zur Landkreiskarte         ausführl.Beschreibung       Kirchen i.d. Gem. Schwabhausen

Pfarrkirche St. Michael in SCHWABHAUSEN

Sonnenuhr
Außenansicht noch vor der Renovierung 2009

Adresse: 85247 Schwabhausen, Kirchenstraße 9
Lage der Kirche auf der Landkarte ...


K
urzbeschreibung

Die Pfarrkirche St.Michael ist in einigen Teilen sehr alt, in anderen Teilen aber noch sehr jung.
Aus romanischer Zeit um 1300 stammt noch das Untergeschoss des mächtigen Sattelturms mit dem darin enthaltenen Chorraum (Chorraumkirche).
Das große Langhaus mit drei südlichen und zwei nördlichen Rundbogenfenstern ist dagegen ein Neubau von 1934.Der Turm besitzt drei Geschosse, die durch Rechteckblenden und ein Rundbogenfries mit Deutschem Band gegliedert sind. Hinter den doppelten rundbogigen Schallfenstern hängen drei Glocken aus den Jahren 1878 und 1920.

Die südlich an den Turm angebaute doppelgeschossige Sakristei wurde wahrscheinlich 1884 erbaut.
An ihrer Stirnseite eine schöne Sonnenuhr


Sonnenuhr

Innenausstattung

Der Altarraum besitzt die Ausmaße des Turm-Grundrisses und ist deshalb naturgemäß stark eingezogen. Die Decke besteht aus einem Kreuzgewölbe.

Am Choraltar steht die Skulptur des hl.Michael mit Flammenschwert im Kampf gegen den Teufel in Drachenform.Assistenzfiguren sind Johannes der Täufer (links, mit Lamm) und der hl.Rochus (in Pilgerkleidung).

Seit November 2009 besitzt Schwabhausen einen neuen Zelebrationsaltar und ein neues Taufbecken.

Das Deckengemälde im Kirchenschiff (Maler Wilhelm Rudolf Grau, 1945) zeigt den Papstbesuch in Schwabhausen im Jahr 1782.

Über dem Chorbogen sind die bischöflichen Wappen von Kardinal Faulhaber und Reinh.Marx zu sehen.

Seitenaltäre:
Am linken Seitenaltar Altarblatt mit der Darstellung der Steinigung des hl. Stefanus (19.Jh). Im Auszugsgemälde des Asienmissionars Franz Xaver.
Das Altarblatt am rechten Seitenaltar aus dem Jahr 1849 zeigt die Muttergottes mit Jesuskind und den hl. Johannes Nepomuk im Aufsatz.

Wie auf dem linken Seitenaltar sind auch hier Reliquienschreine mit Klosterarbeiten aus dem 18.Jh. zu sehen.


zur vergrößerten Ansicht des Seitenaltars bitte klickenzur vergrößerten Ansicht des linken Seitenaltars bitte klickenKlosterarbeiten in der Predella KIrchenbänke KIrchenbänkeZelebrationsaltarGottvaterTabernakelAmboBischöfliche WappenMuschel-StuckJohannes  NepomukSt.Franz XaverReliquienReliquien2Reliquien3Annahand

19 Details (Altäre, Figuren und Seitenaltäre) per Mouseklick vergrößern

 An den Seitenwänden des Kirchenschiffs stehen viele Heiligenfiguren aus dem 18. und 20. Jh.:
- St.Leonhard, im Abtsgewand, mit  Viehketten in der Hand
- St.Dominikus im Habit des Dominikanerordens, mit Palmzweig in der Hand
- St.Georg mit Lanze den Drachen
- St.Christophorus mit Jesuskind auf der Schulter und einem großen Stock in der Hand

Zur Pfarrei St.Michael Schwabhausen gehören die Filialkirchen St.Laurentius Rumeltshausen und St.Kastulus Puchschlagen, die aus historischen Gründen beide eigene Kirchenverwaltungen mit Kirchenpflegern besitzen. Die Pfarrei zählt derzeit rd. 1850 Gläubige.


Die Gottesdienstordnung finden Sie hier...



Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen

 Geschichte:  Matrikel 1315  Matrikel 1524  Visitation 1560  30jähriger Krieg
 Matrikel 1738  Papstbesuch 1782  Pfarr-Zusammenlegg 1814  Beschreibg 1817
 Erweiterung 1831  Beschreibg 1880  Volksmission1896  Neubau 1934
 Pfarr-/Dekanatssitz    Alte Zeitungsberichte aus dem Pfarrleben
 Ausstattung:  Apostelleuchter  Ambo  Baubeschreibung  Choraltar
 Chorbogen  Deckenfresken  Ewig-Licht-Ampel  Figuren
 Kanzel  Kerzenständer  Kanzelkreuz  Kirchenbänke
 Kreuzweg  Orgel  Opferstock  Pfarrhaus
 Restaurierungen  Seitenaltäre  Taufstein  Turm
 Vortragekreuz  Zelebrationsaltar    Gottesdienstordnung

Der Ort Schwabhausen dürfte schon im 8.Jh entstanden sein; vielleicht im Zusammenhang mit der Ansiedlung von Schwaben durch Karl den Großen nach der Absetzung von Tassilo III. Damals lag Schwabhausen an der Römerstraße nach Augsburg. Der Ort wurde 1135 in einer Schenkungsurkunde des Klosters Indersdorf als Swaphusen erstmals schriftlich genannt.

Geschichte der Pfarrei und der Kirche

Matrikel von 1315
Die erste Erwähnung der Pfarrei Schwabhausen (mit einem Friedhof) findet sich in der Konradinischen Matrikel von 1315. Sie gehörte damals zum Dekanat Günzelhofen/Egenhofen.
Der spätromanische Satteldachturm mit Staffelfries über dem Chorraum hatte im Jahr 1315 wohl schon bestanden. Denn die Kirche von Schwabhausen ist eine Chorturmkirche, d.h., der Altarraum ist im Untergeschoss des Turmes untergebracht. Diese Bauweise war in der Romanik (bis 1300) weit verbreitet; die Bauten dienten wohl auch als Rückzugsräume im Falle eines feindlichen Angriffs (Wehrkirche).

Ob das Kirchenschiff in Schwabhausen, wie bei den anderen Kirchen der Umgebung, in gotischer Zeit neu gebaut worden ist, ist nicht bekannt, aber wahrscheinlich.

Viele Jahre war Schwabhausen dem Kloster Indersdorf inkorporiert, wie Papst Pius II. dies in einer Urkunde vom 20.12.1459 bestätigte. Inkorporation bedeutete, dass das Kloster die Seelsorge der Pfarrei ausübte und die nicht unerhebliche Baulast trug, dafür aber alle Pfarreinnahmen erhielt. Noch um 1500 wurde die Pfarrei von den Indersdorfer Chorherren betreut. Das schreibt zumindest der Indersdorfer Chorherr Georgius Penzl 1745 in seiner Chronik des Klosters Indersdorf; um 1520 sei dann die Schwabhausen gegen Ainhofen eingetauscht worden. Patronatsherr wurde das Freisinger Domkapitel. Das Pfarrwidum verblieb aber beim Kloster Indersdorf.

Das Domkapitel, der engste Mitarbeiterstab des Bischofs, war eine eigenständige juristische Person, die unabhängig vom Bischof selbst kirchlichen Besitz und Rechte haben konnte. Lediglich weltliche Geschäfte war ihm verwehrt; dafür benötigte das Domkapitel einen Vogt.


Matrikel von 1524
In der Sunderndorfer'schen Matrikel von 1524 wird Schwabhausen als eigene Pfarrei beschrieben. Damals hatte sie 70 Communicantes, also Gläubige ohne Kinder (zum Vergleich die Nachbarpfarreien: Rumeltshausen 44, Oberroth 100, Arnbach 145). Das Einkommen des Pfarrers war niedrig. Es betrug insgesamt 52 Gulden, wovon der größte Teil aus Messtipendien und Gebühren für andere seelsorgerische Leistungen (z.B. Beerdigungen, Taufen) stammte. Der Pfarrbauernhof gehörte ja dem Kloster Indersdorf. Von den Einnahmen musste er 16 Gulden Absenzgeld zahlen. Das Pfarrhaus und die dazugehörenden Wirtschaftsgebäude zeigten 1524 -dies wird eigens erwähnt- keine Schäden.


Visitationsbericht von 1560
Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation, eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet. Die Visitation wurde durch bischöfliche und durch herzogliche Bevollmächtigte durchgeführt. Grund war die durch die Reformation Luthers (1517) entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen des Bistums zur Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte. Durch die Visitation wollte der Bischof einen detaillierten Einblick in die religiöse Situation der Pfarreien gewinnen. Insbesondere sollte festgestellt werden, ob die Pfarrer und die Gläubigen noch die katholischen Lehre vertraten oder der neuen Lehre anhingen. Daneben interessierte die Prüfer die Lebensführung der Pfarrer sowie Umfang und Qualität ihrer religiösen Kenntnisse. Im Bericht über Schwabhausen heißt es, Pfarrer sei Wolfgang Eckhart sei als Sohn des früheren Pfarrers in Schwabhausen geboren und nach 15jähriger Tätigkeit in Mammendorf an seinen Heimatort versetzt worden.
Die Befragung über das theologische Wissen und die seelsorgerische Praxis ergab keine negativen Auffälligkeiten. Doch sei den Prüfern zu Ohren gekommen, dass der Pfarrer an Abstinenztagen Fleisch esse ["er eß an verbotten Tägen Fleisch"]. Pfarrer Eckhart hatte mit seiner Haushälterin fünf Kinder. Im Übrigen pflegte er aber einen ehrbaren, unverdächtigen Lebenswandel. Über die Pfarrei ist zu lesen, sie habe 200 Communicanten, alle katholisch und dem Glauben treu ergeben. Die Kirche mit drei wohlgezierten ["wol getziert"] Altären besitze ein gut verschlossenes Sakramentshaus, einen Taufstein sowie schöne und weniger schöne ["guet und beß"] Messgewänder.
Wenn Sie den ganzen Text des Visitationsberichts lesen möchten, klicken sie hier...

Neuer Taufstein 1630
Im Jahr 1630 hatte man in Schwabhausen für 30 Gulden einen neuen Taufstein machen lassen, der großenteils von Spendern finanziert wurde. Die Kirchenrechnung enthält hierzu den Eintrag: "Ainen Taufstain von Märbel (Marmor), darzue fraw Urßula Heiglin von Dachaw, Maria Gaillerin von Odlzhausen, Catharina Sedlmayrin von Ottmarschaff und ein gemain Zu Schwabhaußen yedes 5 Gulden verhaissen". Die Kirche hatte nur noch 10 Gulden zu tragen.



Auszug aus einer Karte
von Philipp Finkh -1655


Dreißigjähriger Krieg

Im 30jährigen Krieg erlitt Schwabhausen Plünderung und Brandstiftung. Alle früheren Urkunden gingen verloren, die Pfarrbücher wurden zerstört. Die Pfarrei war so sehr heruntergekommen, dass sie keinen eigenen Pfarrer mehr unterhalten konnte. Sie wurde durch die Pfarrherren von Oberroth, Kreuzholzhausen und Rumeltshausen mitbetreut.
Damals besaß das "schlechte (= schlichte) Kirchlein" drei Altäre. Der Choraltar war dem Patron St.Michael, die Seitenaltäre den Heiligen Stephanus und Sebastian geweiht. Eine Sakristei war noch nicht vorhanden; die Messgewänder wurden in einem Kasten wohl hinter dem Altar aufbewahrt.

Altarweihe 1707
Der 24. Juli 1707 war ein großer Feiertag für die Pfarrei Schwabhausen. An diesem Tag war der Fürstbischof Johann Franz von Eckher zu Gast. Er weihte die drei Altäre in der Kirche und spendete 40 Kindern das Sakrament der Firmung. Das Weihedatum bedeutet aber nicht zwingend, dass die Altäre erst kurz vorher neu beschafft oder renoviert worden wären. Es könnte auch sein, dass 60 Jahre vorher - im 30jährigen Krieg - die Altäre von Soldaten entweiht und kurz nach dem Krieg von den Schwabhausern wieder hergestellt worden sind. Da war eine Weihe nicht mehr möglich. Ab 1652 saßen nämlich nacheinander zwei nachgeborene Wittelsbacher Prinzen (Albrecht Sigismund von Bayern und Joseph Clemens von Bayern) auf dem Freisinger Bischofsthron, die mangels Bischofsweihe das geistliche Amt des Bischofs nicht ausüben konnten; Albrecht Sigismund besaß nicht einmal die Priesterweihe. Nach 40 Jahren kam 1695 mit Franz Eckher wieder ein echter Bischof an die Regierung, für den nach so langer Zeit ohne Kirchenweihen und ohne Firmungen viel zu tun war. Dieser kunstsinnige Bischof regierte sein Bistum von der Reisekutsche aus; er unternahm viele Pastoralreisen selbst in kleinste Dörfer seines Bistums.
Die Weihe der Altäre am 24.7. in Schwabhausen war Teil einer intensiven Weihewoche, die den Bischof innerhalb der 7 Tage vom 19.bis 25.7. in die Kirchen von Altomünster, Oberzeitlbach,Kleinberghofen, Westerholzhausen, Niederroth, Weyhern, Oberroth, Armetshofen, Schwabhausen Edenholzhausen und Welshofen führte. Am Abend des 24.Juli, nach der Altarweihe und der Firmung in Schwabhausen, weihte Bischof Eckher noch einen Altar in Edenholzhausen.

Matrikel von 1738
1738 wurde wieder ein Priester (Josef Hirner) installiert. Das berichtet die Schmidt'sche Matrikel von 1738/40. Die Zahl der Communicantes betrug, wohl wegen der Verluste durch den 30jährigen Krieg nur noch 120. Die Einnahmen und Ausgaben der Kirche verwalteten der Pfarrer und Landpfleger von Dachau. Das Pfarrhaus sei, so Schmidt, noch aus Holz gebaut. Es sei nicht mehr geeignet und bedürfe dringend einer Renovierung. Der Bericht schließt mit dem einzigen Satz in deutscher Sprache: "Das Vermögen dises Pfarr-Gottshauses hat sich letzthin auf 622 fl. (=Gulden) und 11 kr (=Kreuzer) erstrekhet" (zum Vergleich: Oberroth 1270 Gulden, Rumeltshausen 700 Gulden). Die drei "ansehnliche" Altäre, waren wie heute, St.Michael, der Jungfrau Maria und dem hl.Stephanus geweiht. Der Sebastiansaltar war also Marienaltar geworden. Kanonikus Schmidt schreibt, es sei auch ein Taufstein mit den heiligen Ölen vorhanden. Das Kirchweihfest und das Patrozinium würden zusammen am 29.Sept. gefeiert. Im Friedhof stehe ein Beinhaus. Im Turm hingen zwei geweihte Glocken.

Pest 1772
Im Januar 1772 brachte ein Handwerksbursche die Pest nach Schwabhausen. Es dürfte die letzte Pestepidemie im Dachauer Land gewesen sein. Viele Menschen starben, darunter auch der damalige Pfarrer Johann Georg Jacob, der aus der Posthalterfamilie stammte, sowie sein Nachfolger Anton Westermaier als letzter Pesttoter. Einen Zeitungsbericht, der sich mit dieser Epidemie befasst, können Sie hier lesen...

1779 beklagte sich der neue Pfarrer Georg Schenk bei seinem Dienstantritt darüber, dass das Gotteshaus in allerschlechtestem Zustand sei. Er sammelte bei den Pfarrangehörigen für neue Messgewänder und andere kirchliche Gerätschaften und versprach den Spendern, er werde für sie alle Sonntage ein öffentliches Vaterunser beten lassen und seine Nachfolger bitten, dieses Gedächtnis fortzusetzen.

Papstbesuch 1782
Schwabhausen hatte 1782 hohen Besuch. Hier stieg hier Papst Pius Vl. auf seiner Reise von Wien nach Frankfurt um, denn die Ortschaft war eine bedeutende Poststation auf der Straße von Dachau nach Augsburg. In Schwabhausen verabschiedete er sich vom Kurfürsten Karl Theodor, der ihn von München bis hierher begleitet hatte und vom Freisinger Bischof. Mit dem Besuch
in Österreich und Deutschland versuchte der Papst vergeblich, die von staatlicher Seite drohenden Kirchenreformen abzuwenden und aufklärerisches Gedankengut zurückzudrängen. Wenig später folgt in der Säkularisation die vollständige Enteignung allen kirchlichen Besitzes. Ein zeitgenössischer Berichterstatter schreibt über die Ankunft des Papstes: "...kein Fuhrwerk war heute unterwegs, das Lasten geführt hätte, kein Pflug, der gen Acker gegangen wäre, kein Dienstbote arbeitete, kein Webstuhl klapperte. Gottesfriede lag über den Gauen und es sammelten sich die von allen Seiten strömenden Menschen wie Heerscharen... Die Glocken huben an zu läuten. Die Menschen, welche die Straße säumten (man spricht von 15.000), beugten ihr Knie, sobald der Hl.Vater aus dem Fenster seiner Kutsche schaute und die segnende Hand über das gläubige Volk ausstreckte".
Die Adeligen der umliegenden Schlösser wurden ebenso wie die anwesenden Geistlichen zum Handkuss zugelassen. Papst Pius VI. starb übrigens 1799 im Alter von 82 Jahren als Gefangener Napoleons in Frankreich. An den hohen Besuch erinnern in Schwabhausen eine Gedenktafel am Wirtshaus und das Deckengemälde in der Kirche.

1783, ein Jahr nach dem Papstbesuch, musste die Kirche renoviert werden. Vor allem die Altäre waren baufällig. Der Schwabhausener Pfarrer Georg Schenk berichtete dem kurfürstlichen Geistlichen Rat, einem Vorgänger des heutigen Kultusministeriums, man müsse befürchten, dass jemand durch herabfallende Stücke beschädigt oder gar erschlagen werde. Schon zweimal sei eine Figur herabgefallen und einmal der Mesner, ein anderes Mal eine andere Person habe sich nur durch einen Sprung zur Seite retten können. Der Bildhauer Paul Arnoldt erstellte die Altäre, Mathias Fornfischer aus Tandern fasste (=bemalte) sie. Die Gemälde dazu lieferte der Münchner Maler Johann Haas. Figuren von Paul Arnoldt stehen auch in den Kirchen von Pipinsried, Altomünster, Niederrothund Bergkirchen.
10 Jahre später, 1793, lieferte der Kistler Schöpel von Weilbach neue Kirchenstühle.

1788 gab es Streit um die Gottesdienstzeiten. Der selbstbewusste Pfarrer Georg Schenk verlegte den Beginn des Sonntagsgottesdienstes von acht Uhr auf halb sieben Uhr. Dagegen wetterte vor allem der Wirt, weil er Geschäftseinbußen befürchtete. "Meine Poststation ist bekanntermaßen eine der meistbesuchten in Bayern, die Lage an der Straße nach Augsburg, Donauwörth und München macht sie dazu" schrieb er an den Kurfürsten. Fast täglich kämen er und seine Ehehalten (=Dienstboten) erst spät nach Mitternacht, an den Abenden vor einem Sonn- oder Feiertag sogar erst gegen zwei oder drei Uhr zur Ruhe. Bei so frühem Gottesdienstbeginn käme der Schlaf zu kurz. "Würklich, gnädigster Herr Herr" schreibt er weiter, "sind aus dieser Ursache schon einige meiner Leute nicht in die Kirche gekommen, denn Mensch bleibt Mensch, und ich kann dem Ehehalten, der den ganzen Samstag gerannt und geloffen ist, mit Billigkeit unmöglich zumuthen, dass er um 6 Uhr schon wieder heraus und die Kürche eilen soll". Und da die beim Posthalter Beschäftigten ein Drittel aller Gläubigen ausmachten, hatte der Protest schon einiges Gewicht. Der Wirt mutmaßte, dass der Pfarrer die neue Gottesdienstordnung nur eingeführt hatte, um ihm zu schaden. Neben dem Kurfürsten wurde auch der Bischof mit dem Fall befasst und der entschied sich für den Wirt: Der Gottesdienst begann wieder um acht Uhr.


Pfarr-Zusammenlegung 1814
In einigen Publikationen wird die Auffassung vertreten, im Jahr 1814 habe der Pfarrsitz zwischen Rumeltshausen und Schwabhausen gewechselt, d.h., Schwabhausen sei vorher Filiale von Rumeltshausen gewesen. Dies war aber nicht der Fall.
Ab 1814 wurde die Pfarrei Rumeltshausen aufgelöst und in die bestehende Pfarrei Schwabhausen eingegliedert. Damals kamen zu den 167 Gläubigen in Schwabhausen 72 Gläubige aus Rumeltshausen dazu; die Pfarrei gehörte aber immer noch zu den kleineren. In J.R.Buchinger historischen Nachrichten über das Landgericht Dachau wird berichtet: "Rumelzhausen besteht jetzt nicht mehr als eine eigene Pfarrey, sondern wurde am 19.October 1814 für immer mit der Pfarrey Schwabhausen vereiniget, die deßwegen einen Hülfspriester zu halten hat". Sämtliche Erträgnisse von Rumeltshausen sollen teils zur Haltung eines Hilfspriesters und teils zur Verbesserung der ebenfalls unzureichend dotierten Pfarrei Schwabhausen verwendet werden.

Die Vereinigung der beiden Pfarreien hatte nicht nur Freunde. Die Gemeinde Rumeltshausen widersetzte sich mit der Begründung, dass die Gläubigen wegen der vom Rothbach drohenden Wassergefahr unter keinen Umständen nach Schwabhausen kommen könnten. Die Kirche in Schwabhausen sei zu klein; außerdem sei der Pfarrhof in Rumeltshausen erst vor 12 Jahren gebaut worden. Doch der eigentliche
Grund für die Zusammenlegung waren wohl die geringen Einkünfte beider Pfarreien. Mayer/Westermayer schrieben 1880: "weil das Widdum, der Pfarrbauernhof, (in Rumeltshausen) an Gebäuden und Feldbau gänzlich vernachlässigt war und öde lag und weil die Pfarrei Schwabhausen dringend einer Aufbesserung bedurfte". Dem letzten Pfarrer von Rumeltshausen wurden mangelhafte Fähigkeiten bei der Bewirtschaftung der Pfarrgründe vorgeworfen, was ebenfalls die Entscheidung erleichterte.
Erster neuer Pfarrer der vergrößerten Pfarrei wurde ein Bewerber aus der Diözese Augsburg. Für Anton Hosemann war es eine wirtschaftliche Verbesserung, denn seine bisherige Pfarrei in Ebenried, sei, so schrieb er in seine Bewerbung, die ärmste Pfarrei im Königreiche. "Bitte um baldige Erlösung" flehte er und wurde auch deshalb erhört, weil er zugleich zusicherte, die Pfarrei ohne Hilfspriester zu führen.
Möglicherweise waren aber auch persönliche Gründe für den Amtswechsel maßgeben. Denn die Diözese Augsburg übermittelte ein Warnschreiben mit dem Inhalt, dass man gegen Pfarrer Hosemann ein Disziplinarverfahren wegen einer vermuteten sexuellen Beziehung zu seiner Dienstmagd Katharina Neuer eingeleitet habe.

Beschreibung 1817
Im Jahr 1817, drei Jahre nach der Vereinigung der Pfarreien Schwabhausen und Rumeltshausen, hat Pfarrer Hosemann seine neue Pfarrei beschrieben. Der 2005 erschienenen Chronik von Schwabhausen ist zu entnehmen, dass der Umfang der Pfarrei 1 1/2 Gehstunden betrug. Den vorher erwähnten Einwand der Rumeltshauser, der Rothbach verhindere den Kirchgang nach Schwabhausen, ließ Pfarrer Hosemann nicht gelten: "Im Süden aber bildet der Bach (Roth genannt) zu beyden Seiten des Gestades wegen seiner vielen Krümmungen und gehemmten Abflüsse viele sumpfige Wiesen, deren Ausdünstung einen nachteiligen Einfluß für die Gesundheit haben soll. Doch wird die Communikation mit Rumeltshausen niemals unterbrochen, denn über die Hälfte des Weges geht man auf der Landstraße von Augsburg nach München fort und von der Landstraße weg führt ein auch zur Regenzeit gut zu passierender Fußweg nach Rumeltshausen; überdies beträgt die Entfernung nur eine gute halbe Stunde". Das Schwabhausener Pfarrhaus sei "von Steinen gut gebaut und mit einem großen Garten umgeben".
Der Pfarrbauernhof war 112 Tagwerk (37 ha) groß. Er trug mit 1414 fl (=Gulden) zu den Einkünften des Pfarrers bei (17 Jahre später waren es nur noch 891 fl). Dazu kamen 1000 fl aus den Zehenten, 15 fl aus Jahrtagsstiftungen, 45 fl an Stolgebühren (Taufen, Beerdigungen) und 16 fl für das sog. Kirchweihbrot. Bei Ausgaben von 1.937 fl betrug das Reineinkommmen 555 fl.
Die Kirche beschreibt er als alt, nicht groß, etwas dunkel und derb. Die Sonntagsgottesdienste werden zweimal in Schwabhausen, einmal in Rumeltshausen gehalten. Während der Woche fänden in Schwabhausen zwei Gottesdienste statt.


Erweiterung der Kirche 1831

Im Jahr 1831 hat man das nach der Vereinigung mit Rumeltshausen zu kleine Kirchenschiff abgetragen und durch einen etwas längeren und breiteren Neubau (12 x 8 Metern außen) mit steilerem Dach ersetzt. Die Innenmaße: Länge: 16 m, Breite: 7,30 m, Höhe Chor: 4,40 m, Höhe Schiff bis zum Dachgiebel: 5,90 m, Höhe Turm: 19,20 m.


Beschreibung 1880

Kirche und Pfarrei Schwabhausen sind auch in der "Statistischen Beschreibung des Erzbisthums München-Freising" aus der Zeit um 1874-80 enthalten, die zunächst der Benefiziat Anton Mayer und später Pf. Georg Westermayer als Buch veröffentlicht haben:


Geographie: "Die Pfarrei hat 300 Seelen in 49 Häusern. Davon wohnen 187 Gläubige (in 32 Häusern) in der Ortschaft Oberroth selbst, die Übrigen in Rumeltshausen 89 (12) und in Stetten 24 (5). Der Umfang der Pfarrei beträgt 5 km. Die Wege sind gut."

Pfarrei: "Präsentationsrecht liegt beim Domkapitel. Die Kirchenrechnung weist bei 3300 Mark Einnahmen und 175 Mark Lasten einen jährlichen Reinertrag von 3125 Mark aus. Das Widum (=der Pfarrbauernhof) umfasst Grundstücke von 100 Tagwerk (= 34 ha) Fläche der Bonität 12. Das Pfarrhaus -Erbauungsjahr unbekannt- ist geräumig, passend und auf der Nordseite etwas feucht. Das Ökonomiegebäude wurde 1852 neu erbaut. Die Matrikelbücher beginnen 1653. Im 1865 gekauften Schulhaus (einem früheren Privathaus) unterrichtet ein Lehrer 70 Werktags- und 38 Feiertagsschüler".
Kirche: "Erbauungsjahr unbekannt. Restaurirt 1850. Renaissancestyl. Presbyterium im Thurme. Geräumigkeit zureichend. Baupflicht liegt bei der Kirchenstiftung. Sattelthurm mit drei Glocken, jede derselben trägt die Inschrift: "Gegossen von Ulrich Kortler, Glockengießer in München 1878; die große außerdem noch: "Joseph bin ich getauft. Joseph Rothenfusser, Posthalter sen. hat mich gießen lassen." 3 Altäre (davon 2 als portatile); Orgel mit 6 Registern. Grabsteine der ehemaligen Pfarrherrn: Martin Gezel + 1728 mit gemaltem Wappen, Corbinian Gartner, +1738, Joh.Georg Jakob +1772, Lorenz Kugler, + 1779. Cemeterium (=Friedhof) ohne Kapelle. Gottesdienste im Wechsel mit Rumeltshausen (dort jeden 3.Sonntag). Stiftungen: 30 Jahrtage und 16 Jahrmessen. Es gibt einen christlichen Mütterverein, oberhirtlich errichtet am 16.5.1880. Den Meßnerdienst versieht der Lehrer mit einem Vicemeßner, den Cantordienst der Lehrer. Vermögen der Kirche: 17.400 Mark".


1884/85 hat man die Sakristei vergrößert. Dies war dringend nötig, denn der alte Bau hatt nur eine Höhe von 1,90 m und die Breite sei so beschränkt gewesen, heißt es, "dass sich kaum ein Herr recht bewegen konnte". Man setzte auch noch ein Stockwerk darauf, das als Oratorium diente. Die Gebrüder Kraft bemalten die Decke des Langhauses mit einer Darstellung der Himmelfahrt Mariens. Auch für eine neue Orgel von der Fa. Max März & Sohn reichte das Geld.

Volksmission 1896
1896 fand unter Pfarrer Rahm (wie schon 1882 zur 100-Jahrfeier des Papstbesuchs) eine Volksmission statt. Missionsprediger waren Kapuzinerpatres. Wegen des beschränkten Platzangebots in der Kirche wurden neben den Prozessionen auch die Gottesdienste und Predigten im Freien abgehalten. Dazu war eine Genehmigung des Bezirksamtes Dachau notwendig. Die Behörde ließ sich aber mit dem Bescheid viel Zeit und zögerte die Entscheidung durch wiederholte Rückfragen hinaus. Diese Schikane sorgte bayernweites Aufsehen und erreichte auch die Abgeordnetenkammer in München. Schließlich rügte auch das Innenministerium das Vorgehen des Bezirksamts. Der Gemeinderat erließ für die Zeit der Mission (vom 25.-31.5.) ein Verbot für das Hausieren, damit alle zur Kirchen gehen konnten und nicht aus Sicherheitsgründen immer eine Person im Hause bleiben musste. Am Ende der vom 25.-31.5. durchgeführten Mission wurden Erinnerungsbildchen verteilt. Sie enthielten neben dem Motto der Mission: "Rette Deine Seele - nur eins ist nothwendig: keine Todsünde mehr" auch verschiedene Sprüche und Ratschläge. Die Hervorhebung einzelner Buchstaben (die zugleich römische Zahlensymbole sind) ergab für jeden Spruch ein Chronogramm mit dem Ergebnis "1896".
Weitere Volksmissionen fanden übrigens in den Jahren 1900, 1919, 1931, 1949 und 1966 statt. Pfarrer Rahm hatte dazu eine Stiftung eingesetzt, aus deren Zinsen die Kosten der Mission getragen werden sollten.
Die Intensität der religiösen Veranstaltungen zeigt ein Tagesablauf bei der Mission am 6.11.1919:
6:00, 6:30, 8:00 Uhr hl.Messen, 13:30 Uhr Standeslehre, 15:30 Uhr Rosenkranz, 16:00 Uhr Predigt mit Bußgebet.

Pfarrei
Im Jahr 1922 wurden die rechts des Rothbaches und südlich der Hauptstraße gelegenen Häuser, die bis zu diesem Zeitpunkt zu Sickertshofen und damit zur Pfarrei Kreuzholzhausen gehörten, nach Schwabhausen umgepfarrt. Damit gehörte das ganze Siedlungsgebiet des Ortes zur Pfarrei. Vier Jahre später kam auch die Einöde Rothhof dazu. Als bisher letzte Änderung der Pfarreigrenzen wurde 1977 der Ort Puchschlagen von Kreuzholzhausen nach Schwabhausen umgepfarrt.


Neubau 1934
Im Jahr 1934 (Beginn 28.Mai) hat man das dreiachsige Kirchenschiff abgebrochen und innerhalb eines halben Jahres (mit 52 Arbeitern) völlig neu aufgebaut. Den Entwurf lieferte Architekt Richard Steidle, München, die Bauausführung übernahm die Fa. Baumgartner. Beim Bau fand man eine römische Weiheschale, was auf die frühe Besiedlung an der Römerstraße hinweist. Das Kirchenschiff ist nun 21 m lang (vorher 12 m) und 11,50 m breit (vorher 8 m). Dazu kommt noch der unter dem Turm liegende Altarraum mit rd. 4 m. Zur Finanzierung der Baumaßnahme wurde eine Kirchenumlage beschlossen, die der Pfarrer persönlich bei den Gläubigen abholte. Am 15. November 1934 weihte Kardinal Michael von Faulhaber die Kirche ein. Über die Konsekration der Kirche ist im Amperboten ein Bericht erschienen. Wenn Sie ihn lesen möchten, klicken Sie hier...

Pläne für den Neubau hatte es schon vor dem Ersten Weltkrieg gegeben. Im Visitationsbericht von 1912 war vermerkt, dass für die Kinder fast keine Plätze vorhanden waren. Auch die Aufstellung des Taufsteins war aus Platzmangel nicht möglich. Sogar schon unter Pfarrer Rahm (1875-1901) war eine Vergrößerung geplant, die der Pfarrer sogar selbst bezahlen wollte. Doch dies scheiterte, weil ein Grabbesitzer die Ruhestätte seiner Frau nicht verlegen lassen wollte.

1921 wollte Pfarrer Höckmair die damals noch zur Pfarrei Kreuzholzhausen gehörende Kapelle in Sickertshofen abtragen lassen und die Steine als Baumaterial für die Erweiterung der Pfarrkirche verwenden. Der damalige Besitzer der Kapelle, ein Mennonit, hatte sein Einverständnis schon erklärt. Das Ordinariat in München lehnte den Antrag glücklicherweise ab.

Dekanatszugehörigkeit
Diese Pfarrei gehörte Jahrhunderte lang zum Dekanat Egenhofen. 1871 wurde sie mit den im Landkreis Dachau liegenden Pfarreien Oberroth, Arnbach, Walkertshofen und Welshofen dem Dekanat Sittenbach zugeteilt. Ab 1924 hieß dieses Dekanat Altomünster (wegen "der vormals angesehenen Abtei und der vom hl.Bonifatius geweihten Kirche"] und seit 1973 Indersdorf.

Restaurierungen:
1848-50 hatte man das Innere restauriert; alle Altäre wurden neu gefasst, Seitenaltäre und Kanzelkorpus erhielten neue
        Gemälde von Anton Huber, die Empore wurde vergrößert.
1922 Außenrenovierung (Pfarrer Höckmayr erklärte danach, es wäre zu wünschen,dass das Äußere der Kirche dem Inneren der
        Pfarrangehörigen entspräche).
1963 wurden Kirche und Turm außen restauriert;
1967 gestaltete man im Zuge der Innenrenovierung insbesondere den Altarraum um (Altar nach hinten, Assistenzfiguren nach
        außen, Kanzelkreuz an den Chorbogen, Aufstellung des Volksaltars).
1981/82 war wieder eine Außenrenovierung an der Reihe; der Turm erhielt dabei neue Ziffernblätter.
2004 entfernte man den Beichtstuhl und die hinteren Kirchenbänke, um einen großzügigen Eingangsbereich zu schaffen
2009 hat man die Kirche innen und außen renoviert und gründlich umgestaltet. Dabei wurden auch einige Veränderungen durch
        frühere Renovierungsmaßnahmen zurückgenommen und ein neuer Zelebrationsaltar sowie ein neuer Ambo eingebaut.
        Die Neugestaltung des Altarraums, wurde im Juni 2010 von der Bayerischen Architektenkammer als herausragendes Beispiel
        gelungenen Bauens geehrt.

Bittgänge
Aus den Kirchenrechnungen ist bekannt, dass die Schwabhausener alljährlich Kreuzgänge nach Inchenhofen (zum hl.Leonhard) und nach München (wohl zum hl.Benno, der in der Frauenkirche verehrt wurde) unternommen haben. Die Fahnenträger und Sänger ("Fahnnentrager, Singer und andern, so daß Fahnnentrichel getragen") sowie der mitwallfahrende Pfarrer erhielten ein kleines Zehrgeld, das in der Kirchenrechnung von Rumeltshausen verbucht wurde.
Die Verehrung des hl.Benno in Bayern entstand erst im 16.Jh im Zusammenhang mit der Reformation. St.Benno, der von 1066 bis 1106 in Meißen als Bischof gewirkt hatte, wurde am 16.Juni 1524 zur Ehre der Altäre gehoben. Luther verurteilte diese Heiligsprechung in seiner Schrift "Wider den neuen Abgott und alten Teufel, der zu Meißen soll erhoben werden" aufs Schäfste. Als Sachsen 1539 protestantisch wurde, hat man das Grabmal Bennos geöffnet und seine angeblichen Gebeine in die Elbe geworfen. Allerdings behauptete der letzte Bischof von Meißen, der später übrigens selbst die evangelischen Konfession annahm, schon vorher die Gebeine aus dem Sarg entfernt und die Sekundärreliquien, das Messgewand, Mitra und Bischofsstab in Sicherheit gebracht. Sie wurden 1576 (wohl gegen einen ansehnlichen Betrag) zusammen mit einem Wunder-Verzeichnis dem bayerischen Herzog Albrecht V. überlassen. 1580 hat man die Gebeine in der Münchner Liebfrauenkirche beigesetzt, wo sie nun das Ziel vieler Wallfahrer aus dem bayerischen Land waren. Maßgeblich dafür waren sicher seine Patronate für München und Altbaiern sowie seine Funktion als Wetterheiliger.

Zeitungsberichte aus dem Pfarrleben
Die Dachauer Zeitungen haben in den letzten 120 Jahren immer wieder aus dem Pfarrleben berichtet. Diese Berichte befassen sich nicht unmittelbar mit den Kirchengebäuden, vermitteln aber einen ergänzenden Eindruck aus der damaligen Zeit. Dabei handelt es sich um Berichte von Glockenweihen, einer Kirchenkonsekration und Priesterjubiläen
Wenn Sie daran interessiert sind, klicken Sie hier...


Baubeschreibung

Die Kirche liegt auf einer kleinen Anhöhe im Dorf. Sie ist von einem 1934 neu ummauerten Friedhof umgeben.
Der 4 Meter lange und breite Chor liegt im Untergeschoss des Turmes (Chorturmkirche)
Das rd. 80 Jahre alte vierachsige Kirchenschiff mit einer Länge von 21 Metern und einer Breite von 11,5 Metern wird durch drei südliche, zwei nördliche Rundbogenfenster (von Syrius Eberle, Dachau) aus hellgetöntem Antikglas in Rechteckverbleiung erhellt. An der Westseite weitere vier Fenster.
In die südliche Außenseite des Kirchenschiffs sind Epitaphe für Pfarrer aus Schwabhausen eingelassen (von West nach Ost)
1842
1938
1681
1772
17.Jh.
1728
1779
1800
  Hinweis: Epitaphe gibt es in unseren Kirchen erst seit dem 14. Jh. als Gedächtnismal für einen Verstorbenen in Form einer Steinplatte, die innen oder außen an der Kirchenwand senkrecht aufgestellt wird. Epitaphe (griech. Grabinschrift) wurden für diesen Zweck eigens angefertigt; sie sind keine früheren Grabplatten. Das Epitaph ist auch kein Grabmal, weil sich weder dahinter noch darunter ein Grab befindet.

17.Jh.
für Pfarrer Michael Bauman, 17. Jh., Rotmarmor (Maße: 63 x 42 cm)
1681
für Pfarrvikar Calvarus Bindtnagl, 28. 12. 1681, gebrannter Ton (Maße: 42,5 x 32,5 cm)
Text: "Anno 1681 den 28 Decembris ist Casparus Pindtnagl Pfarrvicarius zu Shwabhausen in Gott seelig vershide dem Gott genedig sein wolle. Amen."
1728
für Pfarrer Mardin Gezel (Martin Goetschl) 1728, Kalksandstein (Maße: 80 x 53 cm)
Text: "Alhier ligt begraben Mardin Gezel gewener Pfarrer in Schwabhausn Gott geb inen die ewig Ruhe. MDCCXXVIII". Goetschl starb übrigens am 5.Februar 1727 (!).
1772
für Pfarrer Johann Georg Jacob, 12. 3. 1772, Kalksandstein (Maße: 80 x 59 cm)
Text: "Hic Dormit JACOB et SCALAMCOELI Vigili intuetur OCULO
Tu Viator. Pio eius Capiti Suppoue Lapidem Adiutorii.
Et Laboribus celso Requiem. Precare Sempiternam. Ita effcagitat Adm.Rev.AC Exim. D.JOAN. GEORG IACOB
Vigil. Eccliae huius Par.quem Zelus Domus Dni Comedit 12.Mart.1772"
Pfarrer Jacob war das älteste von elf Kindern des Schwabhausener Posthalters Franz Jacob. Nach nicht einmal zweijähriger Dienstzeit in seinem Heimatort ist er der Pest zum Opfer gefallen. Auch sein Nachfolger Anton Westermaier starb noch im selben Jahr an dieser Seuche. Einen Bericht über diese Pestepedimie können Sie hier lesen..
1779
für Pfarrer Lorenz Kugler, 13. 7. 1779, Kalksandstein (Maße: 55 x 40 cm)
Text: Hier ruhet der hochwürdige in Gott geistliche und hochgelehrte Herr Lorenz Kugler, gewester Pfarrer zu Schwabhausen. Ist verstorben den 13. July im Jahr 1779, seines Alters im 69ten und in der Pfarr in dem 7ten Jahr. Requiescat in Pace. "
1800
für Pfarrer Johann Georg Joseph Schenk, 31. 10. 1800, 22 Jahre Pfarrer, Kalksandstein (Maße: 48 x 48 cm)
Text: "Hier ruhet der Hochwierdig Hochgelehrte Herr Johann Georg Joseph Schenk, 22 Jahre la(n)g gewesener Pfarrer in Schwabhausen, ist hier begraben anno 1800 den 31.Oktober, seines Alters 66 Jahre. Gott gebe Ihm die ewige Ruhe".
1842
für Pfarrer Anton Hosemann, 16. 10. l842, Kalksandstein (Maße: 68 x cm)
Text: Hier ruhet der Hochewürdige Herr Anton Hosemann, königl.Pfarrer und Capitels-Kämmerer, gest. am 16.Oktober 1842 im 6?. Lebensjahre und im26.Jahre seines Pfarramtes zu Schwabhausen. Friede seiner Asche !
1938
für Pfarrer Andreas Lammersberger, 11. 8. 1938, neues Priestergrab mit schmiedeeisernem Kreuz (69 x 50 cm).
Text: "Hier ruht in Gott Hochw.Herr Pfarrer Andre.Lampersberger, geboren 11.Dezbr.1879 z.Priester geweiht 29.6.1907. Anno 1934 erbaute Er diese Kirche und starb am 11.Aug.1938. Requiescat in Pace"

Geprägt wird das Aussehen der Kirche aber durch den mächtigen, wohl über 700 Jahre alten Turm mit Satteldach. Er besitzt drei Geschosse, die durch Rechteckblenden und ein Rundbogenfries mit Deutschem Band gegliedert sind. Romanisch sind auch noch die beiden kleinen Rundbogenfenster im zweiten Obergeschoss über dem Fries. Hinter den doppelten, rundbogigen Schallfenstern, die durch eine einfache Vierkantsäule getrennt sind, hängen drei Glocken. Eine stammt aus dem Jahr 1878 (gegossen bei Ulrich Kortler in München, gestiftet vom Posthalter Joseph Rottenfußer), zwei aus dem Jahr 1921 (Ulrich & Weule, Apolda/Thüringen). Die beiden Glocken von 1921 sind dem hl.Michael und dem hl. Josef geweiht und haben ein Gewicht von 27 bzw. 13 Zentnern.

Im Jahr 1917 hatte Schwabhausener Kirche zwei ihrer drei Glocken zum Einschmelzen abliefern müssen. Nach dem Krieg wollte die Pfarrei ihr Geläute wieder komplettieren. Da die Bronzeglocken damals aber sehr teuer waren, hat man -gegen den anfänglichen Widerstand des Ordinariats - Glocken aus Stahl bestellt. Stahlglocken sind fast unverwüstlich, haben aber einen harten Klang. Andererseits haben Stahlglocken den 2.Weltkrieg überstanden, weil sie nicht zum Einschmelzen abgeliefert werden mussten.
Der Schwabhausener Anton Roth hat den Bericht über den Festzug, mit dem die Glocken 1921 in der Pfarrei empfangen wurden, vorgestellt. Wenn Sie interessiert sind, klicken Sie hier...
Seit der Renovierung 1959 werden die Glocken elektrisch geläutet.


Die beiden Eingänge auf der Nord- und der Südseite des Kirchenschiffs sind durch Vorhäuser vor den Unbilden der Witterung geschützt. Im südlichen befindet sich hinter einem Holzverschlag ein kleiner Karner (= Erinnerung an das frühere Beinhaus) mit Totenköpfen.


Die südlich an den Turm angebaute doppelgeschossige Sakristei wurde 1884 anstelle eines winzigen Vorgängerbaus errichtet (Plan vom Dachauer Zimmermeister Anton Meyer). Im 17.Jh gab es noch keine Sakristei; ein einfacher Kasten diente zur Aufbewahrung der Paramente. Erst 1738 wird von einer Sakristei gesprochen.
Die Sakristeitüre zum Altarraum stammt wohl noch aus dieser Zeit, also aus dem 18. Jh. Sie ist mit alten Beschlägen und Schloss versehen. Die Türe ist blau lackiert. Darauf ein Bild mit dem brennenden Dornbusch und dem Text: " Der Boden, auf dem du stehst, ist heiliger Boden" (Exodus 3,2.)
Das beherrschende Möbelstück in der Sakristei ist der blaugrau lackierte Schrank mit Kreuz und Kerzen, in dessen Schubladen Gewänder und hinter dessen Türen der Messwein aufbewahrt werden. An der Wand neben dem Schrank ein Gemälde, das einen Fisch mit Brotkorb zeigt. Daneben die Buchstaben Alpha und Omega, darüber das Christusmonogramm.
Ein weiteres Wandgemälde in der Sakristei zeigt die eherne Schlange auf dem Panier, wie sie im 4.Buch Mose (21,9) beim Zug der Israeliten durch die Wüste geschildert wird.
  
Daneben steht ein Text aus dem Johannesevangelium: "Gleichwie Moses die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muß auch der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, ,der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern das ewige Leben habe (Joh,3,14)
In der Sakristei wird in einem Bilderrahmen auch das Dokument zur Weihe der Kirche nach dem großen Umbau 1934 durch Kardinal Faulhaber. Der Text lautet:
"Anno Domini MCMXXXIV die 14 mens Novembris quae fecit S.Josaphat in Schwabhausen. Ego, Archiepiscopus Monacensis et Frisigensis consecrari ecclesiam hanc et altare majus in ea in honorem Sancti Michaelis Archangeli et Reliquias Sanctorum Martyrum Boni, Severini, Clementiae in eo inclusi, et singulis Christi fidelibus hodie unum annum et in die anniversario consecrationis hujusmodi ipsam risitandibus biscentum dies de vera indulgentia in forma Ecclesiae consueta concessi. Michael Card.Faulhaber".


Innenausstattung

Die barocken Altäre sind Säulenretabel aus blaugrau marmoriertem Holz, geschmückt mit Ornamentleisten und einem vergoldeten Kreuz. Die Rokokotabernakel sind mit Putten verziert.


Choraltar / Hochaltar

Der Choraltar ist ein barockes Ädikularetabel (= mit Nische). Auf ihm wurde am 23.Mai 1742 -mitten im Österreichischen Erbfolgekrieg- die erste Messe gelesen und der Tag mit einer Feldprozession gefeiert. Vier kannelierte Säulen tragen ein verkröpftes Gebälk, auf dem Vasen neben einem geschweiftem Auszug stehen. Das Antependium ist mit Holz verkleidet und blaugrau marmoriert sowie mit vergoldeten Ornamentleisten und einem vergoldeten Kreuz verziert. Im Zuge der Aufstellung des Zelebrationsaltars (Volksaltars) war er 1967 näher an die Rückwand des Altarraums gerückt worden, um Platz für Priester und Ministranten im engen Altarraum zu schaffen. Bei der Renovierung 2009 wurden die beiden Assistenzfiguren, die bis dahin an der Wand, getrennt vom Altar, auf Podesten standen, an den Altar herangeführt. Ihre Sockel sind nun mit dem Altar verbunden.
In der rundbogigen Nische steht die Skulptur des hl.Michael mit Flammenschwert im Kampf gegen den Teufel in Drachenform.Flammenschwert ist die Bezeichnung für ein Schwert, dessen Klinge gewellte (geflammte) Schneiden hat.
Hinweis: Der Drache ist ein Wesen, das viele Völker in ihren Mythen (Lindwurm) kennen. In China gilt er als glücksbringend, bei uns im Westen als Bedrohung. Sein Name kommt vom Griechischen drakon = "furchtbar Blickender". Im Alten Testament wird er als Verkörperungen des Bösen und als Teufel bezeichnet. In der Apokalypse bedroht er die Frau, die gerade ein Kind geboren hatte.
In der religiösen Kunst wird er häufig zusammen mit dem hl.Michael, dem hl. Georg und der hl.Margarete abgebildet.Bei frühen Darstellungen ist der Drache meist schlangenartig und oft mehrköpfig wiedergegeben, seit dem Spätmittelalter eher echsenförmig, oft mit Fledermausflügeln und feurigem Atem. Alte Drachen-Darstellungen sind Sauriern oft erstaunlich ähnlich, als ob es ein Urwissen von der Existenz dieser prähistorischen Tiere geben würde.
Als Assistenzfiguren stehen Johannes der Täufer (links) und der hl.Rochus (?) auf Konsolen an den Aussenseiten des Altars. Sie stammen aus dem 18.Jh.
Johannes ist in "härenem Gewand", mit Kreuzstab, Bibel und darauf liegendem Lamm abgebildet.
Die rechte Figur stellt nach der Aufschrift auf dem früheren Sockel den hl.Rochus dar. Ihr Aussehen mit Pilgerkleidung, Umhang, Wanderstock und Muschelverzierung am Hut könnte aber auch auf den hl.Jakobus den Älteren hindeuten. Zudem fehlt der Figur die offene Beinwunde, die das typische Attribut von St.Rochus ist.

  Hinweise: Johannes der Täufer (ein Verwandter Jesu) war Bußprediger am Jordan und taufte dort auch Jesus. Später wurde er auf Wunsch der Herodias, der Geliebten von Herodes und ihrer Tochter Salome enthauptet. Mit den Worten "Dieser ist das Lamm Gottes, das die Schuld der ganzen Welt wegnimmt" hatte Johannes den Messias angekündigt (Johannes 1,29).
St. Rochus
(1295-1327) trat in den Dritten Orden der Franziskaner ein und begab sich auf Pilgerfahrt nach Rom; unterwegs half er bei der Pflege von Pestkranken. Er wurde selbst pestkrank, zog sich in eine Hütte im Wald zurück. Dort pflegte ihn ein Engel und ein Hund brachte ihm Brot, bis er genesen war und heimkehren konnte. Daheim wurde er für einen Spion gehalten und bis zu seinem Tod eingekerkert. Er wird in Pilgerkleidung mit Beinwunde und manchmal mit Hund dargestellt.

Im Jahr 1967, als der erste Zelebrationsaltar aufgestellt wurde, hat man den Choraltar um zwei Stufen tiefer gesetzt und an die Wand des Altarraums gerückt. Die seitlichen Durchgänge, die bis zur Außenwand reichten, wurden zu Konsolen umgearbeitet, auf denen nun die Assistenzfiguren stehen.

Der Tabernakel im Rokokostil mit einer Höhe von 58 cm steht auf einem Podest. An der Türe ein Englein mit Kreuz auf Gewölk. Auf dem Tabernakel steht ein schönes spätklassizistisches Kruzifix (um 1830). Es besteht aus einem Holzkern, der mit einem getriebenen und versilberten Messingblech umgeben ist. Der Korpus ist gegossen.

Im geschweiften Auszug befindet sich ein Gemälde von Gottvater. Er hat seine Arme segnend ausgebreitet. Von seinen Händen führen Gnadenstrahlen zum unteren Bildrand Richtung Gläubige.

Gottvater wird V-förmig umrahmt von Wolkenbändern.
Das Bild wurde dem Altar erst nachträglich, im 19.Jh. hinzugefügt. Es ist im Nazarenerstil gehalten.


Zelebrationsaltar

Seit 2009 hat Schwabhausen einen neuen Zelebrationsaltar. Er wurde von den Künstlern Lippert und Neumann aus Kaufbeuren gestaltet und am 22.November 2009 zum Abschluss der Renovierung von Erbischof Marx in einer feierlichen Zeremonie geweiht.Mehr über die Einweihung können Sie hier lesen...
Dr.Gonzalo schreibt in der Festschrift zur Altarweihe zum neuen Altar: "Symbolträchtig, nicht mit Symbolen beladen, in würdiger Bescheidenheit, wird ein Kubikmeter persischer Travertin in drei Teile zerlegt, welche, in knappem Abstand zueinander gehalten, bedeutungsvolle Bilder hervorzurufen vermögen. Etwa das schützende Schwert des hl.Michaels oder die zur liebevollen Umklammerung gestreckten Arme."
Im Altar befinden sich Reliquien der
Katakombenheiligen Clementia, Bonus und Severinus, die schon im Vorgängeraltar "bestattet", d.h. eingemauert waren. Der neue Volksaltar ist schon der zweite in Schwabhausen. Sein Vorgänger war 1967 aufgestellt und von Julius Kardinal Döpfner eingeweiht worden. Er war gemauert, verputzt (Rauputz) und weiß gestrichen.
Der neue Zelebrationsaltar besteht aus rotem persischen Travertin. Er ist in drei Teile (zwei Blöcke und eine Platte darüber) gegliedert, deren Zwischenräume die Form eines Tau-Kreuzes ergeben.
Die Eucharistiefeier ist eine Gedächtnisfeier sowohl des Abendmahls und als auch des Opfertodes Jesu Christi; "Der Altar ist ein Tisch des Mahles und des Opfers", wie Kurat Albert Hack in der Festschrift zur Altarweihe schreibt. Zeichen des Mahles ist der Tisch; Zeichen des Opfers ist der dem alten Opferstein nachempfundene Steinblock. Das II. Vatikanische Konzil hatte die Stellung des Mahles innerhalb der Messe gestärkt. Dies führte dazu, dass in den 1970er Jahren die meisten Volksaltäre die Form eines Tisches hatten; denn Theologie beeinflusst immer auch architektonische Formen in Kirchen. In den letzten Jahren gewinnt die vorkonziliare Sichtweise der Eucharistie als Opferfeier wieder an Bedeutung. Dies hat auch seine Auswirkung in der Kunst: Die Tischform weicht wieder mehr der Blockform. Dies ist auch in Schwabhausen deutlich zu sehen. Der Altartisch ist kaum noch zu erahnen.
  Hinweis: Die Errichtung des Zelebrationsaltars geht zurück auf die Liturgiereform, die durch die Beschlüsse des 2.Vatikanische Konzils ausgelöst wurde. Der Zelebrationsaltar bedeutet eine Rückkehr zu den Wurzeln der Eucharistiefeier: Der Altar war das Symbol des heidnischen Gottesdienstes. Das lateinische Wort adolere = verbrennen bezeichnet die ursprüngliche Bedeutung als Stätte zur Verbrennung der Opfer. Die ersten Christen hatten keinen Altar. Jesus versammelte die Seinen um den Tisch, und das hielten auch die Christen während der ersten Jahrhunderte so; zur Eucharistiefeier konnte jeder beliebige Tisch dienen. Im 4.Jh. als das Christentum die führende Religion wurde, hat man das Opfer Jesu in das Tischgeschehen hineingenommen und den Altar vom Kaiserkult übernommen. Er war meist aus Stein, frei aufgestellt und von allen Seiten zugänglich. Ab dem 8. Jh. weicht die Tischform immer mehr der Blockform. Dies kommt der Entwicklung entgegen, im Altar Reliquien von Märtyrern und Heiligen beizusetzen. Der zelebrierende Priester stand hinter dem Altar, sodass seine Handlungen während der Messfeier für die ganze Gemeinde sichtbar waren. Als der Altar dann im 11.Jh eine Rückwand mit hohen Altaraufbauten (Retabel) erhielt und weiter an die Ostwand rückte, wandte der Priester der Gemeinde den Rücken zu. Dies ist in der katholischen Kirche durch eine Liturgiereform erst vor 40 Jahren wieder rückgängig gemacht worden.


 
Ambo

 

Unter dem Chorbogen steht der neue Ambo, der bei der Renovierung 2009 zusammen mit dem neuen Zelebrationsaltar und dem neuen Taufstein in der Kirche aufgestellt wurde. Er besteht aus grauem Basalt und nimmt - so der Architekt Gonzalo- farblichen Kontakt zu den ebenfalls grau gehaltenen Sockeln der Seitenaltäre auf.
Der Ambo wird auch als Tisch des Wortes bezeichnet. "So wie sich Gott am Altar in seinem Mahl schenkt, so schenkt sich Gott am Ambo in seinem Wort", schreibt Kurat Albert Hack in der Festschrift.

Hinweis: Das Ambo (griech. ámbon = erhöhter Rand) war im Frühchristentum und Mittelalter die erhöhte Plattform an der altchristlichen Chorschranke in der Kirche zum Vorlesen und Vorsingen liturgischer Texte (Epistel, Evangelium); ab dem 14. Jh. wurde die Funktion des Ambos von der Kanzel übernommen. In neuester Zeit ist das Ambo wieder fester Bestandteil in der Ausstattung der Kirchen. Von hier aus werden Lesungen, Evangelium, Predigten und Kantorengesänge vorgetragen.


Ewig-Licht-Ampel

Vom Chorbogen herab hängt die Ewig-Licht-Ampel aus dem Ende des 19.Jh. Sie ist in neuromanischem Stil gearbeitet und besteht aus versilbertem Messingblech.
  Hinweis: Das rote Öllämpchen, das stets im Altarraum brennt, gilt oft als Erkennungsmerkmal eines katholischen Gotteshauses. Früher gab es solche Lichter nur an den Märtyrergräbern. Mit der wachsenden Verehrung der aufbewahrten Eucharistie hat sich etwa seit dem 13. Jh der Brauch des "Ewigen Lichtes" vor dem Tabernakel, wo das Allerheiligste aufgewahrt wird, herausgebildet. Durch sein dauerndes Brennen weist es darauf hin, dass in der Kirche geweihte Hostien aufbewahrt werden. Meist sind die von der Decke herabhängenden Ampeln aus Silber oder versilberten Material gebaut, in eleganten Formen und mit vielen grazilen Verziehrungen versehen.



Chorbogen

Seit 2009 sind über dem Chorbogen aus Stuck zwei bischöflich Wappen und zwei Spruchbänder mit den Texten "Vox temporis, vox dei" und "Ubi spiritus domini, ibi libertas" angebracht.
Das linke Wappen ist das Bischofswappen von Kardinal Faulhaber unter dem die Kirche 1934 in großem Stil umgebaut wurde. Es zeigt neben dem Freisinger Mohren einen Siebenarmigen Leuchter als Erinnerung an seine Tätigkeit als Professor für Altes Testament und eine darüber schwebende, durch sieben Strahlen mit den sieben Leuchterarmen verbundene Taube als Zeichen seiner Bevollmächtigung durch den Heiligen Geist. Zum Leitspruch hatte er den Text "Vox temporis vox Dei" (Die Stimme der Zeit ist die Stimme Gottes) gewählt. Damit stellte sich Faulhaber dem Anspruch, in der jeweiligen Zeit den Anruf Gottes zu hören und entsprechend den Bedürfnissen der Zeit den Willen Gottes zu erkennen.
Dieses Wappen war schon 1934 am Chorbogen angebracht und später übermalt worden.

Das rechte Wappen und das rechte Spruchband weisen auf den bei der Renovierung 2009 regierenden Erzbischof Reinhard Marx und dessen Bischofswahlspruch „Wo der Geist des Herrn wirkt, dort ist Freiheit" hin. Es ist ein Text aus dem 2. Korintherbrief (2 Kor 3,17). Erzbischof Marx schrieb dazu: „Mit diesem Wort wollte ich deutlich machen, dass Freiheit das wesentliche Thema unseres Glaubens ist. In der modernen Welt wurde dem Glaube ja unterstellt, dass er mit einem Freiheits-verlust einhergeht. Aber das Gegenteil ist der Fall. Freiheit ist die Voraussetzung für Verantwortung und Liebe. Das Wappen zeigt neben dem traditionellen Freisinger Mohren eine Variante des Symbols des Hl. Markus (Flügellöwe und aufgeschlagener Bibel), das auf die ursprüngliche Bedeutung des Namens Marx (aus 'Markus') hindeutet.

Von 1967 bis 2009 war an dieser Stelle über dem Chorbogen das große Kruzifix angebracht, das jetzt gegenüber der Kanzel an der Südwand des Kirchenschiffs hängt.
Vor 1967 war an der Stelle des Kruzifixes ein Gnadenstuhl-Fresko von Rudolf Grau zu sehen, das übertüncht wurde.

 

Langhaus / Kirchenschiff

Das 1934 erbaute vierachsige Langhaus besitzt ein hohes Tonnengewölbe, das außergewöhnlich weit nach unten gezogen ist. Die Wölbung umfasst in vollem Umfang die obere Empore, die dadurch eine über einen Meter geringere Breite aufzuweisen hat. Das Material des Gewölbes besteht aus Stahlbeton, der über ein Rabitzgitter verputzt ist. Der Stuck in Form von Rahmenleisten für das große Mittelfeld der Langhausdecke und der große Muschelstuck über dem umlaufenden Gesims wurde 1934 vom Bildhauer Salamoun aufgebracht.

Deckengemälde

Das Deckengemälde zeigt den Papstbesuch in Schwabhausen. Dort verabschiedete sich am 2.Mai 1782 Papst Pius VI. auf seiner Reise von Wien nach Frankfurt von dem bayerischen Kurfürsten Karl Theodor, der ihn von München bis hierher begleitet hatte. Der Papst wollte damals von den Fürsten die Rücknahme von Maßnahmen zur Aufklärung erreichen. Er hatte keinen Erfolg.

Mehr zum Papstbesuch auf der Internetseite der Gemeinde Schwabhausen...

Das Bild wurde 1945 von Wilhelm Rudolf Grau gemalt. Der Maler war während des Kriegs wegen der Zerstörung seiner Wohnung nach Schwabhausen gezogen. Grau hatte hier in mehreren Privathäusern Fresken angebracht. Deshalb äußerten mehrere Leute den Wunsch, er möge auch die 11 Jahre vorher erbaute Pfarrkirche ausmalen. Das Landesamt für Denkmalpflege war vom Kirchengemälde nicht begeistert, doch der Pfarrer entgegnete: "Die Bilder sind wohl sehr farbenfroh ausgefallen, entsprechen aber gerade deswegen sehr dem gesunden urwüchsigen Sinn des Volkes. Sie verleihen der Kirche einen festlichen Charakter, der jedem wohltut, der sie zur Erbauung des Gemütes aufsucht".


Auch die Decke des alten, 1934 abgetragenen Kirchenschiffs, war bemalt. Die Gebrüder Krafft hatten sie 1885 mit einer Darstellung der Himmelfahrt Mariens geschmückt. Das Bild war von reicher Ornamentik umgeben. Die Gebrüder Krafft haben auch das Deckenbild in Fahrenzhausen gemalt.


Seitenaltäre

Die schmalen Seitenaltäre wurden 1783 von Kistler Jakob Schrott, Bildhauer Paulus Arnoldt und dem Fassmaler Mathias Fornfischer aus Tandern geschaffen. Sie waren vom Schwabhausener Pfarrer in Auftrag gegeben worden, weil die alten Altäre so baufällig waren, dass man befürchten musste, es werde "jemand durch herabfallende Stück beschädiget oder gar erschlagen". Es sei schon zweimal geschehen, dass "eine Figur herabgefallen und sich einmal der Mesner, das andere mal andere Personen noch mit einem Sprung gerettet" haben.
Die Altäre haben einen hohen, barocken Aufbau. Zwei kannelierte Säulen tragen ein verkröpftesGebälk mit Vasenaufsätzen und geschweiftem Auszug. Die Antependien sind mit graumarmoriertem Holz verkleidet.
Die dreiteiligen Tabernakel im Rokokostil sind aus gelbmarmoriertem Holz mit Rokokoschnitzwerk gebaut. Der Mittelteil besitzt eine vorgezogene Konsole. Das Kreuz ist aus versilbertem Messingblech gefertigt. Zu beiden Seiten Reliquienkästchen.

Seitenaltar links

Das Altarblatt zeigt in einem Ölbild auf Leinwanduntergrund die Steinigung des hl. Stephanus.
Es wurde 1849 vom Dachauer Maler
Anton Huber
gemalt (Größe: 116 x 77 cm). Seitlich unter dem Bild weisen Putten auf das Geschehen im Bild hin.
Das Gemälde ist von einem vergoldeten Rahmen mit geschnitzten Rocailleverzierungen umgeben.


Der Heilige kniet im Vordergrund des Bildes. Er hat seine Hände zum Gebet erhoben. Gekleidet ist Stephanus in eine rote Dalmatika mit dem aufgenähten Jesusmonogramm (IHS). Darüber sind eine Stola und der blaue Mantel zu sehen. Die beiden Henkersknechte heben Steine vom Boden auf und beginnen, sie auf den noch unversehrten Heilige zu werfen. Im Hintergrund eine mächtige Stadtmauer. Über der Szene ein Blick in den Himmel, wo die Hl.Dreifaltigkeit auf Wolken das Geschehen betrachtet.
  Hinweis: Stephanus war einer der Diakone der urchristlichen Gemeinde in Jerusalem, die neben der Glaubensverkündigung auch für die sozialen Belange der Gemeinde zuständig waren. Sie hatten den Rang von Gemeindeleitern, die in ihrer Bedeutung nahe an die Apostel heranreichten. Durch eine seiner Predigten geriet Stephanus mit den Juden in Konflikt. Sie brachten ihn vor den Hohen Rat. Die in Apostelgeschichte 7,2-53 wiedergegebene, eindrucksvolle Rede belegt, dass Stephanus noch vor Paulus den universellen Anspruch des Christentums verkündete. Stephanus wurde als Lästerer verurteilt und von der aufgebrachten Menge gesteinigt. Stephanus sah den Himmel offen, kniete, seinen Widersachern vergebend, im Gebet nieder und starb. Stephanus' Steinigung war der Auftakt zu einer großen Christenverfolgung in Jerusalem. Gedenktag: 26.Dezember
In der Predella sind Reliquienbehälter in den Tabernakel aus dem 18.Jh eingearbeitet. Hinter Glas sind die Knochensplitter von Katakombenheiligen zu sehen, die mit Goldschnüren, Pailletten und Perlen geschmückt sind. Über den Reliquien sind Pergamentstreifen angebracht, die die Namen der Heiligen tragen, von denen die Reliquien stammen sollen.
Altaraufsatz
Das Gemälde im Aufsatz des linken Seitenaltars zeigt ein Bild des hl. Franz Xaver in geschweiftem Rokokorahmen. Der Heilige tauft einen farbigen Eingeborenen.
Franz Xaver, ein Spanier, war ein Zeitgenosse von Ignatius von Loyola und einer der ersten Jesuiten. Von Goa in Indien aus missionierte er auf mehreren Reisen den fernen Osten u.a. Japan und China und taufte dort viele Menschen.

Am 3. Dezember 1552 starb der Heilige auf der Insel Sancian (Santschao) bei Kanton in China. In der Münchner Michaelskirche befindet sich eine Knochenreliquie mit dem Spruchband: "25 Tote erweckt, 120.000 getauft". Die Zahl der Taufen war damals -anders als heute- ein Maßstab für den Erfolg der Mission. (Gedenktag:3.Dezember).

Vor 1738 war St.Sebastian Patron des rechten Seitenaltars.


Seitenaltar rechts

Das Altarblatt aus dem Jahr 1849 zeigt die Muttergottes mit Jesuskind. Das 116 x 77 cm große Ölgemälde (auf Leinwand) ist mit "IM. 1849" signiert. Andere Quellen schreiben auch dieses Bild dem Dachauer Maler Anton Huber zu.

Das Bild zeigt die Muttergottes mit ihrem sehr lebendig wirkenden Jesuskind auf dem Arm. Das Motiv ist dem Passauer Mariahilfbild entnommen, einem Gnadenbild, dessen Original von Lucas Cranach d.Ä. im Jahr 1530 gemalt worden ist. Die etwas verspielt-neckische Darstellung voll idyllischer Intimität kommt der gefühlsbetonten Frömmigkeit des 19.Jh besonders entgegen.
Wie auf dem linken Seitenaltar sind auch hier in den seitlichen Nischen Reliquienschreine mit Klosterarbeiten (links mit Wachsarbeit als Mittelpunkt) rechts mit einer Annahand-Reliquie zu sehen. Dabei handelt es sich um eine Nachbildung der im Jesuitenkolleg in Wien aufbewahrten, angeblichen mumifizierten rechten Hand der hl.Anna. Die rechte Hand deshalb, weil Anna damit das Jesuskind getragen haben soll. Die Annahand wurde im 18.Jh. im altbayerischen Raum des öfteren nachgebildet. Im Landkreis Dachau sind weitere Annahand-Reliquien in der Hofmarkkirche zu Schönbrunn und in der Kirche von Feldgeding aufbewahrt.

Altaraufsatz
Im Altaraufsatz ein Gemälde des hl. Nepomuk in geschweiftem Rahmen aus dem Ende des 18.Jh., gemalt von Johannes Haas. Der Heilige kniet, in einen Chorrock und ein Rochett gekleidet, vor einem Altar. Er liest in der Bibel, die auf dem Altar vor einem Kruzifix liegt. Das Haupt des Heiligen ist von einem Kranz von 5 Sternen umgeben. Ein kleiner Engel hält über ihn den Lorbeerkranz der Märtyrer. Er legt zudem seinen Finger auf seine Lippen, um damit auf das Beichtgeheimnis hinzuweisen, für das Nepomuk gestorben sein soll.
Hinweis: Johannes aus Pomuk, "ne Pomuk", war Ende des 14.Jh Generalvikar des Erzbischofs in Prag und machte sich wegen seines energischen Auftretens für die Rechte der Kirche beim König Wenzel unbeliebt. Der ließ ihn am 20. März 1393 gefangen nehmen, foltern, brannte ihn selbst mit Pechfackeln, ließ ihn durch die Straßen schleifen und schließlich in der Moldau ertränken.
Die Legende berichtet, der eigentliche Grund sei gewesen, dass Johannes als Beichtvater der Königin dem König keine Auskunft über die Sünden seiner Frau gab. Der Fundort der Leiche wurde durch eine Erscheinung von 5 Sternen geoffenbart. Sein Denkmal auf der Prager Karlsbrücke, das 1693 errichtet wurde, machte ihn zu einem der wichtigsten Brückenheiligen. (Fest: 20.März)

Muschelstuck KIrchenbänke KIrchenbänke Orgel LeuchterTaufsteinMuschelstuck

Kanzel
Die barocke Kanzel an der Nordwand besitzt einen fünfteiligen Korpus. Sie dürfte aus der Zeit um 1700 stammen. Am Dorsale, der Rückwand, ist ein Gemälde mit dem Guten Hirten zu sehen. An der Unterseite des Schalldeckels das Relief einer Heilig-Geist-Taube. Die Kanzelstiege war lange Zeit entfernt und wurde erst bei der Renovierung 2009 wieder hergestellt.
Hinweis: Die Darstellung des Guten Hirten mit einem Schaf auf seinen Schultern ist schon seit der Frühzeit des Christentums bekannt. Sie bezieht sich nicht auf das Gleichnis vom Guten Hirten, der sich schützend vor die Herde stellt und sein Leben für die Tiere einsetzt, sondern auf die Erzählung "vom verlorenen Schaf" (Lk 15, 3). Darin heißt es, dass sich Jesus über einen Sünder, der zur christlichen Gemeinde zurückfindet, mehr freut, als über 99 Gerechte. In der Barockzeit trat die von Jesus auf die Priester übertragene Hirtenfunktion in den Vordergrund und damit dessen Hauptaufgabe, die Verkündigung des Evangeliums. Deshalb wurde der Gute Hirte ein bevorzugtes Bildnis an den Kanzeln.

Kanzelkreuz
Gegenüber der Kanzel hängt ein überlebensgroßes, ausdrucksvolles Kruzifix. Dargestellt wird der leidende Christus am Kreuz. Die Wunden bluten stark. Die Finger sind im Schmerz verkrampft.
Das Kreuz wurde 1943 vom Wagnermeister Wolf aus Dachau aus dem Holz von Weiden geschnitzt, die am Kriegerdenkmal von Schwabhausen standen.Der Künstler erhielt seinen Lohn in Naturalien ausbezahlt.
Von 1967 bis 2009 hing das Kruzifix direkt über dem Chorbogen.

Vortragekreuze

  Hinweis: Vortragekreuze werden beim Kirchenein- und Auszug, Prozessionen, Wallfahrten sowie bei Beerdigungen vorangetragen. Dies geht zurück auf das Jesuswort "Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach". Bei Gebetsprozessionen (Bittgängen, Kreuzweg) wird der Corpus des Kreuzes zu den nachgehenden betenden Menschen gedreht, damit sie den Gekreuzigten vor Augen haben. Bei anderen Prozessionen, z.B. an Fronleichnam und beim Ein- und Auszug zeigt der Corpus in die Gehrichtung, d.h., er weist ihnen den Weg. Diese Kreuz ist „das Zeichen unserer Hoffnung, das Kreuz unseres Herrn Jesus Christus, das über deinem Grab aufgerichtet sei“ wie der Pfarrer bei der kath. Beerdigung betet.


Kreuzwegbilder und Apostelleuchter
An den Wänden hängen die Kreuzweg-Stationsbilder aus der 2.Hälfte des 18. Jh. Die Ölgemälde auf Leinwand haben eine Größe von 60 x 48 cm ohne Aufsatz. Die Bilder sind in einem schlechten Erhaltungszustand.
Hinweis:
Eine Zusammenfassung der unterschiedlichen Formen von Kreuzwegbildern können Sie hier sehen....
Unter den Kreuzwegbildern sind die Apostelleuchter angebracht. Sie sind aus vergoldetem Schmiedeeisen und stammen aus der Zeit um 1935. Die Apostelkreuze bestehen aus Stuck (siehe Bild rechts).

Hinweis: Die Apostelleuchter und -kreuze erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlischen Jerusalems.

Vor 2009 waren Marmorplatten in die Mauer eingelassen, auf denen einfache Kreuze und darunter die Namen der Apostel aufgemalt waren (siehe Bild links).



Kirchenstühle

Das Laiengestühl wurde 1934 von der Firma Lachner aus Stetten gefertigt. Die 15 Reihen beidseits des Mittel- und Seitenganges haben noch die alten Rokokowangen aus dem Jahr 1793. Unter der Empore weitere zwei Reihen neuer Bänke, auf der Empore sechs bzw. sieben links und rechts des Mittelganges. Früher waren an den Bänken Emailschilder mit den Namen von Spendern angebracht, die dadurch ein Anrecht auf den Platz erwarben. Aus dem Jahr 1793 ist bekannt, dass der Kistler Schöpel von Weilbach neue Kirchenstühle lieferte. Dabei konnten sich Gläubige in den damals 20 neuen Bänken 80 Plätze für jeweils 1 Gulden und 15 Kreuzer reservieren.
  Hinweis: Kirchenstühle gab es nicht von Anfang an in den Kirchen. Die ersten 1500 Jahre standen die Gläubigen oder bewegten sich langsam im Raum. Lediglich für Alte und Schwache gab es einige Stühle an den seitlichen Wänden. Ohne Kirchenstühle fasst die Kirche viel mehr Menschen; bei dichtem Gedränge während des Gottesdienstes schien der Raum voller Bewegung zu sein. Das feste Gestühl wurde zum Spiegel einer disziplinierten Gemeinschaft, in der jeder seinen festgefügten Platz hatte. Im 16.Jh. sind zuerst die evangelischen Kirchen mit Bänken ausgestattet worden, weil dort die Predigt als Medium der Heilsvermittlung einen größeren Raum einnimmt. Die katholischen Kirchen zogen erst später nach. Die Bestuhlung war einer der Gründe, dass die Kirchen zu Beginn der Barockzeit vergrößert werden mussten.

Prozessionslaternen

An den Kirchenbänken stehen im vorderen Bereich reich verzierte Prozessionslaternen, deren Stangen mit Blumenmuster bemalt sind (m 1900), im hinteren Bereich mehrere Stangen:
1. Kreuzstange, 19. Jh., Holz braun lackiert (Aufsatz 60 cm) Korpus mit Goldbronze überstrichen.
2. Kreuzstange, 19. Jh., mit Totenkopf unter Kreuz und Korpus. Diese Stange wird bei Beerdigungen vorangetragen
    und ist Symbol für das Gebet, das der Pfarrer bei der kath. Beerdigung spricht: "Dieses Kreuz ist das Zeichen
    unserer Hoffnung, das Kreuz unseres Herrn Jesus Christus, das über deinem Grab aufgerichtet sei".
3. Fahnenstange, schwarz, 19. Jh. Totenkopf unter Kreuz
4. Tragstange mit Muttergottesfigur, Mitte 20. Jh.


Weitere Heiligendarstellungen im Kirchenschiff

An den Seitenwänden des Kirchenschiffs stehen vier Heiligenfiguren aus dem 18.Jh.: 

- St.Leonhard, im Abtsgewand, zeigt mit der Rechten demonstrativ Ketten (Patron der Gefangenen und der Tiere - 18.Jh).
  Hinweis: Leonhard (in Bayern einer der 14 Nothelfer) lebte um das Jahr 500 als Einsiedler und später als Abt in Frankreich. Regelmäßig besuchte er die Gefangenen und erreichte für viele beim König Clodwig I. ihre Freilassung. Deshalb galt er ursprünglich als Schutzpatron derer, "die in Ketten liegen", also der Gefangenen - und der Geisteskranken, die man bis ins 18. Jahrhundert ankettete; nach der Reformation wurde er Schutzpatron der Haustiere, weil man die Ketten, mit denen er abgebildet wurde, als Viehketten deutete.
- St.Dominikus im Habit des Dominikanerordens, mit Palmzweig in der Hand (18.Jh)
  Hinweis: Dominikus (Santo Domingo) wirkte von 1170 bis 1221 in Spanien, Frankreich und Italien. Er gründete um 1215 den Dominikanerorden, einen nur aus Priestern bestehenden Gelehrten-Orden, der sich die Bekämpfung von Häresien zur Aufgabe machte. Als Leitsätze formulierte er: 1. überzeugend predigen, 2. arm wie die Apostel leben, 3. an keinen Ort gebunden sein. Um das Leben von Dominikus ranken sich zahlreiche Legenden, so die seiner Himmelfahrt. In anderen reicht ihm die Muttergottes einen Rosenkranz und erklärt ihm dessen Gesätze. Schon 1234, 13 Jahre nach seinem Tod, wurde Dominikus heilig gesprochen. Gedenktag: 8.August.
- St.Georg, der mit seiner Lanze den Drachen unter seinen Füßen (als  Sinnbild für das Böse) erlegt hat (18.Jh)
  Hinweis: Georg war Soldat des römischen Heeres zur Zeit Kaiser Diokletians und wurde um ca. 304 in Nikodemien oder Lydda enthauptet. Bei uns wird der hl. Georg vor allem als Patron der Pferde verehrt (Georgiritt). Meist wird er als Ritter dargestellt, der einen Drachen tötet. Nach der Legende hauste in einem See vor der Stadt Silena in Lybia ein Drache, dem die Einwohner täglich Lämmer und später Kinder opfern mussten. Da erschien St.Georg, nachdem er alle Martern überstanden hatte, gevierteilt und vom Erzengel Michael wieder zum Leben erweckt worden war. Als der Drache auftauchte, schwang Georg mit dem Zeichen des Kreuzes die Lanze und durchbohrte das Untier, das zu Boden stürzte.   Gedenktag: 23.April
- St.Christophorus, mit Jesuskind auf der Schulter und einem großen Stock in der Hand (Mitte 18. Jh). Die Figur steht -wie so oft in Kirchen- in der Nähe des Portals. Die Volksfrömmigkeit besagt, wer ein Bild oder eine Figur von St.Christophorus erblickt, wird an diesem Tag nicht von einem plötzlichen Tod überrascht. Deshalb hat man seine Figur in der Nähe des Portals aufgestellt, damit die Gläubigen ihn beim Verlassen der Kirche anschauen konnten.
  Hinweis: Christophorus ist eine Legendengestalt, die seit 1969 im aktuellen Heiligenkalender nicht mehr enthalten ist. Der Heilige wird in der Kunst meist mit einem Kind auf dem Arm und einem Baumstamm in der Hand abgebildet. Der Legende nach suchte er unter seinem früheren Namen Reprobus (spätere Legenden: Offerus) den mächtigsten Herrscher der Welt um ihm zu dienen. Doch bald bemerkte er, dass der König den Teufel fürchtete und der Teufel Christus. Deshalb diente er auf Anraten eines Einsiedlers Christus, indem er seine Riesenkräfte sozial einsetzte und Leute über einen gefährlichen Fluss trug. Eines Tages trug der Heilige einen kleinen Knaben auf seinen Schultern, der mit jedem Schritt an Gewicht zunahm, sodass Reprobus zu ertrinken fürchtete. Da erkannte er, dass er den Christus trug. Er wurde von Jesus auf den Namen Christophorus (Christusträger) getauft, und der als Stütze verwendete Baumstamm begann zu grünen. Christophorus gilt als Patron der Reisenden, Pilger, Fuhrleute und Schiffer sowie seit etwa 1900 auch der Kraftfahrer. Gedenktag: 25. Juli


Bis 2009 befanden sich noch weitere Figuren und Bilder aus dem 20.Jh im Kirchenschiff
die im Interesse eines klaren künstlerischen Konzepts aus der neu restaurierten Kirche genommen wurden.
Wenn Sie sich über diese Figuren und Bilder informieren wollen, klicken Sie hier...




Opferstock
Am Eingang der Kirche steht ein massiver alter Opferstock. Es handelt sich um eine 58 cm hohe, schmiedeeiserne Arbeit des 18.Jh. mit Doppelkreuz-Schlossriegeln auf einem 40 cm hohen Holzpflock.
In den Kirchen des Landkreises Dachau gibt es viele unterschiedliche, außerordentlich interessante Opferstöcke.
Wenn Sie sich dafür interessieren, klicken Sie hier..

 
Taufstein

Ebenfalls im Eingangsbereich der Kirche steht der neue Taufstein. Er entspricht in Material und Form dem Zelebrationsaltar. Der Travertinblock besteht aus zwei Teilen, über denen das Taufbecken aus Metall angebracht ist. Auch er wurde 2009 von den Künstlern Lippert und Neumann aus Kaufbeuren gestaltet.
Der frühere Taufstein stand im Altarraum. Er bestand aus Rotmarmor; sein Deckel war mit Figuren des hl. Johannes des Täufers und von Jesus geschmückt. Die Ähnlichkeit mit dem Taufstein in Rumeltshausen ist nicht ganz zufällig: Die Schwabhausener Figuren wurden 1988 dem Rumeltshausener Vorbild nachmodelliert. Das Original aus Rumeltshausen stand 50 Jahre lang als (unfreiwillige) Leihgabe in Schwabhausen.
Hinweis: Die Darstellung der Taufe Jesu am Taufort in der Kirche als Vorbild für das Taufsakrament war vom Konzil von Trient (1545 bis 1563)vorgeschrieben.
mehr zu Taufbecken in Kirchen des Landkreises Dachau...


Kerzenständer
In der Nähe des Taufsteins steht ein siebenarmiger Leuchter aus Schmiedeeisen. Er trägt zugleich die Halterung für Opferkerzen, die Gläubige entzünden können.
In den Ständer sind die Symbole für Glaube (Kreuz), Hoffnung (Anker) und Liebe (Herz) eingearbeitet. Die drei Tugenden erhalten das Attribut "göttlich", weil die christliche Lehre davon ausgeht, dass sie nicht von Menschen erbracht, sondern durch den Geist Gottes geschenkt werden.
  Das Christuszeichen darüber wird umgeben von den Buchstaben Alpha und Omega (Anfang und Ende). Sie sind der erste und letzte Buchstabe des griechischen Alphabets und stehen als Symbol für Gott und insbesondere für Christus als den Ersten und Letzten.


Orgel

Auf der säulengestützten Doppelempore ist die Orgel eingebaut. Sie wurde am 8. Dezember 1946 von Albert Reiser aus Biberach mit zwei Manualen und 15 Registern errichtet; ein Großteil der Kosten wurde damals mit Naturalien bezahlt. Um 1960 wurde die Orgel durch die Gebr.Sandtner aus Steinheim unter Verwendung der alten Pfeifen umgebaut.
Im Jahr 1974 wurde die Orgel wieder renoviert; in diesem Zusammenhang hat man ein elektrisches Spielwerk (mit elektromagnetischer Kegellade) eingebaut. Vor einigen Jahren wurde die Orgel um ein Register (auf 16) und drei Koppeln (= Hilfen für das Spielen mit 2 Manualen) erweitert.
Frühere Orgeln:
Aus dem Jahr 1721 ist bekannt, dass in der Kirche keine Orgel aufgestellt war. 1814 wird berichtet, eine neue Orgel mit 6 Registern sei in Arbeit. Im Zusammenhang mit dem Neubau des Kirchenschiffs 1831 wurde ebenfalls berichtet, dass auf der abgetragenen Empore keine Orgel gestanden habe. Wahrscheinlich hat man beim Neubau 1831 eine Orgel eingebaut, weil die Pfarrbeschreibung von 1845 den Passus enthält. "Auf der einzigen Empore befindet sich die Orgel, die viel Platz einnimmt, sodass bei der Zusammenkunft sämmtlicher Pfarrkinder der Raum zu klein wird.". Vielleicht handelte es sich um ein gebrauchtes Werk; denn schon 40 Jahre später, im Jahr 1886 hat Max Maerz aus München eine neue Orgel eingebaut hat.
Sie hatte folgende Disposition:
 

Manual:  Principal 8', Gamba 8', Salicional 8', Octav 4', Flöte 4', Mixtur 2fach,
Pedal:    Subbaß 16', Quintade 16', Oktavbass 8', Choralflöte 4', Rauschbass 3 f 2 2/3, Fagott 16'
Koppeln:
 M-P


  Pfarrhof

Einige hundert Meter von der Kirche entfernt steht auf einem Hügel das stattliche Pfarrhaus von Schwabhausen. Früher dienten die beiden oberen Stockwerke der früheren Pfarr-Ökonomie als Getreidespeicher. Im Jahr 2005 wurde der nur teilweise unterkellerte Pfarrhof für 900.000 Euro durchgreifend renoviert.

Dabei wurden die nur durch Holznägel zusammengehalten Balken in den Dachgeschossen erhalten. Seit der Renovierung 2005 sind im Erdgeschoss das Pfarrbüro mit Teeküche und im 1.Stockwerk die Wohnung des Pfarrers und die Wohnung der Pfarrhaushälterin untergebracht.

Geschichte des Pfarrhofs:


Pfarrhöfe gab es natürlich schon bei Gründung einer Pfarrei, schließlich benötigte der Pfarrer eine Wohnung. Die erste Mitteilung über den Zustand des Pfarrhofes in Schwabhausen erhalten wir durch die Sunderndorfersche Matrikel von 1524. Das hölzerne Pfarrhaus zeigte damals keine Schäden.
Auch 1560 wurde der Pfarrhof als ordentlicher Bau ["zimblich erbaut"] beschrieben.

Im 30jährigen Krieg wurde der Pfarrhof weitgehend zerstört (und mit ihm alle Kirchenbücher). Vielleicht nur notdürftig aufgebaut, wurde das Gebäude im Jahr 1680 schon wieder (oder immer noch) als ruinös und baufällig bezeichnet. Der Dachauer Maurermeister Johann Öttl machte in den Jahren 1681-1682 Überschläge für seine Renovierung. Der Dachauer Lukas Pichler führte 1681 Schlosserarbeiten und Jonas Eisenreich aus Oberroth 1683 Zimmererarbeiten aus. Noch 1738 bestand das Pfarrhaus aus Holz und war schon wieder sehr reparaturbedürftig. Auch das Pflegamt Dachau wunderte sich, wie "miserabel die bisherigen Pfarrer haben wohnen müssen", insbesondere weil das "das Einfallen von Wasser bei Regenwetter nicht gesichert war". Oben waren die Schießen (Giebelwände) nur mit Brettern verschlagen, durch die "das Unwetter jederzeit eindringen" konnte. Weiter heißt es, im unteren Stock befinde sich ein "unbequemes Zimmer, worin alles zu vermodern beginnt".

Der Neubau 1742, der erste Steinbau, war teuer. Er wurde mit 815 Gulden beziffert. Das war für Schwabhausen zuviel. Einen Teil der Kosten bettelte der Pfarrer bei benachbarten Pfarreien zusammen. Der Bau zog sich lange hin. Noch im Juni 1749 bat Pfarrer Hirner, der Bau möge doch endlich fertiggestellt werden.

Nach einer Indersdorfer Besitz-Beschreibung aus dem Jahr 1792 war das zweistöckige Pfarrhaus einer der wenigen Bauten in Schwabhausen, der schon mit Ziegeln gedeckt war. Im hölzernen, mit Stroh gedeckten Stadl waren auch der Pferde- und der Kuhstall untergebracht. Am Küchengarten stand ein Wasch- und Backhaus. Hinter dem Haus befand sich ein schöner großer Obstgarten mit über zwei Tagwerk Fläche. Dazu kamen Felder, Wiesen und Wälder mit 83 Tagwerk (=28 ha). Das Widum gehörte nicht, wie in anderen Pfarreien der Pfarrstiftung, sondern dem Kloster Indersdorf. 1796 hat Bischof Joseph Conrad von Freising die Aufnahme eines Kirchenkapitals zu einer Pfarrhofrenovierung genehmigt.

1845
sah Pfarrer J.Wall einen dringenden Reparaturbedarf für das Pfarrhaus, weil sich die Westseite des zweistöckigen Hauses ausbauchte. Deshalb hat er sich dafür ausgesprochen, das für einen Neubau der Ökonomiegebäude vorgesehene Geld für das Pfarrhaus zu verwenden. Das wurde nicht genehmigt. Im Zuge der Sanierung der Ökonomiegebäude des Pfarrhofs musste Pfarrer J.Wall eine Reihe von Angaben über die Pfarrei machen: Danach bemaß sich der Kirchenzehent von den Schwabhauser Bauern nach einer Gesamtfläche von 474 Tagwerk, von den Rumeltshauser Bauern von 366 Tagwerk. Dazu kam noch der Klein- und Blutzehent auf das Vieh dieser Bauern. Die Zahlung des Obstzehents hat die Bevölkerung verweigert. Das 44 Schuh (=12,85 m) lange, 22 Schuh breite und 44 Schuh hohe Pfarrhaus wird wie folgt beschrieben: 2 Stockwerke, gemauert, mit Platten gedeckt. Im Erdgeschoß befanden sich Baustube, Küche, Speis mit darunter liegendem kleinen Keller, Köchin-Zimmer, Dirn-Kammer. Im ersten Stock Pfarrzimmer, Gastzimmer, Kammer und Abort. Der zweite Stock enthielt zwei Getreidekästen. Der ruinöse Stadel mit Pferde-, Kuh- und Schweinestall bestand aus Holz und war mit Stroh gedeckt. Pfarrer Altmann ergänzte 1848, alles sei in baufälligstem Zustand. Im Wohnhaus müssten dringend neue Böden, Decken und Kamine eingebaut und die schiefe Giebelmauer abgetragen werden. Bei den Ökonomiegebäuden helfe nur ein Neubau. "Ein abermaliges Einheimbsen der Feldfrüchte (Einlagern der Ernte) in das alte Gebäude wäre geradezu Wahnsinn", schreibt er. 1852 (vom Frühjahr bis Oktober) wurden die Ökonomiegebäude mit einem Kostenaufwand von 7.532 Gulden neu errichtet. 40 Jahre später musste die Stalldecke um 2.400 fl. schon wieder repariert werden.
1940 hat man glücklicherweise rechtzeitig entdeckt, dass der Tragbalken der Decke total verfault und vermodert war. "Daher also das infame Gestank, das dieses Zimmer immer verpestete" schrieb Pfarrer Mayer. "Die alte Haustüre hatte nicht einmal einen Türstock, sodass fingerbreite Spalten nicht nur das Tageslicht, sondern auch Wind und Schnee hereinließen. Meine Herren Vorgänger müssen große Asketen gewesen sein".
Die nächste Sanierung fand in den Jahr 1973-1975, die letzte 2005 statt.

Wenn Sie auch andere Pfarrhöfe im Landkreis sehen möchten, klicken Sie hier....

Nach einer Liste des Landesamt für Denkmalpflege soll es in Schwabhausen Reste eines unterirdischen Gangs geben, der in Zusammenhang mit sog. Schrazllöchern steht. Mehr über Schrazllöcher...

Hans Schertl

Quellen:
Dr.Martin v. Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50

Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1880
Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
Dachauer Nachrichten vom 10.1.1972 (Pestepidemie)
Georg Brenninger, Orgeln und Orgelbauer im Landkreis Dachau, Amperland 1976/1
Georg Brenninger, Orgeln in Altbayern, 1978
Süddeutsche Zeitung, Beilage Landkreis Dachau, 20.4.1979 (Papstbesuch)
Max Gruber, Für Dachau tätige Architekten und Maurermeister, Amperland 1982/3
Jakob
Mois,Konsekrationsbuch des Fürstbischofs Eckher, 1982 (Altarweihe 1707)
Max Gruber, Im Amperland tätige Schlosser und Spengler, Amperland 1985/2
Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres 1560, 1986
Putz/Niederle, Kirchen und Kapellen im Gemeindebereich Schwabhausen, 1988
Josef Bogner, Dorfkirchtürme im Amperkreis, Amperland 1989/1
Gottfried Weber, Die Romanik in Oberbayern, 1990
Franz Keiner, Dorf und Hofmark Odelzhausen 814-1914, 1992
Robert Böck, Kirchenrechnungen Landgericht Dachau, 1996 (Bittgänge)
Peter Dorner, Indersdorfer Chronik-aus der Reihe Publikationen der Akademie der Augustiner-Chorherren von Windesheim, 2003
Dr. Eckhard Bieger SJ, das Katholische Symbollexikon, 2004
Mayr/Breitenberger, Arnbach einst und heute, 2004
Hans Kornprobst, Die inkorporierten Pfarreien und Kirchen des Augustinerchorherrenstifts Indersdorf, Amperland 2004/2
Schwabhausen, Chronik eines Dorfes - Von der Poststation zur Großgemeinde, 2005
Dachauer Nachrichten vom 28.7.2005, 1.9.2005, vom 25.8.2009 (Glocken 1921)
Maria Hildebrandt, Dachauer Weihnachtstaler 2009
Pfarrei Schwabhausen, Festschrift zur Altarweihe 22.November 2009
Dachauer SZ vom 10.6.2010 (Ehrung durch Architektenkammer)
Andreas Estner/Matth. Morgenroth, Heilige Gebeine, BR-2, 1.11.2011, 18:05 Uhr
71 Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Landkreis Dachau - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

7.11.2011


Figurenausstattung vor 2009

Figuren und Bilder, die bis zur Renovierung 2009 im Kirchenschiff angebracht waren:

- der Erzengel Michael, mit Flammenschwert und der Seelen-Waage , setzt seinen Fuß auf den gestürzten Engel Luzifer.
  Hinweis: In der Bibel ist der Engelssturz vor Beginn der Schöpfung nicht erwähnt. Allenfalls eine Stelle bei Lukas (Kap.10, Vers 18) deutet darauf hin (ich sah den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen). Die Geschichte ist auf die Kirchenväter zurückzuführen und wurde in der Kunst häufig als Motiv verwendet. In der Offenbarung des Johannes (Apokalypse) ist von einen Kampf zwischen den Kräften des Guten (Michael und seine Engel) und Satan am Ende der Zeiten die Rede (Offb. 12), der damit endet, dass der Teufel und seine Anhänger auf die Erde geworfen werden. Gedenktag: 29.September

- Trauernde Muttergottes die den Oberkörper ihres toten Sohnes Jesus anhebt und stützt (Pietá oder
  
Vesperbild). Die Darstellung zeigt den Abschied Mariens von Jesus nach der Kreuzabnahme, der aber in
   der Bibel nicht erwähnt ist.
  Hinweis: Die Vesperbilder waren früher eine der häufigsten und beliebtesten Passionsdarstellungen. Den mütterlichen Schmerz über den toten Sohn (Mutterliebe und Mutterleid) konnten die Gläubigen in Zeiten hoher Kindersterblichkeit häufig aus eigenem Erleben gut nachfühlen. Den Namen Vesperbild erhielten sie, weil die Zeit, die im Stundengebet der Mönche und Nonnen der Trauer um den Tod Jesu gewidmet wird, der Sonnenuntergang ist, die Zeit der Vesper. Der Begriff "Pietà" (ital. Mitleid) weist nach Robert Böck auf die kindliche Liebe und das innige Mitgefühl hin, das die Gläubigen dieser Darstellung entgegenbrachten.
...mehr zu
Pietà -Darstellungen in den Kirchen des Landkreises Dachau...



An der Rückwand kniet in einer kleinen Nische eine Figur des hl. Konrad von Parzham, der in Altötting 41 Jahre lang an der Klosterpforte seinen Dienst tat (Figur von 1940). Deshalb sind darüber die von Engeln getragenen Reliefs der Gnadenkapelle und des Gnadenbildes von Altötting angebracht.
  : Hinweis: Konrad von Parzham (1818-1894) hatte als Pförtner mit Tausenden von Wallfahrern zu tun, die mit vielerlei Anliegen und Bitten zu ihm kamen. Auch Kinder aus vielen armen Altöttinger Familien kamen bettelnd an die Pforte, keines von ihnen ging leer aus. 1934 wurde Konrad von Papst Pius XI. heilig gesprochen. Damals wurden in unseren Kirche viele Figuren dieses Volksheiligen aufgestellt.

Auf einer Konsole stand eine Figur des hl. Antonius von Padua mit Jesuskind auf dem Arm.
Sie wurde Mitte 20. Jh. geschnitzt und gefasst.
An der Nordwand hing ein Bild mit dem Thema Sieben Schmerzen Mariens. Es zeigt Maria, deren Körper von 7 Schwertern durchbohrt ist. Es stammt wohl aus dem 18. Jh. und wurde mit Ölfarbe auf Leinwand gemalt. Der Rahmen ist neugotisch (64 x 53 cm). Das Bild enthält eine Signatur "L(?)M 1849" (vielleicht auch "IM" wie beim rechten Seitenaltarbild) die sich vermutlich auf Restaurierung beziehen dürfte.



Vor 200 Jahren:
Der Schwarze Tod in Schwabhausen
Ein Handwerksbursch bringt die Pest - Bevölkerung in Angst und Schrecken
Dachauer Nachrichten vom 11.1.1972

Schwabhausen - In der Dämmerung des 14. Januar 1772, einem tristen Winterabend, schlurfte mühsamen Schrittes ein alter, abgerissener Handwerksbursche durch den tiefen Schnee in die wohlhabende Betriebsamkeit der fürstlich Thurn und Taxi`schen Reichsposthalterei zu Schwabhausen. Mit müdem Griff öffnete er die Tür und trat in den flackernden Lichtschein und warmen Dunst des Poststalles. Seine Bitte um ein Nachtlager wurde vom Stallmeister gewahrt. Gleich darauf versank der müde, ausgemergelte Körper in einer düsteren Ecke im Stroh. Kurz darnach beendete ein prüfender Rundgang des Stallmeisters die Arbeit, und nachdem das Licht gelöscht war, verließen Meister und Knechte ihren Arbeitsplatz und gingen zum Nachtmahl.
Spät, eine geraume Zeit nach Mitternacht, kam völlig durchfroren, auf dampfendem Pferd, der Eilpostreiter von München, stieß die Stalltür auf und führte das Ross an seinen Platz. Dabei gewahrte er die im Stroh liegende Gestalt des Bettlers. Um zu sehen, wer es sei, nahm er das Licht vom Haken. Die stumpfen Augen eines Toten starrten in das Licht. Ein schneller Griff des Postillions, um sich zu vergewissern, jagte ihm einen Schauder über den Rücken, und er rannte aus dem Stall, um den Stallmeister zu wecken.

So standen sie um den Toten, und als sie ihn auf Anweisung des Stallmeisters in die Wagenhütte schaffen wollten, riss das morsche Gewand des Mannes, und Hals und Rücken zeigten längliche, schwarze, aufgedunsene Beulen, die von Stockschlägen herzurühren schienen. Hochwürden Herr Johann Georg Jacob, von seinem Nachtlager herbeigerufen, sprach die Sterbegebete und wandte sich nach einigen Anordnungen zum Gehen. Da machte ihn der Stallmeister auf die seltsamen Beulen auf Hals und Rücken des Toten aufmerksam. Verständnislos schauten Stallmeister und Knechte in das schreckensbleiche Angesicht des Hochwürdigen Herrn und hörten seine Worte: ,,Gott sei uns armen Sündern gnädig."
Johann Georg Jacob weckte persönlich den Reichsposthalter, Georg Peter Kamnitzer. Ein Licht nach dem andern erhellte in dieser kalten Frühstunde die Posthalterei, und nun erfuhren die Stallknechte den Grund des Erschreckens des Pfarrherrn: In der elenden Gestalt des toten Bettlers war die Pest gekommen. Wenig später knirschte und ächzte der Totenkarren mit seiner schaurigen, in Stroh gehüllten Last durch die Nacht zum Gottesacker.
Eine Woche verging in grausamer Angst und Warten und Hoffen. Da fuhr der Blitz hernieder, es war der 28. Januar. Mitten in der Tagesarbeit klagte der Stallmeister des Poststalles, Peter Wörl über arges Fieber, Schwindelgefühl und quälendes Würgen im Hals, taumelte wenig später über den Posthof, um seine Liegestatt aufzusuchen. Der schnell herbeigerufene Pfarrherr - ein Arzt war nicht so schnell zu erreichen - erteilte dem Todkranken die Generalabsolution und spendete die Letzte Ölung. Und schon war der Stallmeister an der Pest verschieden. Das Entsetzen lähmte alle Menschen in der Posthalterei, und mit Windeseile verbreitete sich das Geschehnis. Weiter ging der Reigen des Todes: Am 6. Februar der Vater des Stallmeisters, Sylvester Wörl, am 18. Februar Maria Bader aus Unterumbach, Schafferin in der Posthalterei, am 19. Februar früh der Hausknecht Johann Vest von Mammendorf, am selben Tage aus den Lebenden herausgerissen wurde Frau Maria Theresia Kemnitzer im Alter von 38 Jahren, schnell noch vom Pfarrherrn versehen mit Generalabsolution und Letzter Ölung, am 25. Februar Johann Neumayr, Knecht im Hause des Posthalters. Eine kleine Atempause trat in der Posthalterei ein.
Bei weitem aber nicht für Pfarrer Johann Georg Jacob. So die Pest in der Posthalterei verhielt, forderte sie nun in der Ortschaft Schwabhausen Opfer um Opfer. Die Nachbarn, die Höfe, Kleinhäusler - fast an keiner Türe ging die Pest vorüber. Beim Piechler, dem nächsten Nachbarn der Posthalterei, wurden an einem Tage die Großeltern, die Eltern und zwei Kinder dem Gottesacker übergeben. Von einem Haus zum anderen eilte Johann Georg Jacob, selbst gebürtiger Schwabhauser, Sohn des Reichsposthalters Franz Jacob, spendete Generalabsolution und Letzte Ölung, linderte die Leiden der Todkranken, half auf dem armseligen Totenkarren die Toten zum Gottesacker fahren und dem erschöpften Mesner noch in die hartgefrorene Erde Gräber brechen und schaufeln. Das Grauen und Entsetzen hielt die Menschen in den Häusern gefangen. Einer mied den anderen, alles war wie ausgestorben, dumpf und blechern hallte das Zügenglöcklein immer wieder über die Hauser hin. Die Angst trieb die Postgespanne nach kaum genommenem Aufenthalt in der Posthalterei in rasender Fahrt wieder auf die befohlenen Wegstrecken und die Postillone und Eilpostreiter mit dem Grauen im Nacken auf ihre Stundenritte. Ruhelos wanderte der Posthalter Peter Kemnitzer. treppauf, treppab in dem großen, leeren Posthalterhof umher Begräbnis ohne Trauergäste.
Die fast verblasste Schrift auf den vergilbten Blättern der Pfarrmatrikel ist ein Spiegelbild dieser Zeit. Johann Georg Jacob hatte eine schöne, ausgeglichene Schrift. Mit Beginn der Pest wurde sie fahrig und abgerissen, ein Zeichen der ruhelosen Arbeit, der Aufregung und des Entsetzens. Oft in später Stunde hat er beim flackernden Schein die Matrikel aufgeschlagen und wieder eine Eintragung mit zitternder Hand in das Sterberegister vorgenommen. Und wenn er bislang hinter eine solche Eintragung setzte "sequente die in caemeterio sepultus est" (wurde am folgenden Tage auf dem Gottesacker begraben), so steht nunmehr in dieser grauenvollen Zeit: "caemeterio data est" (wurde dem Friedhof ubergeben). Schnell, ohne Leichenbegängnis, Pfarrer und Mesner allein beerdigten die an der Pest Verstorbenen.
Am 12. März 1772 ging auch Johann Georg Jacob, Pfarrherr zu Schwabhausen, den Weg alles Irdischen. Mit voller Wucht traf die Seuche die Menschen in der Posthalterei: Am 7. April Sylvester Werl, Postilion, 60 Jahre, am 8. April Matthias Glas, Postillion, 50 Jahre, am 15. April Maria Sedlmayr, Magd, 28 Jahre, am 16. April die Witwe Maria Hueber aus Moching, am 20. April Maria Niedermayr, Hausmagd, Aloisia Jacob, das letzte Kind des verstorbenen Posthalterehepaars Philipp Jacob, im Alter von fünf Jahren.
Die Seuche trat wieder auf die Ortschaft über, und den grauenvollen Totenkranz beschloss am 31. Mai 1772 Anton Westermaier, der Nachfolger des Pfarrers Johann Georg Jacob. Die Überlebenden dieser Not, voran Posthalter Kemnitzer, haben ihrem Pfarrherrn Johann Georg Jacob eine Grabtafel errichtet und diese Worte setzen lassen "Du, der Du hier vorbeigehst, setze seinem frommen Haupte den dauernden Stein des Gedenkens und für seine Mühsale, denen er entronnen, erbitte ihm die ewige Ruhe." Es ist nicht von ungefähr, dass noch heute am Fronleichnamsaltar vor dem alten Posthaus das zweite Evangelium der Prozession verlesen wird und der Priester danach den Allmächtigen bittet: "A peste, fame et bello libera nos Domine" (vor Pest, Hunger und Krieg bewahre uns, oh Herr).