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Filialkirche St. Laurentius in RUMELTSHAUSEN


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Kurzbeschreibung

Die Kirche in Rumeltshausen ist ein einschiffige Chorturmanlage aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Teile des Baues stammen aus spätromanischer Zeit.

Romanische Bauzier in Form eines Rundbogenfrieses an der südlichen Langhausmauer und an der Südseite des Turmuntergeschosses.

Die Kirche wurde 1748 barock verändert und 1868 um fast vier Meter erweitert.

Den achteckigen, durch zwei Traufgesimse vom viereckigen Turmunterbau getrennten Turmaufsatz von 1694 bedeckt eine auffallend dicke barocke Zwiebelhaube.

Im Turm hängen zwei Glocken, die 1665 von Bernhard Ernst aus Mch. gegossen und 1922 renoviert wurden.

Im Vorhaus drei Nischen mit Totenköpfen und Figurendarstellungen.


Schriftkartusche am Kanzelkreuz


Die Kirche ist seit der letzten Renovierung eines der Schatzkästlein unter den Kirchen im Landkreis Dachau.

Innenaustattung

Der Altarraum im Erdgeschoss des Turmes enthält gotische Wandfresken aus dem 15.Jh. Das Kreuzgewölbe im Altarraum und die Flachdecke im Langhaus wurden von Franz Mayr mit Fresken bemalt, die Szenen aus dem Leben des Patrons St. Laurentius zeigen.

Die Figurenausstattung entspricht dem der bäuerlichen Umfeld der Kirche:
Die Muttergottes ist am Hochaltar, am Seitenaltar (als Pietà ) und im Aufsatz des rechten Seitenaltars dargestellt. Außerdem sind die Figuren des Patrons Laurentius (mit Feuerrost), des Pestheiligen Sebastian (mit Pfeil und Bogen), des Nothelfers Georg (mit Lanze und Drachen), des Bauernheiligen Leonhard (mit Ketten), mit Johannes Nepomuk (im Chorrock) und des Erzengels Michael (mit Luzifer) zu sehen.

Am Chorborgen steht das Taufbecken mit einer schönen Figurengruppe auf dem Deckel. Die 1720 gebaute Kanzel zeigt Heiligenbilder. Gegenüber hängt das 1681 gestiftete Kanzelkreuz.

KirchenbankwangenKirchenbankwangenSt.LeonhardMarienfigur am Hochaltar - zur vergrößerten Ansicht  bitte klickenzur vergrößerten Ansicht der Pieta bitte klickenIm Altaraufsatz:  MuttergottesfigurIm Altaraufsatz: St.Martin mit GansKanzel - zur Vergrößerung bitte klickenChorbogenschmuck und ChordeckengemäldeTabernakelSt. SebastianKanzelkreuz von 1681Votivkerze  von 1937St.LeonhardAmbo
14 Details (Altäre, Taufstein, Kreuz, Deckenfresko, Kerzen)
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Im Vorhaus des Einganges ein Beinhaus und eine Ölbergdarstellung.

Die Gottesdienstordnung finden Sie hier...


Ausführliche Beschreibung
mit ikonographischen und kunsthistorischen
Hinweisen


Geschichte: Erste Kirche Matrikel 1315 Matrikel 1524 Matrikel 1560
Barockisierung 1670 Matrikel 1738 Umbau 1748 Pfarrsitzwechsel 1814
  Verlängerung 1868 Beschreibung 1880    
Ausstattung: Altarraum Ambo Apostelleuchter Baubeschreibung
  Choraltar Deckengemälde-1 Deckengemälde-2 Empore
  Ewig-Licht-Ampel Figuren Kanzel Kanzelkreuz
Kirchenschiff Kirchenbänke Kreuzweg Krippe
Lavabo Nepomukfigur Orgel Opferstock
Seitenaltäre Taufstein Tabernakel Turm
Vortragekreuze     Gottesdienstordnung

Die Ortschaft Rumeltshausen wurde erstmals um 857 schriftlich erwähnt. Damals tauschte der 8.Freisinger Bischof Anno (855-875) mit dem Laien Heimperht Liegenschaften zu Pellheim und Rumeltshausen (an Bischof). In dieser in der Zeit zwischen 867 und 864 erstellten Tauschurkunde wird Rumeltshausen als "Rumaneshusir" (bei den Häusern des Ruman) bezeichnet. Aus diesem Namen schließt man, dass hier einst eine fremde, romanische Volksgruppe hauste. Das könnte bedeuten, dass Rumeltshausen schon zur Römerzeit besiedelt war.

Geschichte der Kirche

1128 taucht in Urkunden eine "nobilis matrona" (edle Frau) namens Irmengard auf, die ihren gesamten Besitz einschließlich einer Kirche zu Rumeltshausen dem Kloster Scheyern übereignete. Diesem Kloster unterstand der Ort von 1128 bis 1725. Dann vertauschte Scheyern mit dem Freisinger Bischof das Patronatsrecht an Rumeltshausen gegen das auf die Pfarrei Fischbachau.

Matrikel von 1315
Die Kirche St. Laurentius wird in der Konradinischen Matrikel von 1315 unter der Bezeichnung "Rumelshausen" als Pfarrkirche mit Friedhof erwähnt). Die einschiffige Chorturmanlage aus spätromanischer Zeit entstand wohl in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts.

Matrikel von 1524
Die Sunderndorfer'sche Matrikel von 1524 nennt erstmals den Kirchenpatron St. Laurentius. Der Pfarrherr hieß Johann Kocher. Die Seelsorge versah aber der Vikar Johannes Rudolf, alias Grunbüchler. Das Präsentationsrecht (Vorschlagsrecht für die Besetzung einer Pfarrerstelle) lag beim Kloster Scheyern. Die Kirche hat keine Filiale. Die Zahl der Communikantes, der Gläubigen nach der Erstkommunion, betrug 45. Es war damals die zweitkleinste Pfarrei im Gebiet des heutigen Landkreises Dachau. Immerhin zeigte das Pfarrhaus und die Wirtschaftsgebäude keine Schäden ["non patiuntur defectus"].

Die sog. "Kanzley-Manual-Matrikel des Bisthums Freysing aus dem XVII.Jahrhunderte" enthält die gleiche Aussage: "Rumelzhausen est de praesentatione Abbatis in Scheirn. Ejusdem patronus s.Laurentius. Solvit in absenti 10 fl." d.h. das Absenzgeld, das der offizielle Pfarrherr dem die Seelsorge wahrnehmenden Pfarrvikar zahlen musste, betrug 10 Gulden. Das war ein sehr niedrieger Betrag, von dem ein Pfarrer nicht leben konnte.


Visitationsbericht von 1560

Im Jahr 1560 hatte der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell auf Druck des bayerischen Herzogs Albrecht V. eine Visitation, eine umfassende Überprüfung aller Pfarrer und Pfarreien angeordnet. Die Visitation wurde durch bischöfliche und durch herzogliche Bevollmächtigte durchgeführt. Grund war die durch die Reformation Luthers (1517) entstandene religiöse Unruhe, die jedenfalls in Teilen des Bistums zur Zerrüttung des geistlichen Lebens geführt hatte. Durch die Visitation wollte der Bischof einen detaillierten Einblick in die religiöse Situation der Pfarreien gewinnen. Insbesondere sollte festgestellt werden, ob die Pfarrer und die Gläubigen nochdie katholischen Lehre vertraten oder der neuen Lehre anhingen. Daneben interessierte die Prüfer die Lebensführung der Pfarrer sowie Umfang und Qualität ihrer religiösen Kenntnisse Im Bericht über St.Laurentius Rumeltshausen heißt es, Pfarrer sei Wolfgang Khalteneckher. Er halte
jeden Sonn- und


Auszug aus einer
Landkarte vom Jahr 1663
Feiertag eine Messe und predige an den Feiertagen aus katholischen Büchern, die er von "aim alten Priester erkaufft" hat. Einen Kathechismus besitze er nicht. Die Überprüfung des theologischen Wissens habe ergeben, dass der Pfarrer über die katholische Lehre gut Bescheid weiß und sie nach wie vor praktiziere. "Pfarrer verricht den Gottsdienst auf die allt Religion mit allen Ceremonien", gab der Kirchenpfleger an. Die Pfarrei habe nur 44 Gläubige (=drittkleinste Pfarrei der Diözese), alle katholisch, über die man nur Gutes berichten könne. Der Pfarrer sei sehr arm. Zudem habe ein Hagelschlag heuer die Ernte zerstört. Auch die Einnahmen aus den kirchlichen Verrichtungen sind bei so wenigen Gläubigen gering: "Sterb offt in zwei Jarn niemandt", notiert der Visitator. Über das Privatleben vermerkt er, der Pfarrer habe eine Köchin, aber kein Kind von ihr.
Der Pfarrhof in Rumeltshausen sei "wolerpaut". In der Kirche stünden 3 Altäre, ein Sakramentshaus, ein hölzerner Taufstein ["hiltzin Taufstockh), Bilder und Glocken. Das Taufwasser werde in einem Krug aufbewahrt ["Baptismus ist in aim Kruegl"]. Der Bericht schließt mit den Worten: "An der Khirch und Khirchmauer ist Mangel, sonst an anderen Dingen nit".

Wenn Sie den ganzen Text des Visitationsberichts lesen möchten, klicken sie hier...

Barockisierung 1670
Um das Jahr 1670, kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg, wurde die Kirche umgestaltet (Westwand, Dachstuhl - Zimmerer Lorenz Schnitzenbämer aus Schnitzenbaum bei Miesbach).

Altarweihe 1722
Am 6. Juli 1722 weihte
Fürstbischof Johann Franz von Eckher drei Altäre in der Kirche und spendete 204 (!) Kindern das Sakrament der Firmung. Die Kinder kamen sicher aus einem großen Gebiet hier zusammen. Das Weihedatum bedeutet aber nicht zwingend, dass der Altar erst kurz vorher neu beschafft oder renoviert worden wären. Es könnte auch sein, die Altäre 1670 neu errichtet wurden oder sogar vorher - im 30jährigen Krieg - die Altäre von Soldaten entweiht worden waren und deshalb einer Neuweihe durch den Bischof bedurften. Die war damals aber nicht möglich. Denn ab 1652 saßen zwei Wittelsbacher Prinzen (Albrecht Sigismund von Bayern und Joseph Clemens von Bayern) auf dem Freisinger Bischofsthron, die mangels Bischofsweihe das geistliche Amt des Bischofs nicht ausüben konnten; Albrecht Sigismund besaß nicht einmal die Priesterweihe. Nach 40 Jahren kam 1695 mit Franz Eckher wieder ein echter Bischof an die Regierung, für den nach so langer Zeit ohne Kirchen- und Altarweihen und ohne Firmungen viel zu tun war. Dieser kunstsinnige Bischof hatte seinen Sommersitz auf Schloss Hof und weihte von hier aus in seinem Urlaub viele Altäre und Kirchen unserer Region.

Matrikel 1738/40
In den Jahren 1738/40, besuchte der Kanonikus Schmidt aus Freising die Pfarreien der Diözese und erstellte die nach ihm benannte Schmidt'schen Matrikel. Über die Pfarrei "s.Laurentii in Rumelzhausen" berichtete er: Das Präsentationsrecht soll nach einer alten Matrikel früher beim Abt und dem Konvent des Kloster Scheyern gelegen haben. Mit Vertrag vom 8.August 1725 tauschten das bischöfliche Ordinariat in Freising und das Kloster Scheyern die Rechte für die Pfarreien Fischbachau (bisher Freising) und Rumeltshausen. Seitdem besaß Freising das Präsentationsrecht in Rumeltshausen. Der Pfarrer hieß damals Georg Michael Pabst; er war 1731 eingesetzt worden. Das etwas schäbig aussehende Pfarrhaus war noch aus Holz gebaut. Es war samt den Wirtschaftsgebäuden renovierungbedürftig. Die Zahl der Gläubigen hatte sich in den letzten 200 Jahren von 45 auf 78 erhöht, obwohl in dieser Zeit zwei schreckliche Kriege (Dreißigjähriger Krieg und Spanischer Erbfolgekrieg) das Land heimgesucht hatten.
Die Pfarrkirche beschreibt Schmidt als Bau, wie man ihn im ländlichen Bereich üblicherweise findet. Sie hatte drei Altäre:Der Hochaltar war dem hl.Laurentius, die Seitenaltäre der Schmerzhaften Mutter (Mater dolorosa) und dem hl.Leonhard geweiht. In der Sakristei waren ausreichend viele Messgewänder aufbewahrt. Im Friedhof stand ein Beinhaus. Im Turm hingen zwei geweihte Glocken. Die Einnahmen und Ausgaben verwalteten der Pfarrer und der Landpfleger von Dachau. Der Bericht endet mit dem einzigen Satz in deutscher Sprache: "Das völlige Vermögen dises Pfarr-Gottshauses mechte sich der Zeit yber 700 fl. (=Gulden) belauffen".

Umbau 1748
Im Jahr 1748 wurde die Kirche im Stile des Rokoko weiter verändert. Man hat die Rippen der Chorraum-Decke abgeschlagen und die neu gewonnene durchgängige Fläche von Franz Mayr bemalen lassen. Auch der Stuck mit Bandlwerkornamentik stammt aus dieser Zeit. Zudem wurde ein neuer Altar aufgestellt. Bei diesem Umbau erhielt die Kirche in etwa das heutige Aussehen. Die Inschrift über dem Chorbogen "Haec est Domus Domini" mit der Jahreszahl "MDCCXLVIII" (1748) weist auf das Jahr hin.

Pfarrsitzwechsel 1814
Rumeltshausen war bis 1814 Sitz einer eigenen Pfarrei und wurde dann mit der Pfarrei Schwabhausen zusammengelegt.
Damals kamen zu den 167 Gläubigen in Schwabhausen 72 Gläubige aus Rumeltshausen dazu; die Pfarrei blieb immer noch klein.
In J.R.Buchinger historischen Nachrichten über das Landgericht Dachau wird berichtet: "Rumelzhausen besteht jetzt nicht mehr als eine eigene Pfarrey, sondern wurde am 19.October 1814 für immer mit der Pfarrey Schwabhausen vereiniget, die deßwegen einen Hülfspriester zu halten hat". Grund waren wohl die geringen Einkünfte beider Pfarreien. Mayer/Westermayer schrieben 1880: "weil das Widdum, der Pfarrbauernhof, (im Rumeltshausen) an Gebäuden und Feldbau gänzlich vernachlässigt war und öde lag und weil die Pfarrei Schwabhausen dringend einer Aufbesserung bedurfte. Sämtliche Erträgnisse von Rumeltshausen sollen teils zur Haltung eines Hilfspriesters und teils zur Verbesserung der ebenfalls unzureichend dotierten Pfarrei Schwabhausen verwendet werden". Dem letzten Pfarrer von Rumeltshausen wurden mangelhafte Kenntniss bei der Bewirtschaftung der Pfarrgründe vorgeworfen, was ebenfalls die Entscheidung erleichterte.
Die Eingliederung der Pfarrei Rumeltshausen nach Schwabhausen hatte nicht nur Freunde. Die Gemeinde Rumeltshausen widersetzte sich mit der Begründung, dass die Gläubigen wegen der vom Rothbach drohenden Wassergefahr unter keinen Umständen nach Schwabhausen kommen könnten. Die Kirche in Schwabhausen sei zu klein; außerdem sei der Pfarrhof in Rumeltshausen erst vor 12 Jahren gebaut worden. 1936 jedenfalls waren das Pfarrhaus und die Ökonomiegebäude noch vorhanden.

Beschreibung 1817
Im Jahr 1817, drei Jahre nach der Vereinigung der Pfarreien Schwabhausen und Rumeltshausen, hat Pfarrer Hosemann seine neue Pfarrei beschrieben. Die Kirche in Rumeltshausen sei "ziemlich feucht, weil man zwei Stufen hinabsteigen muss. In der Mitte des Hochaltars ist ein hölzern sitzendes, aber angekleidetes Frauen-Bild, mit dem ebenfalls gekleideten Jesukinde am Arme. Das Fest der Kircheweihe wird am Sonntag nach dem Fest der hl.Petrus und Paulus (=29.6.) gefeiert."

Verlängerung 1857
1857 (andere Quelle: 1868) wurde die Kirche nach Westen hin unter geschickter Anpassung der Rundbogenblendfenster an der südlichen Außenseite um 3,60 Meter erweitert. (Die westliche Begrenzung des alten Kirchenschiffes ist deutlich an der Mauerkontur sichtbar).


Beschreibung 1880
In der Statistischen Beschreibung des Erzbistums München und Freising von Anton Mayer und Georg Westermayer aus dem Jahr 1880 ist im Kapitel über die Pfarrei Schwabhausen auch die Kirche St.Laurentius in Rumeltshausen enthalten. Im Dorf selbst wohnten 89 Seelen (in 12 Häusern). Über die Kirche schreibt er: "An der Straße von Dachau nach Indersdorf gelegen. Erbauungsjahr unbekannt. Am Triumpfbogen die Inschrift: 'Haec domus Domini 1748'. Restaurirt 1886. Renaissancestyl. Presbyterium im Thurme. Geräumigkeit zureichend. Baupflicht hat die Kirche. Kuppelthurm mit 2 Glocken; beide mit der Inschrift: "Bernhard Ernst in München goss mich 1665". 3 Altäre, davon 1 portatile (ohne festen Altarstein). Keine Orgel. Cemeterium (=Friedhof) ohne Capelle. Gottesdienste: jeden 3.Sonntag sowie 2.Weihnachtsfeiertag, Oster- und Pfingstmontag. Stiftungen 6 Jahrtage, 3 Jahrmessen. Meßner und Cantor ist der Meßnergütler. Kirchenvermögen: 14.300 Mark".

Bittgänge
Aus den Kirchenrechnungen ist bekannt, dass die Rumeltshausener alljährlich Kreuzgänge nach Webling und nach München (wohl zum hl.Benno, der in der Frauenkirche verehrt wurde) unternommen haben. Die Fahnenträger und Sänger ("Fahnnentrager unnd Sünger") sowie der mitwallfahrende Pfarrer erhielten ein kleines Zehrgeld, das in der Kirchenrechnung von Rumeltshausen verbucht wurde.
Die Verehrung des hl.Benno in Bayern entstand erst im 16.Jh im Zusammenhang mit der Reformation. St.Benno, der von 1066 bis 1106 in Meißen als Bischof gewirkt hatte, wurde am 16.Juni 1524 zur Ehre der Altäre gehoben. Luther verurteilte diese Heiligsprechung in seiner Schrift "Wider den neuen Abgott und alten Teufel, der zu Meißen soll erhoben werden" aufs Schäfste. Als Sachsen 1539 protestantisch wurde, hat man das Grabmal Bennos geöffnet und seine angeblichen Gebeine in die Elbe geworfen. Allerdings behauptete der letzte Bischof von Meißen, der später übrigens selbst die evangelischen Konfession annahm, schon vorher die Gebeine aus dem Sarg entfernt und die Sekundärreliquien, das Messgewand, Mitra und Bischofsstab in Sicherheit gebracht. Sie wurden 1576 (wohl gegen einen ansehnlichen Betrag) zusammen mit einem Wunder-Verzeichnis dem bayerischen Herzog Albrecht V. überlassen. 1580 hat man die Gebeine in der Münchner Liebfrauenkirche beigesetzt, wo sie nun das Ziel vieler Wallfahrer aus dem bayerischen Land waren. Maßgeblich dafür waren sicher seine Patronate für München und Altbaiern sowie seine Funktion als Wetterheiliger.

Berichte aus der Pfarrei
Die Dachauer Zeitungen haben in den letzten 120 Jahren immer wieder aus dem Pfarrleben berichtet. Diese oftmals in blumiger Sprache verfassten Berichte beschäftigen sich nicht unmittelbar mit dem Kirchengebäude, vermitteln aber einen ergänzenden Eindruck aus der damaligen Zeit. Meist werden Primizen, Jubiläen oder Einweihungsfeiern beschrieben. Wenn Sie die Berichte über Rumeltshausen lesen möchten, klicken Sie hier...

Baubeschreibung

An der Südseite des Turmuntergeschosses und des Langhauses ist noch eine romanische Bauzier in Form eines Rundbogenfrieses angebracht. Es sind zwei Blendbogen-Nischenpaare, deren Aussehen sehr den Blendbögen am Chor der Kirche von Arzbach ähneln.
Die Bauzier an der Westwand und an der Vorhalle ist nur romanisch nachempfunden. Sie wurde bei der Verlängerung der Kirche 1868 gestaltet.

An der Südwand ist unter dem Bogenfries eine Sonnenuhr angebracht (siehe Bild rechts). Rechts neben der Sonnenuhr hängt ein großes, von einem Metallbogen überdecktes Kreuz im Stil des Historismus aus der Zeit um 1900 (Missionskreuz)
An der Außenseite des Vorhauses steht hinter einer mit Glas abgedeckten Nische eine Madonnenstatue (siehe Bild links)
Epitaphe
Um das Missionskreuz sind in die Mauer mehrere Epitaphe eingelassen, die an ehemalige Pfarrer erinnern.


Wolfgang Kaltnöcker, 27. 8. 1609,
Kalksandstein, unten Hostienkelch
Maße: (60 x 58 cm)

(Vergrößerung der Bilder per Mouseklick)

 
Georg Michael Pabst, 5. 4. 1753,
(Pfarrer seit 1731),
Kalksandstein unten Hostienkelch
Maße: (61 x 58 cm)
Pfarrer Johannes Nepomuk Lindtner,
unten Kelch mit Hostie
Kalksandstein
Maße: (42 x 32 cm)
 
Wolfgang Pabst, 1735,
unten Hostienkelch
Rotmarmor
Maße: (83 x 51 cm)

Der Turm hat einen viereckigen Grundriss und einen entsprechenden Unterbau. Über den beiden Traufgesimsen erhebt sich der achteckige Turmoberbau von 1694, bedeckt von einer ausladenden barocken Zwiebelhaube (nach Entwurf des Münchner Hofmaurermeisters Franz Anton Kirchgrabner 1779) mit Schieferplatten. Angeblich wurde der Turm im Franzosenkrieg von 1796 auf die heutigen 35 m erhöht, um über den Hügel in Richtung Lengenmoos das Herannahen des Feindes erkennen zu können. Es nützte nichts; die Kirche wurde von den Revolutionstruppen ausgeplündert.
Eine Auflistung der höchsten Kirchtürme im Landkreis finden sie hier....


Im Turm hängen zwei Glocken. Die ältere aus dem Jahr 1665 besitzt die Aufschrift: "Bernhard Ernst in München goss mich 1665", die jüngere 1922 von Ulrich & Weule aus Apolda in Thüringen. (Eine Auflistung der ältesten Glocken im Landkreis finden sie hier....).
Hinweis: Woher die so typisch bayerisch-barock anmutende Zwiebelform kommt, ist erstaunlicherweise nicht geklärt. Einige der Experten vermuten, dass sie eine Nachahmung und Weiterentwicklung der im 7.Jh errichteten Moschee auf dem Tempelberg in Jerusalem (Felsendom) und somit arabischen Ursprungs ist. Damals glaubten europäische Baumeister, die Kuppel stamme noch vom Tempel Salomons und verbanden mit ihr die Vision vom himmlischen Jerusalem. Andere Kunstexperten sehen in der Zwiebel eine Weiterentwicklung der byzantinischen Kuppel, die auch in Russland großen Anklang fand. Fest steht jedoch, dass die ältesten zwiebelförmigen Kuppeln in Bayern die der Münchner Frauentürme sind (1525). Weite Verbreitung fand die Zwiebel als Bauform aber erst im Italien der Renaissance und bei uns in der Barockzeit nach dem 30jährigen Krieg. Ihre Form -unten bauchig, oben spitz- passte wunderbar zur Kunstauffassung und zum Lebensstil des Barocks und galt "als Synthese aus der Bewegung ins Übersinnliche und dem Verharren in den Wölbungen des Sinnlichen".
Sakristei
Nördlich am Chor ist die Sakristei angebaut. Ihr älterer Teil besitzt noch ein gotisches Kreuzrippengewölbe. In der Sakristei enden die hölzernen Röhren, durch die die Glockenseile innerhalb des Mauerwerks geführt wurden.

In der Sakristei hängt in einer Wandnische noch ein kupferner Wasserbehälter mit Hahn (Lavabo), in dem früher, als es noch keine Wasserleitung gab, das für die Messe benötigte Wasser aufbewahrt wurde. Es ist eine Rarität; solche Wasserbehälter sind mir im Landkreis Dachau nur noch aus Deutenhausen und Bergkirchen bekannt.
Im Vorhaus des Einganges befinden sich drei übereinander liegende, mit schmiedeeisernen Gittern versehene Nischen. Im untersten "Karner" (Beinhaus) liegen fünf Totenschädel.
Hinweis: Das Beinhaus oder Karner (lat.carnarium=Fleischkammer) war vom Mittelalter bis zum 19.Jh. ein meist an die Kirche in der Nähe des Eingangs angebaute, zweigeschossige Friedhofskapelle, in deren Untergeschoss die Gebeine der schon lange Verstorbenen aufbewahrt wurden, um Neuzugängen Platz zu machen. In früheren Jahrhunderten war die Lebenserwartung nicht so hoch; so sind in Relation zur Bevölkerungszahl mehr Menschen gestorben. Friedhöfe waren damals immer um die Kirche herum angelegt und kaum erweiterungsfähig. Im Jahr 1058 beschränkte man die Grenzlinien der Friedhöfe auf 60 Schritte im Umkreis des Altars für Hauptkirchen und 30 Schritte für Kapellen. Weiter entfernt konnte man sich des Segens der im Altar ruhenden Reliquien und der Fürbitte des Heiligen nicht sicher sein. So war es üblich, die Gräber schon nach 5 bis 10 Jahren wieder zu verwenden. Zudem gab es keine Familiengräber; der nächste Tote erhielt das frei werdende Grab. Manche Totenschädel in den Beinhäusern wurden auch bemalt oder mit Inschriften versehen, um sie der Anonymität zu entreißen. Karner waren besonders in Bayern, Österreich und Ungarn verbreitet; sie standen an katholischen und protestantischen Gotteshäusern. In den letzten hundert Jahren wurden die Karner abgerissen bzw. in Lourdeskapelle, Abstellräume oder Vorhäuser umgewandelt. In manchen Kirchen wie hier in Rumeltshausen erinnert aber noch eine Nische mit einigen Totenköpfen an die frühere Trauerkultur. Die aufgestapelten Gebeine sollen die Kirchenbesucher an die Vergänglichkeit des Menschen ermahnen.
In der darüber liegenden rundbogigen Nische steht eine 1,10 m hohe Christusskulptur (Jesus auf der Rast) mit seitlich angebrachten Engeln, die einen Totenkopf (rechts)und eine Sanduhr, die Zeichen für die Endlichkeit des Lebens, in den Händen halten.
Hinweis: Figuren von "Christus in der Rast" sind nicht selten in den Kirchen des Landkreises Dachau. Ähnliche Figuren stehen auch in Asbach, Bergkirchen, Biberbach, Haimhausen, Kleininzemoos, Kollbach, Röhrmoos und Westerholzhausen. Die Darstellung Christus auf der Rast geht zurück auf die heimlichen Leiden Christi.

Das sind Schilderungen und bildliche Darstellungen von Martern Christi vor seiner Kreuzigung, die nicht in den Evangelien erwähnt werden.Sie entsprangen der Passionsmystik des Mittelalters und wurden in der Barockzeit von den Jesuiten und Franziskanern für Zwecke der Gegenreformation wieder belebt.Zu diesen heimlichen Leiden gehören Darstellungen von Christus im Kerker, von Maria mit ihrem toten Sohn Jesus auf dem Schoß (Vesperbilder) und Christus auf der Rast. Letzteres stellt Jesus dar, der nach dem Kreuzweg, kurz vor seiner Kreuzigung auf einem Stein oder dem Kreuz sitzt, seinen Ellbogen an den Schenkeln aufstützt und das Kinn bzw. eine Wange mit einer Hand hält. Eine uralte Geste der Klage. Diese Art der Gestaltung heißt im Volksmund manchmal auch "Zahnweh-Herrgott".
  
Ganz oben ist eine Ölbergdarstellung aus dem 18.Jh. Sie zeigt den auf dem Boden knienden Jesus, der sein Gesicht betend zum Himmel wendet. Rechts von ihm die drei schlafenden Jünger. Über der Gruppe ein Engel mit dem Kelch in der Hand. Er erinnert an die Jesusworte am Ölberg: "Mein Vater! Ist es möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber; doch nicht, wie ich will, sondern wie du willst!" (Mtt, 26,39).

Die letzte Renovierung fand in den 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts statt.

Innenausstattung

Altarraum

Rumeltshausen ist eine Chorturmkirche, d.h., der Altarraum ist im Erdgeschoss des Turmes untergebracht. Der Raum hat die Grundmaße des Turms (3,5 x 3 m) und ist deshalb relativ schmal und kurz. Der Altarraum ist von einem in der Barockzeit bemalten Kreuzgewölbe überdeckt, bei dem 1748 die Rippen abgeschlagen wurden.

An der Nord- und der Ostwand wurden vor einigen Jahren farbenfrohe Fresken aus spätgotischer Zeit freigelegt. Die Tatsache, dass die Gemälde hinter den Altar reichen, zeigt deutlich, dass der gotische Altar nicht sehr hoch gewesen sein kann. Der heutige, raumhohe Altar, der die Fresken verdeckt, wurde erst 1740 errichtet.
Der um eine Stufe erhöhte Altarraum wird nur durch ein Fenster (an der Südseite) erhellt.

Spätgotische Fresken im Altarraum

Verkündigung Mariens
Der Engel Gabriel tritt herein zu Maria, die gerade in der Bibel liest und kündigt ihr die Empfängnis an.

Geburt Jesu
Maria und Jesus knien vor der Krippe; auf dem Balkon Ochs und Esel.

Darstellung Jesu im Tempel
mit Maria, Hanna und Simeon (Fest Mariä Lichtmess).

Martyrium des hl. Laurentius

Spätgotische Fresken, im 15. Jh. entstanden, zieren den Altarraum.
Man hat sie erst im 1911 bei einer Restaurierung wieder entdeckt und freigelegt. Sie zeigen jedenfall an der Nordseite Szenen aus dem Leben Jesu. Zwei Gemälde direkt hinter dem Altar, die leider kaum zu fotografieren sind, sollen Szenen aus dem Martyrium des hl.Laurentius darstellen. Das südliche davon könnte aber auch die Geißelung Jesu sein.
Interessant sind die Heiligenscheine; sie sind dreidimensional gestaltet.
Als die Fresken hinter dem Altar gemalt wurden, war der Altar nur so hoch, dass die Bilder vom Kirchenschiff aus zu sehen waren. Spätestens als ein höherer Altar errichtet wurde, hat man diese (und wahrscheinlich alle Wandgemälde im Chor) überweißelt.

Inmitten des freigelegten Freskos steht Nische eine schwarze Madonnenfigur.


Deckengemälde im Altarraum

Das Deckengemälde im 5,30 m hohen Chorraum, 1748 von Dachauer Franz Mayr (geb.1707 in Lauterbach, gest.1752 in Dachau) gemalt (sign. an der Langhausdecke). Mehr über Franz Mayr ....

Das 3,55 x 3,00 m große Bild stellt auf der ganzen Fläche Szenen aus dem Leben des hl. Laurentius dar. Im Mittelfeld die Apotheose, die "Verherrlichung des hl. Laurentius.

Der Heilige kniet in Diakonskleidung (kurze Ärmel) mit ausgebreiteten Armen und blickt zum Himmel. Ein Putto hält sein Attribut, einen Rost. Über St. Laurentius zwei große Engel mit weit aufgerissenen Augen und darüber in einem Lichtfeld das Symbol für die Dreifaltigkeit (Dreieckssymbol).

In den Seitenfeldern des Kreuzgewölbes vier Ornamentskartuschen mit und folgenden Texten und Emblemen:
Vorne links:    
( Phönix = Sinnbild für Martyrium)
Text: "Ein gantz neues Leben, in Feur ihm wirdt geben".
  Vorne rechts:
(Brennender Dornbusch = unsterbliche Seele Ex.3,2)
Text: "Ehr brinet zwar in der Glueth, doch ihn nit verzören tuet".
  Hinten links: (Goldtiegel im Ofen = Läuterung ).  
Text: "Er wird im Feuer nit verzehret, sein Schein und Glantz würdt ermehret".
  Hinten rechts: (Vulkan Albanus, der am Fuße blüht und oben Feuer speit= Standhaftigkeit des Laurentius während der Marter)
Text: "Von undten schen blüehet, uns oben doch glüehet"

An den beiden Stichkappen links und rechts vom großen Deckengemälde im Altarraum befinden sich zwei Bildfelder in gemaltem Ornamentsrahmen mit Schriftbändern unter den Bildern.
Auf der linken Seite kniet über dem Text "Löschet auß die Feursbrunsten" St.Laurentius auf Wolken. Auf der Erde sind im Vordergrund mehrere Gebäude -darunter auch eine Kirche - zu sehen, die in Flammen stehen.
Das Bild auf der rechten Seite zeigt St. Laurentius als Patron gegen das Unwetter. In der Schriftkartusche ist "Trennet ab die Hochgewitter" zu lesen. Der Heilige lagert im oberen Teil des Bildes mit seinem Attribut, dem Rost, auf einer Wolke. Aus dieser Wolke geht auf einen Bauernhof ein Unwetter mit Hagelschauer nieder. Wegen des Feuertodes ist Laurentius der Patron gegen Feuer und Blitzschlag.


Hochaltar / Choraltar

Der barocke Hochaltar aus dem Jahr 1740, der einige Zeit in desolatem Zustand auf dem Dachboden des Pfarrhofs in Schwabhausen gelagert war, steht seit der letzten Renovierung wieder auf seinem Platz im Altarraum.
Mittelpunkt des Altars ist eine von Putten umgebene liebliche Madonnenfigur aus dem 18.Jh. Sie hält das segnende Jesuskind in ihrem Arm. Flankiert wird sie von Skulpturen des Kirchenpatrons, des hl. Laurentius, mit den typischen Attributen Rost und Palmzweig (1740) auf der linken Seite
    
und des hl. Sebastian, der als Soldat mit Pfeil und Bogen dargestellt ist (18.Jh) auf der rechten Seite.
Im Aufsatz des Hochaltars eine Heiliggeist-Taube.
  Hinweis: Nach der Legende war Sebastian im 3.Jh.ein Offizier der kaiserlichen Garde, der auf Befehl des Kaisers Diokletian mit Pfeilen durchschossen wurde. Er erholte sich aber durch die Pflege der Witwe des Märtyrers Kastulus, bekannte sich erneut zu seinem Glauben und wurde daraufhin mit Keulen erschlagen.Auf seine Anrufung hin, soll eine Pestepidemie abgewendet worden sein.  Der heilige Sebastian wird deshalb  als Pestpatron und -der Pfeile wegen- und als Patron der Schützenbruderschaften verehrt.
Laurentius war um das Jahr 250 einer der sieben Diakone in der Stadt Rom. Er sollte im Auftrag des Papstes den Kirchenschatz unter den Leidenden und Armen austeilen. Kaiser Valerian erhob Anspruch auf diese Schätze;als Laurentius sie nicht an ihn herausgab, ließ er ihn mit Bleiklötzen schlagen, zwischen glühende Platten legen und befahl schließlich, den Unerschütterlichen über stetig unterhaltenem Feuer auf einem Rost langsam zu Tode zu martern. Deshalb wird Laurentius mit dem Rost abgebildet.

Der neubarocke Tabernakel aus 1910 ist teilvergoldet. Er wird durch vier 90 cm hohe Säulen gegliedert. In den seitlichen Nischen stehen 30cm hohe Skulpturen aus Holz (18.Jh). An der zweiflügeligen Tabernakeltüre sind vergoldete Reliefs von Getreideähren und Weinreben angebracht als Zeichen für Brot und Wein, Leib und Blut Christi, die im Tabernakel aufbewahrt werden. Die Figuren der Leuchterengel, die auf dem Tabernakel sitzen, stellen nicht nur eine Verzierung dar. Sie sind auch auf die Gestaltung der Bundeslade der Israeliten in biblischer Zeit zurückzuführen, die als Vorgängerin des Tabernakels angesehen wird. Die Bundeslade war von zwei goldenen Engelsfiguren (Cherubim) eingerahmt (Ex, 37,7-9).

  Hinweis: Tabernakel ist das lateinische Wort für Zelt. Die seit dem 12. Jh übliche Bezeichnung führt zurück zur Bundeslade der Israeliten zur Zeit Mose, die ebenfalls in einem Zelt untergebracht war. Der Tabernakel dient bereits seit frühchristlicher Zeit (unter anderem Namen) zur Aufbewahrung verwandelter Hostien für die Sterbenden. Seit dem hohen Mittelalter wurde er auch Ort der Anbetung und Verehrung Christi in der Gestalt dieses eucharistischen Brotes. Der Ort und die Form der Aufbewahrung änderten sich im Laufe der Jahrhunderte häufig. Das Tridentinische Konzil (1545 - 63) ordnete die Aufstellung des Tabernakels auf dem Altar an. Doch diese Vorschrift wurde in Deutschland, wo man lange daran festhielt, die heiligen Hostien in Wandschränken und Sakramentshäuschen aufzubewahren, erst im 18. Jahrhundert umgesetzt. Das 2. Vatikanische Konzil (1962 - 65) lässt dies wieder zu. Deshalb werden in modernen oder modernisierten Kirchen Tabernakel häufig in die Wand eingelassen oder stehen frei auf einer Säule.


Ambo

Vor dem noch erhaltenen (zusammengeklappten) Kommuniongitter mit seinen steht auf der Nordseite der aus Messing gearbeitete Ambo, dessen Schaft mit reichen Verzierungen nach Art des Rokoko geschmückt ist (um 1970).
  Hinweis: Ambo (griech. ámbon = erhöhter Rand) im Frühchristentum und Mittelalter erhöhte Plattform an der altchristlichen Chorschranke in der Kirche zum Vorlesen und Vorsingen liturgischer Texte (Epistel, Evangelium); ab dem 13. Jh. wurde die Funktion des Ambos von der Kanzel übernommen. In neuester Zeit ist das Ambo wieder fester Bestanteil in der Ausstattung der Kirchen. Von hier aus werden Lesungen, Evangelium, Predigten und Kantorengesänge vorgetragen.


Figuren am Chorbogen

Am Chorbogen sind Figuren aus dem 18.Jh.angebracht:

Links der hl.Michael mit Flammenschwert, der seinen Fuß auf einen kleinen Teufel setzt. Flammenschwert ist die Bezeichnung für ein Schwert, dessen Klinge gewellte (geflammte) Schneiden hat.
Hinweis: Michael ist mit Raphael, Gabriel und Uriel einer der vier Erzengel. Nach der Überlieferung war Michael häufig mit der Heilsgeschichte der Menschen verbunden. Er stürzte -schon vor Beginn der Schöpfung- den Luzifer,  trieb Adam und Eva  mit dem Schwert aus dem Paradies (1.Mose 3,23-24)  zeigte Hagar, der von Abrahams eifersüchtiger Frau Sara vertriebenen Magd, die Quelle zur Rettung ihres Lebens (1. Mose 16,7-12). Michael gilt auch als einer der drei Männer, die Abraham besuchten (1. Mose 18,1-16), er hinderte Abraham, den Isaak zu töten (1.Mose 22, 11-18) rang mit Jakob (1.Mose 32,24-29), teilte das Rote Meer beim Auszug aus Ägypten (2. Mose 14,19-22), führte Israel ins gelobte Land und kämpfte mit dem Teufel um die Seele von Mose. Rettend erschien er den Jünglingen im Feuerofen bei Daniel (Daniel 3,25-26) und hielt Habakuk an den Haaren über die Löwengrube. Michael hält die Seelenwaage und empfängt die Seligen im Paradies, so wie Petrus an der Himmelspforte.
Auf der gegenüber liegenden Seite der hl. Georg, der seine Lanze in den Drachen (Sinnbild für das Böse) stößt.
  Hinweis: Georg war Soldat des römischen Heeres zur Zeit Kaiser Diokletians und wurde um ca. 304 in Nikodemien oder Lydda enthauptet. Bei uns wird der hl. Georg vor allem als Patron der Pferde verehrt (Georgiritt). Meist wird er als Ritter dargestellt, der einen Drachen tötet. Nach der Legende hauste in einem See vor der Stadt Silena in Lybia ein Drache, dem die Einwohner täglich Lämmer

  und später Kinder opfern mussten. Da erschien St.Georg, nachdem er alle Martern überstanden hatte, gevierteilt und vom Erzengel Michael wieder zum Leben erweckt worden war. Als der Drache auftauchte, schwang Georg mit dem Zeichen des Kreuzes die Lanze und durchbohrte das Untier, das zu Boden stürzte.
Der Drache ist ein Wesen, das viele Völker in ihren Mythen (Lindwurm) kennen. In China gilt er als glücksbringend, bei uns im Westen als Bedrohung. Sein Name kommt vom Griechischen drakon = "furchtbar Blickender". Im Alten Testament wird er als Verkörperungen des Bösen und als Teufel bezeichnet. In der Apokalypse bedroht er die Frau, die gerade ein Kind geboren hatte. In der religiösen Kunst wird er häufig zusammen mit dem hl.Michael, dem hl. Georg und der hl.Margarete abgebildet. Bei frühen Darstellungen ist der Drache meist schlangenartig und oft mehrköpfig wiedergegeben, seit dem Spätmittelalter eher echsenförmig, oft mit Fledermausflügeln und feurigem Atem. Alte Drachen-Darstellungen sind Sauriern oft erstaunlich ähnlich, als ob es ein Urwissen von der Existenz dieser prähistorischen Tiere geben würde.


Ewig-Licht-Ampel

Von der Mitte des Chorbogens hängt die schöne Ewig-Licht-Ampel. Sie ist im Stil des Neurokoko gearbeitet; eine Gürtlerarbeit, versilbert mit Rocailleornamentik.

Hinweis:
Das rote Öllämpchen, das stets im Altarraum brennt, gilt oft als Erkennungsmerkmal eines katholischen Gotteshauses. Früher gab es solche Lichter nur an den Märtyrergräbern.
  Mit der wachsenden Verehrung der aufbewahrten Eucharistie hat sich etwa seit dem 13. Jh der Brauch des "Ewigen Lichtes" vor dem Tabernakel, wo das Allerheiligste aufgewahrt wird, herausgebildet, nachdem der Johanniter-Ritterorden das Ewige Licht von den Kreuzzügen aus dem Heiligen Land mitgebracht hatten. Durch sein dauerndes Brennen weist es darauf hin, dass in der Kirche geweihte Hostien aufbewahrt werden. Meist sind die von der Decke herabhängenden Ampeln aus Silber oder versilberten Material gebaut, in eleganten Formen und mit vielen grazilen Verziehrungen versehen.

 

Epitaph am Chorbogen

Vor dem Choraltar ist im Fußboden eine Platte im Rautenformat verlegt mit der Aufschrift W.P.
Die Buchstaben könnten die Anfangsbuchstaben des Namens Wolfgang Pabst (+1735) sein, für den ein weiterer Epitaph in die Außenseite des Kirchenschiffs eingelassen ist.

Langhaus/Kirchenschiff

Die Bezeichnung des Langhauses als Kirchenschiff ist darauf zurückzuführen, dass die Kirchenväter die Gemeinschaft der Glaubenden als Schiff bezeichneten, das die Gläubigen aus dem Sturm der Zeit und den gefährlichen Wogen des Schicksals rettet.
Der Altarraum und das um eine Stufe tiefer liegende Kirchenschiff sind durch einen hohen, runden, mit Stuck-Rahmenleisten verzierten Chorbogen mit der Aufschrift "Haec est domus Domini MDCCXLVIII" (Dies ist das Haus des Herrn, 1748) getrennt.



Deckengemälde im Kirchenschiff

Das spätromanische Langhaus hat eine mit leichtem, duftigen Stuck überzogene Flachdecke. Das Kirchenschiff ist 12,80 Meter lang, 5,75 m breit und 5,70 m hoch. Es hat sich durch die barocke Umgestaltung und Erweiterungen im Jahr 1748 und 1868 in einen lichtdurchfluteten, durchaus geräumigen Saal verwandelt. An die Flachdecke mit umlaufenden Rahmen sind ein zentrales Fresko und - um dieses Fresko gruppiert - vier ovale Medaillons mit Stuck-Profilrahmen gemalt. Der Architekt und Historiker Max Gruber geht davon aus, dass die Arbeit auf die Stukkateur-Gruppe Alex Pader, Martin Hörmannstorffer und Augustin Pältl zurückgeht, die in Bergkirchen und evtl. auch in Etzenhausen, Arnbach und Pipinsried tätig war.

Das um 1748 von Franz Mayr (sign.) gemalte 2,85 x 2,45 m große Mittelfresko zeigt das Martyrium des hl.Laurentius. Es wurde von Franz Mayr nach einer Stichvorlage von Lucas Vorstermann und einem Gemälde von Peter Paul Rubens (im Schloss Schleißheim) gemalt. Im Zentrum des Bildes ist St. Laurentius zu sehen, der halbnackt von den Schergen auf den Rost gezwungen wird, unter dem bereits das Feuer lodert. Andere Henkersknechte schütten aus einem Korb Kohlen in die Glut.
Im Hintergrund ist eine Jupiterstatue zu sehen. Unter dem Volk, das dem Schauspiel beiwohnt, befinden sich der römische Kaiser, ein heidnischer Priester, Krieger und ein Reiter mit roter Fahne. Über der Szene schwebt ein Putto mit Palmzweig und Lorbeerkranz für den Heiligen. Zum gleichen Thema hat Mayr hat auch das Altarblatt in der Kirche von Etzenhausen mit großer kompositorischer Ähnlichkeit gemalt.
  Hinweise: Die Palme ist schon von alters her Zeichen der sieghaften Vollendung und des Triumphs. Dies hat man für die christlichen Märtyrer übernommen. Die immergrünen Palmzweige symbolisieren das ewige Leben und den Sieg des Glaubens über das Heidentum. Zudem berichtet Johannes in der Geheimen Offenbarung: "... sie standen in weißen Gewändern vor dem Thron und vor dem Lamm und trugen Palmzweige in den Händen" (Offb 7,9).
Der Kranz war das Ehrenzeichen des siegreichen Athleten, z.B. bei den Olympischen Spielen der Antike in Form eines Gewindes aus Laub, Blumen u.ä. Das Christusmonogramm war in der frühen Kirche öfters von einem Kranz umgeben und bezeichnete so Christus als den Sieger über den Tod (daher häufig auf Sarkophagen) oder - da die siegreichen römischen Kaiser den Lorbeerkranz trugen - als Kyrios, den Herrn der Welt. Als Siegeszeichen gebührte der Kranz auch den Märtyrern.

In den ovalen Medaillons rund um das Gemälde ist Laurentius als Helfer der Menschen in vielfältigen Nöten dargestellt. Über den Szenen ist in Text-Kartuschen das Motto des Bildes beschrieben.
Medaillon links vorne:
"S.Laurentius Speist die christen". Der Heilige steht -begleitet von Ministranten- in einer Kirche vor einem Altar und reicht den vor ihm knienden Christen die hl.Kommunion.
  Medaillon rechts vorne:
"S.Laurentius gibt denen armen". Laurentius steht vor einem Tisch, auf dem ein Geldsack liegt. Im linken Arm hält er einen Korb mit Speisen, mit der rechten Hand reicht er einem Knaben eine Münze.
Medaillon links hinten:
"S.Laurentius Heillet die Kranche". Vor dem Hintergrund eines Palastinneren steht St. Laurentius und lgt seine Hand auf den Kopf einer vor ihm liegenden Frau. Am linken Bildrand weitere Kranke, die ihre Hände flehentlich zu Laurentius erheben.
Im unteren Teil des Bildes die Signatur "F.M.M.AO 1748"
  Medaillon rechts hinten:
"S.Laurentius Erleicht die blinte". Laurentius steht umgeben von einer großen Schar Blinder in der Bildmitte und segnet einen vor ihm knienden Mann.

Unter der Empore ist die Decke mit einem Fresko des Auges Gottes im Dreieck bemalt. Um das Dreieck ein dichter Kranz von Strahlen.
  Hinweis: Das Auge Gottes im Dreieck verdankt seine Existenz der Scheu früherer Jahrhunderte, Gottvater zu personifizieren. In der Frühzeit des Christentums trat der Lebensquell an die Stelle Gottes, später eine Wolke als Hand Gottes. Erst seit der Neuzeit ist das Auge Gottes im Dreieck gebräuchlich. In der Kunst unserer Gegend ist es seit dem 18.Jh verbreitet. Es symbolisiert gleichzeitig auch die Dreifaltigkeit. Personifiziert, als würdiger alter Mann mit langem Bart, wird Gottvater erst seit dem Barock (17.Jh) dargestellt.


Seitenaltäre

Die beiden Seitenaltäre wurden erst bei der letzten Renovierung wieder aufgestellt. Es handelt sich um spätbarocke Retabeln mit zwei glatten Säulen unter dem verkröpftem Gebälk. Den Abschluss bilden die Auszüge mit Nische und Rundbogengiebel; sie werden von zwei Volutensprenggiebeln mit darauf sitzenden Engeln gestützt.
Die Seitenaltäre entsprechen im Stil und der Farbgebung dem Choraltar. Die Stipes, der Altarblock, ist neu gemauert und verputzt.



Linker Seitenaltar

 

Mittelpunkt des linken Seitenaltars ist eine Pietà aus der Zeit um 1500.  Die trauernde Muttergottes hält ihren toten Sohn Jesus nach der Kreuzabnahme auf dem Schoß. Darüber schweben zwei Englein mit Gewölk.
Die starke Schrägstellung der Figurengruppe passt nicht ideal zum Seitenaltar; sie dürfte erst später hier aufgestellt worden sein. ...mehr zu Pietà -Darstellungen im Landkreis...

Im Auszug eine Figur des hl. Martin im Bischofsornat mit Buch und Gans. Der Bischofsstab wurde ihm erst bei der letzten Renovierung wieder in die Hand gegeben. 1982 fehlte er noch.


Hinweis: Martin begegnete als Soldat hoch zu Ross am Stadttor von Amiens einem frierenden Bettler. Ihm schenkte er die mit dem Schwert geteilte Hälfte seines Mantels; in der folgenden Nacht erschien ihm dann Christus mit dem Mantelstück bekleidet: er war es, der Martin als Bettler prüfte. St.Martin wurde gegen seinen Willen 371 auf Drängen des Volkes Bischof von Tours. Die Legende berichtet, er habe sich in einem Stall versteckt, um der Wahl zu entgehen, doch hätten ihn die Gänse durch ihr Schnattern verraten. Das Buch bezeichnet St.Martin als Verkünder des Evangeliums.


Rechter Seitenaltar
 

Auf dem rechten Seitenaltar eine 88 cm hohe Figur des hl. Leonhard (1740), die dem Bartholomäus Schuhpaur aus Dachau zugeschrieben wird, umgeben von sieben Putten. In den Händen hält eine Kette, das typischen Attribut, das ihn als Patron der Gefangenen ausweist. Zu seinen Füßen die Mitra als Zeichen für die Abtswürde.
Im Aufsatz des rechten Seitenaltars steht eine gotische Madonnenfigur aus dem 15.Jh.
Bezold/Riel (Kunstdenkmale des Königreichs Bayern)
schätzen sie sogar noch älter ein: Sie stamme aus der zweiten Hälfte des 14.Jh und sei die älteste Heiligenfigur in den Kirchen des Dachauer Landes.

  Hinweis: Die Kopfbedeckung des Bischofs oder des Abts, die Mitra, ist seit dem 11.Jh Kopfbedeckung und Würdezeichen der Bischöfe, Päpste, Kardinäle und Äbte. Zunächst war sie halbkugelige oder dreieckige Haube mit zwei hinten herabhängenden Zierbändern, den Infulae (lat. = Binde, altes röm. Symbol für Obrigkeit). Bald schon bekam sie hornförmige Ausbuchtungen, die zunächst seitlich abstanden, dann aber über Stirn und Nacken verschoben wurden. Sie nahmen dabei die Form eines Dreiecks an, wurden bald immer höher und schildförmiger.
Leonhard (einer der 14 Nothelfer) lebte um das Jahr 500 als Einsiedler und später als Abt in Frankreich. Regelmäßig besuchte er die Gefangenen und erreichte für viele beim König Clodwig I. ihre Freilassung. Deshalb galt er ursprünglich als Schutzpatron derer, "die in Ketten liegen", also der Gefangenen - und der Geisteskranken, die man bis ins 18. Jahrhundert ankettete; nach der Reformation wurde er Schutzpatron der Haustiere, weil man die Ketten, mit denen er abgebildet wurde, als Viehketten deutete.  

An den Seitenaltären lehnen Bildständer aus der Zeit um 1850. Es handelt sich um Gürtlerarbeit, versilbert, in Holzrahmung mit handkolorierten Stahlstichen.
Der linke zeigt im Hauptbild den hl. Laurentius mit dem Rost und der Märtyrerpalme, oben im Medaillon die hl. Barbara.
Text: "S. Laurentius / Ignem me examinasti, et non est inventa in me / inquitas Psalm".
Der rechte Bildständer zeigt den hl. Stephanus mit Steinen und Märtyrerpalme, sowie oben eine
hl. Prinzessin mit Kelch und Herzwunde.
Text: Lapidabant in vocantem, et dicentem Domine Jesus, / suscipe spiritum meum Act. C. 7 V. 48."

Votivkerzen

Neben den beiden Seitenaltären sind prächtige, über 1,40 Meter hohe Votivkerzen aus dem Jahr 1939 in schmiedeeisernen Halterungen aufgestellt. Auf ihnen sind neben gotisierenden Verzierungen Heiligenbilder (St.Maria und St. Josef) zu sehen.

Kanzel

Die 1720 gebaute Kanzel besteht aus einem fünfeckigen Korpus; in die Füllungen der drei Hauptseiten sind Heiligenbilder gemalt. An der Kanzeltüre, die von der Sakristei aus erreichbar ist, wird Jesus als der gute Hirte dargestellt; ein beliebtes Kanzelbild der Barockzeit. Auf der Rückseite der Türe die Signatur "Neu gefast Anno 1749. Fr:M:". Die Türbeschläge stammen noch aus dem 18.Jh. Der Schalldeckel ist in Form eines Baldachins gestaltet; an seiner Unterseite ist eine Taube als Sinnbild für den Heiligen Geist, den Helfer der Prediger, zu sehen.
  Hinweis: Der Hl.Geist wird seit dem Konzil von Nicäa (325) als Taube gezeigt. Papst Benedikt XIV verbot 1745 die Darstellung der dritten göttlichen Person in Menschengestalt. Die Predigt wurde in altchristlicher Zeit -ähnlich wie heute- von einem Ambo aus gehalten.
  Ab dem 13. Jh. hat man Kanzeln gebaut, die zumeist seitlich im Mittelschiff ihren Platz haben, dort, wo die Gemeinde versammelt ist. Von hier aus konnten die Prediger auch von oben herab sprechen, was ihren Worten größere Wirkung verleihen sollte. Spätestens seit dem 2.Vatikanischen Konzil 1962 werden sie nicht mehr benutzt.
Die Bilder am Kanzelkorb zeigen drei Prediger: die Heiligen Franziskus von Assisi , Antonius von Padua und Adalbertus. St.Franziskus predigt den Vögeln, Albertus den Rindern und Antonius den Fischen.

Die Legende erzählt, dass Franziskus mit seinen Brüdern an Schar Vögel vorbei kam und sie ansprach: "Meine Brüder Vögel, wie müsst ihr eueren Schöpfer loben, der euch Federn als Gewand, Flügel zum Fliegen und alles gegeben hat, was ihr zum Leben braucht. Sogar in der Luft könnt ihr fliegen." Da fingen die Vögel an zu jubeln.

Der hl. Adalbert predigte einst aufmerksam zuhörenden Rindern, und erbat von Gott, auf einem Berge stehend, fruchtbaren Regen für das dürre Land.
Das Bild von Antonius nimmt Bezug auf eine Legende, nach der ihn die Einwohner von Rimini nicht predigen hören wollten. Da versammelten sich die Fische und streckten ihre Köpfe aus dem Wasser; dieses Wunder habe fast die ganze Bevölkerung der Stadt bekehrt. Antonius war Franziskanermönch. Als solcher ist er auf dem Bild -wie auch Franziskus- in der braunen Kutte dieses Ordens dargestellt. Die Farbe Braun steht in der Tradition für Demut und Bescheidenheit.

KirchenbankwangenApostelleuchterKreuzwegbilderKreuzwegbilderDie FirmungDie FirmungDie FirmungDie FirmungDie FirmungDie TaufeS.Mauritius - Die Firmung Kreuzwegbilder Taufstein OpferstockOrgelKanzelSt.MichaelApostelleuchterFresko Auge GottesDeckengemälde Laurentius heilt KrankeKirchenbankwangenSt.Nepomuk Details (Taufstein, Kreuzweg, Prozessionslaternen, Opferstock, Orgel
7 Emporenbilder, Kanzel) per Mouseklick
Kanzelkreuz

An der rechten Seitenwand hängt das von einem roten Stoffbaldachin mit gelben Fransen umgebene Kanzelkreuz. Nach der unter dem Kreuz angebrachten Schriftkartusche wurde es im Jahr 1681 von Benno Ligsalz, einem Churfürstlichem Oberreiter aus Schwabhausen, gestiftet.
In der Kartusche ist auch das Wappen der Ligsalz mit den nach links oben weisenden Pfeilen zu sehen. Bei einer der letzten Renovierungen wurde aus der Jahreszahl 1681 irrtümlich ein 1631.
  Info: Das Kreuz heißt Kanzelkreuz, weil es in der Regel der Kanzel gegenüber an der Wand angebracht ist. Es erinnert den Prediger an den 1.Korintherbrief (1,3), in dem der hl.Paulus schreibt: "Wir predigen Christus als den Gekreuzigten". Die Ansprache soll nicht weltliche Dinge, sondern den Tod und die Auferstehung Christi zum Inhalt haben.


Apostelleuchter und Kreuzwegstationen
An den Wänden hängen 12 schmiedeeiserne Kerzenleuchter aus dem 20.Jh (Apostelleuchter). Sie erinnern an das in der Apokalypse (21,14) beschriebene himmlische Jerusalem, dessen Mauern auf zwölf Grundsteinen mit den Namen der zwölf Apostel errichtet sind. Die Kirche sieht sich als Vorläuferin des himmlische Jerusalems.
Die vierzehn im Jahr 1854 in Öl auf Leinwand gemalten Bilder der Kreuzwegstationen waren 1967 das Heilig Geist Spital in Freising verkauft worden. Durch großen persönlichen Einsatz des Kirchenpflegers Bassing konnten sie 1997 wieder in die Kirche zurückgeholt werden- ohne Kosten für die Kirchenstiftung. Die Originalrahmen waren in Freising verloren gegangen. Aus alten, gefundenen Teilen rekonstruierte Bassing die Originalrahmen und ließ sie in der Restaurierungswerkstatt Hornsteiner in Dorfen in weißer Lackierung mit Blattgoldauflage nacharbeiten. Auf der Rückseite der IV. Station sind die Spender der Rahmen-Restaurierungskosten von 10.000 Euro genannt.

Vor 1997 hingen in der Kirche ovale Kreuzwegstationen, die Mitte des 20.Jh mit Ölfarbe auf Holzuntergrund gemalt worden waren. Sie waren von einem Rahmen aus getriebenem und versilbertem Messing- oder Kupferrahmen mit Muscheldekor umgeben. Der Maler ist nicht genannt; sie könnten aber nach Stil und verwendetem Material von Michael Weingartner (1917-1996) aus Pfaffenhofen an der Ilm gestammt haben.





Kirchenbänke
21 Bankreihen (12 links, 9 rechts) bieten den Besuchern Platz (weitere sieben Stuhlreihen stehen auf der tiefen Empore). Die Wangen der Kirchenbänke stammen aus dem Jahr 1810. Sie sind mit Dekor im Stil des Spätklassizismus verziert. Ähnliche Muster (Blüte und waagrechte Kette) finden Sie in den Kirchen von Mitterndorf und Welshofen.

Wenn Sie sich für die Wangenmuster in den übrigen Kirchen des Landkreises Dachau interessieren, klicken Sie hier...
Die Lehnen der Kirchenbänke sind mit vielen Brandflecken übersät. Die Kirchenbänke haben viele kleine Brandstellen, die von den früher als Beleuchtung verwendeten Wachsstöcken herrühren. Es gehörte zur Tradition, dass jede Bäuerin ihren eigenen Wachsstock in der Sonntagsmesse vor sich auf der Kirchenbank brennen hatte. Dazu diente der einfache "Wachsrodel", der ohne Halterung aufgestellt werden konnte. Die Wachsstöcke wurden aus einem dünnen weichen Wachsstrang (Kerzenschnur) gefertigt, der nacheinander um Leghölzer gewickelt wurde, bis der Wachsstock die gewünschte Stärke erhielt. Ein Viering mit einem Gewicht von einem viertel Pfund brannte 24 Stunden. Erst Ende des 19.Jh wurden die Wachsstöcke durch die Kerzen abgelöst.


In der Kirche befinden sich noch zwei schöne Vortragekreuze.

Das Kleinere (Bild links) aus dem 19.Jh hat eine runde Tragestange, einen birnenförmigen Nodus und ein Kreuz mit dreipassförmigen Kreuzbalkenenden. Auf dem Kreuz ist ein aus Holz geschnitzter Korpus befestigt
Das größere Vortragekreuz (Bild rechts) beeindruckt vor allem durch den sehr natürlich gefassten Korpus.
  Hinweis: Vortragekreuze werden beim Kirchenein- und Auszug, Prozessionen, Wallfahrten sowie bei Beerdigungen vorangetragen. Dies geht zurück auf das Jesuswort "Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach". Bei Gebetsprozessionen (Bittgängen, Kreuzweg) wird der Corpus des Kreuzes zu den nachgehenden betenden Menschen gedreht, damit sie den Gekreuzigten vor Augen haben. Bei anderen Prozessionen, z.B. an Fronleichnam und beim Ein- und Auszug zeigt der Corpus in die Gehrichtung, d.h., er weist ihnen den Weg. Die ältesten Vortragekreuze stammen schon aus dem 6.Jh.


Nepomukfigur


 

 

 

In der Nähe des Eingangs steht eine Figur des hl.Johannes Nepomuk auf einer Konsole. Bekleidet ist er mit Rochett und Mozetta. Die Mozetta, das mit einer Knopfreihe vorn geschlossene Schultertuch ist dem höheren Klerus vorbehalten. Das Wort kommt vom italienischen "abgeschnitten". Rochett (it.Rock) bezeichnet ein mit Stickereien verziertes weißes Hemd, das über dem schwarzen Talar getragen wird.
Um das mit einem Birett bedeckten Haupt des Heiligen rankt sich ein Kreis von Sternen. In der linken Hand hält er den Märtyrerpalmzweig. Das sonst für Nepomukdarstellungen übliche Kruzifix fehlt. Möglicherweise hatte die Figur früher ein solches Kreuz in der rechten Hand. Die Figur stammt aus der Mitte des 18.Jh.
Hinweis: Johannes aus Pomuk, "ne Pomuk", war Ende des 14.Jh Generalvikar des Erzbischofs in Prag und machte sich wegen seines energischen Auftretens für die Rechte der Kirche beim König Wenzel unbeliebt. Der ließ ihn am 20. März 1393 gefangen nehmen, foltern, brannte ihn selbst mit Pechfackeln, ließ ihn durch die Straßen schleifen und schließlich in der Moldau ertränken. Die Legende berichtet, der eigentliche Grund sei gewesen, dass Johannes, der Beichtvater der Königin war, dem König keine Auskunft über die Sünden seiner Frau gab. Der Fundort der Leiche wurde durch eine Erscheinung von 5 Sternen geoffenbart. Sein Denkmal auf der Prager Karlsbrücke, das 1693 errichtet wurde, machte ihn zu einem der wichtigsten Brückenheiligen. Johannes wurde 1729 von Papst Benedikt XIII. heilig gesprochen und war deshalb während der Barock- und Rokokozeit als damals moderner Heiliger häufig abgebildet worden.


Prozessionslaternen und Opferstock

An den vorderen Bänken im Schiff sind schöne Prozessionslaternen aus dem 19.Jh. in barockem Stil befestigt.   An einer der hinteren Kirchenbänke steht ein schöner alter Opferstock (ein Holzpflock) mit 2 Schlossgurten. Er soll aus dem 18.Jh stammen.
In den Kirchen des Landkreises Dachau gibt es viele unterschiedliche, außerordentlich interessante Opferstöcke.
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Empore

Auf der tiefen Empore stehen 7 Bankreihen. In der Emporenbrüstung sind auf sieben Ölbildern die 7 Sakramente dargestellt Diese Bilder wurden ebenfalls von Franz Mayr (aber schon 1730) gemalt, der auch die Deckengemälde geschaffen hat.
Von links nach rechts:
Die Taufe
- S.Gamelbertus -
Pfarrer zu Michelsberg
"Jesus kamm zu Johannes, daß er von ihm getauft wurde Math:8 "
- Die Firmung
- S.Mauritius -
Pfarrer, hernach Bischof zu Undegau
"Sie werden gezeichnet mit dem Zeichen des Kreuzes und gestärkt mit der Salbe des Heils
ex trad: car: "

Der Fronleichnam
- S.Burghardus -
"Pfarrer zu Weinweil
Nehmet hin, das ist mein Leib und Blut das für euch gegeben wird.   Math: 26: "

Die Buße
- S.Johannes Sarcander -
Pfarrer zu Hossenshoffen
"Dir will ich geben die Schlüßel des Himmels. Was du binden wirst auf Erden, soll gebunden sein im Himmel. Math:16:
"
Die letzte Oelung
- S.Florinus -
Pfarrer zu Hermus
"Sie sollen beten über ihm, und besalben mit dem Oel des Heils im Nammen des Herrn. Jakob: 5:"
Die Priesterweihe
- S.Tosso -
Pfarrer hernach Bischof zu Augsburg - "Nehmet hin den hl.Geist, welchen ihr die Sünden   vergeben werdet, sollen sie vergeben sein.  Joan: 20:"
Die Ehe
- S.Wolsoldus -
Pfarrer zu Hochenwarth
"Was nun Gott zusammen gefügt hat, soll der Mensch nicht trennen.  Math:19:
"
 

Hinweise: Warum hier an der Emporenbrüstung diese seltenen Heiligen abgebildet sind ist mir nicht bekannt. Auch nicht, welchen Bezug sie zu den jeweiligen Sakramenten haben.
Der selige Gamelbertus, dessen Fest am 17.Januar gefeiert wird, lebte Anfang des 8.Jh. Sein Vater wollte den jungen Adligen für den Kriegsdienst erziehen lassen. Aber Gamelbertus entschloss sich, als Hirte auf dem väterlichen Gut zu dienen, wurde Priester und betreute nach dem Tode des Vaters als Pfarrer 50 Jahre lang die ihm als Erbe zufallende Kirche von Buch. Der Ort bei Deggendorf wird heute nach ihm Michaelsbuch (in Rumeltshausen Michelsberg) genannt. Noch in hohem Alter unternahm er eine Wallfahrt nach Rom. Von der Ewigen Stadt zurückgekehrt, gründete er mit seinem Besitz in Michaelsbuch das Kloster Metten. Die Leitung dieser Abtei übertrug er an Utto, der sein Patenkind war. Dieser Utto war wahrscheinlich Mönch auf der Reichenau, wo er auch in dessen Verbrüderungsbuch steht. Dargestellt wird G. in der Kunst als Weltpriester oder Pilger mit Vögeln. Der Kult für Gamelbertus wurde erst 1909 durch Papst Pius X. öffentlich gestattet.
Das Lexikon für Theologie und Kirche enthält einen Eintrag über S. Burghardus, Pfarrer von Beinwil in der Schweiz, (in Rumeltshausen Weinweil genannt)der am 18.5.1192 gestorben sein soll. Er wird als Priester mit Eucharistie oder einem Vogel dargestellt.
Der selige Johann Sarcander wirkte in Mähren. Er wurde am 20.Dez.1576 in Skotschau bei Teschen geboren, studierte in Olmütz, Prag und Graz Theologie. Er wurde zunächst aber kein Priester, sondern heiratete 1606. Nach dem frühen Tod seiner Frau schon ein Jahr später wandte er sich wieder dem geistl.Beruf zu, wurde 1609 zum Priester geweiht und wirkte "in eifrigem aber unstetem Einsatz" für die Gegenreformation in Mähren. 1616 wurde er Pfarrer in Holleschau ( in Rumeltshausen Hossenshoffen genannt) und war mit dem kath.Landeshauptmann Lobkowitz befreundet. 1620 wurde er während der Revolution der Stände gegen Kaiser Ferdinand (begonnen mit dem Prager Fenstersturz 1618) vor ein Gericht der Aufständischen gestellt, gefoltert, und - weil er seine politischen Freunde nicht verraten hat- hingerichtet. 1860 wurde er selig gesprochen. Eine Figur des Heiligen steht auch in der Kirche St.Johannes in Bergkirchen.
Der heilige Florinus war im 7.Jh. Pfarrer in Hermus. Sein Fest wird am 17.November begangen. Er ist zweiter Patron der Diözese Chur und Schutzheiliger der Unterengandins und des Vintschgaus.
Der hl.Tosso war um das Jahr 772 Bischof von Augsburg (Gedenktag 16.Jan). Nach -allerdings unzuverlässigen- Berichten soll er zunächst Mönch im Kloster Murbach gewesen sein und später an der Kapelle in Waltenhofen bei Füssen als Seelsorger gewirkt haben. Dann wurde er auf Empfehlung des hl.Magnus zum Bischof von Augsburg erhoben. Sein Grab befindet sich nach der Überlieferung in der Kirche St.Afra in Augsburg.

Orgel

Die 1919 von Behler & Waldenmaier aus München erbaute Orgel ist nicht quer, sondern längs zum Kirchenschiff aufgebaut (an die Südwand gerückt).
Sie besitzt ein Manual mit sechs Registern. Der dreiteilige Prospekt ist in neubarockem Stil gehalten. Es handelt sich um eine Kegelladen-Orgel mit pneumatischer Traktur bei freistehendem Spieltisch. Der dreiteilige Prospekt ist im neubarocken Stil gehalten.

Disposition der Orgel (nach Brenninger - Stand 1975-):
Manual (C-f''''): Principal 8', Salicional 8', Gedeckt 8', Trompete 4', Soloflöte 2' (Traversflöte 4' +Superoctav 2)
Pedal: (C-d'):   Subbaß 16'
Koppeln:          Ok I, I-P

Hinweis: Mit ihren vielen Pfeifen, die über ein Gebläse zum Klingen gebracht werden, steht die Orgel meist im rückwärtigen Bereich der Kirche auf der Empore. Sie hielt erst allmählich Einzug in die Kirche, weil sie bis in das 11. Jahrhundert als profanes (weltliches) Instrument galt, das für das höfische Zeremoniell verwendet wurde. Erst ab dem 13. Jh wurde es zur Regel, in allen bedeutenden Kirchen Orgeln zu errichten. Heute gehört eine Orgel zur Ausstattung fast jeder Kirche. Mit ihrer Klangvielfalt und Klangfülle trägt sie zur Verschönerung des Gottesdienstes bei. Der Orgelprospekt, die Schauseite der Orgel, wurde früher meist durch Künstler gestaltet. Im Barock und im Klassizismus, deren Epochen unsere ältesten Orgeln im Landkreis Dachau angehören, wurde der Prospekt mit reicher Ornamentik verziert. Heute setzt sich immer mehr der "offene" Orgelprospekt durch, der allein durch die harmonische Anordnung der Pfeifen wirkt.



Taufstein


In der Nähe des Eingangs steht ein Taufstein mit einer schön modellierten Täufergruppe auf dem Deckel. In einer Muschel steht Johannes der Täufer mit den Kreuzstab in der Hand und tauft den vor ihm knienden Jesus, der seine Arme über der Brust verschränkt. Der Taufstein war 1939 in die Pfarrkirche von Schwabhausen gebracht worden und sollte dort verbleiben, bis Rumeltshausen wieder selbstständig wird und den Taufstein selbst wieder braucht, heißt es in einer Vereinbarung der Kirchenverwaltungen von Rumeltshausen und Schwabhausen. Doch 1988, nach 50 Jahren, hat man für Schwabhausen eine Nachbildung des Kunstwerks in Auftrag gegeben und das Original wieder nach Rumeltshausen zurückgebracht.
  Hinweis: Die Darstellung der Taufe Jesu am Taufort in der Kirche als Vorbild für das Taufsakrament war vom Konzil von Trient (1545 bis 1563)vorgeschrieben.

 

Krippe

In der Weihnachtszeit wird am linken Seitenaltar von der Fam.Patzelt
eine Krippe aufgebaut.

 

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Auf dem Hochaltar steht an Weihnachten unter einem Glassturz ein Christkind aus Wachs, in weißem Gewand, mit goldfarbenen Ketten versehen. Auf dem Haupt trägt es eine Krone, in der Hand hält es einen Reichsapfel, das Zeichen für die Herrschaft über die Welt. .

 

Monstranz
Nicht in der Kirche aufbewahrt wird eine 55 cm große Monstranz. Sie wird nur noch selten, nur an besonders großen Festen bei Umzügen verwendet. Die Monstranz wurde um 1720 in Augsburg gefertigt, das damals als das Mekka der Goldschmiedekunst galt. Sie besteht aus Silber, ist vergoldet, ziseliert und punziert: "LB". Die Monstranz besitzt einen vierpaßförmigen Fuß. Auf der Schauseite sind Leidenswerkzeuge, gegossene Figürchen, eine Schmerzhafte Muttergottes oder Gottvater aufmontiert (siehe rechts). Das herzförmige Schaugefäß, das Zentrum der Monstranz, ist mit farbigen Steinen besetzt.


Unterirdischer Gang

Vor dem rechten Seitenaltar soll ein geheimer unterirdischer Gang von außen enden. Jedenfalls meldete der Amperbote am 8. November 1936, dass 5 Tage zuvor dort mehrere Steine des Fußbodens eingesunken seien. Beinahe wäre der Mesner in das Loch gefallen. Die gefährliche Stelle habe man einstweilen mit Brettern abgedeckt. An der gleichen Stelle sei in früheren Jahren ein Gang nach außen entdeckt und zugemauert worden.

Hans Schertl

Quellen:
Dr.Martin v. Deutinger, Die älteren Matrikeln des Bistums Freysing, 1849/50
Mayer-Westermayer, Statistische Beschreibung des Erzbisthums München-Freising, 1880
Bezold/Riel, Kunstdenkmale des Königreichs Bayern, 1893
Theodor Bitterauf, Die Traditionen des Hochstifts Freising, 1909 (Nr.791, 1044, 1067, 1167)
Amperbote vom 08.11.1936 (geheimer Gang)
Max Gruber, Stuck im Dachauer Land, Amperland 1966/1
Heimatbuch des Landkreises und der Stadt Dachau, 1971
Georg Brenninger, Orgeln und Orgelbauer im Landkreis Dachau, Amperland 1975/3
Süddeutsche Zeitung, Beilage Landkreis Dachau, 20.4.1979 (Römerzeit)
Max Gruber, Für Dachau tätige Architekten und Maurermeister, Amperland 1982/3
Jakob Mois,Konsekrationsbuch des Fürstbischofs Eckher, 1982 (Altarweihe 1722)
>Max Gruber, Im Amperland tätige Zimmermeister, Amperland 1986/4
Anton Landersdorfer, Das Bistum Freising in der bayerischen Visitation des Jahres 1560, 1986
Putz/Niederle, Kirchen und Kapellen im Gemeindebereich Schwabhausen, 1988
Josef Bogner, Dorfkirchtürme im Amperkreis, Amperland 1989/1
Georg Dehio, Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Bayern IV: München und Oberbayern, 1990
Gottfried Weber, Die Romanik in Oberbayern, 1990
Bauer/Rupprecht, Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland, 1996
Robert Böck, Kirchenrechnungen Landgericht Dachau, 1996 (Bittgänge)
Lexikon für Theologie und Kirche, (LThK), 2001 (Emporenbrüstung)
Kirchenpfleger Bassing, 2002
Merkur-online.de/regionen/dachau/ v. 7.8.2003
Georg Brenninger, Die Glocken der Kirchen im Dekanat Dachau, Amperland 2005/1
Schwabhausen, Chronik eines Dorfes - Von der Poststation zur Großgemeinde, 2005
Karl Grüner, "Unten bauchig, oben spitz", Münchner Kirchenzeitung, v. 25.9.2005 und vom 2.10.2005
Münchner Kirchenzeitung v. 30.10.2005
Eckart Bieger, Das Bilderlexikon der christlichen Symbole, 2011
(Tabernakelengel)
88 Bilder: Hans Schertl

Kirchen und Kapellen im Landkreis Dachau - ein virtuelles Guckloch durch die verschlossene Kirchentür

31.12.2011



Bericht über die Visitation im Jahr 1560
- in heutigem Deutsch -
[in eckigen Klammern Originaltext-Auszüge] /font>

Pfarrer: Pfarrer ist Wolfgang Khalteneckher. Er wurde in "Biburg bey Fürstenfeld" geboren, hat in "Trivialschulen" studiert und wurde in Freising zum Priester geweiht. Die erste Zeit war er beim Dekan in Sulzemoos (wohl als Cooperator) tätig, danach 9 Jahre lang Pfarrer und Vicar in Freising. Hierher nach Rumeltshausen wurde er vom Kloster Scheyern, dem Inhaber des Präsentationsrechts, berufen. Er braucht für die Pfarrei keine Abgaben zu entrichten. Khalteneckher predigt an den Feiertagen aus katholischen Büchern, die er von "aim alten Priester erkaufft" hat. Einen Katechismus besitzt er nicht. In der Fastenzeit predigt er nachmittags. Zu Beginn der Predigt wird nach katholischem Brauch gebetet und gesungen. Die Überprüfung des theologischen Wissens ergab, dass der Pfarrer über die katholische Lehre gut Bescheid weiß.Er sagt zwar allgemein, dass er in der Messe das Volk ermahne, die katholischen Gebräuche zu ehren, kann aber konkret nicht sagen, welche Worte er dafür benutzt.Zu den Fragen über die Anrufung der Heiligen, über den Glauben und die Werke gibt er gute Antworten.Er kennt die 7 Sakramente und glaubt an sie. Über die Firmung hat er selten gepredigt. Vor vier Jahren habe im Kloster Indersdorf einmal eine Firmung stattgefunden; dabei seien auch etliche Kinder aus Rumeltshausen gefirmt worden. Die Beichte hört er in der Sakristei. Er selbst beichtet viermal im Jahr. Die letzte Ölung (Krankensalbung) empfiehlt er seinem Pfarrvolk zwar; doch die Gläubigen meinen, wenn sie sie nehmen, "missen sy sterben".

Originalbericht von 1560
die leeren Seitenhälften waren für Anmerkungen
des Bischofs oder Herzogs bestimmt
Über sein Privatleben gibt er an, er komme selten auf Hochzeiten. Er habe eine Köchin, aber kein Kind von ihr; sie erhalte jährlich ihren Lohn ausbezahlt. Der Kirchenpfleger erklärt, der "Pfarrer verricht den Gottsdienst auf die allt Religion mit allen Ceremonien und ist in der Leer (Lehre) nit argwenig".

Pfarrei
: Die Pfarrei hat 44 Gläubige ["Communicantes"], alle katholisch, über die er nur Gutes berichten könne. Sie besuchen den Gottesdienst fleißig und beichten zweimal im Jahr. Das Opfer und die Sammlungen ergeben natürlich nur geringe Summen. In der Pfarrei gab es noch nie einen Cooperator. Der Pfarrer ist sehr arm. Er hat schließlich eine sehr kleine Pfarrei und ein schlechtes Einkommen. Seine Ernte ist heuer vom Hagelschlag zerstört worden. Er kann sich nur mit Mühe behelfen. Auch die Einnahmen aus den kirchlichen Verrichtungen sind bei so wenigen Gläubigen gering: "Sterb offt in zwei Jarn niemandt", notiert der Visitator. Das Einkommen der Pfarrei in Getreide und anderen Abgaben beträgt rd. 10 Gulden. Der Vogt des Klosters Scheyern, der bayerische Herzog, erhält für seine Dienste zwei Schäffel und einen Metzen Korn und 2 Pfund Pfennig Jägergeld. Der Pfarrhof in Rumeltshausen ist "wolerpaut".

Kirche: In der Kirche stehen 3 Altäre. Daneben befinden sich auch ein Sakramentshaus mit Beleuchtung, ein hölzerner Taufstein ["hiltzin Taufstockh), Bilder und Glocken. Das Allerheiligste und die heiligen Öle werden rein aufbewahrt. Das Taufwasser befindet sich in einem Krug ["Baptismus ist in aim Kruegl"]. Auch ein Friedhof ist vorhanden. In der Sakristei befinden sich zwei Kelche mit Corporale, eine Monstranz aus Messing, 2 Fahnen, 2 Messbücher, ein zerrissenes Gesangbuch, ein Liturgiebuch. und drei Messgewänder. Der Bericht schließt mit den Worten: "An der Khirch und Khirchmauer ist Mangel, sonst an anderen Dingen nit".

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