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Pfarrkirche St. Michael in LANGENPETTENBACH

mehr über St.Michael
im Vordergrund der neue Chor
von links nach rechts: die alte Kirche

Adresse: 85229 Markt Indersdorf, Michelsberg 1
Lage der Kirche auf der Landkarte ...

Kurzbeschreibung

Langenpettenbach gehört zu den ältesten Orten des Landkreises. Schon im Jahr 773 wurde es als "Petinpach" mit einer Michaels-Kirche urkundlich erwähnt. Die Pfarrei gehörte von 1221 bis 1806 zum Kloster Indersdorf.

Die jetzige kath. Pfarrkirche St. Michael ist eine besondere Baukonstruktion:

Im Jahr wurde 1922 quer durch die bereits bestehende spätgotische Kirche eine neue Kirche gebaut. Die beiden Kirchen bilden nunmehr ein Kreuz. Die alte Kirche mit dem Turm verläuft von Ost nach West, die neue von Süd nach Nord.
Deshalb hat die Kirche auch zwei Altarräume.


Bild an der Emporenbrüstung

Ältester Teil der Anlage ist der Kirchturm. In der Glockenstube hängen vier Glocken, die alle im Jahr 1922 in Bochum gegossen worden sind.

Der neue Altarraum (Bild rechts) ist neugotisch eingewölbt. Mittelpunkt ist eine Kreuzigungsgruppe mit Figuren von Maria und dem Apostel Johannes, die über dem Altar hängt. Im neuen Altarraum stehen auch die Figuren der ehemaligen Seitenaltäre: St.Rochus in Pilgerkleidung, St.Sebastian am Marterpfahl, St. Laurentius mit Feuerrost und St.Notburga, mit der Sichel.

Der im Jahr 1710 barockisierte alte Altarraum (jetzt östliches Querschiff) ist im Turmuntergeschoss eingerichtet. Die Decke ist gewölbt und mit vielen feinen Stuckornamenten verziert. Amfrüheren barocken Hochaltar stehen als beherrschende Figuren drei Erzengel: in der Mitte der Kirchenpatron St. Michael, flankierte von den Erzengeln Gabriel und Raphael.

Eine Besonderheit der Kirche ist das im rechten Querschiff untergebrachte "Heilige Grab" mit den lebensgroßen Schnitzfiguren des liegenden Leichnams Jesu, zweier Engel (mit Schwamm und Lanze) und zwei Grabwächtern in jugendstilnahen Formen aus der Zeit um 1920. Es ist das ganze Jahr über zu sehen und wird vor Ostern beleuchtet.

Im übrigen zieren viele Figuren (z.B.Apostel), Kruzifixe, Reliefs und Bilder das architektonisch und in der künstlerischen Ausstattung nicht besonders hervortretende Kirchenschiff.

   ApostelleuchterApostelleuchterSt. NotburgaApostelleuchterSt.SebastianKreuzigungsgruppe
Vergrößerung von 4 Details (Figuren, Apostelleuchter) per Mouseklick


Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen


Geschichte: Erste Kirche Matrikel 1524 Gotischer Bau 1546 Visitation 1560 30jähriger Krieg
  Umbau 1650 Barockisierung 1708 Matrikel 1738 Beschreibung 1880 Umbau 1922
  Zweiter Weltkrieg        
Ausstattung: Alter Altarraum Neuer Altarraum Apostelleuchter Baubeschreibung Beichtstuhl

 

Bruder Konrad-Bilder Chorbogen Empore Epitaphe außen Fenster
  Figuren:neuer Chor Figuren:alter Chor Figuren im Schiff Heiliges Grab Kirchenbänke
  Kreuzweg Kruzifix Orgel Opferstock Patronat
  Pfarrei Reliquien Seitenaltäre Taufstein Tabernakel
  Weihwasserbecken    Gottesdienstordnung

Geschichte der Kirche

Einer Sage nach soll auf dem Platz der heutigen Kirche vor 1250 Jahren ein heidnischer Tempel gestanden sein, der vom hl.Bonifatius in eine Michaelskirche umgewandelt worden ist.
Erste schriftliche Erwähnung findet Langenpettenbach in den Freisinger Traditionen. Nach einer Urkunde vom 12.August 772 schenkte ein Frau namens Albunia dem Freisinger Bistum ihren Besitz zu Pettinpah (Langenpettenbach).

Erste Kirche
Urkundlich erwähnt wird Langenpettenbach im Jahr 773 als "Petinpach" mit einer Michaels-Kirche. Alpune, die Tochter des Adeligen Erchanfried und dessen Gemahlin Deotrat soll damals ihre Besitzungen, zu denen auch das Holzkirchlein gehörte, dem Bischof von Freising geschenkt haben. Die kleine Kirche soll von Mönchen aus Schäftlarn errichtet worden sein. Eine weitere Erwähnung findet die Kirche in einer Schenkungsurkunde des Erchanolf aus der Zeit um 830 (Nr. 604 der Freisinger Traditionen)
In den Ungarnkriegen des 10.Jh sollen Ortschaft und Kirche stark in Mitleidenschaft gezogen worden sein. Sie erholten sich erst Anfang des 11. Jh wieder, als sich Ministeriale der bayerischen Herzöge hier ansiedelten. Langenpettenbach war um das Jahr 1000 vom Freisinger in Wittelsbacher Besitz übergegangen, die es später als Lehen dem Kloster Indersdorf übertrugen.
Unter Heinrich von Pettenbach wurde um 1220 die erste Steinkirche im massiven romanischen Stil errichtet. Man glaubt, dass der Turm noch aus dieser Zeit stammt.

Freisinger Matrikel 1315 und 1524
In der Konradinischen Matrike von 1315 ist die Kirche nicht erwähnt. Dies mag mit ihrer Zugehörigkeit zum Kloster Indersdorf zu erklären sein. Dagegen ist sie in der Sunderndorfer'sche Matrikel von 1524 bei der Pfarrei Undersdorf mit dem Hinweis auf das Michaels-Patrozinium enthalten ("Provisor nomine Joannes Schmidt, monasterio professus, regit ecclesiam s.Michaelis in Bettnbach cum duabus filialibus ecclesiis, videlicet s.Viti in Ärnzell et .B.Virginis in Änhofen"). Langenpettenbach hatte schon damals praktisch den Status einer eigenen Pfarrei mit einem Professor aus dem Kloster als Sachverwalter und zwei eigenen Filialkirchen in Arnzell und Ainhofen.

Gotische Kirche 1546
Im Jahr 1546 brannte das Kirchenschiff ab und wurde "auf Schutt und Asche ohne Fundamentierung" im gotischen Stil wieder aufgebaut. Beim Umbau 1921 hat man noch Brandüberreste entdeckt. Auch der Altarraum im Untergeschoss des Turms brannte aus; das Mauerwerk nahm jedoch keinen Schaden.

Visitationsbericht von 1560
Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation, eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet. Die Visitation wurde durch bischöfliche und durch herzogliche Bevollmächtigte durchgeführt. Grund war die durch die Reformation Luthers (1517) entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen des Bistums zur Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte. Durch die Visitation wollte der Bischof einen detaillierten Einblick in die religiöse Situation der Pfarreien gewinnen. Insbesondere sollte festgestellt werden, ob die Pfarrer und die Gläubigen noch die katholischen Lehre vertraten oder der neuen Lehre anhingen. Daneben interessierte die Prüfer die Lebensführung der Pfarrer sowie Umfang und Qualität ihrer religiösen Kenntnisse. Im Bericht über die Filialkirche "St.Michael in Pöttenbach" heißt es, dass sie in das Kloster Indersdorf inkorporiert sei und auch von dort fleißig betreut werde. In der Kirche seien ein Kelch mit Corporale, 1 Monstranz aus Messing, 1 Messbuch, ein Gesangbuch, theoretisch 7, praktisch aber nur 2 Messgewänder, genügend Altartücher, Stühle, Fahnen, Glocken und "sonst alle Kirchentzier" vorhanden. Für eine Jahrtagsmesse erhalte der Priester 8 Kreuzer. Das Sakramentshäusel sei nicht gut verschlossen, aber gut beleuchtet. Der Kirchenbau und die Kirchenmauer seien baufällig.

Dreißigjähriger Krieg
Den 30jährigen Krieg soll die Kirche unbeschadet überstanden haben. Das Dorf wurde jedoch stark geplündert. Viele Bewohner verloren ihr Leben. Danach wurden viele Tiroler hier angesiedelt, zumeinst aus der Gegend um Rattenberg. Die Tiroler Hofnamen Unterrainer, Hörhager, Portner und Haller zeugen noch davon. Immerhin wurden nach dem Krieg die Orte Langenpettenbach und Arnzell noch als pagi (= Dörfer) bezeichnet, während sämtliche andere Ortschaften der Pfarrei als "loca deserta" als unbewohnte Orte beschrieben wurden.

Barockisierung 1708
1708 wurde das Gotteshaus gründlich renoviert und mit drei neuen Altären ausgestattet (Weihe am 8.Oktober durch Fürstbischof Franz von Freising). Auf einer Holztafel die früher im Pfarrhof Langenpettenbach aufbewahrt wurde, sind die Reliquien, die in den neuen Altären "bestattet" wurden, aufgeführt.

S
chmidt'sche Matrikel von 1738
In den Jahren 1738 bis 1740, hatte der Freisinger Kanonikus Schmidt alle Pfarreien der Diözese Freising besucht und auch die Filialkirchen kurz beschrieben ( Schmidt'sche Matrikel). Zur "Ecclesia filialis s.Michaelis in Langenpettenbach" bemerkt er, diese Kirche sei von ausreichender Schönheit. Sie habe drei Altäre, von denen der Hochaltar zwar in erster Linie dem Erzengel Michael, daneben aber auch dem Erzengel Gabriel rechts und dem Erzengel Raphael links geweiht sei (deren Figuren sind noch heute am alten Choraltar zu sehen). Die Seitenaltäre hätten als Patronat den Martyrer Sebastian und Pauli Bekehrung. Gottesdienste würden durch den Vikar aus dem Kloster Indersdorf häufig gefeiert: Jeden dritten Sonntag sowie an vielen Festen von Jungfrauen, Bekennern und Martyrern. Das Kirchweihfest falle auf den Sonntag nach Jakobi (25.Juli). Im Friedhof stehe ein Beinhaus und im Turm hingen zwei geweihte Glocken. Die Einkünfte der Kirche verwalteten das Kloster durch den Vikar und der Landpfleger von Kranzberg. Der Bericht endet mit dem einzigen Satz in deutscher Sprache: "Das Vermögen dises Gottshauses solle diser Zeit gegen 400 fl. (=Gulden) ausmachen. Das war kein hoher Betrag, ist aber mit dem Umbau von 1708 zu erklären.


Umbau 1850

Im Jahr 1850 wurde das 17 Meter lange und 6 Meter breite Kirchenschiff um vier Meter nach Westen verlängert. Die Kosten betrugen 4.400 Gulden, wovon der Staat 3.434 Gulden übernehmen musste. Durch den Reichsdeputationshauptbeschluss vom 25.2.1803 hatte das Königreich Bayern den Großzehnt der Kirche übernommen und musste deshalb einen Teil der Baupflicht tragen. Auch die Filialgemeinden Arnzell und Ainhofen leisteten ihren Beitrag (127 Gulden). Zudem hätten die Pfarreien Weichs, Indersdorf, Jetzendorf und Hilgertshausen einen Teil der Kosten tragen sollen; bis auf Indersdorf verweigerten diese Pfarreien jedoch "verschiedener Gründe halber die Zahlung".

Beschreibung 1880
Kirche und Pfarrei Langenpettenbach sind auch in der "Statistischen Beschreibung des Erzbisthums München-Freising" aus der Zeit um 1874-80 enthalten, die der Benefiziat Anton Mayer als Buch veröffentlicht hat:
Geographie: "Die Pfarrei hat 824 Seelen in 144 Häusern. Davon wohnen aber nur 238 Gläubige (in 45 Häusern) in der Ortschaft Langenpettenbach selbst, die Übrigen in Senkenschlag 79 (17), in Ainhofen 172 (30), in Arnzell 72 (11), in Ottmarshausen 33 (4), Schönberg 59 (10), Wagenried 57 (11) und in 11 weiteren Weilern und Einöden. Im Pfarrbezirk befinden sich auch 21 Protestanten, die nach Kemmoden eingepfarrt sind. Beim Weiler Eichstock ist ein Menonitentempel, in welchem die zugehörigen Menoniten alle 6 Wochen Gottesdienst haben. Der Umfang der Pfarrei beträgt circa 19 km. Die Wege sind gut, im Winther aber theilweise beschwerlich." 1 Lehrer unterrichtet im 1828 erbauten Schulhaus 106 Werktags- und 37 Feiertagsschüler.
Pfarrei: "Präsentationsrecht besitzt der König. Die Kirchenrechnung weist bei 2121 Mark Einnahmen und 698 Mark Lasten einen jährlichen Reinertrag von 1423 Mark aus. Das Widum (=der Pfarrbauernhof) umfasst nur Grundstücke von 2 Tagwerk Fläche rings um das noch von Propst Weiß (1728-1748) errichtete Pfarrhaus. Dieses Pfarrhaus ist sehr geräumig, weniger praktisch eingetheilt, das Erdgeschoß durchaus gewölbt, doch trocken. Die Ökonomiegebäude für 2 Kühe sind mit dem Pfarrgebäude vereinigt. Der Hilfspriester, ein Coadjutor, wohnt im Pfarrhause. Die Matrikelbücher beginnen 1626".
Kirche: "Erbauungsjahr unbekannt, verlängert 1848, restaurirt 1878. Styllos. Schiff mit Flachdecke, Presbyterium unter dem Thurm gewölbt. Geräumigkeit viel zu beschränkt; zur Erweiterung oder Neubau wurde ein Fond gegründet. Baupflicht hat der Staat. Sattelthurm. Glockeninschriften: a): "In nomine Jesu omne genu fle(ctatur). Goss mich J.M. Langenegger in München 1711". b): "Gegossen von Wolfgang Hubinger in München anno 1848". (Kirche) consecrirt am 8.October 1708. 3 Altäre; Orgel mit 6 Registern; hölzerner Taufstein. Cemeterium (=Friedhof) bei der Kirche ohne Kapelle. Wechselgottesdienste mit den Filialen, also jeden 3.Sonntag. Ewige Anbetung am 13.Febr. Stiftungen: 20 Jahrtage und 39 Jahrmessen. Den Meßner- und Cantordienst versieht der Lehrer. Eigenes Meßnerhaus nicht vorhanden. Vermögen der Kirche: 15.800 Mark".


Umbau 1922

Im Jahr wurde 1922 quer durch die bereits bestehende spätgotische Kirche eine neue Kirche gebaut.
Schon 1901 war ein Kirchenbauverein gegründet worden, der zunächst den Platz für den Anbau sicherte. Dazu musste ein Gütlerhäuschen gekauft und abgerissen werden. 1913 wurde der erste Plan entworfen. Nach einem Bericht aus dem Jahr 1922 wäre es "ein Prachtbau geworden". Allerdings entfachten die immensen Kosten Unstimmigkeiten im Kirchenbauverein. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs verhinderte die Bauausführung. Erst Pfarrer Keller, der am 1.Juli 1920 die Pfarrei übernahm, brachte wieder Schwung in die Baupläne. Ein Pfarrer "mit Zollstab und Winkel" wurde er genannt. Schon im September 1920 beschloss man den Neubau in Süd/Nordrichtung und als man 1921 in einer Sammlung 100.000 Mark nebst mehreren Kubikmetern Holz zusammenbrachte, wurde mit dem Bau begonnen. Gerade noch rechtzeitig, denn ein Jahr später wäre der finanzielle Grundstock durch die Inflation vernichtet gewesen.

Pfarrei
Langenpettenbach gehörte früher zur Pfarrei Glonn und wurde mit ihr und Arnzell im Jahr 1221 dem Kloster Indersdorf inkorporiert. Dort blieb es Jahrhunderte lang und wurde von den Patres aus dem Kloster seelsorgerisch betreut. Zunächst wurde nur jeden dritten Sonntag sowie an den großen Feiertagen Gottesdienst gefeiert; die Taufen fanden im Kloster statt.
Als 1736 in Langenpettenbach ein Pfarrhof gebaut wurde, in dem zwei Augustinerpatres ständig wohnten, verbesserte sich die seelsorgerische Situation. Aber es gab schon frühe Bestrebungen für eine eigene Pfarrei. Als ein Bauer aus Stangenried unter Probst Georg II. (1704-1721) einen eigenen Pfarrer verlangte, erhielt er drei Tage Haft, bis er anderer Ansicht wurde. Erst 1806 wurde die Pfarrei Langenpettenbach selbstständig. Sie erhielt einen eigenen Pfarrer und einen "Hülfspriester" (=Kaplan), wie Dr.Deutinger 1850 schreibt. Filialkirchen waren Arnzell, Ainhofen und die Johanneskirche in Harreszell (1740: mit 1 Altar, ohne Sakristei, ohne Friedhof, mit zwei Glocken im Turm).

Zweiter Weltkrieg 1945
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieg bat das Ordinariat die Pfarrer, über die letzten Monate des Krieges und den Einmarsch der Amerikaner in das Gebiet ihrer Pfarreien zu berichten. Die Berichte enthielten Aussagen zu Schäden an Kirchen und Pfarrhäusern durch Fliegerbomben, beim Einmarsch der Amerikaner und durch die (erlaubten) Plünderungen der Gefangenen danach sowie über die Probleme der Seelsorge in den Kriegsjahren. Die Berichte wurden vom Direktor der Diözesanbibliothek Peter Pfister 2005 als Buch herausgegeben.
Wenn Sie den umfangreichen Bericht über Langenpettenbach lesen möchten, klicken Sie hier...

Berichte aus der Pfarrei
Die Dachauer Zeitungen haben in den letzten 120 Jahren immer wieder aus dem Pfarrleben berichtet. Diese Berichte befassen sich nicht unmittelbar mit den Kirchengebäuden, vermitteln aber einen ergänzenden Eindruck aus der damaligen Zeit.
Unter anderem Berichte über Primizen und Installationen wie hier in Langenpettenbach. Wenn Sie den Bericht lesen möchten, klicken Sie hier...


Baubeschreibung

Die jetzige kath. Pfarrkirche St. Michael liegt am Dorfrand auf einer kleinen Anhöhe in einem ummauerten Friedhof. Sie ist eine besondere Baukonstruktion: Im Jahr wurde 1922 quer durch die bereits bestehende spätgotische Kirche eine neue Kirche gebaut. Die beiden Kirchen bilden nunmehr ein Kreuz. Die alte Kirche verläuft von Ost nach West, die neue von Süd nach Nord. Auf diese Weise hat die Kirche eine Kreuzform erhalten.
Die Kirche hat nun auch zwei Altarräume, den alten unter dem Turm mit dem barocken Altar und den neuen, dreiseitiggeschlossenen, mit dem modernen Volksaltar (Bild siehe oben). Der vordere Teil des alten Kirchenschiffs ist nunmehr die Freifläche vor dem neuen Chor; der hintere Teil beherbergt das Hl.Grab.

Der Zugang zur Kirche liegt an der Nordseite. Dort gibt seit 1850 ein kleiner Portalvorbau Schutz vor Witterung. Die doppelflügelige Eichentüre soll in der 1.Hälfte des 18.Jh für das Kloster Indersdorf angefertigt worden und erst später nach Langenpettenbach gekommen sein.
Epitaphe
In die Außenwand sind neben dem Eingang mehrere Epitaphe eingelassen. Sie erinnern an frühere Seelsorger, die im 19.Jh in der Pfarrei tätig waren.
  Hinweis: Epitaphe gibt es in unseren Kirchen erst seit dem 14. Jh. als Gedächtnismal für einen Verstorbenen in Form einer Steinplatte, die innen oder außen an der Kirchenwand senkrecht aufgestellt wird. Epitaphe (griech. Grabinschrift) wurden für diesen Zweck eigens angefertigt; sie sind keine früheren Grabplatten. Das Epitaph ist auch kein Grabmal, weil sich weder dahinter noch darunter ein Grab befindet.
Text: Zum frommen Andenken an den hochwürdigen Herrn Michael Söhnle, seit 20 Jahren Pfarrer dahier. Geboren am 23.August 1804 zu Landshn., gestorben am 7.April 1879.
"Höre nicht auf zu rufen. Wie eine Posaune erhebe Deine Stimme und verkünde meinem Volke ihre Sünden. Jsaias Cap.5,S.1   R.I.P"
Turm
Altester Teil der Anlage ist der mächtige Kirchturm, der in seinem Erdgeschoss den alten Altarraum birgt. Der Turm hat einen fast quadratischen Grundriss von 4 x 4,15 m ; die Mauern haben eine Stärke von bis zu 115 cm.
Im unverputzten Turminneren sind eindeutig vermauerte romanische Rundbogenfenster zu erkennen. Änderungen in der Mauerstruktur im oberen Teil des Turmes weisen auf eine spätere Erhöhung von 20 Metern auf 23,5 Metern hin. Die Turmuhren sind in verschiedener Höhe angebracht. Nach der Kirchen-beschreibung von 1922 war die Turmuhr damals "ein altes Werk und sehr wetterlaunisch". In der Glockenstube mit rundbogigen Schallfenstern hängen vier Glocken, die alle im Jahr 1922 in Bochum gegossen worden sind (Gusseisenglocken). Sie sind 20, 26 und 39 Zentner schwer und erklingen in den Tönen C, Es und F. Von zweien sind die Durchmesser von 170 cm und 140 cm bekannt. Die Glocken fielen als Stahlglocken nicht unter die Ablieferungspflicht im II.Weltkrieg, die nur Bronzeglocken einschloss.
Die 1643 von Bernhard Ernst aus München für Harreszell gegossenen und später nach Langenpettenbach verbrachten kleineren Glocken mussten im Ersten Weltkrieg zum Einschmelzen abgeliefert werden. Ob die große, 600 Pfund schwere Glocke (Grundton a), die 1848 von Johann Mathias Langenecker 1711 (1705?)
gegossen worden war, das gleiche Schicksal erlitt, kann ich leider nicht sagen. Eine im Jahr 1848 von Andreas Brettmeister gestiftete und von Wolfgang Hubinger gegossene, 350 Pfund schwere (Grundton fis) Michaelsglocke (die erstmals beim Requiem für ihren Stifter erklang) ist 1922 nach Unterweikertshofen gekommen und hat wohl den Ersten Weltkrieg überstanden, in der Kirchenbeschreibung von 1922 steht: "Nun läutet sie den Unterweikertshofern".
Eine Übersicht über die ältesten Glocken im Landkreis Dachau finden Sie hier...

Neben dem neuen Altarraum stehen an der Südseite zwei eingeschossige Anbauten. Der östliche beherbergt die 1734 errichtete Sakristei, im westlichen sind Abstellräume eingerichtet.


I
nneneinrichtung

Neuer Altarraum/Chorraum

Der neue Altarraum (Bild oben) ist -dem Zeitgeschmack von 1848 entsprechend- neugotisch eingewölbt. Die Gewölberippen treffen sich in einem runden Schlussstein, der die Form einer Blüte hat.
  Hinweis: Die Schlusssteine der Gewölberippen sind im Scheitelpunkt eine Bogens oder im Knotenpunkt von Rippen eingefügt. Sie verkeilen das gebogene Mauerwerk und geben dem statischen Gefüge den entscheidenden Halt. Neben seiner bautechnischen Aufgaben hat der Schlussstein auch eine religiöse Bedeutung. Denn Paulus schreibt im Epheserbrief: "Ihr seid das Fundament der Apostel und Propheten gebaut. Der Schlussstein ist Jesus Christus selbst. Durch ihn wird der ganze Bau zusammengehalten und wächst zu einem heiligen Tempel im Herrn (Eph 2,20-22).
Mittelpunkt des Chorraums ist eine Kreuzigungsgruppe mit fast lebensgroßen Figuren von Maria und dem Apostel Johannes (mit Kelch in der Hand), die über dem Altar hängt.
Die Figuren dürften um 1900 geschnitzt worden sein.
Johannes hält einen Kelch in der Hand, der an den gescheiterten Mordversuch an ihm erinnert.


Im Altarraum stehen auch die Figuren der ehemaligen Seitenaltäre:
Ostseite (links):

St.Rochus, in Pilgerkleidung, der seine Pestwunde am Bein zeigt; zu seinen Füßen ein kleiner Engel. Die Figur wurde im 16.Jh geschnitzt.
Hinweis: St.Rochus (1295-1327) trat in den Dritten Orden der Franziskaner ein und begab sich auf Pilgerfahrt nach Rom; unterwegs half er bei der Pflege von Pestkranken. Er wurde selbst pestkrank (Pestbeule am Oberschenkel) und zog sich in eine Hütte im Wald zurück. Dort pflegte ihn ein Engel und ein Hund brachte ihm Brot, bis er genesen war und heimkehren konnte. Daheim wurde er für einen Spion gehalten und bis zu seinem Tod eingekerkert.Rochus wird in einigen Gegenden zu den 14 Nothelfern (zuständig für Bein- und Knieleiden) gerechnet.

St.Notburga, mit ihrem Attribut, der Sichel (20.Jh). Bei dieser Statue handelt es sich um eine Nachbildung der Figur, die Ignaz Günther für die Kirche Rott am Inn geschnitzt hat.
Hinweis: Die in Bayern ungemein beliebte Notburga war eine Bauernsmagd aus Tirol, die der Aufforderung des Bauern, auch nach dem Gebetläuten noch auf dem Feld zu arbeiten, nicht nachkam. Als sie der Bauer zur Rede stellte, warf Notburga ihre Sichel in die Luft, wo sie frei schwebend "hängen blieb". Sie ist eine der wenigen Heiligen, die aus ganz einfachen Verhältnissen kamen und kein geistliches Amt innehatten.

An der Westseite des Chores (rechts) steht St. Laurentius im kurzärmeligen Diakonsgewand hält die Märtyrerpalme und den Feuerrost in den Händen als Zeichen seines Martyriums. Diese Figur stammt aus dem 17.Jh.
  Hinweis: Laurentius war um das Jahr 250 einer der sieben Diakone in der Stadt Rom. Er sollte im Auftrag des Papstes den Kirchenschatz unter den Leidenden und Armen austeilen. Kaiser Valerian erhob Anspruch auf diese Schätze; als Laurentius sie nicht an ihn herausgab, ließ er ihn mit Bleiklötzen schlagen, zwischen glühende Platten legen und befahl schließlich, den Unerschütterlichen über stetig unterhaltenem Feuer auf einem Rost langsam zu Tode zu martern.
St.Sebastian ist an den Marterbaum gebunden. Fünf Pfeile stecken in seinem Körper.
  Hinweis: Sebastian war im 3.Jh.ein Offizier der kaiserlichen Garde, der auf Befehl des Kaisers Diokletian mit Pfeilen durchschossen wurde. Er erholte sich aber durch die Pflege der Witwe des Märtyrers Kastulus, bekannte sich erneut zu seinem Glauben und wurde daraufhin mit Keulen erschlagen. Auf seine Anrufung hin, soll eine Pestepidemie abgewendet worden sein. Der heilige Sebastian wird deshalb als Pestpatron und -der Pfeile wegen- als Patron der Schützenbruderschaften verehrt. 

Chorbogen

Am Chorbogen steht eine Figur des Patrons der Kirche, des hl. Michael. Der Erzengel mit dem Kreuzstab in der Hand steht mit dem Fuß auf dem besiegten Luzifer. Die Figur wurde im 20.Jh geschnitzt.

 

Michael ist mit Raphael und Gabriel einer der drei Erzengel. Nach der Überlieferung war Michael häufig mit der Heilsgeschichte der Menschen verbunden. Er stürzte - schon vor Beginn der Schöpfung - den Luzifer, trieb Adam und Eva mit dem Schwert aus dem Paradies (1. Mose 3, 23 - 24) zeigte Hagar, der von Abrahams eifersüchtiger Frau Sara vertriebenen Magd, die Quelle zur Rettung ihres und ihres Sohnes Leben (1. Mose 16, 7 - 12). Michael gilt auch als einer der drei Männer, die Abraham besuchten (1. Mose 18, 1 - 16), er hinderte Abraham, den Isaak zu töten (1. Mose 22, 11 - 18) rang mit Jakob (1. Mose 32, 24 - 29), teilte das Rote Meer beim Auszug aus Ägypten (2. Mose 14, 19 - 22), führte Israel ins gelobte Land und kämpfte mit dem Teufel um die Seele von Mose. Rettend erschien er den Jünglingen im Feuerofen bei Daniel (Daniel 3, 25 - 26) und hielt Habakuk an den Haaren über die Löwengrube. Michael hält die Seelenwaage und empfängt die Seligen im Paradies, so wie Petrus an der Himmelspforte. Der Kreuzstab ist ein uraltes Siegeszeichen.


Am Chorbogenscheitel ist das Auge Gottes zu sehen.


Alter Altarraum

Der alte Chor (jetzt östliches Querschiff) ist -entsprechend dem Turm-Grundriss- fast quadratisch. Die Decke besteht aus einem Kreuzgratgewölbe; sie ist mit vielen feinen Stuckornamenten, insbesondere Akanthusranken, Bandlwerk und Rosetten verziert.
Die Stuckausstattung stammt aus der Zeit um 1710/1720.


Vergrößerung von 2 Details (Reliquienpyramiden, Figur) per Mouseklick Jesus und GottvaterReliquienpyramiden

Im alten Chorraum steht der frühere barocke Hochaltar.
Die Stipes (Altarblock) hat die Form eines Sarkophags.
Der knapp 3 Meter breite und raumhohe Altaraufbau ist schwarz gefasst. Die Füllungen und die Säulen sind grau-beige-rot marmoriert. Auf der Rückseite ist eine Inschrift (Öl auf Holz) angebracht, die auf die Altarweihe am 8.10.1708 hinweist.

Beherrschende Figuren am Altar sind die der drei Erzengel St. Michael (in der Mittelnische mit Schwert und Seelenwaage) sowie die Erzengel St. Gabriel und St. Raphael. Die beiden Assistenzfiguren stammen aus dem Ende des 17.Jh. (andere Quelle: 1708). Die Figur des St.Michael dürfte im 20.Jh geschnitzt worden sein. Sie stand jedenfalls bis Ende des Zweiten Weltkriegs am Choraltar in Ainhofen. Während dieser Zeit war hier in Langenpettenbach ein Altarblatt angebracht, das ein Bild des hl. Michaels mit Schwert und Schild zeigte.

Zwischen Altaraufsatz und Hochaltarfigur weist eine Schriftkartusche mit den Worten "St.Michael ora pro nobis" auf blauem Grund auf den Kirchenpatron hin.

Der Altarauszug sitzt auf dem gekröpften Gebälk mit Sprenggiebeln und zwei darauf knienden Anbetungsengeln (Volutenengeln). Darüber eine kleinere Inschriftenkartusche mit dem Text "St.Angelus Custos" (Schutzengel).Zwischen zwei Säulchen, die einen Segmentgiebel tragen, umgeben ein hochovales Gemälde des hl. Korbinian im Bischofsornat (andere Quelle: St.Nikolaus).

  Hinweis: Die liturgische Verehrung der Schutzengel hat sich vor allem im 15. und 16. Jahrhundert verbreitet, zunächst in Verbindung mit dem Fest des Erzengels Michael (29. September); 1670 hat Papst Klemens X. das Schutzengelfest für die ganze Kirche vorgeschrieben und auf den 2. Oktober festgelegt. Der Glaube an die Schutzengel stützt sich vor allem auf Mt 18, 10. Dort ist zu lesen: Hütet Euch davor, einen dieser Kleinen zu verachten. Denn ich sage Euch Ihre Engel im Himmel sehen stets das Angesicht meines himmlischen Vaters.

Frühere Seitenaltäre im alten Kirchenschiff

Die früheren Seitenaltäre sollen "im Stil und Aufbau dem Hochaltar gleichend" gewesen sein. Der linke Seitenaltar war der hl.Katharina geweiht, die auf dem Altarblatt dargestellt war. Als Assistenzfiguren standen Figuren der Heiligen Diakone Laurentius (rechts) und Stephanus auf Postamenten. Im Auszug ein Bild des Herzen Jesu.
Der rechte Altar war dem hl.Paulus gewidmet, der auf dem Altarblatt abgebildet war. Rechts und links davon zwei geschnitzte Figuren des hl.Sebastian und des hl.Rochus. Im Altarauszug ein Bild vom Herzen Mariens.

Fenster

Im spitzbogigen Fenster an der rechten (südlichen) Wand sind bemalte Scheiben von Syrius Eberle aus Dachau zu sehen, die vom Dienstbotenverein Langenpettenbach, Ainhofen und Arnzell am 29.Juni 1926 gestiftet worden sind. Sie zeigen die hl.Notburga mit ihrem Attribut, der Sichel und St.Isidor, der an einem Feldkreuz betet, während im Hintergrund ein Engel seine Arbeit, das Pflügen eines Feldes, verrichtet.
    
  Hinweise: Isidor lebte im 12. Jh. als Knecht bei einem Baron. Seine Mitknechte verpetzten ihn, weil er ständig betete. Als sein Herr feststellen wollte, ob dies stimme, sah er der Überlieferung nach zwei weiße Stiere, von einem Engel geleitet, pflügen, während Isidor im Gebet daneben kniete. 

Reliquienschreine
An der nördlichen Wand (links) sind vier Reliquienpyramiden aus der Zeit um 1730 befestigt. Es sind eigentlich Standreliquiare. Sie sind aus Messing getrieben und versilbert. Die aufgesetzte Umrahmung und die Füße sind mit Akanthusmotiven verziert. Die Schaugefäße enthalten in Klosterarbeitengefasste Reliquien; sie waren früher auf den Seitenaltären gestanden. Interessant ist, dass die Reliquienkästchen durch das bischöfliche Ordinariat offiziell versiegelt werden mussten, um den Reliquiendiebstahl zu verhindern.

Figuren im alten Altarraum

Links neben dem Hochaltar steht eine Figurengruppe, die den leidenden Christus, gestützt von Gottvater mit einer Krone auf dem Kopf darstellt. Es erinnert an den Figurentypus des Gnadenstuhls, in dem Gottvater, auf einem Stuhl hinter Christus sitzend, seinen Sohn als den Erlöser präsentiert. Zwischen beiden oder darüber schwebt der Heilige Geist in Gestalt der Taube.
Bei der Figurengruppe in Langenpettenbach fehlen aber Stuhl, Kreuz und Heiliger Geist. Die Figuren sind die Kopie einer Figur aus der Zeit um 1500.
Hinweis: Gottvater wurde in der christlichen Kunst wegen der Weisung im Alten Testament (Exodus 20, 3-4) kein Schnitzbild von Gott zu machen, viele Jahrhunderte nicht als Person dargestellt. Meist wurden Symbole wie der Lebensquell, die Hand Gottes oder das Auge Gottes im Dreieck verwendet. Personifiziert, als würdiger alter Mann mit langem Bart, wird Gottvater erst seit dem Barock (17.Jh). Diese Darstellung wird dem Gottesbild in unserer Zeit nicht mehr gerecht.
Am alten Chorbogen sind auf Sockeln mit den Heiligennamen zwei Halbfiguren von Johannes dem Täufer und Josef von Nazareth, dem Vater Jesu in prächtigem barockem Rahmen angebracht. Beide Heiligen schweben auf Gewölk.
    
Johannes, in ein härenes Gewand gekleidet, hält ein Buch und die Kreuzfahne in den Händen. Josef dagegen ist mit einem blühenden Aaronstab abgebildet.
Beide Figuren stammen aus der Zeit um 1730/40.
  Johannes der Täufer (Baptist) war Sohn der Elisabeth und des Zacharias. Er trat der Überlieferung nach im Jahr 28 erstmals öffentlich als Bußprediger auf und lebte als Asket in der Wüste, wo er sich mit rauem Kamelhaar kleidete und von Heuschrecken und wildem Honig ernährte (Mk 1, 6;). Er verkündete am Jordan das Kommen des von den Juden ersehnten Messias und vollzog zur Vorbereitung hierauf die Bußtaufe mit Wasser als Symbol für die Rettung im kommenden Weltgericht. Johannes taufte auch Jesus am Jordan (Lk 3,24).Von König Herodes Antipas wurde Johannes dann gefangen genommen, weil der ihm die unrechtmäßige Verbindung mit seiner Schwägerin Herodias öffentlich vorgehalten hatte. Die hasserfüllte Herodias bewegte ihre Tochter Salome, als diese dem von ihrem Tanz entzückten Herodes einen Wunsch äußern durfte, Johannes' Haupt zu fordern.  Salome brachte der Mutter das abgeschlagene Haupt auf einer Schale (Mk 6, 14 - 29).
Joseph
war der Vater Jesu - oder Ziehvater Jesu, da nach altchristlicher Überzeugung Jesus der Sohn Gottes ist und durch den Heiligen Geist im Schoß der Jungfrau Maria gezeugt wurde. Joseph stammte aus dem Geschlecht des Königs Davids, aus dem nach dem Zeugnis des Alten Testaments der Messias hervorgehen werde. Er lebte als Zimmermann in Nazareth. Der blühende Aaronstab hat seinen Hintergrund in Legenden aus dem 2. Jh., die von der Brautwerbung Josephs berichten. Demnach war Maria Tempeljungfrau in Jerusalem und sollte einem Mann verheiratet werden, der sie unberührt lassen würde ("Josephs-Ehe"). Jeder Bewerber - allesamt waren Witwer - sollte einen Aaronstab auf dem Altar des Tempels niederlegen; Josephs Stab grünte und blühte, zudem ließ sich eine Taube als Zeichen der göttlichen Bestätigung auf seinem Kopf nieder.

Am alten Chorbogen stehen auch die schönen Prozessionslaternen. Sie sind aus Messing getrieben, grün und rot gefasst und sogar teilweise vergoldet. Die Laterne stammen aus dem 18.Jh.

 

Langhaus/Kirchenschiff

Das Kirchenschiff besitzt fünf Achsen (Joche) mit zwei mal fünf Fenstern an der Seite und zwei weiteren Fenstern hinter der Empore. Es ist mit einer einfachen Holzdecke, die aus dem 20.Jh stammt, überdeckt. Das dunkle Holz macht den Raum optisch niedriger.

Im vorderen Bereich des Kirchenschiffs, wo sich altes und neues Langhaus durchdringen, sind an der Stelle von Seitenaltären Figurengruppen an der Wand angebracht. Dort stehen auch der Tabernakel und der Taufstein.

13. Pfingsten 14.Aufnahme Mariens in den Himmel. 15.Krönung Mariens 10. Kreuzigung  11. Auferstehung 12. Christi Himmelfahrt 7.Geißelung  8. Verspottung 9. Kreuzweg5. Suche nach Jesus im Tempel 6. Jesus am Ölberg Geburt Jesu und Darstellung imTempel3. Geburt Jesu  3. Geburt Jesu  4. Darstellung im TempeKreuzwegbilderKirchenbankwangenApostelBeichtstuhlApostelKruzifixKirchenbankwangenKreuzwegbilderOpferstockOrgelVerkündigung und Heimsuchung
Vergrößerung von vielen Details (Figuren, Kreuzwegbilder, Beichtstuhl, Opferstock,
Kirchenbänke, Orgel, Emporenbilder) per Mouseklick


Linke Seite
Auf der linken Seite eine Pietà (Schmerzhafte Muttergottes mit ihrem toten Sohn auf dem Schoß) im Strahlenkranz. Maria hält mit der rechten Hand das Haupt Jesu. In ihrer Brust steckt das Schwert der Schmerzen.

Das Schwert geht auf das Simeonwort bei der Darstellung im Tempel "Dir selbst wird ein Schwert durch die Seele dringen" (Luk, 2,35) zurückgeht.

...mehr zu Pietà -Darstellungen in den Kirchen des Landkreises...


Rund um diese Figur sind sieben weitere Figurengruppen zu sehen, die die Sieben Schmerzen Mariens zeigen. Alle Figuren sind aus Holz geschnitzt (von Bildhauer Breitsameder, um 1960/70), haben Inkarnatfassung und sind teilweise versilbert und vergoldet.

 

 

Hinweis: Die Wurzeln für die Darstellung der 7 Schmerzen Mariens reichen in das 13.Jh zurück. Im Laufe der Jahrhunderte schwankte die Zahl zwischen 5 und 50, ja sogar bis zu 1500 im Einzelnen bezeichneten Schmerzen (Alanus de Rupe, 1428). Nach der Einführung des "Festes zum Gedächtnis der Sieben Schmerzen Mariens" im Jahr 1423 verblieb es bei der Zahl 7.
1.die Darstellung im Tempel
2. die Flucht nach Ägypten
3. die Suche nach dem 12jährigen im Tempel
4. die Begegnung Mariens auf dem Kreuzweg    
5. die Kreuzigung    
6. die Kreuzabnahme und
7. die Grablegung Jesu.
In Langenpettenbach fehlt die Suche im Tempel; dafür ist die Trauer am Grab zusätzlich eingefügt.

Rechte Seite

Auf der rechten Seite steht der grün-rot marmorierte Tabernakel aus der Zeit um 1740/50 mit der Ewg-Licht-Lampe. Er ist mit Voluten und rocaille-artigen Ornamenten geschmückt. An der rot gefassten Türe sind das vergoldete Jesusmonogramm sowie Ähren, Trauben und drei Kreuznägel aufgemalt. Auf dem Tabernakel sitzt ein Pelikan aus Ton, der sich mit dem Schnabel die Brust aufreißt, um die Jungen mit seinem Blut zu ernähren. Er ist das Symbol für Jesus Christus.
Es dürfte der Tabernakel sein, der nach einem Bericht aus dem Jahr 1922 eine Zeit lang bei einem Bauern gelagert war und dort "sehr materialistischen Zwecken gedient hatte, wie es im Bericht kryptisch heißt.

 

Hinweis: Tabernakel ist das lateinische Wort für Zelt. Die seit dem 12. Jh übliche Bezeichnung führt zurück zur Bundeslade der Israeliten zur Zeit Mose, die ebenfalls in einem Zelt untergebracht war. Der Tabernakel dient bereits seit frühchristlicher Zeit (unter anderem Namen) zur Aufbewahrung verwandelter Hostien für die Sterbenden. Seit dem hohen Mittelalter wurde er auch Ort der Anbetung und Verehrung Christi in der Gestalt dieses eucharistischen Brotes. Der Ort und die Form der Aufbewahrung änderten sich im Laufe der Jahrhunderte häufig. Das Tridentinische Konzil (1545 - 63) ordnete die Aufstellung des Tabernakels auf dem Altar an. Doch diese Vorschrift wurde in Deutschland, wo man lange daran festhielt, die heiligen Hostien in Wandschränken und Sakramentshäuschen aufzubewahren, erst im 18. Jahrhundert umgesetzt. Das 2. Vatikanische Konzil (1962 - 65) lässt dies wieder zu. Deshalb werden in modernen oder modernisierten Kirchen Tabernakel häufig in die Wand eingelassen oder stehen frei auf einer Säule.
An der Wand über dem Tabernakel ist eine Verkündigungsgruppe um 1700 an der Wand angebracht, die aus Maria am Lesepult, dem Engel Gabriel (hebräisch=Stärke Gottes)und einem von Gottvater und dem Hl.Geist besteht. Von Gott führen Gnadenstrahlen zu Maria.
Das Lesepult soll Maria als des Lesens kundige Frau darstellen und damit ihr Vornehmheit betonen.
Die Figuren wurden um 1730 aus Holz geschnitzt.


T
aufstein
Auf der linken Seite steht ein Taufstein aus Rotmarmor; auf dem Deckel ein Putto mit Taufschale sowie Kreuzstab mit Schriftband "Ecce Agnus Dei". Die Worte "Ecce Agnus Dei - übersetzt: Seht das Lamm Gottes, das die Schuld der ganzen Welt wegnimmt" sprach Johannes der Täufer, als er Jesus erstmals begegnete (Joh.1,29). Der Taufstein entstand in der Zeit um 1922 und ersetzte den alten hölzernen Taufstein mit verzinntem Kupferbecken, von dem noch im Jahr 1880 die Rede war.

Heiliges Grab
Im rechten Querschiff, dem hinteren Teil der alten Kirche, der erst 1848 als Verlängerung des Kirchenschiffs angefügt worden war, sind das große hölzerne Gehäuse eines "Heiligen Grabes" untergebracht, mit den lebensgroßen Schnitzfiguren des liegenden Leichnams Jesu, zweier Engel (mit Schwamm und Lanze) und zwei Grabwächtern in jugendstilnahen Formen. Sie stammen wahrscheinlich aus dem Jahr 1929 (andere Quelle: 1915/20). Eine Inschriftentafel enthält die Worte: Ich bin die Auferstehung und das Leben".
 Von Karfreitag Nachmittag bis Karsamstag Mittag ist dieses Heilige Grab auf der linken Seite aufgebaut, gekrönt mit einem Lichterkreuz.
Der Brauch des "Hl.Grabes" und des sog. "Graberlschauns" stammt aus der Barockzeit und diente der Veranschaulichung des Heilsgeschehens.
Wenn Sie sich die übrigen "Heiligen Gräber" in den Kirchen des Landkreises anschauen wollen, klicken Sie hier....


K
ruzifix

Im vorderen Bereich des Kirchenschiffs, auf der linken Seite, hängt ein großes Kruzifix. Der sich vorbeugende und vor Schmerzen krümmende Jesus wird hier noch lebend, mit leidendem Gesichtsausdruck undnatürlich ohne Seitenwunde dargestellt. Die Figur ist lebensgroß; sie wurde um 1922 vom Bildhauer Auer aus München nach einer Skizze von Michelangelo geschnitzt. Die Kosten betrugen 30.000 Mark.
Aus dem Jahr 1922 hat Otto Hefele noch einen Presseartikel gefunden, in dem das damals neue Kruzifix eingehend beschrieben wird. Wenn Sie den in der blumigen Sprache der damaligen Zeit abgefassten Bericht lesen möchten, klicken Sie hier....


Figuren im Kirchenschiff

Das Langhaus ist durch die vielen Figuren an den Wänden geprägt. Sie stellen die Apostel, Christus und zwei Evangelisten dar. Die Gipsfiguren sind freie Nachbildungen der Blutenburger Apostel; sie wurden um das Jahr 1900 modelliert.Die Blutenburger Apostel wurden um 1485 von einem unbekannten, künstlerische hoch einzuschätzenden Meister geschnitzt, der auch viele andere Kunstwerke geschaffen hat. In der Kunstszene ist er unter dem Namen "Meister der Blutenburger Apostel" bekannt. Elf der Apostel und Christus sind im Kirchenschiff zu sehen; der zwölfte Apostel, Johannes, steht unter dem Kreuz im neuen Altarraum. Von den vier Evangelisten sind nur Lukas und Markus abgebildet. Die Figuren der beiden übrigen fehlen.



Kreuzweg-Stationsbilder und Apostelkreuze

Unter den Figuren sind die in kräftigen Farben gemalten vierzehn Kreuzwegbilder angebracht. Sie sind mit Ölfarben auf Holz gemalt. Die Signatur auf der Rückseite des 14.Bildes lautet: "M.Gottschalk/v.Weingarten/ Taufkirchen a.Vils/1931". Vom Maler Gottschalk stammte auch ein Seitenaltarbild in Arnbach (gemalt 1932).
  Hinweis: In früheren Zeiten gab es statt der jetzigen vierzehn, nur sieben Kreuzwegstationen. Moderne Kreuzwege kennen auch eine 15.Station, die Auferstehung. Wenn Sie mehr über die Geschichte des Kreuzwegs und seine Darstellungen in Kirchen des Landkreises erfahren wollen, klicken Sie hier...
Dazwischen die Apostelleuchter (ohne Apostelkreuze an der Wand) aus vergoldetem Eisenblech aus dem Ende des 17.Jh. Sie erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlische Jerusalems. 


Die Kirche besitzt keine Kanzel.


B
ruder-Konrad-Bilder

Im vorderen Teil des Kirchenschiffs hängen Reliefbilder, die Szenen aus dem Leben des hl.Konrad von Parzham darstellen. Es handelt sich um Holzreliefs, die farbig gefasst sind. Die 56 x 63 cm großen Bilder wurden in der Zeit um 1960/70 vom Bildhauer Breitsameder geschaffen, von dem auch die Figuren der Pietà und der sieben Schmerzen Mariens stammen.
Hinweis: Konrad von Parzham (1818-1894) wirkte 41 Jahre lang im Kloster Altötting als Pförtner, wo er mit Tausenden von Wallfahrern zu tun hatte, die mit vielerlei Anliegen und Bitten zu ihm kamen. Aber auch Kinder aus vielen armen Altöttinger Familien kamen bettelnd an die Pforte; keines von ihnen ging leer aus. 1934 wurde Konrad von Papst Pius XI. heilig gesprochen.


K
irchenbänke

Die Kirchenbänke haben im hinteren Teil noch schön geschnitzte Wangen mit dem in Dachau viel verbreiteten Akanthusmuster. Sie wurden bei der Barockisierung 1710 angefertigt. Die übrigen Bänke sind neu.

Hinweis: Das Muster dieser Kirchenstuhlwangen entspricht dem vieler Kirchenstühle im Dachauer Land. Es trat erstmals 1695 in Glonn auf und wurde ab 1717 auch in Ainhofen, Albersbach, Arnbach, Arnzell, Aufhausen, Bergkirchen, Hilgertshausen, Markt Indersdorf (Marktkirche), Ottmarshart, Pasenbach, Pipinsried, Walkertshofen, Weichs, Westerholzhausen und in Westerndorf verwendet.


Beichtstuhl

Unter der westlichen Emporentreppe (rechts vom Eingang) stehen ansehnliche Reste des alten Beichtstuhls aus der Zeit der Barockisierung um 1710/20. Einer Kirchenbeschreibung aus dem Jahr 1922 ist zu entnehmen, dass im der alten Kirche ein Beichtstuhl zwischen dem rechten Seitenaltar und den Kirchenbänken, der andere in der Turmnische aufgestellt war.
Über Jahrhunderte hinweg wurde das Bekenntnis der Sünden offen im Kirchenraum beim Sitz (Kathedra) des Bischofs, später bei dem des Priesters im Altarraum abgelegt. Dieser besonders hervorgehobene Sitz des Beichtvaters war die Ausgangsform des Beichtstuhls. Durch die irisch-schottischen Mönchen wurde die Beichte im 10.Jh privatisiert, d.h., nicht mehr öffentlich abgelegt. Dazu bedurfte es nicht nur einer größeren Zahl von Priestern, sondern auch neuer Einrichtungsgegenstände. Der heutige Beichtstuhl entwickelte sich allerdings erst ab dem 16.Jh. zu einem feststehenden, meist dreiteiligen, mehr oder weniger geschlossenen Beichtgehäuse mit dem Mittelteil für den Priester (in dem der Priester sitzt - deshalb Beichtstuhl) und mit der Trennung von Priester und Beichtenden durch eine Zwischenwand mit Sprechgitter. Die Beichtenden knien abwechselnd in den Seitenteilen. Damit wurden bessere Bedingungen für einen anonymen Vollzug der Beichte geschaffen. In neuerer Zeit bieten sogenannte Beichtzimmer mit ihrer persönlichen Atmosphäre eine räumliche Alternative für Beicht- und Glaubensgespräche. Die Beichte geht auf das Bibelwort "Er hauchte sie an und sprach zu ihnen: Wem Ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem Ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert" (Joh 20,22) zurück.


O
pferstock
Neben dem Beichtstuhl steht der alte Opferstock aus Holz ohne Eisenbeschläge. In den Kirchen des Landkreises Dachau gibt es viele unterschiedliche, außerordentlich interessante Opferstöcke. Wenn Sie sich dafür interessieren, klicken Sie hier..

Weihwasserbecken

In der Nähe des Eingangs ist ein weiteres Taufbecken aus hellem Rotmarmor angebracht. Es ist im neugotischen Stil gearbeitet und stammt aus der zeit um 1880. Zur Zeit wird es als Weihwasserbecken genutzt.

Empore

Die tiefe Empore aus der Zeit um 1920 stützt sich auf vier Holzsäulen. Sie ist über zwei an der Nordwand gelegene Treppenaufgänge zu erreichen.
An den Kirchenbänken auf der Empore sind noch die Namensschilder aus früheren Zeiten befestigt, die den Mitgliedern der genannten Familie (gegen einen Obulus) einen freien Platz garantierten. Diese festen Plätze in der Kirchenbank waren in der Regel an den Hof gebunden; der Käufer eines Anwesens erwarb auch den mit dem Anwesen verbundenen Kirchenstuhl. Solche Namensschilder sind auch noch in den Kirchen von Ainhofen, Ebertshausen, Odelzhausen, Altomünster, Dachau, Eglersried, Einsbach-Hl.Blut, Puchschlagen und Asbach erhalten

An der durch vier Pilaster gegliederten Emporenbrüstung hängen 15 Gemälde, die vom Leben Jesu erzählen: Von links:


Verkündigung
Mariens

Mariä
Heimsuchung

Geburt Jesu

Darstellung
im Tempel

Suche im Tempel

Jesus am
Ölberg

Geißelung Jesu


Verspottung Jesu


Kreuzweg

Kreuzigung

Auferstehung

Himmelfahrt

Pfingsten
Aufnahme
Mariens in den
Himmel
Krönung
Mariens


Orgel

Die Orgel mit dem fünfteiligen Prospekt wurde 1923 von Leopold Nenninger aus München mit zwei Manualen und 12 Registern errichtet und 1969 von dessen Sohn Guido umgebaut. Die Firma Nenninger hat auch die Orgeln in den Kirchen von Odelzhausen, Sittenbach, Wiedenzhausen und Welshofen gebaut sowie die Orgel in der Haimhausener Schlosskapelle restauriert. Nach der Kirchenbeschreibung aus dem Jahr 1922 war die
Vorgängerorgel ca. 200 Jahre alt, mit mechanischem Spieltisch, einem Manual und den Registern Prinzipal, Mixtur, Subbass, Salicional, Gamba und Flöte. Der Organist blickte zur Orgel um die man herumgehen konnte.

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Die Gottesdienstordnung finden Sie hier...

Hans Schertl

Quellen:
Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Amperbote vom 15.10.1879 (Installation Kranz), 27.5.1922 (Glocken) und vom 9.11.1922 (Kanzelkreuz)
Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1880
Theodor Bitterauf, Die Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (Nr.44,177,318, 604, 899, 916, 977, 980, 1020, 1151)
Die Kirche in Langenpettenbach, Was uns die Heimat erzählt, 1922
Dachauer Nachrichten vom 07.07.1954 (Primiz)
Kirschbaum, Lexikon der Christlichen Ikonographie, 1968
Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
Josef Bogner, 1200 Jahre Fürholzen, Amperland 1974 (Namensschilder)
Georg Brenninger, Orgeln und Orgelbauer im Landkreis Dachau, Amperland 1975/2
Wilhelm Störmer, Adelige Eigenkirchen und Adelsgräber - Denkmalpflegerische Aufgaben,1975, ZBLG 38, S.1142-1158 (UrkNr)

Georg Brenninger, Orgeln in Altbayern, 1978
Max Gruber, Im Amperland tätige Glockengießer, Amperland 1984/2
Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres 1560, 1986

Georg Brenninger, Kunsthandwerker der Barockzeit in Kirchen des Gerichtes Kranzberg, Amperland 1987/2
Fischhaber/Kröner, Langenpettenbach früher und heute, 1987
Dr.Stefan Nadler, Kunsttopographie des Erzbistums München und Freising, 1990
Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV, 1990
Peter Pfister, Das Ende des II.Weltkriegs im Erzbistum München und Freising, 2005

55 Bilder: Hans Schertl (2002)

Kirchen und Kapellen im Landkreis Dachau - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

14.10.2010

Wieder ein Kunstwerk

Unsere neue Pfarrkirche hat wieder ein Kunstwerk erhalten. Es ist der Christus am Missionskreuze. Als Grundidee wählte der Künstler das Verlassensein des göttlichen Menschensohnes. Die Darstellung ist naturalistisch. Der Christus ist in natürlicher Größe und würde ausgestreckt 1,70 m messen. Es war fast ein Kubikmeter Holz notwendig. Die Figur ist aus Lindenholz vom Bildschnitzer Auer in München gefertigt. Zugrunde gelegt hat der Künstler eine Skizze von Michelangelo.

Wir sehen die ganze Figur des Christus im Schmerze verzerrt. Das drückt sich in jeder so gediegen herausgearbeiteten Muskelpartie, in der ganzen Körperhaltung aus.Der schmerzverzerrte Chrsitus drängt vom Kreuze weg - er möchte sich gleichsam losreißen vom Kreuzesstamme. Das drückt besonders der linke Arm aus. Mit letzter Kraft zuckt und zerrt der Arm am Nagel. Der Arm ist verrenkt, die Hand wölbt sich über dem Nagel.

Die linke Schulter ist hoch gehoben und nach vorne gehalten. Jeden Muskel des Armes sehen wir straff gespannt. Welch großen Schmerz, welche unsagbare Pein fühlen wir bei diesem Anblicke nach!

Dieselbe Bewegung mach der rechte Fuß, nur mit dem Unterschied, daß er sich vom Kreuzesstamm wegdrückt. Das hochgehobene Knie ist besonders genau und natürlich ausgearbeitet. Welch eine Qual mußte eine solche Kreuzigung gewesen sein ! Wir sehen es an den Fingern und Zehen, wie sie sich im Schmerze einkrallen.

Hier hilft zur Veranschaulichung dieses bitteren Leidens auch die ausgezeichnete Fassung des Bildwerkes. Die Hande und Füße haben einen bläulichen Schimmer, der die Blutarmut und das Absterben dieser Körperteile ausdrückt.

Es wird dem Beschauer auffallen, daß der Christus nicht so ausgezirkelt am Kreuzesstamm hängt wie eben bei den gewöhnlichen Darstellungen. Das ist ganz natürlich und wahrheitsgetreu. Den Henkersknechten ist es sicherlich nicht eingefallen, daß sie den Platz, wo sie die Nägel hineinschlugen, ausliniert hatten. Es ist daher eine ganz gute Idee des Künstlers, daß der den linken Arm höher angenagelt als den rechten. Das wirkt nicht störend - wir sind eine solche Darstellung eben noch nicht gewöhnt.

Einen vollendeten Abschlauß des Bildwerks bildet das Haupt. Vor allem sind es die Augen, die den ungeheuren Schmerz über die große Sündenschuld der Menschheit zum Ausdrucke bringen. Die im Todeskampf verschleierten Augen sind nach oben gerichtet, um gleichsam vom Vater noch Stärke, Geduld und Trost zu erbitten. Aus halb geöffnetem Munde möchte man die Worte von den Lippen lesen: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen !

Es stellt uns die ganze Künstlerschöpfung nicht den verklärten und ruhig am Kreuze hängenden Christus vor Augen, der bereits zu seinem Vater eingegangen ist, sondern den im Todesschmerze zuckenden göttlichen Menschen, auf dem die Sünden der Welt lasten. Daher fehlt auch die Seitenwunde, die der Erlöser nach seinem Tode von einem Henkersknechte erhielt.

Die Dornenkrone fehlt dem Christushaupte, da der Künstler annahm, daß Christus bei der Kreuzigung die Dornenkrone abgenommen wurde. Wir vermissen aber trotzdem die Dornenkrone, da gerade sie das Typische der Kreuzigung Christi, unseres Erlösers, ist.
Wenn an der Darstellung etwas stört, so ist es das in Gold gefaßte Lendentuch. Nachdem die Darstellung schon rein naturalistisch ist, hätte sie konsequent durchgeführt werden müssen.

Der Künstler Auer wird sich mit diesem Kunstwerke einen ewigen Namen geschaffen haben, wie auch die Kunstanstalt Schellinger, München, die bei der Fassung dieses Bildwerkes den fein angepaßten Ton gefunden hat. Es wird ein solches Kreuzbild vielleicht bis weit über die Bezirksamtsgrenze hinaus einzig dastehen und es ist unbedingt ein Verdienst des H.H. Pfarrer Keller der Pfarrei Langenpettenbach ein solches Kunstwerk verschafft zu haben. Die Kosten, die sich insgesamt auf ungefähr 30.000 Mk. belaufen, wurden durch freiwillige Gaben während der Mission aufgebracht, was laut und deutlich für den christlichen Sinn der Bevölkerung und ihrer Liebe zum Gotteshaus Zeugnis gibt. Möchte dieses Kreuzbildnis eine Anregung zu vielen Nachahmungen sein !

(Amperbote vom 9.11.1922)

 

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