.

Gefangene besuchen

Nackte
bekleiden
Hungrige
speisen

Dürstende
laben

Obdachlose beherbergen

Kranke
pflegen
Das siebente Werk der Barmherzigkeit, Tote bestatten, findet erst in dem 1165 entstandenen Werk des Johann Beleth, "Rationale divinorum", Erwähnung. Es geht zurück auf das Alte Testament (Buch Tobit 1, 17-19) und wurde in den folgenden Jahrhunderten angesichts von Pestepidemien mit aufgenommen.
Neben den leiblichen Werken der Barmherzigkeit gibt es auch die sieben so genannten geistigen Werke der Barmherzigkeit: Unwissende lehren, Zweifelnden raten, Trauernde trösten, Irrende zurechtweisen, Unrecht ertragen, Beleidigungen verzeihen,
für Lebende und Tote beten.




I
nnenausstattung


A
ltarraum

Der schmale, halbrunde Altarraum ist der älteste und architektonisch wertvollste Teil der Kirche.

Die Decke ist nicht bemalt. Das war aber nicht immer so. Aus dem Jahr 1808/09 sind Rechnungen für die Ausmalung der Kirche vorhanden


C
horaltar / Hochaltar

Der Altarbereich wird geprägt durch ein großes Kruzifix von Max Faller, das an der Decke über dem Altar befestigt ist und frei über dem Altartisch hängt. Das Kreuz hat einen Holzkern, der mit Metall überzogen ist. An den Schmalseiten sind Getreideähren und Weinreben geformt.
 
Am Chorbogen ist ein Pantokratorfresko aufgemalt. Das in traditioneller Freskotechnik erstellt Gemälde stammt von Georg Eibl aus Rott am Inn (1988). Es stellt in Anlehnung an die byzantinische Tradition Christus als den Weltenherrscher dar (siehe auch Petersberg-Basilika).
Christus sitzt -in römische Gewänder gekleidet- auf einem Thron. Er hebt segnend die rechte Hand. Mit der linken Hand hält er ein auf dem Knie liegendes aufgeschlagenes Buch, in dem die Worte "Ego sum, alpha et omega, primus et novissimus (Ich bin der Anfang und das Ende, der Erste und der Letzte) zu lesen sind. Dieser Text bezieht sich auf Kap.1 Vers 8 der Offenbarung: "Gott der Herr sagt, ich bin der Erste und der Letzte, der ist und der war und der kommt, der Herr der ganzen Welt." Nach der Tradition geht die Gestalt des Weltenrichters auf das Bild des Menschensohnes zurück, das im 7.Kapitel des Buches Daniel zu finden ist. Jesus wurde in den Evangelien mit dem Menschensohn idendifiziert.
Vor der Neugestaltung des Altarraums in den 1980er Jahren befanden sich an den beiden Seiten des Chorbogens große, der Rundung des Chorbogens angepasste Gemälde.

Sie zeigten Szenen aus dem Lebem der Kirchenpatrone Petrus und Paulus.
Links die Berufung des hl.Petrus, rechts der hl.Paulus beim Predigen auf dem Areopag in Athen.

1982 wurden im Hochaltar durch den Weihbischof Graf Soden-Frauenhofen Reliquien der Heiligen Ulrich von Augsburg und Konrad von Parzham zusammen mit Steinen aus dem Hl.Grab in Jerusalem symbolisch "beigesetzt", dh., eingemauert. Bei der Einweihungsfeier nach der Restaurierung von 2003 am 27.Juli 2003 kamen die Reliquien der Münchner Seligen Pater Rupert Mayer und Pater Kaspar Stangassinger hinzu.
Wenn Sie Bilder von diesen Feierlichkeiten sehen möchten, klicken Sie hier...
Die Reliquien selbst befinden sich aber nicht nur -wie sonst üblich- im Altarstein, sondern auch in einem mit Edelsteinen verzierten Reliquienbehälter an der Stirnseite des Altars. Die Steine vom Hl.Grab in Jerusalem stammen aus einem Bohrkern, der bei Sicherungsarbeiten für die Grabeskirche zu Beginn des 20.Jh entstand.
Aus der Märtyrerverehrung erwuchs bereits im 4. Jahrhundert die Verbindung von Altar und Grab. Man begann damals an den Gräbern der Heiligen die Messe zu feiern, um sich ihrer Fürbitte zu versichern. Schließlich wurden die Gebeine der Heiligen oder einzelne Reliquien in die Kirche übertragen. Jeder Altar, auf dem die Eucharistie gefeiert wird, muss mit einer
oder mit mehreren Reliquien versehen sein. Bei der Altarweihe werden die Reliquien, in ein Stückchen Stoff gehüllt und verschnürt, in einem besonderen Gefach, dem Sepulcrum (lat. = Grab), feierlich verschlossen.
Der frühere Hochaltar stammte aus dem Jahr 1686.

Heilige Öle
 
In einer Wandnische neben dem Altar steht das Gefäß für die Aufbewahrung des Chrisam-Öls, das bei der Tauffeier Verwendung findet.
In einer Scheibe auf dem Gefäß ist eine Taube zu sehen. Auf der Gefäßummantelung ist der thronende Christus abgebildet, ähnlich wie im Fresko über dem Altar. Reliefierte Weinreben umgeben das Christusbild.


T
abernakel

Der Tabernakel von Max Faller steht auf einer Steinsäule rechts neben dem Altar. Er ist mit vier Reliefs geschmückt, die die Verkündigung des Erzengels Gabriel, die Geburt Christi, die Anbetung der Hl.Dreikönige und Christus in der Mandorla darstellen.
  Hinweis: Tabernakel ist das lateinische Wort für Zelt. Die seit dem 12. Jh übliche Bezeichnung führt zurück zur Bundeslade der Israeliten zur Zeit Mose, die ebenfalls in einem Zelt untergebracht war. Der Tabernakel dient bereits seit frühchristlicher Zeit (unter anderem Namen) zur Aufbewahrung verwandelter Hostien für die Sterbenden. Seit dem hohen Mittelalter wurde er auch Ort der Anbetung und Verehrung Christi in der Gestalt dieses eucharistischen Brotes. Der Ort und die Form der Aufbewahrung änderten sich im Laufe der Jahrhunderte häufig. Das Tridentinische
  Konzil (1545 - 63) ordnete die Aufstellung des Tabernakels auf dem Altar an. Doch diese Vorschrift wurde in Deutschland, wo man lange daran festhielt, die heiligen Hostien in Wandschränken und Sakramentshäuschen aufzubewahren, erst im 18. Jh. umgesetzt. Das 2. Vatikanische Konzil (1962 - 65) lässt dies wieder zu. Deshalb werden in modernen oder modernisierten Kirchen Tabernakel häufig in die Wand eingelassen oder stehen frei auf einer Säule, wie hier in Oberroth.


A
mbo

Das Ambo (Lesepult) an der linken Seite des Chorbogens zeigt die Berufung des Propheten Ezechiel. Das Bronzekunstwerk schuf ebenfalls Max Faller.Die Berufung des Propheten Ezechiel wird im Buch Hesekiel,Kap.2-3 wie folgt geschildert:
 
Am fünften Tage jenes Monats (es war das fünfte Jahr der Gefangenschaft des Königs Jojachin) erging das Wort des HERRN an Ezechiel. Und er sprach zu mir: Menschensohn, ich sende dich zu den Kindern Israel, zu den widerspenstigen Heiden, die sich wider mich empört haben; sie und ihre Väter haben wider mich gesündigt bis auf den heuten Tag. Sei nicht widerspenstig wie das widerspenstige Haus! Tue deinen Mund auf und iß, was ich dir gebe! Da schaute ich, und siehe, eine Hand war gegen mich ausgestreckt, und siehe, sie hielt eine Buchrolle. Und er breitete sie vor mir aus; und sie war vorn und
hinten beschrieben, und es waren darauf geschrieben Klagen, Seufzer und Wehe. Und er sprach zu mir: Menschensohn, iß, was du hier vorfindest, iß diese Rolle und gehe hin, rede zum Hause Israel! Da tat ich meinen Mund auf, und er gab mir jene Rolle zu essen. Und er sprach zu mir: Speise deinen Leib und fülle deine Eingeweide mit dieser Rolle, die ich dir gebe! Da aß ich, und es war in meinem Munde so süß wie Honig. Da sprach er zu mir: Menschensohn, gehe hin zum Hause Israel und rede mit meinen Worten zu ihnen! Denn du wirst nicht zu einem Volk von unverständlicher Sprache und schwerer Zunge gesandt, sondern zum Hause Israel;

Der Eingang zur Sakristei liegt im Bereich der Seitenkapelle. Vor diesem Eingang ist die moderne Chorglocke aus Bronze angebracht. Auch sie dürfte von Max Faller stammen.

Die Chorglocken oder Sakristeiglocken, werden geläutet, wenn Priester und Ministranten die Sakristei verlassen und den Chor betreten.



K
irchenschiff / Langhaus

Das Langhaus ist mit einem flachen barocken Kreuzgratgewölbe überzogen, das auf einfachen Wandkonsolen ruht.

Die Kirche hat heute keine Seitenaltäre mehr. In Baubeschreibungen von 1739 und 1817 sind Altäre zu Ehren des hl. Bernhardin von Siena und des hl. Georg erwähnt.

 
An der Stelle des früheren linken Seitenaltars ist eine sitzende Muttergottesstatue angebracht, die wohl noch aus dem 17.Jh stammt. Sie wurde 1976 von Otto Wimmer renoviert. Maria und ihr Sohn Jesus sind bekrönt. Maria hält in ihrer rechten Hand ein Szepter. Ihr linker Fuß ruht auf einer Mondsichel.
Diese Mondsichel erinnert an die apokalyptische Frau, die Johannes in seiner Vision gesehen hatte: vom Strahlenkranz der Sonne umgeben, über ihrem Haupte zwölf Sterne und zu ihren Füßen der Mond (Offb 12, 1).


K
anzel

Die neuromanische/neubarocke Kanzel wurde 1894/95 von Joseph Elsner errichtet. Sie kostete 1370 Mark. In den Aufzeichnungen von Jakob Mois findet sich der Vermerk: "für solches Glump viel zu teuer".
Der Kanzelkorb ist durch korinthische Säulenchen in Nischen getrennt. Darin sind auf goldenem Hintergrund Ölgemälde von Jesus und den vier Evangelisten mit ihren Attributen zu sehen. Matthäus mit einem Menschen, Markus mit dem Löwen, Lukasmit dem Stier und Johannes mit dem Adler.
Gold ist die Farbe der Sonne, des Himmels und des göttlichen Lichts. Wird -wie hier- der Hintergrund eines Gemäldes in Gold gestaltet, soll damit eine himmlische Szene dargestellt werden.
Der Schalldeckel ist an seiner Unterseite in fünf Felder eingeteilt, die mit bunt gemalten Blumen-Ornamenten auf goldenem Hintergrund geschmückt sind. Im Treffpunkt der Linien ist ein rundes Feld mit der Heilig-Geist-Taube platziert.
Die Kanzel ist von der Seitenkapelle aus begehbar. Die Kanzeltüre ist mit Maßwerkmuster verziert.
  Hinweis: Die vier Symbole Mensch, Löwe, Stier und Adler reichen zurück bis in den babylonischen Mythos. Dort stellten sie die vier Astralgötter Nergal (Flügellöwe), Marduk (Flügelstier), Nabu (Mensch) und Mimurta (Adler) dar, die vor den Heiligtümern Wache hielten. Im Alten Testament werden sie in den Gottesvisionen Ezechiels (Ez 1,1-14), im Neuen Testament in der Offenbarung des Johannes (Kap.4 Vers 7) als die vier Lebewesen, die rings um Gottes Thron stehen, erwähnt. Zuerst hat man sie nur im Zusammenhang mit dem thronenden Christus abgebildet. Als Evangelistensymbole dienen sie erst seit dem frühen Mittelalter (durch die Kirchenväter Irenäus und Hippolyt um das Jahr 200). Seit Hieronymus (347-420) werden sie wie folgt gedeutet: 
Der geflügelte Mensch (nicht Engel !) bei Matthäus weist auf den Stammbaum Jesu und auf seine Geburt (mit deren Bericht das Matthäusevangelium beginnt) hin, der geflügelte Löwe ist Sinnbild für Markus, weil das Markusevangeliums mit der Predigt des Johannes in der Wüste, dem Lebensraum des Löwen, berichtet und weil sein Evangelium die Kraft der Auferstehung und Todesüberwindung betont. Der geflügelte Stier (als Opfertier) des Lukas galt als Zeichen für den Beginn des Lukas-Evangeliums, das mit dem Opfer des Zacharias einsetzt und das am innigsten auf den Opfertod Christi hindeutet und den Adler des Johannes versteht man als Symbol für den spirituellen Höhenflug des Johannes-Evangeliums.
Hinweis: Die Gestalt der Taube für die künstlerische Darstellung des Heiligen Geistes gründet sich auf den Bericht der Taufe Jesu im Neuen Testament. Danach fuhr der heilige Geist in leiblicher Gestalt auf ihn hernieder wie eine Taube (Lk, 3,22). Obwohl dies nur bedeutet, dass sich der Geist bewegte sich wie eine Taube, nicht aber aussah wie ein Vogel, hat man die Taube als Symbol für die sonst nur schwer greifbare dritte Person Gottes gewählt. Das Konzil von Nicäa im Jahr 325 hat dies sogar empfohlen. Papst Benedikt XIV verbot 1745 die Darstellung der dritten göttlichen Person in Menschengestalt, wie sie vereinzelt immer noch vorkam.
Die Predigt wurde in altchristlicher Zeit -ähnlich wie heute- von einem Ambo aus gehalten. Ab dem 13. Jh. hat man Kanzeln gebaut, die zumeist seitlich im Mittelschiff ihren Platz haben, dort, wo die Gemeinde versammelt ist. Von hier aus konnten die Prediger auch von oben herab sprechen, was ihren Worten größere Wirkung verleihen sollte. Spätestens seit dem 2.Vatikanischen Konzil 1962 werden sie nicht mehr benutzt.


S
eitenkapelle
Neben der Kanzel liegt- durch einen Rundbogen mit dem Kirchenschiff verbunden- der Eingang zur der 1699 angebauten Seitenkapelle (Ignatiuskapelle).
Mehr zur Seitenkapelle....
  


K
anzelkreuz


Gegenüber der Kanzel hängt ein Kruzifix, das sog. Kanzelkreuz, dessen Korpus sich früher an einem Vortragekreuz befand. Es stammt aus dem 20.Jh. Unter dem Kreuz steht zwischen den Apostelleuchtern eine erst kürzlich geschnitzte schmerzhafte Muttergottes (Mater dolorosa). Hinter dem Kopf ein Strahlenkranz; in der Brust steckt ein Schwert.
  Das Kreuz heißt Kanzelkreuz, weil es in der Regel der Kanzel gegenüber an der Wand angebracht ist. Es erinnert den Prediger an den 1.Korintherbrief (1,3), in dem der hl.Paulus schreibt: "Wir predigen Christus als den Gekreuzigten". Die Ansprache soll nicht weltliche Dinge, sondern den Tod und die Auferstehung Christi zum Inhalt haben. In den frühchristlichen Kirchen wurde das Kreuz ohne den Corpus des Gekreuzigten angebracht. Dann aber wurde Christus am Kreuz als lebender und über den Tod triumphierender, göttlicher Sieger mit geöffneten Augen und in aufrechter Haltung dargestellt. Erst im hohen Mittelalter (etwa seit dem 12. Jh) setzte sich die Abbildung des leidenden und toten Gekreuzigten, die Betonung des Menschseins Jesu durch, wie wir es von unseren Kirchen kennen.
Das Schwert in Marias Brust erinnert das Simeonwort im Lukasevangelium (Kap 2,35) bei der Darstellung im Tempel: " Dir selbst wird ein Schwert durch die Seele dringen"
.


Heiligenfiguren im Kirchenschiff

- rechts vom Altar die Figur einesvor 25 Jahren restaurierten Geißelheilands mit dreiteiligem Nimbus in Inkarnatfassung. (inkarnat=fleischfarben). Sie wurde in der 2.Hälfte des 18.Jh geschnitzt und war früher Hauptfigur in der Seitenkapelle. Der Sockel ist neueren Datums und besteht aus Brannenburger Tuffstein.
  Hinweis: Die ersten Darstellungen von Jesus an der Geißelsäule entstanden zwar schon im  Mittelalter. In den Landkreis Dachau gelangten vereinzelte Bilder jedoch erst im 17.Jh. Die große Verbreitung dieser Darstellungen setzte noch 100 Jahre später, nach dem Wunder in der Wies (1738) ein. Der Heiland auf dem Bild beim Wiesbauern bei Steingaden soll Tränen vergossen haben. Daraufhin setzte eine Wallfahrt ein und die berühmte Wieskirche wurde gebaut. Die meisten der rd. 15 Geißelheiland-Darstellungen im Landkreis Dachau wurden nach dem Vorbild des Wies-Heilands gestaltet; so auch in Oberroth.


- St.Christophorus,der legendäre Riese, mit kräftigem Stock in der Hand, blickt hinauf zum segnenden Jesuskind, das er auf seiner Schulter trägt.Diese Figur wurde -wie auch die im Folgenden beschriebenen Figuren der Kirchenpatrone- von Bildhauer Herbert Sepp aus Ludenhausen geschnitzt und von Ludwig Strehle aus Weilheim um 1990 gefasst.
  Hinweis: Christophorus ist eine Legendengestalt, die im aktuellen Heiligenkalender nicht mehr enthalten ist. Er soll als Offerus den mächtigsten Herrn der Erde gesucht haben am Ende seiner Suche ein Kind über einen Fluss getragen   haben, das immer schwerer wurde, sodass er zu ertrinken drohte. Das Kind war Jesus.
Die Volksfrömmigkeit besagte, wer ein Bild oder eine Figur von St.Christophorus erblickt, wird an diesem Tag nicht von einem plötzlichen Tod überrascht.
- an den Säulen der Empore, die Figuren der Kirchenpatrone St.Petrus (mit Buch und den Himmelsschlüsseln). Der Heilige ist -wie in den meisten Petrusabbildungen seit dem 4.Jahrhundert - mit rundem Kopf, grauem, krausen Haarkranz um den Haarbüschel auf der Stirn und mit Bart dargestellt.
      
St.Paulus hält ein Buch unter dem rechten Arm und einem Schwert in der Linken).
Das Buch kennzeichnet die Heiligen als Verkünder des Evangeliums.
  Hinweis: Petrus (Simon) wurde gemeinsam mit seinem Bruder Andreas von Jesus in seine Jüngergruppe berufen. Er wird in den Evangelien häufig genannt. Nach seinem Bekenntnis von Cäsarea kündigte ihm Jesus an, er werde ihm "die Schlüssel des Reichs der Himmel" übergeben. (Matth 16, 16-19). Dieser sog.Himmelsschlüssel, den der Künstler der Petrus-Darstellung in die Hand drückte, haben den Heiligen im Brauchtum zum Himmelspförtner gemacht. In der christlichen Symbolik repräsentieren die Schlüssel aber die Vollmacht auf Erden und im Himmel zu lösen und zu binden. Diese Vollmacht wurde in weiterer Folge auf den Kreis der Jünger und den Klerus übertragen.
Paulus
hieß eigentlich Saulus. Er war von Beruf Zeltteppichweber und jüdischer Theologe im Laienstand. Zunächst verfolgte er mit großem Eifer die junge Kirche bis er vor Damaskus bekehrt wurde. Nach eher unwahrscheinlichen Legenden starb Paulus im Jahr 67 als Märtyrer unter Kaiser Nero durch das Schwert. Wahrscheinlich ist er eines natürlichen Todes gestorben.

In einer mit Goldbrokatmuster versehenen Nische in der Nordwand stehen Figuren der beiden frühchristlichen Diakone Laurentius mit seinem Marterwerkzeug, dem Rost, und Stephanus mit der Bibel als Zeichen für den Verkünder des Evangeliums. Beide halten einen Palmzweig in den Händen als Hinweis auf ihr Martyrium. Beide Diakone tragen die als Dalmatik bezeichneten Gewänder, die ihnen bei der Diakonweihe verliehen wurden. Sie haben im Gegensatz zu den Priestergewändern kurze Ärmel. Die Figuren stammen aus dem 18.Jh.
 

Laurentius war um das Jahr 250 einer der sieben Diakone in der Stadt Rom. Er sollte im Auftrag des Papstes den Kirchenschatz unter den Leidenden und Armen austeilen. Kaiser Valerian erhob Anspruch auf diese Schätze;als Laurentius sie nicht an ihn herausgab, ließ er ihn mit Bleiklötzen schlagen, zwischen glühende Platten legen und befahl schließlich, den Unerschütterlichen über stetig unterhaltenem Feuer auf einem Rost langsam zu Tode zu martern. Deshalb wird Laurentius mit dem Rost abgebildet.
Stephanus lebte früher. Er war einer der Diakone der urchristlichen Gemeinde in Jerusalem, die neben der Glaubensverkündigung auch für die sozialen Belange der Gemeinde zuständig waren. Sie hatten den Rang von Gemeindeleitern, die in ihrer Bedeutung nahe an die Apostel heranreichten. Durch eine seiner Predigten geriet Stephanus mit den Juden in Konflikt. Sie brachten ihn vor den Hohen Rat. Die in Apostelgeschichte 7, 2 - 53 wiedergegebene, eindrucksvolle Rede belegt, dass Stephanus noch vor Paulus den universellen Anspruch des Christentums verkündete. Stephanus wurde als Lästerer verurteilt und von der aufgebrachten Menge gesteinigt. Stephanus sah den Himmel offen, kniete, seinen Widersachern vergebend, im Gebet nieder und starb. Stephanus' Steinigung war der Auftakt zu einer großen Christenverfolgung in Jerusalem.


K
reuzwegbilder

Die 1894 erworben Kreuzwegbilder sind an der Emporenbrüstung angebracht. Es sind 60 x 46 cm große Ölbilder auf Leinwand in neuen Holzrahmen. Die ersten Kreuzwegbilder in Oberroth wurden 1734 angebracht, 3 Jahre, nachdem die Kreuzwegandachten im Inneren der Kirchen eingeführt und mit großzügigen Ablässen ausgestattet wurden. Bis dahin hatte es Kreuzwege nur im Freien gegeben. 1807 wurden neue, gut vergoldete Kreuzwegstationen vom Maler Josef Mangold (aus Ichenhausen im Landkreis Günzburg) angeschafft, gestiftet vom Tafernwirt Joh.Nepomuk Widmann.

 

Hinweis: Seinen Ursprung hat der Kreuzweg übrigens im Brauch der Pilger, bei Wallfahrten nach Jerusalem den Leidensweg Jesu nachzugehen.
Wenn Sie mehr über die Geschichte des Kreuzwegs und seine Darstellungen in Kirchen des Landkreises erfahren wollen, klicken Sie hier...

Schmerzhafte MuttergottesSchmerzhafte MuttergottesKanzelkreuzTaufsteinDie Diakone Stephanus und LaurentiusKreuzwegbilderKirchenbank-WangenSt. ChistophorusKirchenbank-WangenOrgelKreuzwegbilderSt.PaulusSt.PetrusBeichtstuhl
10 Details (Orgel, Kreuzwegbilder, Kirchenbänke, Figuren an der Seite und hinter den Emporensäulen) per Mouseklick vergrößern

Kirchenbänke

Die Kirchenbänke (beidseits des Mittelganges 11 Reihen) haben schön geschnitzte Rokokowangen. Sie sollen aus der 2.Hälfte des 18.Jh. stammen; aus den Kirchenrechnungen geht aber hervor, dass auch schon 1730 für immerhin 18 Gulden neue Bänke angeschafft wurden.
Von den Wangen ist nur noch ein Teil original. Die übrigen wurden bei einer der letzten Renovierungen nachgearbeitet. Das Muster der Wangen ähnelt sehr stark den Wangen in der Indersdorfer Klosterkirche.       
....mehr über Kirchenbänke...

Taufstein
Das insgesamt über einen Meter hohe Taufbecken aus Rotmarmor an der Rückseite der Kirche (aus der Zeit um 1730) hat die Form eines ovalen Kelches. Es steht auf einer vom Dachauer Künstler Georg Mayerhanser besonders gestalteten Bodenplatte aus Messing-Legierung, in die folgende Paulusworte eingraviert sind:"Alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen. Es gibt nicht mehr Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau: Denn ihr alle seid einer in Christus Jesus. (Gal 3,28)"   und
"Ihr seid der Tempel Gottes und der Heilige Geist wohnt in euch (1 Kor 3,16)"


V
ortragekreuze

An den Bänken ist zwei Vortragekreuze, ein vergoldetesauf rotweißem Stab und ein rotes mit Goldrand, befestigt.
Hinweis: Vortragekreuze werden beim Kirchenein- und Auszug, Prozessionen, Wallfahrten sowie bei Beerdigungen vorangetragen. Dies geht zurück auf das Jesuswort "Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach". Bei Gebetsprozessionen (Bittgängen, Kreuzweg) wird der Corpus des Kreuzes zu den nachgehenden betenden Menschen gedreht, damit sie den Gekreuzigten vor Augen haben. Bei anderen Prozessionen, z.B. an Fronleichnam und beim Ein- und Auszug zeigt der Corpus in die Gehrichtung, d.h., er weist ihnen den Weg. Die ältesten Vortragekreuze stammen schon aus dem 6.Jh.


Empore und Orgel

Die Empore wurde mit dem Kirchenschiff um 1686 errichtet. Aber schon im Jahr 1730 musste man sie lt. Kirchenrechnung durch Anbringen einer Stützsäule sichern, weil die auf der Empore stehenden Kirchenbänke für die Sänger, Buben und fremden Leute nicht ohne Gefahr betreten werden konnten (Originaltext: "Sicherung der Porkhürchen, auf welcher die darauf Verhandtne Stiell vor die Kürchen Singer und Bueben, dan andere frembde zu dem m heil.Gottsdienst ankhommente Leuth ohne zubefahren habenten grossen Schaden nicht mehr betreten").
Schon 1814 wird berichtet, dass die Orgel in Oberroth über vier Register verfüge, zwanzig Jahre vorher gekauft und im Jahr 1811 repariert worden sei. Die heutige Orgel mit dem fünffach gegliederten Prospekt stammt aus dem Jahr 1982. Ihre einmanualige Vorgängerin mit sechs Registern war 1872 von berühmten Münchner Orgelbauer Max März (1814-1878) aufgestellt und 1960 von den Gebrüdern Sandtner auf zwei Manuale mit neun Registern erweitert worden. Die Gebrüder Sandtner haben auch die Orgeln in den Kirchen von Günding, Unterbachern, Eschenried neu gebaut oder restauriert. 1982 wurde die Orgel in Oberroth durch Wilhelm Stöberl aus München nochmals erweitert und besitzt nun bei zwei Manualen 12 Register. System: mechanische Schleiflade bei freistehendem Spieltisch
 
Disposition:
I. Manual (C-g ):Gedeckt 8', Principal 4', Sesquialter 2 2/5' + 1 5/5', Blockflöte 2', Mixtur 3fach 1';
II. Manual (C-g'"):Salicional 8', Rohrflöte 8', Hohlflöte 4', Octav 2', Zimbel 2fach 1/2';
Pedal (C-f):        Subbaß 16', Pommer 8'. Koppeln: Normalkoppeln.
Allgemeines zur Orgel - Mit ihren vielen Pfeifen, die über ein Gebläse zum Klingen gebracht werden, steht die Orgel meist im rückwärtigen Bereich der Kirche auf der Empore. Sie hielt erst allmählich Einzug in die Kirche, weil sie bis in das 11. Jahrhundert als profanes (weltliches) Instrument galt, das für das höfische Zeremoniell verwendet wurde. Erst ab dem 13. Jh wurde es zur Regel, in allen bedeutenden Kirchen Orgeln zu errichten. Heute gehört eine Orgel zur Ausstattung fast jeder Kirche. Mit ihrer Klangvielfalt und Klangfülle trägt sie zur Verschönerung des Gottesdienstes bei. Der Orgelprospekt, die Schauseite der Orgel, wurde früher meist durch Künstler gestaltet. Im Barock und im Klassizismus, deren Epochen unsere ältesten Orgeln im Landkreis Dachau angehören, wurde der Prospekt mit reicher Ornamentik verziert. Heute setzt sich immer mehr der "offene" Orgelprospekt durch, der allein durch die harmonische Anordnung der Pfeifen wirkt.


E
ingangsbereich

Neben der südlichen Eingangstüre sind vier mit Reliefs verzierte Steine eingemauert. Es handelt sich hier um Schmuck-steine, mit denen die Pforten der vier römischen Hauptkirchen während der Zeit zwischen den Heiligen Jahren zugemauert worden waren. Die Steine stammen aus den Kirchen (von links:) San Maria Maggiore, Lateranbasilika, dem Petersdom und St.Paul vor den Mauern. Sie wurden beim Öffnen der Portale in den Jahren 1975 (Maria Maggiore) und 2000 herausgebrochen. Nach Oberroth kamen sie über den Künstler Max Faller, der damals für den Vatikan künstlerisch tätig war. Seit dem Heiligen Jahr 2000 werden die Pforten nicht mehr zugemauert.
An einer Säule neben dem Südeingang hängt der modern gestaltete Weihwasserkessel.
Ein Engel (von Siloah ?) gießt Wasser aus einer Schale.
In Katholischen Kirchen sind in der Nähe der Eingangstüren Weihwasserbecken angebracht, aus Stein oder Metall. Das Wasser das sie enthalten ist nicht geweiht, sondern gesegnet. Mit ihm zeichnet der Eintretende ein Kreuz über sich, um sich selbst an seine Taufe, an sein "Eingetaucht-Werden in den Geist Gottes”, zu erinnern.


Beichtstuhl

An der Nordseite steht der Beichtstuhl. Er ist -wie so viele Details der Kirche- im Stil der Zeit gefertigt. Durch die weiße Farbe hebt er sich fast nicht von der Wand ab.
Der frühere dreiteilige Beichtstuhl stammte aus dem Jahr 1952.
  Hinweis: Über Jahrhunderte hinweg wurde das Bekenntnis der Sünden offen im Kirchenraum beim Sitz (Kathedra) des Bischofs, später bei dem des Priesters im Altarraum abgelegt. Dieser besonders hervorgehobene Sitz des Beichtvaters war die Ausgangsform des Beichtstuhls. Durch die irisch-schottischen Mönchen wurde die Beichte im 10.Jh privatisiert, d.h., nicht mehr öffentlich abgelegt. Dazu bedurfte es nicht nur einer größeren Zahl von Priestern, sondern auch neuer Einrichtungsgegenstände. Der heutige Beichtstuhl entwickelte sich allerdings erst ab dem 16.Jh. zu einem feststehenden, meist dreiteiligen, mehr oder weniger geschlossenen Beichtgehäuse mit dem Mittelteil für den Priester (in dem der Priester sitzt - deshalb Beichtstuhl) und mit der Trennung von Priester und Beichtenden durch eine Zwischenwand mit Sprechgitter. Die Beichtenden knien abwechselnd in den Seitenteilen. Damit wurden bessere Bedingungen für einen anonymen Vollzug der Beichte geschaffen. In neuerer Zeit bieten sogenannte Beichtzimmer mit ihrer persönlichen Atmosphäre eine räumliche Alternative für Beicht- und Glaubensgespräche. Die Beichte geht auf das Bibelwort "Er hauchte sie an und sprach zu ihnen: Wem Ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem Ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert" (Joh 20,22) zurück.


G
rablegungs-Christus

Von Karfreitag bis Ostern 2003 und 2004 war vor dem Altar ein besonderes Kunstwerk aufgebaut: als Symbol für die Grablegung Christi wurde am Karfreitag eine Tragbahre mit einem darauf liegenden 103 cm großen "Grablegungs-Christus" aus dem 18.Jh aufgestellt. In diese Bahre ist eines der letzten sieben Worte Jesu am Kreuz ("In Deine Hände lege ich meinen Geist") eingeschlagen. In der Osternacht wurde auf die Totenbahre
anstelle des "Grablegungschristus" ein etwa 1,50 m langer Fisch als Symbol für den Auferstandenen gestellt. Das von einem ungenannten Spender finanzierte Kunstwerk wurde von Georg Mayerhanser aus Dachau geschaffen. Der goldglänzende Fisch besteht aus Tombak-Legierung (Kupfer-Zink). Auf seiner linken Seite stehen die Worte Jesu "Friede sei mit euch". Auf seiner rechten Seite sind die griechischen Buchstaben für die Bezeichnung von Fisch (ICHTHYS) -siehe Bild rechts- ausgesägt.
Der Fisch soll -historisch nicht belegt - eine Art Geheimzeichen in der frühen Kirche gewesen sein. Denn das griechische Wort für Fisch ist ein so genanntes Akrostichon, das heißt, ein Wort, das aus Anfangsbuchstaben anderer Wörter zusammengesetzt ist. Griechisch heißt Fisch Ichthys. Das sind die Anfangsbuchstaben von „Jesus Christus, Gottes Sohn, Erlöser"=Iesus Christos Theou Yios  Soter". Sicher ist, dass der Fisch noch vor dem Kreuz das Symbol für die Christen war.

Früher stand auch in Oberroth ein Heiliges Grab im herkömmlichen Sinn. Dies wissen wir, weil für das Auf- und Abbauen des Hl.Grabes eine kleine Entschädigung gezahlt und in der Kirchenrechnung verbucht wurde (so z.B. 1730: 45 Kreuzer).


Weitere Kirchengeräte

In den Pfarrakten befindet sich eine Inventarliste aus dem Jahr 1720:

Dort wird u.a. eine "silberne vergolte Monstranzen" erwähnt, die als ein Marienbildnis gestaltet war und die das Allerheiligste im Herzen hielt.
Außerdem gab es 3 Fastenbilder, auf denen "Unsers Herrn Crönung, die Gaislung und die Creuzziehung gemahlen" war.


Früherer Pfarrhof

Den Pfarrakten und den Freisinger Matrikeln sind folgende Angaben über den früheren Pfarrhof zu entnehmen:
1524: In der Sunderndorfer'schen Matrikel von 1524 werden d
as Pfarrhaus und die dazugehörenden Wirtschaftsgebäude als renovierungsbedürftig bezeichnet, vor allem im Dachbereich ("..egent in tectis restauratione").
1560: Im Visitationsbericht von 1560 heißt es, dass vom Grund der Pfarrei wurde nichts verkauft, sondern im Gegenteil, eine Wiese wurde für 30 Gulden hinzugekauft worden ist. Der Pfarrhof ist in gutem baulichen Zustand ["hat ain wolerpauten pfarrhof"]. Er war also seit 1524 renoviert worden.
1645: Wiederaufbauung des in die Aschen gelegten Pfarrhof und Stadls.
1738: Nach der Schmidt'schen Matrikel zeigten das Pfarrhaus und die dazugehörenden Wirtschaftsgebäude keine deutlichen Schäden. Und Schmidt merkt an, dass durch ein neues Dekret vom 31.Okt. 1736 ein dem früheren Vikar Martin Walther privat gehörendes "entlegenes Güetl" zum Pfarrwidum (Pfarr-Bauernhof) zugeschlagen wurde. Dafür mussten die künftigen Vikare aber die von Walter "gestüftete Wochenmeß lesen" und die üblichen Abgaben für das Gütl zahlen.
1708: Getreidestadel und Kuhstall neu erbaut.
          Zum Pfarrwidum gehörten 1760 rd. 67 Tagwerk Acker, 20 Tagwerk Wiesen und 16 Tagwerk Wald.
1785: mglw. 1789 - Pfarrhof neu erbaut
1832: durch eine Feuersbrunst die Ökonomiegebäude bei großem Dorfbrand zerstört, bis 1833 neu aufgebaut.
1880: Mayer/Westermayer schreiben: "Das Widum (=der Pfarrbauernhof) umfasst Grundstücke von 103 Tagwerk Fläche der Bonität 10. Das Pfarrhaus, erbaut 1785, ist geräumig, nicht sehr passend und feucht. Ökonomiegebäude, erbaut 1708, im Ganzen gut, Kuh- und Pferdestallung könnten passender sein".
1956: Pfarrhof wird vom Wirt gekauft und abgebrochen.

Frühere Feldkapelle St.Peter

Im 18.Jh. gab es in Oberroth eine Feldkapelle St.Peter, deren genauer Standort aber nicht bekannt ist.Von der Existenz dieser Kapelle zeugt ein Visitationsbericht von 1705, der sich in den Pfarrakten erhalten hat. Dort steht: " In via publica Capellula campestris sancto Petro dicata habet Gazophylacium, quae illic cadunt referuntur in ratiocinia Ecclesia parochialis" (Diözesanarchiv, B 622, 1494).

Öffnungszeiten
Außer zu den Gottesdienstzeiten (ganzjährig Sonntag 9°° und Mittwoch 19°°) ist die Pfarrkirche Oberroth in der Sommerzeit von Ostern bis Advent auch am Sonntag Nachmittag von 14°° bis 15°° für interessierte Besucher geöffnet; auf Wunsch auch mit Kirchenführung.

Hans Schertl

Lieber Besucher, Sie können sich Bilder aus der Pfarrkirche in Oberroth auch
als Gesamtschau ansehen . Klicken Sie hier....

Quellen:
Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1880
Amperbote vom 12.09.1891 u. 04.01.1935
Bezold/Riel, Kunstdenkmale des Königreichs Bayern, 1893
Inkorporationsurkunde OAM B.802, 64 f (1190)
Theodor Bitterauf, Die Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (Nr. 963)
Dachauer Nachrichten vom 01.07.1920, 19.10.99, 22.4.2003, 30.7.2003, 3.6. u.11.6.2004
Jakob Mois,Geschichtliche Notizen über Kirchen im Landkreis Dachau, ca.1950, unveröffentlicht (1817,1844,Pfarrhaus, Feldkp)
Kirschbaum, Lexikon der Christlichen Ikonographie, 1968
Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
Dr.Georg Brenninger, Orgeln und Orgelbauer im Landkreis Dachau, Amperland 1976/1
Dr. Georg Brenninger, Orgeln in Altbayern, 1978
Jakob Mois,Konsekrationsbuch des Fürstbischofs Eckher, 1982 (Altarweihe 1707)
Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres 1560, 1986
Josef Mass, Geschichte des Erzbistums München und Freising, 1986 (Stift St.Andreas)
Robert Böck, Kirchenrechnungen Landgericht Dachau, 1996 (Empore)
Putz/Niederle, Kirchen und Kapellen im Gemeindebereich Schwabhausen, 1988
Dr.Stefan Nadler/Maria Hildebrandt, Dokumentation zur Bau-, Ausstattungs- u.Restaurierungsgeschichte Oberroth,1998
Robert Böck, Kirchenrechnungen Landgericht Dachau, 1996 (1686)
Dachauer SZ vom 20.4.1979 (1463), vom 16./17.10.99, vom 25.4.2003 und vom 12./13.6.2004
Pfarrer Werner Kellermann, 2002-2003
Dachauer Kurier 23.7.2003
Mayr/Breitenberger, Arnbach einst und heute, 2004
Karl Grüner, "Unten bauchig, oben spitz", Münchner Kirchenzeitung, v. 25.9.2005 und vom 2.10.2005
Sabine Remiger,Münchner Kirchenzeitung v. 3.9.2006 (Petrus)
Josef Kiening, Überleben im Dreißigjährigen Krieg, www.genealogie-kiening.de
Andreas Estner/Matth. Morgenroth, Heilige Gebeine, BR-2, 1.11.2011, 18:05 Uhr
Dorfgeschichte von Oberroth Oberroth im Wandel der Zeit, www.oberrother.de/69.html
72 Bilder: Pfarrer Werner Kellermann (3), Marianne Kugler (1), Hans Schertl (68)

Kirchen und Kapellen im Landkreis Dachau - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

27.9.2010


Zeitungsberichte

Von einem Stier angefallen
Amperbote vom 12.09.1891

Am Donnerstag den 3. September wollte sich die Bauerswitwe, Anna Arnold von Kappelhof, gegen 7 Uhr nach Oberroth in die Kirche begeben. Als dieselbe Oberroth bereits erreicht hatte, wurde sie von einem Stier angefallen, der sich bei der dort weidenden Viehherde befand. Das wütende Tier warf die alte, gebrechliche Person mehrmals in die Höhe und schleuderte sie schließlich in einen tiefen Straßengraben. Die Unglückliche erlitt außer einem Oberschenkelbruch noch mehrere innerliche sowie äußerliche Verletzungen. Selbstverständlich musste sie sofort ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Da man am Aufkommen der Verunglückten zweifelte, wurde dieselbe mit den hl. Sterbesakramenten versehen. Zu verwundern ist nur, dass der Stier, welcher schon vor Wochen eine Person in Oberroth anfiel und so verletzte, dass dieselbe längere Zeit das Bett hüten musste, nicht besser verwahrt wurde, zumal der Besitzer eventuell regresspflichtig werden könnte, wenn ihm die Bösartigkeit des Tieres bekannt war.

(Recherchiert von Hubert Eberl, Bergkirchen)

 

25-jähriges Priesterjubiläum von Pfarrer Heinrich Schroll
Dachauer Nachrichten vom 01.07.1920

Die Gemeinde Oberroth, Bezirksamt Dachau, feierte am Peter- und Paulstag zugleich mit dem Patronzinium der Pfarrkirche das 25jährige Priesterjubiläum ihres HH. Pfarrers Heinrich Schroll, der vorher lange Jahre als Kaplan in Planegg tätig war. Die Art der veranstalteten Feier übertraf alle Erwartungen, welche man von einer einfachen, schlichten Landgemeinde hegen konnte, bei weitem. Die Beteiligung hochwürdiger Herren von nah und fern, sowie der ganzen Pfarr- und Nachbargemeinden an dieser Jubelfeier, bezeugte so recht die Hochachtung, Verehrung und Dankbarkeit für das Wirken des geliebten Gefeierten, den uns Gott, wie es der Wunsch aller ist, noch viele Dezennien erhalten möge. Um die herrliche Dekoration, die einzig in ihrer Art war, hat sich Herr Mannhardt von Kappelhof besonders verdient gemacht.

(Recherchiert von Hubert Eberl, Bergkirchen)

Priesterjubilare aus dem Dachauer Bezirk
Amperbote vom 04.01.1935

Auch im heurigen Jahr kann wieder eine Reihe von Hochwürdigen Herren aus dem Dachauer Land das Jubiläum des 40 oder 25jährigen Wirkens im Seelsorgeamt feiern. Ihr 40jähriges Priesterjubiläum feiern HH. Pfarrer Heinrich Schroll von Oberroth und HH. Pfarrer Johann Ev. Seidl von Welshofen. Unter den Jubilaren 40jährigen priesterlichen Wirkens finden wir auch Pfarrer Martin Oberndorfer von Salzburghofen, der vor etlichen 30 Jahren als Kooperator in Dachau wirkte. Das 25jährige Priesterjubiläum können feiern: HH. Pfarrer Andreas Furtner von Kreuzholzhausen, Hochwürden Herr Josef Niederhuber von Weichs und HH. Pfarrer Reinhardt von Odelzhausen. Den Priesterjubilaren schon heute unsere herzlichsten Glückwünsche!