zur Landkreiskarte       ausführliche Beschreibung          Kirchen in der Marktgem.Indersdorf

Pfarrkirche St. Georg in NIEDERROTH


 

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K
urzbeschreibung

Niederroth wurde erstmals im Jahr 849 urkundlich erwähnt. Doch schon im Jahre 774 soll an der Stelle der heutigen Kirche ein  Marienkirchlein gestanden haben.  Im Jahr 1151 wurde die Kirche neu gebaut. In der päpstlichen Confirmationsurkunde (Bestätigung) wird von einer Georgkirche gesprochen.

 
Die Kirche in ihrer heutigen Form besitzt im Langhaus noch den romanischen Mauerkern des Baues von 1151. Der Altarraum und der Turm wurden aber in gotischer Zeit errichtet.  

Dem Alter der Altäre nach zu schließen dürfte die Kirche um 1740 barockisiert worden sein.  
Im
20 m hohen Sattelturm hängen drei Glocken.


Engel am Altar
Derzeit bildet die Pfarrei Niederroth zusammen mit Indersdorf, Langenpettenbach und Westerholzhausen einen Pfarrverband.

Innenausstattung

Der stark eingezogene Altarraum besitzt ein schönes gotisches Netzgewölbe. Die beiden runden Schlusssteine sind mit Reliefs von St.Georg und von St.Maria verziert.

Eine Besonderheit ist die 1794 erstellte Rückwand (Retabel) des Choraltars: In ihren unteren Teil ist ein Beichtstuhl integriert. Der Altartisch und der vergoldete Tabernakel stehen einen Meter vor der Altarwand. Der Zwischenraum ist der Zugang zum Beichtstuhl.

Im Zentrum des Hochaltars ein großes Ölbild (1794) von Josef Hauber, das den Patron der Kirche, St. Georg, beim Drachenstich zeigt. Hauber hat auch das Altarbild in der Dachauer Jakobskirche gemalt.

Die Figurenausstattung in der Kirche ist dem bäuerlichen Umfeld angepasst:
So stehen die Bauernheiligen Isidor und Notburga als Assistenzfiguren auf dem Hochaltar, St.Sebastian und St.Leonhard auf dem Seitenaltar. In den Auszugsbildern werden Apollonia und Barbara, die zu den 14 Nothelfern gehören, dargestellt.

ApostelleuchterApostelleuchterKanzelSt. IsidorSt.NotburgaSebastianaltarTaufsteinfigurenSt.BarbaraAnna und MariaST.LeonhardEwig-Licht-AmpelHochaltar: GeorgsbildMarienfigurSeitenaltarantependiumSeitenaltarantependiumAltaraufsatz ApolloniaImmaculatabildTabernakelEpitaph von 1696Vortragekreuz für ProzessionenZelebrationsaltarAufsatz des Hochaltars
10 Details (Altäre, Figuren Kanzel, Taufstein) per Mouseklick

In die Seitenwände des Kirchenschiffs sind mehrere
Epitaphe aus den Jahren 1560 bis 1814 eingelassen.
Die
Orgel stammt aus dem im Jahr 1803 niedergerissenen Kloster Taxa.


Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen


Geschichte: Erste Kirche Matrikel 1315 Matrikel 1524 Gotischer Bau 1546 30jähriger Krieg
  Matrikel 1740 Beschreibung 1880  
Ausstattung: Altarraum Apostelleuchter Baubeschreibung Beichtstuhl Bilder im Chor
  Choraltar Empore Epitaphe innen Epitaphe außen Ewig-Licht-Ampel
  Figuren Kanzel Kanzelkreuz Kirchenschiff Kirchenbänke
  Kreuzweg Mater dolorosa Orgel Opferstock Pfarrhaus
  Pfarrhaus Seitenaltäre Taufstein Vortragekreuze Zelebrationsaltar
        Gottesdienstordnung  

Geschichte

Niederroth wurde erstmals im Jahr 849 urkundlich erwähnt. Damals übergab der Edle Tizian seinen Besitz zu Rota (Niederroth) dem Freisinger Bischof. Die Urkunde wurde am 30.Juni 849 in Tandern ausgestellt. 4 Jahre später vertauschte der Bischof diese Schenkung übrigens gegen eine Liegenschaft in Erlahusun (Erlhausen) bei Weichs.

Schon im Jahre 774 soll an der Stelle der heutigen Kirche ein  Marienkirchlein (wahrscheinlich aus Holz)
gestanden haben. Jedenfalls erwähnen Anton Mayer und Georg Westermayer in ihrer Bistumsbeschreibung 1880, im Jahr 774 hätten sich in Niederroth eine Marienkirche und ein Priester namens Dominicus befunden. 779 hätten die Brüder Cundhart dieser Marienkirche ein Drittel ihres Erbes vermacht. 300 Jahre später, a
ls das Kloster Rott am Inn durch den Pfalzgrafen Cuno gestiftet wurde (um 1083), sei auch Niederroth als Dotationsgut an die Neugründung gelangt.

Im Jahr 1151 wurde die Kirche jedenfalls neu gebaut, wie aus einer päpstlichen Confirmationsurkunde (Bestätigung) hervorgeht. Darin wird von einer Georgskirche gesprochen. Vielleicht war der Neubau Anlass zum Patronatswechsel.
Aus dem Jahr 1214 erwähnen Mayer/Westermayer einen Streit über das Präsentationsrecht für die Pfarrerstelle zwischen dem Bischof Otto II. von Freising und dem Abt des Klosters Rott am Inn. Papst Innocenz III. gab dem Abt recht (Bulle von 19.April 1214).

Matrikel von 1315
In der Konradinischen Matrikel von 1315
ist Niederroth als Pfarrei ohne Filialkirche erwähnt.

Matrikel von 1524
Nach der Sunderndorfer'schen Matrikel von 1524
hatte die Pfarrei 150 Communicantes, das sind Gläubige nach der Erstkommunion. Niederroth gehörte auch damals zu den kleineren Pfarreien im Dachauer Land. Das Besetzungsrecht für die Pfarrstelle lag beim Bistum Freising (de libera collatione). Der Pfarrherr hieß Michael Zerrer. Die Gläubigen in Niederroth wurden aber seelsorgerisch von Vikar Wolfgang Grosmair betreut. Das Pfarrhaus in Niederroth und die dazugehörenden Wirtschaftsgebäude waren von schlechtem Bauzustand und bedurften dringend einer Erneuerung, heißt es in der Matrikel.

Gotische Kirche 15./16.Jh
In gotischer Zeit, d.h. im 15. oder 16.Jh wurde die Kirche umgebaut oder auf dem noch vorhandenen romanischen Mauerkern im Kirchenschiff neu errichtet. Aus dieser Zeit stammt jedenfalls der eingezogene, gerade schließende Chor.
Später war Niederroth Dotationsgut für das Benediktinerkloster Rott am Inn (Kircheneinkünfte für das Kloster) geworden (bis 1696). Dann wurde es zur Wechselpfarrei erklärt, d.h. das Präsentationsrecht wechselte nach jedem Erledigungsfall zwischen dem Bischof in Freising und dem Kurfürsten in München.


Auszug aus einer
Landkarte vom Jahr 1663

Dreißigjähriger Krieg
In der Zeit des 30jährigen Krieges war die Pfarrei jedenfalls in Bezug auf die Einkünfte "arg herabgekommen". Pfarrer Johann Stephan schrieb am 9.April 1641, das Kirchenvermögen betrage nur noch 58 Gulden. Davon müssten die Kirchenpröbste (=Kirchenverwalter) alle Ausgaben für die Kirche bestreiten. Auch die völlig zerbrochene Friedhofsmauer müsse dringend saniert werden, doch das sei unter 100 Gulden nicht zu machen. Auch das laufende Einkommen sei mit 18 Gulden,
5 Schäffel Korn und ein Schäffel Hafer äußerst gering. Bis zu diesem Zeitpunkt waren aber das Kirchengebäude und das Pfarrhaus noch intakt, sonst wäre dies im Bericht von Pfarrer Stefan erwähnt worden. Nach denKirchenrechnungen wurden aber im Jahr 1646, noch während des 30jährigen Kriegs, Turm und Kirchenschiff neu eingedeckt (Zimmererarbeiten von Wolf Undsberg aus Hebertshausen). Auch dass die Kirchenmatrikel erst mit dem Jahr 1649 beginnen, spricht dafür, dass es im Kriegsverlauf wohl zu Brand oder Plünderungen kam.

Baumaßnahme 1689
Wenn Kirchen nach dem 30jährigen Krieg neu gebaut oder aufwändig renoviert worden sind, war es üblich, dass das Pflegamt Dachau zinslose Darlehen (Anlehen genannt) vermittelte. Das Geld für diese Darlehen mussten die übrigen Pfarreien aufbringen. So erfahren wir manchmal aus Kirchenrechnungen anderer Pfarreien, wann in einer Kirche eine Baumaßnahme durchgeführt wurde.
In den Kirchenrechnungen von Bergkirchen und Biberbach sind Beitr
äge dieser Pfarreien zu den Baumaßnahmen am Gotteshaus in Niederroth in den Jahren 1688, 1689 und 1691 enthalten. Dort sind auch die Gesamtkosten in Höhe von 653 Gulden genannt. Dieser außergewöhnlich hohe Betrag lässt auf eine Reparatur schließen, die im Umfang fast einem Neubau entspricht.

Altarweihe 1707
Der 20. Juli 1707 war ein großer Feiertag für die
Pfarrei Niederroth. An diesem Tag war der Fürstbischof Johann Franz von Eckher zu Gast. Er weihte die drei Altäre in der Kirche und spendete 52 Kindern das Sakrament der Firmung. Dieser kunstsinnige Bischof regierte sein Bistum von der Reisekutsche aus; er unternahm viele Pastoralreisen selbst in kleinste Dörfer seines Bistums. Die Weihe der Altäre am 22.7. in Niederroth war Teil einer intensiven Weihewoche, die den Bischof innerhalb der 7 Tage vom 19.bis 25.7. in die Kirchen von Altomünster, Oberzeitlbach, Kleinberghofen, Westerholzhausen, Niederroth, Weyhern, Oberroth, Armetshofen, Schwabhausen Edenholzhausen und Welshofen führte. Dort weihte er insgesamt 28 Altäre und spendete fünfmal die Firmung (an 416 Firmlinge).

Kurz vor 1740 erhielt die Kirche ihre barocke Ausstattung.

Schmidtsche Matrikel von 1738/40
Denn in den Jahren 1738/40 hatte der Freisinger Kanonikus Schmidt alle Pfarreien der Diözese besucht und in der nach ihm benannten Schmidt'schen Matrikel kurz beschrieben. Er hat in Niederroth schon die neue Kirche gesehen. Sie sei unter den Kirchen des ländlichen Raumes eine der schöneren schreibt er. Der Pfarrer hieß Johann Michael Kölle; er war seit 1723 eingesetzt. Der Pfarrhof war wohl auch mit der Kirche renoviert worden. Denn Schmidt bezeichnet ihn als kürzlich erstellten Bau, an dem kein Schaden zu entdecken sei. Die Zahl der Communicantes war auf 380 angewachsen. Die Kirche hatte drei Altäre, die dem hl.Georg, der hl.Anna und den Heiligen Leonhard und Sebastian geweiht waren. Das Kirchweihfest wurde am Sonntag nach Michaeli (29.9.) gefeiert. Im Friedhof stand ein Beinhaus und im Turm hingen drei geweihte Glocken. Die Einnahmen der Kirche verwalteten der Pfarrer und der Landpfleger von Dachau. Der Bericht endet mit dem einzigen Satz in deutscher Sprache: "Das völlige Vermögen dises Gottshauses wirdet diser Zeit gegen 1.500 fl. (=Gulden) ausmachen". Das war ein angemessener Betrag.

Beschreibung 1880
Kirche und Pfarrei Niederroth sind auch in der "Statistischen Beschreibung des Erzbisthums München-Freising" aus der Zeit um 1874-80 enthalten, die zunächst der Benefiziat Anton Mayer und später Pf. Georg Westermayer als Buch veröffentlicht haben:
Geographie: "Die Pfarrei hat
390 Seelen in 61 Häusern. Davon wohnen 218 Gläubige (in 36 Häusern) in der Ortschaft Niederroth selbst, die Übrigen in Frauenhofen 48 (6), in Kreithof 14 (1), in Ried 82 (15) und in Unterhandenzhofen 28 (3). Die letztgenannte Ortschaft kam erst am 6.12.1866 zur Pfarrei (früher Röhrmoos). Dagegen waren 1877 die Ortschaften Karpfhofen, Ober- und Untermoosmühle von Niederroth nach Indersdorf umgepfarrt worden. Der Umfang der Pfarrei beträgt circa 8 km. Die Wege sind gut, im Herbst und Frühjahr schlecht, weil Lehmboden." 1 Lehrer unterrichtet im 1869 erbauten Schulhaus 54 Werktags- und 31 Feiertagsschüler.
Pfarrei: "Präsentationsrecht: Wechselpfarrei. Die Kirchenrechnung weist bei 2704 Mark Einnahmen und 113 Mark Lasten einen jährlichen Reinertrag von 2590 Mark aus. Pfarreischulden: 2742 Mark. Das Widum (=der Pfarrbauernhof) umfasst Grundstücke von 86 Tagwerk Fläche der Bonität 8. Das Pfarrhaus ist geräumig, passend und trocken; die Erbauungszeit unbekannt. Ökonomiegebäude: Stadel und Kuhstall wurden 1877 niedergelegt; Pferdestall noch vorhanden. Ökonomie zur Zeit verpachtet. Die Matrikelbücher beginnen 1649"
Kirche: "Erbauungsjahr unbekannt; restaurirt 1876. Baustyl: Presbyterium gothisch, Schiff romanisch. Geräumigkeit eben ausreichend. Baupflicht haben der Pfarrer und der Staat. Sattelthurm mit drei Glocken. 3 Altäre; Orgel mit 8 Registern; Cemeterium (=Friedhof) bei der Kirche ohne Kapelle. Gottesdienste an allen Sonn- und Feiertagen. Stiftungen: 32 Jahrtage und 19 Jahrmessen. Meßner- und Cantor ist der Lehrer. Vermögen der Kirche: 21.200 Mark".

Die letzte Renovierung fand 1988 statt.

Bittgänge
Aus den wenigen noch vorhandenen Kirchenrechnungs-Unterlagen geht hervor, dass die Niederrother alljährlich eine Wallfahrt nach Andechs (heyl.berg) und nach München unternommen haben. In München dürften sie zum hl.Benno gewallfahrtet sein, der in der Frauenkirche verehrt wurde. Der Fahnenträger erhielt dafür z.B. im Jahr 1730 ein Zehrgeld von 1 Gulden 48 kr.

Ziel der Wallfahrt nach Andechs war der "Heilthumschatz". Unter diesem Begriff wurden die vielen verschiedenen Reliquien zusammengefasst. Es handelte sich dabei um die Herren-Reliquien, die die Grafen von Andechs (darunter auch der hl.Rasso) von den Kreuzzügen und Wallfahrten aus dem Heiligen Land mitgebracht hatten. Darunter waren Kreuzpartikel, Teile der Dornenkrone Christi, ein Stück vom Tischtuch des Letzten Abendmahles und viele weitere Erinnerungsstücke an das Leben und Leiden Christi. Dazu kamen noch Blut- bzw. Gregoriushostien (Dreihostienmonstranz) sowie das Brautkleid und Brustkreuz der hl.Elisabeth und ein Kopfreliquiar der hl.Hedwig. Auch ein Stück aus dem Gewand des hl.Nikolaus und das Siegeskreuz Karls des Großen gehörten zum Heilthumschatz. Die Reliquien waren in einzelne Monstranzen aufbewahrt, die den Pilgern vom Fenster der heutigen Hedwigskapelle aus einzeln gezeigt wurden (Weisung der Heilthümer). Dazu wurden unterschiedliche Gebete und Litaneien gesprochen und Lieder gesungen, je nachdem, ob es sich um das Reliquiar eines Heiligen oder um eine Herrenreliquie handelte.

Baubeschreibung

Die Kirche in ihrer heutigen Form besitzt im Langhaus noch einen romanischen Mauerkern, der sich durch unregelmäßige Wandverstärkungen bemerkbar macht.
Der eingezogene, zweijochige  und rechteckig geschlossene Chor wurde in gotischer Zeit errichtet.
Der 20 Meter hohe, einfach gestaltete Sattelturm könnte zumindest in seinem unteren Teil noch aus dem 14.Jh stammen.
Er steht auf der Westseite der Kirche und ist etwas nach Süden versetzt.
In ihm hängen drei Glocken, die in den Jahren 1894 und 1950 gegossen wurden.
Eine Glocke ist der Muttergottes geweiht, deren Relief auf dem Glockenmantel zu sehen ist. Dazu die Inschrift: "Ave Maria, gratia plena" (Gegrüßt seist du Maria, voll der Gnaden). Auf ihre weitere Funktion als Kriegergedächtnisglocke verweist der Text am oberen Rand: .... "unseren Kriegern".

Eine weitere Glocke enthält den Text:"O König der Könige, komm zu uns".
Die ältestes Glocke hat den hl.Georg zum Patron. Er ist im Relief als Drachentöter dargestellt. Darunter der Text: "Die Leut ruf ich her, die Toten ich ehr', dem Wetter (=Unwetter) ich wehr'." Auf der Rückseite hat sich der Glockengießer verewigt: "Gegossen von A.J. Bachmair in Erding 1894". Am oberen Rand ein Fries aus sich biegenden Ähren.
Das Vorhaus über dem Portal ist an der Südwestseite angebaut. Darin ist an der Wand eine schlichte Kreuzigungsgruppe (ein Kruzifix mit darunter stehender Mater Dolorosa) angebracht.

Die Sakristei mit ihrem Pultdach steht an der Nordostseite, neben dem Chor. Sie besitzt ovale Fenster in oben und unten gerundeter Barockform.
  
Epitaphe an der Außenmauer

für Pfarrer Johannes Ballauff, gestorben am 1.Juni 1723 (Solnhofener Plattenkalk, Größe: 42 x 40 cm)

Text: "ADM Rus ET DOCTiSSiMUS D.JOHANN BALLAUFF PHLIAE ET SS CAN. CAND. PER ANNO XXVII HIC PAROCH. ZELOSSiMUS Obiit J.JUNII MDCCXXIII. Requiescat in Pace."

für Pfarrer Ignatz Saller, gestorben 1827, (Solhofener Plattenkalk, Größe: 59 x 59 cm)

Text: "Denkmall des Hochwürdigen Wohlgebohrnen Herrn Ignatz Saller, Pfarrer von hier Gestorben im Jahr 1827 Ruhe im Friden -RIP-"

für Pfarrer Matthäus Müller, gestorben am 31.Juli 1926, (heller Marmor, Größe: 104 x 56 cm)

Text: "Hier ruht in Gott der hochwürdige Herr Mathäus Müller, Kammerer & 25 jahre Pfarrer dahier, geboren 17.März 1839, gestorben 31.Juli 1926".
Selig die Toten, die im Herrn sterben von nun an sollen sie ausruhen von ihren Mühen denn ihre Werke folgen ihnen nach. Joh.Offb. 14,13."

für Pfarrer Johann Evangelist Hintermayr, gestorben am 6.9. 1936 (heller Marmor, Größe: 110 x 65 cm)

Text: "Hier ruht in Gott der hochw.Herr Johann Ev. Hintermayr, ,1930-1936 Pfarrer v. hier, gest. am 6.Sept. 1936 im 37.Priester - u. 62.Lebensjahre.
Meine Liebe war Gott meine Heimat der Altar, meine Sorge eure Seelen".
für Pfarrer Ludwig Küffner, gestorben am 19.1.1955 (Solhofener Plattenkalk, Größe: 109 x 66 cm)

Text: "Hier ruht in Gottes Frieden: der Hochwürdige Herr Ludwig Küffner, 1936-1949 Pfarrer von hier, gest. am 10.Januar 1955, im 49.Priester- und 73.Lebensjahre. Die viele im Heil unterwiesen, werden im Reiche Gottes lichter als die Sonne sein. Die dankb. Pfarrgemeinde".

An der Ostseite des Chores befindet sich eine Ädikula mit dem barocken Missionskreuz, das an eine Volksmission erinnern soll. Eine Ädikula ist ein offener, nur wenig tiefer Anbau, der den dort ausgestellten Objekten Schutz vor Witterungseinflüssen geben soll. Das Kruzifix ist wahrscheinlich schon 200 Jahre alt. Dafür spricht der etwas bläuliche Farbton des Corpus Christi, der Anfang des 18.Jh für solche Darstellungen verwendet wurde.
Mit dieser Fassung (=Bemalung) wollte man an die Bibelstelle in der Johannespassion (Joh 19,33) erinnern, in der steht, dass Jesus die Gebeine nicht zerbrochen wurden, weil er bereits tot war. So werde auch die Schrift (Altes Testament, Psalm 34, 20) erfüllt, die lautet: "Er bewahrt ihm alle seine Gebeine, dass nicht eines derselben zerbrochen wird." Derzeit wird die Ädikula renoviert.

Innenausstattung

Altarraum

Der zweiachsige, stark eingezogene Altarraum besitzt ein schönes Netzgewölbe mit Rippen im Birnstabprofil und zwei runden relifierten Schlusssteinen. Die Schlusssteine der Gewölberippen sind im Scheitelpunkt eine Bogens oder im Knotenpunkt von Rippen eingefügt. Sie verkeilen das gebogene Mauerwerk und geben dem statischen Gefüge den entscheidenden Halt.

Der eine Schlussstein stellt den hl. Georg als jungen Mann mit langem Haar, gelbem Heiligenschein, Schwert und rot-weißem Wappen dar.
  
Der andere zeigt die gekrönte  Muttergottes, die auf dem linken Arm ihr Kind trägt und in der rechten Hand einen Apfel hält.
  Hinweis: Die Schlusssteine der Gewölberippen sind im Scheitelpunkt eine Bogens oder im Knotenpunkt von Rippen eingefügt. Sie verkeilen das gebogene Mauerwerk und geben dem statischen Gefüge den entscheidenden Halt. Neben seiner bautechnischen Aufgaben hat der Schlussstein auch eine religiöse Bedeutung. Denn Paulus schreibt im Epheserbrief: "Ihr seid das Fundament der Apostel und Propheten gebaut. Der Schlussstein ist Jesus Christus selbst. Durch ihn wird der ganze Bau zusammengehalten und wächst zu einem heiligen Tempel im Herrn (Eph 2,20-22).
Hinweis: Der Apfel galt seit alters her als Symbol sinnlicher Reize und Begierden, im Zusammenhang mit der Versuchung von Adam und Eva im Paradies durch die Schlange sogar als Verkörperung der Erbsünde. Seit dem 11. Jh. ist der Apfel in der christlichen Symbolik auch Zeichen der Erlösung von der Erbsünde. In diesem Sinn ist der dargestellte Apfel in der Hand Marias zu deuten. Wenn Sie noch weitere Gewölbeverzierungen in den Kirchen des Landkreises Dachau sehen möchten, klicken Sie hier.....

Hochaltar /Choraltar

Eine Besonderheit ist der 1794 von Kistlermeister Veit Walter aus Indersdorf und Augustin Johann Arnold (1759-1834), Bildhauer in Dachau, erstellte Choraltar. Es ist eine sog. Rokokoretabel, 4,50 Meter breit und raumhoch.
Augustin Arnoldt war übrigens der Sohn des Bildhauers Franz de Paula Arnoldt (1724-1788), von dem sich noch mehrere Kunstwerke in Kirchen des Dachauer Landes befinden (so z.B. in Glonn, Altomünster, Bergkirchen und Pipinsried).
Die Stipes, der Altarunterbau, ist mit Holz verkleidet, in klassizistischer Sarkophagform mit Rahmenfeldern, Blütenfestons und Mittelkreuz.


Der Altartisch mit dem Tabernakel steht gut einen Meter vor der Altarrückwand.
Der Zwischenraum bildet den Zugang zu einem Beichtstuhl, der im unteren Teil des Retabels eingebaut ist. Das ist einmalig in den Kirchen des Landkreises Dachau.

  Hinweis: Über Jahrhunderte hinweg wurde das Bekenntnis der Sünden offen im Kirchenraum beim Sitz (Kathedra) des Bischofs, später bei dem des Priesters im Altarraum abgelegt. Dieser besonders hervorgehobene Sitz des Beichtvaters war die Ausgangsform des Beichtstuhls. Durch die irisch-schottischen Mönchen wurde die Beichte im 10.Jh privatisiert, d.h., nicht mehr öffentlich abgelegt. Dazu bedurfte es nicht nur einer größeren Zahl von Priestern, sondern auch neuer Einrichtungsgegenstände. Der heutige Beichtstuhl entwickelte sich allerdings erst ab dem 16.Jh. zu einem feststehenden, meist dreiteiligen, mehr oder weniger geschlossenen Beichtgehäuse mit dem Mittelteil für den Priester (in dem der Priester sitzt - deshalb Beichtstuhl) und mit der Trennung von Priester und Beichtenden durch eine Zwischenwand mit Sprechgitter. Die Beichtenden knien abwechselnd in den Seitenteilen. Damit wurden bessere Bedingungen für einen anonymen Vollzug der Beichte geschaffen. In neuerer Zeit bieten sogenannte Beichtzimmer mit ihrer persönlichen Atmosphäre eine räumliche Alternative für Beicht- und Glaubensgespräche. Die Beichte geht auf das Bibelwort "Er hauchte sie an und sprach zu ihnen: Wem Ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem Ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert" (Joh 20,22) zurück.

Im Zentrum des Altars hängt ein 250 x 130 cm großes Ölbild (auf Leinwand), das den Patron der Kirche, St. Georg, beim Drachenstich zeigt. Es wurde 1794 von Josef Hauber, dem berühmte Hof- und Historienmaler aus München, geschaffen (sign). Hauber hat auch das Altarbild in St. Jakob, Dachau gestaltet. St.Georg -in Ritterrüstung mit prächtigem Helm- sitzt auf einem Schimmel und stößt seine Lanze tief in das recht spitze Maul des Drachens hinein. Darüber halten Engel den Lorbeerkranz für den Heiligen bereit.

  Hinweis: Die Bedeutung des Pferdes in der Symbolik hängt wesentlich von seiner Farbe ab. Weiße Pferde waren schon im Altertum die Zugtiere der Wagen von Eos und Helios. Sie gelten deshalb als Lichtbringer. Die mit weißen Rossen in Verbindung gebrachten positiven Vorstellungen zeigen sich auch darin, dass der hl. Georg stets auf einem Schimmel dargestellt werden. Schwarze Pferde symbolisieren dagegen Tod und Verderben.Als Zugtiere für Leichenwagen dienten früher immer Rappen. Der Schimmel ist wegen seiner weißen Farbe ein Symbol für das Gute.


Im Auszug des Hochaltars ist die Heiligste Dreifaltigkeit in Form eines Auges dargestellt, umgeben von neun Engelsköpfen (1760).
Hinweis: Das Auge im Dreieck als Darstellung der Dreifaltigkeit in ihrer Allgegenwart und Allwissenheit hat sich in der Kunst unserer Gegend erst im 18.Jh, zu der Zeit, in der der Altar in Niederroth errichtet wurde, verbreitet. Aus der frühchristlichen und mittelalterlichen Kunst ist es unbekannt..


Als Assistenzfiguren stehen zwischen den Säulen die Bauernheiligen Isidor (links, mit Dreschflegel und breitkrempigem Hut ) und Notburga (rechts, in der Kleidung einer Bauernsmagd, mit erhobener Sichel in der Hand). Die Figuren wurden um 1760 geschnitzt.
   
  Hinweis: Isidor lebte im 12. Jh. als Knecht bei einem Baron. Seine Mitknechte verpetzten ihn, weil er ständig betete. Als sein Herr feststellen wollte, ob dies stimme, sah er der Überlieferung nach zwei weiße Stiere, von einem Engel geleitet, pflügen, während Isidor im Gebet daneben kniete. Isidor wird häufig mit Pflug, Sense oder, wie in Niederroth, mit Dreschflegel dargestellt. 
Die in Bayern ungemein beliebte Notburga war eine Bauernsmagd aus Tirol, die der Aufforderung des Bauern, auch nach dem Gebetläuten noch auf dem Feld zu arbeiten, nicht nachkam und die Sichel in die Luft hängte. Sie ist eine der wenigen Heiligen, die aus ganz einfachen Verhältnissen kam und kein geistliches Amt innehatte.


Tabernakel

Der 130 x 120 cm große Tabernakel stammt aus der Zeit um 1900, ist im barocken Stil gearbeitet und vollständig vergoldet. Die Türen sind mit geometrischen Reliefmustern verziert. Zu beiden Seiten lehnen sich Engel mit Inkarnatfassung (=fleischfarben) an die Volute und weisen mit ihrer Hand zum Tabernakel hin.

Oben steht ein versilberter Pelikan, der sich die Brust aufreißt, um mit seinem Blut das bettelnde Junge vor ihm zu füttern. Der Pelikan galt als Sinnbild für Aufopferung und als Symbol für Christi Todesopfer, weil man in der Barockzeit dachte, der Vogel füttere in Notzeiten seine Jungen mit dem eigenen Blut. Dabei stammt das Blut von den ausgewürgten Fischen. Zur Zeit der Gestaltung des Tabernakels in Niederroth war dies natürlich schon bekannt. Doch der Pelikan als Sinnbild Christi war schon festgefügt.
  Hinweis: Tabernakel ist das lateinische Wort für Zelt. Die seit dem 12. Jh übliche Bezeichnung führt zurück zur Bundeslade der Israeliten zur Zeit Mose, die ebenfalls in einem Zelt untergebracht war. Der Tabernakel dient bereits seit frühchristlicher Zeit (unter anderem Namen) zur Aufbewahrung verwandelter Hostien für die Sterbenden. Seit dem hohen Mittelalter wurde er auch Ort der Anbetung und Verehrung Christi in der Gestalt dieses eucharistischen Brotes. Der Ort und die Form der Aufbewahrung änderten sich im Laufe der Jahrhunderte häufig. Das Tridentinische Konzil (1545 - 63) ordnete die Aufstellung des Tabernakels auf dem Altar an. Doch diese Vorschrift wurde in Deutschland, wo man lange daran festhielt, die heiligen Hostien in Wandschränken und Sakramentshäuschen aufzubewahren, erst im 18. Jahrhundert umgesetzt. Das 2. Vatikanische Konzil (1962 - 65) lässt dies wieder zu. Deshalb werden in modernen oder modernisierten Kirchen Tabernakel häufig in die Wand eingelassen oder stehen frei auf einer Säule.
In der Weihnachtszeit steht auf dem Tabernakel eine im Jahr 2003 renovierte Figur eines Christkinds auf der Weltkugel (um 1700). Das Kind steht nicht -wie sonst üblich- mit steifen Beinchen senkrecht auf der symbolisierten Welt, sondern balanciert beinahe spielerisch auf der Kugel. Das Lendentuch schwebt nicht wie zufällig über die zu bedeckenden Körperstellen, sondern wird durch einen über die Schulter gezogenen "Hosenträger" gehalten. Das mit einem Heiligenschein in Form eines Strahlenkranzes versehene Kind blickt dem Betrachter unmittelbar ins Gesicht und breitet die Hände segnend aus.


Bilder im Altarraum

Zu beiden Seiten des Hochaltars hängen 92 x 51 cm große Ölbilder (auf Leinwand) in schön geschnitztem und vergoldetem Rocaillerahmen an der Wand. Sie werden ebenfalls Josef Hauber zugeschrieben (1770) :

Links ein Herz Jesu-Bild.
  Hinweis: Das Herz Jesu ist Symbol für die Erlöserliebe Christi. Diese Darstellung verbreitete sich in unseren Kirchen insbesondere nach der Einführung des Herz-Jesu-Festes durch Papst Clemens XIII.(1758 - 1769) im Jahr 1765.


Gegenüber hängt ein Bild, das dem Herzen Mariens gewidmet ist. Es zeigt die Muttergottes als Maria Immaculata. Sie ist in das traditionell rot-blaue Gewand gekleidet. In ihrer rechten Hand hält sie eine Lilie. Ihr Haupt ist von einem Kranz aus 12 Sternen umgeben. Mit der linken Hand weist sie auf ihr sichtbares Herz, aus dem Flammen emporschlagen. Das Herz Mariens ist Zeichen für die mütterliche Liebe. Das Gemälde in Niederroth entspricht nicht voll dem Bildtypus der Immaculata, weil dieser auch das Motiv des Tritts auf den Kopf der Schlange und die Mondsichel enthält.

  Hinweis: Die zwölf Sterne erinnern an die Apokalyptische Frau, die Johannes in der Geheimen Offenbarung beschrieben hat. Sie war in der Vision vom Strahlenkranz der Sonne umgeben, über ihrem Haupte standen zwölf Sterne als Symbol für die zwölf Stämme Israels.Die Apokalyptische Frau wurde in frühchristlicher Zeitals Symbol für die Kirche angesehen und erst später mit Maria identifiziert.



Chorglocke

Am Eingang zur Sakristei ist die Chorglocke (Sakristeiglocke) in neugotischem Stil angebracht, die bei Beginn des Gottesdienstes von den Ministranten geläutet wird.


Zelebrationsaltar

Der Zelebrationsaltar ist rötlich marmoriert, um sich in das Gesamtbild der Kirche einzuordnen. In der Mitte des Antependiums enthält er ein Rechteck mit einer Verzierung, die an ein Stoff-oder Tapetenmuster erinnert. Er wurde in den 1970er Jahren aufgestellt im Zuge der Liturgiereform durch die Beschlüsse des 2.Vatikanische Konzils und bedeutet eine Rückkehr zu den Wurzeln der Eucharistiefeier.
  Hinweis: Der Altar war das Symbol des heidnischen Gottesdienstes. Das lateinische Wort adolere = verbrennen bezeichnet die ursprüngliche Bedeutung als Stätte zur Verbrennung der Opfer. Die ersten Christen hatten keinen Altar. Jesus versammelte die Seinen um den Tisch, und das hielten auch die Christen während der ersten Jahrhunderte so; zur Eucharistiefeier konnte jeder beliebige
  Tisch dienen. Im 4.Jh wurde das Opfer Jesu in das Tischgeschehen hineingenommen und der Altar eingeführt. Er war meist aus Stein, frei aufgestellt und von allen Seiten zugänglich. Ab dem 8. Jahrhundert weicht die Tischform immer mehr der Blockform. Dies kommt der Entwicklung entgegen, im Altar Reliquien von Märtyrern und Heiligen beizusetzen. Der zelebrierende Priester stand hinter dem Altar, sodass seine Handlungen während der Messfeier für die ganze Gemeinde sichtbar waren. Als der Altar dann im 11.Jh eine Rückwand mit hohen Altaraufbauten (Retabel) erhielt und weiter an die Ostwand rückte, wandte der Priester der Gemeinde den Rücken zu. Dies ist in der katholischen Kirche durch eine Liturgiereform erst vor 40 Jahren wieder rückgängig gemacht worden.


 

 

 

 


Ewig-Licht-Ampel         

In der Nähe des Chorbogens hängt -wie in den meisten katholischen Kirchen- die aus Messing getriebene und versilberte Ewig-Licht-Ampel aus der Zeit um 1900 von der Decke. In ihr brennt ein Öllämpchen hinter rotem Glas. Getrieben bedeutet, dass das Kunstwerk durch Hämmern von der Rückseite her über einer nachgiebigen Unterlage erstellt wurde.
Hinweis: Das rote Öllämpchen, das stets im Altarraum brennt, gilt oft als Erkennungsmerkmal eines katholischen Gotteshauses. Früher gab es solche Lichter nur an den Märtyrergräbern. Mit der wachsenden Verehrung der aufbewahrten Eucharistie hat sich etwa seit dem 13. Jh der Brauch des "Ewigen Lichtes" vor dem Tabernakel, wo das Allerheiligste aufbewahrt wird, herausgebildet, nachdem der Johanniter-Ritterorden das Ewige Licht von den Kreuzzügen aus dem Heiligen Land mitgebracht hatten. Durch sein dauerndes Brennen weist es darauf hin, dass in der Kirche geweihte Hostien aufbewahrt werden. Meist sind die von der Decke herabhängenden Ampeln aus Silber oder versilberten Material gebaut, in eleganten Formen und mit vielen grazilen Verzierungen versehen.

 

Langhaus / Kirchenschiff

Das vierachsige Langhaus hat noch einen romanischen Mauerkern, der an den unregelmäßigen Wandverstärkungen zu erkennen ist. Die Decke ist ein Tonnengewölbe mit Stichkappen (gedrückte Spitzkappentonne).

Der korbbogige Chorbogen war noch vor 100 Jahren mit einem Bild des triumphierenden Christus bemalt, umgeben von zwei Posaune spielenden Engeln und eingerahmt von Feuerzungen und Ornamenten. Heute ist er nur weiß getüncht.  


Seitenaltäre

Die beiden 180 cm breiten Seitenaltäre stammen aus der Zeit um 1720/40. Sie haben wie der Hochaltar rot marmorierte Säulen mit vergoldeten korinthischen Kapitellen. Auf dem Gebälk zu beiden Seiten der Aufsatzbilder stehen vergoldete Ziervasen. Die Antependien der Seitenaltäre sind mit vergoldeten Girlanden auf blauem Grund verziert.

Nördlicher Seitenaltar

In der mit einer Muschelverzierung und Lambrequins geschmückten Nische des nördlichen Seitenaltars steht eine gekrönte Muttergottesfigur mit dem Jesuskind auf dem linken Arm und einem Zepter in der Rechten.
Die Figur wurde um 1680 geschnitzt, aber erst in neuerer Zeit gefasst (=bemalt). Zu ihren Füßen zwei Putten, die ein Kreuz, bzw. ein flammendes Herz halten (20.Jh). St.Anna Im Auszugsgemälde ist wahrscheinlich die hl. Ursula (mit Pfeilen und Märtyrerpalme) in der Hand) dargestellt (Öl auf Leinwand, 1720). St.Ursula soll der Legende nach von den Hunnen mit Pfeilen getötet worden sein.

Unterhalb des Auszugsgemäldes ist eine Kartusche angebracht, in der auf rotem Grund ein Wappen oder ein sonstiges heraldisches Motiv zu sehen ist.

An oberster Stelle des Seitenaltars ist ein flammendes Herz Mariens im Strahlenkranz zu sehen, das mit einem Kranz von Rosen umgeben ist. Die Rose als Königin der Blumen Sinnbild für die Himmelskönigin Maria.
An der
Predella befindet sich eine Figur der hl. Mutter Anna, die ihrer Tochter Maria das Lesen lehrt.
  Hinweis: Das Thema der Unterweisung Mariens ist in der Kunst seit dem 14.Jh bekannt und war besonders in der Barockzeit beliebt. Es geht zurück auf die Bibelstelle aus dem Buch der Sprichwörter (1,8) "Höre mein Sohn, auf die Mahnung des Vaters und die Lehre deiner Mutter verwirf nicht" und wendet das Wort auf Maria an.  


Südlicher Seitenaltar

Der südliche (rechte) Seitenaltar ist dem hl. Sebastian geweiht, dessen Figur in der Mitte des Altars in einer von einem Baldachin überdachten Nische steht. Die Figur wurde im 18.Jh. (andere Quelle: um 1680) geschnitzt.
Sebastian ist unter Verrenkung der Arme und Beine an den Marterbaum gebunden und von Pfeilen durchbohrt.
St.Anna
Der Altarauszug des rechten Seitenaltars wird umrahmt von Volutensprenggiebeln. Über dem Altarblatt ist eine Kartusche angebracht, in der auf rotem Grund ein weißes Kreuz, zu sehen ist. Das Auszugsgemälde (Öl auf Leinwand, um 1730) zeigt die hl. Barbara  mit den Attributen Turm und Kelch.
Auf dem Giebel des Altars sitzt wie eine Monstranz die Darstellung des Herzens Jesu, umgeben von einem großen Strahlenkranz.   
  Hinweise: Sebastian soll nach der Legende im 3.Jh.ein Offizier der kaiserlichen Garde gewesen sein. Auf Befehl des Kaisers Diokletian wurde er wegen seines Glaubens mit Pfeilen durchschossen. Er erholte sich aber durch die Pflege der Witwe des Märtyrers Kastulus, bekannte sich erneut zu seinem Glauben und wurde daraufhin mit Keulen erschlagen. Auf seine Anrufung hin, soll eine Pestepidemie abgewendet worden sein.  Der heilige Sebastian wird deshalb  als Pestpatron und -der Pfeile wegen- als Patron der Schützenbruderschaften verehrt.
Baldachin
Barbara
ist eine legendäre Person. Das bildschöne Mädchen soll von ihrem heidnischen Vater, dem reichen Dioskuros von Nikomedia, während einer längeren Geschäftsreise in einen Turm geschlossen worden sein, um sie am Heiraten zu hindern. Barbara ließ im Turm ein Bad bauen, aber nicht wie vom Vater angeordnet mit zwei, sondern mit drei Fenstern, als Zeichen der Dreieinigkeit. Als der Vater zurückkam und merkte, dass sie Christin geworden war, ließ er sie geißeln, mit Keulen schlagen, die Brüste abschneiden und mit Fackeln brennen. Vor dem Tod bat Barbara Gott, dass alle, die der Passion Christi gedenken, vom Gericht Gottes verschont werden. Schließlich enthauptete der Vater die Tochter selbst, worauf er von Blitz getroffen wurde. Barbara gehört zu den 14 Nothelfern. Sie ist Patronin der Bergleute und -wegen des präzisen Blitzschlags- der Artilleristen. Der Kelch in ihrer Hand versinnbildlicht die einem Sterbenden gereichte letzte Kommunion (Viatikum) und verweist auf ihre Funktion als Sterbepatronin.
Auf dem Altartisch des rechten Seitenaltars steht eine Figur des hl. Leonhard, um 1700, mit einem reifenförmigen Heiligenschein, an dem Sterne befestigt sind. Das erste Attribut, den Abtsstab hält er in der Hand, Hufeisen sind neben ihm an die Predella angebracht und die Hand- und Fußketten sowie das Buch, das ihn als Verkünder des Evangeliums ausweist, werden von zwei kleine Engel darüber gehalten.
  Hinweis:St. Leonhard (in Bayern einer der 14 Nothelfer) lebte um das Jahr 500 als Einsiedler und später als Abt in Frankreich. Regelmäßig besuchte er die Gefangenen und erreichte für viele beim König Clodwig I. ihre Freilassung. Deshalb galt er ursprünglich als Schutzpatron derer, "die in Ketten liegen", also der Gefangenen - und der Geisteskranken, die man bis ins 18. Jahrhundert ankettete; nach der Reformation wurde er Schutzpatron der Haustiere, weil man die Ketten, mit denen er abgebildet wurde, als Viehketten deutete.

Vor den Seitenaltären stehen prächtige Votivkerzen. Eine ist mit dem Wachsbild der Niederrother Kirche geschmückt. In der Widmung auf dem Schriftband sind die Stifter, die Fam. Prummer und das Datum 1.Juli 1988 genannt. Die andere Kerze hat einen gedrehten Schaft, in den Rosenblüten aus Wachs eingearbeitet sind.
 

 

Taufstein

Vor dem rechten Seitenaltar steht der Taufstein mit seinem profilierten und mit Riefen besetzten achteckigen Becken. Er besteht aus rotmarmoriertem Holz und ist ein Werk im Stil des ausgehenden 18. Jh. Sein Deckel ist durch eine Aufsatzgruppe aus dem 20.Jh geschmückt. Sie besteht aus Johannes dem Täufer, der in der linken Hand einen Kreuzstab hält und mit der rechten Hand Jesus tauft. Das in ähnlichen Darstellungen übliche Schöpfgerät in der Hand von Johannes (Muschelhälfte oder Schale) fehlt hier.
  Hinweis: Die Taufe der frühen Christen fand ursprünglich im Freien statt, überall dort, wo fließendes oder stehendes Wasser vorhanden war. Mit der Verlegung der Taufe in den Kircheninnenraum schuf man dort eigene Taufbecken. Als sich im 11.Jh die Praxis der Kindertaufe weitgehend durchsetzte, begann man mit der Errichtung erhöhter Taufgefäße; die Bodenbecken erwiesen sich für die Kindertaufe als weniger geeignet. Das Taufbecken ist meist aus Stein. Es hat in der Regel eine achteckige Form, weil die Zahl acht und das Achteck als Symbol für Erneuerung, Wiedergeburt und Herrschaft angesehen werden. Taufbecken
  und Deckel sind meist mit ornamentalem oder architektonischem Zierrat geschmückt. In der Barockzeit wurde auf dem Deckel häufig die Taufe Jesu figürlich dargestellt. Sie ist Vorbild für das Taufsakrament und geht auf Empfehlungen des Konzils von Trient (1545 bis 1563) zurück. Der Kreuzstab gilt, seit Kaiser Konstantin d. Gr. ihn als Feldzeichen führte, als Symbol der Macht.
ApostelleuchterKreuzwegbilderKirchenbank Geißelheiland KanzelKirchenbankKreuzwegbilderApostelleuchterOrgelVortragekreuz für BeerdigungenVortragekreuz für ProzessionenGuter Hirte
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Kirchenbänke
Die Kirchenbänke (1787 von Josef Lorenz gesetzt) wurde bei der letzten Renovierung unter Verwendung der alten Schnitz-Wangen aus der Rokokozeit erneuert. Das Grundmuster der Wangen gleicht denen der
Kirchenbänke in Schwabhausen und Sulzemoos. Wenn Sie sich für die Wangenmuster in den übrigen Kirchen des Landkreises Dachau interessieren, klicken Sie hier...

Kreuzweg-Stationsbilder

Die 14 Stationen des Kreuzweges, die an den Wänden des Chores und des Kirchenschiffs angebracht sind, wurden von Josef Zoll, einem Porträtmaler in München, 1789 gemalt. In manchen Kirchen gibt es 15 Kreuzwegstationen.
Wenn Sie mehr darüber erfahren und andere Darstellungen von Kreuzwegstationen in Kirchen des Landkreises wollen, klicken Sie hier...
   
 Apostelleuchter
Unter den Kreuzwegstationen sind -über das Kirchenschiff verteilt- die Apostelleuchter vor den auf die Wand gemalten Apostelkreuzen angebracht.
  Hinweis: Die Apostelleuchter erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen  mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlischen Jerusalems.
Sie können sich auch eine Zusammenstellung der schönsten Apostelleuchter in den Kirchen des Landkreises Dachau ansehen. Klicken Sie hier....


Epitaphe

In der Kirche befinden sich mehrere Grabplatten (Epitaphe):
Im Chorraum links die Grabplatte für Pfarrer Gabriel Laininger (Pfr. in Niederroth um 1560), in deren oberem Teil ein Priester am Altar mit Kelch und Hostie als Relief dargestellt ist. Die Jahreszahl für das Sterbedatum ist nicht ausgefüllt. (Sandstein, Größe 98 x 51 cm).
Rechts die Grabplatte von Pfr. Benedikt Winter (gest. 16.10.1671 im Alter von 60 Jahren), der 10 Jahre lang Pfarrer in Niederroth war. Im unteren Teil ist ein Kelch mit Hostie abgebildet
(Solnhofener Plattenkalk, Größe 77 x 53 cm).
Im Langhaus links die Grabplatte von Urban Seggl (gest. am 7.Sept.1696 im Alter von 54 Jahren). Im oberen Teil der Tafel sind ein Kelch mit Hostie, gekreuzter Spaten und Sense, ein Totenkopf mit gekreuzten Knochen und eine Taube mit einem Ölzweig (Zeichen der Versöhnung und des Friedens mit Gott) oder einer Rose (Zeichen der Verschwiegenheit/Beichtgeheimnis) eingraviert (Solnhofener Plattenkalk, Größe: 43 x 35 cm).
Ebenfalls im Langhaus ein Epitaph von 1814 für Pfarrer Adam Nieter, der im Alter von 69 Jahren starb
(Rotmarmor, Größe: 137 x 64 cm).
 

Rechts die Grabplatte von Johannes Michael Keller (oder Höller), der am 6.Juni 1747 gestorben ist
(Solnhofener Plattenkalk, Größe: 45 x 45 cm).
sowie
das Epitaph für Michael Prummer, gestorben am 11.11.1825 (Solnhofener Plattenkalk, Größe: 59 x 55 cm).



Kanzel

Die von der Sakristei aus begehbare Kanzel mit geschweiftem, vorgebauchten Korb ist rot, grün und grau marmoriert und mit vergoldeter Rocailleornamentik versehen. Sie wurde 1788 von Kistlermeister Josef Lorenz aus Indersdorf gefertigt. Der vorgebauchte Korb ruht auf einer trichterförmigen Konsole, die ganz unten in einer Figur endet: Ein kleiner Engel lehnt ganz lässig an einer Volute (spiralförmige Einrollung). Über die Brüstung des Kanzelkorbes ist eine Samtabdeckung gelegt mit den eingestickten Worten: "Selig, die das Wort Gottes hören und es befolgen". Der Schalldeckel ist an der Unterseite mit einer vergoldeten Hl. Geist-Taube auf blauem Grund geschmückt. Oben bläst zwischen plastischen Akanthusverzierungen ein kleiner Engel die Posaune.
  Hinweise: Die Predigt wurde in altchristlicher Zeit -ähnlich wie heute- von einem Ambo aus gehalten. Ab dem 13. Jh. hat man Kanzeln gebaut, die zumeist seitlich im Mittelschiff ihren Platz haben, dort, wo die Gemeinde versammelt ist. Von hier aus konnten die Prediger auch von oben herab sprechen, was ihren Worten größere Wirkung verleihen sollte. Spätestens seit dem 2.Vatikanischen Konzil 1962 werden sie nicht mehr benutzt.
Das Motiv des Posaunenengels geht auf Papst Leo I. (440-461) zurück, der schreibt, dass von der Kanzel die Posaune des Evangeliums ertöne.

Die Gestalt der Taube für die künstlerische Darstellung des Heiligen Geistes gründet sich auf den Bericht der Taufe Jesu im Neuen Testament.
Danach fuhr der heilige Geist in leiblicher Gestalt auf ihn hernieder wie eine Taube (Lk, 3,22). Obwohl dies nur bedeutet, dass sich der Geist bewegte sich wie eine Taube, nicht aber aussah wie ein Vogel, hat man die Taube als Symbol für die sonst nur schwer greifbare dritte Person Gottes gewählt. Das Konzil von Nicäa im Jahr 325 hat dies sogar empfohlen. Papst Benedikt XIV verbot 1745 die Darstellung der dritten göttlichen Person in Menschengestalt, wie sie vereinzelt immer noch vorkam.


Kanzelkreuz und Mater Dolorosa

An der Südwand hängt ein großes ausdrucksvolles Kruzifix (Kanzelkreuz) aus dem Beginn des 18.Jh. mit später erneuerter Inkarnat- und Goldfassung. Unter dem Kreuz steht -fast lebensgroß- die Mater dolorosa, die Schmerzhafte Muttergottes. Sie ist in ein Gewand mit stark bewegtem Faltenwurf gekleidet.
  
In der Brust Marias steckt ein langes Schwert. Ihr Haupt ist von einem Kranz mit Sternen umgeben (18.Jh.). Das Schwert erinnert an das Simeonwort im Lukasevangelium (Kap 2,35) bei der Darstellung im Tempel: "Dir selbst wird ein Schwert durch die Seele dringen", die zwölf Sterne weisen auf die Apokalyptische Frau, die Johannes in der Geheimen Offenbarung beschrieben hat.
  Hinweis: Das Kreuz heißt Kanzelkreuz, weil es in der Regel der Kanzel gegenüber an der Wand angebracht ist. Es erinnert den Prediger an den 1.Korintherbrief (1,3), in dem der hl.Paulus schreibt: "Wir predigen Christus als den Gekreuzigten". Die Ansprache soll nicht weltliche Dinge, sondern den Tod und die Auferstehung Christi zum Inhalt haben.


Vortragekreuze

 
An den Kirchenbänken sind zwei einfache Prozessionslaternen aus Messing sowie mehrere Vortragekreuze in neubarockem Stil befestigt. Ein Vortragekreuz hat eine rötliche Kreuzfläche mit goldener Rahmung und versilbertem Korpus. Es dürfte bei Prozessionen Verwendung finden.
Ein weiteres Vortragekreuz ist für Beerdigungen vorgesehen. Der Kreuzesstamm ist schwarz gefärbt, die Tragestange schwarz-weiß gestrichen. Unter dem mit Goldverzierungen geschmückten Kreuz ist ein Totenkopf angebracht.
  Hinweis: Vortragekreuze werden beim Kirchenein- und Auszug, Prozessionen, Wallfahrten sowie bei Beerdigungen vorangetragen. Dies geht zurück auf das Jesuswort "Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach". Bei Gebetsprozessionen (Bittgängen, Kreuzweg) wird der Corpus des Kreuzes zu den nachgehenden betenden Menschen gedreht, damit sie den Gekreuzigten vor Augen haben. Bei anderen Prozessionen, z.B. an Fronleichnam und beim Ein- und Auszug zeigt der Corpus in die Gehrichtung, d.h., er weist ihnen den Weg. Die ältesten Vortragekreuze stammen schon aus dem 6.Jh.
Bei Beerdigungen werden durch das Vortragekreuz die vom Priester gesprochenen Worte "Jesus geht uns voraus - wir werden ihn sehen" sowie "Das Zeichen unserer Hoffnung, das Kreuz unseres Herrn Jesus Christus sei aufgerichtet über deinem Grab"
sinnfälliger.


Figuren an den Wänden des Kirchenschiffs

An der Langhauswand ist eine Statue des hl.Johannes Nepomuk (mit Kreuz mit der rechten Hand) angebracht. Die Figur wurde um 1760/70 geschnitzt. Nepomuk ist im Stil eines Domherrn des 18.Jh. mit Rochett, Mozetta und Birett bekleidet. Die Mozetta, das mit einer Knopfreihe vorn geschlossene Schultertuch ist dem höheren Klerus vorbehalten. Das Wort kommt vom italienischen "abgeschnitten". Rochett (it.Rock) bezeichnet ein mit Stickereien verziertes weißes Hemd, das über dem schwarzen Talar getragen wird. Das Birett ist eine quadratisch geformte Mütze mit vier Stegen (Kardinäle nur drei Stege), das außerhalb des Gottesdienstes den Kopf der Priester bedeckt.
Hinweis: Johannes aus Pomuk, "ne Pomuk", war Ende des 14.Jh Generalvikar des Erzbischofs in Prag und machte sich wegen seines energischen Auftretens für die Rechte der Kirche beim König Wenzel unbeliebt. Der ließ ihn am 20. März 1393 gefangen nehmen, foltern, brannte ihn selbst mit Pechfackeln, ließ ihn durch die Straßen schleifen und schließlich in der Moldau ertränken. Die Legende berichtet, der eigentliche Grund sei gewesen, dass Johannes, der Beichtvater der Königin war, dem König keine Auskunft über die Sünden seiner Frau gab. Der Fundort der Leiche wurde durch eine Erscheinung von 5 Sternen geoffenbart. Sein Denkmal auf der Prager Karlsbrücke, das 1693 errichtet wurde, machte ihn zu einem der wichtigsten Brückenheiligen. Johannes wurde 1729 von Papst Benedikt XIII. heilig gesprochen und war deshalb während der Barock- und Rokokozeit als moderner Heiliger häufig abgebildet worden.

An der nördlichen Langhauswand ist ein an der Geißelsäule stehender Christus (Geißelheiland) zu sehen. Christus ist mit Handschellen an die
Steinsäule (in Balusterform) gekettet. Sein Leib ist wundenübersät. Das um die Hüften geschlungene Lendentuch, in der Kunst auch Perizoma genannt, ist vergoldet (um 1760).
Hinweis: Die ersten Darstellungen von Jesus an der Geißelsäule entstanden zwar schon im Mittelalter. In den Landkreis Dachau gelangten vereinzelte Bilder jedoch erst im 17.Jh. Die große Verbreitung dieser Darstellungen setzte noch 100 Jahre später, nach dem Wunder in der Wies (1738) ein. Der Heiland auf dem Bild beim Wiesbauern bei Steingaden soll Tränen vergossen haben. Daraufhin setzte eine Wallfahrt ein und die berühmte Wieskirche wurde gebaut. Die meisten der rd. 15 Geißelheiland-Darstellungen im Landkreis Dachau wurden nach dem Vorbild des Wies-Heilands gestaltet; so auch in Niederroth.
 
Am Mittelpfeiler des Gewölbes, das die Empore trägt, steht eine neubarocke Figur des Guten Hirten mit einem Schaf auf den Schultern. Jesus ist auf einen Hirtenstock gestützt. Der Kopf ist nach oben gewandt, sodass sein Gesicht für die Kirchenbesucher kaum zu erkennen ist. Hinweis: Die Darstellungen des Guten Hirten mit einem Schaf auf seinen Schultern waren in der Frühzeit auf die Sündenvergebung bezogen (Mt.18,12-14). In der Barockzeit trat die von Jesus auf die Priester übertragene Hirtenfunktion in den Vordergrund und damit dessen Hauptaufgabe, die Verkündigung des Evangeliums.

Am Aufgang zur Empore steht eine Nachbildung des Muttergottes-Gnadenbildes von Altötting. Sie ist in ein graues Gewand mit dem gleichen Schnitt wie in Altötting gekleidet. Die Muttergottes ist mit einer Krone in Form einer flachen Mütze gekrönt; die Zacken der Krone sind reliefartig aufgetragen. Maria trägt das bekleidete Jesuskind auf dem rechten Arm. In der Linken hat sie ein Zepter. Das Jesuskind hält in seiner Hand einen Apfel, die Vorläuferform des Reichsapfels (20.Jh).
  Hinweis: Der Apfel war schon im Altertum Sinnbild für den Kosmos, später auch für die Erde, nachdem man deren Kugelform erkannt und akzeptiert hatte. Der mit dem Kreuz versehene Reichsapfel in der Hand des Königs ist seit 1191 Teil der königlichen Insignien und symbolisiert den von Gott verliehenen Herrschaftsanspruch. Gleiches gilt auch für das Jesuskind. Hier kommt aber die weitere Bedeutung des Apfels als Paradiesapfel und Sinnbild für den Sündenfall hinzu: Jesus weist den Betrachter darauf hin, dass er durch seinen Tod die Erbsünde überwindet.
Hinweis: Das aus Lindenholz geschnitze Gnadenbild von Altötting ist wohl um 1330 am Oberrhein entstanden und kam um 1360 als Geschenk des Zisterzienserkloster Raitenhaslach nach Altötting. Sie war wohl ursprünglich rosa bemalt. Wahrscheinlich ist die schwarze Farbe im Laufe der Jahrhunderte durch Nachdunklung des Holzes und durch den Kerzenrauch in der engen Kapelle entstanden. Manche Historiker glauben auch, dass sie bewußt gefärbt wurden und verweisen auf das Hohe Lied des Salomons aus dem Alten Testament: "Schwarz bin ich, doch schön". Schwarze Madonnen galten im späten Mittelalter als besonders wundertätig. Dies mag seinen Grund auch darin haben, dass die schwarzen Madonnen besonders alt sind und ihnen deshalb eine größere Anzahl von Erhörungen zugeschrieben werden kann.

 




Weihwasserbehälter
  
Gegenüber der Muttergottesstatue steht der Weihwasserbehälter aus Holz, mit Eisenbändern zusammengehalten und mit einem eingravierten Christusmonogramm geschmückt. Am unteren Ende ist ein Wasserhahn angebracht. In diesem Weihwasserbehälter (Weihbrunnen) wird das in der Osternacht geweihte Wasser aufbewahrt, damit es von den Niederrother Gläubigen für die Gräber und für die Wohnung entnommen werden kann. Weihwasser hat nur eine symbolische Bedeutung und soll an die Taufe erinnern.


Opferstock
  In der Nähe des Eingangs steht ein schöner alter Opferstock (Höhe 96 cm) aus Schmiedeeisen mit drei Schließgurten auf Metallfüßen. Er könnte noch aus dem 17.Jh stammen.
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Empore und Orgel

Die Empore mit ihrem Kreuzgratgewölbe und Segmentbögen ruht auf einem achteckigen Mittelpfeiler. Die Brüstung ist verputzt und weiß gestrichen.
Die Orgel ist rund 250 Jahre alt. Sie stammt aus dem ehemaligen Kloster Taxa bei Odelzhausen, das bei der Säkularisation 1803 abgerissen wurde. Dort diente sie als sog. kleine Orgel (die größere steht heute in Altomünster). Vor dem Ankauf wurde sie repariert.
Die Orgel ist ein einmanualiges Werk mit fest angekoppeltem Pedal und acht klingenden Registern. Alle Holzregister und das Salicional (ein Metallregister) sind noch original erhalten. Der bescheidene Orgelprospekt mit  einem barocken Engelaufsatz stammt aus dem 19.Jh.
 

Disposition der Orgel (nach Brenninger - Stand 1975-):
Manual (C-c'''): Principal 8', Dolce 8', Salicional 8', Flöte 8', Gedeckt 8', Flöte 4', Mixtur 2,
Pedal: (C-f):       Sublbaß 16',angehängt

Die Schleierbretter sind im Stil des Frührokokos bemalt. Im Jahr 2002 wurde die Orgel von der Orgelbaufirma Heick aus Regensburg restauriert. Dabei wurde die ursprüngliche Windzufuhr durch ein modernes Gebläse ersetzt. Früher musste ein Helfer die oberhalb der Orgel im Dachboden angebrachten Blasebälge mittels zweier Seile - wie beim Glockenläuten- bedienen.
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  Hinweis: Mit ihren vielen Pfeifen, die über ein Gebläse zum Klingen gebracht werden, steht die Orgel meist im rückwärtigen Bereich der Kirche auf der Empore. Sie hielt erst allmählich Einzug in die Kirche, weil sie bis in das 11. Jahrhundert als profanes (weltliches) Instrument galt, das für das höfische Zeremoniell verwendet wurde. Erst ab dem 13. Jh wurde es zur Regel, in allen bedeutenden Kirchen Orgeln zu errichten. Heute gehört eine Orgel zur Ausstattung fast jeder Kirche. Mit ihrer Klangvielfalt und Klangfülle trägt sie zur Verschönerung des Gottesdienstes bei. Der Orgelprospekt, die Schauseite der Orgel, wurde früher meist durch Künstler gestaltet. Im Barock und im Klassizismus, deren Epochen unsere ältesten Orgeln im Landkreis Dachau angehören, wurde der Prospekt mit reicher Ornamentik verziert. Heute setzt sich immer mehr der "offene" Orgelprospekt durch, der allein durch die harmonische Anordnung der Pfeifen wirkt.



Pfarrhof

Der Pfarrhof in Niederroth wurde in den Jahren 1716 -1729 von dem Maurerpalier Georg Stubenpökh aus Weyhern errichtet. Der Kistler Martin Schwarzenpacher lieferte die Schreinerarbeiten.

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Die Gottesdienstordnung finden Sie hier...

Hans Schertl


Quellen
:
Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1880

Theodor Bitterauf, Die Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (Nr. 705, 720a, 739, 1044, 1057, 1067)
Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
Georg Brenninger, Orgeln und Orgelbauer im Landkreis Dachau, Amperland 1975/3
Max Gruber, Für Dachau tätige Architekten und Maurermeister, Amperland 1982/3
Jakob Mois,Konsekrationsbuch des Fürstbischofs Eckher, 1982 (Altarweihe 1707)
Max Gruber, Im Amperland tätige Kistler, Schreiner, Tischler und Schneidkistler, Amperland 1986/3
Josef Mass, Geschichte des Erzbistums München und Freising, 1986 (Wallfahrt Andechs)
Max Gruber, Im Amperland tätige Zimmermeister, Amperland 1986/4
Gottfried Weber, Die Romanik in Oberbayern, 1990
Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV, 1990
Dr.Stefan Nadler, Kunsttopographie des Erzbistums München und Freising, 1992

Niederroth - Ein Dorf im Dachauer Land, 1995
Robert Böck, Kirchenrechnungen Landgericht Dachau, 1996 (1689)
Festschrift FFW Niederroth 1998
Dachauer SZ vom 26.3.2002
Madonna-das Bild der Muttergottes, Dombergmuseum Freising, 2003
Tobias Zauscher, Die Aufhebung des Augustinerklosters Taxa 1802, Amperland 2003/3
Dachauer Nachrichten v. 17./18.4.2004, 8.9.2004, 11.7.07 (Dotationsgut)
Kiening, Genealogie (Franz Arnoldt)
55 Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Landkreis Dachau - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

27.6.2010