zur Landkreiskarte ausführliche
Beschreibg Kirchen
i.d. Gem. Schwabhausen
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Pfarrkirche St.Peter und Paul in OBERROTH
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Kurzbeschreibung Der Ort wurde 1190 erstmals als "ad hrotam" (an der Roth) mit einer Kirche erwähnt. Von dieser Kirche ist noch der halbrunde, doppelgeschossige Altarraum mit seinen beiden Fensterchen erhalten und bildet den architektonisch wertvollsten Teil des Gotteshauses. Der heutige Kirche St.Peter
und Paul stammt im Wesentlichen
aus dem Jahr 1686, als sie -unter Belassung des gotisch-romanischen
Chores und des Turmzwischengeschosses- barockisiert und teilweise neu
erbaut wurde.
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Innenausstattung
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In der Innenausstattung der Kirche überwiegt die zeitgenössische Kunst. Ein Großteil der Einrichtung stammt von heute noch lebenden Künstlern. Lediglich die neuromanische Kanzel, die neugotischen Kreuzwegbilder an der Emporenbrüstung sowie einige Figuren (z.B. Muttergottes-17.Jh; Stephanus, Laurentius, Geißelheiland -18.Jh) sind erheblich älter als 100 Jahre. Der Altarbereich wird geprägt durch ein auf den Chorbogen gemaltes Pantokratorfresko von Georg Eibl sowie durch ein großes Kruzifix von Max Faller. Das Kruzifix hängt am Chorbogen über dem Altartisch. Vom Künstler Max Faller aus Augsburg stammen auch der Tabernakel, das Ambo, ein Bronzerelief an der Kirchentür und die Jakobussäule am Eingang. In 2004 kam eine als Schriftrolle gestaltete Säule mit den Werken der Barmherzigkeit von Josef Michael Neustifter dazu. Der Dachauer Künstler Georg Mayerhanser gestaltete eine Bodenplatte mit Paulusworten für den Taufstein aus einer Messing-Legierung und schuf einen goldglänzenden Fisch für den Grablegungschristus.Der Bildhauer Herbert Sepp aus Ludenhausen schnitzte um 1990 mehrere Heiligenfiguren für die Kirche. |
![]() 11 Details (Reliquienschrein, Kanzel, Kreuz, AmboFiguren und Bänke) per Mouseklick vergrößern |
Öffnungszeiten
Außer
zu den Gottesdienstzeiten (ganzjährig Sonntag 9°° und Mittwoch 19°°) ist
die Pfarrkirche Oberroth in der Sommerzeit von Ostern bis Advent auch am Sonntag
Nachmittag von 14°° bis 15°° für interessierte Besucher geöffnet; auf Wunsch
auch mit Kirchenführung.
Der Ort Oberroth wurde erstmals um 883 als "ad hrotam" (an dem sumpfigen Bach) in einer Tauschurkunde des Freisinger Bischofs Waldo (883-906) erwähnt. Der Bischof tauscht mit dem Edlen Adalperht Hof, Ackerland und Obstgarten zu Hrota. Ob damit das heutige Oberroth oder um Niederroth gemeint war, ist nicht geklärt.
Erste Kirche
Von einer Kirche ist erstmals 1190 die Rede. Am 17.August dieses
Jahres schenkte Bischof Otto II. die Kirche in "Rote" mit allen
Rechten der Seelsorge sowie des Zehents dem Dekan und dem Capitel des Collegiatstiftes
zu St.Andreas in Freising gegen einen Jahrtag für den Stifter. Ob es
sich schon um den Kirchenbau gehandelt hat, von dem bis heute noch Mauerreste
vorhanden sind, kann nicht sicher gesagt werden.
![]() Bischof Ellenhard mit Modell der Andreaskirche 1475 |
Das Kollegiatstift St.Andreas in Freising, zu dem die Pfarrei Oberroth mindestens 600 Jahre lang bis zur Säkularisation gehörte, war im Jahr 1062 auf dem Freisinger Domberg westlich der Bischofsresidenz errichtet worden. Dort hatte sich schon im 8.Jh ein Kloster, das Hugibertsmünster befunden, von dem nur die kleine Andreaskirche die Hunneneinfälle überstand. An dieses Gotteshaus knüpfte Bischof Ellenhard bei der Namensgebung des Stiftes an. Das Stift besaß neben der Pfarrei Oberroth viele Güter im deutschen und südosteuropäischen Raum, aus denen die 21 Kanonikern versorgt wurden. Ihre Hauptaufgabe war die Übernahme zahlreicher Dienste in der Domkirche, insbesondere die liturgische Assistenz der vom Bischof gehaltenen Festmessen. Der weiter unten erwähnte Kanonikus Schmidt, der die nach ihm benannte Schmidtsche Matrikel von 1738 verfasst hat, war einer der Kanoniker des Kollegiatstifts St.Andreas. Die Kirche St.Andreas wurde im Zuge der Säkularisation abgebrochen. |
| Die Sunderndorfer'sche Matrikel von 1524, die sich hauptsächlich mit den Kirchenabgaben befasst, nennt erstmals auch die Kirchenpatrone in der Diözese Freising. Die Pfarrkirche in Oberroth war damals allein dem hl.Petrus ("ecclesia s.Petri in Oberrott") geweiht; der hl.Paulus kam offensichtlich erst später dazu. Die Pfarrei war damals dem Pfarrei Leonhard Engelhartzouer übertragen. Die Seelsorge vor Ort versah der Vikar Sigismund Herl. Das Präsentationsrecht besaß das Kollegiatskapitel der Kirche St.Andreas in Freising. Eine Filialkirche wird nicht genannt, sondern nur eine Gabinus-Kapelle in "Ärmertzhouen", die aber nicht konsekriert war. Die Pfarrei hatte damals rd. 100 Com-municantes, d.h. Gläubige, die schon die Kommunion empfangen durften. Oberroth war damit zwar eine kleine Pfarrei, doch größer als die Nachbarpfarreien Schwabhausen (70) und Rumeltshausen (45). Die Einwohner in Oberroth lebten in 6 Ganzhöfen, 3 Huben/Halbhöfen, 2 Lehen/Viertelhöfen und 14 Sölden/Achtelhöfen. Das Pfarrhaus und die dazugehörenden Wirtschaftsgebäude werden als renovierungsbedürftig bezeichnet, vor allem im Dachbereich ("..egent in tectis restauratione"). |
Visitationsbericht von 1560
Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell auf Druck des
bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation, eine umfassende Überprüfung
aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet. Die Visitation wurde durch bischöfliche
und durch herzogliche Bevollmächtigte durchgeführt. Grund war die
durch die Reformation Luthers (1517) entstandene religiöse Unruhe, die
jedenfalls in Teilen des Bistums zur Zerrüttung des geistlichen Lebens
geführt hatte. Durch die Visitation wollte der Bischof einen detaillierten
Einblick in die religiöse Situation der Pfarreien gewinnen. Insbesondere
sollte festgestellt werden, ob die Pfarrer und die Gläubigen noch die katholischen
Lehre vertraten oder der neuen Lehre anhingen. Daneben interessierte die Prüfer
die Lebensführung der Pfarrer sowie Umfang und Qualität ihrer religiösen
Kenntnisse Im Bericht über die "Pfarr St.Petrus in Oberroth"
heißt es, Pfarrer sei seit 7 Jahren Melchior Hirschpeckh. Er wurde
um 1500 in Wollomoos geboren, hat in Ingolstadt studiert und wurde 1524 in Augsburg
zum Priester geweiht. Er kannte sich, wie der Visitator feststellte, in der
katholischen Lehrer gut aus und vertrat in der Verkündung und bei den Ceremonien
die katholische Richtung des Glaubens. Über seine privaten Verhältnisse
notierte der Visitator, dass eines der Kinder von Hirschpeckh selbst wieder
Pfarrer geworden und seit 7 Jahren in Jarzt als Vertreter seines Vater tätig
war. Der Oberrother Pfarrer war nämlich schon seit 11 Jahren der offizielle
Pfarrer von Jarzt und übte in Oberroth die Seelsorge nur als Vertreter
(Vicar) des Kapitels von St.Andreas in Freising aus, dem die Pfarrei Oberroth
offiziell übertragen war. Hirschpeckh wird wohl früher Pfarrer in
Jarzt gewesen sein, denn sein Sohn hatte 1553 in dieser Pfarrei seine Primiz
gefeiert. Die Pfarrei Oberroth hatte 140 Communicantes d.h. erwachsene
Gläubige, alle katholisch und fromm. Die Zahl der Pfarrkinder hatte somit
in den letzten 35 Jahren um 40 (= 40 %) zugenommen. Dies zeigt, dass es den
Leuten in Oberroth Mitte des 16.Jh wirtschaftlich relativ gut ging. Der Pfarrhof
war in gutem baulichen Zustand ("hat ain wolerpauten pfarrhof"). In
der Kirche standen schon drei Altäre ("hat 3 altär, wol getziert").
Doch der bauliche Zustand der Kirche war auch damals schon unbefriedigend:
Mit dem Satz "Khirch, gestuel und kirchmaur seind paufellig. Sonst kain
mangl" endet der Bericht.
Wenn Sie den ganzen Text des Visitationsberichts lesen möchten, klicken
sie hier...
Dreißigjähriger Krieg
Der 30jährige Krieg hat auch in Oberroth stark gewütet. Dies lassen
Eintragungen im Steuerbuch 1671 erkennen, nach denen Neusiedler aus Samerberg
bei Rosenheim verschiedene Brandstätten (abgebrannte Bauernhöfe) übernommen
hatten. Bauernhöfe waren damals ausschließlich aus Holz gebaut. Die
Kirche als Steinbau wird die Zerstörungswut der Soldaten wohl überstanden
haben. Für Sprengungen von Kirchengebäuden war das Schießpulver
zu kostbar. Doch die Tatsache, dass die Matrikelbücher erst wieder seit
1675 geführt wurden, lässt an Plünderung und Brandschatzung denken.
In der Zeit von 1684 bis 1687 wurde die Kirche unter Belassung des gotisch-romanischen Chores und des Turmzwischengeschosses - barockisiert und teilweise neu erbaut. Sie erhielt ein neues Gewölbe und vier neue Altäre. Auch der Turmaufbau mit der Zwiebel als Abschluss ist eine barocke Zutat. Zu den Kosten dieser Baumaßnahme trugen auch die übrigen Pfarreien durch Kredite bei. So ist z.B. in der Bergkirchener Kirchenrechnung eine Zahlung von 17 Gulden zur Reparatur der baufälligen Kirche in Oberroth in den Jahren 1684, 1686 und 1687 enthalten.
| 1699 erfolgte ein Anbau der Sakristei, eines Totenkerkers und der Bau der dem hl. Ignatius geweihten Seitenkapelle an der Nordseite der Kirche. Baumeister war Hans Maurer aus Hirtlbach, der auch an der Kirche in Kleinberghofen (Chorwölbung), in Unterweikertshofen (Umbau zum Zentralgebäude) und in Aufhausen (Kirchenneubau) mitwirkte. Bei diesen Baumaßnahmen in Oberroth kam es zu großen Kostenüberschreitungen, die mit dem Auffinden einer Quelle unter der Ignatiuskapelle zu tun hatte. Wegen der Wirren im Spanischen Erbfolgekrieg (1704-1714) konnte die Kapelle erst 1707 konsekriert werden. Mehr zur Ignatiuskapelle.... |
Im Jahr 1702 berichtete Pfarrvicar Martin Walther (1694-1734) in einer Beschreibung des Pfarrwidums, dass das Mesnerhaus eine leere Sölden (=Sechzehntel-Hof) sei, die der Pfarrei gehöre. Daraus erhalte der Pfarrer jährlich 2 Pfund Wachs. Das Haus stehe neben einem kleinen Obstgarten mit unterschiedlichen Obstbäumen; von deren Ertrag gehe die Hälfte der "Pirn und öpfl" (=Birnen und Äpfel) an den Pfarrer. Der habe dafür die 2 Pfund Wachs an die Kirche abzugeben.
Altarweihen 1707
Der 23. Juli 1707 war ein
großer Feiertag für die Pfarrei Oberroth. An diesem Tag war der Fürstbischof
Johann Franz von Eckher zu Gast. Er weihte die vier in den Jahren 1684 bis 1687
errichten Altäre in der Kirche und in der Ignatiuskapelle und spendete
93 Kindern das Sakrament der Firmung. Dieser kunstsinnige Bischof regierte sein
Bistum von der Reisekutsche aus; er unternahm viele Pastoralreisen selbst in
kleinste Dörfer seines Bistums. Die
Weihe der Altäre am 23.7. in Oberroth war Teil einer intensiven Weihewoche,
die den Bischof innerhalb der 7 Tage vom 19.bis 25.7. in die Kirchen von Altomünster,
Oberzeitlbach, Kleinberghofen, Westerholzhausen, Niederroth, Weyhern, Oberroth,
Armetshofen, Schwabhausen Edenholzhausen und Welshofen führte. Dabei weihte
er die Kirche in Westerholzhausen sowie in den anderen Kirchen 24 Altäre
und spendete fünfmal die Firmung (an 416 Firmlinge). Am Abend des 23.7.,
nach der Altarweihe und der Firmung in Oberroth, weihte Bischof Eckher noch
einen Altar in Armetshofen.
Schmidt'sche Matrikel 1738
In den Jahren 1738 bis 1740 besuchte der Kanonikus
Schmidt aus Freising die Pfarreien der Diözese und erstellte die nach ihm
benannte Schmidt'sche
Matrikel. Über die "Parochia ss. Petri et Pauli
in Oberroth" berichtete er, diese Pfarrei sei im Jahre 1190 vom Freisinger
Bischof Otto II. dem Kapitel von St.Andreas in Freising geschenkt worden. Oberroth
hatte deshalb keinen eigenen Pfarrer, sondern einen Vikar, der von Freising
geschickt worden ist. Im Jahr 1738 hieß der Vikar Johann Adam Daller;
er war seit 1734 im Amt. Das Pfarrhaus und die dazugehörenden Wirtschaftsgebäude
zeigten keine deutlichen Schäden, schreibt Schmidt. Und er merkt an, dass
durch ein neues Dekret vom 31.Okt. 1736 ein dem früheren Vikar Martin Walther
privat gehörendes "entlegenes Güetl" zum Pfarrwidum (Pfarr-Bauernhof)
zugeschlagen wurde. Dafür mussten die künftigen Vikare aber die von
Walter "gestüftete Wochenmeß lesen" und die üblichen
Abgaben für das Gütl zahlen. Die Zahl der Gläubigen hatte sich
seit der letzten Zählung im Jahr 1560 von 140 auf 175 erhöht, und
das trotz der schrecklichen Verluste im 30jährigen Krieg, der die Gegend
um Oberroth großenteils entvölkerte. Damals mussten neue Siedler
aus dem Oberland (Samerberg) gewonnen werden (s.a.Genealogie-Kiening).
Die Pfarrkirche in Oberroth wird als besserer Bau unter den ländlichen
Kirchen bezeichnet. Sie hatte vier Altäre. Der Hochaltar war den Aposteln
Petrus und Paulus geweiht. Die Seitenaltäre hatten den hl.Georg und den
hl.Bernhard von Siena als Patrone, der Altar in der Ignatiuskapelle den hl.Ignatius
von Loyola. Gottesdienste wurden an allen Sonn- und Feiertagen, an Kirchweih
(=Sonntag vor Jakobi -25.Juli) und am Patrozinium (29.Jun) gehalten. Außerdem
die schon erwähnte Wochenmesse aus der Stiftung von Martin Walther aus
dem Jahr 1734. Schmidt erwähnt noch, dass in der Kirche ein Taufstein und
die Heiligen Öle vorhanden seien. Im Friedhof stehe ein Beinhaus, im Turm
hingen zwei geweihte Glocken. Die Einnahmen und Ausgaben verwalteten der Pfarrer
und der Landpfleger von Dachau gemeinsam. Der Bericht schließt mit dem
Satz: "Das Vermögen dises Pfarr-Gottshauses hat in letzter Rechnung1270
fl. (=Gulden), 13 kr.(=Kreuzer) und 1 hl.(=Heller) ausgemacht".
Französischen Revolutionskriege um 1800
Unter dem Pfarrer Lorenz Hilger (1788-1806) wurde Oberroth schwer von den damaligen
Kriegsereignissen betroffen. Davon gab ein noch 1880 vorhandenes Epitaph Zeugnis.
Die Inschrift lautete: "Dem Andenken des pflichttreuen, biederen, edlen
überall werthen Mannes, durch 18 Jahre Seelsorgers von Oberroth Lorenz
Hilger, königlich bayerischer Schulinspectors, der, nachdem er die Schrecknisse
zweyer Kriege (durchwandelte, dem 3ten schauervollen, wüthenden, im 55.Lebensjahre
unterlag; reif war er für einen ewigen Frieden. Er starb den 29. März
1806".
Nachdem es 1806 in der Kirche gebrannt hattt, musste Choraltar, Tabernakel, die Kanzel und das Gewölbe der Kirche restauriert werden. Dies geschah im Jahr 1809 durch den Maler Josef Mangold aus Ichenhausen/Günzburg, der auch neue Kreuzwegstationen lieferte. Mangold hatte 1802 auch die Deckengemälde und die Kreuzwegstationen für die Kirche in Walkertshofen geschaffen. Die Renovierung der Kirche in Oberroth wurde vom Tafernwirt Joh.Nep.Widmann bezahlt.
Pfarrbeschreibungen
im 19.Jh
1817:
In den Pfarrakten ist eine kurze Pfarrbeschreibung
aus dem Jahr 1817 erhalten. Dort heißt es: "Die Pfarrkirche Oberroth
ist mittelmäßig groß und groß genug für Leute von
37 Häusern. Gut gebaut, ausgemalen und mit allen nötigen schönen
Paramenten (=Messgewändern) versehen; nur schade, daß sie
derb (=feucht) ist. Hochaltar Sct.Peter und Paul, in der Mitte aber ein schön
geschnitztes und gut gefaßtes Marienbild. 1. Seitenaltar sct. Bernardin.
2.sct Georg. Die Bilder sind Gemälde. 3ter in einer angebauten Kapelle,
ein geschnittener Christus an der Geislungssäule. (Hinweis von Jakob Mois:
Damals war also das Ignatius-Patrozinium schon verdrängt durch einen "Wies-Heiland;
ein Zeichen für die große Verbreitung der Wieskultur). Kirchweihfest
am Sonntag vor Jakobi (26.7.).
1844:
"Das immer hertere Aussehen ladet zur Andacht und bewirkt bey den Gläubigen
eine religiös-sittliche Gemütlichkeit. Als Baujahr der Kirche sei
an der Front des Chors 1686 vermerkt; 1809 sei sie renoviert worden, was ebenfalls
an der Vordermauer der Kirche geschrieben steht. An der linken Seite der Kirche
ist eine Kapelle angebaut, welche die St.Leonhards-Kapelle genannt wird, auf
deren Altar eine vergoldete Figur, den hl.Leonhard vorrstellend, angebracht
ist.
Beschreibung 1880
Kirche und Pfarrei Oberroth sind auch in der "Statistischen Beschreibung
des Erzbisthums München-Freising" aus der Zeit um 1874-80 enthalten,
die zunächst der Benefiziat Anton Mayer und später Pf. Georg Westermayer
als Buch veröffentlicht haben:
Geographie: "Die Pfarrei hat 204 Seelen in 36 Häusern. Davon
wohnen 193 Gläubige (in 34 Häusern) in der Ortschaft Oberroth selbst,
die Übrigen in Armetshofen 11 (2). Der Umfang der Pfarrei beträgt
2 km. Die Wege sind gut."
Pfarrei: "Präsentationsrecht liegt beim bayr.König. Die
Kirchenrechnung weist bei 2773 Mark Einnahmen und 190 Mark Lasten einen jährlichen
Reinertrag von 2582 Mark aus. Pfarreischulden: 1371 Mark. Das Widum (=der
Pfarrbauernhof) umfasst Grundstücke von 103 Tagwerk Fläche der
Bonität 10. Das Pfarrhaus, erbaut 1785, ist geräumig, nicht sehr passend
und feucht. Ökonomiegebäude, erbaut 1708, im Ganzen gut, Kuh- und
Pferdestallung könnten passender sein.
Beginn der Matrikelbücher 1675.
Kirche: "Theilweise neu erbaut 1686. Renaissancestyl. Hinreichend
geräumig. Baupflicht liegt bei der Kirche. Kuppelthurm mit drei Glocken,
gegossen von Kortler in München. 4 Altäre; Orgel mit 6 Registern.
Außer einem unlesbaren alten Grabstein mit Relief befinden sich hier die
Epitaphien der Pfarrer Sigmund Hepfengraber (+1749) und Lorenz Hilger (+1806).
Cemeterium (=Friedhof) bei der Kirche mit Ossuar (=Beinhaus). Stiftungen:
33 Jahrtage und 21 Jahrmessen. Meßner- und Cantor ist ein Gütler
in Oberroth. Vermögen der Kirche: 12.500 Mark".
Beschreibung 1893
Die Oberrother Kirche ist auch im Verzeichnis der Kunstdenkmale
des Königreiches Bayerns enthalten, die Gustav von Bezold und Dr.Berthold
Riehl im Auftrage des kgl.Staatsministeriums des Innern, für Kirchen- und
Schulangelegenheiten erstellt haben. Im Bericht heißt es:
| Architektur:
"Grundlage romanisch, 1686 umgebaut. An das einschiffige Langhaus
schließt sich eine Apsis an, darüber der Thurm. Das ursprüngliche
flachgedeckte Langhaus wurde 1686 gewölbt, zwei Joche, Kreuzgewölbe.
An der Nordseite eine Kapelle S.Leonhard (!) quadratisch mit abgeschrägten
Ecken. Unbedeutend. Ausstattung: Choraltar von 1686. |
Renovierungen
Obwohl 1738 die Pfarrkirche in Oberroth noch als besserer Bau eingestuft worden
war, wurden schon 1751 größere Reparaturen vor allem in Dachbereich
notwendig. Ihnen folgten vermutlich größere Arbeiten, da 1758 die
Kirche neu geweiht wurde. 1775 mussten Sturmschäden beseitigt
werden; 1806 brannte es in der Kirche, die Renovierung erfolgte 1809,
bezahlt vom Wirt Widmann. 1819 beschädigte ein Blitzschlag Turm
und Kirche schwer. In der weiteren Zeit wurden im Abstand von nur 10 bis 20
Jahren erneute Reparaturen notwendig.
1885 wurde die Kirche teilweise in neuromanischem Stil ausgestattet.
Der Kostenvoranschlag des Künstlers J.Elsner betrug für den neuen
Choraltar und den Tabernakel: 2140 Mark, für die (heute noch bestehende)
Kanzel: 1370 Mark.
1952 wurde die Kirche um eine Achse verlängert; dabei wurden der
Eingang verlegt und die Empore eingebaut.
Auch
1964 und 1980 fanden Renovierungen der schon seit jeher reparaturanfälligen
Kirche statt. Das Ergebnis war -wie schon in den Jahrhunderten vorher- mäßig.
Denn nicht einmal 20 Jahre später war die Kirche schon wieder eingerüstet.
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Bittgänge
Die Oberrother wallfahrteten alljährlich u.a. auch nach München zum
hl.Benno, der in der Frauenkirche verehrt wurde. Das wissen wir, weil den Fahnenträgern
und Sängern ein Zehrgeld (in Höhe von 30 Kreuzern bis 2 Gulden) gegeben
und die Ausgaben in der Kirchenrechnung verbucht wurden. Die Verehrung des hl.Benno
in Bayern entstand erst im 16.Jh im Zusammenhang mit der Reformation. St.Benno,
der von 1066 bis 1106 in Meißen als Bischof gewirkt hatte, wurde am 16.Juni
1524 zur Ehre der Altäre gehoben. Luther verurteilte diese Heiligsprechung
in seiner Schrift "Wider den neuen Abgott und alten Teufel, der zu Meißen
soll erhoben werden" aufs Schäfste. Als Sachsen 1539 protestantisch
wurde, hat man das Grabmal Bennos geöffnet und seine angeblichen Gebeine
in die Elbe geworfen. Allerdings behauptete der letzte Bischof von Meißen,
der später übrigens selbst die evangelischen Konfession annahm, schon
vorher die Gebeine aus dem Sarg entfernt und die Sekundärreliquien, das
Messgewand, Mitra und Bischofsstab in Sicherheit gebracht. Sie wurden 1576 (wohl
gegen einen ansehnlichen Betrag) zusammen mit einem Wunder-Verzeichnis dem bayerischen
Herzog Albrecht V. überlassen. 1580 hat man die Gebeine in der Münchner
Liebfrauenkirche beigesetzt, wo sie nun das Ziel vieler Wallfahrer aus dem bayerischen
Land waren. Maßgeblich dafür waren sicher seine Patronate für München
und Altbaiern sowie seine Funktion als Wetterheiliger.
Ehemalige Filialkirche
in Armetshofen
Die Pfarrei Oberroth hatte 1738 noch eine Filialkirche in Armetshofen ("habet
unam filialem ecclesiam in Armetshoffen"). Diese heute nicht mehr bestehende
Kirche (keine Hofkapelle) war schon um das Jahr 770 erstmals genannt worden,
als "ecclesia quae dicitur Irminharti villa". Zum Patronhatte sie
den hl.Gabinus und zuletzt (noch) den hl.Sebastian. Im Visitationsbericht von
1560 ist zu lesen, dass in Armetshofen eine noch nicht geweihte Kapelle stehe
("Zu Emertzhofen ist ain capellen, so noch nit geweicht"). Sie war
wohl kurz vorher erhaut worden. Die Kirche war wohl sehr klein, hatte weder
Friedhof noch Sakristei und besaß auch keine Messgewänder. Gottesdienste
wurden nur an Kirchweih (Sonntag nach Jakobi - 25.Juli) und am Fest des hl.Sebastian
(20.Jan) gefeiert.Auch die Kirchenrechnungen dieser Filialkirche führten
der Pfarrer und der Landpfleger von Dachau. Das Vermögen im Jahr 1738 war
außerordentlich gering: es betrug nur 1 fl. (=Gulden), 21 kr.(=Kreuzer)
und 1 hl.(=Heller). Das niedrigste Vermögen aller Kirchen im Gebiet
des heutigen Landkreises Dachau.
"In den Stürmen der Säcularisation (1803) trafes das Schicksal
der Zerstörung"schrieben Mayer/Westermayer im Jahr 1880.
Mehr über die
ehemalige Filialkirche erfahren Sie hier...
Berichte
aus dem Pfarrleben
Die Dachauer Zeitungen haben in den letzten 120 Jahren immer wieder aus
dem Pfarrleben berichtet. Diese Berichte befassen sich nicht unmittelbar mit
den Kirchengebäuden, vermitteln aber einen ergänzenden Eindruck aus
der damaligen Zeit. Aus Oberroth ist ein Bericht über einen sehr gefährlichen
Kirchgang aus dem Jahr 1891 erhalten. Wenn Sie daran interessiert sind, klicken
Sie hier...
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Es handelt sich um eine Chorturmkirche,
d.h., der Altarraum ist im Untergeschoss des Turmes untergebracht. Allerdings
ist Oberroth nicht eine typische Chorturmkirche: der Turm ist auf dem
viel älteren Chorraum errichtet; der Chor
ist doppelgeschossig und schließt zudem noch halbrund. Dieser Raum
ist der älteste und architektonisch wertvollste Teil der Kirche. Im Obergeschoss
besitzt sie zwei winzige Rundbogenfensterchen aus der Erbauungszeit vor
900 Jahren. Solche Anlagen sind selten.
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| Hinter den schmalen hohen Schallöffnungen
hängen vier Glocken, die 2001 geweiht wurden.
Bericht über die Glockenweihe.... Sie ersetzten die 1922/24 bei der Fa. Ulrich in Apolda gegossenen Stahlgussglocken, die rostig geworden waren. |
In der Sakristei hängen noch die Seile für die vier Glocken im Turm. Sie sind nicht nur eine Dekoration. Trotz des elektrischen Läutwerks, das das regelmäßige Läuten übernimmt, kann die kleinste Glocke auch noch mit dem Seil geläutet werden. |
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Hinweis: Woher die so typisch bayerisch-barock anmutende Zwiebelform kommt, ist erstaunlicherweise nicht geklärt. Einige der Experten vermuten, dass sie eine Nachahmung und Weiterentwicklung der im 7.Jh errichteten Moschee auf dem Tempelberg in Jerusalem (Felsendom) und somit arabischen Ursprungs ist. Damals glaubten europäische Baumeister, die Kuppel stamme noch vom Tempel Salomons und verbanden mit ihr die Vision vom himmlischen Jerusalem. Andere Kunstexperten sehen in der Zwiebel eine Weiterentwicklung der byzantinischen Kuppel, die auch in Russland großen Anklang fand. Fest steht jedoch, dass die ältesten zwiebelförmigen Kuppeln in Bayern die der Münchner Frauentürme sind (1525). Weite Verbreitung fand die Zwiebel als Bauform aber erst im Italien der Renaissance und bei uns in der Barockzeit nach dem 30jährigen Krieg. Ihre Form -unten bauchig, oben spitz- passte wunderbar zur Kunstauffassung und zum Lebensstil des Barocks und galt "als Synthese aus der Bewegung ins Übersinnliche und dem Verharren in den Wölbungen des Sinnlichen". |
| An der Kirchentreppe an der Südseite steht seit 1999 die Jakobussäule , die an den Kirchweihtag der ursprünglichen Kirche, den Jakobustag eines unbekannten Jahres vor rd. 1000 Jahren erinnert. Die von Max Faller gestaltete Säule ist einem römischen Meilenstein nachempfunden. Auf dem Bronzerelief sind Pilgerszenen dargestellt. Das Kreuz auf der Säule wurde von Mitgliedern des "Lebendigen Rosenkranzes" gestiftet. | Faller hat die Jakobussäule der Wallfahrt und dem Pilgerdasein der Menschen auf Erden zudacht. Der Jakobusweg nach Santiago de Compostela, der sich bei Pilgern aus aller Welt wieder großen Zuspruchs erfreut, habe Faller zusätzlich inspiriert, teilte Pfarrer Kellermann mit. ...mehr über Max Faller.. |
| Hinweis: Jakobus der Ältere war der Sohn des Fischers Zebedäus und der ältere Bruder des Jüngers Johannes. Er zählte neben seinem Bruder und Petrus zu den drei bevorzugten Jüngern, die bei der Verklärung Jesu und in seiner Todesangst im Garten Gethsemane zugegen waren. Der Überlieferung nach verkündete er nach Pfingsten in der Gegend um Samaria und Jerusalem das Evangelium, bis er durch König Herodes Agrippa I. von Judäa im Jahr 43 geköpft wurde; Jakobus war somit der erste Märtyrer unter der Aposteln (Ap 12, 1 - 2). Der Legende nach setzten Anhänger seine Leiche in ein Boot, das im Meer herumtrieb und in Galizien, im Nordwesten Spaniens strandete. Dort wurde er begraben. 800 Jahre später, zur beginnenden Reconquista (Rückeroberung des maurischen Spaniens durch die Christen) entdeckte König Alonso II das Grab wieder und baute eine Kirche darüber. Bald begann die Wallfahrt undSantiago de Compostela wurde eines der größtenWallfahrtszentren des Abendlandes. Durch ganz Europa führten feste Wallfahrtswege dorthin; bis ins 15. Jahrhundert zog der Ort mehr Pilger an als Rom oder Jerusalem. St.Jakob erhielt seine Attribute (Pilgerkleidung und Muschel) erst im 13.Jh. Die Pilger erhielten am Ziel damals einen Hut, der mit einer Muschel geziert war. Zuvor war Jakobus meist mit einer Schriftrolle abgebildet. |
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Innenausstattung
Der schmale, halbrunde Altarraum ist der älteste und architektonisch wertvollste Teil der Kirche.
Die Decke ist nicht bemalt. Das war aber nicht immer so. Aus dem Jahr 1808/09 sind Rechnungen für die Ausmalung der Kirche vorhanden
| Der Altarbereich wird geprägt durch ein großes Kruzifix von Max Faller, das an der Decke über dem Altar befestigt ist und frei über dem Altartisch hängt. Das Kreuz hat einen Holzkern, der mit Metall überzogen ist. An den Schmalseiten sind Getreideähren und Weinreben geformt. | Am Chorbogen ist ein Pantokratorfresko aufgemalt. Das in traditioneller Freskotechnik erstellt Gemälde stammt von Georg Eibl aus Rott am Inn (1988). Es stellt in Anlehnung an die byzantinische Tradition Christus als den Weltenherrscher dar (siehe auch Petersberg-Basilika). |
| Vor der Neugestaltung des Altarraums
in den 1980er Jahren befanden sich an den beiden Seiten des Chorbogens große,
der Rundung des Chorbogens angepasste Gemälde.
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Sie zeigten Szenen aus dem Lebem der Kirchenpatrone
Petrus und Paulus. |
| 1982 wurden im Hochaltar
durch den Weihbischof Graf Soden-Frauenhofen Reliquien der Heiligen Ulrich
von Augsburg und Konrad von Parzham zusammen mit Steinen aus dem Hl.Grab
in Jerusalem symbolisch "beigesetzt", dh., eingemauert. Bei der
Einweihungsfeier nach der Restaurierung von 2003 am 27.Juli 2003
kamen die Reliquien der Münchner Seligen Pater Rupert Mayer und Pater
Kaspar Stangassinger hinzu. Wenn Sie Bilder von diesen Feierlichkeiten sehen möchten, klicken Sie hier... |
| Die Reliquien selbst befinden sich aber nicht nur -wie sonst üblich- im Altarstein, sondern auch in einem mit Edelsteinen verzierten Reliquienbehälter an der Stirnseite des Altars. Die Steine vom Hl.Grab in Jerusalem stammen aus einem Bohrkern, der bei Sicherungsarbeiten für die Grabeskirche zu Beginn des 20.Jh entstand. | Aus der Märtyrerverehrung erwuchs bereits im 4. Jahrhundert die Verbindung von Altar und Grab. Man begann damals an den Gräbern der Heiligen die Messe zu feiern, um sich ihrer Fürbitte zu versichern. Schließlich wurden die Gebeine der Heiligen oder einzelne Reliquien in die Kirche übertragen. Jeder Altar, auf dem die Eucharistie gefeiert wird, muss mit einer |
| oder mit mehreren Reliquien versehen sein. Bei der Altarweihe werden die Reliquien, in ein Stückchen Stoff gehüllt und verschnürt, in einem besonderen Gefach, dem Sepulcrum (lat. = Grab), feierlich verschlossen. |
| In
einer Wandnische neben dem Altar steht das Gefäß
für die Aufbewahrung des Chrisam-Öls, das bei der Tauffeier Verwendung
findet. In einer Scheibe auf dem Gefäß ist eine Taube zu sehen. Auf der Gefäßummantelung ist der thronende Christus abgebildet, ähnlich wie im Fresko über dem Altar. Reliefierte Weinreben umgeben das Christusbild. |
Der Tabernakel von Max Faller steht auf einer Steinsäule rechts neben dem Altar. Er ist mit vier Reliefs geschmückt, die die Verkündigung des Erzengels Gabriel, die Geburt Christi, die Anbetung der Hl.Dreikönige und Christus in der Mandorla darstellen.
| Hinweis: Tabernakel ist das lateinische Wort für Zelt. Die seit dem 12. Jh übliche Bezeichnung führt zurück zur Bundeslade der Israeliten zur Zeit Mose, die ebenfalls in einem Zelt untergebracht war. Der Tabernakel dient bereits seit frühchristlicher Zeit (unter anderem Namen) zur Aufbewahrung verwandelter Hostien für die Sterbenden. Seit dem hohen Mittelalter wurde er auch Ort der Anbetung und Verehrung Christi in der Gestalt dieses eucharistischen Brotes. Der Ort und die Form der Aufbewahrung änderten sich im Laufe der Jahrhunderte häufig. Das Tridentinische |
| Konzil (1545 - 63) ordnete die Aufstellung des Tabernakels auf dem Altar an. Doch diese Vorschrift wurde in Deutschland, wo man lange daran festhielt, die heiligen Hostien in Wandschränken und Sakramentshäuschen aufzubewahren, erst im 18. Jh. umgesetzt. Das 2. Vatikanische Konzil (1962 - 65) lässt dies wieder zu. Deshalb werden in modernen oder modernisierten Kirchen Tabernakel häufig in die Wand eingelassen oder stehen frei auf einer Säule, wie hier in Oberroth. |
Das Ambo (Lesepult) an der linken Seite des Chorbogens zeigt die Berufung des Propheten Ezechiel. Das Bronzekunstwerk schuf ebenfalls Max Faller.Die Berufung des Propheten Ezechiel wird im Buch Hesekiel,Kap.2-3 wie folgt geschildert:
| Der Eingang zur Sakristei liegt im Bereich der Seitenkapelle. Vor diesem Eingang ist die moderne Chorglocke aus Bronze angebracht. Auch sie dürfte von Max Faller stammen. |
Die Chorglocken oder Sakristeiglocken, werden geläutet, wenn Priester und Ministranten die Sakristei verlassen und den Chor betreten. |
Das Langhaus ist mit einem flachen barocken Kreuzgratgewölbe
überzogen, das auf einfachen Wandkonsolen ruht.
Die Kirche hat heute keine Seitenaltäre mehr. In Baubeschreibungen
von 1739 und 1817 sind Altäre zu Ehren des hl. Bernhardin von Siena und
des hl. Georg erwähnt.
| An der Stelle des früheren
linken Seitenaltars ist eine sitzende Muttergottesstatue
angebracht, die wohl noch aus dem 17.Jh stammt. Sie wurde 1976 von Otto
Wimmer renoviert. Maria und ihr Sohn Jesus sind bekrönt. Maria hält
in ihrer rechten Hand ein Szepter. Ihr linker Fuß ruht auf einer Mondsichel.
Diese Mondsichel erinnert an die apokalyptische Frau, die Johannes in seiner Vision gesehen hatte: vom Strahlenkranz der Sonne umgeben, über ihrem Haupte zwölf Sterne und zu ihren Füßen der Mond (Offb 12, 1). |
| Die neuromanische/neubarocke
Kanzel wurde 1894/95 von
Joseph Elsner errichtet. Sie kostete 1370 Mark. In den Aufzeichnungen von
Jakob Mois findet sich der Vermerk: "für solches Glump viel zu
teuer". Der Kanzelkorb ist durch korinthische Säulenchen in Nischen getrennt. Darin sind auf goldenem Hintergrund Ölgemälde von Jesus und den vier Evangelisten mit ihren Attributen zu sehen. Matthäus mit einem Menschen, Markus mit dem Löwen, Lukasmit dem Stier und Johannes mit dem Adler. Gold ist die Farbe der Sonne, des Himmels und des göttlichen Lichts. Wird -wie hier- der Hintergrund eines Gemäldes in Gold gestaltet, soll damit eine himmlische Szene dargestellt werden.
|
Hinweis:
Die vier Symbole Mensch, Löwe, Stier und Adler reichen zurück
bis in den babylonischen Mythos. Dort stellten sie die vier Astralgötter
Nergal (Flügellöwe), Marduk (Flügelstier), Nabu (Mensch)
und Mimurta (Adler) dar, die vor den Heiligtümern Wache hielten. Im
Alten Testament werden sie in den
Gottesvisionen Ezechiels (Ez 1,1-14), im Neuen Testament in der Offenbarung
des Johannes (Kap.4 Vers 7) als die vier Lebewesen, die rings um Gottes
Thron stehen, erwähnt. Zuerst hat man sie nur im Zusammenhang mit dem
thronenden Christus abgebildet. Als Evangelistensymbole dienen sie erst
seit dem frühen Mittelalter (durch die Kirchenväter Irenäus
und Hippolyt um das Jahr 200). Seit Hieronymus (347-420) werden sie wie
folgt gedeutet:
Die Predigt wurde in altchristlicher Zeit -ähnlich wie heute- von einem Ambo aus gehalten. Ab dem 13. Jh. hat man Kanzeln gebaut, die zumeist seitlich im Mittelschiff ihren Platz haben, dort, wo die Gemeinde versammelt ist. Von hier aus konnten die Prediger auch von oben herab sprechen, was ihren Worten größere Wirkung verleihen sollte. Spätestens seit dem 2.Vatikanischen Konzil 1962 werden sie nicht mehr benutzt. |
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Neben der Kanzel liegt-
durch einen Rundbogen mit dem Kirchenschiff verbunden- der Eingang zur
der 1699 angebauten Seitenkapelle (Ignatiuskapelle).
Mehr zur Seitenkapelle.... |
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| Gegenüber der Kanzel hängt ein Kruzifix, das sog. Kanzelkreuz, dessen Korpus sich früher an einem Vortragekreuz befand. Es stammt aus dem 20.Jh. | |
Unter dem Kreuz steht zwischen den Apostelleuchtern eine erst kürzlich geschnitzte schmerzhafte Muttergottes (Mater dolorosa). Hinter dem Kopf ein Strahlenkranz; in der Brust steckt ein Schwert. |
| Das Kreuz heißt
Kanzelkreuz, weil es in der Regel der Kanzel gegenüber an der
Wand angebracht ist. Es erinnert den Prediger an den 1.Korintherbrief (1,3),
in dem der hl.Paulus schreibt: "Wir predigen Christus als den Gekreuzigten".
Die Ansprache soll nicht weltliche Dinge, sondern den Tod und die Auferstehung
Christi zum Inhalt haben. In
den frühchristlichen Kirchen wurde das Kreuz ohne den Corpus
des Gekreuzigten angebracht. Dann aber wurde Christus am Kreuz als lebender
und über den Tod triumphierender, göttlicher Sieger mit geöffneten Augen
und in aufrechter Haltung dargestellt. Erst im hohen Mittelalter (etwa seit
dem 12. Jh) setzte sich die Abbildung des leidenden und toten Gekreuzigten,
die Betonung des Menschseins Jesu durch, wie wir es von unseren Kirchen
kennen. Das Schwert in Marias Brust erinnert das Simeonwort im Lukasevangelium (Kap 2,35) bei der Darstellung im Tempel: " Dir selbst wird ein Schwert durch die Seele dringen". |
Heiligenfiguren
im Kirchenschiff
- rechts vom Altar die Figur
einesvor 25 Jahren restaurierten Geißelheilands
mit dreiteiligem Nimbus in Inkarnatfassung. (inkarnat=fleischfarben). Sie
wurde in der 2.Hälfte des 18.Jh geschnitzt und war früher Hauptfigur
in der Seitenkapelle. Der Sockel ist neueren Datums und besteht aus Brannenburger
Tuffstein.
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- St.Christophorus,der legendäre Riese, mit kräftigem Stock in der Hand, blickt
hinauf zum segnenden Jesuskind, das er auf seiner Schulter trägt.Diese Figur wurde -wie auch die im Folgenden beschriebenen Figuren der Kirchenpatrone-
von Bildhauer Herbert Sepp aus Ludenhausen geschnitzt und von Ludwig
Strehle aus Weilheim um 1990 gefasst.
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| - an den Säulen der Empore, die Figuren der Kirchenpatrone St.Petrus (mit Buch und den Himmelsschlüsseln). Der Heilige ist -wie in den meisten Petrusabbildungen seit dem 4.Jahrhundert - mit rundem Kopf, grauem, krausen Haarkranz um den Haarbüschel auf der Stirn und mit Bart dargestellt. |
St.Paulus hält ein Buch unter dem rechten Arm und einem Schwert
in der Linken). Das Buch kennzeichnet die Heiligen als Verkünder des Evangeliums. |
| Hinweis: Petrus (Simon)
wurde gemeinsam mit seinem Bruder Andreas von Jesus in seine Jüngergruppe
berufen. Er wird in den Evangelien häufig genannt. Nach seinem Bekenntnis
von Cäsarea kündigte ihm Jesus an, er werde ihm "die Schlüssel des
Reichs der Himmel" übergeben. (Matth 16, 16-19). Dieser
sog.Himmelsschlüssel, den der Künstler der Petrus-Darstellung
in die Hand drückte, haben den Heiligen im Brauchtum zum Himmelspförtner gemacht. In der christlichen Symbolik repräsentieren die Schlüssel aber die Vollmacht auf Erden und im Himmel zu lösen und zu binden. Diese Vollmacht wurde in
weiterer Folge auf den Kreis der Jünger und den Klerus übertragen. Paulus hieß eigentlich Saulus. Er war von Beruf Zeltteppichweber und jüdischer Theologe im Laienstand. Zunächst verfolgte er mit großem Eifer die junge Kirche bis er vor Damaskus bekehrt wurde. Nach eher unwahrscheinlichen Legenden starb Paulus im Jahr 67 als Märtyrer unter Kaiser Nero durch das Schwert. Wahrscheinlich ist er eines natürlichen Todes gestorben. |
| In einer mit Goldbrokatmuster versehenen Nische in der Nordwand stehen Figuren der beiden frühchristlichen Diakone Laurentius mit seinem Marterwerkzeug, dem Rost, und Stephanus mit der Bibel als Zeichen für den Verkünder des Evangeliums. Beide halten einen Palmzweig in den Händen als Hinweis auf ihr Martyrium. Beide Diakone tragen die als Dalmatik bezeichneten Gewänder, die ihnen bei der Diakonweihe verliehen wurden. Sie haben im Gegensatz zu den Priestergewändern kurze Ärmel. Die Figuren stammen aus dem 18.Jh. |
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Laurentius
war um das Jahr 250 einer der sieben Diakone in der Stadt Rom. Er sollte
im Auftrag des Papstes den Kirchenschatz unter den Leidenden und Armen
austeilen. Kaiser Valerian erhob Anspruch auf diese Schätze;als Laurentius
sie nicht an ihn herausgab, ließ er ihn mit Bleiklötzen schlagen, zwischen
glühende Platten legen und befahl schließlich, den Unerschütterlichen
über stetig unterhaltenem Feuer auf einem Rost langsam zu Tode zu martern.
Deshalb wird Laurentius mit dem Rost abgebildet. |
Die 1894 erworben Kreuzwegbilder sind an der Emporenbrüstung angebracht. Es sind 60 x 46 cm große Ölbilder auf Leinwand in neuen Holzrahmen. Die ersten Kreuzwegbilder in Oberroth wurden 1734 angebracht, 3 Jahre, nachdem die Kreuzwegandachten im Inneren der Kirchen eingeführt und mit großzügigen Ablässen ausgestattet wurden. Bis dahin hatte es Kreuzwege nur im Freien gegeben. 1807 wurden neue, gut vergoldete Kreuzwegstationen vom Maler Josef Mangold (aus Ichenhausen im Landkreis Günzburg) angeschafft, gestiftet vom Tafernwirt Joh.Nepomuk Widmann.
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Hinweis: Seinen Ursprung hat der Kreuzweg
übrigens im Brauch der Pilger, bei Wallfahrten nach Jerusalem den
Leidensweg Jesu nachzugehen. |
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....mehr über Kirchenbänke... |
| Das insgesamt über einen
Meter hohe Taufbecken aus Rotmarmor
an der Rückseite der Kirche (aus der Zeit um 1730) hat die Form eines
ovalen Kelches. Es steht auf einer vom Dachauer Künstler Georg Mayerhanser
besonders gestalteten Bodenplatte aus Messing-Legierung, in die folgende
Paulusworte eingraviert sind:"Alle, die ihr auf Christus getauft seid,
habt Christus angezogen. Es gibt nicht mehr Sklaven und Freie, nicht Mann
und Frau: Denn ihr alle seid einer in Christus Jesus. (Gal 3,28)" und
"Ihr seid der Tempel Gottes und der Heilige Geist wohnt in euch (1 Kor 3,16)" |
An den Bänken ist zwei
Vortragekreuze, ein vergoldetesauf rotweißem Stab und ein rotes mit Goldrand, befestigt.
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Die Empore wurde mit dem Kirchenschiff
um 1686 errichtet. Aber schon im Jahr 1730 musste man sie lt. Kirchenrechnung
durch Anbringen einer Stützsäule sichern, weil die auf der Empore
stehenden Kirchenbänke für die Sänger, Buben und fremden Leute
nicht ohne Gefahr betreten werden konnten (Originaltext: "Sicherung
der Porkhürchen, auf welcher die darauf Verhandtne Stiell vor die Kürchen
Singer und Bueben, dan andere frembde zu dem m heil.Gottsdienst ankhommente
Leuth ohne zubefahren habenten grossen Schaden nicht mehr betreten").
Schon 1814 wird berichtet, dass die Orgel in Oberroth über vier
Register verfüge, zwanzig Jahre vorher gekauft und im Jahr 1811 repariert
worden sei. Die heutige Orgel
mit dem fünffach gegliederten Prospekt stammt aus dem Jahr 1982. Ihre einmanualige
Vorgängerin mit sechs Registern war 1872 von berühmten Münchner
Orgelbauer Max März (1814-1878) aufgestellt und 1960 von den Gebrüdern
Sandtner auf zwei Manuale mit neun Registern erweitert worden. Die Gebrüder
Sandtner haben auch die Orgeln in den Kirchen von Günding, Unterbachern,
Eschenried neu gebaut oder restauriert. 1982 wurde die Orgel in Oberroth durch
Wilhelm Stöberl aus München nochmals erweitert und besitzt nun bei
zwei Manualen 12 Register. System: mechanische Schleiflade bei freistehendem
Spieltisch
|
| Neben der südlichen Eingangstüre sind vier mit Reliefs verzierte Steine eingemauert. Es handelt sich hier um Schmuck-steine, mit denen die Pforten der vier römischen Hauptkirchen während der Zeit zwischen den Heiligen Jahren zugemauert worden waren. Die Steine stammen aus den Kirchen (von links:) San Maria Maggiore, Lateranbasilika, dem Petersdom und St.Paul vor den Mauern. Sie wurden beim Öffnen der Portale in den Jahren 1975 (Maria Maggiore) und 2000 herausgebrochen. Nach Oberroth kamen sie über den Künstler Max Faller, der damals für den Vatikan künstlerisch tätig war. Seit dem Heiligen Jahr 2000 werden die Pforten nicht mehr zugemauert. |
| An
einer Säule neben dem Südeingang hängt der modern gestaltete
Weihwasserkessel. Ein Engel (von Siloah ?) gießt Wasser aus einer Schale. |
In Katholischen Kirchen sind in der Nähe der Eingangstüren Weihwasserbecken angebracht, aus Stein oder Metall. Das Wasser das sie enthalten ist nicht geweiht, sondern gesegnet. Mit ihm zeichnet der Eintretende ein Kreuz über sich, um sich selbst an seine Taufe, an sein "Eingetaucht-Werden in den Geist Gottes”, zu erinnern. |
An der Nordseite steht der Beichtstuhl. Er ist -wie so viele Details der Kirche- im Stil der Zeit gefertigt. Durch die weiße Farbe hebt er sich fast nicht von der Wand ab. Der frühere dreiteilige Beichtstuhl stammte aus dem Jahr 1952. |
| Hinweis: Über Jahrhunderte hinweg wurde das Bekenntnis der Sünden offen im Kirchenraum beim Sitz (Kathedra) des Bischofs, später bei dem des Priesters im Altarraum abgelegt. Dieser besonders hervorgehobene Sitz des Beichtvaters war die Ausgangsform des Beichtstuhls. Durch die irisch-schottischen Mönchen wurde die Beichte im 10.Jh privatisiert, d.h., nicht mehr öffentlich abgelegt. Dazu bedurfte es nicht nur einer größeren Zahl von Priestern, sondern auch neuer Einrichtungsgegenstände. Der heutige Beichtstuhl entwickelte sich allerdings erst ab dem 16.Jh. zu einem feststehenden, meist dreiteiligen, mehr oder weniger geschlossenen Beichtgehäuse mit dem Mittelteil für den Priester (in dem der Priester sitzt - deshalb Beichtstuhl) und mit der Trennung von Priester und Beichtenden durch eine Zwischenwand mit Sprechgitter. Die Beichtenden knien abwechselnd in den Seitenteilen. Damit wurden bessere Bedingungen für einen anonymen Vollzug der Beichte geschaffen. In neuerer Zeit bieten sogenannte Beichtzimmer mit ihrer persönlichen Atmosphäre eine räumliche Alternative für Beicht- und Glaubensgespräche. Die Beichte geht auf das Bibelwort "Er hauchte sie an und sprach zu ihnen: Wem Ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem Ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert" (Joh 20,22) zurück. |
| Von Karfreitag bis Ostern 2003 und 2004 war vor dem Altar ein besonderes Kunstwerk aufgebaut: als Symbol für die Grablegung Christi wurde am Karfreitag eine Tragbahre mit einem darauf liegenden 103 cm großen "Grablegungs-Christus" aus dem 18.Jh aufgestellt. In diese Bahre ist eines der letzten sieben Worte Jesu am Kreuz ("In Deine Hände lege ich meinen Geist") eingeschlagen. In der Osternacht wurde auf die Totenbahre |
| Der Fisch soll -historisch nicht belegt - eine Art Geheimzeichen in der frühen Kirche gewesen sein. Denn das griechische Wort für Fisch ist ein so genanntes Akrostichon, das heißt, ein Wort, das aus Anfangsbuchstaben anderer Wörter zusammengesetzt ist. Griechisch heißt Fisch Ichthys. Das sind die Anfangsbuchstaben von „Jesus Christus, Gottes Sohn, Erlöser"=Iesus Christos Theou Yios Soter". Sicher ist, dass der Fisch noch vor dem Kreuz das Symbol für die Christen war. | ![]() |
Früher stand auch in Oberroth ein Heiliges Grab im herkömmlichen Sinn. Dies wissen wir, weil für das Auf- und Abbauen des Hl.Grabes eine kleine Entschädigung gezahlt und in der Kirchenrechnung verbucht wurde (so z.B. 1730: 45 Kreuzer).
Weitere Kirchengeräte
In den Pfarrakten befindet sich eine Inventarliste aus dem Jahr 1720:
Dort
wird u.a. eine "silberne vergolte Monstranzen" erwähnt,
die als ein Marienbildnis gestaltet war und die das Allerheiligste im Herzen
hielt.
Außerdem gab es 3 Fastenbilder, auf denen "Unsers Herrn Crönung,
die Gaislung und die Creuzziehung gemahlen" war.
Den
Pfarrakten und den Freisinger Matrikeln sind folgende Angaben über den
früheren Pfarrhof zu entnehmen:
1524: In der Sunderndorfer'schen Matrikel von 1524 werden das
Pfarrhaus und die dazugehörenden Wirtschaftsgebäude als renovierungsbedürftig
bezeichnet, vor allem im Dachbereich ("..egent in tectis restauratione").
1560: Im Visitationsbericht von 1560 heißt es, dass vom Grund der
Pfarrei wurde nichts verkauft, sondern im Gegenteil, eine Wiese wurde für
30 Gulden hinzugekauft worden ist. Der Pfarrhof ist in gutem baulichen Zustand
["hat ain wolerpauten pfarrhof"]. Er war also seit 1524 renoviert
worden.
1645:
Wiederaufbauung des in die Aschen gelegten Pfarrhof und Stadls.
1738: Nach der Schmidt'schen Matrikel
zeigten das Pfarrhaus und die dazugehörenden Wirtschaftsgebäude keine
deutlichen Schäden. Und Schmidt merkt an, dass durch ein neues Dekret vom
31.Okt. 1736 ein dem früheren Vikar Martin Walther privat gehörendes
"entlegenes Güetl" zum Pfarrwidum (Pfarr-Bauernhof) zugeschlagen
wurde. Dafür mussten die künftigen Vikare aber die von Walter "gestüftete
Wochenmeß lesen" und die üblichen Abgaben für das Gütl
zahlen.
1708:
Getreidestadel und Kuhstall neu erbaut.
Zum Pfarrwidum gehörten
1760 rd. 67 Tagwerk Acker, 20 Tagwerk Wiesen und 16 Tagwerk Wald.
1785: mglw. 1789 - Pfarrhof neu erbaut
1832: durch eine Feuersbrunst die Ökonomiegebäude bei großem
Dorfbrand zerstört, bis 1833 neu aufgebaut.
1880: Mayer/Westermayer schreiben:
"Das Widum (=der Pfarrbauernhof) umfasst Grundstücke von 103
Tagwerk Fläche der Bonität 10. Das Pfarrhaus, erbaut 1785, ist geräumig,
nicht sehr passend und feucht. Ökonomiegebäude, erbaut 1708, im Ganzen
gut, Kuh- und Pferdestallung könnten passender sein".
1956: Pfarrhof wird vom Wirt gekauft und abgebrochen.
Frühere Feldkapelle St.Peter
Im 18.Jh. gab es in Oberroth eine Feldkapelle St.Peter, deren genauer Standort aber nicht bekannt ist.Von der Existenz dieser Kapelle zeugt ein Visitationsbericht von 1705, der sich in den Pfarrakten erhalten hat. Dort steht: " In via publica Capellula campestris sancto Petro dicata habet Gazophylacium, quae illic cadunt referuntur in ratiocinia Ecclesia parochialis" (Diözesanarchiv, B 622, 1494).
Öffnungszeiten
Außer
zu den Gottesdienstzeiten (ganzjährig Sonntag 9°° und Mittwoch 19°°) ist
die Pfarrkirche Oberroth in der Sommerzeit von Ostern bis Advent auch am Sonntag
Nachmittag von 14°° bis 15°° für interessierte Besucher geöffnet; auf Wunsch
auch mit Kirchenführung.
Hans Schertl
Quellen:
Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising,
1880
Amperbote
vom 12.09.1891 u.
04.01.1935
Bezold/Riel, Kunstdenkmale des Königreichs Bayern, 1893
Inkorporationsurkunde OAM B.802, 64 f (1190)
Theodor Bitterauf, Die Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (Nr. 963)
Dachauer
Nachrichten vom 01.07.1920, 19.10.99,
22.4.2003, 30.7.2003, 3.6. u.11.6.2004
Jakob Mois,Geschichtliche Notizen über Kirchen im Landkreis Dachau, ca.1950,
unveröffentlicht (1817,1844,Pfarrhaus, Feldkp)
Kirschbaum, Lexikon der Christlichen Ikonographie, 1968
Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
Dr.Georg Brenninger, Orgeln und Orgelbauer im Landkreis Dachau, Amperland 1976/1
Dr. Georg Brenninger, Orgeln in Altbayern, 1978
Jakob Mois,Konsekrationsbuch
des Fürstbischofs Eckher, 1982 (Altarweihe 1707)
Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres
1560, 1986
Josef
Mass, Geschichte des Erzbistums München und Freising, 1986
(Stift St.Andreas)
Robert Böck, Kirchenrechnungen Landgericht
Dachau, 1996 (Empore)
Putz/Niederle, Kirchen und Kapellen im Gemeindebereich Schwabhausen, 1988
Dr.Stefan Nadler/Maria Hildebrandt, Dokumentation zur Bau-, Ausstattungs- u.Restaurierungsgeschichte
Oberroth,1998
Robert Böck, Kirchenrechnungen Landgericht
Dachau, 1996 (1686)
Dachauer SZ vom 20.4.1979 (1463), vom 16./17.10.99, vom 25.4.2003 und vom 12./13.6.2004
Pfarrer Werner Kellermann, 2002-2003
Dachauer Kurier 23.7.2003
Mayr/Breitenberger, Arnbach einst und heute, 2004
Karl Grüner, "Unten bauchig, oben spitz", Münchner Kirchenzeitung,
v. 25.9.2005 und vom 2.10.2005
Sabine Remiger,Münchner Kirchenzeitung v. 3.9.2006 (Petrus)
Josef Kiening, Überleben im Dreißigjährigen Krieg, www.genealogie-kiening.de
Andreas Estner/Matth. Morgenroth, Heilige Gebeine, BR-2,
1.11.2011, 18:05 Uhr
Dorfgeschichte von Oberroth Oberroth im Wandel der Zeit, www.oberrother.de/69.html
72 Bilder: Pfarrer Werner Kellermann (3), Marianne Kugler (1), Hans Schertl
(68)
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27.9.2010
Von
einem Stier angefallen
Amperbote vom 12.09.1891
Am Donnerstag den 3. September wollte sich die Bauerswitwe, Anna Arnold von Kappelhof, gegen 7 Uhr nach Oberroth in die Kirche begeben. Als dieselbe Oberroth bereits erreicht hatte, wurde sie von einem Stier angefallen, der sich bei der dort weidenden Viehherde befand. Das wütende Tier warf die alte, gebrechliche Person mehrmals in die Höhe und schleuderte sie schließlich in einen tiefen Straßengraben. Die Unglückliche erlitt außer einem Oberschenkelbruch noch mehrere innerliche sowie äußerliche Verletzungen. Selbstverständlich musste sie sofort ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Da man am Aufkommen der Verunglückten zweifelte, wurde dieselbe mit den hl. Sterbesakramenten versehen. Zu verwundern ist nur, dass der Stier, welcher schon vor Wochen eine Person in Oberroth anfiel und so verletzte, dass dieselbe längere Zeit das Bett hüten musste, nicht besser verwahrt wurde, zumal der Besitzer eventuell regresspflichtig werden könnte, wenn ihm die Bösartigkeit des Tieres bekannt war.
(Recherchiert von Hubert Eberl, Bergkirchen)
25-jähriges
Priesterjubiläum von Pfarrer Heinrich Schroll
Dachauer Nachrichten vom 01.07.1920
Die Gemeinde Oberroth, Bezirksamt Dachau, feierte am Peter- und Paulstag zugleich mit dem Patronzinium der Pfarrkirche das 25jährige Priesterjubiläum ihres HH. Pfarrers Heinrich Schroll, der vorher lange Jahre als Kaplan in Planegg tätig war. Die Art der veranstalteten Feier übertraf alle Erwartungen, welche man von einer einfachen, schlichten Landgemeinde hegen konnte, bei weitem. Die Beteiligung hochwürdiger Herren von nah und fern, sowie der ganzen Pfarr- und Nachbargemeinden an dieser Jubelfeier, bezeugte so recht die Hochachtung, Verehrung und Dankbarkeit für das Wirken des geliebten Gefeierten, den uns Gott, wie es der Wunsch aller ist, noch viele Dezennien erhalten möge. Um die herrliche Dekoration, die einzig in ihrer Art war, hat sich Herr Mannhardt von Kappelhof besonders verdient gemacht.
(Recherchiert von Hubert Eberl, Bergkirchen)
Priesterjubilare
aus dem Dachauer Bezirk
Amperbote vom 04.01.1935
Auch im heurigen Jahr kann wieder eine Reihe von Hochwürdigen Herren aus dem Dachauer Land das Jubiläum des 40 oder 25jährigen Wirkens im Seelsorgeamt feiern. Ihr 40jähriges Priesterjubiläum feiern HH. Pfarrer Heinrich Schroll von Oberroth und HH. Pfarrer Johann Ev. Seidl von Welshofen. Unter den Jubilaren 40jährigen priesterlichen Wirkens finden wir auch Pfarrer Martin Oberndorfer von Salzburghofen, der vor etlichen 30 Jahren als Kooperator in Dachau wirkte. Das 25jährige Priesterjubiläum können feiern: HH. Pfarrer Andreas Furtner von Kreuzholzhausen, Hochwürden Herr Josef Niederhuber von Weichs und HH. Pfarrer Reinhardt von Odelzhausen. Den Priesterjubilaren schon heute unsere herzlichsten Glückwünsche!