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Filialkirche St. Vitalis in SIGMERTSHAUSEN

 zur Kirchentür   

Adresse: 85244 Röhrmoos, Kirchenstraße 15
Lage der Kirche auf der Landkarte ...


Kurzbeschreibung

Die am Ortsrand liegende Filialkirche St. Vitalis der Pfarrei Großinzemoos in Sigmertshausen ist die bekannteste Kirche im Pfarrverband Röhrmoos-Großinzemoos; ein barockes Kleinod im Dachauer Hinterland.
Das Gotteshaus ist dem hl. Vitalis gewidmet, den es als Kirchenpatron kein zweites Mal im Dachauer Landkreis gibt.

Eine Kirche in Sigmertshausen (Sigmarishusen, bei den Häusern des Sigimar) wurde erstmals im Jahr 860 anlässlich eines Tausches unter dem Freisinger Bischof Anno (854 - 875) erwähnt.

Eine 1719 gefundene kleine Muttergottes-Figur löste eine vielbesuchte Wallfahrt aus.

Die heutige Kirche wurde 1755 deshalb als Wallfahrtskirche errichtet. Baumeister war wohl Johann Michael Fischer, der im Landkreis auch in Bergkirchen und Altomünster wirkte. Die Pläne könnten aber auch von Gunezrhainer (1692-1763), einem Kollegen Fischers, sein. Gunezrhainer hatte 30 Jahre vorher die Hofmarkkirche in Schönbrunn gebaut.

Gnadenfigur

Einzigartig an der Kirche ist die Geschlossenheit des Baukörpers. Als Dorfkirche ist ein solch vorbildliches Bauwerk nur durch die Hofmarksherren zu verstehen. Sie besitzt 120 Sitzplätze und 100 Stehplätze.

Inneneinrichtung

zur Beschreibung der Seitenaltärezur Beschreibung der Deckenfreskenzur Beschreibung der Deckengemälde im Altarraumzur Beschreibung des Choraltarszur Beschreibung der KanzelWangen der KirchenbänkeOpferstockzur Beschreibung von Kruzifix und Mater dolorosaVortragskreuzDurch starkes Abschrägen der Ecken ist das Schiff im Inneren zu einem fast quadratischem Zentralbau gestaltet. Der daran anschließende quadratische Chor ist stark eingezogen.

Die Deckenfresken hat 1755 Franz Joseph Degle gemalt (und signiert):
Im Chor zeigen sie die Anbetung der Hl.Dreifaltigkeit, am Chorbogen die Wappen der Hofmarksherren Ruffini und im Gewölbe der flachen Kuppel des Langhauses die Einsetzung des Gnadenbildes durch den Pfarrer von Röhrmoos.


Zu den Beschreibungen der einzelnen Einrichtungen per Mouseklick

Am Hochaltar ein großes Bild mit Szenen aus dem Leben und Sterben des Kirchenpatrons, des hl. Vitalis. Darunter steht das bekleidete Gnadenbild, eine Kopie der Hammerthaler Muttergottes aus der Klosterkirche der Augustiner-Eremiten in München.

Auch die schräg gestellten Seitenaltäre aus der Zeit um 1760 sind im Stil des Rokoko gehalten. Auf den 100 Jahre später gemalten Altarblättern sind die Patrone der Altäre, der hl.Franz Xaver und der hl.Leonhard dargestellt.

Rechts im Altarraum hängen Votivbilder, die an die frühere Wallfahrt erinnern.

Dass Sigmertshausen ein solch vorbildliches Bauwerk als Dorfkirche besitzt, ist der Wallfahrt, vor allem aber dem Hofmarksherrn als Finanzier zu verdanken. Die große Wallfahrtsbetrieb in Sigmertshausen (mit eigenem Kaplan für die Wallfahrerbetreuung) dauerte bis zum Beginn des 19.Jh. Danach beschränkte sich der Besuch auf einige Bittgänge aus den Pfarreien der Umgebung und auf Einzelwallfahrer.

Sigmertshausen gehörte bis 1953 zur Pfarrei Röhrmoos, seither zur Pfarrei Großinzemoos. Beide Pfarreien bilden schon seit mehreren Jahrzehnten einen Pfarrverband, der ab September 2008 mit dem Pfarrverband Hebertshausen/Ampermoching zum neuen Pfarrverband Hebertshausen-Röhrmoos zusammengelegt wurde.

Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen Hinweisen


Geschichte:  Mittelalter  Matrikel 1315  Matrikel 1524  Matrikel 1560  Matrikel 1738
   Wallfahrt  Neubau 1755  Beschreibg 1874  Primiz 1958
Ausstattung:  Altarraum  Apostelleuchter  Choraltar  Deckenfresken-1  Deckenfresken-2
 Glocken  Kanzel  Kanzelkreuz  Kapelle  Karner/Beinhaus
 Kirchenbau  Kirchenschiff  Kirchenbänke  Kreuzweg  Orgel
 Opferstock  Sakristei  Seitenaltäre  Votivbilder

Der Ort
Die Ortschaft Sigmertshausen wird bereits unter Bischof Anno (855-875) erstmals schriftlich erwähnt. Nach der in der Sammlung Freisinger Traditionen aufbewahrten Urkunde tauschte der Bischof mit dem Edlen Liutfrid Liegenschaften und Personal in Feldmochinga (Feldmoching) ein und gab Liutfrid als Gegenleistung Grundflächen in Sigimareshusir (Sigmertshausen). Die Urkunde wurde in der Zeit zwischen 860 und 875 ausgestellt. Das genaue Ausstellungsdatum wird nicht genannt. Das ist nicht ungewöhnlich, weil zum einen die Zeitrechnung ""nach Christi Geburt"" damals noch nicht verwendet wurde und zum anderen die auf römischen Brauch zurückgehende ausführliche Eingangsformel vereinfacht worden war. Nach römischen Recht musste an den Anfang des Schriftstücks eine umfassende Darstellung des Rechtsgeschäfts,die Aufführung der Zeugen, das Datum und die Unterschrift des Schreibers gesetzt werden. Ab dem 9.Jh. begnügte man sich mit einer kurzen Erwähnung der Rechtshandlung und einer akribischen Aufzählung der Zeugen des Vertragsabschlusses. Grund für die Vereinfachung war, dass im Fall der Anfechtung der Rechtshandlung der Hauptbeweis in den Zeugen lag. Bei der Beschreibung der Rechtshandlung hat man auch die Namen der Rechtsbeteiligten aufgeführt. War eine der Parteien die Kirche, wurde der Name des Bischofs genannt. Da die Regierungszeit der Freisinger Bischöfe bekannt ist, lässt sich aus dem Bischofsnamen die Zeit ermitteln, in der die Urkunde ausgestellt worden ist. Ein solcher Fall liegt auch bei der ältesten Urkunde der Sigmertshausener vor.

Vom 12. bis 15. Jahrhundert war der Ort Edelsitz der Sigmarshauser. Von 1561-1829 war Sigmertshausen eine Hofmark. Der jeweilige Hofmarksherr wohnte aber hier nicht dauerhaft. Zwar errichtete er im 17.Jh ein Schloss, doch das diente ihm nur zur vorübergehenden Unterkunft. Das Schloss stand westlich neben der Kirche (heute Obstgarten des Jagerbauern); um 1800 hat man es abgerissen.

 

Geschichte der Kirche


Auch die Kirche in Sigmertshausen (Sigmarishusen oder Sigmarishusir, bei den Häusern des Sigimar) ist in der Urkunde anlässlich des o.a. Tausches unter dem Freisinger Bischof Anno (854 - 875) erwähnt (Nr. 872 der Urkundensammlung Freisinger Traditionen).

Dabei dürfte es sich um einen Holzbau gehandel haben.

Konradinische Matrikel 1315
Auch in der Auflistung aller Kirchen im Bistum Freising von 1315 (Konradinischen Matrikel) ist Sigmertshausen unter der Bezeichnung "Sigmarshausen" als Filiale von "Rörenmos" enthalten.

Im 14.Jh herrschte das Rittergeschlecht der "Sigmarshauser". Sie stifteten 1367 eine Jahrtagsmesse für Friedrich und Elisabetha und die verstorbenen Eltern. Möglicherweise waren die beiden die letzten ihres Geschlechts; die Familie der Sigmarshauser ist bald darauf ausgestorben.

Sunderndorfer'sche Matrikel 1524
In der Sunderndorfer'schen Matrikel von 1524 wird als Patron der hl. Vitalis von Bologna genannt, der sich als römischer Soldat zum Christenglauben bekannte und den Märtyrertod erlitt. Sigmertshausen ist die einzige Kirche mit dem Kirchenpatron Vitalis in der Diözese München-Freising.

  
Ausschnitt aus der Karte des Geografen
Georg Philipp Finckh von 1655
Sigmertshausen=Simerzhaus

Visitationsbericht von 1560
Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation, eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet.
Die Visitation wurde durch bischöfliche und durch herzogliche Bevollmächtigte durchgeführt. Grund war die durch die Reformation Luthers (1517) entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen des Bistums zur Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte. Durch die Visitation wollte der Bischof einen detaillierten Einblick in die religiöse Situation der Pfarreien gewinnen. Insbesondere sollte festgestellt werden, ob die Pfarrer und die Gläubigen noch die katholischen Lehre vertraten oder der neuen Lehre anhingen. Daneben interessierte die Prüfer die Lebensführung der Pfarrer sowie Umfang und Qualität ihrer religiösen Kenntnisse.
Im Bericht über die Pfarrei Röhrmoos ist auch die Filialkirche St.Vitalis in der Hofmark Sümershausen kurz erwähnt. Der Zustand der Kirche fand keinen uneingeschränkten Gefallen. Der Kirchturm und die Kirchenstühle müssten repariert werden, ("khirchthurn und das gestuel dörfften machens"), heißt es, und dass im Inneren Gemälde fehlten ("nit vil gemeld in der kirchen"). Sonst bestehe kein Mangel. In der Kirche standen 3 schöne Altäre ("3 altär, zimblich ziert") und ein "nit wol beschlossen, aber wol beleucht" Sakramentshaus. Das Allerheiligste und die heiligen Öle wurden rein aufbewahrt. Der Pfarrer hielt hier alle drei Wochen eine Messe. An Stiftungen war nur ein Jahrtag vorhanden. "Pfarrer helts gegen den armen leuthen mit dem Selgeraidt leidentlich" heißt es, d.h. er staffelte bei Beerdigungen die Gebühr nach dem Einkommen der Hinterbliebenen.
An Gerätschaften seien vorhanden: 3 Kelche "darunder ain gueter", 3 Corporale, 3 Messbücher, ein Liturgiebuch, ein zerrissenes Gesangsbuch und 4 schlechte Messgewänder. Das Taufwasser werde in einem Krug aufbewahrt ("Baptismus ist in aim kruegl"). Und der Bericht endet mit dem Satz "mesner ist vleissig".

30jähriger Krieg
Beim Schwedeneinfall 1632 sind in Sigmertshausen 23 Personen gestorben. Von Beschädigungen der Kirche ist nichts bekannt.

Der Münchner Kartograph Michael Wening dessen Stich Sie unten sehen können, widmet in seinem um 1718 herausgegebenen Buch "Historico-topographica descriptio Bavariae" bei der Beschreibung des Schlosses Sigmertshausen auch einige Worte der Kirche: "In der zur Pfarr Rermosen gehörigen Filial Kirch rastet die Bildnuß desß H.Vitalis".

Kirchenbeschreibung 1738/40
In den Jahren 1738 bis 1740 hatte der Freisinger Kanonikus Schmidt alle Pfarreien der Diözese Freising besucht und in der nach ihm benannten Schmidt'schen Matrikel auch die Filialkirchen kurz beschrieben. Zur "Ecclesia filialis s.Vitalis in Simershausen" bemerkte er, sie sei ein mittelmäßig einzuschätzender Bau mit drei Altären. Der Hochaltar war dem Kirchenpatron St.Vitalis, die Seitenaltäre dem hl.Kastulus und der Jungfrau Maria (mit der Gnadenfigur aus Ton) geweiht.
   
Kirche und Schloss um 1700

Gottesdienste wurden in Sigmertshausen jeden dritten Sonntag gefeiert, im regelmäßigen Wechsel mit Röhrmoos und Schönbrunn. Das Kirchweihfest fiel auf den Sonntag nach Bartholomäus (24.Aug), das Patrozinium auf das Fest des hl.Vitalis (28.April). Um die Kirche herum lag der Friedhof mit Grabstätten und Beinhaus. Im Turm hingen zwei Glocken. Die Einkünfte der Kirche verwalteten der Pfarrer in Röhrmoos und der Hofmarksherr; das war Baron Unertl, der kurfürstlich bayerische Kanzler. Der Bericht schließt mit dem einzigen Satz in deutscher Sprache: Das Vermögen dises Gottshauses solle sich diser Zeit gegen 4000 fl. (=Gulden) belaufen", Das war für eine so kleine Kirche außerordentlich viel; insbesondere, wenn man sich das Vermögen der Kirchen in der Umgebung betrachtet (Röhrmoos: 400 Gulden, Rumeltshausen: 700 Gulden, Kleininzemoos:600 Gulden, Niederroth 1500 Gulden). Da wirkte sich wohl schon der Wallfahrtsbetrieb wirtschaftlich positiv aus.



Wallfahrt ab 1722
Besondere Berühmtheit erlangte die Filialkirche 1722 als bekannt wurde, dass eine kleine "spannenlange" Statue der Muttergottes mit dem Jesuskind auf dem Arm, Wunder vollbracht haben soll. Der 13-jährige Ziegenhirte Thomas Hoffwürth hatte 1719 gesehen, wie ein Schafbock auf dem nahen Sandberg eine kleine tönernes Marienfigur aus dem Boden scharrte. Bei dieser Statue könnte es sich um eine um eine Kopie der Hammerthaler Muttergottes aus der früheren Klosterkirche der Augustiner-Eremiten in München (jetziges Deutsches Jagdmuseum an der Neuhauser Straße) gehandelt haben, das seit der Säkularisation auf einem Seitenaltar in der Münchner Heilig-Geist-Kirche am Viktualienmarkt steht. Das vermutet jedenfalls Robert Böck in seinem Buch "Wallfahrten im Dachauer Land".
Solche Kopien waren -am Original "anberührt''-von den Wallfahrern als Devotionalie mit nach Hause genommen oder von über Land ziehenden Hausierern für etliche Kreuzer erworben worden. Der Hirte behielt die Statuette bei sich.Als erste Berichte über wunderbare Gebets-erhörungen in Umlauf kamen, ließ der Röhrmooser Pfarrer Kreitmayr das Marienfigürchen in die Pfarrkirche von Röhrmoos bringen.


    Gnadenbild

Auf wunderbare Weise verschwand das Bild mehrmals über Nacht und tauchte in Sigmertshausen wieder auf. Nun wurde die Figur in Sigmertshausen belassen, wo es sich bald auch hier gegen Bresthaftigkeit und Krankheit in unterschiedlichen Zuständen hilfreich zeigte und spontan eine vielbesuchte Wallfahrt auslöste. Eine etwas andere Geschichte erzählte der Augustinerchorherr Georgius Penzl, der 1740 die Indersdorfer Chronik verfasste. Danach sammelte der Hirtenjunge Früchte an einer Stelle, wo sich eine Erdspalte befand. Eines Tages sah er in diesem Spalt eine heilige Statue, die auf

der Erde stand. Nachdem er die Erde mit dem Messer kreisförmig entfernt hatte,entdeckte er, dass um die Statue vier Bäumchen im Quadrat eingesteckt waren. Die Sigmertshausener Bauern besichtigten die Fundstelle. Unter ihnen befanden sich welche, die bezeugten, von ihren Eltern gehört zu haben, dass sich nach dem Schwedenkrieg in unmittelbarer Nähe ein unterirdisches Kapellchen befunden haben soll. Zu ihr hätten in die Erde gehauene Stufen geführt, so eng, dass nur einer nach dem anderen eintreten konnte. Für zwei Personen sei kein Platz vorhanden gewesen (Erdställe ?).
Der Mönch Penzl war der Wallfahrt in Sigmertshausen gegenüber kritisch eingestellt. Er bezweifelte nicht nur die Heiligkeit der Statuette, sondern auch die ersten Heilungsberichte, die seiner Meinung nach vor allem von Leuten verbreitet wurden, die sich von der Wallfahrt einen wirtschaftlichen Nutzen versprachen. Doch die kritischen Berichte von Penzl bewirkten nichts mehr. Die Wallfahrt hatte schon ihre eigene Dynamik entwickelt. Davon zeugen viele Votivbilder, unter denen sich die beiden Votivbilder des Bayerischen Herrscherhauses von 1731 über das Mittelmaß hinaus erheben. Das Hilfe suchende Kind dürfte der bayer. Kronprinz Max Josef sein, der 1727 geboren wurde und 1731 vier Jahre alt war.


Kirchenneubau im Jahr 1755
Der anschwellende Strom der Wallfahrer war -neben Schäden durch Blitzschlag- wohl auch der eigentliche Grund für den Kirchenneubau im Jahr 1755/56. Sechs Messen mussten täglich gelesen werden. Der Bau war ein Werk des damaligen Pfarrers von Röhrmoos, Franz Xaver Ponschab. Der hatte schon zwanzig Jahre vorher vergeblich einen Neubau beantragt. Als die Hofmark 1754 von den Unertl an die Ruffinis überging, sah er die Gelegenheit gekommen. Er riss er das Gotteshaus ohne Genehmigung ab und begann sofort mit dem Neubau und schuf so vollendete Tatsachen. Erst als die Kirchenmauern schon drei Meter hoch waren, schickte er die Pläne zum Freisinger Bischof. Dem passte die Form der Kirche als Zentralbau zwar nicht, aber wegen des Baufortschritts ("10 schuech aus der Erde") stimmte er mit Bedenken zu. Auch der neue Hofmarksherr, der Kurfürstl. Hofrat Baron Franz Xaver von Ruffini war empört und beschwerte sich, dass er übergangen worden war. Aber schließlich übernahm er doch einen Teil der Kosten (rd. 1000 Gulden) und förderte den Bau großzügig. 3824 Gulden soll der Bau gekostet haben, der 1756 vom Freisinger Fürstbischof Ludwig Josef Freiherr von Welden eingeweiht wurde. Das Wappen der Ruffinis ist übrigens über dem Chorbogen in der Kirche zu sehen.
Mehr über den Bau siehe unten bei Kirchenbau...

Die Wallfahrt hatte ihre Blütezeit von 1722 bis zur Säkularisation 1803. Aufzeichnungen im Ordinariat belegen, dass damals täglich 4 bis 6 hl. Messen gelesen wurden; meist von Priestern, die mit ihren Pfarrkindern im Wallfahrtszug nach Sigmertshausen kamen. Nach der Säkularisation erlosch die Wallfahrt langsam bis sie um 1850 endete.

Altarweihe 1779

Weiheurkunden der Altäre 1779
Am 30.Juni 1779 weihte der Freisinger Fürstbischof Ludwig Joseph Freiherr von Welden (1768–1788) alle drei Altäre in Sigmertshausen. Die Urkunden, in denen die Weihe bestätigt wird, hängen gerahmt in der Sakristei. Darin ist u.a. vermerkt, welche Reliquien in den Altären bei der Weihe "bestattet" wurden. Es sind Partikel folgender Heiliger:
- Choraltar (SS.Vitalis u. Maria): Marcellus,Anastasti,Castulus,Venust, Rupertus, Eugenie u. Justina.
- Altar links (St.Leonhard): Aurelius, Paulinus, Eufrasius, Valentin, Edigna Vincentia
- Altar rechts (Franz Xaver): Felix, Chrisant, Faustin, Virgil, Bonofa u. Venusta.
Des weiteren wird auf dem Dokument hingewiesen, dass alle Gläubigen, die bei der Weihe anwesend
waren oder an den späteren Weihe-Jahrtagen die Kirche besuchen, einen Ablass von 40 Tagen erhalten.
Dass Altäre erst viele Jahre nach ihrer Aufstellung geweiht wurden, war früher nicht selten. Für den Bischof war auch eine Fahrt von Freising nach Sigmertshausen auf ungeteerten Straßen beschwerlich. Da ließ er in der Regel mehrere Weihen zusammenkommen, die er auf einer Reise erledigen konnte.


Beschreibung 1874
In der Statistischen Beschreibung des Erzbistums München und Freising vom Beneficiaten an der Domkirche Anton Mayer aus dem Jahr 1874 ist auch die Kirche von Sigmertshausen enthalten. Zu ihr gehörten 202 Dorfbewohner (Seelen), die in 44 Häusern wohnten. Sigmertshausen war damals die größte Ortschaft der Pfarrei.

Zur Kirche schreibt Mayer: "Simmertshausen. An der Vicinalstraße (=Landstraße) von Dachau nach Indersdorf gelegen. Erbauungsjahr 1755. Baumeister Fischer von München. Italienischer Stil. Geräumigkeit genügend. Baupflicht an der Kirche das Aerar, der Pfründebesitzer und die Bruderschaft in Kreuzholzhausen. Kuppel-Thürmchen mit 3 kleinen Glocken. 3 Altäre. Orgel mit 6 Registern, aufgestellt 1867. Gottesdienste: jeden dritten Sonntag im Turnus, Oster- u.Pfingstmontag, Stephanstag (=26.12.), am Patrocinium d.i. am Sonntag nach Vitalis (=28.4). Stiftungen: 9 Jahrtage, 1 Jahrmesse, 52 Wochenmessen. Meßner ist der Weber des Ortes, welcher auch an den Sonn-und Festtagen nachmittags den Rosenkranz betet. Cantor ist der Lehrer (von Röhrmoos). Kirchenvermögen: 12.700 Gulden" (das war für eine kleine Kirche sehr viel Geld).

Blitzeinschlag 1943
Am 19.Juli 1943 war, wie Pfarrer Endres schreibt, "wieder ein starkes Gewitter über Röhrmoos hinweggegangen. In Sigmertshausen schlug abends ½ 7 ein Blitz in die Kirche, zündete aber nicht. Der Blitzstrahl fuhr auf der Evangelienseite innerhalb der Mauer herunter und kam ungefähr 1 m hoch über dem Erdboden aus der Mauer heraus. Als Spuren hinterließ er 2 Löcher in der Mauer, einen durchgeschmolzenen eisernen Mauerring (an dem früher die Opferkerzen befestigt wurden) und auf dem Kirchendach einen umgelegten Blitzableiter. Die Gefahr ging noch glücklich vorüber".


Turm mit gedrückter Zwiebel


Umpfarrung 1953
Die Filialkirche Sigmertshausen gehörte bis 1953 zur Pfarrei Röhrmoos, seither zur Pfarrei Großinzemoos. Beide Pfarreien bilden schon seit mehreren Jahrzehnten einen Pfarrverband, der im September 2008 mit dem Pfarrverband Hebertshausen/Ampermoching zu einem der größten Pfarrverbände des Landkreises zusammengelegt wurde.


Renovierungen

1934: Herausnahme der "stilwidrigen, bemalten Fenster" und Einsetzen von "hellen, farbigen Antikglasfenstern durch Syrius Eberle, Glasmaler in Dachau. Jedes Fenster kostete 148 RM; Geistl.Rat Steininger aus Schönbrunn stiftete hierfür RM 340.-.

1935 wurde die in ihrem Äußeren sehr heruntergekommene Kirche renoviert. Insbesondere am Dach der Kirche und des Turms war viel zu tun. Davon existiert ein Bericht von Pfarrer Niklas in der Pfarrchronik.
Wenn Sie daran interessiert sind, klicken Sie hier...

1943:In diesem Jahr wurden von Faßmaler Eixenberger und Kunstmaler Albrecht vor allem Innenrenovierungsarbeiten (für 9400 RM) vorgenommen (Decke, Altäre, Figuren, Kreuzweg). Dabei wurde die Kirche in ihrem ursprünglichen Aussehen wiederhergestellt, eine Reihe von Heiligenfiguren (künstlerisch wertlose Fabrikwaren aus Gips), die sich in der Kirche im Laufe der letzten Jahrzehnte angesammelt hatten, wurden aus der Kirche entfernt. Bei der Renovierung wurde auch das elektrische Licht in der Kirche eingerichtet.

Statistik
In den alten Matrikeln, Beschreibungen und Zeitungsberichten werden immer wieder Zahlen genannt, die sich auf die Bevölkerung, die Seelen (Pfarreiangehörige), Häuser, Anwesen, Gebäude oder Familien beziehen. Leider ist die Bezugsgröße dieser Zahlen sehr unterschiedlich; sie sind deshalb nicht immer vergleichbar. So beziehen sich die Werte teils auf die Ortschaft oder die Gemeinde, teils auf die Pfarrei bzw. den Filialkirchenbezirk.
1852: Gemeinde Sigmertshausen mit 53 Familien und 223 Einwohnern
1874: Filialkirche mit 202 Gläubigen in 44 Häusern.
1888: Ortschaft mit 230 Einwohnern
1933: Gemeinde mit 234 Einwohnern
1939: Gemeinde mit 222 Einwohnern

1988: Ortschaft mit 600 Einwohnern


Berichte aus dem Pfarrleben
Am 13.7.1958 hat man in Sigmertshausen die Primiz von H.H.Johann Eichenseer gefeiert werden. "Ein solches Fest hat Sigmertshausen noch nie erlebt" schreibt Franz Thaler. Wenn Sie den Bericht lesen möchten, klicken Sie hier....

 

Baubeschreibung


Ob die Pläne vom Kurfürstlichen Hofbaumeister Johann Michael Fischer (1692-1766) gezeichnet wurden, ist umstritten. Sie könnten auch von Baptist Gunezrainer (1692-1763), dem Schwager Fischers, stammen. Die Bauleitung lag aber bei Fischer. Ein Hinweis darauf kommt vom Historiker Lorenz Westenrieder (1748-1829), der 1792 in seiner Beschreibung des Landgerichts Dachau notierte:
 

"In Sigmertshausen, wohin ich meinen Weg nahm, ist eine von Maurermeister Fischer von München 1755 erbaute Kirche, deren schöne, nach italienischer Bauart gestaltete Rundung und Wölbung auch das ungetrübteste Auge mit Vergnügen und Bewunderung an sich zieht, aber auch zugleich den Wunsch erregt, daß künftig bei Erbauung neuer Kirchen stets die Vorsorge getroffen werden möge, die so häufig ungestalten und nicht selten plumpen Formen der Kirchen und deren Türme nach und nach zu verringern und Schönheit und Erhabenheit mit Dauerhaftigkeit zu verbinden".


Von außen erkennt der Besucher zunächst die Geschlossenheit des Baukörpers, der sich im Westen auch der gedrungene Kirchturm einfügt. Aber schon der schön geschwungene, schindelgedeckte Turmhelm (eingeschnürte Zwiebelhaube) verrät etwas von der Kunstfertigkeit, die ihn im Inneren der Kirche erwartet. Die Turmecken sind abgeschrägt; das geschwungene Kranzgesims tritt am Fuße der großen, breiten Schallfenster leicht hervor. Man glaubt zunächst, einen Dachreiter vor sich zu haben, aber der 28 m hohe Turm ist in die Kirche hineingebaut. Er wird von zwei Treppenhäusern flankiert, die mit dem Turm die gesamte Breite des Kirchenschiffs ausmachen.

Hinweis: Woher die so typisch bayerisch-barock anmutende Zwiebelform kommt, ist erstaunlicherweise nicht geklärt. Einige der Experten vermuten, dass sie eine Nachahmung und Weiterentwicklung der im 7.Jh errichteten Moschee auf dem Tempelberg in Jerusalem (Felsendom) und somit arabischen Ursprungs ist. Damals glaubten europäische Baumeister, die Kuppel stamme noch vom Tempel Salomons und verbanden mit ihr die Vision vom himmlischen Jerusalem. Andere Kunstexperten sehen in der Zwiebel eine Weiterentwick-lung der byzantinischen Kuppel, die auch in Russland großen Anklang fand. Fest steht jedoch, dass die
ältesten zwiebelförmigen Kuppeln im alten Baiern die der Münchner Frauentürme sind (1525). Weite Verbreitung fand die Zwiebel als Bauform aber erst im Italien der Renaissance und bei uns in der Barockzeit nach dem 30jährigen Krieg. Ihre Form -unten bauchig, oben spitz- passte wunderbar zur Kunstauffassung und zum Lebensstil des Barocks und galt "als Synthese aus der Bewegung ins Übersinnliche und dem Verharren in den Wölbungen des Sinnlichen".

Im Turm hängen hinter hohen rundbogigen Schallöffnungen drei Glocken, von denen eine bereits im Jahr 1472 von Hans von Rosen gegossen wurde, wie auf der Inschrift am Glockenmantel zu lesen ist: "Ave maria gracia plena, dominus tecvm 1472 Hans Rosen". Die Marienglocke erklingt im Grundton f ''(?), wiegt 230 kg und besteht aus Bronze. Sie wurde 2012 von der Fa. Perner in Passau (für 9000 €) repariert und vor dem Hochziehen feierlich konsekriert (geweiht).
Die anderen beiden Glocken wurden 1950 bei der Gießerei Karl Czudnochowsky, Erding für 1680 DM beschafft: Eine Michaelsglocke (76 kg, Ton f'', ) sowie wieder eine Vitalisglocke (192 kg, Ton c'').
Prof.Berberich schreibt in seinem Gutachten über die Glockenprüfung von 1950: "Die Terzen sind Mollterzen, die Quinten sehr rein. Also ein liebliches Dreigeläute ohne jede Mißstimmung".

Beide Glocken bestehen aus Euphon, einer zinnfreien Bronze und sind für Kriegszwecke nicht zu gebrauchen. Dieses Material bot sich damals auch deswegen an, weil nach dem Krieg Zinn für Glockengießerein nicht in der nötigen Menge zu bekommen war. Von der Weihe und der Installation der beiden Glocken am 2.7.1950 wird berichtet, es sei ein großes Fest gewesen. Im Hof des Jagerbauern wurden die Glocken durch den Prälaten (und Historiker) Dr.Mich.Hartig gesegnet, dann zur Kirche gebracht und hochgezogen. Die Tochter des Zimmermanns, die Maurerschuster Resi, kletterte auf einer außen an den Glockenturm gelehnten Leiter neben den Glocken her bis hinauf zu den Schalllöchern. Über die Beschaffung und Weihe der neuen Ersatzglocken im Jahr 1950 gibt es Berichte in der Pfarrchronik; wenn Sie sie lesen möchten,
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Glockenweihe 1950    


Frühere Glocken
Das Problem der Bronzeglocken, die eingeschmolzen zu Munition verarbeitet werden können, traf auch Sigmertshausen. Im Ersten Weltkrieg musste mindesten eine Glocke abgeliefert werden. Im Zweiten Weltkrieg wurden zwei Glocken aus dem Jahr 1925 eingeschmolzen. Die beiden Glocken von 1925, die 1942 eingeschmolzen wurden, waren beim Gießer Rudolf Oberascher aus München beschafft worden.
- Die 282 kg schwere Marienglocke hatte die Inschrift auf der Glocke: "Im Krieg ein Opfer der Feinde schuf mich neu die Gemeinde
  Sigmertshausen 1925". Weitere Daten der Glocke: unterer Durchmesser 80 cm; Klanganalyse: c2 Glocke - Schlagton und
  Eigenton c2 - Unterton cis1– Oberterz es2 + ¼ -Quinte g2 + ¼.
- Das kleinere Glöckchen hatte die Daten: Gewicht 82 kg; unterer Durchmesser 70 cm; Klanganalyse: f2 - Schlagton und Eigenton
  f2 - Unterton fis1- 1/16 - Oberterz as2 + ¼ - Quinte c3 ; München, Inschrift: "Mich goss Rudolf Oberascher-München 1925
  (St. Vitalis)".

Kurz bevor die Glocken abgeliefert werden mussten (am 29.1.1942), wurden sie zusammen geläutet als Abschiedsgruß der scheidenden Glocken von der Ortschaft Sigmertshausen, schreibt Pfarrer Endres.
Wenn Sie eine Aufstellung der ältesten Glocken des Landkreises Dachau sehen möchten,
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Durch starkes Abschrägen der Ecken ist das Kirchenschiff-Innere zu einem Zentralbau gestaltet, und zwar wesentlich einfacher noch als in Bergkirchen. In Sigmertshausen hat das Langhaus fast quadratische Form (wie der Altarraum), die Ecken mit den Nischen sind noch geschmeidiger abgerundet als in Bergkirchen. Es ist durch flache Pilaster und ein umlaufendes Gebälk gegliedert. Die Westwand öffnet sich erstaunlich hoch in den Turm und zeigt eine kleine, ebenfalls sehr hochgelegene Orgelempore. Die Ruhe, die von diesem Raum ausgeht, entspricht durchaus der Geschlossenheit des Baukörpers von außen. Der ebenfalls quadratische Altarraum schließt gerade und ist etwas eingezogen.


Weihnachtstaler 1996


An der Langhaussüdseite ist ein Missionskreuz aus der 2.Hälfte des 19.Jh angebracht. Es wird von einer halbkreisförmigen Überdachung aus Blech vor den Unbilden der Witterung geschützt. Die Vorderseite des Bleches ist mit Kreuzornamenten geschmückt. Dies hat eine über die reine Verzierung hinausgehende Bedeutung: Die Ornamente zeichnen den täglichen Lauf der Sonne vom Aufgang im Osten bis zum Niedergang im Westen nach. So wie die Sonne wieder aufgeht, so ist auch Christus auferstanden und so wird auch der Mensch vom Grabe auferstehen.
Das Kruzifix erinnert an eine der Volksmissionen, die in der Pfarrei durchgeführt wurden.


Missionskreuz

 

 

Hinweis: Die Volksmission geht auf das Konzil von Trient (1545-1563) zurück und war Teil der kath. Gegenreformation. In Bayern wurde die erste Volksmission 1843 in Tuntenhausen von den Redemptoristen abgehalten. Das kirchliche Gesetzbuch von 1917 schrieb z.B. vor, dass wenigstens alle zehn Jahre eine Volksmission durchgeführt werden solle.
Durch die Volksmission sollten die Gläubigen in den katholischen Gemeinden in einer Art Crashkurs von zehn bis fünfzehn Tagen wieder intensiver an die Sakramente, die Glaubenslehren und die Moral herangeführt werden. Dies geschah in der Regel durch speziell geschulte Ordensleute mit besonderen rhetorischen Begabungen. Sie hielten Predigten, luden zur Beichte ein, feierten Messen und hielten zahlreiche Vorträge. Mitunter wurden die Kanzeln in dieser Zeit sehr beansprucht, da öfter einmal harte Schläge auf die Holzeinfassung erfolgten. Im Vordergrund stand aber nicht die Förderung der christlichen Gemeinschaft, sondern das persönliche Verhältnis zu Gott nach dem Motto "Rette deine Seele". Bei diesen Volksmissionen wirkte bis zum 2.Vatikanischen Konzil noch ganz die alte Frömmigkeitshaltung des Barock nach, auch seine starre Liturgie, bald als dunkle Wucht, bald als feierliche Pracht. Christliche Verkündigung, die Lebensfülle der hl.Schrift, wurde verengt auf moralische Verbote. Damals wurden das 6.Gebot und die Kirchengebote (Keuschheit, Sonntagsgebot, Fasten und Abstinenzen) zum wichtigsten Inhalt katholischen Lebens gemacht. Tugendbündnisse und Jungfrauenkongregationen entstanden. Der Zulauf zu den Volksmissionen war dennoch groß.
Heutzutage wird die Volksmission durch neuen Formen der Schulungs- und Missions- bzw. Evangelisationsarbeit ersetzt.

Südlich am Übergang vom Chor zum Langhaus ist die doppelgeschossige Sakristei angebaut.


Kapelle an der Friedhofsmauer

 
Florianskapelle

Die Kirche liegt etwas erhöht im Dorf und ist von einem Friedhof umgeben. Die massiv wirkende Friedhofsmauer ist schräggestellt und wird von Stützpfeilern verstärkt. In die Friedhofsmauer ist eine kleine Kapelle mit profiliertem Dreiecksgiebel, Pilastergliederung und Satteldach angebaut. Darin steht in einer rundbogigen, verglasten Nische eine wohl neubarocke, sehr farbig gefasste Skulptur von St. Florian. Der Heilige ist in römischer Soldatenkleidung dargestellt. Mit seiner rechten Hand schüttet er aus einem Schaff Wasser über ein brennendes Haus zu seinen Füßen.
Die aus Terracotta bestehende Figur stammt aus der Mayer'schen Kunstanstalt in München (Preis 145.- Mark) und wurde am 30.8.1875 aufgestellt...mehr zur Mayer'schen Kunstanstalt...


St.Florian   

Die letzte Renovierung wurde in den Jahren 1980-84 durchgeführt.


Innenausstattung

Die Kirche hat bis zu 100 Sitzplätze.

Altarraum

Die Ausstattung stammt aus der Zeit des Neubaus um 1755.

Der etwas eingezogene, 8 Meter hohe Altarraum mit quadratischem Grundriss ist gegenüber dem Kirchenschiff um zwei Stufen erhöht. Er wird nur durch ein Nordfenster erhellt. Der Chor ist mit einer sog. böhmischen Kappe überwölbt.
Pfarrer Endres behauptete, der Altarraum enthalte noch Reste der früheren romanischen Kirche.


Deckenfresken im Chor

Die Deckenfresken (auch des Langhauses) mit aufgemalter Scheinstuckatur stammen von Franz Joseph Degle aus Augsburg (1724-1812), dessen Signatur im Hauptgemälde gut sichtbar ist (F.J.Degle inv: & Pinx: ano 1755). Die Fresken in Sigmertshausen sind die einzigen Gemälde von Degle im Landkreis Dachau. Er war damals 31 Jahre alt, hatte aber schon mit 26 Jahren die Fresken von Mauerstetten bei Kaufbeuren und mit 29 Jahren die in Unterostendorf geschaffen. Degle war ein Schüler von Thomas Scheffler und wurde 1761 mit dem Titel eines Münchener Hofmalers geehrt. 1812 starb er in Augsburg. Von Ihm waren sicher auch die Altarbilder der Kirche. Im Jahr 1943 wurden die Deckengemälde durch Kunstmaler Albrecht (für 1340 RM) und 1983 durch Rudolf Pfaller aus Ingolstadt restauriert.

      
Anbetung der Hl.Dreifaltigkeit    

Das mit 3,75 x 3,75 m große quadratische Fresko im Chor zeigt es die Anbetung der Hl. Dreifaltigkeit durch Engelschöre. Mittelpunkt sind -auf Wolken sitzend- Gottvater (rechts), Christus im roten Mantel mit dem Kreuz in der Hand und zwischen den beiden Köpfen, der Hl. Geist in Gestalt einer Taube im Strahlenkranz. Gottvater und Gottsohn sitzen aber nicht nebeneinander und blicken auf den Betrachter, wie sonst, sondern einander gegenüber, sodass sie nur im Profil zu sehen sind. Degle wollte damit und mit dem großen Kreuz sein perspektivisches Können offenbaren. Die göttlichen Personen sind umgeben von einer Vielzahl von Rauchfass schwingenden und anbetenden Engeln. An den Ecken des Gemäldes sind vier kleine Rocaille-Kartuschen mit Putten angefügt. Die Bögen sind brokatartig verziert.

  Hinweis: Das Rauchfass entwickelte sich erst in christlicher Zeit. Räucherungen im jüdischen Kult wurden auf Räucheraltären vorgenommen. Wie dort soll der aufsteigende Rauch Verehrung und Gebet bedeuten. In der Apokalypse findet sich die Gleichsetzung des aus dem Rauchfass aufsteigenden Duftes mit Gebet und guten Werken. In der christlichen Kunst fehlt das Rauchfass bei keiner Darstellung des Todes von Maria.



Hochaltar / Choraltar

Der Choraltar aus der Erbauungszeit von 1760 wurde am 30.Juni 1779 (zusammen mit den Seitenaltären) vom Freisinger Fürstbischof Ludwig Joseph Freiherr von Welden (1768–1788) geweiht. Die Urkunde, in der die Weihe bestätigt wird, hängt gerahmt in der Sakristei. Darin ist u.a. vermerkt, welche Reliquie im Altar bei der Weihe "bestattet" wurden. Es sind Partikel folgender Heiliger: Marcellus, Anastasti, Castulus, Venust, Rupertus, Eugenie und Justina.
Des weiteren wird darauf hingewiesen, dass alle Gläubigen, die bei der Weihe anwesend waren oder an den späteren Weihe-Jahrtagen die Kirche besuchen, einen Ablass von 40 Tagen erhalten.

Altaraufsatz

Im geschweiften Altaraufsatz zwischen mächtigem Gebälk schwebt eine Heilig-Geist-Taube im Strahlenkranz vor einer gelben Lichtscheibe, umgeben von einer Vielzahl von Putten.


Hl.Geist
Hinweis: Die Gestalt der Taube für die künstlerische Darstellung des Heiligen Geistes gründet sich auf den Bericht der Taufe Jesu im Neuen Testament. Danach fuhr der heilige Geist in leiblicher Gestalt auf Jesus hernieder wie eine Taube (Lk, 3,22). Obwohl dies nur bedeutet, dass sich der Geist bewegte wie eine Taube,
  nicht aber aussah wie ein Vogel, hat man die Taube als Symbol für die sonst nur schwer greifbare dritte Person Gottes gewählt. Das Konzil von Nicäa im Jahr 325 hat dies sogar empfohlen. Papst Benedikt XIV. verbot 1745 die Darstellung der dritten göttlichen Person in Menschengestalt, wie sie vereinzelt immer noch vorkam.
Gnadenbild
Auf dem Tabernakel am Rokoko-Hochaltar aus der Zeit um 1760 steht das mit einem weiten Mantel bekleidete Gnadenbild, eine Muttergottes mit Kind (30 cm hoch).

Gnadenbild
Es steht auf einer hölzernen und mit getriebenem und versilbertem Messingblech überzogenen Rokokokonsole, mit der Aufschrift: Die WunDerThaeTige BilDnus UnSer LieBe Frauen In SimmerTsHavsen". Zu diesem Gnadenbild "Fraumantel in Sigmertshausen" wallfahrteten viele Jahre lang viele Gläubige.

Altarblatt
Dahinter das große Altarbild (Öl auf Leinwand) mit Szenen aus dem Leben des hl. Vitalis (1760). In der Mitte seine Aufnahme in den Himmel. Ein Engel hält den Lorbeerkranz als Zeichen des Sieges bereit. Vitalis, in den roten Mantel des Märtyrers gehüllt, wird von Engeln in den Himmel getragen. Die unter ihm schwebenden Putten passen sehr gut zu den Aufbauten für das Wallfahrtsbild, die den unteren Teil des Bildes, in dem das Martyrien des hl.Vitalis -links- und der hl.Valeria -rechts- gezeigt wird, fast verdecken.

St.Vitalis
St.Vitalis (Festtag 28.April) war römischer Soldat, der im Jahr 62 unter Kaiser Nero (noch zu Lebzeiten von St.Petrus), den hl. Arzt Ursicinus beim Martyrium ermutigte. Daraufhin wurde er selbst zuerst mit einer stacheligen Keule geprügelt und dann in einer Grube bei lebendigem Leib begraben. Der hl. Ambrosius soll den Leichnam auf wunderbare Weise gefunden haben.
Sein Grab ist in der Seitenapsis der Kirche St. Vitalis e Agricola (einer Teilkirche von St.Stefano) in Bologna. Vitalis war mit St.Valeria verheiratet.
  Hinweis: Der Kranz war das Ehrenzeichen des siegreichen Athleten, z.B. bei den Olympischen Spielen der Antike in Form eines Gewindes aus Laub, Blumen u.ä. Das Christusmonogramm war in der frühen Kirche öfters von einem Kranz umgeben und bezeichnete so Christus als den Sieger über den Tod (daher häufig auf Sarkophagen) oder - da die siegreichen römischen Kaiser den Lorbeerkranz trugen - als Kyrios, den Herrn der Welt. Als Siegeszeichen gebührte der Kranz auch den Märtyrern.
Assistenzfiguren am Hochaltar sind die Großeltern Jesu und Eltern von Maria, die Heiligen Joachim und Anna. Die Statuen stammen noch aus der Erbauungszeit der Kirche.
  Hinweis: Nach dem Protoevangelium des Jakobus aus der 2. Hälfte des 2. Jh waren Anna und Joachim die Eltern Marias und damit die Großeltern von Jesus. Im 5. und 6. Jahrhundert wurden ihre Namen in Marienlegenden weiterverbreitet. Besonders die Orden der Karmeliten und Kapuziner förderten die Verehrung von Joachim und Anna.
Der Tabernakel (Drehtabernakel) ist eine geschweifte dreiseitige Anlage aus Holz, golden gefasst und mit Rocailleornamenten verziert.

Votivbilder
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An der Südseite des Altarraums ist ein Oratorium eingebaut. Darunter hängt noch eine Reihe von Votivbildern. Die wertvollsten Bilder sind aus Sicherheitsgründen ausgelagert, darunter auch Stiftungen des Kurfürstenpaars aus dem Jahr 1731, die älter sind als die Kirche selbst.

Das Präfix "Votiv" kommt aus dem Lateinischen "ex voto" und bedeutet: "zum Gelöbnis". Die Aufschrift "ex voto" war bereits in altrömischer Zeit auf Opfergaben gebräuchlich. Die Sitte setzte sich dann bei den christlichen Votivgaben fort.
Die Votivbilder oder auch Votivgaben (z.B. Holzmodelle von Körpergliedern) werden zum Dank für den himmlischen Beistand eines Heiligen bei der Heilung einer Krankheit oder der Lösung eines schwierigen Problems an einem Wallfahrtsort ausgestellt. Meist hatten sich der Kranke oder seine Familie am Wallfahrtsort an die Heiligen gewandt, denen die Kirche geweiht ist; hier insbesondere die Muttergottes.
Die Votivbilder (Votivtafeln) sind in der Regel dreifach gegliedert:
- unten teilt eine Schrift den Anlass mit
- darüber kniet der Bittsteller,
- im oberen Teil des Bildes, im Himmel thronen der angerufene Heilige oder die göttl.Personen und nehmen den Dank entgegen.



Ewig-Licht-Ampel

Am Chorbogen hängt die neu versilberte Ewig-Licht-Ampel, die aus der 2.Hälfte des 18.Jh stammen dürfte. Sie besteht aus getriebenem, versilbertem Messingblech und ist mit Ornamenten verziert.

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Hinweis: Das rote Öllämpchen, das stets im Altarraum brennt, gilt oft als Erkennungsmerkmal eines katholischen Gotteshauses. Früher gab es solche Lichter nur an den Märtyrergräbern. Mit der wachsenden Verehrung der aufbewahrten Eucharistie hat sich etwa seit dem 13. Jh der Brauch des "Ewigen Lichtes" vor dem Tabernakel, wo das Allerheiligste aufbewahrt wird, herausgebildet.
  Durch sein dauerndes Brennen weist es darauf hin, dass in der Kirche geweihte Hostien aufbewahrt werden. Meist sind die von der Decke herabhängenden Ampeln aus Silber oder versilberten Material gebaut, in eleganten Formen und mit vielen grazilen Verzierungen versehen.


Zelebrationsaltar und Ambo

Seit über 40 Jahren wird der Gottesdienst am Zelebrationsaltar unter dem Chorbo-gen gefeiert. Der Altar besteht ganz aus Holz mit einem angefügten vergoldeten Kreuz am Antependium. Die Lesungen, die Kantorengesänge und die Predigten wer-den am Ambo gehalten, das in der 'Litur-giekonstitution des II.Vaticanums'auch als Tisch des Wortes bezeichnet wird.

Zelebrationsaltar und Ambo
Der Zelebrationsaltar ist eine Rückkehr zu den Wurzeln der Eucharistiefeier. In der Anfangszeit des Christentums konnte zur Eucharistiefeier zunächst jeder beliebige Tisch dienen, doch bereits im 4. Jh. wurde ein fester Altar in die Kirchen eingebaut. Er war frei aufgestellt und von allen Seiten zugänglich. Der zelebrierende Priester stand hinter dem Altar, sodass seine Handlungen während der
  Messfeier für die ganze Gemeinde sichtbar waren. Als der Altar dann im 11.Jh eine Rückwand mit hohen Altaraufbauten (Retabel) erhielt und weiter an die Ostwand rückte, wandte der Priester der Gemeinde den Rücken zu. Dies ist in der katholischen Kirche durch eine Liturgiereform erst vor 50 Jahren wieder rückgängig gemacht worden.



Sakristei

  
      Sakristeischrank

Unter dem Oratorium mit drei Bankreihen ist die Sakristei mit Einrichtung des 19.Jh und silbergetriebenen Reliefs (1730). Silbergetrieben bedeutet, dass das Kunstwerk durch Hämmern von der Rückseite her über einer nachgiebigen Unterlage erstellt wurde.

 
Sehr interessant ist auch das Schloss an der Eichentüre, die vom Chor in die Sakristei führt.
Es stammt aus dem 19.Jh.

  Türschloss     

Die beiden Silberreliefs haben das Letzte Abendmahl und die vorausgehende Fußwaschung Jesu zum Inhalt. In der Kirche von Röhrmoos befinden sich völlig gleiche Exemplare. Die Reliefs sind von einem Holzrahmen (99 cm mit Aufsatzstern) umgeben.

Silberrelief - Abendmahl

 

Kirchenschiff / Langhaus

Am Triumphbogen sind die Pilaster und Bögen verdoppelt. Die aus Holz konstruierte Kuppel bildet eine Flachtonne mit Stichkappen. Über dem Triumphbogen ist das Allianzwappen der Ruffini (2 Brüder, die wahrscheinlich ledig waren).
Das innen 9 Meter hohe Langhaus hat -wie erwähnt- eine quadratische Form mit abgerundeten Ecken; sie sind mit wandkastenartigen Nischen für die Altäre versehen. An diesen Nischen sowie auch an der Form der Kapitäle erkennt man den klassizistischen Einschlag in der späteren Kunst Fischers, ganz besonders auch daran, daß die Stukkaturen nicht mehr plastisch erstellt sind, sondern nur mehr gemalt.
In den beiden vorderen Ecken stehen die Seitenaltäre, in den hinteren Ecken sind das Kriegerdenkmal (nördlich) und der Eingang (südl.) untergebracht. In der Mitte des hinteren Teils springt eine Empore in der Höhe des Kreuzgesimses ziemlich weit in den Kirchenraum vor. Die heutige Stütze hat die Empore erst im 19. Jahrhundert erhalten.

In der Weihnachtszeit steht vor dem Kriegerdenkmal eine Krippe.
Auf dieser Internetseite sind viele Krippen in den Kirchen des Landkreises Dachau in einer Übersicht zusammengestellt. Wenn Sie sich dafür interessieren, klicken Sie hier..


Weihnachtskrippe   

Deckengemälde im Kirchenschiff

 

Wappen der Ruffinis
Am Chorbogen sind zwei gleiche Wappen angebracht. Es sind die Wappen der Familie des Hofmarksherrn, des Kurfürstl. Hofrats Baron Franz Xaver von Ruffini. Die Frau Ruffinis, Maria Anna von Ruffini war die Tochter von Joseph Anton von Ruffini, der Maler und Geheimer Rat in Augsburg war.

Über den Ecken sind in großen Rocaille-Kartuschen mit goldfarbenem Hintergrund die vier Evangelisten dargestellt:
Vorne links:     Lukas mit geflügeltem Stier.
vorne rechts: Johannes mit einem Adler, der ein Tintenfass im Schnabel hält. Der Evangelist hält eine Schreibfeder in der Hand;
                                  auf dem Schreibtisch steht ein Kelch, aus dem sich eine Schlange windet
hinten links:    Matthäus mit Buch und Schreibfeder und einem geflügeltem Menschen hinter ihm
hinten rechts: Markus mit einem geflügelten Löwen zu seinen Füßen.

Hinweis: Die vier Symbole geflügelter Mensch, geflügelter Löwe, geflügelter Stier und Adler reichen zurück bis in den babylonischen Mythos. Dort stellten sie die vier Astralgötter Nergal (Flügellöwe), Marduk (Flügelstier), Nabu (Mensch) und Mimurta (Adler) dar, die vor den Heiligtümern Wache hielten. Im Alten Testament werden sie in den Gottesvisionen Ezechiels (Ez 1,1-14), im Neuen Testament in der Offenbarung des Johannes (Kap.4 Vers 7) als die vier Lebewesen, die rings um Gottes Thron stehen, erwähnt. Zuerst hat man sie nur im Zusammenhang mit dem thronenden Christus abgebildet. Als Evangelistensymbole dienen sie erst seit dem frühen Mittelalter (durch die Kirchenväter Irenäus und Hippolyt um das Jahr 200).

Evangelist
Matthäus


Evangelist
Lukas
Seit Hieronymus (347-420) werden sie wie folgt gedeutet:
 
-  Der geflügelte Mensch (nicht Engel !) bei Matthäus weist auf den Stammbaum Jesu und
   auf dessen Geburt (mit deren Bericht das Matthäusevangelium beginnt) hin. 

-  Der geflügelte Löwe ist Sinnbild für Markus, weil das Markusevangeliums mit der Predigt
   des Johannes in der Wüste, dem Lebensraum des Löwen, beginnt und weil sein
   Evangelium die Kraft der Auferstehung und der Todesüberwindung betont.

-  Der geflügelte Stier (als Opfertier) des Lukas gilt als Zeichen für den Beginn des Lukas-
   Evangeliums, das mit dem Opfer des Zacharias einsetzt und das am innigsten auf den
   Opfertod Christi hindeutet.

-  Den Adler des Johannes versteht man als Symbol für den spirituellen Höhenflug des
   Johannes-Evangeliums, das mit den Worten beginnt "Im Anfang war das Wort und das
   Wort war bei Gott und Gott war das Wort".


Evangelist
Markus


Evangelist
Johannes

 

Langhausfresko

Das 6,70 x 6 m große Fresko im Gewölbe der flachen Kuppel des Langhauses besteht aus drei Teilen:
- A)  in der Bildmitte das Auge Gottes im Strahlenkranz von Wolken und Engeln umgeben. Das Auge im Dreieck als Darstellung
       der Dreifaltigkeit in ihrer Allgegenwart und Allwissenheit hat sich in der Kunst unserer Gegend erst im 18.Jh verbreitet.
       Aus der frühchristlichen u.mittelalterlichen Kunst ist es unbekannt.
- B)  im Osten die Einsetzung des Gnadenbildes durch den Pfarrer von Röhrmoos.
- C)  im Westen (Empore) eine Szene aus der Geschichte der Wallfahrt.


B. Einsetzung des Gnadenbildes durch den Pfarrer von Röhrmoos
(Ostteil des großen Deckengemäldes)


In der Mitte steht auf einer kleinen Erhebung ein Altar, der bis zu den Wolken um das Auge Gottes hinaufragt. Rechts vom Altar nähert sich eine Prozession mit dem Pfarrer von Röhrmoos an der Spitze. Er trägt theatralisch das von einem Strahlenkranz umgebene Gnadenbild von Sigmertshausen.

Hinter ihm drängen sich der Mesner, die Ministranten und eine große Menschen-schar, die eine Prozessionsfahne und einen Leuchter mit sich führen. Die Prozession zieht sich um den Altar herum.

Auf der linken Seite sind ebenfalls ein Fahnen- und ein Kreuzträger deutlich abgebildet. Auf der Fahne ist ein Muttergottesbild zu sehen. Das Kreuz gleicht in seiner äußeren Form dem Kruzifix an der Nordwand des Kirchenraums, insbesondere wegen des gleichförmigen und gleichfarbigen Baldachins. Die Kopfhaltung und die Füße des Corpus Christi am Kreuz unterscheiden sich aber deutlich.


Einsetzung des Gnadenbildes durch den Pfarrer von Röhrmoos
   
Franz Xaver Ponschab von Röhrmoos, dahinter mit weißen Locken Freifrau Maria Anna von Ruffini.

Eine Person hinter dem Pfarrer ist herrschaftlich gekleidet. Dabei dürfte es sich um den Hofmarksherrn handeln. Hinter dem Freiherrn von Ruffini ist ein junger Mann zu sehen, der ihm ein Papierblatt reicht. Das ist nicht die Rechnung für die Kirche, wie z.T. scherzhaft erzählt wird; auf dem Blatt sind eindeutig Musiknoten zu erkennen (Bild rechts).

Vom Auge Gottes im Mittelpunkt des Bildes fallen Gnadenstrahlen auf den Altar und die Gläubigen, die in vielen, ebenfalls auf dem Bild dargestellten Nöten ihre Zuflucht nach Sigmertshausen nehmen.



hinter dem Ministranten:   
Hofmarksherr und Musiker mit Notenblatt   

C. Geschichte der Wallfahrt
(Westteil des großen Deckengemäldes)

Der Westteil des Gemäldes enthält verschiedene Szenen mit Darstellungen der Auffindung des Gnadenbildes und von Bittflehenden mit unterschiedlichen Gebrechen.

So ist im Hintergrund der 13jährige Thomas Hoffwirth zu sehen, der 1719 auf dem Sandberg beim Viehhüten das Gnadenbild gefunden hat. Er kniet auf dem Boden, umgeben von Ziegen und hält die Statue in der Hand. Daneben ist in Schriftkartu-schen zu lesen: Auxilium Christianorum -Hilfe der Christen.
Zu erkennen sind auch:
- ein Leprakranker mit einem   Glöckchen,
- ein alter Mann, der auf seine Augen   deutet und
- eine Frau, die auf das Auge ihres   Mannes weist, der in ihren Armen   liegt.
Die entsprechende Schrift lautet: "Salus infirmorum" - Heil der Schwachen.


Verschiedene Szenen: Auffindung des Gnadenbildes -Bittflehende -Kranke

Zwei Männer halten einen halbnackten Jugendlichen fest,
der heftig um sich schlägt. Darunter die Inschrift: Refugium peccatorum - Hort der Sünder. In einer anderen Szene kümmern sich zwei Frauen und ein Mann (Selbstbildnis des Malers Degle ?) um einen Greis, der auf einem einfachen Handkarren liegt. Inschrift: Consolatrix afflictorum.

In den Ausbuchtungen des Deckenfreskos sind weitere Bittflehende vor lieblicher Landschaft mit Häusern, Bach, Bäume und Brücken dargestellt:
- Pilger, ein Krüppel mit Holzfuß und Krücken sowie eine Mutter mit zwei Kindern,
- ein Blinder wird von Hilfeleistenden über eine Brücke geführt.
- eine Familie mit zwei weinenden Kindern, die die hl. Maria anrufen.

 
Krüppel mit Holzfuß und Krücken
sowie eine Mutter mit zwei Kindern

Auffindung des Gnadenbildes im Jahr 1722
durch den 13 jährigen Thomas Hoffwirth



Ein Greis, der auf dem Handkarren liegt,
wird behandelt.


Das Deckengemälde im Langhaus ist durch die von den Fenstern und den Durchgängen zum Altarraum und die Empore herführenden Stichkappen eingeschnitten. In diese Stichkappen sind Personifikationen (= Darstellung abstrakter Begriffe als Person) der Tugenden Fides-Glaube (Putten mit Kreuz -rechts),Spes-Hoffnung (Putten mit Anker - hinten), Caritas-Liebe (Putten mit flammendem Herz und Blumenkorb-links) gemalt. Diese drei Tugenden erhalten das Attribut "göttlich", weil die christliche Lehre davon ausgeht, dass sie nicht von Menschen erbracht, sondern durch den Geist Gottes geschenkt werden.
  Hinweis: Der Anker diente in biblischer Zeit nicht nur zum Festmachen, sondern auch zum Manövrieren des Schiffes. Er symbolisierte deshalb die göttliche Hilfe gegen die Bedrängnis der Christen in der Zeit der Verfolgung. Damals hat man ihn (mit Querbalken) als heimliches Zeichen für das Kreuz verwendet; insbesondere auf den Gräbern der Christen. Er war das Zeichen der Hoffnung während der Verfolgung. Dann verschwand der Anker als Symbol für die nächsten tausend Jahre. Erst im 15.Jh erhielt er wieder seine frühere Symbolik.

 

Seitenaltäre


Linker Seitenaltar
  St.Leonhard
Auch die schräg gestellten Seitenaltäre aus der Zeit nach 1756 sind im Stil des Rokoko gehalten. Der Baumeister, Joh. Mich. Fischer, hat für die Seitenaltäre rechteckige Nischen in die Wand gebaut. Nach Pfarrer Endres sind:
  "die Altäre nur dekorativ gebaut, die gerade Linie ist im Geiste des Rokoko ganz ausgeschaltet. Alles ist möglichst leicht und ungebunden. Auch die Seitenaltäre streben -wie der Hochaltar- empor und die Krönung wächst über die Nische hinaus. Gratiös füllen die Seitenaltäre ihren Raum, sie sind wie reich dekorierte Kästen behandelt. Die Abschlußpilaster sind in dekorative Ornamente aufgelöst, die Aufsätze rein malerisch behandelt".
Beide Altäre sind mit prächtigen Altaraufsätzen mit vielen Ornamenten und den Namenszügen der früheren Altarpatrone Kastulus und Maria versehen. Englein auf den Volutengiebeln halten einen sich durchziehenden Kranz von Rosen.

Rechter Seitenaltar
St.Franz Xaver  

Die Seitenaltäre wurden zusammen mit dem Hochaltar am 30.Juni 1779 vom Freisinger Fürstbischof Ludwig Joseph Freiherr von Welden (1768–1788) geweiht. Die Urkunden, in denen die Weihe bestätigt wird, hängen gerahmt in der Sakristei.

Weiheurkunden der Altäre 1779
Darin ist u.a. vermerkt, welche Reliquien in den Altären bei der Weihe "bestattet" wurden.
- Altar links (St.Leonhard): Aurelius, Paulinus,
   Eufrasius, Valentin, Edigna Vincentia
- Altar rechts (Franz Xaver): Felix, Chrisant,
   Faustin, Virgil, Bonofa u. Venusta

 

Rechter Seitenaltar

Mit der Neuausstattung der Wallfahrtskirche wurde der vorher dem St. Kastulus gewidmete rechte Seitenaltar dem gemeinsamen Namenspatron des Hofmarksherrn (kurfürstl. Hofrat Franz Xaver Rufini) und des Pfarrers von Röhrmoos, dem hl. Franz Xaver, geweiht.

Altarblatt
Bei dem großen Altarbild handelt es sich aber nicht mehr um das von von Degle gemalte Bild, sondern um ein Gemälde des Historienmalers Anton Rick (1820-1895) aus Ebersberg aus dem Jahr 1874 im Nazarenerstil.

Von Rick stammen auch die Seitenaltarbilder sowie die Kreuzwegbilder der Kirche von Röhrmoos sowie Werke in der Schönbrunner Klosterkirche (die früheren Seitenaltarblätter und ein Kreuzweg für den Emporenumgang).


Franz Xaver tauft in Indien

Hier in Sigmertshausen steht der hl. Franziskus unter einem Torbogen. In der linken Hand hält er ein Kreuz, mit der rechten Hand tauft er mit einem Kännchen einen farbigen jungen Mann, der ihm die Stola küsst.
Franz Xaver war Missionar in Indien (Goa) und kam auf seinen vielen Missionsreisen bis nach Japan.

In der Münchner Michaelskirche befindet sich eine Knochenreliquie mit dem Spruchband: "25 Tote erweckt, 120.000 getauft". Die Zahl der Taufen war damals -anders als heute- ein Maßstab für den Erfolg der Mission. (Gedenktag: 3.Dezember).

In der Predella des rechten Seitenaltars steht ein barocker Schrein. In ihm befindet sich jetzt eine wunderschöne Reliquien-monstranz mit einer Kreuzreliquie. Die Monstranz wurde 1936 von denn Kunstmalern Dietrich und Gämmeler aus München in der Werkstätte Gasser in München renoviert; die Kosten trugen die Frauen aus Sigmertshausen. Kreuzreliquien waren früher besonders wertvoll; schließlich galt das Kreuz Christi als kostbarste Reliquie der Christenheit. Die hl.Helena, Mutter von Kaiser Konstantin, soll im Jahr 320 nach der Legende das Kreuz Christi aufgefunden haben. Größere Kreuzpartikel kam so um 950 nach Deutschland. Sie wurden meist in Reliquienmonstranzen aufbewahrt (so wie hier in Sigmertshausen) und waren in der Regel Ziel kleinerer Wallfahrten.
 
Kreuzeliquienmonstranz

Früher war im Schrein die Figur eines Geißelheilands (entsprechend der Statue in der Wieskirche) untergebracht, die jetzt auf dem Schrein steht und den unteren Teil des Altarbilds etwas verdeckt. Sie stammt aus der 2.Hälfte des 18.Jh.
Die ersten Darstellungen von Jesus an der Geißelsäule entstanden zwar schon im Mittelalter. In den Landkreis Dachau gelangten vereinzelte Bilder jedoch erst im 17.Jh. (um 1660 in Haimhausen). Die große Verbreitung dieser Darstellungen ist aber auf das Wunder in der Wies zurückzuführen. Der Heiland auf dem Bild beim Wiesbauern bei Steingaden soll im Jahr 1738 Tränen vergossen haben. Daraufhin setzte eine Wallfahrt ein und die berühmte Wieskirche wurde gebaut. Die meisten der rd. 15 Geißelheiland-Darstellungen im Landkreis Dachau wurden nach dem Vorbild des Wies-Heilands gestaltet.

Geißelheiland   


Linker Seitenaltar

Altaraufsatz
Im Aufsatz des linken Seitenaltars halten zwei Putten eine Blütenschnur, die um einen krönenden Rocaille-Halbkreis geschlungen ist. Vier Cheruben umgeben einen Strahlenkranz, in dessen Mittelpunkt sich ein Leonhardsmonogramm befindet.

Altaraufsatz
Darunter sind als Attribute des "Viehheiligen" ein Hufeisen und ein Treiberstab angebracht.

Altarblatt

Auch das ursprüngliche Altarbild des linken Seitenaltars, eines Marienaltars, wurde 1874 durch ein Werk des Historienmalers Anton Rick (1820-1895) ersetzt.

Es zeigt nun den in Bayern ungemein beliebten hl. Leonhard, den Patron der Bauern, des Viehs und der Gefangenen.


St.Leonhard besucht Gefangene

Leonhard wird im Abtsornat gezeigt, wie er einen Gefangenen segnet, der demütig vor ihm kniet und die geöffneten Gefangenenketten in den Händen hält.

Daneben liegt ein Rind. Im Hintergrund weiden Pferde unter hohen Bäumen.


Vesperbild
In der Predella des linken Seitenaltars steht auf einem geschweiften Rokokoschrein eine aus Gips gefertigte Pieta (Muttergottes mit ihrem toten Sohn auf dem Schoß) aus der 2.Hälfte des 19.Jh.
Unter der Muttergottes lugt ein kleiner Engel hervor, der das Grablinnen, das Leichentuch für Jesus, bereit hält.
...mehr zu Pieta -Darstellungen im Landkreis...

 
Pieta
Im Schrein ist hinter Glastüren eine weitere sehr schön gearbeitete, mit großen Rubinen und Smaragden verzierte Reliquienmonstranz zu sehen, die Reliquien des Kirchenpatrons St.Vitalis enthält. Der Name des Heiligen ist deutlich auf der Cedula, dem kleinen beschrifteten Pergamentstreifen, zu lesen. Noch im Jahr 1953 gab es den Brauch des Schmotzens (Schmatzen = Küssen). Am Patroziniumsfest (St. Vitalis) wurde die Monstranz mit der Reliquie des Kirchenpatrons St. Vitalis wird an der Epistelseite des Hochaltares den Gläubigen zum Küssen gereicht.


Reliquienmonstranz
mit Vitusreliquien

Fenster

Die Fenstergläser waren bis 1934 bemalt; "stilwidrig" wie Pfarrer Josef Niklas in die Pfarrchronik schrieb. Dies haben wohl nicht alle Sigmertshauser Verantwortliche so gesehen, weil Domkapitular, Prälat Dr. Michael Hartig, Domkapitular und Historiker aus München, die Bestrebungen des Pfarrers nach hellen Fenstern mit einem in der Sigmertshauser Kirche vor der Gemeinde gehaltenen kunsthistorischen Vortrag unterstützen musste.
Bei der Renovierung 1934 hat der Dachauer Glasmaler Syrius Eberle "in höchst zufriedenstellender Weise " neue Fenster aus Antikglas eingesetzt. "Die herrliche Rokokokirche hat durch die neuen Fenster sehr gewonnen; Licht drängt jetzt in den herrlichen Raum", schrieb Pfarrer Niklas .


Kanzel

In der Nähe des rechten Seitenaltars ist die barocke Kanzel aus der Zeit um 1755 ohne Schalldeckel aber mit Rückwand angebracht. Der geschweifte, dreiseitige Kanzelkorb ist mit marmorierten Rocaillekartuschen ohne Inhalt verziert. Der Zugang zur Kanzel liegt an der Treppe zur oberen Sakristei.

Kanzel
Hinweis: Die Predigt wurde in altchristlicher Zeit -ähnlich wie heute- von einem Ambo aus gehalten. Ab dem 13.Jh. hat man Kanzeln gebaut, die zumeist seitlich im Mittelschiff ihren Platz haben, dort, wo die Gemeinde versammelt ist.
Von hier aus konnten die Prediger auch von oben herab sprechen, was ihren Worten größere Wirkung verleihen sollte. Spätestens seit dem 2.Vatikani-schen Konzil 1962 werden sie nicht mehr benutzt.


Kanzelkreuz

Gegenüber der Kanzel hängt ein Kruzifix unter einem Baldachin, das kurz nach der Erbauung der Kirche geschnitzt wurde (Kanzelkreuz). Der Korpus zeigt den toten Jesus mit geneigtem Haupt.
Der Baldachin symbolisiert schon seit dem Altertum Würde und Heiligkeit der darunter stehenden Gestalt.
Hinweis: Das Kreuz heißt Kanzelkreuz, weil es in der Regel der Kanzel gegenüber an der Wand angebracht ist. Es erinnert den Prediger an den 1.Korintherbrief (1,3), in dem der hl.Paulus schreibt: "Wir predigen Christus als den Gekreuzigten". Die Ansprache soll nicht weltliche Dinge, sondern den Tod und die Auferstehung Christi zum Inhalt haben.

Darunter steht zwischen Wandleuchtern auf einer Konsole die Kopie einer Figur der Schmerzhaften Muttergottes vom Herzogspital in München. In ihrer Brust steckt ein langes Schwert.
Das Motiv des Schwertes fußt auf der Weissagung des alten Simeon. Dem Greis war prophezeit worden, dass er nicht eher sterben werde, bevor er den Messias geschaut habe. Jeder erstgeborene jüdische Knabe war als Priester vorgesehen und wurde, um dieser Verpflichtung nicht nachkommen zu müssen, mit der Opfergabe in Form zweier Tauben freigekauft. Als Jesus, dem jüdischen Brauch entsprechend, als Erstgeborener am vierzigsten Tag nach der Geburt von Maria und Josef in den Tempel gebracht wurde, um der Darbringung des Opfers beizuwohnen, erkannte Simeon im Jesuskind den Messias und betete zu Gott: "Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden scheiden", und zu Maria gewandt sprach er: "Dieser wird gesetzt sein zum Fall und Aufstehen vieler in Israel und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird - und auch durch deine Seele wird ein Schwert dringen..." (Lukas 2, 22-35).


Kanzelkreuz
Mater dolorosa



Kirchenbänke

Die Kirchenbänke, die in drei Blöcken das Langhaus füllen, haben wunderschöne geschnitzte Wangen mit Akanthus- und Rocailliemotiven. Darüber spenden Messingleuchter mit elektrischen Kerzen Licht.

Hinweis: Kirchenstühle gab es nicht von Anfang an in den Kirchen. Die ersten 1500 Jahre standen die Gläubigen oder bewegten sich langsam im Raum. Lediglich für Alte und Schwache gab es einige Stühle an den seitlichen Wänden. Ohne Kirchenstühle fasst die Kirche viel mehr Menschen; bei dichtem Gedränge während des Gottesdienstes schien der Raum voller Bewegung zu sein. Das feste Gestühl wurde zum Spiegel einer disziplinierten Gemeinschaft, in der jeder seinen festgefügten Platz hatte. Im 16.Jh. sind zuerst die evangelischen Kirchen mit Bänken ausgestattet worden, weil dort die Predigt als Medium der Heilsvermittlung einen größeren Raum einnimmt. Die katholischen Kirchen zogen erst später nach. Die Bestuhlung war einer der Gründe, dass die Kirchen zu Beginn der Barockzeit vergrößert werden mussten.
In den Kirchen des Landkreises gibt es sehr schön geschnitzte Wangen mit unterschiedlichen Mustern und Verzierungen. Wenn Sie die Muster vergleichen wollen, klicken Sie hier....

  
Kirchenbank-
Wange     

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Zu den Beschreibungen der einzelnen Objekte per Mouseklick
Vortragekreuz
An den Bänken ist eine schön restaurierte Kreuzstange befestigt, die bei Prozessionen Verwendung findet.
  Kreuzstangen und Vortrage-kreuze werden beim Kirchenein- und Auszug, Prozessionen, Wallfahrten sowie bei Beerdigungen vorangetragen. Dies geht zurück auf das Jesuswort "Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehmesein Kreuz auf sich und folge mir nach".

 
Vortragekreuz  

  Bei Gebetsprozessionen (Bittgängen, Kreuzweg) wird der Corpus des Kreuzes zu den nachgehenden betenden Menschen gedreht, damit sie den Gekreuzigten vor Augen haben. Bei anderen Prozessionen, z.B. an Fronleichnam und beim Ein- und Auszug zeigt der Corpus in die Gehrichtung, d.h., er weist ihnen den Weg. Die ältesten Vortragekreuze stammen schon aus dem 6.Jh.


Opferstöcke

Die Kirche hat noch zwei alte Opferstöcke aus dem 18.Jh. Am Chorbogen steht ein langes Exemplar (1m), in der Nähe des Eingangs dagegen ist ein kleinerer Opferstock angebracht mit drei großen originalen schmiedeeisernen Schlössern.

Opferstöcke
In den Kirchen des Landkreises Dachau gibt es viele unterschiedliche, außerordentlich interessante Opferstöcke. Wenn Sie sich dafür interessieren, klicken Sie hier ...



Kreuzwegbilder

An den Seitenwänden hängen zwischen den Apostelleuchtern die Kreuzwegbilder (Öl auf Leinwand). Der Kreuzweg ist wohl um 1943 gemalt und von H.H. Prälat Dr. Hartig der Kirche geschenkt worden.
Die Bilder haben einen breiten, marmorierten Holzrahmen, der von einem zierlichen Aufsatz mit Textkartusche und Kreuz geschmückt ist.

Die Rahmen sind ein Geschenk des Schreiners Fesenmair.
Der alte Kreuzweg, dessen Bilder 1859 von Conrad Altmann aus München um 171,43 Mark gemalt worden waren, hatte nicht mehr gefallen. Es seien unansehnliche Bilder gewesen, die nach Auffassung von Pfarrer Endres "eine Renovierung nicht wert waren".
Als Kreuzweg werden die aufeinanderfolgenden bildlichen oder plastischen Darstellungen bezeichnet, die meist aus vierzehn Stationen der Leidensgeschichte Jesu, angefangen von der Verurteilung durch Pilatus bis hin zur Grablegung, bestehen.

1. Station
Jesus wird von Pilatus
zum Tod verurteilt
2. Station
Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern
3. Station
Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuze
4. Station
Jesus begegnet
seiner Mutter
Maria
5. Station
Simon v.Cyrene
hilft Jesus das Kreuz tragen
6. Station
Veronika reicht Jesus das
Schweißtuch dar
7. Station
Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuze
8. Station
Jesus tröstet
die weinenden Frauen
Seinen Ursprung hat der Kreuzweg im Brauch der Pilger, bei Wallfahrten nach Jerusalem den Leidensweg Jesu auf der "Via Dolorosa" nachzugehen. Im späten Mittelalter wurde die Kreuzverehrung insbesondere durch den hl.Franziskus von Assisi gefördert, der durch die Stimme des Gekreuzigten vom Kreuz in St.Damiano zu einem christlichen Leben bekehrt wurde. Seit dieser Zeit wurden Kreuzwegandachten als Ersatz für die Pilgerfahrt ins Heilige Land abgehalten.
Die Stationen bildeten dafür die Leidensstätten Jesu nach. Auf diese Weise konnte der letzte Weg Jesu vor Ort nachgegangen und sein Leiden anschaulicher betrachtet werden. Kreuzwegdarstellungen in Deutschland entstanden erstmals in und bei Klosterkirchen, auf Anhöhen und bei Wallfahrtsorten, insbesondere in der Nähe von Franziskanerklöstern. Mit der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert hielten sie als Kreuzwegbilder Einzug in die Innenräume der Pfarrkirchen und verbreiteten sich zunehmend.
9. Station
Jesus fällt zum dritten Mal
unter dem Kreuze

Papst Clemens XII. erkannte im Jahr 1731 mit seinem Breve Unterweisungen über die Art, wie man den Kreuzweg abhalten soll diese Form des Kreuzwegs als kanonisch an und bedachte ihn mit großzügigen Ablässen.

Wenn Sie sich eine Zusammenstellung von Kreuzwegbildern aus den Kirchen des Dachauer
Landes ansehen und mehr über die Geschichte des Kreuzwegs
erfahren möchten, klicken Sie hier...

14. Station
Jesus wird ins
Grab gelegt
13. Station
Jesus wird vom
Kreuz abgenommen
12. Station
Jesus stirbt am Kreuz
11. Station
Jesus wird ans
Kreuz geschlagen
10. Station
Jesus wird seiner Kleider beraubt


Apostelleuchter

1943 wurden auch die Apostelkreuze und die Apostelleuchter an den Seitenwänden restauriert.
Die Leuchter stammen aus dem 18.Jh., die gemalten Kreuze sind jünger.

Apostelleuchter
Hinweis: Die Apostelleuchter erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlische Jerusalems.

Hier auf dieser Seite gibt es eine interessante Zusammenstellung unterschiedlicher Apostelleuchter und -kreuze in den Kirchen des Dachauer Landes. Wenn Sie an einem Vergleich interessiert sind, klicken Sie hier...



Orgel und Empore

Die Empore ähnelt einem geschwungenen Ballkon. Auf Anregung von Domkapitular und Historiker Dr. Hartig sollte 1943 die weiße Fläche der Brüstung mit gemalten musizierenden Engeln ausgeschmückt werden. Diese Anregung kam aber nicht zur Ausführung, weil die Sigmertshausener Verantwortlichen sagten, die Kirche sei so am schönsten, wie sie ihr Erbauer, Johann Michael Fischer, gestaltet hat; jedes spätere Beiwerk geriete der Kirche nur zum Schaden.

Die Orgel (1 Manual, 6 Register, Schleiflade) auf der weit vorspringenden, auf einer Holzsäule ruhenden Empore stammt noch aus der Zeit um 1866/67. Sie wurde von Max Maerz aus München für 629 Gulden gebaut und ist in einem nachklassizistischen, mit Schleierornamenten und Pflanzenmotiven verzierten Gehäuse untergebracht. Der Mittelteil des dreiteiligen Prospekts ist erhöht.
      
Orgelprospekt und Spietisch
Interessant ist auch der alte Spieltisch.
 

Disposition der originalen Maerz-Orgel von 1867 (nach Brenninger):
Manual (C-f''', 54): Gedeckt 8', Gamba 8', Principal 4',
                          Traversflöte 4', Mixtur 3fach2'
Pedal (C-f, 18):     Subbaß 16'.
Koppel:                M-P
Der Mesner hob bisher als Entgelt den "Alter" ein, jährlich 115.- DM

  Allgemeines zur Orgel - Mit ihren vielen Pfeifen, die über ein Gebläse zum Klingen gebracht werden, steht die Orgel meist im rückwärtigen Bereich der Kirche auf der Empore. Sie hielt erst allmählich Einzug in die Kirchen, weil sie bis in das 11. Jahrhundert als profanes (weltliches) Instrument galt, das für das höfische Zeremoniell verwendet wurde. Erst ab dem 13. Jh wurde es zur Regel, in allen bedeutenden Kirchen Orgeln zu errichten. Heute gehört eine Orgel zur Ausstattung fast jeder Kirche. Mit ihrer Klangvielfalt und Klangfülle trägt sie zur Verschönerung des Gottesdienstes bei. Der Orgelprospekt, die Schauseite der Orgel, wurde früher meist durch Künstler gestaltet. Im Barock und im Klassizismus, deren Epochen unsere ältesten Orgeln im Landkreis Dachau angehören, wurde der Prospekt mit reicher Ornamentik verziert. Heute setzt sich immer mehr der "offene" Orgelprospekt durch, der allein durch die harmonische Anordnung der Pfeifen wirkt.


 Im ersten Stockwerk des Turms, in Höhe der Empore, ist die Turmuhr aus dem Jahr 1899 untergebracht.

Christus im Grab
Im Turmuntergeschoß, in das eine Türe unter der Empore führt, hängt ein großes Ölbild im Nazarenerstil (1.Hälfte des 19.Jh), das Christus im Grab, bewacht von zwei römischen Soldaten, darstellt.


Beinhaus

An der Westseite der Sakristei sind in einer kleinen rundbogigen Nische hinter schmiedeeisernen Gittern eine Art Beinhaus (Karner) mit Knochenresten und Totenschädeln zu sehen. Die Stätte ist mehr ein Erinnerungsort; das frühere Beinhaus war erheblich größer. Über die Wirkung der Gebeine auf die Kinder berichtete Kath.Peter im Jahr 1999 (siehe Quellen): "Vor dem Gottesdienst versammelten sich dort (am Gitter) früher die Kinder des Dorfes. Als Mutprobe musste man durch das Gitter hineinlangen und die Knochen der Toten anfassen, sonst war man ein Feigling und wurde von den anderen ausgelacht".

 
Beinhaus-Erinnerung
Hinweis: Das Beinhaus oder Karner (lat.carnarium=Fleischkammer) war vom Mittelalter bis zum 19.Jh. eine meist an die Kirche in der Nähe des Eingangs angebaute, zweigeschossige Friedhofskapelle, in deren Untergeschoss die Gebeine der schon lange Verstorbenen aufbewahrt wurden, um Neuzugängen Platz zu machen (Zweitbestattung). Ursprünglich hatte jeder Pfarrfriedhof, neben an oder unter der Kirche einen Karner. Auf den Synoden von Münster und Köln (1279/1280) wurden sie zwingend vorgeschrieben. In früheren Jahrhunderten war die Lebenserwartung nicht so hoch; so sind in Relation zur Bevölkerungszahl mehr Menschen gestorben. Friedhöfe waren damals immer um die Kirche herum angelegt und kaum erweiterungsfähig. Im Jahr 1058 beschränkte man die Grenzlinien der Friedhöfe auf 60 Schritte im Umkreis des Altars für Haupt-kirchen und 30 Schritte für Kapellen. Weiter entfernt konnte man sich des Segens der im Altar ruhenden Reliquien und der Fürbitte des Heiligen nicht sicher


Beinhaus-Erinnerung

  sein. So war es üblich, die Gräber schon nach 5 bis 10 Jahren wieder zu verwenden. Zudem gab es keine Familiengräber; der nächste Tote erhielt das frei werdende Grab. Manche Totenschädel in den Beinhäusern wurden auch bemalt oder mit Inschriften versehen, um sie der Anonymität zu entreißen. Karner waren besonders in Bayern, Österreich und Ungarn verbreitet; sie standen an katholischen und protestantischen Gotteshäusern. In den letzten hundert Jahren wurden die Karner abgerissen bzw. in Lourdeskapelle, Abstellräume oder Vorhäuser umgewandelt. In manchen Kirchen wie hier in Sigmertshausen erinnert aber noch eine Nische mit einigen Totenköpfen an die frühere Trauerkultur. Die aufgestapelten Gebeine sollen die Kirchenbesucher an die Vergänglichkeit des Menschen ermahnen.


E
ingangsportal
   

An der Eingangstüre ist noch ein alter Türklopfer angebracht.
Wenn Sie sich für alte Beschläge an den Portalen der Kirchen im Dachauer Land interessieren, klicken Sie hier....

Türklopfer

Früher hatte die Kirche noch einen weiteren Ausgang, damit die große Zahl von Wallfahrern bewältigt werden konnte. Er lag hinter dem Chorgestühl auf der linken Seite, ist jetzt zugemauert, aber noch erkenntlich.

 

Nach einer Liste des Landesamt für Denkmalpflege soll es in Sigmertshausen Reste eines unterirdischen Gangs geben, der in Zusammenhang mit sog. Schrazllöchern steht. Mehr über Schrazllöcher...

Hans Schertl



Quellen:
Michael Wening, "Historico-topographica descriptio Bavariae", Band 1, 1701
Dr.Martin v.Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Stumpf,Pleikard, Geographisch-statistisch-historisches Handbuch des Königreiches Bayern, 1852
Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1874
Theodor Bitterauf, Die Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (Nr. 872)
Konrad Beyerle, Übersetzung der Handschrift Lex Baiuvariorum, 1926 (nach Christi Geburt)
Niklas/Endres, Pfarrchronik Röhrmoos 1933-1953 (Kreuzweg, Restaurierungen, Glockenablieferg,u.v.a.mehr)
Max Gruber, Zwei Kirchen Johann Michael Fischers im Kreis Dachau, Amperland 1965/2 (Westenrieder, Degleportrait)
Werner Widmann, Kunstreiseführer Von München zur Donau, 1966
Kirschbaum, Lexikon der Christlichen Ikonographie, 1968
Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
Bauer/Rupprecht, Bayern südlich der Donau,1973
Georg Brenninger, Orgeln und Orgelbauer im Landkreis Dachau, Amperland 1975/2
Wilhelm Störmer, Adelige Eigenkirchen und Adelsgräber - Denkmalpflegerische Aufgaben,1975, ZBLG 38, S.1142-1158 (UrkNr)
Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres 1560, 1986
Kirchenführer St.Vitalis Sigmertshausen, 1988
Josef Bogner, Dorfkirchtürme im Amperkreis, Amperland 1989/1
Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV: München und Oberbayern, 1990
Robert Böck, Wallfahrt im Dachauer Land, Bd 7 der Kulturgeschichte des Dachauer Landes, 1991
Bauer/Rupprecht, Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, 1996
Bürgerinformationen Gemeinde Röhrmoos, 1997
Dachauer Nachrichten, Beilage "Unser Dachauer Land" vom 26./27.6.1999
Katharina Peter, Die Kirche von Sigmertshausen, 1999
Franz Thaler, Kurzgeschichte Sigmertshausen, unveröffentlicht, ca.2000
Franz Thaler, Kurzgeschichte der Sigmertshauser Kirchenglocken, unveröffentlicht, ca.2000
Anton Haschner, Entstehung der Wallfahrt von Sigmertshausen, Röhrmooser Heimatblätter, 2004
Thaler/Rumrich, Erinnerungen-Gemeinde Röhrmoos, 2004
Georg Brenninger, Die Glocken der Kirchen im Dekanat Dachau, Amperland 2005/1
Dachauer Nachrichten v. 30.6.2005, vom 23.4.2012 (Glockenreparatur 12)
Karl Grüner, "Unten bauchig, oben spitz", Münchner Kirchenzeitung, v. 25.9.2005 und vom 2.10.2005
Münchner Kirchenzeitung v. 30.10.2005
Manfred Bergmeister, Grabkreuzausstellung Hebertshausen, 2007 (Missionskreuz-Überdachung)
Dr.Mich.Rademacher, Deutsche Verwaltungsgeschichte 1871-1990, www.verwaltungsgeschichte.de/, 2015 (Statistik 33,39)

82 Bilder: Hans Schertl

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Kirchen und Kapellen im Dachauer Land - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

4.5.2014

Primiz von H.H.Johann Eichenseer

Am 13.7.1958 konnte in Sigmertshausen die Primiz von H.H.Johann Eichenseer, Gastwirtssohn von Sigmertshausen, gefeiert werden. Ein solches Fest hat Sigmertshausen noch nie erlebt. Am 29.6.58 wurde der Hochw.Herr Primiziant im Dom zu Eichstätt zum Priester geweiht. An dieser Feier nahmen sehr viele von Sigmertshausen und Umgebung teil. Am gleichen Tage abends 19 Uhr wurde der neugeweihte Priester von Schönbrunn aus feierlich in seine Heimatgemeinde eingeholt, begleitet von einem 2 km langen Zug von Radfahrern, Motorrädern und Autos. In Großinzemoos begrüßte den Primizianten Herr Bürgermeister Schell und Kirchenpfleger Hof. Am Ortseingang von Sigmertshausen sprach das Primzbräutchen (Walli Eichenseer) unter Überreichung einer Stola ein Begrüßungsgedicht und dann entboten Bürgermeister Greiter und Kirchenpfleger Matthias Maierhanser den Willkommensgruß der Heimatgemeinde.In der festlich geschmückten Kirche begrüßte darauf H.H.Pfarrer Heldwein den Primizianten, der dann nach einer kurzen Andacht noch den Primizsegen erteilte. - In einem sehr gut besuchten Triduum bereitete H.H.Pater Leo Roth von Dachau die Gemeinde seelisch auf die Primizfeier am 13.7.58 vor. Am Vorabend des Primiztages zeigte die Jugend beim Friedhofaufgang am Weiher das von Herrn Lehrer Herbert Regele eingeübte Spiel vom "reichen Prasser und armen Lazarus" vor etwa 500 Zuschauern.
Der Primiztag war ein herrlicher, sehr heißer Julisonntag (13.7.1958). Vormittags 3/4 9 Uhr setzte sich der Kirchenzug (Feuerwehr mit Kommandant Hartmann, Jugend mit Bannern, Schwestern von Schönbrunn-Häusern-Indersdorf, sowie Veteranen- und Schützenvereine) in Bewegung, um den Primiziaten vom Elternhaus abzuholen. Prälat Friedrich Pfanzelt (Dekan und Stadtpfarrer von Dachau) und Professor Dr. Josef Kürzinger (Rektor der phil.-theol.Hochschule in Eichstätt) geleiteten den Primizianten zum Primizaltar, der auf dem Hörlanger (an der Straße nach Niederroth) aufgerichtet war und mit dem Gnadenbild "Unserer lb.Frau im Mantel", das im Kirchenzug von 4 Mädchen mitgetragen wurde, geschmückt wurde. Die Primizpredigt hielt H.H.Rektor Prof. Josef Kürzinger von Eichstätt. Beim feierlichen Primizamt sang der Kirchenchor die Schubertmesse. Etwa 10 bis 11 000 Menschen n nahmen an der Primizfeier teil. Es war eine Primiz, wie man sie nur selten erleben kann. Seine erste Seelsorgsstelle erhielt der Hochw. Herr Primiziant in Roßtal in der Diözese Eichstätt.

Bericht von Franz Thaler

 

Mayer'sche Hofkunstanstalt

Die Floriansfigur an der Friedhofsmauer stammt aus der Mayer'schen Hofkunstanstalt in München und wurden dort um 1875 ge-schaffen. Die Mayer'sche Hofkunstanstalt war im ausgehenden 19.Jh. die bedeutendste Werkstatt für religiöse Kunst in Bayern. Sie wurde von Joseph Gabriel Mayer 1844 gegründet, um begabten Behinderten eine Möglichkeit zu geben, ihr Talent in eine berufliche Tätigkeit einzubringen. Mayer war vorher Vorstand der staatlichen "Anstalt für Erziehung und Unterricht krüppelhafter Knaben". Unter Anleitung des Bildhauers Prof. Joseph Knabl (1819-1882) wurden im Betrieb Heiligenstatuen, Kreuzwegstationen und andere christliche Plastiken hergestellt und gefasst sowie Altaraufbauten produziert. Bereits kurze Zeit später beschäftigte Mayer 100 Mitarbeiter, für die er sogar Kranken- und Unterstützungskassen schuf. 1882 verlieh der bayerische König Ludwig II. dem Unter-nehmen den Titel "Königliche Bayerische Hofkunstanstalt". 1892 folgte der Titel "Institut des Heiligen Apostolischen Stuhles", verliehen durch Papst Leo XIII. (1878-1903). Die Hofkunstanstalt besteht als führende Werkstätte für Glasgestaltung und Mosaik in der Architektur in der Münchner Seidlstraße noch heute.