zur Landkreiskarte       ausführliche Beschreibung          Kirchen in der Marktgem.Indersdorf

Pfarrkirche St. Georg in NIEDERROTH


85229 Markt Indersdorf, Münchner Straße 22
Lage der Kirche auf der Landkarte ...


K
urzbeschreibung

Die Ortschaft Niederroth wurde in der Zeit der frühen Karolinger, um das Jahr 800, unter dem Namen "Rota" erstmals urkundlich erwähnt. Das genaue Jahr ist umstritten. Genannt werden 769, 773, 774 oder 849. In der letztgenannten Urkunde von 849 ist mit "Rota" eindeutig unser Niederroth gemeint; in den früheren Urkunden könnte es sich auch um Rott am Inn gehandelt haben.

Im Jahr 1151 jedenfalls wurde in Niederroth die Kirche neu gebaut. In der päpstlichen Confirmationsurkunde (=Bestätigung) wird auch schon von einer Georgskirche gesprochen.

In der Konradinischen Matrikel von 1315 ist Niederroth als Pfarrei ohne Filialkirche erwähnt.
Nach der Sunderndorfer'schen Matrikel von 1524 hatte die Pfarrei 150 Communicantes, das sind Gläubige nach der Erstkommunion. Niederroth gehörte auch damals zu den kleineren Pfarreien im Dachauer Land.

Die Kirche in ihrer heutigen Form besitzt im Langhaus noch den romanischen Mauer-kern des Baues von 1151. Der Altarraum und der westlich angebaute 20 Meter hohe Turm wurden aber in gotischer Zeit, im 15. oder 16.Jh, errichtet.

Im 30jährigen Krieg hat auch die Kirche von Niederroth schwer gelitten und wurde wohl geplündert. Deshalb beginnen die Kirchen-matrikel erst mit dem Jahr 1649.
Dem Alter der Altäre nach zu schließen, dürfte die Kirche um 1740 im Stil des Rokoko ausgestattet worden sein.


Engel am Altar

Im 20 m hohen Sattelturm hängen drei Glocken, die in den Jahren 1894 und 1950 gegossen wurden.

Das Vorhaus über dem Portal ist an der Südwestseite angebaut. Darin ist an der Wand eine schlichte Kreuzigungsgruppe (ein Kruzifix mit darunter stehender Mater Dolorosa) angebracht.

Seit 2005 gehört die Pfarrei Niederroth dem Pfarrverband Indersdorf an, der von den Pfarreien Indersdorf, Langenpettenbach und Westerholzhausen schon 2002 gegründet worden war.

Innenausstattung

Der stark eingezogene Altarraum besitzt ein schönes gotisches Netzgewölbe. Die beiden runden Schlusssteine sind mit Reliefs von St.Georg und von St.Maria verziert.

Eine Besonderheit ist die 1794 erstellte Rückwand (Retabel) des Choraltars: In ihren unteren Teil ist ein Beichtstuhl integriert. Der Altartisch und der vergoldete Tabernakel stehen einen Meter vor der Altarwand. Der Zwischenraum ist der Zugang zum Beichtstuhl.
Im Zentrum des Hochaltars ist ein großes Ölbild (1794) von Josef Hauber zu sehen, das den Patron der Kirche, St.Georg, beim Drachenstich zeigt. Hauber hat auch das Altarbild in der Dachauer Jakobskirche gemalt.

zur Beschreibung der Kreuzwegbilder und der Apostelkreuzezur Beschreibung des Choraltars (St.Georg)zur Beschreibung des linken Seitenaltars (Marienaltar)zur Beschreibung des rechten Seitenaltars (Sebastiansaltar)zur Beschreibung des Zelebrationsaltarszur Beschreibung der Kreuzwegbilder und der Apostelkreuzezur Beschreibung des Taufsteins

Die Figurenausstattung in der Kirche ist dem bäuerlichen Umfeld angepasst: So stehen
- die Bauernheiligen Isidor und Notburga als Assistenzfiguren auf dem Hochaltar,
- St.Sebastian und St.Leonhard auf dem Seitenaltar.
- In den Auszugsbildern werden Apollonia und die Nothelferin Barbara, dargestellt.

In die Seitenwände des Kirchenschiffs sind mehrere Epitaphe aus den Jahren 1560 bis 1814 eingelassen.

Die Orgel stammt aus dem im Jahr 1803 niedergerissenen Kloster Taxa.



Was noch interessiert...

Gottesdienstordnungen finden Sie hier...

Wenn Sie die Internetseite des Pfarrverbands Indersdorf besuchten möchten, klicken Sie hier...

Der Indersdorfer Arbeitskreis Hörpfade hat über St.Georg in Niederroth einen Hörbericht von drei Minuten Dauer erstellt. Wenn Sie den Bericht hören möchten, klicken Sie hier...

 




Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen

Geschichte:  Erste Kirche  Matrikel 1315  Matrikel 1524  Gotischer Bau 1546   Visitation 1560
   30jähriger Krieg  Matrikel 1740  Beschreibung 1880  Beschreibung 1895  
Ausstattung:  Altarraum  Apostelleuchter  Baubeschreibung  Beichtstuhl  Bilder im Chor
   Choraltar  Empore  Epitaphe innen  Epitaphe außen  Ewig-Licht-Ampel
   Figuren  Kanzel  Kanzelkreuz  Kirchenschiff  Kirchenbänke
   Kreuzweg  Mater dolorosa  Orgel  Opferstock  Pfarrerliste
   Pfarrhaus  Seitenaltäre  Taufstein  Vortragekreuze  Zelebrationsaltar


G
eschichte der Kirche

Wann die Ortschaft und die Kirche Niederroth erstmals urkundlich erwähnt wurden, ist unter Historikern umstritten.

— 

Der Heimatforscher Gisbert Köhler ist der Auffassung, dass es sich bei dem Ort "Rota" in einer Urkunde aus dem Jahr 769 (oder 773) entgegen der gängigen Lehrmeinung um Niederroth und nicht um Rott am Inn handelte. Die Urkunde wurde im Bistum Freising ausgestellt, die Gegend um Rott am Inn gehörte aber zum Bistum Salzburg. Außerdem enthält das Schriftstück den Hinweis, dass "Rota" am Bach Roth liegt. Allerdings gibt es auch in Rott am Inn einen Rothbach. 33).

— 
Einige Historiker aus früherer Zeit behaupteten, es habe im Jahre 774 an der Stelle der heutigen Kirche ein  Marien-kirchlein gestanden. Jedenfalls erwähnen Anton Mayer und Georg Westermayer in ihrer Bistumsbeschreibung 1880, im Jahr 774 hätte sich in Niederroth eine Marienkirche befunden, die von einem Priester namens Dominicus betreut wurde. 779 hätten die Brüder Cundhart dieser Marienkirche ein Drittel ihres Erbes vermacht. 5)
— 
Niederroth wurde unbestritten aber im Jahr 849 urkundlich erwähnt. Damals übergab der Edle Tizian seinen Besitz zu Rota dem Freisinger Bischof. Die Urkunde wurde am 30.Juni 849 in Tandern ausgestellt. 4 Jahre später vertauschte der Bischof diese Schenkung übrigens gegen eine Liegenschaft in Erlahusun (Erlhausen) bei Weichs.
938 wurde Niederroth übrigens "minor Rota", um 1300 "wester Rot" genannt 9)
.


Niederroth als Dotationsgut

Als das Kloster Rott am Inn im Jahr
1073 durch Kuno I. von Rott, Pfalzgraf von Bayern (1055-1086) gegründet wurde, hat man die Ortschaft Niederroth ("Rota") mit dem zugehörigen Ort Ried dem Kloster zur Verbesserung seines Einkommens geschenkt. In der Bestätigungsurkunde von Kaiser Heinrich IV heißt es: Rota quod adjacet Glone flumini, cum ecclesia, decemis, terminis et appendiciis suis. Durch einen Irrtum ist hier die Glonn mit einem ihrer Nebenflüsschen verwechselt worden 9), 27).
Niederroth blieb bei diesem Kloster 600 Jahre lang, bis 1696. Bis 1802 leisteten 28 von 36 Anwesen Grundzinsen nach Rott 19)


Neubau der Kirche 1151
Spätestens im Jahr 1151 war die Kirche jedenfalls neu gebaut, wie aus einer päpstlichen Confirmationsurkunde (=Bestätigungs-urkunde) hervorgeht. Darin wird von einer Georgskirche " ecclesia S. Georgii "gesprochen (Mon. Boic. 1.360) 19).

Streit um das Präsentationsrecht 1214
Aus dem Jahr 1214 erwähnen Mayer/Westermayer einen Streit um das Präsentationsrecht für die Pfarrerstelle zwischen dem Bischof Otto II. von Freising (1184 bis 1220) und dem Abt des Klosters Rott am Inn.
Der Abt von Rott, dem die Kirche in Niederroth gehörte, beschwerte sich beim Papst, dass Bischof Otto II. von Freising, in dessen Seelsorgegebiet Niederroth lag, die Pfarrherrnstelle nach eigenem Gutdünken vergebe. Dabei stünde ihm, dem Abt, das Präsentationsrecht zu.
Papst Innocenz III. (im Amt 1198- 1216) berief eine Untersuchungskommission ein. Sie gab dem Bischof recht. Die betreffende Bulle ist datiert vom 10. April 1214. So wurde die Pfarrei Niederroth die nächsten 482 Jahre lang allein von den Fürstbischöfen zu Freising verliehen.
Im Jahre 1696 wurde Niederroth dann zur Wechselpfarrei erklärt, d. h. das Besetzungsrecht wechselte fortan zwischen dem Kurfürsten und dem Fürstbischof von München-Freising. Dazu heißt es:
  "... nach dem Tode des Pfarrers Urban Seggl entstanden Streitigkeiten zwischen Kurbayern und Freising in Betreff des Verleihungsrechtes und man kam überein, dass Niederroth künftighin für ewige Zeiten eine Alternativpfarrei verbleiben soll, weswegen auch Maximilian Emanuel, Kurfürst von Bayern, den 24. September 1696 den Johann Ballauf zum ersten Male auf die Pfarrei Niederroth präsentiert hat" 19).


Matrikel von 1315
In der Konradinischen Matrikel von 1315 ist Niederroth als Pfarrei ohne Filialkirche erwähnt. Text: "Niderrot soluit II Pfund" 1).



Matrikel von 1524

Nach der Sunderndorfer'schen Matrikel von 1524 hatte die Pfarrei 150 Communicantes, das sind Gläubige nach der Erstkommunion. Niederroth gehörte auch damals zu den kleineren Pfarreien im Dachauer Land. Das Besetzungsrecht für die Pfarrstelle lag in der Praxis beim Bistum Freising. Der Pfarrherr hieß Michael Zerrer. Die Gläubigen in Niederroth wurden aber seelsorgerisch von Vikar Wolfgang Grosmair betreut. Das Pfarrhaus in Niederroth und die dazugehörenden Wirtschaftsgebäude seien von schlechtem Bauzustand und bedürften dringend einer Erneuerung, heißt es in der Matrikel. 1)


Visitationsbericht von 1560 23)
Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation, eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet. Die Visitation wurde durch bischöfliche und durch herzogliche Bevollmächtigte durchgeführt. Grund war die durch die Reformation Luthers (1517) entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen des Bistums zur Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte. Durch die Visitation wollte der Bischof einen detaillierten Einblick in die religiöse Situation der Pfarreien gewinnen. Insbesondere sollte festgestellt werden, ob die Pfarrer und die Gläubigen noch die katholische Lehre vertraten oder der neuen Lehre anhingen. Daneben interessierte die Prüfer die Lebensführung der Pfarrer sowie Umfang und Qualität ihrer religiösen Kenntnisse.
Im Bericht über Niederroth heißt es, Pfarrer Gabriel Laminger habe in Wien studiert, sei in Augsburg 1523 zum Priester geweiht worden und hätte in München St.Peter seine Primiz gefeiert. Er war seit 9 Jahren Pfarrer in Niederroth. Die Visitatoren berichteten, der Pfarrer predige aus katholischen Büchern und vertrete in allen Vorschriften die katholische Lehre.
Privat war Laminger ein lebenslustiger Mensch. Er hatte eine Konkubine und mit ihr Kinder und sei früher viel ins Wirtshaus gegang
en. Die Pfarrei hatte 200 Communicanten. Das Kirchengebäude war renovierungsbedürft, der Pfarrhof und die sonstigen Gebäude aber in einem guten baulichen Zustand; sie waren also seit 1524 ausgebessert worden.

Wenn Sie an weiteren Details der Visitation interessiert sind, klicken Sie hier...

 

Gotische Kirche 15./16.Jh
In spätgotischer Zeit, um 1600, wurde die Kirche umgebaut oder auf dem noch vorhandenen romanischen Mauerkern im Kirchenschiff neu errichtet. Aus dieser Zeit stammt jedenfalls der heute noch bestehende eingezogene Chor. Überraschend ist für Bauten dieser Zeit der gerade Chorschluss; wahrscheinlich stammte auch der noch von der Vorgängerkirche. In die gotische Kirche hat man statt der in romanischen Kirchen üblichen Holzdecke ein spätgotisches Netzrippengewölbe eingezogen. Maurer haben "die Löcher zu den Fenstern ausgehauen", d.h. die Fenster wurden vergrößert. Auch die Empore stammt schon aus der damaligen Zeit.


Auszug aus einer
Landkarte vom Jahr 1663


Zehent-Streit mit Kloster Rott

Die Zusammenarbeit der Niederrother Pfarrherren mit den Äbten des Kloster Rott am Inn war nicht immer ungetrübt. Vor allem wenn es um die finanziellen Belange ging. Als Beispiel sei der über Jahrhunderte andauernden Streit zwischen dem Niederrother Pfarrherren und dem Kloster Rott hinsichtlich des Zehents genannt, den Pfarrer Hueter in seiner Chronik ausführlich dokumentiert hat. 19) Wenn Sie die Schrift mit dem Titel "Streit mit Kloster Rott" lesen möchten, klicken Sie hier...


Barocke Ausstattung

Nach einem Bericht von Pfarrer Hueter wurde 1628, kurz vor dem Vordringen des 30jährigen Krieges nach Bayern, die Pfarrkirche
             "... mit einem Aufwand von 800 Gulden in eine zierlichere Form umgestaltet, wozu ein Ganzbauer 10 Gulden, ein
                  Halbbauer 5 Gulden, ein Gütler und vermögliche Lehnhäusler 1 Gulden, die Dienstboten 20, 15, 10 oder 6 Kreuzer
                  beigetragen haben"
19).


Dreißigjähriger Krieg
In der Zeit des 30jährigen Krieges war die Pfarrei jedenfalls in Bezug auf die Einkünfte "arg herabgekommen"; die andauernde Geldnot ließ keine Reparaturen zu. Pfarrer Johann Stephan schrieb am 9.April 1641, das Kirchenvermögen betrage nur noch 58 Gulden. Davon müssten die Kirchenpröbste (=Kirchenverwalter) alle Ausgaben für die Kirche bestreiten. Auch die völlig zerbrochene Friedhofsmauer müsse dringend saniert werden, doch das sei unter 100 Gulden nicht zu machen. Das überfordere die Kirche, deren laufendes Einkommen mit 18 Gulden, 5 Schäffel Korn und ein Schäffel Hafer äußerst gering sei 5).

Bis zu diesem Zeitpunkt waren aber das Kirchengebäude und das Pfarrhaus noch intakt, sonst wäre dies im Bericht von Pfarrer Stefan erwähnt worden. Nach den Kirchenrechnungen wurden aber im Jahr 1646, noch während des 30jährigen Kriegs, Turm und Kirchenschiff neu eingedeckt (Zimmererarbeiten von Wolf Underberger 11) (Undsberg ? 15)) aus Hebertshausen). Auch die Tatsache, dass die Kirchenmatrikel erst mit dem Jahr 1649 beginnen, spricht dafür, dass es im Kriegsverlauf wohl zu Brand oder Plünderungen auch des Pfarrhauses kam.

Interessant ist ein Zeitzeugenbericht von Pfr. Georg Christoph (1627-1634), den Pfarrer Hueter (1786-1814) in seiner Chronik der Nachwelt erhalten hat. Der Bericht umfasst nur die beiden ersten Jahre des Schwedeneinfalls in Niederroth. Danach ist Pfarrer G.Christoph gestorben 19).
  "Gustav Adolf, der Schwedenkönig, ein sehr listiger und kriegerischer Feldherr, war der Untergang für ganz Bayern. Im Jahre 1632 den 16ten Mai eroberte und besetzte er München .. In Niederroth wurden der Pfarrhof und die Höfe ausgeplündert. Rechtzeitig hatte Pfr. Christoph die wertvollsten sakralen Gegenstände versteckt: Zwei Kelche samt dem Ciborium wurden in der Sakristei unter dem Kelchkasten wohl verwahrt vergraben. Der dritte Kelch ward auf dem Kirchenlanghause unter die Pinne hineingesteckt. Und die neue Kirchenfahne, welche 120 Gulden gekostet hatte, ist ober der Sakristei in einem Trühchen unter dem Steinhaufen verborgen worden. Wolfgang Wagner, Augustin Kreitmair und Johann Metz, der Mesner "wurden zur Verwahrung dieses Kirchen-schatzes gebraucht; aber einer von diesen ist Verräter desselben geworden. Ein schwedischer Soldat kam in das Haus des Augustin Kreitmair, Bauer zu Niederroth, hatte das entblößte Schwert in der Hand, und mit drohender Stimme sagte er: Blut oder Geld! - Kreitmair erwiderte auf dieses: ,Sei zufrieden, Soldat, ich will dir was Ange-nehmeres geben'. Darauf führte er ihn in die Kirche und übergab dem Feinde alles Kirchensilber samt der Fahne. Durch dieses Unglück bewogen, schenkte Herr Johann Magerl, Kooperator bei unser lieben Frau zu München, im Juni 1632 einen ganz silbernen Kelch der hiesigen Pfarrkirche... Übrigens sind in dem Jahre 1632 über 100 Personen teils aus Kümmernis, teils durch die Hand des Feindes gestorben."



Baumaßnahmen ab 1689
Wenn Kirchen nach dem 30jährigen Krieg neu gebaut oder aufwändig renoviert worden sind, war es üblich, dass das Pflegamt Dachau zinslose Darlehen (Anlehen genannt) vermittelte. Das Geld für diese Darlehen mussten die übrigen Pfarreien aufbringen.
So erfahren wir manchmal aus Kirchenrechnungen anderer Pfarreien, wann in einer Kirche eine Baumaßnahme durchgeführt wurde.
20)
In den Kirchenrechnungen von Bergkirchen und Biberbach sind Beiträge dieser Pfarreien zu Baumaßnahmen am Gotteshaus in Niederroth in den Jahren 1688, 1689 und 1691 enthalten. Dort sind auch die Gesamtkosten in Niederroth in Höhe von 653 Gulden genannt. Dieser außergewöhnlich hohe Betrag lässt auf eine Reparatur schließen, die im Umfang fast einem Neubau entspricht. Von der damaligen Neuausstattung haben sich die Seitenaltäre bis heute erhalten. Damals wurde die Kirche auch mit einem
pultdachartigen Sakristeianbau ausgestattet. Erhalten sind noch Planskizzen zur Innenrestaurierung aus dem Jahre 1700. 19)


Altarweihe 1707
12)

Der 20. Juli 1707 war ein großer Feiertag für die Pfarrei Niederroth. An diesem Tag war der Fürstbischof Johann Franz von Eckher zu Gast. Er weihte die drei um 1690 eingebauten Altäre in der Kirche und spendete 52 Kindern das Sakrament der Firmung. Dieser kunstsinnige Bischof regierte sein Bistum von der Reisekutsche aus; er unternahm viele Pastoralreisen selbst in kleinste Dörfer seines Bistums. Die Weihe der Altäre am 22.7. in Niederroth war Teil einer intensiven Weihewoche, die den Bischof innerhalb der 7 Tage vom 19.bis 25.7. in die Kirchen von Altomünster, Oberzeitlbach, Kleinberghofen, Westerholzhausen, Niederroth, Weyhern, Oberroth, Armetshofen, Schwabhausen Edenholzhausen und Welshofen führte. Dort weihte er insgesamt 28 Altäre und spendete fünfmal die Firmung (an 416 Firmlinge).


Kurz vor 1740 erhielt die Kirche ihre barocke Ausstattung. Bekannt ist, dass Maurermeister Dörfler (auch Derffler, Träffler genannt) im Jahr 1732 einen Überschlag für ein Kirchenpflaster (für 78 Gulden) erstellte.
11)
Dörfler aus Hirtlbach war nicht nur in der Pfarrei Niederroth, sondern auch in Ebertshausen (1718), Rumeltshausen (1733), Schwabhausen (1733), Riedenzhofen (1740), Vierkirchen (1742-44) und daheim in Hirtlbach (1743) tätig.


Ansicht von Südwesten

Schmidt'sche Matrikel von 1738/40 1)
In den Jahren 1738/40 hatte der Freisinger Kanonikus Schmidt alle Pfarreien der Diözese besucht und sie in der nach ihm benannten Schmidt'schen Matrikel kurz beschrieben. Seinen Schilderungen nach hat er in Niederroth schon die neue Kirche gesehen. Sie sei unter den Kirchen des ländlichen Raumes eine der schöneren schreibt er. Der Pfarrer hieß Johann Michael Kölle; er war seit 1723 eingesetzt. Der Pfarrhof war wohl auch mit der Kirche renoviert worden. Denn Schmidt bezeichnet ihn als kürzlich erstellten Bau, an dem kein Schaden zu entdecken sei. Die Zahl der Communicantes war auf 380 angewachsen. Die Kirche hatte drei Altäre, die dem hl.Georg, der hl.Anna und den Heiligen Leonhard und Sebastian geweiht waren. Das Kirchweih-fest wurde am Sonntag nach Michaeli (29.9.) gefeiert. Im Friedhof stand ein Beinhaus und im Turm hingen drei geweihte Glocken. Die Einnahmen der Kirche verwalteten der Pfarrer und der Landpfleger von Dachau. Der Bericht endet mit dem einzigen Satz in deutscher Sprache: "Das völlige Vermögen dises Gottshauses wirdet diser Zeit gegen 1.500 fl. (=Gulden) ausmachen".
Das war ein angemessener Betrag.


Umbau 1787/88
In der Zeit um 1787/88 wurde die Ausstattung der Kirche teilweise ersetzt oder ergänzt. Diese Ausstattungstücke waren noch in barockem Stil gearbeitet, obwohl man damals die Kirchen schon im neuen Stil des Klassizismus eingerichtet hat. Dabei handelt es sich um das Gestühl und die Kanzel (vom Indersdorfer Kistler Josef Lorenz) und den Hochaltaraufbau (von Kistler Veit Walter aus Indersdorf). 32)
Die Altarfiguren von St.Isidor und St.Notburga stammen vom Dachauer Bildhauer Augustin Joh. Arnold (1759-1834). Zur Renovierung schreibt Pfr. Hueter:
  "Als ich die Pfarrei bezog, traf ich die Kirche, Altäre, Kirchenstühle, Paramente (= Altardecken, Fahnen) und alles Übrige im äußerst schlechten Zustande an.... und veranstaltete eine Sammlung. Sogleich waren 133 Gulden, 7 Kreuzer beisammen ... Es wird kaum eine Pfarrgemeinde geben, die aus freiem Willen so viel zur Verschönerung ihrer Pfarrkirche getan hat. Mit erheblichen kurfürstlichen Zuschüssen wurde die Kirche dann zwischen 1787 und 1795 verschönert" 19)


Kriege um 1800
In den Revolutionskriegen (1792-1802) und Napoleonischen Kriegen (1800-1814) hat auch Niederroth unter den einrückenden Franzosen schwer gelitten. Detailliert schildert Pfarrer Hueter (1786-1814) die selbst erlebten Kriegsfolgen.
19)
  "Vom 27. August bis 14. September 1796, wo sich die Franzosen gänzlich an den Rhein zurückzogen, ist dem Dorfe Niederroth durch Plünderungen und Lieferungen ein sehr beträchtlicher Schaden verursacht worden: Nämlich 3 Pferde, 34 Schafe, 13 Schweine, 349 Hennen, 27 Enten, Hafer 55 Scheffel, 241 Zentner Heu, an Gelde 2.494 Gulden, 21 Kreuzer, an Geldeswerte 1.776 Gulden und 7 Heller. Wenn man alles nach billigen Preisen zu Geld aufschlägt, so erstreckt sich der erlittene Schaden auf 5.608 Gulden, 33 Kreuzer". (Hueter, 173)
"Ich kann mit Grunde behaupten, dass mich selbst die drei französischen Kriege wenigst 3.500 Gulden gekostet haben (Hueter, 178).
Die französischen Kriege brachten für die einheimische Bevölkerung große Not mit sich: "Der dritte französische Krieg entstand endlich den 6. Oktober 1805. Schon den 12. dieses Monates mußte das Dorf Niederroth allein ein französisches Quartier vorn 85. Regiment-Infanterie de Ligue, welches aus 1000 Mann bestand, tragen. Es traf also einen Bauern 90 bis 100 Mann. Und dieses sehr beschwerliche Quartier datierte durch 10 volle Tage. Die Not hätte damals nicht größer sein können. Wir hatten zwar Getreide im Stadel, aber sehr wenig Gedroschenes, teils wegen der noch nicht ganz vollendeten Feldarbeit, teils auch, weil die Kaiserlichen (= Franzosen) die meisten Dienstknechte mit sich fortnahmen, und man folglich einen Mangel an Dreschleuten hatte." (Hueter, 175/76).

Jahrtagsstiftungen

Im Jahr 1857 haben
- die Austräglerin Crescenz Meßner und die Gütlerin Anna Kiening für jeweils für 58 Gulden eine Jahrmesse,
- der Wirt Sebastian Schmied für 132 Gulden einen Jahrtag
gestiftet.


Neubesetzung der Pfarrei 1858: 3).
In diesem Jahr wurde die Pfarrei wegen der
Beförderung des bisherigen Pfarrers Wendelin Nußbaumer zum Pfarrer von Sielenbach am 2. Juni 1858 im Königlich-bayerischen Kreis-Amtsblatt von Oberbayern ausgeschrieben, damit sich neue Interessenten für das Pfarramt bewerben konnten:
 

Die Erledigung der katholischen Pfarrei Niederroth, k.Landgerichts Dachau betr.
Im Namen Seiner Majestät des Königs von Bayern
Durch Beförderung des bisherigen Besitzers ist die kath. Pfarrei Niederroth ist in Erledigung gekommen. Dieselbe liegt in der Erzdiözese München-Freising, im Dekanate Sittenbach und im Landgerichtsbezirke Dachau; sie zählt bei zwei Stunden Umfange 527 Seelen im Pfarrorte und einigen Weilern hat eine Schule und wird vom Pfarrer allein pastorirt.

Die Einkünfte dieser Pfarrei betragen, vorbehaltlich der Neuherstellung der Pfarrfassion:
I.   Aus dem Ertrage der Realitäten:                 98 fl. 55 kr.
II.  Aus dem Ertrage der Rechte:                   567 fl. 20 1/4 kr.
III. Aus den Einnahmen von besonders
      bezahlten Dienstverrichtungen:
      1.) Bezüge von gestifteten Gottesdiensten  31 fl.   4 kr.
      2.) an Stolgebühren                               173 fl. 12 kr.
                                                               --------------
                                           in Summe        870 fl. 31 1/2 kr.

      Die Lasten bestehen:
I.    wegen der Staatszwecke u.bes.Verhältn.     63 fl. 48 kr.
II.  wegen des Diözesanverbandes                      3 fl. 12 kr.
                                                                --------------
                                           in Summe          67 fl. --- kr.

wonach sich ein fassionsmäßiger Reinertrag von 803 fl. 31 1/2 kr. ergibt, worauf eine jährliche Absitzfrist von 80 fl. zur Verzinsung und Tilgung eines Annuitätenkapitales von 1600 fl. lastet.

Die bei der Pfarrei befindliche Oekonomie besteht 86 Tagwerk 94 Dezimalen Aecker und Wiesen.
Zur Führung derselben werden 4 männliche und 3 weibliche Dienstboten, 6 Pferde, 16 Stück Rindvieh und zum Uebernahmskapital beiläufig 3000 fl. erfordert.

Bewerber um diese Pfarrei haben ihre vorschriftsmäßig belegten Gesuche binnen 3 Wochen bei der unterfertigten Stelle zu übergeben.

München, den 5.Juli 1858
Kammer des Innern, Freiherr von Zu-Rhein, Präsident, Pruch, Sekretär

 

Die Pfarrerstelle erhielt übrigens der Priester Jakob Wilhelm, bisheriger Benefiziat in Wasserburg, durch allerhöchste Entschließung seiner Majestät des Königs vom 7. Oktober 1858 , der seit 1817 das Besetzungsrecht hatte. Bis 1696 gehörte die Pfarrei Niederroth als Dotationsgut dem Benediktinerkloster Rott am Inn. Dann wurde es zur Wechselpfarrei erklärt. Das bedeutete, dass bei einer Neubesetzung der Pfarrerstelle abwechselnd einmal der Bischof und einmal der Landesherr die neuen Pfarrer aussuchen und damit die begehrte und gut dotierte Stelle an ihre Bekannten oder Verwandten vergeben durften (wechselndes Präsentationsrecht). Bei der Neubesetzung 1858 lag das Besetzungsrecht beim Landesherrn, König Max II. Deshalb die Ausschreibung im Amtsblatt.


Umpfarrungen
- Am 6.Dezember 1866 wurde Unterhandenzhofen aus der Pfarrei Röhrmoos nach Niederroth, und
- am 4. Januar 1877    die Ortschaften Karpfhofen, Ober- und Untermoosmühle aus der Pfarrei Niederroth nach Indersdorf umgepfarrt 19).



Beschreibung 1880 5).
Kirche und Pfarrei Niederroth sind auch in der "Statistischen Beschreibung des Erzbisthums München-Freising" aus der Zeit um 1874-84 enthalten, die zunächst der Benefiziat Anton Mayer und -nach dessen Tod 1877- Pfarrer Georg Westermayer als Buch veröffentlichten. Diese bisher umfangreichste Diözesanbeschreibung sollte in erster Linie den praktischen Bedürfnissen der Diözesan- und Staatsverwaltung dienen. Daneben hat das Werk in Form von "kleinen Notizen" die Ergebnisse der aufblühenden orts- und lokalgeschichtlichen Forschung sowie die gedruckten Quellen und die von Heckenstaller und Deutinger gesammelten Unterlagen im Archiv des Erzbistums verwertet. Erste Grundlage dieser "Mosaikarbeit" waren Mitteilungen der Pfarrämter.

  Geographie: "Die Pfarrei hat 390 Seelen in 61 Häusern. Davon wohnen 218 Gläubige (in 36 Häusern) in der Ortschaft Niederroth selbst, die Übrigen in Frauenhofen 48 (6), in Kreithof 14 (1), in Ried 82 (15) und in Unterhandenzhofen 28 (3). Die letztgenannte Ortschaft kam erst am 6.12.1866 zur Pfarrei (früher Röhrmoos). Dagegen waren 1877 die Ortschaften Karpfhofen, Ober- und Untermoosmühle von Niederroth nach Indersdorf umgepfarrt worden. Der Umfang der Pfarrei beträgt circa 8 km. Die Wege sind gut, im Herbst und Frühjahr schlecht, weil Lehmboden." 1 Lehrer unterrichtet im 1869 erbauten Schulhaus 54 Werktags- und 31 Feiertagsschüler.
Pfarrei: "Präsentationsrecht: Wechselpfarrei. Die Kirchenrechnung weist bei 2704 Mark Einnahmen und 113 Mark Lasten einen jährlichen Reinertrag von 2590 Mark aus. Pfarreischulden: 2742 Mark. Das Widum (=der Pfarrbauernhof) umfasst Grundstücke von 86 Tagwerk Fläche der Bonität 8. Das Pfarrhaus ist geräumig, passend und trocken; die Erbauungszeit unbekannt. Ökonomiegebäude: Stadel und Kuhstall wurden 1877 niedergelegt; Pferdestall noch vorhanden. Ökonomie zur Zeit verpachtet. Die Matrikelbücher beginnen 1649"
Kirche: "Erbauungsjahr unbekannt; restaurirt 1876. Baustyl: Presbyterium gothisch, Schiff romanisch. Geräumigkeit eben ausreichend. Baupflicht haben der Pfarrer und der Staat. Sattelthurm mit drei Glocken. 3 Altäre; Orgel mit 8 Registern; Cemeterium (=Friedhof) bei der Kirche ohne Kapelle. Gottesdienste an allen Sonn- und Feiertagen. Stiftungen: 32 Jahrtage und 19 Jahrmessen. Meßner- und Cantor ist der Lehrer. Vermögen der Kirche: 21.200 Mark".



Beschreibung 1895 
17)
Die Kirche St.Georg in Niederroth ist auch im Verzeichnis der Kunstdenkmale des Königreichs Bayern erwähnt, dessen Dachauer Teil 1888 von Prof. Gustav von Bezold und Dr. Georg Hager bearbeitet und 1895 von Betzold und Dr. Riehl im Auftrag des Königl.Bayer. Innenministeriums herausgegeben wurde. Dort heißt es auf Seite
310:

-
Kirche.
-
Gothischer Chor.Das Uebrige aus dem 18. Jahrhundert.
-
Modem romanisch restaurirt. Einschiffig mit eingezogenem, rechteckigem Chor,
-
Sattelthurm westlich. Sakristei an der Nordseite des Chores.
-
Das Langhaus hat ein Tonnengewölbe mit Stichkappen, der Chor ein schönes Netzgewölbe in 2 Jochen.
-
.Die Rippen setzen auf Kragsteinen auf.
-
Zwei runde Schlusssteine mit den Bildern des hl. Georg und der Mutter Gottes.
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Chor ohne Strebepfeiler; am Langhaus und der Sakristei niedrige Strebepfeiler.
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Das Choraltarblatt; St Georg tödtet den Drachen ist ein gutes Bild des 18. Jahrhunderts.
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Ein vorzügliches Werk ist die bemalte Holzfigur des hl. Sebastian auf dem südlichen Seitenaltar. Der jugendliche Heilige ist, nur mit Lendentuch bekleidet, an einem Baumstamm gefesselt. Um Mitte des 17. Jahrhunderts. H.1m.
-
Der gleichen Zeit gehören an das lebensgrosse Holzcrucifix an der Südwand,
-
die Maria mit dem Kind auf dem Arm, sowie die hl. Anna, die vor ihr knieende Maria unterrichtend, beide auf dem nördlichen Seitenaltar
-
und endlich S. Leonhard auf dem südlichen Seitenaltar.


Bittgänge und Wallfahrten 19)
In früheren Zeiten waren Bittprozessionen und Wallfahrten von großer Bedeutung. Sie dienten nicht nur als geistliche Übungen, sondern waren auch Gelegenheit, von daheim wegzukommen, in einer Zeit ohne Urlaubs- oder Abenteuerreisen.

Folgende Bittgänge/Kreuzgänge und Wallfahrten der Niederrother Gläubigen sind bekannt:
—  am Markustag (25. April) mit dem Kreuz nach dem "äußeren Indersdorf" (= Marktkirche),
in späterer Zeit nach
     Sigmertshausen
In der Bittwoche (drei Tage vor Christi Himmelfahrt) selbst ging man jeweils um 5 Uhr früh!
—  am Montag nach Sigmertshausen,
—  am Dienstag nach Weyhern
—  am Mittwoch nach Schwabhausen, in späterer Zeit nach Ottmarshart
—  am Kreuzerfindungstag (3.5.) nach Kreuzholzhausen
—  am Pfingstmontag nach Sigertshofen (Sickertshofen bei Schwabhausen)
—  am Pfingstdienstag zum Kloster Taxa
—  am Pfingstmittwoch nach Straßbach
—  am Pfingstfreitag zum heiligen Benno nach München
—  an Peter und Paul (29.6.) nach Oberroth
—  am St. Magdalena-Tag (22.7.) nach Puchschlagen
—  an Mariä Geburt (8.9.) nach Weyhern
—  sowie nach Andechs auf den hl. Berg (seit 1602)

Aus den wenigen noch vorhandenen Kirchenrechnungs-Unterlagen geht hervor, dass die Fahnenträger bei den Bittgängen für ihre Tätigkeit z.B. im Jahr 1730 ein Zehrgeld von 1 Gulden 48 kr. erhielten.


Mit kurfürstlicher Verordnung vom 4.12.1801 wurden diese Bittgänge/Wallfahrten wegen "Müßiggangs" verboten. Aufgrund dieser Anordnung entstanden im darauffolgenden Jahre 1802 Unruhen, die das Gepräge eines Aufruhrs hatten. Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, klicken Sie hier...


Statistik
In den alten Matrikeln, Beschreibungen und Zeitungsberichten werden immer wieder Zahlen genannt, die sich auf die Bevölkerung, die Seelen (Pfarreiangehörige), Häuser, Anwesen, Gebäude oder Familien beziehen. Leider ist die Bezugsgröße dieser Zahlen sehr unterschiedlich; sie sind deshalb nicht immer vergleichbar. So beziehen sich die Werte teils auf die Ortschaft oder die Gemeinde, teils auf die Pfarrei.

Pfarrei

1524
: Pfarrei mit 150 erwachsenen Gläubigen (Communicantes)
1738: Pfarrei mit 380 erwachsenen Gläubigen (Communicantes)
1830: Pfarrei mit 393 erwachsenen Gläubigen (Communicantes)
          und 80 Kindern

1874
: Pfarrei mit 390 Gläubigen in 61 Häusern.
          Ort Niederroth mit 218 Gläubigen in 36 Häusern.
1884
:  Pfarrei mit 390 Seelen in 61 Häusern (Niederroth 218,
          Frauenhofen 48, Kreithof 14, Ried 82,
          Unterhandenzhf. 28) 19).
1945:  Pfarrei mit 420 Seelen 19).
1950:  Pfarrei mit 620 Seelen 19).
1952:  Pfarrei mit 650 Seelen, (Nichtkatholiken: 25) 19).
1991:  Pfarrei mit 883 Seelen 19).

Ortschaft

1831: Ortschaft mit rd. 200 Einwohnern 36).  
1867:   Ortschaft mit 230 Einwohnern in 76 Gebäuden

           (dazu Kreithof 16/3, Weyhern 58/26) 4).
  

Gemeinde

1852: Gemeinde mit 63 Familien und 318 Einwohnern 2).
1867: Gemeinde mit 304 Einwohnern, 105 Gebäuden
         Ortschaft mit 230 Einwohnern in 76 Gebäuden
(dazu
         Kreithof 16/3, Weyhern 58/26) 4).

1852
: Gemeinde mit 63 Familien und 318 Einwohnern
2).
1867: Gemeinde mit 304 Einwohnern, 105 Gebäuden



Renovierungen 19).
1876 (außen/innen),
1901
(innen),
1938
(innen),
1951
(innen),
1952
(Friedhofsmauer restauriert),
1981
,
1988/89
(außen/innen).



Berichte aus der Pfarrei

Die Dachauer Zeitungen haben in den letzten 120 Jahren immer wieder aus dem Pfarrleben berichtet. Diese oftmals in blumiger Sprache verfassten Berichte beschäftigen sich nicht unmittelbar mit dem Kirchengebäude, vermitteln aber einen ergänzenden Eindruck aus der damaligen Zeit. Meist werden Primizen oder Priesterjubiläen beschrieben, wie hier auf der Seite für Niederroth. Wenn Sie die Berichte lesen möchten, klicken Sie hier...


Baubeschreibung

Die Kirche St.Georg in Niederroth liegt im Tal der Roth, auf einer kleinen Anhöhe über dem Fluss. Dort thront sie über dem Ort und erscheint höher, als sie tatsächlich ist. Der Historiker und Theologe Lorenz Westenrieder hat auf seinen Reisen im Jahr 1792 auch den Ort besucht und sich in seinem Buch Statistische Beschreibung des churfürstl. Landgerichts Dachau, 1792 insbesondere die nassen Böden negativ beurteilt. Wenn Sie den Bericht lesen möchten, klicken Sie hier...

Grundriss
Die Kirche St.Georg hat, wie die meisten Kirchen in unserer Gegend, einen rechteckigen Grundriss. Sie gehört architektonisch zu den Nachfahren der römischen Basilika, eines säkularen Gebäudes, in dem ein hoher Amtsträger Petitionen entgegennahm, Erlaubnisse erteilte oder zu Gericht saß. Die frühen Christen mussten sich nach ihrer Legalisierung im 4.Jh entscheiden, welche Form ihre Gotteshäuser haben sollten; der römische Tempel war für die christliche Liturgie ungeeignet. Während die Christen im Osten die Rundgebäude bevorzugten, wählten sie in Rom und Italien das vorhandene und gewohnte Versammlungsgebäude, die rechteckige Basilika mit einer überwölbten Ausbuchtung ganz vorne, unter der der Versammlungsleiter saß. Architektur und Ritus beeinflussen sich gegenseitig. Die römische Messliturgie ist -so Jesuitenpater Eckhart Bieger- wohl auch unter dem Einfluss der Architektur eine Prozessionsliturgie geworden. Einzug, Evangelienprozession, Vorbringen der Gaben, Kommunionempfang und Auszug sind noch heute erhalten. Vor 1564 gab es zusätzlich Reliquienprozessionen zu den Seitenaltären. Alle diese Prozessio-nen heben die wichtigen Teile des Gottesdienstes heraus. Für eine solche Prozessionsliturgie ist nach Eckhart Bieger das langgestreckte Rechteck mit seinen langen Wegen besser geeignet, als eine runde, kompakte Kirche mit einem Altar in der Mitte.
Für die Kirchenform der üblichen Kirche bis zur Zeit des 2.Vatikanischen Konzils hat sich unter Theologen auch der Ausdruck "Buskirche" eingebürgert: Der Pfarrer ist der Busfahrer, die Gläubigen die Passagiere. Durch das Konzil hat sich der Busfahrer zu den Passagieren umgedreht. 35)

Die Niederrother Kirche in ihrer heutigen Form besitzt im Langhaus noch einen romanischen Mauerkern, der sich durch unregelmäßige Wandverstärkungen bemerkbar macht 16). Das Langhaus und die Sakristei werden durch niedrige Strebepfeiler gestützt. Im übrigen stammt das Gebäude aus der Zeit um 1628 mit einigen Umbauten und Renovierungen zu späteren Zeiten.
Auch der eingezogene, zweiachsige und rechteckig geschlossene Chor wurde in spätgotischer Zeit errichtet. Er besitzt außen keine Strebepfeiler (mehr).


Turm

Der 20 Meter hohe, einfach gestaltete Sattelturm könnte zumindest in seinem unteren Teil noch aus dem 14.Jh stammen 19). Er steht auf der Westseite der Kirche und ist etwas nach Süden versetzt.

Glocken
Im Turm hängen drei Glocken, die in den Jahren 1894 und 1950 gegossen wurden.

—   Die älteste und kleinste Glocke hat den hl.Georg zum Patron. Seine Gestalt ist im Relief auf dem Glocken-
      mantel alsDrachentöter dargestellt. Darunter der Text: "Die Leut ruf ich her, die Toten ich ehr', dem
      Wetter(=Unwetter) ich wehr'." Auf der Rückseite hat sich der Glockengießer verewigt: "Gegossen von
      A.J. Bachmair  in Erding 1894". Am oberen Rand ein Fries aus sich biegenden Ähren.


Glocke
von 1894
Die beiden anderen Glocken stammen aus dem Jahr 1950 und wurden als Ersatz für die im 2.Weltkrieg beschlagnahmten Glocken beschafft, die für Kriegszwecke eingeschmolzen worden waren. 28) Sie wurden unter großer Beteiligung der Niederrother Pfarrbürger aufgezogen. Zusammen mit dem neuen Pfarrer L. Radinger und Pfarrer j. Vital (1.11.49-31.12.49 Vikar in Niederroth) weihte Domkapitular Dr. Michael Hartig anlässlich des Patroziniumsfestes St. Georg mit "levithischem Festgottesdienst" (mit Diakonen als Assistenten des Pfarrers) die beiden neuen Glocken 19).
—    Eine dieser Glocken ist der Muttergottes geweiht, deren Relief auf dem Glockenmantel zu sehen ist. Dazu die Inschrift:
  
    "Ave Maria, gratia plena" (Gegrüßt seist du Maria, voll der Gnaden). Auf ihre weitere Funktion als Kriegergedächtnisglocke
       verweist der Text am oberen Rand: .... "unseren Kriegern".
—    Eine weitere Glocke enthält den Text:"O König der Könige, komm zu uns".

Der Glockenstuhl wurde im Oktober 1894 von Zimmermeister Meier aus Dachau neu erstellt, als man drei neue Glocken aufzog 19).

Das Vorhaus über dem Portal ist an der Südwestseite angebaut. Darin ist an der Wand eine schlichte Kreuzigungsgruppe (ein Kruzifix mit darunter stehender Mater Dolorosa) angebracht.
Die Sakristei mit ihrem Pultdach steht an der Nordostseite, neben dem Chor. Sie besitzt ovale Fenster in oben und unten gerundeter Barockform.  

Epitaphe an der Außenmauer

1723

für Pfarrer Johannes Ballauff, gestorben am 1.Juni 1723 (Solnhofener Plattenkalk, Größe: 42 x 40 cm)

Text: "ADM Rus ET DOCTiSSiMUS D.JOHANN BALLAUFF PHLIAE ET SS CAN. CAND. PER ANNO XXVII HIC PAROCH. ZELOSSiMUS Obiit J.JUNII MDCCXXIII. Requiescat in Pace."


1827
für Pfarrer Ignatz Saller, gestorben 1827, (Solhofener Plattenkalk, Größe: 59 x 59 cm)

Text: "Denkmall des Hochwürdigen Wohlgebohrnen Herrn Ignatz Saller, Pfarrer von hier Gestorben im Jahr 1827 Ruhe im Friden -RIP-"

1926

für Pfarrer Matthäus Müller, gestorben am 31.Juli 1926, (heller Marmor, Größe: 104 x 56 cm)

Text: "Hier ruht in Gott der hochwürdige Herr Mathäus Müller, Kammerer & 25 jahre Pfarrer dahier, geboren 17.März 1839, gestorben 31.Juli 1926".
Selig die Toten, die im Herrn sterben von nun an sollen sie ausruhen von ihren Mühen denn ihre Werke folgen ihnen nach. Joh.Offb.. 14,13."


1936
für Pfarrer Johann Evangelist Hintermayr, gestorben am 6.9. 1936 (heller Marmor, Größe: 110 x 65 cm)

Text: "Hier ruht in Gott der hochw.Herr Johann Ev. Hintermayr, ,1930-1936 Pfarrer v. hier, gest. am 6.Sept. 1936 im 37.Priester - u. 62.Lebensjahre.
Meine Liebe war Gott meine Heimat der Altar, meine Sorge eure Seelen".

1955
für Pfarrer Ludwig Küffner, gestorben am 19.1.1955 (Solhofener Plattenkalk, Größe: 109 x 66 cm)

Text: "Hier ruht in Gottes Frieden: der Hochwürdige Herr Ludwig Küffner, 1936-1949 Pfarrer von hier, gest. am 10.Januar 1955, im 49.Priester- und 73.Lebensjahre. Die viele im Heil unterwiesen, werden im Reiche Gottes lichter als die Sonne sein. Die dankb. Pfarrgemeinde".
An der Ostseite des Chores befindet sich eine Ädikula mit dem barocken Missionskreuz, das an eine Volks-mission erinnert. Eine Ädikula ist ein offener, nur wenig tiefer Anbau, der den dort ausgestellten Objekten Schutz vor Witterungseinflüssen gibt.
Das Kruzifix ist wahrscheinlich schon 200 Jahre alt. Dafür spricht der etwas bläuliche Farbton des Corpus Christi, der Anfang des 18.Jh für solche Darstellungen verwendet wurde.

Ädikula
mit Missionskreuz
Mit dieser Fassung (=Bemalung) wollte man an die Bibelstelle in der Johannespassion (Joh.19,33) erinnern, in der steht, dass Jesus am Kreuz die Gebeine nicht zerbrochen wurden, weil er bereits tot war. So werde auch die Schrift (Altes Testament, Psalm 34, 20) erfüllt, die lautet: "Er bewahrt ihm alle seine Gebeine, dass nicht eines derselben zerbrochen wird."

Innenausstattung

Altarraum

Der zweiachsige, stark eingezogene Altarraum besitzt ein schönes Netzgewölbe mit Rippen im Birnstabprofil und zwei runden relifierten Schlusssteinen. Die Schlusssteine des Gewölbes sind im Scheitelpunkt eines Bogens bzw. im Knotenpunkt von Rippen eingefügt. Sie verkeilen das gebogene Mauerwerk und geben dem statischen Gefüge den entscheidenden Halt. Neben seiner bautechnischen Aufgabe hat der Schlussstein auch eine religiöse Bedeutung. Denn Paulus schreibt im Epheserbrief (Eph. 2,19-22) : "Ihr seid das Fundament der Apostel und Propheten. Der Schlussstein ist Jesus Christus selbst. Durch ihn wird der ganze Bau zusammengehalten und wächst zu einem heiligen Tempel im Herrn (Eph. 2,20-22).
Die Vielzahl der Rippenbögen im Netzgewölbe ist nicht - wie z.B. beim Kreuzrippengewölbe- allein durch die Statik bedingt, sondern dient auch der Zierde. Das Netzgewölbe wurde beim spätgotischen Umbau um 1600 eingezogen.

Einer der Schlusssteine stellt den hl. Georg als jungen Mann mit langem Haar, gelbem Heiligenschein, Schwert und rot-weißem Wappen dar.
  
Gewölbe-Schlusssteine
Der andere zeigt die gekrönte  Muttergottes, die auf dem linken Arm ihr Kind trägt und in der rechten Hand einen Apfel hält.
  Hinweis: Der Apfel galt seit alters her als Symbol sinnlicher Reize und Begierden, im Zusammenhang mit der Versuchung von Adam und Eva im Paradies durch die Schlange sogar als Verkörperung der Erbsünde. Seit dem 11. Jh. ist der Apfel in der christlichen Symbolik auch Zeichen der Erlösung von der Erbsünde. In diesem Sinn ist der dargestellte Apfel in der Hand Marias zu deuten.
Wenn Sie noch weitere Gewölbeverzierungen in den Kirchen des Landkreises Dachau sehen möchten, klicken Sie hier...

Hochaltar /Choraltar

Eine Besonderheit ist der 1794 von Kistlermeister Veit Walter aus Indersdorf und Augustin Johann Arnoldt (1759-1834), Bildhauer in Dachau, erstellte Choraltar 29). Es ist ein sog. Rokokoretabel mit vier Säulen, 4,50 Meter breit und raumhoch.
Augustin Arnoldt war übrigens der Sohn des Bildhauers Franz de Paula Arnoldt (1724-1788), von dem sich noch mehrere Kunstwerke in Kirchen des Dachauer Landes befinden (so z.B. in Glonn, Altomünster, Bergkirchen und Pipinsried).
Die Stipes, der Altarunterbau, der noch aus der romanischen oder gotischen Zeit stammen könnte, ist mit Holz verkleidet. Er besitzt die klassizistischer Sarkophagform mit Rahmenfeldern, Blütenfestons und Mittelkreuz.

Hochaltaraufsatz

Der Auszug/Aufsatz des Hochaltars gestattet einen Blick in den Himmel: hier ist die Heiligste Dreifal-tigkeit in Form eines Auges dargestellt, umgeben von sieben Engelsköpfen (1760).
Auf den Rocaille-Voluten sitzen Englein.

Dreifaltigkeit im Altaraufsatz

Hinweis: Das Auge im Dreieck als Darstellung der Dreifaltigkeit in ihrer Allgegenwart und Allwissenheit hat sich in der Kunst unserer Gegend erst im 18.Jh. verbreitet. Das war zu der Zeit, in der der Altar in Niederroth errichtet wurde. Aus der frühchristlichen und mittelalterlichen Kunst ist es unbekannt.

Mittelteil

Im Zentrum des Altars hängt ein 250 x 130 cm großes Ölbild (auf Leinwand), das den Patron der Kirche, St. Georg, beim Drachenstich zeigt.
Es wurde 1794 von Josef
Hauber (1766-1834), dem berühmte Hof- und Historienmaler aus München, geschaffen (sign). Hauber hat 20 Jahre später auch das Altarbild in St. Jakob, Dachau gemalt.
Das Gemälde wurde auch ins Verzeichnis der Kunstdenkmale des Königreichs Bayern von 1895 aufgenommen: Dort heißt es:
    "Das Choraltarblatt St Georg tödtet den Drachen
     ist ein gutes Bild des 18. Jahrhunderts."
17)


St.Georg
St.Georg -in Ritterrüstung mit prächtigem Helm- sitzt auf einem Schimmel und stößt seine Lanze tief in das spitze Maul des Drachens hinein. Darüber halten Engel den Lorbeerkranz für den Heiligen bereit.
Dr.Morsch schreibt dazu im Kirchenführer:
"Das Gemälde zeichnet sich aus durch seine expressiven Bewegungen, sein lebhaftes Kolorit und die Beschränkung auf das Wesentliche ohne Abschweifungen in die Heiligenlegende".
  Hinweis: Die Bedeutung des Pferdes in der Symbolik hängt wesentlich von seiner Farbe ab. Weiße Pferde waren schon im Altertum die Zugtiere der Wagen von Eos und Helios. Sie gelten deshalb als Lichtbringer. Die mit weißen Rossen in Verbindung gebrachten positiven Vorstellungen zeigen sich auch darin, dass der hl. Georg stets auf einem Schimmel dargestellt wird. Schwarze Pferde symbolisieren dagegen Tod und Verderben. Als Zugtiere für Leichenwagen dienten früher immer Rappen. Der Schimmel ist wegen seiner weißen Farbe ein Symbol für das Gute.
Assistenzfiguren

  St.Isidor

Als Assistenzfiguren stehen zwischen den Säulen des Altars Statuen der Bauernheiligen Isidor (links, mit Dreschflegel und breitkrempigem Hut ) und Notburga (rechts, in der Kleidung einer Bauernsmagd, mit erhobener Sichel in der Hand). Die Figuren wurden um 1760/90 von Augustin Joh. Arnold geschnitzt. Arnold war auch beim Choraltar in Bergkirchen beteiligt, den sein Vater Franz Paul als verantwortlicher Künstler geschaffen hat.

Hinweis: Isidor lebte im 12. Jh. als Knecht bei einem Baron. Seine Mitknechte verpetzten ihn, weil er während der Arbeit ständig betete. Als sein Herr feststellen wollte, ob dies stimme, sah er der Überlieferung nach zwei weiße Stiere, von einem Engel geleitet, pflügten, während Isidor im Gebet daneben kniete. Isidor wird häufig mit Pflug, Sense oder, wie in Niederroth, mit Dreschflegel dargestellt. 

   
St.Notburga

  Die in Bayern ungemein beliebte Notburga war eine Bauernsmagd aus Tirol, die der Aufforderung des Bauern, auch nach dem Gebetläuten noch auf dem Feld zu arbeiten, nicht nachkam und die Sichel in die Luft hängte. Sie ist eine der wenigen Heiligen, die aus ganz einfachen Verhältnissen kam und kein geistliches Amt innehatte.

Tabernakel

Der 130 x 120 cm große Tabernakel stammt aus der Zeit um 1900, ist im barocken Stil gearbeitet und vollständig vergoldet. Die Türen sind mit geometrischen Reliefmustern verziert.


Zu beiden Seiten lehnen sich Engelsfiguren in Inkarnatfassung (=fleischfarber Farbton) an die Volute und weisen mit ihrer Hand zum Tabernakel hin.


Tabernakel
Diese Engelsfiguren stellen nicht nur eine Verzierung dar. Sie sind auch auf die Gestaltung der Bundeslade der Israeliten in biblischer Zeit zurückzuführen, die als Vorgängerin des Tabernakels angesehen wird. Die Bundeslade war von zwei goldenen Engelsfiguren (Cherubim) eingerahmt (Ex, 37,7-9) 30).

Oben auf dem Tabernakel sitzt die versilberte Figur eines Pelikans, der sich die Brust aufreißt, um mit seinem Blut das bettelnde Junge vor ihm zu füttern. Der Pelikan galt als Sinnbild für Aufopferung und als Symbol für Christi Todesopfer, weil man (fälschlicherweise) dachte, der Vogel füttere in Notzeiten seine Jungen mit dem eigenen Blut.
Thomas v.Aquin (1225-1275) schreibt in seinem Hymnus "Adoro te devote": Frommer Pelikan, Herre Jesus, reinige mich Unreinen durch dein Blut, davon ein Tropfen erlösen kann die ganze Welt von jeder Sünde". 42)
  Hinweis: Tabernakel ist das lateinische Wort für Zelt. Die seit dem 12. Jh übliche Bezeichnung führt zurück zur Bundeslade der Israeliten zur Zeit Mose, die ebenfalls in einem Zelt untergebracht war. Der Tabernakel dient bereits seit frühchristlicher Zeit (unter anderem Namen) zur Aufbewahrung verwandelter Hostien für die Sterbenden. Im hohen Mittelalter wurde er auch Ort der Anbetung und Verehrung Christi in der Gestalt dieses eucharistischen Brotes. Der Ort und die Form der Aufbewahrung änderten sich im Laufe der Jahrhunderte häufig. Das Tridentinische Konzil (1545 - 63) ordnete die Aufstellung des Tabernakels auf dem Altar an. Doch diese Vorschrift wurde in Deutschland, wo man lange daran festhielt, die heiligen Hostien in Wandschränken und Sakramentshäuschen aufzubewahren, erst im 18. Jahrhundert umgesetzt. Das 2. Vatikanische Konzil (1962 - 65) lässt dies wieder zu. Deshalb werden in modernen oder modernisierten Kirchen Tabernakel häufig in die Wand eingelassen oder stehen frei auf einer Säule.


In der Weihnachtszeit steht auf dem Tabernakel die im Jahr 2003 renovierte Figur eines Christkinds auf der Weltkugel (um 1700). Das Kind steht nicht -wie sonst üblich- mit steifen Beinchen senkrecht auf der symbolisierten Welt, sondern balanciert beinahe spielerisch auf der Kugel. Das Lendentuch schwebt nicht wie zufällig über die zu bedeckenden Körperstellen, sondern wird durch einen über die Schulter gezogenen "Hosenträger" gehalten. Das mit einem Heiligenschein in Form eines Strahlen-kranzes versehene Kind blickt dem Betrachter unmittelbar ins Gesicht und breitet die Hände segnend aus.

In der Passionszeit steht an gleicher Stelle die Figur eines Christus auf der Rast (Zahnwehhergott) aus der Zeit um 1738,
in der Osterzeit ein Auferstehungschristus
19).

 

Beichtstuhl hinter dem Hochaltar
Der Altartisch mit dem Tabernakel steht gut einen Meter vor der Altarrückwand.
Der Zwischenraum bildet den Zugang zu einem Beichtstuhl, der im unteren Teil des Retabels eingebaut ist.
Das ist einmalig in den Kirchen des Landkreises Dachau.
Die Konstruktion könnte dadurch entstanden sein, dass der möglicherweise aus der Romanik oder Gotik stammende Altartisch nicht versetzt werden konnte, das Barockretabel wegen seiner Höhe aber eine Verbin-dung zur Rückwand brauchte.

Beichtstuhl



Bilder im Altarraum

Zu beiden Seiten des Hochaltars hängen 92 x 51 cm große Ölbilder (auf Leinwanduntergrund) in schön geschnitztem und vergoldetem Rocaillerahmen an der Wand. Sie werden ebenfalls Josef Hauber zugeschrieben (1770/90) und sollen früher Aufsatzbilder an den Seitenaltären gewesen sein. 32)

Links ein Herz Jesu-Bild.

   Herz Jesu
Jesus, mit langem gelockten Haar und gepflegtem Bart, trägt eine rote Toga über der Schulter. Mit seiner rechten Hand (mit Kreuzigungswunde) weist er auf das offenliegende Herz, das mit Dornen umkränzt ist und aus dem Flammen (der Liebe) schlagen.

Hinweis: Das Herz Jesu ist Symbol für die Erlöserliebe Christi. Diese Darstellung verbreitete sich in unseren Kirchen insbesondere nach der Einführung des Herz-Jesu-Festes durch Papst Clemens XIII.(1758 - 1769) im Jahr 1765.

Rechts ein Herz Mariä-Bild.

Gegenüber hängt ein Bild, das dem Herzen Mariens gewidmet ist. Es zeigt die Muttergottes als Maria Immaculata. Sie ist in das traditionell rot-blaue Gewand gekleidet. In ihrer rechten Hand hält sie eine Lilie. Ihr Haupt ist von einem Kranz aus 12 Sternen umgeben. Mit der linken Hand weist sie auf ihr sichtbares Herz, aus dem Flammen emporschlagen. Das Herz Mariens ist Zeichen für die mütterliche Liebe. Das Gemälde in Niederroth entspricht nicht voll dem Bildtypus der Immaculata, weil dieser auch das Motiv des Tritts auf den Kopf der Schlange und die Mondsichel enthält.
Hinweis: Die zwölf Sterne erinnern an die Apokalyptische Frau, die Johannes in der Geheimen Offenbarung beschrieben hat. Sie war in der Vision vom Strahlenkranz der Sonne umgeben, über ihrem Haupte standen zwölf Sterne als Symbol für die zwölf Stämme Israels. Die Apokalyptische Frau wurde in frühchristlicher Zeit als Symbol für die Kirche angesehen und erst später mit Maria identifiziert.


Herz Mariens




C
horglocke

Chorglocke
Am Eingang zur Sakristei ist die Chorglocke (Sakristeiglocke) in neugotischem Stil angebracht, die bei Beginn des Gottesdienstes von den Ministranten geläutet wird.



Zelebrationsaltar

Der Zelebrationsaltar ist rötlich marmoriert, um sich in das Gesamtbild der Kirche einzuordnen. In der Mitte des Antependiums enthält er ein Rechteck mit einer Verzierung, die an ein Stoff-oder Tapetenmus-ter erinnert. Er wurde in den 1970er Jahren aufge-stellt im Zuge der Liturgiereform durch die Beschlüsse des 2.Vatikanische Konzils und bedeutet eine Rück-kehr zu den Wurzeln der Eucharistiefeier.

Zelebrationsaltar
Hinweis: Der Altar war das Symbol des heidnischen Gottesdienstes. Das lateinische Wort adolere = verbrennen bezeichnet die ursprüngliche Bedeutung als Stätte zur Verbrennung der Opfer. Die ersten Christen hatten keinen Altar. Jesus versammelte die Seinen um den Tisch, und das hielten auch die Christen während der ersten Jahrhunderte so; zur Eucharistiefeier konnte jeder beliebige Tisch die-nen. Im 4.Jh wurde das Opfer Jesu in das Tischge-schehen hineingenommen und der Altar eingeführt.
  Er war meist aus Stein, frei aufgestellt und von allen Seiten zugänglich. Ab dem 8. Jahrhundert weicht die Tisch-form immer mehr der Blockform. Dies kam der Entwicklung entgegen, im Altar Reliquien von Märtyrern und Heiligen beizusetzen. Der zelebrierende Priester stand hinter dem Altar, sodass seine Handlungen während der Messfeier für die ganze Gemeinde sichtbar waren. Als der Altar dann im 11.Jh eine Rückwand mit hohen Altarauf-bauten (Retabel) erhielt und weiter an die Ostwand rückte, wandte der Priester der Gemeinde den Rücken zu. Dies ist in der katholischen Kirche durch eine Liturgiereform erst vor 55 Jahren wieder rückgängig gemacht worden.


Ewig-Licht-Ampel

     
In der Nähe des Chorbogens hängt -wie in den meisten katholischen Kirchen- die aus Messing getriebene und versilberte Ewig-Licht-Ampel aus der Zeit um 1900 von der Decke. In ihr brennt ein Öllämpchen hinter rotem Glas.
Getrieben bedeutet, dass das Kunstwerk durch Hämmern von der Rückseite her über einer nachgiebigen Unterlage erstellt wurde.

 
Ewig-Licht-Ampel


Die Ampel besteht -wie erwähnt- aus versilbertem Messing. Die kirchlichen Vorschriften haben das Material für die Ewig-Licht-Ampeln zwar nicht explizit festgelegt; doch es sollte, so die Beschlüsse des Konzils von Trient (1545-1563), "der Würde der Kirche" entsprechen. Dies zielte in erster Linie auf das Material Silber, doch auch versilbertes Messing dürfte diese Voraussetzung noch erfüllt haben.
43)

  Hinweis: Das rote Öllämpchen, das stets im Altarraum brennt, gilt oft als Erkennungsmerkmal eines katholischen Gotteshauses. Früher gab es solche Lichter nur an den Märtyrergräbern. Mit der wachsenden Verehrung der aufbewahrten Eucharistie hat sich etwa seit dem 13. Jh der Brauch des "Ewigen Lichtes" vor dem Tabernakel, in das Allerheiligste aufbewahrt wird, herausgebildet. Das Ewige Licht war vom Johanniter-Ritterorden von den Kreuzzügen aus dem Heiligen Land mitgebracht worden. Durch sein dauerndes Brennen weist es darauf hin, dass in der Kirche geweihte Hostien aufbewahrt werden. Meist sind die von der Decke herabhängenden Ampeln aus Silber oder versilberten Material gebaut, in eleganten Formen und mit vielen grazilen Verzierungen versehen.


Der
korbbogige Chorbogen war noch vor 100 Jahren bemalt: mit einem Bild des triumphierenden Christus, umgeben von zwei Posaune spielenden Engeln und eingerahmt von Feuerzungen und Ornamenten 19).  Heute ist er nur weiß getüncht.  

 

Langhaus / Kirchenschiff

Das vierachsige Langhaus hat noch einen romanischen Mauerkern, der an den unregelmäßigen Wandverstärkungen zu erkennen ist. Die Decke ist ein Tonnengewölbe mit Stichkappen (gedrückte Spitzkappentonne). Diese Decke wurde beim barocken Umbau oder später eingezogen. In der gotischen Kirche war auch das Langhaus mit einem Netzgewölbe überdeckt, wie es im Altarraum noch heute zu sehen ist.


Seitenaltäre


  Seitenaltar
Die beiden 180 cm breiten Seitenaltäre stammen aus der Zeit der Barockisierung um 1680/90.
(andere Quelle: 1720/40)
19)
Sie haben wie der Hochaltar vier rot marmorierte Säulen mit vergoldeten korinthischen Kapitellen.
  Auf dem Gebälk zu beiden Seiten der Aufsatzbilder stehen vergoldete Ziervasen. Die Antependien der Seitenaltäre sind mit vergoldeten Girlanden auf blauem Grund verziert.

Antependium


Nördlicher Seitenaltar

Der linke, nördliche Altar ist St.Maria und St.Anna geweiht.


Altaraufsatz
An oberster Stelle des Seitenaltars ist ein flammendes Herz Mariens im Strahlenkranz zu sehen, das mit einem Kranz von Rosen umgeben ist. Die Rose als Königin der Blumen ist Sinnbild für die Himmelskönigin Maria.

St.Ursula
Im Auszugsgemälde ist wahrscheinlich die hl. Ursula (mit Pfeilen und Märtyrerpalme) in der Hand) dargestellt (Öl auf Leinwand, 1720).
St.Ursula soll der Legende nach von den Hunnen mit Pfeilen getötet worden sein. Festtag: 21. Oktober.
Ursula wurde 1970 aus dem Allgemeinen Römischen Kalender gestrichen, da es für den Ursprung der Legende (Tod durch die Hunnen) keine Belege gibt.
Unterhalb des Auszugsgemäldes ist eine Kartusche angebracht, in der auf rotem Grund ein Wappen oder ein sonstiges heraldisches Motiv zu sehen ist.
Mittelteil


In der mit einer Muschelverzierung und Lambrequins geschmückten Nische des nördlichen Seitenaltars steht eine gekrönte Muttergottesfigur mit dem Jesuskind auf dem linken Arm und einem Zepter in der Rechten.


Muttergottes

Die Figur wurde um 1680 geschnitzt und gehörte damit zur Erstausstattung nach der Barockisierung; sie wurde aber erst in neuerer Zeit gefasst (=bemalt).
Zu Füßen der Figur zwei Putten die ein Kreuz, bzw. ein flammendes Herz halten (20.Jh).
Predella
An der
Predella befindet sich eine Figur der hl. Mutter Anna, die ihrer Tochter Maria das Lesen lehrt.
St.Anna
St.Anna u. Maria
Hinweis: Das Thema der Unterweisung Mariens ist in der Kunst seit dem 14.Jh bekannt und war besonders in der Barockzeit beliebt. Es geht zurück auf die Bibelstelle aus dem Buch der Sprichwörter (1,8) "Höre mein Sohn, auf die Mahnung des Vaters und die Lehre deiner Mutter verwirf nicht" und wendet das Wort auf Maria an.  


Südlicher Seitenaltar

Der südliche (rechte) Seitenaltar ist dem hl. Sebastian und dem hl. Leonhard geweiht.

 

Altaraufsatz
Auf der Spitze des Altars sitzt -wie eine Monstranz- die Darstellung des Herzens Jesu, umgeben von einem großen Strahlenkranz.
Der Altaraufsatz des rechten Seitenaltars wird umrahmt von Volutensprenggiebeln.

St.Barbara
Das Auszugsgemälde (Öl auf Leinwand, um 1730) zeigt die hl. Barbara  mit den Attributen Turm und Kelch. Hinweise: Barbara ist eine legendäre Person. Das bildschöne Mädchen soll von ihrem heidnischen Vater, dem reichen Dioskuros von Nikomedia, während einer längeren Geschäftsreise in einen Turm geschlossen worden sein, um sie am Heiraten zu hindern. Barbara ließ im Turm ein Bad bauen, aber nicht wie vom Vater angeordnet mit zwei, sondern
  mit drei Fenstern, als Zeichen der Dreieinigkeit. Als der Vater zurückkam und merkte, dass sie Christin geworden war, ließ er sie geißeln, mit Keulen schlagen, die Brüste abschneiden und mit Fackeln brennen. Vor dem Tod bat Barbara Gott, dass alle, die der Passion Christi gedenken, vom Gericht Gottes verschont werden. Schließlich enthauptete der Vater die Tochter selbst, worauf er von Blitz getroffen wurde. Barbara gehört zu den 14 Nothelfern. Sie ist Patronin der Bergleute und -wegen des präzisen Blitzschlags- der Artilleristen. Der Kelch in ihrer Hand versinnbildlicht die einem Sterbenden gereichte letzte Kommunion (Viatikum) und verweist auf ihre Funktion als Sterbepatronin. Festtag: 4.Dezember
Mittelteil
Über dem Altarblatt ist eine Kartusche angebracht, in der auf rotem Grund ein weißes Kreuz, zu sehen ist. Die im 18.Jh. (andere Quelle: um 1680) geschnitzte Figur von Sebastian steht in der Mitte des Altars in einer von einem Baldachin überdachten Nische. Sebastian ist unter Verrenkung der Arme und Beine an den Marterbaum gebunden und von Pfeilen durchbohrt.
Im Verzeichnis der Kunstdenkmale des Königreichs Bayern von 1895
17) wird die Figur wie folgt bewertet: "Ein vorzügliches Werk ist die bemalte Holzfigur des hl. Sebastian auf dem südl.Seitenaltar. Der jugendliche Heilige ist, nur mit Lendentuch bekleidet, an einem Baumstamm gefesselt. Um Mitte des 17. Jh. H. 1 m."

St.Sebastian
Hinweis: Sebastian soll nach der Legende im 3.Jh.ein Offizier der kaiserlichen Garde gewesen sein. Auf Befehl des Kaisers Diokletian wurde er wegen seines Glaubens mit Pfeilen durchschossen. Er erholte sich aber durch die Pflege der Witwe des Märtyrers Kastulus, bekannte sich erneut zu seinem Glauben und wurde daraufhin mit Keulen erschlagen. Auf seine Anrufung hin, soll eine Pestepidemie abgewendet worden sein.  Der heilige Sebastian wird deshalb  als Pestpatron und -der Pfeile wegen- als Patron der Schützenbruderschaften verehrt.
Baldachin. Festtag: 20. Januar
Altartisch
Auf dem Altartisch des rechten Seitenaltars steht eine Figur des hl. Leonhard, um 1700, mit einem reifenförmigen Heiligenschein, an dem Sterne befestigt sind. Das erste Attribut, den Abtsstab hält er in der Hand, Hufeisen sind neben ihm an die Predella angebracht und die weiteren Attribute, die Hand- und Fußketten sowie das Buch, das ihn als Verkünder des Evangeliums ausweist, werden von zwei kleine Engel darüber gehalten.
St.Anna
St.Leonhard
Hinweis: Leonhard (in Bayern einer der 14 Not-helfer) lebte um das Jahr 500 als Einsiedler und später als Abt in Frankreich. Regelmäßig besuchte er die Gefan-genen und erreichte beim König Clodwig I., dass viele von ihnen freigelassen wurden. Deshalb galt er ursprünglich als Schutzpatron derer, "die in Ketten liegen", also der Gefangenen - und der Geisteskranken, die man bis ins 18. Jh. ankettete. Als die Leonhardsverehrung nach Deutschland kam,
  hat man ihn wegen der Ketten, mit denen er in Frankreich abgebildet war, als Patron der Haustiere verehrt, weil man diese Ketten als Viehketten missdeutete. In Bayern erreichte die Leonhardsverehrung im 19.Jh ihren Höhepunkt. Man nannte ihn auch den "bayerischen Herrgott". Am Leonhardstag, dem 6. November werden Leonhardiritte abgehalten und Tiersegnungen vorgenommen.

Vor den Seitenaltären stehen prächtige Votivkerzen. Eine ist mit dem Wachsbild der Niederrother Kirche geschmückt. In der Widmung auf dem Schriftband sind die Stifter, die Fam. Prummer und das Datum 1.Juli 1988 genannt.

Votivkerze
Die andere Kerze hat einen gedrehten Schaft, in den Rosenblüten aus Wachs eingearbeitet sind.

 

Taufstein

Vor dem rechten Seitenaltar steht der Taufstein mit seinem profilierten und mit Riefen besetzten achteckigen Becken. Er besteht aus rotmarmoriertem Holz und ist ein Werk im Stil des ausgehenden 18. Jh. Sein Deckel ist durch eine Aufsatzgruppe aus dem 20.Jh geschmückt. Sie besteht aus Johannes dem Täufer, der in der linken Hand einen Kreuzstab hält und aus Jesus, den Johannes mit der rechten Hand tauft. Das in ähnlichen Darstellungen übliche Schöpfgerät in der Hand von Johannes (Muschelhälfte oder Schale) fehlt hier. Der Kreuzstab gilt, seit Kaiser Konstantin d. Gr. ihn als Feldzeichen führte, als Symbol der Macht.
 

Hinweis: Die Taufe der frühen Christen fand ursprünglich im Freien statt, überall dort, wo fließendes oder stehendes Wasser vorhanden war. Mit der Verlegung der Taufe in den Kircheninnenraum schuf man dort eigene Taufbecken. Als sich im 11.Jh die Praxis der Kindertaufe weitgehend durchsetzte, begann man mit der Errichtung erhöhter Taufgefäße; die Bodenbecken erwiesen sich für die Kindertaufe als weniger geeignet. Das Taufbecken ist meist aus Stein. Taufbecken und Deckel sind meist mit ornamentalem oder architektonischem Zierrat geschmückt.
In der Barockzeit wurde auf dem Deckel häufig die Taufe Jesu figürlich dargestellt; dies geht auf
Empfehlungen des Konzils von Trient (1545 bis 1563) zurück. Das Taufbecken hat in der Regel -so wie in Nieder-roth- eine achteckige Form, weil die Zahl acht und das Achteck als Symbol für


Taufsteinfiguren
  Erneuerung, Wiedergeburt und Herrschaft angesehen werden. Die Taufe gilt als der achte Schöpfungstag. Schon im 4.Jh hat der Kirchenvater Ambrosius von Mailand über einer Taufkapelle die Inschrift anbringen lassen:
"Mit acht Nischen erhebt sich der Tempel zu göttlichem Dienste
Achteckig eingefasst ist der Quell, würdig für das heilige Geschehen.
In der mystischen Acht muss das Haus unserer Taufe erstehen,
denn darinnen wird allem Volk ewiges Heil geschenkt"
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Kirchenbänke
Die Kirchenbänke (1787 von Josef Lorenz gesetzt) wurde bei der letzten Renovierung unter Verwendung der alten Schnitz-Wangen aus der Rokoko-zeit erneuert. Das Grundmuster der Wangen gleicht denen der Kirchenbänke in Schwabhausen und Sulzemoos.

Kirchenstuhl-wangen
Hinweis: Kirchenstühle gab es nicht von
Anfang an in den Kirchen. Die ersten 1500 Jahre standen die Gläubigen oder bewegten sich langsam im Raum. Lediglich für Alte und Schwache gab es einige Stühle an den seitlichen Wänden. Ohne Kirchenstühle fasst eine Kirche viel mehr Menschen; bei dichtem Gedränge während des Gottesdienstes schien der Raum voller Bewegung zu sein. Das feste Gestühl wurde zum Spiegel einer disziplinierten Gemeinschaft, in der jeder seinen festgefügten Platz hatte. Im 16.Jh. wurden zuerst die evangelischen Kirchen mit Bänken ausgestattet, weil dort die Predigt als Medium der Heilsvermittlung einen größeren Raum einnimmt; beim Sitzen ist der Zuhörer aufmerksamer, geduldiger und ruhiger. Die katholischen Kirchen zogen erst später nach. Die Bestuhlung war einer der Gründe, dass die Kirchen zu Beginn der Barockzeit vergrößert werden mussten.
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Kreuzweg-Stationsbilder

Die 14 Stationen des Kreuzweges, die an den Wänden des Chores und des Kirchenschiffs angebracht sind, sollen von Josef Zoll (1770-1833), einem Porträtmaler in München, 1789 gemalt worden sein. Der Künstler, der auch in Straßbach tätig war, erhielt für die Bilder 60 Gulden und 30 Kreuzer 19).

Diese Zuschreibung dürfte allenfalls für frühere Kreuzwegbilder gelten, denn die heutigen
Kreuzwegbilder in Niederroth gehören zu den Bildern, für die der bekannte Nazarener-Maler Joseph von Führich aus Wien (1800-1876) um die Jahre 1844/46 die Vorlage geschaffen hat. Sie wurden somit frühestens um 1850 gemalt.



Joseph von Führich
(auch "Theologe mit dem Stifte" genannt) war durch seine Kreuzwegbilder international bekannt geworden. Als Kupferstiche verbreiteten sie sich über ganz Europa und unzählige Maler (darunter auch Anton Huber für Petershausen, Franz Mayr für Kreuzholzhausen und Anton Rick für Röhrmoos) benutzten sie als Vorlage für ihre Kreuzwegtafeln. Aus diesem Grund gleichen sich die Kreuzwegbilder in mind. 19 Kirchen des Dachauer Landes in hohem Maße.
Hinweise: Seinen Ursprung hat der Kreuzweg übrigens im Brauch der Pilger, bei Wallfahrten nach Jerusalem den Leidensweg Jesu nachzugehen. Wenn Sie mehr über die Geschichte des Kreuzwegs und seine Darstellungen in Kirchen des Landkreises erfahren wollen, klicken Sie hier...


Apostelleuchter
Unter den Kreuzwegstationen sind -über das Kirchenschiff verteilt- die Apostelleuchter vor den auf die Wand gemalten Apostelkreuzen angebracht.
  Hinweis: Die Apostelleuchter erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen  mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlischen Jerusalems.

Apostelkreuze
Sie können sich auch eine Zusammenstellung der schönsten Apostelleuchter in den Kirchen des Landkreises Dachau
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Epitaphe

In der Kirche befinden sich mehrere Grabplatten (Epitaphe):

1560
Im Chorraum links:  die Grabplatte für Pfarrer Gabriel Laininger (Pfr. in Niederroth um 1560), in deren oberem Teil ein Priester am Altar mit Kelch und Hostie als Relief dargestellt ist. Die Jahreszahl für das Sterbedatum ist nicht ausgefüllt. (Sandstein, Größe 98 x 51 cm).

1671
Im Chorraum rechts: die Grabplatte von Pfr. Benedikt Winter (gest. 16.10.1671 im Alter von 60 Jahren), der 10 Jahre lang Pfarrer in Niederroth war. Im unteren Teil ist ein Kelch mit Hostie abgebildet
(Solnhofener Plattenkalk, Größe 77 x 53 cm).

1696
Im Langhaus links: die Grabplatte von Urban Seggl (gest. am 7.Sept.1696 im Alter von 54 Jahren).
Im oberen Teil der Tafel sind
- ein Kelch mit Hostie (Zeichen für Priester),
- ein gekreuzter Spaten (Beerdigung) und eine Sense (Tod),
- ein Totenkopf mit gekreuzten Oberschenkelknochen (Zeichen für die geschwundene Kraft der Lenden) und
- eine Taube mit einem Ölzweig (Zeichen der Versöhnung und des Friedens mit Gott) oder
- einer Rose (Zeichen der Verschwiegenheit/Beichtgeheimnis)
eingraviert (Solnhofener Plattenkalk, Größe: 43 x 35 cm).

1841
Ebenfalls im Langhaus ein Epitaph von 1814 für Pfarrer Adam Nieter, der im Alter von 69 Jahren starb
(Rotmarmor, Größe: 137 x 64 cm).
 

Rechts die Grabplatte von Johannes Michael Keller (oder Höller), der am 6.Juni 1747 gestorben ist
(Solnhofener Plattenkalk, Größe: 45 x 45 cm).
sowie
das Epitaph für Michael Prummer, gestorben am 11.11.1825 (Solnhofener Plattenkalk, Größe: 59 x 55 cm).


Kanzel

Die von der Sakristei aus begehbare Kanzel mit geschweiftem, vorgebauchten Korb ist rot, grün und grau marmoriert und mit vergoldeter Rocailleornamentik versehen.
Sie wurde 1788 von Kistlermeister Josef Lorenz aus Indersdorf gefertigt (144 Gulden).
Der vorgebauchte Korb ruht auf einer trichterförmigen Konsole, die ganz unten in einer Figur endet: Ein kleiner Engel lehnt ganz lässig an einer Volute (= spiralförmige Einrollung).

Der Schalldeckel ist an der Unterseite mit einer vergoldeten Hl. Geist-Taube auf blauem Grund geschmückt. Oben bläst zwischen plastischen Akanthusverzierungen ein Putto die Posaune. Er stellt den apokalyptischen Engel dar, der zum Jüngsten Gericht ruft und über den die Bibel als einzigen berichtet, dass er fliegen kann.  34


Kanzel 1788

Das Motiv des Posaunenengels geht auf Papst Leo I. (440-461) zurück, der schreibt, dass von der Kanzel die Posaune des Evangeliums ertöne.

Hinweise: Die Predigt wurde in altchristlicher Zeit -ähnlich wie heute- von einem Ambo aus gehalten. Ab dem 13. Jh. hat man Kanzeln gebaut, die zumeist seitlich im Mittelschiff ihren Platz haben, dort, wo die Gemeinde versammelt ist. Von hier aus konnten die Prediger auch von oben herab sprechen, was ihren Worten größere Wirkung verleihen sollte. Spätestens seit dem 2.Vatikanischen Konzil 1962 werden sie nicht mehr benutzt.
 
Die Gestalt der Taube für die künstlerische Darstellung des Heiligen Geistes gründet sich auf den Bericht der Taufe Jesu im Neuen Testament. Danach fuhr der Heilige Geist in leiblicher Gestalt auf Jesus hernieder wie eine Taube (Lk., 3,22). Obwohl dies nur bedeutet, dass sich der Geist bewegte wie eine Taube, nicht aber aussah wie ein Vogel, hat man die Taube als Symbol für die sonst nur schwer greifbare dritte Person Gottes gewählt. Das Konzil von Nicäa im Jahr 325 hat dies sogar empfohlen. Papst Benedikt XIV verbot 1745 die Darstellung der dritten göttlichen Person in Menschengestalt, wie sie vereinzelt immer noch vorkam.


Kanzelkreuz und Mater Dolorosa


An der Südwand hängt ein großes ausdrucksvolles Kruzifix (Kanzelkreuz) aus dem Beginn des 18.Jh. mit später erneuerter Inkarnat- (=fleischfarbig) und Goldfassung. Jesus hat sein Haupt im Tode nach rechts geneigt; es ist von dem nur den göttlichen Personen vorbehaltenen dreistrahligen Heiligenschein umgeben. Aus den Wunden der Hände, der Füße, der Knie, der Seite und an der Stirn unter der Dornenkrone tropft Blut. Das um die Hüften geschlungene Lendentuch ist vergoldet; es wird nur durch einen Strick gehalten und flattert im Wind. Die Füße sind, wie im Barock üblich, überkreuzt mit einem Nagel an das Holz geheftet (sog. Dreinagel-typus).
Hinweis: Das Kreuz heißt Kanzelkreuz, weil es in der Regel der Kanzel gegenüber an der Wand angebracht ist. Es erinnert den Prediger an den 1.Korintherbrief (1,3), in dem der hl.Paulus schreibt: "Wir predigen Christus als den Gekreuzigten". Die Ansprache soll nicht weltliche Dinge, sondern den Tod und die Auferstehung Christi zum Inhalt haben.
  


Kanzelkreuz
Unter dem Kreuz steht -fast lebensgroß- die Mater dolorosa, die Figur der Schmerzhaften Muttergottes aus dem 18.Jh.. Sie ist in ein Gewand mit stark bewegtem Faltenwurf gekleidet. Das Kleid ist rot, der Umhang blau und goldfarbig: es sind die traditionellen Marienfarben. In der Brust Marias steckt ein langes Schwert. Ihr Haupt ist von einem Kranz mit Sternen umgeben. Das Schwert erinnert an das Simeonwort im Lukasevangelium (Kap 2,35) bei der Darstellung im Tempel: "Dir selbst wird ein Schwert durch die Seele dringen", die zwölf Sterne weisen auf die Apokalyptische Frau, die Johannes in der Geheimen Offenbarung beschrieben hat.

Mater dolorosa


Vortragekreuze

 An den Kirchenbänken sind zwei einfache Prozessionslaternen aus Messing sowie mehrere Vortragekreuze in neubarockem Stil befestigt.
Ein Vortragekreuz hat eine rötliche Kreuzfläche mit goldener Rahmung und versilbertem Korpus.
Es dürfte bei Prozessionen Verwendung finden.
  
Vortragekreuze
Ein weiteres Vortragekreuz ist für Beerdigungen vorgesehen. Der Kreuzesstamm ist schwarz gefärbt, die Tragestange schwarz-weiß gestrichen. Unter dem mit Goldverzierungen geschmückten Kreuz ist ein Totenkopf angebracht.
 
Hinweis: Vortragekreuze werden beim Kirchenein- und Auszug, Prozessionen, Wallfahrten sowie bei Beerdigungen vorangetragen. Dies geht zurück auf das Jesuswort "Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach". Bei Gebetsprozessionen (Bittgängen, Kreuzweg) wird der Corpus des Kreuzes zu den nachgehenden betenden Menschen gedreht, damit sie den Gekreuzigten vor Augen haben. Bei anderen Prozessionen, z.B. an Fronleichnam und beim Ein- und Auszug zeigt der Corpus in die Gehrichtung, d.h., er weist ihnen den Weg. Die ältesten Vortragekreuze stammen schon aus dem 6.Jh.
Bei Beerdigungen werden durch das Vortragekreuz die vom Priester gesprochenen Worte:
"Jesus geht uns voraus - wir werden ihn sehen" sowie
"Das Zeichen unserer Hoffnung, das Kreuz unseres Herrn Jesus Christus sei aufgerichtet über deinem Grab" sinnfälliger.


Figuren an den Wänden des Kirchenschiffs

An der Langhauswand ist eine Statue des hl.Johannes Nepomuk (mit Kreuz mit der rechten Hand) angebracht. Die Figur wurde um 1760/70 geschnitzt. Nepomuk ist im Stil eines Domherrn des 18.Jh. mit Rochett, Mozetta und Birett bekleidet. Die Mozetta, das mit einer Knopfreihe vorn geschlossene Schultertuch, ist dem höheren Klerus vorbehalten. Das Wort kommt vom italienischen Wort für "abgeschnitten". Rochett (it.Rock) bezeichnet ein mit Stickereien verziertes weißes Hemd, das über dem schwarzen Talar getragen wird. Das Birett ist eine quadratisch geformte Mütze mit vier Stegen (Kardinäle nur drei Stege), das außerhalb des Gottesdienstes den Kopf der Priester bedeckt.

St.Johannes
Nepomuk
Hinweis: Johannes aus Pomuk, "ne Pomuk", war Ende des 14.Jh Generalvikar des Erzbischofs in Prag und machte sich beim König Wenzel wegen seines energischen Auftretens für die Rechte der Kirche unbeliebt. Der ließ ihn am 20. März 1393 gefangen nehmen, foltern, brannte ihn selbst mit Pechfackeln, ließ ihn durch die Straßen schleifen und schließlich in der Moldau ertränken. Die Legende berichtet, der eigentliche Grund sei gewesen, dass Johannes, der auch Beichtvater der Königin war, dem König keine Auskunft über die Sünden seiner Frau gegeben habe. Das 1215 eingeführte Beichtgeheimnis hat in der kath.Kirche einen hohen Stellen-wert. Der Fundort der Leiche in der Moldau wurde durch eine Erscheinung von fünf Sternen geoffenbart. Nepomuk ist neben Maria der einzige Heilige, der mit Sternen geschmückt ist. Die Verehrung von Nepomuk ist zwar schon seit 1400 nachweisbar; sie war aber nicht sehr umfangreich und zudem auf Prag beschränkt. Sein Denkmal auf der Prager Karlsbrücke, das 1693 errichtet wurde, machte ihn zum Brückenheiligen. Erst als man über 300 Jahre nach seinem Tod, im Jahre 1719, bei der Öffnung des Grabes in der Prager Veitskirche die Zunge des Heiligen unverwest vorfand, hat die Verehrung an Dynamik gewonnen. Im Jahre 1721 wurde der Kult von Rom anerkannt, am 19.3.1729 folgte die Heiligsprechung durch Papst Benedikt XIII. Noch im gleichen Jahr wurde Nepomuk von Kurfürst Karl Albrecht zum Landespatron von Bayern (18.8.1729) erklärt. Die Jesuiten förderten die Verehrung kräftig und nach kurzer Zeit stand die Nepomukfigur auf vielen Brücken und in vielen Kirchen. Nepomuk war der Modeheilige der Rokokozeit. Festtag: 16.Mai

An der nördlichen Langhauswand ist eine an der Geißelsäule stehende Jesusfigur (Geißelheiland) zu sehen. Jesus ist mit Handschellen an die Steinsäule (in Balusterform) gekettet. Sein Leib ist mit Wunden übersät. Das um die Hüften geschlungene Lendentuch, in der Kunst auch Perizoma genannt, ist vergoldet (um 1760).

Geißelheiland
Hinweis: Die ersten Darstellungen von Jesus an der Geißelsäule entstanden zwar schon im Mittelalter. In den Landkreis Dachau gelangten vereinzelte Bilder jedoch erst im 17.Jh. Die große Verbreitung dieser Darstellungen setzte noch 100 Jahre später, nach dem Wunder in der Wies (1738) ein. Der Heiland auf dem Bild beim Wiesbauern bei Steingaden soll Tränen vergossen haben. Daraufhin setzte eine Wallfahrt ein und die berühmte Wieskirche wurde gebaut. Die meisten der rd. 15 Geißelheiland-Darstellungen im Landkreis Dachau wurden nach dem Vorbild des Wies-Heilands gestaltet; so auch in Niederroth.
 
Am Mittelpfeiler des Gewölbes, das die Empore trägt, steht eine neubarocke Figur des Guten Hirten mit einem Schaf auf den Schultern. Jesus ist auf einen Hirtenstock gestützt. Der Kopf ist nach oben gewandt, sodass sein Gesicht für die Kirchenbesucher kaum zu erkennen ist.

Guter Hirte
Hinweis: Die Darstellungen des Guten Hirten mit einem Schaf auf seinen Schultern waren in der Frühzeit auf die Sündenvergebung bezogen (Mt. .18,12-14). In der Barockzeit trat die von Jesus auf die Priester übertragene Hirtenfunktion in den Vordergrund und damit dessen Hauptaufgabe, die Verkündigung des Evangeliums.

Am Aufgang zur Empore steht eine Nachbildung des Muttergottes-Gnadenbildes von Altötting. Sie ist in ein graues Gewand mit dem gleichen Schnitt wie in Altötting gekleidet. Die Muttergottes ist mit einer Krone in Form einer flachen Mütze gekrönt; die Zacken der Krone sind reliefartig aufgetragen. Maria trägt das bekleidete Jesuskind auf dem rechten Arm. In der Linken hat sie ein Zepter. Das Jesuskind hält in seiner Hand einen Apfel, die Vorläuferform des Reichsapfels (20.Jh).
  Hinweis: Der Apfel ist Sinnbild des Paradiesapfels und damit des Sündenfalls. Jesus nimmt den Apfel entgegen und überwindet durch seinen Tod die Erbsünde. Der meist vom Kreuz bekrönte Reichsapfel ist Teil der Insignien christlicher Herrscher. Er versinnbildlicht den Erdball. Die ersten Darstellungen stammen aus dem Konstantinopel des 4./5. Jh. In Deutschland findet der Reichsapfel erst 1191 bei der Kaiserkrönung Heinrichs VI. (1165-1197) Erwähnung.

Hinweis: Das aus Lindenholz geschnitzte Gnadenbild von Altötting ist wohl um 1330 am Oberrhein entstanden und kam um 1360 als Geschenk des Zisterzienserkloster Raitenhaslach nach Altötting. Die Figur war ursprünglich wohl rosa bemalt. Wahrscheinlich ist die schwarze Farbe im Laufe der Jahrhunderte durch Nachdunklung des Holzes und durch den Kerzenrauch in der engen Kapelle entstanden. Manche Historiker glauben auch, dass sie bewusst gefärbt wurde und verweisen auf das Hohe Lied des Salomons aus dem Alten Testament: "Schwarz bin ich, doch schön". Schwarze Madonnen galten im späten Mittelalter als besonders wundertätig. Dies mag seinen Grund auch darin haben, dass die schwarzen Madonnen besonders alt sind und ihnen deshalb eine größere Anzahl von Erhörungen zugeschrieben werden kann.


Gnadenbild
von Altötting

 



Weihwasserbehälter
  
Weihwasser-behälter
Gegenüber der Muttergottesstatue steht der Weihwasserbehälter aus Holz, mit Eisenbändern zusammen-gehalten und mit einem eingravierten Christusmonogramm geschmückt. Am unteren Ende ist ein Wasserhahn angebracht. In diesem Weihwasserbehälter (Weihbrunnen) wird das in der Osternacht geweihte Wasser aufbewahrt, damit es von den Niederrother Gläubigen für die Gräber und für die Wohnung entnommen werden kann. Weihwasser hat nur eine symbolische Bedeutung und soll an die Taufe erinnern.



Opferstock

In der Nähe des Eingangs steht ein schöner alter Opferstock (Höhe 96 cm) aus Schmiedeeisen mit drei Schließgurten auf Metallfüßen. Er dürfte noch aus der Zeit vor 1629 stammen, denn damals wurden drei Opferstöcke der Pfarrei beschrieben. Einer in der Pfarrkirche, einer in Karpfhofen und einer "an der Heiligensäule vor dem Dorf auf der Straße nach Dachau" 19).

Opferstock
In den Kirchen des Landkreises Dachau gibt es viele unterschiedliche, außerordentlich interessante Opferstöcke.
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Empore und Orgel

Die Empore mit ihrem Kreuzgratgewölbe und Segmentbögen ruht auf einem achteckigen Mittelpfeiler. Die Brüstung ist verputzt und weiß gestrichen. Sie war im gotischen Kirchenbau vorhanden, der um 1600 errichtet wurde.

Die Orgel ist rund 250 Jahre alt. Sie stammt aus dem ehemaligen Kloster Taxa bei Odelzhausen, das bei der Säkularisation 1802 aufgelöst und abgerissen wurde. Dort diente sie als sog. kleine Orgel (die größere steht heute in Altomünster). 24)

Bei der Versteigerung der Kircheneinrichtung hat die Pfarrei am 15.Juli 1802 die Orgel um 110 Gulden erworben 19).
Vor dem Aufstellen in Niederroth wurde sie repariert.
Die Orgel ist ein einmanualiges Werk mit fest angekoppeltem Pedal und ursprünglich sechs, jetzt acht klingenden Registern. Alle Holzregister und das Salicional (ein Metallregister) sind noch original erhalten.

Orgel aus Taxa

Der bescheidene nachklassizistische Orgelprospekt mit  einem barocken Engelaufsatz stammt aus der ersten Hälfte des 19.Jh.
Die Schleierbretter sind im Stil des Frührokokos bemalt. Schleierbretter sind Holzschnitzereien, die der Zierde der Orgel dienen und die Leerräume zwischen Pfeifen und Gehäuserahmen verschleiern.
 

Disposition der Orgel (nach Brenninger - Stand 1975-) 10) :
Manual (C-c'''): Principal 8', Dolce 8', Salicional 8', Flöte 8', Gedeckt 8', Flöte 4', Mixtur 2,
Pedal:  (C-f):       Subbass 16',angehängt

Die Schleierbretter sind im Stil des Frührokokos bemalt. Im Jahr 2002 wurde die Orgel von der Orgelbaufirma Heick aus Regensburg restauriert. Dabei wurde die ursprüngliche Windzufuhr durch ein modernes Gebläse ersetzt. Früher musste ein Helfer die oberhalb der Orgel im Dachboden angebrachten Blasebälge mittels zweier Seile - wie beim Glockenläuten- bedienen.

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  Hinweis: Mit ihren vielen Pfeifen, die über ein Gebläse zum Klingen gebracht werden, steht die Orgel meist im rückwärtigen Bereich der Kirche auf der Empore. Sie hielt erst allmählich Einzug in die Kirchen, weil sie bis in das 11. Jahrhundert als profanes (weltliches) Instrument galt, das für das höfische Zeremoniell verwendet wurde. Erst ab dem 13. Jh wurde es zur Regel, in allen bedeutenden Kirchen Orgeln zu errichten. Heute gehört eine Orgel zur Ausstattung fast jeder Kirche. Mit ihrer Klangvielfalt und Klangfülle trägt sie zur Verschönerung des Gottesdienstes bei. Der Orgelprospekt, die Schauseite der Orgel, wurde früher meist durch Künstler gestaltet. Im Barock und im Klassizismus, deren Epochen unsere ältesten Orgeln im Landkreis Dachau angehören, wurde der Prospekt mit reicher Ornamentik verziert. Heute setzt sich immer mehr der "offene" Orgelprospekt durch, der allein durch die harmonische Anordnung der Pfeifen wirkt.




Ausgelagerte Liturgische Geräte

Auch an liturgischen Geräten besitzt die Pfarrkirche einige Kostbarkeiten: 19)

Kelche:      Einer wurde im Jahr 1710, ein anderer 1730 (Goldschmied Franz Thaddäus Lang) und ein dritter um 1770 gefertigt.
                 Alle Kelche sind Augsburger Arbeiten.
Ziborium:   Vom Münchner Goldschmied Johann Georg Oxner, aus der Zeit um 1700, mit montierten, getriebenen Medaillons der
                 Darstellungen "Letztes Abendmahl". Von Oxner stammt auch eine wertvolle Silber-Büste des hl.Jakob in der
                 Dachauer Kirche.
Reliquiare: Kreuzreliquiar und Georgsreliquiar aus der Rokokozeit
Messkännchengarnitur als Gürtlerarbeit, sowie ein
Zinnteller   von Johann Georg Teufel, München 1756.


Pfarrhof

Den heutigen Pfarrhof in Niederroth gibt es seit dem frühen 18.Jh. Natürlich gab es schon früher einen Pfarrhof, denn der Pfarrer wohnte schon immer in einem eigenen Haus.
1524 hieß es in der Sunderndorfer'schen Matrikel, das Pfarrhaus in Niederroth und die dazugehörenden Wirtschaftsgebäude seien von schlechtem Bauzustand und bedürften dringend einer Erneuerung 01) .
1632 ff. Im 30jährigen Krieg wird wohl auch das Pfarrhaus gebrandschatzt oder geplündert worden sein, da die Kirchenmatrikel in Niederroth erst mit dem Jahr 1649 beginnen. Dafür spricht auch, dass
1653 der Zimmerer Peter Zehentmair aus Eisenhofen einen Überschlag für den Pfarrstadel und das Backhaus 15),
1656 der Zimmerer Georg Pürckh aus Röhrmoos eine Kostenschätzung für den Pfarrhof erstellte 11) .
Im gleichen Jahr wurde der Zimmerer Georg Sturmb aus Niederroth für die Erweiterung des Pfarrstadels entlohnt 15).
1716 In den Jahren 1716 bis 1729 hat man einen neuen Pfarrhof in Niederroth wurde in den Jahren 1716 -1729 von dem Maurerpalier Georg Stubenpökh aus Weyhern errichtet, der die Tätigkeit von Jakob Reggauer aus Glonn 15) nach dessen Tod 1716 weiterführte 11).
Andere Quellen schreiben den Bau dem Maurermeister Hans Maurer aus Hirtlbach zu 8). Der Kistler Martin Schwarzenpacher lieferte die Schreinerarbeiten.
13)
1729 Nach dem Pfarrhaus wurde auch der Pfarrstadel errichtet.
1877

Dieser Stadel stand 150 Jahre; 1877 hat man ihn abgetragen. Denn im Amperboten vom 23.5.1877 war zu lesen 6):
  "Versteigerung. Am Pfingstdienstag den 22.Mai Nachmittags 1 Uhr wird das vom niedergelegten Pfarr-Oekonomiestadel zu Niederroth vorhandene Holz, dann sehr gut erhaltene Läden von 2 Stadeltennen, sowie ungefähr 15.000 alte gutgebrannte Ziegelsteine gegen Baarzahlung öffentlich versteigert."
Das klingt nach endgültigem Abbruch; doch es betraf nur den Stadel und den Kuhstall. Der Pferdestall stand noch zur Jahrhundertwende.

1953

Pfarrhof

1953 hat man den "überaus feuchten und unhygienischen" Ökonomiepfarrhof abgebrochen.
Das neue Pfarrhaus wurde im gleichen Jahr für 40.000 DM errichtet und am 8.11.1953 eingeweiht. Es besteht noch heute.

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Das Pfarrwidum, (der Bauernhof des Pfarrers) hatte die Größe eines mittleren bis großen landwirtschaftlichen Betriebs.
1830 umfasste es 85 Tagwerk =28 ha. (Äcker: 56 Tagw. 33 Dezimale, Wiesen: 26 Tw.63 Dez); Wald 97 Dez.; Garten: 1 Tw..
1882 war es unwesentlich größer: 87 Tagwerk (davon 60 Tagwerk Ackerland und 27 Tagwerk Wiesen).
Zum Viehbestand zählten 39 Stück Kühe, 1 Stier, 3 Ochsen und 6 Pferde.
An Dienstpersonal hatte der Pfarrer 4 Knechte und 4 Mägde.
Heute sind die Pfarrgründe verpachtet. 19)

Hans Schertl


Quellen:
01)
Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
02) Stumpf,Pleikard, Geographisch-statistisch-historisches Handbuch des Königreiches Bayern, 1852
03) Königl.-bayer. Kreis-Amtsblatt v.Oberbayern, Erledigung der Pfarrei, 1858,(Ausschreibg Pfarrei u. Mess-Stiftung1857)
04) Arthur von Ramberg, Joseph Heyberger, Topogr.-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern, Band 5, 1867 (Statistik)
05) Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1880 (774 S.162)
06) Amperbote vom 23.Mai 1877 (Versteigerung Pfarrstadel)
07) Theodor Bitterauf, Traditionen d.Hochstifts Freising,1909 (Nr.705,720a Cozroh mit Übersetzung 17,739,1044,1057,1067)
08) Max Gruber, Zwei Dorf-Genies aus dem Dachauer Land: Ulrich Gailler und Hans Maurer, 1968/4 (Pfarrhaus)
09) Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
10)
Georg Brenninger, Orgeln und Orgelbauer im Landkreis Dachau, Amperland 1975/3
11) Max Gruber, Für Dachau tätige Architekten und Maurermeister, Amperland 1982/3 (Stubenpöckh, Underberger)
12) Jakob Mois,Konsekrationsbuch des Fürstbischofs Eckher, 1982 (Altarweihe 1707)
13) Max Gruber, Im Amperland tätige Kistler, Schreiner, Tischler und Schneidkistler, Amperland 1986/3
14) Josef Mass, Geschichte des Erzbistums München und Freising, 1986 (Wallfahrt Andechs)
15) Max Gruber, Im Amperland tätige Zimmermeister, Amperland 1986/4 (Pürckh, Regauer, Undsberg, Zehentmair,Sturmb)
16) Gottfried Weber, Die Romanik in Oberbayern, 1990
17) Bezold/Riel, Kunstdenkmale des Königreichs Bayern, 1895
18) Dr.Stefan Nadler, Kunsttopographie des Erzbistums München und Freising, 1992
19) Simon Osterauer, Pfarrkirche St. Georg, aus: Niederroth - Ein Dorf im Dachauer Land, 1995
20) Robert Böck, Kirchenrechnungen Landgericht Dachau, 1996 (1689)
21) Helmut Rumrich, Anton Blank, Priester und Ordensberufe in Röhrmoos, Röhrmooser Heimatblätter 2016 (Pfarrerliste)
22) Dachauer SZ vom 26.3.2002
23) Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres 1560, 1986
24) Tobias Zauscher, Die Aufhebung des Augustinerklosters Taxa 1802, Amperland 2003/3
25) Dachauer Nachrichten v. 17./18.4.2004,
26) Dachauer Nachrichten v. 8.9.2004,
27) Dachauer Nachrichten v. 11.7.07 (Dotationsgut),
28) Dachauer Nachrichten v. 6.9.2010 (Glockenablieferung)
29) Kiening, Genealogie (Franz Arnoldt)
30) Eckart Bieger, Das Bilderlexikon der christlichen Symbole, 2011 (Tabernakelengel, Bauform)
31) Dachauer Nachrichten vom 13.2.2013 (Pfarrverband)
32) Dr. Dieter Morsch, Die Kirchen im Pfarrverband Indersdorf 2014 (got.Decke,1787/88,Lorenz,Walter,Aufsatzbilder)
33) Robert Stocker, Damals in Rota, Dachauer SZ vom 15.4.2016 (769)
34) Bibel, Offenbarung 6,13): "Und ich sah und hörte einen Engel fliegen mitten durch den Himmel und sagen mit großer
     Stimme: Weh, weh, weh denen, die auf Erden wohnen, vor den andern Stimmen der Posaune der drei Engel, die noch
     posaunen sollen!"

35)
Dr Heisig, Kunstreferat des Ordinariats München und Freising, Kunstfahrt 2014 (Buskirche)
36)
Oberbayerisches Archiv für vaterländische Geschichte, herausgegeben v.historischen Verein von und für Obb.-1843
37) Lorenz Westenrieder, Statistische Beschreibung des churfürstl. Landgerichts Dachau, 1792
(Straßenzustand, Pieta)
38) Hochfürstl-Freysingischer Hof-u.Kirchenkalender von 1792, S.96 (Pfr Hutterer)
39) Hochfürstl-Freysingischer Hof-u.Kirchenkalender von 1774, S.74 (Pfr Sifferlinger)
40) Joseph von Obernberg, Reisen durch das Königreich Baiern, S.419, 1816
41) Dachauer Nachrichten vom 8.Mai 1968 (Kirchenrektor Eckher)
42) Johan Huizinga, Herbst des Mittelalters, 1919, S. 348, ISBN 978-3-15-020366-8
43
) Sigrid Gensichen, Auratisierte Materie, in: Die Eremitage von Schloss Favorite Rastatt, 2018

58 Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

12.3.2018

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Alte Zeitungsberichte über die Pfarrei Niederroth...       Zehent-Streit mit Kloster Rott...
Beschreibung von Niederroth 1792

  



Pfarrerliste


Pfarrer

von - bis
  Pfarrer
von - bis
Wernher   
  ließ sich 1437 in die Fraternität des
  Klosters Indersdorf aufnehmen
      -1437
Johann Georg Gerstl
1814-1821
Michael Prummer
1821-1823
Ulrich Valkel
1438-     
Ignaz Saller
1824-1827
Michael Deininger
Thomas Reif
1827-1835
Michael Zerrer  
  danach Vertreter des Landkapitels
  zum Provinzialkonzil nach Salzburg
1524-1549
Leonhard Mertl
1835-1845
Wendelin Nussbaumer
1846-1858
Gabriel Laming(er) siehe Bild rechts
1551-1560>
Jacob Wilhelm
1858-1863
Michael Seidl
Nicolaus Vogl
1864-1890
Johann Laimer/Lainig
1576-1626
Franz Festing
1891-1899
Georg Christoph
1627-1634
Matthäus Müller
1899-1924
-- unbesetzt --
1635
Ferdinand Frech
1925-1930
Johann Stephan
1636-1649
Johann Ev. Hintermayr
1930-1936
Balthasar Grandauer
1649-1661
Josef Lamprecht (Vikar) 21)
1936
Benedikt Winter
1661-1671
Ludwig Küffner
1936- 1949
Dr. Urban Seggl
1671-1696
Leonhard Radinger
1949-1967
Johann Ballauf
1696-1723
Dr. Roman Ecker
vorher Kirchenrektor im Karmelkloster
41)
1968-1979
Johann Michael Rölle
1723-1747
Hansjürgen Ludwig
1979-1981
Thom.Ignaz Sifferlinger (Ss.Theol.Lic.Kammerer 39))
1747-1786
Betreuung durch die Pfarrei    Schwabhausen
1981-2005
Johann Adam Hueter (Hutterer 38))
1786-1814
  Pfarrverband Indersdorf
seit 2005

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     Statistische Beschreibung des churfürstl. Landgerichts Dachau  37)
von Lorenz von Westenrieder, 1792

Seite 45
"Die ganze Gegend um Niederroth, und weiter hin, würde gewinnen, wenn der Rotfluß verbeßert würde. Dieses, bey Kreuzholz-hausen entspringende und außer Inderstorf in die Glon sich ergießende Feldwasser hat sein sich selbst gegrabnes Beet längst mit Schlamm und Erdreich gefüllet und daher nicht nur nach allen Seiten, wo es am wenigsten Widerstand fand, neues Erdreich weggespült, sondern durch sein unterirdisches Graben und Austretten unzählige Strecken in stehende Möser verunstaltet; das Wasser selbst liegt und faulet in einer traurigen Gestalt fast ohne alle Bewegung, ist an manchen Orten sehr seicht, verliert sich aber bald wieder in finstere, tückische Tiefen, und verursacht überhaupt unbeschreibliche schädliche Ausdünstungen, welche zuversichtlich die Hauptursache sind, daß diese Gegend so häufig von verzehrenden Reif, Schauer und Hagel heimgesucht und die Hofnung des Landmannes zernichtet wird."

Reisen durch das Königreich Baiern, 1816 40)
von Joseph von Obernberg

"In Bezug auf das (dem Kloster Indersdorf) nahe Niederroth wird es Ihnen nicht unangenehm seyn, wenn ich Sie an die Nachricht erinnere, welche die öfter schon angeführte Beschreibung des Landgerichtes Dachau von einem Eingebohrnen dieses Ortes giebt, dessen Andenken die Einwohner noch jetzt erfreuet und ehrt. Es war der Küsters-Sohn Ignatz Albin Seitz, am 13.Okober 1687 daselbst geboren, welcher durch Verstand, Fleiß und Wissenschaft sich zu hohen Würden erschwungen hat. Er ward Bischof zu Weglia, Propst zu Ofen bey St.Johann, kaiserlich königlicher geheimer Rath, und Domherr bey St.Stephan in Wien. Auf diese glänzende Stufe von Glück und Ansehn erhoben, erinnerte er sich seines Vaterortes, und ward Wohlthäter der Kirche desselben. Mit Vergnügen erinnert sich die Gemeinde bey vierteljährigen Verlesungen der Wohlthäter vorzüglich desjenigen, den sie in dankbarem Andenken verehrt."

Kurz-Beschreibung von Niederroth 1843 36)
vom historischen Verein von und für Oberbayern

"Das Pfarrdorf Niederroth mit dem Gotteshause St.Georg im dermaligen Landgerichte Dachau mit mehr als 200 Seelen hat seinen Namen vom Flüßchen Roth, woran es liegt. Ein daselbst den 13.Oktober 1687 geborner Küsters-(Meßners-)Sohn, Albrecht Seitz, wurde Bischof zu Weglia, Probst zu Ofen bei St.Johann und kaiserlicher Rath und Domherr bei St.Stephan in Wien."