zur Landkreiskarte      zurück zur Hauptseite       


Alte Zeitungsberichte aus dem Pfarrleben von INDERSDORF

meist recherchiert von Hubert Eberl, Bergkirchen


Jahr

Ereignis

zum Bericht
1882
 Primiz von Johann Herzog - Amperbote vom 22.06.1882
klicken Sie hier...
1883
 Primiz von Josef Sittler- Amperbote vom 28.7.1883
klicken Sie hier...
1895
 Primiz von Karl Heuring- Amperbote vom 19.06.1895
klicken Sie hier...
1921
 Beisetzungs von Geistlichem Rat Ramlo - Amperbote vom 10.6.1921
klicken Sie hier...
1922
 Primiz von Leonhardt Wackerl - Amperbote vom 18.7.1922
klicken Sie hier...
1927
 Priesterwechsel in Indersdorf - Amperbote vom 19.07.1927
klicken Sie hier...
1935
 Am Grab des Pfarrherrn Pfarrer Eckel - Amperbote vom 15.10.1935
klicken Sie hier...
1952
 40jähriges Priesterjubiläum v.Pfarrer Ranner - Dachauer Nachrichten vom 3.7.1952
klicken Sie hier...
1953
 Beerdigung von Pfarrer Ranner - Dachauer Nachrichten vom 24.06.1953
klicken Sie hier...
1962
 22 Zentner schwere Glocke für Indersdorf - Dachauer Nachrichten vom 26.08.1962
klicken Sie hier...
1963
 Dr. Erik Müller 40 Jahre Bischof - Dachauer Nachrichten vom 07.01.1963
klicken Sie hier...
1964
 Abschied von Pfarrer Hintermeyer - Dachauer Nachrichten vom 28.04.1964
klicken Sie hier...
1965
 Erster Bischof Schwedens gestorben- Dachauer Nachrichten v.6.5.1965,10.5.1965
klicken Sie hier...
1966
 Antlaßtag im Kloster Indersdorf - Dachauer Nachrichten vom 07.04.1966
klicken Sie hier...
1972
 Versammlungen über kirchl. Bauvorhaben - Dachauer Nachrichten vom 23.03.1972
klicken Sie hier...
2016
 Kirche wird bis 2017 saniert Pressestelle des Ezzbistums v. 16. Juni 2016.
klicken Sie hier..


Primiz in Indersdorf (Johann Herzog)
Amperbote vom 22.06.1882

Wie im vorigen Jahr, so hat die Gemeinde Indersdorf auch heuer wieder das Glück, einen neugeweihten Priester aus ihrer Mitte hervorgehen zu sehen. Es ist dies der Hochwürden Herr Johann Nep. Herzog, der letzten Sonntag, den 16. Juni dahier sein erstes heiliges Messopfer hielt. Die Hochachtung und Liebe zu ihm zeigte sich schon am Tag seiner Rückkunft in die Heimat. War hier schon der Empfang würdig und feierlich, so gestaltete sich der Primiztag selbst erst recht zu einem wahren Fest- und Freudentage. Alles wetteiferte um dem hohen Feste die gehörige äußere Ausstattung zu geben, und dass dies gelungen ist, davon legten der prachtvolle Altar, die schöne Dekorierung der Häuser, die gute Musik ein gutes Zeugnis ab. Der Himmel selbst begünstigte das Fest in der erfreulichen Weise. Eine große Schar von Menschen zog von allen Seiten herbei, um demselben beizuwohnen. - Alle gingen gewiss mit der Überzeugung wieder fort, dass der Primiztag des Hochwürden Johann Nep. Herzog ein schöner, feierlich-ernster und erbaulicher war.

 

Primiz in Indersdorf (Josef Sittler)
Amperbote vom 28.7.1883

Von Indersdorf wird dem Amperbote geschrieben: Verflossenen Sonntag den 22. Juli fand die Primizfeier des hochwürdigen Herrn Josef Sittler statt. Obgleich die Witterung manches zu wünschen übrig ließ, hatte sich eine große Zahl Andächtiger aus nah und fern eingefunden, um dieses seltene Fest verherrlichen zu helfen. Die gesamte Einwohnerschaft hatte es sich zur Aufgabe gemacht, durch aufstellen von Triumphbögen und Zieren der Häuser mit Kränzen und Fahnen das ihrige zum würdigen Verlauf dieses, besonders für die allgemein geachtete Familie Sittler, so hoch erhebenden Festes beizutragen.
Wenige Minuten vor 9:00 Uhr setzte sich der feierliche Zug, in welchem besonders die hochwürdige Geistlichkeit sehr zahlreich vertreten war, von der Wohnung des hochwürdigen Primizianten nach dem Platz vor der Mariensäule in Bewegung, wo der prachtvolle Altar aufgerichtet war. Die Festpredigt hielt, wohl ein seltener Fall, ein Bruder des Primizianten, der hochwürdige Herr Johann Sittler, nunmehr Expositus in Freimann, welcher vor sieben Jahren am gleichen Sonntag sein erstes heiliges Messeopfer feierte. Während des Hochamtes kam eine Messe für Männerchor, mit Blechmusikbegleitung in sehr gelungener Weise zur Aufführung.
Das Festmahl wurde in der Klosterbrauerei abgehalten, um beide die hiesige Musikkapelle ernste und heitere Weisen zum Vortrage brachte. Im Laufe des Nachmittags sangen die vier Brüder Sittler ein herrliches Quartett, was von ergreifender Wirkung auf alle Anwesenden war. Überhaupt ist der Verlauf des ganzen Festes, abgesehen von einigen kleinen Regenschauern während des Gottesdienstes als äußerst gelungen zu bezeichnen.

 

Primiz in Indersdorf (Karl Heuring)
Amperbote vom 19.06.1895

Das erste heilige Messopfer begehen am 7. Juli der Primiziant, Herr Karl Heuring in Kloster Indersdorf, am 14. Juli der Primiziant Herr Josef Riedel in Arnzell und am 27. Juli Herr Primiziant Herr Leonhard Fischhaber in Indersdorf. Am Sonntag, den 30. Juni werden die drei Herren gemeinsam in Indersdorf ihren Einzug halten, und feierlichst empfangen werden.

Die Beisetzungsfeierlichkeiten für H.H. Geistlichen Rat Ramlo
Amperbote vom 10.6.1921

Das von mir gezeichnete Lebensbild des Hochwürden Herrn geistlichen Rates Ramlo, das noch nach mancher Richtung zu Gunsten des Verstorbenen bereichert werden könnte, wird immer bleiben in der Pfarrgemeinde Indersdorf, denn eine Pfarrgemeinde, die so besorgt um ihren Pfarrerherrn während dessen Krankheit war, die so das Herantreten des Todes für ihren geliebten Pfarrerherrn fürchtete, die ihm nach dem Tod schon so viele Tränen nachweinte und so viele Gebete zum Himmel steigen ließ, wird ihm immer ein liebes und treues Andenken bewahren. Dazu bedarf es meinerseits keiner besonderen Aufforderung. Der beste Dank aber und das schönste Andenken an den treuen Verstorbenen ist es, wenn die tieftrauernde Gemeinde das Wort des Apostels Paulus erfüllt, der das sagt: "Seid meine Nachahmer, wie ich der Nachahmer Christie gewesen bin!"
Was Hochwürden Herr geistlicher Rat Ramlo gewesen ist, was er uns durch sein Leben und Beispiel vorgemacht, sollen wir alle, Klerus und Volk nachahmen. Zum Schluss möchte ich wünschen, dass der teuere Verblichene in diesem Augenblick, indem wir trauernd und klagend an seinem Grab stehen, schon in die Schar der Seligen eingegangen ist und jubelnd und triumphierend den dreifaltigen Gott schauen darf, den Heiland, den er so oft im Leben durch 41 Priesterjahre getragen hat, die schauen darf, die er so oft ein Marienlied gesungen, und auch alle die, die er wohl vorbereitet hat für die Ewigkeit. Gar wünsche ich von ganzem Herzen, dass dem so sei!

Aber auch wir Priester sind Menschen und haben menschliche Gebrechen, menschliche Sünden und Hinfälligkeiten, und muss darum auch das katholische Volk Erbarmen mit seinen Priestern haben, wenn sie ins offene Grab steigen müssen. Deshalb wollen wir auch heute hier am offenen Grab, und dann dem heiligen Seelengottesdienst dem teuren Verblichenen einen Fürbittgebet sprechen, damit ihm bald das ewige Licht leuchte, ihm, der so viel Licht und Sonne in die Herzen seiner Pfarrkinder während seines langen Wirkens dahier gebracht hat. ……….
Die wohltätigen Hände, die den Kranken, Armen, Sterbenden und Witwen oft in tiefem Mitgefühl die Hand gedrückt, sind kalt und starr, aber eines sei sicher, dass Hochwürden Herr geistlicher Rat Ramlo allseits im Andenken der Indersdorf verbleiben werde und seine allzeit gewissenhafte Pflichterfüllung als Leitstern für die Jugend der Pfarrgemeinde dienen werde. Namens der Ortslehrerschaft lege er in tiefer Dankbarkeit einen Kranz nieder. Die Blumen verwelken, aber ewig werde bleiben das Andenken an den Hochwürden Herren geistlichen Rat Ramlo. Herrn Hauptlehrer Pichler schloss seinen Nachruf mit der ersten Strophe des Lieblingsliedes des Verstorbenen "Über den Sternen".

Namens der Marktgemeinde Indersdorf legte Herr Bürgermeister Herzinger "dem Ehrenbürger und Pfarrvorstand" einen prächtigen Kranz mit Widmungsschleife auf das Grab nieder. Desgleichen Herr Kirchenverwalter Hillreiner für die Kirchenverwaltung der Pfarrei Indersdorf. In tiefbewegten Worten schilderte dann Hochwürden Herr geistlicher Rat Pfaffenbichler, Superior, München, namens der barmherzigen Schwestern vom Heiligen Vinzenz von Paul und der Marienanstalt Indersdorf den lieben Heimgegangenen, wie er sich durch Jahrzehnte hindurch als lieber, guter Vater bewiesen habe. Unermesslich sei der Verlust, den Anstalt und Schwestern erlitten. Hochwürden Herr geistlicher Rat Ramlo sei für die Schwestern und Kinder der bethlemitische Stern gewesen, der sie hingeführt habe zum Gotteskind in der Krippe, um den Schwestern die Liebe zum Kind und Opfermut für dasselbe zu lehren und den Kindern im Hinblick auf das Gotteskind und dessen Jugendleben im Haus zu Nazareth ein Beispiel zu zeigen, wie sie sein und werden sollen.
Vielen Zöglingen, und solchen die es einst waren, ist er Führer und Berater in den ernstesten Stunden des Lebens gewesen. Immer war er um das Wohl der Anstalt bemüht; so gewann er die Herzen der Zöglinge, mit denen er stets Leid und Freud teilte als eigennützigster Jugendfreund, nach dem Vorbild des göttlichen Kinderfreundes. Möge an dem teuren, verstorbenen Vater der Marienanstalt sich erfüllen, dass nachdem er so viele in Gerechtigkeit unterrichtet hat er nun leuchten möge, wie die Sterne des Himmels! Möge er auch noch im Himmel bei dem Schutzheiligen der Anstalt, dem Heiligen Vinzenz von Paul ein großer Fürbitter werden für die Marienanstalt Indersdorf! Gott aber möge ihm reichlich lohnen, was er für diese getan. Als äußeres Zeichen des Dankes der Schwestern und der Anstalt habe er bereits einen Kranz an der Bare niederlegen lassen.
Hochwürden Herr Kurat Brunner, ein ehemaliger Zögling der Anstalt, jetzt im Krankenhaus links der Isar in München segensreich in der Krankenseelsorge wirkend, legte im Namen der aus der Marienanstalt hervorgegangenen Priester einen Kranz nieder und dankte in herzlichen Worten, mit verdrängend erstickte Stimme dem Hochwürden Herren geistlichen Rat für all das ihm und seinen Mitzöglingen jederzeit entgegengebrachte Wohlwollen und wies darauf hin, wie gerade dieser edle Priester durch seinen liebevollen Einfluss sie auf der ganzen Studienlaufbahn begeisterte für ihren erhabenen Beruf.
Als Vertreter der Studentenschaft Indersdorfs legte Herr cand. Med. Dichtl unter anerkennenden Worten einen Kranz nieder, zum Zeichen des Dankes für die freundschaftliche, ja väterliche Liebe, mit der er nach Kräften ihr geistiges Wohl gefördert habe.
Die ergreifende Trauerfeier am Grab schloss ab das vom hiesigen Gesangverein würdig vorgetragene, herzerbebende Lied: "Über den Sternen…" von Franz Abt, ein Lied welches Hochwürden Herr geistlicher Rat selber so oft und so gern in seinem Leben gesungen hatte und ein von der wackeren Burschenkapelle gespielter Choral. Wohl selten fügte eine so gewaltige Trauermenge die geräumige Klosterkirche, wie bei dem nachfolgenden Requiem und sich anschließenden Lobamt. Beim Requiem kam mustergültig zur Aufführung die Komposition von Huber mit gemischtem Chor und Orchester. Freudig bewegte diese Lorettomesse im vorigen Jahr, beim vierzigjährigen Priesterjubiläum das Herz des edlen Priesters. Möge unter den Klängen dieser feierlichen Akkorde seine Seele ihren Einzug gefeiert haben in ein seliges Jenseits

 

 

Primiz in Indersdorf
Amperbote vom 18.7.1922

Trotz des ungemein schlechten Wetters, das dem Primiztag des Neupriesters, Hochwürden Herrn Leonhardt Wackerl von Ottmarshart beschieden war, hatten sich wohl an die 2500 Personen aus nah und fern in Indersdorf eingefunden. Gar viele ließen es sich nicht nehmen, obwohl es in Strömen regnete, vor dem Pfarrhof auf die Ankunft des Hochwürden Herrn Primizianten zu warten.
Kurz vor 9:00 Uhr traf er dort in Begleitung seiner Eltern und der nächsten Verwandten ein, ehrfurchtsvoll von der harrenden Menge begrüßt. In feierlichem Zug wurde er zur Pfarrkirche geleitet, die zum Erdrücken voll war. Vor den Stufen zum Presbytherium angelangt, hielt der Zug und sprach ein weiß gekleidetes Mädchen einen sinnigen Willkommensgruß. Sodann wurde der Hochwürden Herr Primiziant zum Altar geleitet, wo selbst er das "Veni sancte Spiritus" anstimmte. Nachdem der verstärkte Kirchenchor dasselbe gesungen hatte, begann ein Onkel des Neugeweihten, Hochwürden Herr Stadtpfarrer Wackerl von München-Giesing seine Festpredigt.
Ausgehend von der hohen Bedeutung des Primiztages für den Neugeweihten und das gläubige Volk, wies der Festprediger daraufhin, dass es auf dem bisherigen Lebensweg des Neupriesters nicht gefehlt habe an Schwierigkeiten, drohenden Wetterwolken und Kämpfen, bis er das Ziel erreichte. Er erinnerte hier vor allem an den Krieg, an dem der Primiziant durch Jahre hindurch teilnahm, der ihm aber den Glauben nicht raubte, sondern ihn erst recht auf den Weg brachte, dessen Ziel heute erreicht sei. Freudig habe er vor zwei Wochen bei der Priesterweihe sein Jawort gegeben und ist damit für alle Zeit mit der Bürde des Priestertums belastet worden, aber auch eingegangen in das heilige Land des Priestertums. Glücklich könnten Vater und Mutter auf den Sohn und die Geschwister auf den Bruder schauen. Mit der Priesterkrone sei ihm heute das gläubige Volk entgegengezogen in der Kirche, in der er als Knabe gebetet, als Jüngling am Altar gedient und heute als Neugeweihter sein erstes heiliges Messeopfers halten werde.
Damit diesem feierlichen Augenblick himmlische Dinge und geheimnisvolle Gewalten in seine Hand gegeben seien, wolle er nunmehr die Frage behandeln: "Woher und wozu das Priestertum?" bevor er in die Behandlung dieses Themas eintrete, bitte er den Hochwürden Herrn Primizianten um seinen Segen. Es war ein feierlicher Augenblick, als alles auf die Knie sank und überallhin vernehmbar die Segensworte klangen. Eingehend behandelte nun der Festprediger in seinen weiteren Ausführungen die oben wiedergegebene Frage, um mit zwingender Logik zu dem Ergebnis zu kommen: Das Priestertum ist von Gott gestiftet zum Heil der unsterblichen Menschenseele. Zum Schluss forderte H.H. Stadtpfarrer Wackerl den Primizianten auf, mit Mut und Tatkraft seinen neuen Lebensabschnitt zu beginnen und bei seinem ersten Heiligen Opfer seiner lieben Eltern und Angehörigen, seines auf der Loretthöhe gefallenen Bruders und des ganzen versammelten Volkes zu gedenken.

Nun begann das feierliche Hochamt, bei dem dem H.H. Primizianten Wackerl als Diakon und als Subdiakon assistierten die H.H. Primizianten Johann Wirthmüller aus Odelzhausen und Johann Siemseder aus Taufkirchen. Als Patrinus waltete Hochwürden Herr Pfarrer Eckl seines Amtes. Unter der Direktion des Herrn Lehrers Roll brachte der Kirchenchor in wirklich mustergültiger Weise die Stein`sche Festmesse in C zur Aufführung, so dass das erste heilige Messopfer des Hochwürden Herrn Primizianten zu einer selten schönen Feierstunde wurde. Nach Beendigung des heiligen Messeopfers sang der Chor das: "Gegrüßet seist du Königin" von Thielen. Während dessen knüpfte der Hochwürden Herr Primiziant an die Fahnen des Veteranenvereines Indersdorf, des katholischen Burschenvereins Indersdorf, des Marienvereins Indersdorf, des katholischen Arbeitervereins Dachau, des Arbeiter-Krankenunterstützungsvereins Indersdorf, und des Rauchklubs Indersdorf schöne Erinnerungsbänder. Hierauf folgte die feierliche Erteilung des päpstlichen Segens durch H.H. Primizianten Wackerl, nachdem zuvor H.H. Pfarrer Eckl das diesbezügliche Breve des Heiligen Vaters Pius XI. verlesen hatte, nach welchem im heurigen Jahr alle neugeweihten Priester an ihrem Primiztag im Anschluss an das erste heilige Messeopfer den päpstlichen Segen erteilen dürfen. Nach dem folgenden, mächtig durch die herrlichen Räume der Klosterkirche brausenden: "Großer Gott loben dich!" erteilten die H.H. Primizianten Wackerl, Wirthmüller und Siemseder nochmals den Primizsegen.

Und nun wurde der Neugeweihte wieder im Triumphzug zum Pfarrhof zurückgeleitet. Unter den äußerst zahlreichen Festgästen, bei denen sich viele geistliche Herren mit dem Herrn Dekan Höckmayer an der Spitze befanden, sahen wir außer den bereits genannten hochwürdigen Herren, H.H. Pater Michael Huber, O.S.B., aus Metten (ein Vetter des H.H. Wackerl), frühere Landtagskollegen des Vaters des Primizianten, so aus Bruck und Altötting, die Herren Oberzollrat Abgeordneter Gierl, Oberlandesgerichtsrat Walter, viele Freunde aus München und Dachau und so weiter. Der kirchlichen Feier folgte im Fuchsbüchlersaal ein den heutigen Zeitverhältnissen angepasstes Mahl, das von Herrn Gastwirt Waldinger sehr gut bereitet worden war. Die Kapelle des katholischen Burschenvereins Indersdorf sorgte unter der Direktion des Hochwürden Herrn Expositus Bachmeier für eine sehr gute Tafelmusik, während die H.H. Pfarrer Eckl, Stadtpfarrer Wackerl und Pater Michael Huber in ernsten und launigen Worten die Bedeutung des Tages würdigten. Einer stimmungsvollen Nachmittagsandacht in der Klosterkirche folgte eine allgemeine Familienunterhaltung, an der Festgäste und Pfarrangehörige in derart großer Zahl teilnahmen, dass der große geräumige Saal überfüllt war. Ein Zeichen übrigens für die Beliebtheit, deren sich die Familie Wackerl erfreut. Für Unterhaltung war bestens gesorgt durch das Konzert der Burschenkapelle, durch Liedervorträge des Musik- und Gesangsvereins Indersdorf und durch köstliche deklamatorische und gesangliche Vorträge von Mitgliedern des Marienvereins und von Zöglingen der Marienanstalt, deren Schwestern im Verein mit dem Herrn Pfarrmesner Winkler auch für den prächtigen Altar- und Kirchenschmuck sorgten. Leider waren die Vorbereitungen für den Schmuck des Feldaltars vor der Mariensäule usw. umsonst getroffen. Kloster Indersdorf und Ottmarshart rankten übrigens im schönsten Festschmuck und waren zahlreiche Triumphbögen errichtet worden. Alles in allem, die Primizfeier war trotz der Ungunst der Witterung eine sehr erhebende und eindrucksvolle und wird sie darum auch allen Teilnehmern unvergessen bleiben.

Priesterwechsel in Indersdorf
Amperbote vom 19.07.1927

Der vorübergehend hier als Kooperator angewiesene Hochwürden Herr Dr. Dr. Stefan Steinbacher ist mit oberhirtlicher Genehmigung ab 15. Juli von dieser Stelle wieder entbunden. Als Nachfolger ist Hochwürden Herr Alfons Frank, Aushilfspriester bei Sankt Klemens in München, ernannt. Hochwürden Herr Dr. Dr. Steinbacher wird in nächster Zeit wieder eine Reise nach Brasilien zu mehrjährigem Aufenthalt antreten. Dr. Steinbacher war bereits schon Jahre in Brasilien tätig, kennt infolgedessen Land uns Leute aus eigenem Erleben und will dort seine begonnenen Studien fortsetzen und vervollkommnen. Die Angehörigen der Pfarrei Indersdorf sehen mit Bedauern den in der kurzen Zeit sehr liebgewordenen Priester scheiden und wünschen ihm zu seiner neuen Tätigkeit Glück und Erfolg.

 

Am Grab des Pfarrherrn Pfarrer Eckel
Amperbote vom 15.10.1935

Als am Mittwochabend die Glocken von der Klosterkirche und von der Kirche von Markt Indersdorf zusammenklangen, da kündeten sie der ganzen Pfarrei Indersdorf, dass der Pfarrherr, Pfarrer Eckel, verschieden sei. Viele Hunderte kamen deshalb am vergangenen Samstag nach Kloster Indersdorf, nicht bloß aus der Pfarrei, sondern weit darüber hinaus, um dem verstorbenen Priester das letzte Geleit zu geben.
Am Freitag war der Verstorbene in seinen Pfarrhof gebracht worden, wo man ihn inmitten von Blumen im Priesterornat aufgebahrt hatte. Am Samstagmorgen versammelte sich vor dem Pfarrhof eine gewaltige Schar Trauergäste. Neben den Schulkindern, den Zöglingen der Anstalt, waren der Kath. Arbeiterverein, die Kongregation, der Veteranenverein, Turnverein, Volkstrachtenerhaltungsverein Glon, die Freiwillige Feuerwehr, die Musikkapelle Indersdorf, der Gemeinderat, die Kirchenverwaltung, Dekan Schwaiger von Altomünster und Kammerer Schroll von Oberroth mit etwa 60 Geistlichen, sowie zahlreiche Trauergäste vor dem Trauerhaus erschienen.
Nach den kirchenlichen Aussegnungszeremonien, die Dekan Schwaiger vornahm, setzte sich der große Leichenzug in Bewegung. Der Weg des Zuges führte von Kloster Indersdorf nach Glonnbrücke und wieder zurück zum Friedhof in Kloster Indersdorf, wo sich unter dem Missionskreuz das Grab geöffnet hat, um den toten Pfarrherrn aufzunehmen. Sechs junge Burschen hatten den mit Kränzen bedeckten Sarg getragen.
In der Grabrede, welche den kirchlichen Segnungen folgte, entwarf Dekan Schwaiger ein Lebensbild des Verstorbenen und seines verdienstvollen Wirkens. Ausgehend von dem schweren Schlag, der die Pfarrgemeindeen Indersdorf, Glonn, Ried und Strassbach durch den Tod des beliebten Pfarrherrn getroffen hat, gab er den Lebenslauf des Heimgegangenen, der in München-Giesing als Sohn einfacher braver Stadtanlagenaufseherseheleute geboren ist und nach Vollendung seines Studiums im hohen Dom zu Freising zum Priester geweiht wurde. Er wirkte dann als Kaplan in Bad Reichenhall, in Rosenheim, um schließlich Pfarrherr in Moosinning zu werden, bis er nach Indersdorf berufen wurde, wo er nun seit 14 Jahren wirkte, bis ihn der Tod im 33. Jahr seines Priesterlebens abrief.
Was der Verstorbene in Ausübung seines hohen Amtes in Kirche und Schule wirkte, komme in der überwältigenden Teilnahme an seinem letzten Gang zum Ausdruck. Die Kirchen in Markt Indersdorf und Glonn wurden durch seine Initiative einer großen Renovierung unterzogen. Mit besonderer Hingabe förderte er die Pflege von Musik, Gesang und Theaterspiel. Seine besondere Sorge galt der Marienanstalt und ihren Zöglingen. Seinen hohen Beruf als Priester erfüllte er mit dem ganzen Einsatz seiner Persönlichkeit, mit welcher er sich auch die Wertschätzung seiner Pfarrkinder erwarb.
Die Grabrede endete mit dem Fürbittgebet. Nachdem der Kirchenchor unter Leitung seines Chorregenten Holdenried am Grab seines Förderers und Pfarrherrn sein schönes Grablied gesungen hatte, folgte die Niederlegung der Kränze. Für die Kirchenverwaltung widmete Matthias Gschendtner dem toten Pfarrherrn mit der Niederlegung eines Kranzgewindes einen letzten herzlichen Gruß. In Vertretung des erkrankten Bürgermeisters Steiger sprach Bürgermeister Aschbichler von Ried für die Gemeinden Indersdorf, Glonn, Ried und Strassbach, für die er einen Kranz niederlegte. Nachdem der Kath. Burschenverein ebenfalls des toten Pfarrherrn mit der Niederlegung eines Kranzes gedacht hatte, sprach die kleine Märkl ein Abschiedsgedicht.
Die Marktschule gedachte durch Lehrer Hobelsberger mit einem Kranz ihres verstorbenen Religionslehrers. Chorregent Holdenried legte für den Kirchenchor mit warmen Nachruf einen Kranz nieder. Ebenso widmeten Kränze der Kath. Arbeiterverein und die Leibervereinigung, worauf ein Zögling der Marienanstalt in Versen Abschiedsworte sprach. Den Dank der Marienanstalt und des Vereins Kinderfürsorge kleidete Prälat Pfaffenbichler als Präses in herzliche Worte. So nahm die ganze Pfarrgemeinde Abschied von ihrem Pfarrherrn, der nun in ihrer Mitte der einstigen Auferstehung entgegenschläft.

 

40jähriges Priesterjubiläum von Pfarrer Ranner
Dachauer Nachrichten vom 03.07.1952

Indersdorf - Die Pfarrgemeinde feierte kürzlich das 40jährige Priesterjubiläum ihres langjährigen Pfarrherrn, des Geistl. Rates Balthasar Ranner. Schon am Vorabend des Jubiläumstages gratulierte der Kirchenchor mit einem Ständchen, wobei die Lieder "Das ist der Tag des Herrn" und "Schon die Abendglocken klangen" unter Leitung des Chorregenten stimmungsvoll zum Vortrag kamen. Dekan Beyer dankte dem Jubilar für seine wertvolle und hingebende Arbeit in der Betreuung und Schulung des Kirchenchors, worauf Geistl. Rat Ranner seinen Dank für die ihm erwiesene Aufmerksamkeit zum Ausdruck brachte. Eine Abordnung mit Ehrenbürgermeister Steiger überbrachte die Glückwünsche der Gemeinde.
Der Jubilar wurde am 13. Januar 1888 in Eberberg geboren. Er besuchte das Humanistische Gymnasium in Scheyern und Freising, studierte an der Universität (Georgianum) in München Philosophie und Theologie. Nach der Priester weihe am Petersberg 1912 zu Freising feierte er im Juli des gleichen Jahres in seiner Heimatkirche in Ebersberg das erste heilige Meßopfer. Als Kooperator wirkte Ranner in Sauerlach (1912 - 1914), in Hausham, wo er auch Chorregent war (1914 - 1918), in Mammendorf (1918 -1923) und in Isen (1923 - 1931). 1931 wurde er Pfarrer in Oberhummel und 1936 Pfarrer in Indersdorf. Der verstorbene Kardinal Michael v. Faulhaber ernannte ihn 1947 zum Geistl. Rat. Ein Jahr darauf musste der Pfarrherr, der sich während seiner Tätigkeit in Indersdorf durch sein freundliches und leutseliges Wesen die Herzen aller gewonnen hatte, wegen Krankheit resignieren, seither wirkt er als Benefiziat. Als Pfarrer in Indersdorf war Ranner auch Schuldekan für den Bezirk Altomünster. Heute noch betätigt er sich mit besonderer Hingabe beim Kirchenchor und ist auch Dekanatsmusikpfleger. Als Mitarbeiter an der Monatsschrift "Das Dorf" und der Zeitschrift "Gottes Wort" hat er sich weit über Indersdorf hinaus einen guten Namen gemacht.
Am Festtag selbst geleiteten die Schuljugend, Fahnenabordnungen aller örtlichen Vereine und die Geistlichen der Pfarrei mit Musik den Jubilar von. seinem Benefiziat in festlichem Zug ins Gotteshaus. Gemeinde- und Kirchenverwaltungen waren sehr zahlreich vertreten. Beim levitierten Hochamt, bei dem Dekan Beyer als Patrinus, Kooperator Demmel und Missarius Praunseys als Leviten tätig waren, brachte der Kirchenchor unter der Leitung seines Chorregenten, Lehrer Schreiber, die Maria-Zeller-Messe von Haydn. Als Solisten wirkten u. a. Frau Dr. Roeder (Sopran) und Lehrer Kestlmeier (Tenor) mit. Die Jubiläumspredigt hielt Dekan Beyer. Er verglich das Leben eines Priesters mit dem Leben der Muttergottes in ihrer dienenden Stellung Gott gegenüber und nahm auf das Wirken des Jubilars als Priester Bezug. In einem Tedeum dankte die Pfarrgemeinde Indersdorf für die Gnade, die Gott der Pfarrei durch die Tätigkeit des hochbegabten Jubilars schenkte. Aller Wunsch sei es, dass diesem bescheidenen und gerechten, jederzeit hilfsbereiten Priester noch eine Reihe schöner Jahre beschieden sei.

Am Grab des Geistlichen Rates Ranner
Dachauer Nachrichten vom 24.06.1953

Indersdorf - An den Folgen einer schweren Krankheit starb in Planegg Geistlicher Rat Balthasar Ranner, frr. Pfarrer von Indersdorf, im Alter von 65 Jahren. Er wurde nach Indersdorf übergeführt und in der Leichenhalle des Kreiskrankenhauses aufgebahrt. Am Ortseingang segnete Dekan Beyer den toten Pfarrer ein. Unter zahlreicher Beteiligung aus allen Bevölkerungsschichten der Pfarrei wurde der Verstorbene am Montag in Kloster Indersdorf zu Grabe getragen. Im langen Trauerzug, der sich vom Krankenhaus zum Pfarrfriedhof bewegte, sah man mehr als 50 Geistliche, unter ihnen Weihbischof Dr. Johannes Neuhäusler, die Prälaten Pfanzelt und Nissl sowie viele Kurskollegen vom Weihejahr 1912. Sämtliche Vereine bekundeten ihre Teilnahme mit Fahnenabordnungen. Mitglieder des katholischen Burschenvereins trugen den Sarg. Die Beerdigung nahm Dekan Beyer unter Assistenz von Pfarrer Antholzner, Kirchseeon (der kurze Zeit als Kooperator in Indersdorf tätig war) und Pfarrer Huber, Langenpettenbach, vor.

Der Offiziator Dekan Beyer schilderte am Grabe den schweren Verlust, den die Seelsorge durch den Heimgang des Geistlichen Rates erlitten hat. Vielseitig begabt, übte er eine Fülle von Funktionen aus, so als Seelsorger, Dirigent des Kirchenchores, Beichtvater der Barmherzigen Schwestern, Instruktor der Studenten, Direktor des Dritten Ordens, Religionslehrer an der Haushaltungs- und Landvolkshochschule. Ferner betätigte er sich als Mitarbeiter einer kirchlichen Zeitschrift auch schriftstellerisch. Nach der Karfreitagspredigt befiel ihn starkes Unwohlsein und bald musste er erfahren, dass eine heimtückische Krankheit schon weit vorgeschritten war. Als Hilfspriester in Sauerlach, Hausham, Isen und Mammendorf, fünf Jahre Pfarrer in Hummel, zwölf Jahre in Indersdorf und weitere fünf Jahre dem Wohl und Wehe der Pfarrei aufs engste verbunden, war er allen seiner Sorge Anvertrauten ein guter Hirte.
Im neuen Teil des Friedhofs, dessen Vergrößerung sein Wunsch war, erhält nun der verstorbene Geistl. Rat als erster seinen Platz. Für die Kurskollegen widmete Stadtpfarrer, Geistl. Rat Dr. Martin Mayr, Fürstenfeldbruck, dem toten Freund einen längeren herzlichen Nachruf. Balthasar Ranner sei auf vielen Gebieten der Primus gewesen und habe dem Weihekurs ein geistiges Gepräge gegeben. Vor Jahresfrist habe der Verstorbene noch die Jubiläumspredigt gehalten und es verstanden mit allen Kurskollegen in Verbindung zu bleiben. Für die Heimatpfarrei Ebersberg sprach der dortige Pfarrer Dekan Atzinger. Beim Priestertag in Ebersberg habe Geistl. Rat Ranner nie gefehlt. In Aßlkofen, Pfarrei Ebersberg, geboren - er entstammte einer gläubigen Bauersfamilie, sein Vater war auch Reichstagsabgeordneter - sei Ranner immer ein Priester gewesen, auf den seine Heimat stolz war, als Vorbild und Ansporn für die anderen. Ergriffen schilderte Diözesanflüchtlingsseelsorger Erich Goldammerm die großen Verdienste des Heimgegangenen um die Flüchtlingsseelsorge. Bald nach der Ausweisung sei Indersdorf ein Mittelpunkt der Flüchtlingsseelsorge geworden. Auf Tagungen habe der Verstorbene vom religiösen Standpunkt aus zu diesen Problemen Stellung genommen. Diese Liebe zu Heimatvertriebenen in schweren Tagen werde nie vergessen werden.
Für die Gemeinde Ebersberg und die Marktgemeinde Indersdorf sprachen beide Bürgermeister ehrende Worte des Gedenkens. Für die Pfarrei und die Kirchenverwaltung legte Kirchenpfleger Hans Pest einen Kranz nieder, für die vielerlei Verdienste um den Kirchenchor dankte Lehrer Schreiber in einem kurzen Nachruf. Zum Schluss würdigte ein Vertreter der Kolpingfamilie Isen die verdienstvolle Arbeit des Geistl. Rates um Gründung und Betreuung des Kath. Gesellenvereins. Anschließend an die Beerdigung zelebrierte Weihbischof Dr. Neuhäusler ein Pontifikalrequiem, das der Kirchenchor durch ein Orchester-Requiem verschönerte. Über dem stillen Priestergrab hängen viele Kränze, die von Liebe und Treue zu dem bescheidenen Toten ein sichtbares Zeugnis ablegen. Indersdorf.

Dr. Johannes Erik Müller 40 Jahre Bischof
Der 85jährige ehemalige Oberhirte von Schweden lebt in Indersdorf
Dachauer Nachrichten vom 07.01.1963

Indersdorf - Dr. Johannes Erik Müller, der bis zum Jahr 1957 der Oberhirte der Katholiken Schwedens war, dann aber wegen seines hohen Alters in seine bayerische Heimat zurückkehrte und Wohnsitz im Marienheim in Indersdorf nahm, kann heute, Montag, sein 40jähriges Bischofsjubiläum begehen. Der Kirchenchor von Indersdorf wird den Dankgottesdienst, der in der Hauskapelle des Marienheims stattfindet, mit seinem Gesang verschönen. Den segensreichen Lebenslauf des Jubilars hatten wir bereits ausführlich anlässlich seines 85.Geburtstages am 14. November vergangenen Jahres geschildert. Heute wollen wir etwas aus der Tätigkeit Erzbischof Müllers in Schweden berichten.

Am 7. Januar 1923 wurde Domkapitular Dr. Müller von dem damaligen Nuntius in Bayern, Eugenio Pacelli, dem späteren Papst Pius XII., in der Münchner Liebfrauenkirche zum Bischof geweiht. Nur fünf Pfarreien mit 4.000 Katholiken und zehn Priestern fand Bischof Müller bei seiner Ankunft in Schweden vor; sie waren weit über das große Land verstreut, das flächenmäßig fast so groß ist wie Deutschland vor dem Kriege. Als Erzbischof Dr. Müller 1957 den Hirtenstab niederlegte, waren es neunzehn Pfarreien mit 60 Priestern und rund 26.000 Katholiken. Die Ausweitung und Intensivierung der katholischen Seelsorge im protestantischen Schweden war die Hauptaufgabe Bischof Müllers. Neben Hilfskräften für die ständig wachsenden Aufgaben konnte er auch Priester aus seiner bayerischen Heimat und der Schweiz gewinnen, die nach Schweden kamen und ihn in der Seelsorgearbeit unterstützten. Allerdings war auch finanzielle Hilfe notwendig, denn die katholische Kirche in Schweden war arm. Deswegen ging Dr. Müller auf Kollektenreisen und sprach von vielen Kanzeln bayerischer Gotteshäuser, um die Herzen der Gläubigen für die Unterstützung seiner Seelsorgearbeit in Schweden zu gewinnen. Besonders bitter war es für den Bischof, als während der Zeit des Naziregimes und des zweiten Weltkrieges die finanzielle Hilfe aus Deutschland immer geringer wurde und schließlich ganz ausblieb.
Die Zeit der Flüchtlinge
Dann kam die Zeit, als nach Schweden Tausende katholischer Flüchtlinge kamen aus den KZ ebenso wie aus den baltischen Ländern, ferner 6.000 Sudetendeutsche. Auch nach dem Ungarnaufstand suchten wiederum Tausende von Flüchtlingen eine Heimat in Schweden, die ebenfalls katholischen Glaubens waren. Hier taten sich von neuem nicht nur seelsorgliche, sondern auch caritative Aufgaben für den Bischof in Schweden auf. Wenn heute Erzbischof Müller zurückdenkt, so steht ihm ein Tag in leuchtender Erinnerung: Der 20. Jahrestag seiner Bischofsweihe. An diesem Tage wurde er päpstlicher Thronassistent und vom König Schwedens mit dem Nordsternorden erster Klasse im Kommandeursrang ausgezeichnet. Dann kam das 25jährige Bischofsjubiläum an dessen Feierlichkeiten der finnische Bischof Cobben und diplomatische Vertreter aus 16 Ländern teilnahmen. Am 25. Oktober 1953 erhielt er dann vom deutschen Bundespräsidenten das Großkreuz des Bundesverdienstordens. Religionsfreiheitsgesetz
Die wichtigste Aufgabe Dr. Müllers aber war ein gutes Verhältnis zwischen der evangelischen und katholischen Kirche in Schweden zu schaffen, so dass der schwedische Reichstag am 19. Mai 1951 das Gesetz über die Religionsfreiheit in Schweden annahm. Krönung seines Wirkens wurde die Erhebung des bisherigen Apostolischen Vikariats zum selbstständigen Bistum mit dem Sitz in Stockholm durch Papst Pius XII am 29. Juni 1953. Die Seelsorgsarbeit mit dem Aufbau des Bistums und den Bau von einer Anzahl von Kirchen und Kapellen, von den die Christ-König-Kirche in Göteborg der besondere Stolz des Bischofs ist, hatten sein Herz schwer und müde gemacht, so dass er am Michaelstag 1957 in der Erikskirche von Stockholm das letzte Pontifikalamt als regierender Bischof feiern konnte. Danach zog er sich zuerst nach Hälsingborg zurück, um dann endgültig in seine bayerischer Heimat zu reisen und im Kloster Indersdorf seinen Ruhesitz einzunehmen; nicht weit weg von seinem Geburtsort Gründholm. Eine große Freude war es für den Erzbischof, als er zu seinem 85. Geburtstag ein Telegramm des Papstes bekam und ihn sein Nachfolger auf dem Stockholmer Bischofsthron, Dr. John Taylor, auf der Rückreise vom Konzil in Indersdorf besuchte. Die "Dachauer Nachrichten" im "Münchner Merkur" wünschen dem im ganzen Landkreis sehr verehrten Priester noch viele mit Segen erfüllte Jahre in der Heimat.

 

22 Zentner schwere Glocke für Indersdorf -
Erzbischof Dr. Müller nahm die Weihe vor - Mittwoch wird sie aufgezogen
Dachauer Nachrichten vom 26.08.1962

Indersdorf - Die Kloster-Pfarrkirche in Inderdorf hat nun wieder ihr volles Glockengeläut bekommen. Die zweitgrößte Glocke, die während des Krieges verschmolzen wurde, konnte ersetzt werden. Die kirchliche Weihezeremonie nahm Erzbischof Dr. Erik Müller, der frühere Oberhirte von Schweden, vor.
Groß war die Zahl der Gläubigen aus Indersdorf, die sich zu diesem feierlichen Akt eingefunden hatten. Am Mittwoch, den 29. August, wird die neue St.-Florians-Glocke in den Turm hinaufgezogen.
Vom Glockenturm der Indersdorfer Klosterpfarrkirche erklangen früher sechs Glocken, die ihren Klang weit über das Glonntal erschallen ließen. Die zweitgrößte von ihnen und die kleinste mussten im Krieg abgenommen werden. Die übrigen vier sind so alt, dass sie wegen des historischen Wertes, sie sind bereits im Jahre 1457 gegossen worden, im Ersten und auch im Zweiten Weltkrieg nicht einrücken mussten.
Um die frühere Klangfülle des Geläutes wieder zu erhalten, war ein Ersatz notwendig geworden. Die neue Glocke hat den Ton Es und wiegt 22 Zentner. Sie wurde in der Glockengießerei Czudnochowsky in Erding gegossen, am 14. August nach Indersdorf gebracht und bei der Mariensäule auf einem hölzernen Glockengerüst aufgehängt. Sie ist bis zum Aufzug auf den Turm in der nächsten Woche immer noch im bunten Schmuck zu besichtigen. Man sieht die Aufschrift "Praedicamus Christum crucifixum", auf Deutsch. "Wir predigen Christus den Gekreuzigten" (Wahlspruch von Kardinal Döpfner). Ferner trägt sie die Aufschrift: "Im Jahre des Herrn 1962 - HI. Florian bitt für uns."
Bei strömenden Regen erhielt die neue Glocke kürzlich durch Erzbischof Dr. Erich Müller ihre Weihe. Seiner Ansprache legte Geistlicher Rat Dekan Beyer das Leitwert von Schillers Lied von der Glocke zu Grunde. "Die Lebenden rufe ich, die Toten beklage ich, die Blitze breche ich." Der Dekan wies auf die Bedeutung des nunmehr vollständigen Glockengeläuts hin, das die Pfarrgemeinde voll und ganz zur Verherrlichung Gottes aufrufe und dankte herzlichst für alle Spenden, die die Anschaffung der neuen Glocke ermöglicht hatten. Besonderen Dank schulde er dem Erzbischof, der die Weihe vornahm. Ferner dankte er Kaplan Durner und der Pfarrkirchenverwaltung, insbesondere Kirchenpfleger Hans Pest für seine umsichtigen Mühewaltungen.

Erzbischof Müller ließ es sich nicht nehmen, auch zu den, trotz des schlechten Wetters zahlreich erschienenen Gläubigen, zu sprechen. Er dankte für die vielen Gebete während seiner zweimonatigen schweren Krankheit und wünschte, dass die Glocke allen eine "Himmelsglocke" werden möge. Der Kirchenchor sang zu Beginn der Weihe das Lied "Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre". Die Glocke wird am Mittwoch, 29. August, aufgezogen und am gleichen Tag findet die Augustinus-Statue in der Nische zwischen den beiden Türmen ihren Platz. Die Statue hat das Marienheim zur Verfügung gestellt. Sie wurde dank einer Spende neu gefasst. Der heilige Augustinus wird vielfach mit einem flammenden Herz in der Hand dargestellt. Diese Tatsache hatte Dekan Beyer in den Mittelpunkt seiner Predigt am vergangenen Sonntag gestellt.

 

 

Abschied von Pfarrer Hintermeyer
Viele Trauergäste gaben dem Priester in Indersdorf das letzte Geleit
Dachauer Nachrichten vom 28.04.1964

Indersdorf - Bei großer Anteilnahme der Bevölkerung fand auf dem Pfarrfriedhof Pfarrer Konrad Hintermeyer seine letzte Ruhe. In der Pfarrkirche, zelebrierte Prälat, Domkapitular Thalhammer aus München den feierlichen Seelengottesdienst, dem auch Erzbischof Dr. Erich Müller beiwohnte. 20 Geistliche aus den Dekanaten Dachau und Altomünster gaben dem toten Priester das letzte Geleit. Unter den Trauernden waren nicht nur Pfarrangehörige der Pfarrei Indersdorf, auch aus der Pfarrei Asbach, Kleinberghofen und Alling, die ihrem früheren Pfarrer mit der Teilnahme am Begräbnis ihren Dank bekundeten.
Geistlicher Rat Dekan Beyer schilderte am Grab den Lebensweg von Pfarrer Hintermeyer. Er wurde in Rorschach in der Schweiz geboren und entstammte einer kinderreichen Familie. Sein Vater, der später in einer Münchner Brauerei arbeitete, verunglückte schon in jungen Jahren tödlich, so dass die Mutter für die große Familie allein sorgen musste. Pfarrer Hintermeyer, der von Jugend an gesundheitlich nicht ganz auf der Höhe war, wollte nach dem Studium eigentlich in St. Ottilien Missions-Benediktiner werden. Er beendete aber das Studium in Freising, wo er 1915 zum Priester geweiht wurde. Sein Seelsorgseifer wurde durch Krankheit oft gehemmt, so dass er von einer Kaplanstelle zur anderen wandern musste. 1930 wurde er Expositus in Alling, 1940 Pfarrer von Kleinberghofen und von 1949 an betreute er als Vikar die kleine Pfarrei Asbach.
Im Jahre 1960 bezog er das Benefiziatenhaus in Indersdorf. Von Jahr zu Jahr wurden die Erkrankungen häufiger und die Genesung dauerte immer länger. Mit besonderer Hingabe und Liebe betreute er das Altersheim und war im Krankenhaus ein ebenso gern gesehener Gast. Das Wort des Herrn aus dem Evangelium des Sterbetages an die Angehörigen gerichtet: "Ihr seid jetzt traurig aber euere Trauer wird sich in Freude wandeln", sprach Dekan Beyer am Grab aus. Domkapitular Thalhammer sprach den Dank des Kardinals und des Generalvikars aus.
Für die Pfarrei Kleinberghofen sprach Pfarrer Pops, für die Pfarrei Asbach Pfarrer Hinterreiter von Kollbach, während der Seelsorgsbezirk Alling einen Kranz am Priestergrab niederlegen ließ. Für die im Jahr 1915 geweihten Priester machte sich Geistlicher Rat Ametsbichler von Bischofswiesen, der mit einem weiteren Priesterkollegen des Weihekurses zur Beerdigung gekommen war, zum Sprecher.

 


Erzbischof Dr. Müller ist tot
Gestern Sonntag starb der erste nachreformatorische Altbischof Schwedens
Dachauer Nachrichten vom 06.05.1965

Indersdorf - Gestern, Montag den 5.Mai, starb um 7.45 Uhr Erzbischof Dr. Johannes Evangelist Erik Müller im 88. Lebensjahr im Kloster Indersdorf, wo er seit dem 23. April 1957 seinen Lebensabend verbrachte und mit fürsorglicher Liebe von den Barmherzigen Schwestern betreut wurde. Am vergangenen Dienstag zelebrierte der greise Kirchenfürst noch die heilige Messe. Dann wurde er plötzlich krank. Noch dachte man nicht daran, dass es seine letzten Erdentage sein werden. Am 1. April traf den Erzbischof dann aber ein Schlaganfall und er wurde linksseitig gelähmt. Eine Bewusstlosigkeit überfiel ihn, und er wurde auch seiner Sprache beraubt. Dann aber kam Erzbischof Müller wieder zu Bewusstsein und wurde mit den heiligen Sterbesakramenten der Kirche versehen. Da der greise ehemalige Oberhirte von Schweden merkte, daß es bald in die Ewigkeit gehen würde, betete er noch bis in die Nacht hinein den Rosenkranz. Während der ganzen Zeit weilte sein Neffe, Caritasdirektor Müller, bei ihm und zelebrierte noch am Montagmorgen im Schlafzimmer des Todkranken die heilige Messe. Eine Viertelstunde danach gab Erzbischof Müller seinen Geist auf. Der Tod trat am Montag gegen 7.45 Uhr ein.
Es war der Wunsch Erzbischof Müllers, nach seinem Tode in Schweden beerdigt zu werden, wo er sich ein Priestergrab erworben hatte. Inzwischen aber hat eine Aussprache zwischen Kardinal Döpfner und Caritasdirektor Müller stattgefunden, dass der verstorbene Erzbischof vorerst im Liebfrauendom in München beigesetzt und später nach Schweden übergeführt wird, wenn der neue Bischofsdom der katholischen Diözese Stockholm fertiggestellt ist, in dem dann sämtliche römisch-katholischen Bischöfe der Nachreformationszeit in einer eigenen Bischofsgruft künftig beigesetzt werden sollen.
Zur Zeit ist der tote Kirchenfürst in der Nikolauskapelle im Kloster Indersdorf aufgebahrt, wo alle Gläubigen aus dem ganzen Landkreis bis zum Mittwoch in der Zeit von 8- 18 Uhr von ihm persönlich Abschied nehmen können. Am Mittwoch um 19 Uhr ist in der Klosterkirche zu Indersdorf ein feierliches Requiem, das der derzeitige Bischof von Schweden, John E. Taylor, zelebriert. Anschließend wird die sterbliche Hülle des Verewigten von Indersdorf nach München in den Liebfrauendom übergeführt. Die Beisetzung im Dom zu München findet am Donnerstag statt. - Den näheren Termin werden wir unseren Lesern noch rechtzeitig bekanntgeben.
In memoriam
Mit Erzbischof Müller hat der Landkreis einen gütigen Freund verloren. Nachdem er 1957 in Schweden resignierte und nach Indersdorf zu den Barmherzigen Schwestern zog, wo er in Schwester Magdalena eine feinsinnige Betreuerin fand, gehörte Erzbischof Müller den Dachauern voll und ganz, obwohl er eigentlich im Nachbarlandkreis Pfaffenhofen, in der Ortschaft Gründholm, das Licht der Welt erblickte. In Indersdorf, in der Nähe seines Heimatlandkreises, fühlte er sich wohl. Sowie es ihm gesundheitlich möglich war, sah man den ehrwürdigen Priester bei vielen Gelegenheiten. Ja, er übernahm sogar noch viele Firmungsreisen, um den Kardinal und den Weihbischof zu entlasten. Viele werden sich noch an die große Jugendfeier im ehemaligen KZ Dachau erinnern, an der er auf Wunsch von Pater Roth teilnahm und das Pontifikalamt feierte. Andere haben ihn auf dem Petersberg erlebt. Die Indersdorfer aber ganz besonders hatten engsten Kontakt zum Erzbischof - sie verehrten ihn und liebten ihn, den Mann der Ausgeglichenheit und großen Herzensgüte, der für jedermann Verständnis zeigte und ganz besonders die Kinder und die arbeitenden Menschen liebte.
Man erinnert sich noch an den Tag, als der damals schon betagte Kirchenfürst sein 40jähriges Bischofsjubiläum und sein diamantenes Priesterjubiläum begehen konnte, als der Kardinal persönlich nach Indersdorf kam und ihn am 27. Juni 1963 in seinem Heim aufsuchte. Als er am 14. November 1962 seinen 85. Geburtstag feierte, wurden ihm viele Ehrungen zuteil. Wir selber aber erinnern uns gerne an die Stunden des persönlichen Gesprächs in seinem Arbeitszimmer, in denen er so aufgeschlossen und voll geistiger Frische Gedanken über Schweden austauschte. Gedenken wir alle in stiller Minute dieses wahrhaft edlen Mannes.

Dem toten Bischof nachgewunken
Letzte, aber einsamste Fahrt Dr. Müllers durch den Landkreis
Dachauer Nachrichten vom 10.05.1965

Indersdorf - Still und bescheiden, wie es auch im Leben seine Art war, hat Erzbischof Dr. Erik Müller am vergangenen Donnerstag für immer aas Dachauer Land verlassen. Zahlreiche Gläubige aus Indersdorf erwiesen dem Toten die letzte Ehre, als der Sarg aus der Nikolauskapelle getragen wurde, um in den Liebfrauendom nach München überführt zu werden. Frauen und Männer mit Kindern auf dem Arm oder an der Hand säumten die Pforte zum Marienheim, durch die 1958 der greise Bischof geschritten war, um bei den Schwestern des Klosters seinen Lebensabend zu verbringen und die er nun als Toter verließ. Die Mädchen der Mittelschule standen in weißen Blusen und schwarzen Röcken Spalier, als sieben Totenwärter vom Bestattungsamt München den Sarg von der Nikolauskapelle durch den Flur zu der vor dem Hause wartenden schwarzen Limousine trugen. Den Trauerzug führten die Ministranten und der Klerus von Indersdorf an. Von den Türmen der Klosterkirche verkündeten die Glocken den Abschied des Erzbischofs von Indersdorf. Nach wenigen Minuten rollte der Wagen ab. Einsam war die letzte Fahrt des Bischofs durch das Dachauer Land. Niemand stand nm Straßenrand, nur mancher Bauer hielt beim Pflügen auf den Feldern den Traktor an und blickte dem lautlos vorbeirollenden Wagen nach. In Ried dagegen wanderte ein bärtiger Kapuziner der Straße entlang, sah den Totenwagen kommen, blieb stehen, setzte sein Körbchen ab und winkte dem Auto freundlich zu. Als es hinter einer Kurve schon längst verschwunden war, grüßte der wandernde Ordensmann noch immer den toten Erzbischof, der seine Wanderschaft auf Erden nun beendet hat.

Antlaßtag im Kloster Indersdorf
Von Schulrat Alois Angerpointner
Dachauer Nachrichten vom 07.04.1966

Der Antlaß oder der Antlaßtag war der Gründonnerstag. Es ist eigentlich das deutsche Wort für diesen Tag, das bereits im Althochdeutschen vorkommt. Es konnte zunächst jede Befreiung und jede Entlastung von irgendeiner Verbindlichkeit bedeuten; dann aber die Erlassung von Sünde, die Beichte schlechthin, den Ablass, die Nachlassung zeitlicher Sündenstrafen - und letztlich die Lossprechung öffentlicher Büßer von ihrem Vergehen und ihren Kirchenstrafen.
Am Gründonnerstag erhielten die öffentlichen Büßer die Sündenvergebung und die Wiederaufnahme in die Kirche; aus toten Gliedern der Kirchen wurden lebendige, aus "dürren" Zweigen "grüne". Tatsächlich erfolgte an diesem Tag, der zur Erinnerung an die Einsetzung des Altarssakramentes begangen, wird, die Wiederaufnahme aller Gefallenen und Verbannten in das kirchliche Leben, da die Liebe obsiegte.
Für den Antlaßtag musste von dem Propst und Prälaten in Indersdorf folgendes ausgeführt werden:
  "Item an dem heylign antlaßtag nach der sechst get ain prelat mit seinem convent in das capitl und hat ain mandat der armen vnd so vil kind komen, wäscht ain yeglicher prelat zwelffn ir füß, die eltisten des convents den andern kinden ir füß. Der prelat gibt den zwelffn yeglichen ain Pfennig, den andern kinden yeglichem zwen haller, darzue ain knappen wegkh (Wecken), doch stet es zu ainem prelaten, das (zu)mindern oder mern oder gar untterwegen (zu) lassen."
Schon sehr früh ist beurkundet, dass an diesem Antlaßtag die oben aufgezeichnete Fußwaschung "nach der sechst", also nach dem Mittagessen, stattgefunden hat. - Bereits in der Lebensbeschreibung des hl. Ulrich, des Bischofs von Augsburg (890-973), wird dies bestätigt und nach dieser Zeremonie "der beste Wein gereicht".
Dasselbe bewiesen die Indersdorfer Urkunden, die Urkunde Nr. 1766 vom 24.4.1505, in der es heißt, dass Hans Pietinger, der ein Leben lang dem Propst treu gedient hatte, "zu morgen ein halbe mass wein, den man yber hof speyst (neben anderen hohen kirchlichen Festtagen) an dem antlasstag" bekommen solle, und die Urkunde Nr. 1860 v. 28. 3.1516, dass dem "Clas Pranntmair, derzeit thorwart …. dem, nachdem er eine gute Zeit diener ist gewesen" dieselbe Vergünstigung zugestanden wurde, nämlich "man gibt ihm zur morgen malzeit 1/2 mass Wein, den man yberhof speyst … am antlasstag".
In der obigen Aufzeichnung wird genau beschrieben, wer wem die Füße zu waschen habe und was jeder Chorherr dem zu geben habe, dem er die Füße gewaschen habe, nämlich einen Pfennig; die Kinder bekamen aber nur zwei Heller. Schon das alte Sprichwort: "Auf Heller und Pfennig" lässt uns erahnen, dass wir den Pfennig auf keinen Fall mit dem heutigen Geldstück vergleichen dürfen. Ein Pfund Schweinefleisch kostete z. B. 1447 fünf Pfennige.
Es wären noch die Antlaßeier zu erwähnen, nämlich die Eier, die am Gründonnerstag gelegt wurden. Solche Eier wurden bevorzugt zur Speisenweihe am Ostersonntag gebracht, um dann an die Hausgenossen verteilt zu werden. Sie sollten den, der sie bekam, vor allem vor Leibschäden bewahren. Daher hat eint sorgsame Hausmutter, wenn sie unter den für; die Hausgenossenschaft bestimmten geweihten Eiern nur einige Antlaßeier gehabt hatte, sich diese wohl zu merken versucht, um sie vorzugsweise dem Hausvater und den Mannsleuten zuzuwenden.

Pfarrei Indersdorf vor großen Bauvorhaben
Pfarrgemeindeversammlungen in Indersdorf und Glonn
Pfarrer Knut erläutert Pläne


Dachauer Nachrichten vom 23.03.1972

Indersdorf/Glonn - Die ersten beiden Pfarrgemeindeversammlungen mit Pfarrer Kauf für die Pfarrangehörigen von Markt Indersdorf und für die Pfarrangehörigen von Glonn wurde kürzlich abgehalten. Der Vorsitzende des Pfarrgemeinderats, Oberlehrer Bachhuber leitete die Versammlung für Markt Indersdorf in der Gastwirtschaft Steidle. In der Gastwirtschaft Hohenester in Glonn leitete Pfarrgemeinderatsmitglied Anton Limmer die Versammlung. Er begrüßte insbesondere Pfarrer Kauf und Pfarrkirchenpfleger Berghammer, der über die Bauvorhaben der Pfarrei Aufschluss gab. Der Bau des Pfarrheims steht kurz vor Baubeginn, nachdem alle Auflagen erfüllt wurden, wird der Bau, der 600 000 DM kostet, vom Ordinariat schlüsselfertig erstellt. Die Pfarrei muss für die Einrichtung des Heims aufkommen. Im Keller wird die Heizung untergebracht, im Erdgeschoß befinden sich die Gruppenräume und im ersten Stock der Saal mit ca. 180 qm Fläche. Die schwere Eichentür mit Kupferblech, an der Arkadenseite der Pfarrkirche angebracht, war zur Vorbeugung von Verunreinigungen dieses Vorraums notwendig und kostete 5500 DM, wobei sich das Ordinariat mit 3000 DM beteiligte. Der Heizung, die auf 110000 DM zu stehen kommt, konnte erst durch die großzügige Spende von 45 000 DM näher getreten werden; das Ordinariat München beteiligt sich mit 30 000 DM an den Kosten, den Rest bringt die Pfarrgemeinde auf. Sobald die Renovierung der Marktkirche abgeschlossen ist - man rechnet mit Mai - wird mit dem Einbau der Heizung in der Pfarrkirche begonnen, die während dieser Zeit für die Gottesdienste nicht zur Verfügung steht. Es handelt sich um eine Warmluftheizung mit einer Luftbefeuchtungsanlage zum Schutz der Gemälde und Fresken, wobei man mit einer Temperatur von 8 bis 10 Grad rechnet. Die Renovierung der Marktkirche (Dachstuhlerneuerung, Aufhängung der Stuckdecke. Renovierung der Gemälde etc.) verursachte 1970 und 1971 126 000 DM wovon 102 000 DM auf Zuschüsse entfielen. 24000 DM brachte die Pfarrei selbst auf. In diesem Jahr steht der neue Außenputz für Turm und Kirchenschiff an, wie auch die Kupfereindeckung des Turmes. Die Außenrenovierung mit ca. 90 000 DM wird vom Ordinariat getragen, für die Innenrenovierung, die man auf ca. 30 000 bis 35 000 DM schätzt, wird abermals die Pfarrgemeinde zur Kasse gebeten. Die ebenso notwendige Imprägnierung der alten Figuren wird auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Die Erneuerung der Turmuhr (12000 DM) hat die Gemeinde übernommen. Für die Marktkirche ist eine elektrische Fußbankheizung geplant, die jedoch erst erstellt wird, wenn alle anderen Arbeiten angeschlossen sind. Die Leitungen für die Heizung werden bereits jetzt bei der Innenrenovierung vorgesehen. In einem äußerst schlechten Zustand befindet sich die Filialkirche Ottmarshart. Wenn hier nicht umgehend etwas geschieht, ist dieses Kirchlein auf luftiger Höh dem Verfall preisgegeben. Die Außenrenovierung kommt auf 70 000 DM, das Ordinariat genehmigte einen Zuschuss von 35000 DM. Etwas besser, aber ebenfalls renovierungsbedürftig trifft man die Filialkirche in Albersbach an, wo ebenfalls an einigen Seiten der Außenputz erneuert werden muss. Kostenpunkt 45000 DM, ein Zuschuss vom Ordinariat konnte hierfür heuer jedoch nicht gewährt werden. Die Filialkirche Glonn ist so weit m Ordnung, lediglich die Imprägnierung der Figuren steht demnächst an. Ebenfalls befindet sich die fünfte Filialkirche der Pfarrei Straßbach in bester Ordnung.
Von unserem Mitarbeiter Hermann Stopp

 

Kirche Mariä Himmelfahrt in Markt Indersdorf wird saniert
Umfassende Instandsetzung der ehemaligen Klosterkirche Mariä Himmelfahrt in Markt Indersdorf
Pressestelle des Ezzbistums München und Freising vom 16. Juni 2016.

München/Markt Indersdorf,
Die Pfarr- und ehemalige Klosterkirche Mariä Himmelfahrt in Markt Indersdorf (Landkreis Dachau) wird umfassend instandgesetzt. Schwerpunkte sind dabei die Sanierung des Dachstuhls und Elektroarbeiten. Insgesamt werden sich die Kosten einer vorläufigen Schätzung zufolge auf rund 1,9 Millionen Euro belaufen. Die Kosten teilen sich Kirche und Staat: 870.000 Euro trägt die Erzdiözese München und Freising, die örtliche Kirchenstiftung übernimmt 80.000 Euro. 950.000 Euro entfallen auf staatliche Baulasten zum Substanzerhalt des Gebäudes. Mit einem Ende der Sanierungsarbeiten ist frühestens Ende 2017 zu rechnen.

In den Dachräumen von Haupt- und Seitenschiffen sowie in den Dachbereichen der Türme werden Arbeiten zur Ertüchtigung, zum baulichen Brandschutz sowie Reparaturen an der bestehenden Konstruktion vorgenommen.
— Die Orgelempore wird statisch ertüchtigt,
— die Orgel selbst gereinigt und überarbeitet.
— Auch die Entwässerung und die
— Blitzschutzanlagen werden erneuert.
— Nach der Beseitigung von Schäden am Mauerwerk und Putz
— erhält die Kirche einen neuen Außenanstrich.

Nachdem im laufenden Jahr hauptsächlich Außenarbeiten erfolgen und ein erster Teil der Elektroarbeiten erledigt werden soll, stehen 2017 Innenarbeiten an. Einen Schwerpunkt stellt hier die Restaurierung
— der barocken Sakristeiausstattung dar.
— Neben der Restaurierung von Fresken etwa im Bereich unter und auf der Orgelempore werden
— Putz und Farbe an der Raumschale im Kircheninneren erneuert, wo es nötig ist.

Zuletzt war das in Teilen aus dem 12. Jahrhundert datierende Kirchengebäude in den 1970er und 1980er Jahren einer Generalsanierung unterzogen worden. 1996 wurde die Rosenkranzkapelle nach einem Wasserschaden im darüber liegenden Zeichensaal der Realschule saniert. 2010 wurde der Hochaltar statisch ertüchtigt, 2011 der Dachstuhl im Bereich der Kuppel über dem Hochaltar instandgesetzt. Im Zuge dieser Arbeiten wurde das Fresko in der Kuppel restauratorisch bearbeitet. (uq)

Quelle: https://www.erzbistum-muenchen.de/news/bistum/Kirche-Mariae-Himmelfahrt-in-Markt-Indersdorf-wird-saniert-29549.news