zur Landkreiskarte      ausführl.Beschreibung    Kirchen i.d.Gem.Schwabhausen

Filialkirche Unsere Liebe Frau in MACHTENSTEIN


85247 Schwabhausen Ortsstraße 5
Lage der Kirche auf der Landkarte ...
zur KirchentürKelchbecherTurm 32 m hochChor-spätgotisch

 
K
Kurzbeschreibung

Machtenstein wurde im Jahr 1083 (als Machtinstaine) erstmals urkundlich erwähnt. Die Filialkirche zu unserer Lieben Frau ist jünger; sie wurde um 1560 erstmals auf einer Landkarte von Apian eingezeichnet. Machtenstein gehörte bis 1896 zur Pfarrei Sulzemoos; seitdem ist es Filiale der Pfarrei Kreuzholzhausen. 

Die von Apian gezeichnete Kirche war wohl kurz vorher, um 1550, im gotischen Stil errichtet worden. Sie wurde aber im 30-jährigen Krieg zerstört und danach -dem Zeitgeschmack entsprechend- als kleiner flachgedeckter Saalbau in den Ausmaßen 14 x 6,5 Metern wieder aufgebaut. Von der gotischen Kirche wurden nur noch einige Mauerteile verwendet.

In der Zeit der Säkularisation um 1803 wurde ein Abbruch der Kirche erwogen; dies scheiterte aber am Widerstand der Ortsbewohner.

Der nicht eingezogene Chor schließt mit drei Seiten eines Achtecks.
Der 20 m hohe barocke Turm mit schöner Zwiebelhaube ist in 6 Stockwerke gegliedert. Er besitzt im unteren Teil einen quadratischen Grundriss; der Oberbau ist -wie bei den meisten Zwiebeltürmen- achteckig. An der Außenseite großen Kirche hängt ein großes Kreuz. In einer kleinen Nische unter der Sonnenuhr ist ein Bild der Unbefleckten Empfängnis (20. Jh.) angebracht, an deren Fest am 8.12. die Machtensteiner bis heute das Patrozinium mit einem festlichen Gottesdienst als "Kloane Kirta" feiern.

 
Bild der unfbefleckten Empfängnis


Letzte Renovierungen: 1948 und zwischen 1977 und 1981.

Innenausstattung

Der barocke Altar stammt aus der Zeit um 1700.  Er wird geprägt von einer schönen Darstellung der Pietá in einer rundbogigen Mittelnische. Hinter der Gottesmutter mit ihrem Sohn auf dem Schoß stehen der hl. Johannes und zwei Frauen. 
Als Assistenzfiguren sind die hl. Barbara mit Turm und Kelch (links) sowie die hl. Katharina von Alexandrien mit dem Schwert (beide um 1550).
Im Altaraufsatz ist das Schweißtuch der Veronika mit dem Antlitz Jesu abgebildet, flankiert von Engeln, die die Leidenswerkzeuge tragen.
Im Altarsockel ist Platz für den Heilig-Grab-Christus.

An der Westseite ein Bild von Anton Huber mit der Darstellung des "Heiligen Wandels" (1879).

Figurenausstattung:

früher hl.Grab Anna selbdritt Apostelleuchter Apostelleuchter Dachungsengel Dachungsengel Notburga-Fenster St.Katharina Leonhard Rosenkranzmadonna Altarfigur St.Rasso St.Sebastian St. WendelinSt.Barbara

13 Details (Figuren, Fenster, Altar,Apostelleuchter) per Mouseklick

St. Wendelin Hirtentasche und Schäferschaufel (um 1700)
St. Leonhard im Abtsornat (um 1700). 
St. Rasso in Ritterrüstung mit gezogenem Schwert (um 1700),
Madonna im Rosenkranz (1700),
St. Sebastian am Marterbaum, von Pfeilen durchschossen (1600),
St. Josef mit Jesuskind und Lilie (18.Jh),
St. Antonius, ebenfalls mit Jesuskind und Lilie (18.Jh),
St. Anna als Anna selbdritt mit dem Jesuskind auf dem Arm; zu ihren Füßen steht die Tochter Maria (um 1700),
St. Ottilie Äbtissinnenstab und einem Buch mit daraufliegenden Augäpfeln (um 1700)



Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen


Machtenstein wurde im Jahr 1083 (als Machtinstaine) erstmals urkundlich erwähnt. Der Dachauer Landpfleger Wiguläus Hundt schrieb um 1560 in seinem Buch Metropolis Salisburgensis, der Bischof Norbert von Chur habe 1083 aus seiner Schenkung an das Kloster Habach bei Weilheim die Ortschaft Machtenstein herausgenommen. Kurze Zeit später wird Machtenstein nochmals in einer Urkunde erwähnt, die in der Zeit zwischen 1104 und 1122 entstanden sein muss: Vocholt von Trigilpach übergab sein Gut zu Holzburg und zu Mahtinginstan (Machtenstein) dem Hochstift Freising.

Geschichte der Kirche

Wann die Kirche erbaut worden ist und von wem sie gestiftet wurde, ist unbekannt. Erstmals dokumentiert ist ein Gotteshaus von Machtenstein auf der Landkarte von Philipp Apian aus dem Jahre 1568 , auf dem die Kirche noch einen gotischen Spitzhelm hat. Allerdings ist nicht ganz sicher, ob die Zeichnung mit dem wuchtigen Turm wirklich ein getreues Abbild der Kirche ist.
Ein Teil des Mauerwerks der heutigen Kirche stammt jedenfalls aus dem späten Mittelalter, aus gotischer Zeit.

Apiankarte 1568

1599 wird die Kirche erstmalig urkundlich erwähnt (nach anderer Quelle bereits 1445). Sie gehörte, so wurde damals berichtet, zur Pfarrei Sulzemoos (3/4 Stunden Weg). Doch in Machtenstein wurde jeden Samstag eine hl. Messe gefeiert. Die Kirche blieb bei der Pfarrei Sulzemoos bis zum 23.05.1896. An diesem Tag wurden nach längeren Bemühungen die Machtensteiner nach Kreuzholzhausen umgepfarrt. Ursachen waren: Die Weigerung des Pfarrers von Sulzemoos, die wöchentliche Samstagsmesse unentgeltlich zu feiern, die Errichtung einer neuen Gemeinde Kreuzholzhausen unter Einbeziehung von Machtenstein und schließlich die Tatsache, dass seit 1869 die Schulkinder nicht mehr in Sulzemoos, sondern in Kreuzholzhausen zur Schule gingen.

Die wohl um 1550 gebaute Kirche wurde im Dreißigjährigen Krieg zerstört und danach im Jahre 1654 von den inzwischen zuständigen Hofmarksherren "von Hundt zu Lauterbach" wieder aufgebaut. Um das Jahr 1719 war das Kirchengewölbe eingefallen. Es wurde durch eine Flachdecke ersetzt, die mit Stuck (einfache Feldereinteilung mit Quadraten und Kreisen) versehen ist. Gefertigt wurde die Decke vom Kistler Hans Leder (auch Loder oder Lod genannt) aus Tödtenried. Eine andere Quelle vermutet den Maurermeister Balthasar Mayr als Stuckateur. Dieser Bau bestimmt noch heute das Erscheinungsbild der Kirche. 1739 wurde die Kirche erstmals in den Matrikeln des Bistums Freising (Schmidt'sche Matrikel) erwähnt und dabei das Patrozinium für das Fest "Unbefleckte Empfängnis" (8. Dezember) angegeben.

1807, kurz nach der Säkularisation, war die Kirche in Machtenstein laut Pfarrer von Sulzemoos so arm und mittellos, dass die Gemeinde aufgefordert werden musste, sie selbst zu erhalten. Es war sogar ein Erwägung gezogen worden, sie abbrechen zu lassen, was wegen der großen Gegenwehr der Machtensteiner dann doch nicht geschehen ist. Die Pfarrangehörigen setzten sich immer wieder für ihre Kirche ein. Im Jahre 1891 stiftete z.B. der Bichlerhof neue Kirchenstühle (Aufschrift an der ersten Bank). 

Beschreibung 1874
In der Statistischen Beschreibung des Erzbistums München und Freising vom Beneficiaten an der Domkirche Anton Mayer aus dem Jahr 1874 ist im Kapitel über die Pfarrei Sulzemoos auch die Kirche von Machtenstein enthalten. Zu ihr gehörten 56 Dorfbewohner (Seelen), die in 12 Häusern wohnten. Über die Kirche schreibt er: "Erbauungsjahr unbekannt. Stillos. Baupflicht hat die Kirche. Kuppel-Thurm mit 2 kleinen Glocken. 1 Altar. Gottesdienste: wöchentlich 1 Messe sowie am Patrozinium. Eigener Meßner. Kirchenvermögen: 510 Gulden.

1948 wurde die Kirche innen und zwischen 1977 und 1981 innen und außen renoviert.


B
aubeschreibung

Die Kirche mit einer Länge von 14 Metern und einer Breite von 6,5 Metern liegt in der Dorfmitte, dicht an der Hauptstraße.
Der Chor schließt in drei Achteckseiten.
An der Südseite des dreiachsigen Kirchenschiffs steht in einer kleinen Nische unter der Sonnenuhr ein Bild der Unbefleckten Empfängnis (20. Jh.), an deren Fest am 8.12. die Machtensteiner bis heute das Patrozinium mit einem festlichen Gottesdienst als "Kloana Kirta" feiern.
An der Westseite ist ein Missionskreuz angebracht. Es stammt wohl aus dem 19. Jh., und ist mit einem Blechdachung überdeckt. Die Vorderseite des Bleches ist gezackt. Dies hat eine über die reine Verzierung hinausgehende Bedeutung: Die Zacken beschreiben den täglichen Lauf der Sonne vom Aufgang im Osten bis zum Niedergang im Westen. So wie die Sonne wieder aufgeht, so ist auch Christus auferstanden und so wird auch der Mensch vom Grabe auferstehen.
Der 20 m hohe barocke Zwiebelturm mit seinem quadratischen Grundriss und achteckigen Aufbau ist an den Chor angebaut. Unter seinem Schindeldach hängen zwei Glocken (die gleiche Anzahl wie schon nach der Beschreibung in der Schmidt'schen Matrikel von 1739: "in turri sunt campanae duae benedictae"). Die Sakristei ist im Erdgeschoss des Turms untergebracht.



Hinweis: Woher die so typisch bayerisch-barock anmutende Zwiebelform kommt, ist erstaunlicherweise nicht geklärt. Einige der Experten vermuten, dass sie eine Nachahmung und Weiterentwicklung der im 7.Jh errichteten Moschee auf dem Tempelberg in Jerusalem (Felsendom) und somit arabischen Ursprungs ist. Damals glaubten europäische Baumeister, die Kuppel stamme noch vom Tempel Salomons und verbanden mit ihr die Vision vom himmlischen Jerusalem. Andere Kunstexperten sehen in der Zwiebel eine Weiterentwicklung der byzantinischen Kuppel, die auch in Russland großen Anklang fand. Fest steht jedoch, dass die ältesten zwiebelförmigen Kuppeln in Bayern die der Münchner Frauentürme sind (1525). Weite Verbreitung fand die Zwiebel als Bauform aber erst im Italien der Renaissance und bei uns in der Barockzeit nach dem 30jährigen Krieg. Ihre Form -unten bauchig, oben spitz- passte wunderbar zur Kunstauffassung und zum Lebensstil des Barocks und galt "als Synthese aus der Bewegung ins Übersinnliche und dem Verharren in den Wölbungen des Sinnlichen".


Innenausstattung

Altarraum /Chorraum

Der Altarraum ist nicht eingezogen und schließt in drei Achteckseiten. An der Chordecke ein Rundfeld aus Stuck.

Altar

Der Altar stammt aus der Barockzeit, der Zeit des Wiederaufbaus der Kirche um 1719. Der Altaraufbau, die Retabel, wird von zwei Säulen gestützt. Die Stipes, der Altarblock unter der Altarplatte, ist verputzt, mit spitzbogigen Öffnungen auf allen vier Seiten; dort steht eine Vase mit frischen Blumen. Früher war dort die Grablegung Christi dargestellt. 
In einer rundbogigen Nische zwischen dem Säulenpaar sitzt eine Figur der Pietá (Vesperbild). Die gekrönte Maria trauert um ihren toten Sohn Jesus, der auf ihrem Schoß liegt, ebenso wie Johannes und zwei Frauen, die hinter ihr abgebildet sind. Darüber die Inschrift: "Du Mutter der Schmerzen, bitte für uns." (um 1550).
Die Darstellung der Muttergottes mit ihrem toten Sohn auf dem Schoß entspricht keinem Bibelbericht. Nach dem Johannesevangelium stand Maria zwar unter dem Kreuz; ihre Anwesenheit bei der Kreuzabnahme ist aber nicht belegt. Den Namen Vesperbild erhielten sie, weil die Zeit, die im Stundengebet der Mönche und Nonnen der Trauer um den Tod Jesu gewidmet wird, der Sonnenuntergang ist, die Zeit der Vesper.
...mehr zu Pietà -Darstellungen im Landkreis...
Auf Volutenkonsolen stehen neben der Pietà die Assistenzfiguren Auch sie stammen aus der Zeit der Spätgotik, um 1500 (andere Quelle: um 1600).
Links steht hl. Barbara mit einem Kelch in der Hand, zu ihren Füßen ein Turm. Diese Figuren stammen.
Die Figur rechts, stellt die hl. Katharina von Alexandrien dar, die sich auf ein Schwert stützt.
  Katharina, die Königstochter aus Zypern, ist eine legendäre Gestalt. Sie soll im Jahr 306 wegen ihres Glaubens und ihrer großen Überzeugungskraft ausgepeitscht, gerädert und -als das Rad zerbrach- enthauptet worden sein. Seit dem ausgehenden Mittelalter gehört sie zu den beliebtesten Heiligen und wurde deshalb im 15. Jh der Gruppe der 14 Nothelfer (Patronin der Theologen, Lehrer und Frisöre; Helferin bei Migräne) zugerechnet.
Barbara
ist eine legendäre Person. Das bildschöne Mädchen soll von ihrem heidnischen Vater, dem reichen Dioskuros von Nikomedia, während einer längeren Geschäftsreise in einen Turm geschlossen worden sein, um sie am Heiraten zu hindern. Barbara ließ im Turm ein Bad bauen, aber nicht wie vom Vater angeordnet mit zwei, sondern mit drei Fenstern, als Zeichen der Dreieinigkeit. Als der Vater zurückkam und merkte, dass sie Christin geworden war, ließ er sie geißeln, mit Keulen schlagen, die Brüste abschneiden und mit Fackeln brennen. Vor dem Tod bat Barbara Gott, dass alle, die der Passion Christi gedenken, vom Gericht Gottes verschont werden. Schließlich enthauptete der Vater die Tochter selbst, worauf er von Blitz getroffen wurde. Barbara gehört zu den 14 Nothelfern. Sie ist Patronin der Bergleute und -wegen des präzisen Blitzschlags- der Artilleristen. Der Kelch in ihrer Hand versinnbildlicht die einem Sterbenden gereichte letzte Kommunion (Viatikum) und verweist auf ihre Funktion als Sterbepatronin.
Im Altaraufsatz ist das Schweißtuch der Veronika mit dem Antlitz Jesu dargestellt, das angeblich von Hans Leder (Loder) aus Tödtenried (1719), der auch die Kirchendecke gefertigt hat, gemalt wurde.
Nach der Legende erhielt die hl. Veronika einen Abdruck von Jesu Gesicht (mit Dornenkrone) auf einem Schweißtuch, das sie ihm auf dem Kreuzweg reichte. Der Name Veronika geht wahrscheinlich auf das lateinische"vera icon" = wahres Bild (Jesu) zurück.)

Das Bild wird von Engeln, flankiert, die die Leidenswerkzeuge (Nägel, Lanze, Hammer, Ysoprohr mit Schwamm) tragen.
Hinweis zum Ysop-Schwamm mit Essigwasser:
Der 60 cm hohe Ysop ist ein aromatisch duftender Halbstrauch mit meist blauen Blüten. Er gehört zu den Mysterien-pflanzen des Altertums und wird im Mittelmeerraum seit etwa 2000 Jahren als Heilpflanze verwendet. Personen und Dinge, die mit einem Leichnam in Berührung gekommen waren, wurden mit dem Ysopbüschel besprengt. "Reinige mich mit Ysop und ich werde frei von Schuld sein" steht in der Bibel (Psalm 51,7).




Dass dem sterbenden Jesus am Kreuz Wasser mit Essig vermischt gereicht wurde, war für diese Zeit üblich. Leicht gesäuertes Wasser wurde viel getrunken. So erhielten z.B. die Soldaten auf ihren Fußmärschen größere Mengen verdünnten Weines oder Weinessigs. In der Passionsgeschichte ist deshalb davon auszugehen, dass die Soldaten Jesus das Getränk reichten, das sie gerade zur Verfügung hatten.

Dreiteilige Der Tabernakel besitzt eine Säulchengliederung mit vier Nischen. Die Verzierungen und Säulchen wurden 1949 durch den Maler Eixenberger teilweise erneuert. Das 41 cm große Tabernakelkreuz aus der Zeit um 1900 besteht aus Messingblech. Der Fuß ist mit Bandelwerkornament verziert, das Kreuz mit farbigen Steinen besetzt. Der Korpus gegossen und aufgeschraubt. Das Kruzifix wurde in sog. Treibarbeit, durch Hämmern auf der Rückseite des Metalls, hergestellt.

Neben dem Tabernakel stehen zwei sog. Bauernheilige.
links der hl.Wendelin (18. Jh.) mit Hirtentasche und Schäferschaufel. Er ist Schutzpatron für Flur und Vieh und Helfer, wenn Pest und Krankheit drohen,
rechts der hl. Leonhard (um 1700) im Abtsornat. Leonhard ist einer der 14 Nothelfer und ebenfalls Vieh- und Pferdepatron.
  Wendelin (555-617, ein schottischer Königssohn, war Schafhirte bei einem Edelmann in der Nähe von Trier. Später wurde er (ohne Priesterweihe) Abt des nahegelegenen Klosters Tholey. Während seiner Hirtenzeit kam der als räuberisch geschilderte Edelmann eines Tages unerwartet zur Herde und war erzürnt, dass Wendelin sich so weit entfernt hatte, dass er keine Befehle annehmen konnte. Doch als der Erboste in seinen Hof zurückkam, war Wendelin bereits dort. Tief erschrocken, bat der Edelmann Wendelin um Vergebung, baute ihm eine Zelle in der Nähe des benachbarten Klosters Tholey, dessen Mönche Wendelin zum Nachfolger ihres verstorbenen Abtes wählten, ohne dass Wendelin je Priester geworden war.
Leonhard (in Bayern einer der 14 Nothelfer) lebte um das Jahr 500 als Einsiedler und später als Abt in Frankreich. Regelmäßig besuchte er die Gefangenen und erreichte für viele beim König Clodwig I. ihre Freilassung. Deshalb galt er ursprünglich als Schutzpatron derer, "die in Ketten liegen", also der Gefangenen - und der Geisteskranken, die man bis ins 18. Jahrhundert ankettete; nach der Reformation wurde er Schutzpatron der Haustiere, weil man die Ketten, mit denen er abgebildet wurde, als Viehketten deutete. In Bayern erreichte die Leonhardsverehrung im 19.Jh ihren Höhepunkt. Am Leonhardstag, dem 6.November werden Leonhardiritte abgehalten und Tiersegnungen vorgenommen.

Hinter dem Altar ist der Zugang zur Sakristei, die sich im Untergeschoss des Turmes befindet.

Der Chorstuhl an der Südseite des Altarraums wurde um 1891 gefertigt. Er besitzt drei hochklappbare Sitze.

Die neuromanische Ewig-Licht-Ampel hängt an der südlichen Chorwand.
Sie besteht aus Messing und ist vergoldet (2.H.19. Jh).

Fenster

Im Fenster rechts hinter dem Altar  ist von den Dachauer Künstlern Hermann Stockmann (Entwurf) und von Syrius Eberle (Ausführung) ein Glasbild gestaltet (1935). Stockmann hat auch Glasbilder in Palsweis und Oberbachern entworfen.
Es zeigt die hl. Notburga mit Krug und in der Luft hängender Sichel . Als der Dienstherr seine Magd, die Heilige Notburga,  zwingen wollte, nach dem Feierabendläuten noch auf dem Feld zu arbeiten, warf sie die Sichel in die Luft, die dort hängen blieb.

 


K
irchenschiff /Langhaus

Die Langhausdecke ist durch Profilrahmen aus Stuck verziert. Bis 1719 befand sich dort ein Deckengemälde vom Friedberger Maler Johann Reismüller, das die Verkündigung Mariens zum Inhalt hatte.

Die Kirche hat keine Seitenaltäre.

Kirchenbänke

Die Kirchenbänke (links vier, rechts acht Reihen beidseits des Mittelganges) wurden 1891 von Thomas und Maria Haas (Sichler) gestiftet. Auf der Empore stehen zwei Holzschragen als Sitzgelegenheit.

Apostelleuchter Bild der hl. Familie St.Josef
3 Details (Figur, Apostelleuchter, Bild) per Mouseklick

Vortragekreuz

An der vordersten Kirchenbank ist ein Vortragekreuz auf einer rotweiß gestrichenen Stange angebracht. Es dürfte aus dem 19.Jh. stammen.

Apostelleuchter

An den Wänden sind die auf Holztafeln aufgemalten Apostelkreuzen mit den Apostelleuchtern angebracht.
Hinweis: Sie erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem,
dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlische Jerusalems.

Figurenausstattung

An den Wänden der Kirche stehen mehrere Heiligenfiguren

Nordwand

In einer Nische ist der hl. Rasso in Ritterrüstung mit gezogenem Schwert (um 1700) dargestellt, ein großer Wohltäter der Kirche aus dem Grafen-
geschlecht der Huosi, der die Klosterkirche von Grafrath gestiftet hat.
Hinweis: Rasso (900-954), nach der Überlieferung 2 Meter 50 groß, war Ritter, berühmter Feldherr und unternahm einen erfolgreichen Feldzug gegen die Ungarn. Aus Dankbarkeit wallfahrtete er nach Rom und ins Heilige Land, brachte wertvolle Reliquien mit und ließ hierfür in Wörth (dem heutigen Grafrath) ein Benediktinerkloster bauen. Er trat - kinderlos geblieben - selbst als Laienbruder in dieses Kloster ein. >Rasso wurde in der Klosterkirche bestattet, seine Gebeine werden heute im Glasschrein des Hochaltars aufbewahrt.

Darüber hängt eine Madonna im Rosenkranz (um 1700; andere Quelle: um 1600) mit dem Jesuskind auf dem Arm, einem Szepter in der Hand und einem Mond unter ihren Füßen.
Ich habe eine Sonderseite zu den Rosenkranzmadonnen in den Kirchen Dachauer Landes zusammengestellt. Wenn Sie interessiert sind, klicken Sie hier...
Die mit fast zwei Metern größte Figur ist die des beliebten Volksheiligen St. Sebastian (Anfang 17.Jh). Er ist an den Marterbaum gefesselt und von vielen Pfeilen durchbohrt. Die Figur soll früher in der Kirche von Großberghofen gestanden haben. Manche deuten diese Figur als Hinweis auf das Wüten der Pest im 30-jährigen Krieg auch in Machtenstein (1634/1635). Da um die Kirche herum jedenfalls keine Gräber gefunden wurden, hätte wohl ein Pestfriedhof angelegt werden müssen. Auch der konnte aber bisher noch nicht entdeckt werden.   
Die Figuren des hl. Josef und des hl. Antonius aus dem 18. Jh., jeweils mit Jesuskind und der Lilie der Keuschheit dargestellt, waren ursprünglich für die Pfarrkirche in Kreuzholzhausen bestimmt. Seit dem Mittelalter gelten weiße Lilien als Symbol für Reinheit und Keuschheit. In der Hand Josefs soll diese Blume letztendlich besagen, dass Josef eine nach ihm benannte "Josefsehe" führte und er deshalb nicht der natürliche Vater Jesu gewesen sein kann.

Joseph war der Vater Jesu - oder Ziehvater Jesu, da nach altchristlicher Überzeugung Jesus der Sohn Gottes ist und durch den Heiligen Geist im Schoß der Jungfrau Maria gezeugt wurde. Joseph stammte aus dem Geschlecht des Königs Davids, aus dem nach dem Zeugnis des Alten Testaments der Messias hervorgehen werde. Er lebte als Zimmermann in Nazareth. Seit dem Mittelalter gelten weiße Lilien als Symbol für Reinheit und Keuschheit. In der Hand Josefs soll diese Blume letztendlich besagen, dass Josef eine nach ihm benannte "Josefsehe" führte und er deshalb nicht der natürliche Vater Jesu gewesen sein kann. Gedenktag: 19. März

 

 

Antonius lebte im 13.Jh und war ein begnadeter Redner, der sich gegen die Sekten der Katharer, Albigenser und Waldenser wandte. Seine Fastenpredigten in Padua 1231 hatten einen sensationellen Erfolg, denn die ganze Region schien danach wie umgewandelt: Schulden wurden erlassen, zerstrittene Familien versöhnten sich, Diebe gaben das gestohlene Gut zurück, unrechtmäßige und überhöhte Zinsen wurden den Schuldnern zurückerstattet. Bis heute gilt in Italien ein damals erlassenes Gesetz, dass niemand mit seinem Leben und seiner Freiheit für eine Schuld haften solle, sondern nur mit seinem Eigentum. Antonius wird als Hilfe zum Wiederauffinden verlorener Gegenstände angerufen und gilt deshalb als "Patron der Schlamperer". Dies geht auf zwei Legenden zurück: Als ihm ein Manuskript gestohlen worden war, betete er so lange, bis der Dieb damit zurückkehrte. Schöner ist die zweite Legende, nach der er einem Geizhals half sein Herz zu suchen und es in einer Geldtruhe fand. Die Darstellung mit dem Jesuskind auf seinem Arm ist bei uns erst seit dem 17.Jh verbreitet; sie verweist auf eine seiner Visionen, die er beim Bibellesen hatte.

Südwand

Neben dem Altar steht eine Anna selbdritt-Figur (um 1700): Maria steht als junges Mädchen vor ihrer 
Mutter Anna, die wiederum das Jesuskind (mit Apfel) auf ihrem Arm trägt. Alle drei Personen tragen einen Heiligenschein (Nimbus) in Form eines Strahlenkranzes.
  Das Motiv der Anna selbdritt kam erst im 15. Jh. nach Bayern, kurz bevor Papst Sixtus IV. 1481 den Festtag der Anna in den römischen Kalender aufnahm. Die Verehrung Annas als Mutter der Jungfrau Maria erreichte damals ihren Höhepunkt. Die Bezeichnung Anna selbdritt gibt an, dass Anna selbst wiedergegeben ist und dass sie zu dritt sind. Anna, die Mutter Marias, wird meistens als reife Frau dargestellt; häufig mit grün-roter Kleidung, um den Kopf ein Tuch als Zeichen der verheirateten Frau und um den Hals den Goller, den breiten weißen Frauenkragen. Meist hat Anna das Jesuskind und Maria auf dem Arm; manchmal steht Maria zu ihren Füßen, so wie hier in Machtenstein. Fast immer wird Maria als Kind oder als junges Mädchen dargestellt. Diese Komposition gehört zu den anachronistischen Bildern, weil bewusst zeitliche Abfolgen außer Betracht gelassen werden. Das Motiv der Anna selbdritt ist ein Sinnbild für die Entwicklung, Kontinuität und Weitergabe des Lebens, für den ewigen Kreislauf der Natur. Die drei Personen Anna, Maria und das Kind umfassen den gesamten Lebenszyklus von Jugend über Reife bis hin zum Alter. Sie beinhalten das Gewesene, das Jetzige und das noch Kommende.

Im Kirchenschiff ist eine Figur der hl. Äbtissin Ottilie (um 1700, andere Quelle: 1500), dargestellt mit den Attributen Äbtissinnenstab und einem Buch mit daraufliegenden Augäpfeln angebracht.

Die Legende berichtet, dass ihr Vater seine blind geborene Tochter Odilia töten lassen wollte, die Mutter Bethsvinda sie aber retten konnte und durch eine Amme in das Kloster "Palma" - wohl das heutige Baume-les-Dames - bringen ließ. Dort wurde Odilia das Augenlicht geschenkt, als der durch einen Engel zu ihr gewiesene Wanderbischof Erhard von Regensburg sie taufte. Ein Kelch, aus dem Ottilia die letzte Kommunion empfangen hatte, wurde noch 1546 auf dem Odilienberg gezeigt, lange Zeit gab man den Pilgern aus ihm zu trinken. Auf dem Odilienberg liegt Odilia bestattet; er gilt als der "heilige Berg des Elsass", Odilias Grab ist eine der bedeutendsten Wallfahrtsorte in Frankreich.

Kruzifix mit einem wundenübersäten Corpus (möglicherweise aus dem Ende des 17. Jh.)  
  Hinweis: In den frühchristlichen Kirchen wurde das Kreuz ohne den Corpus des Gekreuzigten angebracht. Dann aber wurde Christus am Kreuz als lebender und über den Tod triumphierender, göttlicher Sieger mit geöffneten Augen und in aufrechter Haltung dargestellt. Erst im hohen Mittelalter (etwa seit dem 12. Jh) setzte sich die Abbildung des leidenden und toten Gekreuzigten, die Betonung des Menschseins Jesu durch, wie wir es von unseren Kirchen kennen.

Opferstock

Der 49 cm hohe Opferstock auf einem Holzpflock,ist am Gestühl angebracht. Er ist mit Schmiedeeisen beschlagen und mit zwei Schlössern gesichert (wohl 19. Jh).


E
mpore

Die Kirche hat keine Kanzel und keine Orgel. Die Emporenbrüstung ist in Holz natur gearbeitet und stammt wohl aus der Zeit des barocken Umbaues um 1719.
An der Rückwand der Kirche unter der Empore hängt ein Bild der hl. Familie, die in einem Spruch darunter um Sterbebeistand angerufen wird ("Jesus, Maria u. Joseph stehet uns bei, in unserem letzten Ende !").
Das Bild zeigt Maria und Josef und das Jesuskind sind beim Spazierengehen; diese Darstellungsart wird auch "Heiliger Wandel" genannt. Der Heilige Wandel symbolisiert das Schreiten auf dem Lebensweg und soll zu christlicher Lebensführung mahnen.
Das 117 x 104 cm große Ölgemälde (auf Leinwanduntergrund) wurde 1879 von Anton Huber aus Dachau gemalt.
Mehr über das Schaffen von Anton Huber in den Kirchen des Dachauer Landes finden Sie hier...

Kriegerdenkmal

Neben dem Bild sind die Gedenkplatten für die Gefallenen beider Weltkriege angebracht. Darauf stehen auch die Namen der fünf Burschen und Männer, die am 12. Juli 1944 durch den Notabwurf einer Bombe der Amerikaner in Machtenstein ums Leben kamen. Bei diesem Unglück wurde auch der Kirchendachstuhl verschoben.

Reliquiar

Die Kirche besitzt noch ein Reliquiar mit einer Kreuzpartikel. Sie wird nur um die Pfingstzeit in die Kirche gebracht, wenn nach der Messe der Wettersegen erteilt wird. Das Reliquiar besteht aus Silber und ist teilvergoldet (neuversilbert). Das klassizistische Dekor spricht für eine Herstellung um 1790. Über dem runden Fuß mit breiter, durchbrochener Zarge durchbrochen erhebt sich der Schaft mit einem Nodus in klassizistischer Vasenform. Im hochovalen Schaugefäß ist der Kreuzsplitter in ein Glaskreuz eingebettet. Umgeben wird der das Schaugefäß von Blattwerk mit farbigen Steinen. Dahinter ein Strahlenkranz. Goldschmiedezeichen, die auf den Künstler schließen lassen, sind nicht mehr sichtbar. Interessant ist, dass die Reliquienkästchen durch das bischöfliche Ordinariat offiziell versiegelt werden mussten, um den Reliquiendiebstahl zu verhindern.

Hans Schertl


Quelle:
Dr. Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874
Theodor Bitterauf, Die Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (Nr.1683)
Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
Max Gruber, Kistler, Schreiner und Drechsler aus dem Amperland, Amperland 1975/4
Alois Angerpointner, 900 Jahre Machtenstein, Amperland 1983/3
Putz/Niederle, Kirchen und Kapellen im Gemeindebereich Schwabhausen, 1988
Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV, 1990
Maria Thanbichler in der Reihe "Die Kirchen im Pfarrverband Bergkirchen" ca.2000
Karl Grüner, "Unten bauchig, oben spitz", Münchner Kirchenzeitung, v. 25.9.2005 und vom 2.10.2005
Eduard Kopp in Chrismon 06.2007 (Essigwasser)
Manfred Bergmeister, Grabkreuzausstellung Hebertshausen, 2007 (Missionskreuz-Überdachung)
25 Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Landkreis Dachau - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

11.6.2010