zur Landkreiskarte          ausführl.Beschreibg           Kirchen i.d. Gem. Bergkirchen

Filialkirche St. Jakob in LAUTERBACH

KelchbecherTurm 32 m hochChor-spätgotischzur Kirchentür Landkarte
Adresse : 85232 Bergkirchen, Am Kreuzweg 10
Lage der Kirche auf der Landkarte ...


K
urzbeschreibung

Die erste schriftliche Erwähnung einer Kirche in Lauterbach (als Filiale der Pfarrei Einsbach) ist in der Konradinischen Matrikel von 1315 zu finden. Sie war wohl -zusammen mit dem Schloss- im 13.Jh. errichtet worden.
Die heutige Kirche St.Jakobus wurde vor dem Jahr 1450 im gotischen Stil erbaut. Damals haben die Familien der v.Egloffstein und der v.Hundt die Hofmark übernommen.

Um 1670 hat man das Langhaus abgerissen und in barockem Stil neu errichtet. Dabei wurde auch der Chor, dessen Außenmauer stehen blieben, im Inneren barock umgestaltet. Die Decken der gesamten Kirche wurden mit einem zarten Stuck der "Miesbacher Art" verziert, der den Stil der Kirche noch heute maßgebend prägt.  

1680 kam als Grablege der Hof-marksherren eine Gruftkapelle als südlicher Anbau zum Altarraum dazu. Dort befindet sich u.a. ein repräsentatives Epitaph für Wiguläus v.Hundt (1514-1588), den berühm-ten Rechtsgelehrten, Hofratspräsi-denten und politischen Hauptberater des bayerischen Herzogs Albrecht V. Pfleger zu Dachau und Geschichts-schreiber.

Der barocke Zwiebelturm im nörd-lichen Chorwinkel der Kirche wurde erst 1910 errichtet; bis zu diesem Zeitpunkt hatte die Kirche einen hohen Dachreiter, der fast mittig auf den Dachbalken aufsaß.

Posaunenengel auf der Kanzel

In der Glockenstube hängen drei Glocken, "zwei neue und eine alte Glocke", heißt es. Sie wurden 1696 (von Jacob Scohrer) und 1949 (zwei von Karl Czudnochowsky) gegossen.

Pfarrzugehörigkeit
Lauterbach ist seit 1978 eine Filiale der Pfarrei Bergkirchen. Früher gehörte sie über viele Jahrhunderte zur Pfarrei Einsbach.
Seit 2013 ist sie mit ihrer Pfarrei Bergkirchen Teil des Pfarrverbands Bergkirchen-Schwabhausen.
Die Kirche ist eines von fünf Gotteshäusern im Dachauer Land, die dem Apostel Jakobus dem ─lteren gewidmet sind.

Die heutige Kirche ist ein Saalbau zu vier Achsen (Joche) mit eingezogenem Chor, der in drei Seiten schließt. Sie wurde in Bau und Ausstattung nach den künstlerischen Ansprüchen der Grafenfamlie gestaltet aber von der Grafenfamilie auch als Begräbniskirche genutzt.
Dies gilt vor allem für die Innenausstattung, die aus der Zeit des Rokoko (um 1760) stammt.

zur Beschreibung der KirchenbänkeChoraltar- St.Jakobuszur Beschreibung des linken Seitenaltars - Hl.Familiezur Beschreibung des rechten Seitenaltars - Marienaltarzur Beschreibung von Deckenstuck im Altarraumzur Beschreibung von  Deckenstuck im Kirchenschiffzur Beschreibung der Kanzelzur Beschreibung von Kanzelkreuz mit Mater Dolorosazur Beschreibung des Zelebrationsaltarszur Beschreibung des  Stucks in der Fensterlaibungzur Beschreibung der Apostelleuchterzur Beschreibung der Kirchenbänke
zur detaillierten Beschreibung klicken Sie auf die Ausstattungsgegenstände

Am Hochaltar (1760) ist zweimal der hl. Jakobus dargestellt:
- im Hauptgemälde (Altarblatt) kniend mit Pilgerstab, Pilgerflasche und Muschelemblem,
- im Auszug sitzend, von Engeln umgeben.
Das Altarblatt zeigt links unten, hinter St.Jakobus, die Ansicht der Lauterbacher Kirche und des Schloss vor 250 Jahren.

Auch die Seitenaltäre stammen aus der Zeit des Rokoko (1760)
Der linke Seitenaltar ist der Heiligen Familie geweiht. Auf dem Altarblatt ist der Knabe Jesus mit seinen Eltern zu Hause dargestellt. 
Der rechte Seitenaltar ist der Marienaltar. Mittelpunkt ist ein großes Madonnengemälde.

Berühmt ist die Kirche von Lauterbach wegen eines bemalten Fensters aus der Zeit von 1437 und 1449 hinter dem Hochaltar. Darauf werden eine Kreuzigungsgruppe, eine Pieta sowie die Heiligen Barbara (mit Turm), Maria Magdalena (Salbbüchse), Jakobus (Muschel) und Antonius den Einsiedler (Kreuz) dargestellt.

Die Gruftkapelle mit Figuren und prächtigen Epitaphien, darunter auch dem Grabdenkmal für Wiguläus Hundt, macht deutlich, dass die Kirche von den Hofmarksherren stark unterstützt wurde.

Figurenausstattung:
•  Apostel/Evangelist Johannes mit Kelch, aus dem eine Schlange kriecht(18.Jh)
 St.Johannes der Täufer mit Kreuzstab und Lamm (18.Jh)
 St.Nepomuk mit einem Kruzifix in der Hand (1760)
 St.Franz Xaver im Chorrock (1760)
 Anna selbdritt-Figur (18.Jh)
 St.Georg mit Spieß und Drachen (18.Jh)
 St.Franziskus v.Assisi mit Kruzifix
 St.Josef mit Jesuskind auf dem Arm und Lilie in der Hand

Die typischen Bauernheiligen St.Leonhard, St.Sebastian, St.Antonius, St.Isidor und St.Notburga fehlen; auch daran sieht man den eher höfischen Charakter der Kirchenausstattung.

Auf der Südseite des Langhauses ist die besonders prächtige Rokokokanzel aus der Zeit um 1760 angebracht.

Unter der 300-jährigen Eichenallee im Norden der Kirche ist ein Kreuzweg eingerichtet, der als einer der schönsten im Dachauer Land gilt.


Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen


Geschichte: Matrikel 1315 Neubau 1449 Matrikel 1524 Visitation 1560
Barockisierung 1670 Matrikel 1738 Beschreibg 1874  
Ausstattung: Altarraum Apostelleuchter Baubeschreibung Choraltar
Deckenstuck Empore Epitaphe Ewig-Licht-Ampel
Fenster Figuren im Schiff Gruftkapelle Kanzel
Kanzelkreuz Kirchenschiff Kirchenbänke Kreuzweg innen
Kreuzweg außen Mater dolorosa Orgel Opferstock
  Seitenaltäre Türen Turm Zelebrationsaltar

Wann die Ortschaft Lauterbach (Bach mit trinkbarem Wasser) erstmals schriftlich erwähnt wurde, ist schwer festzustellen, weil es im näheren Umkreis mehrere Lauterbach gibt. In einer Urkunde, die zwischen 926 und 937 ausgestellt worden ist, tauschte Bischof Wolfram von Freising (926-937) Besitzungen zu Sickenhausen und Figlsdorf (Landkreis Freising) gegen solche in "Lutrinpah". Dabei könnte es sich um unser Lauterbach oder um Lauterbach bei Fahrenzhausen handeln. Ganz sicher wird Lauterbach im Landkreis Dachau in einer Scheyerner Urkunde aus dem Jahr 1220 genannt.
Die Geschichte des Orts ist eng mit der der Schlossherren verbunden. Das waren (vom 13.Jh) bis 1439 ein Zweig der Grafen von Dachau ("Dachauer auf Lauterbach") und seither (durch Einheirat) ununterbrochen die Familie v.Hundt auf Lauterbach (seit 1703 im Grafenstand).
Das Schloss, die Burg, wurde um 1550 neu gebaut. Diesen Zustand stellt Apian auf seiner Karte von 1568 (siehe links) dar. Ein rechteckiges hohes Haupthaus ist darauf von einer dicken Ringmauer umschlossen, deren vier Ecken mit Wehrtürmen verstärkt sind.


Geschichte der Kirche

Pfarrzugehörigkeit
Lauterbach ist seit 1978 eine Filiale der Pfarrei Bergkirchen. Früher gehörte das Dorf über viele Jahrhunderte zur Pfarrei Einsbach.
Seit 2013 ist sie mit ihrer Pfarrei Bergkirchen Teil des Pfarrverbands Bergkirchen-Schwabhausen.

Konradinische Matrikel von 1315
Eine Kirche in Lauterbach (als Filiale von Einsbach) ist in der Konradinischen Matrikel von 1315 erstmals erwähnt.
Die Kirche ist eines von fünf Gotteshäusern im Dachauer Land, die dem Apostel Jakobus dem Älteren gewidmet sind. Diese häufige Namensgebung mag daran liegen, dass diese Kirchen in einer Zeit erbaut wurden, in der dieser Apostel besonders verehrt wurde. Vom 10. bis zum 15. Jahrhundert zog die Wallfahrt zum Grab dieses Heiligen in Santiago de Compostela in Spanien nämlich mehr Pilger und Gläubige an als Rom oder Jerusalem. Vielleicht führte auch ein Pilgerweg durch das Dachauer Land nach Spanien.

Gotischer Neubau 1449
Die Kirche ist wohl Anfang des 15. Jh. im Stil der Gotik neu erbaut worden. Die Steine dazu sollen von der 1402 beim Zötzelhof (Landkreis Fürstenfeldbruck) abgerissenen Burg stammen. Der Rohbau der Kirche dürfte jedenfalls spätestens um 1449 gestanden haben, weil Veit von Egloffstein, zwischen 1437 und 1449 das Fenster hinter dem Choraltar gestiftet hat.

Sunderndorfer'sche Matrikel 1524
Die Sunderndorfer'sche Matrikel von 1524 spricht von "s.Jacobi in Lauterwach" als einer der vier Filialkirchen der Pfarrei Einspach, zu der auch noch zwei Kapellen gehörten. Diese Matrikel nennt erstmals den Patron der Kirche, den hl.Apostel Jakobus den Älteren.

Wie stark der Ort Lauterbach und seine Kirche im Dreißigjährigen Krieg gelitten haben, ist mir nicht bekannt. Das Schloss jedenfalls wurde am Ende des Krieges niedergebrannt; davon kündet das Bild des Malers Adam Holzmayr in der Jobkapelle in Bergkirchen. Die Zahl der noch bestehenden Bauernhöfe ist während dieser Zeit von 29 (1631) auf 24 (1649) gesunken. 5 Höfe wurden wohl zerstört. Der rasche Neubau des Langhauses nach dem Krieg spricht aber für eine Beschädigung des Gebäudes.

Barockisierung 1670


Nordseite

Um das Jahr 1670 (andere Quelle: 1645) wurde das Langhaus der Kirche neu errichtet. Der gotische Chor blieb erhalten, wurde innen aber barock umgestaltet. Der reiche, aber zarte Deckenstuck orientierte sich nicht am damals üblichen Stil der Wessobrunner Schule; er wurde vielmehr um 1680 in Miesbacher Art gefertigt. Nach Robert Böck stammt er von der Stuckatorenfamilie Zwerger aus Schliersee. Georg Zwerger kann für sich in Anspruch nehmen, den Typ der Wandpfeilerhalle in den ländlichen Kirchenbau eingeführt zu haben.

Links und rechts sehen Sie Bilder des Geographen und Kupferstechers Michael Wening aus der Zeit um 1700. Auffallend ist der außergewöhnlich hohe Dachreiter, also ein Kirchturm, der mitten auf den Dachbalken aufsitzt. Der Druck auf die Balken muss erheblich gewesen sein.


Südseite

1680 wurden südlich an die Kirche eine Sakristei und eine Gruftkapelle angebaut. Bis dahin hatte die Kirche den Hofmarksherren (seit 1449 die Fam.Hundt) als Begräbnisstätte gedient.
Die Hundts hatten sich immer als die Patronats-herren dieser Kirche gefühlt und sehr viel für den Unterhalt und die reichhaltige Ausstattung "ihrer Kirche" getan.

klicken Sie auf die
kleinen Bildchen
1707 kam der Fürstbischof von Freising, Johann Franz v.Eckher von Kapfing um die Kirche mit ihren damals vier Altären einzuweihen. Dieser kunstsinnige Bischof regierte sein Bistum von der Reisekutsche aus; er unternahm viele Pastoralreisen selbst in kleinste Dörfer seines Bistums. In seiner Regierungszeit von 1695 bis 1727 hat er 174 Kirchen (darunter Pellheim, Hirtlbach, Ebertshausen, Straßbach, Jarzt und Kollbach) und ca. 1.100 Altäre geweiht.
Weiheurkunden
In Lauterbach weihte der Fürstbischof am 27.Sept. 1707 insgesamt vier Altäre. Der vierte Altar stand in der Gruftkapelle; er ist nicht mehr erhalten. Über die Weihe eines jeden Altars wurden Urkunden ausgestellt. Die Lauterbacher haben alle vier Urkunden in einen Bilderrahmen gesteckt und in die Gruftkapelle gehängt.
Die Altäre wurden
1) zu Ehren des hl.Jakobus mit Reliquien von St.Festinus und St.Crescentia
2) zu Ehren von St.Maria mit Reliquien von St.Theodorus Prospeus und St.Modestus
3) zu Ehren des hl. Innocenz mit Reliquien der Heiligen Felicimus und Innozenz
4) Beatam Virginem Mariae sine macula concepta (Mariä unbefleckte Empfängnis) geweiht.

Schmidt'sche Matrikel 1738/40
In den Jahren 1738/40, hatte der Freisinger Kanonikus (Domherr) Schmidt alle Pfarreien der Diözese Freising besucht und in der nach ihm benannten Matrikel auch die Filialkirchen kurz beschrieben (Schmidt'schen Matrikel). Zur "Ecclesia filialis s.Jacobi in Lauterbach" bemerkte er, die Kirche sei ein ansehnliches Bauwerk mit vier Altären. Der Choraltar war auch damals dem hl. Jakobus geweiht. Die Seitenaltäre hatten die Jungfrau Maria und den hl. Innocenz zum Patron. In der Gruftkapelle stand ein weiterer Marienaltar, der der unbefleckten Empfängis gewidmet war. Gottesdienste wurden jeden vierten Sonntag gehalten sowie an Weihnachten, am Sonntag nach Weihnachten, am Dreifaltigkeitsfest (Sonntag nach Pfingsten), an Oster- und Pfingstmontag, an allen Marienfesten außer an Lichtmess, an den Festen der Heiligen Johannes und Paulus, Blasius, Stephanus und Innocentius. Das Kirchweihfest fiel auf den Sonntag vor Michaeli (29.Sept). Messgewänder waren in ausreichendem Umfang vorhanden. Neben der Kirche war im Friedhof ein Beinhaus errichtet. Im hohen Dachreiter hingen zwei geweihte Glocken. Die Einnahmen und Ausgaben der Kirche verwalteten der Pfarrer von Einsbach und der Hofmarksherr von Lauterbach, der erlauchtigste Herr Comes von Hundt. Der Bericht schließt mit dem einzigen Satz in deutscher Sprache: "Das Vermögen dises Gottshauses hat in letzter Rechnung 3693 fl. (=Gulden), 50 kr.(=Kreuzer) und 1 1/2 hl.(=Heller) ausgeworffen". Das war für eine Kirche dieser Größe ein sehr hoher Betrag.

Um 1760 wurde die Kirche im Rokokostil neu ausgestattet.

Beschreibung 1874
In der Statistischen Beschreibung des Erzbistums München und Freising vom Beneficiaten an der Domkirche Anton Mayer aus dem Jahr 1874 wird auch die Kirche von Lauterbach als Filiale von Einsbach erwähnt. Zu ihr gehörten 260 Dorfbewohner (Seelen), die in 49 Häusern wohnten. Lauterbach war damals vor Überacker und Einsbach der größte Ort der Pfarrei. Über das Kirchengebäude von Lauterbach schreibt Mayer: "Erbauungsjahr unbekannt. Stillos. Geräumigkeit beschränkt, zu schmal. Kuppel-Thurm: Dachreiter mit 2 Glöckchen von den Jahren 1694 und 1696. Gießerei Joh.G.Scharrer in München. 4 Altäre. Orgel mit 4 Registern. Eine nach der Kirche hin offene, an sie angebaute Capelle enthält die Familiengruft der Grafen v.Hundt. Cemeterium (=Friedhof) ohne Capelle. Gottesdienste: regelmäßig abwechselnd mit Palsweis und Ueberacker, sohin jeden 3.Sonntag; außerdem an vielen Festtagen. Stiftungen: 12 Aemter mit Vortrag, an Sonntagen durch den Coadjutor zu halten, 6 Jahrtage, 18 Jahrmessen und 8 Quatembermessen (Quatembertage sind Mi, Frei, Sa nach: 1.Fastensonntag, Pfingsten, 3.Septembersonntag und 3.Adventssonntag) .

Kirche von Süden
Meßner ist derzeit der Schuhmacher des Ortes, Cantor der Lehrer in Einsbach. Kirchenvermögen rd. 5000 Gulden".


Bau des Kirchtums 1910
Im Jahr 1906 musste die Kirche gesperrt werden, weil der Kirchturm, der im eigentlichen Sinne ein Dachreiter war, baufällig geworden war. Als man die Kirche im 17.Jh neu errichtete, hatte man kein Geld, um einen richtigen Kirchturm mit eigenem Fundament zu bauen. Deshalb hat man einen -allerdings recht hohen- Dachreiter aufgesetzt, der auf einem Eichenbalken im Dachbereich gründete. Dieser Balken war im Laufe der Jahre morsch geworden.
Es dauerte noch bis 1910, bis man den heute noch stehenden Kirchturm im neubarocken Stil errichtete. Während der Zeit der Sperrung fanden die Gottesdienste in der Schlosskapelle statt.


Statistik
In den alten Matrikeln, Beschreibungen und Zeitungsberichten werden immer wieder Zahlen genannt, die sich auf die Bevölkerung, die Seelen (Pfarreiangehörige), Häuser, Anwesen, Gebäude oder Familien beziehen. Leider ist die Bezugsgröße dieser Zahlen sehr unterschiedlich; sie sind deshalb nicht immer vergleichbar. So beziehen sich die Werte teils auf die Ortschaft oder die Gemeinde, teils auf die Pfarrei bzw. den Filialkirchenbezirk.
1852: Gemeinde Lauterbach mit 67 Familien und 323 Einwohnern
1867: Gemeinde mit 308 Einwohnern, 83 Gebäuden
         Ortschaft mit 253 Einwohnern in 68 Gebäuden (dazu Grub 17/7, Hopfenau 17,/7, Rodelzried 21/4)
1874: Filialkirche mit 260 Gläubigen in 49 Häusern.



Berichte aus der Pfarrei
Die Dachauer Zeitungen haben in den letzten 120 Jahren immer wieder aus dem Pfarrleben berichtet. Diese oftmals in blumiger Sprache verfassten Berichte beschäftigen sich nicht unmittelbar mit dem Kirchengebäude, vermitteln aber einen ergänzenden Eindruck aus der damaligen Zeit. Meist werden Primizen, Jubiläen oder Abschiedsfeiern von Pfarrern oder Fahnenweihen beschrieben. Wenn Sie die Berichte lesen möchten, klicken Sie hier...



Baubeschreibung

Die Kirche liegt auf einem Hügel am südlichen Dorfrand, westlich vom Schloss der Familie Hundt. Sie ist von einem ummauerten Friedhof umgeben.

Der zweiachsige Chor (um 1440) ist nicht eingezogen und schließt in drei Achteckseiten. Außen wird er durch Stützpfeiler gestützt.
Das Langhaus, das Kirchenschiff, aus der Zeit um 1670 besitzt vier Achsen. An der südwestlichen Langhausseite befand sich in der Barockzeit (um 1680) ein heute zugemauertes Portal mit Pilastern und Sprenggiebeln; man kann es noch deutlich erkennen.

Östlich von diesem ehem. Barockportal ist ein bildstockähnliches Mauerwerk in die Langhauswand eingelassen.


Alter Eingang

Die Fenster der Kirche mit darüberliegenden querovalen Blendnischen sind oben und unten gerundet; an der Westseite ein Rundfenster, in der östlichen Chorseite das berühmte gotische Fenster mit originalem spitzbogigem Maßwerk.

Südlich von Chor und Langhaus steht seit 1680 die Gruftkapelle. Daneben ist die Sakristei angebaut.

Der mit Kupfer gedeckte Zwiebelturm an der Nordseite des Chores wurde erst 1910 errichtet, nach einem Plan des Dachauer Bezirksbaumeisters Scholz. Im Baustil wurde er dem barocken Langhaus angeglichen. Vorher besaß die Kirche nur einen Dachreiter, der 1906 baufällig geworden war. Die unteren Geschosse des Turms haben einen quadratischen Grundriss; die oberen Geschosse sind achteckig. Geschmückt ist die Turmfassade durch ein Gurtgesims und hochovale Blendnischen.

In der Glockenstube hängen drei Glocken, "zwei neue und eine alte Glocke", heißt es.
  Die älteste und kleinste Glocke stammt aus dem Jahr 1696. Sie hat aufgrund ihres Alters und ihrer geringen Größe die
    Ablieferungspflicht in den beiden Weltkriegen überstanden. Die Glocke ist der Gottesmutter geweiht. Die Aufschrift lautet:
    "Ave Maria gratia plena dominus tecum"; John Jacob Scohrer in Minhcen goss mich 1696".
  die mittlere, 300 kg schwere Glocke ist dem Kirchenpatron Jakobus geweiht. Die Aufschrift lautet: "St.Jacobus Patronus
    Ecclesiae nostrae tueator nos 1949". Sie wurde von Karl Czudnochowsky aus Erding gegossen und im Dezember 1949 geweiht.
    Über diese Glockenweihe hatte der Dachauer Anzeiger vom 22.12.1949 berichtet.
    Wenn Sie den Bericht lesen möchten, klicken Sie hier...
  Auch die große, 500 kg schwere Glocke wurde von Karl Czudnochowsky in Erding 1949 gegossen. Aufschrift: "Christus rex
    totius mundi donet nobis pacem".
Das Glockengeläute ist auch unter Youtube zu hören: klicken Sie hier...

Früher besaß Lauterbach auch eine von Johann Lorenz Kraus, München im Jahr 1782 gegossene Glocke. Sie wird wohl in einem der beiden Weltkriege für Kriegszwecke eingeschmolzen worden sein.


Hinweis: Woher die so typisch bayerisch-barock anmutende Zwiebelform kommt, ist erstaunlicherweise nicht geklärt. Einige der Experten vermuten, dass sie eine Nachahmung und Weiterentwicklung der im 7.Jh errichteten Moschee auf dem Tempelberg in Jerusalem (Felsendom) und somit arabischen Ursprungs ist. Damals glaubten europäische Baumeister, die Kuppel stamme noch vom Tempel Salomons und verbanden mit ihr die Vision vom himmlischen Jerusalem. Andere Kunstexperten sehen in der Zwiebel eine Weiterentwicklung der byzantinischen Kuppel, die auch in Russland großen Anklang fand. Fest steht jedoch, dass die ältesten zwiebelförmigen Kuppeln im alten Baiern die der Münchner Frauentürme sind (1525). Weite Verbreitung fand die Zwiebel als Bauform aber erst im Italien der Renaissance und bei uns in der Barockzeit nach dem 30jährigen Krieg. Ihre Form -unten bauchig, oben spitz- passte wunderbar zur Kunstauffassung und zum Lebensstil des Barocks und galt "als Synthese aus der Bewegung ins Übersinnliche und dem Verharren in den Wölbungen des Sinnlichen".

Das unmittelbar angrenzende ehemalige Schulhaus ist mit der Kirche verbunden. Über einen Durchgang im ersten Stock gelangt man zur Empore der Kirche, auf der die Armen-Schulschwestern, die den Lehrbetrieb übernommen hatten, der Messe beiwohnen konnten.
An der Südwestseite der Kirche ein großes Grabdenkmal der Gräfl. Familie von Hundt aus dem 19. Jh., das an der Stelle des früheren Eingangsportals errichtet worden ist.

Daneben sind in die Außenmauer viele weitere Epitaphe eingelassen:

Die Texte auf den Epitaphien können Sie (soweit entzifferbar) lesen, wenn Sie auf die einzelnen Bildchen klicken.

Missionskreuz
An der äußeren Ostseite des Altarraums ist zwischen den Stützpfeilern eine Gedenkstätte eingerichtet, die mit einem steinernen Missionskreuz aus dem Jahr 1844 geschmückt ist. Auf dem hohen Sockel weisen Inschriften in drei Spalten auf Verstorbene der Familie Röckhel hin. In die Stützpfeiler sind weitere vier Epitaphe eingemauert.
Am unteren Ende des Kreuzes ist eine Inschriftentafel befestigt, auf der der Grund für seine Errichtung steht:
" Missions-Ablaß.
Papst Gregor 16. ertheilte durch ein Breve vom 21.Mai 1844 jedem Christgläubigen einen Ablaß von 7 Jahren und 7 Quadragenen, welcher ... 7 Ave Maria zu Ehren der 7 Schmerzen Mariä betet und Reue und Leid über seine Sünden erweckt".

Texte auf dem Sockel:
"Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin."
"Im Jahre des Herrn 1841 am 28ten Juni verschied in ihrem 35.Jahre die gnädige Frau Karoline v. Roeckhel auf Lauterbach, geb. Gräfin Spreti von Weilbach. sie ruhe sanft im Frieden".
Caroline, geb. am 19.März 1806, heiratete am 4.11.1830 den Karl Ritter v.Roeckel auf Lauterbach, der bayerischer Kammerjunker war.

Im Jahre des Herrn 1847 am 24ten März verschied in seinem 43.Jahre Karl August Ritter von Röckhel. K(öniglich) B(ayerischer) .... Gutsherr auf Lauterbach und Wenigmünchen. Gründer des Klosters arme Schulschwestern dahier. Ruhe in Frieden.

Im Jahre des Herrn 1839 am 26ten Jäner verschied in seinem 68.Jahre Jos. .... ein Reichs-Ritter von Röckhel. K(öniglich) B(ayerischer) Regierungsrath und ... Direktor. Er ruhe sanft im Frieden.

                              Kriegerdenkmal

In der Nähe des Westeingangs, am Übergang zur früheren Mädchenschule ist das Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs an der Wand befestigt. Das in neubarocken Formen gestaltete Denkmal aus weißem Marmor war nach dem 2.Weltkrieg in das Schloss verbracht und erst 2014 wieder an der Kirche angebracht worden.

Die letzten Renovierungen fanden 1989 und 2011 (Außenfassade und Turmuhr) statt.


Innenausstattung

Der größte Teil der Innenausstattung stammt aus der Zeit des Rokoko (um 1760). 


Altarraum

Der Altarraum besitzt noch das auf Konsolen ruhende alte Gewölbe, das um 1670 barockisiert worden war.
Es gewinnt durch die Stichkappen über den tatsächlichen Fenstern und den Blindfenstern an Struktur und Tiefenwirkung.


Hochaltar / Choraltar

Der Hochaltar mit seinem prächtigem Aufbau und Aufsatz ist in den Chorschluss hineinkomponiert. Es handelt sich um ein Rokokoretabel aus der Zeit um 1760. Vier schräggestellte Säulen und Pilaster tragen ein verkröpftes und seitlich vorspringendes Gebälk mit Volutengesims und geschweiftem Auszug. Das Antependium ist mit grün marmoriertem Holz verkleidet.

Altarauszug

Im prächtigen Altarauszug ist als Skulptur der Patron der Kirche, St.Jakobus zu sehen. Inmitten eines Strahlenkranzes hält er ein Buch auf dem Schoß und den Pilgerstab in der Hand.
Rings um die Figur schweben Putten und Gewölk. Die Jakobusfigur könnte noch spätgotisch sein; die Englein stammen aus der Barockzeit.

Altarblatt


Auch das Altargemälde (Öl auf Leinwand) zeigt den hl. Jakobus, mit Pilgerstab, Pilgerflasche und Muschelemblem am Umhang. Er kniet vor einem angedeuteten Altar, an dem ein aufgeschlagenes Buch lehnt. Über ihm halten Putten Lorbeerkranz und Märtyrerpalme bereit.

 

Im Hintergrund des Bildes (links unten) sind Kirche und Schloss Lauterbach im Zustand vor 250 Jahren zu
sehen. Interessant ist auch hier der Kirchturm, der als hoher Dachreiter mitten auf dem Kirchendach sitzt.
Er gründete auf dem Gebälk des Dachstuhls, das sicher eine große Belastung aushalten musste.
Im Jahr 1910 wurde ein eigenständiger Kirchturm gebaut.
  Hinweise: Jakobus der Ältere war der Sohn des Fischers Zebedäus und der ältere Bruder des Jüngers Johannes. Er zählte neben seinem Bruder und Petrus zu den drei bevorzugten Jüngern, die bei der Verklärung Jesu und in seiner Todesangst im Garten Gethsemane zugegen waren. Der Überlieferung nach verkündete er nach Pfingsten in der Gegend um Samaria und Jerusalem das Evangelium, bis er durch König Herodes Agrippa I. von Judäa im Jahr 43 geköpft wurde; Jakobus war somit der erste Märtyrer unter der Aposteln (Ap 12, 1 - 2). Der Legende nach setzten Anhänger seine Leiche in ein Boot, das im Meer herumtrieb und in Galizien, im Nordwesten Spaniens strandete. Dort wurde er begraben. 800 Jahre später, zur beginnenden Reconquista (Rückeroberung des maurischen Spaniens durch die Christen) entdeckte König Alonso II das Grab wieder und baute eine Kirche darüber. Bald begann die Wallfahrt und Santiago de Compostela wurde eines der größten Wallfahrtszentren des Abendlandes. Durch ganz Europa führten feste Wallfahrtswege dorthin; bis ins 15. Jahrhundert zog der Ort mehr Pilger an als Rom oder Jerusalem. St.Jakob erhielt seine Attribute (Pilgerkleidung und Muschel) erst im 13.Jh. Die Pilger erhielten am Ziel damals einen Hut, der mit einer Muschel geziert war. Zuvor war Jakobus meist mit einer Schriftrolle abgebildet.
Pilgerflaschen (lat.curcurbita=Kürbis) sind meist birnenförmige Gefäße, die am Rand zum Durchziehen einer Tragekordel Ösen haben. Ursprünglich bestanden sie aus einem ausgehöhlten und getrockneten Flaschenkürbis, später auch aus anderen Materialien. Da die Pilger auf ihrer Wanderschaft zu den großen Wallfahrtsstätten der Christenheit oft menschenleere Gebiete durchquerten, führten sie in der Pilgerflasche immer einen Labetrunk mit sich. Vom Wallfahrtsort wurden dann meist mit geweihtem Wasser gefüllte Pilgerflaschen nach Hause mitgebracht.

Der Tabernakel aus der Rokokozeit (18.Jh) besitzt einen zweisäuligen Aufbau mit vorgezogenem Gebälk. Er besteht aus Holz, ist gefasst (=bemalt) und teilvergoldet. Die zweiflügelige Messingtüre ist 100 Jahre jünger. Vor ihr steht das Tabernakelkreuz aus der 2.Hälfte des 18.Jh.

Fenster

Berühmt ist die Kirche von Lauterbach wegen eines Glasgemäldes hinter dem Altar.

Veit von Egloffstein, der damalige Mitbesitzer der Hofmark Lauterbach (neben Hans Hundt), hat zwischen 1437 und 1449 das Fenster gestiftet, das heute zu den bedeutendsten in ganz Oberbayern zählt. Es ist leider durch den Hochaltar verstellt.
Dass es von Veit von Egloffstein stammt, ist an den vier Wappen darauf erkennbar, unter denen sich seines, das seiner Frau und seiner Eltern, nicht aber das der Familie Hundt befindet (Die Wappenschilde stellen die Wappen der Egloffsteiner und Dachauer, sowie der Egloffsteiner und Nussberger dar). Veit von Eggloffstein heiratete 1437 eine Tochter aus dem Geschlecht der "Dachauer auf Lauterbach", wodurch ihm ein Teil von Lauterbach zufiel, den er 1449 an seinen Schwager Hundt verkaufte.
Allerdings ist zu Füßen des hl.Antonius ein kleiner weißer Hund eingearbeitet, der üblicherweise in Kunstwerken zu sehen ist, die die Fam.Hundt in Auftrag gab.

Die Fenstergemälde stellen dar: (Vergrößerung per Klick auf blauen Text)

ganz oben:      in der Maßwerkfüllung eine Muttergottes
mitte links:       die Kreuzigungsgruppe mit Maria und Johannes
mitte rechts :   die  Pieta -Darstellung mit Leidenswerkzeugen
unten links:     der hl. Jakobus (mit weißer Muschel) und hl. Antonius der Einsiedler
                      (mit Kreuz) mit einem Bärenwappen.
unten rechts:  die hl. Barbara (mit Turm) und hl. Maria Magdalena (mit Salbbüchse).

Die Malereien wurden noch in der musivischen Technik erstellt. Das Glas wird nicht -wie später- mit Farbe bemalt; die Fenster sind aus in der Masse durchgefärbten Gläsern in der Art eines Mosaiks zusammengesetzt. Die Hauptkonturen der Darstellung werden durch die Bleiruten vorgegeben, die die einzelnen Gläser verbinden. Die Bleiruten, die an den Berührungsstellen verlötet werden, bestehen zu 75 % aus Blei und zu 25% aus Zinn.


Vergrößerung der einzelnen Fenster per Mouseklickklicken Sieklicken Sieklicken Sieklicken SieMuttergottes
  Hinweise: Antonius der Einsiedler (250-356) wurde als Sohn reicher christlicher Eltern geboren; er verkaufte seinen gesamten Besitz und wurde Einsiedler in radikaler Armut und zunehmender Abgeschiedenheit. Die Schweine, mit denen er oft dargestellt wird, stehen für seine berühmten Versuchungen (schöne Frauen, Dämonen). Antonius wird "Vater des Mönchtums" genannt. Die von ihm geprägte Form des Mönchtums beruht auf Askese und Zurückgezogenheit, sie steht im Gegensatz zur (später erlassenen) Regel des Benedikt von Nursia. Antonius soll 105 Jahre alt geworden sein.
Barbara ist eine legendäre Person. Das bildschöne Mädchen soll von ihrem heidnischen Vater, dem reichen Dioskuros von Nikomedia, während einer längeren Geschäftsreise in einen Turm geschlossen worden sein, um sie am Heiraten zu hindern. Barbara ließ im Turm ein Bad bauen, aber nicht wie vom Vater angeordnet mit zwei, sondern mit drei Fenstern, als Zeichen der Verehrung der Dreieinigkeit. Als der Vater zurückkam und merkte, dass sie Christin geworden war, ließ er sie geißeln, mit Keulen schlagen, die Brüste abschneiden und mit Fackeln brennen. Schließlich enthauptete der Vater die Tochter selbst, worauf er von Blitz getroffen wurde. Barbara gehört zu den 14 Nothelfern. Sie ist Patronin der Bergleute und -wegen des präzisen Blitzschlags- der Artilleristen.
Maria Magdalena ist aus der Bibel bekannt. Sie wurde Jüngerin Jesu, nachdem der sie von Besessenheit befreit hatte (Luk. 8, 2). Magdalena sorgte für Jesu Lebensunterhalt (Luk.8,3). Sie war auch bei der Kreuzigung Jesu dabei; ihr erschien Jesus nach seiner Auferstehung (Joh 20,15-17). Ob es sich bei Magdalena auch um die namenlose Sünderin handelt, die Jesus die Füße salbte (Luk 7, 37 - 38), wie die Legenden behaupten, ist ungewiss. Aber meist wird sie mit einer Salbbüchse abgebildet.

 

Ewig-Licht-Ampel

Die Ewig-Licht-Ampel aus der 1. Hälfte 19. Jh ist im Stil nachklassizistisch. Sie besteht aus versilbertem Messingblech. Die Verzierungen sind in Treibarbeit erstellt; dies bedeutet, dass das Kunstwerk durch Hämmern von der Rückseite her über einer nachgiebigen Unterlage erstellt wurde.

Ewig-Licht-Ampel
Das rote Öllämpchen, das stets im Altarraum brennt, gilt oft als Erkennungsmerkmal eines katholischen Gotteshauses. Es entspricht uralter Tradition, an heiligen Stätten Licht brennen zu lassen als Zeichen der Verehrung und als Sinnbild des Segens, der von diesem Ort ausgeht. Früher gab es solche Lichter nur an den Märtyrergräbern. Mit der wachsenden Verehrung der aufbewahrten Eucharistie hat sich etwa seit dem 13. Jh der Brauch des "Ewigen Lichtes" vor dem Tabernakel, in dem das Allerheiligste aufbewahrt wird, herausgebildet. Durch sein dauerndes Brennen weist es darauf hin, dass in der Kirche geweihte Hostien aufbewahrt werden.

 

Zelebrationsaltar

Der Zelebrationsaltar hat die Form eines einfachen Tisches. Er wurde um 1970 aufgestellt im Zuge der Liturgiereform durch die Beschlüsse des 2.Vatikanische Konzils. Dies bedeutet eine Rückkehr zu den Wurzeln der Eucharistiefeier.
  Hinweis: Der Altar war das Symbol des heidnischen Gottesdienstes. Das lateinische Wort adolere = verbrennen bezeichnet die ursprüngliche Bedeutung als Stätte zur Verbrennung der Opfer. Die ersten Christen hatten keinen Altar. Jesus versammelte die Seinen um den Tisch, und das hielten auch die Christen während der ersten Jahrhunderte so; zur Eucharistiefeier konnte jeder beliebige Tisch dienen. Im 4.Jh wurde das Opfer Jesu in das Tischgeschehen hineingenommen und der Altar eingeführt. Er war meist aus Stein, frei aufgestellt und von allen Seiten zugänglich. Ab dem 8. Jahrhundert weicht die Tischform immer mehr der Blockform. Dies kommt der Entwicklung entgegen, im Altar Reliquien von Märtyrern und Heiligen beizusetzen. Der zelebrierende Priester stand hinter dem Altar, sodass seine Handlungen während der Messfeier für die ganze Gemeinde sichtbar waren. Als der Altar dann im 11.Jh eine Rückwand mit hohen Altaraufbauten (Retabel) erhielt und weiter an die Ostwand rückte, wandte der Priester der Gemeinde den Rücken zu. Dies ist in der katholischen Kirche durch eine Liturgiereform erst vor 40 Jahren wieder rückgängig gemacht worden.

 

Gruftkapelle

   
Gruftkapelle

An der linken Seite des Altarraums ist der Zugang zur 1680 erbauten Gruftkapelle der Fam. Hundt, der früheren Hofmarksherren von Lauterbach und Sulzemoos, die in diesem Anbau die Grablege der Familie einrichteten.
Die Kapelle ist durch ein schmiedeeisernes Gitter aus der 1.Hälfte des 18.Jh mit zwei Türen abgetrennt. Die Decke der Gruftkapelle ist mit schönem Stuck ausgekleidet, der nach Ansicht von Kunstexperten sogar noch feiner gestaltet sein soll, als im Kirchenraum.


Gitter am Zugang
zur Gruftkapelle

Neben den Epitaphen verdienen in der Gruftkapelle zwei Figuren besondere Beachtung:

Links vom Grabstein eine graubraun gefasste Skulptur der Anna selbdritt aus dem 18.Jh. Die Großmutter Anna mit Kopftuch hat ihren Enkel Jesus auf dem Arm. Vor ihr steht Maria als Jugendliche.
Anna
war nach apokryphen
Evangelien des 2. bis 6. Jahrhunderts die Mutter von Maria und somit die Großmutter von Jesus.


Anna selbdritt
Hinweis: Das Motiv der Anna selbdritt kam erst im 15. Jh. nach Bayern, kurz bevor Papst Sixtus IV. 1481 den Festtag der Anna in den römischen Kalender aufnahm. Die Verehrung Annas als Mutter der Jungfrau Maria erreichte damals ihren Höhepunkt. Die Bezeichnung Anna selbdritt gibt an, dass Anna selbst wiedergegeben ist und dass sie zu dritt sind. Anna, die Mutter Marias, wird meistens als reife Frau dargestellt;häufig mit grün-roter Kleidung, um den Kopf ein Tuch als Zeichen der verheirateten Frau und um den Hals
  den Goller, den breiten weißen Frauenkragen. Meist hat Anna das Jesuskind und Maria auf dem Arm; manchmal steht Maria zu ihren Füßen, so wie hier in Lauterbach. Fast immer wird Maria als Kind oder als junges Mädchen dargestellt. Diese Komposition gehört zu den sog. anachronistischen Bildern, weil bewusst zeitliche Abfolgen außer Betracht gelassen werden. Das Motiv der Anna selbdritt ist ein Sinnbild für die Entwicklung, Kontinuität und Weitergabe des Lebens, für den ewigen Kreislauf der Natur. Die drei Personen Anna, Maria und das Kind umfassen den gesamten Lebenszyklus von Jugend über Reife bis hin zum Alter. Sie beinhalten das Gewesene, das Jetzige und das noch Kommende. In ihnen sind Wandel und Erneuerung angelegt.
Rechts neben dem Grabstein steht eine Figur von St.Georg mit dem Spieß in der Hand. Er hat seinen Fuß auf den getöteten Drachen gesetzt, der als Sinnbild für das Böse gilt (18.Jh).

St.Georg
Hinweis:  Georg war Soldat des römischen Heeres zur Zeit Kaiser Diokletians und wurde um ca. 304 in Nikodemien oder Lydda enthauptet. Bei uns wird der hl. Georg vor allem als Patron der Pferde verehrt (Georgiritt). Meist wird er als Ritter dargestellt, der einen Drachen tötet. Nach der Legen-de hauste in einem See vor der Stadt Silena in Lybia ein Drache, dem die Einwohner täglich Lämmer und später Kinder opfern mussten. Da erschien St.Georg, nachdem er alle Martern überstanden hatte, gevierteilt und vom Erzengel
  Michael wieder zum Leben erweckt worden war. Als der Drache auftauchte, schwang Georg mit dem Zeichen des Kreuzes die Lanze und durchbohrte das Untier, das zu Boden stürzte



Epitaphe

Hinweis: Epitaphe gibt es in unseren Kirchen erst seit dem 14. Jh. als Gedächtnismal für einen Verstorbenen in Form einer Steinplatte, die innen oder außen an der Kirchenwand senkrecht aufgestellt wird. Epitaphe (griech. Grabinschrift) wurden für diesen Zweck eigens angefertigt; sie sind keine früheren Grabplatten. Das Epitaph ist auch kein Grabmal, weil sich weder dahinter noch darunter ein Grab befindet.

Epitaphe in der Gruftkapelle


Epitaph für Barbara Hundt 1571

Das mit (220 x 108 cm) größte Epitaph ist auch das prächtigste. Es wurde für Barbara Hundt zu Lauterbach und Falkenstein, geb. Rehling, die Ehefrau von Georg Hundt, im Jahre 1571 angefertigt. Barbara ist am 15.Mai 1571 verstorben. Der Stein besteht aus Rotmarmor.
Text: "Hir Ligt Begraben des Edlen und Vesten Georgen Hundt Zu Lauterbach und Falkenstein Eliche Hausfrau Barbara, ein geborne Rehlingerin die gestorben ist den 15.tag May in 1571. ... got genedig sein welle".

Interessant ist die Kleidung der Personen, die vor dem Kreuz knien. Sie tragen eine Mode für Höhergestellte, die sich aus der spanischen Hoftracht entwickelt hatte: Ein einreihig geschlossener Wams mit Stehkragen und Halskrause, eine geschlitzte Pumphose und Strümpfe. Spanien hatte zwischen 1550 und 1650 die politische Vormachtstellung in Europa und war (deshalb) auch in der Mode bestimmend. Dieser Einfluss ging nach dem Dreißigjährigen Krieg auf Frankreich über.

Frauen in span.Hoftracht

Unter den Epitaphen in der Gruftkapelle ist das des Dr. Wiguläus Hundt von Sulzemoos und Lenting (1514-1588) und seiner Frauen Anastasia von Fraunberg und Ursula von Pienzenau besonders zwar nicht spektakulär aber dennoch erwähnenswert (aus Schiefer, 111 x 92 cm).
Der Verstorbene war ein berühmter bayerischer Jura-professor, Geschichtsschreiber und Kanzler an der Uni-versität Ingolstadt und brachte es sogar zum Hofrats-präsidenten und Hauptberater in der bayerischen Politik unter Herzog Albrecht V. Er war es, der 1575 während seiner Reisen als Geschichtsschreiber auf der Burg Prunn im Altmühltal einen Teil der Nibelungenhand-schrift fand. Wiguläus starb 1588 und wurde in der Franziskanerkirche in München (an der Stelle des heutigen Nationaltheaters) begraben. Als diese nach der Säkularisation (um 1803) abgerissen wurde, brachte man den Grabstein nach Lauterbach.

Epitaph f. Wiguläus Hundt
Text auf der Grabplatte: "WIGVLEVS HVND A SVLZEMOS ET LENTING IVRISC(onsultus) NOBILIS BOIVS CVM ANTE MVLTOS ANNOS AB OPT(imis) PRINCIP(ibus) BOIOR(um) WILHELMO ET ALBERTO IN COSILIV(m) ASCITVS ET AB HOC EIVSDEM SVPREMI CONSILII PRAESES CREATUS FUISSET, POST VARIOS DOMI FORISQUE NON INFOELICITER SVSC(entos) LABORES DETATE INGRAVESCENTE LETHI MEMOR: MONUMENTUM HOC VIRVS SIBI VXORIBVSQUE SVAVISSIMIS A FRAUENBERG AC DOMINA URSULA A PIENENAU ET POSTERIS P: QUOS QUAESO LECTOR PIIS PRECIBUS VIVOS DETVNCTOSQUE PROSEQUERE: OBIIT ANNO DOMINI M.DL. XXXVIII AETATIS LXXV."


Weitere Epitaphe in der Gruftkapelle:


1567

(Südost)
Barbara Seiboltstorf
, geb.Hundt, Hausfrau des Hans Leonhard von Seiboltstorf zu Ritterswörth, Pflegers von Kösching, gestorben 1.5.1567,
Rotmarmor (184 x 93 cm)
Darunter das Hundt'sche und Seiboldtstorff'sche Wappen.

(Ost)
Barbara Hundt, geb. Rehlingerin, des Georg Hundt zu Lauterbach und Falkenstein Hausfrau,
gest. 15.5.1571,
Rotmarmor (220 x 108 cm)

 

(Nord)
Margareth Traunerin, Hausfrau von Hans Hundt,
gest. 1466 "an unser lieben Frawn abnt in der fasten"
Rotmarmor (198 x 90 cm). Darunter das Hundt'sche und Trauner'sche Wappen-schild. Das älteste Epitaph ist ein Werk der Münchner Haldner-Werkstatt.

Epitaphe im Kirchenschiff


Jörg v.Hundt 1566
Neben dem rechten Seitenaltar ist im Kirchenschiff ein 264 x 133 cm großes Epitaph für den 1566 verstorbenen Freiherrn Jörg von Hundt eingemauert. Das Grabmal in Lauterbach zeigt einen Ritter im Harnisch,der wohl den Verstorbenen darstellen soll. Die Linke umgreift den Schwertgriff, mit der Rechten stemmt er einen Streithammer gegen die Hüfte.
Um wen es sich handelt, gibt der darüber eingravierte Text kund: "Anno Domini 1566 an Sant Johans des tauffers tag (=24.Juni) starb der Edl und urst.Jorg Hundt zu Lauterbach und Falckenstain dem Gott genad". In den Bogenzwickeln die Wappen der Hundt und der Adlzhofer, unten die Wappen der Spiegl und Trauner.

Textkartusche
auf Epitaph 1566
 

1520
An der Nordwand befindet sich der zum Teil vom linken Seitenaltar verdeckte Grabstein des Englmair Hundt zu Lauterbach aus rotem Marmor. Auf ihm ist der im Jahr 1520 Verstorbene in einem flachen Relief (ganzfigurig, nach links gewandt) dargestellt. Er ist von einem Maximiliansharnisch geschützt, die linke Hand hat er am Schwertgriff, die rechte Hand umfasst die Lanze. Zu seinen Füßen liegen links das Hundt'sche, rechts das Adlzhof'sche Wappen. In den Ecken des Schriftrandes noch weitere Wappen, darunter das Trauner'sche Wappen. (Maße: 216 x 107).


Kirchenschiff / Langhaus

Die Bezeichnung des Langhauses als Kirchenschiff ist darauf zurückzuführen, dass die Kirchenväter die Gemeinschaft der Glaubenden als Schiff bezeichneten, das die Gläubigen aus dem Sturm der Zeit und den gefährlichen Wogen des Schicksals rettet.

Decke

Das Langhaus ist von einem Tonnengewölbe mit Stichkappen überdeckt. Es ruht auf kannelierten korinthischen Pilastern, die aber teilweise abgeschlagen wurden.

                
Deckenstuck Langhaus
Wappen
Felderungen und Herzlaub
Stuck-Putto
Herzlaubverzierung

Decke und Stichkappen sind mit feiner, zarter Stuckarbeit der "Miesbacher Art" überzogen. Auf den Gurtbögen Herzlaubverzierungen, in den Umrahmungen der Füllungen Draperien, Festons (Girlanden) und Pflanzenmotive.

In der Deckenmitte das Heilig-Geist-Loch, das mit einem Strahlenkranz auf blauem Hintergrund bemalt ist.

Der Stuck wurde 1680 von der Stuckatorenfamilie Zwerger aus Schliersee geschaffen.

Auch die Fensterlaibungen sind mit Stuck verziert.


Fensterlaibung

 

Seitenaltäre

Die Seitenaltäre gleichen in Form und Farbe dem Hochaltar. Sie stehen sehr schräg, um in der relativ engen Kirche den Blick der Gläubigen zum Hochaltar nicht zu verstellen. Es handelt sich um zweisäulige Rokokoretabel aus der Zeit um 1760. Die Antependien haben eine geschweifte Form und sind grün-rot marmoriert. In den Predellen stehen Scheintabernakel. Die Altarblätter sind spätere Nazarenergemälde.


Linker Seitenaltar

Altaraufsatz

Im geschweiften Altaraufsatz drei Engelsköpfe vor Gewölk. Sie umgeben einen geflochtenen Kranz aus Akanthusmotiven, von dem vier Strahlen ausgehen.


Altaraufsatz
Quer durch den Kranz gesteckt und in sich gekreuzt, sind ein Zepter und eine Lilie zu sehen.

Altarblatt
Der linke Seitenaltarist der Heiligen Familie geweiht.
Auf dem Altarblatt ist der Knabe Jesus mit seinen Eltern zu Hause dargestellt. Maria kniet mit überkreuzten Armen (Gebetshaltung) hinter dem Jesuskind, das fromm seine Hände faltet. Josef hält seine Hand beschützend über dem Kind. Über die Schulter trägt er den Zimmermannswinkel und eine Axt, einen Hinweis auf seinen Beruf.

Das Ölgemälde (auf Leinwand) wurde von Max Fürst (1846-1917) im Jahre 1869 (sign) im Nazarenerstil geschaffen. Max Fürst war Schüler von Johann v. Schraudolph und wie dieser religiöser Maler. Nach einem Aufenthalt in Rom schuf er zahlreiche Altargemälde und Wandmalereien in oberbayerischen Kirchen. Im Dachauer Land hat er auch die Kirche von Welshofen ausgemalt. Fürst war auch bekannter Historiker, der u. a. das biographische Lexikon für das Gebiet zwischen Salzach und Inn verfasste.Seit 1909 war er Ehrenbürger seines Geburtsstadt Traunstein.


Die heilige Familie
Die Verehrung der Heiligen Familie kam im 17. Jahrhun-dert auf; und wurde im 19. Jh. wiederbelebt.
1861 hat man den "Verein der christlichen Familie" gegründet, der von Papst Leo XIII. (1878 bis 1903) stark gefördert und weltweit verbreitet wurde. Deshalb war das Lauterbacher Gemälde bei seiner Entstehung 1869 also recht aktuell. In den sozialen Umbrüchen der beginnenden Industrialisierung wollte die katholische Kirche den Wert der Familie betonen, stellte die Heilige Familie als Vorbild vor Augen und förderte ihre Vereh-rung.
   
Assistenzfiguren aus dem 18.Jh sind zwei heilige Johannes, in rot-goldenen Gewändern, das Haupt umgeben von einem Heiligenschein (Nimbus) in Form eines Strahlenkranzes:


St.Johannes Baptist

 

Links der hl. Johannes der Täufer, mit Kreuzstab und einem Buch mit darauf liegendem Lamm. Der Heilige (ein Verwandter Jesu) war Bußprediger am Jordan und taufte dort auch Jesus. Später wurde er auf Wunsch der Herodias, der Geliebten von Herodes und ihrer Tochter Salome enthauptet. Mit den Worten "Dieser ist das Lamm Gottes, das die Schuld der ganzen Welt wegnimmt" hatte Johannes den Messias angekündigt (Johannes 1,29). Deshalb wird er in der Kunst häufig mit einem Lamm und mit dem Spruchband "Ecce agnus dei" am Kreuzstab abgebildet.
Rechts der Apostel Johannes, der sog. Lieblingsjünger Jesu, der mit einem Kelch dargestellt wird, aus dem sich eine Schlange windet.  Der Apostel Johannes, der unter dem Kreuz stand, war der Bruder des Jakobus'des Älteren und von Beruf Fischer. Er war erst Anhänger Johannes'des Täufers und wurde dann Jesu "Lieblingsjünger" (Joh 19, 26). Kennzeichnend ist die Darstellung ohne Bart. Der Giftanschlag, auf den der Kelch mit Schlange hinweist, war allerdings auf Johannes den Evangelisten verübt worden. Das Gift sei in Form einer Schlange aus dem Kelch gekrochen, heißt es in der Legende.


Apostel
Johannes
Johannes der Apostel und Johannes der Evangelist werden in der Überlieferung und in der Kunst häufig gleichgesetzt, obwohl es sich um zwei verschiedene Personen handelte.


Rechter Seitenaltar

Altaraufsatz

Im geschweiften Altaraufsatz sind vor einem Strahlenkranz Lanze und Schwert aus vergoldetem Holz zu sehen. Dazwischen drei Cheruben (geflügelte Engelsköpfchen).

Altaraufsatz
 

 

Altarblatt

Der rechte Seitenaltar ist der Marienaltar. Mittelpunkt ist ein großes Madonnengemälde im vergoldeten Barockrahmen. Die von sieben Engelsköpfen umgebene Muttergottes ist in einen blauen Mantel gekleidet; sie trägt ihr offenes Haar hüftlang. Das Kind schmiegt sich an den Hals der Mutter.


Madonna
Auf dem Arm hält sie über einer Windel das Jesuskind, das sich an die Brust Mariens schmiegt.  Das Gemälde wurde zur gleichen Zeit (vom selben Maler ?) wie das Altarblatt des linken Seitenaltars geschaffen (Öl auf Leinwand).
Assistenzfiguren


St.Franz Xaver
Assistenzfiguren aus der Zeit um 1760 sind rechts der hl. Johannes Nepomuk im Strahlenkranz mit seinem Attribut, einem Kruzifix.
Auf der linken Seite steht Franz Xaver im priesterlichen Gewand.

Hinweise: Johannes aus Pomuk, "ne Pomuk", war Ende des 14.Jh Generalvikar des Erzbischofs in Prag und machte sich beim König Wenzel wegen seines energischen Auftretens für die Rechte der Kirche unbeliebt. Der ließ ihn am 20. März 1393 gefangen nehmen, foltern, brannte ihn selbst mit Pechfackeln, ließ ihn durch die Straßen schleifen und schließlich in der Moldau ertränken.
Die Legende berichtet, der eigentliche Grund sei gewesen, dass Johannes, der auch Beichtvater der Königin war, dem König keine Auskunft über die Sünden seiner Frau gegeben habe. Das 1215 eingeführte Beichtgeheimnis hat in der kath.Kirche einen hohen Stellenwert. Der Fundort der Leiche in der Moldau wurde durch eine


St.Nepomuk

Erscheinung von fünf Sternen geoffenbart. Nepomuk ist neben Maria der einzige Heilige, der mit Sternen geschmückt ist. Die Verehrung von Nepomuk ist zwar schon seit 1400 nachweisbar; sie war aber nicht sehr umfangreich und zudem auf Prag beschränkt. Sein Denkmal auf der Prager Karlsbrücke, das 1693 errichtet wurde, machte ihn zum Brückenheiligen. Erst als man über 300 Jahre nach seinem Tod, im Jahre 1719, bei der Öffnung des Grabes in der Prager Veitskirche die Zunge des Heiligen unverwest vorfand, hat die Verehrung an Dynamik gewonnen. Im Jahre 1721 wurde der Kult von Rom anerkannt, am 19.3.1729 folgte die Heiligsprechung durch Papst Benedikt XIII. Noch im gleichen Jahr wurde Nepomuk zum Landespatron von Bayern (18.8.1729) erklärt. Die Jesuiten förderten die Verehrung kräftig und nach kurzer Zeit stand die Nepomukfigur auf vielen Brücken und in vielen Kirchen. Nepomuk war der Modeheilige der Rokokozeit. Festtag: 16.Mai
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Kanzel

Auf der Südseite des Langhauses ist die be-sonders prächtige Rokokokanzel aus der Zeit um 1760 angebracht. Sie ist von der Sakristei aus durch eine Tür in der Rückwand zu betre-ten. Auf dem dreiseitigen Kanzelkorb mit abge-schrägten Ecken sind Kartuschen angebracht. In der mittleren Kartusche ein Bild des Guten Hirten (Öl auf Holz). Unter dem Kanzelkorb eine Weintraube. Auf dem Schalldeckel sitzen

    
Kanzel 1760
 

mehrere Putten; ganz oben bläst ein Engel auf der Posaune.
Hinweis: Das Motiv des Posaunenengels geht auf Papst
Leo I. (440-461) zurück, der schreibt, dass von der Kanzel die Posaune des Evangeliums ertönt.

Kirchenbänke

Die Kirchenbänke (je 15 Reihen beiderseits des Mittelganges) haben kunstvoll geschnitzte Wangen im klassizistischen Stil (um 1800).
Weitere drei Reihen stehen in der Gruftkapelle.

Hinweis: Schon vom Frühchristentum an bis in die neueste Zeit hinein knieten und saßen die Kirchenbesucher in den Kirchenbänken nach Geschlechtern getrennt. Damit sollte im Got-teshaus eine zu große "sündige" körperliche Nähe zwischen Männern und Frauen verhin-dert werden. Dies war in allen drei Haupt-
  
Kirchenbankwange
konfessionen (Kath., Evang., Orthodox) so. In katholischen Kirchen sitzen gewöhnlich die Männer rechts und die Frauen links. Einen eindeutigen Grund für diese "Seitenwahl" gibt es nicht. Jedenfalls gilt im traditionellen Raumprogramm der Sakralarchitektur die Epistelseite als Männerseite und die Evangelienseite als Frauenseite. Seit dem letzten Konzil gibt es diese Trennung nicht mehr.

Mehr über Kirchenbänke in den anderen Kirchen des Landkreises finden sie hier...  


Kanzelkreuz und Mater Dolorosa


 Kanzelkreuz
Der Kanzel gegenüber an der Nordseite hängt ein großes Kruzifix, das sog. Kanzelkreuz aus dem 18.Jh.
Hinweis: Das Kruzifix heißt Kanzelkreuz, weil es in der Regel der Kanzel gegenüber an der Wand angebracht ist. Es erinnert den Prediger an den 1.Korintherbrief (1,3),in dem der hl.Paulus schreibt: "Wir predigen Christus als den Gekreuzigten". Die Ansprache soll nicht weltliche Dinge, sondern den Tod und die Auferstehung Christi zum Inhalt haben.
  Darunter steht die Mater dolorosa (die Schmer-zensmutter). Maria trägt eine Krone auf dem Haupt, das von Sternen umkränzt ist. In den verschränkten Armen hält sie ein Schwert, das an das Simeonwort im Lukasevangelium (Kap 2,35) bei der Darstellung im Tempel erinnert: "Dir selbst wird ein Schwert durch die Seele dringen".
Die Figur wurde 1973 von Reinhard Huber, aus Dachau restauriert. Der Künstler hatte 1967 auch die Apostelfiguren in der Jakobskirche von Dachau renoviert.

 
  
   Mater dolorosa  

 

Heiligenfiguren im Kirchenschiff

Im Langhaus stehen zwei Heiligenfiguren aus der Landsberger Luidl-Werkstatt. Figuren der Schnitzerfamilie Luidl aus Landsberg u.Mering stehen auch in den Kirchen von Dachau/St.Jakob, Egenburg, Feldgeding, Sittenbach, Rudelzhofen und Prittlbach.
Die Figuren lagerten lange Zeit auf dem Dachboden der Kirche, wurden 1935 dort wieder entdeckt und restauriert.


Franz v. Assisi

Auf der linken Seite Franz von Assisi,mit einem Kruzifix im Arm. Der Korpus am Kreuz ist quer zum Kreuz befestigt. Dem Heiligen war die Verbreitung der Passionsfrömmigkeit ein Hauptanliegen.
Rechts St.Josef mit dem Jesuskind auf dem Arm und der Lilie der Keuschheit in der Hand. Joseph war der Vater Jesu - oder Ziehvater Jesu, da nach altchristlicher Überzeugung Jesus der Sohn Gottes ist und durch den Heiligen Geist im Schoß der Jungfrau Maria gezeugt wurde. Joseph stammte aus dem Geschlecht des Königs Davids, aus dem nach dem Zeugnis des Alten Testaments der Messias hervor-gehen werde. Er lebte als Zimmermann in Nazareth.


St.Josef



Opferstock

Unter der Empore ist einer der ältesten Opferstöcke des Landkreises aus dem Jahr 1691 zu sehen. Die Jahreszahl steht ganz unten auf dem schön gestalteten hölzernen Sockel. Der Opferstock ist 72 cm hoch.

Opferstock
In den Kirchen des Landkreises Dachau gibt es viele unterschiedliche, außerordentlich interessante Opferstöcke. Wenn Sie sich dafür interessieren, klicken Sie hier..



Kreuzwegbilder und Apostelleuchter


Kreuzwegbilder
 

An den Wänden des Kirchenschiffs hängen die vierzehn Kreuzwegbilder aus der 2.Hälfte des 19.Jh. Sie sind 57 x 43 cm groß und wurden mit Ölfarbe auf Leinwanduntergrund gemalt.

Hinweis: Im späten Mittelalter hielt man dann Kreuzwegandachten als Ersatz für die Pilgerfahrt ins Heilige Land. Wenn Sie mehr über die Entstehung der Kreuzwegstationen und seiner Darstellungen in Kirchen des Landkreises erfahren wollen, klicken Sie hier...

Unter den Kreuzwegbildern befinden sich die schmiedeeisernen Apostelleuchter mit Stuckplaketten (18.Jh). Die Apostelleuchter erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind.
Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlische Jerusalems.
Auch eine Zusammenstellung von Apostelleuchtern unterschiedlicher Form können Sie sich anschauen. Klicken Sie hier...  





Apostelleuchter



Empore und Orgel

Der Aufgang zu der auf zwei schmale Säulen ruhenden Empore liegt außerhalb des Kirchenraums.
Die Orgel mit dem schönen fünfteiligen Prospekt im erweiterten Rokokogehäuse wurde im Jahr 1913 von Willibald Siemann, Mch als einmanualiges Werk mit fünf Registern errichtet. Das Gehäuse ist mit zwei Engeln geschmückt.

Nach dem Orgelkenner Georg Brenninger ist hier in Lauterbach um 1770 eine neue Orgel aufgestellt worden. Sie muss 1829 reparaturbedürftig gewesen sein, weil Karl Frosch aus München damals einen Kostenvoranschlag für eine Reparatur einreichte. Eine weitere Reparatur war 1911 notwendig. Diese führte Willibald Siemann aus München durch, erwei-terte das Gehäuse durch zwei Seitenfelder und baute ein neues Werk ein. Vom Prospekt vor der Zeit von 1911 existiert im Pfarrhof noch ein Foto.
 

Disposition der Orgel von 1913(nach Brenninger -Stand 1975-):
Manual (C-f''''): Aeoline 8', Salicional 8', LG 8', Principal 4'
Pedal: (C-d'):   Subbass 16'
Koppeln:
       Ok, Uk, I-P

Wenn Sie sich für Orgelgehäuse interessieren und vergleichen möchten, sollten Sie hier klicken...
Die Empore wird durch schöne Rundfenster, in der Kunst auch Ochsenauge oder "oeil de boeuf" genannt, erhellt. Am Emporenaufgang ein Epitaph für Johann Zachel, aus dem Jahr 1861.



Türen

Interessant ist ein altes Schloss an der Türe, die von der Sakristei in die Gruftkapelle führt. Es besteht aus Eichenholz. An der Türe befindet sich neben alten Beschlägen auch ein schmiedeeisernes, teils ziseliertes Schloss.

Die Eichentüre am Westeingang soll noch aus dem 18.Jh stammen. Sie ist braun lackiert und mit lilienförmigen Beschlägen und ebenfalls sehr altem Schloss versehen.
Wenn Sie Interesse an alten Kirchentür-Schlössern haben, klicken Sie hier...

 

Krippe

In der Weihnachtszeit ist vor dem Seitenaltar eine Krippe aufgebaut.
Wenn Sie sich für Krippen in den Kirchen des Landkreises Dachau interessieren, klicken Sie hier..

 




K
reuzweg im Außenbereich
Nicht vergessen werden sollte der Kreuzweg unter der 300 Jahre alten einreihigen Eichen-allee, der als einer der schönsten im Dachauer Land gilt. Er zieht sich von der Kreisstraße den Kirchberg hinauf; die letzten beiden Stationen sind an der Kirchenmauer angebracht.

bitte klicken

Der Kreuzweg wurde um 1850 von der Grafenfamilie Hundt gestiftet.
Die Gemälde wurden zuletzt nach dem 2.Weltkrieg restauriert. Die Kosten trug der Kriegsheimkehrer und Bäckermeister Schwank. Die Bilder haben inzwischen wieder viel von ihrer Farbigkeit verloren.

  Seinen Ursprung hat der Kreuzweg im Brauch der Pilger, bei Wallfahrten nach Jerusalem den Leidensweg Jesu auf der "Via Dolorosa" nachzugehen. Im späten Mittelalter wurde die Kreuz-verehrung insbesondere durch den hl.Franziskus von Assisi gefördert, der durch die Stimme des Gekreuzigten vom Kreuz in St.Damiano zu einem christlichen Leben bekehrt wurde. Seit dieser Zeit wurden Kreuzwegandachten als Ersatz für die Pilgerfahrt ins Heilige Land abgehalten. Auch weil man das Heilige Land nur noch unter erschwerten Bedingungen erreichen konnte. Aber die Kreuzwegstationen waren immer im Außenbereich, oft Anhöhen hinauf, aufgestellt. Der erste Kreuzweg in Deutschland entstand 1503 in Nürnberg. Erst um 1730 wurden die Kreuzwegstationen in die Kirchen hinein verlegt.
1. Station
Jesus wird von Pilatus
zum Tod verurteilt
2. Station
Jesus nimmt das Kreuz
auf seine Schultern
3. Station
Jesus fällt zum ersten Mal
unter dem Kreuze
4. Station
Jesus begegnet
seiner Mutter Maria
5. Station
Simon v.Cyrene hilft
Jesus das Kreuz tragen
6. Station
Veronika reicht Jesus
das Schweißtuch dar
7. Station
Jesus fällt zum zweiten Mal
unter dem Kreuze
Klicken Sie auf die Bilder
8. Station
Jesus tröstet
die weinenden Frauen
9. Station
Jesus fällt zum dritten Mal
unter dem Kreuze
10. Station
Jesus wird seiner
Kleider beraubt
11. Station
Jesus wird ans
Kreuz geschlagen
12. Station
Jesus stirbt am Kreuz
13. Station
Jesus wird
vom Kreuz abgenommen
14. Station
Jesus wird ins Grab gelegt

Der Bergkirchener Arbeitskreis Hörpfade hat über den Kreuzweg einen Bericht von dreieinhalb Minuten Dauer erstellt. Wenn Sie ihn hören möchten, klicken Sie hier...


Hans Schertl



Quellen :
Genealogisches Taschenbuch der deutschen gräflichen Häuser, Band 13, S. 473, 1840 (v.Roeckhel)
Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Stumpf,Pleikard, Geographisch-statistisch-historisches Handbuch des Königreiches Bayern, 1852
Arthur von Ramberg,Joseph Heyberger, Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern, Band 5, 1867 (Statistik)
Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874
Josef Scheidl, Die Bevölkerungsentwicklung des Landgerichts Dachau im Laufe früherer Jahrhunderte, 1925 (Höfe 1649)
Amperbote vom 31.1.1906 (Kirchturmbau), vom 22.2.1935 (Figuren Franziskus/Josef)
Dachauer Anzeiger vom 22.12.1949 (Glocken)
Werner Widmann, von München zur Donau, 1966
Dr.Peter Dorner, Renaissancebild einer Landschaft, Amperland 1968 (Apian 1568)
Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
Kunstwanderungen in Bayern südlich der Donau, 1973
Georg Brenninger, Orgeln und Orgelbauer im Landkreis Dachau, Amperland 1975/3
Georg Brenninger, Orgeln in Altbayern, 1978
Georg Brenninger, Zur kirchlichen Kunsttätigkeit des 18.Jh im Freisinger Raum, Amperland 1983/3
Alois Angerpointner, Orts-und Vereinschronik Lauterbach/Palsweis, 1984
Wilhelm Neu, Volker Liedke, Otto Braasch, Denkmäler in Bayern,Oberbayern, 1986 (Bauzeit Kreuzweg)
Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV, 1990
Robert Böck,Wallfahrt im Dachauer Land, Bd 7 der Kulturgeschichte des Dachauer Landes, 1991
Susanne Fischer, Glasgemälde des späten Mittelalters, Amperland 1991/1
MariaThanbichler in der Schriftenreihe,"Die Kirchen im Pfarrverband Bergkirchen"
Lydia L. Dewiel, Oberbayern: Kunst u. Landschaft zwischen dem Altmühltal und den Alpen, Dumont-Kunstreiseführer 1996 (Zwerger)
Robert Böck in Chronik der Gemeinde Petershausen, Band 2, Geschichte und Kultur, 2000
Georg Hartmann, Lauterbach, 2003 (Glocken)
Dachauer Nachrichten vom 30.9.2011 (Renovierung)
http://www.youtube.com/watch?v=HzRxaSQiEc8, 2014-10-30 (Glockengeläute)

88 Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

13.9.2015

Glockenweihe in Lauterbach
Dachauer Anzeiger vom 22.12.1949

Am vergangenen Freitag kamen die beiden neuen Glocken für die Filialkirche Lauterbach aus Erding an. Am letzten Sonntag wurden, sie in feierlichem Zug zur Weihestätte gebracht. Trotz des kalten und unfreundlichen Wetters fand sich schon frühzeitig eine große Menge Leute im Hofe des Reindlbauern ein, wo die Glocken untergestellt waren. Die Spitze des festlichen Zuges bildete eine Reiterabordnung. Ihr folgte die Schuljugend unter Führung ihrer Lehrkräfte. Daran schlossen sich die weibliche Jugend, die Feuerwehr und der Burschen- und Veteranenverein mit ihren Fahnen an. Auf einem geschmückten Wagen kam nun die Musikkapelle Hartmann. Den Abschluss bildete der mit Girlanden und Schleifen gezierte vierspännige Glockenwagen, gefolgt von der Geistlichkeit. Auf dem freien Platz vor dem Friedhof erfolgte dann die Glockenweihe durch H. H. Pfarrer Straßmeier, assistiert von H. H. Pfarrer Singer. Die weitere Feierlichkeit, die wegen der ungünstigen Witterung in der Kirche fortgesetzt wurde, leitete dort der Kirchenchor mit dem Laudate v. Ett ein. Anschließend trugen vier weißgekleidete Mädchen vom Presbyterium aus Gedichte vor, worauf Herr Pfarrer Straßmaier die Festpredigt hielt. Das darauf folgende Tedeum bildete den Abschluss. Zur Christmette werden die beiden Glocken, von denen die größere mit 10 Zentnern den Namen Christus König, die kleinere 6 Zentner schwer, den Namen, des Kirchenpatrons St. Jakob trägt, das erste Mal geläutet werden.

Recherchiert von Hubert Eberl, Bergkirchen