zur Landkreiskarte        ausführliche Beschreibg.      Kirchen in der Marktgem.Indersdorf

Pfarrkirche St. Korbinian in WESTERHOLZHAUSEN

85229 Markt Indersdorf, St.-Korbinian-Weg 10
Lage der Kirche auf der Landkarte ...


Kurzbeschreibung

Schon im Jahr 770 wurde erstmals eine Kirche in Westerholzhausen (Holzhusir) erwähnt.

Um 1225 hatte die Kirche (auch) ein Marienpatrozinium. Seit 1583 ist der
hl. Korbinian der erste Kirchenpatron. Seit 1764 ist Maria wieder zweite Patronin.
In der Konradinischen Matrikel von 1315 ist Westerholzhausen als "Holtzhausen" erwähnt, das damals zum Dekanat Altomünster gehörte.

Spätestens in gotischer Zeit wurde eine Steinkirche errichtet, von der heute noch Teile erhalten sind.
Im 30jährigen Krieg brannte die Kirche mit Ausnahme des Turms und des gotischen Chorraums ab.
1707 wurde das jetzige Kirchenschiff neu gebaut und 1861 verlängert. Die Sakristei musste wegen Feuchtigkeit schon 1854 neu errichtet werden.
Der spätgotische Turm erhielt 1878 statt des Satteldaches die heute so charakteristische Spitzhaube. In ihm hängen vier Glocken aus dem Jahr 1877.


Sakristeiglocken

Restaurierungen 1838, 1847, 1854, 1883, 1923 und 1952, 1966/67 und 1989/90.
Seit 2003 gehört Westerholzhausen zusammen mit den Pfarreien Langenpettenbach und Indersdorf zum Pfarrverband Indersdorf.

 Innenausstattung

Die Kirche besitzt ein barockes Gewölbe mit aufgemalter Rocailledekoration, das den Kirchenraum zusammen mit den reichen Barockaltären wie ein Gesamtkunstwerk erscheinen lässt. Die erst 1923 wieder aufgedeckten Deckenfresken im Chor hat Johann Georg Dieffenbrunner 1764 gemalt. Das Langhausfresko wurde 1953 von Kunstmaler Wittmann aus München geschaffen.

Auf dem Hochaltar inmitten einer halbkreisförmig angeordneten Säulenarchitektur eine anmutige gotische Muttergottesfigur. Assistenzfiguren sind St.Franziskus (mit Kruzifix) und St.Antonius (mit Jesuskind). Im Altaraufsatz der hl. Korbinian (mit Bären). Über den Durchgängen die Wetterheiligen Johannes und Paulus (jew.mit Schwert).

Die Seitenaltäre stammen aus dem Jahr 1706. Sie wurden aber 1764 im Rokokostil erneuert.
Der linke Seitenaltar ist dem Altarsakrament geweiht. Assistenzfiguren sind St.Josef (mit Lilie) und Papst Sylvester (mit Stier). Im Altarauszug St. Leonhard (mit Kette und Schloss)


21 Details (4 Altäre, Figuren, Bänke, Deckengemälde) per Mouseklick
Kirchenbänke zur Vergrößerung der Altarfigurenbitte klickenDas Dieffenbrunner-Fresko im ChorFegefeuer-ReliefGeißelheilandJesus auf der RastSt.JohannesSt. JosefSt. FlorianSt. KatharinaKirchenbänkeSt. KorbinianSt. LeonhardSt. MartinWetterheiliger PaulusSt. SebastianAltarbild: Hl.AltarsakramentPapst SilvesterVortragekreuzFranziskusAntoniusZelebrationsaltarDeckenmalerei und Oratorium

Der rechte Altar ist ein Katharinenaltar (Figur mit Marterrad und Schwert).
Assistenzheilige sind Sebastian (mit Pfeilen) und Florian (mit Wasserschaff und brennendem Haus). In der Predella
steht ein Schrein mit einem Geißelheiland. Im Altaraufsatz St.Martin (mit Gans).

Die prächtige Kanzel im Rokokostil mit rot/beige/grauer Maserung wurde 1707 erstellt.

In die Innen- und Außenwänden sind viele Epitaphe eingelassen.

Die Gottesdienstordnung finden Sie hier...


Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen


Geschichte: Erste Kirche 770 Matrikel 1315 Matrikel 1524 30jährigen Krieg Neubau 1707
Matrikel 1738 Verlängerung 1861 Beschreibung 1880  
Ausstattung: Altarraum Apostelleuchter Baubeschreibung Choraltar Deckenfresken-1
  Deckenfresken-2 Empore Epitaphe Ewig-Licht-Ampel Figuren im Schiff
  Kanzel Kanzelkreuz Kirchenschiff Kirchenbänke Kreuzweg
  Mater dolorosa Orgel Seitenaltäre Taufstein Turm
  Vortragekreuze Zelebrationsaltar   Gottesdienstordnung

Geschichte der Kirche

Erste Kirche 770
Schon im Jahr 770 wird die Kirche in (Wester)holzhausen erstmals genannt (Urkunde Nr.38 der Freisinger Traditionen). Am 28.April 770 hat jedenfalls ein gewisser Peigri in Holzhusir seinen Besitz nebst Kirche zu Holzhausen dem Bistum Freising übergeben. Die Kirche in Westerholzhausen gehört zu den am frühesten erwähnten Kirchen des Dachauer Landes.
Nur schwer in dieses Geschehen einzuordnen ist allerdings die Urkunde Nr. 149 der Freisinger Traditionen, die von einer Schenkung von "Besitz und Basilika zu Westerholzhausen" des Isangrim und seiner Mutter Liutpurc an das Bistum Freising berichtet und die in der Zeit 791-808 ausgestellt worden sein muss. Die Kirche gehörte doch schon seit 770 dem Bischof. Vielleicht war die Eigenkirche aber auch bis zum Tod von Peigri in dessen Besitz geblieben, wie dies oft bei Schenkungen der damaligen Zeit vereinbart wurde. Und nun ging sie endgültig in den kirchlichen Besitz über. Nach Wilhelm Störmer war das Kirchlein dem hl.Michael geweiht.

Möglicherweise spricht eine der Urkunden nicht von Westerholzhausen, sondern von einem der vielen anderen ..holzhausen im Bistum (z.B. Kreuzholzhausen).
Die Schenkung von 791 umfasste wohl nicht den gesamten Besitz von Isangrim, denn unmittelbar nach der Schenkung verkaufte er dem Bischof weiteren Grundbesitz in Westerholzhausen. Aber auch die nunmehr dem Bistum gehörende Kirche von Westerholzhausen wurde bedacht. Ein Mann namens Liutrat schenkte ihr Land und eine Unfreie (Magd). Die Urkunde wurde in der Zeit zwischen 804 und 809 ausgestellt.
Die Zeugen waren nach einem typisch baierischen Brauch an den Ohrläppchen gezogen worden (testes per aures tracti), damit sie sich später besser an das Rechtsgeschäft erinnern konnten. Meist glich auch ein kleines Geschenk die Unannehmlichkeit mit den roten Ohren aus. Den Originaltext der Urkunde können Sie hier lesen...

Dieses Kirchlein von 770 dürfte -wie damals üblich- aus Holz gebaut gewesen sein; mehr über mittelalterliche Kirchenbauten...

Westerholzhausen wird wohl um 800 eine der Missionskirchen gewesen sein, von denen sich der christliche Glaube die Glonn entlang ausgebreitet hat. Um 1225 und auch noch 1524 hatte sie ein Marienpatrozinium (Beata Mariae Virginis). Erst seit 1583 ist St. Korbinian der Kirchenpatron. Das Korbinianspatrozinium ist selten, obwohl der Heilige der Bistumspatron von München und Freising ist. Westerholzhausen ist die einzige Korbinianskirche des Dachauer Landes und zusammen mit Lohhof die einzige des westlichen Teils des Bistums. Dabei gibt es in weiteren 13 Kirchen des Landkreises Korbiniansfiguren und -bilder, die Sie hier... in einer Zusammenstellung sehen können.

Beschreibung von 1315
In der Konradinischen Matrikel von 1315 ist Westerholzhausen als "Holtzhausen" erwähnt, das damals zum Dekanat Altomünster gehörte.

Beschreibung von 1524
Die Sunderndorfer'sche Matrikel von 1524 berichtet, dass damals Martinus Mayr Pfarrherr der Kirche war; Vikar Johann Haller verrichtete die seelsorgerischen Aufgaben. Sie hatte auch damals weder Filialen, noch Kapellen oder Benefizien. Die Zahl der erwachsenen Gläubigen (Communicantes) betrug rd.100. Der große und der kleine Kirchenzehent belief sich auf 60 Gulden.

In einem Bericht von 1575 wurde der Pfarrhof von Westerholzhausen beschrieben: "Zu Westerholzhausen hat dise Pfarr Im Dorff Hofraith unnd Hofstat, darauf steet ain hulzen hauß, Stadtl, Pachauß, Padheusl, Pronnen unnd geet ain Gartten gering umb die Zimer by ainem halben Tagwerch weith". .. In Westerholzhausen besitzt die Pfarrei einen Hof mit einem hölzernen Haus, einem Stadel, einem Backhaus und einem Badehäuschen; ringsherum erstreckt sich ein Garten von rd. 1500 qm.



30jährigen Krieg
Im 30jährigen Krieg brannte die Kirche (ebenso wie die gesamte Ortschaft - 15 Bauernhöfe) ab. Lediglich der Turm und der gotische Chorraum blieben bestehen.

Neubau 1707
50 Jahre später, am 21.Juli 1707, weiht der 57. Fürstbischof Johann Franz Freiherr zu Egger (Eckher) aus Kapfing, der im nahen Schloss Hof Urlaub machte, die neu aufgebaute Kirche wieder ein. Der Wiederaufbau selbst dürfte nicht so lange gedauert haben. Die bischöflichen Weihen markierten oft nur den zeitlichen Schlusspunkt des Kirchenbaues; das Gotteshaus konnte auch nach einer vorherigen Weihe durch den Pfarrer wieder voll benutzt werden.
Aus der Weihetafel hinter dem Choraltar geht hervor, dass der Hochaltar damals dem hl.Korbinian geweiht war, der nördliche Seitenaltar Josef und Maria, der südliche Seitenaltar der hl.Katharina. Ein vierter Altar, der Bruderschaftsaltar zum hl.Sacrament des Leibes und Blutes Christi, stand in der Turmkapelle.
Die späte Weihe hatte ihren Grund darin, dass mit Franz Eckher nach 40 Jahren wieder ein echter Bischof auf dem Freisinger Thron saß. Seine Vorgänger waren zwei nachgeborene Wittelsbacher Prinzen (Albrecht Sigismund von Bayern und Joseph Clemens von Bayern). Sie konnten das geistliche Amt des Bischofs nicht ausüben und Albrecht Sigismund besaß nicht einmal die Priesterweihe. So war für den Bischof nach 40 Jahren ohne Kirchenweihen und ohne Firmung viel zu tun, so auch das Nachholen der Kirchweihe mit den vier Altären in Westerholzhausen. Dieser kunstsinnige Bischof regierte sein Bistum von der Reisekutsche aus; er unternahm viele Pastoralreisen selbst in kleinste Dörfer seines Bistums. In seiner Regierungszeit von 1695 bis 1727 hat er 174 Kirchen (darunter Jarzt, Pellheim, Palsweis, Ebertshausen, Hirtlbach, Straßbach, Lauterbach und Kollbach) und ca. 1.100 Altäre und 734 Priester (23 pro Jahr) geweiht.

Auszug aus einer
Landkarte vom Jahr 1663
Die Weihe der Kirche am 21.7. in Westerholzhausen war Teil einer intensiven Weihewoche, die den Bischof innerhalb der 7 Tage vom 19.bis 25.7. in die Kirchen von Altomünster, Oberzeitlbach, Kleinberghofen, Westerholzhausen, Niederroth, Weyhern, Oberroth, Armetshofen, Schwabhausen Edenzholzhausen und Welshofen führte. Dabei weihte er 28 Altäre und spendete fünfmal die Firmung (an 416 Firmlinge).

Den Aufzeichnungen von Pfarrer Corbinian Strixner aus dem Jahr 1721 ist zu entnehmen, dass das Dorf Westerholzhausen aus zwei ganzen Höfen, zwei halben Bauernhöfen und aus zehn Juchart guedel oder Bausölden (=Nebenerwerbsbauern) und drei leeren Häuschen bestand.

Beschreibung von 1738/40
Der Freisinger Kanonikus Schmidt hat in den Jahren 1738-40 eine nach ihm benannte Matrikel (= Schmidt'sche Matrikel) erstellt. Darin ist auch eine kurze Beschreibung der Westerholzhausener Kirche enthalten. Das Präsentationsrecht (Vorschlagsrecht für die Besetzung einer Pfarrerstelle) wechselte damals monatlich zwischen dem bayerischen Fürstenhof und dem Freisinger Bistum. Der damalige Pfarrer hieß Bernardus Stängel; er war 1729 eingesetzt worden. Die Zahl der Gläubigen hatte sich in den vergangenen 200 Jahren trotz der Gräuel des 30jährigen Krieges mit 192 fast verdoppelt. Die Kirche wurde als frisch renoviert bezeichnet. Sie hatte vier Altäre: der Hochaltar war dem hl.Korbinian, die übrigen Altäre der Jungfrau Maria, der hl.Katharina und dem Leib Christi (Bruderschaftsaltar) geweiht. Der letztgenannte Altar war ein Bruderschaftsaltar (Confraternitas Corpus Christi). Dieser Altar stand bis 1764 in der Turmkapelle. Das Bruderschaftsvermögen belief sich auf genau 352 Gulden, 27 Kreuzer und 6 Heller; es wurde vom Pfarrer und vom kurfl. Landrichter in Kranzberg gemeinsam verwaltet. Das Kirchweihfest wurde am Sonntag nach Bartholomä (24.August) gefeiert. In der Kirche stand ein Taufstein mit den Heiligen Ölen. Messgewänder waren im ausreichenden Umfang vorhanden. Um die Kirche herum lag der Friedhof mit den Gräbern und dem Beinhaus. Im Turm hingen zwei geweihte Glocken. Der Bericht schließt mit den Worten: "Das Vermögen dises Pfarr-Gottshauses hat in letzter Rechnung 1050 Gulden 51 Kreuzer und 4 Heller betroffen". Das war damals eine ordentliche Summe.

Neuausstattung im Stil des Rokoko 1764
1764 hat man die Kirche unter Pfarrer Paul Ortt im Stil des Rokoko ausgestattet und durch J.Georg Dieffenbrunner neu ausmalen lassen. Die Gesamtkosten des Umbaus sind überliefert: es war die relativ hohe Summe von 2276 Gulden.
Damals hat man auch den Bruderschaftsaltar in der Turmkapelle aufgelöst und die Intention des Altars auf den nördlichen Seitenaltar übertragen. Dessen Marienpatrozinium hat man zum Choraltar verlegt und mit dem Patrozinium des hl.Korbinian vereinigt. So hat die Kirche, die nachweislich seit 1225 eine Marienkirche war und 1583 ein Korbinianpatrozinium erhielt, seit 1764 wieder Maria als Patronin, wenn auch nur an zweiter Stelle.
In Westerholzhausen bestand die "Bruderschaft der immerwährenden Anbetung des allerheiligsten Altarssacramentes". Sie feierte ihre Hauptfeste am zweiten Sonntag nach Dreikönig (Namen Jesu) und am 12. September (Namen Mariä)


Verlängerung der Kirche 1861

Im Jahre 1861 wurde die Kirche nach einem Brand um 13 Fuß (ca. 4 Meter) verlängert, um dem Bevölkerungswachstum Rechnung zu tragen. Der spätgotische Turm erhielt 1878 statt des Satteldaches die heute so charakteristische Spitzhaube. Schon 1854 war die Sakristei erweitert und erhöht sowie mit einem Oratorium versehen worden.


Beschreibung um 1880

Kirche und Pfarrei Westerholzhausen sind auch in der "Statistischen Beschreibung des Erzbisthums München-Freising" aus der Zeit um 1880 enthalten, die Anton Mayer und Georg Westermayer als Buch veröffentlicht haben:

Geographie: "Der Pfarrsitz ist an der Vicinalstraße von Indersdorf nach Altomünster hochgelegen. Die Pfarrei hat 278 Seelen in 47 Häusern. Davon wohnen nur 107 Gläubige (in 21 Häusern) in der Ortschaft Westerholzhausen selbst, die Übrigen in Ainried 13 (2), in Eichhofen 124 (20), Gittersbach 10 (1) und Tiefenlachen 23 (3). Der Umfang der Pfarrei beträgt 8 km. Die Wege sind mittelmäßig." Westerholzhausen gehört noch immer zu den kleinsten Pfarreien im Dachauer Land. In der erst seit 1866 bestehenden Schule in Westerholzhausen unterrichtet 1 Lehrer 53 Werktags- und 26 Feiertagsschüler.
Pfarrei
:
"Westerholzhausen ist eine Wechselpfarrei. Wie auch andere Pfarreien in Bayern war auch Westerholzhausen am 26. Juli 1830 von einer Monatspfarrei in eine Wechselpfarrei umgewandelt worden. Das Präsentationsrecht wechselte nun nach jedem Erledigungsfall zwischen dem Bischof in Freising und dem Kurfürsten in München. Die Kirchenrechnung weist bei 3294 Mark Einnahmen und 166 Mark Lasten einen jährlichen Reinertrag von 3127 Mark aus. Das Widum (=der Pfarrbauernhof) umfasst Grundstücke von 100 Tagwerk (= 33 ha) Fläche der Bonität 12. Das Pfarrhaus, nach einem Brande 1828 neu erbaut- ist nicht sehr geräumig, auch nicht gut eingetheilt und theilweise feucht. Die Ökonomiegebäude wurden ebenfalls 1828 erbaut, sind geräumig und passend. Die Matrikelbücher beginnen 1678.
Pfarrkirche: Erbauungsjahr unbekannt; restaurirt 1827. Ohne ausgeprägten Styl. Die Geräumigkeit ist zureichend. Spitzthurm (bis 1878 Sattelthurm) mit vier im Jahr 1877 von Franz Seraph Oberascher in Reichenhall gegossenen Glocken;
3 Altäre, davon 2 portatile. Orgel mit 8 Registern. Cemeterium (=Friedhof) bei der Kirche ohne Kapelle. Stiftungen: 34 Jahrtage und 33 Jahrmessen, 12 Monatsmessen und 24 Quatembermessen (Quatembertage sind Mi, Frei, Sa nach: 1.Fastensonntag, Pfingsten, 3.Septembersonntag und 3.Adventssonntag). Den Meßner- und Cantordienst versieht der Lehrer; eigenes Meßnerhaus besteht nicht. Kirchenvermögen: 40.100 Mark".
Seit 1674 gibt es eine Bruderschaft der immerwährenden Anbetung des allerheiligsten Altarssacramentes, an deren Hauptfesten (Namen Jesu und Namen Mariä) Hochämter mit Predigt und Procession gefeiert werden. Der Bruderschaftsaltar, der vierte Altar in der Kirche, existirt nicht mehr; an dessen Stelle befindet sich jetzt der Turm".

Restaurierung 1883
Im Jahr 1883 hat man eine große Kirchenrenovierung durchgeführt. Die Altäre wurden überarbeitet und ein neuer, großer Tabernakel eingebaut. Zudem hat man die kleinen gotischen Choraltarfiguren St.Bartholomäus und Laurentius entfernt und durch größere neubarocke Figuren von Franziskus und Antonius ersetzt.

Die letzten Renovierungen wurden 1923, 1953, 1966/67 und 1989/90 durchgeführt.

Berichte aus dem Pfarrleben
Die Dachauer Zeitungen haben in den letzten 120 Jahren immer wieder aus dem Pfarrleben berichtet. Diese Berichte befassen sich nicht unmittelbar mit den Kirchengebäuden, vermitteln aber einen ergänzenden Eindruck aus der damaligen Zeit. Aus Westerholzhausen ist ein Bericht über das Jubiläen von Pfarrern (1932 u.1972) erhalten. Wenn Sie daran interessiert sind, klicken Sie hier...



Baubeschreibung

Die heutige Kirche ist ein flachgedeckter Saalbau mit gewölbtem Chor.

An der Außenwand des Kirchenschiffs ist ein großes Missionskreuz (mit vergoldetem Corpus) angebracht. Auf einer Inschriftentafel unter dem Kreuz ist der Anlass für die Errichtung dieses Kruzifixes zu lesen: "Mission in Westerholzhausen durch 2 Hw.H.Kapuziner Patres vom 13.-20.3.30. Rette Deine Seele. Ablässe: Ein vollkommener Ablaß armer Seelen anzuwenden - 1. Am Tage der Errichtung od. Weihe des Missionskreuzes - 2. Am Jahrtag dieser Errichtung oder Weihe 3. Am Feste Kreuzauffindung -3.Mai - 4. Am Feste Kreuzerhöhung - 14.Sept. oder an einem der folgenden Tage. Bedingungen: Empfang der hl.Sakramente der Buße u. des Altares. Besuch des Karners in einer Kirche od.öffentl. Kapelle u. Gebet nach der Meinung des hl.Vaters. Ein vollkommener Ablaß. einmal im Tag gewinnen wenn man mit ruhigem Herzen das Missionskreuz mit einem äußeren Zeichen der Andacht begrüßt. 3 Vaterunser, 3 gegrüßt seist Du Maria u.Ehre sei dem Vater, betet.

Der spätgotische Turm auf der Nordseite besitzt ein Kreuzgratgewölbe im Erdgeschoss. Er wird seit 1878 von einer Spitzhaube bedeckt , die auf vier Giebeln mit Turmuhren sitzt. Hinter den doppelten Schallfenstern hängen vier Glocken, die 1877 bei Franz Oberascher in Reichenhall gegossen wurden. Sie haben folgende Inschriften:
- auf der größten Glocke: "Laudate Dominum omnes gentes. Jos. und Crescentia Dallmair von Eichhofen";
- auf der zweiten Glocke: "Ave Maria, Jos. und Crescentia Dallmair von Eichhofen"
- auf der dritten Glocke: "Converte nos Deus salutaris noster", dazu der Name des Stifters Bartholomäus
  Schmid, Pfarrer und Kammerer in Westerholzhausen.
- auf der vierten Glocke: "Mane nobiscum Domine quoniam advesperascit", Name des Donators Pfarrer J.B. Roßnagel. Die drei alten Glocken aus der Zeit um 1680 wurden drangegeben", heißt es in Aufzeichnungen über den Glockenkauf 1877. Nach der Schmidtschen Matrikel hingen 1740 aber nur zwei Glocken im Turm. Danach müsste in der Zwischenzeit

Die Sakristei (mit Schleppdach) wurde 1854 an Stelle des "kleinen und feuchten" Vorgängerbaues an der Südseite errichtet. Damals wurde auch das Oratorium im ersten Stockwerk eingebaut.

Epitaphe

In die Außenmauern der Kirche sind viele Epitaphe eingelassen, die zumeist an frühere Pfarrer erinnern.
  Hinweise: Epitaphe gibt es in unseren Kirchen erst seit dem 14. Jh. als Gedächtnismal für einen Verstorbenen in Form einer Steinplatte, die innen oder außen an der Kirchenwand senkrecht aufgestellt wird. Epitaphe (griech. Grabinschrift) wurden für diesen Zweck eigens angefertigt; sie sind keine früheren Grabplatten. Das Epitaph ist auch kein Grabmal, weil sich weder dahinter noch darunter ein Grab befindet.
 
1749
f.Paul Ort??
1892
1878
1934
1939
In das Epitaph für Bernhard Stängel ist ein Kelch mit Hostie eingraviert. Der Text lautet:
Text: "Anno Domini 1749 die 15.August obiit Admotum. Reverendus nobilis ac Doctissimi Dominus Bernardus Stängel SS.Theol. et Jur.u. Licent ac Parochie in Westerholzhausen per 19 annos aetatis Suae 76 annos. Bis Neomista et Ter. Parochus. Requiescat in Pace Amen"
Text: "Zum Andenken an den hochwürdigen Herrn Bartholomäus Schmid, geb. am 22.Aug.1803 zu Unterzeitlbach, gest. am 25.April 1878 zuu Altomünster. 30 Jahre hindurch Pfarrer dahier; auch Kammerer des Kapitels Sittenbah, Reliquirte die Pfarrei am 1.Febr.1875. Als Zeichen der Dankbarkeit hat dieses Denkmal setzen lassen die Pfarrgemeinde Westerholzhausen. R.I.P.". Im oberen Teil des Epitaphs ein eingravierter Kelch
Text: "Zum frommen Andenken im Gebete an den hochwürdigen Herrn Joh.Bapt.Roßnagel, geb. 24.Jan.1818 zu Dillingen, gest. 28.Nov. 1892 zu Neuburg, während 15 Jahre Pfarrer dah. R.I.P."
Im oberen Teil des Epitaphs ein eingravierter Kelch".
 
Text: "Resurr.exspect.hic jac. M.Magdal. Caec.Holzer, nat. Egern 20.VIII.1867, denat. 28.VI.1904.
Laurentius Holzer, nat.Egern 26.VIII.1833, denat. 7.IV. 1913.
Joannes Ev.Holzer, nat.Egern 24.VIII.1866, ordinatus 24.VI. 1892, denat. 22. V. 1934".
Im oberen Teil des Epitaphs ein Blumenkranz zwischen Voluten; ganz unten ein Weihwasserbecken.
Text: "Dem Andenken ihres Seelsorgers Hochwürd.Herrn Andreas Ziegler, 1934-39 Pfarrer dahier.
* 10.3.1879 in Rosenheim + 27.2.1939 in Indersdorf, begraben in München im Waldfriedhof. R.I.P.
Gewidmet von seiner Pfarrgemeinde".

Auch im Inneren der Kirche sind rechts und links unter der Empore Epitaphe von früheren Pfarrern in die Wand eingelassen.
 
 
1686
1729
1811
Das älteste Epitaph ist der Stein für Pfarrer Martin Daller(?) aus dem Jahr 1686.
Text: "Admodum. Reverendus Dominus Martin Dalle? Parochus obiit 2.Januarii Anno 1686".
Ein anderer Gedenkstein erinnert an Korbinian Strixner, der 35 Jahre lang Pfarrer in Westerholzhausen war.
Auf dem Epitaph ein Kelch mit Hostie und ein Leuchter mit erloschener Kerze.
Text: "Siste Viator et cogita Pater et ave ad modum reverendum Dominum Corbinianum Strixner Cammerarium et huius ecclesiae XXXV. annis verum pastorem qui aetatis suae LX mortuus est die XXII Maij anno Domini MDCCXXIX et hic sepultus est. Requiescat in pace".

Der Grabstein gehört für Sebastian Krammer, der 26 Jahre Pfarrer in Westerholzhausen war.
Auf dem Epitaph mehrere Gravuren in beiden Seitenleisten, die auf die Hobbies des Toten hindeuten: Embleme für Musik, Landwirtschaft, Garten und Jagd. Oben in einem Rundbild ein trauernder Engel.
Text: "Hic jaceo in hoc tumulo Sebastianus Krammer, Landishutanus Bojus, natus 19.Jannarii 1746 denatus 6.Sept.1811. Per viginti et lex annos Ecclesiae hujus Pastor, Domus paroch. aere vix non omni meo aedificator Agrorum, totiusque aeconomiae Meliorator. ... Musicus, Hortulanus, Venator, .... picoli dolori ideo etiam Peccator.
Successor optime,ora pro me, Nam multum plantavi et melioravi pro te".


Innenausstattung

Altarraum

Der 2 Joche tiefe Chor ist eingezogen und dreiseitig geschlossen. Er besitzt ein barockisiertes gotisches Gewölbe, dessen Rippen aber abgeschlagen wurden.


Deckenmalerei im Chor

Die Deckenmalerei im Altarraum aus der Zeit um 1764 gehört zum wertvollsten Schmuck der Kirche.
Maler war der Augsburger Johann Georg Dieffen-brunner, der auch in der Indersdorfer Klosterkirche zusammen mit Matthäus Günther geschaffen hat. (mehr zu Georg Dieffenbrunner...). Das Gewölbe ist mit einer Dekorationsmalerei ( Rocaillen und Blumengirlanden) überzogen.In der Mitte wird in einem 5,50 x 3,60 Meter großen Gemälde die Aufnahme des hl. Korbinian in den Himmel dargestellt.
Der auf Wolken thronende Christus mit dem Kreuz in der rechten Hand, hält mit der Linken die Krone für den Heiligen bereit, der von Engel empor getragen wird. Ein Engel hält den Bischofsstab (Pedum). Im Hintergrund der legendäre Bär mit Saumzeug und Packsack. In der rechten oberen Bildhälfte erscheinen Gottvater und der Heilige Geist in Gestalt einer Taube im Strahlenkranz.

In zwei Rocaillekartuschen in den seitlichen Gewölbezwickeln sind Putten mit einem Lorbeerkranz (links) und einem Palmzweig (rechts) zu sehen. Das Oratorium an der rechten Chorseite über der Sakristei wurde 1854 eingebaut.
  Hinweise: Das Auge Gottes im Dreieck verdankt seine Existenz der Scheu früherer Jahrhunderte, Gottvater zu personifizieren. In der Frühzeit des Christentums trat der Lebensquell an die Stelle Gottes, später eine Wolke als Hand Gottes. Erst seit der Neuzeit ist das Auge Gottes im Dreieck gebräuchlich. Es symbolisiert gleichzeitig auch die Dreifaltigkeit und wird oft auch Dreifaltigkeitsauge genannt. Personifiziert, als würdiger alter Mann mit langem Bart, wird Gottvater erst seit dem Barock (17.Jh) dargestellt
  Die Palme ist schon von alters her Zeichen der sieghaften Vollendung und des Triumphs. Dies hat man für die christlichen Märtyrer übernommen. Die immergrünen Palmzweige symbolisieren das ewige Leben und den Sieg des Glaubens über das Heidentum. Zudem berichtet Johannes in der Geheimen Offenbarung: "... sie standen in weißen Gewändern vor dem Thron und vor dem Lamm und trugen Palmzweige in den Händen" (Offb 7,9).
Die Fresken waren bei der Renovierung 1883 vom Maler Kromer aus Freising übermalt und erst 1923 wieder freigelegt worden.

Choraltar / Hochaltar


Der Hochaltar aus dem Jahr 1706 wurde 1764 im Stil des Rokoko umgestaltet. Das luftig wirkende Retabel ist von sechs halbkreisförmig angeordneten Säulen eingerahmt. Säulen an den Altären haben nicht nur statische Aufgaben. Sie sind auch Symbol für den Zusammenhang von Oben und Unten, sie verbinden Himmel und Erde. Deshalb sind Säulenretabel eine beliebte Bauform.
In der Mitte des Hochaltars steht eine "anmutig bewegte" gotische Muttergottesfigur aus der Zeit um 1490. Die thronende Muttergottes hält das nackte Jesuskind auf dem Schoß und präsentiert es dem Betrachter. Sie ist von einem Rokokobaldachin, einer herabhängenden Rosengirlande und von Putten umgeben. Die hinten ausgehöhlte und 113 cm hohe Figur ist aus einem Block geschnitzt. Nur das Christuskind ist ein gesondertes Teilstück.

Die Muttergottesfigur verkörpert viel Symbolik:
- Maria sitzt auf einer breiten, verzierten Bank, die den Betrachter an den Thron Salomons oder an Maria als den Thron der Weisheit erinnern soll.
- Maria ist in ein rotes und blaues Gewand gekleidet; Rot und Blau sind die traditionellen Marienfarben. Darüber ist ein goldener Mantel gelegt; Gold ist die Farbe des Himmels. Das Gewand ist mit einem Granat
apfelmuster verziert. Granatäpfel sind in der Bibel Zeichen der Liebe. Maria ist Symbol der Kirche. Granatäpfel auf dem Kleid von Maria kombinieren beide Bedeutungen und weisen auf die Kirche als Braut Christi hin.
- Hinter Marias langem, bis zu den Schultern reichenden Haar lugt ein Schleier hervor. Haar und Schleier kennzeichnen Maria als Jungfrau. Der Schleier reicht auf der linken Seite weiter herab und dient dem Jesuskind als Polsterung. Der Legende nach wurde das Lendentuch Christi am Kreuz aus dem Schleier Marias gefertigt.
- Auf dem Haupt trägt die Muttergottes seit 1955 wieder eine Krone in spätgotischer Form; in der Barockzeit hatte man ihr eine zeitgenössische Krone aus Klosterarbeit aufgesetzt.

Das Jesuskind auf ihrem Schoß hat entspannt seine Beinchen überkreuzt und blickt den Betrachter an.
Die Figurengruppe ist seit 1764 in Westerholzhausen nachweisbar; damals wurde der Altar im Stil des Rokoko umgebaut.
Der Kunsthistoriker G. Morsch hat in seinem Aufsatz "Die spätgotische Madonna von Westerholzhausen" dargelegt, dass die Muttergottesfigur früher, d.h. bis zum 30jährigen Krieg auf einem gotischen Schreinaltar in der Marktkirche von Indersdorf stand. Danach wird sie wohl auf dem linken Seitenaltar in Westerholzhausen gestanden sein, bis sie 1764, als man den Altar in der Turmkapelle auflöste, auf den Choraltar übertragen wurde. Allerdings wird auch berichtet, dass die Figur vorher die Turmkapelle geschmückt habe.

Assistenzfiguren
Assistenzfiguren sind die Heiligen Franziskus von Assisi mit Kreuz und Wundmalen und Antonius von Padua mit Jesuskind auf dem Arm und Lilie (seit dem Mittelalter Symbol für Reinheit und Keuschheit) in der Hand. Beide Heiligen, die sich persönlich kannten, gehörten dem Orden der Minoriten (Franziskaner) an, der von Franziskus gegründet worden war. Dieser Orden zeichnet sich durch persönliche Armut aus. Dies zeigt sich auch am Gewand: die Kutte der Franziskaner ist braun, auch wenn die beiden Heiligen hier in Westerholzhausen aus künstlerischen Erwägungen weiße Gewänder tragen. Der Gürtel, den Mönche und Nonnen als Zeichen geschlechtlicher Enthaltsamkeit tragen, ist bei den Minoriten ein Strick.
  Hinweise: Franziskus v.Assisi gründete um das Jahr 1200 den Orden der Minoriten, die sich besonderes der Armenpflege, Seelsorge widmeten. Seine glühende Liebe zu Gott und zur Schöpfung faszinierte die Menschen schon damals. Kurz vor seinem Tod 1226 erhielt er die Wundmale (Stigmata). Franziskus wird häufig auch mit einem Kruzifix abgebildet, weil er in einer Vision Christus von einem Kruzifix zu ihm herabsprechen hörte. Zudem war ihm die Verbreitung der Passionsfrömmigkeit ein Hauptanliegen.
St. Antonius
war ein Zeitgenosse von Franziskus und Mitglied in dessen Orden. Er war ein begnadeter Redner, der sich gegen die damaligen Häretiker
(Katharer, Albigenser und Waldenser) wandte. Seine Fastenpredigten in Padua 1231 hatten einen sensationellen Erfolg, denn die ganze Region schien danach wie umgewandelt: Schulden wurden erlassen, zerstrittene Familien versöhnten sich, Diebe gaben das gestohlene Gut zurück, unrechtmäßige und überhöhte Zinsen wurden den Schuldnern zurückerstattet. Bis heute gilt in Italien ein damals erlassenes Gesetz, dass niemand mit seinem Leben und seiner Freiheit für eine Schuld haften solle, sondern nur mit seinem Eigentum.
Antonius wird als Hilfe zum Wiederauffinden verlorener Gegenstände angerufen und gilt deshalb als "Patron der Schlamperer". Dies geht auf zwei Legenden zurück: Als ihm ein Manuskript gestohlen worden war, betete er so lange, bis der Dieb damit zurückkehrte. Schöner ist die zweite Legende, nach der er einem Geizhals half sein Herz zu suchen und es in einer Geldtruhe fand. Die Darstellung mit dem Jesuskind auf seinem Arm ist bei uns erst seit dem 17.Jh verbreitet; sie verweist auf eine seiner Visionen, die er beim Bibellesen hatte.
Bei der Erstellung des jetzigen Choraltars im Jahr 1764 dürften als Assistenzfiguren die beiden gotischen Heiligenfiguren von St. Bartholomäus und St.Laurentius gestanden haben, die bis zum 30jährigen Krieg zusammen mit der Muttergottesfigur in der Marktkirche Indersdorf das Altarensemble gebildet hatten. Bei der Renovierung 1883 hat man die kleinen gotischen Choraltarfiguren St.Bartholomäus und Laurentius entfernt und durch größere neubarocke Figuren von Franziskus und Antonius ersetzt. Die neuen Heiligen waren damals beim dörflichen Kirchenvolk beliebter. Insbesondere Antonius wurde als wirksamer Helfer bei vielen alltäglichen Problemen verehrt.


Im Altarauszug unter einem kleinen Rokokobaldachin der Kirchen- und Diözesanpatron St. Korbinian mit den bischöflichen Insignien und einem Bären auf dem Schoß. Korbinian (um 670 in Frankreich geboren) war der erste Bischof von Freising.
Als bei einer Romreise ein Bär seinen Esel tötete, band Korbinian die Traglast dem Bären um. Die früher polychromen (mehrfarbigen) Figuren wurden bei der Renovierung 1952 in Weiß und Gold gefasst.

Der relativ große, neubarocke Tabernakel wurde bei der Renovierung im Jahr 1883 eingebaut. Er ersetzte einen Vorgänger, vom dem bekannt ist, dass er 1778 bei einem Einbruch zertrümmert und vom Kistler Joseph Lorenz repariert worden war. Die Höhe des Tabernakels von 1883 ist dafür verantwortlich, dass die Marienfigur, um noch gesehen werden zu können, angehoben werden musste.
  Tabernakel ist das lateinische Wort für Zelt. Die seit dem 12. Jh übliche Bezeichnung führt zurück zur Bundeslade der Israeliten zur Zeit Mose, die ebenfalls in einem Zelt untergebracht war. Der Tabernakel dient bereits seit frühchristlicher Zeit (unter anderem Namen) zur Aufbewahrung verwandelter Hostien für die Sterbenden. Seit dem hohen Mittelalter wurde er auch Ort der Anbetung und Verehrung Christi in der Gestalt dieses eucharistischen Brotes. Der Ort und die Form der Aufbewahrung änderten sich im Laufe der Jahrhunderte häufig. Das Tridentinische Konzil (1545 - 63) ordnete die Aufstellung des Tabernakels auf dem Altar an. Doch diese Vorschrift wurde in Deutschland, wo man lange daran festhielt, die heiligen Hostien in Wandschränken und Sakramentshäuschen aufzubewahren, erst im 18. Jahrhundert umgesetzt. Das 2. Vatikanische Konzil (1962 - 65) lässt dies wieder zu. Deshalb werden in modernen oder modernisierten Kirchen Tabernakel häufig in die Wand eingelassen oder stehen frei auf einer Säule.
Über den Durchgangsbögen zwischen Altar und Außenwand stehen die beiden Wetterheiligen Johannes und Paulus, jeder dargestellt mit Schwert und Palme. Sie werden auch in Arzbach, Sittenbach, Westerndorf, Unterweikertshofen und Glonn verehrt. Johannes und Paulus waren Brüder, die hohe Beamtenstellungen am Hofe Kaiser Konstantins innehatten. Unter Kaiser Julian, dem Abtrünnigen, wurden sie wegen ihres christlichen Glaubens um das Jahr 361 in ihrem Haus auf dem Caeliusten enthauptet und dort begraben. Sei dem 6. Jahrhundert werden sie als Märtyrer verehrt, später galten sie auch als Gewitterheilige. In Rom ist ihnen über der Stätte ihres Martyriums die Kirche San Giovanni e Paolo geweiht.
An der Nordwand des Altarraums ein großes Fresko mit einer Weihnachtsdarstellung. Die Unterschrift lautet: "Zur Ehre Gottes hat dieses Bild malen lassen Joseph Schuhbauer Messner dahier 1883".
Darüber steht in kleinerer Schrift: "Restaurieren lies es Jos.Buchner ??."


Ewig-Licht-Ampel

An der Nordseite des Altarraums hängt die Ewig-Licht-Ampel. Sie besteht aus versilbertem Messing.

Hinweis: Das rote Öllämpchen, das stets im Altarraum brennt, gilt oft als Erkennungsmerkmal eines katholischen Gotteshauses. Früher gab es solche Lichter nur an den Märtyrergräbern. Mit der wachsenden Verehrung der aufbewahrten Eucharistie hat sich etwa seit dem 13. Jh der Brauch des "Ewigen Lichtes" vor dem Tabernakel, wo das Allerheiligste aufgewahrt wird, herausgebildet, nachdem der Johanniter-Ritterorden das Ewige Licht von den Kreuzzügen aus dem Heiligen Land mitgebracht hatten. Durch sein dauerndes Brennen weist es darauf hin, dass in der Kirche geweihte Hostien aufbewahrt werden. Meist sind die von der Decke herabhängenden Ampeln aus Silber oder versilberten Material gebaut, in eleganten Formen und mit vielen grazilen Verziehrungen versehen.


Zelebrationsaltar

Der Zelebrationsaltar stammt aus dem Ende des letzten Jahrhunderts und wurde passend zur barocken Einrichtung gestaltet.
 

Hinweis: Der Altar war das Symbol des heidnischen Gottesdienstes. Das lateinische Wort adolere = verbrennen bezeichnet die ursprüngliche Bedeutung als Stätte zur Verbrennung der Opfer. Die ersten Christen hatten keinen Altar. Jesus versammelte die Seinen um den Tisch, und das hielten auch die Christen während der ersten Jahrhunderte so; zur Eucharistiefeier

  konnte jeder beliebige Tisch dienen. Im 4.Jh wurde das Opfer Jesu in das Tischgeschehen hineingenommen und der Altar eingeführt. Er war meist aus Stein, frei aufgestellt und von allen Seiten zugänglich. Ab dem 8. Jh. weicht die Tischform immer mehr der Blockform. Dies kommt der Entwicklung entgegen, im Altar Reliquien von Märtyrern und Heiligen beizusetzen. Der zelebrierende Priester stand hinter dem Altar, sodass seine Handlungen während der Messfeier für die ganze Gemeinde sichtbar waren. Als der Altar dann im 11.Jh eine Rückwand mit hohen Altaraufbauten (Retabel) erhielt und weiter an die Ostwand rückte, wandte der Priester der Gemeinde den Rücken zu. Dies ist in der katholischen Kirche erst vor 40 Jahren durch eine Liturgiereform wieder rückgängig gemacht worden.

Langhaus / Kirchenschiff

Deckengemälde

An der Langhausdecke, ganz nahe am Chorbogen ist ein schön bemalter Heilig-Geist-Loch-Deckel zu sehen (siehe Bild rechts). Durch diese Öffnung wurden früher an Pfingsten die Heilig-Geist-Tauben (aus Holz) herabgelassen, um den Gläubigen, vor allem aber den Kindern, das Kommen des Heiligen Geistes zu veranschaulichen. Das Loch dient im übrigen auch der Lüftung des Kirchenraums; deshalb sind die Deckel meist durchbrochen.
  Hinweis: Die Gestalt der Taube für die künstlerische Darstellung des Heiligen Geistes gründet sich auf den Bericht der Taufe Jesu im Neuen Testament. Danach fuhr der heilige Geist in leiblicher Gestalt auf ihn hernieder wie eine Taube (Lk, 3,22). Obwohl dies nur bedeutet, dass sich der Geist bewegte sich wie eine Taube, nicht aber aussah wie ein Vogel, hat man die Taube als Symbol für die sonst nur schwer greifbare dritte Person Gottes gewählt. Das Konzil von Nicäa im Jahr 325 hat dies sogar empfohlen. Papst Benedikt XIV verbot 1745 die Darstellung der dritten göttlichen Person in Menschengestalt, wie sie vereinzelt immer noch vorkam.
Das Langhausfresko (Himmelfahrt Mariens mit Mariensymbolen in den Seitenzwickeln) wurde 1953 von Kunstmaler Wittmann aus München geschaffen.
1764 hatte Johann Georg Dieffenbrunner auch die Langhausdecke mit einem Fresko bemalt. Es hatte das Thema "St.Korbinian rügt Herzog Grimoald wegen seiner unrechtmäßigen Ehe".
Das Bild von 1764 wurde 1883 vom Freisinger Maler Adalbert Kromer übermalt. Es hatte die "Zuweisung des Gebietes um Freising als Wirkungsort des heiligen Bischofs durch den Papst" zum Inhalt. Als man 1923 die ursprüngliche Fassung des Freskos von 1764 wieder herstellen wollte, stellte man fest, dass das Dieffenbrunnerbild durch die Übermalung 1883 zerstört worden war und nicht mehr gerettet werden konnte.


Seitenaltäre

Die Seitenaltäre stammen ebenfalls aus dem Jahr 1706. Auch sie ließ Pfarrer Orth 1764 umgestalten. Alle Figuren sind seit 1952 in der Farbe weiß mit vergoldeten Borten gehalten.

Linker Seitenaltar

Der linke Seitenaltar ist dem heiligsten Altarsakrament geweiht. Das Patrozinium ist zurückzuführen auf die "Bruderschaft der immerwährenden Anbetung des allerheiligsten Altarssacramentes". Deren ursprünglicher Altar in der Turmkapelle wurde 1764, als man die Kirche mit neuen Altären ausstattete, aufgelöst und das Patrozinium auf den neuen linken Seitenaltar übertragen.

Mittelpunkt ist eine von Engeln umgebene große Monstranz über dem Lamm Gottes auf dem Buch mit den sieben (in kräftigem Rot gehaltenen) Siegeln.
Diese Darstellung des Lamm Gottes greift ein Thema aus den Geheimen Offenbarungen (Apokalypse, 5,1 ff) der Bibel auf. Darin beschreibt Johannes eine Vision, in der Gott eine Buchrolle mit sieben Siegeln in der Hand hält, die niemand öffnen konnte.Allein der "Löwe aus Judas Stamm und Nachkomme Davids" sei dazu berechtigt.
Da kam ein Lamm, das aussah, als ob es geschlachtet worden war und öffnete die Siegel. Die Buchrolle ist das Buch des Lebens, in dem die Namen der Gerechten und der Sünder eingetragen sind und das die Ereignisse enthält, die am Weltende geschehen werden. Das Lamm stellt Jesus dar, der auch der Löwe von Juda und Lamm Gottes genannt wird. In der christlichen Kunst wird Christus in Anlehnung an Textstellen im Alten (Jesaia 53,7) und Neuen Testament (Joh 1, 29) schon seit dem 4. Jh. symbolisch als Opferlamm dargestellt.

Darunter ein Fegefeuer-Relief. Drei Menschen, als Halbfiguren dargestellt, schmachten in den hoch schlagenden Flammen und flehen händeringend um Erlösung.
  Hinweis: Der Name Fegefeuer geht auf das mittelhochdeutsche Wort fegen für reinigen zurück (mittellateinisch purgatorium). Nach Papst  Gregor d. Großen (540-604) ist es der Ort, an dem die  Seelen Verstorbener durch zeitlich begrenztes Feuer, Eis oder Wasser von ihren lässlichen Sünden gereinigt werden. Nach katholischen Glauben können Menschen durch Gebete und die Feier von Seelenmessen die Aufenthaltsdauer einer Seele  im Fegefeuer verkürzen. Die protestantischen Kirchen lehnen die Lehre vom Fegefeuer ab.
Das Relief wird flankiert von den zwei Heiligenfiguren. Links der hl.Josef (mit Lilie). Joseph war der Vater Jesu - oder Ziehvater Jesu, da nach altchristlicher Überzeugung Jesus der Sohn Gottes ist und durch den Heiligen Geist im Schoß der Jungfrau Maria gezeugt wurde. Joseph stammte aus dem Geschlecht des Königs Davids, aus dem nach dem Zeugnis des Alten Testaments der Messias hervorgehen werde. Er lebte als Zimmermann in Nazareth. Rechts vom Relief steht eine Statue des Papstes Silvester mit den päpstlichen Insignien (Tiara, dreifaches Papstkreuz). Zu seinen Füßen ist ein Stierkopf zu sehen.
  Hinweis: Silvester war der erste Papst, der nach der Verfolgung zum Papst gewählt wurde. Seine Verehrung als Heiliger beruht auf einer Reihe von Irrtümern und Legenden. Die Behauptung, er habe Kaiser Konstantin vom Aussatz geheilt und getauft, ist historisch nicht haltbar, ebenso wenig wie die Geschichte von der Konstantinischen Schenkung, die sich als Fälschung herausstellte. Silvester hat während seiner Amtszeit bei wichtigen Glaubensentscheidung nicht mitgewirkt Er nahm weder an der Reichssynode in Arles (gegen Donatisten) teil noch am 1. Konzil von Nicäa, wo es um die Wesensart Christi und die Auseinandersetzung mit den Arianern ging. Den Synodalen von Arles schrieb er, er könne die Apostelgräber in Rom nicht im Stich lassen. Wahrscheinlich wollte er sich nicht den Vorwürfen stellen, er sei während der diokletianischen Verfolgung vorübergehend vom Glauben abgefallen.
Die drei Querbalken des Papstkreuzes symbolisieren vermutlich die drei Reiche, über die der Papst Schlüsselgewalt hat: die Kirche, die Welt und den Himmel.
Die Tiara, die dreifache Krone, entstand aus der phrygischen Zipfelmütze des iranischen Hofzeremoniells des 5.Jh.v.Chr. In den ersten Jh. des Christentums waren Papst und Klerus barhäuptig. Die Tiara wurde erstmals im 8.Jh erwähnt. Ihre heutige Form stammt aus dem 14.Jh. Es gibt mehrere Deutungen für die dreifache Krone: Die eine besagt, sie sei das Gegenstück zu den weltlichen drei Kronen des Kaisers (Königskrone von Aachen, Krone der Langobarden und die Kaiserkrone von Rom). Eine andere Deutung weist auf das dreifache päpstliche Amt hin: lehren, lenken und heiligen. Wieder eine andere bezieht die Tiara auf die drei Reiche der Kirche: Die streitende Kirche auf Erden, die leidende Kirche im Fegefeuer, die triumphierende Kirche im Himmel. Schließlich werden die drei Kronen auch als Symbol der Dreieinigkeit Gottes gesehen. Früher wurde dem neugewählten Papst die Tiara mit den Worten überreicht: "Empfange die dreifach gekrönte Tiara und wisse, dass Du der Vater der Fürsten und Könige, der Lenker des Erdkreises und der Vikar Jesu Christi, unseres Erlösers, auf Erden bist“. Seit 1964 trägt der Papst keine Tiara mehr. Paul VI. schenkte seine Krone den amerikanischen Katholiken als Dank für die großherzigen Spenden zugunsten der Armen in der Welt.
Im Auszug ist St. Leonhard mit Kette und Abtsstab zu sehen. Leonhard lebte um das Jahr 500 als Einsiedler und später als Abt in Frankreich. Regelmäßig besuchte er die Gefangenen und erreichte für viele beim König Clodwig I. ihre Freilassung. Deshalb galt er ursprünglich als Schutzpatron derer, "die in Ketten liegen", also der Gefangenen. Später deutete man die Ketten als Viehketten; so wurde er Schutzpatron der Haustiere.

In der Predella eine Darstellung des Jesus auf der Rast, am Ende seines Kreuzwegs, kurz vor der Kreuzigung.



Hinweis: Figuren von "Christus in der Rast" sind nicht selten in den Kirchen des Landkreises Dachau. Ähnliche Figuren stehen auch in Asbach, Bergkirchen, Biberbach, Haimhausen, Kleininzemoos, Kollbach, Röhrmoos, Rumeltshausen, Schönbrunn und Tandern. Die Darstellung Christus auf der Rast geht zurück auf die heimlichen Leiden Christi. Das sind Schilderungen und bildliche Darstellungen von Martern Christi vor seiner Kreuzigung, die nicht in den Evangelien erwähnt werden. Sie entsprangen der Passionsmystik des Mittelalters und wurden in der Barockzeit von den Jesuiten und Franziskanern für Zwecke der Gegenreformation wieder belebt. Zu diesen heimlichen Leiden gehören Darstellungen von Christus im Kerker, von Maria mit ihrem toten Sohn Jesus auf dem Schoß (Vesperbilder) und Christus auf der Rast. Letzteres stellt Jesus dar, der nach dem Kreuzweg, kurz vor seiner Kreuzigung auf einem Stein oder dem Kreuz sitzt, seinen Ellbogen an den Schenkeln aufstützt und das Kinn bzw. eine Wange mit einer Hand hält. Eine uralte Geste der Klage. Diese Art der Gestaltung heißt im Volksmund manchmal auch "Zahnweh-Herrgott".

Der linke Seitenaltar war/ist seit 1764 der Altar der "Bruderschaft der immerwährenden Anbetung des allerheiligsten Altarssacramentes".


Rechter Seitenaltar
Der rechte Seitenaltar ist der hl. Katharina geweiht. Ihre Figur mit gebrochenem Marterrad und Schwert steht in der Mitte unter einem kleinen Baldachin.
Katharina, die Königstochter aus Zypern soll im Jahr 306 wegen ihres Glaubens und ihrer großen Überzeugungskraft ausgepeitscht, gerädert und -als das Rad zerbrach- enthauptet worden sein. Der Baldachin symbolisiert schon seit dem Altertum Würde und Heiligkeit der darunter stehenden Gestalt.


Flankiert wird der Altar auf der rechten Seite von einer Figur des hl.Florian (mit brennendem Haus und Wasserschaff). St.Florian war um das Jahr 304 Offizier der zweiten italienischen Legion des römischen Heeres. Wegen seines Glaubens wurde er verhaftet und nach vielen Martern mit einem Mühlstein um den Hals in die Enns geworfen. In seiner Jugend soll er ein brennendes Haus durch sein Gebet gerettet haben.
Links steht St.Sebastian (mit Pfeilen und Palmzweig).
Sebastian war nach der Legende im 3.Jh.ein Offizier der kaiserlichen Garde, der auf Befehl des Kaisers Diokletian mit Pfeilen durchschossen wurde. Er erholte sich aber durch die Pflege der Witwe des Märtyrers Kastulus, bekannte sich erneut zu seinem Glauben und wurde daraufhin mit Keulen erschlagen.

In der Predella eine Darstellung des Geißelheilands in einem schönen Schrein. Die ersten Darstellungen von Jesus an der Geißelsäule entstanden zwar schon im Mittelalter. In den Landkreis Dachau gelangten vereinzelte Bilder jedoch erst im 17.Jh.Die große Verbreitung dieser Darstellungen setzte noch 100
Jahre später, nach dem Wunder in der Wies (1738) ein.
Der Heiland auf dem Bild beim Wiesbauern bei Steingaden soll Tränen vergossen haben. Daraufhin setzte eine Wallfahrt ein und die berühmte Wieskirche wurde gebaut. Die meisten der rd. 15 Geißelheiland-Darstellungen im Landkreis Dachau wurden nach dem Vorbild des Wies-Heilands gestaltet; so auch in Westerholzhausen.
Im Altaraufsatz ist zwischen zwei Putten der hl. Martin im Bischofsornat mit Buch und Gans zu sehen. Martin wurde gegen seinen Willen 371 auf Drängen des Volkes Bischof von Tours. Die Legende berichtet, er habe sich in einem Stall versteckt, um der Wahl zu entgehen, doch hätten ihn die Gänse durch ihr Schnattern verraten.


Taufstein
Vor dem rechten Seitenaltar steht der Taufstein mit einer interessanten Figurengruppe mit Johannes dem Täufer und Jesus. Johannes hat einen Kreuzstab in der linken Hand und tauft mit der Rechten den vor ihm knienden Jesus.  Die Darstellung der Taufe Jesu am Taufort in der Kirche als Vorbild für das Taufsakrament war vom Konzil von Trient (1545 bis 1563)vorgeschrieben.


Kanzel

Die prächtige Kanzel im Rokokostil mit rot/beige/grauer Maserung wurde 1707 und 1764 neu gefasst. Die Kanzel wird durch die Tür in der Rückwand betreten. Am Kanzelkorb ist an der Vorderseite in Bild des Guten Hirten im Rocaillerahmen zu sehen.
Hinweis: Die Predigt wurde in altchristlicher Zeit -ähnlich wie heute- von einem Ambo aus gehalten. Ab dem 13. Jh. hat man Kanzeln gebaut, die zumeist seitlich im Mittelschiff ihren Platz haben, dort, wo die Gemeinde versammelt ist. Von hier aus konnten die Prediger auch von oben herab sprechen, was ihren Worten größere Wirkung verleihen sollte. Spätestens seit dem 2.Vatikanischen Konzil 1962 werden sie nicht mehr benutzt. Die Darstellungen des Guten Hirten mit einem Schaf auf seinen Schultern waren in der Frühzeit auf die Sündenvergebung bezogen (Mt.18,12-14). In der Barockzeit trat die von Jesus auf die Priester übertragene Hirtenfunktion in den Vordergrund und damit dessen Hauptaufgabe, die Verkündigung des Evangeliums. Deshalb wurde der Gute Hirte ein bevorzugtes Bildnis an den Kanzeln.
An den abgerundeten Ecken des Kanzelkorbs sind Putten angebracht. Der Schalldeckel ist oben durch einen triumphierenden Engel, an der Unterseite durch eine Heilig-Geist-Taube verziert.


     12 Details (Kanzel, Orgel, Figuren, Gemälde, Kreuzweg, Kirchenbänke) per Mouseklick KreuzwegbilderKönig DavidJesus in der KrippeMariä HeimsuchungKanzelSt.Sebastian am südlichen SeitenaltarKanzelkreuzKirchenbänkeKirchenbank-WangenKreuzwegbilderMuttergottesfigurMater dolorosaOrgelVortragekreuzLanghausfresko
Kanzelkreuz u. Mater dolorosa

Der Kanzel gegenüber hängt ein ba-rockes Kruzifix aus dem 17.Jh, das sog. Kanzelkreuz, mit einem aus vielen Wunden blutenden Corpus. Die Wundmale an den Knien erinnern an das dreimalige Fallen Jesu unter dem Kreuz.

Hinweis: Das Kreuz heißt Kanzelkreuz, weil es in der Regel der Kanzel gegenüber an der Wand angebracht ist. Es erinnert den Prediger an den 1.Korintherbrief (1,3), in dem der hl.Paulus schreibt: "Wir predigen Christus als den Gekreuzigten". Die Ansprache soll nicht weltliche Dinge, sondern den Tod und die Auferstehung Christi zum Inhalt haben.
Darunter steht eine Mater dolorosa, mit einer ungewöhnlichen Krone auf dem Haupt und einem großen Schwert in der Brust.Hinweis: Das Schwert in Marias Brust erinnert das Simeonwort im Lukasevangelium (Kap 2,35) bei der Darstellung im Tempel: "Dir selbst wird ein Schwert durch die Seele dringen".

Kreuzwegbilder

Die 14 Kreuzwegbilder wurden im Rahmen der Renovierung 1883 beschafft. Sie hängen im Kirchenschiff an den drei Außenwänden.
Hinweis: Kreuzwegbilder in Kirchen sind erst seit 1700 üblich. Im späten Mittelalter hielt man dann Kreuzwegandachten als Ersatz für die Pilgerfahrt ins Heilige Land. Wenn Sie mehr über die Entstehung der Kreuzwegstationen und seiner Darstellungen in Kirchen des Landkreises erfahren wollen, klicken Sie hier...

Apostelleuchter

Dazwischen die schmiedeeisernen Apostelleuchter mit gemaltem Apostelkreuz als Hintergrundbild. Sie erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlische Jerusalems.

 

Figuren im Kirchenschiff

An der Seitenwänden stehen noch mehrere Figuren:

Herz-Jesu-Figur zwischen Kanzel und Empore. Sie hat nicht den süßlichen Ausdruck anderer Herz-Jesu-Darstellungen. Das Herz Jesu ist Symbol für die Erlöserliebe Christi. Diese Darstellung verbreitete sich in unseren Kirchen insbesondere nach der Einführung des Herz-Jesu-Festes durch Papst Clemens XIII.(1758 - 1769) im Jahr 1765.
Gegenüber steht eine Statue aus dem beginnenden 20.Jh (Alois Sigg, Mch), die die Unbefleckte Empfängnis mit Rosen im Haar und einem Kranz von 12 Sternen um das Haupt darstellt. Diese Statue wurde/wird bei der Fronleichnamsprozession mitgetragen.
  Hinweis: Die Immaculata-Madonna, wie sie auch genannt wird, soll die an die unbefleckte Empfängnis (=ohne Erbsünde) Mariens durch ihre Mutter Anna erinnern. Papst Piux IX. verkündete 1854 das Dogma, dass Maria wie Jesus von der Erbsünde befreit gewesen sei. Die evangelischen
  Christen lehnen das Dogma ab.Auch im katholischen Raum wurde die Diskussion um diese Frage schon Jahrhunderte vorher kontrovers geführt. Der Kranz von 12 Sternen um das Haupt erinnert an die Frau aus der Offenbarung des Johannes (Offb 12,1) "von der Sonne umkleidet, den Mond zu ihren Füßen, einen Kranz von zwölf Sternen um ihr Haupt". Der Künstler sieht in dieser Frau Maria.

Unter der Empore eine Statue des Bruder Konrad von Altötting.
  Hinweis: Konrad von Parzham (1818-1894) wirkte 41 Jahre lang im Kloster Altötting als Pförtner, wo er mit Tausenden von Wallfahrern zu tun hatte, die mit vielerlei Anliegen und Bitten zu ihm kamen. Aber auch Kinder aus vielen armen Altöttinger Familien kamen bettelnd an die Pforte, keines von ihnen ging leer aus. 1934 wurde Konrad von Papst Pius XI. heilig gesprochen. Damals wurden in unseren Kirche viele Figuren dieses Volksheiligen aufgestellt.


Kirchenbänke

Die Kirchenbänke, deren Wangen mit Akanthusblattmustern verziert sind, stammen aus dem 18.Jh. Das Muster entspricht dem vieler Kirchenstühle im Dachauer Land. Es trat erstmals 1695 in Glonn auf und wurde ab 1717 auch in Ainhofen, Albersbach, Arnbach, Arnzell, Aufhausen, Bergkirchen, Hilgertshausen, in der Marktkirche von Indersdorf, in Ottmarshart, Pasenbach, Pipinsried, Walkertshofen, Weichs und Westerndorf verwendet. 


Vortragekreuz

An der vordersten Kirchenbank ist ein schönes Vortragekreuz befestigt.
  Hinweis: Vortragekreuze werden beim Kirchenein- und Auszug, Prozessionen, Wallfahrten sowie bei Beerdigungen vorangetragen. Dies geht zurück auf das Jesuswort "Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach". Bei Gebetsprozessionen (Bittgängen, Kreuzweg) wird der Corpus des Kreuzes zu den nachgehenden betenden Menschen gedreht, damit sie den Gekreuzigten vor Augen haben. Bei anderen Prozessionen, z.B. an Fronleichnam und beim Ein- und Auszug zeigt der Corpus in die Gehrichtung, d.h., er weist ihnen den Weg. Die ältesten Vortragekreuze stammen schon aus dem 6.Jh.


Empore

An der Emporenbrüstung befinden sich Bilder aus den 1950'er Jahren:
Links König David, der auf der Harfe spielt. Darüber das Spruchband "Dixit Dominus Domino meo. (Es sagt der Herr zu meinem Herrn) PS 109.1".
In der Mitte ist das Jesuskind in der Krippe zu sehen, begleitet von zwei großen Engeln. Das Spruchband zitiert den weihnachtlichen Evangeliumstext "Gloria in excelsis Deo. Luk 2.14".
Rechts wird der Besuch von Maria bei ihrer Base Elisabeth dargestellt (Mariä Heim-suchung). Auf dem Spruchband die Worte, die der Evangelist Lukas Maria in den Mund gelegt hat: "Magnificat anima mea Dominum" Luk 1.47)".
  Hinweis: Maria hatte bei der Verkündigung durch den Erzengel Gabriel erfahren, dass auch ihre betagte Kusine Elisabeth guter Hoffnung war. Sie machte sich daraufhin auf den Weg, um Elisabeth zu besuchen (Lied: Als Maria übers Gebirge ging). Bei der Begrüßung durch ihre Kusine wurde Elisabeth offenbar, dass sie der Mutter des Gottessohnes begegnete, denn es heißt in der Bibel bei Lukas: Als Elisabeth den Gruß Marias hörte, da hüpfte das Kind in ihrem Leib und Elisabeth wurde erfüllt vom Heiligen Geist. Sie erhob laut ihre Stimme und rief: "Gebenedeit bist du unter den Frauen und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes!" Maria antwortete darauf mit dem Magnifikat, das mit den Worten beginnt: Magnificat anima mea Dominum (= Hoch preiset meine Seele den Herrn ..)


Orgel

Die Orgel mit 8 Registern stammt aus dem Jahr 1874. Das Brüstungswerk mit dem Freipfeifenprospekt wurde vom Orgelbauer Johann Georg Beer aus Erling bei Andechs aufgestellt. Um 1960 restaurierte die Fa Sandtner aus Steinheim bei Dillingen das Werk unter Verwendung alter Pfeifen.

Die Orgel mit pneumatischer Kegellade hat nun folgende Disposition (nach Brenninger -Stand 1975-):
Manuale (C-g'''): Principal 8', Gemshorn 8',Octav 4', Flöte 4',
Schwiegel 2', Mixtur 2'
Pedal (C-d'):      Subbaß 16' OB 8'
Koppeln:            I-P

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Allgemeines zur Orgel - Die Orgel mit ihren vielen Pfeifen, die über ein Gebläse zum Klingen gebracht werden, steht meist im rückwärtigen Bereich der Kirche auf der Empore. Sie hielt erst allmählich Einzug in die Kirche, weil sie bis in das 11. Jahrhundert als profanes Instrument galt, das für das höfische Zeremoniell verwendet wurde. Erst ab dem 13. Jh wurde es zur Regel, in allen bedeutenden Kirchen Orgeln zu errichten. Heute gehört eine Orgel zur Ausstattung jeder Kirche. Mit ihrer Klangvielfalt und Klangfülle trägt die Orgel zur Verherrlichung Gottes bei. Der Orgelprospekt, die Schauseite der Orgel, wurde meist durch Künstler gestaltet. Im Barock, dem unsere ältesten Orgeln angehören, wurde der Prospekt mit reicher Ornamentik verziert. Heute setzt sich immer mehr der "offene" Orgelprospekt durch, der allein durch die harmonische Anordnung der Pfeifen wirkt. 

Südöstlich von Westerholzhausen liegt eine alte (doppelte) Schanze von 5 Tagwerk Fläche, auf der früher eine Burg gestanden haben könnte. Sie galt seit jeher als Römerschanze. Dort soll sich in vier Metern Tiefe ein sog. Erdstall (Schrazlloch) befunden haben, in dem 1767 ein Schatz mit römischen Münzen gehoben wurde. Auch der Geschichtsschreiber Penzl erwähnte in seiner Chronik von 1742: "Westerholzhausen liegt beim Wald Buchschom....Hier bleibt noch zu sagen, daß man dort eine unterirdische, völlig verschlossene Hohlkammer finden kann. In dieser, so sagt man, hat einst ein Croesus, als er auf der Flucht vor den Feinden nach Bayern kam (Endstation Bayern !), sich mit seinen Schätzen versteckt." Im Jahre 1742 lagerten andere Schätze darin, denn das Kloster Indersdorf musste im Österreichischen Erbfolgekrieg (1742-1748) damit rechnen, von österreichischen Hilfstruppen geplündert zu werden. Da brachte man die wertvollen Sachen in Sicherheit. Dr.Kick schreibt dazu: "Dort hinein, so vermuten wir, wurden die Schätze des Klosters in verschiedenen Kammern eingelagert, gestaffelt nach ihrem Wert und offensichtlich wäre im Indersdorfer Versteck noch zusätzlich Platz gewesen..".
Mehr über Schrazllöcher...

Hans Schertl

Quellen:
Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Anton Mayer /Georg Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbistums München-Freising. München 1874-1880
Mathias Steinberger, Die Pfarrei Vierkirchen, 1879
Theodor Bitterauf, Die Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (Nr.38, 148, 149, 215, 917, 974, 1136)
Kirschbaum, Lexikon der Christlichen Ikonographie, 1968

Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
Kirschbaum, Lexikon der Christlichen Ikonographie, 1968
Wilhelm Störmer, Adelige Eigenkirchen und Adelsgräber - Denkmalpflegerische Aufgaben,1975, ZBLG 38, S.1142-1158 (1.Kirche)
Georg Brenninger, Orgeln und Orgelbauer im Landkreis Dachau, Amperland 1976/1
Georg Brenninger, Orgeln in Altbayern, 1978
Georg Brenninger, Die Korbiniansverehrung in der Freisinger Liturgie,1997 (Patronat)
Jakob Mois,Konsekrationsbuch des Fürstbischofs Eckher, 1982 (Altarweihe 1707)
Georg Brenninger, Kunsthandwerker der Barockzeit in Kirchen des Gerichts Kranzberg, Amperland 1987/4
Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV, 1990
Josef Berghammer, Die Sanierung der Pfarrkirche St.Korbinian in Westerholzhausen
Geißler/Hörmann, Chronik von Westerholzhausen, 1995
Bauer/Rupprecht, Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, 1996
Peter Dorner, Indersdorfer Chronik S.1194, Publikationen der Akademie der Augustiner-Chorherren von Windesheim, 2003
Dachauer SZ vom 31.12.2004
Toni Haschner/ Walter Kick, Sub Hoc Ænigmate: Die Lösung des Rätsels in der Penzl-Chronik, 2007
Eckhart Bieger, Das Bilderlexikon der christlichen Symbole, 2011 (Säulen)
Dieter Gerhard Morsch, Die spätgotische Madonna von Westerholzhausen, Amperland 2012/1 (Choraltar, Turmaltar)
54 Bilder: Hans Schertl (2001,2002)

Kirchen und Kapellen im Landkreis Dachau - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

27.6.2010

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Auszug aus den Freisinger Traditionen
Nr. 38 nach Bitterauf-Wallner