zur
Landkreiskarte
ausführl.Beschreibung
Kirchen in der
Marktgem.Indersdorf
Marktkirche St. Bartholomäus in INDERSDORF
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Die Marktkirche St. Bartholomäus ist die älteste Kirche in Indersdorf. Sie wurde schon unter Bischof Abraham von Freising (957-993) als Tauschobjekt genannt. Schon damals war sie zehentberechtigt. Diese Kirche lag aber etwas westlich oder nördlich der heutigen Kirche. Nach den alten Klosterchroniken war sie dem hl. Laurentius geweiht. Dies deutet auf ein noch höheres Alter hin, da dieser Heilige unter der römischen Herrschaft in unserer Gegend häufig Kirchenpatron war. Indersdorf lag ja auch an einer Römerstraße und so ist es nicht ausgeschlossen, dass hier schon vor dem 6. Jahrhundert, als die Römerherrschaft zu Ende ging, eine Kirche stand. Das Bartholomäuspatrozinium ist seit 1524 verbürgt.
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Innenausstattung
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Der Altarraum der Kirche ist nicht eingezogen,
sondern bildet mit dem Kirchenschiff optisch einen einheitlichen Raum,
der mit einer reich stuckierten Flachdecke aus dem Jahr 1715 überzogen
ist. Der Stuck wird Johann
Benedikt Heiß zugeschrieben. Mittelpunkt des um das Jahr 1740 entstandenen
barocken Hochaltars ist ein großer Tabernakel. Im
Altaraufsatz ein Bild des Patrons, des hl. Bartholomäus mit Buch und Messer
in der Hand. Besonders prächtig ist die von der Sakristei her begehbare Rokoko-Kanzel mit baldachinartigem Schalldeckel. Auf ihm sitzen Figuren, die die damals bekannten vier Erdteile darstellen. |
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Ausführliche
Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen
| Geschichte: | |||||
| Ausstattung: | |||||
| Deckengemälde-2 | |||||
| Kirchenschiff | |||||
| Seitenaltäre |
Geschichte der Kirche
Die
Marktkirche St. Bartholomäus ist die älteste Kirche in Indersdorf. Nach
den alten Klosterchroniken (aus dem Jahr 1459) war sie dem hl. Laurentius geweiht.
Dies deutet auf ein noch höheres Alter hin, da dieser Heilige unter der römischen
Herrschaft in unserer Gegend häufig Kirchenpatron war. Indersdorf
lag ja auch an einer Römerstraße und so ist es nicht ausgeschlossen, dass hier
schon vor dem 6. Jh, als die Römerherrschaft zu Ende ging, eine
Kirche stand. Um die Kirche wurden sogar bronzezeitliche Grabbeigaben gefunden.
Laurentius ist übrgens der Nebenpatron geblieben. Auf einem 1896 entfernten
Auszugsbild des Choraltars war das Martyrium des Heiligen dargestellt.
Man könnte annnehmen, dass der Name "Marktkirche" auf
den "Markt Indersdorf" zurückgeht. Dies ist aber nicht der Fall,
weil die Ortschaft Indersdorf erst 1882 zum Markt erhoben worden ist. Der Name
ist vielmehr auf die ehem. Hofmarkt Indersdorf zurückzuführen; man
könnte deshalb auch von der Hofmarktkirche Indersdorf sprechen.
Erste
Kirche
Die früheste
Kirche stand etwas weiter nördlich oder westlich des heutigen Baus. Sie
könnte eine Eigenkirche des Geschlechts des Priesters Undeo (848 bzw. 804/807)
gewesen sein. Erstmals erwähnt wird sie in einer Tauschurkunde aus der
Zeit zwischen 972 und 976. Bischof Abraham von Freising (957-993) tauschte von
dem Edelmann Erchanger Höfe und Ackerland in Sendling und Pasing ein und
gab ihm dafür 3 Hufen Ackerland mit Hofanlagen und die zehentberechtigte
Kirche in Indersdorf.
Romanische
Kirche
Die erste Kirche am heutigen Platz wurde in romanischer Zeit, um 1250
errichtet. Man verlegte sie mitten in den damaligen Friedhof hinein, nachdem
man das Gelände über die vorhandenen Gräber etwas aufgeschüttet
hatte. Bei archäologischen Ausgrabungen 1995 hat man entdeckt, dass sich
unter der Kirche 38 Gräber aus der Zeit zwischen dem 8. und 12.Jh. befinden.
Sie sind in Ost-West-Richtung angeordnet. Die Toten waren ohne Särge -nur
in ein Tuch gehüllt- bestattet worden, mit dem Kopf im Westen, wie dies
für einfache Gläubige üblich war.
Die romanische Kirche war als einfache Saalkirche mit eingezogenem Rechteck-Chor
bereits aus Backsteinen errichtet. Die Fundamente bestanden noch aus mit Lehm
versetztem Backsteinbruch, d.h., man wollte Kosten sparen. Erst die Mauern sind
aus intakten Backsteinen errichtet, die mit braunem lehmhaltigen Mörtel
verbunden waren oder noch sind, denn die beiden Seitenwände der heutigen
Kirche bestehen noch aus Teilen dieser Mauern. Die Höhe der Ziegelsteine
(7,5 bis 8 cm) spricht übrigens für die Bauzeit um 1250, denn später
wurden Steine mit 6,5 bis 7 cm verwendet.
Der um 15 cm höher gelegte Altarraum der romanischen Kirche war
kleiner als der heutige Chor. Bei der Ausgrabung 1995 hatte man eine feuergerötete
Oberfläche entdeckt, die auf einen Brand im unfertigen Kirchengebäude
zurückzuführen ist.
Das Kirchenschiff war kürzer als heute; sein damaliges westliches
Ende ist im Mauerwerk durch eine durchgehende senkrechte Fuge noch gut erkennbar.
Während der Boden im Altarraum mit willkürlich verlegten Backsteinen
belegt war, hatte das Kirchenschiff keinen festen Bodenbelag, sondern einen
Lehmboden, der zudem noch von Nord nach Süd ein Gefälle um 20 cm aufwies.
Der Eingang lag an der Nordseite. Er ist noch heute als zugemauertes Portal
zu erkennen.
An der Außenmauer des Altarraums waren im Friedhof -wie damals üblich-
die Kindergräber angeordnet.
Freisinger
Matrikel 1315
Nach dem Klosterbau wird die Marktkirche
eine Filiale der Klosterkirche geworden sein. In der Konradinischen
Matrike von 1315 ist die Kirche
nicht enthalten; dort ist nur das Kloster, nicht aber eine Pfarrei Indersdorf
aufgeführt.
Am Karfreitag 1394 gab es in Indersdorf
eine Feuersbrunst, durch die ein Großteil der Ortschaft zerstört
wurde. Das Feuer soll während des Gottesdienstes gelegt worden sein. Die
Kirche sei vom Brand verschont geblieben, heißt es.
Um 1400 hat man an die romanische Kirche umgebaut bzw. erweitert. Ob dies mit
dem Brand zu tun hatte, ist mir nicht bekannt. Im Norden wurde die Sakristei,
im Westen der Glockenturm angebaut. Vorher hatte die Kirche entweder nur einen
Dachreiter oder einen Chorturm, d.h., im Erdgeschoss des Turmes war die Sakristei
eingerichtet. Die zweite Alternative würde bedeuten, dass es sich um einen
mächtigen Turm gehandelt hätte, der nun abgetragen worden ist. Für
diese Lösung sprechen die romanischen Chorfundamente, die für einen
normalen Altarraum überdimensioniert waren.
Gotische Kirche um 1450
In einem Bericht über Propst Johannes Rothut ist erwähnt, dass während
seiner Leitung (1442-1470) die Kirche in gotischem Stil erneuert bzw. erweitert
wurde. Von den archäologischen Ausgrabungen 1995 wissen wir, dass man damals
die beiden romanischen Seitenwände (nördlich und südlich) zumindest
teilweise übernommen und die restlichen Mauern neu errichtet hat. Die gotische
Kirche war größer als die romanische; dies gilt insbesondere für
den Altarraum.
Eines der interessantesten Ergebnisse der Ausgrabung war, dass die gotische
Kirche einen Lettner bzw. eine massive Chorschranke hatte. Der Lettner
war vom 13.bis 16.Jh eine mannshohe, gemauerte Trennwand zwischen dem Chor (für
die Kleriker) und dem Kirchenschiff (für die Laien). Am Lettner stand fast immer
aber ein Lesepult; davon hat er seinen Namen erhalten (lat. lectionarium).
Jedenfalls hat man die Fundamente dafür gefunden. Sie lagen nicht direkt
am Übergang von Kirchenschiff zum Altarraum, sondern etwas davor, sodass
sich dadurch eine weitere Vergrößerung des Altarraums ergab. In der
heutige Flachdecke weist ein durch die Stuckierung hervorgehobener Absatz über
der Kanzel auf den früheren Standort des Lettners hin. In der Mitte besaß
der Lettner einen rd. 1,60 m breiten Durchgang, der durch eine Türe oder
einen Vorhang geschlossen war. Der Durchgang war sogar mit einem goldgelb gestrichenen
Gewände, einer Abschrägung im gemauerten Portal, verziert. Durch den
Lettner wurde der Chorraum von einer einfachen Gemeindekirch in die Miniaturausgabe
einer Kloster- oder Stiftskirche verwandelt. Dies erscheint uns heute außergewöhnlich,
weil sich Lettner bis in die Zeit der Fotographie nur in den großen Klosterkirchen
erhalten haben; doch könnte diese Bauform durchaus auch in kleineren Kirchen
üblich gewesen sein. In anderen Kirchen hat man den Lettner mitsamt Fundament
gründlicher entfernt; hier in der Marktkirche haben die Barockisierer noch
Reste im Boden für die Kirchenforscher späterer Zeiten übrig
gelassen.
Der gotische Altarraum erhielt den noch heute vorhandenen Polygonal-Chor
mit 3/8-Schluss. Die Decke war mit einem Rippengewölbe überzogen,
das bis zum Lettner heranreichte (siehe Absatz in der Decke). Das Gewölbe
wurde durch Strebepfeiler an der Außenwand der Kirche gestützt. Auch
der hohe Lettner erhielt einen eigenen Strebepfeiler.
Der romanische Altarblock ist durch Ummantelung vergrößert worden.
Der gotische Neubau erhielt auch einen neuen Turm. Der bisherige Turm
auf der Westseite wurde abgetragen und ein neuer Turm an der heutigen Stelle
aufgerichtet. Im Erdgeschoss des Turms hatte man die Sakristei eingerichtet;
auf diese Funktion des Raumes weisen noch typische Wandnischen hin. Das spitzbogige
Zugangsportal vom Altarraum zum Turm ist heute hinter dem Seitenaltar noch vorhanden,
aber zugemauert.
Das gotische Kirchenschiff hatte nicht mehr nur einen Lehmboden, sondern
war -wie der Altarraum- mit quadratischen Ziegelplatten bedeckt, flankiert von
übereck verlegten Backsteinen. Am Lettner standen die beiden Seitenaltäre.
Auf der Evangelienseite (von hinten gesehen links) war das Taufbecken eingebaut.
Bald nach dem Bau hat man bemerkt, dass das Kirchenschiff zu klein ist und hat
es um 1/3 der Länge nach Westen erweitert. Der Zugang auf der Nordseite,
der sich nach der Verlängerung in der Mitte des Kirchenschiffs befand,
wurde zugemauert und westwärts in den neuen Teil verlegt.
Freisinger
Matrikel 1524
Die Sunderndorfer'sche
Matrikel von 1524 nennt die Kirche als eine von vier Filialen
der Klosterkirche ("s.Bartholomaei in villa Understorff"). Damals
hatte St.Bartholomäus das Kirchenpatrozinium von St.Laurentius schon übernommen.
Visitationsbericht von 1560
Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell auf Druck des
bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation, eine umfassende Überprüfung
aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet. Die Visitation wurde durch bischöfliche
und durch herzogliche Bevollmächtigte durchgeführt. Grund war die
durch die Reformation Luthers (1517) entstandene religiöse Unruhe,
die jedenfalls in Teilen des Bistums zur Zerrüttung des geistlichen Lebens
geführt hatte. Durch die Visitation wollte der Bischof einen detaillierten
Einblick in die religiöse Situation der Pfarreien gewinnen. Insbesondere
sollte festgestellt werden, ob die Pfarrer und die Gläubigen noch die katholischen
Lehre vertraten oder der neuen Lehre anhingen. Daneben interessierte die Prüfer
die Lebensführung der Pfarrer sowie Umfang und Qualität ihrer religiösen
Kenntnisse. Im Bericht über die Marktkirche heißt es, dass sie in
das Kloster Indersdorf inkorporiert sei und auch von dort betreut werde. Deshalb
sei auch kein Kirchenverwalter (kirchprobst) nötig. In der Kirche seien
drei Kelche mit Corporale, 3 Messbücher, ein Liturgiebuch und ein Gesangbuch
vorhanden. Vor drei Jahren (1557) seien drei Kelche gestohlen worden.
Barockisierung
1711-1716
In den
Jahren 1711-1716 wurden die Kirche barockisiert. Diese Jahreszahlen stehen in
einer Kartusche am Deckenabsatz zwischen Chor und Schiff. Die unteren Teile
des gotischen Baues einschließlich der Turm-Untergeschosse wurden übernommen,
die oberen Teile neu errichtet. Dabei hat man im Altarraum das Rippengewölbe
entfernt und die vorhandenen Wandmalerein übertüncht bzw. überputzt.
An der Westseite wurde eine Empore eingebaut. Die Vergrößerung der
Fenster brachte mehr Licht ins Gotteshaus. Außerdem hat man wieder den
Eingang verlegt. Nun betrat man die Kirche -wie heute- von der Westseite aus.
Das Nordwestportal wurde zugemauert (1745).
Auch ein Großteil der Inneneinrichtung, insbesondere die drei Altäre,
die Kanzel und die Kirchenstühle wurden im modernen barocken Stil angeschafft.
Allerdings verging bis zur endgültigen Fertigstellung noch eine gewisse
Zeit: Das Gestühl wurde 1722, die Seitenaltäre im Regencestil 1740
eingebaut. Diese Seitenaltäre standen immer noch am Lettner, auch wenn
der möglicherweise nicht mehr so hoch und undurchlässig war, wie zu
gotischen Zeiten. Heute befindet sich dort die Kanzel. Die war damals noch 5
Meter weiter westlich angebracht. Eine heute vermauerte Wandöffnung führte
in einen Außenanbau, durch den die Kanzel ohne Witterungseinflüsse
betreten werden konnte. Dieser Kanzel-Außenanbau ist auch auf einer Ansicht
der Kirche aus dem Jahr 1762 zu sehen. Die Hauptfiguren des früheren gotischen
Choraltars (Muttergottes, St.Bartholomäus, St.Laurentius) kamen nach Westerholzhausen,
die Figur im Gesprenge (Auferstandener) über Umwege nach Arnzell.
Schmidt'sche
Matrikel von 1738/40
In den Jahren 1738 bis 1740 hatte der Freisinger Kanonikus Schmidt alle Pfarreien
der Diözese Freising besucht und in der nach ihm benannten Schmidt'schen
Matrikel auch die Filialkirchen
kurz beschrieben. Zur "Ecclesia filialis s.Bartholomaei in oppido Inderstorff"
bemerkt er, die Kirche sei ein schöner Bau. Sie habe drei Altäre.
Der Hochaltar sei dem Kirchenpatron St.Bartholomäus geweiht, die Seitenaltäre
der Jungfrau Maria und dem hl.Sebastian. Das Kirchweihfest falle auf den Sonntag
nach dem Rosenkranzfest (7.Okt). In der schön gestalteten Sakristei würden
die Messgewänder aufbewahrt. Im Turm hingen drei geweihte Glocken.
Umbau 1846
Das heutige Aussehen verdankt die Kirche den Umbaumaßnahmen des Jahres
1846:
- eine neue Sakristei wurde gebaut,
- der Zugang vom Altarraum zum Turm und damit zur bisherigen Sakristei wurde
zugemauert,
- die Seitenaltäre wurden in den Altarraum verlegt und so gedreht, dass
sie parallel zur Außenwand stehen,
der Nordaltar steht vor dem bisherigen Zugang zum Turm,
- der Lettner wurde endgültig abgebrochen,
- die Kanzel wurde an die Stelle versetzt, an der bisher der südliche Seitenaltar
gestanden hatte,
- das Gestühl wurde weiter nach vorne verlegt.
Beschreibung
1880
In der Statistischen Beschreibung des Erzbistums München
und Freising vom Beneficiaten an der Domkirche Anton Mayer aus dem Jahr 1880
ist im Kapitel über die Pfarrei Indersdorf auch die Filialkirche St.Bartholomäus
in Markt Indersdorf enthalten. Im Dorf selbst (ohne den Klosterbereich) wohnten
450 Seelen (in 92 Häusern), dazu noch 129 Gläubige (30) in Karpfhofen.
Über die Kirche St.Bartholomäus
schreibt er: "Erbauungsjahr unbekannt. Restaurationsbedürftig. Renaissancestyl.
Geräumigkeit für die Filialgemeinde zureichend. Baupflicht die Kirchenstiftung.
Spitzthurm mit 3 Glocken: die größere gegossen 1840 von Wolfgang
Hubinger in München, die mittlere 1762 von Philipp Abraham Brandmaier in
Augsburg und die kleinere 1487 von Ulrich von Rosen. Patrozinium am Sonntag
nach Bartholomäus (24.8.). 3 Altäre; Orgel mit 8 Registern. Cemeterium
(=Friedhof) mit Capelle ohne Altar. Stiftungen 20 Jahrtage, 137 Jahrmessen.
Den Meßnerdienst versieht ein eigens bestellter Meßner, den Cantordienst
der Lehrer. Kirchenvermögen rd. 33.500 Mark".
Bruderschaft: Isidoribund der Bauern der Pfarrei und der Nachbarschaft.
Ihr Hauptfest wird am Donnerstag nach Sexagesima (=Donnerstag vor Aschermittwoch)
mit einem feierlichen Gottesdienst (vulgo Bauernjahrtag) gefeiert.
| Hinweis: Diese Bruderschaft besteht auch im 21.Jh noch. Sie wurde 1635, während des 30jährigen Krieges, gegründet und hatte im Jahr 2009 immerhin 352 Mitglieder. Ein im Jahr 1765 gestifteter Zinnpflug ist das Vereinszeichen. Früher wurden an diesem Tag Pferderennen veranstaltet. Am Bauernjahrtag war es auch Frauen erlaubt, ins Wirtshaus zu gehen (sonst nur bei Taufen, Hochzeiten, Beerdigungen). |
Der Kirchenraum erhielt bei der Barockiserung
eine neue Flachdecke. Im Altarraum hängt die Decke etwas tiefer, weil dort
früher ein Kreuzrippengewölbe den Raum überspannte.
Hinter dem linken Seitenaltar befindet
sich der frühere Zugang vom Altarraum zum Turm aus gotischer Zeit. Das
Spitzbogenportal ist zugemauert. Die Nordwand des Kirchenschiffs enthält
zwei zugemauerte Portale der romanischen und der gotischen Kirche. Sie sind
durch den Verputz nicht mehr zu erkennen.
Unter dem Fußboden des Kirchenschiffs befinden sich 45 Gräber.
38 davon stammen aus der Zeit von 800-1200 n.Chr. und lagen im Friedhof an der
Stelle, an der später die romanische Kirche gebaut wurde. Seither befinden
sie sich unter dem Fundament der Kirche. In barocker Zeit wurden weitere 7 Personen
in der Kirche bestattet, die unter den Fußbodenplatten liegen. Bei Ausgrabungen
fand man die Toten mit Sterbekreuzen, Rosenkränzen und Skapulieren. So
weit man feststellen konnte, handelt es sich u.a. um einen Chorherren, der 1757
starb (erkenntlich an Münzen), um eine Frau mit Dutt und Haarnadeln, um
den Brauer Wolfgang Gerstlacher (gest. 21.2.1743) und seine Frau Maria (gest.17.2.1740).
Der Brauer Gerstlacher war einer der großen Wohltäter der Kirche,
hatte den Hochaltar, die Monstranz und Weiteres gestiftet und war wohl auch
einer der Hauptfinanziers der Barockisierung. Ihn hatte man 1743 zunächst
im Altarraum direkt vor dem Hochaltar begraben; es war das einzige Grab im Altarraum.
Es erinnert, so heißt es, an eine an adelige und patrizische Gepflogenheiten
angelehnte bürgerlich-herrschaftliche Grablege, die ein bezeichnendes Licht
auf die soziale Stelle des damaligen Bierbrauers wirft. Bei den Umbaumaßnahmen
1846 wurde das Grab vom Altarraum in das Kirchenschiff verlegt. Auf
seinem Epitaph zwischen Sakristeitür
und Kanzel steht der Spruch:
| "Denk o Mensch
wer ich gewesen Der du dißes thuest hier leßen Was geschribn auf disen stein Den Kranchen, wie auch den betrangten Gab ich was von mir verlangten Jeden ein Stützen wolte sein Diß Gottshauß auch wird beyfallen |
so aufgricht zu
Jedes gfallen Gsuecht hierdurch nur gottes Ehr Dißes wirst ja nit vergessen Mir mit gleicher hilf Einmessen All mein Leyd in Freud verkehr Wolfgangus Josephus Gerstlacher alters 66.Jahr gestorben den 21.hornung anno 1743 |
| Hinweis: Epitaphe gibt es in unseren Kirchen erst seit dem 14. Jh. als Gedächtnismal für einen Verstorbenen in Form einer Steinplatte, die innen oder außen an der Kirchenwand senkrecht aufgestellt wird. Epitaphe (griech. Grabinschrift) wurden für diesen Zweck eigens angefertigt; sie sind keine früheren Grabplatten. Das Epitaph ist auch kein Grabmal, weil sich weder dahinter noch darunter ein Grab befindet. |
Der Turm stammt aus dem 15.Jh. als die gotische Kirche errichtet wurde. Er ersetzte damals den Turm, der um das Jahr 1400 auf der Westseite gebaut worden war. Im Turm hängt eine der alte Glocke, die 1487, also kurz nach dem Turmbau, von Ulrich von der Rosen aus München gegossen wurde.
Innenausstattung
Der 5,60 m hohe Altarraum der Kirche ist nicht eingezogen, sondern bildet mit dem Kirchenschiff optisch einen einheitlichen Raum, der mit einer reich stuckierten Flachdecke aus dem Jahr 1715 überzogen ist. Der Stuck wird Johann Benedikt Heiß zugeschrieben. Die Decke des Altarraums hängt einen halben Meter niedriger als die des Kirchenschiffs. Möglicherweise hängt dies mit dem früheren Gewölbe zusammen.
Die flache, mit reichem Stuck verzierte und durch Profilleisten gegliederte Chordecke wird von einem zentralen Deckengemälde mit der Darstellung des Abendmahls und an den Ecken von vier Rundgemälden im Stuckrahmen mit Themen aus dem alten Testament (Schuld und Strafe) geziert. Sie werden wegen der stilistischen Ähnlichkeit mit den Sielenbacher Deckenbildern dem Friedberger Maler Johann Reismiller zugeschrieben (1716).| Beim Abendmahl sitzt Jesus in der Mitte seiner Jünger und segnet das Brot. Ganz rechts ist Judas, der spätere Verräter, beim Aufbruch zu sehen. Im Vordergrund stehen kostbare Gefäße. Ein kleiner Hund bellt eine Katze an, die sich unter dem Mantel von Judas zu verstecken versucht. Im Hintergrund wird eine großartige Säulenarchitektur gezeigt. |
| Hinweis: In die Bildende Kunst fand das letzte Abendmahl erst im 5./6. Jh. Eingang. Ursprünglich wurde Jesus an der linken Ecke der Tafel sitzend wiedergegeben, ab dem 11. Jh. meist in der Mitte thronend, flankiert von seinen Jüngern, wie hier in Indersdorf. |
Die vier Rundmedaillons im Chor zeigen
| - König
David (vorne links) mit Mantel
und Krone, der auf einer Leier spielt. Hinweis: David ist in der Kunst Sinnbild der Gerechtigkeit (Ps 98,4). Zusammen mit Salomon, Hiskis und Christus verkörpert er die Grundidee des gerechten und von Weisheit geleiteten Regierens eines christlichen Herrschers. Wegen seines in der Bibel erwähnten Leierspiels (2 Sam 3-5) und weil er als Dichter der Psalmen gilt, wurde David ab dem 16.Jh auch häufig als Psalmist, ja als Repräsentant der geistlichen Musik dargestellt |
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| - Aaron
(vorne rechts) im Hohenpriestergewand (mit Ephod, Glöckchensaum, Brustschild,
Diadem) und einem Weihrauchfass in den Händen (Ex 28,2-39). Hinweis: Aaron war nach der Bibel der ältere Bruder Mose. Ihm wurde von Gott die erbliche Hohepriesterwürde (Aaronitisches Priestertum) übertragen (2.Mos.29). Vertreter der zwölf Stämme Israels hatten zwölf Stäbe auf die Bundeslade gelegt. Dass nur der Stab Aarons grünte, galt als Zeichen seiner Erwählung (4. Mos. 17). |
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| - das Thema des Bildes
hinten rechts ist nicht eindeutig geklärt. Möglicherweise handelt es sich
um die Rückführung der Bundeslade (I Sam 6,1-12) oder um die Fahrt von Jehu und Jonadab (4 Reg 10, 15-18). |
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- Josef
und seine Brüder, die Söhne Jakobs (hinten links). In der linken
Bildhälfte sieht man eine Herrscher |
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Mittelpunkt des im Jahr 1734 entstandenen barocken Hochaltars mit zwei gewundenen Säulen (Fassung von Benedikt Dersch, Freising) ist ein 2,5 m hohes Sakramentshäuschen. Es steht an der Stelle eines früheren Altarblatts von Johann Reismiller (sign 1734), das um 1900 herausgenommen wurde. Inzwischen soll es -nach einer Restauration- im Langhaus hängen. Auf ihm wird der hl.Bartholomäus dargestellt. |
| Hinweis: Die beiden Heiligen waren Brüder, die hohe Beamtenstellungen am Hofe Kaiser Konstantins innehatten. Unter Kaiser Julian dem Abtrünnigen, wurden sie wegen ihres christlichen Glaubens um das Jahr 361 in ihrem Haus auf dem Caeliusten enthauptet und dort begraben. Seit dem 6. Jahrhundert werden sie als Märtyrer verehrt, später galten sie auch als Gewitterheilige |
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Im Altaraufsatz ein großes
Bild des Kirchenpatrons, des hl.
Bartholomäus mit Buch und Messer in der Hand (St.Bartholomäus
wurde bei seinem Martyrium mit dem Messer die Haut abgezogen). Bis 1896 war im Aufsatz übrigens der frühere Patron und spätere Nebenpatron Laurentius auf einem Bild dargestellt. Das Gemälde wurde 1896 entfernt. |
Das Antependium des Altars ist mit drei Reliefs reich verziert:
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Links wird der Hohepriester
Melchisedek, in der
Mitte Jesus und die Emmausjünger
und rechts das verhinderte Opfer Abrahams
(mit Isaak) dargestellt. Alle drei Themen sind Sinnbilder für die
Eucharistiefeier. In Emmaus aß Jesus nach der Auferstehung
mit zwei Jüngern zu Abend und reichte seinen Begleitern das Brot
als seinen Leib.
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| Melchisedek
war zu Zeiten Abrahams Priesterkönig von Salem (=Jerusalem). Er segnete
den Abraham, als der von seinem Sieg über Kedor-Laomer zurückkehrte
und brachte im anschließenden Dankopfer für den Sieg Brot und
Wein als Opfergaben dar (Gen. 14,18-20). Wegen der Übereinstimmung
der Opfergaben wurde er im Christentum als Vorläufer von Christus angesehen.
In der christlichen Kunst soll die Darstellung des Opfers des Melchisedek
auf die lange Tradition des Messopfers mit Brot und Wein hinweisen. Abraham wurde von Gott auf die Probe gestellt und sollte seinen einzigen (legitimen) Sohn Isaak opfern. Als Abraham tatsächlich den Isaak als Opfer darbringen wollte, griff Gott ein und wies Abraham an, anstelle des Knaben einen Widder zu opfern, der sich im Gestrüpp verfangen hatte. Neben der Aussage, dass Gott keine (damals übliche ?) Menschenopfer wünscht, wird die Begebenheit als Vorbild für den Opfertod Christi (Gott opfert seinen einzigen Sohn) gesehen. |
| Flankiert wird das Bild von den vier Evangelisten auf den Säulen mit der Darstellung ihrer Attribute (von links nach rechts: Markus mit Löwen, Matthäus mit Engel, Johannes mit Adler und Lukas mit dem Stier). |
| Hinweis: Die vier
Symbole geflügelter Mensch, geflügelter Löwe, geflügelter
Stier und Adler reichen zurück bis in den babylonischen Mythos. Dort
stellten sie die vier Astralgötter Nergal (Flügellöwe), Marduk
(Flügelstier), Nabu (Mensch) und Mimurta (Adler) dar, die vor den Heiligtümern
Wache hielten. Im Alten Testament werden sie
in den Gottesvisionen Ezechiels (Ez 1,1-14), im Neuen Testament in der Offenbarung
des Johannes (Kap.4 Vers 7) als die vier Lebewesen, die rings um Gottes
Thron stehen, erwähnt. Zuerst hat man sie nur im Zusammenhang mit dem
thronenden Christus abgebildet. Als Evangelistensymbole dienen sie erst
seit dem frühen Mittelalter (durch die Kirchenväter Irenäus
und Hippolyt um das Jahr 200). Seit Hieronymus (347-420) werden sie wie folgt gedeutet: - Der geflügelte Mensch (nicht Engel !) bei Matthäus weist auf den Stammbaum Jesu und auf dessen Geburt (mit deren Bericht das Matthäusevangelium beginnt) hin. - Der geflügelte Löwe ist Sinnbild für Markus, weil das Markusevangeliums mit der Predigt des Johannes in der Wüste, dem Lebensraum des Löwen, beginnt und weil sein Evangelium die Kraft der Auferstehung und Todesüberwindung betont. - Der geflügelte Stier (als Opfertier) des Lukas galt als Zeichen für den Beginn des Lukas-Evangeliums, das mit dem Opfer des Zacharias einsetzt und das am innigsten auf den Opfertod Christi hindeutet. - Den Adler des Johannes versteht man als Symbol für den spirituellen Höhenflug des Johannes-Evangeliums, das mit den Worten beginnt "Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort". |
Früherer
gotischer Altar
Der Kunsthistoriker G. Morsch hat in seinem Aufsatz "Die
spätgotische Madonna von Westerholzhausen "
dargelegt, wie der gotische Vorgängeraltar in der Marktkirche ausgesehen
haben könnte, der bis zum 30jährigen Krieg hier stand: Es war ein
Schreinaltar, durch Stabwerk in drei senkrechte Abschnitte unterteilt, in denen
jeweils eine Figur stand: im mittleren Abschnitt die heute in Westerholzhausen
auf dem Choraltar aufgestellte Muttergottesfigur, im linken Abschnitt eine Figur
des Apostels Bartholomäus, im rechten eine des hl.Laurentius. Die beiden
Assistenzfiguren standen dann ab 1763 in Westerholzhausen auf dem Choraltar,
bis sie 1883 von dort genommen wurden. Wo sie sich in der Zwischenzeit (1650-1763)
befunden haben, ist unbekannt. Heute werden sie im Kloster Indersdorf aufbewahrt.
Im Gesprenge des gotischen Altars in der Marktkirche befanden sich drei Skulputuren,
von denen die mittlere, ein Schmerzensmann, noch in der Kirche von Arnzell als
Einzelfigur zu sehen ist. Gesprenge ist der obere Abschluss eines gotischen
Schreinaltars; es besteht aus Maßwerk und Fialen.
Zwischen dem 30jährigen Krieg und der Erbauung des heutigen Altars soll
ein "wenig qualitätsvolles Retabel"
(Altaraufbau) mit der Darstellung der Krönung Mariens (ohne die gotischen
Figuren) hier gestanden haben.
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An der Chorwand stehen auf Podesten die Heiligen Johannes Nepomuk mit Märtyrerpalme (links) und Michael mit Flammenschwert, mit dem er Luzifer stürzte und Adam und Eva aus dem Paradies trieb (rechts). Flammenschwert ist die Bezeichnung für ein Schwert, dessen Klinge gewellte (geflammte) Schneiden hat. |
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| Hinweise:
Johannes aus Pomuk, "ne Pomuk", war Ende des 14.Jh Generalvikar des
Erzbischofs in Prag und machte sich wegen seines energischen Auftretens
für die Rechte der Kirche beim König Wenzel unbeliebt. Der ließ ihn am 20.
März 1393 gefangen nehmen, foltern, brannte ihn selbst mit Pechfackeln,
ließ ihn durch die Straßen schleifen und schließlich in der Moldau ertränken.
Die Legende berichtet, der eigentliche Grund sei gewesen, dass Johannes,
der Beichtvater der Königin war, dem König keine Auskunft über die Sünden
seiner Frau gab. Der Fundort der Leiche wurde durch eine Erscheinung von
5 Sternen geoffenbart. Sein Denkmal auf der Prager Karlsbrücke, das 1693
errichtet wurde, machte ihn zu einem der wichtigsten Brückenheiligen. Johannes
wurde 1729 von Papst Benedikt XIII. heilig gesprochen und war deshalb während
der Barock- und Rokokozeit als damals moderner Heiliger häufig abgebildet
worden. Der Erzengel Michael war nach der Überlieferung häufig mit der Heilsgeschichte der Menschen verbunden. Er stürzte - schon vor Beginn der Schöpfung - den Luzifer, zeigte Hagar, der von Abrahams eifersüchtiger Frau Sara vertriebenen Magd, die Quelle zur Rettung ihres und ihres Sohnes Leben (1. Mose 16,7-12). Michael gilt auch als einer der drei Männer, die Abraham besuchten (1. Mose 18,1-16), er hinderte Abraham, den Isaak zu töten (1.Mose 22, 11-18), rang mit Jakob (1. Mose 32,24-29), teilte das Rote Meer beim Auszug aus Ägypten (2. Mose14,19-22), führte Israel ins gelobte Land und kämpfte mit dem Teufel um die Seele von Mose. Rettend erschien er den Jünglingen im Feuerofen bei Daniel (Daniel 3,25-26) und hielt Habakuk an den Haaren über die Löwengrube. Michael hält die Seelenwaage und empfängt die Seligen im Paradies, so wie Petrus an der Himmelspforte. |
An der Langhausdecke (in 6,10 m
Höhe) dominieren die Stuckverzierungen. Die zehn kleineren Rundgemälde
um die Heilig-Geist-Öffnung
und an der Emporenbrüstung befassen sich mit dem Generalthema Gegensatz zwischen
dem Alten und dem Neuen Bund - Gottes Gnade und Erbarmen.
Gezeigt werden an der Decke Szenen aus dem Neuen Testament
- der zwölfjährige Jesus im Tempel, umringt von Schriftgelehrten. Dahinter
Josef u.Maria auf der Suche (Lk 18,10-14)
- Pharisäer und Zöllner beim Gebet in der Synagoge - als Darstellung
des Gleichnisses in Lk 18, 10-14.
- die Tempelreinigung durch Jesus, der die Händler mit einer Geißel vertreibt
(Joh 2, 13-17)
- Jesus und die Ehebrecherin mit Hohepriestern und Volk vor Säulenarchitektur
als Symbol für Jerusalem (Joh, 8,1-11)
- der verlorene Sohn mit dem Vater und dem Bruder im Hintergrund (Lk
15, 11-32)
- Heilung des Lahmen durch Petrus (Act 3,3-8)
| - Bestrafung
der Rotte Korah, die
gegen Moses einen Aufstand gewagt hatten (Num 16, 25-32). Links stehen Moses und Aaron, die Erde spaltet sich, die Zelte wanken, rechts sinken Bewaffnete zur Erde und werden von den Spalten verschlungen |
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| - Pest
über Israel als Strafe für Davids Sünden (2, Sam 24,10-16). Gott
ließ David die Wahl zwischen Hungersnot, Verfolgung durch Feinde oder
dreitägige Pest. David wählte die Pest. Links der König David, der die Hände
flehend zum Himmel erhebt. Rechts die sterbenden Pestkranken, darüber schwebt
ein Engel mit dem Schwert der Rache in der Hand. Ganz links im Hintergrund
der Seher Gad, der Gottes Botschaft überbracht hatte. |
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| - Sintflut.
Im Vordergrund verzweifelte Menschen und Tiere. Auf dem Wasser schwimmt
die Arche in Form eines vergrößerten Sarges vor dem Hintergrund einer
Stadt und eines Gebirges. Hinweis: Arche (lat.arca=Kasten) ist Name des kastenförmigen Hausboots, das Noah auf Weisung Gottes baute und in dem er und die seinen die vierzigtägige Sintflut überlebten (Genesis, 6, 13 ff.). Die Sintflut wird auch in 200 Schriften anderer Hochkulturen beschrieben. Es wird heute als gesichert angesehen, dass die Arche Noah auf dem höchsten Berg der Türkei, dem 5165 m hohen Ararat, strandete. Wissenschaftler untersuchten die Holzreste auf dem Gipfel und kamen zum Ergebnis, dass sie 5.000 Jahre alt sind. In der Ikonographie der christlichen Kunst ist die Arche ein Sinnbild für die Kirche, in der allein ein geistiges Überleben in dieser Welt möglich ist. |
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| - Zerstörung
von Sodom (Gen 19). Rechts im Bild Lot mit seinen Töchtern in einer
Höhle. Links im Hintergrund die Stadt Sodom an der Meeresküste. Davor
Lots Frau, bereits zur Salzsäule erstarrt. |
| Die Seitenaltäre sind wegen des fehlenden Chorbogens längs an der Wand angebracht. Schon in gotischer Zeit gab es (Vorgänger-)Seitenaltäre. Sie standen am Lettner, der den Altarraum vom Kirchenschiff trennte, und waren -wie in anderen Kirchen üblich- zu den Kirchenbesuchern gerichtet. |
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Bei der Barockisierung um 1740 hat man die heutigen Altäre angeschafft und sie an die gleichen Stelle gesetzt. Erst beim Umbau 1846 wurden sie in den Altarraum versetzt und in Ost/West-Richtung gedreht. |
Linker Seitenaltar
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Der linke Seitenaltar
ist dem hl. Sebastian geweiht, dessen pfeildurchbohrte Figur in
der Mittelnische steht. Hinter dem Altar befindet sich das zugemauerte gotische
Portal, das vor 1846 vom Altarraum in den Turm führte. Dort war bis
zu diesem Zeitpunkt die Sakristei untergebracht. Eine Besonderheit des linken Seitenaltars ist das Brustreliquiar, das herzförmig in Brusthöhe in die Figur von Sebastian eingearbeitet ist. Im Brustreliquiar erscheint der Heilige dem Gläubigen von Angesicht zu Angesicht, der ihm seine Bitte sozusagen persönlich vortragen kann. |
| Hinweis: Der Kranz war das Ehrenzeichen des siegreichen Athleten, z.B. bei den Olympischen Spielen der Antike in Form eines Gewindes aus Laub, Blumen u.ä. Das Christusmonogramm war in der frühen Kirche öfters von einem Kranz umgeben und bezeichnete so Christus als den Sieger über den Tod (daher häufig auf Sarkophagen) oder -da die siegreichen römischen Kaiser den Lorbeerkranz trugen- als Kyrios, den Herrn der Welt. Als Siegeszeichen gebührte der Kranz auch den Märtyrern wie Sebastian. |
Der Altarauszug, ist -von vielen kleinen Engelsfiguren umgeben- ein Bild der Muttergottes mit Kind zu sehen. Es handelt sich dabei um eine Nachbildung des Passauer Marienbildes, das interessanterweise selbst eine Kopie ist. ...mehr zum Gnadenbild aus Passau...... |
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Der rechte Seitenaltar ist der Josefsaltar. Im Mittelpunkt steht die Figur des hl.Josef mit einem grünenden und blühenden Stab der Hand.
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| Hinweis: Nach dem Protoevangelium des Jakobus aus der 2. Hälfte des 2. Jh waren Anna und Joachim die Eltern Marias und damit die Großeltern von Jesus. Im 5. und 6. Jahrhundert wurden ihre Namen in Marienlegenden weiterverbreitet. Besonders die Orden der Karmeliten und Kapuziner förderten die Verehrung von Joachim und Anna. Die Schäferschaufel Joachims führt zum apokryphen Jakobusevangelium, nach dem ihm ein Engel erschien, während er auf dem Feld die Herden hütete. |
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Auch an diesem Altar umgeben viele kleine Engel das Auszugsbild. Dabei handelt es sich um ein Vesperbild, eine Darstellung von Maria mit dem toten Jesus auf dem Schoß. Den Namen Vesperbild erhielt die Darstellung, weil die Zeit, die im Stundengebet der Mönche und Nonnen der Trauer um den Tod Jesu gewidmet wird, der Sonnenuntergang ist, die Zeit der Vesper. |
Die Darstellung der Muttergottes mit ihrem toten Sohn auf dem Schoß entspricht keinem Bibelbericht. Nach dem Johannesevangelium stand Maria zwar unter dem Kreuz; ihre Anwesenheit bei der Kreuzabnahme ist aber nicht belegt. Deshalb standen die Pietàs in Italien lange unter dem Verdacht der Ketzerei und wurden auch von den Reformatoren in Deutschland abgelehnt. |
...mehr zu Pietà -Darstellungen
in den Kirchen des Landkreises...
| Besonders
prächtig ist die von der Sakristei her begehbare Rokoko-Kanzel
mit baldachinartigem Schalldeckel. Auf ihm sitzen Figuren, die die
damals bekannten vier Erdteile Europa (weibliche Figur), Amerika (Farbiger
mit Federschmuck -siehe kleines Bild oben), Afrika und Asien versinnbildlichen.
An der Unterseite des Schalldeckels eine Heilig-Geist-Taube. Auch
der Kanzelkorb ist mit vier Figuren geschmückt. Dabei könnte
es sich um die vier Kirchenväter (Ambrosius, Augustinus, Papst Gregor I.
und Hieronymus) handeln. Ihre Darstellung an
den Kanzeln sollte im Sinne der "Gegenreformation" die Kontinuität der Tradition,
auf die sich die katholische Kirche berief, unterstreichen. Dazwischen sind
vergoldete Metallreliefs mit biblischen Szenen zu sehen. Die Kanzel war bei der Barockisierung angeschafft und 5 Meter weiter westwärts an einer Wandnische angebracht worden. Erst 1846 hat man sie an ihren jetzigen Standort verlegt, an dem bis dahin der rechte Seitenaltar stand. |
| Hinweise: Die Gestalt der Taube für die künstlerische Darstellung des Heiligen Geistes gründet sich auf den Bericht der Taufe Jesu im Neuen Testament. Danach fuhr der heilige Geist in leiblicher Gestalt auf ihn hernieder wie eine Taube (Lk, 3,22). Obwohl dies nur bedeutet, dass sich der Geist bewegte sich wie eine Taube, nicht aber aussah wie ein Vogel, hat man die Taube als Symbol für die sonst nur schwer greifbare dritte Person Gottes gewählt. Das Konzil von Nicäa im Jahr 325 hat dies sogar empfohlen. Papst Benedikt XIV verbot 1745 die Darstellung der dritten göttlichen Person in Menschengestalt, wie sie vereinzelt immer noch vorkam (so z.B. im Deckengemälden der Schlosskapellen in Haimhausen und Unterweilbach). Die Predigt wurde in altchristlicher Zeit -ähnlich wie heute- von einem Ambo aus gehalten. Ab dem 13. Jh. hat man Kanzeln gebaut, die zumeist seitlich im Mittelschiff ihren Platz haben, dort, wo die Gemeinde versammelt ist. Von hier aus konnten die Prediger auch von oben herab sprechen, was ihren Worten größere Wirkung verleihen sollte. Spätestens seit dem 2.Vatikanischen Konzil 1962 werden sie nicht mehr benutzt. |
![]() Vergrößerung von 12Details (Apostelleuchter, Orgel, Kanzel, Empore, Kreuz, Figuren, Kirchenbänke, Kreuzweg, Deckengemälde) per Mouseklick |
Hinweis: Das Kreuz heißt Kanzelkreuz, weil es in der Regel der Kanzel gegenüber an der Wand angebracht ist. Es erinnert den Prediger an den 1.Korintherbrief (1,3), in dem der hl.Paulus schreibt: "Wir predigen Christus als den Gekreuzigten". Die Ansprache soll nicht weltliche Dinge, sondern den Tod und die Auferstehung Christi zum Inhalt haben. Das Schwert in Marias Brust erinnert das Simeonwort im Lukasevangelium (Kap 2,35)bei der Darstellung im Tempel: " Dir selbst wird ein Schwert durch die Seele dringen". |
| Das Akanthusmuster der kunstvoll geschnitzten Kirchenstuhlwangen entspricht dem vieler Kirchenstühle im Dachauer Land. Es trat erstmals 1695 in Glonn auf und wurde ab 1717 zur beliebtesten Wangenverzierung. Das Gestühl wurde 1722 angeschafft und 1846, als man den Lettner abtrug und das Kirchenschiff etwas nach vorne rückte, zum Altarraum hin erweitert. |
An den Wänden des Kirchenschiffs sind noch folgende Figuren und Bilder angebracht:
| - hl.Johannes des Täufers mit Lamm und Kreuzstab. Johannes der Täufer (der Cousin Jesu) war Bußprediger am Jordan und taufte dort auch Jesus. Später wurde er auf Wunsch der Herodias, der Geliebten von Herodes und ihrer Tochter Salome enthauptet. Mit den Worten "Dieser ist das Lamm Gottes, das die Schuld der ganzen Welt wegnimmt" hatte Johannes den Messias angekündigt (Johannes 1,29). Deshalb wird er in der Kunst häufig mit einem Lamm und mit dem Spruchband "Ecce agnus dei" am Kreuzstab abgebildet. |
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| - hl.
Leonhard mit Abtsstab und Ketten in den Händen. Leonhard
(in Bayern einer der 14 Nothelfer) lebte um das Jahr 500 als Einsiedler und später als Abt in Frankreich. Regelmäßig besuchte er die Gefangenen und erreichte für viele beim König Clodwig I. ihre Freilassung. Deshalb galt er ursprünglich als Schutzpatron derer, "die in Ketten liegen", also der Gefangenen - und der Geisteskranken, die man bis ins 18. Jahrhundert ankettete; nach der Reformation wurde er Schutzpatron der Haustiere, weil man die Ketten, mit denen er abgebildet wurde, als Viehketten deutete. In Bayern erreichte die Leonhardsverehrung im 19.Jh ihren Höhepunkt. |
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- hl.Florian mit Wasserschaff, brennendem Haus und Fahne. St.Florian war um das Jahr 304 Offizier der zweiten italienischen Legion des römischen Heeres. Wegen seines Glaubens wurde er verhaftet und nach vielen Martern mit einem Mühlstein um den Hals in die Enns geworfen.In seiner Jugend soll er ein brennendes Haus durch sein Gebet gerettet haben. |
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- ein Bild des sel.Marold, der auf einem Stein kniend zur Muttergottes betet, während im Hintergrund ein Engel mit dem Pferdegespann vor dem Straßbacher Kirchlein pflügt und damit dem Heiligen Zeit zum Beten verschafft. Marold war um 1770 Laienbruder im Kloster Indersdorf. |
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| - eine Herz-Jesu-Statue. Das Herz Jesu ist Symbol für die Erlöserliebe Christi. Diese Darstellung verbreitete sich in unseren Kirchen insbesondere nach der Einführung des Herz-Jesu-Festes durch Papst Clemens XIII. (1758 - 1769) im Jahr 1765. |
An den Wänden hängen auch die vierzehn Kreuzwegstationen und unmittelbar darunter die zwölf Apostelleuchter und -kreuze.
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Hinweise: Seinen Ursprung hat der Kreuzweg übrigens im Brauch der Pilger, bei Wallfahrten nach Jerusalem den Leidensweg Jesu nachzugehen. Wenn Sie mehr über die Geschichte des Kreuzwegs und seine Darstellungen in Kirchen des Landkreises erfahren wollen, klicken Sie hier... Die Apostelkreuze sind von alters her von einem Kreis umgeben (Nimbuskreuz). In der Barockzeit hat man diesen Kreis -wie hier in Indersdorf- als Lorbeerkranz mit Schleifchen gestaltet. Im Inneren des Kreises befindet sich ein gleichschenkliges gelbes Kreuz (ähnlich dem Templerkreuz). |
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Auf der Empore steht der geschwungene
Prospekt der Orgel. Ob es sich dabei
noch um das 1898 von Franz Borgias Maerz<
für die Indersdorfer Marktkirche erstellte Werk mit einem Manual und
9 Registern handelt ist mir leider
nicht bekannt. Jedenfalls stammt die heutige Orgel (teilweise) von Anton
Staller, der sie 1977 als zweimanualiges Werk erbaute/erweiterte. Es handelt
sich um eine mechanische Schleifladenorgel mit 16 Registern und insgesamt
1072 Pfeifen aus Zinn, Eichenholz
und Brasilkiefer. Die Kosten betrugen 100.000 DM.
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| erst allmählich Einzug in die Kirche, weil sie bis in das 11. Jahrhundert als profanes (weltliches) Instrument galt, das für das höfische Zeremoniell verwendet wurde. Erst ab dem 13. Jh wurde es zur Regel, in allen bedeutenden Kirchen Orgeln zu errichten. Heute gehört eine Orgel zur Ausstattung fast jeder Kirche. Mit ihrer Klangvielfalt und Klangfülle trägt sie zur Verschönerung des Gottesdienstes bei. Der Orgelprospekt, die Schauseite der Orgel, wurde früher meist durch Künstler gestaltet. Im Barock und im Klassizismus, deren Epochen unsere ältesten Orgeln im Landkreis Dachau angehören, wurde der Prospekt mit reicher Ornamentik verziert. Heute setzt sich immer mehr der "offene" Orgelprospekt durch, der allein durch die harmonische Anordnung der Pfeifen wirkt. |
Hans Schertl
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Quellen:
Dr.Martin v. Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising,
1880
Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
Georg Brenninger, Orgeln und Orgelbauer im Landkreis Dachau, Amperland 1975/4
Dachauer Neueste, 25./26.7.1977
Max Gruber, Im Amperland tätige Glockengießer, Amperland 1984/2
Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres
1560, 1986
Georg Dehio, handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV, München
u.Oberbayern, 1990 (Glocke)
Bauer/Rupprecht, Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, 1996
Dr.Tilman Mittelstraß, Archäologische Ausgrabungen in St.Bartholomäus/Indersdorf,
Jahrbuch d.Vereins für christl.Kunst, 2001
Dr.Tilman Mittelstraß, Das Priestergrab in der Indersdorfer Marktkirche,
Amperland 2006/2
Sonja Siegmund in Dachauer SZ vom 12.2.2010 (Isidoribund)
Dieter Gerhard Morsch, Die spätgotische Madonna von Westerholzhausen, Amperland
2012/1 (got. Altar, Joh.u.Paulus)
42 Bilder: Hans Schertl
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12.2.2010