zur Landkreiskarte        Ausführl.Beschreibg      Kirchen i.d.Pfarrei Haimhausen

Filialkirche St.Johannes Baptist in Hörenzhausen



Navi- Adresse : 85777 Fahrenzhausen, Gabelstraße 8
Lage der Kirche auf der Landkarte ...


K
urzbeschreibung

Hörenzhausen liegt östlich von Haimhausen zwischen der B13 und der Autobahn.

Im Jahr 820 wird der Ort unter dem Namen Herineshusir (bei den Häusern des Herino) erstmals urkundlich erwähnt. Damals übergab ein Priester Heripald sein Eigentum in Herineshusir dem Freisinger Bischof. Die Urkunde wurde übrigens am 19.April 820 in Ottershausen ausgestellt.

Von einer Kirche wird erstmals in der Konradinischen Matrikel des Jahres 1315 gesprochen; darin wird der Ort als Herentshausen bezeichnet. Schon damals gehörte es als Filialkirche zur Pfarrei Haimhausen.
Der Baustil weist auf eine noch frühere Entstehungszeit hin. Denn die Kirche ist eine spätromanische Anlage des 14.Jh und somit eines der ältesten Gotteshäuser der Gegend.

Die Kirche liegt am Nordhang des Ortes inmitten eines ummauerten Friedhofs.

An der Außenmauer des Kirchenschiffs sind noch romanische Rundbogenfriese zu sehen. Der stark eingezogene Altarraum, der aus der gotischen Zeit stammt, schließt gerade. Im massigen Turm auf der Nordseite hängen zwei Glocken.

Inneneinrichtung

Das romanische Mauerwerk im Inneren dürfte wahrscheinlich mit Gemälden geschmückt gewesen sein. Jedenfalls hat man um 2015 Reste von Bemalung an verschiedenen Stellen der Kirche unter der Tünche entdeckt.

Die Inneneinrichtung hat im Laufe der vielen Jahrhunderte mehrmals gewechselt. Die heutige Einrichtung stammt überwiegend aus der Barockzeit.
Der Altarraum besitzt ein Kreuzrippengewölbe, das Kirchschiff eine romanische Flachdecke.

Am prächtigen Hochaltar sitzt in der Mitte die Figur einer Pieta, zu beiden Seiten stehen Figuren der beiden Johannes (Baptist und Evangelist).

Die Seitenaltäre besitzen keine Aufbauten; an deren Stelle ist jeweils eine Figur (links Maria mit ihrem toten Sohn Jesus auf dem Schoß, rechts Sebastian am Marterbaum) angebracht.

Die bunten Glasfenster im Jugendstil stammen aus der Zeit um 1900.
An den Kirchenbänken haben sich noch die Namensschilder erhalten, mit Schreibname, Hofname, Platznummer und Jahr der Stiftung.

zur Bescheibung der Vortragekreuzezur Bescheibung der BuntglasfensterKreuzwegbilderKreuzwegbilderLeuchterzur Bescheibung der Vortragekreuzezur Bescheibung des Franziskusbildeszur Bescheibung der ApostelleuchterSt.Antoniuszur Bescheibung der Apostelleuchterzur Bescheibung der St.Florianfigurzur Bescheibung des Leonhards-Bildes zur Bescheibung des Hochaltarszur Bescheibung der Namensschilderzur Bescheibung der Pietázur Bescheibung der St.SebastianfigurVortragekreuzzur Bescheibung der Buntglasfensterzur Bescheibung des Weihwasserkessels
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Die übrige Figuren- und Bilderausstattung hat die Darstellung der in der bäuerlichen Gegend beliebten Heiligen:
- St.Leonhards-Bild. Der Heilige sitzt neben einem aufgezäumten Pferd und einem Rind. In den Händen hält er Abtsstab u.Ketten.
- St.Franziskus-Bild. Der Heilige stützt sich auf ein Kreuz.
- St.Antonius-Figur mit Kruzifix
- St.Florians-Figur in römischer Soldatenkleidung mit prächtigem Federbusch auf dem Helm und Spieß in der Hand.



Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen


Geschichte: Freisinger Matrikel Visitation 1560 Matrikel 1740 Beschreibung 1874 Beschreibung 1900
Ausstattung: Altarraum Apostelleuchter Baubeschreibung Bilder im Chor Bilder im Schiff
  Choraltar Deckengemälde Fenster Figuren im Chor Figuren im Schiff
  Kanzelkreuz Kirchenschiff Kirchenbänke Kreuzweg Mater dolorosa
  Opferstock Portal Tabernakel Turm
  Vortragekreuze Zelebrationsaltar      

Hörenzhausen liegt östlich von Haimhausen zwischen der Bundesstraße 13 und der Autobahn nach Nürnberg. Die Gegend ist schon seit der Keltenzeit um 400 v. Chr. besiedelt; jedenfalls hat man bei Hörenzhausen Scherben aus dieser Zeit gefunden.
Im Jahr 820 wird der Ort unter dem Namen Herineshusir (bei den Häusern des Herino) erstmals urkundlich erwähnt. Damals übergab ein Priester Heripald sein Eigentum in Herineshusir dem Freisinger Bischof. Die Urkunde wurde übrigens am 19.April 820 in Ottershausen ausgestellt.
In späteren Urkunden wurde Hörenzhausen auch Herineshusen, Heridioshusun und Heriteshusa genannt. In einer Tauschurkunde des Bischofs Gottschalk (994-1005) ist von Heridieshusa die Rede, in der Urkunde von 1130 (Schenkung eines Gutes in Hörenzhausen an das Bistum durch Bertholdus von Hörenzhausen) nennt man den Ort Herneshusin.


Geschichte der Kirche

Freisinger Matrikel 02)
Von einer Kirche in Hörenzhausen wird erstmals in der Konradinischen Matrikel des Jahres 1315 gesprochen; dort wird sie unter der Bezeichnung "Herentshausen cum sepulturis" (= mit Friedhof) als Filiale der Pfarrei Haimhausen aufgeführt. Ein Friedhof ist Beleg für eine Siedlung von einiger Bedeutung.
In der Sunderndorfer'schen Matrikel von 1524 wird erstmals der Patronat der Kirche St. Johannes genannt ("s.Joannis in Herentzhausen").


Visitationsbericht von 1560 11)
Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation, eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet. Die Visitation wurde durch bischöfliche und durch herzogliche

Bevollmächtigte durchgeführt. Grund war die durch die Reformation Luthers (1517) entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen des Bistums zur Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte. Im Bericht über die Pfarrei Haimhausen ist auch Hörenzhausen kurz erwähnt.

Die Filialkirche St.Johannes in Hörntzhausen oder Herntzhausen besitze einen Friedhof "und ein Sacrament". Das Sakramentshäuschen sei aber "ubel beschlossen und beleucht". Die Kirche liege im Bezirk des Massenhausener Gerichts, das auch die Kirchenrechnung kontrolliere. Das Einkommen betrage 20 d an Geld, 4 Schäffel Korn (=Roggen) und 4 Schäffel Hafer; dazu von einem Jahrtag 3/4 Schäffel Weizen und 1/2 Schäffel Hafer. Das Gotteshaus war von guter Bauqualität ["Gottshauß ist nit paufellig und sonst mit aller Notturfft versehen"]. An Gerätschaften waren vorhanden: 2 Kelche mit Corporale, 2 Messbücher, 1 Liturgiebuch und ein Gesangsbuch.



Auszug aus einer Karte
von Philipp Finkh -1655
(Hernzhausn)

Schmidt'sche Matrikel 1738/40
In den Jahren 1738 bis 1740 hat der Freisinger Kanonikus Schmidt alle Pfarreien der Diözese Freising besucht und in der nach ihm benannten Schmidt'schen Matrikel beschrieben. Bei der Pfarrei St.Nikolaus in Haimhausen wird auch die Filialkirche "s.Joannis Bapt. in Haerentzhausen" erwähnt. Schmidt beschreibt die Kirche als Bau von gediegener Schönheit. Sie enthielt damals drei Altäre: der Hochaltar war dem Kirchenpatron Johannes Bapt. geweiht, die anderen Altäre dem Leiden Christi und der Jungfrau Maria. Gottesdienste fanden alternierend mit Großnöbach jeden zweiten Sonntag statt, außerdem an den Festen der Apostel. Kirchweih wurde am Sonntag vor Mariä Geburt (8.Sept.) gefeiert. Im Friedhof stand ein Beinhaus. Die Messgewänder in der Sakristei waren in gutem Zustand. Im Turm hingen zwei geweihte Glocken. Die Einnahmen der Kirche verwalteten der Pfarrer und der Landpfleger von Massenhausen. Der Bericht schließt mit dem einzigen Satz in deutscher Sprache: "Das Vermögen dises Gottshauses wirdet der Zeit über gegen 1000 fl. (Gulden) betragen ". Das war für so eine kleine Kirche eine hohe Summe.

Statistik
Zur Größe der Ortschaft Hörenzhausen im 19.Jh. gibt es in den Publikationen der jeweiligen Zeit immer wieder Hinweise:
1831: waren es 72 Seelen in ebenfalls 12 Häusern. 01)
1867: "Hörenzhausen, Gemeinde Günzenhausen, kath.Pfarrei Haimhausen, 107 Einw. 35 Gebäude, 1 Kirche" 03)

1876: 104 Einwohner in 42 Gebäuden mit 40 Pferden und 176 Rindviechern. 08)

1874: wohnten in Hörenzhausen 107 Seelen (Gläubige) in 12 Häusern
14) .


Beschreibung 1874
14)
Die Kirche in Hörenzhausen ist auch in der Statistischen Beschreibung des Erzbisthums München-Freising von Anton Mayer aus dem Jahr 1874 enthalten. Dort heißt es: "Hörenzhausen, abseits gelegen, in's Bezirksamt Freising gehörig. Erbauungsjahr unbekannt. Presbytherium gothisch, Anbau (Schiff) modern. Geräumigkeit genügend. Baupflicht: An der Kirche die Kirche, am Cm. (=Friedhof) die Gemeinde. Sattel-Thurm mit 2 Glocken. Cons.dub. Patrozinium Hl.Johannes d.T. 3 altar. p. Ss.Cm. ohne Capelle. Gottesdienste: Abwechselnd mit Großnöbach. Stiftungen: 1 Requiem mit Vigil u. 1 Beimesse. - Meßner: Ein Gütler. Kirchenvermögen: Rent. 1647 fl. (=Gulden) nicht rent. 2126 fl. "


Beschreibung 1900  04)

In den Jahren 1900 und 1901 hat der Haimhausener Kaplan Hugo Straßer unter dem Titel "Nova et vetera de parochia Haimbhusiaria" (=Neues und Altes aus der Pfarrei Haimhausen) eine umfangreiche Pfarrbeschreibung verfasst. Im Abschnitt Filialkirchen ist auch Hörenzhausen aufgeführt. Wenn Sie am Text interessiert sind, klicken Sie hier...

 

Baubeschreibung

Die etwas über 15 Meter lange Kirche liegt am Nordhang des Ortes inmitten eines ummauerten Friedhofs und ist über eine lange Treppe zu erreichen.

Sie ist eine noch sehr gut erhaltene und wenig veränderte spätromanische Anlage des 14.Jh und somit eine der ältesten Kirchen der Gegend. Das Kirchenschiff weist an der südlichen Außenseite noch zwei romanische Rundbogenfriese (zwei in Blendbogen schließenden kurzen Blendfeldern) auf.


Rundbogenfries
Im Innern ist das Gebäude in drei Achsen (Joche) eingeteilt und wird von vier Fenstern erhellt.
Der quadratische Altarraum ist stark eingezogen und schließt eckig. Möglicherweise war die Kirche früher eine Chorturmkirche, d.h., der Altarraum war das Erdgeschoss des Turmes. Der Kunsthistoriker Dr. Michael Hartig vertrat die Auffassung, dass die Kirche ursprünglich doppelgeschossig war. Der untere Raum wäre dann die Kirche, der obere ein Zufluchtsort in Zeiten feindlicher Überfälle gewesen. Im 14. Jahrhundert wurden fast überall diese Doppelanlagen entfernt, Damals könnte - so Dr.Hartig- der jetzige Chor gebaut worden sein.
Hartig stützt seine Auffassung auch darauf, dass die Langhauswände in halber Höhe rechts und links abgesetzt sind.


Treppe zur Kirche

Der massige Turm mit Satteldach ist an der Nordseite des Chors angebaut. Aus dem Ende des 19.Jh. ist bekannt, dass hier Störche nisteten. Hinter den rundbogigen Schallfenstern hängen zwei Glocken, die in den Jahren 1797 und 1922 aus Bronze gegossen wurden:
Die Marienglocke aus dem Jahr 1797 stammt vom Gießer Nicolaus
Regnault aus München 10); sie hat ein Gewicht von 310 kg, eine Höhe von 60 cm und einen Durchmesser von 77 cm. Auf dem Glockenmantel sind 15 cm große Bilder der Patrona Bavariae, der schmerzhaften Muttergottes und einer Kreuzigungsszene mit Johannes und Maria zu sehen. Der Text um den Glockensaum lautet: "Liberet Nos Deus apTer (Pater) Filius et Spiritus Sanctus A Ful Gure et Tempestate" (Es befreie uns Gottvater, der Sohn und der Heilige Geist von Blitz und Unwetter). Die Marienglocke wurde im 2.Weltkrieg zum Einschmelzen abgeliefert, kam aber nach dem Krieg wieder unversehrt zurück.
Die Johannesglocke wurde 1922 von den Gebr. Ulrich aus Apolda /Kempten gegossen. Sie hat ein Gewicht von 185 kg, ist 55 cm hoch bei einen Durchmesser von 67 cm. Auf dem Glockenmantel ein 15 cm hohes Bild des Auferstandenen. Darunter der Text "Wieder Erstanden durch die Kirchengemeinde."
Der Text "Wieder Erstanden..." ist darauf zurückzuführen, dass vor dem 1.Weltkrieg bereits eine Johannesglocke zum Gottesdienst rief. Sie war 1886 gegossen und im Ersten Weltkrieg zum Einschmelzen für Kriegszwecke konfisziert worden.


Sakristei
Im unteren Bereich des Turmes ist die Sakristei eingebaut, die auch noch einen kleinen Pultdach-förmigen Anbau (1834) umfasst. Der Eingang (ohne Vorhaus) liegt an der Südwestseite. Das Portal ist gotisch (spitzbogig). Darüber findet sich ein kleines, wohl noch romanisches Fenster.

Sakristeikreuz
Im Inneren hängt ein relativ großes, leicht beschädigtes Kruzifix, das aus dem 19.Jh. stammen dürfte. Der Schaden betrifft den Heiligenschein (Nimbus). Ein Strahl ist abgebrochen.
Die Decke der Sakristei ist mit einem Netzgewölbe überzogen.

Netzgewölbe
Mittelpunkt der Sakristei ist der lange Sakristeischrank aus dem 19.Jh., in dem die Kleidung und die Gerätschaften aufbewahrt werden.

Sakristeischrank

Die letzte Renovierung der Kirche wurde in den 1980er Jahren durchgeführt. Vorher ist eine Renovierung aus dem Jahr 1896 (durch Maler Rottenfußer aus Laufen) bekannt.



Innenausstattung

Altarraum

Der Altarraum mit quadratischem Grundriss ist von einem Kreuzrippengewölbe aus dem 14. oder 15.Jh. überdeckt, das nicht auf Kragsteinen sitzt, sondern eingespannt ist. Ein Schlussstein fehlt. Der Chor wird von einem Südfenster erhellt.
Im Altarraum befinden sich neben dem Hochaltar ein Leonhardsbild und ein Vortragekreuz.

Zwei Türen führten in die Sakristei (links) und nach draußen (rechts). Die letztere Türe wurde bei der Renovierung vor 20 Jahren zugemauert; damit ist insoweit der Urzustand des romanischen Baues wieder hergestellt.

Altarraum
In romanischer Zeit soll die Kirche eine Chorturmkirche gewesen sein. Das heißt, an der Stelle des Chors wäre der Turm gestanden, in dessen Untergeschoss der Altarraum untergebracht war. Dieses Konstrukt hat man in gotischer Zeit verändert, wohl auch deshalb, weil man einen größeren Altarraum haben wollte. Der Turm dürfte einen erheblich kleineren Grundriss gehabt haben.

Kreuzrippengewölbe
Hinweis: Die Erfindung des Kreuzrippengewölbes, das zum Kennzeichen des gotischen Kirchbaus wird, macht es möglich, die statischen Lasten zu reduzieren und über verhältnismäßig dünne Wände in Verbindung mit entsprechenden Strebewerken in die Fundamente abzuleiten. Symbolisch kann das Gewölbe mit seinem Netzwerk auch die Strukturen des gewölbten Himmels abbilden.


W
andmalereien

   Reste der Wandbemalung
Das romanische Mauerwerk im Inneren dürfte wahrscheinlich mit Gemälden geschmückt gewesen sein. Jedenfalls hat man um 2015 Reste mehrerer übereinander liegender Malschichten an verschiedenen Stellen der Kirche (im Altarraum, im Kirchenschiff und auf der Empore) unter der Tünche entdeckt.

Reste der Bemalung im Schiff


Hochaltar / Choraltar


Der Hochaltar stammt aus der Zeit um 1740. Zwei Wendelsäulen stützen ein schräg-vorgezogenes, verkröpftes Gebälk. In der Mitte befindet sich eine Nische mit blauem Hintergrund; sie ist mit einem Baldachin und gerafften Vorhängen umsäumt.
Säulen an den Altären haben nicht nur statische Aufgaben. Sie sind auch Symbol für den Zusammenhang von Oben und Unten, sie verbinden Himmel und Erde. Deshalb waren Säulenretabel eine beliebte Bauform.

Altaraufsatz
Im prächtig gestalteten Altaraufsatz sind in einem ovalen Bild Gottvater und der Heilige Geist dargestellt (Entstehung um 1740,wie der Altar). Gottvater hält in der linken Hand ein Zepter, mit der Rechten segnet er eine vor ihm liegende blaue Weltkugel. Vor der Kugel schwebt der Heilige Geist in Gestalt einer Taube.

Altaraufsatz
Zu beiden Seiten des Gemäldes stehen auf dem Gebälk Ziervasen (Bild auf dieser Seite ganz oben rechts). Gekrönt wird der Altaraufsatz von einer vergoldeten Muschel.
Unter dem Altaraufsatz (über der Muttergottes-figur) ist das Herz Mariens im Strahlenkranz angebracht. Ihm entsteigt eine Flamme (die flammende Liebe zu Jesus); Das Herz ist von einem Kranz aus Rosenblüten umgeben. Rosen sind die Symbolblumen von Maria.
  Hinweis: Die Muschel war in der griechisch-römischen Symbolwelt ein Zeichen für die Göttin Aphrodite (römisch: Venus), weil sie die "aus dem Schaum Geborene" ist. Diese Bilderwelt findet sich heute noch in der Werbung. Die Christen haben die Muschel als Symbol aufgegriffen und neu gedeutet. Die Perle nämlich, die sich in der Muschel findet, ist ein Bild für die Menschwerdung Jesu, sodass Maria die neue Aphrodite ist, die die Perle in sich trägt. Die Muschel wurde -aus anderen Gründen- auch das Zeichen für die Jakobspilger.
Mittelteil
Unter dem Baldachin thront nach Art der Patronin Bavariae eine um das Jahr 1660 geschnitzte Muttergottesstatue. Die sitzende Maria hält auf dem linken Schoß ihr Kind. Beide sind gekrönt. (Nach Dr.Hartig sind die Kronen erst später dazugekommen; allerdings gab es 1660 schon Kronen dieser Form). Maria hält in der rechten Hand das Zepter. Ihre Füße ruhen auf einer großen Mondsichel. Das Jesuskind hält in seiner Hand die dritte königliche Insignie, einen vergoldeten Apfel, die Vorläuferform des Reichsapfels.


Muttergottes

Hinweis: Der Apfel war schon im Altertum Sinnbild für den Kosmos, später auch für die Erde, nachdem man deren Kugelform erkannt und akzeptiert hatte. Der mit dem Kreuz versehene Reichsapfel in der Hand des Königs ist seit 1191 Teil der königlichen Insignien und symbolisiert den von Gott verliehenen Herrschaftsanspruch. Gleiches gilt auch für das Jesuskind. Hier kommt aber die weitere Bedeutung des Apfels als Paradiesapfel und Sinnbild für den Sündenfall hinzu: Jesus weist den Betrachter darauf hin, dass er durch seinen Tod die Erbsünde überwindet.

  Die Mondsichel erinnert an Maria als der Frau aus der Offenbarung des Johannes (Offb.12,1): "Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt" (Offb.12,1).
Tabernakel
Der Tabernakel wurde in der Mitte des 18.Jh erstellt. Zwei kleine blau-gemaserte Wendelsäulchen umgeben die vergoldete Tabernakeltür mit einem ebenfalls vergoldeten Holzkreuz und gegossenem Korpus (Leib Jesu).

Tabernakel
Hinweis: Tabernakel ist das lateinische Wort für Zelt. Die seit dem 12. Jh übliche Bezeichnung führt zurück zur Bundeslade der Israeliten zur Zeit Mose, die ebenfalls in einem Zelt untergebracht war. Der Tabernakel dient bereits seit frühchristlicher Zeit (unter anderem Namen) zur Aufbewahrung ver-wandelter Hostien für die Sterbenden. Im hohen Mittelalter wurde er auch Ort der Anbetung und Verehrung Christi in der Gestalt dieses eucharis-tischen Brotes. Der Ort und die Form der Aufbe-
  wahrung änderten sich im Laufe der Jahrhunderte häufig. Das Tridentinische Konzil (1545-63) ordnete die Aufstellung des Tabernakels auf dem Altar an. Doch diese Vorschrift wurde in Deutschland, wo man lange daran festhielt, die heiligen Hostien in Wandschränken und Sakramentshäuschen aufzubewahren, erst im 18. Jh. umgesetzt. Das 2. Vatikanische Konzil (1962-65) lässt dies wieder zu. Deshalb werden in modernen oder modernisierten Kirchen Tabernakel häufig in die Wand eingelassen oder stehen frei auf einer Säule.
Assistenzfiguren

Johannes d.Täufer
Die Assistenzfiguren am Choraltar aus der 1.Hälfte des 18.Jh. stellen zwei Heilige Johannes dar:
Links Johannes der Täufer mit einer Kreuzfahne in der Hand, um die sich ein Schriftband mit dem Text "Ecce agnus Dei" windet. Zu Füßen des Heiligen liegt ein Lamm.     
Rechts der in ein üppiges Gewand gekleidete Evangelist Johannes. In seiner Hand hält er einen Kelch. Sein Gesicht ist das eines Jünglings. Er steht barfuß auf dem Sockel. Die Darstellung vermischt die Personen des Apostels Johannes und des Evangelisten Johannes.

Johannes Evangelist

Hinweise: Johannes der Täufer (ein Verwandter Jesu) war Bußprediger am Jordan und taufte
dort auch Jesus. Später wurde er auf Wunsch der Herodias, der Geliebten von Herodes und ihrer Tochter Salome enthauptet. Mit den Worten "Dieser ist das Lamm Gottes, das die Schuld der ganzen Welt wegnimmt" hatte Johannes den Messias angekündigt (Johannes 1,29). Deshalb wird er in der Kunst häufig mit einem Lamm und mit dem Spruchband "Ecce agnus dei" am Kreuzstab abgebildet.
Johannes der Apostel und Johannes der Evangelist werden in der Überlieferung und in der Kunst häufig gleichgesetzt, weil man glaubte, der Apostel Johannes habe das Evangelium geschrieben. Nach kirchengeschicht-lichen Erkenntnissen handelte es sich dabei aber um zwei verschiedene Personen.
Der Apostel Johannes, der unter dem Kreuz stand, war der Bruder des Jakobus' des Älteren und von Beruf Fischer. Er war erst Anhänger Johannes' des Täufers und wurde dann Jesu "Lieblingsjünger" (Joh.19, 26).
Der Evangelist Johannes lebte wohl erst um das Jahr 95. Bei der Domitianischen Verfolgung soll er in einen Kessel mit siedendem Öl gesteckt worden sein, doch das Öl verwandelte sich in ein erfrischendes Bad. Er entstieg unversehrt und wurde auf die Insel Patmos verbannt, wo er das Buch der "Offenbarung" schrieb. Wegen seiner "hohen Theologie", wird er mit einem Adler dargestellt. Die Schlange im Kelch erinnert an den Versuch, Johannes in Ephesus zu vergiften. Das Gift entwich dem Kelch in Form der Schlange.
In der Figur des Johannes in Hörenzhausen weisen das jugendliche Gesicht (jüngster Apostel) und die Barfüßigkeit auf den Apostel, der Kelch auf den Evangelisten hin.


Weitere Figuren und Bilder im Altarraum

An der Chorschlusswand hinter dem Altar stehen Figuren des hl.Antonius von Padua (links) und des hl. Florian.

St.Antonius
Antonius ist in die Franziskanerkutte gekleidet. In den Händen hält er ein Kruzifix und eine lodernde Flamme. Die Flamme kündet von der Nächstenliebe und von seinem Einsatz für soziale Gerechtigkeit. Das bei Antonius-Darstellungen übliche Jesuskind auf dem Arm fehlt. In gleicher Weise wird in der Kunst auch Franz von Assisi dargestellt.
St.Florian (rechts) in römischer Soldatenkleidung mit prächtigem Federbusch auf dem Helm hält einen Spieß in der linken Hand. Mit der Rechten schüttet er Wasser aus einem Gefäß auf ein zu seinen Füßen stehendes Kirchenmodell. Flammen sind jedoch nicht zu sehen.

St.Florian
  Hinweis: Antonius lebte im 13.Jh und war ein begnadeter Redner, der sich gegen die damaligen Häretiker (Katharer, Albigenser und Waldenser) wandte. Seine Fastenpredigten in Padua 1231 hatten einen sensationellen Erfolg, denn die ganze Region schien danach wie umgewandelt: Schulden wurden erlassen, zerstrittene Familien versöhnten sich, Diebe gaben das gestohlene Gut zurück, unrechtmäßige und überhöhte Zinsen wurden den Schuldnern zurückerstattet. Bis heute gilt in Italien ein damals erlassenes Gesetz, dass niemand mit seinem Leben und seiner Freiheit für eine Schuld haften solle, sondern nur mit seinem Eigentum. Antonius wird als Hilfe zum Wiederauffinden verlorener Gegenstände angerufen und gilt deshalb als "Patron der Schlamperer". Dies geht auf zwei Legenden zurück: Als ihm ein Manuskript gestohlen worden war, betete er so lange, bis der Dieb damit zurückkehrte. Schöner ist die zweite Legende, nach der er einem Geizhals half sein Herz zu suchen und es in einer Geldtruhe fand. Die Darstellung mit dem Jesuskind auf seinem Arm ist bei uns erst seit dem 17.Jh verbreitet; sie verweist auf eine seiner Visionen, die er beim Bibellesen hatte.
St.Florian war um das Jahr 304 Offizier der zweiten italienischen Legion des römischen Heeres. Er war in St.Pölten in Oberösterreich stationiert. Nachdem der Christ geworden war, trat er aus der Armee aus. Wegen seines Glaubens wurde er verhaftet und nach vielen Martern mit einem Mühlstein um den Hals in die Enns geworfen. Florian ist der erste österreichische Märtyrer und Heilige. In seiner Jugend soll er ein brennendes Haus durch sein Gebet gerettet haben; aber erst im 15. Jh setzte sich diese Überlieferung durch, die heute seine Bedeutung als Schutzpatron vor Feuersgefahr begründet.

An der Nordwand des Altarraums hängt ein Bild mit geschweiftem, rotweiß marmoriertem Rahmen. Es wurde in der Mitte des 18.Jh in Öl auf Leinwand gemalt und stellt den hl. Leonhard dar. Der Heilige sitzt -in ein Ordensgewand gekleidet- neben einem aufgezäumten Pferd und einem Rind. In den Händen hält er einen Abtsstab und Ketten.

St.Leonhard
Hinweis: Leonhard (in Bayern einer der 14 Nothelfer) lebte um das Jahr 500 als Einsiedler und später als Abt in Frankreich. Regelmäßig besuchte er die Gefangenen und erreichte beim König Clodwig I., dass viele von ihnen freigelassen wurden. Deshalb galt er ursprüng-lich als Schutzpatron derer, "die in Ketten liegen", also der Gefangenen - und der Geisteskranken, die man bis ins 18. Jahrhundert ankettete. Als die Leonhards-verehrung nach Deutschland kam, hat man ihn wegen der Ketten, mit denen er in Frankreich abgebildet war,
  als Patron der Haustiere verehrt, weil man diese Ketten als Viehketten missdeutete. In Bayern erreichte die Leonhardsverehrung im 19.Jh ihren Höhepunkt. Man nannte ihn auch den bayerischen Herrgott. Am Leonhardstag, dem 6. November werden Leonhardiritte abgehalten und Tiersegnungen vorgenommen.


Apostelleuchter


Apostelleuchter
An den Wänden des Altarraums sind noch vier Apostelleuchter angebracht. Die gelben Apostelkreuze wurden um das Jahr 1900 auf den Putz aufgemalt. Die Leuchter sind aus Schmiedeeisen. Üblich sind 12 Apostelleuchter. Bei einer der letzten Renovierungen hat man die übrigen Leuchter entfernt. In der Regel haben nur Pfarrkirchen Apostelleuchter. Sie erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlischen Jerusalems.


Vortragekreuze

Am Chorbogen hängt ein relativ großes Kruzifix, das um das Jahr 1530 geschnitzt worden ist. Der lange senkrechte Kreuzbalken weist es als Vortragekreuz aus. Dr.Hartig schrieb -nicht besonders begeistert-: "Das Kreuz ist mehr interessant als schön. Es ist in der Zeit geschnitzt worden, in welcher Gotik und Renaissance miteinander kämpften. Die Schnitzerei ist mehr Volks- als Kirchenkunst, die Behandlung des Körpers und die Haltung des Kopfes sind ausgesprochen Renaissance-Schöpfung, aber der ganze Eindruck ist noch spätgotisch."
  Hinweis: Vortragekreuze werden beim Kirchenein- und Auszug, Prozessionen, Wallfahrten sowie bei Beerdigungen vorangetragen. Dies geht zurück auf das Jesuswort "Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach". Bei Gebetsprozessionen (Bittgängen, Kreuzweg) wird der Corpus des Kreuzes zu den nachgehenden betenden Menschen gedreht, damit sie den Gekreuzigten vor Augen haben. Bei anderen Prozessionen, z.B. an Fronleichnam und beim Ein- und Auszug zeigt der Corpus in die Gehrichtung, d.h., er weist ihnen den Weg. Die ältesten Vortragekreuze stammen schon aus dem 6.Jh.; das Kreuz in Hörenzhausen dürfte wohl im 18.Jh geschnitzt worden sein.



Vortragekreuz


An den Kirchenbänken sind noch zwei weitere Vortragekreuze auf Stangen befestigt. Das hellere Kreuz wird bei Bittgängen, das schwarz-weiß bemalte Kreuz dagegen für Beerdigungen verwendet. An letzterem sind zwischen den Kreuzbalken Pickel und Spaten, die Werkzeuge, mit denen ein Grab ausgehoben wurde, zu sehen. An diesem Kreuz konnte auch eine Fahne befestigt werden.

Kreuzstange
Hinweis: Bei Beerdigungen werden durch das Vortragekreuz die vom Priester gesprochenen Worte "Jesus geht uns voraus - wir werden ihn sehen" sowie "Das Zeichen unserer Hoffnung, das Kreuz unseres Herrn Jesus Christus sei aufgerichtet über deinem Grab" sinnfälliger.


Weihwasserkessel
In der Südostecke des Altarraums hängt ein kupfergeschmiedeter Weihwasserkessel. Er dient dem Priester zum Besprengen der Gläubigen mit Weihwasser. Dazu wird Weihwedel (Aspergill) verwendet.


Zelebrationsaltar

Die Kirche besitzt keinen Zelebrationsaltar; der Priester liest die Messe mit dem Rücken zum Volk. Warum hier die Liturgiereform des 2.Vatikanischen Konzils nicht umgesetzt wurde (Platzgründe, Denkmalschutzgründe, zu wenige Zelebrationen), ist mir nicht bekannt.
  Hinweis: In der Anfangszeit des Christentums konnte zur Eucharistiefeier zunächst jeder beliebige Tisch dienen, doch bereits im 4. Jahrhundert wurde ein fester Altar in die Kirchen eingebaut. Er war frei aufgestellt und von allen Seiten zugänglich. Der zelebrierende Priester stand hinter dem Altar, sodass seine Handlungen während der Messfeier für die ganze Gemeinde sichtbar waren. Als der Altar dann im 11.Jh eine Rückwand mit hohen Altaraufbauten (Retabeln) erhielt und weiter an die Ostwand rückte, wandte der Priester der Gemeinde den Rücken zu. Dies ist in der katholischen Kirche durch eine Liturgiereform erst vor 55 Jahren wieder rückgängig gemacht worden. Der Zelebrationsalter ersetzt nun liturgisch voll den Hochaltar. 18)


Kirchenschiff / Langhaus

Decke im Kirchenschiff

Das Kirchenschiff besitzt noch eine romanische Holz-Flachdecke über niedriger Volute. Sie ist mehrfarbig (polychrom) gestaltet (gelb und rosa) und nur in der Mitte bemalt.

Deckengemälde
In einem runden Fresko mit Stuckrahmen ist eine weiße Heilig-Geist-Taube im Strahlenkranz vor einem ockerfarbigem Hintergrund zu sehen. In der Mitte des Bildes ist die Kette für den Leuchter angebracht.
 
Hinweis: Die Gestalt der Taube für die künstlerische Darstellung des Heiligen Geistes gründet sich auf den Bericht der Taufe Jesu im Neuen Testament. Danach fuhr der Heilige Geist in leiblicher Gestalt auf Jesus hernieder wie eine Taube (Lk., 3,22). Obwohl dies nur bedeutet, dass sich der Geist bewegte wie eine Taube, nicht aber aussah wie ein Vogel, hat man die Taube als Symbol für die sonst nur schwer greifbare dritte Person Gottes gewählt. Das Konzil von Nicäa im Jahr 325 hat dies sogar empfohlen. Papst Benedikt XIV verbot 1745 die Darstellung der dritten göttlichen Person in Menschengestalt, wie sie vereinzelt immer noch vorkam (so z.B. im Deckengemälden der Schlosskapellen in Haimhausen und Unterweilbach).


Fenster

Die Fenster sind für einen romanischen Bau zu groß. Ihre derzeitige Form erhielten sie erst nach 1718. Drei der vier Fenster sind mit Jugendstil- Glasgemälden aus der Zeit kurz vor der Jahrhundertwende geschmückt (Glasmaler Franz Xaver Zettler, Zettlersche Hofglasmalereianstalt München).
Kunstwerke im später so genannten Jugendstil (Begriff gebildet nach der 1894 von Georg Hirth gegründeten Zeitschrift "Jugend" und ihrer Art der grafischen Gestaltung ) sind in den Kirchen eher selten. Sie stehen meist im nichtkirchlichen Bereichen oder sind uns als Hausfassaden bekannt. Ausnahme sind die bemalten Kirchenfenster, die sogar sehr häufig in dieser Stilart gestaltet sind.

Eines der Fenster, "gestiftet von der Kirchengemeinde Hörenzhausen, 1891" zeigt das Lamm Gottes auf dem Buch mit den sieben Siegeln.


Lamm Gottes
Die Darstellung greift ein Thema aus den Geheimen Offenbarungen (Apokalypse, 5,1 ff) der Bibel auf. Darin beschreibt Johannes eine Vision, in der Gott eine Buchrolle mit sieben Siegeln in der Hand hält, die niemand öffnen konnte. Allein der "Löwe aus Judas Stamm und Nachkomme Davids" sei dazu berechtigt. Da kam ein Lamm, das aussah, als ob es geschlachtet worden war und öffnete die Siegel. Die Buchrolle ist das Buch des Lebens, in dem die Namen der Gerechten
  und der Sünder eingetragen sind und das die Ereignisse enthält, die am Weltende geschehen werden. Das Lamm stellt Jesus dar, der auch der Löwe von Juda und Lamm Gottes genannt wird. In der christlichen Kunst wird Christus in Anlehnung an Textstellen im Alten (Jesaja 53,7) und Neuen Testament (Joh.1, 29) schon seit dem 4. Jh. symbolisch als Opferlamm dargestellt. Die Kreuzfahne als Zeichen des Sieges taucht jedoch erst seit dem 10./11. Jh. in der Kunst auf.

Das zweite Fenster wurde von Josef Westermayer -ebenfalls im Jahr 1891- gestiftet. Es zeigt den Namenspatron des Stifters, den hl. Josef mit Bibel und Lilien in den Händen.

St.Josef
Joseph war der Vater Jesu - oder Ziehvater Jesu, da nach altchristlicher Überzeugung Jesus der Sohn Gottes ist und durch den Heiligen Geist im Schoß der Jungfrau Maria gezeugt wurde. Joseph stammte aus dem Geschlecht des Königs Davids, aus dem nach dem Zeugnis des Alten Testaments der Messias hervorgehen werde. Er lebte als Zimmermann in Nazareth.
Das dritte Fenster stiftete im selben Jahr Anton Kratzl. Dargestellt wird wieder der Namenspatron des Stifters, der hl. Antonius von Padua mit dem Jesuskind auf dem Arm und einer Lilie in der Hand.

St.Antonius
Die Darstellung mit dem Jesuskind auf seinem Arm ist bei uns erst seit dem 17.Jh verbreitet; sie verweist auf eine seiner Visionen, die er beim Bibellesen hatte. Weiße Lilien gelten seit dem Mittelalter als Symbol für Reinheit und Keuschheit. St.Mechthild von Magdeburg betete im 13.Jh: "empfange Herr, deine Bräute und begegne ihnen mit den Lilien der lauteren Keuschheit alle ihre Tage"


Seitenaltäre

Die Seitenaltäre waren 1890 im neuromanischen Stil gefertigt worden. Bei einer früheren Renovierung der Kirche um die Zeit des 2.Weltkriegs wurden sie entfernt und nicht wieder eingebaut. Deshalb ist anstelle der Aufbauten nur je eine Figur angebracht. Die Stipes (Altartische) sind schräg gemauert und ohne weitere Verkleidung weiß verputzt.
Wohin die Seitenaltäre kamen, ist nicht mehr bekannt. Ältere Bewohner können sich erinnern, dass nach der Renovierung falsche Altäre geliefert und wieder abgeholt worden waren. Möglicherweise war den Kunsthistorikern auch die Stilmischung (Romanik, Barock, Neuromanik) suspekt und sie vertraten die Auffassung, ohne Seitenaltäre komme die Kirche dem Originalzustand am nächsten. Zudem fanden Zeitgenossen die Seitenaltäre nicht als kunstvoll genug. Kaplan Hugo Straßer aus Haimhausen schrieb darüber in seiner Pfarrchronik von 1910: "Die Seitenaltäre sind neu gebaut. Sie sind nur normalige Arbeit eines sog. Kunstschreiners".


Linker Seitenaltar

Am linken Seitenaltar ist eine Pieta, die trauernde Muttergottes mit dem toten Sohn Jesus auf dem Schoß zu sehen. Maria ist in ein rotes Kleid und einen blau-goldenen Mantel gekleidet. Dies sind die traditionellen Farben für die Gewänder Marias. Das Haupt der Muttergottes ist von einem strahlenförmigen Heiligenschein umgeben. Mit ihrer rechten Hand stützt sie das Haupt ihres Sohnes.

Pieta
Die Linke hält die Hand Jesu. Die Stelle an der Stirn, in die die Dornenkrone gedrückt war, ist mit Blut befleckt. Der Leichnam Jesu ist in der Längsachse nach leicht vorne gedreht, als wollte Maria ihn dem Betrachter zeigen. So werden auch alle fünf Wunden (an Händen, Füßen und der Seite) sichtbar. 12)
Die Figur stammt aus der Zeit um 1620.
 
Hinweis: Die Darstellung der Muttergottes mit ihrem toten Sohn auf dem Schoß entspricht keinem Bibelbericht. Nach dem Johannesevangelium stand Maria zwar unter dem Kreuz; ihre Anwesenheit bei der Kreuzabnahme ist aber nicht belegt. Deshalb standen die Pietas in Italien lange unter dem Verdacht der Ketzerei und wurden auch von den Reformatoren in Deutschland abgelehnt. Den Namen Vesperbild erhielten sie, weil die Zeit, die im Stundengebet der Mönche und Nonnen der Trauer um den Tod Jesu gewidmet wird, der Sonnenuntergang ist, die Zeit der Vesper. Der Begriff "Pieta" (ital. Mitleid) weist nach Robert Böck auf die kindliche Liebe und das innige Mitgefühl hin, das die Gläubigen dieser Darstellung entgegenbrachten.



Rechter Seitenaltar


Über dem rechten Seitenaltar steht auf einer Konsole die Schnitzfigur des hl. Sebastian aus der 1. Hälfte des 18.Jh. Der Heilige ist an den Marterbaum, einen alten Baumstumpf, gebunden und von Pfeilen durchbohrt.



St.Sebastian
Hinweis: Sebastian soll nach der Legende im 3.Jh.ein Offizier der kaiserlichen Garde gewesen sein. Auf Befehl des Kaisers Diokletian wurde er wegen seines Glaubens mit Pfeilen durchschossen. Er erholte sich aber durch die Pflege von St.Irene, der Witwe des Märtyrers Kastulus, bekannte sich erneut zu seinem Glauben und wurde daraufhin mit Keulen erschlagen. Auf seine Anrufung hin, soll eine Pestepidemie abgewendet worden sein. Der hl. Sebastian wird deshalb als Pestpatron und -der Pfeile wegen- als Patron der Schützenbruderschaften verehrt.


Bild an der Seitenwand


St.Franziskus  
An der Nordwand hängt ein großes, inzwischen stark nachgedunkeltes Ölgemälde (auf Leinwand) aus dem 18.Jh. Es zeigt einen Mönch im Franziskanergewand, der sich auf ein Kreuz aus Holzstämmen stützt, den linken Arm nach oben ausstreckt und dabei Daumen und Zeigefinger ausstreckt. Am Fuße des Kreuzes liegen ein geöffnetes Buch und ein Totenschädel. Wen dieser Mönch darstellt ist nicht sicher. Möglicherweise ist es St.Franziskus von Assisi, weil Kreuz und Totenschädel zu seinen typischen Attributen zählen und auch das Mönchsgewand diese Deutung stützt. Die Franziskanermönche sind in braune Kutten gekleidet; die Farbe Braun steht in der Tradition für Demut und Bescheidenheit.

Hinweis: Giovanni Bernardone führte um das Jahr 1200 als Sohn eine wohlhabenden Kaufmanns ein sorgloses Leben und erhielt wegen seiner Vorliebe für das französische Leben den Spitznamen Francesco. Als Kriegsgefangener bekehrte er sich und pflegte Leprakranke. Er entsagte allem Besitz und gründete den
Orden der Minoriten, die sich besonders der Armenpflege und Seelsorge widmeten. Seine glühende Liebe zu Gott und zur Schöpfung faszinierte die Menschen und er hatte damals schon viele Bewunderer und Verehrer.
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Alle waren ihm Schwe-ster und Bruder, auch Sonne, Mond und Tod, wie es sein "Sonnen-gesang" ausdrückt und wie es die verschiede-nen Legenden von der "Vogelpredigt" zeigen.

Franziskus zog als Wanderprediger durch Dalmatien, Frankreich und Spanien. Später nahm er am 5. Kreuzzug (1219) teil und predigte in Ägypten.

Kurz vor seinem Tod 1226 erhielt er die Wundmale (Stigmata). Franziskus wird häufig mit einem Kruzifix abgebildet, weil er in einer Vision Christus von einem Kruzifix zu ihm herabsprechen hörte. Zudem war ihm die Verbreitung der Passionsfrömmigkeit ein Hauptanliegen.

 

Kanzelkreuz und Mater Dolorosa

An der Südwand hängt ein großes Kruzifix mit darunter stehender schmerzhafter Muttergottes (Mater dolorosa), wie dies in den meisten Kirchen unserer Gegend zu finden ist.

Kruzifix:
In fast allen Kirchen ist ein Kruzifix an der Wand gegenüber der Kanzel angebracht, um den Prediger an den Inhalt seiner Verkündigung zu erinnern: Die Kreuzigung und Auferstehung Christi und keine weltlichen Dinge.
  Eine Kanzel fehlt in Hörenzhausen. Ob sie früher vorhanden war, ist mir nicht bekannt. Zwar wäre eine Kanzel wegen der geringen Größe der Kirche nicht notwendig gewesen, doch ist von vielen kleinen Gotteshäusern bekannt, dass Kanzeln in der Barockzeit als notwendiger Bestandteil der Kirche angesehen wurde.
Das Kruzifix dürfte aus dem 18.Jh. stammen 16). Jesus hängt stark verkrümmt am Kreuz. Die Figur übermittelt dem Besucher den Schmerz des Gekreuzigten sehr glaubwürdig.
Marienfigur

Die Muttergottes ist in das traditionelle rot-blau-goldene Gewand gekleidet. Sie hat ihre Arme zum Zeichen der Trauer über der Brust gekreuzt. Das sonst übliche Schwert der Schmerzen, das ihr der Bibel nach metaphorisch durch das Herz dringt, fehlt.


Kanzelkreuz


Mater dolorosa


Kreuzweg-Stationsbilder

Die Kreuzweg-Stationsbilder stammen aus der Zeit des Historismus (um 1890), als es modern war, alte Kunststile wieder aufleben zu lassen. Die Menschen wurden damals meist idealisiert dargestellt. Dies ist auch hier in Hörenzhausen so.
Die Bilder haben einen Rahmen im Stile der Neu-Renaissance.

Kreuzwegbilder
Das Geschehen auf dem Weg nach Golgatha ist auf einen goldfarbenen Blechuntergrund gemalt. Dadurch erscheinen die Bilder den Ikonenmalereien der Ost-kirche ähnlich.
Bilder nach der gleichen Vorlage hängen in der Kapelle von Reichertshausen bei Altomünster und in den Kirchen von Oberroth und Gundackersdorf

Hinweis: Seinen Ursprung hat der Kreuzweg im Brauch der Pilger, bei Wallfahrten nach Jerusalem den Leidensweg Jesu auf der "Via Dolorosa" nachzugehen. Im späten Mittelalter wurde die Kreuzverehrung insbesondere durch den hl.Franziskus von Assisi gefördert, der durch die Stimme des Gekreuzigten vom Kreuz in St.Damiano zu einem christlichen Leben bekehrt wurde. Seit dieser Zeit wurden Kreuzwegandachten als Ersatz für die Pilgerfahrt ins Heilige Land abgehalten. Die Stationen bildeten dafür die Leidensstätten Jesu nach. Auf diese Weise konnte der letzte Weg Jesu vor Ort nachgegangen und sein Leiden anschaulicher betrachtet werden. Kreuzwegdarstellungen in Deutschland entstanden erstmals in und bei Klosterkirchen, auf Anhöhen und bei Wallfahrtsorten, insbesondere in der Nähe von Franziskanerklöstern. Mit der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert hielten sie als Kreuzwegbilder Einzug in die Innenräume der Pfarrkirchen und verbreiteten sich zunehmend. Papst Clemens XII. erkannte im Jahr 1731 mit seinem Breve "Unterweisungen über die Art, wie man den Kreuzweg abhalten soll" diese Form des Kreuzwegs als kanonisch an und bedachte ihn mit großzügigen Ablässen.
Wenn Sie mehr über die Geschichte des Kreuzwegs und seine Darstellungen in Kirchen erfahren wollen, klicken Sie hier...


Kirchenbänke

KIrchenbank 
Kirchenbank  
Die Kirchenbänke (15 Reihen) im Langhaus haben zwei unterschiedliche Wangenformen; sie wurden sicherlich zu verschiedenen Zeiten angefertigt. Beide Formen sind aber sehr einfach gehalten und besitzen keine besonderen Verzierungen.
Interessanter sind die Namensschilder, die sich noch vollständig in den Bänken erhalten haben. Auf den blauen Schildern stehen in gelber Schrift nicht nur der Schreibname und der Hofname der berechtigten Familie, sondern auch die Platznummer und das Jahr der Stiftung.


Namensschilder


Opferstock


Leuchter
Der Kirchenraum wird von einem sechsarmigen Kristallleuchter erhellt.

Opferstock
In der Nähe des Eingangs ist ein kleiner schmiedeeisener Opferstock befestigt.
In den Kirchen des Dachauer Landes gibt es viele weitere interessante Opferstöcke. Klicken Sie hier....


Portal

Die Kirche hat keine Orgel. Auf der Empore mit der weiß gestrichenen Brüstung stehen mehrere Kirchenbänke.

Am spitzbogigen Eingang besticht die wunderschöne Eingangstüre aus Eichenholz mit klassizistischem Schloss und Klopfer. Der Kircheneingang ist zusätzlich mit einem massiven Stahlgitter geschützt.

Portal

Hans Schertl


Quellen:
01) Eisenmann/Hohn, Topo-geographisch-statistisches Lexicon vom Königreiche Bayern S.780, 1832 (Statistik)
02) Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
03) Handbuch des Königreichs Bayern, 1867 (Gemeinde Günzenhausen)
04) Hugo Straßer, "Nova et vetera de parochia Haimbhusiaria", 1901
05) Theodor Bitterauf, Die Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (Nr.1330, 1725, 434, 996, 1122, 1160, 1228, 1330)
06) Dr. M. Hartig, Die Kirchen des Dekanats Dachau, 1938
07) Dehio/Gallo, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, 1964
08) Vollständiges Ortschaften-Verzeichnis des Köngreichs Bayern S.105, 1876 (Statistik)
09) Freising, Portrait eines Landkreises, Teil 3, Bronzezeit, 1983
10) Max Gruber, Im Amperland tätige Glockengießer, Amperland 1984/2 (Regnault)
  Der Glockengießer Nikolaus Regnault (genannt in der Zeit von 1791-1827/30) hat auch für mehrere Kirchen des Dachauer Landes Glocken gegossen: für Welshofen (Umgießen 1794), Einsbach (1795), Sulzemoos (1795 u.1798), Hörenzhausen (1797), Webling (1814) und Prittlbach (1830). Als in der Zeit der Säkularisation, 1805, die Wieskirche ihre größte Glocke abgeben musste, hat Regnault sie erworben später für den Betrag von 595 fl. wieder zurückgegeben. Die letzten Glocken hat er (oder seine Firma) wohl im Jahr 1830 (in Dinkelsbühl) für die evang. Matthäuskirche in München gegossen.
Nikolaus Regnault war nicht nur Glockengießer. Die Zeitschrift "Der Bayerische Volksfreund", vom 20.Jänner 1827 veröffentlichte die Nachricht, dass "Seine Majestät am 25.Dez. 1827 dem Nikolaus Regnault, Glockengießer in München, ein Privilegium auf die von ihm gemachten Erfindungen und Verbesserungen in Ansehung eines sogenannten Wasserzubringers, dann eines mit demselben in Verbindung zu setzenden Dampfapparates auf den Zeitraum von zehn Jahren allergnädigst verliehen" hat.
11) Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres 1560, 1986
12) Heinrich u.Margarete Schmidt, Die vergessene Bildersprache christlicher Kunst, 1981 (Pieta 5 Wunden)
13) Frau Schuhbauer, Mesnerin, 2004
14) Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874
15) Hans Schnell, Glocken der Pfarrei Haimhausen, 2004
16) Dr.Friedrich Keydel, Kirchen und Kapellen entlang von Amper und Glonn, 2008 (Alter Kanzelkreuz)
17) Eckart Bieger, Das Bilderlexikon der christlichen Symbole, 2011 (braun)
18) Dr Heisig, Kunstreferat des Ordinariats München und Freising, Kunstfahrt 2014 (Zelebr ersetz Hochaltar)

40 Bilder: Hans Schertl

 

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

9.3.2018