zur Landkreiskarte ausführl.Beschreibg
Kirchen i.d. Gem. Röhrmoos
Filialkirche St. Vitalis in SIGMERTSHAUSEN
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Kurzbeschreibung Die am Ortsrand liegende Filialkirche St.
Vitalis der Pfarrei Großinzemoos in Sigmertshausen ist die
bekannteste Kirche im Pfarrverband Röhrmoos-Großinzemoos; ein
barockes Kleinod im Dachauer Hinterland.
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Einzigartig an der Kirche ist die Geschlossenheit
des Baukörpers. Als Dorfkirche ist ein solch vorbildliches Bauwerk nur durch
die Hofmarksherren
zu verstehen.
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Inneneinrichtung Durch starkes Abschrägen der Ecken ist das Schiff im Inneren zu einem fast quadratischem Zentralbau gestaltet. Der daran anschließende quadratische Chor ist stark eingezogen. Die Deckenfresken hat 1755 Franz
Joseph Degle gemalt (und signiert): Am Hochaltar ein großes Bild
mit Szenen aus dem Leben und Sterben des Kirchenpatrons, des hl. Vitalis.
Darunter steht das bekleidete Gnadenbild,
eine Kopie der Hammerthaler Muttergottes aus der Klosterkirche der Augustiner-Eremiten
in München. Auch die schräg gestellten Seitenaltäre aus der Zeit um 1760 sind im Stil des Rokoko gehalten. Auf den 100 Jahre später gemalten Altarblättern sind die Patrone der Altäre, der hl.Franz Xaver und der hl.Leonhard dargestellt. |
16 Details (Altäre, Deckengemälde, Bänke Opferstock, Kanzel, Kreuze) per Mouseklick vergrößern |
Rechts im Altarraum hängen Votivbilder, die an die frühere Wallfahrt erinnern.
Dass Sigmertshausen ein solch vorbildliches Bauwerk als Dorfkirche besitzt, ist der Wallfahrt, vor allem aber dem Hofmarksherrn als Finanzier zu verdanken. Die große Wallfahrtsbetrieb in Sigmertshausen (mit eigenem Kaplan für die Wallfahrerbetreuung) dauerte bis zum Beginn des 19.Jh. Danach beschränkte sich der Besuch auf einige Bittgänge aus den Pfarreien der Umgebung und auf Einzelwallfahrer.
Sigmertshausen gehörte bis 1953 zur Pfarrei Röhrmoos, seither zur Pfarrei Großinzemoos. Beide Pfarreien bilden schon seit mehreren Jahrzehnten einen Pfarrverband, der ab September 2008 mit dem Pfarrverband Hebertshausen/Ampermoching zu einer Pfarreiengemeinschaft zusammengelegt wird.
Der Ort
Die Ortschaft Sigmertshausen wird bereits unter Bischof Anno (855-875) erstmals
schriftlich erwähnt. Nach der in der Sammlung Freisinger Traditionen aufbewahrten
Urkunde tauschte der Bischof von dem Edlen Liutfrid Liegenschaften und Personal
in Feldmochinga (Feldmoching) ein und gab Liutfrid als Gegenleistung Grundflächen
in Sigimareshusir (Sigmertshausen). Die Urkunde wurde in der Zeit zwischen 860
und 875 ausgestellt. Ein genaues Datum ist nicht bekannt, weil dort nur -wie
üblich- der Name des amtierenden Bischofs angegeben ist.
von 1561-1829
war Sigmertshausen eine Hofmark. Der Hofmarksherr wohnte aber hier nicht
dauerhaft. Zwar errichtete er im 17.Jh ein Schloss, doch das diente ihm nur
zur vorübergehenden Unterkunft. Das Schloss stand westlich neben der Kirche
(heute Obstgarten des Jagerbauern); um 1800 hat man es abgerissen.
1888 hatte der Ort 230, 100 Jahre später 600 Einwohner.
Geschichte
der Kirche
Eine Kirche in Sigmertshausen (Sigmarishusen oder Sigmarishusir, bei den Häusern
des Sigimar) wurde erstmals in einer Urkunde anlässlich eines Tausches
unter dem Freisinger Bischof Anno (854 - 875) erwähnt (Nr. 872 der
Urkundensammlung Freisinger Traditionen). Das genaue Datum geht aus der Urkunde
nicht hervor, weil damals die auf römischen Brauch zurückgehende ausführliche
Eingangsformel von Urkunden vereinfacht wurde. Nach römischen Recht musste an
den Anfang des Schriftstücks eine umfassende Darstellung des Rechtsgeschäfts,die
Aufführung der Zeugen, das Datum und die Unterschrift des Schreibers gesetzt
werden. Ab dem 9.Jh. begnügte man sich mit einer kurzen Erwähnung der Rechtshandlung
und einer akribischen Aufzählung der Zeugen des Vertragsabschlusses. Grund für
die Vereinfachung war, dass im Fall der Anfechtung der Rechtshandlung der Hauptbeweis
in den Zeugen lag. Bei der Beschreibung der Rechtshandlung hat man auch die
Namen der Rechtsbeteiligten aufgeführt. War eine der Parteien die Kirche, wurde
der Name des Bischofs genannt. Da die Regierungszeit der Freisinger Bischöfe
bekannt ist, lässt sich aus dem Bischofsnamen die Zeit ermitteln, in der die
Urkunde ausgestellt worden ist. Ein solcher Fall liegt auch bei der ältesten
Urkunde der Sigmertshausener Kirche vor.
Konradinische
Matrikel 1315
Auch in der Auflistung aller Kirchen im Bistum Freising von 1315 (Konradinischen
Matrikel) ist Sigmertshausen unter der
Bezeichnung "Sigmarshausen" als Filiale von "Rörenmos" enthalten.
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Im 14.Jh herrschte das Rittergeschlecht
der "Sigmarshauser". Sie stifteten 1367 eine Jahrtagsmesse für
Friedrich und Elisabetha und die verstorbenen Eltern. Möglicherweise
waren die beiden die letzten ihres Geschlechts; die Familie der Sigmarshauser
ist bald darauf ausgestorben. |
![]() Ausschnitt aus der Karte des Geografen Georg Philipp Finckh von 1655 Sigmertshausen=Simerzhaus |
Visitationsbericht von 1560
Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz
von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation,
eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet.
Die Visitation wurde durch bischöfliche und durch herzogliche Bevollmächtigte
durchgeführt. Grund war die durch die Reformation Luthers (1517)
entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen des Bistums zur
Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte. Durch die Visitation
wollte der Bischof einen detaillierten Einblick in die religiöse Situation
der Pfarreien gewinnen. Insbesondere sollte festgestellt werden, ob die Pfarrer
und die Gläubigen noch die katholischen Lehre vertraten oder der neuen
Lehre anhingen. Daneben interessierte die Prüfer die Lebensführung
der Pfarrer sowie Umfang und Qualität ihrer religiösen Kenntnisse.
Im Bericht über die Pfarrei Röhrmoos ist auch die Filialkirche St.Vitalis
in der Hofmark Sümershausen kurz erwähnt. Der Zustand der Kirche
fand keinen uneingeschränkten Gefallen. Der Kirchturm und die Kirchenstühle
müssten repariert werden, ("khirchthurn und das gestuel dörfften
machens"), heißt es, und dass im Inneren Gemälde fehlten ("nit
vil gemeld in der kirchen"). Sonst bestehe kein Mangel. In der Kirche standen
3 schöne Altäre ("3 altär, zimblich ziert") und ein
"nit wol beschlossen, aber wol beleucht" Sakramentshaus. Das Allerheiligste
und die heiligen Öle wurden rein aufbewahrt. Der Pfarrer hielt hier alle
drei Wochen eine Messe. An Stiftungen war nur ein Jahrtag vorhanden. "Pfarrer
helts gegen den armen leuthen mit dem Selgeraidt leidentlich" heißt
es. An Gerätschaften seien vorhanden: 3 Kelche "darunder ain gueter",
3 Corporale, 3 Messbücher, ein Liturgiebuch, ein zerrissenes Gesangsbuch
und 4 schlechte Messgewänder. Das Taufwasser werde in einem Krug aufbewahrt
("Baptismus ist in aim kruegl"). Und der Bericht endet mit dem Satz
"mesner ist vleissig".
Der Münchner
Kartograph Michael Wening dessen Stich Sie unten sehen können, widmet in
seinem um 1718 herausgegebenen Buch "Historico-topographica descriptio Bavariae"
bei der Beschreibung des Schlosses Sigmertshausen auch einige Worte der Kirche:
"In der zur Pfarr Rermosen gehörigen Filial Kirch rastet die Bildnuß
desß H.Vitalis".
![]() Kirche und Schloss um 1700 |
Gottesdienste wurden in Sigmertshausen jeden dritten Sonntag gefeiert, im regelmäßigen Wechsel mit Röhrmoos und Schönbrunn. Das Kirchweihfest fiel auf den Sonntag nach Bartholomäus (24.Aug), das Patrozinium auf das Fest des hl.Vitalis (28.April). Um die Kirche herum lag der Friedhof mit Grabstätten und Beinhaus. Im Turm hingen zwei Glocken. Die Einkünfte der Kirche verwalteten der Pfarrer in Röhrmoos und der Hofmarksherr; das war Baron Unertl, der kurfürstlich bayerische Kanzler. Der Bericht schließt mit dem einzigen Satz in deutscher Sprache: Das Vermögen dises Gottshauses solle sich diser Zeit gegen 4000 fl. (=Gulden) belaufen", Das war für eine so kleine Kirche außerordentlich viel; insbesondere, wenn man sich das Vermögen der Kirchen in der Umgebung betrachtet (Röhrmoos: 400 Gulden, Rumeltshausen: 700 Gulden, Kleininzemoos:600 Gulden, Niederroth 1500 Gulden). Da wirkte sich wohl schon der Wallfahrtsbetrieb auch wirtschaftlich positiv aus. |
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als Devotionalie mit nach Hause genommen oder von über Land ziehenden Hausierern für etliche Kreuzer erworben worden. Der Hirte behielt die Statuette bei sich. Als erste Berichte über wunderbare Gebetserhörungen in Umlauf kamen, ließ der Röhrmooser Pfarrer Kreitmayr das Marienfigürchen in die Pfarrkirche von Röhrmoos bringen. Auf wunderbare Weise verschwand das Bild mehrmals über Nacht und tauchte in Sigmertshausen wieder auf. Nun wurde die Figur in Sigmertshausen belassen, wo es sich bald auch hier gegen Bresthaftigkeit und Krankheit in unterschiedlichen Zuständen hilfreich zeigte und spontan eine vielbesuchte Wallfahrt auslöste. Eine etwas andere Geschichte erzählte der Augustinerchorherr Georgius Penzl, der 1740 die Indersdorfer Chronik verfasste. Danach sammelte der Hirtenjunge Früchte an einer Stelle, wo sich eine |
Die Wallfahrt hatte ihre Blütezeit von 1722 bis zur Säkularisation 1803 und erlosch langsam bis 1850.
Beschreibung
1874
In der Statistischen Beschreibung des Erzbistums München und Freising vom
Beneficiaten an der Domkirche Anton Mayer aus dem Jahr 1874 ist auch die Kirche
von Sigmertshausen enthalten. Zu ihr gehörten 202 Dorfbewohner (Seelen),
die in 44 Häusern wohnten. Sigmertshausen war damals die größte
Ortschaft der Pfarrei.
Zur Kirche schreibt Mayer: "Simmertshausen. An der Vicinalstraße
(=Landstraße) von Dachau nach Indersdorf gelegen. Erbauungsjahr
1755. Baumeister Fischer von München. Italienischer Stil. Geräumigkeit
genügend. Baupflicht an der Kirche das Aerar, der Pfründebesitzer
und die Bruderschaft in Kreuzholzhausen. Kuppel-Thürmchen mit 3 kleinen
Glocken. 3 Altäre. Orgel mit 6 Registern, aufgestellt 1867. Gottesdienste:
jeden dritten Sonntag im Turnus, Oster- u.Pfingstmontag, Stephanstag (=26.12.),
am Patrocinium d.i. am Sonntag nach Vitalis (=28.4). Stiftungen: 9 Jahrtage,
1 Jahrmesse, 52 Wochenmessen. Meßner ist der Weber des Ortes, welcher
auch an den Sonn-und Festtagen nachmittags den Rosenkranz betet. Cantor ist
der Lehrer (von Röhrmoos). Kirchenvermögen: 12.700 Gulden"
(das war für eine kleine Kirche sehr viel Geld).
Sigmertshausen gehörte bis 1953 zur Pfarrei Röhrmoos, seither zur Pfarrei Großinzemoos. Beide Pfarreien bilden schon seit mehreren Jahrzehnten einen Pfarrverband, der im September 2008 mit dem Pfarrverband Hebertshausen/Ampermoching zu einer Pfarreiengemeinschaft zusammengelegt wurde.
Berichte
aus dem Pfarrleben
Am 13.7.1958 hat man in Sigmertshausen die Primiz von H.H.Johann Eichenseer
gefeiert werden. "Ein solches Fest hat Sigmertshausen noch nie erlebt"
schreibt Franz Thaler. Wenn Sie den Bericht lesen möchten, klicken Sie
hier....
Kirchenbau
Ob die Pläne vom Kurfürstlichen Hofbaumeister Johann
Michael Fischer (1692-1766) gezeichnet wurden, ist umstritten. Sie könnten
auch von Baptist Gunezrainer (1692-1763), dem Schwager Fischers, stammen. Die
Bauleitung lag aber bei Fischer. Ein Hinweis darauf kommt vom Historiker Lorenz
Westenrieder (1748-1829), der 1792 in seiner Beschreibung des Landgerichts Dachau
notierte:
| "In Sigmertshausen, wohin ich meinen Weg nahm, ist eine von Maurermeister Fischer von München 1755 erbaute Kirche, deren schöne, nach italienischer Bauart gestaltete Rundung und Wölbung auch das ungetrübteste Auge mit Vergnügen und Bewunderung an sich zieht, aber auch zugleich den Wunsch erregt, daß künftig bei Erbauung neuer Kirchen stets die Vorsorge getroffen werden möge, die so häufig ungestalten und nicht selten plumpen Formen der Kirchen und deren Türme nach und nach zu verringern und Schönheit und Erhabenheit mit Dauerhaftigkeit zu verbinden". |
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Hinweis: Woher die so typisch bayerisch-barock anmutende Zwiebelform kommt, ist erstaunlicherweise nicht geklärt. Einige der Experten vermuten, dass sie eine Nachahmung und Weiterentwicklung der im 7.Jh errichteten Moschee auf dem Tempelberg in Jerusalem (Felsendom) und somit arabischen Ursprungs ist. Damals glaubten europäische Baumeister, die Kuppel stamme noch vom Tempel Salomons und verbanden mit ihr die Vision vom himmlischen Jerusalem. Andere Kunstexperten sehen in der Zwiebel eine Weiterentwicklung der byzantinischen Kuppel, die auch in Russland großen Anklang fand. Fest steht jedoch, dass die ältesten zwiebelförmigen Kuppeln in Bayern die der Münchner Frauentürme sind (1525). Weite Verbreitung fand die Zwiebel als Bauform aber erst im Italien der Renaissance und bei uns in der Barockzeit nach dem 30jährigen Krieg. Ihre Form -unten bauchig, oben spitz- passte wunderbar zur Kunstauffassung und zum Lebensstil des Barocks und galt "als Synthese aus der Bewegung ins Übersinnliche und dem Verharren in den Wölbungen des Sinnlichen". |
Im
Turm hängen hinter hohen rundbogigen Schallöffnungen drei Glocken,
von denen eine bereits im Jahr 1472 von Hans von Rosen gegossen wurde,
wie auf der Inschrift am Glockenmantel zu lesen ist: "Ave maria gracia
plena, dominus tecvm". Die Marienglocke erklingt im Grundton f '' (?) und
wiegt 210 kg.
Das Problem der Bronzeglocken, die eingeschmolzen zu Munition verarbeitet werden
können, traf auch Sigmertshausen. Mindestens eine Glocke musste im Ersten
Weltkrieg abgeliefert werden, denn 1925 war als Ersatz die 282 kg schwere Marienglocke
beschafft worden. Dies war der Inschrift auf der Glocke zu entnehmen: "Im
Krieg ein Opfer der Feinde schuf mich neu die Gemeinde Sigmertshausen 1925".
Leider überlebte diese Glocke den 2.Weltkrieg nicht. Zusammen mit dem kleinsten
Glöckchen (82 kg)
musste sie am 29.1.1942 für Kriegszwecke abgeliefert werden.
Als Ersatz für diese beiden Glocken hat man 1950 bei der Gießerei
Karl Czudnochowsky, Erding für 1680 DM die noch heute im Turm hängenden
Glocken beschafft. Eine Michaelsglocke (76 kg, Ton c'') sowie eine Vitalisglocke
(192 kg, Ton es''). Beide Glocken bestehen aus Euphon, einer zinnfreien Bronze
und sind für Kriegszwecke nicht mehr zu gebrauchen.
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Von der Weihe und der Installation der
beiden Glocken am 2.7.1950 wird berichtet, es sei ein großes Fest
gewesen. Im Hof des Jagerbauern wurden die Glocken durch den Prälaten
(und Historiker) Dr.Mich.Hartig gesegnet, dann zur Kirche gebracht und
hochgezogen. Die Tochter des Zimmermanns, die Maurerschuster Resi, kletterte
auf einer außen an den Glockenturm gelehnten Leiter neben den Glocken
her bis hinauf zu den Schalllöchern. Wenn Sie eine Aufstellung der
ältesten Glocken des Landkreises Dachau sehen möchten, klicken
Sie hier.. |
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An der Langhaussüdseite ist ein Missionskreuz
aus der 2.Hälfte des 19.Jh angebracht. Es wird von einer halbkreisförmigen
Überdachung aus Blech vor den Unbilden der Witterung geschützt. Die
Vorderseite des Bleches ist mit Kreuzornamenten geschmückt. Dies hat eine über
die reine Verzierung hinausgehende Bedeutung: Die Ornamente zeichnen den täglichen
Lauf der Sonne vom Aufgang im Osten bis zum Niedergang im Westen nach. So wie
die Sonne wieder aufgeht, so ist auch Christus auferstanden und so wird auch
der Mensch vom Grabe auferstehen.
Das Kruzifix erinnert an eine der Volksmissionen,
die in der Pfarrei durchgeführt wurden.
| Hinweis: Die Volksmission geht auf das Konzil von Trient (1545-1563) zurück und war Teil der kath. Gegenreformation. Sie wurde in regelmäßigem zeitlichen Abstand in allen Pfarreien abgehalten. Das kirchliche Gesetzbuch von 1917 schrieb z.B. vor, dass wenigstens alle zehn Jahre eine Volksmission durchgeführt werden solle. Durch die Volksmission sollten die Gläubigen in den katholischen Gemeinden in einer Art Crashkurs von zehn bis fünfzehn Tagen wieder intensiver an die Sakramente, die Glaubenslehren und die Moral herangeführt werden. Dies geschah in der Regel durch speziell geschulte Ordensleute mit besonderen rhetorischen Begabungen. Sie hielten Predigten, luden zur Beichte ein, feierten Messen und hielten zahlreiche Vorträge. Mitunter wurden die Kanzeln in dieser Zeit sehr beansprucht, da öfter einmal harte Schläge auf die Holzeinfassung erfolgten. Im Vordergrund stand aber nicht die Förderung der christlichen Gemeinschaft, sondern das persönliche Verhältnis zu Gott nach dem Motto "Rette deine Seele". Heutzutage wird die Volksmission durch neuen Formen der Schulungs- und Missions- bzw. Evangelisationsarbeit ersetzt. |
Südlich am Übergang vom Chor zum Langhaus
ist die doppelgeschossige Sakristei angebaut.
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Die Kirche liegt etwas erhöht im Dorf und ist von einem Friedhof umgeben. Die massiv wirkende Friedhofsmauer ist schräggestellt und wird von Strebepfeilern verstärkt. In die Friedhofsmauer ist eine kleine Kapelle mit profiliertem Dreiecksgiebel, Pilastergliederung und Satteldach angebaut. Darin steht in einer rundbogigen, verglasten Nische eine wohl neubarocke, sehr farbig gefasste Skulptur des hl. Florian. Der Heilige ist in römischer Soldatenkleidung dargestellt. Mit seiner rechten Hand schüttet er aus einem Schaff Wasser über ein brennendes Haus zu seinen Füßen. |
Die letzte Renovierung wurde in den Jahren
1980-84 durchgeführt.
Innenausstattung
Die Ausstattung stammt aus der Zeit des Neubaus um 1755.
Der etwas eingezogene, 8 Meter hohe Altarraum mit quadratischem Grundriss ist gegenüber dem Kirchenschiff um zwei Stufen erhöht. Er wird durch nur ein Nordfenster erhellt. Der Chor ist mit einer sog. böhmischen Kappe überwölbt.
Die Deckenfresken (auch des Langhauses) mit aufgemalter Scheinstuckatur stammen von Franz Joseph Degle aus Augsburg (1724-1812), dessen Signatur im Hauptgemälde gut sichtbar ist (F.J.Degle inv: & Pinx: ano 1755). Die Fresken in Sigmertshausen sind die einzigen Gemälde von Degle im Landkreis Dachau. Die Gemälde wurden 1983 durch Rudolf Pfaller aus Ingolstadt restauriert.
| Das mit 3,75 x 3,75 m große
quadratische Fresko im Chor zeigt es die Anbetung
der Hl. Dreifaltigkeit durch Engelschöre. Mittelpunkt sind -auf Wolken sitzend- Gottvater (rechts), Christus im roten Mantel mit dem Kreuz in der Hand und zwischen den beiden Köpfen, der Hl. Geist in Gestalt einer Taube im Strahlenkranz. Sie sind umgeben von einer Vielzahl von Rauchfass schwingenden und anbetenden Engeln. An den Ecken des Gemäldes sind vier kleine Rocaille-Kartuschen mit Putten angefügt. |
| Hinweis: Das Rauchfass entwickelte sich erst in christlicher Zeit. Räucherungen im jüdischen Kult wurden auf Räucheraltären vorgenommen. Wie dort soll der aufsteigende Rauch Verehrung und Gebet bedeuten. In der Apokalypse findet sich die Gleichsetzung des aus dem Rauchfass aufsteigenden Duftes mit Gebet und guten Werken. In der christlichen Kunst fehlt das Rauchfass bei keiner Darstellung des Todes von Maria. |
Auf dem Tabernakel am Rokoko-Hochaltar aus der Zeit um 1760 steht das mit einem weiten Mantel bekleidete Gnadenbild, eine Muttergottes mit Kind (30 cm hoch). Es steht auf einer hölzernen und mit getriebenem und versilbertem Messingblech überzogenen Rokokokonsole,mit der Aufschrift: Die WunDerThaeTige BilDnus UnSer LieBe Frauen In SimmerTsHavsen". Zu diesem Gnadenbild "Fraumantel in Sigmertshausen" wallfahrteten viele Jahre lang viele Gläubige.
| Dahinter das große Altarbild (Öl auf Leinwand) mit Szenen aus dem Leben des hl. Vitalis (1760). In der Mitte seine Aufnahme in den Himmel. Ein Engel hält den Lorbeerkranz als Zeichen des Sieges bereit. Vitalis, in den roten Mantel des Märtyrers gehüllt, wird von Engeln in den Himmel getragen. Die unter ihm schwebenden Putten passen sehr gut zu den Aufbauten für das Wallfahrtsbild, die den unteren Teil des Bildes, in dem das Martyrium des hl.Vitalis gezeigt wird, fast verdecken. | ![]() |
| Hinweis: Nach dem Protoevangelium des Jakobus aus der 2. Hälfte des 2. Jh waren Anna und Joachim die Eltern Marias und damit die Großeltern von Jesus. Im 5. und 6. Jahrhundert wurden ihre Namen in Marienlegenden weiterverbreitet. Besonders die Orden der Karmeliten und Kapuziner förderten die Verehrung von Joachim und Anna. |
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Im geschweiften Altaraufsatz zwischen mächtigem Gebälk eine Heilig-Geist-Taube im Strahlenkranz vor einer gelben Lichtscheibe, umgeben von einer Vielzahl von Putten. |
Hinweis: Die Gestalt der Taube für die künstlerische Darstellung des Heiligen Geistes gründet sich auf den Bericht der Taufe Jesu im Neuen Testament. Danach fuhr der heilige Geist in leiblicher Gestalt auf ihn hernieder wie eine Taube (Lk, 3,22). Obwohl dies nur bedeutet, dass sich der Geist bewegte sich wie eine Taube, nicht aber aussah wie ein Vogel, hat man die Taube als Symbol für die sonst nur schwer greifbare dritte Person |
| Gottes gewählt. Das Konzil von Nicäa im Jahr 325 hat dies sogar empfohlen. Papst Benedikt XIV verbot 1745 die Darstellung der dritten göttlichen Person in Menschengestalt, wie sie vereinzelt immer noch vorkam. |
| An der Südseite des Altarraums ist ein Oratorium eingebaut. Darunter hängt noch eine Reihe von Votivbildern. Die wertvollsten Bilder sind aus Sicherheitsgründen ausgelagert, darunter auch Stiftungen des Kurfürstenpaars, die älter sind als die Kirche selbst. | ![]() |
| Unter dem Oratorium mit drei Bankreihen ist die Sakristei mit Einrichtung des 19.Jh und silbergetriebenen Reliefs (1730), die zu denen in Röhrmoos gehören, untergebracht. Silbergetrieben bedeutet, dass das Kunstwerk durch Hämmern von der Rückseite her über einer nachgiebigen Unterlage erstellt wurde. | Dabei ist schon das Schloss an der Eichentüre, die vom Chor in die Sakristei führt, sehr interessant. Es stammt aus dem 19.Jh. |
Das innen 9 Meter hohe Langhaus hat wie erwähnt eine quadratische Form mit abgerundeten Ecken. In den beiden vorderen Ecken stehen die Seitenaltäre, in den hinteren Ecken sind das Kriegerdenkmal (nördlich) und der Eingang (südl.) untergebracht.
| In der Weihnachtszeit steht
vor dem Kriegerdenkmal eine Krippe.
Auf dieser Internetseite sind viele Krippen in den Kirchen des Landkreises Dachau in einer Übersicht zusammengestellt. Wenn Sie sich dafür interessieren, klicken Sie hier.. |
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Deckengemälde im Kirchenschiff
| Am Chorbogen sind die Wappen des Hofmarksherrn Franz Xaver von Ruffini und seiner Frau Maria Anna von Ruffini, der Tochter des Joseph Anton von Ruffini,der Maler und Geheimer Rat in Augsburg war. |
Über den Ecken sind in großen Rocaille-Kartuschen
mit goldfarbenem Hintergrund die vier Evangelisten dargestellt:
Vorne links: Lukas mit geflügeltem Stier.
vorne rechts: Johannes mit einem Adler, der ein Tintenfass im Schnabel
hält. Der Evangelist hält eine Schreibfeder in der Hand; auf dem Schreibtisch
steht ein Kelch, aus dem sich eine Schlange windet
hinten links: Matthäus mit Buch und Schreibfeder und einem Engel
hinter ihm
hinten rechts: Markus mit einem geflügelten Löwen zu seinen
Füßen.
| Hinweis: Die vier Symbole geflügelter
Mensch, geflügelter Löwe, geflügelter Stier und Adler reichen
zurück bis in den babylonischen Mythos. Dort stellten sie die vier
Astralgötter Nergal (Flügellöwe), Marduk (Flügelstier),
Nabu (Mensch) und Mimurta (Adler) dar, die vor den Heiligtümern Wache
hielten. Im Alten Testament werden sie
in den Gottesvisionen Ezechiels (Ez 1,1-14), im Neuen Testament in der Offenbarung
des Johannes (Kap.4 Vers 7) als die vier Lebewesen, die rings um Gottes
Thron stehen, erwähnt. Zuerst hat man sie nur im Zusammenhang mit dem
thronenden Christus abgebildet. Als Evangelistensymbole dienen sie erst
seit dem frühen Mittelalter (durch die Kirchenväter Irenäus
und Hippolyt um das Jahr 200). Seit Hieronymus (347-420) werden sie wie folgt gedeutet: - Der geflügelte Mensch (nicht Engel !) bei Matthäus weist auf den Stammbaum Jesu und auf dessen Geburt (mit deren Bericht das Matthäusevangelium beginnt) hin. - Der geflügelte Löwe ist Sinnbild für Markus, weil das Markusevangeliums mit der Predigt des Johannes in der Wüste, dem Lebensraum des Löwen, beginnt und weil sein Evangelium die Kraft der Auferstehung und Todesüberwindung betont. - Der geflügelte Stier (als Opfertier) des Lukas galt als Zeichen für den Beginn des Lukas-Evangeliums, das mit dem Opfer des Zacharias einsetzt und das am innigsten auf den Opfertod Christi hindeutet. - Den Adler des Johannes versteht man als Symbol für den spirituellen Höhenflug des Johannes-Evangeliums, das mit den Worten beginnt "Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort". |
Das 6,70 x 6 m große Fresko im Gewölbe
der flachen Kuppel des Langhauses besteht aus drei Teilen:
- in der Bildmitte das Auge Gottes im Strahlenkranz von Wolken und Engeln
umgeben. Das
Auge im Dreieck als Darstellung
der Dreifaltigkeit in ihrer Allgegenwart und Allwissenheit hat sich in
der Kunst unserer Gegend erst im 18.Jh verbreitet.
Aus der frühchristlichen und mittelalterlichen Kunst ist es unbekannt.
- im Osten die Einsetzung des Gnadenbildes durch den Pfarrer von Röhrmoos.
- im Westen (Empore) eine Szene aus der Geschichte der Wallfahrt.
| In der Mitte steht auf einer kleinen Erhebung ein Altar, der bis zu den Wolken um das Auge Gottes hinaufragt. Rechts vom Altar nähert sich eine Prozession mit dem Pfarrer von Röhrmoos an der Spitze. Er trägt theatralisch das von einem Strahlenkranz umgebene Gnadenbild von Sigmertshausen. Hinter ihm drängen sich der Mesner, die Ministranten und eine große Menschenschar, die eine Prozessionsfahne und einen Leuchter mit sich führen. Die Prozession zieht sich um den Altar herum. Auf der linken Seite sind |
Szenen aus der Geschichte
der Wallfahrt (Westteil des großen Deckengemäldes)
| Wenn Sie den ganzen Westteil des Bildes sehen wollen, klicken Sie hier... | Das Deckengemälde im Langhaus ist durch die von den Fenstern und den Durchgängen zum Altarraum und die Empore herführenden Stichkappen eingeschnitten. In diese Stichkappen sind Personifikationen (= Darstellung abstrakter Begriffe als Person) der Tugenden Fides-Glaube (Putten mit Kreuz -rechts),Spes-Hoffnung (Putten mit Anker - hinten), Caritas-Liebe (Putten mit flammendem Herz und Blumenkorb-links) gemalt. Diese drei Tugenden erhalten das Attribut "göttlich", weil die christliche Lehre davon ausgeht, dass sie nicht von Menschen erbracht, sondern durch den Geist Gottes geschenkt werden. |
| Hinweis: Der Anker diente in biblischer Zeit nicht nur zum Festmachen, sondern auch zum Manövrieren des Schiffes. Er symbolisierte deshalb die göttliche Hilfe gegen die Bedrängnis der Christen in der Zeit der Verfolgung. Damals hat man ihn (mit Querbalken) als heimliches Zeichen für das Kreuz verwendet. Er war das Zeichen der Hoffnung während der Verfolgung. Dann verschwand der Anker als Symbol für die nächsten tausend Jahre. Erst im 15.Jh hat er wieder seine frühere Symbolik erhalten. |
Rechter Seitenaltar
Linker Seitenaltar
| Auch das ursprüngliche Altarbild des linken Seitenaltars wurde 1874 durch ein Werk des Malers A. Rick ersetzt. Es zeigt nun den in Bayern ungemein beliebten hl. Leonhard, den Patron der Bauern, des Viehs und der Gefangenen. Leonhard wird im Abtsornat gezeigt, wie er einen Gefangenen segnet, der demütig vor ihm kniet und die geöffneten Gefangenenketten in den Händen hält. Daneben liegt ein Rind. Im Hintergrund weiden Pferde. | ![]() |
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In der Predella des linken Seitenaltars
steht auf einem geschweiften Rokokoschrein eine aus Gips gefertigte Pietà (Muttergottes mit ihrem toten Sohn auf dem Schoß) aus der 2.Hälfte
des 19.Jh. ...mehr zu Pietà -Darstellungen
im Landkreis...
Im Schrein ist hinter Glastüren
eine weitere sehr schön gearbeitete, mit großen Rubinen und Smaragden
verzierte Reliquienmonstranz
zu sehen, die Reliquien des Kirchenpatrons St.Vitalis enthält. Der Name
des Heiligen ist deutlich auf der Cedula, dem kleinen beschrifteten Pergamentstreifen,
zu lesen.
Im Auszug
des linken Seitenaltars ein Leonhardsmonogramm mit Hufeisen und Stab, Strahlenkranz
und Englein.
In der Nähe des rechten
Seitenaltars ist die barocke Kanzel
aus der Zeit um 1755 ohne Schalldeckel aber mit Rückwand angebracht.
Der geschweifte, dreiseitige Kanzelkorb ist mit marmorierten Rocaillekartuschen
ohne Inhalt verziert.
Der Zugang zur Kanzel liegt an der Treppe zur oberen Sakristei.
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| Gegenüber hängt ein
Kruzifix unter einem Baldachin,
das kurz nach der Erbauung der Kirche geschnitzt wurde (Kanzelkreuz). Der
Korpus zeigt den toten Jesus mit geneigtem Haupt. Der Baldachin symbolisiert schon seit dem Altertum Würde und Heiligkeit der darunter stehenden Gestalt. |
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Darunter steht zwischen Wandleuchtern auf einer Konsole die Kopie einer Figur der Schmerzhaften Muttergottes vom Herzogspital in München |
![]() Vergrößerung von 8 Details (Orgel, Bänke, Krippe, Kreuzweg Deckengemälde, Kreuz) per Mouseklick |
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| Die Kirche hat noch zwei alte Opferstöcke aus dem 18.Jh. Am Chorbogen steht ein langes Exemplar (1m), in der Nähe des Eingangs dagegen ist ein kleinerer Opferstock angebracht mit drei großen originalen schmiedeeisernen Schlössern. In den Kirchen des Landkreises Dachau gibt es viele unterschiedliche, außerordentlich interessante Opferstöcke. Wenn Sie sich dafür interessieren, klicken Sie hier.. |
| An den Seitenwänden hängen
die Kreuzwegbilder (Öl
auf Leinwand) im Stil des ausgehenden 19.Jh., des Historismus zwischen den
Apostelleuchtern aus dem 18.Jh. Hinweis: Kreuzwegbilder in unseren Kirchen sind erst seit 1700 üblich. Wenn Sie mehr über den Kreuzweg und seine Darstellungen in Kirchen des Landkreises erfahren wollen, klicken Sie hier... |
Hinweis: Die Apostelleuchter erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlische Jerusalems. |
| Die Orgel (1 Manual, 6 Register, Schleiflade) auf der weit vorspringenden, auf einer Holzsäule ruhenden Empore stammt noch aus der Zeit um 1866/67. Sie wurde von Max Maerz aus München gebaut und ist in einem nachklassizistischen, mit Schleierornamenten und Pflanzenmotiven verzierten Gehäuse untergebracht. Der Mittelteil des dreiteiligen Prospekts ist erhöht. | Interessant ist auch der alte Spieltisch. |
| Disposition
der originalen Maerz-Orgel von 1867 (nach Brenninger): Manual (C-f''', 54): Gedeckt 8', Gamba 8', Principal 4', Traversflöte 4', Mixtur 3fach2' Pedal (C-f, 18): Subbaß 16'. Koppel: M-P |
| Allgemeines zur Orgel - Mit ihren vielen Pfeifen, die über ein Gebläse zum Klingen gebracht werden, steht die Orgel meist im rückwärtigen Bereich der Kirche auf der Empore. Sie hielt erst allmählich Einzug in die Kirche, weil sie bis in das 11. Jahrhundert als profanes (weltliches) Instrument galt, das für das höfische Zeremoniell verwendet wurde. Erst ab dem 13. Jh wurde es zur Regel, in allen bedeutenden Kirchen Orgeln zu errichten. Heute gehört eine Orgel zur Ausstattung fast jeder Kirche. Mit ihrer Klangvielfalt und Klangfülle trägt sie zur Verschönerung des Gottesdienstes bei. Der Orgelprospekt, die Schauseite der Orgel, wurde früher meist durch Künstler gestaltet. Im Barock und im Klassizismus, deren Epochen unsere ältesten Orgeln im Landkreis Dachau angehören, wurde der Prospekt mit reicher Ornamentik verziert. Heute setzt sich immer mehr der "offene" Orgelprospekt durch, der allein durch die harmonische Anordnung der Pfeifen wirkt. |
| Im Turmuntergeschoß, in das eine Türe unter der Empore führt, hängt ein großes Ölbild im Nazarenerstil (1.Hälfte des 19.Jh), das Christus im Grab, bewacht von zwei römischen Soldaten, darstellt. |
Im ersten Stockwerk
des Turms, in Höhe der Empore ist die Turmuhr aus dem Jahr 1899
untergebracht.
An der Westseite der Sakristei sind in einer kleinen rundbogigen Nische hinter schmiedeeisernen Gittern eine Art Beinhaus (Karner) mit Knochenresten und Totenschädeln zu sehen. Die Stätte ist mehr ein Erinnerungsort; der frühere Karner war erheblich größer. Über die Wirkung der Gebeine auf die Kinder berichtete Kath.Peter im Jahr 1999 (siehe Quellen): "Vor dem Gottesdienst versammelten sich dort (am Gitter) früher die Kinder des Dorfes. Als Mutprobe musste man durch das Gitter hineinlangen und die Knochen der Toten anfassen, sonst war man ein Feigling und wurde von den anderen ausgelacht".
| Altars für Hauptkirchen und 30 Schritte für Kapellen. Weiter entfernt konnte man sich des Segens der im Altar ruhenden Reliquien und der Fürbitte des Heiligen nicht sicher sein. So war es üblich, die Gräber schon nach 5 bis 10 Jahren wieder zu verwenden. Zudem gab es keine Familiengräber; der nächste Tote erhielt das frei werdende Grab. Manche Totenschädel in den Beinhäusern wurden auch bemalt oder mit Inschriften versehen, um sie der Anonymität zu entreißen. Karner waren besonders in Bayern, Österreich und Ungarn verbreitet; sie standen an katholischen und protestantischen Gotteshäusern. In den letzten hundert Jahren wurden die Karner abgerissen bzw. in Lourdeskapelle, Abstellräume oder Vorhäuser umgewandelt. In manchen Kirchen wie hier in Sigmertshausen erinnert aber noch eine Nische mit einigen Totenköpfen an die frühere Trauerkultur. Die aufgestapelten Gebeine sollen die Kirchenbesucher an die Vergänglichkeit des Menschen ermahnen. |
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Eingangsportal An der Eingangstüre
ist noch ein alter Türklopfer
angebracht. |
Nach einer Liste des Landesamt für Denkmalpflege soll es in Sigmertshausen Reste eines unterirdischen Gangs geben, der in Zusammenhang mit sog. Schrazllöchern steht. Mehr über Schrazllöcher...
Hans Schertl
Quellen:
Michael Wening, "Historico-topographica descriptio Bavariae", Band 1, 1701
Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising,
1874
Theodor Bitterauf, Die Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (Nr. 872)
Max Gruber, Zwei Kirchen
Johann Michael Fischers im Kreis Dachau, Amperland 1965/2 (Westenrieder,
Degleportrait)
Werner Widmann, Kunstreiseführer Von München zur Donau, 1966
Kirschbaum, Lexikon der Christlichen Ikonographie, 1968
Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
Bauer/Rupprecht, Bayern südlich der Donau,1973
Georg Brenninger, Orgeln und Orgelbauer im Landkreis Dachau, Amperland 1975/2
Wilhelm Störmer, Adelige Eigenkirchen und Adelsgräber - Denkmalpflegerische
Aufgaben,1975, ZBLG 38, S.1142-1158 (UrkNr)
Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres
1560, 1986
Kirchenführer St.Vitalis Sigmertshausen, 1988
Josef Bogner, Dorfkirchtürme im Amperkreis, Amperland 1989/1
Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV: München
und Oberbayern, 1990
Robert Böck, Wallfahrt im Dachauer Land, Bd 7 der Kulturgeschichte des
Dachauer Landes, 1991
Bauer/Rupprecht, Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, 1996
Bürgerinformationen Gemeinde Röhrmoos, 1997
Dachauer Nachrichten, Beilage "Unser Dachauer Land" vom 26./27.6.1999
Katharina Peter, Die Kirche von Sigmertshausen, 1999
Franz Thaler, Kurzgeschichte Sigmertshausen, unveröffentlicht, ca.2000
Franz Thaler, Kurzgeschichte der Sigmertshauser
Kirchenglocken, unveröffentlicht, ca.2000
Anton Haschner, Entstehung der Wallfahrt von Sigmertshausen, Röhrmooser
Heimatblätter, 2004
Thaler/Rumrich, Erinnerungen-Gemeinde Röhrmoos, 2004
Georg Brenninger, Die Glocken der Kirchen im Dekanat Dachau, Amperland 2005/1
Dachauer Nachrichten v. 30.6.2005
Karl Grüner, "Unten bauchig, oben spitz", Münchner Kirchenzeitung,
v. 25.9.2005 und vom 2.10.2005
Münchner Kirchenzeitung v. 30.10.2005
Manfred Bergmeister, Grabkreuzausstellung Hebertshausen, 2007 (Missionskreuz-Überdachung)
46 Bilder: Hans Schertl (2001, 2003)
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17.6.20zur LebJohann Michael FISCHER...2b
26.6.2010
Primiz von H.H.Johann Eichenseer
Am
13.7.1958 konnte in Sigmertshausen die Primiz von H.H.Johann Eichenseer, Gastwirtssohn
von Sigmertshausen, gefeiert werden. Ein solches Fest hat Sigmertshausen noch
nie erlebt. Am 29.6.58 wurde der Hochw.Herr Primiziant im Dom zu Eichstätt zum
Priester geweiht. An dieser Feier nahmen sehr viele von Sigmertshausen und Umgebung
teil. Am gleichen Tage abends 19 Uhr wurde der neugeweihte Priester von Schönbrunn
aus feierlich in seine Heimatgemeinde eingeholt, begleitet von einem 2 km langen
Zug von Radfahrern, Motorrädern und Autos. In Großinzemoos begrüßte den Primizianten
Herr Bürgermeister Schell und Kirchenpfleger Hof. Am Ortseingang von Sigmertshausen
sprach das Primzbräutchen (Walli Eichenseer) unter Überreichung einer Stola
ein Begrüßungsgedicht und dann entboten Bürgermeister Greiter und Kirchenpfleger
Matthias Maierhanser den Willkommensgruß der Heimatgemeinde.In der festlich
geschmückten Kirche begrüßte darauf H.H.Pfarrer Heldwein den Primizianten, der
dann nach einer kurzen Andacht noch den Primizsegen erteilte. - In einem sehr
gut besuchten Triduum bereitete H.H.Pater Leo Roth von Dachau die Gemeinde seelisch
auf die Primizfeier am 13.7.58 vor. Am Vorabend des Primiztages zeigte die Jugend
beim Friedhofaufgang am Weiher das von Herrn Lehrer Herbert Regele eingeübte
Spiel vom "reichen Prasser und armen Lazarus" vor etwa 500 Zuschauern.
Der Primiztag war ein herrlicher, sehr heißer Julisonntag (13.7.1958). Vormittags
3/4 9 Uhr setzte sich der Kirchenzug (Feuerwehr mit Kommandant Hartmann, Jugend
mit Bannern, Schwestern von Schönbrunn-Häusern-Indersdorf, sowie Veteranen-
und Schützenvereine) in Bewegung, um den Primiziaten vom Elternhaus abzuholen.
Prälat Friedrich Pfanzelt (Dekan und Stadtpfarrer von Dachau) und Professor
Dr. Josef Kürzinger (Rektor der phil.-theol.Hochschule in Eichstätt)
geleiteten den Primizianten zum Primizaltar, der auf dem Hörlanger (an
der Straße nach Niederroth) aufgerichtet war und mit dem Gnadenbild "Unserer
lb.Frau im Mantel", das im Kirchenzug von 4 Mädchen mitgetragen wurde,
geschmückt wurde. Die Primizpredigt hielt H.H.Rektor Prof. Josef Kürzinger
von Eichstätt. Beim feierlichen Primizamt sang der Kirchenchor die Schubertmesse.
Etwa 10 bis 11 000 Menschen n nahmen an der Primizfeier teil. Es war eine Primiz,
wie man sie nur selten erleben kann. Seine erste Seelsorgsstelle erhielt der
Hochw. Herr Primiziant in Roßtal in der Diözese Eichstätt.
Bericht von Franz Thaler