zur Landkreiskarte          ausführl.Beschreibg          Kirchen i.d. Gem. Bergkirchen

Filialkirche St. Jakob in LAUTERBACH

KelchbecherTurm 32 m hochChor-spätgotischzur Kirchentür mehr über St.Jakobus d.Älteren...

Adresse : 85232 Bergkirchen, Am Kreuzweg 10
Lage der Kirche auf der Landkarte ...

Kurzbeschreibung

Die Kirche St.Jakobus wurde vor 1450 im gotischen Stil erbaut.
Um 1670 wurde das Langhaus abgerissen und in barockem Stil neu errichtet. Dabei wurde auch der Chor barock umgestaltet und mit einem zarten Deckenstuck der "Miesbacher Art" verziert, der den Stil der Kirche maßgebend prägt.  


1680 kam eine Gruftkapelle der früheren Hofmarksherren von Lauterbach, der Fam.Hundt (auf deren Gemälden meist ein kleiner Hund zu sehen ist) dazu. 

Der barocke Zwiebelturm im nördlichen Chorwinkel der Kirche wurde erst 1910 errichtet

Die heutige Kirche ist ein Saalbau zu vier Achsen (Joche) mit eingezogenem Chor, der in drei Seiten schließt.

Lauterbach ist heute eine Filiale der Pfarrei Bergkirchen. Früher gehörte sie zur Pfarrei Einsbach.

Posaunenengel auf der Kanzel

Die Innenausstattung stammt aus der Zeit des Rokoko (um 1760).

Im Hochaltar ist zweimal der hl. Jakobus dargestellt: im Hauptgemälde kniend mit Pilgerstab, Pilgerflasche und Muschelemblem, im Auszug sitzend, von Engeln umgeben. Auf dem Altarblatt hinter St.Jakobus die Ansicht von Lauterbacher Kirche und Schloss vor 250 Jahren.

Der linke Seitenaltar ist der Heiligen Familie geweiht. Auf dem Altarblatt ist der Knabe Jesus mit seinen Eltern zu Hause dargestellt. 
Der rechte Seitenaltar ist der Marienaltar. Mittelpunkt ist ein großes Madonnengemälde.

Berühmt ist die Kirche von Lauterbach wegen eines bemalten Fensters aus der Zeit von 1437 und 1449 hinter dem Hochaltar. Darauf werden eine Kreuzigungsgruppe, eine Pietà sowie die Heiligen Barbara (mit Turm), Maria Magdalena (Salbbüchse), Jakobus (Muschel) und Antonius den Einsiedler (Kreuz) dargestellt.

Die Gruftkapelle mit Figuren und prächtigen Epitaphien, darunter auch dem Grabdenkmal für Wiguläus Hundt, machen deutlich, dass die Kirche von den Hofmarksherren stark unterstützt wurde.

zur vergrößerten Ansicht des Hochaltarbildes bitte klickenzur vergrößerten Ansicht des Seitenaltars bitte klickenzur vergrößerten Ansicht des Seitenaltars bitte klickenzur vergrößerten Ansicht des Aufsatzbildes bitte klickenEpitaph von 1566Apostel JohannesJohannes der TäuferKanzelSt.Nepomukwelcher Heiliger ist das ?
           Vergrößerung von 10 Details (Altäre, Figuren, Epitaph, Kanzel) per Mouseklick

Figurenausstattung:
- Apostel/Evangelist Johannes mit Kelch, aus dem eine Schlange kriecht(18.Jh)
- St.Johannes der Täufer mit Kreuzstab und Lamm (18.Jh)
- St.Nepomuk mit einem Kruzifix in der Hand (1760)
- St.Franz Xaver im Chorrock (1760)
- Anna selbdritt-Figur (18.Jh)
- St.Georg mit Spieß und Drachen (18.Jh)
- St.Franziskus v.Assisi mit Kruzifix
- St.Josef mit Jesuskind auf dem Arm und Lilie in der Hand

Auf der Südseite des Langhauses ist die besonders prächtige Rokokokanzel aus der Zeit um 1760 angebracht.

Unter der 300-jährigen Eichenallee im Norden der Kirche ist ein Kreuzweg eingerichtet, der als einer der schönsten im Dachauer Land gilt.


Lieber Besucher, Sie können sich Bilder aus der Kirche in Lauterbach auch
als Gesamtschau ansehen . Klicken Sie hier....

Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen


Geschichte: Matrikel 1315 Neubau 1449 Matrikel 1524 Visitation 1560
Barockisierung 1670 Matrikel 1738 Beschreibg 1874  
Ausstattung: Altarraum Apostelleuchter Baubeschreibung Choraltar
Deckenstuck Empore Epitaphe Ewig-Licht-Ampel
Fenster Figuren im Schiff Gruftkapelle Kanzel
Kanzelkreuz Kirchenschiff Kirchenbänke Kreuzweg innen
Kreuzweg außen Mater dolorosa Orgel Opferstock
  Seitenaltäre Türen Turm Zelebrationsaltar

Wann die Ortschaft Lauterbach (Bach mit trinkbarem Wasser) erstmals schriftlich erwähnt wurde, ist schwer festzustellen, weil es im näheren Umkreis mehrere Lauterbach gibt. In einer Urkunde, die zwischen 926 und 937 ausgestellt worden ist, tauschte Bischof Wolfram von Freising (926-937) Besitzungen zu Sickenhausen und Figlsdorf (Landkreis Freising) gegen solche in "Lutrinpah". Dabei könnte es sich um unser Lauterbach oder um Lauterbach bei Fahrenzhausen handeln. Ganz sicher wird Lauterbach im Landkreis Dachau in einer Scheyerner Urkunde aus dem Jahr 1220 genannt.
Die Geschichte des Orts ist eng mit der der Schlossherren verbunden. Das waren (vom 13.Jh) bis 1439 ein Zweig der Grafen von Dachau ("Dachauer auf Lauterbach") und seither (durch Einheirat) ununterbrochen die Familie v.Hundt auf Lauterbach (seit 1703 im Grafenstand).
Das Schloss, die Burg, wurde um 1550 neu gebaut. Diesen Zustand stellt Apian auf seiner Karte von 1568 (siehe links) dar. Ein rechteckiges hohes Haupthaus ist darauf von einer dicken Ringmauer umschlossen, deren vier Ecken mit Wehrtürmen verstärkt sind.


Geschichte der Kirche

Lauterbach ist heute eine Filiale der Pfarrei Bergkirchen. Früher gehörte sie über viele Jahrhunderte zur Pfarrei Einsbach.

Konradinische Matrikel von 1315
Eine Kirche in Lauterbach (als Filiale von Einsbach) ist in der
Konradinischen Matrikel von 1315 erstmals erwähnt.
Die Kirche ist eines von fünf Gotteshäusern im Dachauer Land, die dem Apostel Jakobus dem Älteren gewidmet sind. Diese häufige Namensgebung mag daran liegen, dass diese Kirchen in einer Zeit erbaut wurden, in der dieser Apostel besonders verehrt wurde. Vom 10. bis zum 15. Jahrhundert zog die Wallfahrt zum Grab dieses Heiligen in Santiago de Compostela in Spanien nämlich mehr Pilger und Gläubige an als Rom oder Jerusalem. Vielleicht führte auch ein Pilgerweg durch das Dachauer Land nach Spanien.

Gotischer Neubau 1449
Die Kirche ist wohl Anfang des 15. Jh. im Stil der Gotik neu erbaut worden. Die Steine dazu sollen von der 1402 beim Zötzelhof (Landkreis Fürstenfeldbruck) abgerissenen Burg stammen. Der Rohbau der Kirche dürfte jedenfalls spätestens um 1449 gestanden haben, weil Veit von Egloffstein, zwischen 1437 und 1449 das Fenster hinter dem Choraltar gestiftet hat.

Sunderndorfer'sche Matrikel 1524
Die Sunderndorfer'sche Matrikel von 1524 spricht von "s.Jacobi in Lauterwach" als einer der vier Filialkirchen der Pfarrei Einspach, zu der auch noch zwei Kapellen gehörten.

Wie stark der Ort Lauterbach und seine Kirche im Dreißigjährigen Krieg gelitten haben, ist mir nicht bekannt. Das Schloss jedenfalls wurde am Ende des Krieges niedergebrannt; davon kündet das Bild des Malers Adam Holzmayr in der Jobkapelle in Bergkirchen. Die Zahl der noch bestehenden Bauernhöfe ist während dieser Zeit von 29 (1631) auf 24 (1649) gesunken. 5 Höfe wurden wohl zerstört.

Barockisierung 1670


Stich von Michael Wenig um 1700

 

Um das Jahr 1670 (andere Quelle: 1645) wurde das Langhaus der Kirche neu errichtet. Der gotische Chor blieb erhalten, wurde aber barock umgestaltet. Der reiche, aber zarte Deckenstuck orientierte sich nicht am damals üblichen Stil der Wessobrunner Schule; er wurde vielmehr um 1680 nach Miesbacher Art gefertigt. Nach Robert Böck stammt er von der Stuckatorenfamilie Zwerger.

1680 wurden südlich an die Kirche eine Sakristei und eine Gruftkapelle angebaut. Bis dahin hatte die Kirche den Hofmarksherren (seit 1449 die Fam.Hundt) als Begräbnisstätte gedient.
Die Hundts hatten sich immer als die Patronatsherren dieser Kirche gefühlt und sehr viel für den Unterhalt und die reichhaltige Ausstattung "ihrer Kirche" getan. 1707 kam der Fürstbischof von Freising,
Johann Franz v.Eckher von Kapfing, um die Kirche mit ihren damals vier Altären einzuweihen. Dieser kunstsinnige Bischof regierte sein Bistum von der Reisekutsche aus; er unternahm viele Pastoralreisen selbst in kleinste Dörfer seines Bistums. In seiner Regierungszeit von 1695 bis 1727 hat er 174 Kirchen (darunter Pellheim, Hirtlbach, Ebertshausen, Straßbach, Jarzt und Kollbach) und ca. 1.100 Altäre geweiht.


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Schmidt'sche Matrikel 1738/40
In den Jahren 1738/40, hatte der Freisinger Kanonikus (Domherr) Schmidt alle Pfarreien der Diözese Freising besucht und in der nach ihm benannten Matrikel auch die Filialkirchen kurz beschrieben (Schmidt'schen Matrikel
). Zur "Ecclesia filialis s.Jacobi in Lauterbach" bemerkte er, die Kirche sei ein ansehnliches Bauwerk mit vier Altären. Der Choraltar war auch damals dem hl. Jakobus geweiht. Die Seitenaltäre hatten die Jungfrau Maria und den hl. Innocenz zum Patron. In der Gruftkapelle stand ein weiterer Marienaltar, der der unbefleckten Empfängis gewidmet war. Gottesdienste wurden jeden vierten Sonntag gehalten sowie an Weihnachten, am Sonntag nach Weihnachten, am Dreifaltigkeitsfest, an Oster- und Pfingstmontag,an allen Marienfesten außer an Lichtmess, an den Festen der Heiligen Johannes und Paulus, Blasius, Stephanus und Innocentius. Das Kirchweihfest fiel auf den Sonntag vor Michaeli (29.Sept). Messgewänder waren in ausreichendem Umfang vorhanden. Neben der Kirche war im Friedhof ein Beinhaus errichtet. Im hohen Dachreiter hingen zwei geweihte Glocken. Die Einnahmen und Ausgaben der Kirche verwalteten der Pfarrer von Einsbach und der Hofmarksherr von Lauterbach, der erlauchtigste Herr Comes von Hundt. Der Bericht schließt mit dem einzigen Satz in deutscher Sprache: "Das Vermögen dises Gottshauses hat in letzter Rechnung 3693 fl. (=Gulden), 50 kr.(=Kreuzer) und 1 1/2 hl.(=Heller) ausgeworffen". Das war für eine Kirche dieser Größe ein sehr hoher Betrag.

Um 1760 wurde die Kirche im Rokokostil neu ausgestattet.

Beschreibung 1874
In der Statistischen Beschreibung des Erzbistums München und Freising vom Beneficiaten an der Domkirche Anton Mayer aus dem Jahr 1874 wird auch die Kirche von Lauterbach als Filiale von Einsbach erwähnt. Zu ihr gehörten 260 Dorfbewohner (Seelen), die in 49 Häusern wohnten.
Lauterbach war damals vor Überacker und Einsbach der größte Ort der Pfarrei. Über das Kirchengebäude von Lauterbach schreibt Mayer: "Erbauungsjahr unbekannt. Stillos. Geräumigkeit beschränkt, zu schmal. Kuppel-Thurm: Dachreiter mit 2 Glöckchen von den Jahren 1694 und 1696. Gießerei Joh.G.Scharrer in München. 4 Altäre. Orgel mit 4 Registern. Eine nach der Kirche hin offene, an sie angebaute Capelle enthält die Familiengruft der Grafen v.Hundt. Cemeterium (=Friedhof) ohne Capelle. Gottesdienste: regelmäßig abwechselnd mit Palsweis und Ueberacker, sohin jeden 3.Sonntag; außerdem an vielen Festtagen. Stiftungen: 12 Aemter mit Vortrag, an Sonntagen durchen den Coadjutor zu halten, 6 Jahrtage, 18 Jahrmessen und 8 Quatembermessen (Quatembertage sind Mi, Frei, Sa nach: 1.Fastensonntag, Pfingsten, 3.Septembersonntag und 3.Adventssonntag). Meßner derzeit der Schuhmacher des Ortes, Cantor der Lehrer in Einsbach. Kirchenvermögen rd. 5000 Gulden.

Bau des Kirchtums 1910
Im Jahr 1906 musste die Kirche gesperrt werden, weil der Kirchturm, der im eigentlichen Sinne ein Dachreiter war, baufällig geworden war. Als man die Kirche im 17.Jh neu errichtete, hatte man kein Geld, um einen richtigen Kirchturm mit eigenem Fundament zu bauen. Deshalb hat man einen -allerdings recht hohen- Dachreiter aufgesetzt, der auf einem Eichenbalken im Dachbereich gründete. Dieser Balken ist im Laufe der Jahre morsch geworden.
Es dauerte noch bis 1910, bis man den heute noch stehenden Kirchturm im neubarocken Stil errichtete. Während der Zeit der Sperrung fanden die Gottesdienste in der Schlosskapelle statt.

Berichte aus der Pfarrei
Die Dachauer Zeitungen haben in den letzten 120 Jahren immer wieder aus dem Pfarrleben berichtet. Diese oftmals in blumiger Sprache verfassten Berichte beschäftigen sich nicht unmittelbar mit dem Kirchengebäude, vermitteln aber einen ergänzenden Eindruck aus der damaligen Zeit. Meist werden Primizen, Jubiläen oder Abschiedsfeiern von Pfarrern oder Fahnenweihen beschrieben. Wenn Sie die Berichte lesen möchten, klicken Sie hier...



Baubeschreibung

Die Kirche liegt auf einem Hügel am südlichen Dorfrand, westlich vom Schloss der Familie Hundt. Sie ist von einem ummauerten Friedhof umgeben.
Der zweiachsige Chor (um 1440) ist nicht
eingezogen und schließt in drei Achteckseiten. Außen wird er durch Strebepfeiler gestützt.
Das Langhaus,das Kirchenschiff, aus der Zeit um 1670 besitzt vier
Achsen. An der südwestlichen Langhausseite befand sich in der Barockzeit (um 1680) ein heute zugemauertes Portal mit Pilastern und Sprenggiebeln; man kann es noch deutlich erkennen. Östlich von diesem ehem. Barockportal ist ein bildstockähnliches Mauerwerk in die Langhauswand eingelassen. Die Fenster der Kirche mit darüberliegenden querovalen Blendnischen sind oben und unten gerundet; an der Westseite ein Rundfenster, in der östlichen Chorseite das berühmte gotische Fenster mit originalem spitzbogigem Maßwerk.
Südlich von Chor und Langhaus steht die 1680 angebaute Gruftkapelle. Daneben ist die Sakristei angebaut.
Der mit Kupfer gedeckte Zwiebelturm an der Nordseite des Chores wurde erst 1910 errichtet, nach einem Plan des Dachauer Bezirksbaumeisters Scholz. Im Baustil wurde er dem barocken Langhaus angeglichen. Vorher besaß die Kirche nur einen Dachreiter, der 1906 baufällig geworden war. Die unteren Geschosse des Turms haben einen quadratischen Grundriss; die oberen Geschosse sind achteckig. Geschmückt ist die Turmfassade durch ein Gurtgesims und hochovale Blendnischen. In der Glockenstube hängen drei Glocken, "zwei neue und eine alte Glocke", heißt es. Bei der alten Glocke könnte es sich um diejenige handeln, die 1782 von Johann Lorenz Kraus, München für Lauterbach gegossen wurde.
Die beiden neuen Glocken wurden 1949 in Erding bei Carl Czudnochowsky gegossen und im Dezember 1949 geweiht. Die größere Glocke (10 Zentner schwer) trägt den Namen Christus König, die kleinere (6 Zentner) den Namen, des Kirchenpatrons St. Jakob. Wenn Sie einen Zeitungsbericht über die Glockenweihe lesen möchten, klicken Sie hier...


Hinweis: Woher die so typisch bayerisch-barock anmutende Zwiebelform kommt, ist erstaunlicherweise nicht geklärt. Einige der Experten vermuten, dass sie eine Nachahmung und Weiterentwicklung der im 7.Jh errichteten Moschee auf dem Tempelberg in Jerusalem (Felsendom) und somit arabischen Ursprungs ist. Damals glaubten europäische Baumeister, die Kuppel stamme noch vom Tempel Salomons und verbanden mit ihr die Vision vom himmlischen Jerusalem. Andere Kunstexperten sehen in der Zwiebel eine Weiterentwicklung der byzantinischen Kuppel, die auch in Russland großen Anklang fand. Fest steht jedoch, dass die ältesten zwiebelförmigen Kuppeln in Bayern die der Münchner Frauentürme sind (1525). Weite Verbreitung fand die Zwiebel als Bauform aber erst im Italien der Renaissance und bei uns in der Barockzeit nach dem 30jährigen Krieg. Ihre Form -unten bauchig, oben spitz- passte wunderbar zur Kunstauffassung und zum Lebensstil des Barocks und galt "als Synthese aus der Bewegung ins Übersinnliche und dem Verharren in den Wölbungen des Sinnlichen".

Das unmittelbar angrenzende ehemalige Schulhaus ist mit der Kirche verbunden. Über einen Durchgang im ersten Stock gelangt man zur Empore der Kirche, auf der die Armen-Schulschwestern, die den Lehrbetrieb übernommen hatten, der Messe beiwohnen konnten.
An der südlichen Choraussenseite Grabdenkmäler der Gräfl. Familie von Hundt aus dem 19. Jh.

Die letzten Renovierungen fanden 1989 und 2011 (Aussenfassade und Turmuhr) statt.


I
nnenausstattung

Der größte Teil der Innenausstattung stammt aus der Zeit des Rokoko (um 1760). 


Altarraum

Der Altarraum besitzt noch das auf Konsolen ruhende alte Gewölbe, das um 1670 barockisiert wurde.


Hochaltar / Choraltar

Der Hochaltar mit seinem prächtigem Aufbau und Aufsatz ist in den Chorschluss hineinkomponiert. Es handelt sich um ein Rokokoretabel aus der Zeit um 1760. Vier schräggestellte Säulen und Pilaster tragen ein verkröpftes und seitlich vorspringendes Gebälk mit Volutengesims und geschweiftem Auszug. Das Antependium ist mit grün marmoriertem Holz verkleidet.
Das Altargemälde (Öl auf Leinwand) zeigt den Patron der Kirche, den hl. Jakobus, mit Pilgerstab, Pilgerflasche und Muschelemblem am Umhang. Er kniet vor einem angedeuteten Altar, an dem ein aufgeschlagenes Buch lehnt. Über ihm halten Putten Lorbeerkranz und Märtyrerpalme bereit. Im Hintergrund sind Kirche und Schloss Lauterbach im Zustand vor 250 Jahren zu sehen.
Auch im prächtigen Altarauszug ist St.Jakob zu sehen, hier als Skulptur. Inmitten eines Strahlenkranzes hält er ein Buch auf dem Schoß und den Pilgerstab in der Hand. Rings um die Figur Putten und Gewölk. Die Jakobusfigur könnte noch spätgotisch sein; die Englein stammen aus der Barockzeit.
  Hinweise: Jakobus der Ältere war der Sohn des Fischers Zebedäus und der ältere Bruder des Jüngers Johannes. Er zählte neben seinem Bruder und Petrus zu den drei bevorzugten Jüngern, die bei der Verklärung Jesu und in seiner Todesangst im Garten Gethsemane zugegen waren. Der Überlieferung nach verkündete er nach Pfingsten in der Gegend um Samaria und Jerusalem das Evangelium, bis er durch König Herodes Agrippa I. von Judäa im Jahr 43 geköpft wurde; Jakobus war somit der erste Märtyrer unter der Aposteln (Ap 12, 1 - 2). Der Legende nach setzten Anhänger seine Leiche in ein Boot, das im Meer herumtrieb und in Galizien, im Nordwesten Spaniens strandete. Dort wurde er begraben. 800 Jahre später, zur beginnenden Reconquista (Rückeroberung des maurischen Spaniens durch die Christen) entdeckte König Alonso II das Grab wieder und baute eine Kirche darüber. Bald begann die Wallfahrt und Santiago de Compostela wurde eines der größten Wallfahrtszentren des Abendlandes. Durch ganz Europa führten feste Wallfahrtswege dorthin; bis ins 15. Jahrhundert zog der Ort mehr Pilger an als Rom oder Jerusalem. St.Jakob erhielt seine Attribute (Pilgerkleidung und Muschel) erst im 13.Jh. Die Pilger erhielten am Ziel damals einen Hut, der mit einer Muschel geziert war. Zuvor war Jakobus meist mit einer Schriftrolle abgebildet.
Pilgerflaschen (lat.curcurbita=Kürbis) sind meist birnenförmige Gefäße, die am Rand zum Durchziehen einer Tragekordel Ösen haben. Ursprünglich bestanden sie aus einem ausgehöhlten und getrockneten Flaschenkürbis, später auch aus anderen Materialien. Da die Pilger auf ihrer Wanderschaft zu den großen Wallfahrtsstätten der Christenheit oft menschenleere Gebiete durchquerten, führten sie in der Pilgerflasche immer einen Labetrunk mit sich. Vom Wallfahrtsort wurden dann meist mit geweihtem Wasser gefüllte Pilgerflaschen nach Hause mitgebracht.

Der Tabernakel aus der Rokokozeit (18.Jh) besitzt einen zweisäuligen Aufbau mit vorgezogenem Gebälk. Er besteht aus Holz, ist gefasst (=bemalt) und teilvergoldet. Die zweiflügelige Messingtüre ist 100 Jahre jünger. Vor ihr steht das Tabernakelkreuz aus der 2.Hälfte des 18.Jh.

Fenster

Berühmt ist die Kirche von Lauterbach wegen eines Glasgemäldes hinter dem Altar.

Veit von Egloffstein, der damalige Mitbesitzer der Hofmark Lauterbach (neben Hans Hundt), hat zwischen 1437 und 1449 das Fenster gestiftet, das heute zu den bedeutendsten in ganz Oberbayern zählt. Es ist leider durch den Hochaltar verstellt. Dass es von Veit von Egloffstein stammt, ist an den vier Wappen darauf erkennbar, unter denen sich seines, das seiner Frau und seiner Eltern, nicht aber das der Familie Hundt befindet (Die Wappenschilde stellen die Wappen der Egloffsteiner und Dachauer, sowie der Egloffsteiner und Nussberger dar). Veit von Eggloffstein heiratete 1437 eine Tochter aus dem Geschlecht der "Dachauer auf Lauterbach", wodurch ihm ein Teil von Lauterbach zufiel, den er 1449 an seinen Schwager Hundt verkaufte.
Allerdings ist zu Füßen des hl.Antonius ein kleiner weißer Hund eingearbeitet, der üblicherweise in Kunstwerken, die die Fam.Hundt in Auftrag gab, zu sehen ist. 

Die Fenstergemälde stellen dar:
ganz oben in der Maßwerkfüllung eine Muttergottes
mitte links: die Kreuzigungsgruppe mit Maria und Johannes
mitte rechts: Pietà -Darstellung mit Leidenswerkzeugen
unten links: der hl. Jakobus (mit weißer Muschel) und hl. Antonius der Einsiedler (mit Kreuz) mit einem Bärenwappen.
unten rechts: hl. Barbara (mit Turm) und hl. Maria Magdalena (mit Salbbüchse).

Die Malereien wurden noch in der musivischen Technik erstellt. Das Glas wird nicht -wie später- mit Farbe bemalt; die Fenster sind aus in der Masse durchgefärbten Gläsern in der Art eines Mosaiks zusammengesetzt. Die Hauptkonturen der Darstellung werden durch die Bleiruten vorgegeben, die die einzelnen Gläser verbinden. Die Bleiruten, die an den Berührungsstellen verlötet werden, bestehen zu 75 % aus Blei und zu 25% aus Zinn.


Vergrößerung der einzelnen Fenster per Mouseklickklicken Sieklicken Sieklicken Sieklicken Sie
  Hinweise: Antonius der Einsiedler (250-356) wurde als Sohn reicher christlicher Eltern geboren; er verkaufte seinen gesamten Besitz und wurde Einsiedler in radikaler Armut und zunehmender Abgeschiedenheit. Die Schweine, mit denen er oft dargestellt wird, stehen für seine berühmten Versuchungen (schöne Frauen, Dämonen). Antonius wird "Vater des Mönchtums" genannt. Die von ihm geprägte Form des Mönchtums beruht auf Askese und Zurückgezogenheit, sie steht im Gegensatz zur (später erlassenen) Regel des Benedikt von Nursia. Antonius soll 105 Jahre alt geworden sein.
Barbara ist eine legendäre Person. Das bildschöne Mädchen soll von ihrem heidnischen Vater, dem reichen Dioskuros von Nikomedia, während einer längeren Geschäftsreise in einen Turm geschlossen worden sein, um sie am Heiraten zu hindern. Barbara ließ im Turm ein Bad bauen, aber nicht wie vom Vater angeordnet mit zwei, sondern mit drei Fenstern, als Zeichen der Verehrung der Dreieinigkeit. Als der Vater zurückkam und merkte, dass sie Christin geworden war, ließ er sie geißeln, mit Keulen schlagen, die Brüste abschneiden und mit Fackeln brennen. Schließlich enthauptete der Vater die Tochter selbst, worauf er von Blitz getroffen wurde. Barbara gehört zu den 14 Nothelfern. Sie ist Patronin der Bergleute und -wegen des präzisen Blitzschlags- der Artilleristen.
Maria Magdalena ist aus der Bibel bekannt. Sie wurde Jüngerin Jesu, nachdem der sie von Besessenheit befreit hatte (Luk. 8, 2). Magdalena sorgte für Jesu Lebensunterhalt (Luk.8,3). Sie war auch bei der Kreuzigung Jesu dabei; ihr erschien Jesus nach seiner Auferstehung (Joh 20,15-17). Ob es sich bei Magdalena auch um die namenlose Sünderin handelt, die Jesus die Füße salbte (Luk 7, 37 - 38), wie die Legenden behaupten, ist ungewiss. Aber meist wird sie mit einer Salbbüchse abgebildet.

 

Ewig-Licht-Ampel

Die Ewig-Licht-Ampel aus der 1 .Hälfte 19. Jh ist im Stil nachklassizistisch. Sie besteht aus versilbertem Messingblech. Die Verzierungen sind getrieben; dies bedeutet, dass das Kunstwerk durch Hämmern von der Rückseite her über einer nachgiebigen Unterlage erstellt wurde.

Zelebrationsaltar

Der Zelebrationsaltar hat die Form eines einfachen Tisches. Er wurde um 1970 aufgestellt im Zuge der Liturgiereform durch die Beschlüsse des 2.Vatikanische Konzils. Dies bedeutet eine Rückkehr zu den Wurzeln der Eucharistiefeier.
  Hinweis: Der Altar war das Symbol des heidnischen Gottesdienstes. Das lateinische Wort adolere = verbrennen bezeichnet die ursprüngliche Bedeutung als Stätte zur Verbrennung der Opfer. Die ersten Christen hatten keinen Altar. Jesus versammelte die Seinen um den Tisch, und das hielten auch die Christen während der ersten Jahrhunderte so; zur Eucharistiefeier konnte jeder beliebige Tisch dienen. Im 4.Jh wurde das Opfer Jesu in das Tischgeschehen hineingenommen und der Altar eingeführt.Er war meist aus Stein, frei aufgestellt und von allen Seiten zugänglich. Ab dem 8. Jahrhundert weicht die Tischform immer mehr der Blockform. Dies kommt der Entwicklung entgegen, im Altar Reliquien von Märtyrern und Heiligen beizusetzen. Der zelebrierende Priester stand hinter dem Altar, sodass seine Handlungen während der Messfeier für die ganze Gemeinde sichtbar waren. Als der Altar dann im 11.Jh eine Rückwand mit hohen Altaraufbauten (Retabel) erhielt und weiter an die Ostwand rückte, wandte der Priester der Gemeinde den Rücken zu. Dies ist in der katholischen Kirche durch eine Liturgiereform erst vor 40 Jahren wieder rückgängig gemacht worden.

 

Gruftkapelle
An der linken Seite des Altarraums ist der Zugang zur 1680 erbauten Gruftkapelle der Fam. Hundt, der früheren Hofmarksherren von Lauterbach und Sulzemoos. Die Kapelle ist durch ein schmiedeeisernes Gitter aus der 1.Hälfte des 18.Jh mit zwei Türen abgetrennt. Auch die Gruftkapelle ist mit schönem Stuck ausgekleidet, der nach Ansicht von Kunstexperten sogar noch feiner gestaltet sein soll, als im Kirchenraum.

Zwei Figuren in der Gruftkapelle verdienen besondere Beachtung:

Links vom Grabstein eine grau gefasste Skulptur der Anna selbdritt aus dem 18.Jh. Die Großmutter Anna mit Kopftuch hat ihren Enkel Jesus auf dem Arm. Vor ihr steht Maria als Jugendliche.
Anna
und Joachim waren nach apokryphen
Evangelien des 2. bis 6. Jahrhunderts die Eltern der Maria und somit die Großeltern von Jesus.


Hinweis: Das Motiv der Anna selbdritt kam erst im 15. Jh. nach Bayern, kurz bevor Papst Sixtus IV. 1481 den Festtag der Anna in den römischen Kalender aufnahm. Die Verehrung Annas als Mutter der Jungfrau Maria erreichte damals ihren Höhepunkt. Die Bezeichnung Anna selbdritt gibt an, dass Anna selbst wiedergegeben ist und dass sie zu dritt sind. Anna, die Mutter Marias, wird meistens als reife Frau dargestellt;häufig mit grün-roter Kleidung, um den Kopf ein Tuch als Zeichen der
  verheirateten Frau und um den Hals den Goller, den breiten weißen Frauenkragen. Meist hat Anna das Jesuskind und Maria auf dem Arm; manchmal steht Maria zu ihren Füßen, so wie hier in Lauterbach. Fast immer wird Maria als Kind oder als junges Mädchen dargestellt. Diese Komposition gehört zu den sog. anachronistischen Bildern, weil bewusst zeitliche Abfolgen außer Betracht gelassen werden. Das Motiv der Anna selbdritt ist ein Sinnbild für die Entwicklung, Kontinuität und Weitergabe des Lebens, für den ewigen Kreislauf der Natur. Die drei Personen Anna, Maria und das Kind umfassen den gesamten Lebenszyklus von Jugend über Reife bis hin zum Alter. Sie beinhalten das Gewesene, das Jetzige und das noch Kommende. In ihnen sind Wandel und Erneuerung angelegt.
Rechts neben dem Grabstein steht eine Figur von St.Georg mit dem Spieß in der Hand, den Fuß auf den getöteten Drachen als dem Sinnbild für das Böse gesetzt (18.Jh).
  Hinweis: Georg war Soldat des römischen Heeres zur Zeit Kaiser Diokletians und wurde um ca. 304 in Nikodemien oder Lydda enthauptet. Bei uns wird der hl. Georg vor allem als Patron der Pferde verehrt (Georgiritt). Meist wird er als Ritter dargestellt, der einen Drachen tötet. Nach der Legende hauste in einem See vor der Stadt Silena in Lybia ein Drache, dem die Einwohner täglich Lämmer und später Kinder opfern mussten. Da erschien St.Georg, nachdem er alle Martern überstanden hatte,

  gevierteilt und vom Erzengel Michael wieder zum Leben erweckt worden war. Als der Drache auftauchte, schwang Georg mit dem Zeichen des Kreuzes die Lanze und durchbohrte das Untier, das zu Boden stürzte



Epitaphe

Hinweis: Epitaphe gibt es in unseren Kirchen erst seit dem 14. Jh. als Gedächtnismal für einen Verstorbenen in Form einer Steinplatte, die innen oder außen an der Kirchenwand senkrecht aufgestellt wird. Epitaphe (griech. Grabinschrift) wurden für diesen Zweck eigens angefertigt; sie sind keine früheren Grabplatten. Das Epitaph ist auch kein Grabmal, weil sich weder dahinter noch darunter ein Grab befindet.

Unter den Epitaphen in der Gruftkapelle ist der des Dr. Wiguläus Hundt von Sulzemoos und Lenting (1514-1588) und seiner Frauen Anastasia von Fraunberg und Ursula von Pienzenau besonders erwähnenswert (aus Schiefer, 111 x 92 cm). Der Verstorbene war ein berühmter bayerischer Juraprofessor, Geschichtsschreiber und Kanzler an der Universität Ingolstadt und brachte es sogar zum Hofratspräsidenten und Hauptberater in der bayerischen Politik unter Herzog Albrecht V.
Er war es, der 1575 während seiner Reisen als Geschichtsschreiber auf der Burg Prunn im Altmühltal einen Teil der Nibelungen-Handschrift fand. Wiguläus starb 1588 und wurde in der Franziskanerkirche in München (an der Stelle des heutigen Nationaltheaters) begraben. Als diese nach der Säkularisation (um 1803) abgerissen wurde, brachte man den Grabstein nach Lauterbach.
Interessant ist die Kleidung der Personen, die vor dem Kreuz knien. Sie tragen eine Mode für Höhergestellte, die sich aus der spanischen Hoftracht entwickelt hatte: Ein einreihig geschlossener Wams mit Stehkragen und Halskrause, eine geschlitzte Pumphose und Strümpfe. Spanien hatte zwischen 1550 und 1650 die politische Vormachtstellung in Europa und war (deshalb) auch in der Mode bestimmend. Dieser Einfluss ging nach dem Dreißigjährigen Krieg auf Frankreich über.
Text auf der Grabplatte:
"WIGVLEVS HVND A SVLZEMOS ET LENTING IVRISC: NOBILIS BOIVS CVM ANTE MVLTOS ANNOS AB OPT PRINCIP: BOIOR: WILHELMO ET ALBERTO IN COSILIV ASCITVS ET AB HOC EIVSDEM SVPREMI CONSILII PRAESES CREAT ....... POST VARIOS DOMI ....... INFOELICITER SVSC ....... RES ....... ETA ....... ME"

Weitere Epitaphe in der Gruftkapelle:

(Ost)
Barbara Hundt, geb. Rehlingerin, des Georg Hundt zu Lauterbach und Falkenstein Hausfrau,
gest. 15.5.1571,
Rotmarmor (220 x 108 cm)

 

(Südost)
Barbara Seiboltstorf
, geb.Hundt, Hausfrau des Hans Leonhard von Seiboltstorf zu Ritterswörth, Pflegers von Kösching, gestorben 1.5.1567,
Rotmarmor (184 x 93 cm)
Darunter das Hundt'sche und Seiboldtstorff'sche Wappen.

 

(Nord)
Margareth Traunerin, Hausfrau von Hans Hundt,
gest. 1466 "an unser lieben Frawn abnt in der fasten"
Rotmarmor (198 x 90 cm).
Darunter das Hundt'sche und Trauner'sche Wappenschuld.

Epitaphe im Kirchenschiff
Neben dem rechten Seitenaltar ist im Kirchenschiff ein 264 x 133 cm großes Epitaph für den 1566 verstorbenen Freiherrn Jörg von Hundt eingemauert. Das Grabmal in Lauterbach zeigt einen Ritter im Harnisch, der wohl den Verstorbenen darstellen soll. Die Linke umgreift den Schwertgriff, mit der Rechten stemmt er einen Streithammer gegen die Hüfte.
Um wen es sich handelt, gibt der darüber eingravierte Text kund: "Anno Domini 1566 an Sant Johans des tauffers tag (=24.Juni) starb der Edl und urst.Jorg Hundt zu Lauterbach und Falckenstain dem Gott genad". In den Bogenzwickeln die Wappen der Hundt und der Adlzhofer, unten die Wappen der Spiegl und Trauner.

An der Nordwand befindet sich der zum Teil vom linken Seitenaltar verdeckte Grabstein des Englmair Hundt zu Lauterbach aus rotem Marmor. Auf ihm ist der im Jahr 1520 Verstorbene in einem flachen Relief (ganzfigurig, nach links gewandt) dargestellt. Er ist von einem Maximiliansharnisch geschützt, die linke Hand hat er am Schwertgriff, die rechte Hand umfasst die Lanze. Zu seinen Füßen liegen links das Hundt'sche, rechts das Adlzhof'sche Wappen. In den Ecken des Schriftrandes noch weitere Wappen, darunter das Trauner'sche Wappen. (Maße: 216 x 107).



Langhaus/Kirchenschiff

Die Bezeichnung des Langhauses als Kirchenschiff ist darauf zurückzuführen, dass die Kirchenväter die Gemeinschaft der Glaubenden als Schiff bezeichneten, das die Gläubigen aus dem Sturm der Zeit und den gefährlichen Wogen des Schicksals rettet.

Decke

Das Langhaus ist von einem Tonnengewölbe mit Stichkappen überdeckt. Es ruht auf kannelierten korinthischen Pilastern, die aber teilweise abgeschlagen wurden.

Decke und Stichkappen sind mit feiner, zarter Stuckarbeit der "Miesbacher Art" überzogen. Auf den Gurtbögen Herzlaubverzierungen, in den Umrahmungen der Füllungen Draperien, Festons und Pflanzenmotive.

Der Stuck wurde 1680 von der Stuckatorenfamilie Zwerger geschaffen.

Auch die Fensterlaibungen sind mit
Stuck verziert.

In der Deckenmitte das Heilig-Geist-Loch, das mit einem Strahlenkranz auf blauem Hintergrund bemalt ist.

 

Seitenaltäre

Die Seitenaltäre gleichen in Form und Farbe dem Hochaltar. Sie stehen sehr schräg, um in der relativ engen Kirche den Blick der Gläubigen zum Hochaltar nicht zu verstellen. Es handelt sich um zweisäulige Rokokoretabel aus der Zeit um 1760. Die Antependien haben eine geschweifte Form und sind grün-rot marmoriert. In den Predellen stehen Scheintabernakel.

Linker Seitenaltar
Der linke Seitenaltar ist der Heiligen Familie geweiht.
Auf dem Altarblatt ist der Knabe Jesus mit seinen Eltern zu Hause dargestellt. Das Ölgemälde (auf Leinwand) wurde von Max Fürst im Jahre 1869 (sign) im
Nazarenerstil geschaffen.
Assistenzfiguren aus dem 18.Jh sind zwei heilige Johannes, in rot-goldenen Gewändern, das Haupt umgeben von einem Heiligenschein (Nimbus) in Form eines Strahlenkranzes:

 

 

Links der hl. Johannes der Täufer, mit Kreuzstab und einem Buch mit Lamm. Der Heilige (ein Verwandter Jesu) war Bußprediger am Jordan und taufte dort auch Jesus. Später wurde er auf Wunsch der Herodias, der Geliebten von Herodes und ihrer Tochter Salome enthauptet. Mit den Worten "Dieser ist das Lamm Gottes, das die Schuld der ganzen Welt wegnimmt" hatte Johannes den Messias angekündigt (Johannes 1,29). Deshalb wird er in der Kunst häufig mit einem Lamm und mit dem Spruchband "Ecce agnus dei" am Kreuzstab abgebildet.
Rechts der Apostel Johannes, der sog. Lieblingsjünger Jesu, der mit einem Kelch dargestellt wird, aus dem sich eine Schlange windet.  Der Apostel Johannes, der unter dem Kreuz stand, war der Bruder des Jakobus' des Älteren und von Beruf Fischer. Er war erst Anhänger Johannes' des Täufers und wurde dann Jesu "Lieblingsjünger" (Joh 19, 26). Der Giftanschlag, auf den der Kelch mit Schlange hinweist, war allerdings auf Johannes den Evangelisten verübt worden. Das Gift sei in Form einer Schlange aus dem Kelch gekrochen, heißt es in der Legende.
 

 

Johannes der Apostel und Johannes der Evangelist werden in der Überlieferung und in der Kunst häufig gleichgesetzt, obwohl es sich um zwei verschiedene Personen handelte.

Im geschweiften Altaraufsatz Vasenaufsätze und drei Engelsköpfe vor Gewölk. Dazu aus vergoldetem Holz ein Zepter und eine Lilie, gekreuzt vor einem Strahlenkranz.


Rechter Seitenaltar
Der rechte Seitenaltar ist der Marienaltar. Mittelpunkt ist ein großes Madonnengemälde im vergoldeten Barockrahmen. Die von sieben Engelsköpfen umgebene Muttergottes ist in einen blauen Mantel gekleidet; sie trägt ihr Haar hüftlang. Auf dem Arm hält sie über einer Windel das Jesuskind, das sich an die Brust Mariens schmiegt.  Das Gemälde wurde zur gleichen Zeit (vom selben Maler ?) wie das Altarblatt des linken Seitenaltars geschaffen (Öl auf Leinwand).
Assistenzfiguren aus der Zeit um 1760 sind rechts der hl. Johannes Nepomuk im Strahlenkranz mit seinem Attribut, einem Kruzifix.
Auf der linken Seite steht Franz Xaver im priesterlichen Gewand.
 
Johannes aus Pomuk, "ne Pomuk", war Ende des 14.Jh Generalvikar des Erzbischofs in Prag und machte sich beim König wegen seines . energischen Auftretens für die Rechte der Kirche beim König Wenzel unbeliebt. Der ließ ihn am 20. März 1393 gefangen nehmen, foltern, brannte ihn selbst mit Pechfackeln, ließ ihn durch die Straßen schleifen und schließlich in der Moldau ertränken. Die Legende  berichtet, der eigentliche Grund sei
  gewesen, dass Johannes, der Beichtvater der Königin war, dem König keine Auskunft über die Sünden seiner Frau gab. Der Fundort der Leiche wurde durch eine Erscheinung von 5 Sternen offenbart. Sein Denkmal auf der Prager Karlsbrücke, das 1693 errichtet wurde, machte ihn zu einem wichtigen Brückenheiligen.
Im geschweiften Altaraufsatz sind vor einem Strahlenkranz Lanze und Schwert aus vergoldetem Holz zu sehen.

In der Weihnachtszeit ist vor dem Seitenaltar eine Krippe aufgebaut.
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Kanzel

Auf der Südseite des Langhauses ist die besonders prächtige Rokokokanzel aus der Zeit um 1760 angebracht. Sie ist von der Sakristei aus durch eine Tür in der Rückwand zu betreten. Auf dem dreiseitigen Kanzelkorb mit abgeschrägten Ecken

sind Kartuschen angebracht. In der mittleren Kartusche ein Bild des Guten Hirten (Öl auf Holz). Unter dem Kanzelkorb eine Weintraube. Auf dem Schalldeckel sitzen mehrere Putten; ganz oben bläst ein Engel auf der Posaune.
  Hinweis: Das Motiv des Posaunenengels geht auf Papst Leo I. (440-461) zurück, der schreibt, dass von der Kanzel die Posaune des Evangeliums ertönt.  


Kanzelkreuz
und Mater Dolorosa

Der Kanzel gegenüber an der Nordseite hängt ein großes Kruzifix, das sog. Kanzelkreuz aus dem 18.Jh.
Darunter steht die Mater dolorosa (die Schmerzensmutter). Maria trägt eine Krone auf dem Haupt, das von Sternen umkränzt ist. In den verschränkten Armen hält sie ein Schwert, das an das Simeonwort im Lukasevangelium (Kap 2,35) bei der Darstellung im Tempel erinnert: "Dir selbst wird ein Schwert durch die Seele dringen". Die Figur wurde 1973 von Reinhard Huber aus Dachau restauriert.


  Hinweis: Das Kruzifix heißt Kanzelkreuz, weil es in der Regel der Kanzel gegenüber an der Wand angebracht ist. Es erinnert den Prediger an den 1.Korintherbrief (1,3),in dem der hl.Paulus schreibt: "Wir predigen Christus als den Gekreuzigten". Die Ansprache soll nicht weltliche Dinge, sondern den Tod und die Auferstehung Christi zum Inhalt haben.

Heiligenfiguren im Kirchenschiff

Im Langhaus stehen zwei Heiligenfiguren aus der Landsberger Luidl-Werkstatt. Figuren der Schnitzerfamilie Luidl aus Landsberg u.Mering stehen auch in den Kirchen von Dachau/St.Jakob, Egenburg, Feldgeding, Sittenbach, Rudelzhofen und Prittlbach.
Die Figuren lagerten lange Zeit auf dem Dachboden der Kirche, wurden 1935 dort wieder entdeckt und restauriert.


Auf der linken Seite Franz von Assisi,mit einem Kruzifix im Arm. Der Korpus am Kreuz ist quer zum Kreuz befestigt. Dem Heiligen war die Verbreitung der Passionsfrömmigkeit ein Hauptanliegen.
Rechts St.Josef mit dem Jesuskind auf dem Arm und der Lilie der Keuschheit in der Hand. Joseph war der Vater Jesu - oder Ziehvater Jesu, da nach altchristlicher Überzeugung Jesus der Sohn Gottes ist und durch den Heiligen Geist im Schoß der Jungfrau Maria gezeugt wurde. Joseph stammte aus dem Geschlecht des Königs Davids, aus dem nach dem Zeugnis des Alten Testaments der Messias hervorgehen werde. Er lebte als Zimmermann in Nazareth.

 



Opferstock

Unter der Empore ist einer der ältesten Opferstöcke des Landkreises aus dem Jahr 1691 zu sehen. Die Jahreszahl steht ganz unten auf dem schön gestalteten hölzernen Sockel. Der Opferstock ist 72 cm hoch.
In den Kirchen des Landkreises Dachau gibt es viele unterschiedliche, außerordentlich interessante Opferstöcke. Wenn Sie sich dafür interessieren, klicken Sie hier..



Kreuzwegbilder und Apostelleuchter


 

An den Wänden des Kirchenschiffs hängen die vierzehn Kreuzwegbilder aus der 2.Hälfte des 19.Jh. Sie sind 57 x 43 cm groß und wurden mit Ölfarbe auf Leinwanduntergrund gemalt.
Hinweis:
Im späten Mittelalter hielt man dann Kreuzwegandachten als Ersatz für die Pilgerfahrt ins Heilige Land. Wenn Sie mehr über die Entstehung der Kreuzwegstationen und seiner Darstellungen in Kirchen des Landkreises erfahren wollen, klicken Sie hier...

Unter den Kreuzwegbildern befinden sich die schmiedeisernen Apostelleuchter mit Stuckplaketten (18.Jh). Die Apostelleuchter erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlische Jerusalems. 






Kirchenbänke


Die Kirchenbänke (je 15 Reihen beidseits des Mittelganges) haben kunstvoll geschnitzte Wangen im klassizistischen Stil (um 1800).
Weitere drei Reihen stehen in der Grufkapelle.

Mehr über Kirchenbänke in den anderen Kirchen des Landkreises finden sie hier...  


Empore und Orgel

Der Aufgang zu der auf zwei schmale Säulen ruhenden Empore liegt außerhalb des Kirchenraums.
Die Orgel mit dem schönen fünfteiligen Prospekt im erweiterten Rokokogehäuse wurde im Jahr 1913 von Willibald Siemann, Mch als einmanualiges Werk mit 5 Registern errichtet. Das Gehäuse ist mit zwei Engeln geschmückt. Nach dem Orgelkenner Georg Brenninger ist hier in Lauterbach um 1770 eine neue Orgel aufgestellt worden. Sie muss 1829 reparaturbedürftig gewesen sein, weil Karl Frosch aus München damals einen Kostenvoranschlag für eine Reparatur einreichte. Eine weitere Reparatur war 1911 notwendig. Diese führte Willibald Siemann aus München durch, erweiterte das Gehäuse durch zwei Seitenfelder und baute ein neues Werk ein. Vom Prospekt vor der Zeit von 1911 existiert im Pfarrhof noch ein Foto.
 

Disposition der Orgel von 1913(nach Brenninger -Stand 1975-):
Manual (C-f''''): Aeoline 8', Salicional 8', LG 8', Principal 4'

Pedal: (C-d'):   Subbass 16'
Koppeln:
       Ok, Uk, I-P

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Die Empore wird durch schöne Rundfenster, in der Kunst auch Ochsenauge oder "oeil de boeuf" genannt, erhellt. Am Emporenaufgang ein Epitaph für Johann Zachel, aus dem Jahr 1861.



Türen

Interessant ist ein altes Schloss an der Türe, die von der Sakristei in die Gruftkapelle führt. Es besteht aus Eichenholz. An der Türe befindet sich neben alten Beschlägen auch ein schmiedeeisernes, teils ziseliertes Schloss.
Die Eichentüre am Westeingang soll noch aus dem 18.Jh stammen. Sie ist braun lackiert und mit lilienförmigen Beschlägen und ebenfalls sehr altem Schloss versehen.
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Kreuzweg im Außenbereich

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Nicht vergessen werden sollte der Kreuzweg unter der 300 Jahre alten einreihigen Eichenallee im Norden der Kirche, der als einer der schönsten im Dachauer Land gilt. Er wurde schon in der 2.Hälfte des 19.Jh aufgestellt.

Hans Schertl


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Quellen:
Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874

Josef Scheidl, Die Bevölkerungsentwicklung des Landgerichts Dachau im Laufe früherer Jahrhunderte, 1925 (Höfe 1649)
Amperbote vom 31.1.1906 (Kirchturmbau), vom 22.2.1935 (Figuren Franziskus/Josef)
Dachauer Anzeiger vom 22.12.1949 (Glocken)
Werner Widmann, von München zur Donau, 1966
Dr.Peter Dorner, Renaissancebild einer Landschaft, Amperland 1968 (Apian 1568)
Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
Kunstwanderungen in Bayern südlich der Donau, 1973
Georg Brenninger, Orgeln und Orgelbauer im Landkreis Dachau, Amperland 1975/3

Georg Brenninger, Orgeln in Altbayern, 1978
Georg Brenninger, Zur kirchlichen Kunsttätigkeit des 18.Jh im Freisinger Raum, Amperland 1983/3
Alois Angerpointner, Orts-und Vereinschronik Lauterbach/Palsweis, 1984
Wilhelm Neu, Volker Liedke, Otto Braasch, Denkmäler in Bayern,Oberbayern, 1986 (Bauzeit Kreuzweg)

Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV, 1990

Robert Böck,Wallfahrt im Dachauer Land, Bd 7 der Kulturgeschichte des Dachauer Landes, 1991
Susanne Fischer, Glasgemälde des späten Mittelalters, Amperland 1991/1
MariaThanbichler in der Schriftenreihe,"Die Kirchen im Pfarrverband Bergkirchen"
Robert Böck in Chronik der Gemeinde Petershausen, Band 2, Geschichte und Kultur, 2000
Herr Hartmann, Lauterbach, 2003
Dachauer Nachrichten vom 30.9.2011 (Renovierung)
44 Bilder: Hans Schertl (2002, 2003)

Kirchen und Kapellen im Landkreis Dachau - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

22.3.2012

Glockenweihe in Lauterbach
Dachauer Anzeiger vom 22.12.1949

Am vergangenen Freitag kamen die beiden neuen Glocken für die Filialkirche Lauterbach aus Erding an. Am letzten Sonntag wurden, sie in feierlichem Zug zur Weihestätte gebracht. Trotz des kalten und unfreundlichen Wetters fand sich schon frühzeitig eine große Menge Leute im Hofe des Reindlbauern ein, wo die Glocken untergestellt waren. Die Spitze des festlichen Zuges bildete eine Reiterabordnung. Ihr folgte die Schuljugend unter Führung ihrer Lehrkräfte. Daran schlossen sich die weibliche Jugend, die Feuerwehr und der Burschen- und Veteranenverein mit ihren Fahnen an. Auf einem geschmückten Wagen kam nun die Musikkapelle Hartmann. Den Abschluss bildete der mit Girlanden und Schleifen gezierte vierspännige Glockenwagen, gefolgt von der Geistlichkeit. Auf dem freien Platz vor dem Friedhof erfolgte dann die Glockenweihe durch H. H. Pfarrer Straßmeier, assistiert von H. H. Pfarrer Singer. Die weitere Feierlichkeit, die wegen der ungünstigen Witterung in der Kirche fortgesetzt wurde, leitete dort der Kirchenchor mit dem Laudate v. Ett ein. Anschließend trugen vier weißgekleidete Mädchen vom Presbyterium aus Gedichte vor, worauf Herr Pfarrer Straßmaier die Festpredigt hielt. Das darauf folgende Tedeum bildete den Abschluss. Zur Christmette werden die beiden Glocken, von denen die größere mit 10 Zentnern den Namen Christus König, die kleinere 6 Zentner schwer, den Namen, des Kirchenpatrons St. Jakob trägt, das erste Mal geläutet werden.

Recherchiert von Hubert Eberl, Bergkirchen (http://home.arcor.de/hubert1112.eberl/zeitung/index.htm)