zur Landkreiskarte          ausführl.Beschreibg              Kirchen in der Marktgem.Indersdorf


Pfarrkirche St. Michael in LANGENPETTENBACH

Landkarte     
im Vordergrund der neue Chor
von links nach rechts: die alte Kirche

Adresse: 85229 Markt Indersdorf, Michelsberg 1
Lage der Kirche auf der Landkarte ...


Kurzbeschreibung

Langenpettenbach gehört zu den ältesten Orten des Landkreises. Schon im Jahr 772 wurde es als "Petinpach" mit einer Michaels-Kirche urkundlich erwähnt. Die Pfarrei gehörte von 1271 bis 1806 zum Kloster Indersdorf.

Die jetzige kath. Pfarrkirche St. Michael ist eine besondere Baukonstruktion: Im Jahr 1922 wurde quer durch die bereits bestehende spätgotische Kirche eine neue Kirche gebaut. Die beiden sich durchdringenden Kirchen bilden nunmehr ein Kreuz. Die neue Kirche verläuft von Süd nach Nord, die alte Kirche mit dem Turm von Ost nach West. Das alte Langhaus bildet nun die Querschiffe des Kirchenbaus. Im Erdgeschoss des Turmes befindet sich der frühere Altarraum.

Ältester Teil der Anlage ist der Kirchturm.
In der Glockenstube hängen 4 Glocken, die alle im Jahr 1922 in Bochum gegossen wurden.

Innenausstattung

Der 1922 neu errichtete Altarraum ist neugotisch eingewölbt. Für die Architektur der 1920er Jahre ist dies ungewöhnlich.
Blickpunkt ist eine Kreuzigungsgruppe mit Figuren von Maria und des Apostels Johannes, die über dem Altar hängt (Kopien der Blutenburger Apostel).
An den Wänden stehen die Figuren der ehemaligen Seitenaltäre:
- St.Rochus in Pilgerkleidung, mit Pestwunde am Bein und einem kleinen Engel zu seinen Füßen (16.Jh.)
- St.Sebastian am Marterpfahl, von Pfeilen durchbohrt
- St. Laurentius mit Feuerrost und Märtyrer-Palmzweig (17.Jh.)
- St.Notburga, mit der Sichel; eine Nachbildung der Figur von
Ignaz Günther für die Kirche Rott am Inn (20.Jh.)

zur Beschreibung des ZelebrationsaltarsFiguren im ChorraumKreuzigungsgruppezur Beschreibung der VerkündigungsfigurenApostelfigurenKirchenbänkeSt.MichaelTaufstein
per Mouseklick zu den Beschreibungen


Am Chorbogen und an den Wänden des neuen Langhauses befinden sich ungewöhnlich viele Figuren, Reliefs und Bilder:
Statuen der 12 Apostel, 14 Kreuzwegbilder, 6 Konradreliefs, 13 Marienreliefs, 15 Bilder aus dem Leben Jesu an der Emporenbrüstung, Apostelkreuze sowie das Kanzelkreuz lassen den Raum unruhig wirken. Die dunkle Holzriemendecke lässt das mit 6,5 m ohnehin nicht hohe Kirchenschiff als noch niedriger erscheinen.

Eine Besonderheit der Kirche ist das im rechten Querschiff untergebrachte "Heilige Grab" mit den lebensgroßen Schnitzfiguren des liegenden Leichnams Jesu, zweier Engel (mit Schwamm und Lanze) und zwei Grabwächtern in jugendstilnahen Formen aus der Zeit um 1920. Es ist das ganze Jahr über zu sehen und wird am Karfreitag beleuchtet.

Der im Jahr 1660/80 barockisierte alte Altarraum (jetzt östliches Querschiff) ist im Turmuntergeschoss eingerichtet. Die Decke ist gewölbt und mit vielen feinen Stuckornamenten verziert. Am früheren barocken Hochaltar stehen als beherrschende Figuren drei Erzengel: in der Mitte der Kirchenpatron St. Michael, flankierte von den Erzengeln Gabriel und Raphael.

Seit 2002 bilden die Pfarreien Westerholzhausen, Langenpettenbach, Indersdorf und (seit 2005) Niederroth den Pfarrverband Indersdorf.


Was noch interessiert...

Glockengeläute
Vom Glockengeläute der Kirche gibt es eine Audioaufnahme auf youtube. Wenn Sie es hören möchten, klicken Sie hier...

Die Gottesdienstordnung finden Sie hier...

 


Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen


Geschichte: Erste Kirche Matrikel 1524 Gotischer Bau 1546 Visitation 1560 30jähriger Krieg
  Barockisierung 1680 Matrikel 1738 Beschreibung 1880 Beschreibung 1895 Umbau 1922
           
Ausstattung: Alter Altarraum Neuer Altarraum Apostelleuchter Baubeschreibung Beichtstuhl

 

Bruder Konrad-Bilder Chorbogen Empore Epitaphe außen Fenster
  Figuren:neuer Chor Figuren:alter Chor Figuren im Schiff Heiliges Grab Kirchenbänke
  Konradbilder Kreuzweg Kruzifix Orgel Opferstock
  Pfarrei Reliquien Seitenaltäre Taufstein Tabernakel
  Weihwasserbecken   Zelebrationsaltar Gottesdienstordnung

Geschichte der Kirche

Einer Sage nach soll vor 1250 Jahren auf dem Platz der heutigen Kirche ein heidnischer Tempel gestanden sein, der vom hl.Bonifatius in eine Michaelskirche umgewandelt worden ist. Schriftlich wird eine Kirche erstmals in einer Urkunde aus dem Jahr 772 genannt, die in der Urkundensammlung "Freisinger Traditionen" aufbewahrt wird (Urkunde vom 12.August 772) 08), 15) Wenn Sie ein Bild der Urkunde sehen möchten, klicken Sie hier...


Erste Kirche

In dieser Urkunde vom 12.August 772 wird die Ortschaft Langenpettenbach als "Petinpach" mit einer Michaelskirche erwähnt. Alpune, die Tochter des Adeligen Erchanfried und dessen Gemahlin Deotrat schenkte damals ihre Besitzungen, zu denen auch ein Holzkirchlein gehörte, dem Bischof von Freising. Die kleine Kirche soll von Mönchen aus Schäftlarn errichtet worden sein.
Eine weitere Erwähnung findet das Gotteshaus in einer Urkunde aus der Zeit um 830 als ein gewisser Erchanolf die Lehensherrlichkeit der Freisinger Kirche zu Langenpettenbach anerkennt (Nr. 604 der Freisinger Traditionen).

Auszug aus derUrkunde vom 12.8.772

In den Ungarnkriegen des 10.Jh wurden Ortschaft und Kirche stark in Mitleidenschaft gezogen. Sie erholten sich erst Anfang des 11. Jh wieder, als sich Ministeriale der bayerischen Herzöge hier ansiedelten. 09) Langenpettenbach war um das Jahr 1000 vom (bischöflichen) Freisinger in (herzoglichen) Wittelsbacher Besitz übergegangen, von dem aus es später als Lehen dem Kloster Indersdorf übertragen wurde.
Unter Heinrich von Pettenbach hat man um 1220 die erste Steinkirche im massiven romanischen Stil errichtet
09). Man glaubt, dass der Turm (Chorturm) noch aus dieser Zeit stammt. 1271 gingen Kirche und Teile des Ortes Langenpettenbach zusammen mit Glonn und Arnzell durch Schenkung in den Besitz des Klosters Indersdorf über (wurde inkorporiert). Wohltäter waren Gotfrid von Petenbach und sein Sohn Johannes. Ein Chorherr notierte 1440 dazu: Im Jahre des Herrn MCCLXXI, zur Zeit des Propstes Ulrich, schenkte Gotfrid von Petenbach mit Zustimmung und Willen seines Sohnes Johannes alle seine Lehen ebenda durch die Hand Herzog Heinrichs von Baiern der Marienkirche in Indersdorf. 34) Die Urkunde wurde in der Stadt Straubing ausgestellt; Langenpettenbach gehörte damals -anders als das Kloster Indersdorf- nicht zu Oberbayern, sondern zu Niederbayern. Aber auch der Oberbayerische Herzog Ludwig II bestätigte die Schenkung in einer weiteren Urkunde.
Im Laufe der nächsten Jahrhunderte versuchte das Kloster, alle Güter in seinen Besitz zu bringen
.

Chorturmkirche
Die alte Kirche in Langenpettenbach war bis zum Umbau von 1922 eine Chorturmkirche, d.h., das Erdgeschoss des Turmes bildete den Altarraum. Dies hatte zur Folge, dass zum einen der Turm im Verhältnis zum Kirchenschiff recht groß und massig wirkte und dass zum anderen der Altarraum dennoch relativ klein war. Chorturmanlagen sind in der Regel sehr alt; diese Bauweise war in der Kunstepoche der Romanik (bis 1300) weit verbreitet. Die Kirche bestand damals nur aus dem Turm; es war also eine Turmkirche. Die Höhe war notwendig, weil eines der Merkmale dieser Anlagen das Vorhandensein eines oder mehrerer Obergeschosse ist. Dieses Obergeschoss diente in Friedenszeiten als Lagerraum für Getreide und Früchte, also Lebensmittel, die die Bevölkerung als Kirchenzehent abzuliefern hatte. Dafür sprechen nicht nur schriftlich überlieferte Belege, sondern auch Spelzen, Getreidereste und Nussschalen, die man in einigen dieser Kirchtürme bei Renovierungen gefunden hat. In weniger friedlichen Zeiten diente die Turmkirche auch der Sicherheit; denn sie war eine Art Wehrturm und bot bei den häufigen Überfällen der damaligen Zeit einen vorübergehenden Schutz für die umwohnende Bevölkerung. Die oberen Stockwerke waren nur über einziehbare Leitern zu erreichen. Relativierend ist zu sagen, dass im 12./13. Jh die Landbevölkerung nicht nur in den um Kirchen herum gewachsenen Dörfern siedelte, sondern in einzelnen Höfen und kleinen Hofgruppen. Diesen Menschen konnte die Turmkirche nur Schutz bieten, wenn sie schneller waren, als die heranrückenden Feinde. Nicht vergessen werden sollte auch, dass Kirchen als geweihte Orte eine gewisse Sicherheit boten. Schließlich waren auch viele der Angreifer Christen, die eine gewaltsame Entweihung eines solchen Ortes wegen der zu befürchtenden schlimmen Jenseitsfolgen scheuten. Chorturmkirchen waren vor allem in Süd- und Westdeutschland und in Skandinavien verbreitet. In Norddeutschland, das damals konfessionell noch nicht getrennt war, sind und waren sie unbekannt. Im Landkreis Dachau gibt es dreizehn heute noch bestehende Chorturmkirchen. Das ist im Vergleich zu anderen Landkreisen eine hohe Zahl.


Freisinger Matrikel 1315 und 1524
02)
In der Konradinischen Matrike von 1315 ist die Kirche nicht erwähnt. Dies mag mit ihrer Zugehörigkeit zum Kloster Indersdorf zu erklären sein. Dagegen ist sie in der Sunderndorfer'sche Matrikel von 1524 bei der Pfarrei Undersdorf und dem Hinweis auf das Michaels-Patrozinium enthalten ("Provisor nomine Joannes Schmidt, monasterio professus, regit ecclesiam s.Michaelis in Bettnbach cum duabus filialibus ecclesiis, videlicet s.Viti in Ärnzell et .B.Virginis in Änhofen"). Langenpettenbach hatte schon damals praktisch den Status einer eigenen Pfarrei mit einem Professor aus dem Kloster als Sachverwalter und zwei eigenen Filialkirchen in Arnzell und Ainhofen.

Gotische Kirche 1546
Im Jahr 1546 brannte das Kirchenschiff ab
und wurde "auf Schutt und Asche ohne Fundamentierung" im gotischen Stil wieder aufgebaut. Beim Umbau 1921 hat man noch Brandüberreste entdeckt. 09) Auch der Altarraum im Untergeschoss des Turms brannte aus; das Mauerwerk nahm jedoch keinen Schaden.


Visitationsbericht von 1560
19) .
Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation, eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet. Die Visitation wurde durch bischöfliche und durch herzogliche Bevollmächtigte durchgeführt. Grund war die durch die Reformation Luthers (1517) entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen des Bistums zur Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte. Durch die Visitation wollte der Bischof einen detaillierten Einblick in die religiöse Situation der Pfarreien gewinnen. Insbesondere sollte festgestellt werden, ob die Pfarrer und die Gläubigen noch die katholischen Lehre vertraten oder der neuen Lehre anhingen. Daneben interessierte die Prüfer die Lebensführung der Pfarrer sowie Umfang und Qualität ihrer religiösen Kenntnisse.
Im Bericht über die Filialkirche "St.Michael in Pöttenbach" heißt es, dass sie in das Kloster Indersdorf inkorporiert sei und auch von dort fleißig betreut werde. In der Kirche seien ein Kelch mit Corporale, 1 Monstranz aus Messing, 1 Messbuch, ein Gesangbuch, theoretisch 7, praktisch aber nur 2 Messgewänder, genügend Altartücher, Stühle, Fahnen, Glocken und "sonst alle Kirchentzier" vorhanden. Für eine Jahrtagsmesse erhalte der Priester 8 Kreuzer. Das Sakramentshäusel sei nicht gut verschlossen, aber gut beleuchtet. Der Kirchenbau und die Kirchenmauer seien baufällig.

Apiankarte

  
Kartograph Philipp Apian hat in seiner Bayerischer Landtafel Nr. 13 in der Zeit um 1568 auch den Ort und die Kirche von Langenpettenbach unter der Bezeichnung "LangnPetnpach" dargestellt (siehe Landkarte links). Damals hatte die Kirche möglicherweise einen Spitzturm. Apians Zeichnungen sind, wie Dr.Peter Dorner schreibt, authentische Ansichten der dargestellten Gebäude.

Philipp Apian war der bedeutendste bayerische Kartograph seiner Zeit. Er wurde 1531 in Ingolstadt als Sohn des aus Sachsen stammenden Mathematikprofessors Peter Bienewitz (latinisiert:Apian) geboren und trat die Nachfolge seines Vaters an der Universität Ingolstadt an. Sein Lebenswerk war die erste Landesaufnahme des Herzogtums Bayern. 1563 schon hatte er eine erste große Karte des Herzogtums im Maßstab von ca. 1:45.000 fertig gestellt. Eine Verkleinerung dieser sehr unhandlichen Karte stellen die "24 Bairischen Landtaflen" (jeweils 40 mal 30 Zentimeter) im Maßstab von ca. 1:140.000 dar, die 1568 vom Züricher Formschneider Jost Amman in Holz geschnitten und vom Maler Bartel Refinger koloriert wur-
den. Die Genauigkeit der Landkarten wurde erst im 19. Jh übertroffen; noch Napoleon benutzte sie für den Einmarsch in Bayern. Apian musste noch im Jahr des Erscheinens seines Werkes (1568) nach Tübingen emigrieren, weil er "der Reformation zugetan" war. Er starb dort 1589.


Dreißigjähriger Krieg
Den 30jährigen Krieg soll die Kirche unbeschadet überstanden haben. Das Dorf wurde jedoch stark geplündert. Viele Bewohner verloren ihr Leben. Danach wurden viele Tiroler hier angesiedelt, zumeinst aus der Gegend um Rattenberg. Die Tiroler Hofnamen Unterrainer, Hörhager, Portner und Haller zeugen noch davon. Immerhin wurden nach dem Krieg die Orte Langenpettenbach und Arnzell noch als pagi (= Dörfer) bezeichnet, während sämtliche andere Ortschaften der Pfarrei als "loca deserta" als unbewohnte Orte beschrieben wurden.


Barockisierung 1680
Um 1660/80 hat man die Kirche mit drei neuen Altären ausgestattet. Möglicherweise gab es im Krieg doch Beschädigungen der Einrichtung oder es war der Wunsch nach damals moderner barocker Ausstattung, der die Maßnahmen so kurz nach der Katastrophe förderte. Der heutige Choraltar unter dem Turm stammt noch aus dieser Zeit.
Am 8.Oktober 1708 wurde die Kirche durch Fürstbischof Franz von Freising geweiht. Auf einer Holztafel die früher im Pfarrhof Langenpettenbach aufbewahrt wurde, sind die Reliquien, die in den neuen Altären "bestattet" wurden, aufgeführt.


S
chmidt'sche Matrikel von 1738 02)
In den Jahren 1738 bis 1740, hatte der Freisinger Kanonikus Schmidt alle Pfarreien der Diözese Freising besucht und auch die Filialkirchen kurz beschrieben (Schmidt'schen Matrikel). Zur "Ecclesia filialis s.Michaelis in Langenpettenbach" bemerkt er, diese Kirche sei von ausreichender Schönheit. Sie habe drei Altäre, von denen der Hochaltar zwar in erster Linie dem Erzengel Michael, daneben aber auch dem Erzengel Gabriel rechts und dem Erzengel Raphael links geweiht sei (deren Figuren sind noch heute am alten Choraltar zu sehen). Die Seitenaltäre hätten als Patronat den Martyrer Sebastian und Pauli Bekehrung. Gottesdienste würden durch den Vikar aus dem Kloster Indersdorf häufig gefeiert: Jeden dritten Sonntag sowie an vielen Festen von Jungfrauen, Bekennern und Martyrern. Das Kirchweihfest falle auf den Sonntag nach Jakobi (25.Juli). Im Friedhof stehe ein Beinhaus und im Turm hingen zwei geweihte Glocken. Die Einkünfte der Kirche verwalteten das Kloster durch den Vikar und der Landpfleger von Kranzberg. Der Bericht endet mit dem einzigen Satz in deutscher Sprache: "Das Vermögen dises Gottshauses solle diser Zeit gegen 400 fl. (=Gulden) ausmachen. Das war kein hoher Betrag, ist aber mit dem Umbau von 1708 zu erklären.

1760 wurde die Kirche repariert. Zuständiger Maurermeister war Johann Pürckh aus Langenpettenbach  17). Der Zimmerer August Reggauer 20) aus Glonn besserte den Turm aus.

Aus den Pfarrakten ist bekannt, dass im Jahr 1784 der kurfürstliche Hof- und Landbaumeister Anton Baumgartner (1753-1789) eine Baufallschätzung (Schätzung eines Bauschadens) für den Pfarrhof erstellt hat. Ob und ggf. wann die Schäden behoben wurden, ist mir nicht bekannt. Doch lässt die Tatsache, dass der Glockenumhänger und Uhrmacher Gregor Schleishamer aus Glonn Glocken im Langenpettenbacher Turm umgehängt hat, auf Baumaßnahmen schließen. 17)

Pfarrei Langenpettenbach ab 1806 09)
Im Jahr 1806, als Bayern ein Königreich von Napoleons Gnaden wurde, hat man die Pfarrei Langenpettenbach gegründet. Das Kloster Indersdorf bestand damals schon 23 Jahre nicht mehr. Den damaligen Pfarrvikar in Langenpettenbach Franz Zinker hat man als ersten Pfarrer eingesetzt. Er erhielt pro Jahr als Salär eine Sume von 660 Gulden. Die früher vom Kloster bewirtschaftete Ökonomie, die in staatlichen Besitz übergegangen war, wurde eingestellt, das vorhandene Vieh und das Getreide "billig zu Schleuderpreisen verkauft"


Umbau 1848

Schon am 10.7.1846 stellte Pfarrer Peter Vogl den Antrag auf Erweiterung er Pfarrkirche. Zwei Jahre später wurde das Vorhaben verwirklicht und das 17 Meter lange und 6 Meter breite Kirchenschiff um vier Meter nach Westen verlängert. Die Kosten betrugen 4.400 Gulden, wovon der Staat 3.434 Gulden übernehmen musste. Durch den Reichsdeputationshauptbeschluss vom 25.2.1803 hatte das Königreich Bayern den Großzehnt der Kirche übernommen und musste deshalb einen Teil der Baupflicht tragen.
09) Auch die Filialgemeinden Arnzell und Ainhofen leisteten ihren Beitrag (127 Gulden). Zudem hätten die Pfarreien Weichs, Indersdorf, Jetzendorf und Hilgertshausen einen Teil der Kosten tragen sollen; bis auf Indersdorf verweigerten diese Pfarreien jedoch "verschiedener Gründe halber die Zahlung". 09)
1855 wurde der westliche Giebel verputzt und die Kirche umgepflastert.
Aus dem Jahr 1858, also 10 Jahre nach dem Umbau, ist im Königlich-Bayerischen Kreisamtsblatt von Oberbayern des Jahres 1858 ein Zuschuss des Königreichs in Höhe von von 50 Gulden "für die Baureparaturen an der Pfarrkirche Langenpettenach, k.Landgerichts Dachau" vermerkt. 04)
Ob das noch der Abzahlung der Schulden von 1848 diente oder schon neue Reparaturen betraf, ist mir nicht bekannt.

Beschreibung 1880 07)
Kirche und Pfarrei Langenpettenbach sind auch in der "Statistischen Beschreibung des Erzbisthums München-Freising" aus der Zeit um 1874-84 enthalten, die zunächst der Benefiziat Anton Mayer und -nach dessen Tod 1877- Pfarrer Georg Westermayer als Buch veröffentlichten.
Diese bisher umfangreichste Diözesanbeschreibung sollte in erster Linie den praktischen Bedürfnissen der Diözesan- und Staatsverwaltung dienen. Daneben hat das Werk in Form von "kleinen Notizen" die Ergebnisse der aufblühenden orts- und lokalgeschichtlichen Forschung sowie die gedruckten Quellen und die von Heckenstaller und Deutinger gesammelten Unterlagen im Archiv des Erzbistums verwertet. Erste Grundlage dieser "Mosaikarbeit" waren Mitteilungen der Pfarrämter.

Geographie: "Die Pfarrei hat 824 Seelen in 144 Häusern. Davon wohnen aber nur 238 Gläubige (in 45 Häusern) in der Ortschaft Langenpettenbach selbst, die Übrigen in Senkenschlag 79 (17), in Ainhofen 172 (30), in Arnzell 72 (11), in Ottmarshausen 33 (4), Schönberg 59 (10), Wagenried 57 (11) und in 11 weiteren Weilern und Einöden. Im Pfarrbezirk befinden sich auch 21 Protestanten, die nach Kemmoden eingepfarrt sind. Beim Weiler Eichstock ist ein Menonitentempel, in welchem die zugehörigen Menoniten alle 6 Wochen Gottesdienst haben. Der Umfang der Pfarrei beträgt circa 19 km. Die Wege sind gut, im Winther aber theilweise beschwerlich." 1 Lehrer unterrichtet im 1828 erbauten Schulhaus 106 Werktags- und 37 Feiertagsschüler.
Pfarrei: "Präsentationsrecht besitzt der König. Die Kirchenrechnung weist bei 2121 Mark Einnahmen und 698 Mark Lasten einen jährlichen Reinertrag von 1423 Mark aus. Das Widum (=der Pfarrbauernhof) umfasst nur Grundstücke von 2 Tagwerk Fläche rings um das noch von Propst Weiß (1728-1748) errichtete Pfarrhaus. Dieses Pfarrhaus ist sehr geräumig, weniger praktisch eingetheilt, das Erdgeschoß durchaus gewölbt, doch trocken. Die Ökonomiegebäude für 2 Kühe sind mit dem Pfarrgebäude vereinigt. Der Hilfspriester, ein Coadjutor, wohnt im Pfarrhause. Die Matrikelbücher beginnen 1626".
Kirche: "Erbauungsjahr unbekannt, verlängert 1848, restaurirt 1878. Styllos. Schiff mit Flachdecke, Presbyterium unter dem Thurm gewölbt. Geräumigkeit viel zu beschränkt; zur Erweiterung oder Neubau wurde ein Fond gegründet. Baupflicht hat der Staat. Sattelthurm. Glockeninschriften: a): "In nomine Jesu omne genu fle(ctatur). Goss mich J.M. Langenegger in München 1711". b): "Gegossen von Wolfgang
Hubinger in München anno 1848". (Kirche) consecrirt am 8.October 1708. 3 Altäre; Orgel mit 6 Registern; hölzerner Taufstein. Cemeterium (=Friedhof) bei der Kirche ohne Kapelle. Wechselgottesdienste mit den Filialen, also jeden 3.Sonntag. Ewige Anbetung am 13.Febr. Stiftungen: 20 Jahrtage und 39 Jahrmessen. Den Meßner- und Cantordienst versieht der Lehrer. Eigenes Meßnerhaus nicht vorhanden. Vermögen der Kirche: 15.800 Mark".


Beschreibung 1895 
22)
Ein Kunstwerk der Pfarrei Langenpettenbach ist auch im Verzeichnis der Kunstdenkmale des Königreichs Bayern erwähnt, dessen Dachauer Teil 1888 von Prof. Gustav von Bezold und Dr. Georg Hager bearbeitet und 1895 von Betzold und Dr. Riehl im Auftrag des Königl.Bayer. Innenministeriums herausgegeben wurde:
   "Kirche. Altäre aus dem Ende des 17. Jahrhundert. Im Pfarrhof Bild des letzten Dekans von Indersdorf, gemalt von Jos. Zoll
     im Mai 1791, mit langer auf die Aufhebung des Klosters bezüglicher Inschrift."


Umbau/Neubau 1922
09)
Im Jahr wurde 1922 quer durch die bereits bestehende spätgotische Kirche eine neue Kirche gebaut.

Schon 1901 war ein Kirchenbauverein gegründet worden, der zunächst den Platz für den Anbau sicherte. Dazu musste ein Gütlerhäuschen gekauft und abgerissen werden. 1913 entwarf man den ersten Plan. Bei seiner Verwirklichung wäre die Kirche "ein Prachtbau geworden" erinnerte man sich 9 Jahre später. Die immensen Kosten dieses "Prachtbaus" führten zu Unstimmigkeiten im Kirchenbauverein und zu Verzögerungen. Dann verhinderte der Ausbruch des Ersten Weltkriegs die Bauausführung.

Erst Pfarrer Keller, der am 1.Juli 1920 die Pfarrei übernahm, brachte wieder Schwung in die Baupläne. Ein Pfarrer "mit Zollstab und Winkel" wurde er genannt. Schon im September 1920 beschloss man den Neubau in Süd/Nordrichtung und als man 1921 in einer Sammlung 100.000 Mark nebst mehreren Kubikmetern Holz zusammenbrachte, wurde "nach einer äußerst stürmischen Versammlung am Osterdienstag" beschlossen, mit dem Bau zu beginnen. Gerade noch rechtzeitig, denn schon ein Jahr später wäre der finanzielle Grundstock durch die Hyperinflation von 1922 bis 1923 und die Währungsreform am 15.11.1923 vernichtet gewesen.

Der Bau wurde dem Maurermeister Neumeier aus Hof und den Zimmermeistern Gattinger aus Vierkirchen und Schilcher aus Westerholzhausen übertragen. "Zur Gewinnung billiger Steine und Hölzer" kaufte man die Brauerei Unterweikertshofen zum Abbruch; doch das Material passte nicht und so musste man die Brauereiruine weiter verkaufen.
Die Außenmauern bestehen bis zu einer Höhe von 1,40 Meter aus Beton, darüber aus Ziegeln. Vor Beginn der Ernte war der Rohbau fertig, begünstigt durch einen herrlichen Sommer. Während der Erntezeit 1921 stellte man die Bauarbeiten ein.
Der Rohbau ohne Inneneinrichtung kostete gut 200.000 Mark.
Die Schreinerarbeiten übernahm die Fa. Baumann aus Langenpettenbach, die Schlosserarbeiten die Fa. Baldauf in Indersdorf, die Spenglerarbeiten die Fa. Schrott in Indersdorf und die Glaserarbeiten teilten sich die Firmen Ebermaier aus Indersdorf und Fa. Eberle aus Dachau. Allerdings wurden die Fenster erst während der Wintermonate eingesetzt. So war es bei den Gottesdiensten im strengen Winter 1921/22 nicht gerade gemütlich, zudem auch noch das Pflaster und die Kirchenstühle fehlten.

Im März 1922 hat man den Bau vollendet. Der Boden der alten Kirche wurde um 45 cm tiefer gelegt und mit einem neuen Pflaster aus Sollnhofener Platten ausgestattet. Eine neue Kanzel konnte man sich noch nicht leisten; deshalb hat man die alte Kanzel wieder eingebaut, "bis Mittel zu einer neuen Kanzel vorhanden sind", so ein Bericht. Die neuen Kirchenstühle boten 285 Gläubigen einen Sitzplatz; dazu kamen noch die Plätze in den Kinderbänken. Die neue Empore hatte 77 qm Grundfläche. Auch links und rechts der neuen Orgel von Leopold Nenninger (1880-1970) waren Betstühle aufgestellt. Die Kirche erhielt erstmals ein elektrisches Licht (13 Lampen). Gegenüber dem alten Hochaltar sollte ein Seitenaltar aufgestellt werden. Die Kirche hatte nun 3 Eingänge bekommen. Sogar ein Beinhaus wurde noch errichtet; es war ein kleiner Anbau an die Kirche zwischen Turm und Kirchenmauer.

Am 7.Juli 1922 wurde die Kirche von Kardinal Faulhaber eingeweiht. In der Pfarrchronik gibt es darüber einen interessanten Bericht. Wenn Sie ihn lesen möchten, klicken Sie hier...

Insgesamt war man mit dem Bau zufrieden. In einem Bericht heißt es:
" Gottes Segen war bei dem ganzen Bau ! Ohne jeden Unfall entstand die neue Kirche. Opferwillige Leute forderten sie. Doch wahrlich, diese Opfer sind nicht umsonst... Ihr Pettenbacher seid mancher Pfarrei ein Vorbild, ein Vorbild was opfernde Liebe leisten kann... Jahrhunderte werden vergehen, Generationen kommen und schwinden, aber fest wie ein Fels wird die Kirche im Dörflein stehen, so Gottes Wille es ist, und wie (gemeint wohl: nie) wird das Jahr 1921/22 in der Geschichte des Dorfes, der Gemeinde und Pfarrei vergessen werden. Eure Kindeskinder werden es Euch danken, was Ihr jetzt mit Hilfe Eures Pfarrers geschafft habt."


Pfarrei

Langenpettenbach gehörte früher zur Pfarrei Glonn und wurde mit ihr und Arnzell im Jahr 1221 dem Kloster Indersdorf inkorporiert. Dort blieb es Jahrhunderte lang und wurde von den Patres aus dem Kloster seelsorgerisch betreut. Zunächst wurde nur jeden dritten Sonntag sowie an den großen Feiertagen Gottesdienst gefeiert; die Taufen fanden im Kloster statt.
Als 1736 in Langenpettenbach ein Pfarrhof gebaut wurde, in dem zwei Augustinerpatres ständig wohnten, verbesserte sich die seelsorgerische Situation. Aber es gab schon frühe Bestrebungen für eine eigene Pfarrei. Als ein Bauer aus Stangenried unter Probst Georg II. (1704-1721) einen eigenen Pfarrer verlangte, erhielt er drei Tage Haft, bis er anderer Ansicht wurde.
Erst 1806 wurde die Pfarrei Langenpettenbach selbstständig. Sie erhielt einen eigenen Pfarrer und einen "Hülfspriester" (=Kaplan), wie Dr.Deutinger 1850 schreibt. Filialkirchen waren Arnzell, Ainhofen und die Johanneskirche in Harreszell (1740: mit 1 Altar, ohne Sakristei, ohne Friedhof, mit zwei Glocken im Turm).

Seit 2002 bilden die Pfarreien Westerholzhausen, Langenpettenbach, Indersdorf und (seit 2005) Niederroth den Pfarrverband Indersdorf. 28)


Statistik
In den alten Matrikeln, Beschreibungen und Zeitungsberichten werden immer wieder Zahlen genannt, die sich auf die Bevölkerung, die Seelen (Pfarreiangehörige), Häuser, Anwesen, Gebäude oder Familien beziehen. Leider ist die Bezugsgröße dieser Zahlen sehr unterschiedlich; sie sind deshalb nicht immer vergleichbar. So beziehen sich die Werte teils auf die Ortschaft oder die Gemeinde, teils auf die Pfarrei.
1500: Ortschaft mit 31 Anwesen 34)
1847
: Pfarrei mit mit
635 Gläubigen 01)
1852: Gemeinde mit 93 Familien und 427 Einwohnern 03)
1867: Gemeinde mit 405 Einwohnern, 153 Gebäuden

         Ortschaft mit 252 Einwohnern in 91
Gebäuden (dazu Ainried 10/1, Eichstock 14 Einw.davon 5 Protestanten, 8 Mennoniten
         Harreszell 14 Einw. davon 3 Protestanten, 6 Mennoniten, Kattaleich 8/5, Lochhausen 9/4, Schenkenschlag 82 Einw.
         davon 6 Protestanten, Stangenried 27/12)
05)
1880: Pfarrei mit
824 Gläubigen in 144 Häusern.
         Ort Langenpettenbach mit
238 Gläubigen in 45 Häusern. 07)

Berichte aus der Pfarrei
Die Dachauer Zeitungen haben in den letzten 120 Jahren immer wieder aus dem Pfarrleben berichtet. Diese Berichte befassen sich nicht unmittelbar mit den Kirchengebäuden, vermitteln aber einen ergänzenden Eindruck aus der damaligen Zeit.
Unter anderem Berichte über Primizen und Installationen wie hier in Langenpettenbach. 06), 11) Wenn Sie den Bericht lesen möchten, klicken Sie hier...


Baubeschreibung

Die jetzige kath. Pfarrkirche St. Michael liegt am Dorfrand auf einer kleinen Anhöhe in einem ummauerten Friedhof. Sie ist eine besondere Baukonstruktion: Im Jahr wurde 1922 quer durch die bereits bestehende spätgotische Kirche eine neue Kirche gebaut. Die beiden Kirchen bilden nunmehr ein Kreuz. Die alte Kirche verläuft von Ost nach West, die neue von Süd nach Nord.

Die Kirche hat nun auch zwei Altarräume,
- den alten unter dem Turm mit dem barocken Altar und
- den neuen, dreiseitiggeschlossenen, mit dem modernen Volksaltar (Bild siehe oben).
Der vordere Teil des alten Kirchenschiffs ist nunmehr die Freifläche vor dem neuen Chor; der hintere Teil beherbergt das Hl.Grab.

Alle Dächer sind mit Geradschnittbiber gedeckt. 25)


Ansicht von der Nordseite

Der Zugänge zur Kirche liegen an der Nordseite und der Westseite
An der Nordseite (Rückseite) gibt ein kleiner Portalvorbau Schutz vor Witterung. Eine 17fach abgetreppte Lisene (Stufenfries) und mehrere Spitzbogenfenster verleihen dem Giebel Struktur. So gleicht diese 1922 errichtete Eingangsseite der alten Westseite von 1850.

Das außerordentlich kunstvoll geschnitzte Eichenportal, umgeben von einem gelb gefärbten Gewände, soll in der 1.Hälfte des 18.Jh für das Kloster Indersdorf angefertigt worden und erst später nach Langenpettenbach gekommen sein 25)
(siehe Bilder links und rechts).

Rechts neben dem Eingang ist eine Steinplatte eingemauert, die an die gefallenen und vermissten Soldaten der Weltkriege erinnert.


Portal 18.Jh.

Die Kirche hat in Süd-Nord-Richtung eine innere Länge von 33,2 Metern, eine Breite von 11 Metern und eine Höhe von 7 Metern.


Epitaphe

In die Außenwand sind neben dem Eingang mehrere Epitaphe eingelassen. Sie erinnern an frühere Seelsorger, die im 19.Jh in der Pfarrei tätig waren.

Epitaph 1879

Text: Zum frommen Andenken an den hochwürdigen Herrn Michael Söhnle, seit 20 Jahren Pfarrer dahier. Geboren am 23.August 1804 zu Landshn., gestorben am 7.April 1879.
"Höre nicht auf zu rufen. Wie eine Posaune erhebe Deine Stimme und verkünde meinem Volke ihre Sünden. Jsaias Cap.5,S.1   R.I.P"

Hinweis: Epitaphe gibt es in unseren Kirchen erst seit dem 14. Jh. als Gedächtnismal für einen Verstorbenen in Form einer Steinplatte, die innen oder außen an der Kirchenwand senkrecht aufgestellt wird. Epitaphe (griech. Grabinschrift) wurden für diesen Zweck eigens angefertigt; sie sind keine früheren Grabplatten. Das Epitaph ist auch kein Grabmal, weil sich weder dahinter noch darunter ein Grab befindet.


Turm

Altester Teil der Anlage ist der mächtige Kirchturm, der in seinem Erdgeschoss den alten Altarraum birgt. Der Turm hat einen fast quadratischen Grundriss von 4 x 4,15 m ; die Mauern haben eine Stärke von bis zu 115 cm.
09)

Im unverputzten Turminneren sind eindeutig vermauerte romanische Rundbogenfenster zu erkennen. Änderungen in der Mauerstruktur im oberen Teil des Turmes weisen auf eine spätere Erhöhung von 20 Metern auf 23,5 Metern hin 09). Die Turmuhren sind in verschiedener Höhe angebracht. Nach der Kirchenbeschreibung von 1922 war die Turmuhr damals "ein altes Werk und sehr wetterlaunisch". 09)

In der Glockenstube mit rundbogigen Schallfenstern hängen vier Glocken, die alle im Jahr 1922 in Bochum gegossen worden sind (Gussstahlglocken). Sie sind 20, 26 und 39 Zentner schwer und erklingen in den Tönen c'-es'-f'-as'
29). Von zweien sind die Durchmesser von 170 cm und 140 cm bekannt. 25) Die Glocken fielen als Stahlglocken nicht unter die Ablieferungspflicht im II.Weltkrieg, die nur Bronzeglocken einschloss.

Über die Anlieferung der Glocken von 1922 existiert ein Bericht 10)
; wenn Sie ihn lesen möchten,
klicken Sie hier...

Vom heutigen Glockengeläute der Kirche gibt es eine Audioaufnahme auf youtube 32) . Wenn Sie es hören möchten, klicken Sie hier...

Frühere Glocken
Die 1643 von
Bernhard Ernst (1597 bis nach 1681) aus München für Harreszell gegossenen und später nach Langenpettenbach verbrachten kleineren Glocken mussten im Ersten Weltkrieg zum Einschmelzen abgeliefert werden. Ob die große, 600 Pfund schwere Glocke (Grundton a), die von Johann Mathias Langenecker 1711

oder 1705 gegossen worden war, das gleiche Schicksal erlitt, kann ich leider nicht sagen. Eine im Jahr 1848 von Andreas Brettmeister gestiftete 09) und von Wolfgang Hubinger 18) gegossene, 350 Pfund schwere (Grundton fis) Michaelsglocke (die erstmals beim Requiem für ihren Stifter erklang) ist 1922 nach Unterweikertshofen gekommen und hat wohl den Ersten Weltkrieg überstanden, in der Kirchenbeschreibung von 1922 steht: "Nun läutet sie den Unterweikertshofern".
Vor 1918 hatte die Kirche vier Glocken, neben den erwähnten Glocken von Langenecker und Hubinger noch zwei Glöckchen mit 80 und 60 Pfund, die aus der abgebrochenen Kapelle in Harreszell stammten. Sie wurden "dem Weltkriege geopfert".

Eine Übersicht über die ältesten Glocken im Landkreis Dachau finden Sie hier...

Neben dem neuen Altarraum stehen an der Südseite zwei eingeschossige Anbauten:
- der östliche beherbergt die 1734 errichtete Sakristei,
- im westlichen sind Abstellräume (früher Paramentenkammer) eingerichtet.

An der Ostwand des Kirchenschiffs ist ein 130 cm hohes Missionskreuz aus der Zeit um 1910 angebracht. Der polychrom gefasste Corpus soll aus Gusseisen bestehen 25). Das Lendentuch ist außen vergoldet.
Für welche Volksmission das Kreuz angefertigt wurde, ist nicht bekannt. Die erste Volksmission in BAyern wurde 1843 in Tuntenhausen abgehalten.
Das kirchliche Gesetzbuch von 1917 schrieb z.B. vor, dass wenigstens alle zehn Jahre eine Volksmission durchgeführt werden solle. Aus Langenpettenbach ist eine Volksmission vom 11.-18.6.1869 bekannt, die von Jesuiten abgehalten wurde. 09)




Inneneinrichtung

Innenmaße des Kirchenraumes:

Länge der Kirche   Breite der Kirche   Höhe  der Kirche
insgesamt                 34,40 m
  davon: Kirchenschiff 26,60 m
         Chorbogen         0,75 m
         Altarraum          7,05 m

alter Altarraum: 3,99 m +1,15 Chorbogen
       

Kirchenschiff: 11,00 m Altarraum:       6,75 m

alter Altarraum: 3,95 m

       

Kirchenschiff:   6,55 m,
Altarraum:       7,35 m (+ 3 Stufen)

alter Altarraum: 5,10 m + 4 Stufen


Seitenschiffe: nach links und rechts vom Hauptschiff: je 5,70 m bei einer eigenen Breite von 6,43



N
euer Altarraum/Chorraum

Der 1922 (andere Quelle: schon 1848 25)) errichtete neue Altar-raum ist neugotisch eingewölbt.

Schlussstein
Die Gewölberippen des Sterngewölbes treffen sich in einem runden Schlussstein, der die Form einer
Blüte hat. Der Schlussstein verbindet normalerweise die Rippen eines Steingewölbes. Hier in Langen-pettenbach dürfte er nicht nötig sein, weil das Gewölbe an eine darüber liegende Holzkonstruktion angehängt ist. Es ist aber ein stimmiges Dekorationselement.
Figuren im ChorraumKreuzigungsgruppeFiguren im ChorraumSt.Michael am Chorbogenzur Beschreibung des Zelebrationsaltars Nach unten stützen sich die vier Gewölberippen auf verzierte Konsolen.
Der Stein ist als zum Kreis geform-tes Akanthus-blattes gestaltet, das bei etwas Fantasie das

Konsole
Gesicht eines Fabelwesens sein könnte.

Der Chorraum ist durch einen spitz zulaufenden profilierten Gewände-Chorbogen mit einem Auge Gottes im Chorbogen-scheitel vom Langhaus getrennt.

An den Wänden stehen vier Heiligenfiguren. In der Mitte hängt eine Kreuzigungsgruppe.

Unter dem Chorbogen steht der in vier unterschiedlich großen Schichten aus Tuffstein 25) gemauerte Zelebrationsaltar. Die Altarplatte besteht aus Rotmarmor. Er ist 182 cm breit und 90 cm hoch.
Das Ambo aus Bronzeguss hat eine Höhe von 138 cm und wurde 1970/80 gefertigt
25).

Hinweis: Der Altar war das Symbol des heidni-schen Gottesdienstes. Das lateinische Wort adolere = verbrennen bezeichnet die ursprüngliche Bedeutung als Stätte zur Verbrennung der Opfer. Die ersten Christen hatten keinen Altar. Jesus versammelte die Seinen um den Tisch, und das hielten auch die Christen während der ersten Jahrhunderte so; zur Eucharistiefeier konnte jeder beliebige Tisch dienen.

Zelebrationsaltar
Im 4.Jh wurde das Opfer Jesu in das Tischgesche-hen hineingenommen und der Altar eingeführt. Er war meist aus Stein, frei aufgestellt und von allen Seiten zugänglich. Ab dem 8. Jh. weicht die Tisch-form immer mehr der Blockform. Dies kommt der Entwicklung entgegen, im Altar Reliquien von Märtyrern und Heiligen beizusetzen. Der zelebrierende Priester stand hinter dem Altar, sodass seine Handlungen während der Messfeier
  für die ganze Gemeinde sichtbar waren. Als der Altar dann im 11.Jh eine Rückwand mit hohen Altaraufbauten (Retabel) erhielt und weiter an die Ostwand rückte, wandte der Priester der Gemeinde den Rücken zu. Dies ist in der katholischen Kirche durch eine Liturgiereform erst vor 55 Jahren wieder rückgängig gemacht worden. Der Zelebrationsalter ersetzt nun liturgisch voll den Hochaltar.
Kreuzigungsgruppe
Mittelpunkt des Chorraums ist eine Kreuzigungs-gruppe mit fast lebensgroßen Figuren von Maria und dem Apostel Johannes, die über dem Altar hängt.
Die Figuren und das 190 cm hohe Kreuz dürften um 1900 geschnitzt worden sein. 25)

Johannes hält einen Kelch in der Hand. Der Kelch ist das Attribut des Evangelisten Johannes. Es erinnert an einen gescheiterten Mordversuch an ihm. In der Kunst waren lange Zeit der Apostel und der Evangelist gleichgesetzt worden, obwohl es sich um zwei verschiedene Personen handelt.

Kreuzigungsgruppe

Die Figuren sind dem Blutenburger Apostelzyklus nachempfunden, der um 1500 von einem unbekannten Künstler, der heute "Blutenburger Meister" genannt wird, aus Lindenholz geschnitzt wurde.
Dort sind sie Begleitfiguren für den auferstandenen Christus. Die unveränderte Übernahme des Johannes mit seinem Attribut Kelch in die Kreuzigungszene ist deshalb -unabhängig von der falschen Zuordnung des Attributs- kunsthistorisch nicht korrekt. Zudem steht Maria auf der falschen Seite unter dem Kreuz.


Im Altarraum stehen auch die Figuren der ehemaligen Seitenaltäre. Die Bildhauer sind nicht bekannt.
Ostseite (links):

St.Rochus

St.Rochus, in Pilgerkleidung, der seine Pestwunde am Bein zeigt; zu seinen Füßen ein kleiner Engel. Die Figur wurde im 16.Jh 25) geschnitzt.
Hinweis: St.Rochus (1295-1327) trat in den Dritten Orden der Franziskaner ein und begab sich auf Pilgerfahrt nach Rom; unterwegs half er bei der Pflege von Pestkranken. Er wurde selbst pestkrank (Pestbeule am Oberschenkel) und zog sich in eine Hütte im Wald zurück. Dort pflegte ihn ein Engel und ein Hund brachte ihm Brot, bis er genesen war und heimkehren konnte. Daheim wurde er für einen Spion gehalten und bis zu seinem Tod eingekerkert.Rochus wird in einigen Gegenden zu den 14 Nothelfern (zuständig für Bein- und Knieleiden) gerechnet. Gedenktag: 16.August


St.Notburga
St.Notburga, mit ihrem Attribut, der Sichel (20.Jh). Bei dieser Statue handelt es sich um eine Nachbildung der Figur, die Ignaz Günther für die Kirche Rott am Inn geschnitzt hat.
Hinweis: Die in Bayern ungemein beliebte Notburga war eine Bauernsmagd aus Tirol, die der Aufforderung des Bauern, auch nach dem Gebetläuten noch auf dem Feld zu arbeiten, nicht nachkam. Als sie der Bauer zur Rede stellte, warf Notburga ihre Sichel in die Luft, wo sie frei schwebend "hängen blieb". Notburga ist eine der wenigen Heiligen, die aus ganz einfachen Verhältnissen kamen und kein geistliches Amt innehatten.
Gedenktag: 14.September

An der Westseite des Chores (rechts) steht St. Laurentius im kurzärmeligen Diakonsgewand und hält eine Märtyrerpalme in der Hand. Vor ihm der Feuerrost als Zeichen seines Martyriums. Diese Figur stammt aus dem 17.Jh.25)
  Hinweis: Laurentius war um das Jahr 250 einer der sieben Diakone in der Stadt Rom. Er sollte im Auftrag des Papstes den Kirchenschatz unter den Leidenden und Armen austeilen. Kaiser Valerian erhob Anspruch auf diese Schätze; als Laurentius sie nicht an ihn herausgab, ließ er ihn mit Bleiklötzen schlagen, zwischen glühende Platten legen und befahl schließlich, den Unerschütter-lichen über stetig unterhaltenem Feuer auf einem Rost langsam zu Tode zu martern.
Gedenktag: 10.August

St.Laurentius
St.Sebastian ist an den Marterbaum gebunden. Fünf Pfeile stecken in seinem Körper. Die Figur stammt aus der 1.Hälfte des 17.Jh. 25)
  Hinweis: Sebastian war im 3.Jh.ein Offizier der kaiserlichen Garde, der auf Befehl des Kaisers Diokletian mit Pfeilen durchschossen wurde. Er erholte sich aber durch die Pflege der Witwe des Märtyrers Kastulus, bekannte sich erneut zu seinem Glauben und wurde daraufhin mit Keulen erschlagen. Auf seine Anrufung hin, soll eine Pestepidemie abgewendet worden sein. Der heilige Sebastian wird deshalb als Pestpatron und -der Pfeile wegen- als Patron der Schützenbruder-schaften verehrt.  Gedenktag: 20. Januar

St.Sebastian
In der Osterzeit steht eine große Figur des auferstandenen Christus unter dem Chorbogen.
Er ist mit einem vergoldeten Lendentuch bekleidet. In der linken Hand hält er die Siegesfahne; die Rechte hat er segnend erhoben.
Hinter ihm hebt ein die ganze Figur überdeckender Strahlenkranz den verklärten Christus hervor.

Auferstandener Christus
Die Hl. Schrift beschreibt den Vorgang der Auferstehung selbst nicht. Zahlreich sind die Zeugnisse für die Begegnung der Frauen oder der Jünger mit dem Auferstandenen, die aber in der frühchristlichen Zeit künstlerisch nicht dargestellt wurden. Erst in der Kunst des hohen Mittelalters wird Christus gezeigt, wie er mit der Kreuzesfahne in siegreicher Majestät aus der Grabesgruft steigt.


Chorbogen

Am Chorbogen steht eine Figur des Patrons der Kirche, des hl. Michael. Der Erzengel mit dem Kreuzstab in der Hand steht mit dem Fuß auf dem besiegten Luzifer. Die Figur wurde im 20.Jh geschnitzt.



St.Michael

 

Michael ist mit Raphael und Gabriel einer der drei Erzengel. Nach der Überlieferung war Michael häufig mit der Heilsgeschichte der Menschen verbunden:
—  Er stürzte, schon vor Beginn der Schöpfung, den Luzifer,
—  trieb Adam und Eva mit dem Schwert aus dem Paradies (1. Mose 3, 23 - 24)
—  zeigte Hagar, der von Abrahams eifersüchtiger Frau Sara vertriebenen Magd, die Quelle zur Rettung ihres
     und ihres Sohnes Leben (1. Mose 16, 7 - 12).
—  Michael gilt auch als einer der drei Männer, die Abraham besuchten (1. Mose 18, 1 - 16),
—  er hinderte Abraham, den Isaak zu töten (1. Mose 22, 11 - 18)
—  rang mit Jakob (1. Mose 32, 24 - 29),
—  teilte das Rote Meer beim Auszug aus Ägypten (2. Mose 14, 19 - 22),
—  führte Israel ins gelobte Land und
—  kämpfte mit dem Teufel um die Seele von Mose
—  erschien rettend den Jünglingen im Feuerofen bei Daniel (Daniel 3, 25 - 26) und
—  hielt Habakuk an den Haaren über die Löwengrube.
—  Michael hält die Seelenwaage beim Jüngsten Gericht und
—  empfängt die Seligen im Paradies, so wie Petrus an der Himmelspforte.

Der Kreuzstab ist ein uraltes Siegeszeichen.


Am Chorbogenscheitel ist das Auge Gottes zu sehen.


Alter Altarraum

Der alte Chor (jetzt östliches Querschiff) ist -entsprechend dem Turm-Grundriss- fast quadratisch. Die Decke besteht aus einem Kreuzgratgewölbe; sie ist mit vielen feinen Stuckornamenten, insbesondere Akanthusranken, Bandlwerk und Rosetten verziert.
Die Stuckausstattung wurde anläßlich der Altarweihen am 8.10.1708 aufgebracht. Der Boden ist seit dem Umbau 1922 um 45 cm tiefer gelegt. Deshalb führen heute 5 Stufen zum alten Chor hinauf.

Deckenstuck

Im alten Chorraum steht der frühere barocke Hochaltar.
Der knapp 3 Meter breite und raumhohe Altaraufbau ist schwarz gefasst. Die Füllungen und die Säulen sind grau-beige-rot marmoriert. Das verkröpfte Gebälk ist mit Eierstabmustern verziert.

Alter Altarraum (bis 1922) Jesus und GottvaterReliquienpyramidenSt.MichaelEngel GabrielEngel Raphael

Der Altar wurde im Rahmen der Barockisierung um 1660/80 angeschafft. Auf der Rückseite ist eine Inschrift (Öl auf Holz) angebracht, die auf die Altarweihe am 8.10.1708 hinweist. Auf eine Holztafel hat man die Namen der Heiligen geschrieben, deren Reliquien damals in den Altären "bestattet" wurden. Darunter waren auch Partikel von St.Korbinian.

Der Altaraufsatz sitzt auf dem gekröpften Gebälk mit Sprenggiebeln und zwei darauf knienden Anbetungsengeln (Volutenengeln). Darüber eine kleinere Inschriftenkartusche mit dem Text "St.Angelus Custos" (Schutzengel). Zwischen zwei Säulchen, die einen Segmentgiebel tragen, umgeben ein hochovales Gemälde des hl. Korbinian im Bischofsornat aus der Zeit des beginnenden 18.Jh. 25)

Die Stipes (Altarblock) hat die Form eines Sarkophags. Das Antependium besteht aus schwarz gefassten Holz, verziert mit einer Felderung aus grau-roter Marmorierung mit Kreuz.

Beherrschende Figuren im Mittelteil des Altars sind die drei Erzengel St. Michael (in der Mittelnische mit Schwert und Seelenwaage) sowie die Erzengel St. Gabriel und St. Raphael auf Sockeln neben Michael.
Die beiden Assistenzfiguren Gabriel und Raphael stammen aus dem Ende des 17.Jh. (andere Quelle: 1708 25)). Die Figur des Patrons St.Michael dürfte im 20.Jh geschnitzt worden sein. Sie stand jedenfalls bis Ende des Zweiten Weltkriegs am Choraltar in Ainhofen. Während dieser Zeit war hier in Langenpettenbach ein Altarblatt angebracht, das ein Gemälde des hl. Michaels mit Schwert und Schild zeigte.

Zwischen Altaraufsatz und Hochaltarfigur weist eine Schriftkartusche mit den Worten "St.Michael ora pro nobis" auf blauem Grund auf den Kirchenpatron hin.

  Hinweis: Die liturgische Verehrung der Schutzengel hat sich vor allem im 15. und 16. Jahrhundert verbreitet, zunächst in Verbindung mit dem Fest des Erzengels Michael (29. September); 1670 hat Papst Klemens X. das Schutzengelfest für die ganze Kirche vorgeschrieben und auf den 2. Oktober festgelegt. Der Glaube an die Schutzengel stützt sich vor allem auf Mt 18, 10. Dort ist zu lesen: Hütet Euch davor, einen dieser Kleinen zu verachten. Denn ich sage Euch Ihre Engel im Himmel sehen stets das Angesicht meines himmlischen Vaters.


Frühere Seitenaltäre im alten Kirchenschiff
9)

Die früheren Seitenaltäre sollen "im Stil und Aufbau dem Hochaltar gleichend" gewesen sein.
Der linke Seitenaltar war der hl.Katharina geweiht, die auf dem Altarblatt dargestellt war. Als Assistenzfiguren standen Figuren der heiligen Diakone Laurentius (rechts) und Stephanus auf Postamenten. Im Auszug ein Bild des Herzen Jesu.
Der rechte Altar war dem hl.Paulus gewidmet, der auf dem Altarblatt abgebildet war. Rechts und links davon zwei geschnitzte Figuren des hl.Sebastian und des hl.Rochus. Im Altarauszug ein Bild vom Herzen Mariens.
Drei der vier Assistenzfiguren stehen nun im neuen Altarraum (Beschreibung hier...).

Fenster

Im spitzbogigen Fenster an der rechten (südlichen) Wand sind bemalte Scheiben von Syrius Eberle aus Dachau zu sehen, die vom Dienstbotenverein Langenpettenbach, Ainhofen und Arnzell am 29.Juni 1926 gestiftet wurden. Sie zeigen die Dienstbotenheiligen, die hl.Notburga mit ihrem Attribut, der Sichel und St.Isidor, der an einem Feldkreuz betet, während im Hintergrund ein Engel seine Arbeit, das Pflügen eines Feldes, verrichtet. Nach dem gleichen Entwurf hat hat Eberle später Fensterbilder für andere Kirchen gefertigt: Isidor in Arnbach und Notburga in Machtenstein.
    
St.Isidor und St.Notburga
  Hinweise: Isidor lebte im 12. Jh. als Knecht bei einem Baron. Seine Mitknechte verpetzten ihn, weil er ständig betete. Als sein Herr feststellen wollte, ob dies stimme, sah er der Überlieferung nach zwei weiße Stiere, von einem Engel geleitet, pflügen, während Isidor im Gebet daneben kniete. 


Reliquienschreine
An der nördlichen Wand (links) sind vier Reliquienpyramiden aus der Zeit um 1730 25) befestigt. Es sind eigentlich Standreliquiare. Sie sind aus Messing getrieben und versilbert. Die aufgesetzte Umrahmung und die Füße sind mit Akanthusmotiven verziert.

 
Relliquiare
Die Schaugefäße enthalten in Klosterarbeiten gefasste Reliquien; sie waren früher auf den Seitenaltären gestanden. Interessant ist, dass die Reliquienkästchen durch das bischöfliche Ordinariat offiziell versiegelt werden mussten, um den Reliquiendiebstahl zu verhindern.
   

Auf dem Altartisch sind weitere Reliquiare aufgestellt. Zwei Reliquienmonstranzen aus versilbertem Messing und Teilvergoldung haben eine Akanthusrahmung mit frühem Bandlwerk. Beide enthalten jeweils zwei Schaugefäße:
In den großen oberen jeweils ein von Goldlahn umgebenes "Agnus Dei-Wachsmedaillon" mit dem Bild eines (unbekannten) Heiligen,
in den kleineren unteren Schaugefäßen Kupferstiche von St.Jakobus (links) und St.Antonius (rechts).
Die Schaugefäße sind mit einem Kranz von (Edel)steinen umgeben. Sie stammen aus der Zeit um 1710/20. 25)

  


Figuren im alten Altarraum

Links neben dem Hochaltar steht eine Figurengruppe, die den leidenden Christus, gestützt von Gottvater mit einer Krone auf dem Kopf, darstellt. Sie erinnert an den Figurentypus des Gnadenstuhls, in dem Gottvater, auf einem Stuhl hinter Christus sitzend, seinen Sohn als den Erlöser präsentiert. Zwischen beiden oder darüber schwebt der Heilige Geist in Gestalt der Taube.
Bei der Figurengruppe in Langenpettenbach fehlen aber Stuhl, Kreuz und Heiliger Geist. Die Figuren sind die Kopie einer Figur aus der Zeit um 1500.


Gnadenstuhl

 

 

Hinweis: Der Gnadenstuhl ist ein Darstellungstypus der göttlichen Dreifaltigkeit in der christlichen Kunst. Gott Vater präsentiert Christus den Betrachtern als denjenigen, der für ihre Sünden am Kreuz gestorben ist. Der Heilige Geist, der zwischen Gott und Christus steht, vermittelt zwischen beiden. Die Aussage des Gnadenstuhls kann mit den Worten "Zugang zu Gott nur über Jesus Christus" beschrieben werden. Das Wort Gnadenstuhl ist erst von Martin Luther geprägt worden. Gnadenstuhl entspricht dabei der Übersetzung der Formel von thronum gratiae, die sich im Hebräerbrief (9,5) findet. Dort beschreibt Paulus die Bundeslade: "Oben darüber aber waren die Cherubim der Herrlichkeit, die überschatteten den Gnadenthron". Die Anfänge des künstlerische Gnadenstuhl-Motivs sind auf Illustrationen des um 1120 entstandenen Messkanons zu finden. Der Gnadenstuhl gilt als die bedeutendste mittelalterliche Bildschöpfung für die Darstellung der Dreifaltigkeit.

Gottvater wurde in der christlichen Kunst wegen der Weisung im Alten Testament (Exodus 20, 3-4) kein Schnitzbild von Gott zu machen, viele Jahrhunderte nicht als Person dargestellt. Meist wurden Symbole wie der Lebensquell, die Hand Gottes oder das Auge Gottes im Dreieck verwendet. Personifiziert, als würdiger alter Mann mit langem Bart, wird Gottvater erst seit dem Barock (17.Jh). Diese Darstellung wird dem Gottesbild in unserer Zeit nicht mehr gerecht.
Am alten Chorbogen sind auf Sockeln mit den Heiligennamen zwei Halbfiguren von Johannes dem Täufer und Josef von Nazareth, dem Vater Jesu, in einem prächtigen, barocken Rahmen angebracht. Beide Heiligen schweben auf Gewölk.
    
Johannes d.Täufer  und   St.Josef
Johannes, in ein härenes Gewand gekleidet, hält ein Buch und die Kreuzfahne in den Händen. Josef dagegen ist mit einem blühenden Aaronstab abgebildet.
Beide Figuren stammen aus der Zeit um 1730/40.
 
Johannes der Täufer
(Baptist) war Sohn der Elisabeth und des Zacharias. Er trat der Überlieferung nach im Jahr 28 erstmals öffentlich als Bußprediger auf und lebte als Asket in der Wüste, wo er sich mit rauem Kamelhaar kleidete und von Heuschrecken und wildem Honig ernährte (Mk 1, 6;). Er verkündete am Jordan das Kommen des von den Juden ersehnten Messias und vollzog zur Vorbereitung hierauf die Bußtaufe mit Wasser als Symbol für die Rettung im kommenden Weltgericht. Johannes taufte auch Jesus am Jordan (Lk 3,24).Von König Herodes Antipas wurde Johannes dann gefangen genommen, weil der ihm die unrechtmäßige Verbindung mit seiner Schwägerin Herodias öffentlich vorgehalten hatte. Die hasserfüllte Herodias bewegte ihre Tochter Salome, als diese dem von ihrem Tanz entzückten Herodes einen Wunsch äußern durfte, Johannes'Haupt zu fordern.  Salome brachte der Mutter das abgeschlagene Haupt auf einer Schale (Mk 6, 14 - 29).
Joseph
war der Vater Jesu - oder Ziehvater Jesu, da nach altchristlicher Überzeugung Jesus der Sohn Gottes ist und durch den Heiligen Geist im Schoß der Jungfrau Maria gezeugt wurde. Joseph stammte aus dem Geschlecht des Königs Davids, aus dem nach dem Zeugnis des Alten Testaments der Messias hervorgehen werde. Er lebte als Zimmermann in Nazareth. Der blühende Aaronstab hat seinen Hintergrund in Legenden aus dem 2. Jh., die von der Brautwerbung Josephs berichten. Demnach war Maria Tempeljungfrau in Jerusalem und sollte einem Mann verheiratet werden, der sie unberührt lassen würde ("Josephs-Ehe"). Jeder Bewerber - allesamt waren Witwer - sollte einen Stab auf dem Altar des Tempels niederlegen. Josephs Stab grünte und blühte wie einst der des Hohenpriesters Aaron (4 Mos.17,1-13); zudem ließ sich eine Taube als Zeichen der göttlichen Bestätigung auf seinem Kopf nieder. 21)

 

Langhaus / Kirchenschiff

Das Kirchenschiff besitzt fünf Achsen (Joche) mit zwei mal fünf Fenstern an der Seite und zwei weiteren Fenstern hinter der Empore. Die Fenster sind bleiverglast. Der Fußboden ist mit Solnhofener Platten diagonal belegt. Die Wände sind weiß verputzt.

Das neue Kirchenschiff ist mit einer einfachen Holzdecke überdeckt, die 1970 über die lichte Stuckierung aus dem Jahr 1922 gelegt wurde. Umgeben wird die Decke von einer profilierten Putzhohlkehle. Das dunkle Holz macht den Raum optisch niedriger.

Im vorderen Bereich des Kirchenschiffs, wo sich altes und neues Langhaus durchdringen, sind an der Stelle von Seitenaltären Figurengruppen an der Wand angebracht. Dort stehen auch der Tabernakel und der Taufstein.


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Seitenaltäre

Bei der Umgestaltung der Kirche 1922 wurden auch zwei neue Seitenaltäre angeschafft. Ihre Retabel waren zum einen mit Figuren der Pieta und der Sieben Schmerzen Mariens geschmückt, die heute an gleicher Stelle hängen, zum anderen mit Konrad-Bildern. Der linke Seitenaltar war damals an die Rückseite des alten Kirchenschiffs, dem alten Choraltar gegenüber stehend, gestellt worden, dorthin, wo heute das Hl.Grab seinen Platz hat. Der rechte Seitenaltar wurde in den neuen Altarraum gestellt und war 50 Jahre lang der neue Choraltar. 9)
1970 hat man die im 20.Jh geschaffenen Altäre aus der Kirche genommen und die Figuren und Bilder in der Kirche verteilt.

Linker Seitenaltar (später im rechten Seitenschiff)


Pieta

Auf der linken Seite eine Pieta eine Muttergottes als Schmerzensmutter, die ihren toten, nach der Kreuzabnahme auf dem Boden liegenden Sohn stützt (um 1920/30 25)). Die Darstellung entspricht nicht dem üblichen Bildtypus der Pieta, bei dem Maria ihren Sohn auf dem Schoß hält. Aber auch in diesem etwas ungewöhnlichen Bild ist der Leichnam Jesu so positioniert, dass alle fünf Wunden (an Händen, Füßen und der Seite) sichtbar werden. 12)

...mehr zu Pieta -Darstellungen in den Kirchen des Landkreises...


Rund um diese Figur sind sieben weitere Figurengruppen zu sehen, die jede einzelne der Sieben Schmerzen Mariens zeigen. Alle Figuren sind (vom Freisinger Bildhauer Wilhelm Breitsameter, um 1960/70) aus Holz geschnitzt, besitzen Inkarnatfassung und sind teilweise versilbert und vergoldet.


Sieben Schmerzen Mariens

 

Hinweis: Die Wurzeln für die Darstellung der 7 Schmerzen Mariens reichen in das 13.Jh zurück. Im Laufe der Jahrhunderte schwankte die Zahl zwischen 5 und 50, ja sogar bis zu 1500 im Einzelnen bezeichneten Schmerzen (Alanus de Rupe, 1428). Nach der Einführung des "Festes zum Gedächtnis der Sieben Schmerzen Mariens" im Jahr 1423 verblieb es bei der Zahl 7. Das Fest heißt seit 1960 Gedächtnis der Schmerzen Mariens und wird am 15. September, dem Oktavtag von Mariä Geburt, gefeiert. 21)
  1.die Darstellung im Tempel
  2. die Flucht nach Ägypten
  3. die Suche nach dem 12jährigen im Tempel
  4. die Begegnung Mariens auf dem Kreuzweg    
  5. die Kreuzigung    
  6. die Kreuzabnahme und
  7. die Grablegung Jesu.
In Langenpettenbach fehlt die Suche im Tempel; dafür ist die Trauer am Grab zusätzlich eingefügt.

Rechte Seite (von 1922 bis 1970 der Choraltar)

Auf der rechten Seite steht der grün-rot marmorierte Tabernakel aus der Zeit um 1740/50 25) mit der Ewig-Licht-Lampe. Er ist mit Voluten und rocaille-artigen Ornamenten geschmückt. An der rot gefassten Türe sind das vergoldete Jesusmonogramm sowie Ähren, Trauben und drei Kreuznägel aufgemalt.
Auf dem über 123 cm hohen und 80 cm breiten Tabernakel sitzt ein Pelikan aus Ton, der sich mit dem Schnabel die Brust aufreißt, um die Jungen mit seinem Blut zu ernähren. Er ist das Symbol für Jesus Christus.


 Tabernakel 

Der Platz, auf dem der Pelikan sitzt, war früher für die Monstranz reserviert, wenn sie bei der "Aussetzung des Allerheiligsten" (meist in Andachten) auf dem Tabernakel gestellt wurde.

Nach einem Bericht aus dem Jahr 1922 war der Tabernakel eine Zeit lang bei einem Bauern gelagert und hatte dort "sehr materialistischen Zwecken gedient", wie es im Bericht kryptisch heißt.
  Hinweis: Tabernakel ist das lateinische Wort für Zelt. Die seit dem 12. Jh übliche Bezeichnung führt zurück zur Bundeslade der Israeliten zur Zeit Mose, die ebenfalls in einem Zelt untergebracht war. Der Tabernakel dient bereits seit frühchristlicher Zeit (unter anderem Namen) zur Aufbewahrung verwandelter Hostien für die Sterbenden. Im hohen Mittelalter wurde er auch Ort der Anbetung und Verehrung Christi in der Gestalt dieses eucharistischen Brotes. Der Ort und die Form der Aufbewahrung änderten sich im Laufe der Jahrhunderte häufig. Das Tridentinische Konzil (1545 - 63) ordnete die Aufstellung des Tabernakels auf dem Altar an. Doch diese Vorschrift wurde in Deutschland, wo man lange daran festhielt, die heiligen Hostien in Wandschränken und Sakramentshäuschen aufzubewahren, erst im 18. Jahrhundert umgesetzt. Das 2. Vatikanische Konzil (1962 - 65) lässt dies wieder zu. Deshalb werden in modernen oder modernisierten Kirchen Tabernakel häufig in die Wand eingelassen oder stehen frei auf einer Säule.

An der Wand über dem Tabernakel ist eine  Verkündigungsgruppe um 1730 25) an der Wand angebracht, die
- aus Maria am Lesepult,
- dem Engel Gabriel (hebräisch=Stärke Gottes)
- einer Figur von Gottvater und
- einer Heilig-Geist-Taube besteht.
Von Gott führen Gnadenstrahlen zu Maria.
Das Lesepult soll Maria als eine des Lesens kundige Frau darstellen und damit ihr Vornehmheit betonen.
  
Die Figuren wurden um 1730 aus Holz geschnitzt.
Nach Langenpettenbach kam die Gruppe 1922 durch Pfarrer Keller, der sie "billig erworben" hat und bei den Künstlern Scharer und Schellinger in München renovieren ließ. Sie bildeten von 1922-1970 den Mittelpunkt des Hochaltars.


Verkündigung




T
aufstein

Auf der linken Seite steht ein Taufstein aus Rotmarmor; auf dem Deckel ein Putto mit Taufschale und Kreuzstab. Darauf ein Schriftband mit dem Text "Ecce Agnus Dei". Die Worte "Ecce Agnus Dei - übersetzt: Seht das Lamm Gottes, das die Schuld der ganzen Welt wegnimmt" sprach Johannes der Täufer, als er Jesus erstmals begegnete (Joh.1,29).

Der 180 cm hohe 25) Taufstein auf gedrehtem Schaft entstand in der Zeit um 1922 und ersetzte den alten hölzernen Taufstein mit verzinntem Kupferbecken, von dem noch im Jahr 1880 die Rede war.

Taufstein
Hinweis: Die Taufe der frühen Christen fand ursprünglich im Freien statt, überall dort, wo fließendes oder stehendes Wasser vorhanden war. Mit der Verlegung der Taufe in den Kircheninnenraum schuf man dort eigene Taufbecken. Als sich im 11.Jh die Praxis der Kindertaufe weitgehend durchsetzte, begann man mit der Errichtung erhöhter Taufgefäße; die Bodenbecken erwiesen sich für die Kindertaufe als weniger geeignet. Das Taufbecken ist meist aus Stein. Es hat in der Regel eine achteckige Form, weil die Zahl acht und das Achteck als Symbol für Erneuerung, Wiedergeburt und Herrschaft angesehen werden.
  Taufbecken und Deckel sind meist mit ornamentalem oder architekto-nischem Zierrat geschmückt. In der Barockzeit wurde auf dem Deckel häufig die Taufe Jesu figürlich dargestellt. Sie ist Vorbild für das Taufsakrament.



Rosenkranzdarstellung

Im linken Querschiff (dem vorderen Teil des alten Kirchenschiffs) steht eine figürliche Darstellung des glorreichen Rosenkranzes aus der Zeit um 1920 25) . Es ist eine Tragefigur, die auf Prozessionen mitgetragen werden konnte.
In der Mitte befindet sich eine Muttergottesfigur. Maria als Königin und Gottesmutter.
Um sie herum Symbole des Rosenkranzes:
Blumenblüten als Sinnbilder für die "Ave Marias", auch wenn die Zahl der Blüten 30 nicht der Zahl der Ave Marias im Rosenkranz entspricht.
Die fünf großen Plaketten zwischen den Blüten stehen einerseits an der Stelle der Vaterunser, andererseits auch für das Thema des jeweiligen Gesätzes.

5.Gesätz4.Gesätz2.Gesätz3.Gesätz1.GesätzMuttergottesfigur
Vergrößerungen der Plaketten per Mouseklick

Die Osterzeit kennt den "glorreichen Rosenkranz" mit den "fünf glorreichen Geheimnissen":  

1. der von den Toten auferstanden ist
    (Auferstehung)
2. der in den Himmel aufgefahren ist
     (Himmelfahrt)
3. der uns den Heiligen Geist gesendet hat
     (Pfingsten)
4. der dich, o Jungfrau, in den Himmel
    aufgenommen hat
      (Mariä Himmelfahrt)

5. der dich, o Jungfrau, im Himmel gekrönt     hat

     (Mariä Krönung)

 

Hinweis:
Vorform des Rosenkranzgebets waren die 150 Psalmen Davids, die von irischen Mönchen schon im 7.Jh gebetet wurden. Im Zuge der Missionierung Deutschlands im 8.Jh wurde an die Stelle der Psalmen eine gleiche Anzahl von Vaterunsern gesetzt, weil die meisten Gläubigen nicht lesen konnten. 400 Jahre später gewann das Ave Maria an Beliebtheit und so wurde das Paternoster durch das Ave Maria ersetzt.


Der Legende nach soll das Rosenkranzgebet im 13.Jh entstanden sein. Im Jahr 1202 sei die Muttergottes dem hl.Dominikus erschienen und habe ihm das Rosenkranzgebet als Hilfsmittel im Kampf gegen die Häretiker (damals die Albigenser) empfohlen. Zwar erwähnen zeitgenössische Lebensberichte über Dominikus nichts von dieser Vision; doch begründete 200 Jahre später der Dominikaner Alanus de Rupe damit seine Kampagne zur Ausbreitung des Rosenkranzgebets. Er war es auch, der 1470 die erste Rosenkranzbruderschaft gründete.

Heiliges Grab

Im rechten Querschiff, dem hinteren Teil der alten Kirche, der erst 1848 als Verlängerung des Kirchenschiffs angefügt worden war, sind das große hölzerne Gehäuse eines "Heiligen Grabes" (Jugendstil) untergebracht, mit lebensgroßen Schnitzfiguren; alles in den Formen des Historismus'. Die fast raumhohe und 2,50 m breite Installation besteht aus Holz und ist teilvergoldet.

Die Figuren stammen wahrscheinlich aus den 1920er Jahren. Eine Inschriftentafel auf dem Kreuz enthält die Worte: Ich bin die Auferstehung und das Leben".
In der Grabnische liegt auf einer weißen Unterlage die lebensgroße Figur eines Grabchristus. Auf der Nische stehen zwei schmale Engel mit hochgestellten Flügeln, die Schwamm und Lanze in den Händen halten.


Heiliges Grab
Neben dem Grab stehen zwei ebenfalls lebensgroße Wächter mit Rüstung, Schild und Lanze.
Unter dem hl.Grab befindet sich ein Korb mit Leidenswerkzeu-gen. Zu sehen sind u.a. eine Dornenkrone, ein Hammer u. viele Nägel

Hinweis: Die ersten Heiligen Gräber ent-standen durch Wallfahrer, die aus dem Heiligen Land zurückkehrten und Nachbil-dungen des historischen Grabes errichteten. Eine Hochblüte erlebte der Brauch in der durch das Konzil von Trient (1545-63) eingeleiteten Gegenreformation. Die Jesuiten sahen im Heiligen Grab ein "spectaculum sacrum", ein heiliges Schauspiel, das für die

Von Karfreitag Nachmittag bis Karsamstag Mittag ist dieses Heilige Grab vor dem Chorbogen auf der linken Seite aufgebaut, gekrönt mit einem Lichter-kreuz.

Hl.Grab
am Karfreitag


 

 

 

Gläubigen das Heilsgeschehen eindrucksvoll veranschaulichte. Spectacula sacra waren in der ganzen Barockzeit ein beliebtes Mittel der Glaubensverkündigung. Die Kulissen heiligen Gräber wurden im Laufe der Zeit immer größer. Es entstanden fantastische Schein-architekturen mit biblischen Landschaften, mit Engeln und Wachsoldaten; im Zentrum Felsengrotten, in die man eine Figur von Christi Leichnam legte. In manchen Pfarreien standen fromme Bürger, als römische Soldaten oder als Engel verkleidet, am Grab. In der Zeit der Aufklärung und der Säkularisation (ca. 1780-1820) wurde das spectaculum sacrum verboten. Doch staatliche Verbote haben in Glaubenssachen meist keine große Wirkung. Ab der Mitte des 19.Jh. lebte der Brauch wieder auf und führte zu einem neuen Höhepunkt; die Pfarreien wetteiferten miteinander in der prunkvollen Ausgestaltung. 31)
Erst nach dem 2.Vatikanischen Konzil (1962-65) kam der Brauch zum Erliegen, weil er nicht mehr zur neuen Liturgie der Kartage passte. Leider wurden damals viele der Kulissen verbrannt oder entsorgt. Denn in den letzten Jahren werden in den vielen Kirchen wieder Heilige Gräber aufgestellt. Wenn auch die kunsthisto-rischen Gründe für die Renaissance des Brauchs überwiegen, so kommen doch am Karfreitag Abend und Karsamstag Vormittag viele Gläubige in die Kirche, um sich in dieser, alle Sinne berührenden Umgebung, in das Leiden und Sterben Christi zu vertiefen.
Inzwischen gibt es im Landkreis Dachau wieder mehrere Kirchen, in denen ein Hl.Grab errichtet wird. Im Jahr 2007 waren dies neben Hirtlbach noch Altomünster, Dachau-Mariä-Himmelfahrt, Dachau-Heilig-Kreuz, Dachau-St.Jakob, Ebertshausen, Kloster Indersdorf, Weichs und Riedenzhofen.
Wenn Sie interessiert sind, klicken Sie hier...

Prozessions-
laterne
Am alten Chorbogen, in der Nähe des Heligen Grabes, stehen auch die schönen Prozessionslaternen. Sie sind aus Messing getrieben, grün und rot gefasst und sogar teilweise vergoldet. Die Laternen stammen aus dem 18.Jh.  25)



K
ruzifix

Im vorderen Bereich des Kirchenschiffs, auf der linken Seite, hängt ein großes Kruzifix, das ehem. Kanzel-kreuz (die 1922 neu eingebaute Kanzel wurde 1960 entfernt). 33)
Der sich vorbeugende und vor Schmerzen krümmende Jesus wird hier noch lebend, mit leidendem Gesichtsaus-druck und natürlich ohne Seitenwunde dargestellt. Die Figur ist lebensgroß; sie wurde um 1922 vom Bildhauer Josef Auer (1867-1934) aus München nach einer Skizze von Michelangelo geschnitzt. Die Kosten betrugen 30.000 Mark. Auer schuf überwiegend sakrale Werke, die er zum Teil nach Entwürfen des Münchner Architekten Joseph
Elsner (1845-1933) fertigte.
Aus dem Jahr 1922 hat Otto Hefele noch einen Presseartikel gefunden, in dem das damals neue Kruzifix eingehend beschrieben wird. Wenn Sie den in der blumigen Sprache der damaligen Zeit abgefassten Bericht lesen möchten, klicken Sie hier...
Wandkruzifix
1922



Figuren im Kirchenschiff

Das Langhaus ist durch die vielen Figuren an den Wänden geprägt. Sie stellen die Apostel, Christus und zwei Evangelisten dar. Die Gipsfiguren sind freie Nachbildungen der Blutenburger Apostel; sie wurden um das Jahr 1900 -etwas größer als die Originale- modelliert. Elf der Apostel und Christus sind im Kirchenschiff zu sehen; der zwölfte Apostel, Johannes, steht unter dem Kreuz im neuen Altarraum.
Die Blutenburger Ap
ostel wurden um 1490 von einem unbekannten, künstlerische hoch einzuschätzenden Meister geschnitzt, der auch viele andere Kunstwerke geschaffen hat. In der Kunstszene ist er unter dem Namen "Meister der Blutenburger Apostel" bekannt.
       Andreas      
    Jakobus d.Jüng.    

Hinweis: Die Evangelien (z.B. Matt.10,2) nennen die Namen der Zwölf Apostel zu Lebzeiten Jesu: Petrus, Andreas, Jakobus d.Ä, Johannes, Jakobus d.J, Philippus, Bartholomäus, Matthäus, Thomas, Thaddäus, Simon und Judas Ischarioth. Matthias wurde nach dem Tod von Judas ausgelost (Ap1,15). Dem Paulus wurde durch die Urkirche im Jahr 258 die Apostelwürde verliehen.

Von den vier Evangelisten sind nur Lukas und Markus abgebildet. Die beiden anderen, Matthäus und Johannes, waren bzw. galten auch als Apostel. Ihre Figuren sind in Langenpettenbach deshalb unter den Aposteln zu finden.

  Hinweise:
Johannes
der Apostel und Johannes der Evangelist werden in der Überlieferung und in der Kunst häufig gleichgesetzt, obwohl es sich um zwei verschiedene Personen handelte. Der Apostel Johannes, der unter dem Kreuz stand, war erst Anhänger von Johannes dem Täufer und wurde dann Jesu "Lieblingsjünger". Der Evangelist Johannes lebte erst um das Jahr 95. Er war auf die Insel Patmos verbannt, wo er das Buch der "Offenbarung" schrieb.
Matthäus
hieß ursprünglich Levi. Er war Zöllner in der antiken Hafenstadt Kapernaum - also einer der von den Juden verachteten Steuereintreiber. Den Namen Matthäus erhielt er von Jesus. Matthäus soll bis zum Jahr 42 das erste Evangelium geschrieben haben.
Markus
war der Sohn einer Maria, in deren Haus nach der Überlieferung das letzte Abendmahl stattfand. Er wirkte als Dolmetscher von Petrus und begleitete Paulus und Barnabas auf Missionsreisen. Markus schrieb sein Evangelium auf der Grundlage von Petrus' Predigten.
Lukas (von Beruf Arzt) war Heidenchrist (Kol 4, 14). Er schloss sich Paulus an und begleitete ihn auf verschiedenen Reisen. Lukas gilt als Verfasser des nach ihm benannten Evangeliums und als Autor der zwischen 70 und 80 entstandenen Apostelgeschichte.


  Johannes und Matthäus
Apostel und Evangelisten


Markus und Lukas
Evangelisten


Eine der Figuren im Schiff stellt den auferstan-denen Christus dar, den Schmerzensmann, früher auch Erbärmdeheiland genannt. Er weist auf seine Kreuzeswunden hin. An den Händen und Füßen sind die Nagelwunden zu erkennen. Mit der linken Hand weist er auf die Seitenwunde, die ihm als Nachweis für den Tod zugefügt worden war.
Die Figur stammt aus der Zeit um 1910.
25)

Hinweis: Aus der Darstellung des Schmerzens-mannes entwickelte sich der Salvator Mundi, der Welterlöser oder der Auferstandene mit der Siegesfahne in der Hand, dessen Gesichtszüge mehr die Glorie als die Schmerzen widerspiegeln.

Bruder Konrad von Parzham (1818-1894) prasentiert dem Betrachter das Kruzifx.

Der Heilige wirkte 41 Jahre lang im Kloster Altötting als Pförtner, wo er mit Tausenden von Wallfahrern zu tun hatte, die mit vielerlei Anliegen zu ihm kamen. Auch Kinder aus vielen armen Altöttinger Familien kamen bettelnd an die Pforte; keines von ihnen ging leer aus. 1934 wurde Konrad von Papst Pius XI. heiliggesprochen. Damals stellte man in unseren Kirchen viele Figuren dieses Volksheiligen auf.
Gedenktag: 21. April



Kreuzweg-Stationsbilder


Unter den Figuren sind die in kräftigen Farben gemalten vierzehn Kreuzwegbilder angebracht. Sie sind mit Ölfarben auf Holz gemalt. Die Signatur auf der Rückseite des 14.Bildes lautet: "M.Gottschalk/v.Weingarten/ Taufkirchen a.Vils/1931".
Vom Maler Gottschalk stammte auch ein Seitenaltarbild in Arnbach (gemalt 1932).

Kreuzwegbilder

 

Gottschalk hat den Kreuzweg aber nicht selbst entworfen, sondern nach einer Vorlage gemalt. Und zwar nach dem bekannten Kreuzweg in der Münchner Kirche Joh.Baptist in Solln, den der Maler Gebhard Fugel (1863-1939) im Jahr 1920 geschaffen hat.

Als Kreuzweg werden die aufeinanderfolgenden bildlichen oder plastischen Darstellungen bezeichnet, die meist aus vierzehn Stationen der Leidensgeschichte Jesu, angefangen von der Verurteilung durch Pilatus bis hin zur Grablegung, bestehen. Seinen Ursprung hat der Kreuzweg im Brauch der Pilger, bei Wallfahrten nach Jerusalem den Leidensweg Jesu auf der "Via Dolorosa" nachzugehen. Im späten Mittelalter wurde die Kreuzverehrung insbesondere durch den hl.Franziskus von Assisi gefördert, der durch die Stimme des Gekreuzigten vom Kreuz in St.Damiano zu einem christlichen Leben bekehrt wurde. Seit dieser Zeit wurden Kreuzwegandachten als Ersatz für die Pilgerfahrt ins Heilige Land abgehalten. Die Stationen bildeten dafür die Leidensstätten Jesu nach. Auf diese Weise konnte der letzte Weg Jesu vor Ort nachgegangen und sein Leiden anschaulicher betrachtet werden. Kreuzwegdarstellungen in Deutschland entstanden erstmals in und bei Klosterkirchen, auf Anhöhen und bei Wallfahrtsorten, insbesondere in der Nähe von Franziskanerklöstern. Mit der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert hielten sie als Kreuzwegbilder Einzug in die Innenräume der Pfarrkirchen und verbreiteten sich zunehmend. Papst Clemens XII. erkannte im Jahr 1731 mit seinem Breve Unterweisungen über die Art, wie man den Kreuzweg abhalten soll diese Form des Kreuzwegs als kanonisch an und bedachte ihn mit großzügigen Ablässen.

1. Station
Jesus wird von Pilatus zum
Tode verurteilt
2. Station
Jesus nimmt
das Kreuz
auf seine Schultern
3. Station
Jesus fällt
zum ersten Mal
unter dem Kreuze
4. Station
Jesus begegnet
seiner
Mutter Maria
5. Station
Simon v.Cyrene
hilft Jesus
d. Kreuz tragen
6. Station
Veronika reicht
Jesus das
Schweißtuch dar
7. Station
Jesus fällt
zum zweiten Mal
unter dem Kreuze
8. Station
Jesus tröstet
die weinenden
Frauen
9. Station
Jesus fällt
zum dritten Mal
unter dem Kreuze
10. Station
Jesus wird seiner
Kleider beraubt
11. Station
Jesus wird ans
Kreuz geschlagen
12. Station
Jesus
stirbt am Kreuz
13. Station
Jesus wird
vom Kreuz
abgenommen
14. Station
Jesus wird
ins Grab gelegt
 
Wenn Sie mehr über die Geschichte des Kreuzwegs und seine Darstellungen in Kirchen des Landkreises erfahren wollen, klicken Sie hier...


A
postelkreuze


Apostelleuchter
Dazwischen die 36 cm langen Apostelleuchter (ohne Apostelkreuze an der Wand) aus vergoldetem Eisenblech. Es heißt, sie stammten aus dem Ende des 17.Jh. 25) Die Verzierungen daran weisen aber in die Zeit des Rokoko (ab 1730).

Die Apostelkreuze und -leuchter erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlische Jerusalems. 


Die Kirche besitzt seit 1960 keine Kanzel mehr. Beim Neubau 1922 war noch eine Kanzel eingebaut worden. Sie war auf der linken Seite angebracht.


B
ruder-Konrad-Bilder

Im vorderen Teil des Kirchenschiffs hängen Relief-bilder, die Szenen aus dem Leben des hl.Konrad von Parzham darstellen. Es handelt sich um Holzreliefs, die farbig gefasst sind. Die 56 x 63 cm großen Bilder wurden in der Zeit um 1960/70 vom Bildhauer Wilhelm Breitsameter geschaffen 25), von dem auch die Figuren der Pieta und der sieben Schmerzen Mariens stammen. Die Reliefs waren für einen Seitenaltar hier bestimmt.


Hinweis: Johann Birndorfer wurde als elftes von zwölf Kindern eines Bauern geboren. Er war von klein auf ein ausgesprochen frommer Mensch. Als er in das Kloster eintreten wollte um dort Priester werden zu können, wurde er abgelehnt. So arbeitete als Knecht auf dem elterlichen Hof. Erst im Alter von 31 Jahren fand er mit dem Ordensnamen Konrad Aufnahme im Kapuzinerkloster St. Anna in Altötting. Drei Jahre später fand er an der Klosterpforte seinen Platz fürs Leben.


K
irchenbänke

Die 42 Kirchenbänke haben im hinteren Teil noch schön geschnitzte Eichenwangen mit dem in Dachau viel verbreiteten Akanthusmuster. Sie wurden bei der Barockisierung 1710 angefertigt.

Die übrigen Bänke sind neu.
Es gibt seit 1922 insg. 285 Sitzplätze.


Kirchenbankwange
Hinweis: Das Muster dieser Kirchenstuhlwangen entspricht dem vieler Kirchenstühle im Dachauer Land. Es trat erstmals 1695 in Glonn auf und wurde ab 1717 auch in Ainhofen, Albersbach, Arnbach, Arnzell, Aufhausen, Bergkirchen, Hilgertshausen, Markt Indersdorf (Marktkirche), Ottmarshart, Pasenbach, Pipinsried, Walkertshofen, Weichs, Westerholzhausen und in Westerndorf verwendet.



Beichtstuhl

Unter der westlichen Emporentreppe (rechts vom Eingang) stehen ansehnliche Reste eines alten Beichtstuhls aus der Zeit der Barockisierung um 1710/20. Er ist 1,84 m hoch und 1,26 cm breit. 25) Einer Kirchenbeschreibung aus dem Jahr 1922 ist zu entnehmen, dass im der alten Kirche ein Beichtstuhl zwischen dem rechten Seitenaltar und den Kirchenbänken, der andere in der Turmnische aufgestellt war.

Beichtstuhl
Hinweis: Über Jahrhunderte hinweg wurde das Bekenntnis der Sünden offen im Kirchenraum beim Sitz (Kathedra) des Bischofs, später bei dem des Priesters im Altarraum abgelegt. Dieser besonders hervorgehobene Sitz des Beichtvaters war die Ausgangsform des Beichtstuhls. Durch die irisch-schottischen Mönche wurde die Beichte im 10.Jh individualisiert, d.h., nicht mehr öffentlich abgelegt. Dazu bedurfte es nicht nur einer größeren Zahl von Priestern, sondern auch neuer Einrichtungsgegenstände. Der heutige Beichtstuhl entwickelte sich allerdings erst ab dem 16.Jh. zu einem feststehenden, meist dreiteiligen, mehr oder weniger geschlossenen Beichtgehäuse mit dem Mittelteil für den Priester (in dem der Priester sitzt - deshalb Beichtstuhl) und mit der Trennung von Priester und Beichtenden durch eine Zwischenwand mit Sprechgitter. Die Beichtenden knien abwechselnd in den Seitenteilen. Damit wurden bessere Bedingungen für einen anonymen Vollzug der Beichte geschaffen. In neuerer Zeit bieten sogenannte Beichtzimmer mit ihrer persönlichen Atmosphäre eine räumliche Alternative für Beicht- und Glaubensgespräche. Die Beichte geht auf das Bibelwort "Er hauchte sie an und sprach zu ihnen: Wem Ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem Ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert" (Joh 20,22) zurück.



O
pferstock

Neben dem Beichtstuhl steht der alte Opferstock aus Holz in Form eines Turmes. Das Türchen zum Geldbecher mit den eingeworfenen Münzen ist durch Eisenbeschläge gesichert. Über dem Einwurfschlitz ist ein Metallbogen angebracht, der ein "Fischen" nach Geld verhindern soll.

In den Kirchen des Landkreises Dachau gibt es viele unterschiedliche, außerordentlich interessante Opferstöcke. Wenn Sie sich dafür interessieren, klicken Sie hier...


Opferstock


Weihwasserbecken

 

In der Nähe des Eingangs ist ein weiteres Taufbecken aus hellem Rotmarmor angebracht. Es ist mit neugotischen Verzierungen versehen. Es stammt aus der Zeit um 1880, als dieser Stil hochgeschätzt war.
Zur Zeit wird es als Weihwasserbecken genutzt.



Empore

Die tiefe Empore aus der Zeit um 1920 (mit 77 qm Fläche) stützt sich auf vier Holzsäulen. Sie ist über zwei an der Nordwand gelegene Treppenaufgänge zu erreichen.

Emporenbänke
Auch auf der Empore stehen zu beiden Seiteb der Orgel mehrere Bänke für die Kirchenbesucher. Sie sind -wie auf einer Tribüne- nach hinten ansteigend angeordnet.
An den Kirchenbänken auf der Empore sind noch die Namensschilder aus früheren Zeiten befestigt, die den Mitgliedern der genannten Familie (gegen einen Obulus) einen freien Platz garantierten. Diese festen Plätze in der Kirchenbank waren in der Regel an den Hof gebunden; der Käufer eines Anwesens erwarb auch den mit dem Anwesen verbundenen Kirchenstuhl. 13) Solche Namensschilder sind auch noch in den Kirchen von Ainhofen, Ebertshausen, Odelzhausen, Altomünster, Dachau, Eglersried, Einsbach-Hl.Blut, Puchschlagen, Asbach und in der Taxakapelle erhalten.




Namensschilder
an den
Emporenbänken


E
mporenbrüstung


In die marmorierte, als Kasetten gestaltete Brüstung der Empore sind 15 Gemälde eingearbeitet, die die Geheimnisse des Rosenkranzes darstellen. Sie wurden beim großen Umbau 1922 angeschafft. Im Einzelnen handelt es sich um folgende Bilder:

Linke Bilder:
der freudenreiche Rosenkranz
 
mittlere Bilder:
der schmerzhafte Rosenkranz
rechte Bilder: der
glorreiche Rosenkranz
 
   

 


  Orgel

Die Orgel mit dem fünfteiligen Prospekt wurde 1923 von Leopold Nenninger (1880-1970) aus München mit zwei Manualen und 14 klingenden Registern errichtet: Prinzipal, Oktave, Mixtur, Soloflöte, Dulciana-Viola, Bourdon, Salicional, Vexcoelestes, Traversflöte, Carigot, Trompete-Subbass, Cello. Dazu mehrere Koppeln. 14)Die Kosten betrugen 70.000 Mark. 09)

1969 wurde die Orgel vom Sohn des Erbauers, Guido Nenninger umgebaut. Die Firma Nenninger hat auch die Orgeln in den Kirchen von Odelzhausen, Sittenbach, Wiedenzhausen und Welshofen gebaut sowie die Orgel in der Haimhausener Schlosskapelle restauriert. 16)
  Die Vorgängerorgel auf der alten Empore (über dem heutigen HL.Grab) war ca. 200 Jahre alt, mit mechanischem Spieltisch, einem Manual und den Registern Prinzipal, Mixtur, Subbass, Salicional, Gamba und Flöte. Der Organist blickte zur Orgel, um die man herumgehen konnte, und bekam das Geschehen am Altar durch einen Spiegel mit. Nach der Kirchenbeschreibung aus dem Jahr 1922 standen "links und rechts der Orgel Betstühle, geruhsame Plätzchen im Zwielicht, in denen so mancher Mann und mancher Bursche ein ungestörtes Schläfchen machte". 09)

 

Portale
Die Kirche besitzt drei unterschiedlich gestaltete Zugänge, die aus der Zeit um 1922 stammen.:
- auf der Nordseite (hinten) ein großes neugotisches Portal mit schönen Schnitzereien, durch das eine
   kleinere Tür ins Innere führt
- auf der Ostseite und
- auf der Westseite jeweils in der Mitte des neuen Langhauses:
Das Bild links zeigt das zweiflügelige Portal auf der Westseite mit seinen kunstvollen Beschlägen.


Pfarrhaus

Das Pfarrhof (Pfarrhaus und Ökonomiegebäude) wurde 1736 von Propst Weiß (1728-1748) errichtet. Hier wohnten ständig zwei Augustinerpatres aus dem Indersdorfer Konvent. Dadurch verbesserte sich die seelsorgerische Situation in Langenpettenbach erheblich.

Aus den Pfarrakten ist bekannt, dass im Jahr 1784 der kurfürstliche Hof- und Landbaumeister Anton Baumgartner (1753-1789) eine Baufallschätzung (Schätzung eines Bauschadens) für den Pfarrhof erstellt hat. 17) Ob und ggf. wann die Schäden behoben wurden, ist nicht bekannt.

1783, bei der Auflösung des Klosters Indersdorf ging die früher vom Kloster bewirtschaftete Ökonomie in staatlichen Besitz über.

1806, als die Pfarrei Langenpettenbach gegründet worden ist, hat man die Ökonomie aufgegeben und das vorhandene Vieh sowie das Getreide "billig zu Schleuderpreisen verkauft". 09)

 


Früh.Pfarrhaus südöstl. der Kirche
Im Jahr 1880 beschrieb der Historiker Mayer in seiner "Statistischen Beschreibung des Erz-bisthums München-Freising" das Widum (= Pfarrbauernhof): Es umfasste damals "nur Grundstücke von 2 Tagwerk Fläche rings um das noch errichtete Pfarrhaus. Dieses Pfarrhaus ist sehr geräumig, weniger praktisch eingetheilt, das Erdgeschoß durchaus gewölbt, doch trocken. Die Ökonomiegebäude für 2 Kühe sind mit dem Pfarrgebäude vereinigt. Der Hilfs-priester, ein Coadjutor, wohnt im Pfarrhause". 07)

Das Pfarrhaus wurde nach dem 2.Weltkrieg abgerissen.

Wenn Sie die Internetseite des Pfarrverbands Indersdorf besuchten möchen, klicken Sie hier...

Die Gottesdienstordnung finden Sie hier...

Hans Schertl

Quellen:
01) Georg Friedrich Kramer, Pfarreien-Statistik des Regierungsbezirks von Oberbayern, 1847 (Statistik)
02) Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
03) Stumpf,Pleikard, Geographisch-statistisch-historisches Handbuch des Königreiches Bayern, 1852
04) Königlich-bayerisches Kreis-Amtsblatt von Oberbayern, 1858 S.85 (Zuschuss 50 fl)
05) Arthur von Ramberg,Joseph Heyberger, Topograph.-statist. Handbuch des Königreichs Bayern, Band 5, 1867 (Statistik)
06) Amperbote vom 15.10.1879 (Installation Kranz),
07) Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1880
08) Theodor Bitterauf, Die Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (Nr.44,177,318, 604, 899, 916, 977, 980, 1020, 1151)
09) Die Kirche in Langenpettenbach, Was uns die Heimat erzählt, 1922 (Alte Kirche, Maße, Neubau, Glocken, Einweihung)
10) Amperbote vom 27.5.1922 (Glocken)
11) Dachauer Nachrichten vom 07.07.1954 (Primiz)
12) Heinrich u.Margarete Schmidt, Die vergessene Bildersprache christlicher Kunst, 1981 (Pieta 5 Wunden)
13) Josef Bogner, 1200 Jahre Fürholzen, Amperland 1974 (Namensschilder)
14) Georg Brenninger, Orgeln und Orgelbauer im Landkreis Dachau, Amperland 1975/2
15) Wilhelm Störmer, Adelige Eigenkirchen u.Adelsgräber-Denkmalpflegerische Aufgaben,1975, ZBLG 38, S.1142-58 (UrkNr)
16) Georg Brenninger: Orgeln in Altbayern. Bruckmann, München 1982, ISBN 3-7654-1859-5.
17) Max Gruber, Für Dachau... bis 1800 tätige Architekten, Bau- u. Maurermeister, Amperland 1982 (Baumgartner, Pürckh)
18) Max Gruber, Im Amperland tätige Glockengießer, Amperland 1984/2 (Hubinger, Schleishamer)
  Der Glockengießer Wolfgang Hubinger aus München war im Dachauer Land auch für die Kirchen in Glonn (1826), Indersdorf (1840), Eisenhofen (1842) und Unterweikertshofen (1848) sowie für die Liebfrauenkirche in München tätig, für die er 1847 aus einer mittelalterlichen Glocke (der Mittagerin) eine neue, 900 kg schwere Domglocke goss. Hubinger wohnte in der Glockengasse in München
19) Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres 1560, 1986
20) Max Gruber, Im Amperland tätige Zimmermeister, Amperland 1986/4 (Reggauer)
         Der Zimmermeister August Reggauer aus Glonn war nicht nur in Langenpettenbach (1760 Turmreparatur und 1770
         Friedhoftüre), sondern auch in Ainhofen (1764 Turmkuppel und Kirchendach), Arnzell (1770 Turmreparatur) und
         Westerholzhausen (1780 Kirchendachreparatur) tätig.
21) Heinrich u.Margarete Schmidt, Die vergessene Bildersprache christlicher Kunst, 1981 (Aaronstab, 7 Schmerzen)
22)
Bezold/Riel, Kunstdenkmale des Königreichs Bayern, 1895
23) Georg Brenninger, Kunsthandwerker der Barockzeit in Kirchen des Gerichtes Kranzberg, Amperland 1987/2
24) Fischhaber/Kröner, Langenpettenbach früher und heute, 1987
25) Dr.Stefan Nadler, Kunsttopographie des Erzbistums München und Freising, 1990
26) Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV, 1990
27) Peter Pfister, Das Ende des II.Weltkriegs im Erzbistum München und Freising, 2005
28) Dachauer Nachrichten vom 13.2.2013 (Pfarrverband)
29) Ralf Müller, Oberhaching 2014 (Glocken-Tonfolge)
30) Dr. Dieter Morsch, Die Kirchen im Pfarrverband Indersdorf 2014 (1271, Decke, Kreuzweg, Empore, Apostel Joh.)
31) Münchner Kirchenzeitung vom 25.3.2015 (Historik Hl.Grab)
32) https://www.youtube.com/watch?v=VZLMITj847A&list=PL3E736E25CDD02391&index=18 (Geläute)
33) Wieder ein Kunstwerk, Amperbote vom 9.11.1922 (Kanzelkreuz)
34) Prof.Dr.Wilhelm Liebhart, Langenpettenbach und das Stift Indersdorf im Mittelalter, Amperland 1995/3

120 Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

18.10.2017

Schenkungsurkunde
aus dem Jahr vom 12.August 772

( aus den Freisinger Traditionen)



 

Wieder ein Kunstwerk
Amperbote vom 9.11.1922

Unsere neue Pfarrkirche hat wieder ein Kunstwerk erhalten. Es ist der Christus am Missionskreuze. Als Grundidee wählte der Künstler das Verlassensein des göttlichen Menschensohnes. Die Darstellung ist naturalistisch. Der Christus ist in natürlicher Größe und würde ausgestreckt 1,70 m messen. Es war fast ein Kubikmeter Holz notwendig. Die Figur ist aus Lindenholz vom Bildschnitzer Auer in München gefertigt. Zugrunde gelegt hat der Künstler eine Skizze von Michelangelo.

Wir sehen die ganze Figur des Christus im Schmerze verzerrt. Das drückt sich in jeder so gediegen herausgearbeiteten Muskelpartie, in der ganzen Körperhaltung aus.Der schmerzverzerrte Chrsitus drängt vom Kreuze weg - er möchte sich gleichsam losreißen vom Kreuzesstamme. Das drückt besonders der linke Arm aus. Mit letzter Kraft zuckt und zerrt der Arm am Nagel. Der Arm ist verrenkt, die Hand wölbt sich über dem Nagel.

Die linke Schulter ist hoch gehoben und nach vorne gehalten. Jeden Muskel des Armes sehen wir straff gespannt. Welch großen Schmerz, welche unsagbare Pein fühlen wir bei diesem Anblicke nach!

Dieselbe Bewegung mach der rechte Fuß, nur mit dem Unterschied, daß er sich vom Kreuzesstamm wegdrückt. Das hochgehobene Knie ist besonders genau und natürlich ausgearbeitet. Welch eine Qual musste eine solche Kreuzigung gewesen sein ! Wir sehen es an den Fingern und Zehen, wie sie sich im Schmerze einkrallen.

Hier hilft zur Veranschaulichung dieses bitteren Leidens auch die ausgezeichnete Fassung des Bildwerkes. Die Hande und Füße haben einen bläulichen Schimmer, der die Blutarmut und das Absterben dieser Körperteile ausdrückt.

Es wird dem Beschauer auffallen, daß der Christus nicht so ausgezirkelt am Kreuzesstamm hängt wie eben bei den gewöhnlichen Darstellungen. Das ist ganz natürlich und wahrheitsgetreu. Den Henkersknechten ist es sicherlich nicht eingefallen, daß sie den Platz, wo sie die Nägel hineinschlugen, ausliniert hatten. Es ist daher eine ganz gute Idee des Künstlers, daß der den linken Arm höher angenagelt als den rechten. Das wirkt nicht störend - wir sind eine solche Darstellung eben noch nicht gewöhnt.

Einen vollendeten Abschlauß des Bildwerks bildet das Haupt. Vor allem sind es die Augen, die den ungeheuren Schmerz über die große Sündenschuld der Menschheit zum Ausdrucke bringen. Die im Todeskampf verschleierten Augen sind nach oben gerichtet, um gleichsam vom Vater noch Stärke, Geduld und Trost zu erbitten. Aus halb geöffnetem Munde möchte man die Worte von den Lippen lesen: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen !

Es stellt uns die ganze Künstlerschöpfung nicht den verklärten und ruhig am Kreuze hängenden Christus vor Augen, der bereits zu seinem Vater eingegangen ist, sondern den im Todesschmerze zuckenden göttlichen Menschen, auf dem die Sünden der Welt lasten. Daher fehlt auch die Seitenwunde, die der Erlöser nach seinem Tode von einem Henkersknechte erhielt.

Die Dornenkrone fehlt dem Christushaupte, da der Künstler annahm, daß Christus bei der Kreuzigung die Dornenkrone abgenommen wurde. Wir vermissen aber trotzdem die Dornenkrone, da gerade sie das Typische der Kreuzigung Christi, unseres Erlösers, ist.
Wenn an der Darstellung etwas stört, so ist es das in Gold gefaßte Lendentuch. Nachdem die Darstellung schon rein naturalistisch ist, hätte sie konsequent durchgeführt werden müssen.

Der Künstler Auer wird sich mit diesem Kunstwerke einen ewigen Namen geschaffen haben, wie auch die Kunstanstalt Schellinger, München, die bei der Fassung dieses Bildwerkes den fein angepaßten Ton gefunden hat. Es wird ein solches Kreuzbild vielleicht bis weit über die Bezirksamtsgrenze hinaus einzig dastehen und es ist unbedingt ein Verdienst des H.H. Pfarrer Keller der Pfarrei Langenpettenbach ein solches Kunstwerk verschafft zu haben. Die Kosten, die sich insgesamt auf ungefähr 30.000 Mk. belaufen, wurden durch freiwillige Gaben während der Mission aufgebracht, was laut und deutlich für den christlichen Sinn der Bevölkerung und ihrer Liebe zum Gotteshaus Zeugnis gibt. Möchte dieses Kreuzbildnis eine Anregung zu vielen Nachahmungen sein !

(Amperbote vom 9.11.1922)

Glockenheimholung nach Langenpettenbach 1922

Am Dienstag erhielt die Pfarrkirche Langenpettenbach drei neue Glocken C, Es, F, im Gewichte von 39, 26 und 20 Zentnern. Es ist ein tadellos hergestelltes Gußstahlgeläute, hergestellt vom Bochumer Verein I in Bochum. Welche Freude die Pfarrei hatte, zeigte der Festzug nach Röhrmoos, von woher die Glocken abgeholt wurden. Voran Radfahrer, dann Reiter, nun der Musikwagen. Diesem schlossen sich 5 Chaisen an - jedes Gespann festlich geschmückt. Die Glocken selbst ruhten auf drei Brückenwägen, wovon jeder ein prächtiges Viergespann hatte. Festliches Geläute ertönte, als sich der imposante Festzug durch Inzemoos und Indersdorf mit den neuen Glocken bewegte. Groß und Klein, Alt und Jung bildete in den Straßen Indersdorfs Spalier. Die Pettenbacher Schuljugend -Knaben mit Fähnlein, Mädchen im weißen Kleide - erwarteten die Glocken in Indersdorf. In Langenpettenbach wurde der Festzug vom Veteranenverein und der Feuerwehr, außerdem einer großen Menge Leute aus der Gemeinde und Umgebung empfangen. H.H. Pfarrer Keller nahm dann die Weihe vor und sprach hernach von der Bedeutung der Glocken, sowie vom Opfersinn der Pfarrei, wobei er besonders auch des Herrn Geheimrates Aust von München gedachte, der die große Glocke in hochherziger Weise stiftete. Herr Lehrer Bollenmüller begrüßte das Geläute im Namen der Gemeinde, gedachte der alten Glocken, die vor wenigen Tagen vom Turm herabgenommen wurden. Sie werden nach Unterweikertshofen gebracht, wohin sie verkauft wurden. Er bat die Anwesenden in ihrer Opferwilligkeit nicht zu erlahmen, sondern zur Ehre Gottes reichlich zu spenden. Besondere Verdienste um das Zustandekommen des Geläutes haben der unermüdliche Herr Bürgermeister Kröner, Herr Xaver Kottmair, der berühmte Glockenkenner im Bezirke, und Herr Oberjäger Schweiger durch seine bekannte Beredtsamkeit im Vereine mit H.H. Pfarrer Keller. Lieder- und Musikvorträge, Gedichte, gesprochen von drei Mädchen und dem musterhaften Vortrag von Schillers unsterblicher "Glocke" durch Herrn Lutz schloß die eindrucksvolle Feier, die wohl niemand der Anwesenden vergessen dürfte. Nun klinget hinaus ins weite Tal mit euren vollen Tönen, ihr neuen Glocken, zur Ehr und zum Lobe des Allerhöchsten und zur Freude der Menschen ! Mögen eure Klänge Friedensklänge sein und bleiben ! Möge das kalte, starre Erz mit uns Menschenkindern fühlen in Freude und Leid ! Glück auf nun wackere Gemeinde zum neuen Geläute !
                                                  Freude diesem Ort bedeute, Fried sei ihr erst Geläute !


Die Einweihung der Kirche in Langenpettenbach
am 7.Juli 1922

Der 7.Juli war ein Freudentag, ein Segenstag unserer Pfarrei. Vieles haben wir von unserer Pfarrkirche vernommen. Heute wollen wir das Freudigste, das Erhabenste hören !
Am Donnerstag um 5 Uhr kam unser geliebter Oberhirte Se.Eminenz Hochw. Herr Kardinal Michael von Faulhaber in das festlich geschmückte Dörflein. Reine, wahre Freude sah man in den Blicken all der vielen Harrenden, die ihren Kirchenfürsten begrüßen wollten; darunter die hiesige Geistlichkeit, die Vereine, die Schuljugend. Nachdem der Bischof den Kreuzpartikel geküßt hatte und von drei Mädchenn mit poetischen Worten begrüßt worden war, zog ein imposanter Zug zur Pfarrkirche.
Hier wurde die Matutin rezitiert und dann die Reliquien zur Verehrung während der ganzen Nacht auf dem neuen Hochaltar ausgesetzt. Sr. Eminenz begab sich in den Pfarrhof, um hier die Kirchenverwaltung und den Gemeinderat in Audienz zu empfangen. Die Nacht hindurch waren Betstunden angesetzt. Von 5 Uhr morgens an bis nach 6 Uhr waren hl.Messen. Dann wurde die Kirche geschlossen.

Leider regnete es am Morgen des Festtages in Strömen. Erst gegen Mittag klärte es auf. Trotzdem eilten aus Nah und Fern die Gläubigen herbei, sodaß die Kirche bis zum letzten Platz gefüllt war. Um 7 Uhr begannen die Zeremonien. Nach verschiedenen Psalmen vor der Kirchentüre wurde die Allerheiligen-Litanei gesungen. Der Kardinal in vollem Ornat weihte das Wasser und ging nun dreimal um die Kirche und besprengte mit diesem geweihten Wasser die Kirchenmauern. Vor der Kirchentüre machter er jedesmal Halt und pochte mit dem Hirtenstab an die Kirchentüre, Einlaß begehrend. Nach dem dritten Umgang wurden dann vom Pfarrer die Tore geöffnet und der Bischof trat als Erster mit den Worten: "Friede diesem Hause" bis zur Mitte der Kirche, wo abermals die Allerheiligen-Litanei gebetet wurde.
Nun wurde zum Hochaltar gezogen. Vor demselben war auf dem Kirchenboden das Aschenkreuz, in welches er mit dem Hirtenstab die Buchstaben des griechischen und lateinischen Alphabetes schrieb. Nach Segnung von Salz, Wasser, Asche, Wein und ihren Mischungen miteinander bekreuzigte er im Inneren der Kirche die Kirchtüren im obern und untern Teil. Er bekreuzte den Altartisch an fünf Stellen, ging siebenmal um den Altar und besprengte den Altar, sodann die Innenwände der Kirche. Nun folgte die Reliquienprozession um die Kirche, an welcher sich außer der Geistlichkeit die Schuljugend, sowie Vereine und Volk beteiligten. Nun durfte auch das Volk in die Kirche eintreten.
Nach einigen kurzen Zeremonien salbte er die zwölf mit brennenden Kerzen versehenen Apostelkreuze mit hl.Oel. Die Reliquien wurden nun in den Altarstein gesenkt und mit einer Platte zugemauert, wozu vorher der Mörtel vom Bischof geweiht worden war. Nun wurde der Altar von allen Seiten inzensiert. Dann folgte die Salbung des Altartisches. Nun wurden auf demselben fünf Flammen angezündet. Der Bischof fiel auf den Stufen des Altares auf die Knie nieder, hiebei das "Veni sancte Spiritus" anstimmend. Nun zeichnete er auf die Mitte der Vorderseite des Atares und auf die vier Eckfugen mit Chrisam ein Kreuz, worauf der Altar mit Leinentüchern abgetrocknet wurde. Nun kam die Altarumkleidung um den Altarstein. Der Altar selbst wurde mit Kerzen und Blumen geschmückt und mit den Altartüchern bekleidet...

 

Bildhauer Wilhelm Breitsameter

Lebensdaten über den Bildhauer Wilhelm Breitsameter aus Freising sind mir nicht bekannt.
Der Künstler hat um 1960/70 für die Kirche in Langenpettenbach die Figurengruppe Sieben Schmerzen Mariens geschnitzt und gefasst (Inkarnatfassung, teilweise versilbert und vergoldet).
Weitere Werke: Gedenkstäte für die Mitglieder der Weißen Rose (1974), künstlerische Gestaltung des Gemeindezentrums St. Rita in Englschalking (1984), Freisinger Mohrenbrunnen (1999), Augustinusstatue an der
Südfassade der Freisinger Wieskirche (2009), Korbiniansfigur auf der Korbiniansbrücke (2016).

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