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Die ehemalige St. Ignatiuskapelle
in der
Pfarrkirche St.Peter und Paul in OBERROTH

ReliquiarReliquiarSt.RaphaelSt.GabrielMadonnaDeckengemälde
Die frühere Ignatius-Kapelle

Am 21.Mai 1699 bat Pfarrer Martin Walter das bischöfliche Ordinariat in Freising um Genehmigung zum Bau einer Ignatiuskapelle direkt an der Kirche. Das Geld dafür sei schon vorhanden.
  Originaltext: "daß zu Ehren des hl. Ignatii ein Capellen under der Khürchen Tachung, so gar füglich sein khan, derffte aufgebauet werdten, worzue die gelt Mitl by unserem Gottshause schon verhandten weren."

Der Pfarrer begründete seinen Antrag damit, dass schon sein Vorgänger als Pfarrer eine besondere Andacht zum hl.Ignatius v.Loyola eingeführt und dabei ein dem hl.Ignatius geweihtes Wasser ausgegeben habe. Dies werde von ihm fortgeführt. Die Leute nähmen einen Weg von bis zu 1 1/4 Stunden auf sich, um an das Wasser zu kommen.
  Originaltext: "indem er das Wasser in honorem S.Ignatii, gleichwie es die ... Jesuiter zuthain pflegen, geweihet hat, welches ich dato continuirt, allzumahlen als auf Rdo Wüch grosse Würkhungen hat, wie dan hieraus ein grosse Andacht und Zuelauff verspühret wirdt, so daß die Leith solches Wasser von 4 in 5 stundt weith abholen und zu dem hl.Ignatio grosses Vertrauen hegen".

Die Anwort des Bischofs kam am 25.Mai 1699. Der Pfarrer solle zuerst einen Riß (=Bauplan) und Überschlag (=Kostenplan) schicken.
  Originaltext: "einen Riß und Uberschlag der Capellen verfaßter alhero sendten, auch wohin solche in der ausser der Khürchen wolte erpauet werdten"


Am 6.Juli 1699 übersandte Pfarrer Walter den Grundriss der Kapelle (Bild siehe unten) und teilte mit, der Überschlag belaufe sich auf 230 Gulden, wovon 170 Gulden schon bar vorhanden seien.
Schon am 9.Juli erteilte der Bischof die Lizenz zum Bau.

Die Kapelle wurde von dem aus Hirtlbach stammende Maurermeister Hans Maurer (1654-nach 1729), dessen Hauptwerk die St. Gabinus Kirche in Unterweikerts-hofen war, für 489 Gulden errichtet. Wegen des Einmarsches der Österreicher im Spanischen Erbfolgekrieg (1701-1714) stockte der Bau und zog sich in die Länge. Die Baumaßnahmen wurden auch das Auffinden einer Quelle unter der Ignatiuskapelle verzögert.

Erst sieben Jahre später war sie fertig. Der Pfarrer berichtete am 18.Juni 1706 nach Freising, die Kapelle sei nun "verförtiget, der altar aufgesetzt". Damit die vielen sich angesammelten Messstipendien erledigt werden könnten, sollte erlaubt werden, schon vor der Weihe Messen lesen zu dürfen. Für eine Weihe sei kein Geld vorhanden.
Diese Bitte wurde am 21.6.1706 erfüllt. Die feierliche Konsekration der Kapelle und der übrigen drei Altäre in der Kirche fand am 23.Juni 1707 durch Fürstbischof Johann Franz von Eckher statt (dabei wurden 93 Leute gefirmt und am gleichen Tag noch der Altar in der Gabinuskapelle in Armetshofen geweiht).

Der Kult des hl. Ignatius von Loyola (1491 -1556), des Gründers und Hauptheiligen des Jesuitenordens, ging von Spanien aus und fand durch die Ordensniederlassungen seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts auch in Bayern weite Verbreitung. St. Ignatius galt u. a. als Patron der Schwangeren, der Kinder, weil er sie in der Religion unterrichtet hatte, und gegen Fieber. Das auch in Oberroth verabreichte Ignaziwasser" sollte gegen allerlei Krankheiten sowie Hexerei und bösen Zauber helfen.

Der Altar und die beiden Leuchter stammen von Max Faller (1982)


Bauplan der Kapelle aus dem Jahr 1699

Änderung des Patroziniums
Mit Aufstellung einer Figur des gegeißelten Heilandes auf dem Kapellenaltar um die Mitte des 18. Jh scheint der frühere St. Ignatius-Kult in den Hintergrund getreten und Anfang des 19. Jh völlig erloschen zu sein. 15)
Jedenfalls ist in der Pfarrbeschreibung 1817 vom Altar "Christus an der Geißelsäule" die Rede.
Doch schon 1844 war die Kapelle dem hl.Leonhard geweiht. Jedenfalls heißt es in der Pfarrbeschreibung aus diesem Jahr: An der linken Seite der Kirche ist eine Kapelle angebaut, welche die St.Leonhards-Kapelle genannt wird, auf deren Altar eine vergoldete Figur, den hl.Leonhard vorrstellend, angebracht ist.

Die Kapelle wurde 2004 nach der Renovierung der Pfarrkirche neu eingerichtet.

Inneneinrichtung

Derzeit steht als Mittelpunkt in einer mit Marmor ausgekleideten Nische eine Muttergottesfigur. aus dem 17.Jh. 61)    Maria ist mit königlichen Insignien Krone und Zepter ausgestattet. Ihr Sohn, den sie auf dem linken Arm trägt, hält in seiner Hand den Reichsapfel.
Der Fuß von Maria steht auf einer silbernen Mondsichel. Dies erinnert an die apokalyptische Frau, die Johannes in seiner Vision gesehen hatte: vom Strahlenkranz der Sonne umgeben, über ihrem Haupte zwölf Sterne und zu ihren Füßen der Mond (Offb.12, 1).



R
eliquiare


Reliquienmonstranz
Zu beiden Seiten der Nischen sind Reliquienmonstranzen aus Holz in Goldfassung und mit farbigen Steinen angebracht.Die oben mit einer Krone versehenen Reliquiare sind noch im Rokokostil gearbeitet, aber erst 1749 61)  datiert. Die vierpassförmigen Schaugefäße enthalten Reliquien der Heiligen-Drei-Könige, die mit Klosterarbeiten gefasst sind.
Die Monstranzen bestehen aus einem Geflecht aus ineinander verschlungenen
Akanthusverzierungen, die oben in einer Krone münden. Interessant ist, dass die Reliquienkästchen durch das bischöfliche Ordinariat offiziell versiegelt werden mussten, um den Reliquiendiebstahl zu verhindern. Klosterarbeiten wurden meist von Klosterfrauen (daher der Name), zum Teil aber auch von begabten Handwerkerinnen erstellt.

Detail
Sie enthalten neben den Reliquien, (Halb)Edelsteine sowie ornamentalem Schmuck aus Silberblech sowie Filigranarbeiten aus Gold- und Silberfäden.Auf den kleinen Pergamentstreifen (Cedulae) sind die drei Namen der Heiligen, von denen die Reliquien stammen, verzeichnet. Im Bild rechts ist es der hl.Melchior; wenn Sie auf das Bildchen klicken, können sie die Reliquie genauer betrachten.
(mehr über Klosterarbeiten....)

 

Heiligenfiguren

An beiden Seiten stehen lebensgroße Figuren der Heiligen Franz von Assisi und Elisabeth von Thüringen, die von Florian Stückl, dem Leiter der Schnitzschule in Oberammergau in den Jahren 2003 und 2004 geschaffen worden sind 33)
Rechts steht die Figur des hl. Franziskus von Assisi im Ordensgewand als "Erneuerer der Kirche" . Auf seiner Schulter trägt er ein Kirchenmodell, das die Kirche von Portiunkula in der Nähe von Assisi darstellt. Franziskus hatte das Kirchlein renoviert, als er in einer Vision Christus hat ihm vom Kreuz herab sprechen hörte: "Erneuere meine Kirche". Mit viel Mühe restaurierte Franz das Gotteshaus bis er endlich begriff, dass Christus nicht dieses Kirchengebäude, sondern die Katholische Kirche gemeint hatte.

Franz v.Assisi

Gegenüber steht die Figur der hl. Elisabeth von Thüringen, mit einem Stück Brot und Rosen in der Hand. Elisabeth (1207-1231) ist eine historische Person. Sie stammte aus Ungarn und war Ehefrau des Landgrafen Ludwig IV. von Thüringen. Im Hungerjahr 1226 speiste sie die Armen vor den Toren der Wartburg. Als Ludwig, von seiner Umgebung gegen Elisabeths angebliche Verschwendung aufgehetzt, sie zur Rede stellte, verwandelten sich die Brote in ihrer Schürze zu Rosen. Dass in der Schürze ausgerechnet Rosen lagen, geht darauf zurück, dass im Mittelalter -schon lange vor Elisabeth- die Armenspeisen Rosen genannt wurden.

St.Elisabeth

Rechts neben dem Zugang zur Sakristei steht in einer Nische die Figur des hl.Nikolaus. Er wurde von Sepp Bauer aus Nandlstadt geschnitzt.
St.Nikolaus ist im Bischofsornat dargestellt, in etwas ungewöhnlicher Farbgebung. Die Mitra wird von den griechischen Buchstaben IC-XC-NI-KA geschmückt. Sie bedeuten "Christus, der Sieger". In diese Richtung führt auch der Text im Sockel der Nische: "Der sein Volk zum Sieg führt". Auch der Name Nikolaus bedeutet Sieg(reich)er des Volkes. Auf der Bibel in der rechten Hand von Nikolaus liegen drei Goldkugeln, die typischen Attribute des Heiligen.
Die Goldkugeln erinnern an die bekannteste Legende über St.Nikolaus: In einer verarmten Familie konnte der Heilige durch gezielte Geldgeschenke (Goldkugeln), die er heimlich durchs Fenster und durch den Kamin in die darin aufgehängten Socken warf, verhindern, dass der Vater seine drei Töchter zur Prostitution bewegen musste.

St.Nikolaus

Die neueste Figur stellt den früheren Namensgeber der Seitenkapelle, St. Ignatius von Loyola, dar. Sie besteht aus Bronze und wurde vom Augsburger Künstler Max Faller, geschaffen. Von dem Künstler stammen auch viele andere sakrale Gegenstände in der Kirche (Tabernakel, Ambo, ein Bronzerelief an der Kirchentür und die Jakobussäule am Eingang).Der 1491 geborene Ignatius, ein baskischer Adeliger, wurde 1521 als Soldat bei der Verteidigung der Feste Pamplona gegen die Franzosen verletzt. Während seiner Genesung las er religiöse Schriften, was neben mystischen Erlebnissen zu seinem Entschluss führte, sich einem geistlichen Leben zu Er studierte Theologie, gründete den Jesuitenorden (Gesellschaft Jesu) und wurde 1537 zusammen mit dem hl.Franz Xaver zum Priester geweiht.

St.Ignatius
Seine Ordensregeln sind ein Leitfaden zur Meditation und religiösen Unterweisung. Sie kennen keine starre Regeln innerhalb der Gemeinschaft wie einheitliche Ordenstracht oder feste Gebetszeiten. Die Ausbreitung des Ordens erfolgte sehr schnell; beim Tod von Igantius 1556 zählte er bereits 1.000 Mitglieder. Sein Wahlspruch lautet: "Omnia ad maiorem Dei gloriam, alles zur größeren Ehre Gottes". Wegen seiner militärischen Vergangenheit wurde Ignatius Patron der Soldaten.


Glasgemälde

Die Kapelle wird durch drei barocke Ovalfenster erhellt, die mit Glasgemälden der drei Erzengel Michael (mit Schwert und Schild), Gabriel (mit einer Lilie) und Raphael (mit Fisch und Wanderausrüstung) im sog. Jugendstil, dem Stil des beginnenden 20.Jh. 61) geschmückt sind.
  Hinweis: Wenn es eine Hierarchie bei den Engeln geben sollte, stünden Erzengel an vorletzter Stelle der neun Ebenen, weil sie vorwiegend mit menschlichen Angelegeheiten zu tun haben. In der Bibel finden die Erzengel  Gabriel,  Michael und  Raphael, in den Apokryphen auch der Erzengel Uriel Erwähnung. Gabriel wird meist mit einer weißen Lilie, Michael mit einem Flammenschwert,  Raphael mit Reisetasche dargestellt. Uriel verfügt über keine speziellen Attribute. 






Der Erz-Engel Gabriel der Engel der Verkündigung, der Auferstehung und der Gnade. Im Alten Testament richtete Gabriel den zu Boden gestürzten Daniel auf (Daniel 8, 16 und 9, 20 ff). Er erschien Maria mit der frohen Botschaft von der bevorstehenden Geburt Jesu (Lk.1, 26). Auch die Erscheinung eines Engels bei Zacharias im Tempel, der ihm die Geburt seines Sohnes Johannes, des Täufers, verkündete (Lk.1, 11), die Engelsbotschaft an Joseph im Traum (Mtt 1, 20) und bei den Hirten in Bethlehem in der Heiligen Nacht (Lk.2, 9) wird in der Überlieferung Gabriel zugeschrieben.

Der Erzengel Michael war nach der Überlieferung häufig mit der Heilsgeschichte der Menschen verbunden. Er stürzte - schon vor Beginn der Schöpfung - den Luzifer und trieb Adam und Eva mit dem Schwert aus dem Paradies (1. Mose 3, 23-24). Michael gilt auch als einer der drei Männer, die Abraham besuchten (1. Mose 18,1-16), er hinderte Abraham, den Isaak zu töten (1. Mose 22, 11-18) rang mit Jakob (1. Mose 32, 24-29), teilte das Rote Meer beim Auszug aus Ägypten (2. Mose 14, 19 - 22) und führte Israel ins gelobte Land. Michael hält die Seelenwaage und empfängt die Seligen im Paradies, so wie Petrus an der Himmelspforte

Die Figur des Erzengels Raphael (Name bedeutet im Hebräischen:: Heiler mit Gottes Hilfe ) ist eng mit der Geschichte des Tobias verbunden, dem er Schutz und Medizin bei einer Reise gibt. Er hilft ihm auch den Fisch zu finden mit dessen Galle der Vater des Tobias von den weißen Flecken auf seinen Augen geheilt wird. Raphael wurde im Mittelalter zum Inbegriff des Schutzengels, dargestellt mit den sechs Flügeln der Seraphen. In der Kunst wird er häufig mit Reiseutensilien und einem Fisch dargestellt.

  Hinweis: Engel (von griechisch angelos=Bote) waren in der Kunst des Frühchristentums immer Männer ohne Flügel. Sie sollten sich von den antiken Göttern wie Nike oder Hermes unterscheiden, die Flügel trugen. Erst als das Christentum im 4.Jh Staatsreligion wurde, bekamen die Engel Flügel; dazu einen Heiligenschein und sogar Hoftracht. Bis zu den ersten weiblichen Engeln dauerte es aber noch 800 Jahre. Erst Giotto malte Engel mit weiblichen Zügen. Wahrscheinlich hat der damals beginnende Marienkult die Verweiblichung verstärkt. In der Renaissance und vor allem im Barock setzten sich die Putten (geflügelte Knaben, die auf heidnische Eroten = Liebesgötter zurückgehen) und die geflügelten Engelsköpfchen durch, die in kaum einer der Barockkirchen unseres Landkreises fehlen. Erst in der Romantik wurden die Engel wieder erwachsener. Die Malerschule der Nazarener prägte die Engel mit großen Flügeln, Anmut und Hoheit, die uns als Schutzengel von den Bildern im Schlafzimmer oder den Heiligenbildchen des 20.Jh bekannt sind. Auch die Erzengeldarstellungen in Oberroth dürften aus dieser Zeit stammen.

Deckengemälde

Das Deckengewölbe (Tonnengewölbe) ist mit Stuckmustern aus der Erbauungszeit vor 300 Jahren geschmückt. 61)  Das mittlere Oval um-spannt die Buchstaben IHS, die als Jesusmono-gramm gelten.

Stuckmuster
Die Zeichen IHS sind übrigens griechische Buchstaben (das H ist ein Eta) und bedeuten "JHS(OUS)"=Jesus. Andere Deutungen sind: "Jesus, hominum salvator" (lateinisch "Jesus, Erlöser der Menschen") oder auch volkstümlich "Jesus, Heiland, Seligmacher".

Quellen:
Max Gruber, Zwei Dorf-Genies aus dem Dachauer Land: Ulrich Gailler und Hans Maurer, 1968/4 (489 Gulden)
Pfarrer Jakob Mois, Eine verschollene Wieskapelle im Dachauer Land, Amperland 1973/2
Jakob Mois,Geschichtliche Notizen über einige Kirchen im Landkreis Dachau, ca.1950, unveröffentlicht (1699)
Robert Böck, Wallfahrt im Dachauer Land, Bd 7 der Kulturgeschichte des Dachauer Landes, 1991
Pfarrer Werner Kellermann

9 Bilder:Hans Schertl (2004)



 

 

Oberrother Kirche ist ein "Katastrophenfall"
Sanierung gestaltet sich weit umfangreicher als zunächst angenommen
Von Christa Fünffinger

Oberroth - Die Sanierung der Oberrother Kirche St. Peter und Paul ist schwieriger als angenommen. "Eine Art Katastrophenfall" nannte Pfarrer Werner Kellermann die Situation im Gespräch mit der Dachauer-SZ. Wer sich die Oberrother Kirche in diesen Tagen anschaut, dem wird auffallen, dass der Zwiebelturm inzwischen ohne "Zwiebel" dasteht. Die Turmspitze wurde vor etwa zwei Wochen abgetragen. Die gesamte Holzkonstruktion unter dem Kupferdach sei verfault gewesen, sagte Kellermann, der nebenamtlich Pfarrer in Oberroth und Studiendirektor am Viscardi-Gymnasium in Fürstenfeldbruck ist. 


Während der Renovierung schien die Kirche nur noch aus Gerüst zu bestehen.

"Es muss alles erneuert werden." Das neue Dach des Kirchturms wird wieder eine Holzkonstruktion sein. Allerdings soll die "Zwiebel" nicht mit Kupfer verkleidet sondern wie früher mit Schindeln gedeckt werden. Unter dem Kupferdach sei es im Sommer bis zu 90 Grad heiß geworden. Darin sieht Kellermann einen Grund für den desolaten Zustand der Turmspitze. Die "Zwiebel" war erst 1964 neu gemacht worden.

Kellermann spricht von unsachgemäßer Arbeit. Im Juni 2000 sollten die neuen Glocken im Kirchturm aufgehängt werden. Sie wurden im März feierlich geweiht und lagern zur Zeit unter dem Dach des Kirchenschiffes.

Nachdem sich die Kirchturmspitze als völlig marode entpuppt hat, werden sie dort wohl noch eine Weile bleiben müssen. Verfaulte Balken, lose Ziegelsteine, bröckelnde Mauern: Auch in der Seitenkapelle und der Sakristei wurden bei Untersuchungen während der Sanierung gravierende Mängel aufgedeckt. 

"Das alles hat sich erst gezeigt, als der Putz weggeschlagen und die Dachbalken entfernt wurden", sagte Kellermann. Zudem sei die 1705 fertig gestellte Seitenkapelle nicht mit dem Kirchenschiff verbunden. Sie lehnt sozusagen nur an der Kirche. Mit Eisenschienen sollen Kirchenschiff und Kapelle nun verbunden werden. Als Grund für den schlechten Zustand der Kirche, deren Apsis vermutlich 900 Jahre alt ist, sieht Kellermann in Jahrhunderte langem Flickwerk. Das eigentliche Problem der Oberrother Kirche aber ist das Fundament: Starke Wasseradern haben in Jahrhunderten den Bauplatz der Kirche im Untergrund in ein Schlammloch verwandelt. Festen Boden gibt es erst ab drei Metern Tiefe. Bei Reparaturen in den letzten 300 Jahren hat es zudem immer wieder an bayerischer Großzügigkeit gefehlt", sagt er und fügt immer noch scherzend hinzu: "Wir sind ein Katastrophenfall." Er sei froh, dass das Bauamt des Erzbischöflichen Ordinariats immer wieder Geld locker gemacht habe. Ob die geschätzten Kosten von 3,5 Millionen Mark für die Generalsanierung ausreichen "Was soll ich darauf sagen ", fragt Kellermann zurück.

Die Messfeiern finden während der Renovierungsarbeiten in einer Notkirche in einem umgebauten früheren Stall im Hof der Familie Burgmair statt.

Quellen:
Dachauer SZ 21.9.2000 u. 16.7. 2001
2 Bilder: Marianne Kugler (1), Hans Schertl (1)


Glockenweihe in Oberroth

Im Zuge der Renovierungsarbeiten stellte sich heraus, dass die Stahlgussglocken von Ulrich und Weule aus Apolda-Bockenem aus dem Jahr 1921 (Salve-Regina-Geläute) Rost angesetzt und Risse aufzuweisen hatten. Sie waren aus Eisenhartguss, einem nach schweren Kriegszeiten preiswerten Ersatzstoff, aber auch einem Material, das beim Gießen Hohlräume bildet. Die porige Innenstruktur erzeugt ein unaufhaltsames Rosten, das auch durch Schutzanstriche nicht mehr aufgehalten werden kann. Mit dieser Korrosion geht immer eine Volumenzunahme innerhalb der Glocke einher, die Materialspannungen begünstigt und zum partialen Bersten führt. Materialwissenschaftler gehen darum beim Eisenhartguss von einer technischen Lebensdauer von deutlich unter 100 Jahren aus. 44)
Deshalb war es notwendig, die 80 Jahre alten Glocken zu ersetzen. Die neuen Glocken sind aus Bronze und wurden in der Glockengießerei Perner gefertigt. Das Geld dafür stammt aus Spenden.  Auf der Rückseite aller Glocken steht der Text: "Oberroth, St.Peter und Paul" und "Iubilaeum A.D. 2000" und "+Christus Heri Hodie semper".

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die große Glocke, St.Peter und Paul geweiht, 502 kg schwer, besitzt den Durchmesser von 94 cm und erklingt im Ton a1. Die Rippe ist mittelschwer. Auf ihr eine Bild der hl.Peter und Paul. In Majuskeln geschrieben ist der Text: "Dich,Dreifaltiger Gott, Preist der glorreiche Chor der Apostel" und "Die Stimme haben mir geschenkt: Herbert Kellermann und seine Pfarrgemeinde Peter und Paul, München-Trudering". Die Glocke ist ein Geschenk der Pfarrgemeinde Trudering. Der Bruder des Oberrother Pfarrers, Herbert Kellermann, ist Pfarrer in Trudering. Zu seinem 60. Geburtstag verzichtete er auf Geschenke und bat seine Pfarrangehörigen, für die Oberrother Glocke zu spenden.
 
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Die Marienglocke ist 250 kg schwer, besitzt einen Durchmesser von 75 cm und erklingt im Grundton cis2. Die Rippe ist mittelschwer. Auf der Glocke ein Bild der Muttergottes und der Text: "Die Stimme haben mir geschenkt: Elisabeth und Rudolf Kahles" und "Meine Seele preist die Größe des Herrn und mein Geist jubelt über Gott meinen Retter".

Die Michaelsglocke ist 147 kg schwer, besitzt einen Durchmesser von 59 cm und erklingt im Grundton fis2. Die Rippe ist überschwer. Auf der Glocke ein Bild des hl.Michael und der Text: "Die Stimme haben mir geschenkt: Elisabeth und Rudolf Kahles" und der Text: "Im Leben und in Todesnot sei du und nah'du Gottesbot"

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Die Jakobusglocke ist 190 kg schwer, besitzt einen Durchmesser von 64 cm und erklingt im Grundton e2. Die Rippe ist überschwer. Auf der Glocke ein Bild der Muttergottes und der Text: "Die Stimme haben mir geschenkt: Maria Anna und Anton Kraut" und "Wisset, daß ihr Pilger seid auf dem Weg zum Herrn".


Die Glockenweihe am 18.3.2001 wurde zu einem großartigen Fest. Hunderte von Oberrothern  unter ihnen auch Bürgermeister Mederer und Ehrengäste aus Trudering geleiteten die Bronzeglocken in einem Festzug von Armetshofen nach Oberroth. Den Zug führte die Blasmusik aus Schönbrunn, die auch den anschließenden Festgottesdienst begleitete, an. Fahnenabordnungen der hiesigen Vereine und die Böllerschützen aus Trudering, die am Ende der Zeremonie Salut schossen, folgten dem Viererzug weißer Kaltblutpferde.  Die Glockenweihe nahmen die beiden Seelsorger und Brüder Kellermann im Hof der Familie Burgmair gemeinsam vor. 

Die Glocken wurden danach auf das eingerüstete Kirchendach gehoben.

Bis die neuen Glocken aber im Turm erklingen und die Gläubigen zum Gottesdienst rufen können, wird aber noch geraume Zeit vergehen. Dies war 2002 möglich, nachdem neue Glockenstühle aus Eichenholz angefertigt worden waren.

Quellen:
Dachauer Nachrichten 20.3.2001
Dachauer SZ vom 17./18. und 20.3.2001
Erzbischöfliches Ordinariat, Neue Glocken in der Erzdiözese seit 2001
 
Bild: Pfarrer Werner Kellermann


Max Faller

Der Künstler wurde 1927 in Neuburg an der Donau geboren. Er studierte an der Akademie der Bildenden Künste in München. Die Arbeiten Fallers befassen sich ausschließlich mit religiösen Themen. Er ist Träger des Münchner Kunstpreises. Über sein Leben und sein Werk hat die Schwester Elia Bosler vom Karmelitinnenkloster Dachau ein reich bebildertes, dreibändiges Werk geschrieben.

Kunstwerke Fallers stehen in allen Erdteilen, Schwerpunkt ist aber Bayern. Bekannt sind mir Werke in Augsburg (Domportal und Ulrichsjubiläumskreuz), in Regensburg (Brustkreuz und Ring von Bischof Prof. Dr. Gerhard Ludwig Müller), in Speyer (Portal am Kaiserdom), in Ludwigshafen (drei Portale für die Pfarrkirche St. Joseph), in Leitershofen (Paulussäule), in Friedberg (Wallfahrtssäule zum Gegeißelten Heiland), in Berlin (Osterleuchter in der Kirche St.Michael), in Inchenhofen (Wallfahrtssäule zum Heiligen Leonhard), in Neumarkt/Oberpfalz (Mariensäule), München (Sakramentskapelle im Liebfrauendom, Kapelle im Exerzitienhaus Fürstenried und im Priesterseminar, Kirchenraum St.Thomas, Kreuz in St.Willibald, St. Gabriel, Tabernakel in St.Georg), Neuburg (St.Ulrich) Gauting (Kirchenraum St.Thomas) oder Hochbrück (Tabernakel). Der Künstler hat auch die Pilgermedaille des Heiligen Jahres 2000 für den Wallfahrtsort Santiago de Compostela gestaltet, die die Pilger mit nach Hause nehmen. Auch viele andere Medaillen (z.b.1970 die Medaille der Stiftung des Romano Guardini-Preises durch die Katholische Akademie in Bayern, die Kardinal Döpfner-Medaille des Bistums Mainz oder Medaillons für Primizianten stammen von Max Faller. Für das Grab von Romano Guardini hat er eine eindrucksvolle bronzene Gedenktafel gefertigt. Beim Eucharistischen Weltkongresses 1960 in München war Faller mit einem Osterleuchter in der Kunstausstellung vertreten.

Im Landkreis Dachau war Faller vor allem in der Oberrother Kirche tätig. Von ihm stammen Altarkreuz, Tabernakel, Ambo, Weihwasserkessel, Apostelleuchter, Jakobussäule, das Relief "Himmlisches Jerusalem" an der Kirchentüre und die Figur Ignatius von Loyola. 33)  Außerdem erstellte er die Entwürfe für das Reliquiar am Hochaltar und den Orgelprospekt.

Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

24.9.2013